Sonntags ⸗ Beiblatt der Augsburger Poſtzeitung. Erſte Jahreshälfte. № 1. 5. Januar 1845. Schweiz. Der hochwürdigſte Biſchof von Lauſanne und Genf, Peter Tobias Yenni, hat unterm 25. Nov. 1844 folgenden Hirtenbrief an die Geiſtlichkeit und die Gläubigen ſeiner Diöceſe elaſſen:„Beim Herannahen des Feſtes der unbefleckten Empfängniß der allerſeligſten Jungfrau Maria fühlen Wir Uns gedrungen, einige Worte der Erbauung an euch zu richten, um die Andacht zur Mutter des Erlöſers in euch zu beleben. In dieſer Abſicht legen wir euch einige Betrachtungen vor über einen der vorzüglichſten Gründe ihrer Verherrlichung — über den ihr unter allen Adamskindern allein zukommenden Vorzug, von der Erbſünde bewahrt und vom Augenblick ihrer Empfängniß an ohne alle Makel vor Gött geblieben zu ſeyn. Wir wiſſen und machen euch kein Geheimniß daraus, daß die Kirche die Lehre der unbefleckten Empfängniß Mariä nicht unter die Glaubensartikel aufgenommen hat; aber die hl. Väter und Kirchenlehrer ſprechen ſich faſt einſtimmig dafür aus; von einem Ende der Welt zum andern bekennen ſich die frommen Gläubigen zu dieſer Lehre; der Himmel ſcheint dieſen frommen Glauben ermuntern zu wollen durch die ganz beſondern Gaben, womit er denſelben belohnt, und durch die zahlreichen Wunder der Barmherzigkeit, die er zu Gunſten deren wirket, die Maria unter dem glorreichen Titel einer von der Zeit ihrer Empfängniß an unbefleckten Jungfrau anrufen. „Wäre Maria gleich den übrigen Adamskindern dem gleichen Geſeꜩ unterworfen und mit der Erbſünde behaftet geweſen, bevor ſie der Schlange den Kopf zertreten, ſo würde ſie auch wie jeder begreift, den tödlichen Biß der Schlange empfunden haben; bevor ſie Gottes Mutter geworden, Gottes Feindin, und bevor ſie der Tempel der Heiligkeit ſelbſt geworden, ein Tempel der Bosheit geweſen ſeyn. Aber ſolches anzunehmen weiſet der gläubige und fromme Sinn mit Abſcheu zurück. Wie, ſagte der heilige Auguſtin, hätte der Erlöſer der Menſchen, welcher das jungfräuliche Fleiſch ſeiner Mutter wegen ſeiner Würde nicht in Staub wollte zerfallen laſſen, zugeben können, daß ihre Seele auch nur einen Augenblick durch die Sünde befleckt würde? Dieſe Bemerkung machte vor 14 Jahrhunderten einen ſolchen Eindruck auf den großen Biſchof von Hippo, daß er immer, wenn er von der Sünde ſprach, Maria davon ausgenommen wiſſen wollte, aus Ehrfurcht vor Gott, den ſie zum Sohne zu haben gewürdiget worden. In gleicher Geſinnung ſchrieb Papſt Sixtus IV. in ſeiner Conſtitution von 1436 die Meſſe und das Officium zu Ehren der unbefleckten Empfängniß mit einer Oration vor, worin dieſe Empfängniß ausdrücklich die„unbefleckte“ genannt iſt. Von den gleichen Grundſätzen geleitet, drückte Papſt Alexander VII. in ſeiner Bulle: Solicitudo omnium écclesiarum, vom Jahr 1661 ſich alſo aus: „Um nach dem Beiſpiele der uns vorangegangenen römiſchen Päpſte jene Andacht und Frömmigkeit zu begünſtigen und zu pflegen, welche zur Verehrung der ſeligſten Jungfrau, als einer von der Erbſünde frei gebliebenen, antreibt, erneuern wir die Conſtitutionen und Beſchlüſſe unſerer Vorgänger, der Päpſte, zu Gunſten der Meinung, die Seele der ſeligſten Jungfrau Maria ſey von der Erbſünde befreit geblieben; eben ſo auch zu Gunſten der Feier und des Cultus der Empfängniß derſelben jungfräulichen Gottesmutter, wie ſie dieſer frommen Meinung gemäß eingeſührt worden.“ So ſehr beſorgten die Väter des hl. Concils von Trient die der beſondern Würde der Gottesmutter ſchuldige Ehrfurcht zu verletzen, daß ſie, aus Hochachtung vor der Heiligkeit Mariä, erklärten, es ſey nicht ihre Meinung, die ſeligſte und unbefleckte Jungfrau unter ihrem Beſchluß über die Erbſünde zu begreifen. „Die Kirche, unſere Mutter und Leiterin in der Heilsordnung, hat dieß wohl begriffen. Deshalb ſpricht ſie in ihrem Eifer für die Verehrung ihrer himmliſchen Beſchützerin immer von deren fleckenloſen Reinheit; ſie ladet alle ihre Kinder ein, an das unbefleckte Herz Mariä ſich zu wenden und daſſelbe als ihre Zuflucht zu betrachten; ſie weiſet dieſes Herz den größten Sündern als ein Heiligthum, wo Gottes unendliche Barmherzigkeit ſie erwartet; und den Namen unſerer liebevollen Mutter Maria, den alle Geſchlechter preiſen, dieſen Namen will die Kirche ſo zu ſagen nicht anders ausgeſprochen wiſſen, als daß man ſich dabei erinnere, daß der Hauch der hölliſchen Schlange ihren Glanz nie habe beflecken können. Es war ein glücklicher Gedanke, die Bewahrung Mariä von der Erbſünde feierlich in der Liturgie gerade dann verkünden zu laſſen, da das Blut des unbefleckten Lammes, die Quelle aller Erlöſung, auf unſern Altären vergoſſen würde. Endlich ermuthiget ſie die Biſchöfe, ſich an den hl. Stuhl zu wenden, um ohne Beirrung und Beſchränkung das ſo ſchöne und ſo troſtvolle Feſt der unbefleckten Empfängniß Mariä feiern zu dürfen. Bei ſolchem Verhalten des hl. Stuhles, welcher für alle Gläubigen der Herd des wahren Lichtes und die Säule der Wahrheit iſt, dürfen wir uns nicht wundern, daß alle wahren Verehrer Mariä einen edeln und heiligen Wetteifer zeigen, Maria im Privilegium ihrer unbefleckten Empfängniß zu verherrlichen; wir dürfen uns nicht wundern, das ſie mit Freudigkeit die kindliche und rührende Bitte ausſprechen, die ſie auf der„Wundermedaille“ geſchrieben finden:„Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die zu dir ſich wenden!“ Verwundern wir uns nicht, daß ſie allerwärts zu Tauſenden*) ſich in die Bruderſchaften aufnehmen laſſen, welche zu Ehren des reinen und unbefleckten Herzens Mariä zur Bekehrung der Sünder errichiet worden, weil dieſes Herz der Sammelpunct aller Chriſten, die Zuflucht und Hoffnung aller Sünder geworden iſt. Verwundern wir uns nicht, daß ein frommer Cardinal**), das Licht und Vorbild des hl. Collegiums, zu Rom am 25. Dec. 1842 eine merkwürdige Abhandlung über die unbefleckte Empfängniß Mariä veröffentlichet hat, die mit folgenden ergreifenden Worten ſchließt: „Wir haben nicht nöthig zu ſagen, was unſeres Herzens ſehnlichſter Wunſch iſt. Sollte der apoſtoliſche Stuhl in der kurzen Zeit, die uns noch zu leben vergönnt ſeyn mag, von dem Lichte des heil. Geiſtes geleitet, für zweckmäßig erachten, über die wichtige Frage der unbefleckten Empfängniß Mariä ein entſcheidendes Urtheil auszuſprechen, ſo würden wir um ſo freudiger unſere Augen im Frieden ſchließen. Wir ſind auch feſt überzeugt, auf eine ſolche Entſcheidung würden unfehlbar vielfache Gnadenerweiſungen und große Barmherzigkeit erfolgen; durch die Fürbitte Mariä würde reicher Segen über Rom und über die ganze Kirche ſich ergießen, welche Maria als ihre Fürſprecherin und beſondere Beſchüꜩerin betrachtet.“ Und in der That, gel. Brüder, da Gott der ſeligſten Jung ꜩ frau unſer Schickſal anvertraut und ſie zum Canal und zur Spen ꜩ derin ſeiner Gnaden auserwählt zu haben ſcheint, ſo iſt nun das ſicherſte Mittel, ſte uns geneigt zu machen, wenn wir ſie unter dem Namen ihrer unbefleckten Empfängniß bitten und anrufen. Dann ſind wir ſicher, bei ihr Eingang zu finden, daß ſie unſern Bitten und Seufzern geneigtes Gehör ſchenkt. Was iſt dieſer „Königin der Jungfrauen“ angenehmer, als daß wir ihre fleckenloſe Reinheit preiſen, ſie frei von aller Makel nennen! Iſt dieſe gänzliche und vollkommene Heiligkeit, in Verbindung mit ihrer höhern Eigenſchaft einer Mutter Gottes, nicht der ſchönſte Grund ihrer Verherrlichung? Tief gerührt bei der Wahrnehmung dieſes auch bei Unſern vielgeliebten Diöceſanen ſich auf ſo tröſtliche Weiſe kundgebenden Eifers im Glauben und in der Andacht, die unbefleckte Empfängniß Mariä anzuerkennen, betrachteten wir es als eine Pflicht Unſeres Hirtenamtes, nach dem Beiſpiel einer großen Zahl anderer Biſchöfe an den Stellvertreter Jeſu Chriſti zu gelangen und für Unſere Diöceſe die troſtreiche Erlaubniß nachzuſuchen, der unbefleckten Empfängniß der glorreichen Jungfrau Maria ohne Beſchränkung unſere feierliche und öffentliche Verehrung darbringen zu dürfen. Mit einer heiligen Freudigkeit werdet ihr gewiß vernehmen, daß unſer Geſuch beim heiligen Stuhle günſtige Aufnahme *) Nach dem vierten Heft der Annalen der Erzbruderſchaft beläuft ſich die Zahl der Bruderſchaftsmitglieder im Verzeichniß von Notre- Dameée-des-Victoires im Jänner laufenden Jahres auf 461,017, während ſie im Jänner 1836 nicht mehr als 37 zählte. Man kann sich von der ſtaunenswerthen Ausbreitung dieſer frommen Bruderſchaft einen Begriff machen, wenn man bedenkt, wie viele ſich in die 3878 andern Bruderſchaften haben aufnehmen laſſen, die mit der Erzbruderſchaft in Paris in Verbindung ſind. **) Cardinal Staatsſecretär Lambruschini. gefunden. Ihr könnet ſomit künftig der Reihe von Lobſprüchen, womit die Kirche in ihren Litaneien die Gottesmutter preiſet, auch jenen beifügen, daß ſie ohne Erbſünde empfangen worden. Unſere ehrwürdige Geiſtlichkeit wird jetzt dem Drang ihrer liebevollen Andacht zu Maria folgend in der Präfation der Meſſe von der Empfängniß noch den Beiſatz anfügen, daß Maria ohne Sünde ſey empfangen worden. Nur in des Glaubens Gedanken und Geſinnung läßt ſich die vom hl. Stuhle bewilligte Vergünſtigung geziemend würdigen, und es gereicht Uns zur Freude, daß die ungeheure Mehrzahl der Unſerer Hirtenſorge anvertrauten Gläubigen dieſe gläubigen Gedanken und Geſinnungen theilen. Ihr werdet daher, gel. Brüder, euch mit Uns vereinigen, vor allem um dem Herrn für dieſe neue Wohlthat zu danken; dann aber auch ſie zu euerer Befeſtigung in der unverbrüchlichen Treue gegen das Geſetz Gottes und die Gebote ſeiner Kirche, zu euerer Förderung in der Liebe und Ausübung aller chriſtlichen Tugenden, mit einem Worte, zum Gelingen des Einen Nothwendigen, d. i. zu euerer Heiligung benützen. Bemitleiden wir, gel. Brüder, jene, welche nicht wiſſen, was die Andacht zu Maria Süßes und Tröſtliches in ſich hat. Der heilige Name Mariä, der ein Balſam für die wunden Herzen iſt, geht nie über ihre Lippen; die Gnaden, deren geheimnißvoller Canal ſie iſt, gelangen nicht zu ihnen; ſie entbehren der Tröſtungen und Wohlthaten, die Maria ihren treuen Dienern erwirbt. Ja, bemitleiden wir dieſe und beten wir für ſie. Für euch, geliebteſte Brüder, ſey Maria nach Chriſtus das vollkommenſte Vorbild der Tugenden, die ihr zu üben habt; betrachtet ſie als euere Mutter, als die Meiſterin in euern Wohnungen, als die Zuflucht in den Prüfungen, welche die göttliche Vorſehung euch ſenden mag. Für uns alle ſey ſie die theilnehmende Vertraute unſerer Leiden und Freuden; unſer ganzes Leben mit allen ſeinen Kämpfen und Widerwärtigkeiten ſey ihr gewidmet und geheiliget, daß es unter ihrem mütterlichen Schutze ablaufe. Möge unſer letzter Athemzug unter der kindlichfrommen Anrufung der heiligen Namen Jeſus und Maria ſich aushauchen. (Folgt nun die Verordnung ſelbſt über den Gebrauch der Bitte: „Regina, sine labe originali concepta, ora pro nobis.“ Sie wird am Schluß der Litanei unmittelbar vor dem Agnus Dei eingeſchaltet.) Das Leben der großen Heiligen Englands, von Doctor Newman. (Paßauer katholiſche Kirchenzeitung.) Seit zwei Jahren lebt Profeſſor Newman, deſſen Namen in Deutſchland mit ſo hoher Achtung genannt wird, einſam in einem von Oxford nur wenig entfernten Hauſe, wo er ſich nach Art der Cenobiten des heiligen Benedict dem aſcetiſchen Leben weiht. Wie ſo viele erleuchtete Männer, denkt auch er, daß die Wahrheit ihren Sieg nicht durch Unterjochung des Verſtandes allein, ſondern eben ſo ſehr und oft noch mehr durch Reinigung der Herzen feiere. Ueberzeugt, daß die Tugend⸗Beiſpiele jener Glaubenshelden, welche die römiſche Kirche unter die Heiligen aufgenommen hat, nicht ohne Eindruck bleiben können, ſammelte er in ſeiner Abgeſchiedenheit viele Urkunden und ſtudirte die Quellenwerke, um eine Geſchichte der Heiligen, die jene Inſel verherrlicht haben, zu ſchreiben. Er verknüpfte mit dem Werke einige Betrachtungen über die kirchlichen Zuſtände Englands in der Gegenwart; ſie überraſchen und ergreifen nicht weniger als die heiligen Biographien ſelbſt . Wir geſtehen gerne, daß wenigſtens folgende Stelle uns zu ernſtem Nachdenken anregte „In unſerer Kirche iſt ein Theil des Gottesdienſtes in Vergeſſenheit gerathen und was wir davon noch gerettet haben, ſcheint der nächſten Zutunft als Opfer zu fallen. Das göttliche Strafgericht iſt über uns hereingebrochen. Sehet! die großen Lichter des Himnels ſind verlöſcht, die Geſtirne des Firmaments haben aufgehört, unſeren Augen zu leuchten. Die Sonne wird ſich verdunkeln in ihrem Lauf, der Mond wird ſeinen Schein nicht mehr geben; denn es ſpricht der Herr: „Ich werde der Sonne befehlen, ſich am Mittage zu verbergen und Finſterniſſe werden eure Erde bedecken. Ich werde eure Feſte in Tage der Trauer verwandeln und eure Freuden⸗Geſänge in Weheklagen.“ Dieß iſt die furchtbare Drohung, welche ſich unter uns erfüllt. Die Kirche Gottes ſteht in Gefahr, ihr Licht zu verlieren. Wo unter uns iſt die Einigkeit, welche Jeſus Chriſtus von ſeinem himmliſchen Vater für die Gläubigen erbat? Wo iſt die Liebe deren Gebot er uns hinterlaſſen hat? Was iſt aus dem Glauben an die von ihm geoffenbarten Wahrheiten geworden, da heut zu Tage Jeder ſeinen eigenen Eingebungen folgt? Wo findet ſich bei uns die ſichtbare Kirche, welche das Licht der Welt iſt? Wo der majeſtätiſche Cult, welcher die Seelen mit heiliger Furcht und Zittern erfüllte? „Was wird das Ende dieſer Dinge werden? Blind, wie wir ſind, tappen wir den Wänden herum, welche uns einſchließen und von der Wahrheit ſcheiden. Wir taumeln , wie mitten ſind einem verlaſſenem Cadaver in der Wüſte gleich! Wie die Juden in den Tagen, wo ihre endliche Verwerfung ſich erfüllte, von Parteiungen zerriſſen wurden, ſo haben auch wir Engländer, gleichſam als wären wir ebenfalls vom Gräuel der Verwüſtung berührt, nicht mehr ein Evangelium. Wir zählen wohl hundert, die ihre Anhänger und Vertheidiger haben, ſo daß der Zwietracht allein unſere Religion und das Bekenntnißunſeresres Glaubens liegt. Wir kämpfen gegen einander und rufen uns Ketzer⸗Namen zu: die Unordnung heißen wir unſer Leben. Der Friede iſt uns ſo unbekannt, wie die Liebe.“ „In welcher gefährlichen Verſuchung ſchweben Jene, welche das Wort Gottes noch leſen, hören und begreifen wollen? Wer kann Gottes Gebote und die ihnen verheißene Vergeltung noch verſtehen? Wer kann ſich ohne ängſtliche Verwirrung in dieſen Gedanken vertiefen? Darf man ſich noch verwundern und zürnen, wenn Einige, welche die wahrhaften Merkmale der Gegenwart Jefu Chriſti in ſeiner Kirche über Alles ſchätzen und die unabläßig mit Erforſchung der Wahrheit ſich beſchäftigen, tief betrübt über die Verdunkelung des Lichtes und in der Hoffnung, es an fremder Stelle zu finden, uns verlaſſen und in eine andere Kirche eintreten? Für meinen Theil, ich finde in ihrem Entſchluſſe keine ſonderliche Schuld.“ „Anſtatt über unſere bedauernswürdigen Spaltungen nachzudenken und die volle Aufmerkſamkeit ihnen zuzuwenden, ſchütten wir alle Bitterkeit gegen Jene aus, welche ſich von uns trennen. Anſtatt ein aufrichtiges Geſtändniß unſerer Uneinigkeit, welche mit dem chriſtlichen Geiſte in ſchneidendem Widerſpruch ſteht, abzulegen, ſenden wir verletzende Worte ihnen nach, die uns flehen. Anſtatt die Entheiligungen zu beweinen, wodurch wir ſie geärgert haben, erheben wir uns gegen ihren Schritt, den wir als Treuloſigkeit bezeichnen. Anſtatt der Lügen, Verleumdungen, falſchen Zeugniſſe, der Schadenfreude, des Geizes und der Begierlichkeit, welche unter uns herrſchen zu gedenken, und anſtatt zu bekennen daß die göttlichen Gebote unter uns völlig gemißachtet ſind, ſprechen wir den Abgegangenen jede Spur eines frommen Wandels ab. Anſtatt dem Kreuze zu machen und zu erkennen, daß unſere Brüder uns nur verlaſſen, weil wir Gott verlaſſen haben und ſeiner nicht mehr würdig ſind, — ſtatt dieſer beſchämenden Betrachtungen und unſerer Rückkehr zu Gott, maßen wir uns an , ihre Ungeduld als Verbrechen ihnen anzurechnen und über thörichte Verblendung derſelben zu klagen. Wir träumen von Verräthern und Feinden, durch die wir umgeben ſeyen, während der Verräther in uns iſt und der Feind in unſern Herzen wohnt. Unſere Blicke ſchweifen ſpähend umher, was um uns vorgeht; aber uns ſelbſt verbergen wir vor unſeren Augen. Wir wundern uns, daß wir die Urſache unſeres Unglücks nicht entdecken, indem wir ſie nicht in der Verkehrtheit unſeres Willens finden wollen, welche uns an der Erkenntniß des Uebels hindert. Wir wiegen uns in eine betrügliche Ruhe, wenn wir auf einen ſchuldigen Mitchriſten ſtoßen, ähnlich dem falſchen Propheten, der ſein Laſtthier ſchlug , weiler Den nicht ſah, welcher vor den Augen deſſelben ſtand, den Engel des Herrn, deſſen Hände mit dem Racheſchwert bewaffnet waren.“ Wenn ein Mann, welchrr der katholiſchen Wahrheit ſo nahe ſteht, noch länger zögert, den längſt erwarteten Schritt zu thun und die ſchwachen Feſſeln zu zerbrechen, durch diee mit dem Anglicanismus zuſammenhängt, ſo möchte man ſeine Verblendung mit der Bileams zu vergleichen, ſich verſucht fühlen. Wie lange wird Newman noch gegen den Stachel ausſchlagen? Die katholiſche Miſſion in Imerethien (Georgien*). Das Kloſter der Capuciner in Kutais(Imerethien) liegt in höchſt reizender Lage, vom üppigſten Baumgrün umſchattet, am Phaſis. Die wilden Fluthen des berühmten Stromes rauſchten, ſchäumten und tobten dicht unter unſern Fenſtern, und das war uns eine gar liebe und heimliche Tafelmuſik, die neben herzlicher Unterhaltung mit den guten Vätern den imeretiniſchen Feuerwein ganz eigenthümlich würzte. Es befinden ſich im Capucinerkloſter von Kutais gewöhnlich nur zwei Geiſtliche, zufällig war aber damals noch ein dritter, der Pater Benedetto, anweſend, der, nachdem er in Tiflis verſchiedene Widerwärtigkeiten erlebt, ſich nach Kutais zurückgezogen hatte, nun zur Heimreiſe nach ſeinem Vaterland Sicilien ſich anſchickte, und die willkommene Gelegenheit ergriff die Reiſe bis Konſtantinopel mit uns zu machen. Der erſte Klo— ſtergeiſtliche war ein Italierener, der zweite ein Imerethiner aus Kutais, Zögling der Propaganda. So ſehr letzterer auch ſeinen italieniſcen Collegen an wiſſenſchaftlicher Bildung die er in Rom ſich geholt, überragte, ſtand der Italiener doch wegen ſeiner heitern Gutmüthigkeit, die er mit den meiſten italieniſchen Capucinern gemein hatt, bei den Katholiken der Stadt und der Gegend in weit höherer Achtung und Liebe als der eingeborne Prieſter. Ich war oft Zeuge der kindlichen Verehrung, welche die armeniſchen Knaben für ihn hegten, die der Capuciner in der Schule, wenn ſie fleißig waren, mit Kupfermünzen beſchenkte. Don Antonio war dafür geiſtreicher und durch ein impoſantes Aeußere begünſtigt, er hatte die ſchöne Phyſiognomie der Landeskinder, die feingeformte Adlernaſe und einen prächtigen rabenſchwarzen Bart. Mit Stolz zeigte mir dieſer unterrichtete Propagandiſt ſeine ziemliche Bibliothek, die meiſt aus italieniſchen und armeniſchen Büchern beſtand, ſonſt beſaß er auch einige franzöſiſche Werke, z. B. Boſſuet, Maſſillon ꝛc. Leider macht man es in neuerer Zeit dieſen Mönchen *) Von dem Verfaſſer der„Briefe eines deutſchen Reifenden vom ſchwarzen Meere“ in der Allgemeinen Zeitung. faſt unmöglich Bücher aus Italien zu beziehen. Ein ſchönes Büchergeſchenk war aus Rom für das Kloſter eingetroffen, nur theologiſche, durchaus unverfängliche Werke enthaltend. Die ruſſiſchen Zollbeamten weigerten ſich unter allerlei Vorwänden die Bücher paſſiren zu laſſen, ließen jedoch den Vätern heimlich ſagen, auch ohne Cenſur ſeyen die Bücher zu ihrer Dispoſition, wenn für jeden Band ein Silberrubel bezahlt werde. Da die Kloſtermittel zu dergleichen Beſtechung nicht hinreichten, ſo blieben die Bücher in den Händen der ruſſiſchen Douaniers. Es leben in Kutais und der nächſten Umgebung 800 Katholiken, größtentheils Armenier, die nur das Imerethiniſche ſprechen, doch gibt es auch ächte Imerethiner unter dieſer katholiſchen Bevölkerung. Ihre Bekehrung zum Katholicismus erfolgte in derſelben Zeit, wo der große Uebertritt vieler armeniſchen, griechiſchen und neſtorianiſchen Chriſten im türkiſchen Aſien und Perſien ſtatt hatte. Gegenwärtig iſt es den katholiſchen Miſſionären in Transkaukaſien aufs ſtrengſte verboten Proſelyten zu machen. Einer der Capuciner erzählte mir daß es ihnen, bei vollkommener Freiheit der Lehre, nicht ſchwer ſeyn würde viele von den heidniſchen und mohamedaniſchen Stämmen des Kaukaſus zu bekehren; Suaneten und Abchaſen, von welchen die meiſten noch wahre Heiden, hatten ſich in großer Zahl gemeldet, um im Kloſter von Kutais die Taufe zu empfangen, mußten aber abgewieſen werden, denn Deportation nach Sibirien bedroht den Miſſionär, der es wagt einen Götzendiener in eigen katholiſchen Chriſten umzuwandeln. Wenn das Verbot des Uebertritts zum Katholicismus oder zur evangeliſchen Kirche auf die Bekenner des griechiſch⸗ruſſiſchen Glaubens oder überhaupt auf die Bekenner aller chriſtlichen Confeſſionen ohne Unterſchied beſchränkt wäre, ſo hätte daſſelbe noch einen Sinn, es ließen ſich dafür allenfalls noch Beſchönigungsgründe finden; aber ſelbſt den Juden, Mohamedanern und Heiden zu verbieten ihr Seelenheil bei irgend einer andern chriſtlichen Confeſſion als im Schooße der herrſchenden Staatskirche zu ſuchen, dergleichen Zwang iſt, ſo viel mir bekannt, noch von keinem andern chriſtlichen Staate der Erde geübt worden. Ja lieber jüdiſche und heidniſche Unterthanen als katholiſche, ſo lautet der Sinn, die merkwürdige Weiſung, gegeben von einem chriſtlichen Staat im neunzehnten Jahrhundert! Ich ſah unter den Kloſterzöglingen einen jungen Armenier, der mit bedeutenden Geiſtesfähtigkeiten begabt iſt. Er war nach Rom beſtimmt, um in der Schule der Propaganda ſeine Ausbildung als Miſſionär zu erhalten; er ſehnte ſich mit der allerinnigſten Begeiſterung nach dieſer Beſtimmung, aber die Regierung verweigerte ihm die Erlaubniß zur Reiſe nach der Weltſtadt. Wenn Verfolgung und Druck ſo fortdauert, ſo dürfte es mit den katholiſchen Miſſionen in Transkaukaſien bald gehen wie der evangeliſchen Baſeler Miſſion welche, nachdem ſie auf mancherlei Weiſe geplagt worden, von Sr. Excel. dem Generalgouverneur Baron von Roſen endlich den förmlichen Befehl erhielt Georgien und die ruſſiſchen Provinzen zu räumen. Die guten Väter zeigten mir das Kloſter in all ſeinen Einzelheiten, und ließen mich auch dem etwas lärmenden Schulunterricht beiwohnen. Es ſaßen dreißig bis vierzig Knaben auf den Schulbänken, die laut ſchreiend laſen, zuweilen ſangen. Das Italieniſche laſen die kleinen Armenier, und Imerethiner ziemlich fertig, die Landesſprache, das Georgiſche laſen und ſchrieben ſie; kleine Geldgeſchenke der Väter ſpornten den Fleiß der Knaben. Eine ſchöne geräumige Kirche iſt neben dem Kloſtergebäude im Bau begriffen, der Koſtenbetrag iſt auf 70,000 Rubel angeſchlagen, und wird von der Caſſe der römiſchen Propaganda beſtritten. Ein großes ſchönes Altarbild iſt für das neue Gotteshaus aus Rom bereits eingetroffen, und wurde mir von Don Antonio mit Stolz gezeigt. Unter den beim Bau beſchäftigten Arbeitern befinden ſich auch ſehr viele Mohamedaner, welche ſich nicht die geringſten Scrupel machen zu dem Entſtehen eines chriſtlichen Tempels mitzuwirken, während von einer andern, nicht mohamedaniſchen Seite dem Bau viele Hinderniſſe entgegengeſetzt wurden. Bei ſo mancherlei Geplauder rückte allmälig die Stunde des Weiterziehens heran. Packpferde waren gemiethet, auch Pater Benedetto hatte ſeinen Reiſebündel geſchnürt. Noch einmal fanden wir uns bei den guten Vätern in der gaſtlichen Halle ein, und ließen zum Abſchiedstrunk die Gläſer voll Purpurweines erklingen: auf beſſere Zeiten! Japan. Crétineau⸗Toly's Werk über die Jeſuiten entnehmen wir folgende rührende Erzählung:„Ein Statthalter von Japan, der ſeinem Herrn gefallen wollte, ließ einen Kerker errichten, der allen Winden ausgeſetzt war; er beſtand aus Käfigen, in denen man ſich weder aufrecht halten, noch niederſetzen konnte, und die weder vor der Sonnenhitze noch vor dem Winterfroſt bewahrten. Dort wurde ein Jeſuit, Pater Spinola und vierzehn Ordensbrüder eingeſperrt, welche beſchuldigt waren, im Lande Keuſchheit, Mildthätigkeit und Gleichheit der Menſchen vor Gott gepredigt zu haben. Indem man ſie der Nacktheit, dem Elende, dem Hunger preisgab, wollte man den Eifer verlöſchen, der ſich ſonſt an ihren Scheiterhaufen würde entzündet haben, Doch was geſchah? Die Zahl der Gefangenen wuchs; japaneſiſche Chriſten gaben ſich ſelbſt vor Gericht an, um in jene Kerker zu gelangen, und wenn ſie dort waren, ſuchten ſie die Ehre nach, in die Geſellſchaft Jeſu aufgenommen zu werden. Spinola nahm ſie an; der Kerker ward ein Novizenhaus. Als der Gouverneur dieß gewahrte, glaubte er ſelbſt , daß es beſſer ſey, die Jeſuiten zu verbrennen. Nach drei in den Käfigen von Ormura zugebrachten Jahren wurde Spinola, ſeine Gefährten und Neophyten, ſieben an der Zahl, zum Scheiterhaufen geführt. Einunddreißig eingeborene Chriſten wurden an demſelben Tage an derſelben Stelle enthauptet. Als beide Häuflein auf dem Richtplatze angelangt waren, ſtimmte Pater Spinola das Laudate pueri Dominum an. Die Prieſter und Chriſten, die der Tod erwartete, alle ihre gegenwärtigen Freunde, Verwandte und Mitchriſten ließen die Lüfte von Lobgeſang wiederhallen. Hierauf ſprach Spinola. Vom Scheiterhaufen aus ſagte er in kurzen Worten, welcher Ehrgeiz ihn erfüllt habe und freute ſich, endlich die Güter zu beſitzen, die er geſucht habe. Während er ſprach, bemerkte er Iſabella Fernandez, die Gattin des Portugieſen, in deſſen Hauſe er ergriffen worden war. Eine ſanfte Erinnerung erfüllt ſein Herz, und er fragt die Mutter, wo ihr kleiner Ignatius ſey. Es war dieß Iſabellens Sohn, den der Jeſuit vor vier Jahren, am Tage vor ſeiner Feſtſetzung getauft hatte. Iſabella hebt das Kind in die Höhe, welches, wie alle Chriſten, ſeine ſchönſten Kleider trug, und ſagte: Hier iſt er, Vater, er freut ſich, mit uns zu ſterben! Dann wandte ſie ſich an den Kleinen:„Sieh dort den, der dich zum Kinde des guten Gottes gemacht hat, und dir ein tauſendmal köſtlicheres Leben gab, als dasjenige, das wir verlaſſen. Mein Sohn, bitte um ſeinen Segen für dich und deine Mutter.“ Ignatius ſinkt auf die Knie, und aus den Flammen hervor ſegnet der durch zwanzigjährige Leiden heimgeſuchte Bekenner den kindlichen Martyrer. Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen. Verlags⸗Inhaber : F. C. Kremer. Augsburger Postzeitung. Erſte Jahreshälfte. № 2. 12. Januar 1845. Die Chriſtnacht in der Kirche der Vorſtadt Au bei München. Um eilf Uhr, da ſich's eben auf den Straßen zum Beſuch der Metten zu regen begann, ſchallten Glockentöne über die Iſar her in mein Ohr. Solch einem Ton, ſilberhell, lieblich und feierlich zumal, wie man ihn ſelten anderswo hört, mochte ich nicht gern Widerſtand leiſten, und ich machte mich auf, ihm erwartungsvoll entgegen zu gehen. Als ich dann draußen ſtand im Freien, fingen auch alle übrigen Glocken der Stadt zu läuten an, und es war in der ruhigen Nacht ein Concert, ſo heimlich und ſchmeichelnd, daß die Sehnſucht nach dem, der in dieſer Stunde vom Himmel auf die Welt kommen ſollte, nur noch lebhafter ward, und es ſchien als ſtreckten die Kirchen in ihren Thürmen die Arme nach ihm aus, und als riefen ſie ihm von der Höhe je näher um ſo lauter entgegen. Ich ging über jene Brücken, auf denen in derſelben Nacht vor mehr als hundert Jahren die Schaaren des Gebirges zum Entſatze Münchens heranrückten. Sie wollten die Familie des Churfürſten, der es zudem gerade nicht auf ihre Liebe angelegt gehabt, in treuer Geſinnung aus Feindes Hand befreien, ſie wollten ein ungerechtes tyranniſches Joch abwerfen, und lieber bayeriſch ſterben als kaiſerlich verderben, aber ſchnöder Verrath zerſchnitt den wohlangelegten Plan, und die Chriſtnacht ward den heldenmüthigen Streitern bei Sendling zur Nacht des ewigen Friedens. Gutes Volk, das die Söhne jener Getreuen bilden, möge dich nie ein ähnliches Loos treffen! — Bald ſtand ich in der Nähe des ſchönen gothiſchen Baues, den eben der Mond beglänzte. Iſt er ſchon im Tageslicht ſo anziehend, durch ſein Ebenmaaß und ſeine wohlgewählte Stellung inmitten eines großen Platzes, durch die ſinnreichen Verzierungen ſeiner Portale, durch die vollaufgeblühten Roſen ſeiner Fronte, durch die vielen wohlgeformten Giebelthürmchen und durch den hohen Weiſer, der kühn, als wollte er uns den allenthalben nöthigen Muth zuſprechen, in die reineren Lüfte rankt und in eine große ſeelenerweiternde Ferne ſchaut, ſo ſcheint dieß Bild im Mondlicht faſt verklärt, mehr aber noch, weil die Lichter, die in der Kirche ſchimmerten, die herrlichen Glasgemälde erhellten, ſo daß man dieſe auch von außen in milder Beleuchtung erſchaute, und das Auge ſich bewundernd auf ihre Farbenpracht heftete. Solche Wirkung iſt bei den Glasgemälden des Mittelalters allerdings nicht zu erwarten, da ſie nur aus kleineren Partien beſtehen, aber freilich in dieſen einen ſolchen Reichthum myſtiſcher Poeſie entwickeln, daß unſre Zeit dieſelbe eben erſt zu ahnen vermag. Der Kirche ſelbſt möchte man noch eine Erweiterung ins Kreuz wünſchen, doch treten wir ins Innere, ſo findet man ſich wahrhaft überraſcht, und vergißt dieſen Wunſch gern. Welch freier bewundernswürdiger Schwung der hohen Säulenbündel, die zu oberſt ihre Zweige in einander verflechten! Jetzt, da die Kirche von wohl mehr als 300 Lichtern erhellt war, konnte man ſich zurückdenken in die Wälder hochſtämmiger Fichten und dichtlaubiger Eichen, als dort beim Schein der Fackeln noch die heiligen Geheimniſſe gefeiert wurden. Und dann die einfachen, ſinnigen Altäre, auf deren mittelſtem bald das Hochamt gefeiert werden ſollte, während der hl. Fronleichnam, die Stärke der Kranken und Schwachen, auf dem einen, und das anmuthige, heilige Gedankenweckende Bild von Mariahilf, auch ein Meiſterwerk der Kunſt, auf dem andern Seitenaltare ruht. Unter den trefflichen Glasgemälden aber, die rechts und links in fortlaufender Reihe das Leben der helfenden Gottesmutter von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt darſtellen, und unter denen beſonders das Bild der hl. drei Könige die Leute recht ſehr anſpricht, unter dieſen meiſterhaften Gebilden eines Ainmüller und anderer befinden ſich die Stationen des hl. Kreuzwegs aus Holz und ganz im Style der Kirche von Schönlaub recht brav geſchnitzt, ſo daß in der ganzen Kirche eines zum andern vollkommen paßt, vielleicht mit einziger Ausnahme der Kanzel, die etwas zu bund gefärbt ſcheint. So hat die Gemeinde der Güte ihres erhabenen Fürſten einen der ſchönſten Tempel zu danken, der jeden falls unter den neueren fertigen Gebäuden das zweckmäßigſte, anſprechendſte und verhältnißmäßig, wie es vom verſtorbenen Ohlmüller zu erwarten war, am billigſten gebaute zu nennen iſt; ſie weiß es aber auch zu ſchätzen, und die Liebe zu König Ludwig iſt tief in ihre Herzen eingeſchrieben. Vielleicht erfreut ſich auch ihre Nachbargemeinde, die für ihre gegenwärtige Kirche um ein Gutes zu groß geworden iſt, in nicht ferner Zeit einer neuen Kirche; eine Kirche, wie in Berg am Laim, auf der Iſarhöhe, ſie müßte einen erhabenen Anblick gewähren! Aber ich vergeſſe über den Gebäuden faſt den Gottesdienſt, obwohl dieſelben auch in plaſtiſcher Weiſe ein ſolcher ſeyn können. Das Volk war in Andacht und feierlicher Stimmung zahlreich zur Kirche gekommen. Die Weihnachts mette begann;„Venite exultemus Domino, Kommt, laßt uns frohlocken dem Herrn“ rief es vom Chore dem Volke zu, das ſich verſammelt hatte, um wie die Hirten in heiliger Nacht den menſchgewordenen Gott bei ſeiner Geburt anzubeten. Hymnen und Pſalmen feierten ſeine Ankunft, und die neun tiefſinnigen Lectionen verkündeten ihr hohes Geheimniß, das Te Deum laudamus aber brachte am Schluß der Mette Preis und Dank und neute Bitten dem Erbarmer Aller dar. Dann folgte die erſte Meſſe des hohen Feſtes. Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus ſcholl es, nachdem das Kyrie um Erlöſung gefleht, lauter denn ſonſt im Jahre in die Herzen. Ja Ruhm dem Gott, Frieden aber dem Menſchen; dem Ruhme des Höchſten diene der Geiſt des Menſchen, dann erlangt er ſeligen Frieden; fröhnt aber Kunſt und Wiſſenſchaft der irdiſchen Eitelkeit und ſchlägt ihre Begeiſterung etwa in Leidenſchaft über, dann wehe der Menſchheit, Hader und Elend wird ihr Loos ſeyn. Doch „et incarnatus est,“ er der allein die Menſchheit retten konnte, iſt Fleiſch geworden: Der ſelig legt der Welten Gründe, ​​Hat ſich mit Knechtsgeſtalt betraut; Daß er im Fleiſch das Fleiſch entſünde, Und nicht vernicht', was Er gebaut. Chor.