KARLv. LUMM KARL HELFFERICH ^ --V ALS ■ WÄHRUNGSPOLITIKER UND GELEHRTER Verlag von C. L. Hirschfeld / Leipzig , ' • 1926 Das fyen>orragon C. £. tyrfdjfeib 31t Eeipsig tieröffeittlidjteu 6. Auflage feines eiujig baftel|cuben IDerFes „Das (Selb" 3ttr red;tett Seit bem btutfdjen DolFe einen beufbar großen Dienft ermiefeu. Sdion wenige tDodien nadj (Hrfdjeiueu bts Budjes erroeifen fid; bie E}elfferid>fdjen prop!;e3eiungeu com becorftetjeubeu Ruin ber lDäl|ruug unb IDirtfdjaft leiber als oöllig rid;tig, n>eim er cor ber Befolgung ber ^H^eyloljtipoIitiF warnte." 2lus Befpredning in „Drcsbner iTadjridjten". „(Ein 3itfammeufaffenbes IDerF über bas (Selb bebarf 3U feiner Hedjtfertigtui^ faum eines (Beleitmortes. Die (EntruicFIiiug bes (Selbwefens waln-eub ber legten 3 a f? re l) at e i" e Heit;e neuer Probleme in (Srfdjeinung treten Iaffen, bie für bie ZlUgemeiutieit non größtem 3ntereffe finb. IDeitn aus fo berufener ^eber ein IDerF über bas (Selb vorliegt, fo fdnn jeber, bem biefer ;Jragenfomplej nudjttg erfdjeiut — unb wer gehört in biefer §eit itidjt bagu — unbefetieit 31t bem r)elfferid)fcbeu IDerFe greifen." (2lus Befpredjung in „Deutfcfje 2lrbeitgeber3ettung".) „Damit wirb Ejelfferidjs Sud; über bas (Selb in ber beutfdieu (Segeuwart, wo bie (Selbfrage im Dorbergrunb bes 3 ll * eve ff e - f te M/ f» r jeben, ber ernftlid; über biefe ^rage mitrebeu will, 3iir unerläßlichen Dorausfetjung. Diele projefte, bie als eingicj watjrc Söfuiig ber bexitfcfjeit (Selb= frage getuadjt werben, mürben unterbleiben, u>euu tn.re firfinber ein gutes Bild; über bas (Selb gelefen b,ätten. Die Heuanflage Fommt beim uod? gerabe 3111' rediteu Seit." (Jlus Befpredjung in „£fanbels3eitung bes Seipjtger Sägeblattes".) C. L. Hirschfeld / Verlagsbuchhandlung / Leipzig Dr. Karl Helfferich Verfasser des Werkes „Die Reform des deutschen Geldwesens nach der Gründung des Reiches". 1898. KARL HELFFERICH ALS WÄHRUNGSPOLITIKER UND GELEHRTER Erinnerungen von Karl von Lumm „Niclit Dulden und Leiden, sondern Wollen und Handeln ist das Element aller lebendig, ' Kräfte in Mensch und Volk" Helff erich Mit einem Verzeichnis sämtlicher Werke und Schriften von Karl HelHerich und zwei Abbildungen VERLAG VON C. L. HIRSCHFELD LEIPZIG 1926 Vorwort. Auf der Höhe feines Schaffens wurde uns Karl Helfferich am 23. April 1924 durch ein tragifches Gefchick für immer entriffen. Er vor allen gehörte zu den wenigen großen Führern beim Wiederaufbau unferes wirtfchaftlichen und politifchen Lebens. Die überragende Bedeutung diefes Mannes wird fchon jetjt in immer weiteren Kreifen an= erkannt. Sie wird aber in wachfendem Maße weit über feinen Tod hinaus gewürdigt werden, denn fein Vorbild ift wie kein anderes geeignet, erhebend, mahnend und erzieherifch zu wirken. Der Ausgangspunkt und die Grundlage für das Lebens= werk Helfferichs war das Gebiet des Geld= und Bankwefens. Hier fühlte er fleh ganz zu Haufe; es war fein Lieblingsfach, das ihm wie kein anderes ans Herz gewadifen war, und in ihm ift er auch viel länger tätig gewesen wie in allen fonft von ihm ausgeübten Berufen. Hier beftand er feine erften Kämpfe, aber hier errang er auch feine erflen weit= reichenden Erfolge, und fafl alle feine Werke und Schriften von bleibendem wiffenfehaftlichen Wert befchäfHgen (ich mit diefem Zweige des Wirtfchaftslebens *). Seine theo= retifchen Kenntniffe und Währungspolitifchen Erfahrungen fanden ihre Ergänzung durch feine fpätere fiebenjährige praktifche Tätigkeit als Direktor der Deutfchen Bank. Was er als Währungspolitiker und Gelehrter ge= leiftet hat, fällt zum größten Teil in die Zeit feines Berliner Aufenthalts vom Beginn des Jahres 1895 bis zu *) Vgl. das als Anlage 3 beigefügte Verzeichnis S. 155 ff. IH feinem Eintritt in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts im Oktober 1901. Selbft fein reifftes wiffenfchaftlidies Werk über „Das Geld" war damals fchon in der Haupt= fache fertiggeffcellt, wenn auch deffen Vollendung und Ver= öffentlichung erft fpäter erfolgen konnten. Diefe erfte Periode feines Wirkens bildet einen fafb gefchloffenen Ab= fchnitt, ihr Ende einen Wendepunkt in feinem Leben. Seitdem waren es andere große Aufgaben und Arbeiten, die feine Kraft vorwiegend in Änfpruch nahmen. Aber bei jeder (ich bietenden Gelegenheit, aus beruflichem Anlaß oder aus Liebe zur Sache hat er fleh immer wieder mit Fragen des Geldwefens befchäftigt und das Bild wäre nicht vollftändig, wenn es nicht auch diefe fpäteren Leitungen in fich fchlöffe, deren leijte und größte die deutfehe Wirt= fchaft vor dem Untergang bewahrte und eine neue Epoche wertbeftändigen Geldes einleitete. Schon in der erften Phafe feines Wirkens traten feine ungewöhnlichen Eigenfchaften deutlich hervor. Mit eiferner Willenskraft und glänzenden Gaben des Geiftes ausgeftattet, hat er fich gegen harte Widerftände aus eigener Kraft durchgefeilt. Seine Leitungen heben fich ab vom Hintergründe der Kämpfe um Währung und Reidis= bank. Dadurch, daß er feine Arbeiten flehen Jahre lang auf das Geld= und Bankwefen befchränkte, wurde er Meifter auf diefem engeren Gebiete nationalökonomifcher Forfchung und wirtfehaftspolitifcher Betätigung, fo daß er fchon im Alter von noch nicht dreißig Jahren in Fachkreifen hohes Anfehen genoß. Aber diefe Periode iffc auch des= halb von befonderem Intereffe, weil fich in ihr der Cha= rakter und die Perfönlichkeit Helfferichs zu großer Reife und Stärke entwickeln konnten. So bildet fie gleichzeitig eine wichtige Grundlage für die Geftaltung und die Beur= teilung feines fpäteren Lebensganges. Während diefer ganzen Zeit habe ich dem bedeutenden Manne befonders nahe geftanden. Diefe erfte Phafe feines Wirkens und feiner Entwicklung hat fich gleichfam unter meinen Augen vollzogen. Sie iffc noch heute lebendig in TV meiner Erinnerung, weil jene Jahre wie für Helfferidis Zukunft auch für mich infofern von entfcheidender Bedeutung waren, als ich im Jahre 1897 als Hilfsarbeiter in das Reichs= bankdirektorium berufen wurde, dem ich fpäter als Mitglied 18 Jahre lang angehörte. Dadurch blieb ich bis nadi der Beendigung des Krieges ftändig in enger Verbindung und regem Gedankenaustaufch mit Helfferich, fo daß meine perfönlichen Erinnerungen auch mit feiner fpäteren wäh= rungspolitifchen und wiffenfchaftlichen Wirkfamkeit ver= knüpft find. Helfferich hat fich als Währungspolitiker und Gelehrter unvergängliche Verdienfte erworben. Bei aller fonftigen Verfchiedenheit in der Beurteilung feiner Perfönlichkeit find fie am wenig ften umftritten, wenn man von feinem Anteil an der Stabilijierung unferer Währung abfieht. Daß gerade fein größtes Verdienft als folches immer noch nicht in feiner vollen Bedeutung allgemein anerkannt wird, ift eine Folge der Parteileidenfdiaft unferes Volkes, die fleh über die Grundfäije menfehlicher Gerechtigkeit und wiffen= fchaftlicher Objektivität hinwegfegt und den Blick für eine fachliche Beurteilung trübt. Eine auf Tatfachen geftütjte Unterfuchung aller in Betracht kommenden Vorgänge fchien mir daher geboten. ' So dürfte diefe Schrift auch außerhalb der engeren Fachkreife Intereffe erwecken. Die aufrichtige Bewunderung für die reiche Begabung Helfferidis wie die Freundfdiaft, die mich mit ihm bis zu feinem Tode verband, machen es für mich zu einer Herzensfache, fein Andenken auf diefem dem Laien weniger zugänglichen Gebiete feines Wirkens fortleben zu laffen. Planegg b. München, im Dezember 1925. Dr. Karl von Lumm. V Inhalt. Seite I. Biographifches, Vorbereitung und Arbeitsfeld ... 1 Biographifdies................ 1 Vorbereitung................ 7 Arbeitsfeld................. 14 II. Praktifches Wirken............... 20 1. Publiziftifche Tätigkeit in den Kämpfen um Währung und Reidisbank 1895-1901 .............. 20 Schriften gegen die bimetalliftifmen Beflrebungen . . 20 Schriften zur Privilegserneuerung der Reichsbank . . 30 Zeitungsartikel und Vorträge.......... 35 2. Spätere Währungspolitifche Leiftungen 1902—1922. ... 37 Konferenzen und Kongreffe........... 37 Währungsreform in den Kolonien........ 39 Deutfehes Geldwefen im Kriege......... 45 Geld- und Bankwefen im befetjten Belgien..... 49 HL Wiffenfchaftliche Betätigung........... 54 1. Werke und Schriften.............. 54 Die Folgen des deutfen. Zu diefem Zwecke hat er das Kapitel über die Geldverfaffung faft ganz umgearbeitet und es, foweit die Analyfe des Geldes in Betracht kommt, den Ergebniffen der Knappfdien Forfchung angepaßt. In der Hauptfache aber blieb Helfferich Gegner der Knappfdien Lehre. Die Äuffaffung Knopps geht dahin, das Geld fei lediglich ein Gefchöpf der Rechtsordnung, feine allgemeine und wefentlichfte Eigenfchaft fei die allen Geldarten ge= raeinfame Chartalität, das ift die verwaltungsrechtliche *) a. a. 0. Einleitung S. 3. 62 Anerkennung als Zahlungsmittel. Das Geld fei völlig un= abhängig von feinem Stoffe und Träger einer idealen, nur hiftorifch zu definierenden Werteinheit, die der Wert= meffer fei. Es habe nur „Geltung", aber keinen fidi wirt= fdiajtlidi beffcimmenden Wert. Für den inneren Verkehr feien die notalen Geldarten vollkommen genügend. Das daneben beibehaltene Gold habe feine Bedeutung nur noch darin, daß es — wenn feine valutarifche Stellung ge= fiebert fei — die Äufrechterhaltung fefter Kurfe zwifchen den valutarifdien Geldarten verfchiedener Länder erleichtere. Die äußerft fcharffinnig, deduktiv=begrifflich entwickelte Theorie fußt auf der Erkenntnis, daß Währungspolitik und Währungstheorie grundverfchiedene Dinge find. Knapp verzichtet darauf, aus feiner hypothetifchen Theorie irgend= welche Folgerungen für die Praxis zu ziehen, und er denkt nicht daran, etwa den Erfaij der Goldwährung durch eine Papierwährung zu empfehlen. Im Gegenteil hielt er die Beibehaltung der Goldwährung in Deutfcbland vor dem Kriege für das Gegebene und hat auch fpäter diefe Anficht nicht widerrufen. Er war zwar Gegner des Metallismus als folchen, ohne aber die Metallverwendung zu bekämpfen. Gleichwohl iffc von Anhängern der Knappfchen Theorie vielfach die zu weit gehende Folgerung gezogen worden, daß für die Praxis des inländifchen Zahlungsverkehrs eine reine Papierwährung allgemein das Richtige und Gegebene fei, im internationalen Geldverkehr aber zur Erhaltung des Geldparis die Barverfaffung aufrecht erhalten bleiben müffe. Während Knapp das Wefen des Geldes rein juriflifch zu erklären fuchte, unter Betonung feiner Anficht, daß eine Theorie des Geldes nur reditsgefchichtlich fein könne, ver= trat Helfferich den Standpunkt, daß eine Theorie des Geldes nicht nur juriflifch, fondern .auch volkswirtfchaftlich fein müffe. Er bezeichnete das Werk Knopps — foweit die Analyfe des ftaatlichen Geldwefens in Betracht komme — als einen entfeheidenden Fortfehritt in der Wiffenfchaft vom Gelde, aber feine eigene wiffenfehaftliche Einteilung zum Problem des Geldwertes wurde dadurch nicht berührt. 63 Er war nach wie vor der Meinung, daß das Geld feinem Wefen nach nicht eine Anweifung auf irgendwelche Wert= gegenftände, fondern daß es felbft ein Wertgegenftand fei, und er lehnte die Knappfche Auffaffung des Geldes als eines wertlofen Zeichens fcharf ab. Der Staat könne zwar die Zahlung skr aft einer Geldart für beftehende Schulden feftfetjen, nicht aber deren Kaufkraft gegenüber den Waren bei erft abzufchließenden Gefchäften. Als Anhänger des praktifchen Metallismus hielt er daran feft, daß die Ver= bindung des Geldwertes mit einem der Edelmetalle — in Deutfchland mit dem Golde — notwendig fei. Er erblickte in der Barverfaffung zugleich ein Mittel zur Regulierung des Geldwertes und eine größere Sicherheit zu feiner an= nähernden Stabilißerung. Ein lediglich als Gefchöpf der Rechtsordnung erfcheinendes Geld fei nur theoretifch möglich, es könne aber nicht mit genügender Sicherheit praktifch verwirklicht werden. Es entfprach durchaus dem auf das Praktifche gerich= teten Sinn Helfferichs, daß für ihn nur das Mögliche und Zweckmäßige beftimmend war. Wenn er auch mit Recht die Bedeutung des Knappfchen Buches für die Wiffenfchaft hoch einfchätjte und er ßdi teilweife die theoretifchen Schlußfolgerungen zu eigen machte, fo war es ihm doch wichtig, feftzuftellen, daß diefe Theorie nicht in die Wirk= lichkeit umgefe'tjt werden könne, ohne die Sicherheit des Geldwefens aufs Spiel zu fetjen. Denn was nutjt dem Währungspolitiker die beftdurchdachte und aufs fcharf= flnnigfte begründete Theorie, wenn ihre praktifche Ver= wirklidiung unter den gegebenen Verhältniffen gefahrvoll oder gar unmöglich erfcheint? Es konnte von ihm, dem praktifchen Metailiften, auch nicht wohl erwartet werden, daß er (ich mit einer Theorie befreundete, die eine Notal= verfaffung — wenn auch unter anderen Verhältniffen — für berechtigt und zuläffig erklärte. Der Nominalismus als klar ausgefprochene wiffenfchaftliche Theorie iffc mit der metalliflifchen Grundlehre unvereinbar. Und wenn Knapp in feinem Buche mitteilte, daß Helfferidis und Kalkmanns 64 Studien ihn zur „Staatlichen Theorie" geführt hätten*), fo weiß ich nicht, ob diefe Notiz bei Helfferich eine reine Freude ausgelöft hat. Die ftaatliche Theorie des Geldes hat die Vertreter der Wiffenfchaft in Deutfchland in zwei Lager gefpalten und eine bis heute nicht überbrückte Scheidung der Theoretiker in Nominaliften und Metalliften herbeigeführt. Ein Schüler und Anhänger der Theorie Knopps, Alfred Schmidt = Effen, hebt dies richtig hervor und weift darauf hin, daß diefer Streit über eins der wichtigften Gebiete der Nationalöko= nomie auf die Dauer verheerend wirken müffe. Der Laie wiffe nicht, in welches Lager er fich fchlagen folle, und der Praktiker fcheue fich, von dem theoretifchen Handwerkszeug Gebrauch zu machen, folange die Wiffenfchaft nicht mit fich felbft einigermaßen im reinen fei**). Der Streit wurde noch vertieft durch vielfach mißverftandene Auffaffungen der Knappfchen Lehre. Seiner Überzeugung, daß die Goldwährung in irgend= einer Form für alle großen Handelsvölker die einzig richtige und mögliche Geldverfaffung fei, ift Helfferich auch nach dem durch den Weltkrieg und feine Folgen verurfachten Währungsverfall treu geblieben. Gewiß ift die Lage heute eine ganz andere als vorher. Denn der Weltkrieg hat in faft allen an ihm beteiligten Ländern eine völlige Umwälzung in den Währungsverhältniffen herbeigeführt. Die Schwan= kungen des Geldwertes find überall gewachfen und das Gold befrfjt heute — wie es der fchwedifche Gelehrte Guftaf Caffel ausdrückt — „nicht mehr die Wertfeftigkeit, die die tieffte Grundlage feiner Stellung als Währungs= metall und Wertmeffer für die ganze Welt bildete". Von den verfchiedenften Seiten, namentlich in England, ift da= her zur Befeitigung der Schwankungen im Geldwert die Abkehr von der Goldwährung und der Übergang zu einer mit befonderen Sicherheiten ausgeftatteten Papierwährung *) 4. Auflage 1923, Anhang über die Literatur, S. 455. ") „G. F. Knapp als Geldtheoretiker" im Sonderheft zu Heft 9 des „Hamburger Wirtfchaftsdienfl" März 1922, S. 14. 5 v. L u mm. Helfferich 65 empfohlen worden. Schon vor dem Kriege waren auch in Deutfchland, offenbar angeregt durch die Knappfche Theorie, vereinzelt Stimmen laut geworden, die die gleiche Forderung erhoben hatten. Da erfchien Mitte 1923 eine Schrift des bekannten Engländers J. M. Keynes „A tract on monetary reform", in der die Einführung einer nicktmetallifchen „KunftWährung" gefordert wird. Das Buch hat allgemeines Intereffe erweckt und dazu beigetragen, die beflehenden Gegenfätje noch wefentlich zu verfchärfen. Seine haupt= fächlichen Ausführungen gehen dahin, daß durch die Ent= goldung des Verkehrs eigentlich diefe nichtmetallifche Kunfl= Währung jetjt fchon beftehe und nicht mehr aus der Welt gefchafft werden könne. Auf dem gegenwärtigen Zuftande brauche — namentlich in England — nur weitergebaut zu werden. Die Herbeiführung einer Stetigkeit der Waren= preife und ihre Aufrechterhaltung fei durch die Politik der Zentralnotenbanken auf Grund eines Gefamtindexes der wichtigften Warenpreife ficher zu [teilen in der Weife, daß die Notenbanken dem Steigen der Preife durch eine Einengung des Notenumlaufs, dem Fallen der Preife durch eine Ausdehnung des Notenumlaufs begegnen. Durch das Freiwerden des in den Notenbanken, namentlich in den amerikanifchen Federal Referve Banks eingefperrten Goldes fei ein ftarkes Sinken des Goldwertes zu befürchten. Des= halb möchte Keynes das Gold in den Notenbanken nach Möglichkeit fefchalten. Aber diefe Golclrücklagen follen von ihrer Verbindung mit dem Notenumlauf gelöft werden. Der Goldpreis, zu dem die Bank von England kaufe und verkaufe, folle wöchentlich von ihr veröffentlicht werden. Beruhe eine Änderung des Gefamtpreisftandes der Waren auf inneren Gründen, fo müffe der Diskont, beruhe fie auf äußeren Gründen, dann müffe der Goldpreis geändert werden. Das Gold folle zum Ausgleich der Schwankungen der auswärtigen Wechfelkurfe im Wege der Devifenpolitik benufjt werden, im übrigen aber als letzter Schut) der Währung, als Rücklage für Notfälle dienen. Für diefen Zweck gäbe es auch heute noch nichts Befferes als das 66 Gold. Nur brauche man die heimifdien gefetdichen Zah= lungsmittel nicht allen Launen des Goldes auszuliefern. Aber auch Keynes gibt zu, daß es nötig fei, daß die gleidie Kunftwährung von allen, mindeftens von allen wichtigen Ländern, angenommen werden müffe. Demgegenüber ift es intereffant feflzuftellen, mit welchen Argumenten Helfferich fchon im Jahre 1910, alfo dreizehn Jahre vor dem Erfdieinen des Keynesfchen Buches, feinen Standpunkt vertreten hat*). Denn feine Ausführungen bilden eine fo fchlagende Widerlegung der wichtigften Keynesfchen Darlegungen, daß ihre kurze Zufammenfaffung angefichts der Stärke der neuen Bewegung gegen die Wiederherflellung der Goldwährung angezeigt erfcheint. Auch Helfferich erblickte das Ideal in einem abfolut wertbeftändigen Gelde. Rein theoretifch betrachtet komme das vom Staat gefchaffene Papiergeld diefem Ideal am nädiften, weil der Staat die Geldverforgung anfdieinend der Nachfrage entfprechend regeln könne, fo daß von der Geldfeite her irgendwelche Einwirkungen auf den Gefamt= prozeß des Wirtfchaftslebens ausgefchloffen wären. Die Edelmetalle, insbefondere das Gold, böten diefe Sicherheit nicht, weil fie in ihrem Werte von der Gewinnung und den internationalen Edelmetallbewegungen beeinflußt würden, alfo von Vorgängen, die außerhalb des Machtbereichs des Staates lägen und fich der planmäßigen Reglung entzögen. Die Gerechtigkeit, das Gefamtintereffe der Volkswirtfchaft und die Entwicklungsgefchichte des Geldes fchienen alfo auf die reine Papierwährung als auf die ideale Geldverfaffung hinzuweifen. Praktifch beflünden aber unüberwindliche Hinderniffe, die diefen Endpunkt der logifdi denkbaren Entwicklung des Geldes in unerreichbare Fernen hinaus= fchöben. Zunächft fehle jedes zuv'erläffige Kriterium für die Veränderungen des Geldwertes. Die Entwicklung habe gezeigt, daß weder die Bewegung der Warenpreife noch der Diskontfüsse einen zuverläffigen Maßftab für die Ver= *) „Das Geld", II. Auflage, Leipzig 1910, S. 537 ff. 5* 67 änderungen des Geldwertes bildeten, da fie nicht allein vom Geldwert, fondern ganz überwiegend durch die wirt= fchaftlichen Konjunkturfchwankungen beeinflußt würden. Es fehle aber auch jede Sicherheit dafür, daß bei einer reinen Papierwährung die Reglung der Geldausgabe lediglich nach den Erforderniffen der Gerechtigkeit und nach dem all= gemeinen Intereffe der Volkswirtfchaft gehandhabt werden würde. Denn die unbefchränkte Möglichkeit, aus nichts Geld zu machen, fei für den Staat zu verlockend. Dazu käme, daß um die Regulierung des Geldwertes ein Intereffen= kämpf entftehen würde, der bei dem Mangel eines objek= tiven Kriteriums nicht durch Vernunft und Gerechtigkeit, fondern nur durch brutale Macht entfchieden werden könne (Schuldner und Gläubiger). Diefer Kampf um den Geld= wert müffe mehr denn jeder andere wirtfchaftHche Intereffen= konflikt zur Demoralifation des wirtfchaftlichen und gefell= fchaftlichen Lebens führen. Und fchließlich fei ein ftabiles Verhältnis zwifchen dem Geldwert in den verfchiedenen Ländern unmöglich, wenn nicht die gefamte Papiergeld= ausgäbe für fämtliche Staaten eine einheitliche wäre und von einer Zentralftelle aus geleitet würde. Die Voraus= feijungen für ein folches Papiergeld feien aber keine ge= ringeren als diejenigen für einen ewigen Frieden. Die Be= rechtigung und Begründung eines praktifchen „Metallismus" könne daher durch keine „Chartaltheorie" erfchüttert werden. Und in der neueften, im Mai 1923 herausgegebenen Auflage feines Buches faßt Helfferich fein Urteil dahin zu= famen: Die Entwicklung der letzten Jahre habe beftätigt, daß die Wertbeftändigkeit des Geldes in keiner Geldver= faffung größeren Erfchütterungen ausgefegt fei, als bei der Papierwährung, die rein theoretifch allein eine planmäßige und vollftändige Anpaffung des Geldumlaufs an den Geld= bedarf und damit eine Regulierung des Geldwertes geftatte. Es habe (ich herausgeftellt, daß die Zwangsmomente, die zur Preisgabe der Goldwährung und zum Abgleiten in die Papierwährung geführt hätten, folange fie fortbefländen, auch eine planmäßige Regulierung von Geldumlauf und 68 Geldwert auf dem Boden der Papierwährung unmöglich machten. Es habe fich ferner herausgeftellt, daß WirtfLHaft und Staat, wenn der Druck jener Zwangsmomente nachlaffe und aufhöre, für die Stabilifierung ihres Geldwertes eher einen Halt an dem Gelde der auf Goldbafis verbliebenen fremden Länder fänden, als an irgendwelchen inländifchen Kriterien, die für eine Fixierung des Geldwertes theoretifch in Betracht kommen könnten. Die Stabilifierung des Geld= wertes auf der Grundlage einer aus einer großen Anzahl von Preifen und Löhnen künftlich konfluierten Indexzahl fei praktifch bisher noch nirgends auch nur verficht worden und wenn fie auf dem Wege der Ausdehnung und Zu= fammenziehung des Geldumlaufs erfolgen follte, fo ftehe und falle fie theoretifch mit der reinen Quantitätstheorie. Als praktifches Ziel komme alfo nur die Herfbellung eines feften Kursverhältniffes zu dem Gelde des Weltmarktes, d. h. eines feften Wertverhältniffes zum Golde in Betracht*). In der Tat hat die von der Staatsgewalt ausgehende „proklamatorifche Geltung" als Wertgrundlage des Geldes in der Entwicklung des deutfchen Geldwefens vollkommen verfagt und der Glaube an die Macht des Staates über das Geld, wie er in Knopps „Staatlicher Theorie des Geldes" feinen klaffifchen wiffenfchaftlichen Ausdruck gefunden hat, ift ftark erfchüttert worden**). Gleichwohl gibt es heute, namentlich in England eine Anzahl von Theoretikern, die den Vorfchlägen von Keynes zuneigen. Die Praktiker aber, und mit ihnen vor allem auch die Regierung, flehen auf dem Standpunkt: „Zurück zur alten Goldwährung", und es war von vornherein nicht anzunehmen, daß gerade Eng= land — auch wenn man von feiner Beteiligung an den Goldgruben des Randes ganz abfieht — fich zur Preisgabe der Goldwährung entfchließen würde. Mac Kenna hatte fich fchon anläßlich der letjten von ihm geleiteten General= verfammlung der Midland=Bank in London in ähnlichem *) Vgl. a. a. 0. S. 669/671. **) Heifferidi „Die deutfehe Währung im Jahre 1923", Effen 1924, S. 4. 69 J Sinne ausgefprochen, allerdings weniger aus wirtfchaftlichen als aus pfychologifchen Gründen. Er war zu dem Schluß gekommen, daß es feines Wiffens gegenwärtig keine einzige Nation gäbe, die es nidit als die wünfdienswertefte aller finanziellen Maßnahmen anfehe, zur Goldwährung zurück= zukehren. Inzwifchen ift im Anfang Mai 1925 durch ein Gefeij über den Goldftandard die Rückkehr zur Goldwährung in England angebahnt worden. Schon vorher war Deutfch= land nach Maßgabe des Dawes=Plans durch die Bank= und Münzgefetje vom 30. Äuguft 1924 formell zur Goldwährung zurückgekehrt. Da aber die Einlöfung der Noten in Gold noch nicht aufgenommen ifl und auch in abfehbarer Zeit nicht aufgenommen werden kann, befteht in Deutfchland zurzeit tatfächlich nicht die Goldwährung, fondern eine goldgedeckte Papierwährung (Goldkernwährung). Zwifchen den Anhängern der alten Goldwährung und ihren Gegnern ift auch in Deutfchland ein fcharfer wiffenfchaftlicher Kampf entbrannt, ähnlich dem, der feinerzeit zwifchen den Anhängern der Goldwährung und den Bimetalliften geführt wurde. In diefem Kampfe wird die Führung Helfferichs von den Ver= tretern des praktifchen Metallisrnus fchmerzlich vermißt werden. Bis jetjt find es nur Theorien, die erft Bedeutung erlangen würden durch die Möglichkeit ihrer praktischer. Durchführung. Ich halte es für ausgefchloffen, daß diefe Möglichkeit in abfehbarer Zeit nachgewiefen werden kann. Der Erfolg des Helfferichfchen Buches über das Geld war ein außerordentlicher, fowohl in Deutfchland wie im Äus= lande, und es ift in feiner Bedeutung felbft von feinen wiffenfchaftlichen Gegnern anerkannt worden. So hat Robert Liefmann trotj feines in der Theorie völlig ab= weichenden Standpunktes es als das hefte fyftematifche Werk über das Geld bezeichnet*), und Richard Galligaris fah in ihm das vollftändigfte Repertorium des Geld= wefens**). Befonders bemerkenswert ift das Urteil Knopps, •) „Geld und Gold" Stuttgart u. Berlin 1916, S. 134. *) „HelfferidiüberKnapp", Bank=ArdiivJahrg. X, No.17 v.l.Junil911. 70 der fleh fdion bei dem erften Erfdieinen des Buches ein= gehend mit dem Geldproblem befchäftigt hatte und feine „Staatliche Theorie des Geldes" vorbereitete. Die wiffer!