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II. Deutsche Sprache.
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Kitzel über alle Regeln und Vorschriften hinaus
seht; wenn man auf der andern Seite Sprache und
Ausdruck"zu arm findet, und, unter dem Vorwande,
die Sprache zu bereichern, auö fremden Sprachen
und Mundarten borgt, alltägliches Geschwätz, dunk¬
le Vorstellungen, mit unter auch wohl Unsinn, zur
Schau auszulegen, wenn der Geschmack so weit ver¬
fällt, daß die Musen nicht mehr erröthen, die Spra¬
che des Pöbels zu reden, wenn das alles, sageich,
allgemeiner Geschmack wird, dann ist der Verfall
der Sprache da. Gerade das waren die Mittel,
welche der schönen Griechischen und Römischen Lit¬
teratur den Untergang brachten, und ihnen wird
auch einmahl die Deutsche ihren Verfall verdanken.
Zwar fehlt es in unsern Tagen nicht an Halbgelehr¬
ren Neulingen aller Art, welche alle diese und noch
mehr ähnliche Mittel anwenden, die Herostrate ih¬
rer Muttersprache zu werden; allein noch hat der
gute Geschmack zu viele und zu mächtige Freunde,
als daß etwas anders als Verachtung der iohn sol¬
cher Bemühungen seyn könnte.
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Hl. Deut-