⸗ und Meßbuch S. 185. Der Tonſetzer hatte das et incarnafus zum Gipfel und Centrum des eben aufgeführten Amtes gemacht, die Erlöſung iſt aber auch die Seele der Weltgeschichte und jedes wahrhaft gedeihlichen Strebens, in der katholiſchen Kirche lebt ihre Wirkung durch alle Zeiten fort und bietet ſich im täglichen Opfer der hl. Meſſe jedem Gläubigen zur Theilnahme dar. Früh Morgens im Advent, wenn es noch dunkelt, kommen dort und da, die Berge herab und die Thäler entlang, einzelne Lichtlein traulich heran zur Engelmeſſe, in der Pfarrkirche aber finden ſie ſich zuſammen und ein ungewohnter Glanz ſtrahlt nun aus dieſer hervor. So iſt's auch in der katholiſchen Kirche, manches Lichtlein wandelt dahin, noch ſeines Zieles ungewiß; verirrt es ſich in eine Schlucht, und kommt ihm kein ferner Ruf entgegen, dann iſt's um daſſelbe geſchehen; hat es aber ſein Ziel gefunden, hat es die hehre Kraft des unblutigen Opfers kennen gelernt, dann ſchwindet alle Furcht und es wird heller Tag, der nur von den Wolken der Leidenſchaft getrübt werden kann. Die Hirten bei der Krippe wußten die Wohlthat der Erlöfung und des rechten Glaubens wohl beſſer zu ſchätzen als die Hochgebildeten ſpäterer Zeit, die ſich das aber gar nicht zur Ehre rechnen dürfen; auch unſere Kinder weilen gern bei der Krippe, während die Erwachſenen im Gewühl der Leidenſchaften den Frieden des Himmels nur zu oft verlieren. Die Hirten ſpielten darum auch ihr einfaches, und als ſolches vielleicht eben kunſtreichſtes Lied vor der Krippe, in der das Chriſtkind lag, denn nicht das Geſuchte und Sinnebeſtechende iſt das Schönſte und Höchſte was die Kunſt leiſten kann, vielmehr geht in dieſem oft ihr beſſeres Weſen unter. Das Paſtorale, welches ſtatt des Offertorium nach dem Credo geſungen wurde, war allerdings jenes ſo oft und meiſtens ohne alles Gefühl oder mit ganz verfehltem Affect in unſern Kirchen geſungene von Neuner, der, ſo viel ich weiß, auch aus der Au gebürtig war; hier aber war ich einmal an den rechten Ort gekommen, denn erſt durch die Weiſe, in welcher der Chor der Mariahilfkirche ſelbes ausführte, lernte ich von ſeiner hinreißenden Schönheit mich überzeugen. Ueberhaupt wurde die Muſik des Hochamtes mit ſo viel Ausdruck und mit ſolcher Gemeſſenheit ausgeführt, wie man's ſelten von berühmteren Chören zu hören bekömmt. Der neue Chorregent verwendet aber auch Kenntniß und Fleiß für ſeinen Beruf, und verbindet damit eine ſo tüchtige Geſinnung, daß ma von ihm noch viel Gutes für die Kirchenmuſik erwarten mag. Es ſcheint dieß wohl wichtig genug , daß man im Zuſammenhalt mit dem allzu ſchwer zu verwirklichenden Gedanken eines muſikaliſchen Conſervatoriums ihm ſowohl, wie der Münchner ſtädtiſchen Singſchule eine öffentliche Unterſtützung zur Bildung junger Singkräfte wünſchen muß. Doch es iſt nur noch wenig von unſerer Chriſtnacht zu ſagen: Wandlung, Communion und Segen wurden ebenfalls mit Andacht und Würde gefeiert; das Volk aber ging freudig und getroſt nach Haus, und die irdiſchen Lichter erbleichten, das ewige Licht aber wolle immer mehr und mehr die Finſterniſſe erhellen. — Briefliche Mittheilung aus England. (Hiſtoriſch⸗politiſche Blätter.) Seit meiner Heimkehr nach England hat mir der Rückblick auf meine Reise ​durch das katholiſche Belgien und auf meinen dreimontlichen Aufenthalt in dem ſchönen und frommen Bayern ſehr viel Freude bereitet, und ich kann nicht anders als gar oft mir den Gegenſatz vor Augen ſtellen, welcher zwiſchen jenen Länddern und meinem eignen noch unkatholiſchen und unglücklichen Vaterlande beſteht. Und doch, obſchon Bayern in ſeiner Kathoſicität einen auffallenden Gegenſatz zu England bildet, ſo bietet doch Deutſchland im Allgemeinen, in ſeinen gegenwärtigen kirchlichen Zuſtänden eine erfreuliche und zu manchen ſchönen Hoffnungen berechtigende Aehnlichkeit mit England dar. Es hat gleichſam das Beiſpiel für England gegeben und ſo wie dort die Bekehrung vieler Proteſtanten zur katholiſchen Kirche einen ſehr bedeutenden Einfluß auf den denkenden Theil der Deutſchen Nation gehabt hat, ſo auch hier. In dem Charakter der Deutſchen iſt ſo Manches, was mit dem der Engländer übereinſtimmt, ein gewiſſer Ernſt und eine Ruhe der Ueberlegung, welche mit Nachdenken die Gründe des Handelns prüft. Die Gleichheit der Abſtammung darf wohl als die Urſache dieſer Uebereinſtimmung angeſehen werden. Aber auch der Zuſtand der beiden Länder bei der gegenwärtigen zur katholiſchen Kirche hinneigenden und fortſchreitenden Bewegung gleicht ſich ſehr auffallend und es macht mir daher Vergnügen, einige Augenblicke bei dieſem intereſſanten Gegenſtande zu verweilen und Ihnen Auskunft über einige Details zu geben, welche mir von den Biſchöfen und dem Klerus in verſchiedenen Gegenden Englands, die ich ſeit meiner Rückkehr beſucht, mitgetheilt worden ſind. Vieles von demjenigen, was ich Ihnen erzählen kann, werden Sie freilich hin und wieder ſchon in den katholiſchen Zeitſchriften Englands geleſen haben, aber dort ſind dieſe Dinge eben ganz vereinzelt und nicht auf eine überſichtliche Weiſe zuſammengeſtellt. Auch würden Sie, indem Sie bloß die Erzählung einzelner Fälle von Bekehrungen leſen, nicht im Stande ſeyn, über den Geiſt zu urtheilen, welcher in dieſem Lande weht. Dieſer Geiſt, obwohl wir weit von einer allgemein übereinſtimmenden Katholicität entfernt ſind, iſt doch für uns Katholiken, wenn wir auch nur auf die Zeit der letzten ſechs Jahre zurückblicken, ganz außerordentlich auffallend. Nur derjenige kann dieß ſehen und fühlen, der mehrere Jahre in England gelebt und jetzt die große Veränderung in dem Ausdrucke der Geſinnung, die ſich überall im Verhältniſſe zu den Katholiken äußert, wahrnimmt; welcher ſieht, wie die proteſtantiſchen Kirchen katholiſche Ceremonien theils offenbar annehmen, theils heimlich einführen, welcher Zeuge davon iſt, wie ſich Gemeinden bei ihren Biſchöfen beklagen, daß ihre Geiſtlichen papiſtiſche gefährliche Gebräuche einführen und wie die Biſchöfe deſſenungeachtet nicht wagen, dieſe zu verwerfen. Solche und unzählige andere Dinge ſind die Zeichen der Zeit und obgleich es noch lange dauern mag bis England ganz katholiſch wird, ſo hat dieſes Land doch nicht lange gebraucht, um einen ganz veränderten Anblick in vielen ſeiner Kirchen darzubieten, einen ganz andern Geiſt in ſeinen öffentlichen Einrichtungen kund zu geben und ſogar Ton und Sitte in ſeinen geſellſchaftlichen Verhältniſſen zu ändern. Dieſe katholiſche Richtung iſt in der That in einem ſo reißenden Fortſchritte begriffen, daß Sie neben manchen andern Beiſpielen proteſtantiſcher Befürchtungen und Vorkehrungen ſogar das in den öffentlichen Blättern angetroffen haben werden, daß der Erzbiſchof von Dublin und der Biſchof von Kildare ſich wegen der in Oxford herrſchenden Irrthümer an das Tribunal der Collegienvorſtände gewendet hat, und daß jetzt eine Commiſſion niedergeſegt worden iſt, welche die Maaßregeln berathen ſoll, um jene Fortſchritte zu hemmen. Quare fremuerunt gentes etc. Möge dieſes das begnadigte Oxford zu dem Lichte der Wahrheit und zu der erſehnten Entſcheidung bringen, welche ſo ſchön in den Worten des nämlichen Pſalms ausgedrückt wird: Dirumpamus vincula eorum. Meine Abſicht geht nun dahin, Ihnen in dieſen Zeilen nur einige Einzelnheiten von demjenigen mitzutheilen, was die Proteſtanten in ihren Kirchen und Collegien und was die Katholiken in den letzten ſechs Jahren gethan haben; Einzelnheiten, die Ihnen zwar ſchon bekannt ſeyn werden, welche ich aber ganz kurz unter einem Geſichtspunct zuſammenſtellen will. Zunächſt ein Verzeichniß der Bekehrungen beſonders ausgezeichneter Männer während jener Zeit: Revd. Bernard Smitt, ehemaliger Fellow des Magdalen College. Johnſon Grand Esgr. im St. John's College. J. H. King im Exeter College. G. Tickell, ehemaliger Fellow von Univerſity College. Edw. Douglas Esqr. Bart. in Chriſt Church. Scott. Murray Esqr. Bart. Chriſt Church M. P. für Buckinghamsſhire. Revd. G. Talbot M. A. in St. Mary's Hall. Revd. Daniel Partons M. A. im Driel College. Revd. J. Seager M. A. im Woreceſter College. R Leigh Esqr., ehem. Fellow Braſenoſe College. Peter Renouf Esqgr. im Pembroke College. W. Lockhart im Exeter College. Revd. W. G. Penny, von Chriſt Church. Die Bekehrung von minder bedeutenden Leuten dauert, wie ich auf meine Nachfrage von vielen Geiſtlichen gehört habe, ununterbrochen fort. Ja zu London ſagte man mir, daß die Proteſtanten in großer Zahl die katholiſchen Kirchen beſfuchen, daß das Suchen nach Wahrheit unter ihnen allgemein iſt, und daß ſehr Viele von der hochkirchlichen Partei, die nicht Puſeyiten ſind, zugeben: man habe unrecht daran gethan, ſich von Rom loszuſagen, und daß ſie ſich in einem Zuſtande von Zweifel und Ungewißheit befänden. Die Verwirrung (denn ſo allein kann man es nennen) des Armen Sibthorp hat der katholiſchen Sache keinen Eintrag gethan. Er bewarb ſich um Wiederaufnahme als Prediger in die anglicaniſche Kirche, wurde aber abgewieſen; er ſtehe, erzählte mir ein katholiſcher Geiſtlicher in dem Midland Diſtrikt, in einem religiöſen Briefwechſel mit proteſtantiſchen Geiſtlichen. Dagegen verſicherte mich ein ehemaliger Studiengenoſſe, daß der katholiſche Prieſter zu Oxford, ſein Oheim, gegen ihn mit der vollſten Hoffnung und Zuverſicht in Betreff der Bekehrung einer großen Zahl der jetzt noch ſchwankenden Geiſtlichen der Univerſität ſich geäußert habe. Dieſe wenigen Details werden für Sie und Ihre Leſer von einigem Intereſſe ſeyn, und während Sie mit Vergnügen von der wirklichen Bekehrung ſo vieler Menſchen in allen Theilen von England und von der wohlbegründeten Hoffnung vieler nahe bevorſtehenden Converſionen hören, ſo wie von der Annäherung zum Katholicismus in den zu London und anderwärts von den Puſeyiten erbauten Kirchen, welches alles noch beſſere Dinge erwarken läßt, ſo wird es Sie gewiß nicht minder erfreuen, zu erfahren, was die Katholiken während deſſen glücklich ausgeführt haben, ja ſogar haben ausführen müſſen, um nur einigermaaßen den Bedürfniſſen der großen Menge ihrer neuen Brüder und Genoſſen des wahren Glaubens zu entſprechen. Während des kurzen Zeitraums der letzten ſechs Jahre hat man in England vierundfünfzig neue, und unter dieſen einige ſehr große Kirchen, ſo wie ſieben neut Klöſter erbaut; neunzehn neue Genoſſenſchaften von Nonnen und neun von Mönchen ſind gegründet, und nahe an zwei Millionen katholiſcher Controversſchriften und Andachtsbücher gedruckt worden. In manchen Städten Englands, die eine Bevölkerung von mehreren Tauſend Einwohnern haben, gibtes freilich auch jetzt noch wegen Mangels an Mitteln kein Gebäude für den katholiſchen Gottesdienſt. Gerade an ſolchen Orten oft bezeugt die alte, ehrwürdige Kathedrale oder Pfarrkirche, welche von ihren jetzigen Inhabern nur ſchwach beſucht, oder faſt ganz verlaſſen iſt, mit ihrem verwitterten Portale, daß ſie lange bevor beſtand, ehe Jene gegen das heilige, anbetungswürdige Opfer, gegen die Sacramente und Gebräuche der katholiſchen Kirche und gegen die apoſtoliſchen Inſtitutionen proteſtirten; und doch war die Kirche allein für dieſe Beſtimmung erbaut. Aber je mehr der katholiſche Glaube ſich ausbreitet, dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß die Wohlthätigkeit, dieſer ihn ſtets begleitende Genius, in den bekehrten Herzen der eifrigen Gläubigen eine Wohnung finden, und daß deren vermehrte Liebe dem vermehrten Bedürfniſſe begegnen wird. Können wir dann auch nicht unſer Eigenthum zurückerhalten, welchem freilich allein unſere Religion die wahre Bedeutung und den eigentlichen Werth beilegen kann, ſo wollen wir doch demüthig verſuchen, unſere ehrwürdigen Kathedralen nachzuahmen, wenn nicht in der Größe ihrer Dimenſionen, ſo doch der Heiligkeit unſerer Religion würdig und entſprechend. Das St. Galliſche Bisthum. (Schw. Kirchenzeitung.) Nicht um die Jeſuiten, ſondern um die katholiſche Kirche iſt es im gegenwärtigen Kampf zu thun. Wer ſolches nicht glauben will, der blicke nur um ſich, und wohin er ſich richtet, wird er ſich überzeugen können, daß die Bekämpfung der katholiſchen Kirche überall der Zweck der Radicalen und der großen Mehrzahl der Proteſtanten iſt. St. Gallen liefert den neueſten Beweis. Ueber die Nothwendigkeit einer definitiven Regulirung der kirchlichen Organiſation kann kein Zweifel ſeyn. Mehr als zehn Jahre wurden die dießfallſigen Unterhandlungen hinausgeſchleppt, bis endlich nach​​ langem Suchen und Markten eine magere Beſtellung zu Stande gebracht wurde. Das Kloſter St. Gallen war unter der Bedingung aufgehoben worden, daß ein Bisthum an deſſen Stelle trete und eine Million Gulden aus ſeiner Hinterlaſſenſchaft für das Bisthum verwendet werde; nun hat man aber herabgemarktet, bis nur 24,000 fl. aus dem Kloſter ⸗ oder allgemeinen Fonds für das Bisthum verwendet werden ſollen. Sind die Gegner dadurch beſchwichtiget, die Waffe ihnen entwunden, der Stachel abgebrochen worden? Im Gegentheil möchte man glauben, ſie wären erſt gereizt worden. Dieſelben Leute, welche den Aufſtand in Luzern mit Freuden begrüßten und höchlichſt beloben, hetzen dort adus Lei besträften, kämpfen gegen das Bisthum durch alle Inſtanzen; und wenn es in St. Gallen nicht zum Aufſtand gekommen, ſo liegt der Grund vielleicht einzig darin, weil die Radicalen bereits im Beſitz der Regierungsgewalt ſind. Zuerſt wurde das Volk gehetzt, die Geiſtlichkeit verleumdet, als gelüſte ſie nur nach Geld und Armengut, nach Ehre und Wohlleben; Petitionen wurden zuſammengeweibelt und der Volkswille gegen das Bisthum vorgeſchützt. Jetzt haben 10,748 Petenten, alſo ſchon die größere Mehrheit der Katholiken für das Bisthum petitionirt; nun ſchimpfen die Radicalen über das Petitioniren, dichten allen 10,748 Petenten die ſchlechteſten Zwecke an (die Radicalen haben nur heilige Zwecke!) und verleumden ſie auf jede Art. In den Behörden werden alle Künſte und Kniffe in Anwendung gebracht. Im katholiſchen Großrathcollegium begannen die Radicalen den leidenſchaftlichen Kampf, aber ohne Erfolg. Darauf ſollte der Kl. Rath ſein Gutachten über die Sanctionsertheilung abgeben: er hielt damit ſo lange zurück, daß der Große Rath nicht in die Frage eintreten konnte. Nun hat der Kleine Rath in ſeiner Mehrheit beſchloſſen, auf Sanctionsverweigerung beim Großen Rathe anzutragen. Dieß kann verfaſſungsgemäß nur geſchehen, wenn für den Staat eine Gefährde aus dem Bisthum erwachſen ſollte. Welche Gefährde dem Staat von einem Biſchof erwachſen ſoll, begreift ſich nicht leicht. Daß das katholiſche Volk und die Geiſtlichkeit das Bisthum verlangt, iſt den Radicalen geradezu ein Antrieb zur Verweigerung. Wahrlich, jeder Tag lehrt uns, daß der Radicalismus auf die katholiſche Kirche als ſolche kämpft, ein Bollwerk nach dem andern niederreißen und zerſtören will. Wie nothwendig iſt es daher, daß die Katholiken zuſammenhalten, daß ſie ſich nicht durch abweichende Anſichten über untergeordnete Dinge ſich ſpalten laſſen. Deutſchland. Trier, den 26. December. Gemäß Verordnung unſeres hochwürdigſten Biſchofs und demnächſtigen Erlaſſes des Generalvicariats vom 8. Nov. I. J. ſoll künftighin zum bleibenden Andenken an die Ausſtellung des heiligen Rockes die glänzende Kundgebung des katholiſchen Glaubens und der wahren Frömmigkeit, die dabei zum Vorſchein getreten, ein beſonderes Feſt zum heiligen Rocke in Verbindung mit den anderen vorzüglicheren Leidenswerkzeugen des Herrn, der Nägel und Lanze, wie dieß ehedem der Fall war, wieder eingeführt und auf den Mittwoch nach dem dritten Sonntag nach Oſtern verlegt werden. In dem größeren Rituale vom Jahre 1766 ſteht auch noch auf feria VI. post Dominicam in albis festum S. Tunicae, clavorum et lancae, duplex 2. class. angemerkt. Weil nun aber jener Mittwoch einmal als Bettag gefeiert werden ſollte und doch wieder bisher kein Gegenſtand des Feſtes vorhanden war, ſo daß die Geiſtlichen nicht wußten, worüber ſie an dieſem Tage predigen und was für einen Abſchnitt aus dem Evangelium ſie dem Volke vorleſen ſollten: ſo hat man ſehr paſſend und zweckmäßig jenes Feſt zum heiligen Rocke auf dieſen Tag verlegt. Er ſoll zwar einigermaaßen immer noch als Rogationstag erſcheinen und nicht ſo ſehr in äußerlicher Pracht gefeiert werden; doch aber wird allen Pfarrern dringend zur Pflicht gemacht, mit dem Hochamte eine dem Gegenſtande des Feſtes durchaus angemeſſene Predigt zu verbinden. Zu dem Ende ſoll dieß Feſt ſowohl auf Epiphania des nächſten Jahres als den Sonntag vor jenem Mittwoch dem Volke gehörig bekannt gemacht werden. Dieß iſt die beſte Antwort, die unſer Hochwürdigſter Herr Biſchof auf alle jene Schmähungen gibt, wie ſie ſeit einiger Zeit von allen Seiten her und aus ſo vielen Blättern wider ihn ausgeſpieen werden. Gewiß wird das gläubige Volk unſerer Diöceſe dieſes Feſt mit großer Freude begrüßen und auch den Pfarrern wird die Einrichtung deſſelben ſehr angenehm ſeyn. Nun wird das Froſtige, was dieſer Tag bisher im kirchlichen Leben hatte, verſchwinden; er wird ſich den übrigen Feſten würdig anreihen und eine bleibende Erinnerung an jene glorreiche Pilgerfahrt und alle damit verbundenen Segnungen ſeyn. Nun wird das Andenken an jenes koſtbare Kleinod ſo leicht ſsich nicht verlieren; vielmehr wird es fortleben im katholiſchen Geſchlechte als ein ſtetes Mahnzeichen, die Einhelt des Glaubens unzertrennlich zu bewahren, als ein Denkmal von der Macht dieſes Glaubens und als ein Triumphzeichen ſeiner Siegeskraft über alle feindlichen Mächte. So wenig laſſen wir uns durch die gemeinen und niederträchtigen Schmähungen, mögen ſie woher immer kommen, irre machen oder einſchüchtern, daß wir dieſes verhöhnte Gewand ſogar zum Gegenſtande eines kirchlichen Feſtes erheben. Was kümmern uns Jene, die ſich in frevelndem Leichtſinne vom Kleide Chriſti abgelöſ't haben? Wir aber wollen die Fäden unſeres Glaubens in unzertheilter Einheit bewahren; und daß dieſes geſchehe, davon ſoll uns des Herrn Tunica eine fürdauernde Bürgſchaft ſeyn. (Katholik.) Türkei. Konſtantinopel. Das franzöſiſche Gouvernement hat in Konſtantinopel ein Collegium gegründet, das unter der Leitung von Geiſtlichen aus dem Orden des hl. Vincenz von Paula ſteht. Dieſe Anſtalt, die bis jetzt die einzige derartige im Lande iſt, hat ſchon Erſtaunliches geleiſtet. Die Anzahl der Zöglinge nimmt mit jedem Tage zu, und es iſt einleuchtend, daß das Gebäude, ſo ausgedehnt es auch iſt, mit nächſtem erweitert werden muß, weshalb auch M. Bourquenay bereits die nöthigen Schritte bei der Pforte gethan hat. Außerdem befindet ſich auch in Sidon ein franzöſiſches Collegium, zu deſſen Unterhaltung Louis Philipp aus ſeiner Privatcaſſe alljährlich gegen 10.000 fl. beiſteuert. Türken, und ſelbſt Mollah's vertrauen ihre Kinder dieſen Schulen an, * Das Gebet des hl. Ignatius: „Anima Christi.“ Die Seele Chriſti ſey mein Heil; Durch Chriſti Leib werd' mir zu Theil Daß dieß mein Herz geſunde. Mich tränke Jeſu heil'ges Blut, Mich waſche rein und mache gut Der Quell aus Jeſu Munde. Du guter Jeſus höre mich, Heft' unzertrennbar mich an Dich, Vor Satans Pfeilen ſchirme mich, Im Todesſtreit berufe mich, In deine Nähe hole mich, Daß ich voll Jubel ewiglich Mit deinen Engeln lobe Dich. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. ^«s- - Beiü, ^ der P », Augsburger Erjte Jahreshälfte. XI? V. Postzeitnng. 1». Januar t84S. Der Sarkophag der heil, drei Könige, und der Triumplchajicn des apostol. predijitnmtes neben dem Triumuhlwgen der Schlacht lwn FNarengo zu Mailand. (Aus dein Tagebuch des P. Hcinr. Gvßlcr, über Jerusalem und die Heiligthümcr des Orients und Occidcnts i. I. ) Mailand, den l. Nov. 1844. Der Triumphbogen der Ticincsischen Pforte zu Mailand, nach Pavia und Genua führend, welchen der Kaiser Napoleon nach der Scblacht von Marcngo errichten licsx, und welcher seit 1815 die Inschrift trägt: Dem Frieden der Böller (»IIu ?aev dvi z,opoli) befindet sich am Platz St. EustorgiuS, gegenüber dem Triumphbogen des apostol. PrcdigtamteS und der Ehrensäule eines der berühmtesten Helden des Ordens der Prediger, des heil. Petrus von Verona, dessen Fest die allgemeine Kirche am 29. April feiert. Die Bildsäule des Predigers steht auf der Mitte des Platzes, und der apostolische Triumphbogen in Verbindung mit einer erhabenen in Stein gehauenen Kanzel, neben dem Eingange zu der Kirche von St. EnstorgiuS, welche zu den ersten Basiliken Mailands gehört, und im 4tcn Jahrhundert von dem heil. EustorgiuS, mailä-idischem Erzbischof, erbauet, im IZtcn Jahrhundert vergrößert und mit dem Kloster des PrcdigerordcnS verbunden worden ist. Dieselbe Kirche ist es, wo die Häupter der heil, drei Könige vor ihrer Uebcrtragung nach Köln ruhten, und der Sarkophag dieser drei Glauben-Helden, welche die aus dem Hcidcnthum bekehrte Kirche als ihre Stammväter und Proto-Konvertiten verehrt, wird noch gegenwärtig in dieser Kirche vorgezeigt mit einigen Reliquien derselben heil, drei Könige. In dieser ehrwürdigen Basilika befindet sich der Leib des heiligen Erzbischofö EustorgiuS unter dem Hochaltäre; der Leib des heil. Petrus von Verona aber in einer vorzüglich ausgestatteten Capelle nach der Evangelien-Seite; Epistclseitc: die Capelle mit dem Altare und Sarkophage der heil, drei Könige. Außerdem bewahrt diese Kirche die heiligen Leiber von drei Erzbischöfcn von Mailand, Eugenius, MagnuS und Cuö- ralruS, zweier Märtyrer, Victor und Corona, und verschiedene andere bedeutende Schätze aus dem Leben und Wirken der Heiligen der Kirche. Heute, am Allerheiligen Feste, hatten wir Veranlassung, m dieser Kirche an dem Altare der heil, drei Kö- res-Patronen nige, die heiligsten Mysterien zu feiern für die Bekehrung vcr christlichen Völker zur Einheit des Glaubens; nachd m wir gestern am Grabe und Altare des heil. AmbrosiuS angefangen hatten, und da für die besondere Bcrehrnng des heil. Carl BorromLuS in wenigen Tagen der Namenstag des großen Erzbischofö und CardinalS bevorsteht. — Der heil. Petrus von Verona, Prediger und Märtyrer des Doininicancrordcno, war zu Verona iu der Sccte der Manichäcr geboren, aber schon in früher Jugend zu der wahren Kirche zurückgekehrt, und zu Bologna, nach den UnivcrsitätSstudicn, in den Orden der Prediger-Bn'ivcr getreten. Er predigte zn Mailand in dieser Kirche seines Ordens, auch vor derselben auf eben der gekrönten Kanzel des Platzes St. EnstorgiuS, deren Inschrift gegenüber dem Triumphbogen der Schlacht von Marcngo, meldet, welchen Sieg das Schwert des Geistes durch daS Predigtamt des Evangeliums über die Irrlehre hier durch den Mund deö apostol. Predigers erfochten hat. Ein manichäischcr Bischof stand vor der Kanzel, und siehe, auf daS Gebet deö Predigers der reinen Lehre, trat plötzlich eine Wolke zwischen Kanzel und Sonne, andeutend, daß die Irrlehre die trübe Wolke ist, welche zwischen der Sonne der Wahrheit, Gerechtigkeit und GlaubcnScinhcit — und der Predigt deö reinen Glaubens sich mischet, und die GlaubcnScinhcit hindert. — Von Como nach Mailand zurückkehrend, wurde der treue GlanbcnSprc- diger von dcn Anhängern der Irrlehre ermordet im Jahre des Heiles 1252, den 29. April. — Während man ihm wiederholt mit einem Schwert das Haupt verwundete, sterbend, betete er das apostolische Glaubensbekenntnis;, welches cr als Jüngling mit GlaubcnSmuth bekannt hatte. Es schien uns der Sieg des apostol. PredigtamtcS für den Frieden der Einigkeit bei dem Anblick dicscö HciligthumS, heute am Feste aller Helden der Kirche der Heiligen, unvergleichlich erhabener als der bereits erloschene des Eroberers von Marcngo wider den Frieden der Völker, und wir seicrten das SicgcSfest der streitenden Kirche mit einem zwar weniger eroberungssüchtigen Geiste, aber sicher fruchtbarerem Erfolge au dieser heiligen Stätte. Am ersten Tage dicscö Jahres zu Rom die Kirche St. Maria dc Campitelli betretend, empfingen wir daselbst, nach dortigem alljährlichem Gebrauch, eine einfache Karte mit der Inschrift dcS Namens eines der heil. Jähes war der Name des heil. Petrus, Prcdigcror- ;ur Äicg Knabc nicht in seinem Hause sey, und mich bat, ihm denselben, falls er noch in meinem Hause sey, zuzuschicken, zugleich abcrauch den etwaigen Unwillen des Volkes zu verhüten. Ich konnte nicht gleich antworte», da ich zum Hochamte mußte; eS war Palmsonntag. Nach dem Hochamte kam R. selbst zu mir. Ich führte den Knaben, der wirklich noch in meinem Hause war, zu ihm; da dieser aber ganz blaß aussah und vor Schrecken zitterte, so getraute sich R. nicht, mit demselben über die Straße zu gehen, und bat mich, den Knaben bis auf weitere Nachricht bei mir zu behalte», was ich denn auch mit Freuden that. Am folgenden Tage Morgens 9 Uhr kam der genannte N. nebst einem Bruder desselben wieder zu mir, und verlangte den Knaben zu sprechen. Ich holte ihn gleich herbei, und bemerkte jenen, sie möchten nur Alles ciusbictcn, ihn zum Mitgehen zu bewege»; ich wollte ihnen nach Kräften behilflich seyn; nur verbat ich mir alle Gewalt und alle Schmähung gegen die christliche Religion. Wir redeten dem Knaben gemeinschaftlich zu; aber er erwiderte: „Ich will gcrue mitgehen, sobald ich nur vom Herrn Pastor getauft bin." Und so blieb dcr Knabe. Mittlerweile hatte ich auch von dem Pfarrer zu Gcsckc die herrlichste» Zeugnisse über den Knaben erhalten; auch hatte ich eS nicht unterlassen, ihn selbst zu prüfe» und vabci seine Kenntnisse vortrefflich gefunden. Zugleich hatte ich ihn auf die Beweggründe und die wichtigen Folgen seines Schrittes aufmerksam gemacht; er aber antwortete standhaft, lieber auf Alles, was die Welt ihm bieten könne, zu verzichten, als sein Vorhaben, Christ zu werden, fahre» zu lassen. Ebenso sprach cr zu seinem Onkel, dem genannten Kaufmann R. Nm 11. April Morgens 7 Uhr kam auch die Mutter des Knaben, in Begleitung des Bruders desselben. Sie machte ihm in meiner Gegenwart Borwürfe über sein Benehme» und forderte ihn auf, sogleich mit ihr zu gehen. Der Knabe antwortete: Ja Mutter, ich will mitgehen, aber zuerst muß ich getauft werden. Da stürzte die Mutter wilv auf den Knaben los, und schlug ihn so heftig in'S Gesicht, daß ihm das Wasser aus den Augen quoll und er in die Ecke des Zimmers flog. Unwillig über eine solche Behandlung bemerkte ich dcr Mutter, ich würde es ferner nicht zulassen, dcn Knaben i» meinem Hause so zu mißhcmdlen. Sie hörte aber aus meine Worte nicht mehr, sondern öffnete die Thüre, stieß dcn Knaben mit Gewalt hinaus, machte Fratzcngcsichter gegen ihn und sticß dabei alle Flüche des alten Testaments gegen ihn aus, und bemerkte ihm, sie wolle ihn gar nicht wieder haben, wenn er jetzt auch mitgehen wolle. Der Knabe blieb bei allem ruhig und gelassen, und sagte dcr Mutter beim Weggehen: „Ich will für dich und dcn Vatcr beten, daß ihr auch katholisch werdet." So blieb denn dcr Knabe bei mir bis zum 12. April. Da kam Nachmittags, in Begleitung des hiesigen Bürgermeisters G. und des pensiomrtc» Bürgermeisters K. von Soest und des älteren Bruders des Knaben, dcr Vater desselben und wünschte mit aller Artigkeit und Höflichkeit, den Knaben zu sehen und ihn allein zu sprechen. Gleich holte ich dcn Knaben und führte ihn zu seinem Vater in ein besonderes Zimmer. Nach wenigen Minuten kamen beide wieder auf das Zimmer, wo ich mich mit dcn übrigen Herren unterhielt. Dcr Vater zog ihn freundlich an sich, und sagte: „Nicht wahr, Abraham, du gehst doch mit mir." Der Knabc antwortete: Ja, gewiß! — trat aber i» demselben Augenblicke vor mich und sagte: „Bon Ihnen, Herr Pastor, muß ich aber zuvor getaust werden!" Nachdem der Vatcr und die übrigens Herren dem Knaben alle mögliche Vorstellungen gemacht hatten,! letzterer aber auf seinem Entschlüsse, nicht eher aus meinem Hauses zu gehen, als bis er getauft sey, beharrete, da verwandelte sich die Freundlichkeit des Vaters in Heftigkeit und Bitterkeit; er drohet- dem Knaben, wenn er Christ würde, so solle er die Schweine hüten; dcr Knabe gab zur Antwort: ich will mit Frcuden die Schweine hüten, wenn ich nur Christ werde. Ich hatte dem Vater bereits früher bemerkt, daß ich nicht leiden würde, dem Kinde Gewalt anznthucn; widrigenfalls würde auch ich von meiner Amtsgewalt Gebrauch machen, und dem Knaben, der nach den zuverlässigsten Zeugnissen das gcschliche vierzehnte Jahr zu- rückg'leqt habe, und nach meiner eigenen Prüfung hinlänglich im Christenthumc unterrichtet scy, und sich zugleich jederzeit, laut allen Zeugnissen, musterhaft aufgeführt habe, die heilige Taufe, die er so dringend wünsche, sofort ertheilen. Und so entfernten sich die Herren und ließen den Knaben zurück. Am 13. April (am grünen Donnerstage) Nachmittags erschien der hiesige Vürgcrmciftcr bei mir und überreichte mir eine Beschwerde, die dcr Vatcr des Kindes bei der landräthlichen Behörde zu Soest wegen gewaltsamer Vorcnthaltung seines Kindes gegen mich eingelegt hatte. Zugleich war unser Bürgermeister beschuldigt, daß er ven polizeilichen Schutz verweigert habe. Ich verfehlte nicht, der landräthlichen Behörde alsbald meine Vertheidigung zuzustellen. In Betreff des verweigerten polizeilichen Schutzes bemerkte der Bürgermeister in seinem Berichte an die landrälhlichc Behörde unter andcrm Folgendes: „Nach genauer Erwägung des Sachverhältnisscs kann eS hier meines ErachtcnS aus einen polizeilichen Schntz gar nicht ankommen. Dcr Herr Pastor A. verweigert dem Löwcnbach das Kind durchaus nicht; cr führte es ja gestern in dessen Arme zurück. Dcr Knabe weigerte sich aber, uugctauft mitzugehen. Sobald dcr Vatcr also zugibt, daß sein Sohn getauft wird, geht letzterer mit ihm. Dem Verlangen des Sohnes steht gesetzlich nichts im Wege, und hört bei dcr Frage, zu welcher Religion ein fünfzehnjähriges Kind sich bekennen will, die väterliche Gewalt auf. Löwcubach will durch sein jetziges Verfahren lediglich die Taufe seines Sohnes verhindern; cr hat dieß durch seine Worte nicht bewerkstelligen können; nunmehr ruft er die Polizei zu Hilfe, also zur Verhinderung einer gesetzlich erlaubten Handlung. Hiczu ist aber die Polizei nicht ermächtigt, da vorliegend weder ein Verbrechen begangen, noch irgend Jemand an Leben, Ehre und Gütern gekränkt werden soll. Ich werde mich also zu gewaltsamen Maaßregeln gegen dcn Herrn Pfarrer unter meiner Leitung nicht verstehen können, da ich indessen Benehmen durchaus nichts Ungesetzliches erblicke, und zudem befürchte, daß bei wirklicher Anwendung von Gewalt eine Aufregung hier entstehen könnte, deren Folgen ich nicht verantworten will." Die landräthliche Behörde zu Soest hielt sich wahrscheinlich, nachdem sie den Sachverhalt vernommen, für incompctent hier einzuschreiten, weil sie weiter keine Maaßregeln gegen mich ergriff. Jedoch kam dcr Gendarm, welcher mit obiger Beschwerde nach Wcrl geschickt war, zweimal in mein Haus, um mir dcn Knaben zu entführen. Weil ich nun, falls die landräthliche Behörde, wie - ich dieß noch immer befürchtete, mir den Knaben wegnehmen wollte, mir die unruhistcn Auftritte Seitens dcr hiesigen Stadtbewohner, die wegen der Verfolgung des Knaben schon in der größten Aufregung waren, befürchtete, so ließ ich denselben heimlich zu dcr Frau v. L. in'S Haus bringen, holte ihn aber in Begleitung deö hiesigen PolizcidicnerS zurück, und ließ ihn in meinem Hause bcwachcn. Es war der heilige Abend deö Grünen- Donnerstags. Um nun allem Unheile, was hier aus längerer Verzögerung dcr Taufhandlung hätte entspringen können, um auch dcr Unruhe dcns und Märtyrers, dessen Leib zu Mailand ruhet. Wir erstaunten, daß seines Geistes Wehen uns nach Verona führte, wo die seltene Freude uns wurde, die Frucht des Prcdigtamtes in eigenthümlicher Wirksamkeit des heil. Geistes wahrzunehmen. Heute, nach der Feier der heil. Mysterien, reichte man uns die priesterliche Stola mit dem Erbieten, das Haupt desselben heil. Petrus, welches über dem Altare seiner Capclle zu St. EustorgiuS thronet, zu eröffnen. Wir waren erstaunt, nach sechs Jahrhunderten dieses heilige Haupt so unvcrwcset zu finden, daß nicht allein die Doppelte Reihe der Zähne, die Haare des Bartes, sondern auch das aus der Wunde hervorquillendc Blut in einer Aussckwcllung sichtbar ist, welche uns zweifelhaft ließ, ob wir ein fließendes, oder ein kaum getrocknetes Blut schauten. Ohne unseren Augen allein vertrauen zu wollen, bezeugen wir die Wahrnehmung mit jener Gewissenhaftigkeit, mit welcher wir unsere Aussage vor den großen Richtcrstuhl der Ewigkeit zu tragen hoffen. — Wir verließen die Hciligthiimer von St. EustorgiuS mit neuer Stärkung in Glaube, Hoffnung und Liebe, und begaben uns zu der heiligen Einsamkeit von St. Barnabas in die Zelle neben den geweihten Zimmern, wo der große BorromäuS sich alljährlich zurückzuziehen pflegte, wo sein Kleid und Gürtel des dritten Ordens des seraphischen Fran- ciscuö, welchem er angehörte, noch aufbewahrt wird, und wo der erlauchte Franz von Sales die Herberge, zu Borrvmäus Ehren, nahm, wo beide, zu verschiedenen Zeiten, knieten und beteten, und versenkten uns in den Glanz der Erinnerungen, welchen diese großen, vclllenchtenden Sterne der wahren Kirche der Heiligen hier zurückgelassen haben. Nachtrag. Den 2. November. Die Inschriften auf dem St. EustorgiuSplatz zu Mailand haben wir heute getreu in unser Tagebuch eingetragen. 1) Inschrift über dem Hauptportal der Basilika der heiligen drei Könige: Oev Optimo Äluximo 1'emplum 8ancti LustorZii, '1'itulo Lasilieuo Lanetorum Re- gum, ol> usservuts Diva oorum Lorpora iusixniUim, >,Iuri- morum Sailctonim I^isanis venörubile, Simeti ?etri HIar- t^ris, Orclinis l^raoilieatorum, eonvionilius, mirucitlis, se- pulero olsiissimum. 