= fchaftlichen Gegenfätte in der Grundanfchauung der beiden Gelehrten traten damals noch kaum hervor. Sie haben aber auch fpäter niemals das innige freundfchaftliche Ver= hältnis der fo verfchieden gearteten Männer trüben können. Knapp fchrieb am 14. April 1903 an Helfferich: „In diefen Oftertagen habe ich das Buch über das Geld lüdtenlos durdigelefen und eile Ihnen Glück zu wünfchen. Es i(l mir ganz un= begreiflich, wie Sie dies Werk in fo kurzer Zeit bewältigen konnten. Ihre Darftellungsgabe ift unerhört, und es iffc fchlechterdings Ihr erfter Beruf, Schriftfteller zu fein. Was ich fchon bei Ihrer Geldreform |b lebhaft anerkannte, i(l geblieben, nämlich die leichte und anmutige Art, mit der Sie das Pragmatifdie aufzureihen wiffen. Jetjt aber kommt noch hinzu: die vertiefte Auffaffung und Ihre glüddiche Art der Be= handlung philofophifcher Fragen, wobei Sie eine fehr gute Mitte ein= halten zwifdien Grübelei und Selbftverftändlichkeit und audi niemals zu weitfchweifig werden. Was midi aber am meiften befriedigt: Sie können ein Budi fdireiben, das eines ift; nicht nur eine Reihenfolge von Bogen Das Ganze iffc aus einem Guß, und es muß fo fein, weil die Sache als Ganzes fo vor Ihnen fleht. Unfere dürftigen Kompilatoren werden diefe Eigenfchaft vermutlich gar nicht fehen. In diefer Beziehung haben Sie meine höchften Wünfdie erfüllt. Für mich ift die Nationalökonomie nicht nur wegen der Sachen da, von denen fie handelt; fondern es kommt mir fo vor, als wäre es an uns, jene Sachen für die Literatur zu erobern; wobei ich natürlich nicht die fchöne Literatur, fondern nur die nicht häßliche meine." „Nach diefem Ausbruche der Anerkennung darf ich über die Sad'e felbffc noch einiges fagen. In diefer Beziehung bin ich nicht ein normaler Lefer; es fehlt mir die Unbefangenheit, da ich gleichzeitig über diefelben Dinge nachgedacht habe; und der Säbel meiner eigenen Anflehten kommt mir fortwährend zwifdien die Beine. Audi kann ich meine Anflehten nicht in foldier Schnelligkeit entwickeln. Daher nur foviel: Sie haben mir vieles faft wörtlich vorweggenommen, z. B. die Ausführungen über die Gleichgültigkeit des Gepräges. Dadurch, habe ich den Vorteil, mich weit kürzer faffen zu können, als ich es fonft getan hätte. Anderfeits würde ich manches, was Sie an Kontroverfen vortragen, als minder wichtig geradezu fortgelaffen haben, — aber nicht alles. Endlieh habe ich noch manches zu fagen, was Sie nicht, oder doch nur implicite vor= bringen. Ich fühle mich — höheren Alters wegen — als Radikaler. Im Ganzen kann ich etwa fo rechnen: zwei Fünftel haben Sie erledigt, 71 / und nur drei Fünftel bleiben mir übrig. Wenn es mir gegeben wäre, fdineller zu arbeiten, fo hätte ich gewünfcht, vor Ihnen ans Licht ;:u treten. Da ich meine Natur nun einmal nicht ändern kann, fo ift es mir lieb, daß Sie mir fo viel Mühe erfparen." Im Mai 1923 konnte Helfferich die fechfte Auflage feines Buches, das — um mehrere Abfdmitte bereichert — auch die Entwicklung des Geldwefens feit dem Weltkriege be= handelt, der Öffentlichkeit übergeben. Es ifl in verfchiedene fremde Sprachen, zulegt ins Japanifche, überfetjt worden. Seinen urfprünglichen Plan, diefem Werke ein zweites über die Banken nachfolgen zu laffen, hat Helfferich, da er durch feine Berufsgefchäfte dauernd ftark in Anfpruch genommen war, nicht ausführen können. Das ift um fo mehr zu beklagen, als es in Deutfchland an einer großzügigen wiffenfchaft= liehen Bearbeitung der Gefamtlehre über das Bankwefen fehlt und niemand dazu beffer als gerade er imflande gewefen wäre. Spätere T"\ie Zahl der weiterhin von Helfferich auf dem Gebiete Schriften J^ß des Geldwefens gefchaffenen wiffenfehaftlichen Arbeiten ift im Vergleich zu feinen früheren Leiftungen nicht groß. Kurz vor dem Erfcheinen feines Hauptwerkes über das Geld hatte er eine Studie „Der deutfche Geldmarkt 1895 bis 1902" in den Schriften des Vereins für Sozial= politik veröffentlicht, in der er einen Uberblick gab über die Entwicklung, die er während feiner Arbeiten in der Reichsbank miterlebt und täglich mit größter Aufmerk= famkeit verfolgt hatte. Ferner find zu erwähnen vier kleinere Auffälje im Bank=Archiv, die zum Teil einen bank= politifchen Einfchlag haben und deren erfter die Frage des Bankdiskontfatjes unter dem Einfluß feiner ausländifchen und inländifdien BefHmmungsgründe behandelt mit dem Titel „Goldproduktion, internationale Gold = bewegungen, inländifcher Geldbedarf und Disko nt fatj". (Bank=Archiv 1902, Jahrgang I, S. 173ff.) Der zweite „Diskontfatj und Geldverfaffung" (1906, 72 Jahrgang VI, S. 65/67) richtet fleh gegen eine von G. F. Knapp in feinem Buch über die ftaatliche Theorie des Geldes ver= tretene Anfchauung. Er fällt ebenfo wie die Abhandlung „ZurRevifiondesBörfenge fetj e s" (1906, lahrg. VI, S. 294/300) in die Zeit feiner Tätigkeit in Konflantinopel als Direktor der Anatolifchen Eifenbahnen. Der vierte Auffalj über „Auslandswerte" (1910, Jahrgang X, S. 209/17) ifl der damals aktuellen Frage gewidmet, ob die Entwicklung der deutfehen Kapitalanlagen im Auslände zu einer Überfchwemmung des heimifchen Marktes mit aus= iändifchen Werten geführt habe, was von Helfferich durchaus verneint wird. Aus ihm fpricht die praktifche Erfahrung Helfferichs als eines Direktors der Deutfehen Bank. Eine größere wiffenfchaftliche Arbeit war das zu Anfang des Jahres 1906 veröffentlichte Buch über „Das Geld im ruffifch=japanifchen Kriege" (Berlin 1906, 240 S.), in dem drei Abhandlungen aus den Jahrgängen 1904 und 1905 der „Marine=Rundfdiau" zufammengefaßt find. Die erffce diefer Abhandlungen war fchon bald nach ihrem Erfcheinen ins Franzöfifche überfetjt und unter dem Titel „Russie et Japon. Les Finances des Belligerants" (Paris 1905) als befondere Brofchüre herausgegeben worden. In dem Buche find die drei Abhandlungen zu einer einheitlichen Darflellung der finanziellen Gefdiichte des oftafiatifchen Krieges neu bearbeitet und vervollfländigt worden. Die Schrift follte nach Abficht Helfferichs dazu beitragen, die Bedeutung der Staatsfinanzen für Wehrmacht und Wehr= fähigkeit zu beleuchten und verfländlich zu machen. Sie befaßt fich hauptfächlich mit den von beiden Ländern ge= troffenen finanziellen Kriegsmaßnahmen und deren Rück= Wirkung auf die Staatsfinanzen und auf den Geld= und Kapitalmarkt. Sowohl in Rußland wie in Japan konnte die Befthaffung der Mittel für die Kriegführung in der Hauptfache durch die Aufnahme von Kriegsanleihen im In= und Auslande erfolgen, ohne daß die Ausgabe uneinlös= liehen Papiergeldes erforderlich wurde. In Japan mußten wegen der ungünftigen Finanzlage auch die Steuern flark 73 erhöht werden. Lediglich, weil der Krieg auf fremdem Boden geführt wurde, war es möglich, in beiden Ländern eine Papierwirtfchaft zu vermeiden. Alle die fonftigen, fehr zahlreichen Publikationen Helf= ferichs, befaffen (ich nicht fpeziell mit dem Geldwefen, jie find meift politifcher, wirtfchaftspolitifcher, wirtfchafts= gefchichtlicher oder finanzpolitifcher Art und können auch nur zum Teil als eigentlich gelehrte Arbeiten angefehen werden. Zu diefen gehört die im Jahre 1917 bereits in fiebenter Auflage veröffentlichte Schrift „Deutfchlands Volkswohlfland", die erftmalig im Jahre 1913 als Beitrag zu einer Feftfchrift anläßlich des fünfundzwanzig) ährig er: Regierungsjubiläums des Kaifers herausgegeben war. Das Buch gibt in feingefchliffener Sprache an der Hand um= fangreicher Statiftiken ein anfchaulidb.es Bild der gewaltig aufftrebenden wirtfchaftlichen Entwicklung Deutfchlands von 1888 bis 1913. Helfferidis dreibändiges Werk „Der Welt= krieg" (Berlin 1919) ift die Arbeit eines leitenden Staats= mannes und Politikers, der die Ereigniffe vor und während des Krieges in ihrem großen Zufammenhange zu erfaffen gefucht und fie fo gefchildert hat, wie er fie fah und er= lebte. Die Darftellung befchränkt fich aber nicht auf die militärifchen und politifchen Vorgänge, fondern fie zieht ebenfo die Fragen der Wirtfchaft und der Reichsfinanzen in den Kreis ihrer Betrachtung. Insbefondere enthalten die Äbfchnitte über „die finanzielle Kriegführung" und „Wirtfchaftskrieg und Kriegswirtfchaft" intereffante Aus= fuhrungen des Verfaffers über feine Wirkfamkeit als ver= antwortlicher Leiter der Reichsfinanzen und des Reichs= amtes des Innern*). Ein näheres Eingehen auf diefes Buch, wie auch auf die fonftigen zahlreichen politifchen Schriften Helfferichs muß hier als nicht zum Thema ge= hörig unterbleiben. *) Bd. H, S. 109-282. 74 XVagegen bedarf das ebenfalls dreibändige Werk „Georg »Georg von U von Siemens, ein Lebensbild aus Deutfdilands Sicmens - großer Zeit" (Berlin 1921/23) einer Betradrtung, weil es ""id^Jg 8 " das Leben und Wirken des Leiters der „Deutfchen Bank" Deutfdu und damit deren Wirkfamkeit felbft darftellt, die in einem lands unmittelbaren Zufammenhang mit dem Geldwefen fteht. großer Zeit" Helfferich hatte fdion 1902 diefe große Aufgabe übcr= nommen und war fleh fdion damals darüber klar, daß die Darftellung diefes Lebensbildes nur im breiten Rahmen aller der von Siemens gefdiaffenen und geförderten, zum Teil weltumfpannenden Unternehmungen möglich fei. Nur fo konnte die Bedeutung diefes großzügigen Tatmenfchen in das rechte Licht gerückt werden, nur fo konnten feine Leiftungen volle Würdigung finden. Bildeten fie doch einen wichtigen Ausfchnitt aus der Wirtfchaflsgefchichte Deutfdilands in der Zeit des Ringens um feine Stellung in der Weltwirtfchaft. Niemand wie Helfferich hätte diefes Werk fchreiben können, denn niemand verfügte wie er über eine fo intime Kenntnis des deutfchen Wirtfchafcs^ lebens, insbefondere der hier in Betracht kommenden Vor= gänge. Viele Jahre hindurch hatte er in feiner Stellung als Direktor der Deutfchen Bank und vorher als Leiter der Änatolifchen Eifenbahnen einen wichtigen Teil des von Siemens hinterlaffenen Erbes verwaltet. Und mit den hierbei gewonnenen Erfahrungen und feiner theoretifdien Schulung verband fleh die befondere wirtfehaftliche und politifche Befähigung und nicht zuletjt die fchriftffcellerifche Kunft, große und verwickelte Stoffe in unvergleichlicher Klarheit zu geflalten und darzuftellen. Keines feiner früheren Werke wirtfehaftlichen Charakters fe^te eine folche Fülle von praktifcheh Kenntniffen und kaufmännifrhen Erfahrungen voraus, aber auch keines war fo vielfeitig und abwechflungsreich, und keines rührte wie diefes fo unmittelbar an die großen Lebensfragen volkswirtfchaft= liehen Gefchehens. Die Arbeit, die er nur in feinen karg bemeffenen Mußeftunden fördern konnte, und die ihn — freilich mit jahrelangen Unterbrechungen — länger als 75 zwei Jahrzehnte befchäftigt hat, war eine ungeheure. Denn es war nötig, neben den von der Familie gefammelten Briefen und den mündlich gegebenen Auffchlüffen früherer Kollegen das riefige Äktenmaterial in den Archiven der Deutfchen Bank und der von ihr finanzierten Unterneh= mungen kritifch zu flehten und zu bearbeiten, zu formen und zu beleben. Es war nicht fowohl eine gelehrte, als eine wirtfdiaftspolitifche und künftlerifche Aufgabe. Helfferich hat fie, getragen von feiner befonderen Liebe für den Gegenftand, in einer nicht zu übertreffenden Weife gelöft, wobei er befonders in feiner feinfinnigen Gattin, einer Tochter Georg von Siemens', eine ebenfo verftändnisvolle wie hingebende Mitarbeiterin fand. Bemerkenswert ift, daß das dreibändige Werk in feiner erften Niederfchrift mit nur geringfügigen Änderungen zum Druck gegeben werden konnte. Vor unferen Augen entfleht ein feffelndes und plaftifches Bild der weitgreifenden Tätigkeit des wagemutigen Mannes, das durch feine Vielfeitigkeit und feinen Farbenreichtum in Erflaunen fetjt. Siemens hat der Direktion der Deutfchen Bank feit ihrer Gründung angehört und er hauptfädilich hat fie in dreißigjähriger Lebensarbeit zu Größe und Macht und fchließlich zu der Weltftellung geführt, die diefes Inflitut fchon zu Anfang des zwanzigften Jahrhunderts einnahm. Er hatte den Gedanken, in Deutfchland nach englifchem Vorbilde den Depofitenverkehr einzurichten, er fetjte diefen Gedanken in die Tat um und hat dadurch feiner Bank im Laufe der Jahre riefige Mittel verfchafft, die im inländifchen Kreditgefchäft nutzbringende Verwendung finden konnten. Er machte den deutfchen Außenhandel unabhängig von der englifchen Bevormundung und befreite ihn dadurch von feiner bisherigen Tributpflicht gegenüber den englifchen Banken. Das Akzept der deutfchen Banken trat allmäh= lieh an die Stelle des Akzepts der englifchen Banken, der deutfehe Rembourswechfel an die Stelle des eng= lifchen. Jahrzehntelang ift Siemens der maßgebendfte, ziel= bewußte Führer des Unternehmungsgeifles feiner Nation, 76 der finanzielle Organifator der deutfdien Wirtfdiaft gewefen, in ihren inneren wie in ihren auswärtigen Beziehungen. Die Finanzierungsgefchäfte der verfchiedenften heimifchen Induffcriezweige, befonders der Aufbau der deutfdien Elek= trizitätsinduftrie, die großen Auslandsgefchäfte mit Italien, Argentinien, den Vereinigten Staaten von Amerika, die Tätigkeit der Bank in den deutfdien Kolonien und fdiließlidi die Orientgefchäfte, die Entwicklung der Bagdadbahn: all das zieht in meifterhafter Darftellung an uns vorüber und gewährt uns tiefe Einblicke in die glanzvolle Gefdiichte wirtfchaftlichen Gefchehens in der beften Zeit unferes Vaterlandes. Das Werk ift in feiner Art vorbildlich und außer= ordentlich lehrreich. In rein literarifcher Beziehung ift es vielleicht fein beftes, jedenfalls fein liebenswürdigftes. In ihm kommt auch die menfchliche Seite zu ihrem Recht. Und wie in den Bildern eines bedeutenden Malers unbewußt deffen eigene Wefensart ihren lebensvollen Ausdruck findet, fo trägt auch diefes von Helfferidi gefchaffene Lebensbild unverkennbar das Gepräge feiner eigenen Wefenszüge und feines Geiftes. So hat er nicht nur das Andenken des großen Führers im deutfdien Wirtfchaftsleben, fondern zu= gleich fidi felbffc geehrt. Die Hoffnung unferes Volkes beruht in einer Zeit wie der gegenwärtigen mehr denn je darauf, daß Männer aus feiner Mitte erflehen, die befähigt find, der um ihre Exiftenz ringenden deutfdien Wirtfdiaft neue Wege zu weifen. Es ift daher ein befonderes Verdienft, die Taten und Leiftungen bedeutender Führer aus der Zeit vor dem Kriege in ihrem Lebensbilde feftzuhalten als leuchtendes Beifpiel auch für die kommenden Gefchlediter. Darin liegt der hohe ethifche und nationale Wert diefes Lebensbildes aus Deutfchlands großer Zeit. 77 2. Akademifche Laufbahn Habilitation Ochon lange vor der Herausgabe feiner erften großen und Vor= (»J Arbeit über die deutfche Geldreform im März 1898 lefungen bei Helfferich der Entfchluß feft, fich auf Grund diefes Werkes um die Zulaffung als Privatdozent für Staats= wiffenfchaften an der Univerfität Berlin zu bewerben. Dabei war er fidi klar darüber, daß feine Bewerbung bei dem für die Beurteilung in erfcer Linie maßgebenden Geheimrat Profeffor Dr. Adolf Wagner auf ftärkften Widerftand ftoßen würde. Wagner war als Anbänger des inter= nationalen Bimetallismus für diefe feine wiffenfchaftlidie Überzeugung nidat nur in feinen Vorlefungen, fondern auch fonft wiederholt mit Wort und Schrift in der ihm eigenen energifchen Weife eingetreten. Er galt, wenn man von diefer feiner Stellungnahme in der Währungsfrage abfah, ganz allgemein — auch bei den Anhängern der Gold= währung — als Autorität erften Ranges auf dem Gebiete des Geld= und Notenbankwefens und genoß in wiffenfchaft= liehen Kreifen ein gewaltiges Anfehen, das durch eine er= ftaunliche Frifche des Geifles und eine reiche Erfahrung noch gefteigert wurde. Dazu war er als gefährlicher und fehr energifcher, temperamentvoller Streiter von denen gefürchtet, die ihn in feinen Anfdiauungen bekämpften. Die Ausflchten für Helfferich waren daher fehr ungünflig, und es gehörte fchon ein ftarker Mut, viel Optimismus und ein großes Selbflvertrauen dazu, den Verfuch trotjdem zu wagen. Ich machte aus diefer meiner Meinung Helfferich gegenüber kein Hehl, aber meine wiederholten Vorftellungen prallten ab an feinem unerfchütterlichen Willen, es auf eine Kraftprobe ankommen zu laffen. Die großen Schwierigkeiten traten fchon deutlich hervor bei dem Befuche, den Helfferich am 27. Oktober 1897 Wagner abffcattete, wobei er ihm feine Abficht mitteilte. "Wagner war außerordentlich überrafcht und verhielt fich durchaus ablehnend. Er bezeichnete es wiederholt als höchft auf= 78 fallend und befremdlich, daß Helfferich als Schüler von Profeffor Knapp, der ihn gefliffentlich in feinen Arbeiten totfchweige, fleh bei ihm in Berlin habilitieren wolle. Er wiffe nicht, ob Knapp im umgekehrten Fall einen Schüler von ihm willkommen heißen würde. Seiner Arbeit über die deutfehe Geldreform fprach er, ohne fie zu kennen, jeden Wert ab. Seit Arendts „Vertragsmäßiger Doppelwährung" könne darüber nichts mehr gefchrieben werden; es könne höchflens noch Kleinarbeit geleiftet werden, aber das ändere nichts an den prinzipiellen Punkten. Arendt fei trotj allen Anflrengungen, „auch denen von Ihrer Seite" — fagte er mit befonderer Betonung — durchaus unwiderlegt und nach feiner feften Überzeugung auch durchaus unwiderlegbar. Helfferich behauptete das Gegenteil und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Als Wagner fich erhob, fragte Helfferich, welche von feinen Arbeiten er einreichen folle. Wagner erwiderte, er möge einreichen, was ihn gutdünke. Die Fakultät werde darüber zu befinden haben. Übrigens werde es jedenfalls einige Monate dauern, bis er imflande fein werde, über die Arbeiten zu referieren. Die vorgehende Darflellung ifl ein ftark gekürzter Auszug einer genauen Aufzeichnung und eines Briefes Helfferichs über den Inhalt und Gang feines mit Wagner geführten Gefpräches vom gleichen Tage. Sie befchränkt fich auf die rein fachliche Angabe der Äußerungen unter Verzicht auf die Wiedergabe des Stimmungsbildes der dramatifch verlaufenen Befprechung. Für die Bildung eines Urteils genügt diefe gekürzte Darfteilung um fo mehr, als von der Gegenfeite eine Aufzeichnung meines Wiffens nicht vorliegt und ich keinen Nufjen darin zu erblicken vermag, daß ohne Not nach fo langer Zeit alle Einzelheiten diefes Streites hervorgeholt werden, der durch das heftige Tem= perament der beiden Gegner noch unnötig verfchärft wurde. Vergegenwärtigt man fich den Standpunkt Wagners, fo erfcheint deffen Verhalten allerdings in einem milderen Lichte, als es Helfferich unter dem erften Eindruck der ihn verlebenden, fchroffen Zurückweifung empfinden mußte. 79 Aus den angeführten Äußerungen Wagners, die gewiß an Offenheit, aber auch an Unvorflditigkeit nichts zu wünfchen übrig ließen, ergibt fleh, daß die Urfadie für feine gereizte und unfreundliche Haltung zunädift in feiner Abneigung gegen die Straßbuger ftaatswiffenfehaftliche Schule und insbefondere gegen deren Vertreter Profeffor Knapp lag, mit dem er in den Jahren 1867 bis 1871 einen Streit auf dem Gebiete der MoralftatifHk ausgefochten hatte, wobei er gegen die Kritik Knopps nicht hatte auf= kommen können*). Das hatte er nicht vergeffen. Und Helfferich hatte das Pech, ausgerechnet ein Schüler diefes Gelehrten zu fein. Was Wagner indes noch mehr ver= drießen mußte, war der Umftand, daß Helfferich auf dem fo heiß umftrittenen Gebiet der Währungsfrage eine grund= fatjlich andere Anfchauung vertreten hatte als er, noch dazu eine Anfchauung, die den Erfolg für fleh hatte und von ihm auf das heftigfte bekämpft worden war. Und nun ffcellte diefer junge Mann völlig überrafchend das An= finnen, ihm die Zulaffung als Lehrer in Wagners eigenem Fach zu erteilen auf Grund einer Arbeit, die Wagner feiner wiffenfchaftlichen Überzeugung nach von vornherein für überflüffig hielt. Das war in der Tat etwas viel auf einmal, und wenn man geredit fein will, fo war es fchlechterdings nicht von ihm zu verlangen, daß er einen folchen Bewerber mit offenen Armen aufnahm. Man muß ferner in Betracht ziehen, daß die Anwärter für den akademifchen Lehrberuf fleh in der Regel an den Univerfi= täten ihrer Lehrer habilitieren und daß Wagner wohl das infHnktive Gefühl haben mochte, es würde ihm in Helfferich ein äußerfh unbequemer Gegner erflehen. Denn er wußte genau, daß man es in den Kreifen der Reichsregierung fehr begrüßen würde, wenn gegenüber dem an der Berliner Univerfität dominierenden Einfluß der hauptfächlich durch ihn vertretenen bimetalliftifchen Richtung ein Gegengewicht *) Lujo Brentano: „Ein Brief". Sonderheft zu Heft 9 des „Wirtfdiafts= dienft* : Hamburg März 1922, S. 3. 80 gefchaffen würde durch, die Lehrtätigkeit eines auf dem Boden der Goldwährung ftehenden Gelehrten. Hatten doch die währungspolitifdien Kämpfe der legten Jahre und die ftetig wachfende Ausbreitung der Goldwährung in der ganzen Welt bei der Reichsregierung jeden Zweifel an der Richtig= keit der von ihr vertretenen Währungspolitik befeitigt. Es ift anderfeits klar, daß Helfferich durch den ihm von Wagner bereiteten Empfang aufs äußerfle erregt fein mußte. Seine Lage war in der Tat recht mißlich und wenig beneidenswert. Aber während wohl jeder andere den Mut verloren und die Flinte ins Korn geworfen hätte, war bei ihm das gerade Gegenteil der Fall. „Wagner hätte" — fo fchrieb er in dem erwähnten Briefe — „es gar nicht beffer anfangen können, um meinen Entfchluß zu einem unwiderruflichen zu machen. Jetjt kann ich überhaupt nicht mehr zurück. Allerdings befleht für mich jetjt nicht mehr der mindefbe Zweifel, daß er (Wagner) meine Ab= lehnung vorfdilagen wird. Aber ich rechne mit BefHmmt= heit darauf, daß die übrigen Mitglieder der Fakultät ßch nicht durch feine Voreingenommenheit beeinfluffen laffen." — Und fo ifl es denn auch fchließlich gekommen. Aber bis dahin war noch ein weiter Weg endlofer Verfchleppung. Angefichts der ablehnenden Haltung Wagners hielt es Helfferich für geboten, mit der Einreichung feines Gefuches bis nach der völligen Drucklegung feines Werkes über die Geldreform zu warten, obgleich dies für ihn eine Ver= zögerung der Entfcheidung um ein Semefter bedeutete. Erft am 8. März 1898 konnte er fleh beim Dekan der Philofophifchen Fakultät offiziell zur Habilitation melden unter Vorlage feines zweibändigen Buches über „Die Reform des deutfchen Geldwefens nach der Begründung des Reichs" und fonfHger bereits früher von ihm publizierten größeren wiffenfchaftlichen Arbeiten. Die Staatswiffenfchaften bilden an der Berliner Univerfität keine befondere Fakultät, fondern gehören der philofophifchen Fakultät an. Die drei von der Fakultät zu begehenden Referenten hatten über die Probefchriften ein motiviertes Urteil fchriftlich ab= 6 T.Lurara, Helfferidi. 81 zugeben, das erkennen ließ, in welchem Grade der Afpirant in Rückficht auf Gelehrfamkeit und aufGeift ausgezeichnet zu nennen fei. Hierzu hatten fie fleh in bejahendem oder verneinendem Sinne zu äußern. Die Zulaffung oder Nicht= zulaffung zur fpäteren Probevorlefung mit anfchließendem Colloquium war nach der Verlefung der Voten und der darauffolgenden Diskuffion von der Fakultät zu befchließen. Im Falle der Zulaffung war nach Abhaltung der Probe= vorlefung und des Colloquiums ein zweiter Fakultätsbefchluß zur Erteilung der venia legendi erforderlich. Schließlich hatte noch eine öffentliche Antrittsvorlefung flattzufmden. Als Referenten waren neben Wagner die Profefforen Schmoller, der damals das Amt des Rektors bekleidete, und Sering beftellt worden. Schmoller hatte zwar felbft ge= meinfam mit Knapp die Straßburger nationqlökonomifche hifcorifche Schule begründet und in Berlin lange Zeit hin= durch mit Wagner auf wiffenfehaftlichem Gebiet fchwere Meinungsverfchiedenheiten gehabt. Aber vor kurzem hatten die beiden Gegner (ich ausgeföhnt, und Helfferich hatte bei dem erften Befuche, den er Schmoller abftattete, das Gefühl, daß diefer nicht gefonnen fei, wegen einer verhältnismäßig fo untergeordneten Frage fein gutes Einvernehmen mit Wagner erneut aufs Spiel zu fet$en. Aber fchon bald nachher war Schmollers Haltung Helfferich gegenüber, wie diefer bei wiederholtem Zufammentreffen mit ihm bemerkte, wohl= wollend und freundlich, und nach Durchficht der Probe- fchriften durch Schmoller verftärkte fidh. bei Helfferich der Eindruck, daß Schmoller feine wiffenfehaftliche Befähigung und feine Leitungen voll anerkannte. Befonders lobend hatte er dem Reichsbankpräfidenten Koch gegenüber das Werk über die Geldreform beurteilt, das in der hiftorifch= kritifchen Art der Unterfuchung und Darfheilung ganz in der Linie der Forfchungsmethode Schmollers lag und den von ihm gefteilten wiffenfchafllidien Anforderungen in voll= kommener Weife entfprach. Helfferich erfuhr auch bald, daß Schmoller gerade bei der Würdigung diefer Arbeit keineswegs den von Wagner wiederholt betonten Einwand 82 einer zu einfeitigen Ausbildung Helfferichs gelten ließ. Der dritte Referent, Profeffor Sering, war ein objektiv denkender Gelehrter, der fleh hauptfächlich auf dem Gebiete der Agrar= gefchichte, Agrarpolitik und Handelspolitik fchriftftellerifch betätigt hatte und als Autorität in Fragen der Landwirt= fchaft allgemein anerkannt war. Man fagte ihm eine gewiffe Neigung zum Bimetallismus nach, die auch in feiner Schrift über „Das Sinken der Getreidepreife und die Konkurrenz des Auslandes" (Berlin 1894) zum Ausdruck gekommen war. Aber er war bisher ebenfowenig wie Schmoller auf dem Gebiete des Geld= und Währungswefens in der Öffentlichkeit hervorgetreten. Weitaus am wichtig ften für Helfferich war indes die wohlwollende Gefinnung des damals fchon achtzigjährige/t HiftorikersTheodor Mommfen, desNeftors der philofophifchen Fakultät, der als Verfaffer der „Gefchichte des römifchen Münzwefens" für fleh in Anfpruch nehmen konnte, von diefen Dingen auch etwas zu verftehen. So wurde deffen überaus günflige Beurteilung der Helfferichfchen Gefdiichte der deutfehen Geldreform von feiner allgemein anerkannten Autorität auf das wirkfamfte geftütjt. Daß (ich Mommfen für Helfferich, den er durch den Staatsminifter Rudolf von Delbrück perfönlich kennen gelernt hatte, fowie für die Habilitation befonders intereffierte, weiß ich nicht nur aus den Erzählungen Helfferichs, fondern aus Mommfens eigenem Munde, der fich im Sommer 1898 mir gegenüber in einer Abendgefellfchaft bei Frau Luife Delbrück in der aner= kennendffcen Weife über Helfferichs Gefchichte der Geld= reform äußerte. Ich benutzte die Gelegenheit, ihm über Helfferich und die Entftehung feines Buches nähere Mit= teilungen zu machen, die ihn außerordentlich intereffierten. Er bezeichnete Helfferichs Gefchichte. der Geldreform als eine Leifcung, die eine weit über das Spezialgebiet hinaus= gehende Kenntnis und Auffaffung erkennen laffe. Neben Mommfen hatte auch der bekannte Literarhiftoriker Erich Schmidt fowohl der Perfönlichkeit Helfferichs wie feinem Werk von Anfang an Intereffe entgegengebracht. Eine entgegen= 6* 83 gefegte Stellung nahm dagegen der Historiker und Politiker Profeffor Hans Delbrück, der damalige Herausgeber der Preußifchen Jahrbücher, ein. Schon als Anhänger des Bimetallismus war er ein Gegner Helfferichs und hat niemals mit feiner Meinung darüber zurückgehalten, daß Helfferich von Arendt „arg in die Pfanne gehauen worden fei". Er fprach ihm jede Fähigkeit zum wiffenfchaftlichen Denken und Arbeiten ab; [feine Schriften feien Agitationsfchriften, aber keine wiffenfchaftlichen Werke. Schon wenige Tage nach feinem Befuche bei Wagner hatte fich Helfferich über diefes peinliche Erlebnis hinweg= gefetjt und fah dem Ausgange der Angelegenheit mit Ruhe entgegen. Je mehr die Drucklegung feines Buches vorfchritt, defto mehr gewann er das Gefühl, daß felbft die größte Voreingenommenheit den Wert feiner Arbeit nicht abftreiten könne. Aber feine Erwartung, daß die Entfcheidung noch im Laufe des Sommerfemefters 1898 fallen würde, follte fich nicht erfüllen. Monat auf Monat verging, ohne daß er etwas erfuhr. Inzwifchen bereiteten die Referenten die Fertigfteilung ihrer Referate vor. Man kann indes nicht be= haupten, daß fie es damit befonders eilig gehabt hätten. Wie Helfferich hörte, hatte Wagner die Unterlagen erfl zu Anfang Juli 1898 an Sering weitergegeben. Je länger die Entfcheidung hinausgezögert wurde, defto größer wurde das Intereffe für die Angelegenheit auch in den Kreifen der Regierung, in denen allmählich bekannt geworden war, daß Wagner fleh der Habilitation widerfe^en werde und ein ablehnendes Votum vorbereite. Diefer Widerftand wurde von Helfferich auch jetjt nicht gering eingefchätjt. Er war fich bewußt, daß die Fakultät fo ohne weiteres nicht gegen Wagner flimmen würde. Anderfeits hatte er fchon im Mai durch den Staatsfekretär des Reichsfchatjamts Freiherrn von Thielmann erfahren, daß man im preußifchen Kultusminifterium feiner Habilitation fympathifch gegen= über ffcand und dem Ausgange der Sache mit Intereffe entgegenfah. Daß der Staatsminifter Rudolf von Delbrück und der Reichsbankpräfident Dr. Koch ihre wärmfte Anteil= 84 nähme für Helfferich wiederholt bekundeten, war bei deffen engen Beziehungen zu diefen beiden Männern nicht weiter verwunderlich. Aber auch in den der Univerfität ganz fern= flehenden Kreifen der Berliner Intelligenz, bei den leitenden Perfönlichkeiten der großen Banken und Handelsunter= nehmungen war der Fall nicht unbekannt geblieben, und diefes Intereffe war die befte Empfehlung für das Werk Helfferichs über die Geldreform. Helfferich felbfl kümmerte fich um die Angelegenheit nicht mehr, als unbedingt nötig war. Das mehrfach an ihn in der Form privater Ratfchläge geflellte Anfinnen, fein Gefuch angeflchts der nach wie vor gegnerifchen Hal= tung Wagners freiwillig zurückzuziehen, hatte er abgelehnt. Wenn man ihm in der Fakultät die Befähigung für den Beruf eines akademifchen Lehrers fchon nicht zugeftehen wollte, fo wollte er das — wie er fleh mehrfach äußerte — wenigftens zum ewigen Andenken fchwarz auf weiß haben. Da erlitt er im November 1898 einen fchlimmen Rückfall feines alten Leidens, der ihn zwang, den größten Teil des Winters in Ägypten zu verleben. Obgleich fich Sdimoller fchon im Juli Helfferich gegenüber dahin geäußert hatte, die Fakultät ziehe es vor, die erfte Entfcheidung zu Beginn des Winterfemefters zu treffen, fand die Feflfe-fjung eines Termins bis zum Jahresfchluß nicht flatt. Wie Helfferich mitgeteilt worden war, hatte Profeffor Sering bis zu Anfang November fein Referat noch immer nicht fertiggeftellt, obgleich er die Unterlagen fchon feit Anfang Juli in Händen hatte. Erft als in der National=Zeitung vom 26. Januar 1899 das Urteil in dem von Dr. Arendt gegen Helfferich wegen verleumderifcher Beleidigung an= geftrengten Prozeß mitgeteilt und damit die Niederlage Arendts und die volle Rechtfertigung Helfferichs bekannt geworden war, wurde die Fakultätsfitjung ganz plötdich auf den 2. Februar 1899 anberaumt. Wer will die An= nähme von der Hand weifen, daß die Entfcheidung im Hin= blick auf den fchwebenden Prozeß fo lange hinausgezögert Avorden war? Hätte fich doch die Angelegenheit für den 85 Fall einer Verurteilung Helfferichs wegen verleumderifcher Beleidigung im Sinne des gegen ihn geseilten Strafantrags für die Fakultät in der einfachften Weife erledigt, weil dann eine Habilitation felbftverftändlich nicht mehr in Frage gekommen wäre. Nur diefe Erwägung kann die Ver= fdileppung erklärlich und entfchuldbar erfcheinen laffen. Bei der Stimmung innerhalb des Lehrkörpers der Fakultät und bei dem Intereffe, das weitere Kreife außerhalb der Universität und auch die liberale Preffe der Angelegenheit entgegen brachten, erfchien eine einfache Ablehnung Helfferichs höchft unwahrfcheinlich. Ein Sturm würde vor= ausfichtlich in einem folchen Falle über die Fakultät und die Pfeudo=Lehrfreiheit hereingebrochen fein. Auch war zu hoffen, daß fich die Größe des Lehrkörpers für Helfferich infofern günftig erweifen würde, als dadurch allein fchon eine gewiffe Garantie gegen Parteilichkeit und Einfeitigkeit gegeben war. Nach einer mir vor kurzem vom Dekan der philofo= phifchen Fakultät der Univerfität in Berlin zur Verfügung geseilten Mitteilung über den Verlauf der Ängelegen= heit hat Wagner in der erften entfcheidenden Sitzung vom 2. Februar 1899 ein fehr eingehend begründetes ungünfliges Gutachten abgegeben. Er hatte zweierlei auszufegen. Einmal fei Helfferich zu fehr Spezialift, wenn auch ein kenntnis= reicher und fcharffinniger; die Fakultät verlange aber mehr. Zweitens vermiffe er eine „objektive Würdigung der Gegen= gründe". In allen Schriften von Helfferich finde fich, wie ein anderer Fachgenoffe fidi ausgedrückt habe, „eine Be= handlung immer nur im Sinne des politifchen thema pro= bandum". Diefe Vorwürfe Wagners feien auch von anderer fachwiffenfchafHicher Seite als begründet anerkannt worden. Man fei aber in der Fakultät der Anficht gewefen, daß die Perfönlichkeit Helfferichs beffer fei, als feine Schriften, und glaubte, den Einwendungen dadurch begegnen zu können, daß Helfferich für die Probevorlefung ein Thema ganz all= gemeiner Art geftellt würde. Bei der nun folgenden Ab= ftimmung, die ausfchließlich auf Grund der Habilitations= 86 fchriften erfolgte, fprctchen fidi fünfundzwanzig Mitglieder der Fakultät für die Zulaffung aus, zwei dagegen (Wagner und Delbrück), und vier enthielten fleh der Stimme. Nach dem Protokoll beteiligten (ich an der Diskuffion durch ein= gehende Voten Schmoller, Sering, Wagner, Delbrück und Kekule von Stradonitj. Helfferich hatte erfahren, daß die fehr langen Ver= handlungen ohne jede Heftigkeit geführt worden waren; der Lauf der Debatte fei fehr ehrenvoll für ihn gewefen, felbfl Wagner habe ihm, allerdings unter Beharrung auf feinem negativen Votum, einigermaßen Gerechtigkeit wider= fahren laffen. Sering habe für ihn geftimmt, und Schmoller habe (ich fehr für ihn ins Zeug gelegt. Damit war die eigentliche Schlacht für Helfferich ge= wonnen, und was jet>t noch kam, konnte nur noch ein Rückzugsgefecht feiner Gegner fein. Aber obgleich das Colloquium unter normalen Verhältniffen eine reine Form= fache zu fein pflegte und es wohl noch niemals vor= gekommen fein mochte, daß ein Anwärter dabei zu Fall gekommen war, nahm Helfferich die Sache doch durchaus nicht leicht und war weit davon entfernt, fleh in Sicherheit zu wiegen. Es war wohl ein feltener Fall in der Gefchichte der Universität, daß eine Fakultät einen Bewerber zum Colloquium zuließ entgegen dem Votum des für das Fach in erfler Linie maßgebenden und zuftändigen Profeffors. Wer freilich Wagner gekannt hat, wird fleh über feine Ablehnung nicht gewundert haben. Zum Glück ift durch das Eintreten der überwiegenden Mehrheit der Sitjungsteilnehmer zu= gunften Helfferichs das Odium eines Fehlurteils von der Fakultät abgewendet worden. Es ift wohl anzunehmen, daß diefe Mehrheit, die fleh meift aus Gelehrten zufammen= fetjte, deren Leitungen doch auf ganz anderen wiffenfchaft= liehen Gebieten als dem hier in Frage flehenden lagen, bei dem zuftimmenden Votum ftark beeinflußt wurde durch die Äuffaffung von Mommfen, Schmoller und Sering. Jeden= falls bildete die Anerkennung der wiffenfehaftlichen Leiftungen Helfferichs durch die Fakultät, entgegen dem ablehnenden 87 i Votum Wagners, ein glänzendes Zeugnis für die Unparteiliche keit und Einficht diefer Körperfdiaft. Helfferich befand fleh damals zur Wiederherftellung feiner Gefundheit in Ägypten und kam erft zu Anfang April wieder nach Deutfchland zurück. Der amtliche Befcheid über das Ergebnis der Sitjung vom 2. Februar 1899 ift ihm infolge eines Verfehens innerhalb der Fakultät erft am 6. Mai 1899 zugeftellt worden. Gleichzeitig hatte die Fakultät das Erfuchen an ihn gerichtet, für die Probevorlefung drei nicht auf dem Gebiete des Geld= und Bankwefens liegende Themen zur Auswahl in Vorfchlag zu bringen. Helfferich benannte der Fakultät folgende drei Themen: 1. Die Malthusfche Bevölkerungslehre und der moderne Induftrie= flaat, 2. Über die Verfchiebungen in den Standorten der Gütererzeugung, und 3. Die Staatstheorie Spinozas. Einige Tage fpäter fchrieb er an Knapp über diefe Vorfchläge und gab feiner Überzeugung dahin Ausdruck, daß das von ihm an erfter Stelle vorgefchlagene Thema über Malthus ge= wählt werden würde. Er fei nicht auf diefes Thema um feiner felbffc willen gekommen, fondern nur, weil Wagner fidi mit diefer Frage wiederholt befchäftigt habe und ihr die größte Wichtigkeit beimeffe. Seine Abficht fei, die ganze Vagheit und Verfchwommenheit der Malthusfchen Theorie darzuftellen, ferner auch die Begriffsverwirrung, die nament= lidi Wagner bei ihrer Anwendung auf den modernen Induftrie= ftaat unterlaufen fei, und fleh dabei gründlich mit den unklaren 01denberg=Wagnerfchen Ideen über einen Induftrie= ftaat auseinanderzufetjen. Das alles nicht etwa, weil ihm der Kampf gegen diefe Anfchauungen befonders anziehend wäre, fondern lediglich aus taktifchen Gründen, um eine etwaige Abficht Wagners, ihn im Colloquium zu Tode zu examinieren, zu vereiteln. Deshalb wolle er ihn von vorn= herein auf einem feiner Lieblingsgebiete attackieren, damit er fleh zur Wehr fetje und fo das Colloquium in der Haupt= fache zu einer Disputation über fein Thema mache. Er werde jedoch jede direkte Polemik vermeiden und weder Wagners noch Oldenbergs Namen überhaupt nennen. Im Hin= 88 blick auf das Colloquium werde er aber für trockenes Pulver forgen. Malthus werde als rotes Tuch wirken und das wirklich viel fchönere Spinoza=Thema werde nicht gewählt werden. Und genau fo gefchah es, wie Helfferich es voraus= gefagt hatte. Am 10. Juni erhielt er die amtliche Mitteilung über das Thema für die Probevorlefung. Als Termin war der 13. Juli angefeijt worden. In diefer Probevorlefung ging Helfferich bei feinem Vortrag von der neueren Entwicklung der europäifchen Kulturftaaten aus und führte den Nachweis, daß der Be= völkerungsfpielraum der einzelnen Länder durch technifche, handelspolitifche und foziale Verhältniffe ftarke und un= regelmäßige Veränderungen erfährt; daß es Zeiten gibt, in welchen die Erweiterung des Bevölkerungsfpielraums der Vermehrungsfähigkeit weit vorauseilt, und andere, in welchen eine Verengerung des Bevölkerungsfpielraums durch Veränderungen in den oben bezeichneten Verhältniffen eintritt (Beifpiel Irland), daß alfo von einem gleichmäßig wirkenden Bevölkerungsgefetj keine Rede fein könne, am wenigflen von einem Gefetj, wie es Malthus formuliert habe*). Über den weiteren Verlauf des Colloquiums be= richtete Helfferich an feine Eltern, fein Vortrag fei von den fehr zahlreich anwefenden Profefforen fehr aufmerkfam angehört worden. Wagner habe fleh andauernd Notizen gemacht, fleh darin aber fo wenig zurechtgefunden, daß er nach Beendigung des Vortrages das Colloquium, deffen Er= Öffnung ihm als dem erften Referenten zuftand, nicht habe beginnen wollen. So habe Sering einige Fragen geftellt, die fleh ganz auf den Inhalt des Vortrages bezogen; ihm fei nach acht Minuten Schmoller gefolgt, der nur zwei kleine Bemerkungen machte und fleh im ganzen mit den vor= getragenen Anflehten durchaus einverftqnden erklärte. Dann habe Wagner, aufs äußerfte gereizt und heftig, förmliche Reden gehalten, um feine Anflehten zu verteidigen. Er •) Karl Helfferich. „Die Malthusfche Bevölkerungslehre und der moderne Induftrieftaat" München 1899 (Druck der Buchdruckerei der Allgemeinen Zeitung). 89 habe kaum eine Frage geftellt. So ofl Helfferidi ihm zu entgegnen begann, fei er ihm ins Wort gefallen und erft nach faft einer Stunde habe er fich foweit beruhigt, daß Helfferidi noch einmal die Quinteffenz feiner Anflehten zu= fammenfaffen konnte, wobei er gefliffentlich die Punkte hervorhob, in welchen die Anflehten übereinflimmten und die etwas zurüdttreten ließ, die fich widerfprachen. Da niemand mehr das Wort verlangte, fei das Colloquium für beendigt erklärt und nach zehn bis zwanzig Minuten ge= heimer Beratung das Urteil verkündigt worden, das auf Zulaffung lautete. Der allgemeinen Gratulation habe fleh als letjter auch Wagner angefdiloffen. Nach der Mitteilung des Dekans der philofophifchen Fakultät hatte die Probevorlefung mit anfchließendem Colloquium auf Adolf Wagner einen fo günftigen Eindruck gemacht, daß er jeljt für Helfferidi eintrat. Das Protokoll fagte ausdrüddich: „Auf den übereinfeimmenden Antrag der Herren Wagner, Schmoller und Sering erteilte die Fakultät Herrn Dr. Helfferidi die erbetene venia legendi für das Fach der Staatswiffenfchaften." Schon das Ergebnis der Sitzung vom 2. Februar 1899 mußte bei Wagner die Überzeugung hervorgerufen haben, daß ein weiterer Wider= fland nutjlos fein würde. Angefichts der überwältigenden Mehrheit feiner Gegner war er klug genug gewefen, nun nicht mehr eigenfinnig auf feinem ablehnenden Stand= punkt zu beharren, fondern fleh dem Antrag der beiden anderen Referenten anzufdiließen. Am 21. Oktober 1899 konnte Helfferidi als Privatdozent der Staatswiffenfchaften in der Aula der Univerfität Berlin feine akademifche Antrittsrede halten über „Die Wir = kungen der gefteigerten Goldproduktion", ein Thema, das ihm Gelegenheit gab, gleich bei diefem Akt feine Anflehten über die wichtigften Prinzipien des Geldwefens energifch zu vertreten*). Schon am 17. Augufl 1899 hatte er in einem aus Sils=Maria an den Präfidenten Koch gerichteten Briefe *) Vgl. Karl Helfferidi „Studien über Geld= und Bankwefen" Berlin 1900. S. 242 ff. 90 diefes Thema als höchft intereffant in einer Zeit der often= kündigten Geldknappheit und als hödift geeignet bezeidmet, die in ihrem Kern durchaus bimetalliftifdie Quantitätstheorie ad absurdum zu führen und zu zeigen, daß die großen Auf= wärts= und Abwärtsbewegungen der Weltwirtfchaft viel fhärker feien, als die Veränderungen in der Menge des Geid= ftoffs; infolgedeffen fei nicht der Bimetallismus mit feiner Vermehrung des Geldftoffs, fondern die durch eine gefunde Bankverfafjung zu erreichende möglichfle ElafKzität des Geld= wefens das erftrebenswerte Ziel. Nach gründlicher Erörterung aller Wirkungen der gefteigerten Goldproduktion kam Helffe= rieh zu dem Schluß, daß währungspolitifche Einwirkungen auf den Geldwert nicht feftzuftellen feien. Die hohen Diskont= fät$e der legten Jahre könnten ebenfowenig für eine Steige= rung, wie die fleig enden Warenpreife für eine Verringerung des Geldwertes beweifen. Die einzige greifbare Wirkung der gefteigerten Goldproduktion beftehe in der gewaltigen Aus= dehnung der Goldvaluta über Gebiete mit bisher ifolierten Geldfyftemen, und fie (teile einen erheblichen Fortfdiritt zur univerfeilen Währungsgleichheit dar. Helfferich erfreute fleh bei diefer öffentlichen Antritts= rede einer fehr zahlreichen Zuhörerfchaft, deren Zufammen= fetjung das große Intereffe weiter Kreife erkennen ließ. Es waren anwefend: Theodor Mommfen, der Staatsminifler Rudolf von Delbrück, der Staatsfekretär des Reichsfchat^ amts Freiherr von Thielmann und eine Reihe anderer hoher Beamten, der Präfldent des Deutfchen Handelstags Geheimer Kcmmerzienrat Frenzel, Dr. Friedrich Hammacher und eine ftattlidie Anzahl liberaler Abgeordneter des Reichstags und des Landtags, fowie prominente Vertreter der Bank= und Handelswelt. Die akademifche Nationalökonomie war durch Profeffor Sering vertreten. Zwifchen dem Tage der Einreichung des Gefuches um Erteilung der venia legendi und der Antrittsvorlefung lag ein Zeitraum von einundeinhalb Jahren. Während Helfferich gehofft hatte, fchon im Winter 1898/99 feine erften Vor= lefungen über das Geldwefen halten zu können, war ihm 9i dies nun erft im Winterfemefler 1899/1900 möglich, obgleich nach feiner Äntrittsvorlefung eine Ankündigung in dem bereits gedruckten Vorlefungsverzeichnis für das laufende Semefter nicht mehr hatte erfolgen können. Immerhin hatte er eine ausreichende Zahl von Zuhörern. Seit Helfferichs Befuch bei Wagner waren zwei volle Jahre verftrichen. Während diefer ganzen Zeit war er unermüdlich tätig gewefen. Waren es im Jahre 1898 der Streit mit Arendt und die Abwehr der gegen die Reichs= bank gerichteten Angriffe der Agrarier gewefen, die ihm zu fchaffen gemacht hatten, fo war feine Arbeitskraft im Jahre 1899 durch die publiziftifche Unterftüijung der ge= planten Münznovelle und nicht zulegt durch die Studien und Vorarbeiten für fein großes Lehrbuch über „Das Geld" voll in Anfpruch genommen. Und wenn er auch die Ver= fchleppung feines Gefuches gewiß unliebfam empfinden mußte, infofern als ihm die Bafis eines feften Berufes da= durch vorenthalten wurde, fo hat er fleh doch in dem zähen Fefthalten an dem gefleckten Ziel trotj allen Schwierigkeiten und Widerftänden nicht beirren laffen. Leicht ift es ibm gewiß nicht gemacht worden, aber fein Ziel hatte er erreicht. Im Sommerfemefter 1900 las Helfferich in der Uni= verfität ein Kolleg über „Geld= und Bankwefen" vor einem größeren Zuhörerkreis. Vom Jahre 1901 ab las er daneben über „Äußere Handelspolitik" und im Seminar für orientalifche Sprachen in Berlin über „Kolonien und Kolonialpolitik". Im Winter 1900/01 hielt er außerdem, einer Aufforderung der Hamburgifchen Oberfchulbehörde entfprechend, in Hamburg einen Zyklus belehrender Vor= träge über „Handelspolitik", die fpäter unter diefem Titel als Buch veröffentlicht Avurden (Leipzig 1901). Dabei handelte es fich, wie der Verfaffer im Vorwort hervorhob, nicht um eine gelehrte Arbeit; er erblickte vielmehr feine Aufgabe lediglich darin, die Ergebniffe der wiffenfehaftlichen Unterfuchung einem weiteren Kreife, der fich vorwiegend aus Angehörigen des praktifchen Erwerbslebens zufammen= feijte, zu vermitteln. 92 Schon im Herbft 1898 hatte der Geheime Kommerzienrat Hugo Oppenheim Helfferich die Stellung als Syndikus I* in feiner Bankfirma Rob. Warschauer & Co. angeboten, die zu den älteffcen und angefehenften Privatbanken in Berlin zählte. Aber er konnte [ich nicht entfchließen, auf das von ihm angeflrebte Ziel der Habilitation zu verzichten, fo verlockend das Angebot in finanzieller Beziehung auch fein mochte. Zudem hatte er das richtige Gefühl, daß eine folche Stellung auf die Dauer feinen Neigungen nicht entfprechen würde. So fiel ihm die Ablehnung nicht fchwer, und er hat auch fpäter feinen Entfchluß nicht bereut, als er fich trotj feiner glücklich verlaufenen Habilitation Sorgen darüber machen mußte, wie fich feine Zukunft geftalten würde. Diefe Sorgen waren freilich nicht gering. Denn er war fich völlig darüber klar, daß nach Lage der Verhältniffe feine Tätigkeit als Privatdozent an der Berliner Univerfität keine Lebensftellung für ihn bedeutete, weil bei der ab= lehnenden Haltung des Profeffors Adolf Wagner von feiten der Univerfität eine Hebung diefer Stellung nicht zu erwarten war. Er fchwankte, ob er nicht einem an ihn ergangenen Rufe nach Hamburg folgen follte, zumal er fürchten mußte, daß fleh auf die Dauer doch die akademifche Laufbahn und fein Aufenthalt in Berlin nicht vereinigen laffen würden. Im April des Jahres 1900 hatte er an den Bankpräfidenten Koch gefchrieben: „Ich habe mir fchon viele Sorgen darüber gemacht, ob bei der Gegnerfchaft einfluß= reicher Univerfitätskreife und bei der politifchen Gegner= fchaft des Agrariertums für mich in Berlin für die nächfte Zeit überhaupt irgendwelche Ausfichten beftehen und ob nicht der zweijährige Kampf um meine Habilitation wenig flens infofern verfehlt gewefen ift, als die Äusficht auf eine ge= fieberte Lebensftellung in Betracht kommt. Das Hamburger Anerbieten wird nun vielleicht für die Regierung ein Anlaß fein, fich über ihre Abfichten in Bezug auf meine Perfon zu erklären, und fchon damit wäre für mich viel gewonnen. Ich wünfehte mir nichts Befferes, als daß mein dauernder 93 Aufenthalt in Berlin und damit meine weitere Mitarbeit bei der Verteidigung unferer Geld= und Bankverfaffung er= möglicht würde." Die Regierung konnte freilich in der Angelegenheit nichts tun, denn die Befe^ung der befoldeten akademifchen Lehrftellen konnte nur von der Univerfität ausgehen. Da kam Helfferich ein glücklicher Zufall zu Hilfe, der feinem Leben eine neue Richtung geben follte. Bei einem Aufenthalt in Kairo zur Wiederherftellung feiner Gefund= heit hatte er den Direktor der Kolonialabteilung des Aus= wärtigen Amts Dr. Stübel kennen gelernt, der in Shepheards Hotel längere Zeit hindurch fein täglicher Tifdigenoffe ge= wefen war. Auf einem von Georg von Siemens veran= flalteten größeren Familienfefte in Berlin gegen Ende Auguft 1901 teilte mir Stübel mit, daß er die Abficht habe, Helfferich als wirtfchafHichen Referenten in die Kolonial= abteilung zu berufen, hauptfächlich zu dem Zweck, die Währung sverhältniffe in den deutfchen Schutjgebieten in Ordnung zu bringen und neu zu regeln. Helfferich habe ihm erzählt, daß er feit Jahren bei mir in der Reichsbank gearbeitet habe; der Reidisbankpräfident habe fich bereits fehr günftig über Helfferich geäußert und ihm gefagt, daß ich wohl am beflen in der Lage fei, über ihn ein Urteil abzugeben und nähere Auskunft zu erteilen. Ich fagte ihm, daß er nach meiner Überzeugung überhaupt niemand finden könne, der fich beffer für den gedachten Zweck eigne und gab ihm eine genaue Schilderung der Perfönlichkeit Helfferichs und feiner bisherigen Leitungen. Schon am 1. Oktober 1901 trat Helfferich fein neues Amt an. Diefe Beamtenftellung nahm fein Intereffe und feine Zeit in hohem Maße in' Anfpruch. Gleidiwohl behielt er feine Tätigkeit als Privatdozent an der Univerfität und als Lehrer am Seminar für orientalifche Sprachen in Berlin bei, und um die Jahreswende 1901/02 wurde ihm von der preußifchen Regierung der Titel eines Profeffors verliehen, eine Ehrung, die auf Betreiben des Reichsbankpräfidenten Dr. Koch erfolgt war, als Anerkennung für die großen Verdienfle Helfferichs 94 um die Goldwährung. Er erzählte mir feine Ernennung mit recht gemifchten Gefühlen und meinte etwas elegifch, es wäre doch ehrenvoller gewefen, wenn feine Ernennung nicht von der preußifdien Regierung, fondern von der Univerfität ausgegangen wäre. Als wir dann am Abend das Ereignis im kleinen Kreife feierten, fuchte idi ihn in meiner Rede zu tröften damit, daß der von der Regierung verliehene Titel doch eine Würdigung feiner Leitungen erkennen laffe, was bei den auf Vorfchlag der Fakultät erfolgten Be= rufungen nicht ganz unbeftritten fei, denn zwar nicht auf der Reichsbank, wohl aber auf der Bank der Spötter fäßen Leute, die behaupteten, daß die ordentlichen Profefforen fo genannt würden, weil fie nichts Außerordentliches wüßten; die außerordentlichen Profefforen hießen fo, weil fie nichts Ordentliches wüßten; und die Honorarprofefforen führten diefen Titel, weil fie kein Honorar bezögen. Die Verleihung des Titels eines Profeffors ohne fchmückendes Beiwort aber wolle nichts weiter fein und bedeuten, als die ordent= liehe Anerkennung einer außerordentlichen Leiflung. Er dürfe nicht vergeffen, daß in den Augen Wagners feine Habilitation alles andere fei, als eine Rehabilitation, und fo müffe er einfbweilen mit feinem Erfolge zufrieden und dem Präfidenten Koch dankbar fein. Es war ihm fpäter in der Tat eine befondere Freude, als er fich dem Reichs= bankpräfidentenKoch erkenntlich erweifen konnte dadurch, daß er ihm anläßlich feines fünfzigjährigen Dienftjubiläums am 2. November 1903 im Auftrage der ftaatswiffenfchaftlichen Fakultät der Univerfität Straßburg das Diplom eines Ehren= doktors perfönlich überreichen durfte. Und als Koch im Jahre 1908 aus feinem Amte fchied, gab Helfferich feiner Verehrung und Dankbarkeit dadurch Ausdruck, daß er im Bank=Archiv einen Auffatj veröffentlichte, worin er die großen Verdienfle des hervorragenden Mannes würdigte *). Gleich nach Helfferichs Ernennung zum Profeffor hatte in den erften Tagen des Januar 1902 Profeffor Troeltfch *) „"Richard Kodi", Bank-Archiv, VII Jahrgang, Nr. 9. 95 I ) in Karlsruhe bei ihm angefragt, ob er bereit und geneigt fei, die freiwerdende ordentliche Profeffur für Volkswirt= fchaft an der Technifdien Hochfchule in Karlsruhe zu über= nehmen. Da Helfferich erfi: wenige Monate vorher fein neues Amt in der Kolonialabteilung angetreten hatte, mußte er, fo fehr er fich über das ihn ehrende Anerbieten freute und fo fehr er damals grundfätdich noch zur Übernahme einer folchen Lehrflelle geneigt fein mochte, in ablehnendem Sinne antworten. Als ihm aber dann fpäter im Jahre 1904 die Stellung eines ordentlichen Profeffors an der Univerfität Bonn angeboten wurde, hatte diefes Anerbieten eines Ordinariats, das ihn noch wenige Jahre Vorher mit der größten Freude und Genugtuung erfüllt hatte, keinerlei Intereffe mehr für ihn. Denn während feiner Tätigkeit im Kolonialdienfl des Reichs hatte er erkannt, daß ihm eine rein pädagogifche Tätigkeit neben wiffenfchaftlicher Gelehrtenarbeit nicht genügen könne. Seine Neigungen und Fähigkeiten hatten fich mehr und mehr nach der Ridi= tung einer Wirkfamkeit entwickelt, die ihm die Anteilnahme an den großen öffentlichen Dingen und den Vorgängen des wirtfchaftlichen Lebens durch pofltive Mitarbeit gemattete. Und fo brauchte er nicht lange zu überlegen und lehnte kurz entfchloffen den Ruf ab. In Univerfitätskreifen hatte man freilich wenig Verfländnis für diefe Handlungsweife. Profeffor Knapp aber, dem er von feinem Entfdiluß Mit= teilung gemacht hatte, fchrieb ihm in feiner launigen, ironi= fierenden Art: „Neulich haben fich einige junge Leute ge= wundert, wie Sie ein Ordinariat ausfchlagen konnten. Die kennen keinen andern Vogel als e Krott, wie man in Heffen fagt. Merkt das Völklein nicht einmal, auf welchem richtigen Wege Sie wandeln?" Seine akademifche Lehrtätigkeit in Berlin hat Helfferich beibehalten bis zu feiner im Frühjahr 1906 erfolgten Uber= fiedlung als Direktor der Anatolifchen Eifenbahnen nach Kon= flantinopel. 96 • IV. Die Schöpfung der Rentenmark. Eine befonders eingehende Würdigung erheifchen die Wefen, hohen Verdiente Helfferichs um die Schaffung eines Be ?^*^J real fundierten Zahlungsmittels und damit um die An= d er R en t en= bahnung einer neuen Goldwährung in der Zeit hödifter banl[ wirtfchafUicher Not. Schon im Mai 1923 hatte er fein in fechfter neubearbeiteter Auflage erfchienenes Buch über „Das Geld" mit folgenden Worten gefchloffen: „So bleibt einem Lande in unferer Lage — es mag phantafielos klingen, aber es ift das Ergebnis unerbittlicher Logik — abgefehen von kleinen Notbehelfen nur die Arbeit an der Wiederherftellung der Goldbafis für feine Währung. Wann und unter welchen Umftänden und mit welchem Goldäqui= valent diefes Ziel fich für uns erreichen laffen wird, fteht dahin. Denn das Geldwefen eines Landes ift nicht ein Ding an fleh, nicht eine auf fich felbft flehende juriftifche, admini= ftrative oder technifche Konflruktion, fondern ein Glied, das an der Gefundheit und Krankheit des Gefamtkörpers teil= nimmt." Die Entwertung des Geldes hatte inzwifdien rafende Fortfehritte gemacht und drohte in kürzefter Zeit den völligen Zufammenbruch der deutfehen Währung herbeizu= führen und damit eine unüberfehbare Kataflrophe über unfer Volk heraufzubefchwören. Der Wert der Papiermark war von Ende April 1923 bis zum 10. Äuguft 1923 von einem Siebentaufendflel in rafchen Sprüngen auf nahezu ein 7 r.Iumm, Helfferidi. 