2) Inschrift an der rechten Vorderseite des Dreiecks der Trinmphkanzcl des heil. Petrus von Verona: In Iiuc ^roa 8anetus I>Ltru5 >lsrlvr. Orclinis ?ruicstoruin Alunieliaoos eorgm populo tlisiiutantss eloquentia et procligiis saopigsimo conlutilvit. An der linken Vorderseite des Dreiecks: Hkio, pertingei85imo Iiuerotieorum ^ntistite provocante Sanctu8 Petrus Nartvr, Orclims praoclieatorum, mibeeulum rvpente »eeivit, coneionem inter ao Solom stare ^jussit. 3) Inschrift über dem Triumphbogen der Schlacht von Ma- rcngo, jetzt: Triumphbogen des Friedens der Völker: psci populvrum sosriitae. Die Inschrift an dem Sarophag in der Kapelle der heiligen drei Könige in der vorgenannten Basilika lautet: Sepulci-um l'rium lie^um! (Fr. K. K,) D e u t s ck l a n d. Mittheilung über die Bekehrung des Judcnknaben aus Gcsckc. (Katholik.) Die tumultuarischcn Auftritte iu Gcsckc in Folge der obcn- gcuanntcn Bekehrung sind in den Zeitungen nun fast seit Jahresfrist verschollen; das Urtheil aber über die eingezogenen Individuen, welche bei jenen Ercessen bethciligt waren, ist erst vor einigen Wochen zu Arnsberg gefällt worden. Von den zur Untcrsn- chung gezogenen 18 Personen haben 7 bis 8 zwei Jahre Zuchthaus erhalten, 4 aber drei Jahre; du> übrigen sind vorläufig freigesprochen. Dem tuniultuarischen Verfahren mag sein Recht geschehen seyn; in Betreff rer BckehruugSgeschichtc aber möchten folgende Mittheilungen von Interesse seyn. 1. Aus eiucm Schreiben des Pastors A. zu Wert, welcher den Judcnknaben getauft hat, bald nach ertheilter Taufe, 15. April 18ä3. „Vor ungefähr 7 Wochen hörte ich, ein israelitischer Knabe aus Gesekc sey hier cmackommcn, der Christ werden w^llc, nnd den man von Gcsckc bicher geschickt habe, um sein Vorhaben zu vereiteln. Ich kümmerte mich weiter um dieses Gerücht nicht, bis ich in voriger Woche ein kleines Bricfchcn erhielt, das mit dem Namen Abraham Löwenbach unterzeichnet war, worin mich dieser auf die rührendste Weise bat, ihm doch die heilige Taufe zu ertheilen. Aus einem Briefe des Vicar B. zu Gcsckc, dcr mir einige Tage früher übcrbracht war, sah ich, daß dcr Knabe von diesem Geistlichen bereits in dcr christlichen Religion unterrichtet war, und fand mich deshalb veranlaßt, an den Vicar B. zu schreiben, um mich nach dem Alter des Knaben, nach dessen Kenntnissen, Aufführung, Familienvcrhältnisscn nnd sonstigen Umständen zu erkundigen. Unterm 9. April erhielt ich über dieses Alles die vollkommenste Auskunft, und wnrde zugleich aufs dringendste gebeten, mich des braven, hartverfolgten Knaben doch liebevoll anzunehmen. Am 8. April kam der ^inabc aus eigenem Antriebe zu mir, und bat mich inständig, ihm doch die heilige Tause zu ertheilen. Nachdem ich ihm angemessene Ermahungcn gegeben und ihm gesagt hatte, daß ich seinetwegen an Vicar V. geschrieben, entließ ich ihn mit dem Versprechen, ihm das Nähere mitzuthei^ len, sobald ich Antwort von Gcsckc erhalten. Als ich am folgenden Tage Morgens aus dem Beichtstühle kam, rief inir dcr hiesige Vicar aus dcm Fcnstcr cntgcgcn: „Der Judcnknabe ist auf ihrem Zimmer; die Jurcn haben ihn verfolgt bis zum Thore Ihres Hauses." Ich traf den Knaben auf meinem Zimmer, auf welches er vor den Juden geflohen war, und ehe ich ^ noch ein Wort mit ihm geredet hatte, erschien schon dcr Sohn !dcS Kaufmanns R. dahicr, bci dcm dcr Knabe vom Vater untergebracht war, um ihn zurückzuholen. Dcr Knabe weigerte sich aber hartnäckig mitzugehen, indem er sagte, man beabsichtige, ihn wieder nach Geseke zurückzuführen, und dahin werde er nicht eher gehen, bis er getauft sey. Mich aber bat dcr Knabe dringend, ihn doch vor den Nachstellungen der Juden zu schützen und ihn zu taufen. Kaum war der junge N. weggegangen, so erschien auch der Vater desselben mit seiner christlichen Magd, und es gelang diesem unter meiner Mitwirkung, den Knaben zu bewegen, mit der Magd in sein Haus zurückkehren zu wollen; er ging auch mit der Magd von meinem Zimmer. Eine halbe Stunde später erhielt ich aber von R. einen Brief, worin er mir anzeigte, daß dcr und Angst, dic ich 6 Tage und Nächte des Knaben wegen ausgestanden, endlich ein Ende zu machen, und um vor Allem das heilige Verlangen des Knaben nach der Taufe zu befriedigen, wozu mich ja der Herr hieniedcn berufen, so entschloß ich mich, nachdem ich jedoch zuvor noch, um ja nicht gegen dic Gesetze zu verfehlen, den Nath deö Herrn Cvnsistorialrathö K. zu ArnSbcrg durch einen Boten eingeholt hatte, wodurch mir dic feste Ueberzeugung geworden, dasz hier allen gesetzlichen Vorschriften Genüge geleistet sey, den Knaben am 15. — am Charsamstag — zu taufen. Mit diesem Entschlüsse machte ich den Knaben am Charfreitag Morgens bekannt, nachdem er mir zuvor noch weiter von seinen Kenntnissen und seiner Sündhaftigkeit die rührendsten Beweise gegeben. Er jnb-ltc vor Frcndc, als er hörte, daß ihm das so lang ersehnte Gluck nach so vielen Leiden und Kämpfen endlich zn Theil werden sollte. Er bereitete sich den übrigen Tag hindurch in der erbaulichsten Weise zum Empfange der heiligen Taufe vor, und empfing dann am Charsamstag, den 15. April, nach der kirchlichen Segnung der Taufe, das Bad der Wiedergeburt. Taufzcu- gcn waren der Jnstizamtmann B. und dic Frau v. L. dahier; er erhielt die Namen Vcrnard Franz Matthias. Seit Mcnschcnge-- dcnkcn hat wohl kein kirchlicher Act hier in Werl bei der zahllos versammelten Volksmenge aus allen Standen eine so tiefe Rührung hervorgebracht, als die Taufe dieses standhaften Knaben. Kein Auge war thränenleer; er allein blieb heiter und antwortete muthig und unverzagt auf alle an ihn von mir gerichteten Fragen. Der junge Christ, von seinen reichen Eltern und Verwandten verstoßen, lebt munter und heiter bei mir im Hanse, und ich werde Alles, was in meinen Kräften steht, aufbieten, um den aufgeweckten talentvollen Knaben an der Hand der Religion Jesu Christi zu einem rechtschaffenen Bürger der Welt »nd des Himmels heranzubilden. " Der edle Herr Pfarrcr hat Wort gchaltcn; er hat unermüdlich für den Knaben gesorgt, und Alles aufgeboten, um ihm dereinst eine ehrende Stellung im Leben zu bereiten. Es gelang ihm, denselben auf das Gymnasium zu Paderborn zu bringen; aber die Eltern ruhten nicht, den Knaben zu beunruhigen und zu verfolge». Sie wußten seiner habhaft zu werden und schafften ihn heimlich nach Hamburg. Dic über solche Verfolgungen auSgebrochenen Un- ruhcu iu Gcsekc sind bekannt. Folgendes entnehmen wir aus einem Briefe, den der Knabe an seinen Wohlthäter, den Pfarrer A. in Werl, schrieb; er ist vom 11. Mai 1844. 2. Theuerster Wohlthäter! „Seit meiner Abreise von Werl hatte ich wieder traurige Tage! Sobald ich in Paderborn anlangte, vernahm ich auch schon, daß cS ganz gewiß sey, daß ich wieder zu meinen Eltern znrück müsse. Den Verlauf der Sache wird Ihnen Herr Caplan L. mitgetheilt haben. Der Herr Caplan begleitete mich nach Gcsekc. Sobald er nur weg war, wurde ich wieder mit Schimpfen und Vorwürfen überhäufe. Ich schwieg immer still, und antwortete nur dann, wenn cS meine Pflicht erheischte; war übrigens artig und gehorsam, so wie cS sich sür ein Kind geziemt. Gleich den andern Tag sagte ich meinem Vater, ich müßte zum Herrn Pastor S., indem ich noch einige Grüße an ihn zu bestellen hätte. Mein Vater aber sagte, ich solle zu Hanse bleiben, da ich noch genug znm Pfarrcr gehen könne. Ich gab nach, sagte aber, daß ich am andern Tage doch jedenfalls hingehen müßte. Am andern Tage bat ick meinen Vater wieder um Erlaubniß (denn er sollte sehen, daß ich ihm noch ganz gehorsam sey); er sagte, ich könne gehen, sobald er von einem kleinen Ausgang, den er noch zu machen/ zurückkäme. Ich freute mich schon darauf; allein, da er wieder kam, sagte er mir, ich solle mich reisefertig machen, um nach Münster zu reisen, und auf dem dortige» (katholischen) Gymnasium mein Studium fortzusetzen. Aber das war nicht seine Absicht; sondern ich wurde in einem Wagen von meinem Bruder in das protestantische Hamburg gebracht und bei einem Rabbiner cinquartirt. Hier wohne ich nun, und gehe auf das hiesige protestantische Gymnasium, und zwar ebenfalls in dic Tertia. Der Rabbiner, bei dem ich wohne, will mich mit Gewalt wieder zum Juden machen, obgleich ich ihm meine feste Ueberzeugung versichere, daß die römisch-katholische Religion und keine andere dic wahre ist; er scheint aber nicht rnhcn zu wollen. Ferner ist hier nur eine katholische Kirche; ich kenne den Pastor nicht, ich wollte gerne communiciren, darf aber nicht, ich ginge gerne, wenigstens Sonntags in die Kirche, ich darf ebenfalls nicht. Die Gebetbücher, dic ich mit anf dic Reise genommen hatte, hat mir mein Bruder weggeworfen und nnch noch dabei verhöhnt. Geld kann ich aber nicht anders erhalten, als wenn ich dem Rabbiner den Zweck sage, wozu ich es gebrauchen will. — Wenn Sie daher so gut wären und schrieben an den hiesigen Hanptpastor Sch. oder an Pastor W. über meine Lage, und legten dann auch ein Bricfchcn für mich bei. Sie haben schon so oft für mich gesorgt; o thuen Sie es anch jetzt noch und schreiben Sie an einen der obigen Herren, und schildern Sie ihm meine Verhältnisse. Ich bitte Sie darum!! :c. :c. Der edle, unermüdliche Pfarrer hatte bereits, ehe dieser Brief anlangte, sich für den Knaben bci der Königlichen Regierung verwandt. Unter dem 23. April d. I. hatte dieselbe bci dem Obcr- landesgcrichtc die Bestellung eines christlichen CuratorS für den minderjährigen Bcrnard Löwcnbach in der dringlichsten Art beantragt, der dann auch baldigst beschafft und mit der obervormund- schaftlichen Antorisation versehen wurde. Auf dessen Anklage wurde dem Vater des Knaben dic väterliche Gewalt genommen, und der Knabe von Hamburg zurückgeholt und dem ferneren Studium an einem katholischen Gymnasium gewidmet. England. Feierliche Einweihung eines Klosters. Am 20. August wurde die Abtei und Kirche des St. Bernhardsberg in der Grafschaft Leiccster feierlich eingeweiht. Dieß war zum erstenmale seit der Neformationszeit, daß eine solche Ceremonie, wie die Einweihung eines katholischen Klosters, gefeiert wurde, weßhalb auch eine große Zahl Priester und Laien derselben beiwohnten. Der 1)r. Walsh, Bischof von Campisolis, vollzog dic Weihe. Die Hauptmesse wurde vom Hr. Wyscmcm, Bischof von Mesopotamien, unter Mitwirkung des Dr. Morris, Bischofs von Troja, gehalten. Alle drei sind apostolische Vicarc. Das jetzt wieder ausgebaute Kloster datirt seine» Ursprung vom Jahre 12g(1. Die Mönche, die es auf's Neue in Besitz nahmen, gehören dem Ci- sterzienscr Orden an, der von Robert, Abt von Melesme gestiftet wurde, der den Orden des heiligen Bencdictus bildete. Die armen Mönche hatten lange Zeit in elenden Hütten gelebt, in den Wäldern von Carnwood. Verlags - Inhaber : F. C. Krem er. ? 1b ^»S» ' Der/,, Augsburgs v Erjie Jahreshälfte. der Ppstz-Ltung. ÄK. Januar Wie Friedrich Hurter katholisch wurde ^) Dcr Verfasser der Geschichte JnnocenzenS des Dritten und sei»er Zeitgenossen wurde unter den Forschungen, welche er zu diesem Behufe anstellte, aufmerksam auf den Bau dcr katholischen Kirche-, er schaute mit Wohlgefallen in die kraftige Leitung derselben Durch eine lange Reihe würdiger Oberhäupter, in deren Wachsamkeit über Einheit und Reinheit dcr Lehre. Diesem gegenüber stellte sich die Unselbständigkeit der protestantischen Kirchen ihre Abhängigkeit von den Staats - Gewalten, ihre innere Zerrissenheit und jener Individualismus, welcher die Lehre den Grübeleien dcr Kritiker, den Philosvphcmcn dcr Dogmatiker und der Subjectivität der Prediger preis gibt. In dieser Eigenschaft aber, und nachmals als kirchlicher Oberer eines protestantischen Ländchcns, betrachtete er sich gleich der Schildwache eines halb aufgegebenen Postens verpflichtet, diesen zu vertheidigen mit aller Entschlossenheit, ihn zu behaupten, so lange wenigstens als möglich; das heißt, an den Fundamcntallehren des geoffenbarten Christenthums, nämlich an denjenigen von dcr Trinität, dcr Erbsünde, der Gottheit Christi, dcr Erlösung, dem gläubigen Wandel, mit eiserner Festigkeit zu halten, sie alle zumal in Predigt -und Unterricht unablässig zu verkünden, somit entschieden alle Anwandlungen des NationaliSmnS abzuweisen. Hierüber konnte ihm nie ein Borwurf gemacht werden; zu erhalten, was »och vorhanden, das erachtete er stets als geheiligte Aufgabe seines Wirkens. Für sich selbst aber beschäftigte er sich mehr mit dem Aeußern, als mit dem Innern der katholischen Kirche, mehr mit deren Geschichte und Verfassung, als mit deren Dogma. Eines nur, hervorgehend aus seinen dogmatischen Ueberzeugungen, fiel ihm schwer, daß diejenige Fraction des Protestantismus, der er angehörte, die heilige Jungfrau gänzlich beseitigt hatte, sie vollkommen ignvrirtc, oder höchstens als eine gewöhnliche, obwohl fromme, Mutter sic behandelte. Frühzeitig, ohne Bücher zu lesen, ohne mit irgend Jemand darüber in Erörterung einzutreten, ohne alle specielle Kenntniß dcr katholischen Lehre in Betreff derselben, fühlte cr sich von unricnnbarcr Ehrsucht gegen sie crsüllt, ) Von ihm selbst erzählt. Aus dcr sc eben erschienenen „überüchlli- chrn Darstellung cer wichtigsten B lvhrungcn zur ka>h»l scheu Kirche" (Schaffhausen, H>,tter'icke Buchbandlungl !!, 3Ki» ss. ahnctc cr in ihr Fürbittcri», wcndctc cr sich in dem Hcilig- thum des Herzens an sie. Auf protestantischer Kanzel mit aller Entschiedenheit zu verwerfen, was die Stifter des Protestantismus vom Christenthum noch beibehalten haben, ist erlaubt, findet nicht selten Beifall; beibehalten oder herstellen zu wollen, was sic verworfen haben, fände lauten Widerspruch, entschicdcncn Tadel. Dr. Hurter bemühte sich, wenigstens auf die Jungfrau Maria (so wird sie doch in dem protestantischen Glaubensbekenntnis; genannt) aufmerksam zu machen, ihre höhere Beveutung in Erinnerung zu bringen. Ueber das an solchem Ort Zulässige ging er nicht hinaus. Wer dem Andern, glaubte cr, die volle Schuld redlich und gewissenhaft abträgt, sey nicht verpflichtet, über die Baarschaft, die er in der Tasche zurückbchält, ihm Rechenschaft abzulegen. Im Jahre 1840 wurde an ihn die sonderbare Frage gestellt: ob er Protestant von Herzen sey? Die Frage wurde nicht auf Ausstellungen an seinem bisherigen öffentlichen Wirken, auf Beweise, die man diesem hätte entnehmen können, begründet, sondern an jenes Gcschichtswerk und an eine Reise nach Wien geknüpft, darüberhin in das k'vrum mtvrnum gcschobcn. Dic äußere Veranlassung dazu hatte man in einem Besuche in dem Kloster St. Katharinenthal und in dcr Anwesenheit in dcr dortigen Kirche gefunden. Wenn man bei Momenten des Lebens, an welche sowohl für das äußere als für das innere Daseyn eine Reihe der merkwürdigsten Folgen sich anknüpfen, von Zufall reden kann, so war die Wahl des Tages, dcr mit dem Feste des heiligen Josephs zusammentraf, das Zufälligste von dcr Wclt. Ein Bauer machte sich den Spaß daraus, au dic Anwesenheit des 1^5. Hurter in der Kirche die grundlosesten Sagen über dessen Benehmen zu knüpfen: einigen Geistlichen waren dieselbe» willkommen als Brücke zu Vollführung dessen, wonach sic im Stillen längst schon sich gesehnt hatten. Dic nächste Folge war also jene Frage. Dr. Hurter wies dieselbe mit gerechtem Unwillen zurück, weil in ihr nicht daö positive, sondern das negative Element das Ucbcrgcwicht hatte. Wäre cr gefragt worden: ob cr Katholik sey? cr hätte mit eiucm entschiedenen Nein antworten können und müsscn. Darüber ciitstaud heftiger Hader, worin allerlei merkwürdige Elemente zusammen sich verbanden, sicher auch politischer Haß seine Beisteuer gab. Er aber sprach am Ende ein entschiedenes Wort. Jetzt stellen ihm diese Bcgcgnissc unter ganz anderem Lichte sich dar, als damals; jetzt wurde er denjenigen, über welche er in der Hitze des Kampfes unbarmherzig herfuhr, vielmehr danken, daß sie denselben erhoben; denn die „Betrübniß" hat sich in „Freude" verwandelt-, uud jetzt, da „die fricdcbringcnde Frucht der Gerechtigkeit" gereift ist, erkennt er in jenen Borgängen „die Unterweisung zu dem, was nützlich, um seine Heiligung zu erlangen." Ucbcrzcugt, daß Gott von Kindesbeinen au, wenn gleich auf weitem Umwege, ihn dahin habe führen wollen, wo er jetzt steht, muß er jenen Hader als den Wcndepunct betrachten, von dem aus sein Weg endlich vic entschiedene Züchtung gewann. Denn damals schon, als n.ich dem ersten Sturm zu reifer Ucbcrlcgung Rübe gewonnen worden, nnd im Verlauf der nachfolgenden Zeit immer mehr, bot der Umstand, daß jener Kirchcnbcsuch, welcher allem Nachhcrigen den ersten wahrnehmbaren Anstoß gab, mit dem Geburtstage zusammcnsallc, Stoff zu vielfachem Nachdenken. Hierin blieb die Erinnerung immer haften; und wenn für alles Andere in den Verhältnissen, in den gegenüberstehenden Individualitäten, in den eigenen Bestrebungen die zureichenden Gründe gesunden wurden, so blieb in diesem Zusammentreffen Etwas, worüber sich weder hinwcgschrciten ließ, noch was durch irgendwelche Combination erklärt werden konnte; man mochte es das erste, aber un- vertilgbarc, Glimmen nennen, welches im Verfolge zum hellen Lichte erstarkte. Dr. Hurter erkrankte mit seinem ganzen Hanse; zwei innigst geliebte Töchter nahm Gott zu sich; in mehr als einem schweizerischen Kloster wurden Gebete um deren. Genesung, gleichwie um die scinige, veranstaltet; diejenigen, mit denen er über drei- ßig Jahre in der engsten Verbindung gestanden, deren allseitige Interessen er mit der freudigsten Hingebung stets verfochten, erwiesen sich allermindestens als höchst thcilncihmlos; Viele derer, welche man gegen ihn aufzuregen gewußt hatte, erlaubten sich die gehässigsten Reden; der Pietismus jubilirte, als er mit drcischnei- digem Dolche noch in dem Herzen des Vaters wühlen konnte. Sollen die Bäume nach der Rinde und nicht vielmehr nach der Frucht gewürdigt werden? Soll die entgegenkommende Liebe ihr Anrecht auf des Menschen Herz an die kalte Gleichgültigkeit — um nicht mehr zu sagen — abtreten? Sollten so entgegengesetzte Erfahrungen den Menschen stumpfsinnig in der Mitte stehen lassen? Haben auch dieselben ihre anziehende Kraft nach der einen Seite nicht alsbald mit vollem Einfluß entwickelt, so führten sie doch Dr. Hurter bald genug zur klaren Einsicht, daß Friede mit Denjenigen, die einmal in solcher Weise ihm sich gegenübergestellt hatten, nicht anders herznstcllen wäre, als wenn er unter das unerträglichste Joch, welches Beengung anflcgen wollte, sich schmiege. War hier eine Wahl möglich ? Er warf Würden, Stellen, Einkünfte von sich und trat in den Privatstand, gegen den Protestantismus, der entweder als Nationalismus alle Dogmen bestreiket, oder als Pietismus mit der Moral es nicht so gcncin nimmt, gleichgültig geworden, ohne darum mit allen Lehren der katholischen Kirche einverstanden zu seyn. Können aber an einem denkenden, arbeitsfreudigcn, mit voller Muße begnadigten Manne vier volle Jahre spurlos vorübergehen, ohne ihn vorwärts oder rückwärts zu treiben? Das wird schwerlich Jemand behaupten wollen. Alles wohl überlegt, hatte die göttliche Leitung vorwärts getrieben, gezogen; sie wollte, sie konnte nicht rasten, das eigene Bestreben mnßte ihr entgegenkommen. Dircct, mit Absicht, entweder auffordernd oder mahnend, haben bicr Menschen nicht gewirkt. Es verbreitete sich über die gcsammtc Lebensbahn seit deren ersten Anfängen immer helleres Licht, und die Frage, woher und wozu dieses Alles? durste nicht länger in den Hintergrund treten. Es wurde, über den Ursprung der Glanbcnstrennung, ihre Beweggründe, die Mittel, sie zn stabiliren, zumal in England, über dcrcnEinflnß auf die politische Gestaltung der Länder mehr als eine Schrift M Hand genommen. Es lagen aus der nächsten Umgebung Beweise genug vor, wie der Radikalismus gegen die katholische Kirche schäumt, indeß er den Protestantismus, als seinen Zwecken unhindcrlich, gewähren läßt, wohl gar in innige Verbrüdcruna mir demselben tritt. Die unbestreitbare Thatsache, daß katholische Nvl^ kcr, die aus die Bahn der Revolution getrieben worden sind, wieder umzukehren vermögen, indeß protestantische immer weiter auf derselben sich verrennen, daß katholische Individuen, die von ihr sich berücken ließen, weit eher wieder zur Genesung gelangen, als protestantische, nnd diese in dem Maaß nur, als sie nicht in Feindschaft gegen die katholische Kirche gehetzt sind, diese Thatsache durste ebenfalls nicht unbeachtet, die Frage: woher dieses? eben- salls nicht nnerörtcrt bleiben. Großer Einfluß gewann der Anblick des Kampfes, welchen die katholische Kirche gegenwärtig beinahe in allen Ländern zu bestehen hat, und die Würdigung der Parteien, der Mittel, die von beiden Seiten angewendet werden. Trotz dessen ließ sich das Wehen eines bessern Geistes, von dem nicht kann gesagt werden, von wannen er kömmt, nicht verkennen; läßt sich nicht übersehen, daß die Kirche anch da, wo man noch so beflissen ist, sie zurückzudrängen, an Terrain gewinne; daß die wider sie geführten Streiche zu S-gnungcn werden, und alle Bemühungen der Gewaltigen, HorazenS Wort von der schlimmern Nachkommenschaft schlimmer Vorsahren hier zur Wahrheit zu machen, wider alles Erwarten fehlschlagen. Anncbcn war leicht zu bemerken, wie Wesen nnd Leben jener Geistlichen, deren Bestreben dahin geht, die Kirche zu verflache», das Gefügc ihres Baues zu lösen, ihre hehre Gestalt ans den winzigen Maaßstab ihrer Aufklärung zu rcducircn, dem Wesen nnd dem Leben derjenigen gegenüber in die Wagschalc gelegt, welche man durch das Wort Ultramontane verschreien zu können wähnt, das Zünglein auf deren Seite treibe. Dieses Alles zusammengenommen bot Stoffes genug, ernstlich über eine Institution nachzudenken, welche aus dem Kampfe wider so viele vereinigte, offene und verkappte, Feinde nur verjüngt und erträstigt hervorgeht. Anncbcn wurde nachgeholt, was srüher versäumt worden! das Stndinm der Dogmen, wobei des scharssinnigen MöhlerS Symbolik wesentliche Dienste leistete. War der Glaube an eine unmittelbare göttliche Einführung des Christenthums von jeher unvcrrückt festgehalten worden, so mußte das Vorgebe»: in seiner Lauterkeit habe es bloß drei Jahrhunderte bestanden und sey erst nach Verlauf vou zwölf andern Jahrhunderten durch einen in Widersprüchen sich verwickelnden Mönch und durch einen in Ehebruch und Vergeudung sich wälzenden König ans dem Wust menschlicher Zuthaten glücklich wieder heransgcgrabcn worden, eine ernste Prüfung sich gefallen lassen. Ein verklärtes Hanpt der Kirche, welches dieselbe durch so lange Zeit aller Verunstaltung preisgeben^, dann zur Herstellung in ursprüngliche Reinheit so sonderbarer Pcrsön> lichkciten sich hätte bedienen können, erschien als ein höchst seltsames Haupt. Dabei konnte die Zerrissenheit der mannigfaltigen protestantischen Sccten, deren Zertrennnng in den wesentlichsten Lehren, deren alleinige Einigung in dem negativen Elemente des Hasses und der Opposition gegen die Kirche, >, endlich die gähnende Kluft zwischen dem ersten ÄuSgangspunct nnd dem jetzigen Standpunct so vieler Lehrer und Glieder des Protestantismus nicht unberücksichtigt bleiben, am wenigsten, wenn die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der protestantischen sogenannten theologischen Wissenschaft in Anschlag gebracht wurden. Die Gewißheit, bei dem Zusammentreffen mit zehen, aber römisch - katholischen, Lehrern Einklang der Lchre zu finden, neben der anderweitigen Gewißheit, bei dem Zusammentreffen mit ebensoviel protestantischen Geistlichen auf ebensovicle verschiedene Lehrsnstcme zu stoßen, war gleichfalls ein nicht unwichtiges Moment. Denn der Schemen einer unsichtbaren Kirche konnte ebensowenig Zusagen, als die Ueberlieferung der reinen Lehre durch eine endlose Reihe von Ketzereien. Zuletzt setzte das Unternehmen einer deutschen Uebersetznng von Jnnocenzens Auslegung der heil. Messe der angebahnten Ueberzeugung die Krone auf. (Schluß folgt.) Die Extreme. ( ^chw. Kirchen,.) Das katholische Volk des Kanton Luzcrn, dem am 8. Dec. verfl. I. der Vertilgungskrieg bereitet wurde, hat schon vordem , noch mehr aber seit diesem schrecklichen Tage Herz und Hände zum allmächtigen Gott erhoben, um vom Himmel Hilfe zu erlangen; Bitt- und Dankfeste werden gefeiert, ganze Schaarcn ziehen laut betend auf den Heerstraßen, ihr Ziel ist das Grab des seligen Bruder Klaus, um Frieden nnd Abwendung der drohenven Gefahren durch seine Fürsprache zu erbitten. Das Volk der Urkan- tone hat nicht bloß in Ergreifung der Waffen zur Zeit der Noth seine Treue bewiesen, sondern schließt sich dem Volke Luzcrns auch im Gebete au. Schon vor dem Kanton Luzern begann der Kanton Unterwalden das allgemeine öffentliche Gebet. Donnerstags den 9. d. war ein allgemeiner Bittgang des ganzen Landes zum Grab des heiligen Niklaus von der Flue, bei welchem das Volk aus ganz Oberwalden in Masse herbeiströmte, zu beten am Grabe dessen, welchen so viele unwürdige Eidgenossen im Munde führen, mit Gesinnung und Handlung aber stets vcrlciugncn. Gleiches geschieht in den übrigen Urkantonen, gleiches in den Kantonen Freiburg und Wallis. Selbst in der Stadt Solothurn wird seit einiger Zeit in der Kathcdralkirchc alle Abende sür Erhaltung des !Friedens gebetet. Beim Throne des Allerhöchsten finden sich die Herzen der Katholiken zusammen. Es bedarf einer vollendeten Verkehrtheit des Sinnes, um in diesemGcbctc anderes zu sehen, als das aufrichtige Sehnen und Verlangen nach Frieden, Versöhnung und Besserung; es lebt in den Katholiken noch jener Geist, in welchem unsere Vorväter uns so schöne Güter errungen haben. Es ist aber ein großer Theil des schweizerischen Volkes diesem Geiste schon seit langer Zeit entfremdet und entfremdet sich immer mehr. Nicht in Kirchen versammeln sich diese letztem, sondern in Wirthshäusern, nicht um Frieden beten sie, sondern sie wollen alle Furien des Bürgerkrieges heraufbeschwören. Ihr bis zur Besessenheit gesteigerter Haß gegen die wahre Kirche Christi concentrüc sich in maaßlos wüthenden Angriffen auf die Gesellschaft Jesu. Diese Kirche zu vertilgen gilt es einer Partei, und wenn das ganze Land darüber in Flammen aufgehen sollte; der Kampf der Parteien ist bis zu den Extremen vorgedrungen, es ist ein Kampf religiöser und politischer Gegensätze. Während Verhältniß- mäßig nur eine geringe Zahl katholischer Geistlichen, die sich meist schon im Leben ihres Standes unwürdig zeigen, zur Partei der radicalcn Zerstörer stehen und sehr wahrscheinlich noch wenigere zu ihnen stünden, wenn die Zügel des Kirchenregimenics straffer an- gezogen wären, sieht man dagegen eine Menge unevaiiqclisci'er protestantischer Prediger bei radicalcn Versammlungen und in Zeitungen auf die Gesellschaft Jesu und auf die gesammtc katholische Kirche losschlagen. Vom Bodcnscc bis zum Gcnfcrsec ist kaum ein protestantischer Kanton, der nicht einige solche Helvcu aus Straußen Schule auszuweisen hätte. Es kaun nicht in unserer Absicht liegen, die -Albernheit ihrer Jnvcctivcu zu widerlegen, den Unsinn ihres Geredes aufzuzeigen; auch das verlangen wir von den Gegnern der katholischen Kirche nicht, daß sie jene Gesellschaft lieben, welche sich in Vertheidigung der katholischen Lehre ihr erstes Verdienst gesucht hat, haben doch diese Leute überhaupt keine Liebe. Aber sragcn möchten wir: Wo waltet der christliche Geist, dort, wo alles Volk zu Gott um Hilfe betet, oder wo man Gott nnd alles Heilige lästerte Wo droht Gefahr, dort, wo die Frcischaarcn geworben, organisirt, beschützt und bezahlt werden, oder aber wo mau sich ihrer erwehren will? Ehren- werthe Protestanten sprechen mitunter Besorgnisse aus für die Zukunft, wenn der höhere Unterricht au mchrcru schweizerischen Lehranstalten den Jesuiten übertrage» würde; können sie aber im Ernste Besorgnisse haben, wenn die Katholiken im Geiste dcS Glaubens und Gebetes erzogen w.-rdcn? Sollten si? darin mehr Beruhigung finden, wenn der katholische Priester im Geiste des Unglaubens oder NadicaliSmuS erzogen würde, Daß er seine Kirche schmähen uud hassen, damit aber auch den christlichen Glauben verläng- ncn lernte? Gewiß, wer das erstere thut, wird conscaucnt auch zum letztern vorschreiten müssen-, lebendige Beispiele dienen hiefürzum Belege. Die Geister scheiden sich auS; wer zur Erkenntniß kommen will, wo der christliche Geist noch lebe, der verschließe nur seine Augen nicht vor den handgreiflichen Thatsachen. Algier. (Vcn einem französischen Reisenden,) (Kathvlik.) Sie haben ohne Zweifel die höchst interessanten Briefe des Abbe Suchet über Algier gelesen. Es ist dieses ein Gemälde, dem gar nichts fehlt als die Wahrheit. Factisch ist es, und ich wüßte nicht, was aus diesen Punct sich erwidern ließe, daß die bis jetzt unter den Eingeborenen gewirkten Bekehrungen fast gleich Null sind und cö haben, glaube ich, seit der französischen Besitznahme nur vier stattgefunden. Abbe Suchet dagegen hat jenes religiöse Gcsühl, welches in das Her; des Arabers und Mauren so ties cingcgrabcn ist und ihnen gegen den Priester, den Leiter des Gebetes, mag er auch sonst einer Religion angehören, welcher er will, eine tiefe Verehrung einflößt, für eine Hinneigung zum Christenthumc genommen. Wahr ist es allerdings, daß unsere Priester und 5Drdeuslcute durch ihre unbegränztc Liebe und maaßlose Hingebung an das Elend aller Art einen tiefen Eindruck auf die Muselmänner gemacht, allein trotz dessen besteht eine unübcr- steiglichc Schranke zwischen ihnen und uns — unsere Sitten, mehr noch als unser Glaube. Alle Versuche zum Proselytismus prallen ab an ihnen, wenn sie unsere Laster scheu, wenn sie sehen, wie wir den Frauen öffentlich sich zu zeigen und mit Männern zu verkehren erlauben, eben so stößt sie der bei uns übliche Genuß des Weines und gebrannter Getränke, besonders unser lebhafter stürmischer Charakter ab, der gerade das Gegentheil des ernsten, gemessenen Auftretens der orientalischen Völker ist. Bedenken Sie nun noch das verletzte Nationalgcfühl, das unaufhörlich gegen das Joch »ines troÄ>ernden Volk s sich sträubt, und die Hindernisse, welche unsere cigM.c Regierung der Verbreitung des Evangeliums in den Weg legt, so wird cS ihnen klar werden, warum Abbe Suchet nur ein?n Roman schreiben konnte. Sollten Sie eS wohl für möglich halten, mein theurer Freund, daß die Absurdität und der Wahnsinn so weit getrieben worden sind, daß es unsern Priestern sogar untersagt worden ist, arabisch zu lernen, aus Furcht, sie möchten sich dann mit den Eingeborenen in Verkehr setzen? daß gewisse einflußreiche Chefs der Administration, vollkommen gleichgültig gegen den katholischen Cultus, nur Rücksichten für die Muselmänner und Juden haben, welche letztere hier mehr als anderwärts sich als ein gemeines, herabgewürdigtes Geschlecht zeigen? daß diese Leute bei officicllen Festen zwar in der Moschee und Synagoge erscheinen, die Kirche aber mit keinem Fuße betreten? Und doch ist das Alles die reine Wahrheit. Hier baut man eine Moschee für einige muselmännischc Familien, und äOOt) Christen haben keine Kirche; dort wird mit 10l),Wl> für einen Kirchcnbau bestimmten Francs ein Gebäude aufgeführt, das vou der Thüre bis zum Chorgittcr zwölf Meter lang ist, überall sind die für den Cultus bestimmten Fonds unzureichend und das Wenige, was da ist, wird verschleudert. Die französischen Bischöfe unterstützen nicht den Eifer der Missionäre, vielleicht weil es ihnen selbst an Geistlichen fehlt, und wenn ausgezeichnete Persönlichkeiten aus ihren Diöcesen auetrctcn und sich dem Kirchendicnste in Algier widmen wollen, legen sie ihnen Hindernisse in den Weg, so daß der Hochwürdigste Bischof Dupuch allein mit den ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln die Bedürfnisse einer Diöcese befriedigen muß, die fast so groß ist wie Frankreich, und dafür hat er in seinem großen Seminare im Augenblicke fünf Alumnen! Glücklicherweise unterstützen ihn einige religiöse Genossenschaften und besonders die Jesuiten aus allen Kräften, lieber Allen aber wacht die Vorsehung, die auch ohne uns und, wenn cS nothwendig ist, trotz uns zu ihrem Ziele zu kommen weiß. UebrigenS theilt das jüngere Geschlecht, das im Geiste unserer Gebräuche und Civilisation erzogen wird, nicht mehr den Fanatismus der älteren Generation, der im Hinscheiden begriffen ist. Später wird sich also wohl Etwas machen lassen. Für diese Generation, die Alles vom Standpuncte des Fatalismus aus zu betrachten gewohnt ist, ist Mahomed todt, der Franzose hat ihn ge- tödtet; er hätte sich vertheidigen sollen und wehe nun, da er unt.rlegcn ist, dem Ueberwundenen! Diese jungen Leute trinkest unsern Wein und nehmen allmälig Misere Kleidung an, cS in dieß nach der Ansicht Aller, welche die Verhältnisse kennen, ein bedeutender Fortschritt. Ich muß ferner, um gerecht zu seyn gegen Jedermann, noch bemerken, daß Marschall Bugeaud und der General de Bar dem Klerus einen wirksamen und mächtigen Schutz angedeihcn lassen. Madame Bugeaud und Madame de Bar sind zwei sehr fromme Damen, Madame de Bar namentlich steht au der Spitze aller guten Werke. Auch der königliche Gerichtshof und das Parquet haben sehr verdienstvolle Männer in ihrer Mitte. Man hat zwei Vereine gebildet, die eine sehr reiche Zukunft versprechen: einen halb religiösen und halb literarischen, der unter dem Schutze des heiligen Augnstin steht und schon nahe an fünfzig Mitglieder zählt, und den Verein des heiligen Franz R^gis zur Rehabilitation der Ehen. Letzterer namentlich übt auf die öffentliche Sittlichkeit einen sehr heilsamen Einfluß. So hat mir auch der Hochwllrdigste Bischof Dupuch bei einem Besuche in seinem Palais eine sehr tröstliche Thatsache erzählt, die da Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. beweist, daß der gute Samen nicht überall umsonst ausgestreut wird. Als der Prälat mir den Altar in seiner Capellc zeigte, bemerkte er mir: „der Altar, den Sie hier sehen, ist schon Zeuge von neunhundert Bekehrungen gewesen." Es ist dieses wunderbar und beweist, daß das Auge der göttlichen Vorsehung über diesem Lande wacht. Benutzen Sie nun diese Einzelnhciten, wie es Ihnen gut düukt, obgleich ich der Ansicht bin, daß Umsicht und Schonung hier am rechten Platze sind, weil es Wahrheiten gibt, die einzelne Persönlichkeiten verletzen können, — und gerade dieser Umstand ist Schuld daran, daß die Algicrischc Frage so falsch beurtheilt wird. Die Localblätter dürfen nicht Alles sagen, was sie wissen, weil die Kolonie militärisch regiert wird und der Gouverneur jeden Zeitungsschreiber, der Opposition machen würde, auf seine eigene Verantwortlichkeit nach Frankreich zurückschicken kann. Die französischen Blätter und Reisenden aber sagen nicht die ganze Wahrheit, weil sie diese Enthüllungen für unzeitig halten und der Ansicht sind, sie stifteten mehr Schaden als Nutzen. Ich könnte Ihnen darum auch noch Vieles über die kirchliche Verwaltung sagen, — allein dieser ausgezeichnete Bischof Dupuch ist so voll Eifer, Thätigkeit und Liebe, daß ich einige Puncte, die weniger genehm seyu könnten, lieber nicht berühren will. Die neunhundert Bekehrungen sind Bekehrungen von Protestanten und die Angabc schien mir so außerordentlch, daß ich mit die Zahl mehrere Male wiederholen ließ. Wenn man indessen bedenkt, daß die Mehrzahl dieser Protestanten Handwerker, Bauern und arme Leute waren, die hierher gekommen sind, um ihr Glück zu machen, und nichts Anderes gesunden haben, als ein Elend noch gräßlicher als jenes, das sie zu Hause zurückgelassen, daß sie von Allem entblößt bei dem herrlichen Bischöfe eine für ihre Bedürfnisse stets offene Hand, eine unerschöpfliche Liebe, ja, ich möchte sagen, die Zärtlichkeit ein Vaters gefunden haben, so wird es klar, daß Dankbarkeit und der Anblick der Wunder der katholischen Liebe mächtig auf ihre religiöse Ueberzeugung eingewirkt haben müssen. Es sind Bekehrungen, die mehr dem Herzen als dem Geiste entstammen, dadurch aber durchaus nichts von ihrem Werthe verlieren. Was den Marschall Bugeaud betrifft, so ist dieser der Vater und Retter der Colonie und ein wahrhaft ausgezeichneter, hochgesinnter Mann mit etwas soldatischen Formen. Bei seiner Ankunft in Algier erfuhr er, daß die Jesuiten dort sich niedergelassen, was ihm ein etwas vermessenes Unternehmen zu seyn schien. Sogleich ging er in das von den guten Vätern geleitete Waisenhaus und wurde daselbst von dem edlen Pater Brumault, der selbst lange im Heere gedient, empfangen. „Herr, fuhr ihn der General an, Sie sind ein Jesuit ? — Ja wohl, General. — Was machen Sie hier? — Ich will es Ihnen sogleich zeigen." Sie gingen darauf miteinander durch die ganze Anstalt und den General ergriff Bewunderung und eine tiefe Bewegung. „Thuen Sie also nicht mehr als das? fragte er. — Durchaus nichts. — Nun das ist brav, sehr brav. Zählen Sie künftig auf meine Unterstützung und meinen unbedingten Schutz. Seyen Sie meinetwegen der Teufel, nur stiften Sie Gutes. Das ist für mich genug. Ich habe manche Vorurtheile gegen Sie gehegt, allein ich bin nicht der Mann, der an seinen Voruriheilen fest hält, wenn ich sehe, daß sie unbegründet sind." Seit der Zeit hat er die Väter gegen alle Welt in Schutz genommen. Alle Hämmel, die nach der Schlacht am Jsly in unsere Hände fielen, wurden von ihm ausdrücklich für die Armen der Frau d e Bar aufbewahrt, der er sie zuschickte. Liebe aber führt zu Gott!__ Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. <5 ^ ^^»HS - Dei^, v cr <» AugSburger Ppstzeitung H- Erste Jahreshälfte. ÄZ» S. Februar 1845< Noch ein Wort über den heil. Rock. -Das „offene Schreiben an Rongc, von Msriz" citirt aus Sailers Handbuch der Moral III. B. S. 35,2. die schöne Stelle: „Ich kann nicht umhin, den für einen Thoren zu halten, der im Irrthume das Wahre, im Mißgriffe das Gute nicht sieht, und über dem Begriff das Gemüth verwahrloset. Ich betete als Knabe in einer Wallfahrtskirche mit einer Andacht, die ich mir jetzt noch zurückwünsche, und mein Her; huldigte weder dort noch hier einem Irrthume oder einem Mißbrauche, dcun ich hatte nicht Zeit dazu, ich betete nur an und gelobte Gott, dem Herrn, ihm ewig anzugehören." Es ist nun nicht abzusehen, warum nicht auch noch einige verwandte Stellen aus demselben Buche ansgchobcn wurden, wo theils Sailer selbst redet, theils einige Kirchenväter reden läßt, um die richtige Ansicht über den in Frage stehenden Gegenstand fest zu stellen. Sailer sagt ebendaselbst: „Wohl wird kein Weiser auf öffentlichen Straßen ausstehen, und dem Volke sagen: „Kauf dir Bilder, und geh' wallfahrten, damit du fromm und selig werdest." Seite 351 heißt cS: „Es ist wahr, und die heiligen Väter haben es bestimmt ausgesprochen, daß es ein höchstschädlicher Irrthum sey, auf das Wallfahrten so viel Werth und Gewicht zu legen, als wenn die Seligkeit davon abhinge. Der hl. Augustin sagt: Zu Dem, der überall ist, kommt man durch die Liebe, nicht zu Schiff; der Herr sagt nicht: schiffe nach Occident, um Nachlaß der Sünden zu erhalten, sondern vergib, und eS wird auch Dir vergeben werden. Der hl. Hieronymus: Glaube nicht, daß deinem Glauben etwas mangelt, weil du Jerusalem nicht sahest, noch halte mich für besser, weil ich dort wohne: du magst da oder dort seyn, die Vergeltung Gottes richtet sich nach deinen Wer. ken. — Der hl. Gregor von Nyssa: Gib deinen Brüdern den Rath, daß sie sich anstatt nach Kappadocien, nach Palästina zu reisen, vielmehr mit ihrem Geiste zu ihrem Herrn erschwingen. — Der hl. Athanasius: Es ist gar nicht nothwendig, über das Meer zu schiffen, oder weg zu reisen, das Reich Gotteö ist überall." In Betreff der Bilder sagt Sailer sehr schön: „Daß die Bildnisse, besonders welche die Geschichte Jesu darstellen, eine wahre VolkSbibcl seyen; ist außer Zweifel. Was die LescnSun- kundigcn in der Bibel nicht lesen können, das lesen sie am Altar- blatte. .... Es wird indeß keiner wiederholten Erinnerung bc- dürscu, daß alle diese Tugendmittcl, nur für den Tugcndmittcl sind, der sie selbst durch guten Gebrauch dazu macht -c." Anders, als Sailer und die hl. Väter dachten gewiß die unterrichteten Katholiken bei ihrer Wallfahrt nach Trier auch nicht. Abcrgläübige gibt es aber auch außerhalb der katholischen Nirchc, wenn gleich auf andere Weise. Die Lehre der katholischen Kirche über Bilder und Reliquien und ihre Verehrung, wie dieselbe ihre erleuchtetsten Männer zu allen Zeiten vorgetragen und zuletzt das Concil zu Tricnt festgestellt hat, hat sich vor der schärfsten aber unbefangenen Kritik nicht zu scheuen. Hören wir unter andern hierüber einen Bischof von Augsburg aus dem löten Jahrhundert, Wie er sich in seiner Synodalrcde im Jahr 1517 auöspricht. Christoph v. Stadion sagt"): „Du umfassest mit höchster Verehrung die Asche des hl. Paulus; ich verwerfe es nicht, wenn deine Religion dabei ohne Schaden besteht: wenn du aber die stumme und todte Asche ehrest, und sein lebendiges auch jetzt noch redendes und gleichsam athmendes Bild, das in seinen Briefen aufbewahrt ist, vernachläßigst, ist da deine Religion nicht eine verkehrte? Du ehrest die Asche, bei welcher manchmal LcibcSgc- brechcn gehoben werden, warum ehrest du nicht noch mehr seine Briefe, durch welche die Krankheiten der Seele geheilt werden? Du ehrest das aus Stein oder Holz geformte oder mit Farben gemalte Abbild des Angesichts Christi; weit heiliger wird das Ebenbild seines Geistes verehrt, welches durch die höchste Kunst des heil. Geistes in den Schriften des Evangeliums ausgeprägt ist. **) Du hältst es für etwas Großes, daß du zu Hause einen Krcuzpartikcl besitzest, allein das ist nichts in Vergleich damit, wenn du das Geheimniß des Kreuzes in deiner Brust verborgen trägst. Denn wenn diese Dinge den religiösen Menschen ausmachen, was gibt es Religiöseres, als die Juden, von denen die meisten höchst gottlos waren, obgleich sie den im Fleische lebenden JcsuS mit Augen gesehen, mit Ohren gehört und mit Händen berührt haben? Was gibt es Glücklicheres als Judas, der mit ') S. «>. Rede Christ, v. Stadion -c, AugSb. ") In Bezug auf unsern Gegenstand könnte gesagt werde» - Du verehrest das von Menschenhänden gemachte Kleid des Herr», was nützt dir dieß, wenn du nicht den Rock der Gerechtigkeit Christi, seinen Geist, seine Gesinnungen:e, anziehest? „Ziehet den Herrn üesum Christum an Röm, XIII, 14, seinem Munde den göttlichen Mund geküßt hcit? So wahr ist es, l aber den schonen Vorsatz hatte, der tobenden Lust ihren ganzen daß ohne den Geist das Fleisch nichts nützt (Joh. VI. 64.), daß! Lauf ^ lassen, war ihm eine Maske zu unbequem; er trat es nicht einmal der jungfraulichen Mutter des Heilandes etwas! also in das HauS eines ihm wohlbekannten Malers, der ihm gefrommt haben würde, hatte sie Ihn nur aus ihrem Leibe ge-^ aber schon lange heimlich gram war, weil der hochadcliche junge boren und nicht auch in ihrem Geiste seinen Geist empfangen." Herr ihn so verächtlich behandelte, und ihn nur schlechtweg einen Um indeß jeden Lästermund zum Schweigen zu bringen und den sichersten Standpunct zur Beurtheilung dieser Angelehnt zu gewähren, reicht allein und vollkommen hin jener vortreffliche Ausspruch Anstreicher nannte. Der Maler empfing ihn mit verstellter Höflichkeit , und fragte, womit er diene könnte. — Ich möchte gerne an den allgemeinen Lustbarkeiten auch Theil nehmen, ant- deö Conc. zu Tricnt (25ste Sitzung am 3. und 4. Dec. 1563):^ wortctc der Junker, und mich verkleiden; doch so, daß ich für „Von der Anrufung und Verehrung, von den Reliquien der Hei-> Jedermann ganz unkenntlich bleibe, um desto ungcnirt,r recht toll ligcn u»d von den Heiligenbildern", dessen Schluß (Ausgabe von! mich gebärden zu können. Die Harle/.uins-Jackc habe ich hier schon Dr. W. Smcts S. 22!).) hier eine passende Stelle finden dürfte.! bei mir, und nun fehlt nichts weiter, als daß ihr mir das An« Es heißt dort nach Auseinandersetzn»«, der katholischen Lehre:^gesicht mit verschiedenen Farben recht närrisch verstellet. Also an- „Fcrner soll auch aller Aberglaube bei Anrufung der Heiligen, bei! streichet? versetzte höhnisch der Maler. Ja, ja, anstreichen, und Verehrnng der Reliquien und dem heiligen Gebrauche der Bilder ganz und gar überstreichen sollt ihr mich, sagte der Adeliche, gegen weggeschafft, alle schändliche Gewinnsucht verbannt, und endlich alles Schlüpfrige vermieden werden, so daß keine Bilder mit üppiger Schönheit gemalt oder ausgeschmükt, anch die Feier der Heiligen und die Bcsuchung der Reliquien nicht zum Zechen und zur Trunkenheit mißbraucht werden, als wenn die Festtage zur Ehre der Heiligen mit Schweigern und Ueppigkeit begangen werden sollten. Endlich soll von den Bischöfen solcher Fleiß und solche Sorgfalt in Bezng auf diese Dinge verwendet werden, daß dabei nichts Unordentliches, nichts verkehrt oder zusammengerafft Eingerichtetes, nichts Weltliches und Unehrbarcs gesehen werde, weil dem Hause Gottes Heiligkeit geziemt. Damit dieses desto treuer beobachtet werde, so verordnet der hl. Kirchenrath, daß eS Niemandem erlaubt seyn soll, an irgend einem Orte oder in einer Kirche, wenn sie auf was immer für eine Weise crcint wäre, ein ungewöhnliches Bild aufzustellen oder aufstellen zu lassen, wenn cS nicht von dem Bischöfe genehmigt ist, daß anch keine neue Wunderwerke zugelassen, und keine neue Reliquien aufgenommen werden sollen, wenn nicht eben derselbe Bischof davon Kenntniß genommen und sie genehmigt hat, welcher, sobald er über jene etwas erfahren hat, mit Zuratheziehung von Gottesgelchrtcn und anderer frommer Männer dasjenige thnn soll, was ihm der Wahrheit und Frömmigkeit angemessen dünket. Und wenn etwa ein bedenklicher oder schwieriger Mißbrauch auszurotten ist, oder gar über diese Gegenstände eine bedeutend schwierige Frage vorkommt, so soll der Bischof, ehe er den Strcitpunct löset, die Meinung des Metropoliten und der Mitprovincialbischöfe im Provincialconci- lium abwarten, doch so, daß nichts Neues oder bis dahin in der Kirche UngcbräulicheS ohne die Berathung des heiligsten römischen Papstes beschlossen werde." D i e Ein Fastnacht-Stück oder betrogene LU a s K e. ^ Ein adclichcr Jüngling wohnte als Akademiker in einer Stadt, wo man, wie in vielen andern, zur Faschingszeit auf offenem Markte den Unsinn aufs höchste zu treiben pflegt, uud weil er sonst überall mitmachte, wollte er auch hier nicht der Letzte seyn. Allein cS sollte doch dabei seine hohe Familie nicht beschimpft und in Verlegenheit gesetzt werden. Er nahm also zu dem in diesen Tagen so gewöhnlichen Hilfsmittel seine Zuflucht, zur Vcrunstal? tnng sciner GesichtSzüge, die ihm Gott gegeben hatte. Da er cavalicrmäßige Belohnung. Ich will alsvglcich aufwarten, cntgcg- nete der Maler, und bitte nur Platz zu nehmen; er rückte einen Sessel. Da saß nun der Narr iu seinem ganze» Costüm. Der boshafte Maler stellte mit der größten Emsigkeit die Farben zu recht, aber nebenzu ein Glas Wasser, und fing an nach Kräften anzustreichen. Allein statt den Pinsel in die Farben zu tauchen, tauchte er ihn jedesmal nur iu das Wasser, und schlug von Zeit zuZcit ein schallendes Gelächter auf über die vorgegebene abenteuerliche Verunstaltung. Die schon unterrichtete Gattin und Tochter machten beim Ab - und Zugehen den Lärm noch größer, entfernten sich aber zuletzt, unter dem Vorwande, dem Hauptspaß auf offener Straße mit zuzusehen. Das Meisterstück war nuu fertig, der Schalk von Maler konnte vor Lachen kaum zu Athem kommen, und rief auf: So eine Maske wird nirgends in der ganzen Stadt zum Vorschein kommen; der Teufel könnte nicht errathen, wer dahinter stecke. — Der Angestrichene selbst war außer sich vor Freude, und brannte vor Begierde, vor aller Welt sich zu produciren; doch verlangte er vorher einen Spiegel, um sich selbst zu besehen. Der Maler rannte gegen eine Wand DcS Zimmers, um den Spiegel herabzu- nchmen, den er indessen schon vorher auf die Seite geschafft hatte. Donner und Werter, hub er an, die verdammten Weibsleute müssen immer im Spiegel etwas zu gaffen haben. Der meinige ist anch schon wieder sort. Aber ich bitte nnr um eiu klein wenig Geduld, und will alsogleich nachsehen, ob ich ihn nicht finde. Gerade jodelte wieder ein Troß sogenannter Faßnachtsputzcn vorbei, von Gassenbuben und müßigem Pöbel allenthalben umjauchzt, und unser Adclichcr konnte sich nicht mehr halten, um das Vergnügen nicht zu verlieren, auch von der Gesellschaft zu seyn. Er drückte dem Maler ein schönes Stück Geld in die Hand, und ersuchte ihn, die Hinterthüre des HanseS zu öffnen, damit Niemand wisse, wo er herkomme. Die vermeinte Maske war nun im Freien, fuchtelte mit ihrer Peitsche, und machte hunderterlei gaucklcrische Sprünge; — aber Alles staunte und stand wie versteinert bei diesem Anblicke. Von allen Ecken her ertönte es - der Graf N. ist närrisch geworden. Er wäre bei diesem Nnfe vor Schrecken beinahe ohnmächtig darnieder gefallen; denn er merkte, daß ihn alle Leute kannten, nnd wußte nicht, woher das komme. Doch einige seiner adclichcn Kollegen ließen ihn nicht lange im Zweifel, und sprachen: Albert um's HimmclSwillen, was treibst du? — Wie, kennt ihr mich dann? fragte er zitternd und bebend. — Du hast ja keine Maske vor dem Gesichte, versetzten sie ihm. — Bin ich denn nicht durch Farben unkenntlich gemacht? fragte er weiter. Statt der Antwort nahmen sie ihn in ein nahe gelegenes HauS, und hielten ihm einen Spiegel vor das Gesicht. — Bei diesem Anblicke sank Albert, wie vom Schlage getroffen, sinnlos auf einen Stuhl, und erst nach geraumer Zeit war cr im Stande den ganzen Hergang zu erzählen. — Er hatte von nun an den Muth nicht mehr, das Haus zu verlassen, weil man durchgängig mit Fingern auf ihn deutete, und schrieb an seine Eltern einen rcumüthigen Brief, mit der dringenden Bitte, ihn an eine andere Hochschule zu versetzen, was ihm «m so leichter bewilliget wurde, weil es die Familie selbst ihrer Ehre schuldig war. Aber Albert hicng doch immer ein beschämender Flecken dieser Narrheit an, und nie konnte er an den ganzen Vorfall sich erinnern, ohne bis zu Thränen bestürzt zu werden. Würde dieß nicht auch manchem Bachantcn zur Fastnachtszeit widerfahren, wenn sie einen lebendigen Glauben an Gottes Gegenwart halten, der untrüglich weiß, wer hinter jeder häßlichen Larve steckt, und wie viele würden verschwinden, wenn sie beherzigen wollte», was der hl. Petrus Chrisologus bei einer ähnlichen Gelegenheit predigte: „Wer mit dem Teufel scherzen will, kann mit Christus sich nicht erfreuen!" Wie Friedrich Hurter katholisch wurde. (Schluß.) Das nun sind die erkennbaren Führungen, deren Gott zu dieser Konversion sich bediente, die offenen, Jedem zu Gebote stehenden Mittel, welche dazu mitwirkten; welcher Antheil daran den bloß im Himmel bekannt,» Mitteln müsse zugeschrieben werden, bleibt vor den Augen der Sterblichen verborgen. Erst nachdem die Rückkehr des Dr. Hurter in die katholische Kirche erfolgt war, kam es an den Tag, wie viele Gebete von ganzen Klöstern beider Geschlechter, von einzelnen Welrgcistlichen, von vielen Laien zu Rom, in dem übrigen Italien, in Tyrol, Bayer», in der Schweiz, in Frankreich, vielleicht anch in andern Ländern, seit Jahren schon für ihn durch Fürbitte der allerseligsten Jungfrau zu dem Vater aller Gnade gesendet, wie viele heilige Messen zu diesem Zwecke gelesen worden seyen. Noch am Tage seiner Abreise nach Rom wurde iu Paris die Erzbrudcrschaft zum unbefleckten Herzen Maria durch einen Freund des Dr. Hurter zu Gebeten für denselben in Anspruch genommen. Unter solchem fördernden und schützenden Geleite, dessen selbst unbewußt, bestieg cr am 29. Februar dieses Jahres, mit dem festen Borsatz, als treuer Sohn der liebreichsten Mutter, der römisch-katholischen Kirche, sich zu bekennen, den Postwagen. Obwohl er zu Pavia den Ucberrcsten des großen Bischofs von Hippo, die durch wohlwollende Verwendung für ihn aus dem Altar hervorgenommen und der Verehrung ausgestellt wurden, mitten unter vielen herbeigckommencn Geistlichen nur schüchtern sich näherte, und die Gefühle, welche ihn bewegten, in sein Inneres verschloß, weil der Augenblick offener Erklärung noch nicht gekommen war, dankt er doch der stillen Vcncration dieser ehrwürdigen Gebeine Festigung in seinem Vorsatz. Denn größer, preiswürdiger und anziehender mußte ihm eine Institution vorkommen, welche auch nach anderthalb Jahrtausenden noch die irdische Hülle eines Geistes ehrt, dessen Licht fortan sie erleuchtet, dessen Kraft fortan sie durchströmt, dessen Tugenden fortan als Vorbild in ihr glänzen; mag es selbst etwas mehr gewesen seyn, so trat doch in der katholischen Kirche dem ehrfurchtsvoll die Ueberreste Beschauenden ei» Grundzug des eigenen Herzens, als durch sie unter ihre bewegenden Kräfte anfgenommen, Heller vor Augen: unauslöschliche Dankbarkeit, ward diese ein mächtiges Moment der Einigung. Nicht ohne innigste Rührung, in Erncnernng der wach gewordenen Empfindnngcn, wurde bald darauf die lioln- /ione storie» cloeumviitiil» ?I itoiio satt-» hret die Wahrheit und wehret dem Irrthum, sie pflanzt und hütet, sie baut und schützt, sie reinigt und hebt, sie tröstet uud stärkt, sie betet und segnet; sie streitet und leidet, und sie geht, wie sie cö in allen Zeiten, l den, wie die Glieder des einen Leibes mit dem einen gemeinsamen! unerschütterlich auf dem Felsen Pctri, gethan, in Streit und Lei- Haupte; und darum verehren die Gläubigen in dem Bischöfe von! den, in Prüfung und Bewährung voran, zum Siege der Welt Rom dieses Leibes hochwürdigcs Haupt, den Träger der apostoli-! durch den Glauben. Wie das ErlosungSwcrk Jesu Christi die scheu Machtvollkommenheit, in Wort und Weihe, der Kirche ober- größte göttliche That, so ist unsere katholische Kirche daö großartigen Lehrer und Hirten, und ihrer aller allgemeinen geistlichen Vater. Mit dieser Kirche von Rom seyd auch Ihr durch das gemeinsame Band desselben ganzen und ungcthciltcn Glaubens und der nämlichen sieben Sacramcntc auf das innigste verbunden, geliebte Diöcesanen! Die Kirche von Rom ist auch Eure gemeinsame oberste Muttcrkirchc, und ihr Bischos ist auch Euer oberster Lehrer und Hirt und gemeinsamer Vater. Wie die Glieder eines Leibes nur Eines sind in Verbindung mit dem Einen Haupte, und wie hinwieder das eine Haupt für alle Glieder Haupt ist, so ist die römische Kirche und ihr Bischof im innigsten Wcchscllcbcn verbunden mit Euch und Ihr mit ihm. Durch und mit der römischen Kirche seyd Ihr einig in Lehre und Sakramenten, in Glauben, Hoffnung und Liebe, in Hanpt und Gliedern. Durch sie und mit ihr seyd Ihr apostolisch; denn auch nur durch sie sind Eure Hirten, Eure Bischösc und Priester ausgerüstet mit apostolischer Weihe und Gewalt, und nur durch sie s yd Ihr somit eingebaut in die Kirche Jesu Christi auf dem Fundamente der Apostel, auf dem Felsen Pctri. Durch sie allein seyd Ihr verbunden in lebendiger Gemeinschaft mit allen besondern katholischen Kirchen auf der weiten Erde, die da waren, die da sind und die da seyn werden, und durch sie allein seyd Ihr darum, was Ihr hciszct, durch sie allein seyd Ihr katholisch. — Glieder der ganzen katholischen Kirche, Mitgcnossen aller derer, welche auf der ganzen Erde, in ihr und durch sie geführt, streiten und leiste Werk GotteS auf Erden; denn sie ist des einmaligen Erlösungö- wcrkcs immerwährende Fortsetzung, bis Alle in all.» Zeiten und in allen Völkern, durch sie im Glauben geprüft und bewährt, geläutert und gereinigt, cntsündigt und geheiligt, aus Streit und Leiden erhöhen sind zur triumphirendcn Kirche. Wie ist unser katholischer Glaube so erhaben und erhebend, geliebte Diöcesanen! wie ist er voll Kraft uud Milde, voll Trost und Zuversicht, voll Heil und Segen, voll Leben und Bc- seligung, ciu kostbarer Schatz über alle Schätze der Erde! Wir schämen uns seiner nicht, denn wahrlich, er ist eine Kraft Gottes, er ist der Sieg, welcher die Welt überwindet. Und unsere heilige, einige, apostolische, katholische Kirche, wie ist sie so ehrwürdig und groß, so reich begabt und gnadenvoll in dem ihrer Hut anvertrauten Schatze des Glaubens und der Sacramcntc, eine Säule und Grundfeste der Wahrheit, ein Fels der Untrüg- lichkcit, eine Lehrerin des Glaubens, eine Spenderin der göttlichen Geheimnisse, eine Vorkämpferin im guten Streite, eine unbefleckte Braut des Herrn, und eine glorreiche, ewig fruchtbare Mutter der Heiligen. Wir verlciugnen sie nicht, denn wahrlich, sie ist uns eine liebevolle, treue Mutter von der Geburt bis zum Grab, eine Quelle alles Heils in Zeit und Ewigkeit. In ihr ist es gottgefällig leben, und in ihr ist es gut sterben. Wahrhaftig, unser Glaube ist ein gutes Bekenntniß, und unsere Kirche ist wahrhaftig die Gemeinschaft Gottes und seiner Heiligen. -— So bekennet denn anch diesen Glauben, geliebte Diöcesanen; den für das Himmelreich, und Mitgenossen aller der zahllosen bekennt ihn mit Herz und Mund, in Wort und Wandel, in Ge- Edlcn und Heilige», welche »uter ihrem Segen zu allen Zeiten sinnuug uud That, denn wer mit dem Herzen glaubt, wird ge- und in allen Völkern aus Leid und Streit eingegangen sind zum recht; wer aber mit dem Munde bekennt, der wird selig. So Siege und zur Verklärung. Und diese Kirche ist cS, welche den von Christus uud seinen Aposteln überantworteten Schatz de Glaubens unversehrt und den Gnadcnbrunncn der Sacramcnte unvcrsiegt bewahrt hat, wie für alle Völker und Zcitcn, so für Euch. Sic ist cö, welche ihre geweihten Diener als Lehrer und Hirten in Eure Mitte sendet, um Euch in alle Wahrheit einzuführen und Euch die Gnadenflllle GotteS zu spenden. Sie ist'S, die Euch durch die Taufe wiedergeboren hat zum Reiche GotteS, und Euch aus Kindern der Finsterniß erhoben hat zu Söhnen des Lichtes. Sic ist es, die Euch erfüllt hat mit dem heiligen Geiste und allcn seinen Gaben zur Erleuchtung und Stärkung im heiligen Streite. Sic ist es, die, wenn Ihr verloren wäret in Vcr- irrung und Sünde, Euch zurückgeführt und Euch Verzeihung und Sühne gebracht hat. Sie ist es, die Eure Seele genährt hat mit dem göttlichen Leibe und Blute zum ewigen Leben. Sie ist eZ, die Enre Ehe segnet zu einem heiligen Bunde und zu einem großen Sacramcntc in Christus und in ihr. Sie ist cs auch, bekennet Euch denn als Glieder der einigen, heiligen, apostolischen, katholischcn Kirche; bekennet Euch als ihre Kinder, treu und furchtlos, und haltet unwandelbar fest an ihrer segenvollen Gemeinschaft. Wachet, stehet fest im Glauben, handelt männlich und seyd stark! Streitet mit ihr einen guten Streit, damit Ihr, durch sic geführt und gestärkt, nach rechtem Streite die Krone erlanget. Durch alle Jahrhunderte ist die hl. Kirche in dem Got- tcSftreite vorangegangen, hat alle Verfolgungen und Prüfungen siegreich bestanden und hat die tausendmal Tausende ihrer Getreuen aus Prüfung und Leiden zum Siege der Welt geführt durch den Glauben; und nun rnft sic auch Euch, geliebte Diöccsa- ncn, zu demselben Streite in gleicher Prüfung, damit auch unter Euch die offenbar werden, welche in den schlimmen Tagen sich bewähren. Noch wird unsere Kirche angefeindet, wie könnte das auch anders seyn, sic blieb ja die wahre Braut des Herrn; und noch wird ihr Glaube angefochten, er biicb ja die Wahrheit! Die Weisheit der Welt widerstrebt ihm, der Unglaube haßt und vcr- 'motti^I laugnet ihn, der Irrglaube bekämpft ihn, der Stolz verachtet ihn, die Selbstsucht lehnt sich gegen ihn auf, die Lauheit weiset ihn von sich ab, die Befangenheit miszkennt ihn, die Unwissenheit entstellt ihn, und die Leidenschaft schmäht und lästert ihn; und wie der Glaube angefeindet wird, so auch seine Bewahren», unsere hl. katholische Kirche. Aber wenn sie auch leidet, so wird sie dennoch nicht zu Schanden; denn sie weiß, an wen sie glaubt, und sie halt fest an der Ueberzeugung, daß der, an den sie glaubt, Macht hat, ihre» Glauben zu wahren bis zu jenen Tagen. So haltet denn auch Ihr fest an dieser Ueberzeugung und streitet und leidet mit ihr, denn auch Ihr wisset ja, an wen Ihr mit ihr glaubet. Wenn auch Einige unter Euch sind, welche Euch verwirren mochten und das Evangelium Christi verkehren, lasset Euch von Niemand irre führen. Snt achtzchnhundert Jahren war der Herr bei seiner Kirche, und er ist es auch heute noch, wie immer, dessen seyd in freudigem Vertrauen gewiß. Wenn auch Manche wider sie ankämpfen und mit allerlei Arglist und Kunstgriffen ihren Glauben verhüllen, lasset Euch nicht erschrecken, sie bewahret immer noch die ganze Gotteskraft des ungefärbten Glaubens zum Siege über die Welt. Und sehet Ihr sie auch die Kirche bekämpfen und ihren Felsen anfeinden, lasset Euch das Herz nicht bange werden, der Fels steht fest und unerschütterlich die Kirche auf ihm, und nimmermehr sollen die Pforten der Hölle sie überwältigen. Und höret Ihr auch die Winde brausen und sehet die Wellen erzürnt sich auflhürmen und ihre schäumenden Wasser an das Schiff der Kirche schlagen, seit getrosten Muthes, der Herr ist im Schiffe, und er schläft nicht. Wenn es auch scheinen möchte, die Wuth der Winde und Wogen würden das Schiff zerschellen; der Herr schläft nicht, und er wird den Winden und Wogen Stille gebieten, wenn cö ihm gefällt. Wenn er ihnen auch in ohnmächtigem Zorne zu toben erlaubt, so ist ja eben das feine große Heilsordnung, daß er auch solches zuläßt, was ihr feindlich widerstrebt; aber es muß dennoch zuletzt Alles dahin aus- schlagcn, seine göttliche Absicht zu befördern, damit uns daraus seine Macht und Größe nur um so deutlicher sichtbar werde. Er läßt es zu, daß sein Glaube und seine Kirche angefochten werden, damit auss Neue ihre Gotteskrast sich offenbare, und damit, wie die früheren, so auch dieses Geschlecht wiederum erkennen lerne, daß der Herr selbst sie auf dem Felsen behüte und alle Macht der Hölle nichts wider sie vermöge. Er läßt seine streitende Kirche geprüft werden und Euch mit ihr, damit auch Ihr in ihr und mit ihr bestehet. Aus der Prüfung nur erwächst ja die Bewährung; der Streit nur führt zum Siege, und der Sieg allein gewinnt die Krone. So gewinnt denn die Krone in und mit der heiligen Kirche, geliebte Diöccsanen; so streitet denn mit ihr in gutem Streite, damit Eure Bewährung offenbar werde. Ziehet an die Rüstung Gottes, damit Ihr am bösen Tage widerstehen uud in Allem unerschütterlich aushalten könnet; denn wir haben nicht bloß zu streiten wider Fleisch nnd Blut, sondern auch Wider die Mächte und Gewalten, die jetzt wirksam sind in den Kindern des Unglaubens. Darum stehet fest, Eure Lenden umgürtet mit Wahrheit und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, strcitesfreudig und leidensmuthig für das Evangelium des Friedens. Ergreifet den Schild des Glaubens, au welchem alle feurigen Pfeile abprallen, und nehmet den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, das Wort Gottes in seiner Kirche. — Die heilige Kirche rufet Euch i» ihre Kampfcsrcihen, und wenn sie auch mit dem Propheten nicht aufhört zu rufen, so hebt sie nun besonders in diesen bevorstehenden Tagen ihre Stimme, gleich der Posaune, und rufet ihre Getreuen. Die heilige Zeit, die Zeit der vierzig-- teigigen Fasten, kehret wieder, und mit ihr kommen die gvttgcwcih- tcn Tage der Sclbstkcnntniß und Abtödtung, der Betrachtung und des Gebetes, der Buße und Besserung, des erneuerte» Glaubens, der vermehrten Hoffnung und der gesteigerte» Liebe. Die Kirche ruft — wohlan denn — so höret ihre Stimme und reibet Euch unter ihre Fahne! Wachet, stehet scst, handelt männlich und seyd stark! — Mit verdoppeltem Eifer verkünden ihre Priester in diesen Tagen vom heiligen Lchrstuhlc den von ihr in allen Jahrhunderten lauter und unversehrt bewahrten katholischen Glaube»; so kommet denn, kommt und vrrnehmet mit erneuerter Bereitwilligkeit die hohen Lehren, die der Herr ihrer unfehlbaren Obhut anvertraut hat. Mit vermehrter Hirtc-isorge öffnen ihre Priester den Gnavcnbrunnen der Kirche und bieten Euch in den Sacra- mcntcn der Buße und des Altars die Schätze der Erbarmuugcn Gottes; so kommet, kommt und schöpfet daraus das ewige Leben! — Ihr Furchtsamen und Kleingläubigen, die Ihr banget für die Kirche und ihren katholischen Glauben, uud besorgt seyd, sie werde wanken und erliegen unter den Anfeindungen und Schmähungen dieser schlimme» Zeit: kommet, kommt uud schöpfet Euch Muth und Trost in ihrem Gottvcrtrancn, ihrer Strcitcsfrcu- digkeit und ihrem Leidcnsmuthc, und lernet bei ihr, daß ihr Glaube hoch erhaben ist über alle Anfeindung und Schmähung, und daß sie selbst, auf den Felsen gebaut, unerschütterlich fest steht gegen alle Höllenpforten. Ihr Lauen und Wankenden, die Ihr den verführerischen Worten und Zweifeln eitler Wcltwcishcit, welche nur niederreißen kann, aber zum Aufbauen ohnmächtig ist, Ench zuneiget, und den Lehrern nachhänget, die die Ohren kitzeln, kommet, kommt und lernet von der Kirche, welche die Lehre und die Sacramcnte unmittelbar vom Herrn selbst erhalten hat, die wahre Weisheit, die Wissenschaft des Heils, das Licht, welches in die Finsterniß leuchtet, und den Weg zur Wahrheit uud zum Leben, und holet Euch Muth und Sündhaftigkeit, bei den Ueberlieferungen, die sie Euch gelehrt hat, in gläubiger Anhänglichkeit zu beharren. Ihr Starken und Getreuen aber, die Ihr Eurem katholischen Glauben und Eurer Kirche mit aufrichtigem Herzen anhänget und mit Her; und Mund sie bekennet, kommet auch Ihr, kommt und holet Euch neue Freudigkeit, zu streiten und zu leiden mit ihr, holet Euch gesteigerte Siegeszuversicht und vermehrte Gewißheit, daß der Herr mit seiner Kirche ist und daß sie auf dem Felsen unüberwindlich besteht bis anö Ende der Zeiten. Kommet, kommt Ihr alle, die ihr durch die eine Taufe in dem einen Glauben zu einem Leibe der katholischen Kirche eingebaut seyd, kommt und holet Euch in ihr Entsündigung und Heiligung, Erleuchtung und Erhebung, Beharrlichkeit und Stärke, Trost nnd Zuversicht zur Prüfung und Bewährung, zu einem gottgefälligen Leben und einem seligen Sterben in Glauben, Hoffnung und Liebe. Bekennet Euch