97 Millionftel ihres Goldwertes gefunken. Am 7. Augufl unter= breitete Helfferidi der Reidisregierung einen währungs= und banktedinifch bis ins einzelne gehenden Plan über eine neu zu fchaffende Roggenwährung, die als Zwifchenlöfung und als erfter vorbereitender Schritt für die Wiederein= führung einer Goldwährung gedacht war. Der leitende Gedanke lag in der Erkenntnis, daß angefichts des Verfagens der flaatlichen Macht über das Geld eine vom Staate un= abhängige Wertgrundlage nur gefunden werden könne durch die Heranziehung der freiwilligen Mitarbeit und des Ver= mögens der deutfchen Wirtfchaft zum Zweck der Schaffung eines neuen fubftantiell fundierten Geldes. Aber jeder Ver= fuch mußte von vornherein ausfichtslos fein, wenn das Defizit des Reichs auch weiterhin im Wege der Inflation gedeckt wurde. Die Übergangslöfung durfte mithin nicht eine rein Währungstechnifche fein, fie mußte auch den flaatsfinanziellen Notwendigkeiten dadurch gerecht werden, daß dem Reiche Übergangskredite zur Verfügung geftellt werden konnten, die das Ziel der Wertbeftändigkeit des neuen Geldes nicht gefährdeten*). Aus diefen Er= wägungen ift der Plan Helfferichs entftanden, der fchließlich die Grundlage für die Schaffung der Rentenbank und da= mit für eine vorläufige Stabilifierung der Markwährung bildete. Das Wefentlidifte über die Einrichtung, die Be= deutung und den Erfolg der Rentenbank hat Helfferidi in einem Preffeauffatj vom 16. Januar 1924 unter dem Titel „Der Erfolg der Rentenmark" zufammengefaßt, der hier auszugsweife wiedergegeben fei: „In der durch Verordnung vom 15. Oktober 1923 errichteten .Deutfchen Rentenbank' haben die auf Grund freiwilligen Angebots zu einer folidarifchen Aktion zufammengefchloffenen wirtfchaftlichen Berufs= (lande Deutfchlands ein autonomes Inftitut gefchaffen, deffen Zweck die Ausgabe eines neuen durch die Haftung eines anfehnlichen Teils des Grund= und Betriebsvermögens der wirtfchaftlichen Unternehmungen real fundierten Geldes ift. Die Fundierung befteht bekanntlich in erft= (telligen auf Goldmark lautenden Grundfchulden in Höhe von 4. v. H. *) Karl Helfferidi „Die deutfche Währung im Jahre 1923", Eflen 1924, S. 7. 98 des Wehrbeitragswertes, die auf alle land= und forftwirtfchaftlich ge= nutjten Grundftücke zugunften der deutfdien Rentenbank gelegt werden, und auf einer entfprechendenBelaftung der induftriellen und kommerziellen Betriebe, die, foweit die Errichtung von Grundfdiulden nicht in Betracht kommt, der Rentenbank erftflellige, gleichfalls auf Goldmark lautende Schuldverfchreibungen zu übergeben haben." „Diefe Fundierung der von der Rentenbank auszugebenden Geld= zeichen, der ,Rentenmark', ift im Gegenfatj zu allen bisher auf immobile Werte abgeheilten Geldarten zu einer jederzeit greifboren, mobilen und fungibeln Deckung ausgeftaltet: Die Rentenbank (teilt auf Grund der zu ihren Gunften errichteten Grundfdiulden und der ihr übereigneten Sdiuld= verfchreibungen auf Goldmark lautende Rentenbriefe aus, die — als Erfatj für das uns unzugängliche Gold — als Einlöfungsfonds für die auszugebenden Rentenmarkfcheine dienen. Da die Rentenbank nur bis zur Höhe der in ihrem eigenen Befit; befindlichen Rentenbriefe Renten= markfcheine ausgeben darf, ift die ihr auferlegte Verpflichtung, ihre Rentenmarkfcheine auf Verlangen des Inhabers Zug um Zug gegen auf Goldmark lautende Rentenbriefe einzulöfen, unbedingt gefichert. Diefe fubflantielle Fundierung durch eine erfle Hypothek auf das Grund= und Betriebsvermögen der deutfdien Wirtfchaft und in Formen, die diefe Fundierung jederzeit greifbar und realifierbar machen, ift die denkbar flärkfle Sicherung, die einem Geldzeichen, abgefehen von der vollen Deckung durch bares Gold, überhaupt gegeben werden kann." „Die der Rentenbank übertragenen Sicherheiten geftatten die Aus= fertigung von Rentenbriefen im Betrage von rund 3200 Millionen Gold= mark, mithin die Ausgabe von 3200 Millionen Rentenmark. Die Löfung des ftaatsfinanziellen Teils des Problems, foweit die Rentenmark dafür in Betracht kommt, ift dadurch verfucht worden, daß dem Reiche zum Zwedte der Dedtung feines Defizits für die Übergangszeit Kredite in Höhe von 1200 Millionen Rentenmark zugefagt worden find. Das Reich hat (ich gegen diefe Kreditzufage verpflichten müffen, bei der Reichsbank keine weiteren Reidisfchatjwechfel zu diskontieren und aus den erften 3C0 Millionen Rentenmark des ihm bewilligten Kredites feine bei der Reichsbank diskontierten Schatjwedifel einzulöfen. Die Reichsfmanz= Verwaltung ift dadurch in den heilfamen Zwang verfetjt worden, mit den ihr von der Rentenbank gewährten Krediten unter allen Umftänden auszukommen und zu diefem Zwedt endlich an die durchgreifende Reform nicht nur ihrer Einnahmewirtfchaft, fondern auch ihrer Ausgabewirtfchaft und vor allem auch der Betriebsverwaltungen heranzugehen. Die un= bequemen, ja gefährlidien Situationen, die dadurch entffcehen kennen, müffen ertragen werden. Ohne die Rentenbank und ihre Kredite wären diefe Situationen nodi viel unbequemer und gefährlicher geworden, denn es ift kein Zweifel daran möglich, daß die Inflation', mit der das Reich bisher feine Ausgaben beftritten hat, infolge der beginnenden und (ich 7* 99 rafch ausdehnenden Repudiation der Mark im Begriffe war, (Ich tot zu laufen." „Mit der Rentenmark hat das deutfche Volk nicht nur ein neues, real fundiertes Geld erhalten, fondern auch fein bisheriges Geld, die Reichsbanknote, ifl durch die Errichtung der Rentenbank und die zwifchen diefer und der Reichsfinanzverwaltung getroffenen Abreden faniert worden. Die Reichsbank ift nicht nur für die Zukunft von weiteren Inanfpruchnahmen durch das Reich befreit worden; fie hat darüber hinaus für ihre Noten und Giroverbindlichkeiten an Stelle der bisherigen, völlig immobil gewordenen Dedtung in Reichsfchatjwechfeln eine abfolut (Ichere und liquide Deckung in Rentenmark erhalten. Am 15. November, dem entfcheidenden Tage des Überganges, hatte die Reichsbank einen Noten= Umlauf von 92,8 und einen Girobeftand von 129,6 Trillionen Mark, alfo •/ufammen rund 222 Trillionen Mark an täglich fälligen Verbindlichkeiten. Diefer Verpflichtungsfumme (landen 190 Trillionen Mark an diskontierten Reidisfchatjwechfeln und 39,5 Trillionen an Handelswedifeln und Schecks gegenüber. Für die 190 Trillionen Mark Schatjwechfel hat die Reichs= bank 190 Millionen Rentenmark erhalten. Die Reichsbank verfügt alfo nach Durchführung diefer Transaktion über eine mehr als volle Dediung ihrer Verbindlichkeiten in Rentenmark und kommerziellen Wechfeln und Schedas; darüber hinaus über einen Goldbeftand, deffen freier Teil am 15. November zweifellos erheblich größer war als der damalige Betrag ihrer Notenausgabe. Die Reichsbank ift alfo auf Grund ihrer Entlüftung durch die Rentenbank mit einem Schlage zu einem der Seftfundierten Noteninftitute der Welt geworden." „Durch die ausgezeichnet gute Fundierung der Rentenmark und durch das mit deren Einführung bewirkte Flottmachen der auf der Sand= bank der Reidisfmanzen feftgefahrenen Reichsbank ift in der Entwicklung des deutfchen Geldwefens ein Umfdiwung herbeigeführt worden, wie er an Plötjlidikeit und Stärke nicht feinesgleichen hat. Die Rentenmark hat das Wunder vollbracht, dem (ich hemmungslos überfchlagenden Sturze des deutfchen Geldwertes in das abfolute Nichts mit einem Schlage Einhalt zu gebieten. Die offizielle Berliner Dollarnotiz, die allerdings noch unter dem Zwangsregime des ,Einheitskurfes' fleht, konnte — entgegen der Anfidit gewiffer Sachverftändiger, die (ich von der Rentenmark nichts verfprachen und auch jet;t noch die Devifenkurfe höher und höher fetjen wollten, — feit dem 20. November unverändert beibehalten und die zu diefem Kurfe erfolgenden Zuteilungen von Devifen konnten beträchtlich erhöht werden. Auf den freien Börfen des Aus= lands ifl fogar eine flarke Befferung des Markkurfes eingetreten: In New York von 12 Cts. auf 25 Cts. für die Billion Mark, in London von 47'/! Biilionen Mark für das Pfund Sterling auf 18 bis 19 Billionen Mark. Bei dem Verhältnis von 1 Billion Mark = 1 Rentenmark fleht heute die deutfche Valuta auf den ausländifchen Börfen über der Goldparität!" 100 „Der inländifche Geldwert hat auf diefen Umfdiwung fofort reagiert: Der Lebenshaltungsindex der ,Induftrie= und Handelszeitung', der in der legten Novemberwoche auf 1648 Milliarden angekommen war, hat feither eine Senkung auf 1283 Milliarden in der dritten Dezemberwoche erfahren. An Stelle des wahnfinnig gewordenen und wahnfinnig machenden Davonjagens der Preife endlich wieder ein Beharren, ja eine Befferung! Der Verfuch, durch die Schaffung eines neuen, real fundierten Geldes, beruhend auf einer neuartigen, in der Gefchichte des Geldwefens niemals verfuchten Konfcruktion, einen Halt in dem rafenden Abgleiten zu gewinnen, ift alfo auf den erften Anhieb in einer geradezu ver= bluffenden Weife geglückt." Uber das Maß des Anteils, den Helfferidi an der Schöpfung Urheber= der Rentenbank genommen hat, ift ein häßlicher Streit fAaft entbrannt, in deffen Verlauf feine politifchen Gegner feine Hel ff eridlt Verdienfte zu fchmälern fuchten. Zur Beurteilung diefer Ver= dienfte ift es unumgänglich, auf diefen Streit näher einzu= gehen, und die Frage einer fachlichen Prüfung zu unterziehen. Vor allem kann gar nicht nachdrücklich genug betont werden, daß der Helfferidifche Plan in feinen wichtigften Grund= gedanken, zum Teil fogar in der urfprünglichen Wort= faffung, in die Verordnung vom 15. Oktober 1923 über= nommen worden ift. Die in dem vorgehenden Preffeauszug entwickelten konftruktiven Gedanken flammen ausnahmslos von Helfferidi. Nur in zwei wichtigen Punkten, die den Charakter des neuen Zahlungsmittels betrafen, ift der Plan abgeändert worden. Zunächft ift die Belaftung des Eigentums der wirt= fchaftlichen Berufsftände nicht, wie es Helfferidi vorge= gefchlagen hatte, auf Roggen, fondern auf Gold abgeftellt worden. Helfferidi hatte zwar anerkannt, daß der ganze Entwurf in feiner Konftruktion nicht geändert werde, wenn man ftatt des Roggenwertes den Goldwert zugrunde lege, und fchon bei den erften Befprechungen war unter feiner Mitwirkung der Entwurf alternativ aufgehellt worden, auf Roggengrundlage und auf Goldgrundlage. Aber perfönlich vertrat er die Anficht, daß aus pfydiologifchen Gründen die Abftellung auf Roggen bei weitem vorzuziehen fei, weil 101 wir den Roggen im Lande hätten und fortgefet^t neu erzeugten, während das Gold nicht in der Wirtfchaft vorhanden fei. Bei der endgültigen Regelung hat er fleh dann ebenfo wie die Vertreter der Landwirtfchaft mit der Abteilung auf Gold abgefunden und ihr zugeftimmt. Sie war fafl allgemein gefordert worden. In der weiteren Entwicklung hat fleh dann gezeigt, daß in der Tat die Roggenwährung wegen der ftarken Schwankungen des Roggenpreifes unzweckmäßig geweferi wäre. Die zweite Änderung beftand darin, daß von der gefetjlichen Fefl= fetjung eines beftimmten Wertverhältniffes zwifchen der Rentenmark und dem alten Papiergelde abgefehen wurde, weil die Regierung fürchtete, daß |ich fonft etwaige Wertein= büßen der alten Papiermark fofort auf das neue Zahlungs= mittel übertragen würden und fie diefes Rifiko nicht auf fleh nehmen wollte. Dementfprechend wurde auch auf die Statuierung einer Einlöfungspflicht der Reichsbanknoten gegen Rentenmark verzichtet und auch der Rentenmark nicht der Charakter eines gefetdichen Zahlungsmittels bei= gelegt. Auch diefer in letjter Stunde getroffenen Reglung hat Helfferich zugeftimmt, weil er fie nicht für fo wefentlich hielt, zumal die Rentenmarkfcheine von den öffentlichen Raffen in Zahlung genommen werden müffen. Praktifch hat diefe Reglung keine Bedeutung erlangt, denn die Notwendigkeit zur Äufrechterhaltung des feffcen Verhältniffes von 1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark war fo zwingend, daß fie wie ein Gefetj wirkte. Alle fonft an feinem Plan getroffenen Änderungen berühren nicht die Grundgedanken, fondern nur das Maß ihrer Durchführung. Über ihre Zweckmäßigkeit kann man verfchiedener Meinung fein. Angefichts diefer klaren Sachlage erfcheint es fchwer= verftändlich, daß überhaupt Zweifel an der Priorität und damit an der Urheberfchaft des von Helfferich vorgelegten Planes auftauchen konnten. Es erklärt fich das aber vielleicht daraus, daß Helfferich feinen Plan zunädift am 7. Auguft den Miniftern von Rofenberg und Hermes und dann am 10. Auguft dem Reichskanzler Cuno mündlich 102 vorgetragen und ihn erft am 21. Auguft dem erflen Kabinett Strefemann fchriftlich formuliert eingereidit hat. Schon in der Zwifchenzeit mögen gewiffe Grundgedanken feines Planes von Mund zu Mund gegangen und von einzelnen Perfonen als Grundlage „eigener Vorfdiläge" benutjt worden fein. Jedenfalls erhoben einzelne Reichstagsabgeordnete der Deutfdien Volkspartei den Anfpruch, ähnliche Gedanken früher als Helfferich gehabt und auch ausgefprochen zu haben. Allerdings waren es nur mehr oder minder un= ausgetragene und unklare Ideen, die nicht wie bei Helfferich fchon zu Anfang Auguft ihren Niederfchlag in einem feftum= riffenen, formulierten und paragraphierten Plan gefunden hatten. Von Intereffe ift es, daß Helfferich den Plan während feines Aufenthalts im Engadin entworfen und ihn feiner Frau bereits am 31. Juli in allen Einzelheiten auseinander gefetjt hatte. In feinem fchöpferifchen Drang war er be= ftrebt, ihn möglichft fchnell in die Tat umzufetjen, wobei er (ich der Schwierigkeiten voll bewußt war. „Es liegt viel Kampf auf diefem Wege und ein faft übermenfchliches Maß von Verantwortung," — fagte er — „denn wenn es nicht gelingt, wird man midi fteinigen." Und zu dem Minifter von Rofenberg, den er unmittelbar nach feinem Wieder= eintreffen in Berlin befuchte, äußerte er fleh nach defjen Mitteilung wie folgt: „Oben in den Bergen kommen einem die guten Gedanken. Man fieht dort alles viel klarer und richtiger als in der Ebene. Ich habe mir da oben im Engadin das Währungsproblem überlegt und bin zu folgender ganz einfachen, in wenigen Tagen durchführbaren Löfung gekommen." Dann habe Helfferich, wie von Rofenberg weiter mitteilt, in kurzen Strichen, aber faft fchon in Paragraphen gefaßt, in feiner präzifen, fcharf durch= gearbeiteten Diktion das Rentenmarkprojekt entwickelt, das allerdings damals noch ein Roggenmarkprojekt ge= wefen fei. Die Sache fei fo fchlagend und in ihrer genialen Einfachheit fo überzeugend gewefen, daß er Helfferich ge= raten habe, fofort Hermes oder Cuno zu informieren. 103 Helfferich habe fleh nach telephonifcher Verffcändigung zum Finanzminifter Hermes begeben und er (von Rofenberg) fei fofort zum Reichskanzler Cuno gegangen und habe ihm berichtet. Helfferich hat felbft wiederholt Veranlagung genommen, fich zu dem bedauerlichen Streit um die „Vaterfchaft" der Rentenmark zu äußern und die gegen ihn gerichteten An= griffe und Verleumdungen zurückzuweifen*). Ich laffe aber hier feine eigene fchlagende Beweisführung außer acht und befchränke mich auf das Zeugnis anderer prominenter Persönlichkeiten, die mit der Sache von Anfang an befaßt waren. Dabei ift es von Wichtigkeit nachzuweifen, daß bereits der von Helfferich am 7. Äuguft gegenüber den Miniftern von Rofenberg und Hermes und am 10. Äugufl; vor dem Reichskanzler Dr. Cuno mündlich entwickelte Plan die gleichen bejtimmten Grundlagen enthielt, wie fein am 21. Auguft fchriftlich dem Kabinett Strefemann vorgelegter Plan. Diefe Feftftellung ift in vollem Umfange durch den ehemaligen Reichskanzler Dr. Cuno erfolgt, und zwar in einem von ihm an den Abgeordneten Dr. Gildemeifter ge= richteten Schreiben vom 27. Februar 1924, das auszugs= weife hier als Anlage 1 beigefügt ift. Die von Dr. Gilde= meifter in der „Nationalliberalen Correfpondenz" früher aufgeteilte Behauptung, die Rentenmark fei etwas grund= faßlich anderes als das Projekt Helfferichs, bedarf hiernach und nach der gründlichen und objektiven Unterfuchung, die Dr. Friedrich Ramhorft, Gefdiäftsführer des Reichs= Verbandes der deutfehen Induftrie, über „die Entftehung der Rentenbank" **) an der Hand aller darüber vorhandenen Protokolle und fonftigen Unterlagen veröffentlicht hat, keiner weiteren Widerlegung mehr. Ramhorft hat am Schluß feiner Schrift fein Urteil in unzweideutigen Worten dahin zufammengefaßt, es könne keinem Zweifel unterhegen, *) „Die Wahrheit über die Rentenmark", Berlin 1924, Prejfeauffatj Helfferichs vom 15. Februar 1924. „In eigener Sache", S. 28 ff. und Reichs= tagsreden Helfferichs vom 9. Oktober 1923 und 12. März 1924. ") Berlin 1924. 104 daß die Rentenbank in erfler Linie und faft in vollem Umfange auf die Gedankengänge zurückzuführen fei, die Helfferidi Anfang Augufl 1923 den zuftändigen amtlichen Stellen zur weiteren Veranlaffung unterbreitet habe. — — Das deutfche Volk habe fomit allen Anlaß, Helfferich dank= bar zu fein, und es dürfe (ich dies Empfinden der Dankbarkeit nicht durch parteipolitifche Einteilung verkümmern laffen*). Und der Finanzminifter Dr. Luther hat fidi da= hin geäußert, daß fich der Plan Helfferichs hoch über all die meiffcen fonft hervorgebrachten Reformpläne erhob und daß, fo Wichtiges fchließlidi auch daran abgeändert worden fei, er dennoch den Ausgangspunkt für die fpätere Renten= mark bildete. Es fei geradezu lächerlich, dem Abgeordneten Helfferich diefes große Verdiener zu beftreiten**). Schließlich feien noch die Ausführungen erwähnt, die das gefchäftsführende Vorftandsmitglied des Reichsverbandes der deutfchen Induftrie, Geheimrat Dr. Bücher, auf einer Tagung in Frankfurt a. M. gemacht hat, wobei er hervor= hob, daß das endgültige Projekt in feinen Grundzügen vollkommen das Werk Helfferichs fei; alles andere fei um fo dümmeres Gefchwät,, je mehr es fich der politifchen Seite nähere; Helfferich habe das Projekt gefchaffen und zu einer Zeit vorgelegt, in der kein anderer etwas in der Hand gehabt habe. Ähnlidie Erklärungen find noch von anderer autoritativer Seite, insbefondere für den Ver= waltungsrat der Deutfchen Rentenbank von deffen Vor= fixendem, Staatsminifler Dr. Lenfje, abgegeben worden***). So war Helfferich der eigentliche Schöpfer der Renten= bank trotj aller gegenteiligen Behauptungen, die noch immer nicht ganz verflummt find. Von dem heißen Willen befeelt, das drohende Verhängnis von unferem Volke abzuwenden, hat er den Weg zur Rettung aus der Not gefunden und einen ungeheueren Erfolg erzielt. So groß aber auch *) a. a. 0. S. 48 und 51. **) Dr. Hans Luther „Fefle Mark - folide Wirtfchaft". Berlin 1924, S. 65/66. ***) Vgl. Anlage 2. 105 diefer Erfolg war, immer ift Helfferich fleh bewußt geblieben, daß es fleh dabei nicht um eine Endlöfung und Dauerlöfung handeln könne, folange die für das Schickfal des deutfehen Volkes legten Endes entfeheidenden Probleme der inneren Wirtfchaft und der Außenpolitik nicht in einer Weife ge= regelt feien, die gleichzeitig mit den Exiftenzgrundlagen des Volkes auch die Vorausfetjungen für eine normal funktionierende Geldverfaffung fchaffe. Daß diefe Geld= verfaffung die Goldwährung fein müffe, war für ihn felbft= verfländlich. Über die Stabilisierung der deutfehen Währung hat Helfferich neben zahlreichen Artikeln in der Tagespreffe eine Reihe größerer Arbeiten veröffentlicht, insbefondere „Die deutfehe Währung im Jahre 1923", Effen 1924, (Wirtfchaftsbuch für das niederrheinifch=weffcfälifche Induffcrie= gebiet) und drei Auffätje in der Londoner Zeitfchrift „The Statist" 1924 u,z. „The Success of the Rentenmark" (Band 103, Nr. 2396/97), „German Currency and Finance" (Band 103, Nr. 2400ff.) und „The Gold = Discount = Bank and the propofed Gold=Note = Bank" (Band 103, Nr. 2407). Hem= Y"\er Erfolg der Rentenmark wäre noch ein bedeutend mungen, größerer gewefen, wenn nicht die Beratung des Planes Verfdüep- un( j damit die fchließliche Löfunq des Problems durch un= pung und deren QÜnftige Umflände und durch eine teils doktrinäre, teils Folgen parteipolitifch verblendete Gegnerfchaft lange Zeit hinaus= gezögert worden wäre. Als Helfferich feinen Plan im Kabinett Cuno dargelegt und die grundfätjliche Zuftimmung gefunden hatte, hatte er auf die Frage Cunos, binnen welcher kürzeflen Frift der Plan durchgeführt werden könne, geantwortet, daß dies binnen zwei Wochen möglich fein müffe*). Am 10. Auguft fchrieb er an feine Frau: „Mich befchäftigt noch immer das meiner Anficht nach ganz *) Siehe den als Anlage 1 beigefügten Brief des Reichskanzlers a. D. Dr. Cuno an den Reidistagsabgeordneten Dr. Gildemeifler. 106 brennende Problem, welches wertbefbändig fundierte Geld an Stelle der fterbenden Mark gefegt werden foll. Wenn die Löfung des Problems nicht in der allernächften Zeit gelingt, dann fterben wir mit der Mark. Denn eine Wirt= fchaft wie die deutfdie kann ohne Geld ebenfowenig leben, wie der Menfch ohne Luft." Unter Helfferichs Vorfrb; follte eine kleine Kommiffion zu befchleunigter Durchberatung gebildet werden, als am 12. Augufc das Kabinett Cuno geftürzt wurde. Diefes Ereignis war die erfte und folgenfchwerfte Hem= mung für eine fchnelle Verwirklidiung, und man geht wohl nicht fehl mit der Behauptung, daß die Stabilifierung in kürzefter Zeit herbeigeführt worden wäre, wenn die da= malige Regierung am Ruder geblieben wäre. Helfferich felbfb hat wiederholt geäußert: „Wäre mein Plan gleich befolgt worden, fo wäre die Stabilifierung ftatt auf der Bajis von einer Billion bei einem Stande von einer Million Papiermark (für eine Goldmark) gelungen." Aber das erfte Kabinett Strefemann, befonders der fozialdemokratifche Finanzminifter Dr. Hilferding und auch der Reichstag (landen dem Plan keineswegs freundlich gegenüber. Das hatte fich fchon bei den Beratungen im Steuerausfchuß und dann in der Plenarfitjung des Reichstages vom 15. Augufl gezeigt, als Helfferich dafür eintrat, daß durdi freiwillige und tätige Mitarbeit der wirtfchaftlichen Berufsflände auf Grundlage der Vermögenswerte der deutfchen Wirtfchaft ein real fun= diertes Zahlungsmittel gefchaffen werde, um eine Sanierung der Reichsfinanzen und eine Stärkung des Reichskredits in die Wege zu leiten. Die von ihm eingebrachte Refolution wurde durch die von den Sozialdemokraten bis zur Deutfchen Volkspartei reichende „große Koalition" abgelehnt zu= gunften einer von ihm bekämpften Entfchließung, der= zufolge das gleiche Ziel durch eine Belüftung der Ver= mögenswerte der Wirtfchaft zugunften des Reichs er= reicht werden follte. Das bedeutete nichts anderes als eine Erfaffung der Sachwerte durch das Reich, wie fie dem marxiftifchen Ziel einer Enteignung des Befiijes entfprach 107 und in einem Antrage des Äusfchuffes zum Ausdruck ge= kommen war*). Gleichwohl fand am 18. Auguft auf Wunfdi und unter Beteiligung Strefemanns eine erfte befonders wichtige Be= fprechung Helfferichs mit den Miniftern Dr. Hilferding, v. Raumer und Dr. Luther ftatt, bei der auch die beiden Fraktionsgenoffen Helfferichs Schiele und Dr. Reichert an= wefend waren. In diefer Befprechung trug Helfferich feinen Plan in allen Einzelheiten vor. Er hatte fich unter gewiffen Vorausfetjungen und unter Zurüdiftellung aller parteipoli= tifchen Gefichtspunkte bereit erklärt, an der Verwirklichung weiter mitzuarbeiten. Äußerft charakteriftifch für die geiftige und moralifche Einftellung des ehemaligen öfterreichifchen Arztes und neuen Finanzminifters Dr. med. Hilferding war ein Zwifchenfall, der fleh in jener erften Befprechung vor Eintritt in die eigentlichen Verhandlungen ereignete. Er beleuchtet am beften die Situation und fei deshalb hier nach den Aufzeichnungen des Abgeordneten Dr.Reichert wiedergegeben. „Als der Reidisfinanzminifter Dr. Hilferding zum erflen= mal Dr. Helfferich aufforderte, den anwefenden Mitgliedern des Reidiskabinetts feinen Währungsplan vorzulegen, fragte zunächft der vorsichtige Helfferich, ob denn nicht der Reichs= finanzminifler felbffc einen Währungsplan in fein neues Amt mitgebracht habe. Dr. Hilferding erwiderte fofort, daß er daran denke, zur Goldwährung übergehen zu können. Er wolle die Reichsbank teilen, und zwar den Teil, der auf Papiermark gebellt fei, fleh felbft überlaffen, hier fei doch nidit mehr viel zu retten, während er den Goldfchatj der Reichsbank zur Grundlage einer neuen Goldwährung machen wolle. Helfferich erkundigte fich danach, wieviel Gold denn bei der Reichsbank hierfür zur Verfügung ftehe. Darauf antwortete Hilferding, das könne man ja aus den Reichsbank= ausweifen lefen. Dr. Helfferich beftritt dies und erklärte, daß es fich doch nicht um 400 bis 500 Millionen freie Gold= Vorräte handele, fondern daß für MarkfKitjungszwecke ufw. *) Vgl. „Helfferidi Reidistagsreden 1922-1924", Berlin 1925, S. 169 ff. 108 über 200 Millionen verpfändet fein dürften. Darauf gab Hilferding die für einen Finanzminifter in der Revolutions= zeit kennzeichnende Antwort: ,Das macht nichts, man ver= wendet das Gold einfach noch ein zweites Mal.' Helfferidi aber erwiderte wörtlich: ,Herr Minifter, Sie fangen Ihre Amtsgefchäfte mit einem Bankerott des Reiches an. Ich warne Sie, aus dem einfachen Bankerott einen betrügerifchen Bankerott zu machen'." Das mußte (ich der Reichsfinanzminifter fagen laffen, und fo fah der Mann aus, in deffen blande die Führung und die Verantwortung in diefer für Leben und Sterben des deutfdien Volkes entfcheidenden Frage gelegt war. Der von Helfferich am 21. Äuguft fchriftlich eingereichte, formulierte Entwurf wurde fchon bei den erften Sachver= fländigen=Erörterungen im Reichsfinanzmini fterium am 29. Äuguft durch den Finanzminifter ftark bekämpft. Hilfer= ding äußerte fleh dahin, daß die Vorausfetjung, derzufolge die Bedürfniffe des Reichs für eine gewiffe Übergangszeit ohne Vermehrung der Zahlungsmittel gedeckt werden könnten, nicht mehr gegeben fei angefichts der Größenverhält= niffe, mit denen gerechnet werden müffe. Der Ruhrkampf habe zu einer völligen Finanzanarchie geführt. Er machte geltend, daß er, folange wir für die Leitungen an das befetjte Gebiet keine feften Einnahmen hätten, fleh weigere, wertbefländiges Geld herauszugeben. Dennoch war in den Beratungen der Sachverftändigen, die am 8. September zum Abfchluß kamen, fchließlich eine auf Grundlage des Helfferichfchen Entwurfs durchgearbeitete Gefetjesvorlage fertiggeftellt und dem Kabinett vorgelegt worden. Damit war die Angelegenheit endlich für die Faffung eines Ent= fchluffes reif. Aber das Reichskabinett hat am 10. September die Vorlage nidit genehmigt und ganz wider Erwarten, entfprechend der Hilferding fchen Auffaffung und einem vom Währungsausfchuß des vorläufigen Reichswirtfehaftsrates geseilten Antrag (Dr. Georg Bernhard — Dr. Feiler) be= fchloffen, die Löfung der Frage auf dem Wege einer Gold= notenbank zu fuchen. Am Tage daraufkündigte Strefemann 109 / die Schaffung einer Goldnotenbank in etwa vierzehn Tagen an. Diefes Ergebnis ftand im Einklang mit der von fozial= demokratifcher und demokratifcher Seite gegen Helfferich gerichteten heftigen Agitation in der linksftehenden Preffe, die feinen Plan als einen Mißgriff bezeichnet hatte, weil (ich nach Meinung diefer Kreife die neue Mark genau fo wie die alte Papiermark entwerten müffe. Wie gründlich die Abkehr Strefemanns von dem Helfferichfchen Plane war, ging aus feiner in der erwähnten Rede enthaltenen über= rafchenden Mitteilung hervor, derzufolge er dem franzöfifchen Minifterpräfidenten erneut das Angebot gemacht hatte, zu= gunften der Reparationsgläubiger eine erfte Hypothek auf den gefamten deutfchen Privatbefitj eintragen zu laffen. Das war gefchehen, obgleich durch die Nichtbeantwortung eines den Großmächten am 7. Juni 1923 gemachten ähn= liehen Angebots der Weg frei geworden war, um die Be= laftung der Wirtfchaft für die Währungsreform und den zeitweiligen Ausgleich des Reichshaushalts zu benutzen! Da trat Helfferich mit feinem auf Wunfeh der Reichs= regierung bisher von ihm geheim gehaltenen Plane an die Öffentlichkeit. Am 12, September gab er feine Vor= fchläge unter dem Titel „Brotwährung" an zahlreiche Tageszeitungen. In diefem Artikel kam feine fchmerzliche Enttäufchung über den Gang der Dinge in folgenden Worten zum Ausdruck: „Das Reichskabinett hat keinen Entfchluß, fondern nur einen Befchluß gefaßt, einen Befchluß nicht zugunften eines fertigen, fofort in die Tat umzufetjenden Planes, fondern zugunften der vagen, noch in keiner Weife konkret geftalteten Idee einer Goldnotenbank. In einer Zeit, die fofortiges Handeln forderte, wird alfo nicht ge= handelt, fondern aufs neue beraten. Die vom Reichskanzler Strefemann geftern ausgefprochene Zuverficht, daß auf der vom Kabinett ins Äuge gefaßten Grundlage die Löfung der Währungsfrage in den nächften zwei Wochen möglich fein wird, darf füglich bezweifelt werden." Und über das Angebot Strefemanns zugunften der Reparationsgläubiger gab er feiner Meinung dahin Ausdruck, daß es geeignet 110 fei, die Grundlagen für die Schaffung eines real fundierten Zahlungsmittels zu zerftören, denn auf eine zweite Hypothek nach einer jedenfalls erheblichen, vorläufig aber zahlen= mäßig noch unbegrenzten Vorbelaftung laffe {ich ein neues Zahlungsmittel nicht aufbauen. Der Reichskanzler Dr.Wirth habe feinerzeit das Wort ausgefprochen: „Erft Brot, dann Reparationen." Er furchte, das Angebot des Reichskanzlers Strefemann [teile die Reparationen vor das Brot. Die Spitjenverbände der Induflrie und Landwirtfchaft trafen inzwifchen trotj der ablehnenden Haltung des Kabinetts ihre Vorbereitungen. Am 15. September begab fleh Helfferich auf eine Erholungsreife nach Italien. In der Tat erwies (Ich nun, daß das Projekt der Goldnotenbank bei dem Fehlen an Gold in Deutfchland und mangels aus= ländifcher Hilfe nicht durchführbar war, und Hilferding fah fleh veranlaßt, notgedrungen auf den Helfferichfchen Plan zurückzugreifen. Am 19. September legte Hilferding im Reidisfinanzminifterium den Sachverftändigen einen von ihm ausgearbeiteten Entwurf über die Schaffung einer Bodenmark vor, der entfprechend der vom Reichstage am 15. Auguft angenommenen Refolution die Grundgedanken Helfferichs zum Aufbau einer reinen Staatskreditbank mißbrauchte und auch fonft wichtige Abänderungen ent= hielt. Helfferich war fchon am Tage vorher durch Hilferding telegraphifch nach Berlin zurückgerufen worden, da diefer auf feine Mitwirkung nicht verzichten konnte. Das dringende Telegramm lautete: „Wäre dankbar für Anwefenheit wegen Entfdietdung über Währungsfrage. Reichsminifher Hilferding." Aber die Entfcheidung kam nicht, obgleich Helfferich dem Rufe fofort Folge geleiftet und fich erneut zur Verfügung geftellt hatte. Es ift unmöglich, hier auf die nun folgenden zahlreichen und einfehneidenden Änderungen des Helfferichfchen Planes fowie auf die inzwifchen neu aufgetauchten Projekte, deren Befprechung täglich Sitzungen und lange Beratungen er= forderlich madrte, einzugehen. Es fei deshalb auf die aus= gezeichnete Schrift von Dr. Friedrich Ramhorft verwiefen, III in der die Entwicklung in all ihren Stadien ge= fdiildert ift*). Als am 26. September der Ruhrkampf abgebrochen wurde, war noch immer in der Währungsfrage keine Löfung gefunden. Die Verzögerung war auch der Grund dafür, daß nun fortwährend neue Vorfchläge und Reform= ideen vorgebracht werden konnten, die die Zeit der Re= gierungsorgane und Sachverftändigen ungebührlich in An= fpruch nahmen und die ganze Angelegenheit weiter in die Länge zogen. So nährte fleh die Verzögerung gleichfam durch fleh felbfl und wurde immer größer. Inzwifchen tauchte immer wieder der urfprüngliche Entwurf Helfferichs in mehr oder minder entftellender Verkleidung aus der Verfenkung auf, ohne daß es zu einem endgültigen Entfdiluß gekommen wäre. Es wurden zu viele Inftanzeri gehört und viel zu viel verhandelt, weil es der Regierung an der tieferen Sachkenntnis, dem nötigen Verantwortungsgefühl und an der fieberen Führung fehlte. Nur diefe Eigenfchaften hätten fie befähigt, in zielbewußter Entfchloffenheit die Verhand= hingen auf das unbedingt notwendige Maß zu befchränken und mit allen Mitteln eine fchnelle Entfcheidung herbei= zuführen. Die Durchführung des Helfferichfchen Planes ift durch diefe fchwankende und planlofe Haltung der Re= gierung im erften Kabinett Strefemann, insbefondere durch den von Hilferding am 10. September veranlaßten Kabinetis= befchluß und die darauffolgenden unfruchtbaren Verhand= lungen um nahezu einen Monat verzögert Avorden. In der Rekhstagsfitjung vom 9. Oktober 1923 nahm Helfferich Anlaß, die Änderungen, die der Minifter Dr. Hilfer= ding in wichtigen Einzelheiten an dem Projekt vorgenommen hatte und durch die der Plan — wie Helfferich fleh aus= drückte — „denaturiert" worden war, zu erörtern*"). Er wies u. a. darauf hin, daß der Staat bei der heutigen Lage der Dinge nicht imftande fei, ein Geld zu fchaffen, das das *) „Die Entftehung der Deutfdien Rentenbank". Berlin 1924. **) Vgl. „Helfferidi Reidistagsreden 1922-1924". Berlin 1925, S. !90ff. 112 erforderliche Vertrauen finde, daß dies vielmehr nur ge= fdiehen könne auf der Grundlage der freien Betätigung der wirtfchaftlichen Berufsfremde. In diefem Punkte fei aber fein urfprünglicher Entwurf erheblich eingefchränkt worden, obgleich er von der Durchführung diefer Konftruktion von Anfang an feine weitere Mitarbeit abhängig gemacht habe und ihm erft am 18. Auguft feitens der Regierung unter ZufKmmung Hilferdings diefe Bedingung erneut zu= geftanden worden fei. Auch über die ihm ferner gegebene Zufage einer Befeitigung der Betriebs= und Landabgabe fei man in dem vorliegenden Entwurf einfach hinweggegangen. Bei der Schaffung eines neuen Geldes, deffen Schickfal in erfler Linie auf dem Vertrauen beruhen müffe, würde er es als geradezu felbftmörderifch anfehen, wenn die Schaffung diefes neuen Geldes damit anfangen follte, daß ein gegebenes Wort gebrochen werde. Der Entwurf fei fo verändert, daß er die fchwerften Sorgen habe, ob die von ihm angeflrebte Wirkung damit erreicht werden würde. Glücklicherweife waren diefe Sorgen unbegründet. Denn nach dem inzwifchen erfolgten Rücktritt Hilferdings und der am 6. Oktober vollzogenen Neubildung des Kabinetts Strefemann gelang es den tatkräftigen und zielbewußten Bemühungen des neuen Finanzminiflers Dr. Luther, den Plan Helfferichs nach anflrengenden und fdiwierigen Ver= handlungen in der Hauptfache wiederherzuftellen und ihm in der überrafchend kurzen Zeit von neun Tagen zum Siege zu verhelfen, trotj der in letjter Stunde von der Vertretung der Banken und vom Reichsrat erhobenen Einwände. Auf Grund des am 13. Oktober verabfehiedeten Ermächtigungs= gefetjes konnte am 15. Oktober die Verordnung über die Errichtung der Rentenbank erlaffen werden. Es war ein Treppenwitj der Weltgefchichte, daß die Ausführung des Helfferichfchen Planes durch das Ermächtigungsgefetj er= möglicht wurde, das von ihm felbffc und von feiner Partei auf das heftigfte bekämpft worden war. Die Papiermark war in der Zeit vom 10. September bis zum 15. Oktober von 8 v. Lumra, Heljferidi. 113 einem Zwölfmillionftel bis auf ein Neunhundertmillionftel ihres Goldwertes gefunken. Ein fehr wichtiger Grund für die lange Hinzögerung war — wie erwähnt — die durch Hilferding von Anfang an vertretene Anficht gewefen, daß die Durchführung einer Währungsreform nicht möglich fei, folange unfere Geld= wirtfchaft durch den paffiven Widerfland im Ruhrgebiet belaflet und deshalb die Wiederherftellung des Gleidi= gewichts im Reichshaushalt ausgefchloffen fei. Diefer Ein= wand war von um fo größerer Tragweite, als er von Strefemann und auch von Luther als richtig anerkannt wurde. Der tiefere Grund lag darin, daß der Ruhrkampf, der unüberfehbare Summen verfchlang, nicht planmäßig durch valorifierte Steuereingänge finanziert wurde und deshalb mit Hilfe der Notenpreffe finanziert werden mußte. Diefe Art der Geldbefchaffung war damals nicht mehr zu vermeiden. Wie die Dinge lagen, war es in der Tat unmöglich, während der Dauer des Ruhrkampfes ein wert= beftändiges Zahlungsmittel herauszugeben. Eine andere Frage aber ifl es, ob es nicht für die Regierung angezeigt und möglich gewefen wäre, fchon vorher die Valorifierung der Steuern mit allen Mitteln zu betreiben und mit den fo gefchaffenen Einnahmen auf eine planmäßige Finanzierung des Ruhrkampfes Bedacht zu nehmen, um dadurch eine frühere Durchführung der Stabilifierung zu erreichen. Mit anderen Worten: War diefe verhängnisvolle Entwicklung zwangsläufig oder hätte fie bei rechtzeitiger Vorforge der Regierung abgewendet werden können? Helfferich felbft hat wiederholt feiner Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß der Mangel jeder planmäßigen Finanzierung des Ruhrwiderftandes der Regierung zur Laft falle. In feiner Reichstagsrede vom 6. März 1924 wies er darauf hin, daß unfere finanzielle Front im Herbfl 1923 nicht nur bedroht, fondern zerfchmettert und aufgelöft gewefen fei. Im Kampf um die Ruhr feien Mittel eingefetjt und verzettelt worden, ohne daß für die rechtzeitige Bereit= ftellung von Referven Sorge getragen worden wäre. Seine 114 feit Beginn des Jahres 1923 oft wiederholten Bemühungen auf Herbeiführung einer automatifchen Anpaffung der ver= fdiiedenften Steuern an die Geldentwertung haben erft viel fpäter zu einem Erfolge geführt, und als es ihm im Juli 1923 gegen den Widerffcand der Sozialdemokraten und des Finanzminifters Hermes gelungen war, wenigftens die fofortige Valorifierung der Brotabgabe durchzufetjen, die dann auch mit vielen Millionen dem Goldwerte nach erhoben worden war, zerrannen diefe namhaften Beträge durch Fehler in der Veranlagung der Regierung unter den Händen. „Der Steuerzahler hatte die gewaltige Laft getragen, aber dem Staat waren die Millionen durch die Finger geglitten." Die Verantwortung hierfür fiel, wie Helfferich im Reichstage am 6. März 1924 ausgeführt hat, der Reichsregierung zu, in der die Sozialdemokraten durch den Finanzminifter Hilferding vertreten waren*). Trotj diefer Auffaffung Helfferichs wird es angefidrts der tat= fächlichen Entwicklung, die die Dinge genommen haben, kaum möglich fein, eine präzife Antwort auf die geftellte Frage zu geben. Eine weitere Unterfuchung, die nur konjek= turalpolitifcher Art fein könnte, erfcheint daher unfruchtbar und müßig. Aber audi wenn man fich lediglich auf den Boden der Tatfache ftellt, daß der Ruhrwiderffcand am 26. September 1923 abgebrochen und damit der Weg für die Währungsreform frei wurde, fo drängt fich doch der Gedanke auf, daß es für die Regierung fehr wohl möglich gewefen wäre, in der Frage der Schaffung eines real fundierten Zahlungsmittels fchon vorher grundfätdich ihre Entfcheidung zu treffen, was auf Grund des bereits durchberatenen Helfferichfchen Planes, auf den ohnehin fpäter wieder zurückgegriffen wurde, fchon nach dem 10. September gefchehen konnte. Die Regierung hätte dann wenigftens rechtzeitig alles vor= bereiten und namentlich das neue Zahlungsmittel bis auf Datum und Unterfchriften fertig drucken laffen können, um *) „Helfferich, Reichstagsreden 1922-1924". Berlin 1925, S. 225/26. 115 es nadi Erlaß der Verordnung tunlidift bald in ausreichenden Mengen in den Verkehr zu bringen und die Notenpreffe flillzulegen. Bei fbichen Vorbereitungen wäre, felbft wenn der gefetjgeberifche Befchluß nicht vor dem 15. Oktober erfolgt wäre, doch der Zwifchenraum zwifchen diefem Tage und der Herausgabe des neuen Zahlungsmittels wefentlidi abgekürzt worden, denn die endgültige Fertigftellung des Druckes hätte {Ich fehr fchnell erledigt. Vor allem wären aber fchon zu diefem früheren Zeitpunkte genügend große Mengen an Rentenmarkfcheinen zur Verfugung gewefen; man hätte — wie Luther hervorhebt — fofort mit der Zurückziehung von Papiergeld beginnen und damit die Befferung des Kurfes der Papiermark fchon früher herbei= führen können*). Luther hat fich weiterhin über die Wahl des Zeitpunktes wie folgt geäußert**): „Gewiß war die Auffaffung des Minifters Dr. Hilferding, daß wir eine Währungsreform tatfächlich nicht durchfuhren konnten, fo= lange unfere Geldwirtfchaft durch den paffiven Widerftand belaftet war, durchaus richtig. Der Zeitpunkt der Heraus= gäbe mußte ficher unter diefem Gefichtspunkte ausgewählt werden. Die 100 Millionen Rentenmark, die wir nach dem 16. November noch befonders für die Erwerbslofenfürforge im befetjten Gebiet haben ausgeben müffen, zeigen, was der Rentenmark hätte widerfahren können, wenn fie zu früh, alfo etwa fchon Mitte Oktober herausgekommen wäre, nachdem der pafjfive Widerftand erft am 26. September beendet war. Anderfeits hätte vom Währungspolitifchen Standpunkt aus der gefet>geberifche Befchluß durchaus früher ergehen können, und der 15. Oktober war jedenfalls die allerletjte Stunde." Mit diefer äußerft vorfichtigen Faffung fleht die An= nähme durchaus im Einklang, daß bei früherer Herbei= führung einer grundfäijlidien Entfcheidung zugunflen des Helfferidifchen Planes die Herausgabe des neuen Zahlungs= *) a. a. 0. S. 70/71. •) a. a. 0. S. 70. 116 mittels zu einem früheren Termin möglich gewefen wäre. Auch die Tatfache, daß erffc nach dem 16. November noch 100 Millionen Rentenmark über die Vorfchätjung hinaus gezahlt werden mußten, wäre kein Hindernis gewefen, denn fie find ja ohnehin aus dem dem Reiche zur Ver= fugung geffcellten fchmalen Übergangskredit gezahlt worden. Aber Helfferich felbft hatte ja den Reidiskredit von Än= fang an weit reichlicher, nämlich auf zwei Milliarden Mark bemeffen. Die Kürzung auf 1,2 Milliarden Rentenmark ift erft auf Vorfchlag Hilferdings mit ZufHmmung Luthers er= folgt. Eine nur um wenig reichlichere Bemeffung des Kredits würde diefes Bedenken völlig ausgeräumt haben. Daß überhaupt eine Nachforderung für Erwerbslofe in diefer Höhe noch fo fpät möglich war, zeigt deutlich die Berechtigung der von Helfferich an der Regierung geübten fchcrfen Kritik, derzufolge der Abbau des paffiven Wider= ftandes jede Führung und Organifation vermiffen ließ*). Das gilt namentlich hinfichtlich der finanziellen Liquidation. Durch rechtzeitiges Eingreifen der Regierung wäre zum mindeften die Überrafchung, die diefe Nachforderung ver= urfachte, vermieden worden, und man hätte mit ihrem ungefähren Betrag bei der Bemeffung des Reichskredits rechnen können. Nach all diefen Erwägungen kann es nicht zweifelhaft fein, daß die Herausgabe der Rentenmark mindeflens drei Wochen früher hätte erfolgen können. Daß dies nicht gefchehen ift, erklärt fich hauptfächlich durch die ablehnende und intranfigente Haltung, die Hilferding während der ganzen Dauer feiner Amtszeit gegenüber dem Helfferidifchen Plan eingenommen hat. Ihn trifft in erfter Linie die Ver= antwortung für diefe Verfdileppung. und deren Folgen. Daran vermag auch der Umftand nichts zu ändern, daß drei hervorragende Vertreter der deutfchen Bankwelt auf dem VI. Allgemeinen Deutfchen Bankiertage in Berlin am 15. September 1925 über ein ftimmend erklärten, daß die *) „Helfferidi, Reichstagsreden 1922-1924". Berlin 1925, S. 241. 117 mit der Rentenmark erfolgreich durchgeführte Zwifchen= löfung nicht früher als im November 1923 hätte verflicht werden können. Denn diefe Erklärung nimmt ihre Be= gründung lediglich aus den tatfächlichen Vorgängen und Maßnahmen der Regierung, ohne zu unterfuchen, ob nicht gewiffe Fehler und Unterlaffungen hätten vermieden werden können. Das ift durchaus verftändlich. Aufgabe des Hiflorikers aber ift es, diefe wichtige Frage zu klären. Denn die Allgemeinheit hat ein Recht, darüber unterrichtet zu werden angefichts der fchwerwiegenden Bedeutung jeder auch noch fo kleinen Verzögerung für Land und Volk. Die Folgen der Verfchleppung find verheerend gewefen. Brachte doch jede, noch fo kurze Verzögerung in der Durch= führung den Befhjern von Anfprüchen in Papiermark gerade in jener kritifchen Zeit unermeßliche Verlufte. Bedeutete doch jeder Tag die Vernichtung zahllofer Exiflenzen. In der Zeit vom 20. Auguft, dem Tage vor der Übergabe des Helfferichfchen Planes an das erfte Kabinett Strefemann, bis zum 20. November, dem Tage, an dem es gelang, den Kurs zu ftabilifieren, ift der Wert der Papiermark von einem Millionftel auf ein Billionftel ihres Goldwertes herab= gefunken. Für die großen Subftanzverlufte, die haupt= fächlich die erwerbstätigen Kreife der Bevölkerung damals erlitten haben und die das Betriebskapital der Unter= nehmungen völlig aufzuzehren drohten, find die Wochen vor der Stabilisierung entfcheidend gewefen. Das Mitglied des Reichsbankdirektoriums, Geheimrat Dr. Friedrich, der allen Verhandlungen beiwohnte, fagt über die Ver= zögerung*): „Ganz anders fällt ins Gewicht, daß die in ihrer Wirkung allerdings auch nicht fo ficher im voraus zu beurteilende Gründung der Rentenbank trotj der eifrigften Bemühungen Helfferichs fowie des damaligen Ernährungs= minifters Dr. Luther wochenlang verzögert wurde, — — und man kann wohl fagen, daß, wenn jene Verzögerung *) „Vom alten zum neuen Bankgefet;". Bankarchiv, Jahrg. XXIV, Nr. 2 vom 15. Oktober 1924. 118 nicht ftattgefunden hätte, der Äbfturz der Mark an einem ganz anderen Punkte angehalten worden wäre." Wäre z.B. die Rentenmark ftatt am 20. November am 31. Oktober, alfo nur drei Wochen früher in den Verkehr gebracht worden, fo wäre ihre Bewertung mit 18,1 Milliarden ftatt mit 1 Billion Papiermark möglich gewefen. Wäre fle nur etwa zwei Wochen früher herausgebracht worden, bei Be= wertung der Rentenmark mit 150 Milliarden Papiermark am 7. November, fo wäre uns, wie Dr. Luther mit Recht hervorhebt — ganz fchwerer Schaden in der Preisbildung erfpart geblieben*). Die für die Verfchleppung Verant= wortlichen, die fo unverantwortlich handelten, werden vielleicht geltend machen, daß fie die kataffcrophale Ent= wicklung des Währungsverfalls nicht hätten vorausfehen können. Andere haben fie vorausgefehen. Männer, die an führender Stelle der Regierung angehörten, hätten fie vorausfehen müffen. Helfferich hat fie nicht nur voraus= gefehen, fondern die Regierung immer wieder auf die furchtbaren Folgen der Verfchleppung hingewiefen und fo= gar nach dem verhängnisvollen Kabinettsbefchluß vom 10. September feine warnende Stimme in der Öffentlichkeit erhoben. In feinem Preffeauffatj vom 12. September fagte er: „Wenn mein Plan oder irgendein anderer noch die Rettung vor der faft ficheren Kataftrophe bringen foll, fo ift keine Zeit mehr zu verlieren. Es ift fünf Minuten vor Zwölf." Die große Tragweite der Verfchleppung und die un= geheure Verantwortung ihrer Urheber dem Volk gegen= über lag in dem Fortfehreiten der fozialen Umfchichtung, als Folge der täglich rapid wachfenden Entwertung der Papiermark. Diefer Währungsverfall bedeutete, wenn man von der Entwicklung in Sowjet=Rußland abfieht, die größte, fchnellfte und wirkfamfte Proletarifierung, die die Welt jemals erlebt hat. *) a. a. 0. S. 70. 119 Würdigung ■T'ür Helfferich war es befonders fdiwer gewefen, fidi der Leitung JJ 1 d ur dizufe^en, weil das Problem mitten im Streit der politifdien Parteien ftand, deren Führer und Angehörige die von ihm vorgefchlagene Löfung durch die Brille ihrer Partei betrachteten. Und wenn er auch ausdrücklich erklärt hatte, daß er bei feiner Mitwirkung alle parteipolitifchen Gefichtspunkte zurückgehen werde, und dies auch tat, fo handelten doch feine politifdien Gegner keineswegs nach dem gleichen Grundfa^e. Vielmehr hat der Umftand, daß er als Reichstagsabgeordneter der zur Regierung in Oppo= fition flehenden deutfchnationalen Volkspartei angehörte, feiner Sache außerordentlich gefchadet, nicht nur bei einzelnen Mitgliedern der Regierung und bei den linksflehenden Parteien des Reichstags, fondern auch in der ganzen links= gerichteten Preffe, deren Agitation mittelbar viel zu der Verfchleppung beigetragen hat. Denn den linksflehenden Parteien konnte eine Rettung aus der Not durch einen ver= haßten politifdien Gegner nicht erwünfcht fein. Man fuchte nach politifdien Gründen, um die von ihm gemachten Vor= fchläge zu diskreditieren, und bemängelte vor allem den tragenden Gedanken, daß die Verwaltung der Rentenbank und damit das Hoheitsrecht der Notenausgabe — wenn auch nur vorübergehend und innerhalb beftimmter Grenzen — in die Hände der wirtfchaftlichen Berufsflände gelegt werden follte, weil diefen dadurch ein weitgehender Einfluß auf die Finanzgebarung des Reichs eingeräumt werde. In der Öffentlichkeit hat neben dem Chefredakteur der Vofjifchen Zeitung Dr. Georg Bernhard der damalige Bankdirektor und jetzige Reidisbankpräfldent Dr. Schacht die Vorfdiläge Helfferidis in Zeitungsartikeln und Vorträgen auf das heftigfle bekämpft. Noch am 3. Oktober hat Schacht in einem Artikel der Voffifdien Zeitung den Helfferichfchen Plan als die Fortfe^ung der bisherigen Politik bezeichnet, die zu der ungeheueren Entwertung unferes Reichsmarkgeldes ge= führt habe; fie könne nur mit einem neuen Mißerfolg enden, deffen Opfer wieder weite Kreife der Wirtfchaft fein würden. Und am 10. Oktober veröffentlichte er im Berliner Tageblatt 120 den Entwurf eines Gefetjes über eine private Goldnoten= bank. Wäre Helfferich damals felbffc Mitglied der Regierung gewefen, fo wäre ihm die Erreichung feines Zieles wefentlidi erleichtert worden. Vor allem wäre man fchneller ans Ziel gelangt. Daß er (ich trot3 all diefer Hemmungen und Wider= ftände perfönlicher und fachlicher Art fdiließlidi doch durch= zufeijen vermochte, ifl" in erfter Linie dem Umftande zu verdanken, daß von all den vielen fonft vorgebraaiten Vorfchlägen und Reformgedanken kein einziger fich als geeignet und praktifch brauchbar erwiefen hat, um als Grundlage für eine wirkfame und fofortige Reglung zu dienen. Hätte ein folcher Plan vorgelegen, fo hätte die Regierung ficherlich nicht auf den Entwurf Helfferichs zurück= gegriffen. Und dann war es fein befonderes Verdienft, daß er — obwohl außerhalb der Regierung flehend — allen Widerständen zum Trot, viele Wochen hindurch unter Hintanfetjung feiner damals ernftlidi angegriffenen Gefund= heit feine ganze Zeit und Kraft daran gefegt hat, den Grundzügen feines Planes fowohl in den maßgebenden Wirtfdiaftskreifen wie auch bei der Regierung Anerkennung zu verfchaffen und fie zur Geltung zu bringen. Nament= lieh die Vertretung des Projekts gegenüber der zuerft gänzlich abgeneigten Landwirtfchaft und Induftrie erforderte ein feltenes Maß von Energie und den Einfatj der ganzen Perfönlichkeit. Diefe fittliche Leiftung muß dem fchöpferifch genialen Entwurf des ganzen Planes an die Seite geftellt werden, wenn man die Gefamtleiftung Helfferichs richtig würdigen will. Nur das zähe und unerfchütterliche FefU halten an dem von ihm als richtig erkannten Gedanken und das harte Ringen um die Durchführung haben ihn fchließlich zum Erfolge geführt. Das ift von Dr. Luther ausdrücklich anerkannt worden*), der übrigens auch von vornherein alles getan hat, was in feiner Macht ftand, um den Plan zu fordern. Schon am 3. September hatte er *) a. a. 0. S. 66. 121 Helfferich den Inhalt eines von ihm an den Reichskanzler Strefemann gerichteten Schreibens mitgeteilt, in dem er betonte, daß er durchaus an den konduktiven Gedanken des Helfferichfchen Planes, der ihm einfach als „die Löfung" erfchien, fefthalte, aber empfehle, das Zahlungsmittel auf die Goldmark abzuftellen. Und am 13. Oktober führte er bei der entfcheidenden legten Beratung im Finanzminifterium aus, es fei erforderlich, mit Hilfe des Helfferichfchen Planes — „es ift", fo fagte Dr. Luther, „noch immer das alte Helfferichfche Projekt" — in eine endgültige Währung hinein= zukommen, von der er noch nicht wiffe, wie fie ausfehe*). Von größter Wichtigkeit war es ferner, daß fleh die maß= gebenden Vertreter der Landwirtfchaft und der Induftrie nach Aufgabe ihres anfänglichen Widerftandes für Helfferich einfetten, befonders Geheimrat Dr. Bücher als Vertreter des Reichsverbandes der Deutfchen Induftrie, der ebenfalls von Anfang an an der Schaffung der Rentenbank beteiligt gewefen war. Mit berechtigtem Stolz konnte Helfferich in feiner vorlebten im Reichstage gehaltenen Rede vom 12. März 1924 ausfprechen: „Es war allerdings noch nicht da, daß unter einem fozialdemokratifchen Finanzminifter ein deutfchnationaler Abgeordneter die Grundlage zu einem Projekt geliefert hat, auf Grund deffen die Stabilifierung der Währung herbeigeführt worden ift." Durch Gefetj vom 30. Äuguft 1924 ift die Liquidation der Rentenbank angeordnet worden. Aus der fchwerften Not der Zeit heraus geboren, hat die Bank ihren Zweck erfüllt, die Währung zu ftabilifieren. Sie war von vorn= herein als Übergangslöfung gedacht, und deshalb können auch an ihre Konftruktion nicht die ftrengen Anforderungen geftellt werden, wie es bei den für eine lange Dauer be= ftimmten Geldfchöpfiingen in Zeiten normaler wirtfchaft= lieber Entwicklung notwendig ift. Die kritifche Betrachtung der Rentenmarkfchöpfung hat daher heute hauptfächlich ein hiflorifches Intereffe, daneben ein theoretifches nur in= *) Ramhorfl, a. a. 0. S. 41. 