laut und offen zu der einen, heiligen, apostolischen kathol. Kirche, hallet unerschütterlich fest an dem Felsen, auf den der Herr sie gebaut, und bekennet furchtlos und ohne Wanken ihren heiligen Glauben in Wort und Wandel, in Gesinnung und That. Wachet, handelt männlich und seyd stark, und machet Enren Glauben lebendig durch des Glaubens Werke, durch die Früchte des Geistes, die da sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmuth, Milde, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit. Diese Früchte bringet und beweiset Euch so als die wahren Bekenncr unseres katholischen Glaubens und unserer heiligen Kirche, als die ächten und rechte» Katholiken — in Treue und inniger Ergebung gegen Gott, in T: cuc und fester Anhänglichkeit an Euren Glauben und Eure katholische Kirche, in Treue und Ehrfurcht gegen den zum Glücke Seines Volkes von Gott gesetzten König, in Treue und Hingebung gegen das Vaterland, in Treue und Gehorsam gegen die bestellte Obrigkeit, in Treue und Unter- thänigkcit gegen die verordneten Gesetze und in Wohlwollen, Frieden und Liebe gegeu alle Menschen. Also sind wir, dem Kaiser gebend, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist, katholisch, geliebte Diocc sauen, und katholisch wollen wir seyn und bleiben; katholisch wollen wir leben, und katholisch wollen wir sterben, so uns Gott dazu verhelfe und seine Gnade! Gelobt sey Jesus Christus! — in Ewigkeit. Amen! Ein englischer Naturforscher über das Ilut des heiligen Januarius zu Neapel. (Aus FroricpS „neuen Notizen aus dem Gebiete der Natur - und Heilkunde," XXXI. Band, Nr. w.) Ueber das alljährige Flüssigwerdcn des Bluts des heiligen Januarius zu Neapel hat der bekannte Naturforscher Charles Watertou (derselbe, welcher früher schon seine „Wanderungen in Südamerika, ^VanclerinZs in soutlr-America beschrieben) in einem so eben von ihm veröffentlichten Theile seiner Selbstbiographie folgende Beschreibung milgctheilt: „Die Flasche, in welcher sich von dem Blute des heiligen Januarius befindet, ward aus der dem Heilige» geweihten Capellc genommen und auf den Hochaltar der Kathedralkirche gestellt, worauf das gesammte Volk die Litanei der allerscligsten Jungfrau absang und mehrere andere Gebete laut hersagte. Als dieß vorüber war, wurde die silberne Statne des Heiligen in feierlicher andächtiger Procession aus der Capelle geholt und ebenfalls auf den Hochaltar gestellt. Alsdann ward das Hochamt in der dicht mit Menschen gefüllten Kathedrale gefeiert und nächstdem die Flasche mit dem Blute von einem Canonicus mitten in das Schiff der Kirche getragen, damit alle Anwesenden, die Neigung dazu verspürten, das Blut wirklich sehen und die Flasche küssen könnten. Es waren zwei Flaschen vorhanden; eine große, welche von dem Blute enthielt, wie cS wahrend der Hinrichtung des Märtyrers auö dessen Wunden geflossen war, und eine kleinere, in welcher das Blut noch mit dem Sande vermischt ist, auf welchen cS bei der Hinrichtung floß. Beide waren in einem sehr starken und schön verzierten Gehäuse von Silber und Glas eingeschlossen. Ich küßte das Gehäuse und konnte mich bei dieser Gelegenheit durch den Augenschein davon überzeugen, daß das Blut fest war. Tausende von Menschen aller Stände, vom Fürsten bis zum Bettler, befanden sich in demselben Falle wie ich, und der Canonicus, welcher das Gehäuse hielt, während ich scharf in dasselbe hineinsah, bog es zum Oeftern von einer Seite zur andern, um zu zeigen, daß das Blut nicht flüssig sey, wobei er das GeHänse nur mit den Fingerspitzen berührte. Ich habe vergessen zn bemerken, daß gleich nach Abhaltung des Hochamtes eine Anzahl Frauen in die Capelle eingelassen Wurden. Dieß ist ein Vorrecht, welches gewisse mit dem heiligen Januarius verwandte Familien seit undenklichen Zeiten besitzen. Diese Frauen sagten die Litanei der seligen Jungfrau laut her und schickten andere inbrünstige Gebete zum Himmel empor, wobei sie sich in einer schwer zu beschreibenden Weise gebcrdeten. Fremde, die mit der italienischen Sprache nicht oder nur unvollkommen be- kannt sind, und die den durch einen sol-ben Act erregten Enthusiasmus nicht theile», haben behauptet, diese Frauen schimpften und schmähcten den Heiligen, weil sein Blut nicht so schnell flüssig werde, als man es wünsche; allein dieß ist durchaus ungegründet. Ich befand mich, während die Frauen beteten, dicht bei ihnen, und ich hörte weder Drohungen noch Schimvfwvrte, sondern nur Aeußerungen der andächtigsten Begeisterung. Als meiiie Uhr 1 Uhr Nachmittags zeigte, hatte sich das Blut »och in keiner Weise verändert, und viele Menschen waren nach Hause gegangen, so daß die Kirche bedeutend kühler geworden war. Genau um drei Viertel auf zwei erschien-aber Plötzlich das Blut flüssig. Der Canonicus, welcher das Gehäuse trug, ging dicht vor mir vorüber und ich begleitete ihn bis zum Hochaltar, wo ich die Flasche küßte und mein Gebet mit dem der Versammlung vereinigte, welche Gott den Allmächtigen für das Zeichen seiner Gnade pries, das er den Gläubigen so eben durch ein unergründliches Wunder ertheilt hatte. Eine Stunde später küßte ich die Flasche noch einmal und »ach Verlauf derselben Zeit von Neuem u. s. w,, im Ganzen fünfmal. Dabei sah ich denn jedesmal, daß das Blut vollkommen flüssig geblieben war und durchaus keine Neigung zum Gerinnen zeigte, obgleich um fünf Uhr Abends die Luft in der Kirche sehr kühl geworden war. Um diese Zeit küßte ich die Flasche an jenem Tage (am 19. September) zum letzten Male. Ich war über acht Stunden fortwährend in der Kirche geblieben und hatte Alles, was sich darin zutrug, mit gespanntester Aufmerksamkeit beobachtet. Am 23. September besuchte ich die Kathedrale von Neuem, in der Stunde von neun bis zehn Uhr Morgens, gleich nachdem in der Capelle des heiligen Januarius das Hochamt gehalten warben war. Ich untersuchte das Blut auss Genaueste. Es bildete einen Klumpen und War durchaus unbeweglich; der Canonicus drehte die Reliquie vor meinen Augen um und um. Dieß war keine besondere Vergünstigung. Der ärmste Mann konnte so gut, wie die Königin Wittwe, die sich gerade in der Capellc befand, in diese eintreten und die Reliquie beschauen. Wenige Minuten vor 10 Uhr wurde das Blut wieder flüssig uud ich besichtigte dasselbe wiederholt in seinem flüssigen Zustande, wie ich es am Nachmittage des 19. Septembers gethan. In meinem ganzen Leben hat nichts einen so gewaltigen Eindruck auf mich gemacht, als dieses Wunder. Alle meine früheren Erlebnisse traten vor diesen, Ereignisse in den Hintergrund zurück, und ich spreche hiermit als meine vollkommenste Ueberzeugung aus, daß das Flüssigwerden des Blutes des heiligen Januarius ganz unzweifelhaft durch ein Wunder bewirkt werde." . Das hl. Collegium am ersten Januar 1843. Am ersten Januar 1845 bestand das hl. Collegium aus 59 Eminenzen, davon 6 Cardinalbischöfe, ä3 Cardinalpriester und 10 Cardinaldiacone, wornach also 11 Titel vacant waren. Der älteste Cardinal ist zur Zeit der Hochw. Erzbischof von Genua: Pla- cidus Maria Tadini aus dem Carmeliten-Orden, geboren den II.Oct. 1759, der jüngste aber ist der Hochw. Herr Friedrich Joh. Jos. Cölestin Fürst v. Schwarzenberg, geboren den 6. April 1809, deren Geburtszeit sonach gerade ein halbes Jahrhundert auseinander liegt. Außer den sechs Cardinalbischöfcn, die, wie bekannt die Oberhirten von sechs in der Nähe von Rom sich befindlichen Kirchen sind, sind 23 Cardinäle zugleich noch Obcrhirtcn von anderen Kirchen, als Patriarchaten, Erzbisthümern oder Bis- thnnl'rn. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber : F. C. Krem er. <5 ^»s-- B-iz. d r " / . * / Rttgsburgev Poftzeitttng Erste Jahreshälfte ^ 1«. Februar 1845. Deutschland. Mission in Waging in Oberbayern bei Salzburg. * Ueber die Mission in Waging, welcher in der Postzcitung Nr. 16. in der Beilage erwähnt worden, schreibt nachträglich ein Augenzeuge vom Wagingersee am 6. Febr. Folgendes: Sie wünschen zu erfahren, ob die Früchte der Mission, welche vom 22. bis 28. Dec. v. I. im Markte Waging sechs Bäter des heiligsten Erlösers aus Altötting gehalten haben, auch andauernd sind? Bei Einzelnen mag der Eindruck, den ihre Predigten gemacht, wohl ein vorübergehender seyn, bei der Mehrzahl ist er aber nachhaltig. Ein Beweis hievon scheint mir die noch zur Stunde bestehende Fortdauer von Gcneralbeichtcn auch in den Waging zunächstliegenden Scelsorgen Otting nnd Tcttenhausen, von wo aus alle Predigten besucht worden; das Schweigen des sonst auch die Nachtruhe störenden Gejodels zc. ausgelassener oder betrunkener Jünglinge, und der Tanzmusik seither, auch au den Fastnachtstagen. Da ähnliche gute Früchte die Väter des heiligsten Erlösers durch ihre Predigten auch in und um Altötting bleibend hervorbrachten, so scheint dieß Veranlassung gegeben zu haben, daß sie selbst höhern Orts sollen angegeben worden seyn, „sie machten durch ihre Predigten und Lehren im Beichtstuhle Kopfhänger und Schwärmer:c.," obgleich sie sich getreu an die Moral ihres Stifters, des heiligen Alphvus Liguori, halten, welche bei ihrer Approbation in Rom das Zeugniß erhalten hat, daß sie die goldene Mitte zwischen zu großer Strenge und Leichtigkeit halte. Wie verschieden ist doch unser Zeitalter von der Mitte des vorigen Jahrhunderts! In den Archiven der vormals nach Salzburg gehörigen Seelsorgen Waging, Tcttenhausen :c., liegt noch ein obcrhirtlicheö Generale vom 7. April 1752, in welchem den Seelsorgern angezeigt wird, daß unterm 26. Febr. an alle hochfürstlichc Pflcggcrichte die geschärfteste landesherrliche Verordnung ergangen sey zur Abstellung der eine Zeit her in Schwung gehenden nnehrbarcn, starkvcrbotcnen sogenannten Walzertänze. Zugleich werden darin die Seelsorger ermahnt, auf der Kanzel wider solches unverschämtes Tanzen schärfest zu predigen, und die Uebertrctcr bei fruchtlos gütlicher Abmahnung ent weder der obcrhirtlichcn Stelle oder der weltlichen Obrigkeit anzuzeigen. — Da dieser Walzertanz jetzt allgemein gebräuchlich ist, und unstreitig, als großes Reizmittel zur Unzucht, zu den vorzüglichsten Ursachen der noch immer im Wachsen begriffenen Anzahl der vielen unehelichen Geburten gehört; so ist ja das Aufhören solcher Tanzgesellschaften durch das scgcnvollc Wirken der Väter des heiligsten Erlösers offenbar ein Zeichen erwachender religiös-- sittlicher Bildung, und nicht Folge überspannter Moral und Kopf- hängerei ! Eiferte man doch gegen die unsittlichen Folgen ungleich schuldloserer Tänze unter dem Churfürsten Maximilian dem Großen in Bayern durch eine Verordnung, die also lautet: „Weil bekanntlich durch die feiertäglichen Abcndtänzc auf dem Lande dem jungen Bauernvolke zu Leichtfertigkeiten Anlaß gegeben wird, auch daraus vielfältig Naufhcindcl und Todtschlägc oder sonst schwere Leibesbeschädigungen erfolgen; so sollen die Tänze auf den Kirchtägen und andere feiertägliche Tänze auf dem Lande im Sommer um vier Uhr, und im Winter um drei Uhr beendigt seyn, und von keiner Obrigkeit länger geduldet werden. Alle seit 1553 ncucrrichtcten Tanzpläze, und die neu angestellten Bubcntänze sollen gänzlich wieder abgeschafft, und alle Leichtfertigkeit im Tanzen, besonders das grobe Halsen, Drücken (was bei dem Walzertanze ungleich mehr geschieht), das ungeschickte, leichtsinnige Zusammenlaufen, Halten und Herzen, Herumschwingen, bei ernstlicher Strafe vermieden werden." Solche Verordnungen wären unstreitig sür unsere Jugend sehr nothwendig und heilsam, wenn sie im Uebertrctungssalle dnrch körperliche Züchtigungen unterstützt würden; denn Geld- und Gefängnißstrafen fürchtet man nicht. In einem königlichen Landgerichte, deren Vorstand die Raufer jedesmal öffentlich mit Stockschlägen züchtigen ließ, brachte man es bald dahin, daß in Gasthäusern Ruhe herrschte. Allein Beschränkung der herkömmlichen Vergnügen der Jugend und körperliche Züchtigungen werden in unserm freisinnigen Zeitalter als Verletzung der unveräußerlichen Vernunft und FrciheitSrechte betrachtet. Und doch gibt es kein anderes Erziehungsmittel für Menschen, die als Sklaven ihrer Leidenschaften sich selbst nicht beherrschen können, sie mögen in den Jahren der Kindheit oder des Mannes-Alters zur Sclbstcrzichung gci- stcönnmündig seyn. Daher in den göttlichen Urkunden Gott seinen Stellvertretern, den Eltern und Fürsten, den Gebrauch der Zuchtruthc und des Schwertes, der körperlichen Züchtigungen befiehlt, um GcisteSunmündigc in jedem Alter zur Sclbsterziehunz zubewegen, wodurch die Mcnschcnrcchte nicht verletzt werden, da Gott allein daö Recht zusieht, dieß zur Förderung seiner Ehre und zum Mcnschcnwvhl zu befehlen. Wie Eltern, wenn sie diesen Befehl Gottes nicht vollziehen, wegen Unterlassung dieser Pflicht von ihren entarteten Kindern mißhandelt werden, so die weltlichen Fürsten durch revolutionäre Unterthanen. So lehrt die Geschichte besonders in unsern freisinnigen Tagen. Wo finden aber gottes- furchtige Fürsten, wenn sie diese ihnen von Gott gebotene Pflicht erfüllen und seine Ehre fordern wollen, eine Mehrzahl von ihnen Bevollmächtigter, welche ihre Verordnungen gewissenhaft vollziehen? Auch in diesen Gegenden werden, ungeachtet der bestehenden Gesetze , die Frcinächtc fast bei alle» Hochzeiten und Frcitänzen geduldet.— Dank und Ehre unserm guten, allgcliebttn König Ludwig, der bei solchen Verhältnissen durch ein außerordentliches geistliches Erziehungsmittel, durch die Missionen der Priester des heiligsten Erlösers, der göttlichen Pflicht zu genügen, und dem moralischen Verderben des Landvolkes zu begegnen sucht! Bei der herrschenden Abneigung aber gegen Beschränkung der sündlichen Wcltver- gnü'ge», besonders bei eigennützigen Wirthen, denen mehr am zeitlichen Gewinn als am Seclenheile liegt, ist es eben kein Wunder, daß die Väter deö heiligsten Erlösers in Altötting, die schon als Wallfechrts-Priester die Sittlichkeit weithin fördern, als überspannt in ihren Predigten und Lehren im Beichtstühle verschrieen Werden, da sie durch ihr segcnreichcs Wirken an diesem Gnaven- ortc und bei den Missionen die Eltern zur HauSzucht und die Jugend zur Aufgebung der verliebten, sündhaften Bekanntschaften mit Personen des andern Geschlechtes, so wie zur Wegbleibung von den in unsern Tagen so ärgerlichen Frcitänzen bewegen. Es stehen aber deßwegen im Markte Waging und in andern Orten, Wo Missionen waren, die Gasthäuser nicht leer, nur ruhig und mäßig genießt man jetzt diese gesellige Erheiterung, und man geht jetzt vor der Polizeistunde nach Hause. Ein Wirth sagte sogar, er habe jetzt mehr Gewinn, weil ihm durch Betrunkene und Raufende keine Geschirre mehr zerschlagen werden. Auch in den Bauernhäuscrn hat der gesellige Besuch nicht aufgehört, wo die Hausväter die sogenannten Heimgarten der Liebhaber ihrer Töchter und Mägde nicht mehr gestatten. Sobald die Bußtrauer, die der Apostel nothwendig und heilsam nennt, vorüber ist, sieht man die Jugend heiterer und fröhlicher als zuvor, wo man den innern Unfrieden nur durch lärmende, ausgelassene Vergnügen zu beschwichtigen suchte. Bei so heilsamen Früchten der Missionen ist zu hoffen, daß Verlangen der Seelsorger und Gemeinden darnach bald allgemein werden wird. Das hie und da noch herrschende Vorur- thcil, durch Missionen würde das Ansehen der Seelsorger und ihrer Predigten herabgesetzt, kann nur in der Unwissenheit der Selbstgefälligkeit ihren Gründ haben, da der Apostel ausdrücklich lehrt: „Weder der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt." Pfarrkindcr, die auch im Markte Waging der genannten Meinung waren, wurden bei der ersten MissionS-Predigt von diesem Vorurthcile ganz befreit, als der geistvolle Prediger sagte: „Erwartet ja nicht, daß wir euch andere Wahrheiten predigen als euer Seelsorger. Er berief uns nur, weil er euch vorzüglich liebt, wie ein Arzt einen andern zu Hilfe zieht, wenn er bemerkt, daß der Kranke seine Anvrdnun- ' gen nicht befolgt, in der Hoffnung, er werde die eines andern ^ eher befolgen." — Wer weiß nicht, daß sich das Volk an die ! geistvollsten Predigten gewöhnt. Ein nie gehörter Prediger von > geringern Gaben macht der größern Aufmerksamkeit wegen ost 5 ungleich mehr Eindruck auf die Zuhörer. Ein vorzüglicher Grund 1 der Wirksamkeit der Missionen liegt aber in ihrem Außerordentlichen, s 1 daß die Rcligionsvorträgc vorzüglich über Buße und die vier letz- > tcn Dinge mehrere Tage nacheinander täglich drei odcr viermal statthaben, und durch diese geistlichen Uebungen die Zuhörer ohne nachtheiligen Einfluß der gewöhnlichen Zerstreuungen zur Selbstkcnntniß gebracht werde». Ich sage ein vorzüglicher; denn der vorzüglichste Segen der Missionen besteht unstreitig in der Wirksamkeit außerordentlicher, göttlicher Gnaden, die das Wort in den Herzen lebendig machen, und zwar auf die Fürbitte der heiligen Stifter der MissionS-Priester, was vor allen die Seelsorger beherzigen sollen, denen ja die Aussprüchc des alten und neuen Bundes über die Krast des Fürbittgcbetcs und der Verdienste der Heiligen nicht unbekannt sind. Als Gott daö Volk Israel des Götzendienstes wegen vertilgen wollte, bat MoseS um Schonung desselben, und der Herr ward versöhnt. Im dritten Buche der Könige spricht Gott zu Salomon, als er schwer gesündigt hatte, daß er wegen David, seines Dieners, die Strafe verzögern wolle. Und im vierten Buche der Könige heißt es: „Aber der Herr wollte Juda nicht vertilgen um DavivS, seines Knechtes, willen." Wenn wir im alten Bunde mehrere solche Stellen lesen, daß sich Gott um Moses' und Davids oder ihrer Verdienste und Fürbitte wegen des sündhaften israelitischen Volkes erbarmte, Jesus selbst lehrt, daß sich die Heiligen im Himmel um unser Seelenheil bekümmern, indem sie sich sreuen über einen Süudcr, der Buße thut, und der heilige Cvpricm mit dem Papste Cornelius einen Vertrag machte, „daß, wer auö ihnen zuerst zu Gott kommen würde, derselbe dessen Barmherzigkeit für die Gläubigen auf Erden unablässig anflehen sollte;" werden nicht auch durch die Fürbitte des heiligen Alvhons Liguori und der gnadenvollcn jungfräulichen Gottes Mutter, die dieser Heilige stets so vorzüglich verehrte, bei den Missions - Predigten der Priester der von ihm gestifteten Gesellschaft des heiligsten Erlösers größere, außerordentliche Gnaden der Buße und Beharrlichkeit im Guten den Zuhörern derselben zu Theil werden? Wenn die Liebe nicht stirbt, wie der gottselige Bischof von Sailer zu sagen pflegte, so werden die Gerechten nicht aufhören, auch im Himmel für uns zu bitten. Dieser Liebe wegen haben wir ein besonders großes Vertrauen auf die Fürbitte der jungfräulichen Mutter Jesu bei ihrem Sohne. Man bemerkte daher einen großen, bleibenden Eindruck iu der ersten Missions- Predigt in Waging, als der Prediger die Zuhörer versicherte, seine Mitbrüder werden während dieser Mission am Gnadenorte Alt- ötting, wo es Gott gefällt, wie einst am Teiche Vethcsda, grössere Gnaden zu ertheilen, täglich die seligste Jungfrau um Fürbitte anrufen zur Erlangung der Gnade der Buße und Heiligung. Wie im alten, so ertheilt Gott auch im neuen Bunde durch das Fürbittgebet außerordentliche Gnaden, wie die Kirchengeschichte lehrt. Um nur ein Beispiel anzuführen, lesen wir im Leben der gottseligen Schwester Maria von Valencc, das die Pariser Universität gutgeheißen hat: „Gott sprach öfters zu ihr, ihrer wegen wolle er eiue große Anzahl Seelen dem Unglauben oder der Ketzerei entziehen, ihrer wegen wolle er eine zahlreiche Menge Sünder aus ihrem Lasterleben erretten." Boudon setzt hinzu: „Sie diente in ihrem Kämmerlcin nur Gott durch Gebet und ein heiliges Leben. Während in den Augen der Menschen die Missionäre den Ruhm der Bekehrung jener bekehrten Personen davon trugen, gebührte er in den Augeu Gottes dieser armen Frau, die iu ihrer Jugend eine kurze Zeit verehelicht gewesen war." Ohne außerordentliche Gnaden würden, nach dem Verluste der ordentlichen, zahllose Seelen verloren gehen; denn das Gleichniß Jesu von der nicht gleichen Zahl der Talente lehrt, daß Gott jedem ein bestimmtes, jedoch hinreichendes Maaß der Gnaden ertheilt. Wirkt der Mensch »ach seinen Fähigkeiten mit der innern Anregung und Erleuchtung der Gnade nichl mit, begräbt er sein Talent in die Erde: so bleibt er in Zukunft bei den geistreichsten Predigten seines Seelsorgers so lange verhärtet, kalt und gleichgiltig in seinem Herzen, bis ihm Gott durch besondere Vermittlung außerordentliche Gnaden ertheilt. Dieß geschieht vorzüglich durch die Missionen auf das Fllrbittgebet ihrer heiligen Stifter zc. Die Wahrheit dieser Behauptung erwies sich auch bei der Mission in Waging. Ich hörte viele Zuhörer der Predigten derselben sagen: Ost schon hörte ich diese Wahrheiten in Predigten, im Beichtstühle, ich wußte sie schon lange, aber sie rührten mich nicht, ich erkannte mich nicht schuldig. Jetzt aber habe ich Tag und Nacht keine Ruhe, cö mahnt mich immer, ich soll meine Sünden beichten und mich bessern, anders könne ich nicht selig werden. Schon Der heilige Augustin lehrte: „Fruchtlos sind alle Predigten, wenn nicht der heilige Geist durch innerliche Erleuchtung lehrt." Möchten doch alle Seelsorger erkennen, daß ihre Wirksamkeit mehr von der göttlichen Gnade, als von ihren Predigten abhängig ist, dann würden alle nach Missions-Priestern verlangen, was zur Förderung der beharrlichen Wirkung einer Mission so heilsam wäre, da die bösen Beispiele einer Pfarrei, wo noch keine Mission gewesen, stets nachtheilig einwirken! Nachschriftlich noch, daß auch in Waging und Tettcuhausen Tngcndbündnisse der Jungfrauen im Entstehen sind, nach den Satzungen, derer sich auch die P. Nedemtoristen in Tirol zur Erhaltung der Früchte einer Mission bedienen, welche in den Betrachtungen über die Nachfolge Maria lc. (Augsburg in der Math. Rieger'schen Buchhandlung 1844.) abgedruckt sind, die den Mitgliedern empfohlen werden. Die Trappisten in Algier. Seitdem in neuerer Zeit in Frankreich so mancher ausgezeichnete und geistreiche Mann dem Ordenslcben sich zugewandt, besitzen namentlich die Trappisten unter ihren Ordensmitgliedern mehrere Aerzte, die sowohl dem Orden, als dem menschenfreundlichen Berufe, den sie in demselben pflegen, alle Ehre machen. Das Trappistenkloster (la Kruir«lv-IrÄppö) z. B. bei Mortagne hat in dem (auch durch seine literarischen Leistungen ausgezeichneten) P. Debreyne einen vortrefflichen Arzt, dessen Wissenschaft der ganzen Umgebung zu gute kommt. Auch das Trappistenkloster zu Stauelli in Algier befitzt in dem P. Mucius seinen Arzt. Ueber die Wirksamkeit dieses Missionärs bringt die Kevue möäiealk des Dr. Cayol eben den nachfolgenden Bericht. „In Afrika, wie in Frankreich, heißt es daselbst, stehen die Aerzte aus dem Trappistenorden, von den guten Brüdern unterstützt, ganz auf der Höhe ihrer Mission und widmen allen Leidenden mit der ausgesuchtesten Sorgfalt ihre Dienste. So wurde Bruder Ge'rard (vr. Henriat) eines der ersten Opfer dieser wunderbaren Hingebung, denn er trat während der kältesten Nächte sein Bett an Jene ab, welche keines hatten, und verfiel so frühzeitig dem Tode. Dctachirte Soldaten, die Kolonisten und Araber, die auch um den christlichen Kebir sich drängen, bilden die zahlreiche und verschiedenartige Kundschaft des Arztes aus dem Trappistenorden. Pater Mucius, der Verfasser der folgenden Briefe , befindet sich also in einer Stellung, in welcher er die größten Dienste leisten und mit unseren Militärärzten für die Erhal- ') Briefe über die in Algier herrschenden Krankheitsformen, welche die Revue Kleclicalc- mittheilt. tung unserer braven Soldaten Vieles thun kann. Daß die Fragen über den Gesundheitszustand von Algier von höchster Wichtigkeit und Bedeutung sind, brauchen wir nicht erst zu bemerken. Setzt ja doch das Klima der Erhaltung unserer herrlichen Eroberung und der Einpflanzung europäischer Civilisation den hartnäckigsten Widerstand entgegen; klimatische Verhältnisse hemmen den Fortgang der Intelligenz aus dem Occidcntc nach dein Oriente, vom Norden nach dem Süden, sie trennen Europa von der übrigen Welt, und der Heilkunde ist es vorbehalten solche Hinvernisse zu bewältigen und dadurch den Fortschritt der Kunst zu bewähren. Es ist allerdings wahr, daß selbst Historiker, denen die Heilknndc srcmd und die nur auf ihre Erlebnisse angewiesen waren, wie der heilige Angustin I^cle Livitatv Ovi), das nördliche Afrika als ein selbst für die Eingeborenen verderbliches Land uns schildern. Allein die Vergangcnhcit darf uns in Bezug auf Gegenwart und Zukunft nicht cntmuthigcn und trübe Aussichten wecken die edelsten Kräften zum Kampfe. P. MuciuS, der in seiner Praxis nach den Principien des hip- pvkratischcn VitaliSmuS verfährt, fördert dadurch den Fortschritt der rationellen Heilkunde in Algier. Und auch die Regierung wird hoffentlich gegen die Cvlonisationsbcstrebungcn der Trappisten nicht gleichgültig bleiben, sie wird, wir zählen darauf, die Anstalt von Stauelli, wenigstens so lange sie noch in ihrer Entwicklung begriffen ist, thätig unterstützen und ihrerseits sich nicht weigern die Arzneien uncngeltlich an Männer abzuliefern, die mit der wunderbarsten Liebe sie benutzen. In diesem Falle würde ich mich freuen durch Mittheilung der folgenden Briefe die Aufmerksamkeit der ärztlichen Welt ans die Heilkunde der Trappisten hingelenkt zu haben. Mögen diese ehrwürdigen Männer, die im Stillen so große Dinge wirken im Gegensatze zu so vielen Anderen, die viel Lärmen machen um Nichts, mir cS verzeihen, daß ich den Schleier, unter welchem ihre Bescheidenheit vor den Augen der Welt sich birgt, etwas gelüftet habe. In Frankreich kennen nur Wenige die wichtigen Dienste, welche eine Handvoll Trappisten, unsere Landsleute, der Kolonisation von Algier geleistet haben. Und doch sind sie erst seit ohngefcihr zwei Jahren dort und die Regierung hat ihnen nichts gewährt als 1000 Hec- taren wüstes ungesundes Land und eine Summe von 62,000 Francs zur Deckung der ersten Einrichtungs-- und Baukosten. Auf dem Schlachtfelde von Stauelli mit den dort gesammelten Kanonenkugeln haben sie vor zwei Jahren das Fundament ihres Baues gelegt, — und jetzt ruht mitten in dieser öden Wildniß das Auge des Wanderers auf einem harmonischen Ganzen von Bauten, unter welchen eine Capelle mit dem glorreichen Zeichen der Erlösung, ein großes Kloster und zu beiden Seiten die Gebäude der Musterwirthschaft auf den ersten Blick hervorspringen. Mehr als 100 Hcctaren Landes sind trotz des ungünstigen Klimas und der Schwierigkeiten aller Art bereits urbar gemacht. Allein eS sind auch schon sieben bis acht Ordensmäimcr von 45, welche die kleine Colonie bilden, in der Blüthe des Alters der Anstrengung und den aus dem ungesunden Boden sich entwickelnden Krankheiten erlegen. Diese Verluste haben indessen die frommen Einsiedler nur zu einem um so größeren Eifer angespornt und unter dem Schutze unserer lieben Frau von Stauelli findet alles menschliche Elend eine Zufluchtsstätte und mitleidige Herzen. Ein Hospital ist organisirl und arabische Kinder, die der Krieg zu Waisen gemacht, werden in das Kloster aufgeuommen, wo sie eine christliche Erziehung erhalten und durch Lehre und Beispiel zu guten Ackerbauern herangebildet werden. Knickerei von Seiten der Regierung gegen eine so schone, für unsere Colonie so wohlthätige und für unsere Nation so ehrenvolle Stiftung wäre also sehr am unrechten Orte." So weit unser Arzt. Wir fügen zur Ergänzung noch die nachfolgenden Notizen aus einem andern französischen Blatte bei: „ Die Anstalt der Trappisien zu Stauelli ist ihrer Vollendung nahe und wird bald eine der schönsten seyn, welche dieser Orden in Frankreich oder im Auslande besitzt. Die Mühsale, welche diese guten Brüder und der brave Oberst Marengo, der sie in so edler Weise unterstützt, zu überwinden hatten, lassen sich mit Worten nicht sclnlvcrn. Indessen lassen sie sich schon nach der Zahl der Stcrbfälle unter den Begründern bemessen. Von 38 Trappisien sind 8 im Jahre 1844 gestorben und alle Nebligen mehr oder minder krank gewesen. Bon den 150 Militärsträflin- gen, die zur Beschleunigung der Arbeit ihnen zur Disposition gestellt waren, sind 37 gestorben und alle klebrigen von schweren Krankheiten heimgesucht worden. Indessen dürfen wir hoffen, dasz die Ursachen dieser Ungcsundhcit jetzt beseitigt sind und das Jahr 1845> ohne neue Verluste sür die Trappisien vorübergehen wird. Für die Gründung dieser Anstalt in Algier hat die Negierung den Trappisien 62,000 Francs znr Disposition gestellt und alle Welt ist der Ansicht, dasz sie diese Subvention vortrefflich benutzt haben. Der Ackerbau ist weiter vorangeschrittcn und wird mehr betrieben als in irgend einem andern Dorfe, die Bauten sind im besten Fortgangc. Alle Maaßregeln sind getroffen, um neue Niederlassungen und Anlagen zu begründen: die Kalk - und Zie- gclbrenncrcicn sind im Gange, die Steinbrüche geöffnet, die Werkstätten der Tischler, Zimmcrleute und Schmiede vollständig und ökonomisch vrganisirt und in unausgesetzter Thätigkeit. Material ist in diesen Werkstätten genug vorhanden und der Preis der Handarbeit billig. Dieß sind unberechenbare Resultate, die in einem Lande, wo die Industrie gleich null ist und wir Alles erst schaffen müssen, für die Zukunft viel versprechen. Uuv so ist die Trappistencolonie in Algier eine nationale und religiöse Schöpfung, die sowohl auf die europäische Bevölkerung, die sich neben ihr niederlassen wird, als auf die Eingeborenen, deren Charakter wesentlich religiös ist, einen sehr heilsamen Einfluß äußern wird." (Katholik.) Schweiz. Schafs hausisch es Convcrtitengesetz. Am 25. Januar wurde dem Gr. Rathe eine „ehrerbietige Vorstellung" der E. schaffhausischen Geistlichkeit vorgelegt, worin die Bitte ausgesprochen wird: a) „Es möchte der Gr. Rath in Berathung ziehen, was von Seite der Gesetzgebung geschehen könne, um den Kanton vor der ihm drohenden Gefahr der Parität zu bewahren," und Ii) es möchte derselbe ein „Convcrtitengesetz" aufstellen, mit folgenden Bestimmungen: 1) „Keine Konversion darf stattfinden, bis nach erreichter Consir- mativn und Volljährigkeit. 2) Wer zur katholischen Konfession übertreten will, hat dieß zuvor seinem Geistlichen anzuzeigen, welcher sich mit ihm darüber besprechen und das Resultat der Besprechung dem Kirchcnrath berichten wird; dieser wird sodann entscheiden, ob ein weiterer Unterricht stattfinden soll oder nicht. 3) Die Konversion des Vaters oder der Mutter hat auf die vorhergcbvr- nen Kinder keinen Einfluß, sondern sie haben in der ursprüuglichcn Kirche zu verbleiben. 4) Solche, die im Auslande cvnvcrtiren wollen, haben eine Bewilligung dazu von der (schaffhausischen) Regierung einzuholen. 5) Die förmliche Aufnahme in die katholische Kirche soll n»ir dann von einem Geistlichen geschehen, wenn eine Bescheinigung vorgelegt worden, daß den obigen Bedingungen Genüge geleistet worden sey. Wobei noch als Billigkeit gegen andere Staaten beizufügen wäre: 6) Ein Angehöriger eines andern Staates darf in hiesigem Kanton nicht convcrtiren ohne Er- laubuißschcin von Seite seiner eigenen Regierung." Der Eifer der schaffhausischen Geistlichkeit für die Sache des reinen Evangeliums will somit die Schweiz mit einem Gesetze neuer Art beschenken. Die vvrortliche Behörde behauptet zwar in ihrem Kreisschreiben vom 21. Januar, „die reformirte Kirche sey in sich selbst stark genug, um den geistigen Einfluß der Jesuiten (und Katholiken) für sich und in ihrem Glauben keineswegs zu fürchten, immerhin müsse der Kampf zwischen den Confcssioncn oder innerhalb derselben auf geistigem Gebiete ausgcfochtcn werden, wenn er zur richtigen Losung kommen soll." Die protestantische Geistlichkeit SchaffhausenS ist anderer Ansicht, und glaubt die „drohende Gefahr der Parität" durch ein Gesetz, also durch die weltliche Macht abwehren zu sollen, offenbar aus dem Grunde, weil sie sich nicht stark genug fühlt gegcu die geistige Macht des Katholicismus. — Wir waren der Ansicht, Schaffhausen sey wirklich schon ein paritätischer Kanton; durch die Aufnahme der katholischen Gemeinde Namsen, welche doch politisch gleichberechtigt seyn wird wie die reformirten Gemeinden, habe Schaffhausen aufgehört ein ausschließlich protestantischer Kanton zu seyn, wo die Katholiken von politischen Rechten ausgeschlossen seyen. Welches Klaggc- schrei erhob die gesammtc protestantische Schweiz, als der ausschließlich katholische Kanton WalliS den Riegel schieben wollte, damit in seinem Gebiet nicht jeder Unfug in religiöser Beziehung getrieben werden könne; und kaum ein halbes Jahr, so unternimmt der Protestantismus Acrgeres in Schaffhauscu. Noch mehr am 8. Sept. 1644 erließ die Schaffhausische Geistlichkeit einen „Hirtenbrief," worin sie gegenüber der katholischen Kirche lehrt: „Der Mensch ist in seinen: Glauben frei von aller menschlichen Gewalt;" „unser Glaube stehet nicht auf Menschen Ansehen und Menschen Macht;" „Gott wird unö bei unserm Glauben zu schützen und zu erhalten wissen in diesen Tagen der Gefahr und des Kampfes.' Noch sind nicht fünf Monate vorüber, und schon hat die protestantische Geistlichkeit dieses ihr „evangelisches Zeugniß" vergessen, und die darin ausgesprochenen Grundsätze vcrläugncnd stützt sie sich nach altgewohnter protestantischer Weise ganz auf den weltlichen Arm und rettet ihren Glauben hinter ein Convertitcngcsetz eigener Art. Durch dieses Gesetz wird jede künftige Bekehrung zum Katholicismus vom Gutfinden der protestantischen Geistlichkeit und der weltlichen Regierung abhängig gemacht. Auffallen dürfte endlich, daß dieses Gesetz ausschließlich gegen die katholische Kirche gerichtet ist. Wir zweifeln nicht an der Annahme dieses Gesetzes; denn die Erfahrung hat gelehrt, daß die Schaffhausische Geistlichkeit starke Hebel in Bewegung zu setzen weiß, um ihrem Willen Anerkennung zu verschaffen. Wie sind auch weit entfernt, die Verwendung des katholischen Vororts gegen ein solches Gesetz zu wünschen, obwohl sie gegründeter wäre als die Einmischung der protestantischen Kantone in die religiösen Angelegenheiten der Kantone Wallis und Luzern. „Meine Wege sind nicht eure Wege", spricht der Herr. (Schw. K.-Z.) Verlags - Inhaber: F. C. Kr einer. ? » ^^»g s - Deib, der «, ^ Attgsvurger Erste Jahreshälfte. M? 8. Poftzeituttg. SZ. Februar Stellung und Beruf der Jesuiten in der Gegenwart. (Paß. ka,h, Kirchenztg.) In Vcr Geschichte der geistlichen Orden ist vielleicht die Geschichte der Jesuiten die merkwürdigste; denn kein Orden hat in so kurzer Zeit des Bestehens so Außerordentliches geleistet, keiner so wunderbare Schicksale gehabt, als der Orden der Jesuiten. Von seinen Bewunderern und begeisterten Freunden einerseits zu den Sternen erhoben, andrerseits aber von seinen Gegnern in die tiefsten Tiefen der Hölle hinabgeschleudcrt, steht er da, unter allen Genossenschaften in der Kirche am meisten die Schicksale der Kirche selbst theilend und dem göttlichen Meister, dessen Namen er trägt, an Verfolgung am meisten ähnlich geworden. Während die Bcncdictincr Männer des Friedens sind, Ackerbau und Wissenschaft und Kunst in stiller Abgeschlossenheit mit sorgsam geschäftiger Hand pflegend, sind die Jesuiten geborne Krieger, geboren in stürmischer Kriegszcit, erzogen und wohlgeubt im Felde, wohl vertraut mit allen Kriegskünsten des Feindes, abgehärtet und ausdauernd, wie kein anderer Soldat, stets wachsam und kampf- gerüstet und daher auch fortwährend unter siegreicher Fahne geschaht. Mag sich die Häresie, die Erbfeindin des Jesuitenordens, unter was immer für eine MaSke verstecken, mag sie mit roher Gewalt oder in listigem Schaafpelz versteckt, als offener redlicher Gegner oder als tückischer Meuchler auf dem Kampfplatz erscheinen: der Jesuit kennt sogleich seinen Mann, reißt ihm die Larve vom Gesicht, verfolgt ihn in alle Schlupfwinkel, «nd entwaffnet ihn. Solchen Schrecken übte noch kaum Medusens Haupt, als der Anblick eines Jesuiten auf häretische Augen; entsetzlicher schlug wohl noch nicht der grause Ton der Sturmglocke an das Trommelfell des Häretikers, als der Name — Jesuit; scheußlicher k>inn seiner Phantasie wohl auch der leibhaftige Teufel nicht vorschweben, als das Bild eines Jesuiten; ja Jesuit und Teufel sind ihm synonym. Und woher diese unversöhnliche Feindschaft, dieses Zittern beim bloßen Namen Jesuit? Fragt die Geschichte und sie wird euch die Antwort geben. Als die Häresie auf stolzem Siegeöwagen brausend einherfuhr wie eine gewaltige Windsbraut, und in Sturmeswehen das Gebäude der alten Kirche umzustürzen und den Felsen, darauf es gebaut, zu zernichte» drohte: da fielen die Jesuiten der Stür- mcrin in die Räder, und hemmten ihren stolzen Siegeslauf. Und als sie ihre Schaarcn ausschickte, um die gottgegrllndctc Fclsen- burg zu bestürmen, da standen die Jesuiten im Vordcrtreffen wie Mauern, fingen die feindlichen Gcschoßc mit undurchdringlichen Panzern auf und schleuderten selbst so geschickt die Waffen in die feindlichen Reihen, daß sie schciarenwcise hinsanken, oder in schändlicher Flucht das Schlachtfeld räumen mußten. Und als die Häresie, die Verächterin der göttlichen Autorität der Kirche, ihr jüngstes Töchterlein, die Revolution, die Verächtcrin der göttlichen Autorität der Könige, ausgeheckt hatte, da standen die Jesuiten wie ein Damm gegen die Wässer der Auflösung und Anarchie, die von allen Seiten wie eine Sündfluth hereinbrachen, und wohl nie wären jene Ströme Bürgerblutes vergossen worden, nie jene gekrönten Häupter unter dem Beile gefallen, wenn nicht die Revolutionsmänner, nicht mit geistigen Waffen, sondern mit roher Gewalt, durch List, Betrug und höllische Machinationen aller Art, deren Gräuel und teuflische Bosheit einer kaum mehr fernen Zeit aufzudecken vorbehalten ist, den Damm durchstochen und die Aufhebung des Ordens beim Hintergangenen heiligen Stuhle zu erwirken gewußt hätten. So sank die heldcnmüthige Schaar der christlichen Thebaner am Engpasse von Thermopylä, nachdem sie von Verräthershand dem Tode geweiht war, und nun ergossen sich die Barbarenhorden über das schöne Hellas, sengend und brennend und jeden ihrer Fußtritte mit Blut bezeichnend. Die Jesuiten waren gefallen, und die Revolution brach aus ihren Schlupfwinkeln hervor. Die letzte Stützt der Altäre und Throne war gesunken, ihrem Falle stürzten die Altäre und Throne nach. Der Wirkungskreis des Jesuitenordens für seine erste Periode war abgelaufen: er hatte seinen Beruf, ein Bollwerk der katholischen Kirche gegen die Häresien und den philosophischen Unglauben zu seyn, wohl ins Auge gefaßt, demselben alle seine Kräfte gewidmet, und das Glück und die Gnade von Gott gehabt, nicht wie die übrigen Orden, an innerer Erschlaffung, sondern in der Frische seiner Jahre, im siegreichen Fortschreiten auf seiner Heldenbahn begriffen, als Opfer seines Berufes zufallen, die Bewunderung der Mit- und Nachwelt, und die schönsten Zeugnisse von Freund und Feind mit ins Grab zu nehmen — bis der AuferstehungSruf Pius VII. sie zum zweitenmal» auf die Schaubühne der Welt rief, um nochmals die geeignete» Rollen in dem großen Drama der neuesten Kirchen» und Weltgeschichte zu übernehmen und der Welt zu zeigen, waö der Orden für Kräfte i» sich beschließe und für Kirche und Staat zu leisten im Stande sey. Abermals sehen wir den Jesuiten-Orden an der Spitze der Kämpfer, die mit den Söhnen Voltaire's, mit den Ruinen des französischen Pantheismus im Felde liegen; sieben Jesuiten in der Schweiz stehen gegen eine meuchlerische Bande von Radicalen, deren Absehen auf Vernichtung alles Christenthums und Lösung aller Bande der Ordnung gerichtet ist. Auch die Unterrichtsfrage in Frankreich berührt sehr nahe die Jesuiten, und sie fanden an dem Grafen Montalcmbert und dem Bischof von ChalsnS die wärmsten Vertheidiger; kurz, der Name Jesuit ist wieder zum Losungswort geworden — sie stehen wieder auf dem nämlichen Posten, den sie im Jahre 1773 verlassen hatten. Das wollen nun freilich die Männer des .lusUi-milivu nicht zugeben; die Jesuitc», sagen sie, haben zwar weiland ihre Stellung gekannt und auch ihre Stück Arbeit redlich gethan. Damals standen sie an der Spitze der katholischen Reaction gegen die Fluthcn des Protestantismus; aber hcut zu Tage ist der Kampf und die Kampfwcise eine andere geworden; der Feind ist nimmer derselbe, die Manöver sind verschieden, die Tculik geändert worden; daher seyen die Jesuiten nicht mehr für unsere Zeit, sondern es müsse auf andere Weise, als durch sie, dem gegenwärtigen Feinde begegnet werden. Das Alles ist unendlich salbungsvoll gesprochen, um sich den Magen warm zu halten, aber weiter ist mit solchem Gerede auch gar Nichts gedient. Für's erste ist, um jene Ansicht als unhaltbar darzustellen, gewiß nicht zu lciugncn, daß das Auge des Feindes am schärfsten sieht. Nun fragt die Feinde der katholischen Kirche, seyen sie orthodoxe Lutheraner oder Rationalisten oder Hegelianer und Nadicale, wer ihnen unter allen kathol. Menschenkindern am verhaßtesten ist, und dann hört ihr vor Allem den Papst nennen und dann die „Banditcngarde des Papstes" — die Jesuiten. Ihnen gilt all der Hohn, Schimpf und Spott, der von Quinct und Michclct bis zum „ewigen Juden" herab aus dem litterarischen Markt auSgeboten und von der Menge wie köstliches Confitüre gierig verschlungen wird; ihnen gelten die Kugeln der Schweizer Radicalen und die Percats in Verviers; ihnen die Reden des Protestanten Guizot in der französischen Dcputirten - Kammer. Dominicaner, Benedictincr, FranciSccmer und andere Klostergeistliche kommen überall besser weg: höchstens nennt man sie Müßiggänger, faule Drohnen, dumme Fledermäuse in finstern Löchern; aber diese Titel klingen wie Harfentöne und Engclstimmcn gegen die lieblichen Ausdrücke, mit welchen man der Jesuiten zn gedenken pflegt. Wenn im protestantischen Lapidarstyl gesprochen werden soll, dann sind die Jesuiten immer — pure Teufel; alle Schilderungen von ihnen, namentlich in Dr. Zirndorfer's Roman und in Eugene Sue'S ewigem Juden, fänden in jenen zwei Worten ihren kürzesten Ausdruck und Brcnnpunct; die weitere Ausführung ist nur gewässerte Umrcdung oder poetische Umschreibung obiger Aufschrift, die vom Protestanten dem Jesuiten als Taufnamc gegeben wird, wenn er zur Welt kommt, und als Grabschrift, wenn er aus der Welt geht. Fragt man nun, warum denn aller Ingrimm, alle Wuth, aller Hohn, alle Schmähung, alle Verleumdung, jegliche Fratze, jegliche Carricatur und jedes Pasquill sich gerade am Jesuiten zu letzen sucht, fragt man, warum man lieber alle Klöster, die je im Schovße der katholischen Kirche entstanden sind, gedulden und auskommen lassen will, die Jesuiten allein aber das ocliui» luimnni Aoiwris seyn sollen, und gegen sie,! zum Zweck ihrer Vernichtung, jedes Mittel heilig und dreimal heilig ist; so ist die Antwort zweifelsohne diese: Die Feinde des katholischen und jeden Christenthums insbesondere erblicken im Orden der Jesuiten den unversöhnlichen Gegner ihrer Bestrebungen, die stärkste Schutzmauer der Kirche gegen Revolution und Anarchie auf geistlichem wie weltlichem Gebiete, die stehende Opposition gegen die Omnipotcn; des Staates und die Anmaßungen der Bureaukratie. Zur Betrachtung der Jesuiten von diesem Gesichtspuncte aus müssen nun die Jesuitcugegner wohl ihre guten Gründe haben, sonst würden sie nicht alle Kräfte anstrengen, und jegliches auch noch so unheiligc Mittel, das zum gewünschten Ziele führt, mit Freuden begrüßen. Wüßte nicht Gnizot, daß durch Uebertragung der Lehrstellen an die Jesuiten sein und Cousin's Schooßkind, der JndifferentiSmuS und Pantheismus der Universität, das Zeitliche segnen und die Freiheit des Unterrichtes für den Klerus erringen würde, dann würde er nicht der Mühe werth gefunden habe», gegen dieselben in die Schranken zu treten; fänden nicht die Liberalen allerwärtö in den Jesuiten Freunde der gesetzlichen Ordnung, dann würden sie nicht durch Percats und Kanonenfeuer diese Bollwerke aus dem Wege zu räumen suchen. Mit einem Worte: die Abneigung der Feinde der Kirche gegen die Jesuiten ist keine erkünstelte, keine übertriebene, sondern eine instinctmäßigc und verhältnißmäßigc. Oder man nenne uns eine andere Macht, die gegenwärtig dem falschen Liberalismus und Radikalismus die Spitze böte! Man kann kaum eine andere uns nennen, außer die Reaction der Kirche überhaupt und die Tüchtigkeit und Umsicht des heiligen Stuhles. Gerade die Jesuiten aber reagiren am thätigsten und fördern am angel>gcnt- lichsten die Wünsche des heiligen Stuhles, und darum, man übersehe das nicht, hat auch der heilige Vater gerade den Jesuitenorden für die Schweiz gewünscht, wohl wissend, daß dieser dort am Heerde aller Demagogie und des wüthcndstcn NadicalismuS ganz an seinem Posten stehe und das conservativc Element am meisten zu halten und zu fördern im Stande sey. Und wenn man das Wirken der Jesuiten in der Schweiz einer nähern Beachtung unterzieht, so muß man staunen über die moralische Kraft, die Festigkeit und Energie von sieben Jesuiten, die im Kanton Luzcrn im fürchterlichsten Kreuzfeuer stehen, aber dennoch — stehen. WaS hat die Schweiz von sieben mehr, was Frankreich von einhundert zwanzig Jesuiten zu fürchten ? Und diese Männer sollten nicht mehr an ihrem Platze stehen? Sie hätten ihr Tagewerk vollendet und stünden nun müßig? Man versuche es und stelle einmal sieben andere Klvstergeistliche hin und höre, ob es die Radicalen nur der Mühe werth finden werden, sie eines bedeutsamen Blickes zu würdigen. Hat man denn schon vergessen, wie schnell Herr Guizot die Dominicaner und Benedictincr und die Weltgeistlichkcit in Frankreich abgekanzelt? Sie alle waren ihm zu „dumm', um die französische Nation erziehen zu können; nur den Jesuiten sprach er die Fähigkeit nicht ab, fürchtete aber Alles von ihrem Einflüsse für sein System. Und wer weiß nicht, daß der Säcularkleruö in der Schweiz, über dessen „Bornirthcit" und „Unfähigkeit" die Radicalen früher nicht genug zu sagen wußten, in letzterer Zeit nur deßhalb so erhoben, seine Wissenschaftlich^ und Musterhaftigkeit nur deßhalb so cmgcrühmt wurde, um die Jesuiten als entbehrlich hinzustellen und so diese gefährlichen Gegner auf eine feine Weise sich vom Leibe zu halten, lind hat die Gcrechtigkeisliebe des Journal des De'batS nicht unlängst damit herausgeplatzt, daß man die Jesuiten zum Teufel jagen soll, 120 Jesuiten! Wahrlich, die Jesuiten müssen ein lüchtigcs Salz seyn, weil die davon gebeizten Organe gar so convulsivisch sich bewegen! Wären sie dumm gewordenes Salz, ja dann fände allerdings die gegentheilige Meinung, die den Jesuiten die Bedeutsamkeit, die man ihnen !n unsern Tagen beilegt, absprechen will, eine haltbare Basis für ihre Existenz; allein wir müssen uns entschieden auf die andere Seite neigen, so lange die Feinde der katholischen Kirche dem Jesuitenorden so viele Aufmerksamkeit schenken, ihn für das vorzüglichste Vollwerk der katholischen Kirche und vorab des heiligen Stuhles gegen die Häresie halten, und durch seine Bekämpfung die katholische Kirche indircct zu bekämpfen glauben. Wir werden ferner bestimmt, den Jesuiten große Bedeutsamkeit für unsere Tage beizulegen, ja größere, als allen übrigen Orden, durch die besondere Empfehlung dcö päpstlichen Stuhles, die gewiß kein unbedeutendes Gewicht in die Waagschale ihrer Wichtigkeit für unsere Tage und Zustände legt. Ja, wir gestehen es, mit großer Spannung sehen wir auf die Väter der Gesellschaft Jesu hin, und glauben fest, daß ihnen auch in unsern Tagen noch die nämliche Aufgabe obliegt, die sie in'S Daseyn gerufen hat, nämlich auszukämpfen den großen Kampf zwischen Kirche und Protestantismus, christlicher Staatenordnung und politischer Anarchie. Diese Bedeutung geben wir ihnen nicht, als wenn etwa sie sich dieselbe gäben; nein, diese Bedeutung geben ihnen ihre Feinde, die ihre Gegner am besten kennen; diese Bedeutung gibt ihnen die Tages - Geschichte, in deren Ereignisse sie von der Hand der Vorsehung hincingeflochten werden, — denn sie haben sich nicht selbst berufen, sondern sie wurden berufen; diese Bedeutung gibt ihnen der heilige Stuhl, weil er sie gerade für die Schweiz, den Herd aller revolutionären Ideen, brauchbar befunden hat. Mögen sie nur auch wie früher treu ihrem Berufe leben und sich durch keine Schmähung und Verfolgung in ihrem Eifer ermüden lassen! Ihre ganze Haltung in der Schweiz und anverwärts beweis't es, wie sehr sie die Kunst verstehen, bei Beleidigungen zu schweigen oder doch mit Würde sich zu vertheivigen. G,rade durch solche Befehdungen der Gegner aber erstarken sie und werden beständig zum Gebet, Vertrauen auf Gott, zu einem musterhaften Leben und beständiger, angestrengter Thätigkeit aufgefordert; daher hat der heilige Jgnatius, was von knnem andern OrdcnSstifter bekannt ist, unablässig zu Gott gefleht, er möge ja seiner Stiftung es nie an Leiden und Verfolgungen fehlen lassen, und Gott hat sein Gebet auch so ziemlich erhört. Wer übrigens lesen will, wie die Jesuiten es verstehen, mit Würde ihren Gegnern zu imponiren, der lese die Schrift des berühmten Jesuiten, Abbe' Navignan, Predigers zu Notrc-Dame in Paris. „Von dem Bestände und der Verfassung der Jesuiten," München, Lent- ner'sche Buchhandlung 1844, und er wird daraus ersehen, daß die Jesuiten unserer Tage ihren Vätern keine Schande machen! Das Wunder der Eucharistie in Augsburg und die Reconciliationsfrage. (Aus dem Tagebuch des P. Heinrich Goßlar über Jerusalem und di Heiliglhümer des Orients und OccirenIS im Jahre 1844.) Augsburg, am Feste des heiligen Martin von Tours, den 11. November: „Hier, zwischen dem ehrwürdigen Dome unv der Kirche zum heil. Kreuze, in der Mitte dieses DomplatzeS, in diesen Schloß - räumen, auf welche unser Blick von Jerusalem hcrgelcnkt ist, hier wurde vor dreihundert Jahren die Augsburgischc Konfession übergebe»! — Hier, im Angeflehte des Wunders der Eucharistie, welches die Kirche zum heil. Kreuz seit 1194 bewahrt, und von dessen Wahrheit man sich dnrch den Augenschein überzeugt (eS ist vaS Wunder einer blutrothcn consecrirtcn Hostie, das allcrheiligstc Sacrament in Gestalt von Fleisch und Blut, ein durch unzweifelhafte juridische Beweise festgestelltes, durch eine bis auf die neueste Zeit fortdauernde Reihe von wunderbaren Heilungen und Gnadcnbezeugungen verherrlichtes, durch die öffentliche Verehrung und die lebhafte Andacht des gläubigen Volkes bezeugtes Wunder der göttlichen Erbarmungen), — hier, kaum hundert Schritte von diesem offenkunvigen Zeugniß für die Wahrheit der Haupt- unterscheivungölehre des reinen Glaubens von dem großen Geheimniß des Abendmahles, hier, mit der Ucbergabc der Augöbur- gischen Konfession, spaltete sich der Occivent über dem Leib des Herrn. Großes und deutliches Zeichen vom Himmel! — Dreihundert Jahre vor der Kirchenspaltung ist hier die Hostie blutroth geworden; heute, dreihundert Jahre nach der Kirchenspaltung, sechs Jahrhundert lang, steht sie noch blutroth da! — An jenem Tage, wann der Mond blutroth werden wird, und vor dem Glänze der Wahrheit die Sonne erbleicht, wird auch dieses Wun- dcrzeichen offenbar werden, von welchem wir hier Zeugniß geben. — Und wenn auch Jemand vom Himmel käme, würde er wohl Glauben finden? ! ! — Wir feierten die heiligen Mysterien für die Glaubenscinheit vor dieser blutrothcn Hostie auf dem Hoch-- altare der Kirche des heil. Kreuzes am gestrigen Sonntage, und reichten den Leib des Herrn einer großen Menge von Gläubigen zu der Meinung, daß die Kirchenspaltung mit allen Wirkungen möge aufhören, welche durch die Uebergabc der AugSburgischcn Konfession hier, im Angesichts dieses Wunders der Eucharistie, vollbracht worden ist. — Hier, heute am Feste des heil. Martin, hier, wo Martin Luther vor dreihundert Jahren austrat, wo der Kurfürst von Brandenburg den Gedanken aussprach: daß durch eine allgemeine Synode die Kirchenspaltung möchte abgewendet werden, hier in dem ehrwürdigen Dome dieser uralten bischöflichen Stadt, brachten wir heute zum zweiten Male das große, Alles vermögende Versöhnungsopfer für die Wiedervereinigung der getrennten christlichen Neligionsverwandtcn dar. — Wo die Menge der Schuld war, da wird die Ucbcrmcnge der Gnaden eintreten.—- Wo das Uebel ausgegangen ist, von da wird größeres Heil sich erneuern! — (Frkf. k.K. Z.) Woher und woz» der Rosenkranz? (Aus dem Leben des heil. DominicuS von Lacordaire.) Als der Erzengel Gabriel von Gott zu der seligen Jungfrau Maria gesendet wurde, um ihr das Mysterium von der Fleischwcrdung des göttlichen Sohnes in ihrem keuschen Schooße zu verkünden, grüßte er sie mit den Worten: Gcgrüßet seyst >Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir, !Du bist gebenedeit unter den Weibern. Diese Worte, ldie glückseligsten, die eine Creatur vernommen, wurden von Geschlecht zu Geschlecht im Herzen unv Munde der Christen wiederholt, und aus der Tiefe dieses Thales der Thränen rufen sie unaufhörlich zu der Mutter ihres Erlöses empor: Gcgrüßet seyst Du, Maria! Die Chöre des Himmels hatten einen ihrer Führer an die demüthige Tochter vom Stamme David'S abgeordnet, um ihr diesen glorreichen Gruß zu überbringen, und jetzt, wo sie hoch über den Engeln und allen himmlischen Chören thront, sendet vaS Geschlecht der Menschen, welchem sie als Tochter und Schwester angehörte, von der niedern Erde ihr den englischen Gruß zu: Gegrüßet seyst Du, Maria! Als sie ihn zum ersten Male aus dem Munde Gabriel's vernahm, empfing sie alsbalv in ihrem Leibe des Wort Gottts, und jetzt, so oft ein menschlicher Mund die Worte wiederholt, die ihre Mutterschaft ankündigten, bewegt sich ihr Her; in der Erinnerung eines Augenblicks, der nichts AehnlichcS im Himmel und aus der Erde hat, und die ganze Ewigkeit wird von dem Glücke durchdrungen, welches die Himmelskönigin empfindet. Obgleich aber die Christen immer gewohnt waren, ihr Herz in solcher Weise zn Maria zu erheben, so war doch mit dem uralten Gebrauche dieses Grußes weder eine bestimmte Regel noch Feierlichkeit veibunden. Die Gläubigen versammelten sich nicht, um solchen ihrer vielgeliebten Beschützerin darzubringen, sondern jeder folgte dabei einzeln dem besondern Aufschwünge seiner Liebe. Dominicus, der die Macht der Vereinigung im Gebete wohl kannte, hielt es für nützlich, sie auf den englischen Grnß anzuwenden, und glaubte, daß dieser gemeinsame Ruf eines ganzen versammelten Volkes mit großer Kraft zum Himmel aufsteigen werde. Die Kürze der englischen Worte selbst erforderte es, daß sie in einer gewissen Zahl wiederholt würden, jenen einfachen Zurufen gleich, womit dankbare Völker den Weg geliebter Fürsten bedecken. Die Wiederholung konnte aber leicht Zerstreuung des Geistes verursachen, und Dominicus beugte diesem dadurch vor, daß er die Grüße in mehre Absätze vertheilte und mit jedem derselben den Gedanken an eines der Geheimnisse unserer Erlösung verband, worin wir nach einander Gegenstände der Freude, der Trauer und des Triumphes der allcrheiligsten Jungfrau erkennen. Auf diese Weise vereinigte sich die innere Betrachtung mit dem öffentlichen Gebete; und indem das Volk seine Mutter und Königin begrüßte, folgte es ihr im Kerne seines Herzens überall bei den hauptsächlichsten Ereignissen ihres Lebens nach. Und um den dauernden Bestand und die Feierlichkeit dieser Bittweise noch mehr zu sichern, bildete Dominicus eine besondere Bruderschaft. Der fromme Gedanke des Heiligen wurde mit dem größten aller Erfolge, mit einem wahrhaft volkstümlichen, gesegnet. Das christliche Volk hat sich demselben von Jahrhundert zu Jahrhundert mit unglaublicher Treue hingegeben. Die Bruderschaften des Rosenkranzes haben sich ins Unendliche vermehrt, und es lebt kaum ein Christ auf der Welt, der in seinem kleinen Rosenkranze nicht ein Bruchstück jenes durch alle Welt sich fortziehenden allgemeinen Rosenkranzes besäße. Wer hat nicht am Abende in den einfachen Dorfkirchen die tiefe» Stimmen der Bauern in zwei Chören den englischen Gruß hersagen gehört? Wer ist nicht den Proccssionen von Wallfahrern begegnet, die, in ihren Fingern die Perlen des Rosenkranzes bewegend, sich den langen Weg durch die abwechselnde Wiederholung des Namens Maria versüßen? Immer, wenn eine Sache zum dauernden Bestände und zur Allgemeinheit gelangt, birgt sie in sich eine geheimnißvollc Harmonie mit den Bedürfnissen und Geschicken des Menschen. Darum mag der blöde Rationalist lächeln, wenn Reihen von Menschen an ihm vorüberziehen, die immer ein und dasselbe Wort aussprechen; wem aber ein helleres Licht aufgegangen ist, der begreift, daß die Liebe nur ein Wort hat, und daß es keine Wiederholung ist, wenn sie es immer ausspricht. Bekenntnisse eines Convertiten. Ein früherer Kandidat der protestantischen Theologie, I. G. Aorneck, sagt im Schles. Kirchenblatt unter obigem Titel unter anderm: j „Wohl wird es nicht erst eines Beweises bedürfen, daß der gegenwärtige Zustand der protestantischen Kirche ein sehr bcklagens- werther sey, der von denen gerade am tiefsten gefühlt wird, die es am aufrichtigsten und besten mit ihr meinen. Die innere Zerrissenheit und Zersplitterung derselben und der damit zusammenhängende Verfall des religiösen Lebens wird öffentlich und fast allge-> mein eigestanden, wenn man auch gern zugeben wird, daß sie noch viele achtungswerthe und kenntnißreiche Männer unter ihren Mitgliedern zählt, die es für Verrath und Feigheit achten, sie im Augenblicke der Noth zu veilasscn, weil sie von der Zukunft hoffen, was die Gegenwai t nicht zu bieten vermag. Allein diese Hoffnung konnte ich nicht theilen, weil sie nach meiner Ueberzeugung jedes Grundes entbehrt. — Abgesehen von dem Widersprüche im Prinzip der Reformation, der auf jede folgcnrcchte Fortbildung und Entwickelung nothwendig seinen Einfluß äußern, und immer von Neuem Widersprüche erzeugen muß, die doch sicher kein Kriterium der Wahrheit sind; abgesehen von der mangelhaften Berechtigung in ihrem Ursprung, die durch landesherrliche Bestimmung wohl nicht ergänzt werden konnte, und die bis auf den heutigen Tag Unsicherheit, zahlreiche Verlegenheiten und Mißgriffe zur Folge hat: — wo ist die heilige Hinterlage des Glaubens, welche Christus seiner Kirche anvertraute? Worin besteht ihre Uebereinstimmung mit der Kirche der ersten drei Jahrhunderte, die doch als Muster und Vorbild von ihr anerkannt wird, die aber von dem göttlichen Geiste also durchdrungen war, daß selbst unter Druck und Verfolgung keine ihrem eigentlichen Lebenskern feindselige Richtung in ihr aufkommen konnte, und jeder Krankheitsstoff aus dem gesunden Körper sogleich ausgeschieden wurde? Ja, meine getrennten christlichen Brüder! der Erbfeind unsers Geschlechts hat euch geführt bis an den Rand des Abgrundes; und es wird euch nichts übrig bleiben, als den Weg wieder zurück zu machen, wenn ihr ihm nicht noch weiter folgen wollt. Aber werfet vorerst ab jene traurige Mitgabe einer beweinenswerthen Vergangenheit, jenes Gemisch von Haß, Mitleid und Verachtung gegen Alles, was den Namen „katholisch" an sich trägt, das in seinem ersten Beginn allerdings den Reformatoren zur Last fällt, aber erst in dem Kampfe um die Existenz zu der riesenhaften Ausdehnung wuchs und eine feste Gestalt gewcm; lasset allda zurück jene Sammlung von gut oder schlecht erfundenen Geschichten, die euch so übel anstehen, jene Fabeln von dem Verderben der alten Kirche, ihren Menschensatzungcn und ihrer Verweltlichung, eine allerdings schwer verletzende Waffe, die aber kaum mit der Noth entschuldigt werden kann, welche sie euch in die Hand gab. Mit einem Worte, gebet auf die gcsammte protestantische Tradition, welche trotz der freien Forschung, auf Treu und Glauben angenommen, und vom Vater auf den Sohn, von einem Geschlecht auf das andere fortgeerbt wird, obgleich sie keinen andern Rechtstitcl aufzuweisen hat, als den der Verjährung, deren man sich bis jetzt als leitende Norm bei der Auslegung des Evangelii bedient, die noch heute sonst achtungswerthe Gelehrte in die Irre führt. Allerdings ist es keine geringe Forderung, die hier gestellt wird; es wird damit verlangt, den eigentlichen Lebensnerv zu durchschneiden, das Einheitsband eurer Kirchen- gcmeinschast zu zerreißen, und die Schranken zu durchbrechen, welche euch von der allgemeinen Kirche trennen. Aber bald muß die Entscheidung des großen Rechtshandels eintreten; die Acten werden bald geschlossen seyn; wir bitten Gott, einen furchtlosen und gerechten Richter zu erwecken. Verlags-Inhaber: F. E, Kremer. «kW S>i? ? ^^^aS-'K-iü. ^ . ^a, Augsvttvger Er^te Zahreshälfte. S. Postzeitttng. S. März 1845. Deutschland. Stimmen über die neuesten Separatisten-Bewegungen Dem Westphäl. Merkur wird aus Magdeburg geschrieben: „Sie fragen mich, ob dem Abfalle mehrerer Katholiken in einigen Gegenden Deutschlands, und den Bestrebungen, hier und da sogenannte apostolisch-katholische Gemeinden zu consti tuircn, wovon die hiesige Zeitung so viel Wesen macht, einiges Gewicht beizulegen, und daraus irgend eine Gefährdung der katholischen Sache zu befürchten sey. Ich erwidere Ihnen darauf, daß, so wie überhaupt die religiöse B-wcgung unserer Zeit, so namentlich dieser seit langer Zeit in Deutschland unerhörte Abfall mehrerer Mitglieder der katholischen Kirche auf einmal, und zumal von Priestern, allerdings wohl eine Beachtung verdient, daß aber für die katholische Sache in Deutschland, und insbesondere in Preußen, aus diesen Vorgängen so wenig eine Gefahr zu befürchten ist, daß dieselben vielmehr von dem Aufschwünge des kirchlichen Lebens innerhalb dieser Kirche ein kräftiges Zeugniß ablegen. Es ist nicht zu läugncn, daß auch die katholische Kirche Deutschlands in den letzten 50 Jahren eine schwere Zeit durchlebt hat. Die Gefahr für sie lag nicht so sehr in den äußern Drangsalen, die sie erlitt, in der Beraubung und Unterdrückung, der sie in mehreren Perioden der letzten Vergangenheit ausgeätzt war, als vielmehr in der allgemeinen Herrschaft des Unglaubens, der von Frankreich und dem protestantischen Deutschland ausging, und auch auf die katholische Bevölkerung Deutschlands einen höchst nachtheiligcn Einfluß ausübte. In dieser Zeit bemächtigte sich eine merkwürdige Erschlaffung der Gesinnung selbst vieler Priester, und ein großer Theil der Laicnwclt in vielen Städten hing nur zaum noch mit einigen Fäden sichtbarer Gemeinschaft mit der Kirche zusammen. Nur das eigentliche Volk, der gediegene Mittelstand und die Landbewohner haben in der katholischen Kirche auch in Deutschland nie dem Unglauben gehuldigt. Dennoch aber war bei der Verwaisung der bischöflichen Sitze, bei der Gesinnungslosigkeit so vieler Priester, und bei dem Unglauben in der gebildeten Laicnwclt das religiöse Leben des deutschen Volkes gelähmt und wurde von Vielen als wirklich crstorben betrachtet, was es in der That nicht war. Aber es konnte nicht immer so bleiben. Nachdem Deutschland von der Zeit der sogenannten Reformation bis zum Ende der Revolution alle Stadien der unsinnigsten religiösen Erregung und des eiskalten Unglaubens durchlaufen hatte, führte der natürliche Lauf der Dinge und das Walten der göttlichen Vorsehung die Gemüther wieder aus den unnatürlichen Schwankungen der natürlichen Mitte zu. Es erwachte wieder ein dem deutschen Volke doch besonders eigenes religiöses Bedürfniß, und die bittere Erfahrung der vergangenen drei Jahrhunderte weckte in den Gemüthern wieder eine Sehnsucht nach jener Zeit, wo das Vaterland im religiösen Glauben einig und politisch noch nicht unheilvoll gespalten war. Die glückliche Verbindung deutscher Gelehrten unv Künstler mit Rom öffnete diesem uralten Sitze des Glaubens und der europäischen Civilisation wieder einen wohlthätigen Einfluß auf Deutschland, und aus dem Protestantismus selbst trat eine Reihe der edelsten und gelehrtesten Männer, Stolberg, Fr. v. Schlegel, v. Haller, Schlosser, Adam Müller, Schadow, Overbeck, Phillips, Jarke u. s. w. in den Schooß der alten Kirche zurück, und trug mächtig dazu bei, besonders in der gebildeten Laienwelt die Flamme des Glaubens wieder zu entzünden. Und zu läugnen ist es nicht, daß in neuerer Zeit gerade die ausgezeichnetsten Männer aus dem Laienstandc in Deutschland mehr als irgendwo sonst dazu beigetragen haben, die religiöse Begeisterung wieder zu erwecken. Erst später schloß sich in größeren Massen das Priesterthum, und zuletzt das Episkopat, das höchste und unmittelbarste Verbindungsglied zwischen den Gläubigen und dem kirchlichen Oberhaupte, diesen Bestrebungen an. Mit diesem Anschlüsse des Episkopates, das in Clemens August seinen Vorkämpfer fand, war die religiöse Belebung eine allg. meine geworden, und das Walten eines frischen katholischen Geistes durchdrang nun ungehemmt alle Glieder der großen kirchlichen Gemeinschaft. Das Trierer Ereignis; ist in dieser Hinsicht wichtig und bedeutsam. Es ist ein Siegesfcst des wieder erwachten Glaubenslebens, bei dem der Laicnstand, die Priester und die Bischöfe zum erstenmale in Deutschland nach den Tagen der unseligen Glaubensspaltung in solcher Allgemeinheit und Innigkeit, und in so herzlicher, durch nichts getrübter Uebereinstimmung sich bcthciligten. — Nachdem so das katholische Leben in Deutschland zum Durchbrüche gekommen war, und das Walten eines neuen und kräftigen Geistes alle ') Hurt er aus neuester Zeit nicht zu vergessen. Nassen und Schichten dcr Gesellschaft zu durchdringcn begann, mußte es offenbar allen denjenigen Katholiken, die, dem kirchlichen Leben entfremdet, und in ihrem inneren Leben ersterben, sich gege» die neue Bewegung verschlossen hatten, bei ihrem bloß äußerlichen Verbände mit der Kirche unheimlich zu werden beginnen. Bisher hatten sie sich als bloße Namcns-Kathvlikcn bei dem weit verbreiteten Unglauben und der großen Kälte in Sachen dcr Religion in ihrem W.'scn gar nicht genirt gefühlt. Aber der immer mehr erwachende Glaube, das immer mehr ringsum sich her kräftigende religiöse Leben machte, daß sie immer mehr vereinsamt und hall> los dastanden. Dadurch verwandelte sich ihre frühere Glcichgiltig- kcit für den Glauben in Haß