122 fofern, als fie zeigt, daß diefer ungeheuere Erfolg durch praktifrhe Einrichtungen unter Beifeitefchiebung theoretifcher Erwägungen erzielt wurde und nur fo erzielt werden konnte. Bei der Befreiung eines Volkes aus fchwerfter Bedrängnis haben Theorien noch niemals eine Rolle ge= fpielt, es muffen andere, viel tiefer liegende Kräfte in die Erfcheinung treten und fich auswirken. Ein einzelner zwingt feinen geiftig überlegenen Willen der Gefamtheit auf und treibt fie zur Tat. Denn „Nicht Dulden und Leiden, fondern Wollen und Handeln ift das Element aller lebendigen Kräfte in Menfch und Volk"*). Diefe Worte Helfferichs kenn= zeichnen treffender als alle anderen fein Leben und fein Werk. Niemand wußte beffer als er, daß die Löfung der Deckungsfrage durch die Bafierung der Rentenbriefe auf Grund und Boden trotj der Kontingentierung der Renten= markfcheine theoretifch durchaus anfechtbar war. Gleidi= wohl hat fie ihre pfychologifche Wirkung, dem Inhaber des neuen Geldes das Gefühl der Sicherheit zu geben, ebenfo erfüllt, wie die zeitweife Übertragung der Geldfchöpfung auf die Berufsftände der Wirtfchaft. Die Gefamtkonflruktion war eben fo, daß die Bevölkerung dem neuen Gelde volles Vertrauen entgegenbrachte; fie glaubte an feine Wert= beffcändigkeit, und diefer durch Not und Hoffnung geftärkte Glaube war das große Geheimnis des Erfolges. Auf diefen Erfolg aber kam es allein an. Deshalb war es auch nicht von Bedeutung, wenn von verfchiedenen Seiten behauptet wurde, die Rentenmark habe eine neue Inflation herbeigeführt. Helfferich ftand von Anfang an auf dem Standpunkt, daß diefer Einwand nicht fchrecken dürfe, da die Gefahr einer Überfättigung des legitimen Geldbedarfes der deutfchen Volkswirtfchaft bei der von ihm vorgefchlagenen Löfung durchaus vermieden werden konnte. Luther hat fich die Argumentation Helfferichs zu eigen gemacht und fie wie folgt formuliert: „Es ift ein Unterfdüed zwifchen dem Bedarf an Zahlungsmitteln bei *) „Helfferich, Reichstagsreden 1922-1924." Berlin 1925, S. 134. 123 I (labiler Währung und im Zuftand der Geldentwertung. Jeder einzelne wird mir betätigen, daß man ein Geld, das (ich nicht entwertet, viel ruhiger und deshalb länger in der Tafche behält, als ein Geld, mit dem man morgen weniger kaufen kann, als heute. Vor dem Kriege haben wir in Deutfchland einen Umlauf an Zahlungsmitteln von etwa fünf bis fechs Milliarden gehabt. In der erften November= Hälfte 1923 dagegen find, auch wenn man die ungeheueren Notgeldmengen mitrechnet, gut achthundert Millionen Mark Zahlungsmittel, beidemal in Gold gefprochen, im Umlauf gewefen. So war es klar, daß bei der Stabiliflerung der Zahlungsmittelbedarf fich felbfttätig erheblich vermehren mußte; diefe Vermehrung mußte allmählich eintreten mit dem allmählich wadifenden Vertrauen zu dem neuen Zahlungs= mittel. Hier war alfo fozufagen eiii Loch, in das ohne jede neue Inflation v/eitere Zahlungsmittel hineingefchoben werden konnten. Auf diefes Loch gründete fich der dem Reich vorbehaltene Kredit. Das gilt freilich nur für 900 Millionen Mark, da die weiteren 300 Millionen dazu be= ftimmt waren, gegen Papiermarkbeträge, die im Umlauf waren, ausgetaufcht zu werden, und alfo auf keinen Fall als Inflation wirken konnten." Über die Bedeutung des Einwandes einer neuen Inflation ifl nachträglich im Ham= burger „Wirtfchaftsdienft" ein wiffenfchaftlicher Streit aus= getragen worden. Aber — es muß leider gefagt werden — da wo es am meiften darauf ankam, nämlich bei dem Streben, einen Weg zur Rettung aus der Not zu finden, hat die zünftige Nationalökonomie völlig verfagt. Helfferich hat trotj des ihm wiederholt nahegelegten Angebotes darauf verzichtet, fich felbft an die Spitje der Rentenbank zu (teilen. Er ließ fich von dem richtigen Gefühl leiten, daß dadurch feine Schöpfung in weiten Kreifen der Bevölkerung mit dem Stigma einer Deutfdi= nationalen Parteibank belaflet worden wäre. Bei der partei=> politifchen Verhetzung in Deutfchland glaubte er alles ver= meiden zu follen, was möglicherweife der willigen Aufnahme des „Helfferich=Geldes" abträglich hätte werden können. 124 Die unvornehme Art des politifchen Kampfes gegen Helfferich ift vom Grafen von Weftarp treffend charakteri= jiert worden*): „Diefer Kampf ift in ganz befonders hohem Maße in denjenigen Formen und Methoden geführt worden, die infolge der Not und Krankheit der Zeit vielfach, jedes letzten Reftes an äfthetifchem Reiz, aber auch an Rückficht aufgerechte und fittliche Würdigung des Gegners entkleidet worden find und ein objektives Urteil kaum noch auf= kommen laffen." Das gilt befonders für den Streit um die Rentenmark, der — wie Graf Weftarp weiter hervorhebt — all die unfchönen Züge aufweift, wie fie der Maffenagitation und dem Wahlkampf nun einmal eigen find. Die zahlreichen Verunglimpfungen und Verleumdungen, denen Helfferich ausgefegt war, find zum Teil fo maßlos und gefchmacklos, fie ftehen fo offenfichtlich unter dem Einfluß parteipolitifcher Gehäffigkeit, daß fie es nidit verdienen, hier im einzelnen erwähnt zu werden. Dadurch würde ihnen nur eine Be= deutung beigemeffen, die ihnen nicht zukommt. Für das Bejtreben, die Leiftung Helfferichs zu ver= kleinern, ift befonders bezeichnend eine Äußerung Strefe= manns, in der er die Umkehr vom Papierdruck zur Sta= bilifierung als „eine wirklich große Tat" für feine Regierung in Anfpruch nahm, während er für Helfferich nur die magere „dankbare Anerkennung" fand, „daß er — obwohl zur Oppofition gehörend — fleh praktifch an der Löfung der Frage beteiligt habe"**). Die Wahrheit ift, daß niemand anders als Helfferich die Löfung gefunden hat und daß er feinen Plan trotj der Gegnerfchaft des wichtigften Ver= treters der Regierung, nämlich des Finanzminifters Hilfer= ding und troij des paffiven und lauen Verhaltens des Reichskanzlers Strefemann dennoch durchgefetjt hat. Daß dies erft fo fpät der Fall war, daran war nicht Helfferich, fondern die Regierung fchuld. Das wird jeder feftftellen müffen, der die Anteilnahme Helfferichs an der Schaffung *) „Helfferich, Reichstagsreden 1922—1924". Berlin 1925 S. 7. **) Rede in Elberfeld, vgl. Kölnifdie Zeitung vom 18. Februar 1924. 125 der Rentenmark objektiv nachprüft. Diefe Verkleinerung der unvergleichlichen Leiftung des um Reich und Volk hoch= verdienten Mannes erheifcht ebenfo wie die gegen ihn gerichtete unfchöne Polemik die entfchiedenfte Zurück= weifung. Helfferich hat fleh anläßlich einer ihm auf dem Hamburger deutfchnationalen Parteitag am 2. Äpril 1924 dargebrachten Ehrung darüber in der ihm eigenen vor= nehmen Weife geäußert*): „Ich habe nichts anderes getan, als die Pflicht eines Mannes, dem das Wohl des Vater= landes über alles geht. Herr Dr. Strefemann hat jetjt in Hannover erklärt, die größte Tat der Regierung fei die Schaffung der Rentenmark. Er hat hinzugefügt, fie fei die größte antimarxiftifche Tat. Sie ifl eine Tat des Opfer= finns gewefen. Aber die Regierung follte fidi diefe Tat nicht auf ihr Konto fchreiben. Nachdem die Herren mich eingeladen hatten, ihnen meine Vorfchläge zu unterbreiten, die ich bereits der Regierung Cuno mitgeteilt hatte, habe ich nach eingehenden Befprediungen mit meinen Freunden der Landwirtfchaft und Induflrie mich dazu verbanden. Ich halte es gewiffermaßen für unmöglich, daß man mir in der Preffe jener Parteien das Verdienft befreitet. Ich habe nicht etwa der Regierung Strefemann das Leben verlängert, fondern ich glaube, die Rentenmark hat dem deutfehen Volke das Leben gerettet." Strefemann und auch andere haben weiterhin be= hauptet, das Wichtigfte fei gar nicht die Schaffung einer neuen Währung gewefen, dafür habe man Duzende von Ideen gehabt. Das Entfcheidende und auch das Schwerffce, das Problem aller Probleme fei gewefen, den Kurs feft= zuhalten dadurch, daß es gelungen fei, den Staatshaushalt in Ordnung zu halten. Diefe Äußerung läßt eine befondere Urteilsfähigkeit nicht erkennen. Dafür ffceht fie um fo mehr im Bannkreis parteipolitifcher Einteilung. Gewiß hatte man Dutjende von Ideen für die Stabilifierung, aber nur eine einzige, die mit Ausficht auf Erfolg in die Tat um= *) „Die Wahrheit über die Rentenmark". Berlin 1924, S. 27. 126 gefegt werden konnte. Das aber war die Idee Helfferichs. Und dann ift es doch fidier, daß die Aufrechterhaitung des Markkurfes gar nicht möglich gewefen wäre ohne deffen vorhergegangene Stabilifierung, die erfl die Vorausfetjungen für die Aufrechterhaltung des Kurfes fchuf und den Weg dafür bereitet hat. Das Wichtigfte ift aber dies: Ohne den grofSen Verdienflen der Reichsregierung und der Reichsbank um die Aufrechterhaltung des Markkurfes zu nahe treten zu wollen, muß doch gefagt werden, daß es fleh dabei hauptfächlich um das verftändnisvolle und opfer= willige Zufammenarbeiten der zahlreichen dazu berufenen Injtanzen und Organe im Rahmen der durch die Errichtung der Rentenbank gegebenen Richtlinien handelte. Die in= geniöfe Mafchine des Schiffes, das aus dem Wirbelfturm der Inflation in das ruhige Fahrwaffer einer gefidierten Währung führen follte, war mit all ihren Einzelheiten und mit dem Ineinandergreifen all ihrer Teile von Helfferidi erdacht worden und bei dem Bau hatte er felbffc Hand mit angelegt. Aber die Ingangfetjung der Mafchine, die Reglung ihres Betriebes und die Steuerung mußte er anderen überlaffen. Sicherlich war es außerordentlich fchwierig, den Kurs zu halten, namentlich wegen der un= umgänglidien Notwendigkeit, das Gleichgewicht des in völlige Unordnung geratenen Reichshaushaltes wiederher= zuftellen durch Ausfehreibung neuer Steuern und Be= fchränkung der Ausgaben. Auch für die Reichsbankleitung erwuchfen äußerft fchwierige, zum Teil ganz neue Aufgaben. Es handelte fleh aber bei all dem nicht, wie bei der Schaffung der Rentenmark, um die durchaus originelle, fchöpferifche Leiftung eines einzelnen, für die es kein Vorbild in der Welt gab, eine Leiftung, die weit abliegt von der Arbeit, die fleh nach hergebrachten Regeln und feflftehenden Normen vollzieht und mit diefer überhaupt nicht in einem Atem genannt werden kann. Es war hier wie bei einem großen technifchen Problem, deffen theoretifche Grundlagen bereits geklärt find, während die Umfetjung in die Wirk= lichkeit nur durch die innere Erleuchtung eines einzelnen 127 ermöglicht wird, die ihn zu ganz neuen praktifchen Ein= riehtüngen befähigt. Entfcheidend ift nicht die oft nur vage Idee, fondern ihre Äusgeftaltung für das Leben. Viele mögen fich mit der Löfung befchäftigt haben, aber nur einem bleibt die große umwälzende Entdeckung vorbe= halten, die wie eine Offenbarung wirkt. Und nur diefem einen gebührt der Ruhm. So iffc es bei faft jeder großen Entdeckung. Hier fei nur an die Erfindung der Dampf= mafchine erinnert. Auch in folchen Fällen hat es ftets Leute gegeben, die nachhinkten und die Priorität für fich beanfpruchten. Man hat die Schaffung der Rentenmark als die genialfte Schöpfung auf währungspolitifchem Gebiet in der Gefchichte der Völker bezeichnet. Sie war aber mehr. Denn fie griff über das enge Gebiet der Währungspolitik weit hinaus. Nicht nur weil fie gleichzeitig auch den Bedürf= niffen und Notwendigkeiten der Finanzpolitik des Reiches Rechnung trug, fondern weil fie von vornherein nach ihrem Zweck und in ihrem Ziel darauf abgeftellt war, die Ge= famtwirtfchaft Deutfchlands wieder in normale Bahnen zu lenken und dadurch mittelbar auch Deutfchlands Geltung in der Welt entfcheidend zu beeinftuffen. Sie war eine Leiftung, die von der deutfchen Wirtfchaft freiwillig über= nommen und aus eigener Kraft vollbracht wurde, nicht nur ohne jede fremde Hilfe, fondern im Gegenteil fogar unter dem denkbar fchwerften Druck der Befetjung großer Teile deutfchen Bodens. Sie war ein Wunder, das die Welt in Erftaunen fetzte. Sie war aber auch die der Vaterlandsliebe ent= fprungene Tat eines Realpolitikers, in der fich feine Staats= kunft offenbarte. Aus einem nahenden Verhängnis hat fie einen entfcheidenden Erfolg gemacht. Parteipolitifcher Haß, Neid und kleinliche Eiferfucht reichen an diefe Tat nicht heran. Sie wird Beftand haben vor dem Forum der Gefchichte, und Helfferichs Ruhm wird noch leuchten, wenn die Namen und Worte derer, die heute fein Werk verkleinern möchten, längfl vergeffen find. 128 V. Die Perfönlidikeit. Als Helfferich im Jahre 1901 in den Kolonialdienft des Glü& und Reiches trat, konnte er mit Befriedigung auf den Weg V 61 ^"!* zurückblicken, den er bisher gegangen war. Reich an Arbeit, Mühen und Kämpfen war diefer Weg gewefen, aber auch reich an Früchten diefer Arbeit und reich an perfön= liehen Erfolgen. Und es war für ihn eine befonders glückliche Fügung, daß die felbfltätige Entwicklung der Dinge gerade während jener Zeit, in der er fleh ausfchließlich als Währungs= Politiker und Gelehrter betätigte, dahin geführt hatte, wohin fie nach feiner Überzeugung führen mußte: zum Siege der Goldwährung über den Bimetallismus. Der Rückgang des Silberpreifes in Verbindung mit einer ftarken Steigerung der Goldproduktion hatte im legten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts nicht nur in Deutfchland, fondern in der ganzen Welt die Anficht zur herrfchenden gemacht, daß — wie es Helfferich ausdrückte — das Silber feine Rolle als gleich= berechtigtes Zahlungsmittel ausgefpielt habe, und daß die Währungsgleichheit mit den wichtigflen Handelsvölkern nur auf der Grundlage des Goldes zu erreichen fei*). Wer aber an führender Stelle für eine Idee gekämpft hat, die fidi fchließlich durchfe-^t und faft allgemein als die richtige angefehen wird, hat ftets den Vorteil, in weit höherem Maße die öffentliche Anerkennung zu finden, als der Vor= kämpfer einer verlorenen Sache. Das galt auch für *) „Das Geld", Leipzig 1923, S. 186. "9 v. Lumra, Helfferidi. 129 Helfferich, und das Änfehen, das er als einer der befien Kenner des Geld= und Bankwefens ohnehin genoß, ift durch den Sieg der Goldwährung in der breiten Öffentlichkeit (icher noch gewachfen. Aber ebenfo fidier ift, daß niemand fidi nach feiner Begabung, nach feinen Leitungen und nach feiner ganzen Perfönlichkeit eines fo hohen Anfehens mit mehr Recht erfreuen durfte, als gerade er. Denen aber, die fein Verdienft fchmälern wollen und ihm nachfagen, daß er befonders vom Glück begünftigt gewefen fei, möchte ich das Wort Goethes zurufen: „Wie (Ich Verdienft und Glüdi verketten, Das fällt den Toren niemals ein; Wenn fie den Stein der Weifen hätten, Der Weife mangelte dem Stein." (ensart T%er Schlüffel für das Verdienft, die Leiftungen und die xJ Erfolge Helfferichs lag in feiner Perfönlichkeit. Er war von der Natur mit einer leichten und fchnellen Auf= faffung, einem durchdringenden Verftand und einem ftarken Gedächtnis ausgeftattet. Sein Denken war klar, nüchtern und logifch, fein Urteil auch in fchwierigen Fragen von großer Schärfe und Treffficherheit, dabei fchon frühzeitig von einer erftaunlichen Reife. Er war die Verkörperung kühl wägenden Verbandes und einer unerbittlichen Sachlichkeit. Aber diefe Eigenfchaften allein konnten ihn nicht zu den Erfolgen führen, die er kämpfend dem Schickfal abgerungen hat. Es mußte noch etwas hinzukommen, um ihn zu dem ihm eigenen, kraftvollen Überwinden ftarker Widerftände zu befähigen. Diefes Etwas war die heiße Leidenfchaft feines Wollens, das heilige Feuer feines lebendigen Geiftes, die den Verftand und die Sachlichkeit in ihren Dienft zwangen, wenn es galt, für eine Idee zu kämpfen, ein Ziel zu er= reichen. Diefe eingeborene Leidenfchaft, die zum Handeln treibt, befaß Helfferich in höchftem Maße. Sie ift das einzig Produktive, und alles Neue und Große wird durch fie gefchaffen. Es war der ungeftüme Drang zur Tat, der 130 ihn befeelte, ein unerfchütterlicher, heldenhafter Siegerwille, der ihn trolj allen Widerfländen durchs Ziel trug, weil er bei allem, was er tat, mit dem Herzen dabei war. So waren glänzende Gaben des Geiftes mit einem mächtigen Trieb zum fchaffenden Leben in ihm zu har= monifcher Einheit verfchmolzen. Und feine Fähigkeit, den Geift mit dem Leben zu erfüllen und das ffcrömende Leben mit dem Geift zu durchdringen, wurde für ihn zur Quelle einer fchöpferifchen Geftaltungskraft, die {ich nicht nur in der Wiffenfchaft und in der Wirtfchaftspolitik, fondern auch — freilich nur in feinen Erholungsftunden — in der Mufik und in der bildenden Kunft äußerte und in der feine feltene Begabung ihren Ausdruck fand. Wohl liebte er die Ge= felligkeit, aber er ging nicht darin auf. Der Drang zum Schaffen und Geflalten war in ihm am mächtigften. Alles andere trat dahinter zurück, auch feine kritifche Begabung. Er war ein felbftändiger Menfch mit eigenen Überzeugungen, eine willensftarke, kraftvolle Perfonlichkeit. Temperament= voll und impulfiv in feinen Entfchlüffen und Handlungen, war er doch nie unüberlegt; aber er überlegte fchneller als andere und wußte fich einer veränderten Lage fofort anzupaffen. Dabei hatte er ein ficheres Gefühl für das Erreichbare und Zweckmäßige, die intuitive Kraft, eine Vielheit von Eindrücken unmittelbar und auf einmal in fidi aufzunehmen, kritifch zu würdigen und zu flehten. Und damit paarte fich ein ungewöhnliches Divinationsvermögen, das ihn die Wirkung von Vorgängen und Ereigniffen mit einer erftaunlichen Sicherheit vorausfehen ließ. Bei aller Überlegenheit feines Geiftes gab er fich im Verkehr einfach und fchlicht, wie dies feiner innerften Wefensart entfprach. Er war ein Feind jeder Phrafe und Pofe. Unklare Be= hauptungen und verfchwommene Redensarten, die bei näherer Prüfung nicht flandhielten, die in nichts zerfloffen, wenn man zufaßte, und die er deshalb treffend als molluskenhaft bezeichnete, waren ihm zuwider. Launen kannte er nicht, und er machte durchaus den Eindruck innerer Sicherheit und Ausgeglichenheit. Seinen Freunden 9* 131 gegenüber verfagte er fleh nie, er half ihnen mit Rat und Tat, und namentlich bewahrte er denen, die ihm früher Freundlichkeiten erwiefen und ihn in feinen Arbeiten ge= fordert hatten, Anhänglichkeit und Dankbarkeit. Gewandt in der Diskuffion, fehlagfertig in der Dialektik, äußerte er feine Meinung mit großer Beflimmtheit, wobei er im Ton manchmal zum Lehrhaften neigte. Von feiner einmal ge= bildeten Meinung ließ er fich nicht leicht abbringen, ohne jedoch eigenfinnig darauf zu beffcehen, wenn ihm ein Irrtum nachgewiefen wurde. Vernünftigen Erwägungen war er durchaus zugänglich. Ich bin mir wohl bewußt, daß diefe auf meine perfon= liehen Beobachtungen geftütjte Anficht im Widerfpruch fteht mit dem fpäter oft geäußerten Urteil, namentlich in der Zeit, als Helfferich in leitender Stellung der Reichsregierung angehörte. Es wurde ihm da eine gewiffe Unduldfamkeit anderen Meinungen gegenüber nachgefagt, die fich in einer allzu autoritativen, dem Anfcheine nach überheblichen Art äußerte. Diefer Anfchein wurde nach feiner eigenen Er= klärung hervorgerufen durch fein Beftreben, bei geringflem Zeitaufwand die Arbeiten nach Möglichkeit zu fordern. Deshalb fuchte er Erörterungen, die ihm unfruchtbar und daher überflüffig erfchienen, abzufchneiden und langatmige Verhandlungen durch fein Eingreifen in die Debatte tun= lichft abzukürzen, immer nur von dem fachlichen Intereffe geleitet, bei der übermäßigen Belüftung der gefet>gebenden Körperfchaften Zeit und Arbeitskraft zu fparen und fo die Leiftungsfähigkeit zu fleigern. So einleuchtend diefe Er= klärung für alle fein mag, die Helfferichs impulfives Tem= perament kannten, und fo fehr fein Beftreben an fich auch berechtigt fein mochte, fo wäre es doch in feinem eigenften Intereffe gewiß richtiger gewefen, wenn er feinem Tem= perament Zügel angelegt und der geiftigen Einteilung der Redner in höherem Grade Rechnung getragen hätte. Denn gerade diefe etwas fchroffe Art feines Eingreifens hat viel= fach verletzend gewirkt, weil fie — wenn auch ungewollt — den Eindruck der Überheblichkeit erweckte. Er erfreute 132 fich deshalb bei den meiflen Parteien im Reichstage keiner Beliebtheit. Anderfeits muß hervorgehoben werden, daß er ftets das Ohr des Haufes befaß, wenn er über Fragen feines engeren Faches fprach, wie in feinen großen Reden über die Kriegsanleihen. In diefem Zweige des Wirtfchafts= lebens wurde feine Sachkenntnis felbft von feinen extremften Gegnern anerkannt. Neben dem inneren Drang Helfferichs zu fchöpferifcher Betätigung und neben der Freude, die er an der Arbeit um ihrer felbft willen empfand, war für ihn das Streben charakteriftifch, durch fein Schaffen der Allgemeinheit zu dienen. Diefes Streben zieht fich wie ein roter Faden durch fein arbeitsreiches Leben. Niemals waren es privat= wirtfdiafbliche Vorteile, die ihn reizten und zur Übernahme einer Tätigkeit beflimmten. Davor fchütjte ihn fchon feine einfache Lebensführung und feine perfönliche Bedürfnis= lofigkeit. Die auskömmliche Stelle eines Bankfyndikus hatte er fchon im Jahre 1898 abgelehnt, um die finanziell recht magere Stellung eines Privatdozenten zu erlangen. Und das ihm angebotene Amt eines ordentlichen Univerfitäts= profeffors fchlug er aus, weil er inzwischen als wirtfchaft= lieber Referent der Kolonialabteilung die Möglichkeit er= halten hatte, an den großen Aufgaben des Reiches unmittelbar mitzuarbeiten. Selbfl bei feinem Eintritt in die Leitung der Anatolifchen Eifenbahnen und der Deutfchen Bank war es nicht die Sucht nach Gewinn, die ihn dazu veranlaßte, fondern der Wunfeh, fich in den Dienft einer Unternehmung zu ftellen, deren große wirtfehaftliche und politifche Bedeutung ihm die Möglichkeit bot, an hervor= ragender Stelle am Auffchwung des deutfchen Wirtfchafts= lebens mitzuarbeiten. Als dann während des Krieges der Ruf an ihn erging, fich führend den großen vaterländifchen Aufgaben zu widmen, zögerte er keinen Augenblick, feine bisherige Stellung und die damit verbundenen Auffichtsrats= poften aufzugeben, um feine ganze Kraft unmittelbar in den Dienfl des Reiches zu ftellen. Und als er feine Ämter niederlegte und fich nach der Revolution als Politiker be= 133 tätigte, lehnte er jede Möglichkeit einer gewinnbringenden Befdiäfitigung ab, um (ich nicht dem Vorwurf wirtfdiaftlicher Intereffiertheit und Abhängigkeit auszufegen. Diefe nichtkapitalifKfche Einteilung, das nationale Pflichtbewußtfein, (ich in hingebender Arbeit im Dienfte des Reiches und der Volksgemeinfchaft zu betätigen, ohne Nebengedanken an perfönliche finanzielle Vorteile, unter= fchied Helfferich von den meiffcen anderen Führern der deutfchen Wirtfchaft, die als Leiter großer induftrieller und Handels=Unternehmungen in erfter Linie privatwirtfchafllich dachten und handelten. So ift auch alles, was er als Währungspolitiker und Gelehrter geleiftet hat, unter dem höheren Gefichtspunkt diefes für ihn felbftverftändlichen Pflichtgefühls entftanden und zu beurteilen. Es foll nicht geleugnet werden, daß bei ihm neben dem Streben, feine Fähigkeiten für die Allgemeinheit nutjbar zu machen, auch der Wunfeh mitfprach, Einfluß auf "den Gang der wirtfchafl= liehen und politifchen Dinge und Anerkennung in der Öffent= lichkeit zu gewinnen, der durchaus berechtigte Ehrgeiz eines Mannes, der fich feiner überragenden Bedeutung und Leißlingsfähigkeit bewußt ift. Auf diefem gefunden Selbft= bewußtfein beruhte wiederum fein Mut zur Übernahme großer Verantwortungen und ein ausgefprochenes Gefühl für die daraus erwachfenden Pflichten, wie fie fich für ihn z. B. bei der Währungsreform in den deutfchen Kolonien und in noch weit höherem Maße bei der Schaffung der Renten= mark ergaben. Ein Grundzug feines Wefens war die abfolute Lauter= keit der Gefinnung. Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe und ein unerfchütterlicher Bekennermut fprachen aus allen feinen Handlungen, Eigenfdiaften, die auch für feine zahlreichen Schriften und Werke wie für feine Vorträge und Reden richtunggebend gewefen find. Über nichts konnte er fich fchon im Anfang feiner Laufbahn mehr entrüften, als über die unvornehme bimetalliflifdie Kampfesart, die nicht davor zurückfehreckte, makellofe Männer, wie den Reichsbank= präfidenten Dr. Koch, Adolf Soetbeer, Erwin Naffe und 134 Ludwig Bamberger zu verunglimpfen und fie der abflcht= liehen Täufdiung zu bezichtigen. Er wies es weit von fleh, feftftehende Tatfachen etwa zugunften feiner währungs= politifchen Überzeugung zu entftellen oder außer Betracht zu laffen, mochten fie auch noch fo unbequem fein für feine wiffenfchaftlichen Deduktionen. Das kann nicht genug be= tont werden angefichts der Angriffe und Befchuldigungen, denen er felbft, namentlich in feinem Streit mit Dr. Arendt, wiederholt ausgefegt war. Tn der Methode wiffenfchaftlichen Denkens und Forfchens JL ift er weitgehend durch feinen Lehrer G. F. Knapp beein= flußt worden, der ihm ein vielbewundertes Vorbild war. Uber den tiefen Eindruck, den diefe Lehrmethode auf ihn machte, fagte Helfferich: „Alles war darauf abgeftellt, aus bekannten Erfcheinungen und Tatfachen heraus Probleme zu geffcalten, den Hörer zum Mitdenken anzuregen und ihn eine Freude an der oft überrafchenden, aber immer ein= fachen, klaren und überzeugenden Löfung empfinden zu laffen, wie wenn er fie felbft gefunden hätte. Man hatte nicht das Gefühl, daß man einen Stoff vorgefetjt bekam, den man feinem Gedächtnis einzuprägen hatte, fondern daß man das wiffenfdiaftliche Denken und Forfchen lernte"*). Wie Helfferich es verbanden hat, diefe Lehrmethode in feinen Werken anzuwenden und zur Geltung zu bringen, geht daraus hervor, daß Knapp felbft fleh dahin äußerte, fein Schüler Karl Helfferich habe ihn in diefer Kunft ge= waltig übertroffen, wie aus feinen Werken hervorgehe, deren durchfichtiger Aufbau nicht genug gelobt werden könne. Helfferich habe von feiner größeren Erfahrung vielleicht einigen Vorteil gehabt, er aber habe durch ihn vieles aus der Praxis gelernt**). Die letjte Äußerung läßt *) Vgl. „Lehrer und Schüler" a. a. 0. S. 9. '■■*) Vgl. Knapp „Die (taatliche Theorie des Geldes", Leipzig 1923. Vorwort zur erflen Auflage und Literaturnachweis S. 455. 