und Feindschaft gegen denselben, und es nmßtc ihnen am Ende jede Gelegenheit, mit ihrer Kirche auch äußerlich zu brechen, willkommen und erwünscht seyn. Hier haben Sie meinen Maaßstab, die Bedcutuug dcr Vorgänge in Schncidcmühl, Breslau und anderen Orten zu würdigen und zu verstehen. Sie sind kein bedenkliches Spmptom für die katholische Kirche. Es ist viclnichr ein Zeugniß von dem in ihr neu gckräftigten Lebe», daß sie stark genug ist, alles ihr Ungleichartige, alles Gestorbene und Erstarrte von sich auszuscheiden. Wo eine solche Ausstoßung des Heterogenen vor sich geht, da muß dcr Entwickclungsproccß ein gesunder und kräftiger seyn. Wohl mögen, wenn die öffentliche Macht sie begünstigt, die Vorgänge zu Schncidemühl sich noch an manchen Orten wiederholen. Denn wo wäre wohl eine Stadt, wo nicht irgend ein Residuum aus der früheren Zeit des Unglaubens und der Gesinnungslosigkeit zurückgeblieben wäre, das von dem Wesen eines besseren Geistes nicht mitcrgrifscn, und also todt und stumvs geblieben ist? Aber mögen diese immerhin von dcr Kirche abfallen; sie befreien durch ihren Abfall die Kirche nur von einer großen Last, und veranlassen tie treue» Glieder, sich nur inniger und lebendiger an die Kirche anzuschließen. — Das Ausscheiden der schlechten und erstarrten Theile ist eine nothwendige Bedingung für das Anschließen neuer und lebendiger Kreiste an die Kirche. Wenn die Bäume beschnitten, und ihrer dürren Acstc und Wassersprossen erledigt werden, dann treiben ihre neuen Zweige und tragen bessere und reichlichere Frucht. — Betrachten Sie nur die von der Kirche Abgefallenen, einen Ronge, Czcrski, Milvc, Müller u. a. dergl.; sind sie wohl Männer, auf deren Urtheil ein Gewicht zu legen wäre? Wären sie Männer von tiefem Glaubensbedürfniß — Männer von hervorragender Intelligenz oder hoher Sittlichkeit, dann freilich müßle ihr Verlust für die Kirche schmerzlich seyn. Aber Alle, denen ein tieferes Glaubcnsbedürfniß innewohnt, habe» sich wieder mit dcr Kirche versöhnt, die Wissenschaft huldigt dem Glauben, und alle bürgerliche uud gesellige Ordnung schließt sich wieder enger an die Kirche an. Aber der hohle Unglaube, daö Laster und die sittliche Feigheit erklären ihr den Krieg. Das ist gewiß ein Zeugniß für die kathol. Kirche, worauf dieselbe stolz seyn kann. Was soll ich aber nun sagen über das Benehmen mancher Protestanten in dieser Angelegenheit? Ein Priester wird wegen unsittlichen Lebenswandels von seiner rechtmäßigen geistlichen Behörde abgesetzt; er kündigt seiner Obrigkeit den Gehorsam auf, und will sich in der protestantischen Kirche mit der entehrten Person trauen lassen, während die unglücklichen Eltern des verführten Mädchens feierlich dagegen vrotcstircn, und sogleich erhebt sich in den Zeitungen das wildeste Sicgcsgcschrci ü!'cr den Sieg des Lichtes über die Finsterniß, uud Czcrski wird als Reformator gepriesen. Rouge, ein wegen seiner Vergehen suSpendirtcr Priester, ein Mann von den allcrmittclmäßigstcn Anlagen, tritt öffentlich gegen die Lehre dcr katholischen Kirche und gegen einen der ehrwürdigsten Bischöfe Deutschlands schmähend auf, und Adressen preisen ihn als einen Mann, der den größten Männern aller Jahrhunderte sich würdig an die Seite gestellt. Man wollte dadurch die Katholiken kränken und erniedrigen; aber konnte die Erniedrigung derer, die Ronge und Czcrski erhoben, wohl größer seyn? Wahrlich, es war die höchste, die allerhöchste Zeit, daß Hengstcnbcrg und andere Protestanten zur Ehrenrettung ihrer eigenen Kirche sich g gen Rongc'S und Czerski's Treiben erhoben. Der Kampf gegen die Trierer Wallfahrt war und ist nicht ein Kampf gegen die katholische Kirche allein, sondern gegen den Glauben überhaupt, und das gegen die katholische Kirche erhobene Schwert fällt nun doppelt verderblich auf die zurück welche cS erhoben haben." s «- -» In Breslau, Leipzig, Berlin, Elberfcld begeben sich jetzt wundersame Dinge. Laienconcilien treten zusammen und entscheiden per ms^ora über die Cardlnalpuncte des neuen Glaubens. Ein solches Verfahren empfiehlt sich als verständig bei Berathungen über Gesetze und Eisenbahnstatuten; da eS sich aber bei Glau- benSgcmeiuden nicht von einer Majorität der Ansichten, sondern von ciner Einheit der Ueberzeugung handelt, so dürfte die Propa-, gationSkraft eines durch schwarze und weiße Kua/lu zusammcngc- würselten Credo'S wohl Bedenken unterliegen. Bisher ist ein neuer völkerbcgcifternder Glaube überall nur aus der Einsamkeit großer Geister und Herzen geboren worden, und hat erst so, als fertige That eines Einzelnen in das geschichtliche Leben eintretend, die Gemüther ergriffen, die Massen mit sich fortgerollt. Man hat daö Unzulängliche einer solchen Debatte in ihrer Anwendung auf die göttliche» Dinge auch wohl gejühlt und darum schlirßlich bestimmt, daß wegen einzelner Meinungsverschiedenheiten Niemand aus der Gemeinde ausgeschlossen werden soll. Mit dicscr Erklärung steht man auf dem Boden der religiösen Autonomie, d. h. des Protestantismus. Dahinaus zielt auch der vogmatischc Inhalt der neuen Lehre, so wie der Grundriß dcr kirchlichen Verfassung, welche ihre Bckcnner sich geben wollen. Von den Sacramcnten der alten Kirche werden nur zwei anerkannt, Taufe uud Abendmahl; letzteres jedoch nur als Symbol einer geistigen Vereinigung mit Christus, als LiebcS- und Gedächtnißfeier, nicht im katholischen Sinn eines durch das Wunder der Transsubstantiation sich wieder-- erzeugenden Opfers. Auch die Ehe verliert den sacramcntalen Charakter, doch behält sie den einer heiligen, von der Kirche einzusegnenden Handlung. An die Stelle der Tradition als verpflichtender Erkenntnißquellc, tritt das individuelle Recht freier Forschung; das Papstthum, die Priesterweihe, die Ehelosigkeit der Geistlichen, die Ohrenbeichte werden schlechthin verworfen. Ist das nicht Protestantismus? Wenn man mit dem Primat den Centralpunct dcr Verfassung, mit dem Ordo und Cölibat die Hierarchie, die Autorität des pricstcrlichen Standes und sein Verhältniß zu den Laien, mit dcr Ohrcnbeichte das wichtigste Mittel der persönlichen Scclsorge, mit den Sacramcnten die Praxis des katholisch-religiösen Lcbcns, mit der Tradition eine dem geschriebenen Wort gleichstehende Erkenntnißquellc im katholischen Christenthum verwirft, was, fragen wir, trennt, was unterscheidet die Bckcnner dieser Lehre von denen dcr protestantischen Kirche? Allerdings noch Einzelnes, die bisher beibehaltene Messe zum Beispiel; jedoch ist klar daß auch hierin, nachdem man den katholisch-mystischen Begriff der Eucharistie aufgcgcbcn hat, kein Moment eines wesentlichen Unterschieds gefunden werden könne. Eben in dieser innerlichen Identität mit dem Protestantismus liegt aber ein sach- lichcr Grund, wcßhalb die „deutsch-katholische" oder „apostolischchristliche" Kirche, insofern sie als solche eine selbst ständige Abgeschlossenheit, eine eigenthümliche Existenz ansprechen möchte, zu keiner großen geschichtlichen Wirkung gelangen Wird. <^A. Z.) cnr>!> j)lll''ü hML it»i»k?rH> titzit Nein, es gibt wirklich zu hübsche Geschichten im gemüthlichen Deutschland, Geschichten, mit welchen sich die Nachwelt an stürmischen Abenden beim Kaminfcuer unterhalten wird, wie wir das jetzt thun mit dem gehörnten Siegfried. Da liegen nämlich vor uns die Glaubensbekenntnisse der deutsch-katholischen Kirche von Czerski und Ronge. Ist das Alles? können wir mit Frau von Stavl fragen. Das Czerski'sche ist eigentlich nichts als Negation und Prvtestation, bacirer Mißverstand der Lehren der katholischen Kirche und dazu grober Mangel an Studium. Das Nonge'sche ist der Radikalismus der Kirche, der Nationalismus mit so viel Christenthum vermischt, als der Pöbel braucht, damit er nicht merkt, daß es kein Christenthum ist. Das sind nun also die neuen Reformatoren, wie man sie in manchen protestantischen Blättern nennen hört! Als Protestant würde ich crröthen für meinen Reformator. Ums Himmels willen, was soll das heißen: die Gemeinden machen sich ihr Glaubensbekenntniß. Meint ihr, daß ein Gemcinderath vorschreiben könne, was Jeder zu glauben hat? Wenn auf solche Weise eine deutsch-katholische Kirche gegründet werden soll, so würden wir ein Analogon von dem erleben, was des Neides Rheinbund gewesen. — Vor wenigen Monaten war das Geschrei für Fortschritt gegen die Minister gerichtet, diese feiern nun ihren großen Sabbath, die Presse Hort auf, sich mit ihnen zu beschäftigen, an eine gvuverncmentale Reform wird kaum mehr gedacht; eS geht nun an ein Construircn von neuen Kirchen und Glaubensbekenntnissen, und dazu vergeuden die Sächs. Vaterlandsblätter, das Frankfurter Journal, die Elberfelder Zeitung und andere löschpapicrne Blätter ihre besten Kräfte, und wo die nicht ausreichen, müssen Theater und Romane hilfreiche Hand ans undankbare Werk anlegen. Ucbcrall sucht man die Tartuffe und Molierc'- schenTendcnzstücke, wie das „Ermuszauf'sLand" unddaSGutzkom'- sche als Mittel der Cassesüllung und als Unterstützung der Rvn- gianerkirchc auszubeuten. Das thun dieselben Leute, welche stets über die Schmach der Bühne, die Herabwürdigung der Kunst reden, als ob nicht das die ärgste Herabwürdigung der Muse sey, sie zur Tendenzkuh zu gebrauchen. (Rh. u. M. Z.) ^mm;« .InMrG»?' iß.«! ttchj^ „noK :?i>t»,.,,S i ZsttMr!7Zl)^) s-jj 2,6g sis zgN -57zg. ,,,7z6sri> N>A Es ist doch eine herrliche Sache um die deutsch-katholische Kirche; wir würden mancher Erheiterung entbehren, wenn wir dieselbe nicht hätten. In diesen Tagen hat sie sich auch in Elber- seld constituirt. Als Präsident trat auf — denn es scheint in dieser Religion statt der Pfarrer und Bischöse Präsidenten und Dircctvren zu geben, was die Religion viel humaner und gemüthlicher macht — als Präsident fand sich ein der suspen8us Pfarrer Licht aus Leiwen. Anwesend waren einige Katholiken, die aber nur diesen Namen getragen, nie zu den heil. Sacramcnten und in die Kirche gegangen. Welcher Ritus dort eingeführt, und welche Erbauung in dieser Versammlung geherrscht, konnte ich noch nicht erfahren; doch scheint es an Begeisterung eben nicht gefehlt zu habeu; denn schon nach einer Stunde kam ein Glied der neuen Kirche, ein hier ziemlich bekannter Katholik, betrunken zur Thür herausgeflogen; seine deutsch-katholischen Glaubcnsbrüvcr hatten ihm selbst diese Ehre anthun müssen. Der übrige Theil der Versammlung bestand aus Protestanten, so daß nunmehr der dortige evangelische Psarrer (Krummacher) selbst gegen diese fünfte Kirche heftig zu Felde zieht. So wunderbar dreht sich das Rad des WcltlaufS: Was eine Grube gegen den Katholicismus werden sollte, droht nun gar der evangelischen Kirche den Einfall oder will selbst eine Brücke werden, welche die Protestanten zur Kirche zurückführt. O Ungunst des Schicksals! (Luremb. Z.) wllznz? Hz nztivs) Änu ?5>'«^ Hm huim>»^ Kurze Andeutungen über den Verlanf einer Verhandlung Behufs Begründung einer nenen allgemeinen Kirche. ( SchlesischcS Kirchenblatt.) Am festgesetzten Tage Abends gegen 7 Uhr drängte sich eine große Volksmasse zur Thür des Versammlungs - Saals, und cS ruft der daselbst stehende Herr: „meine Herrschaften! ich stehe im Namen der Gemeinde da; wer lein Billet hat, kann nicht eingelassen werden!" Viele entgegnen: „was kostet das Billet, es ist ja wie in einem Theater!" Thürftehcr: Sobald wir eine Kirche haben werden, wird's ja anders werden. Ein Mann aus dem Volke belehrt unS: Nun sie Hörens ja, es ist bloß für die Gemeinen. Wir gelangen mit großer Mühe in den Saal; der Reformator betritt einen etwas erhabenen Ort, ihm zur Seite ein Secretär mit Acten, und ein Gcmeindeältestcr. Unter dem Volke in der Mitte des Saales erhebt sich ein kleiner Mann (wahrscheinlich Vertreter der Gemeinde). Alles schweigt. Reformator (im schwarzen Frack) l» ginnt: Meine Hochgeehrte Anwesende! Wir sind im Namen dessen heute zusammengekommen, der uns berufen hat zu dem wichtigen und erhabenen Werke, nämlich eine apostolisch-katholische Kirche zu gründen, wozu uns der Sieg nicht fehlen kann, und wollen daher in unserer DiScussion fortfahren; zuvor aber wollen wir noch einmal das in der letzten Versammlung Verhandelte und Abgestimmte vorlesen. Der Secretär liest: I. Wir sagen uns von Rom los, und setzt hinzu: dieß wurde ohne DiScussion angenommen. Alle: Ja! Ja! II. Wir verwerfen den Cölibat, Ohrenbeichte und Priesterweihe als vom Papste eingesetzt. Alle: ja! ja! Secretär: auch dieß wurde ohne DiScussion angenommen. III. Wir verwerfen alles Fasten, Wallfahrten und Ablässe, weil sie nur zum Gelderwerb von der römischen Hierarchie eingesetzt worden sind. Auch dieß wurde ohne DiScussion angenommen. Alle: ja! ja! Ein Mann spricht vernehmlich: Das Fasten hab ich ohnehin auf dem Striche. Der Gemeindeältcstc ) (mit ziemlich leiser Stimme): Wollten sie vielleicht bloß den Ausdruck wählen: „weil sie zur Wnkhciligkcit führen, ' denn obgleich es wahr ist, wie Sie sagen, so wollen wir doch diesen polemischen Ausdruck lassen, weil es nachzuweisen bisweilen Schwierigkeit machte. Reform.: Ja, ab-r ich glaube man muß das Volk belehren, denn viele wissen es doch nicht, und es ist geschichtlich zu erweisen, daß cS die Päpste oft zum Gelderwerb benutzt haben. Ein Herr auf dem Stuhle: Ich glaube, Herr Reformator hat Recht, man mnß das Volk belehren! Alle: ja! ja! Gcmeindeältester: O, wahr ist es, das wissen Wir alle, allein wir wollen ja bloß den Ausdruck vermeiden. ') Der Herr hat für seine gelehrte Thätigkeit im Bau der neuen Kirche das Feld gefunden, welches die alte Kirche ihm nicht dailxetcn wollte, daher er sie schinähend verließ, um als Erstling der zeitgemäßen Gemeinde einen Namen zu erlangen. Secretär: Wir verwerfen die Ehe als Sacrament, dieses wurde mit einiger DiScussion angenommen. Ein Mann aus dem Volke: „Ich halte aber die Ehe sehr wichtig und heilig!" — Allgemeines Gelächter, man muntert ihn auf, weiter zu sprechen. Gemeinde ältester: Die Katholiken sagen dann: „der Mann ist Christus und die Frau die Kirche und halten es darum für ein Sacrament." (Furchtbares Andonnern an die verschlossene Thür, und großes Geschrei, denn viele wollen herein.) Gem eind cä l te st er: Das aber steht fest, daß die Ehe ein ganz innerliches Band ist, was der Staat weder schließen, noch trennen kann, sondern die Ehegatten, daher auch der Staat, wenn das Band innerlich getrennt ist, nur sagt: ich bestätige diese Trennung. Aber eine kirchliche Weihe ist sie. Alle: ja! ja! Jener Mann aus dem Volke: „Das Wort Sacrament kommt überhaupt in der ganzen Bibel nicht vor." (Gelächter. Viele rufen: zu spät, zu spät.) Reform.: Weiter wollen wir über die Ausnahme in unsre Kirche handeln. Gcmcindcältcster: Nun ich glaube, wer eintreten will, meldet sich beim Vorstande, dann bei der Gemeinde, und wird dann vom Geistlichen abgelesen. Ein uniformirter Herr: Ich glaube, wenn man das GlaubcnSbckenntnifz ablegt, man vo ipso dazu gehöre. Viele: ja, vor der Gemeinde. Gcmeindeältestcr: Ich glaube eS, es ist nothig, sie vorzulesen, damit wir einander kennen lernen. (Furchtbares Donnern an der Thüre.) Der Herr auf dem Stuhle (langsam und mit Pathoö): Ich glaube, unsre Gemeinschaft muß jedem frei und offen seyn, damit wir mit Vernunft und Freiheit, diesem köstlichen Geschenke, glauben. Gcmeindeältestcr: Ja, unsre Gemeinde soll überhaupt von einem brüderlichen Bande umschlungen werden, so daß jeder sein Kreuz auf sich nehme und Christo nachfolge. Wie überhaupt das Leben Christi unser Vorbild ist, und wir seine Befehle und die Gesetze des Staates achten! Ein junger Herr: Wie ist es denn aber, wenn einer auStretcn will? Das Volk vor und hinter ihm: Nun, da bleiben sie weg, was ists weiter! Reform.: Wir verwerfen alle Heiligen- und Reliquien-Verehrung. Ja! ja! Der Herr a. d. Stuhle: Lassen wir den hl. Lojola gelten? Gemeinde ältester: Den lassen wir passircn. Ein junger Herr: Fade Witze, man spreche ernsthaft. Ein vornehmer Herr: Nehmen wir überhaupt Heilige an? Viele: Nein, Nein! Reform, licst: Ferner kommen wir zu dem schwierigen Puncte über das Glaubcnsbckenntniß; ich gestehe, daß dieß eine sehr schwierige Sache ist. Ein Gemcindcglicd: Wir wünschen, daß uns erst Herr Reformator seine Meinung sage. Reform: Ich wollte erst die Meinung Anderer hören um meine etwaige irrige zu verändern. Aber unser Glaubensbekenntniß muß allgemein seyn, denn cö haben mich in diesen Tagen mehrere aus Bcrlin, und dic Bewohner aus einem kleinen Dorfe bei Neisse ersucht um unser Glaubcnsbckcnntniß und um Geistliche. Ein Gemeindeglied! Ja, allgemein, denn apostolisch heißt allgemein. Reform.: Wenn cö auch in derselben Reihenfolge so lautet, wie das Schneidcmühler. Viele: ja, ja, das apostolische! Der Herr auf dem Stuhle (während Alles still ist, ganz langsam, laut und mit Pathos): Herr Reform., was ich von Ihnen gelesen habe, und ich habe nicht viel gelesen, da finde ich doch, daß Sie immer so zu sagen den Nagel auf den Kopf treffen, und alles ganz recht verstehen, darum glaube ich, daß, was Sie meinen, recht ist, darum wollen wir, weil wir es doch nicht so verstehen, annehmen, was Sie meinen. Ich höre hier nur so viele Stimmen um mich; nur müssen wir das Ganze mit Vernunft und Verstände, diesem edlen Geschenke Gottes erkennen, denn sie führt uns. Ein Anderer: Ich glaube Herr Reformator es ist gut, wenn Sie uns erst a priori ihr Glaubcnsbckenntniß vortragen, damit wir es annehmen. Reform.: Ich gestehe, es ist dieß so schwierig, daß ich es jedem gern noch überlasse und bereit bin, die Meinung anderer willig zu hören, oder cS bis nächstens zu verschieben. (Alles schweigt). Ferner genießen wir das Abendmahl nach Anordnung Christi unter beiden Gestalten. (Ja, ja!) Nun hat vielleicht der Eine oder Andere noch seine Meinung zu sagen, ich bin gern geneigt sie zu hören. Ein junger Herr: Ich wollte Sie fragen, wie viel Sie überhaupt Sacramente annehmen? Reform.: Das war schon in der letzten Discussion da. Der junge Herr: Aber es steht ja nicht im Protokoll. Secretär: Es wurde nur vorübergehend berührt. Gemcindeciltester: Zwei Sacramente gibt es, die Taufe und das Abendmahl. Der junge Herr: Aber auch von der Taufe und dem Abendmahl steht nicht in der Schrift, daß sie Sacramente seyeu. Gcmeindcältester: Aber es steht in der Schrift, wer glaubt und getauft ist »c. Der junge Herr: Damit ist aber kcineswegcs gesagt, daß sie Sacramente scycn! (Alles schweigt.) Ein Herr: Ich glaube eö geht nach Stimmenmehrheit. Ein anderer Herr: Wollten Sie mir noch eine Frage gestatten ; ich wundre mich sehr, warum Sie die Praxis der Apostel verwerfen, welche dic Ehe für ein Sacrament hielten. Reform.: Es ist schon Alles beschlossen. Secretär: Kann nichts in.hr verändert werden. Ein anderer Herr: Die Ehe ist aber ein Sacrament; denn was ist ein Sacrament anders als ein sichtbares Zeichen, was man im Leben nur einmal empfangen kann!! Viele: falsch! Jener: das versteht sich freilich von selbst, daß das heil. Abendmahl und die Buße Sacramente sind, obgleich man sie öfters empfängt! Der Gemcindevertreter auf dem Stuhle: Herr Reform.! Ich glaube, daß wir eine besondere Sitzung halten, wo bloß die Gemeindeglieder zusammen kommen, und wir erwählen ein provisorisches Comite', „aber ganz fest", und lassen die verhandelten Puncte in ein Blatt drucken. (Mißfallen dagegen.) Reform, und Gcmeindeältestcr sehen einander an, und bei leisem Geflüster von allen Seiten spricht Reform.: wie gesagt, unser Glaubensbekenntnis; ist eine so wichtige und schwierige Sache, daß ich es jedem gern bis zur nächsten Versammlung überlasse. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. xnuWW ,icl .zcknoiZ' mi t^bin cknls ,„^aKZn,kiN i ^ 4 ^ ^« HH« ^M. ^ ^ ,»^« ni>Ä n.;>:».'.'«5 «Ä:tl',s.ck'iU,1»g (liiu intsvch'jn ^»S" B der. tt?ii^ i«t»g du» a-ru n»!i» .iiunT n?ü noigilM ^ck nzllnö si^ 7Z>j?'/I I? ,« , N',?ii!ißt»A n »7 nuclt ,»ttf>l>! nniiWM) stz,t«j M t« ^ « tÄ/» »,ch'?n,W i-ck tiir.l , ^ V / FR ^ 4 A ^ ^ i,ct ni MhklM chup ?,^In ,-n^-sn,ö?»<> iiUüt S-iij nnvS^ts-i^ 7,öÜ^ck Poftzeitung »»M sKijUvtz »sii, »jj »»igilK zchsÜ^iZI^ziD l> 5Ntt??i , a,ssojchs,g susi»M jj,s> ss> ^'niivck l ZjtZiiK «(L .l^zfs n,ch^5i,;T' »ittÄ i?Sü „IG musii in» s. März ,u ZA5jsn,chir>M.,i-l,utl nnvl »ft n,»?»^ . n^^M«) An Jesus. n,tchslch^ n»llo chi n^,i??/i>U)ij?y^ iMick'MoZ »nnt!? ,KMll!' ÄZOllki^ -..if^Z'j Dein süße- Antlitz niemal- seh'n? zchl'iÄ ,NZt!I!l,nitN »Ä^ „Sey Du die Blum' in meinem Garten, „Sey meiner Seele Pflegekind, „Da soll sie treulich Deiner warte« „Und wiegen Dich im Arme lind. IlZII NIZl iun „Sey Du die Hoffnung meines Leben-, „Sey meinem Herzen Speis' und Trank, „O sey die Krone meines Streben-, j/,Nlti'i»^ ,!» 6»„ -K > " > „Dann werd' ich sitzen auf dem Throne, , . , ' ^ ' „Und werd mein c,g ner Herrscher seyn z „Die Sünde stürz' ich da»» vom Throne, „Dann kehrt Dein Friede bei mir ein.« ?>a MMK „O, misj?K' zjct zss j7Z/ji»ll tk^> ?i,W tti,^ nn Ali) cktt^A dock Fr. Xav. Schumacher. - nzchl-nW e,Ä znnis n7(WI^K»n anu m/cnt fortfährt, so wird die Religion vernichtet. Denn die ewige Dauer einer menschlich gemachten Religion kann niemand garantircn, nnd ob es der Mühe werth sey, sich einer zeitlichen Religion zu unterwerfen oder nur anzuschließen, das ist noch sehr die Frage. Also gar kein Fortschritt? wird man fragen. Ja wohl, ein Fortschritt des Menschen zum Gntcn durch Besserung, dnrch Uebung der Tugenden, welche die Religion Jesu vorschreibt, kei- aus der gewissenhaften Befolgung der Gebote Christi ergeben sich iene Eigenschaften und gesellschaftlichen Tugenden von selbst, ohne Religiosität sind sie aber weder von Bedcntnng, noch von Dauer. Diejenigen Katholiken, welche sich nicht von der Religion des Fortschrittes bethvrcn lassen, thun recht daran; sie halten an Christus nnd seiner Kirche fest, die bessere Führer sind, als der Wind der Tagespreise. Wir stören diese nicht in ihrem politischen Treiben, sie sollte auch die Katholiken ruhig bei ihrer Religion belassen. Das jnnge England. (Der Katholik,) Während das junge Deutschland die Verbesserung des Vaterlandes nach juughegel'schcn Philvsophcmcn und in der Emancipation des Fleisches zu erstreben sucht, eigentlich aber nichts weiter darstellt, als den bodenlosen Sumpf einer nach allen schlechten Richtungen hm und zum allgemeinen Verderben wirkenden Presse, sehen wir in England die Jugend glücklicherweise ein weit ehrenhafteres Ziel verfolgen. Davon gibt nns folgende Darstellung, welche wir a»S dem Magazin für die Literatur des Auslandes entnehmen, ein höchst erfreuliches und für Deutschland sehr beschämendes Beispiel. Zugleich ersehen wir hieraus, wie intensiv und stark jene neue in der englischen Hochkirche entstandene Bewegung ist und wie sie selbst schon ans das übrige gesellschaftliche Leben einen bedeutenden Einfluß äußert. Selten beginnt, heißt es in dem gedachten Aufsatze des Magazins, eine nenc politische Partei ihre Wutsamtcit so vorherrschend mit poetischen Productcn, als dieß bei dem sogenannten „jungen England" der Fall ist. Zu den bedeutendsten Vertretern desselben gehören auch zwei junge Männer, die bisher fast nur durch literarische Leistungen für ihre Partei gewirkt, und die auch durch ihre Jugend noch mehr als Herr d'Iöraeli berechtigt sind, das junge England zu reprLscntircn. Der älteste der beiden Schriftsteller ist noch nicht achtundzwanzig Jahre alt. Beide gehören der Aristokratie an. George Sidncy Smith ist der älteste Sohn des ViScount Strangford, Lord John ManncrS ist einer von den Söhnen des Herzogs von Ruttlanv. Auch sind ncswegS aber ein Fortschritt dnrch Aenderung dieser Religion, beide seit drei Jahren Mitglieder des Unterhauses. Die Bücher, Denn in dem wechsclvollcn Leben des Menschen ist gerade Eines ^ um derentwillen sie eine nähere Besprechung verdienen, sind i nothwendig, das nicht wechselt, Eines, welches das Unrecht der > Kngluncl's l'iusl (Englands Zuversicht) nebst anderen Gedicht n Welt, das dicßseitö nicht gesühnt wird, jenseits berichtigt, Eines, l von Lord John Manners nnd die Ilislorie s-znoies (historische Was dein gefallenen »»glücklichen Menschen die Heilmittel anbietet ^ Phantasien) von Smith. und gewährt, sich mit Gott wieder auszusöhnen. An dieser! Ein einziger Gedanke durchdringt die Gedichte des Lord John Grundlage darf aber nichts verrückt werden, denn der Mensch! Manners: dieß ist ein religiöser Gedanke, aber mit der Nüance, kann allein seiner Seele nicht helfen, er kann seine Sündhaftigkeit nicht mit einer selbstgemachten Religion heilen. Christus ist der Seelcnarzt, seine Heilsmittel, die Sacramcnte, müssen wir brauche», wc»» unsere Seele genesen soll, an ihn müssen wir glauben, nicht an uns, wenn wir ans dem rechten Wege bleiben wollen. Es verräth eine große Unkcnntniß der katholischen Religion, Wenn man den Katholiken zumutstet, sie sollen dieselbe den Zeit, ansichten unterwerfen und nach jeweiliger Eingebung der Mode ändern. Das wäre ein Fortschritt zum Verderben. Man mag ihn mit den schönsten Vorspiegelungen von Menschenwürde, Sitt- ichkeit, Humanität, Höhe der Zeit u. s. w. anrühmen, wie man die England eigenthümlich ist und die besonders die junge Schule auszeichnet. Lord John Manncrs hat an der Religion nicht das k'esumzen, was sich der Poesie zunächst darbietet, den Rausch der Extasen, die Pracht der Hymnen, die Schmerzen, die von der Resignation hingenommen u-d von der Hoffnung beschwichtigt werden. Lord John Manners hat eS weniger mit der Religion als mit den Instituten der Religion zu thun, mit der äußeren Form, die ihr in England zur politischen Hülle dient, er hat vorzüglich eine Demonstration zu Gunsten dessen gemacht, was die Engländer die bestehende Kirche, tiw estÄltlitjlrecl cliureli nennen. Für ihn ist Ungl-rnä's l'rust (Englands Zuversicht) die Kirche. Man sieht überhaupt aus den Pocsieen des Lord John MannerS, daß das junge England in der Politik ein Resultat der religiösen Bewegung ist, die vor zwölf Jahre» an der Universität Oxford sich zu entwickeln begann. Diese puseyistisch-katholische Scbule von Oxford ist selbst aus den politischen Umständen hervorgegangen. Die Lage der cmglicanischcn Kirche bietet heute einen merkwürdigen Contrast, verglichen mit dem, was sie vor zwölf Jahren war. Man befand sich damals unter dem Eindruck der Emancipation der Katholiken, die utilitarischen Ideen und der philosophische Liberalismus, die in der Neformbill ihren Sieg feierten, verfolgten damals einen aufsteigenden Weg; die alten schon angegriffenen Privilegien der Kirche sahen noch gefährlichere Stürme gegen sich heranziehen; eine parlamentarische Commission, welche für die Beaufsichtigung der Kirchenangelcgcnhciten ernannt worden, in der aber die Laien die Mehrheit bildeten, schien der geistlichen Unabhängigkeit der Kirche Gefahr zu bringen, indem sie an ihrer weltlichen Einrichtung rüttelte. In diesem Moment war cS, wo den Angriffen des philosophischen Geistes und der diss ntirendcn Sccten gegenüber einige Clcrgymen der Universität Oxford, die Herren Puscy, Palmer, Williams «nd Newman, sich in dem Bestreben vereinigten, die anglicanische Kirche auf die Basis der römische» zurückzuführen, die vergessenen Principien, welche jene mit dieser gcmci»schastlich hat, wiederherzustellen, ihr den Glanz der alten Tradition wiederzugeben, auf welcher die englische Kirche beruht, die, obwohl sie von der Gemeinschaft mit Rom getrennt ist, gleichwohl Anspruch macht, den Fundamcntal-Charak- ter des Katholicismus in sich zu bewahren. Sie schrieben erst kleine Abhandlungen, in welchen die Hauptpuncte des Glaubens und der Verfassung der anglicanischcn Kirche einer neuen Prüfung und Erklärung unterworfen wurde«: diese Brochürcn, die anonym und unter der Bezeichnung lor tlro ^imos erschienen, machten großes Aufsehen. Mitten in der Polemik, die sich um sie erhob, verbreitete sich der Geist, der sie eingegeben, bei einem Theile der UnivcrsitätS-Jugend, des jüngeren Klerus und der höheren Classe Englands. Die Schriften der ersten Theologen der anglicanischcn Kirche, in denen man den Geist des Katholicismus, je näher man der Epoche Heinrichs VIII. kommt, desto lebendiger wieder findet, sind von neuen: gedruckt und publicirt wordcu. Man hat neue Ausgaben von den Werken der alten Kirchenväter veranstaltet; noch in diesem Augenblicke gibt man das Leben der Heiligen heraus, die der Zeit angehören, wo England mit Rom in Berbindung war, geschricbeu in dcn Gesinnungen der mittelalterlichen Jahrhunderte; — doch schon fängt auch der oppositionelle Sturm an, ein furchtbares Ungcwitter heraufzuführe«, in welcher Beziehung wir namnUlich nnf einige der letzten Blätter des whiggistischen Morning Chronicle verweisen. Zu den Büchern, welche jene Bewegung hervorgerufen, gehören auch die Poesien des Lord John MamicrS. Der Enthusiasmus desselben sür die Kirche läßt sich aus ein doppeltes Motiv, auf ein doppeltes Element zurückführen. Lord John Manncrs liebt in der Kirche die Hüterin der edlen und heiligen Tugenden, die das religiöse Gefühl unterhält, und dann liebt er die Kirche wegen der Wohlthaten, die sie über sein Vaterland verbreitet hat, also aus patriotischer Dankbarkeit. Die letzte Nuance, welche vielleicht die Gefühle des Lord MannerS beherrscht, wirft auf seinen Cultus für die Kirche eine historische Fa-bc; cr macht gerne die Vergangenheit der Kirche zum Gegenstand seiner Betrachtung. Auch sind er und seine Freunde weit entfernt, das Urtheil der Protestanten in Bezug auf die Religion des MittclaltcrS zu unterschreiben, sie erblicken vielmehr in dieser Epoche die schönsten Zeiten des Christenthums. Ja cr wünscht nicht bloß die Rückkehr des alten Glanzes der Kirche, sondern auch die Vereinigung der Kirchen, die im Episkopat die apostolische Tradition bewahrt haben. Er hofft, daß sein „wicdergcborncr Glaube England an die Spitze der katholisch n Kirche stellen wird, er möchte cS gerne mit cincm heiligeren Namen als dem der Herrin der Meere geehrt sehen, mit dem Namen, den Rom in seiner blühenden Jugend trug, und den der Glaube von Ufer zu Ufer fortpflanzte, dein Namen einer Mutter der Kirchen." In einem, an Rom gerichteten Gedichte macht cr dem Papstthum Vorwürfe, die gcwiß in dcm Munde dcs Engländers bedeutsam kliugcu: „Herzloses Rom! groß ist deine Sünde, daß du «och nicht das grausame Urtheil, unter welchem wir in dcn fremden Länder« schmachten, widerrufen hast.....In reineren Tagen blieben die Kinder der Kirche fest gegen das Schisina und die Häresie. Aber jetzt wie ist mein Herz so betrübt!"