135 erkennen, daß fich Helfferich nidit wie Knapp darauf be= fchränkte, die Dinge und Ereigniffe in ihrem Zuftande, ihrem Werden und in ihren kaufalen Zufammenhängen theoretifdi darzuftellen. Seiner impulfiven und kraftvollen Natur konnte ein befdiaulidies, nach innen gerichtetes Gelehrten= dafein allein nicht behagen. Gewiß, auch er bringt in feinen Werken die anfchaulich=darflellende Methode in Verbindung mit der begriff lieh = deduktiven Methode zur Anwendung. Audi er zeigt dem Lernenden, auf welchem Wege und durch welche Überlegungen und Schlüffe die wiffenfehaftliche Er= kenntnis zuftande gekommen ift. Aber es kam ihm nicht nur darauf an, das Problem zu flehen und theoretifch zu löfen, fondern auch aus den Ergebniffen der theoretifchen Forfdaung die praktifche Nutjanwendung für Fragen der Gegenwart zu ziehen. Sein ftarker WirkHchkeitsfinn war mehr dem gefchichtlich und organifch Gewordenen zugekehrt, als dem Gefchichtslofen und Äbftrakten. Dadurch unterfchied (ich Helfferich von feinem Lehrer Knapp, der es ablehnte, fich in den Streit der Meinungen einzumifchen. Knapp ift Geldtheoretiker, Helfferich war es auch, aber daneben war er Währungspolitiker. Seinen Übergang vom juriftifchen Studium zur Nationalökonomie hat Helfferich felbft mit folgenden Worten erklärt: „Mein Intereffe gehörte, vielleicht weil ich als Sohn eines Induftriellen zwifchen Garnkiflen und Webftühlen aufgewachfen war, den aktuellen Problemen der fich gewaltig entfaltenden deutfehen Wirtfchaft"*). Und diefes gleiche Intereffe hat ihn dazu geführt, unter Ein= fetjung feiner ganzen Perfönlichkeit in den Tageskampf um befHmmte Fragen der Währungspohtik handelnd einzu= greifen. Von den Anregungen, die er durch Knapp erhalten hatte, aber fagte er: „Ich habe diefen Anregungen unend= lieh viel zu verdanken; fie find entfeheidend gewefen für mein ganzes wiffenfchaftliches Arbeiten, auch wenn die Wege, die ich ging, bei der Verfchiedenheit von Temperament und Neigungen fich von denjenigen Knopps fo fehr trennten, :f ) „Lehrer und Schüler" a. a. 0. S. 8. 136 daß er fleh mir gegenüber in einem feiner Briefe als Huhn, das eine Ente ausgebrütet hat, bezeichnete*). In allen Schriften Helfferichs ift die volkswirtfchaftliche Beweisführung von eindringlicher Schärfe und großer An= fchaulichkeit. Bei aller Verfchiedenheit der Meinungen und bei dem lebhaften Streit über die Währungspolitifche Entwicklung fuchte er auf Grund einer Würdigung der Ereigniffe und der Begleitumftände zunächft den Tatbeftand völlig objektiv und unparteiifch feftzulegen und klarzuffcellen. Aber Objektivität und Unparteilichkeit allein haben keinerlei Zugang zu den Dingen. Sie reichen nicht aus, um in das Innerfte einer Sache vorzudringen. Und fo verzichtete er durchaus auf jene billige Unparteilichkeit, die in der Scheu vor jeder präzifen Meinungsbildung und Meinungsäußerung befteht und deren höchffcer Stolz die Neutralität zwifchen Wahr und Falfch ift**). Deshalb hielt er auch in feinen beiden wiffenfchaftlichen Hauptwerken niemals mit feinem eigenen Urteil zurück, das zu allen Problemen in ein= deutiger und beftimmter Weife Stellung nahm und das er mit zwingender Logik und feltener Überzeugungskraft zu begründen wußte. Größte Objektivität in der Dar= fbellung der Vorgänge und Tatfachen bildete die fiebere Balis feines durchaus fubjektiven Werturteils, das feiner Beweisführung eine perfönliche Note gab. In diefem Sinne galt für ihn das Wort des dänifchen Philofophen Sören Kierkegaard: „Subjektivität ift die Wahrheit". So fehr er aber feine eigene Stellungnahme betonte, fo vermied er es doch in feinen wiffenfchaftlichen Werken, abgefehen von dem einen bereits erwähnten Fall, Ausfälle und An= griffe gegen Andersdenkende zu richten und fleh in klein= liehe, perfönliche Kontroverfen zu verlieren, deren Äus= tragung mit dem theoretifchen Zweck diefer Arbeiten nicht im Einklang ftand. *) ebendaf. S. 10. **) Vorwort zur „Gefchichte der deutfdien Geldreform" a. a. 0. Bd. I, S. VI. 137 Anders allerdings in feinen währungspolitifdien Schriften. Insbefondere waren feine Streitfdiriften und Zeitungsartikel beherrfcht von einer zwar auf Tatfachen geftütjten, fonft aber fcharfen, fchlagfertigen und unnachfichtigen Polemik. Denn er war (ich bewußt, daß ein Sieg ohne Kampf nicht möglich ift, und er erblickte im Hieb die wirkfamfte Art der Verteidigung. Niemals war er verzagt, niemals ratlos. In der Verfolgung feines Ziels war er unermüdlich. Mit fanatifchem Eifer ging er immer wieder vor und zerpflückte die Argumente feines Gegners, bis diefer nichts mehr zu erwidern wußte und fchließlich den Kampf aufgab. Diefes harte und zähe Ringen um die Klärung umflrittener Fragen und Probleme bereitete ihm fichtlich Freude; er fühlte (ich dabei in feinem Element und ging meift aufs Ganze. Halb= heiten liebte er nicht und für Kompromiffe war er nicht leicht zu haben. In all diefen Zügen, die für ihn als Sohn feiner pfälzifchen Heimat charakteriftifch waren, kam feine Kampfnatur deutlich zum Ausdruck. Seine ftreitbare Frifche hatte etwas Herzerhebendes. Dabei war die Art feiner Polemik fachlich und vornehm. Nur wenn er perfönlich in feiner Ehre angegriffen wurde, konnte er heftig und aus= fallend werden, und wenn er dabei wohl auch manchmal über das Ziel hinausfchoß, fo war es lediglich (ein ungeftümes Temperament, das ihn mit fleh fortriß. Kleinlicher Haß, Eiferfucht oder gar nachtragende Rachfucht waren ihm fremd. Helfferich befaß ein vielbewundertes fchriftfteilerifches Talent, eine glänzende Gabe der Darftellung, die fleh gelegentlich zu künftlerifcher Höhe fteigerte. Sie war nicht erlernt, wenn fie {Ich auch durch Übung im Laufe der Jahre noch vervollkommnet hatte. Aber gerade weil fie ein Gnadengefchenk der Natur war, fpiegeln fich in den Schriften und Werken Helfferichs alle die gefchilderten Kräfte feines Geiftes und die Einzelzüge feines Wefens, die in feiner Perfönlichkeit zu einem harmonifchen Gefamtbilde vereinigt 138 waren. Sie traten indes immer nur zum Teil, in ver= fchiedenem Ausmaß und in verfchiedenen Äbftufungen in die Erfdieinung, je nach dem Zweck, den er im Auge hatte. Dabei kam der Darfteilung feine Beherrfchung aller Mittel fchriftftellerifcher Kunft zugute. Und weil er (ich diefer Mittel mit Takt und mit dem fieberen Gefühl für die Zweck= mäßigkeit ihrer Anwendung bediente, war die Wirkung meifh eine ftarke und tiefgehende. Ausdrucksweife und Stil legen Zeugnis ab von diefer Anpaffungsfähigkeit feines Geiftes. In ihrer oft lapidaren und fchmucklofen Einfach= heit waren fie von feltener Klarheit und Sachlichkeit. Aber diefe Kunfc einer prägnanten Diktion und anfchaulicher, ge= meinfaßlicher Darfteilung, die fleh befonders in den auf= klärenden und lehrhaften Schriften zeigte, war anderer Art, als die einer fdiöpferifchen Phantafie entfprungene blendende und leichte Eleganz, wie fie z. B. die an geift= vollen Pointen reichen Schriften Bambergers fo unterhalt= fam und feffelnd macht. Diefe Art war dem ernften, nur auf das Sachliche gerichteten Wefen Helfferichs nicht ge= läufig. Er wußte feine Gedanken in eine einfache und doch vollendete Form zu kleiden, die unter Vermeidung über= flüfjiger Worte den Kern der Sache traf. So wurde er dem vielfach recht trockenen Stoff am beften gerecht, den er, wenn der Zweck es erforderte, unter Heranziehung treffender Bilder und Vergleiche plaftifch zu formen und durch großen Gedankenreichtum zu beleben wußte. Natur= gemäß kam diefe Gabe weniger in feinen lehrhaften, auf= klärenden undpolemifchen Schriften, als in feinen hiftorifchen Arbeiten zur Entfaltung. Doch war diefer gelegentliche künftlerifche Schmuck für ihn nichts eigentlich Charak= teriftifches; er war nur eines der zahlreichen Mittel feiner fchriftftellerifchen Kunft. Immer aber waren Formgebung und Diktion unbewußt und unentrinnbar beherrfcht und begrenzt durch fein innerftes Wefen. In diefem Rahmen waren fie in feiner Hand durchaus modulationsfähig und paßten fich dem Gegenftande, dem Zweck, dem Leferkreis und der beabfichtigten Wirkung an, ungekünflelt, zwang= 139 los und natürlich. Gerade deshalb wirkt Helfferich in all feinen Schriften nie ermüdend, nie langweilig, fondern immer feffelnd und anregend. Das gilt auch für feine ge= lehrten und lehrhaften Arbeiten, fogar für fein Lehrbuch über „das Geld". Und das iffc es, was das Studium diefer Bücher fo anziehend macht: Sie find leicht lesbar ge= fchrieben und (teilen literarifche Leitungen dar, durch die der an (ich fpröde Stoff im Sinne Knopps gleichfam für die Literatur erobert wurde. Es wird in Deutfchiand wenige Profe(foren der Nationalökonomie geben, die ihren Schülern nicht das Studium der Helfferichfchen Bücher empfehlen, nicht nur wegen ihrer wiffenfchaftlichen Be= deutung, fondern auch wegen der ihnen eigenen Kunft der Darftellung. Helfferichs eigentliche fchriftftellerifche Stärke lag aber noch in etwas anderem, nämlich in feiner ganz verblüffenden Leichtigkeit der Anordnung des Stoffes und in feinem ab= folut fieberen, nie verfügenden Gefühl für das Wichtige und Unwichtige. Darauf beruhte feine Meifterfchaft in der Be= handlung und Bewältigung großer und verwickelter Stoffe, die klare und durchfichtige Gliederung im Aufbau feiner Werke, und dadurch kam alles auf den erften Guß fo heraus, wie es andere durch noch fo vieles Feilen nicht zuftande bringen. Alle Dinge und Verhältniffe fah Helfferich von einer höheren Warte aus. Seine aufs Große gerichtete Art erging (ich nie in nebenfächlichen Betrachtungen. Trotj aller Sach= lichkeit ftand er doch ftets über der Sache. Vor allem aber war er nach Form und Inhalt feiner Darftellung immer er felbft. Er hätte gar nicht anders fchreiben können, auch wenn er es gewollt hätte. Menfch und Werk harmonierten mit= einander. Das ift wie bei allen bedeutenden Menfchen — und nur bei diefen — auch für ihn das Typifche gewefen, und alle feine Schriften tragen den Stempel feines Geiftes und feiner Perfönlichkeit. 140 Diefelben charakteriftifchen Züge, die feinen fchriftlichen Redner und Darlegungen eigen waren, kamen auch in feinen aka= Lenrer demifchen Vorträgen und in feinen Reden zum Ausdruck. Deshalb waren diefe auch für diejenigen unter feinen Zu= hörern, die es vermochten, im Stenogramm oder durch fonflige Aufzeichnungen das flüchtig gefprochene Wort feft= zuhalten, von höchftem Wert. Und doch war Helfferich damals, wenigftens nach der Art feines Vortrages, nicht das, was man einen glänzenden Redner und Lehrer nennt. Denn die Gedanken floffen ihm bei feiner fouveränen ße= herrfchung des Stoffs fo fchnell zu, daß er meift zu haftig fprach. So konnte ihm feine Zuhörerfchaft nicht immer folgen, befonders dann nicht, wenn es fich um die Er= örterung fchwieriger Fragen handelte. Dazu kam, daß er von dem pädagogifchen Hilfsmittel, fchwerer verftändliche Gedanken durch ihre Wiederholung in anderer Form zu verdeutlichen, nur feiten Gebrauch machte. Auch reichte in großen Hörfälen fein Organ nicht aus, um auf den ent= fernteren Bänken deutlich verbanden zu werden. Hier= durch wurde die rein rhetorifche Wirkung feines Vortrages beeinträchtigt. Aber obgleich er (ich diefes Schönheits= fehlers durchaus bewußt war und fleh große Mühe gab, ihn zu befeitigen, ift ihm das nie ganz gelungen, weil die Art zu fprechen bei ihm der Ausfluß der Wefensart, des Temperaments, überhaupt der ganzen Perfönlichkeit war. Darum fehlte ihm auch das Pathos der Rede, und in diefer Hinficht fcheint mir das für ihn zu gelten, was Bamberger von Rudolf von Delbrück, mit dem Helfferich manche Wefenszüge gemein hatte, gefagt hat: „Wenn es ein Fehler ift, nicht pathetifch fein zu mögen, und wenn irgend jemand das Recht hat, die Fehler feiner Vorzüge zu befrijen, fo ift es ein Mann von diefer eminent fachlichen Leiftungsfähig= keit, die fich gegen das Pathetifche flräubt" *). Es ift Helfferich vorgeworfen worden, daß er häufig in zu fcharfem, gereiztem Tone fpreche. Ich glaube, daß *) „Die Nation" 1897, „Rudolf von Delbrüdi zum achtzigften Ge= burtsta»" (17. April 1897). 141 diefe völlig unbeabfichtigte Wirkung ebenfo wie bei Bam= berger, der bekanntlich einer der glänzendften Redner des Reichstags der fiebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war, lediglich auf das Beflreben zurückzu= führen war, (ich durch lautes Sprechen verftändlidi zu machen. Bamberger fagt in feinen „Erinnerungen" in einem längeren Exkurs über die Kunft der Rede*): „Ich hatte von Anfang an den richtigen InfKnkt, daß es weniger auf den lauten Ton als auf das deutliche Artikulieren an= kommt. Wenn ich durch befondere Urnftände genötigt wurde, die Stimme anzuftrengen, bekam fie etwas Scharfes, das mir den unangenehmen Änfchein perfönlicher Gereizt= heit gab, wo folche gar nicht vorhanden war. Ich habe daher vorgezogen, weniger verftändlidi zu fein, um nicht den Eindruck der Gereiztheit zu machen." Diefe rein äußerlichen Mängel wogen leicht gegenüber dem inneren Gehalt der Reden Helfferidis; ihre Wirkung war oft eine außerordentlich ftarke. Davon habe ich mich fpäter, fo auf dem Münchener Bankiertag im Jahre 1912 und im Reichstag während des Krieges, wiederholt über= zeugen können. Diefe Reden bildeten für den Hörer geradezu einen äffchetifchen Genuß. Hatte er fleh doch im Laufe der Jahre durch fortgefetjte Übung fowohl in der Technik des Sprechens wie in der dialektifchen Gewandtheit wefentlich vervollkommnet. Dennoch will es mir fcheinen, als ob der Eindruck, den das von ihm gefprochene Wort auf den Hörer machte, nicht fo mächtig und nachhaltig war, wie die Wirkung der gedruckten Reden auf den Lefer. Wer Helfferidis „Reichstagsreden" zur Hand nimmt, wird von der Flüffigkeit, Klarheit und Änfchaulichkeit der Diktion hingeriffen fein. Daß den währungspolitifchen Reden nicht die begeifternde und überwältigende Schwungkraft innewohnt, wie den ftets von ganz großen Gesichtspunkten ausgehenden Reden auf dem Gebiete der hohen Politik, in denen ein vorbildliches Staatsbewußtfein und eine glühende *) Berlin 1899. S. 73. 142 N, Vaterlandsliebe in unvergleichlicher Weife zum Ausdruck kommen, liegt in der Natur der Sache. Dafür aber zeugen die das Geldwefen behandelnden Reden von einer tiefen, einzig daftehenden Sachkenntnis auf diefem wichtigen, aber nur einem kleinen Kreife zugänglichen Gebiet. Gegenüber den großen Aufgaben, denen Helfferich fchon als Referent der Kolonialabteilung feine ganze Kraft widmete, mußte naturgemäß fein Wirken als akademifcher Lehrer und Pädagoge in den Hintergrund treten. Ihm, dem Manne der Tat, lag diefe Art rein betrachtender Tätigkeit nicht, bei der Neues nicht gefchaffen wurde. Dazu kam, daß ihm in feiner damaligen Berufsflellung durchaus die Zeit fehlte, fleh der individuellen Ausbildung feiner Schüler mit der Hingebung zu widmen, die er an feinem Lehrer Knapp bewundert hatte und die er fich unter anderen Umfländen fidierlich auch hätte angelegen fein laffen. "FT 1 s war für Helfferich und die Entwicklung feiner Perfön= Währun Jllä lichkeit von großer Bedeutung, daß er gleich zu Anfang P olltlke feines Berliner Aufenthaltes in nähere Beziehungen zu Gel "^ te Ludwig Bamberger trat, der ihm die Wege zu feiner währungspolitifch=publizifUfchen Tätigkeit geebnet hat und ihm bald vertrauensvoll die Führung im Kampf gegen den Bimetallismus überließ. Lag doch auch bei diefem bedeutenden Manne die Bafis feines geiftigen und praktifchen Schaffens auf dem. Gebiete des Geld= und Bankwefens. Während er aber nach Äbfchluß einer juriftifchen Vorbildung feinen Weg von der Praxis aus angetreten hatte, vom einfachen Banklehrling zum Chef eines Weltbankhaufes aufgeftiegen war und feine Laufbahn als angefehener Parlamentarier und Politiker, insbefondere als hervorragender Währungs= Politiker befchloß, ift Helfferich einen anderen Weg gegangen, um fchließlich zu dem gleichen Ziele, ja noch darüber hinaus zu gelangen. Als er Bamberger kennen lernte, verfügte er zwar über eine umfaffende nationalökonomifche Vor= 143 bildung für feine gelehrten Arbeiten, aber die Erfahrungen eines Währungs= und Bankpolitikers mußte er fich erft an= eignen, und die Praxis des Bankwefens war ihm völlig fremd. Das erfte Ziel hat er in raftlofer Arbeit bis zur Wende des Jahrhunderts, zum größten Teil noch unter den Augen Bambergers, erreicht. Und auch die Einblicke in die Betriebstechnik und die Praxis, der Gefchäftsführung der Reichsbank find ihm bei feinem gefunden Wirklichkeitsform für feine Arbeiten auf dem Gebiete des Notenbankwefens infofern von Nutjen gewefen, als die Vielfeitigkeit feiner Kenntniffe und feine Urteilsfähigkeit in diefen Dingen ge= fteigert wurden. Helfferich hat mit Bezug auf Bamberger, den Währungs= Politiker und gewandten Parlamentarier, und anderfeits auf Soetbeer, den wiffenfchaftlichen Forfcher, behauptet, daß die fo verfchieden gearteten Leitungen beider unmöglich in einer Perfon vollkommen zu vereinigen feien; die eine oder die andere würde unbedingt notleiden müffen. Daher müßten mehrere Perfonen zufammenwirken und fleh gegen= feitig ergänzen*). Diefe Behauptung ifh jedoch von Helf= ferich durch feine eigenen Leitungen ad absurdum geführt worden, denn er war Meifber in beiden. Wenn man aber die Frage ftellt, ob er als Gelehrter oder als Währungs= Politiker bedeutender war, fo wird man antworten müffen, daß feine größten fchöpferifchen Leiftungen auf dem Gebiete der Währungspolitik lagen. Damals freilich hatte er fich als Parlamentarier, wie Bamberger, noch nicht betätigen können. Seine Leiftungen auf diefem Gebiet fallen in eine viel fpätere Zeit. Aber an den praktifchen Fragen der Währungspolitik hatte er doch in weit größerem Maße mitgearbeitet, als vor ihm Soetbeer, deffen Hauptverdienft auf dem Gebiete der Edelmetall und Währungsftatiflik lag und deffen weiche verföhnliche Natur feine Beteiligung an den Kämpfen des Tages nicht zuließ. Wenn Helfferich auch eine unmittelbare praktifche Mitwirkung an der Gefet>gebung •) „Ludwig Bamberger als Währungspolitiker". Berlin 1899, S. 35/36. 144 damals noch nicht möglich war, fo hat er doch als geifHger Führer im Kampf um den Befland der Währung und der Reichsbank die Wege gewiefen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß er durch feine ausgedehnte publiziftifche Tätig= keit nicht nur auf die breite Öffentlichkeit, fondern in noch höherem Grade auf die, die zur Mitwirkung an der Gefe^= gebung berufen waren, fowohl auf die Reichsregierung wie auf den Reichstag, einen nicht zu unterfchätjenden Einfluß ausgeübt hat. So hat er mittelbar an der Münz= und Bankgefetjgebung jener Jahre erfolgreich mitgearbeitet und der Sache der Goldwährung große Dienfte geleiftet. Der Kenner der Währungspolitifchen Schriften Helfferidis wird bei der Lektüre feiner wiffenfchafllidien Arbeiten folgendes feftflellen müffen: Beide Arten feiner Tätigkeit hatten vielfache Berührungspunkte, fie durchdrangen, be= fruchteten und ergänzten fleh gegenfeitig. Die eine wäre ohne die andere nicht in diefer Ausdehnung und Voll= kommenheit möglich gewefen. Für den Währungspolitiker Helfferich bildete die gleichzeitige wiffenfchaflliche Forfchung , eine wertvolle Grundlage, und anderfeits wurde die durch fie gewonnene Erkenntnis wiederum erweitert und vertieft durch feine Tätigkeit und feine Erfahrung auf währungs= politifchem Gebiete. Die theoretifche gelehrte Forfchung war damals fein eigentliches Feld. Sie nahm feinen Geift und feine Zeit vornehmlich in Anfpruch, und ihre Ergebniffe bildeten gleichfam das geiflige Arfenal, in das er nur hinein= zugreifen brauchte, um fleh die für den jeweiligen Zweck im Streit der Meinungen am beften geeignete Waffe zu holen. Anderfeits fdiöpfte er aus feiner polemifchen und propagandiftifchen Tätigkeit manche Anregung, die fleh zu einer objektiv wiffenfchafHichen Verwertung des bisher in anderer Weife behandelten Stoffes eignete. Wenn auch viele der von ihm damals verfaßten Streitfchriften, Abhand= lungen und Auffälje ihre Entftehung einem fchnell vorüber= gehenden Anlaß verdankten und deshalb ihr Wert nach der Erreichung ihres Zwecks heute nur noch ein bedingter fein mag, für den Verfaffer felbft waren fie jedenfalls als 10 v. Lumin, Helfferich. 145 Etappen auf feinem Bildungsgange von bleibendem Wert. Die in ihnen verkörperten Erfahrungen und Erkenntniffe waren Baufteine für die beiden großen Werke, mit denen Helfferich feinen Ruf als Währungstheoretiker und Gelehrter in der Welt begründet hat. Diefe Zweiheit, gelehrte Forfchung und Währungs= politik, kam in all feinen Schriften zum Ausdruck, auch im Aufbau und in der Gliederung. Scharf trennen laffen (ich die beiden Zweige feiner Tätigkeit nicht immer. Bei manchen feiner Schriften kann man nicht mit Sicherheit fagen, ob der währungspolitifdie oder der rein wiffen= fchaftliche Charakter überwiegt. Darin liegt feine Stärke und — in den Äugen doktrinärer Kritiker — feine Schwäche. Denn es ift ihm nachgefagt worden, er fei zwar Politiker gewefen, aber kein Gelehrter. Diefe Behauptung kann angefkhts feiner allgemein anerkannten wiffenfchaftlichen Leitungen nicht ernft genommen werden. Auf beiden Arbeitsgebieten hat er Überragendes geleiftet, mehr als die meiften derer, die ihre Kraft auf eines diefer Ge= biete befchränkt und dabei erfchöpft haben. Freilich war er nicht Gelehrter in dem engen und flrengen Sinne eines Forfdiers, dem es ausfchließlich auf die Erlangung theoretifcher Erkenntnis ankommt, unbekümmert um deren praktifche Verwertungsmöglichkeit. Seine geiftige Welt dehnte fleh weiter, feine Ziele waren vielfältiger. Er diente der Wiffenfchaft, aber nicht nur um ihrer felbft willen. Und wenn von den Gegnern Helfferichs beanftandet worden ift, daß bei ihm währungspolitifdie Erwägungen ftörend in die begriffliche Denkarbeit eingegriffen hätten und daß er eine Befferung der auch von ihm anerkannten Unvollkommenheit des metallifchen Geldes in praktifchen Einrichtungen und nicht in theoretifcher Erkenntnis er= blickte*), fo fcheint mir das weit eher Lob als Tadel zu verdienen. Oder wäre er uns wirklich lieber gewefen, *) Friedrich Bendixen „Fünf Jahre Geldtheorie", Bank=Archiv, Jahr= gang X, Nr. 10 vom 15. Februar 1911. 146 wenn er fleh auf die Theorie befchränkt hätte, anflatt wie er es tat, auch als Kämpfer mit fcharfen Waffen für die Bedürfniffe des wirtfchafHichen Lebens einzutreten? Wie ein erfahrener und befähigter Richter zunädift gefühlsmäßig ohne logifche Reflexion das Urteil findet, freilich nicht ohne unbewußte Mitwirkung feines durch juriftifches Denken gefchulten Verbandes, um erft nachher die jurifKfche Begründung zu formulieren,- fo leitete Helfferidi die Löfung nationalökonomifcher Probleme intuitiv aus den realen Vorgängen und Bedürfhiffen des wirtfehaftlichen Lebens ab, wobei (ich die theoretifche Begründung meift nebenher von felbfl ergab. Nicht das theoretifch Mögliche, fondern das praktifch Notwendige und Erreichbare ftand im Vordergrunde feines Denkens und Handelns. Ob die gefundene Löfung mit der herrfchenden überkommenen Theorie in Einklang gebracht werden konnte, erfdiien ihm nicht als das Wichtigfte. So widerfprach die Bafierung der Rentenmarkfcheine auf Rentenbriefe, die ihrerfeits durch Hypothekenforderungen gedeckt waren, durchaus der herrfchenden theoretifchen Anfchauung. Aber er trug nicht die leifeften Bedenken, die Theorie preiszugeben im Hinbiidt auf die Nützlichkeit der gefundenen konduktiven Löfung, vor allem aber im Hinblick auf die Lebensnotwendigkeit ihrer Durchführung. „Primum est vivere, deinde philosophari", das war der Grundfat;, nach dem Helfferich handelte. Und dies erklärt auch feine Stellungnahme gegenüber der Knappfchen Theorie in feinem Buche über „Das Geld". Mag dadurch auch — wie in einer Kritik diefes Buches bemerkt wurde — die innere Gefchloffenheit des Syftems verloren gegangen fein, für die Wirklichkeit ift dadurch um fo mehr gewonnen worden, denn „hart im Räume ftoßen fleh die Sachen". Nur durch das Zufammenwirken des Verbandes, des Willens und des Gefühls wird Intuition und geniales Denken er= möglicht, wie es Helfferich eigen war. Die auf rein ver= (landesmäßigen Überlegungen und Schlüffen beruhende exakt=wiffenfchaftliche Forfchung reicht dazu nicht aus. 10 147 Daß es ihm bei feiner ganzen Veranlagung nie an Feinden gefehlt hat, ifl nicht verwunderlich. Kannte er doch felbffc keine Schonung, wenn es fich darum handelte, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Schon von Anfang an waren durch feine Angriffe ftarke Widerflände auf der Gegenfeite ausgelöft worden. Aber wegen der Sachlichkeit und Unanfechtbarkeit feiner Ausführungen wurden feine Zeitungsartikel und Währungspolitifchen Schriften in der breiten Öffentlichkeit viel beachtet. Die Zahl feiner An= hänger wuchs, und feine Gegner fürchteten feine fcharfe Feder. Sicher hat damals feine gegen Dr. Arendt gerichtete Polemik in der „Nationall = Zeitung" neben den für ein großes Publikum beflimmten aufklärenden Brofchüren dazu beigetragen, ihm zahlreiche Freunde zu verfchaffen in Kreifen, die fleh bisher überhauptjjnoch nicht mit der Währungsfrage befchäftigt hatten. Und als wiffenfchaftlicher Schriftfteller hat er feine Überzeugung fogar entgegen der Anfchauung des für feine Habilitation maßgebenden Univer(Itätspro= feffors mannhaft vertreten und an ihr feftgehalten. Nie ifb es ihm in den Sinn gekommen, in verba magistri zu fchwören. Daß dies feinen Berufsintereffen nicht forderlich war, liegt auf der Hand. Dennodi haben wirklich bedeutende Männer fchon damals feine wiffenfchaftliche Befähigung und feine Leitungen voll anerkannt; ich nenne nur Theodor Mommfen, Guftav Schmoller und Rudolf von Delbrück. Alle diefe Angriffe und Kämpfe find heute vergeffen. Erft Helfferichs Plan zur Schaffung eines real fundierten Zahlungsmittels fchuf ihm neue erbitterte Feinde. Aber ihre Waffen waren ffcumpf, denn fie waren im trüben Feuer parteipolitifcher Gehäjfigkeit gefchmiedet, nicht im Feuer des Geiftes. Darum konnten fie ihm nichts anhaben und feinen Erfolg nicht verkleinern. Und es war eine Auswirkung diefes Erfolges, daß nach dem Tode des Reichsbank=Präfidenten Havenftein in weiten Kreifen der begreifliche Wunfeh laut wurde, ihn an der Spitze der Reichsbank=Leitung zu fehen. Aber obgleich die durch das Gefetj vorgefchriebenen Gutachten des Reichsbank=Direk= 148 toriums und des Zentralausfchuffes der Reichsbank, der bedeutende Vertreter der wirtfchaftlichen Berufsfremde in fleh vereinigte, fleh für ihn ausgefprodien hatten, wurde auf Vorfchlag des Reichsrates nicht Helfferich, fondern der da= malige Bankdirektor Dr. Schacht zum Reidisbank=Präfidenten ernannt, trotj der gegen ihn geltend gemachten Bedenken. Der Reichsrat hat fleh über die gutachtlichen Äußerungen der dazu berufenen nächftbeteiligten und fachverftändigften In= flanzen einfach hinweggefegt. Die Gründe dafür waren eben nicht fachlicher Art, fondern fie lagen in denfpolitifchen Tendenzen des Reichsrates und des Reichskabinetts. So fleht Helfferich auch als Währungspolitiker und Gelehrter vor uns als eine vielumftrittene Perfönlichkeit, an der fleh das Goethe=Wort bewahrheitete: „Sollen dich die Dohlen nicht umfehrein, Mußt nidit Knopf auf dem Kirchturm fein.'' Man muß ftaunen über die riefige Arbeitskraft diefes Schluf5= Mannes, wenn man fich vergegenwärtigt, daß er bis betraditung zu feinem Eintritt in den Kolonialdienfl des Reiches, alfo bis zu einem Lebensalter von noch nicht dreißig Jahren, neben feinen beiden großen fachwiffenfdiaftlichen Werken mehr als fünfunddreißig größere Abhandlungen, meift währungspolitifchen Inhalts, gefchaffen hat, ungerechnet die nodi weit zahlreicheren in Tageszeitungen von ihm publizierten Artikel. Und dazu kam in der legten Zeit noch feine Tätigkeit als akademifcher Lehrer. Das ift eine Leiftung, die fonft ein Menfchenleben ausfüllt und die bei Helfferich auf eine Zeitfpanne von nur fieben Jahren zu= fammengedrängt war. Das Geheimnis diefer Leiftung war die hohe Begeifterung für die Sache, die ihn ganz in ihren Bann gezogen hatte. Bei diefer faft erdrückenden Fülle geiftiger Arbeit hat Helfferich auf den großen Reifen, die er zur Wiederherfhellung feiner Gefundheit unternahm und die ihn in die Gebirgswelt der Schweiz, nach Italien und nach Ägypten führten, Erholung und Kraft zu neuem Schaffen 149 gefunden. Gleichzeitig bildete diefer wedifelvolle Äufent= halt für ihn eine willkommene Gelegenheit, andere Völker kennen zu lernen und feinen Gefichtskreis zu erweitern. Aber felbft während diefer Ruhepaufen verfolgte er auf= merkfam alle Vorgänge auf dem Gebiete des Geldwefens und griff, wenn es ihm nötig fdiien, in den Streit der Meinungen ein. Nach Ablauf diefer Phafe feines freien Schaffens konnte er fleh nur noch aus befonderem Anlaß mit Fragen des Geldwefens befchäftigen. Ob es (ich dabei um feine beratende Teilnahme an Konferenzen und Kon= greffen handelte oder um die Neuregelung des Währungs= wefens in den Kolonien, um Maßnahmen der finanziellen Kriegführung oder fchließlich um die große Tat, die für das Wohl und Wehe unferes Volkes entfeheidend gewefen ift: immer waren es Aufgaben und Ziele im Intereffe und zum Nutjen der Allgemeinheit, an denen er mit leidenfdiaftlidier Hingabe, unermüdlich und meifl an verantwortlicher Stelle mitgearbeitet hat. Eine fcharfe theoretifdie Auffaffung der Dinge war bei Helfferich in glüddichfter Weife vereinigt mit einem un= geftümen Drang nach praktifcher Betätigung. Mehr als für andere galt für ihn das alte Wort, daß nicht der Befitj der Wahrheit das Glück des Forfchers ift, fondern das erfolgreiche Ringen. Und die gewonnene Erkenntnis bedeutete für ihn nichts, wenn fie nicht umgefeijt werden konnte in Wille und Tat. Sein Glück war die Tat, in der feine innerfte Kraft fleh offenbarte und Erlöfung fand. Und er war fleh durchaus bewußt, daß dem Manne der Tat der größte Er= folg dann befchieden ift, wenn er das theoretifdie Wiffen mit praktifcher Arbeit zu gemeinfamer fchöpferifcher Leiftung verbindet. Er felbft hat diefen Geift bez;eidinet als „ein Stück jener Kraft, der Deutfchland — früher das Land der unpraktifdien Denker und Dichter — in dem halben Jahr= hundert vor dem Kriege feine gewaltigen wirtfehaftlichen Fortfehritte zu verdanken hatte"*). Diefe Erkenntnis ift *) „Georg von Siemens, ein Lebensbild aus Deutfchlands großer Zeit". Berlin 1921, Band I, S. 30. 150 für fein Leben beftimmend gewefen. Denn diefelbe von theoretifdiem Wiffen durchdrungene praktifche Energie, die ihn in dem erflen Äbfchnitt feines Schaffens auf dem ver= hältnismäßig kleinen Felde der Währungs= und Bankpolitik befeelte, hat ihn fpäter zur höchften Kraftentfaltung be= fähigt auf anderen, ihm damals noch fern liegenden Ge= bieten, in Fragen des Wirtfchaftslebens und der großen Politik. In diefem Sinne find jene Jahre für ihn Lehrjahre gewefen, wenn fie auch fchon reich waren an Leitungen, Erfolgen und tiefgehenden Einflüffen für die Zukunft. In jungen Jahren hat fleh Helfferich einen Namen ge= macht, der mit dem Kampf um die Währung aufs engfte verknüpft ift. Länger als zwei Jahrzehnte hindurch galt er weit über Deutfchlands Grenzen hinaus als einer der beften Kenner des Geld= und Bankwefens, das die eigentliche Sphäre feines Lebens bildete, in der er Meifter war. Der Bimetallismus war tot, die Goldwährung hatte ihren Sieges= zug durch die Kulturwelt angetreten, das Verftändnis für ihre Vorzüge war auch in Deutfchland längft Allgemein= gut, und Helfferichs erbitterte Feinde von ehedem find fchließlich feine größten Bewunderer geworden. Als dann die deutfehe Goldwährung durch den Weltkrieg und feine Folgen in Trümmer ging und die deutfehe Wirtfchaft in ihrem Sturz mit fleh zu reißen drohte, da war es wieder Karl Helfferich, der die zum Chaos führende Geldent= wertung zum Stillftand brachte und durch feinen Plan zur Schaffung eines wertbeftändigen Zahlungsmittels die Brücke zu einer neuen Goldwährung fchlug. Es war die Um= fchmelzung und Ausprägung des Goldes der Er= kenntnis in die wertbeffcändige Münze der Tat. Das wird ihm im deutfehen Volke unvergeffen fein. Und wenn es ihm auch nicht mehr vergönnt war, die Wiedereinführung der Goldwährung in Deutfchland zu erleben, fo wird doch fein Name die gleiche Geltung in der Welt behalten wie die Goldwährung, für die er fo erfolgreich gekämpft und fein Befles eingefetjt hat. 151 Anlagen Anlage L Auszug eines Schreibens des Reichskanzlers a. D. Dr. Cuno vom 27. Februar 1924 an den Reichstagsabgeordneten Dr. Gildemeifter. „Wenige Tage vor meinem Rücktritt kam Exzellenz Helfferich von einem Erholungsaufenthalt nach Berlin zurück und befuchte mich, um mich dringend zu bitten, von dem Rüdttritt abzufeilen und mir feine Sorgen wegen der Währungsfituation mitzuteilen. Wir waren uns einig in der Notwendigkeit, fofort in der Währungsfrage mit aller Be= fchleunigung entfcheidend einzugreifen. Exzellenz Helfferich entwidtelte mir hierbei in allen Einzelheiten den Plan einer neuen Währung, die in ihrer Grundidee und Konftruktion mit der jetrigen Rentenmark über= einftimmte mit der Maßgabe, daß als Wertgrundlage nicht das Gold, fondern der Roggen vorgefchlagen war. Er fprach in diefem Zufammen= hang von einer Roggenmark. Ich habe ihm geantwortet, daß idi den Grundgedanken für richtig hielt, und daß auch die dem Reichstag vor= liegende wertbeftändige Anleihe auf das (teuerbare Vermögen und nicht auf den Grundbefitj als folchen baßert fei, in dem Empßnden, daß diefer für fpätere Notwendigkeiten verfügbar gehalten werden foll. Ich fragte Exzellenz Helfferich, binnen welcher kürzeften Frift fein Plan durch= geführt werden könne. Er antwortete mir, daß diefes binnen zwei Wochen möglich fein muß. Das Gefpräch fchloß mit meiner Bemerkung, daß mit größtmöglicher Befdüeunigung der Gedanke verfolgt werden foll. Das ift die Darfteilung, wie ich ße Ihnen im wefentlichen bei unferer Unterhaltung gab. Inzwifchen bin ich aus Anlaß der mir bekannt gewordenen Auseinanderfetjung in der Preffe meinen Erinnerungen weiter nachgegangen und habe noch folgendes feftgeftellt: 1. Schon einige Tage, bevor Exzellenz Helfferich bei mir war, hat midi Herr Minifter von Rofenberg auf das Projekt angefprochen, indem er mir mitteilte, daß Exzellenz Helfferich ihm den Plan einer neuen Währung vorgetragen habe, die in ihrem Aufbau mit den mir fpäter von Exzellenz Helfferich gemachten Mitteilungen übereinfMmmte. Ich habe Herrn von Rofenberg gegenüber hierbei fchon damals meine grund= fätjlidie Zuftimmung zur Weiterverfolgung des Gedankens ausgefprochen, weil ich von der dringenden Notwendigkeit der Schaffung einer neuen Währung überzeugt war. 152 2. Bei dem Vortrag feiner Gedanken berührte Exzellenz Helfferich auch die für die Durchführung der Stabilifierung wefentliche Entlaftung der Reichsbank von den Reichsfcha-^wechfeln und die Gewährung der notwendigen Übergangskredite an das Reich, ähnlich wie fie in der Reichs=Rentenmark=Verordnung vorgefehen ift." Dr. Gildemeifter hatte in verfchiedenen Artikeln be= hauptet, die Rentenmark fei grundfätdich etwas anderes als das Projekt Helfferich. Diefes fei gar kein Projekt Helfferich, fondern das Plagiat eines Projektes Älbrecht (Deutfche Volkspartei). Er hatte fich ferner zu folgender beleidigenden Äußerung Helfferich gegenüber hinreißen laffen: „Der Politiker muß es verftehen, auch mit feiner Fahne zu fallen. Es geht aber nicht an, feine Fahne auf= zupflanzen, wenn irgendwo von einem andern eine Schanze geftürmt worden iffc." Helfferich hatte in feinem in der Fußnote zu S. 104 erwähnten Preffeauffats „In eigener Sache" die Behauptungen zurückgewiefen und fich gegen die beleidigende Infinuation verwahrt mit dem Hinzufügen, daß er nunmehr eine loyale Erklärung erwarte. Die An= gaben Dr. Cunos widerlegen die Behauptungen Gildemeiflers, weil das Projekt Älbrecht, das lediglich den durchaus nicht neuen Gedanken eines „Sachwertgeldes" in einer unmöglichen Form vertrat, erfl zu einem Zeitpunkte auftauchte, als der völlig anders geartete, viel weiter greifende Plan Helfferichs bereits formuliert und der Regierung Cuno vorgelegt worden war. Daraufhin hat fich Dr. Gildemeifter veranlaßt gefehn, eine loyale Erklärung abzugeben, mit der fich Helfferich unter Verzicht auf ihre Veröffentlichung befriedigt erklärte. 153 Anlage 2. Schreiben der Deutfdien Rentenbank an Karl Helfferich. Deutfche Rentenbank. Berlin, den 3.Januar 1924. Hochverehrte Exzellenz! Das neue Jahr foll nicht beginnen, ohne daß der Verwaltungsrat der Deutfdien Rentenbank Eurer Exzellenz feine wärmften Wünfche zum neuen Jahre überfendet und dabei mit allem Nachdruck zum Ausdruck bringt, daß es Ihnen zu danken ift, wenn durch die Schaffung der Deutfdien Rentenmark dem erfdiredsenden Verfall der deutfdien Währung Einhalt geboten worden ift. Die Deutfche Rentenbank führt ihre Ent= ftehung auf die Vorfchläge und Entwürfe zurüdt, die Euer Exzellenz zuerft im Auguft v. J. dem damaligen Reichskartzier Cuno und demnächft dem Kabinett Strefemann vorgelegt haben und die unter Ihrer führenden Mitarbeit in aufreibenden Verhandlungen zwifchen den beteiligten Refforts, in erfter Linie dem Reichsfinanzminifterium fowohl unter Herrn Dr. Hilferding, wie unter Herrn Dr. Luther, und den wirtfdiaftlichen Verbänden fdiließlich die Verordnung vom 15. Oktober 1923 über die Errichtung der Deutfdien Rentenbank gezeitigt haben. Denn wenn auch in die Verordnung verfchiedene Ihrer Vorfchläge nicht oder mit wefentlidien Änderungen übernommen worden find, fo ift doch die tragende Grundlage Ihres genialen Planes geblieben. Die Bedeutung Ihres Gedankenaufbaues für die Gefundung der deutfdien Geldverhältniffe i{t durch die Abweichungen nicht erfchüttert worden. Die heiße Sorge um die Sicherftellung der Ernährung des deutfdien Volkes ließ die Wirtfchaftsftände unter Zurückftellung des im Augenblidi Unerreichbaren fleh mit der Zwifcfaenlöfung begnügen, als welche die Rentenmark (ich darflellt. Der Verwaltungsrat der Deutfdien Renten= bank ift überzeugt, der deutfdien Volks= und Staatswirtfdiaft am heften zu dienen, wenn er fich als Hüter der Ideen fühlt, die Sie in Ihrem Entwurf niedergelegt haben. Der Verwaltungsrat hat einftimmig befdiloffen, diefes Euer Exzellenz zum Ausdrudv zu bringen. In aufrichtiger Verehrung Der Verwaltungsrat: gez. Lentje. 154 Anlage 3. Verzeichnis der Werke und Schriften einfchließlich der Äuffä-^e aus Zeitfchriften und einzelner wichtiger Artikel aus Tageszeitungen von Karl Hei ff er ich Vorbemerkung: Das Verzeichnis gliedert fidi in folgende Abfdinitte: 1. Geld= und Bankwefen 2. Finanzwefen 3. SonfHge Wirtfdiaflsfragen 4. Politik Solche Werke und Schriften, die (ich auf mehrere der unter 1—4 ge= nannten Gebiete erftrecken, find auch mehrmals, und zwar jeweilig in den entfprechenden Abfdmitten verzeichnet. Die Reihenfolge innerhalb der einzelnen Abfdinitte ift der Zeit nach geordnet. Alle als Buch, Brofchüre oder Flugfchrift gefondert herausgegebenen Werke und Schriften find durch ein * gekennzeichnet. 1. Geld= und Bankwefen. *Die Folgen des deutfes. Success and Prospects of the Rentenmark. The American Monthly. New-York, March 1924. S. 26 ff. German Currency and Finance. I—VII. The Statist, Bd. 103, Nr. 2400 ff. London 1924. The GoId=Discount-Bank and the proposed Gold-Note-Bank. The Statist, Bd. 103, Nr. 2407. London 1924. Zur Gefchichte der neuen Währung. Deutfdie Tageszeitung Nr. 52 v. 31. Januar 1924. In eigener Sache. Um die Rentenmark. Die Wahrheit über die Rentenmark. Deutfchnationale Flugfchrift Nr. 164. Berlin 1924. *Helfferich. Reichstagsreden 1922—1924. Herausgeber Dr. W. Reichert. Brunnenverlag Karl Winkler, Berlin 1925. Siehe auch unter 2. Finanzwefen und 4. Politik in dief Verz. 2. Finanzwefen. Die finanzielle Seite des ruffifdi=japanifchen Krieges. Marine= Rundfchau. 3 Auffä^e. Berlin 1904/05. *Ruffie et Japon. Les Finances des Belligerants. Verlag Guillaumin & Co., Paris 1905. Überfettung eines der vorgehend angeführten Auffätje. *Das Geld im ruffifch = japanifchen Kriege. Ein finanz= politifcher Beitrag zur Zeitgefchichte. Zufammenfaffung der erweiterten 3 Auffätje aus der Marine=Rundfdiau in einem Buche. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1906. Die Befl^fleuern. Bank=Archiv, Jahrg. VIR, S. 309 ff. Berlin 1909. Deutfdilands Finanzkraft in der Marokkokrifis. Bank=Ardnv, Jahrg. XII, S. 17 ff. Berlin 1912. 159 Die türkifche Staatsfdiuld und die Balkanflaaten. Bank- Archiv, Jahrg. XII, S. 167—175. Berlin 1911 Die Kriegsanleihe. Bank=Archiv, Jahrg. XIV, S. 1—4. Berlin 1914. *I1 prestitO di guerra tedesco. Überfe^ung des vorigen Auf= fatjes. Verlag Liebheit & Thiefen, Berlin 1914. * Kriegsfinanzen. Drei Reichstagsreden. Politifche Flug fchriften „Der deutfche Krieg", Herausg. Ernft Jäckh. 2 Teile. Hefx 41/42, Rede am 10. März 1915. Heft 69, Reden am 20. Auguft u. 14. Dezember 1915. Deutfche Verlagsanjlalt, Stuttgart 1915. # How Germany raises Billions. 2 ed. Issues and Events Booklets, Nr. 9. New-York 1915. * Kriegsfinanzpolitik. Bericht des Staatsfekretärs Dr. Helfferidn an den Reichskanzler v. 26. Febr. 1916. Abfcfarift von Ab= fchrift i. d. Preuß. Staatsbibliothek in Berlin. * Reden und Auffätje aus dem Kriege. Verlag Georg Stilke, Berlin 1917. Siehe auch unter 4. Politik in dief Verz. Deutfchlands finanzielle Rüftung. Reden und Auffä^e aus dem Kriege. S. 69-74. Verlag G. Stilke, Berlin 1917. Die deutfche Kriegsanleihe. Reden und Auffä^e aus dem Kriege. S. 82-95. Verlag G. Stilke, Berlin 1917. * Krieg und Kriegsanleihe. Vortrag geh. in Stuttgart am 7. April 1918. Druck d. Stuttgarter Buchdruckereigefellfchaft 1918. Finanzielle Kriegführung. Der Weltkrieg. Bd. II. S. 109—171. Verlag Ullflein & Co , Berlin 1919. *Das Reichsnotopfer. Verlag G. Stilke, Berlin 1919. *Schuldknechtfchaft: 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe. Reichstagsrede. Verlag G. Stilke, Berlin 1921. *Die Lage der deutfchen Finanzen. Rede am 3. Sept. 1921 auf dem 3. deutfchnationalen Parteitag in München. Deutfchnutionale Flugfchrift Nr. 121. Berlin 1921. Die Neugestaltung der Reichseinkommenfteuer. Bank=Archiv, Jahrg. XX, S. 189-196. Berlin 1921. # Reichstagsreden. 1920—1922. Brunnenverlag Karl Windder, Berlin 1922. Siehe auch unter 1. Geld= u. Bankwefen u. 4. Politik in dief. Verz. *Die Zwangsanleihe. Brunnenverlag K. Windder, Berlin 1922. * Steuerkompromiß und nationale Oppofition. Reichstagsreden. Brunnenverlag K. Winckler, Berlin 1922. *Das neue Steuergefet, vom 20. März 1923 über die Berück= fichtigung der Geldentwertung in den Steuergefeijen. Brunnenverlag K. Windtier, Berlin 1923. *Helfferich. Reichstagsreden 1922 — 1924. Herausgeber Dr. W. Reichert. Brunnenverlag Karl Winckler, Berlin 1925. Siehe auch unter 1. Geld= und Bankwefen u. 4. Politik in dief. Verz. 160 3. SonfUge Wirtfchaftsfmgen. *Die Malthusfche Bevölkerungslehre und der moderne In= duftrieftaat. Sonderdruck a. d. Münchener Allg.Zeitg. Mündien 1899. * Handelspolitik. Vorträge, gehalten in Hamburg 1900/1901 im Auftrage der Hamburgifchen Oberfdiulbehörde. Verlag Dundter & Humblot, Leipzig 1901. DieBaumwollfrage. EinweltwirtfdiaftlidiesProblem. Marine= rundfdiau, Berlin 1904, Juniheft. *Zur Reform der kolonialen Verwaltungsorganifation. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1905. * Die Verteilung des Volkseinkommens in Preußen 1896—1912. Feftgabe zum 60. Geburtstage des Herrn Geheimen Juftiz= rats Profeffor Dr. Rießer. Verlag J. Guttentag G.m.b.H., Berlin 1913. *Deutfchlands Volkswohlfland 1888/1913. Verlag G. Stilke, Berlin 1913. Letjte Aufl. 1923. *The conditions of Belgium under the German Occupation. Impressions of a VOyage. Verlag Liebheit & Thiefen, Berlin 1914. Volksvermögen, Volkseinkommen und Steuerlaft. Weltpolitik und Wirtfdiaft. Bd. I, Heft 1. Verlag R. Oldenbourg, Mündien 1925. 4. Politik. Martin Friedrich Rudolf von Delbrück. Biographifdies Jahr= buch und deutfcher Nekrolog. Bd. 9. Berlin 1905. *Die Entftehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffent= lichung der Dreiverbandmächte. Verlag Georg Stilke, Berlin 1915. Die Schrift ift ins Schwedifdie und inEfperanto überfetjt worden. An das deutfche Volk. Reichstagsreden des Kanzlers von Bethmann=Hollweg und des Staatsfekretärs Helfferich im Weltkrieg. Verlag Carl Heymann, Berlin 1915. Vaterländifcher Hilfsdienft. Reden von Bethmann=Hollweg, von Stein, Helfferich und Groener. Deutfche Verlagsanflalt, Berlin u. Stuttgart 1916. * Reden und Auffätje aus dem Kriege. Verlag Georg Stilke, Berlin 1917. Siehe auch unter 1. Geld= und Bankwefen u. 2. Finanz^ wefen in dief. Verz. *England und wir. Rede über Wirtfehaftskrieg und Wirt= fchaftsfrieden. Verlag Georg Stilke, Berlin 1918. 11 v. Lumrr., Helfferich. 161 *Rede über die deutfdie Volkskraft. Gehalten am 11. 0k= tober 1918 vor den Vertretern der Kriegsanleihe=Werbe= Organifationen. Herausg. Reichsbank = Nachrichten = Bureau für Kriegsanleihen. Berlin 1918. *Die politifdie Lage und die Wahlen zur Nationalverfamm= lung. Vortrag geh. auf der Wählerverfammlung in Putbus am 27. Dezember 1918. Herausg. Deutfchnationaler Volksverein Kreis Rügen. *Der Weltkrieg. 3 Bde. Verlag UUftein & Co., Berlin 1919. 1. Bd. Die Vorgefchichte des Weltkrieges. 2. Bd. Vom Kriegsausbruch bis zum uneingefchränkten U=Bootkrieg. 3. Bd. Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zufammenbruch. Siehe auch unter 2. Finanzwefen in dief. Verz. * Die Friedensbedingungen. Verlag R. Hobbing, Berlin 1919. *Verfailles und die Krieg sfchuld. Verlag R. Hobbing, Berlin 1919. *Rede des Staatsminiflers Helfferidi. Gehalten am 7. Januar 1919 in der öffentlichen Verfammlung der deutfdinatio= nalen Volkspartei in Greifswald. Verlag Abel, Greifswald 1919. *Die Friedensbedingungen. Vortrag geh. am 23. Mai 1919 in der Mitgliederverfammlung des Verbandes Berliner Großhändler und Fabrikanten für Nahrungs= und Ge= nußmittel e. V. Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Berlin 1919. *Die Friedensbemühungen im Weltkrieg. Vortrag. Zeitfragen= verlag. Berlin 1919. *Der Friede von Verfailles. Rede an die akademifche Jugend. Gehalten am 20. Juni 1919 im Auditorium Maximum der Berliner Univerfltät. Deutfchnationale Flugfchrift Nr. 20. Berlin 1919. *Rede am 24. Juli 1919 anläßlich der erften Verfammlung des „National=Club von 1919" in Hamburg. Drude v. Hermanns Erben, Hamburg 1919. * *Fort mit Erzberger. Flugfchrift des Tag Nr. 8. Verlag Aug. Scherl. Berlin 1919. *Wer ift Erzberger? Rede in der Sitjung des Erzberger= prozeffes vom 20. Januar 1920. Deutfchnationale Flugfchrift Nr. 40. Berlin 1920. * Gegen Erzberger. Diefelbe Rede vom 20. Januar 1920. Verlag Hermann Krüger, Berlin 1920. Reden Helfferichs im Erzbergerprozeß. Vgl. Stenographifdier Bericht über die Verhandlungen im Beleidigungsprozeß des Reidis= minifeers Erzberger gegen den Staatsminifler a. D. Dr. Karl Helfferich. Verlag Carl Schmalfeld, Berlin 1920. •Vortrag in Bremen v. 6. März 1920. Verlag Franz Leuwer, Bremen 1920. 162 *Der wirtfchctftliche Hintergrund des Weltkrieges. Vorträge der Gehe=Stiftung in Dresden. Bd. 10, Heft 3. Verlag B. G. Teubner, Leipzig und Dresden 1920. Der Blodt der Mitte. Reden der Reichstagsabgeordneten Hergt und Dr. Helfferidi am 28. Juni u. 2. Juli 1920 im Reichstage. Verlag Deutfchnationale Sdiriftenvertriebsftelle, Berlin 1920. *Wilfon als FriedensfHfter und der U=Bootkrieg. Staats= minifler Helfferidi vor dem parlamentarifchen Unter= fuchungsausfchuß. Staatspolitifche Aufklärungsfchriften Nr. 2. Deutfchnationale Schriftenvertriebsflelle, Berlin 1920. Vgl. auch Stenograph. Bericht des von der Nationalverfammlung eingefetjten parlamentarifchen Unterfuchungsausfdiuffes. 10. bis 13. Sitzung des 2. Unterausfchuffes am 12., 14., 15. u. 17. November 1919. *Die deutfche Türkenpolitik. Im neuen Deutfchland. Heft 11. Voffifche Buchhandlung, Berlin 1921. *Der Zufammenbruch der Erfüllungspolitik. Verlag Vater= ländifcher Volkskalender, Berlin 1921. * Deutfchland in den Ketten des Ultimatums. Deutfchnationale Flugfdirift Nr. 107. Berlin 1921. *Erzberger redivivus. Die Steuern und die Eide des Herrn Erzberger. Anonymer Sonderdruck der Kreuz=Zeitung. Berlin 1921. Die Beteiligung der deutfchen Induftrie an dem Wieder= aufbau Nordfrankreichs. Indu|lrie=Kurier v. 17. u. 24. Juni 1921. Berlin. Aufjage betr. die Politik der Erfüllung. Wirtfcfaaftliche Nachrichten aus dem Ruhrbezirk. Amtl. Blatt der Handelskammer Bochum ufw. Heft 31 v. 23. Juli 1921. Das Problem der Reparation. Heft 43 v. 15. Oktober 1921. Das Wiesbadener Abkommen. Heft 13 v. 4. April 1922. Die Note der Reparationskommiffion. Entmündigung und Zwangsvollflreckung. Heft 20 v. 11. Juni 1922. Die neue Kapitulation. Notenwechfel zwifcfaen Reichsregierung und Reparationskommiffion v. 29. Mai u. 31. Mai 1922. *Die Politik der Erfüllung. Verlag J. Schweiber, München 1922. Die Frage der Reparationen. Der deutfche Führer. 1. Jahrg. Januarheft. Berlin 1922. Deutfdllands Entmündigung. Der deutfche Führer. 1. Jahrg. Augu|theft. Berlin 1922. Die Bilanz der Erfüllungspolitik. Der deutfche Führer. 1. Jahrg. Dezemberheft. Berlin 1922. *Reicfastagsreden 1920—1922. Brunnenverlag Karl Winckler, Berlin 1922. Siehe auch unter 1. Geld= u. Bankwefen u. 2. Finanz= wefen in dief. Verz. * Deutfdllands Not. Reidistagsrede. Brunnenverlag Karl Winckler, Berlin 1922. 11* 163 Dies Ircte. Der deutfche Führer. 2. Jahrg. Februarheft, Berlin 1923. Um Leben und Tod. Der deutfche Führer. 2. Jahrg. Märzheft. Berlin 1923. Bagdadbahn und Weltkrieg. Im Lichte amerikanifcher Gefdlidltsforfdiung. New=Yorker Staatszeitung u. Herold v. 9. Dezember 1923. *Deutfchlands Not und Rettung. Reichstagsrede. Brunnenverlag Karl Winckler. Berlin 1923. *Die Not der Pfalz und Frankreichs Politik. Reichstagsrede am 21. Februar 1924. Deutfchnationale Flugfchrift Nr. 144. Berlin 1924. * Freies Deutfchland oder internationaleReparations=Provinz. Reichstagsrede am 6. März 1924. Brunnenverlag Karl Windder, Berlin 1924. *Das zweite Verfailles. DeutfchnationaleFlugfchriftNr.175. Berlin 1924. Die Reichseifenbahnen im Expertenbericht. Kreuz=Zeitung v. 26. April 1924. Abendausg. Berlin 1924. The Report of the Experts I—IV. The Control of the German Railways. The Statist, Bd. 103. Nr. 2410 ff. London 1924. Überfettung des vorflehenden Auffatjes, der auch abgedruckt ift in „Helfferidi, Reidistagsreden 1922—1924", Berlin 1925. *Helfferich. Reichstagsreden 1922 — 1924. Herausgeber Dr. W. Reichert. Brunnenverlag Karl Winckler, Berlin 1925. Siehe auch unter 1. Geld u. Bankwefen u. 2. Finanzwefen in dief. Verz. 164 Gedruckt bei A. Heine G.m.b.H., Gräfenhainidien. • ü e^rbud? öer tXationalötonoxnit /^^'^-■'V ^;l - • Don; :^ '.. l-.«,^'' ? • -." "•' v ^ ' SV Dr. ^r. t>ott Kldnwcicfyte* ^. oerbefferte Auflage. Preis Hm. \0, —, geb. Hm. \2,— ItTit ^reuben fann man bas €rfcb,einen ber oierten lluffage uon Kieinroä'djters fefjr&ud; ber XTationalöfonomie begrüßen, ©leid; ben trefflidjeu „(Sruubrtffcn ber politifdjen ©efonomie", roeldje <£onrab, oon pIjtlippoDtdp unb SdjmoUer Deräffeutlidjt fjaben, beruht bas uorliegeube XOtxt auf jab^ermtelanger afabemifdjer £eb,rtätigf eit oerbuubeu mit ^orfrfjettätigfeit auf ben oei-fdjiebenfteii Gebieten bes rbud) öer t>o!fstmrtfc^aftspoltttf Von Dr. £v. von Uleinvoä&tev 2. umgearbeitete Auflage. Preis Hm. 7,—, geb. Hm. 9,— Der Aufgabe, eine furje unb fttappe Darftelluug über bie brei großen (Sebiete ber DoIfs= roirrfdiaftspolitif, llgrar--, (Seroerbe--, ü}anbels= unb Derfeljrspolitif 3U geben, totrb bas Buch, in ijeroorrageitbem 3Tta§e"uub in einer £Deife geredjt, bie es nidjt nur für bte Sebürfniffe ber Stu= bierenben geeignet tnadjt. Die DarfteKung ift von muftergültiger Klarheit, unb mit bem fnappeu Raum ift berart gefdjicft tjaitsgebalten, betfj bie grofjen Probleme ber Öolfsnurtfdjaft in einer Pollftänbigfeit berührt fiub, roie es in anberen Kompenbien non geringem Umfange faum geboten wirb. &d>thud) öer S^^3^iff^f^ft Don Dr. £r. von HUlnwäfytev I}ofrat, em. piofeffor ber Staatsunffenfdjaftett an ber früheren beut[cb,en, ^onovarprofeffor an ber Kgl. rumäuifdjen Unicerfttät in Cjernorpttj. Preis Hm. 7,50, geb. Hm. 9,50 Kleiuroäditers ^iiraträ,roiffetifp!jäft ift ein 23ud; uon tjotjem roiffeufdjaftlidjeu Hang, burdj Klarheit unb llebeiluttUd/reit ber DarfteHung roie Betjerrfdiung bes überaus tt>eti|djtd)tigeu Stoffes gleidjermafjen ausgeäeid?uet. i£s ift cot allem fürfernjwecfe oorjüglia? geeignet unb (teilt fidj ben bekannten £et)rbüdjern ebenbürtig jnt Seite. („Bayrffdje (Semeinbe» unb Derwaltungs^eitung.") C. L. Hirschfeld / Verlagsbuchhandlung / Leipzig Staatsmänner und Abenteurer Russische Porträts von Witte bis Trotzki 1891-1925 von Elias Hurwicz * In Ganzleinen RM. 6.— Graf Witte / Gapon / Rasputin / Nikolaj II. / Kerenski Zeretelli / Nabokow / Denikin / Koltschak / Machno Lenin / Trotzki p : * .~: : X': : ~'" r: '' : ' : ^- : : Die Schilderung einzelner Persönlichkeiten, die die Geschicke des Rußlands von heute beeinflußt haben, ist Gegenstand der vorliegenden interessanten Neuerscheinung: Über Witte, Rasputin, Nikolaj H, Kerenski, Denikin und Koltschak führt der Weg zu Lenin und Trotzki. Das Buch steckt voll interessanter Einzelheiten. Wer sich über Wesensart und Eigentümlichkeiten der russischen Politiker, Generale und Volksführer unterrichten will, erhält eine fesselnde und ausgiebige Antwort. Das Buch darf als ein wertvoller Beitrag zur jüngsten russischen Geschichte bezeichnet werden. („Marine-Rundschau", 1925, Heft 6) .Das außergewöhnliche Wechselspiel der russischen Geschichte gibt der Verfasser in den Lebensbildern von 12 Männern wieder, die teils als Staatsmänner, teils als Abenteurer, teils als problematische Naturen die Geschicke des russischen Volkes von 1891—1925 geführt haben. Das Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern berücksichtigt nur die Persönlichkeiten, die in irgendeiner Weise die verschiedenen Tendenzen und Strömungen der russischen Politik verkörpert haben. Der Autor stützt sich bei seinen Schilderungen auf persönliche Eindrücke und auf vorliegendes 'biographisch-psychologisches Material. (Wirtschaitsnachr-, Nr. 161) C. L. Hirschfeld / Verlagsbuchhandlung / Leipzig