..... Nach solchen Aeußerungen ist Lord John MannerS nur conscquent gewesen, wenn cr im Unterhause die Negierung aufforderte, diplomatische Verbindungen mit Rom wieder anzuknüpfen. > 7,,?!,agt die StaatSzcitung der kathol. Schweiz: „Die Könige von Frankreich, Spanien und Portugal, von drei gottlosen, mit Freimaurern und mit der autichristlichcn Secte einverstandenen Minister», Choiscul, Arenda uud Pombal, aufgehetzt, ließen sämmtliche Jesuiten, die sich in ihre» Reichen besanden, medr als 4000 unschuldige uud würdige Geistliche, unter dcn lügenhafteste» und widersprechendste» Vonvändcn, auf die himinclichreiendstc Weise, ohne Untersuchung, ohne Verhör, ohne Urtheil theils einkerkern und hinrichten, theils an einem und demselben Tage aus dem Lande dcportircn und an srcmdcu Küsten aussetzen. Aber die Nemesis blieb nicht aus, und traf schon die Söhne und Sohnssöhne dieser verblendeten Könige. Zwanzig Jahrc hernach ward der gutmüthige, aber allzuschwachc Ludwig XVI. nicht durch Jesuiten, sondern durch ihre Feinde vom Throne gestürzt, sogar dnich Hcnkershcinde auf's Schaffott geschleppt, und hatte dieses traurige Schicksal gerade sciucu gcpricscucn Concessionen, seiner falsche« Friedensliebe zu verdanken, die den Ruchlosen keinen Widerstand leisten wollte und, um das Blut von wenigen Missethätern zu schonen, dagegen das Blut von Millionen rechtschaffener Menschen in großen Strömen vergießen ließ. Die Könige von Portugal und Spanien wurden ebenfalls durch Freimaurer, d. h. durch die Todfeinde der Jesuiten, aus dem Lande gejagt. Der rechtmäßige Erbe des portugiesischen Thrones, welcher zu spät dem Uebel wehren wollte, obschon von dem treuen Volke beharrlich unterstützt, ward durch drei Mächte, die seine Freunde hätten seyn sollen, die aber unter dem Joche der Freimaurer stunden, aus seinen: Reiche vertrieben und konnte seine Zuflucht nur in Rom bei dcm von seine«, Vater und Großvater so schr gekränkten und beleidigten Haupt der Christenheit finden. Karl X., König von Frankreich, welcher zwar wider seinen Willen uud seine bessere Einsicht sich durch die uugestümen Forderungen der revolutionären Partei, durch Furcht und faischc Fiic- dcnShoffnuugcn dic Aufhebung aller Jcsuilencollcgicn abtrotzen ließ, ward gerade ein J chr nachher von eben dieser jcsuilcnfcindlichen Faction nebst seiner ganzen Familie aus dcm Lande seiner Väter verjagt; die Jesuiten hingegen blieben ruhig in Frankreich zurück, und wenn sie auch noch keine förmliche Collcgien halten, so dürfen fie doch Privatunterricht geben und üben ungehindert alle ihre geistlichen Verrichtungen aus. Auch hat die jetzige Regierung Frankreichs noch kein Dccrct erlassen, daß die zahlreichen französischen Jünglinge, welche bei den Jesuiten zu Freiburg studircn, deßwegen von allen geistlichen und weltlichen Aemtern ausgeschlossen seyn sollen. Der unlängst verstorbene König von Holland hat allein den Neu-Bcrncrn daö Beispiel eines solchen Dccrets gegeben; er wollte ebenfalls die Jugend seines Landes in anlichristliche Schulen zwingen, aber eS ist ihm übel bekommen: Katholiken und Liberale vereinigten sich; wiewohl aus verschiedenen Gründen und Absichten, gegen ihn; er ward zum Erstaunen der Welt sogar von seinen nächsten Freunden und Verwandten, dem Kaiser von Rußland, den Königen von Preußen und England, verlassen, verlor zwei Drittheilc seines Reichs, und seither blühen die Jesui- tcncollcgien in Belgien, wiewohl unter einem protestantischen und cvnstitutioncllcn König, mehr als in keinem andern Lande, sie sind sogar im eigentlichen Holland aufgenommen, und die katholische Kirche, welche man bckncchtcn wollte, ist freier, als sie vorher gewesen. Endlich wollen wir noch an ein ähnliches Beispiel auö der Schweiz selbst erinnern. Es hatte die weiland helvetische sehr radicalc Regierung in ihrer vollen Ccntralgewalt bereits dccrctirt, daß nicht bloß die Jesuiten, deren damals keine vorhanden waren, sondern sämmtliche katholische Priester dcvortirt, d. h. bannisirt und durch Landjäger oder Soldaten über die Glänze geführt werden sollen. Allein was geschah? Die Priester blieben alle im Lande, dagegen aber ward die helvetische Regierung sammt ihren Schreib- und Waffenknechtcn von ihren Sesseln in Bern herab bis an den Genscrsce geworfen; sie flehte kriechend um fremde Hilfe, fand aber selbst bei ihren Stiftern in Frankreich keine Gunst mehr, sondern ward aufgelöst und ist Todes verblichen; es mußten sogar auf französischen Befehl die von ihr aufgehobenen Klöster wieder hergestellt werden." Deutschland. Wir tragen zu dem Artikel der Postzeitung, welcher die Er- communication und Degradation Czerski'S betrifft, noch die (dort ausgelassenen) Stellen des Documentcs nach, welche die Ermah- uung an die Diöccsancn enthalten. Sie lauten wie folgt: „Wenn zu jeder Zeit, um so mehr in der gegenwärtigen, laßt uns jene wichtige Ermahnung des heiligen Apostels Petrus i'n's Auge fassen: Seyd nüchtern Brüder und wachet! Die Nüchternheit wird dazu beitragen uns wacksam zu erhalten; und die Wachsamkeit wird uns wahrnehmen lassen den Feind und Gegner, der stark und drohend um uns wie ein Löwe umhergeht und suchet, wen er verschlingen könne. 1. Pctr. 5, 8. Es ist kein geheimer, soudcrn ein offener Widersacher, der nicht schläft, «och müssig geht, sondern stets thätig ist, und alle Kraft aufbietet, um jenen Felsen, auf dem der Herr seine Kirche erbaut hat, zu zertrümmern und die Einheit derselben, die Einheit im Glauben und den heiligen Sacramcnten, wie auch in dem sichtbaren Oberhaupte der Kirche zu zerreißen und zu vernichten. Dieses Widersachers feurige Pfeile (Ephcs. 6, 16.) vermöge« wir nur durch die Kraft und Festigkeit unseres Glaubens auszulöschen. Wundert Euch übrigens nicht über alle diese gegen u»sere Kirche gerichteten Angriffe, und noch weniger ängstigt Euch darüber. Die von unserem Heilande vorhcrgcsagte Bestimmung dieser Kirche ist: stets zu leiden und mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Aber Derselbe, der dieser Kirche Stürme und allerlei Ungemach vorhcrgcsagt, hat ihr auch seinen Schutz und ewige Dauer versprochen. Was die Hand des Allmächtigen gegründet und angeordnet hat. das vermag keine Macht der Menschen und selbst der Hölle umzuändern, noch viel weniger zu vernichten. Die Kirchcngeschichte stellt uns mehrfach sehr traurige Beispiele von Abfall und Verläugnung der himmlischen Wahrheit vor; aber sie berichtet gleichzeitig die schrecklichen Folgen hie- von. Wenn die verstoßene und verhöhnte Religion von den Menschen ihr leuchtendes Antlitz wegwendet, alsdann irrt die menschliche dieses Lichtes beraubte Vernunft blindlings in den Finsternissen einsam umher und wie verloren weiß sie nichts recht zu beginnen, indem sie alles verwirrt, zertrümmert und vernichtet. Ein Mensch ohne Religion ist jener Frucht ähnlich, die vor der Reife vom Baume abgeschüttelt der Fäulniß und Zernagung durch das Gewürm anheimfällt; nur mittelst der belebenden Strahlen des Glaubens gedeihtt diese Frucht zur Reife, schmücket den Baum und zur gehörigen Zeit gepflückt, wird sie zur Frucht des Lebens. In jedem Lebensalter, in jedem Zustande der menschlichen Gesellschaft, in allen Veränderungen des unstäten Geschicks, ist die Religion eine Leuchte deö Verstandes, ein Quell des reinsten Glücks, der untrüglichsten Hoffnung und Freude, wie auch ein Anker der Beseligung. Laßt uns also an diesem Anker festhalten, damit wir nicht zu Grunde gehen in den Abgründen, die unsere Gegner vor «ns bereiten! Laßt uns alle zur alten Frömmigkeit unserer Vorfahren zurückkehren, zur Festigkeit ihres Glaubens und dem Eifer für Erhaltung desselben! Laßt uns unsere Herzen zuwenden der Furcht Gottes, dem Eiser für seine Ehre und für Aufrechthaltung seiner uns gegebenen Gebote und Lehren; denn dadurch werden wir verdienen, daß Gott über uns die Gaben seiner Barmherzigkeit ergießen wird, und unsere Widersacher werde» erstaunt sprechen: Darum ist Gott geduldig mit ihnen und ergießet über sie seine Barmherzigkeit. Gccl. 18, 9. Da aber unsere Religion unS jedes Nachcgefühl verbietet, vielmehr »ns befiehlt die Feinde zu lieben und Gutes zu thun Denen, die uns hassen und verfolgen, so wollen wir demüthig und vcr- trauungsvoll uns dem Gnadenthrone unseres Gottes und Herrn nahen und Ihn anflehen: daß Er unseren Feinden ihre Schuld verzeihe. Laßt uns also Ihn flehentlich bitten für unsere unglücklichen Brüder, welche durch List des Satans und durch Betrug seiner Abgesandten neuerlich in so tiefe Finsternisse des Irrthums verfallen sind, daß der Herr sie erleuchten, zur Besinnung und Bekehrung führen und seiner Kirche zurückgeben wolle. Laßt unS bitten, daß er auch die gegenwärtigen Anfeindungen und Angriffe gegen seine Küche entkräften und ihnen keine Ucbergewalt über sie gestatten, vielmehr diese seine Kirche mit seinem mächtigen Arm beschützen und verthcivigcn möge. Laßt unS vorzüglich diesen himmlischen Hausvater bitten, Er wolle Arbeiter schicken in seinen Weinberg, der heute bei uns unter einer solchen Fülle der Ernte so verwaist ist, — Er wolle uns versorgen mit solchen Priestern, die da wirklich sind, was sie seyn sollen, das Licht der Welt und das Salz der Erde. Laßt uns Brüder, spreche ich nochmals mit den Worten des heiligen Apostels, — laßt uns nüchtern und wachsam seyn, damit der Feind nicht komme und Unkraut säe zwischen deu Waizen. Laßt unö ihm stets Widerstand leisten durch Standhaftigkeit im Glauben, unv unser ganzes Lebensziel sey dahin gerichtet, auf daß Gott sey Ehre i« der Höhe und auf Erden Friede den Menschen , die eines guten Willci-s sind. Luc. 2, 14. Verantwortlicher Redicteur: L. HchHnchen. Verlag«-Inhaber: F. S. Kremer. rt. ins., sowohl eines erleuchteten Obcrhirtcn, als auch der Gründung eines Pricster- scminars; und ein sogenanntes kleines Seminar steht in Aussicht. Nachdem die unmittelbar zwischen dem hl. Stuhl und dem königlichen Thron darüber gepflogenen Verhandlungen geschlossen, verkündete ein Hirtenbrief des apostolischen Vicar das frohe folgenreiche Ereigniß dem ganzen Volke und legt Allen die Wichtigkeit und den Segen einer kirchlichen Erziehung und Bildung klar vor Augen. „Aller Unterricht," heißt es im Anfange desselben, ,der nicht auf den Glauben gründet, alle Zucht, die nicht ans das Heil hinzielt, ist des Menschen unwürdig und für ihn werthlos, weil sie ihn nicht zu Gott führen, der sein Ursprung und Endziel, sein ewiger Herr und sein höchstes Gut ist. In der Kirche aber sind die Bischöfe und Priester, als Nachfolger der Apostel angc dieß kostbare Gut erhalten bleibt. Zuletzt sey noch aus dem herrlichen Hirtenbriefe bemerkt, daß nicht allem der König-Großherzog die ständige Besoldung des Seminarpräses und der sechs Professoren, den der Philosophie einbegriffen, sondern auch fünf ganze und zehn halbe Freitische für dürftige Zöglinge, und die bedeutenden Kosten für die Wiederherstellung des Gebäudes (des einen Flügels des ehemaligen Jesuiten- Collegiums, den dazu die Stadtbchörde zuvorkommend eingeräumt), so wie für die Anschaffung des sämmtlichen Hausgeräthes, aus der Staatscassc großmüthigst bewilligt, und überdieß aus öffentlichen Mitteln Unterstützung zur Erbauung und Einrichtung des kleinen Seminars huldreich zugesagt, auch zur Wahl und Ernennung der Obern und Lehrer dem apostol. Vicar die völlige Freiheit, wie sie ihm durch Lehre und Recht der Kirche zusteht, ungeschmälert gelassen hat. „Und so sind Wir denn," sagt derselbe, „unter dem Beistande des hl. Geistes zur Berufung der Männer geschritten, deren Händen Wir die Zöglinge des Gottesdienstes und der Seelsorge anvertrauen wollen. Die meisten derselben haben sich schon unter unsern Augen in verschiedenen kirchlichen Aemtern als treue Diener Gottes erprobt und bewährt. Einige von ihnen, nicht unserer Provinz, wohl aber unserm deutschen Baterlande entstammt, haben in schweren Stellungen sich um Glauben, Recht und Zucht der Kirche hochverdient gemacht und des ehrenden Vertrauens eines der erleuchtcsten Kirchenfürstcn unserer Zeit genossen. Vertrauensvoll ergreifen wir ihre Mithilfe bei dem wichtigen Geschäfte der Pricsterbildung. Um Ostern, das Fest der Auferstehung unsers Herrn, soll das HauS eröffnet werden, aus dem in Zukunft, wie aus einem heiligen Grabe, worin der irdische Mensch untergegangen, der neugewählte Priester wie ein wiesen, alle Völker zu lehren, sie Alles halten zu lehren, was! himmlischer Mensch hervorgehen und das göttliche Leben, dissen er der Herr ihnen geboten hat, aller Creatur das Evangelium zujvoll ist, seinen Brüdern mittheilen wird." predigen, und diese Lehre und Predigt müssen sie ohne Zweifel _ anheben bei der Jugend, deren Herz und Geist der empfängliche Boden für den Samen der heiligen und heilsamen Wahrheit ist. So kann denn auch die christl. Gesellschaft ihrem geiftl. Haupte, dem Pricstcrthum, einen vorzüglichen und durchgängigen Einfluß auf alles Erzichungs- und Unterrichtswcscn nicht versagen; . . . . nnd ist die Kirche die eigentliche nnd höchste Erzieherin und Lehrerin des Menschengeschlechts überhaupt, wie viel mehr wird es ihr obliegen nnd zustehen, die Genossen jenes Standes, dem sie ihre höchsten Angelegenheiten anvertraut, des vricsterlichcn, ausschließlich zu erziehen und auszubilden." Nachdem nun weiter ge- Rom. Fest der Erscheinung des Herrn. Um dem Herrn zu danken für das Licht des Glaubens und nach seinem Willen zu bitten um die Erweiterung seines Reiches auf Erden, stiert die ganze christliche Welt das Fest der Erscheinung des Herrn. Der Jubel und die Freude der Kirche über dieses große Geschenk kann sich nun wohl nirgends so lebhaft und ungestört auösprcchen, als in Rom, dem Mittelpuncte jener Kirche, Welche sich kraft ihres unfehlbaren Lehramtes rühmen darf, jenen hehren lcbendigmachenden Glauben, jenes Gotteswort, durch alle Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag rein und unverfälscht erhalten und allen Nationen überliefert zu haben. Am Feste der Erscheinung bietet daher auch Rom Alles auf, um sich als die Metropole des Bischofes der Bischöfe, unter dessen Obhut von Christo alle Schafe, alle Lämmer gegeben sind, zu bewähren. Keine Stadt auf der Welt, außer Rom, hat auch solche Mittel, die Einheit und Allgemeinheit der Kirche klar und lebendig vor Augen zu stellen. Denn die Hauptstadt der Welt besitzt jene unvergleichliche Anstalt, jenes Weltscmiuar, wie kein zweites zu finden, die blühende Anstalt der Propaganda, in welcher gegenwärtig über 190 Jünglinge aus allen Völkern der Erde zu Aposteln ihres Vaterlandes herangebildet werden. Mit derselben Weisung, die einst der Herr seinen Zwölfen gab: Gehet hin und lehret alle Völker u. f. w., sendet sein Stellvertreter jährlich «uS der Propaganda Priester in die Welt, damit sie ihrem Volke die Erlösung durch Christum verkünden. Zum Zeugnisse aber, daß die Gemeinschaft der vielen Glieder mit dem Einen Haupte das wahre Leben bedingt und daß dieselbe durch Verschiedenheit der Abstammung, der Gebräuche und der Sprache nicht nur nicht gestört, sondern dadurch noch offener hervortritt, wird am Feste der Erscheinung in der HauScapelle der Propaganda das hl. Opfer in mehrerlei Ritus und Sprache dargebracht, und am Nachmittage (dieses Jahr am Nachmittage des nächsten Sonntagcö) hört man von den einzelnen Zöglingen in den verschiedensten Sprachen das Lob des Erlösers verkünden. Ganz eigenthümlich und der Weltstadt würdig ist ebenfalls die an diesem Tage beginnende achttägige Feier in der Kirche 8t. ^näroa clella Valle. Man muß selbst zugegen gewesen seyn, um in die allgemeine Meinung mitcinzu- stimmen, daß Rom fast keine schönere und bedeutungsvollere Fcst- fcier aufzuweisen hat. Der Stifter derselben ist ein schlichter, armer, demüthiger Priester aus dem Neapolitanischen, Namens Vincenz Palotta. Allgemein wegen seiner Tugenden hochverehrt, fiel es ihm nicht schwer, überall die nöthige Beihilfe zu erhalten; und so brachte er eS mit Genehmigung des Papstes zu Stande, daß in besagter Kirche die Octavc des Festes der Erscheinung im eigentlichen Sinne des Wortes als Völkerfest gefeiert wird. Außerdem, daß an jedem Morgen mehrere stille hl. Messen in verschiedenen Ritus gefeiert werden, finden täglich zwei Hochämter statt, eines in abendländischem, das andere in morgenländischem Ritus, und zwar dieses Jahr am ersten Tage das lateinische Hochamt von den Vätern des Ordens der Theatiner, das orientalische von den Armeniern. Am zweiten Tage hielten das lateinische die Patres des hl. Franz von Paulo, das orientalische die Maroniten. So wechselten diese acht Tage hindurch die lateinischen Orden in Darbringung des hl. Opfers mit den unirtcn Griechen, Syriern, Melchiten, Armeniern und Chaldäern. Die Sprache und Ceremonien waren zwar verschieden, aber ein und derselbe Glaube, dieselbe Anbetung vereinigte die Priester der verschiedensten Völker so wie am Mittelpuncte der Einheit der Lehre und Verfassung, so auch vor dem Mittelpuncte der Andacht und des Gottesdienstes. — Dann ist ferner die passende Anordnung getroffen, daß an jedem Tage die Zöglinge je irgend eines Kollegiums sowohl Morgens beim feierlichen Hochamte, als auch Nachmittags bei der Vesper und am Abend bei dem Segen assistircn, so am ersten Tage die Alumnen unseres deutschen Collegiums, mehr denn 60 an der Zahl, dann an anderen Tagen abwechselnd die der römischen, englischen, schottischen, irländischen u. s. w. Kollegien. Die übrige Zeit, wo keine Messe oder sonstige Andacht stattfand, war für die Predigten in verschiedenen europäischen Sprachen bestimmt, und zwar jedesmal eine Stunde vor Mittag. Am ersten und siebenten Tage wurde in deutscher Sprache gepredigt, uud zwar von dem Priester Franz Joseph Gehlen aus der Diöccsc Münster. Die musterhaften Vorträge des unstreitig ersten Kanzclredners in Rom, des ?. Ventura, der täglich irgend eine HcilSwcchrhcit mit besonderem Bezug aus die von der Kirche Getrennten auf die anziehendste Weise an das Evangelium von den drei Weisen anzuknüpfen und mit hinreißender Klarheit und Beredsamkeit durchzuführen wußte, wurden von Fremden und Einheimischen, selbst auch von den sich hier aufyaltcnden Protestanten, Russen und Engländern zahlreich besucht. An jedem Abende nach der italienischen Predigt sah man die nach römischem Geschmack gezierte Kirche wahrhaft festlich erleuchtet, und nach Aussetzung des hvchwürdigstcn Gutes ward alsdann abwechselnd vom Chor und dem Volke der 116te Psalm: „Lobet den Herrn alle Völker, lobet ihn alle Nationen" gesungen und dann sofort die lauretanische Litanei angestimmt. Nach derselben ertheilte jedesmal Einer der Kardinäle den hl. Segen. Wer endlich das Glück gehabt hat, dem feierlichen Tedcum am Schlüsse dieser merkwürdigen Octavc beizuwohnen und ^zu gewahren, wie vollkommen zufrieden die Christen aller Stände und so zu sagen aller Völker mit der sinnvollen Feier dieser Tage waren und wie gerührt sie Alle in dieses Schluß-Tedeum einstimmten; der wird nicht zuviel sagen, wenn er behauptet- Eine solche dem Feste der Erscheinung durchaus anpassende, hcrzerhcbendc, alle Völker wie zu Einem Volke in Christo vereinende Feier vermag nur Eine und zwar die katholische Kirche zu begehen. Nur in ihr macht es Eindruck, nur in ihr fühlt man, was cö heißen will: „Lobet den Herrn alle Völker — denn es ist bestätigt über uns seine Barmherzigkeit und die Wahrheit des Herrn bleibet in Ewigkeit." (Münst. S.-Bl.) Die katholischen Blätter aus Tirol schreiben aus Rom, Ende Januar: „Wer Rom nur nach dem beurtheilet, was seinen Blicken auf öffentlichen Plätzen, in Straßen und Gassen begegnet, dürfte keinen giltigern Schluß machen, als ein Mann, der durch eine sehr reiche Stadt gehet und sich über ihre Armuth beklagt, weil er auf den Gassen kein Gold und keine Diamanten, sondern nur gemeine Pflastersteine entdeckt. Rom, das im Schooße seiner begnadigten Erde die Gebeine vieler Tausende von Heiligen bewahret, ist noch immer eine fruchtbare Mutter, die durch Tugend und besondere Heiligkeit ausgezeichnete Kinder aus jedem Stande, jedem Alter und Geschlechte an ihrem Busen ernähret. Wie aber auf Roms heiligem Boden so manches schöne Väumchen emporwächst, blühet und himmlische Früchte trägt, ganz unbemerkt vor den Augen der großen Menge, mag unter Anderm das beweisen, was ich Ihnen eben berichte. „Am 4. October v. I. starb auf dem Quirinal im Kloster jener Frauen, welche die ewige Anbetung des allerheiligstcn Sacra- mentes zur schönen Aufgabe haben, eine fromme Klosterfrau, Maria Guisevpe mit Namen, seit vielen Jahren Oberin dieser klösterlichen Gemeinde. So wie ihr Leben, so war auch ihr Tod nur der nächsten Umgebung bekannt. Erst nach bereits einem Vierteljahre hörte ich zufällig in einer Versammlung von Priestern den Namen der Dahingeschiedenen nennen, ihre Heiligkeit preisen und die Wunder erzählen, welche nach ihrem Tode zur Bestätigung ihrer Heiligkeit geschehen sind. Ich begab mich, um an der Quelle die reine Wahrheit zu schöpfen, zur gegenwärtigen Oberin des Klosters, welche mir das schon bereits Gehörte theils bestätigte, theils berichtigte. Diese Maria Guiscppc hatte früher als Schwester des dritten Ordens drS heiligen FrcmciscuS in der Welt, jedoch sehr abgeschieden gelebt, als sie im Jahre 1808 mit mehrern frommen Frauen gleicher Gesinnung den Entschluß faßte, eine religiöse Gemeinde zur ewigen Anbetung des allerheiligsten Sacra- mcntcs zu stiften. Bekanntlich war damals der Gräuel politischer und kirchlicher Wirren in der heiligen Stadt bereits auf den höchsten Grad gestiegen; verachtet und zertreten von den Füßen eines stolzen Machthabers, seufzte die Kirche um Heil und Rettung von oben. Während ganze Schaaren wilder Raubvögel das heilige Sivn umschwirrten, und ihre eisernen Krallen an Religion und die heiligen Rechte der Kirche, ja selbst an die geheiligte Person des obersten Hirten schonungslos ansetzten, öffnete der heil. Vater diesen Tänblcin Christi recht gerne ein stilles verborgenes Obdach, wo sie unbekannt und sicher vor den Feinden der Kirche Tag und Nacht den Tabernakel des Herrn bewachen, unablässig für das Wohl der christlichen Hcerde seufzen und beten, und den gerechten Zorn dcö Herrn durch Werke der Buße und Frömmigkeit besänftigen sollten. Als Grundlage ihres geistlichen Lebens wurde ihnen die Regel dcS heil. Augustin gegeben; sie tragen ein weißes Or- dcnsklcid, haben strenge Clausur, legen die feierlichen Gelübde ab, und sind zur ununterbrochenen Anbetung des heiligsten Sacramentes verpflichtet. Maria Guiscppe gründete später auch ein ähnliches Haus in Neapel. Eine lange Reihe von Jahren lebte sie hier als Oberin ihres Klosters. Ihr Leben war das Leben einer Heilige — das vollkommenste Muster der ihr untergebenen Gemeinde. Mit ihrem uncrmüdcten Gebetscifer, in dem sie alle freien Stunden bei Tag und Nacht vor dem Allerheiligsten zubrachte, und dem selbst ihre vielen körperlichen Leiden keinen Eintrag machen konnten, verband sie eine seltene Strenge. Sie aß nur dreimal in der Woche etwas von Gemüsen; alle übrigen Tage nährte sie sich nur von Wasser und Brod, und der Boden und die Wände ihrer kleinen Zelle zeigen noch nach ihrem Tode die unverkennbaren Spuren ihres strengen Bnßlcbcns. Eine ernsthafte Krankheit heftete sie im vorigen Jahre an'S Bett, und drohte der tiefbctrübten Gemeinde ihre unaussprechlich geliebte Mutter und Oberin zu entreißen, als sie mit Hilfe des Arztes zur höchsten Freude wieder genas, und unter ihren lieben Kindern erschien — leider nur, um bald, und zwar auf immer aus ihrer Mitte zu verschwinden. Am Feste ihres einstmaligen Ordensvaters, des heiligen FranciscuS, zu dem sie eine ganz besondere Andacht hatte, ging sie, ohne daß Jemand eine so nahe Auflösung auch nur geahnet hätte, in das bessere Leben über, im 57stcn Jahre ihres Alters. Der Arzt, der sich diesen unerwarteten Tovcsfall nicht erklären konnte, bat um Erlaubniß, den Leichnam öffnen und untersuchen zu dürfen. Bei der Section fand sich, daß die Lunge bereits ganz aufgezehrt, ihr Herz aber so ungewöhnlich klein war, daß nach der Versicherung der Aerzte bei diesen Organen auch nur ein stundenlanges Leben an'S Wunderbare gränze. Die Klosterfrauen von hier beschlossen, das Herz ihrer lieben Mutter und Stisterin ihren Mitschwestcrn in Neapel als theures Andenken zu übersenden, und ein frommer KanonicuS von hier, der mit dem Kloster in geistlicher Verbindung stehet, übernahm den Transport dieses geschätzten Kleinodes. Als er in Neapel im Francnkloster angekommen war, und den tief gerührten nnd um ihn herum sich drängenden Frauen seinen mitgebrachten Schatz enthüllte, da fing dieses Herz — als wollte es sich in Liebe gegen ihre geistlichen Töchter erweitern -— im Angcsichtc Aller an, sich so bedcuicnd auszudehnen, I daß das Gefäß, in dem cS ruhte, bereits ganz davon augcsiillti Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. wnrde. Alle brachen beim Anblicke dieses wunderbaren Ereignisses in Thränen und Schluchzen, in Jubel und Lob Gottes aus. Zwei Schwestern, die in dem Kloster schwer krank lagen, wurden gleich gesund, als sie dieß Herz gläubig und vertrauensvoll an sich drückten, und sich der Fürbitte ihrer seligen Stifterin empfahlen. Auch in Rom wurde eine Frau, die an der rechten Seite ganz gelähmt war, geheilet, als man ihr das Cilicium der seligen Maria Guiseppe auf die kranke Seite legte. „Ich habe Ihnen diese Thatsache, wovon vielleicht halb Rom noch keine Notiz genommen hat, gerne mitgetheilt, da das, was Gott selbst so wunderbar öffentlich macht, nicht verborgen bleiben soll; und da es mir angenehm ist, Jenen gegenüber, welche in Rom immer nur Disteln und Unkraut sehen, wieder auf eine schöne Blume hinweisen zu können, die, wie so viele andere, in stiller Verborgenheit fortgcblühet, und auf römischem Boden zu himmlischer Schönheit sich entfaltet hat." Deutschland. Köln, 1. März. Die große Auflage des dießjcihrigen Hirtenbriefes des Herrn Erzbischof-Coadjutors ist bald vergriffen gewesen, und eine neue Auflage seit mehreren Tagen wieder erschienen. Auch in Speyer, Mainz und anderen Orten des Auslandes sind Abdrücke veranstaltet und vnl verbreitet. Nimmt man dazu die unzähligen Abdrücke, welche durch die Zeitungen (die beiden Kölner, die Düsseldorfer, Aachener:c.) und die Zeitschriften (Nathanacl, Rheinisches Kirchenblatt, das Münster'sche Sonntags« blatt :c.), so wie durch anderweitige Abdrücke in Brochürcn verbreitet worden sind, so zeigt sich, daß unser trefflicher Oberhirt ein Wort zur Zeit gesprochen, und daß unser katholisches Volk noch warme Empfänglichkeit für die glaubenstreue Sprache seiner Bischöfe hat. Und in der That: die unvcrholene katholische Gesinnung, die diesem Hirtenbriefe zur Unterlage dient, der warme Ton, der durch ihn sich durchzieht und die meisterhafte Umsicht und Schonung, womit die trüben Zeichen der Zeit unzweideutig berührt sind, können als Muster geistlicher Beredsamkeit gelten, und ertheilen diesem Pastoralschreiben eine Wichtigkeit und Bedeutung, die weit über die Gränzen des betreffenden Sprengels hinausgehen. Paßau, 2. März. Das von dem Hochwürdigsten Herrn Bischof Heinrich im Jahre 1843 begründete Knabcnseminar erfreute sich bereits im ersten Jahre seines Bestandes eines glücklichen Gedeihens. Der gesammte Seelsorgklerus wirkte unermüder vurch Wort und Beispiel für die Ausbreitung und Consolidirung des Maximilian- und Valentins-Vereines, und die Gläubigen achteten überall mit Bereitwilligkeit auf die Stimme und das Vorbild ihrer geistlichen Führer, und ließen es an großmüthigen Spenden nicht fehlen. Für die bessere Unterbringung der zahlreichen Zöglinge des KnabenscininarS wurde ein auf dem Paradcplatz gelegenes sehr geräumiges HauS nebst Garten von dem Hochwürdigsten Herrn Bischof aus Hochdessen eigenen Mitteln um die Summe von 18,500 fl. angekauft, und dasselbe dem Knaben- scminar als Geschenk zugewiesen. — Die Bruderschaft zum heiligen und unbefleckten Herzen Maria zur Bekehrung der Sünder wurde durch die zweite Hälfte des verflossenen Jahres in 15Psarr- und Filialkirchcn der Diöcesc, die Kathedralkirche ungerechnet, errichtet. — Kapellen zur Privataudacht wurden 11 erbaut. — Missionen wurden durch die ?. Redemptoristcn in 4 Pfarreien oer Diöcesc abgehalten. (Paß, k. K. Z.) _ ^ Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. ? nn,Ä -6nu ^»j^ N?S»Sü » ^ Augsvurg-r Erste Jahreshälfte. M ostzeitttNS. SV. März t84S. Die Gebrechen unserer Zeit. (Schluß.) Es wurden im Vorigen die Hauptquellen bezeichnet, aus denen die Gebrechen unserer Zeit herfließen; wir wollen in diesem der Hauptmittel einige nennen, die, recht und sorgfältig angewendet, zur Beseitigung derselben beitragen dürften. An der Spitze dieser Mittel steht: aufrichtige, ung erheuchelte Rückkehr zum lebendigen Glauben. Oder was anders ist die innerste und tiefste Quelle der herrschenden Zcitübel als der weithin verbreitete Unglaube und die ihm ver- schwistcrte Erstorbenheit im Glauben? — Dem Umsichgreifen des Einen muß gesteuert und die verglommene Glut des Andern wieder angefacht werden. Als ein Haupthcbcl, wodurch dem sich verbreitenden Unglauben Bahn gebrochen wurde, erscheinen schlechte Bücher und irreligiöse Schriften; durch diese haben die Gesellschaftsclassen mit der überhandnehmenden Lcsesucht das Gift theoretischen Unglaubens cingcsogcn, nachdem der praktische ihm vorausgegangen und ihm einen empfänglichen Boden bereitet hatte. Suchet darum ihr, die ihr Macht und Pflicht dazu habt, die fernere Verbnitung von Schriften, die Glauben und Sitte höhnen, möglichst zu verhindern und laßt durch die schmutzige Gewinnsucht und den gewissenlosen Spcculationsgeist gewisser Leute nicht vollends die Adern alles Volkes vergiften! Andererseits gebet dem Volke gute Schriften in die Hand; begründet und fördert religiöse Lese- und Büchcrvereine! Besonders, ihr Eltern und Erzieher, überwachet sorgfältig die Leclürc eurer Söhne, eurer Tochter, eurer Zöglinge und überlasset ihnen nicht den Schlüssel zu den Geheimnissen der Verworfenheit und die Brandfackeln unreiner Lüsternheit, Wie sie Romane modernen Schlags offen und unauslöschlich, zündend enthalten! — In einer Zeit, wo die Grundsätze des Unglaubens nicht selten in öffentlichen Cirkeln laut gepredigt werden, da Ware Schweigen ein Verrath an der heiligen Sache; ,erlauben es Ort und Umstände, so mögt ihr immerhin auch den Glauben zu Wort kommen lassen und der Wahrheit ein offenes Zeugniß geben! Solche Gelegenheiten müßt ihr übrigens nicht aufsuchen und euch nicht auf's polemische Waidwcrk verlegen, jedenfalls nicht eher, als ihr euern Gegnern einigermassen sagen könnt: „Wenn ihr meinen Worten nicht glaubet, so glaubet meinen Werken!" — Es ist eine fatale Sache mit jenen Wortgefechten, so sie Satz für Satz von Thaten Lügen gestraft werden. Darum strebet vor Allem darnach, daß die heilige Sache des Glaubens euer Wesen lebendig durchdringe, daß sie das innerste Mark eurer Gesinnung werde und aus all' eurem Thun und Lassen leuchtend widerstrahle, und zwar ungesucht, ohne Kürstelei. Nichts schadet der guten Sache mehr, als jenes manierirtc, bloß die schimmernde Außenseite erkünstelnde Wesen, womit Manche ihr zu dienen meinen, dabei aber sich selbst täuschen und offene, dem leeren Scheine abholde Naturen abstoßen. Darum lebet eures Glaubens in schlichter Einfalt, wic'S unsere Väter thaten, ohne Prunk und Schein, in jeder Bewegung den Ausdruck innerer Wahrheit, im bürgerlichen Verkehr Männer von Wort und wandclloser Treue, im Hantel und Wandel grundehrlich und schon dem Scheine des Unrechtes f.ind! Wenn ihr so dastehet im bürge.lichcn Leben, geliebt und geachtet von den Gutgesinnten, ein Schrecken nur und eine unliebe Erscheinung den Schlechten, dann ist es ein Trost, es ist Siegesbürgschaft für die Sache des Glaubens, wofern ihr sie decket mit dem Schilvc eures unbefleckten, thatkräftigen Wortes; es ist ein dem Himmel und der Erde erfreulicher Anblick, so ihr in die geweihten Hallen der Religion tretet und an den Tisch des Herrn knicct, um, von seinem HimmclSbrodc gestärkt und gekräftigt, ihn hinwiederum im Lcben draußen durch Werke, die in Gott gethan sind, zu bezeugen und ihn also eindringender zu predigen, als Worte, und wärcn's die eines Apostels, vermögen. Der Thaten Kern aber ist die Liebe, so wie sie aus lebendigem Glauben, auS tiefiuncrlichcm Zusammenhange mit Gott in Christo und der kirchlichen Hcilsanstalt stammt; ohne diese in dem geoffenbart n, dreicinigcn Gott und dem kirchlichen GlaubcnSlcben wurzelnde Liebe wäre alles Prunken mit „philanthropischen Großthaten" nur das Aufflackern eines Sumpflichtcs, das durch sein nur zu schnelles Erlöschen deutlich genug seinen dunstigen Ursprung verräth. Ein solcher, die Probe des Lebens bestehender, in Liebe thätiger Glaube ist es, zu dem ihr zurückkehren und den ihr euch in Wahrheit aneignen müßt, sollen anders die Gebrechen der Zeit, und gerade diejenigen, die in ihr innerstes Mark hineingefressen, von Grund aus geheilt und nachhaltig gehoben werden. Wir gehen zu einem zweiten Heilmittel fort: es ist der Geist der Entsagung und der Genügsamkeit. Die zweite Ursache deö obwaltenden Zeitübels, die wir nanntm, ist die herrschende Genußsucht. Diese wirkt specifisch dem Geist der Entsagung und Genügsamkeit entgegen. Ein Hauptfehler unserer Zeit ist, daß man sich immer mehr Bedürfnisse schafft und erkünstelt. Hieraus fließt die überhandnehmende Verarmung, über die man durch alle Stände klagt. Kein Wunder; denn arm ist Jeder, der seine Bedürfnisse und Genüsse über die Linie seiner zureichenden Mittel hinauf steigert. Lernet darum weniger brauchen, als ihr habt — und ihr seyd reich, während der Vcrmvglichste bei unverhältnißmäßiger Genußsucht arm ist. Wenigstens ist Beschränkung snncr Bedürfnisse das einfachste Mittel, der drohenden Verarmung vorzubeugen, lernet mit Wenigem zufrieden seyn und damit ihr dieß könnet, so lernet das Wenige auf die rechte Weise genießen. Auf diese kommt es beim Genusse an, nicht auf das Viel. Oder leben nicht Tausende in Voll und Genug und haben doch keine fröhliche Stunde? Ist nicht bei den noch so rauschenden Freudenfesten unserer Tage dennoch ein peinlicher Mangel an Fröhlichkeit fühlbar? — Wollt ihr des Genusses froh werden, so gehet zu den Kindern in die Schule! Wie wenig bedarf es, um einem Kinde eine Freude zu bereiten! Und bei diesem Wenigen >— fühlt cS sich nicht reicher, als der Besitzer von Goldbergwcrken? — Und wo liegt der Schlüssel zum Geheimnisse seines Reichthumes und seines so frohen Genusses? — Lediglich in seinem genügsamen, schuldlosen Gemüthe! D'rum lernet Genügsamkeit und bewahret euch ein kindlich- reines Herz und es wird euch an Genuß, — den Gott Jedem beschiedcn, nie und nimmci fehlen! — Aber da höre ich klagen: „Warum hat Gott mir so wenig und diesem so viel beschiedcn? warum bin ich arm und jener reich?" — Ihr, die ihr also klaget, wisset ihr nicht, daß dieß die trotzige Klage des faulen Knechtes ist? Ist nicht auch dieß Wenige Gottes freie, unverdiente Gabe und thätet ihr nicht besser daran, euch durch dankbare Treue des Wenigen werth zu machcn und mit dem Einen Talente wuchernd es zu verdienen, über Vieles gesetzt zu werden? Woher hast du das Recht, dein Talent zu vergraben? Warum schätzest du es gering, da es nur von dir abhängt, daraus den Kaufpreis des Himmels zu machcn? Warum begehrst du nach^ dem Gute des Mchrbesitzcndcn und machst ihm sein BesitzthumS- recht streitig! Besitzt er sein Vieles nicht mit dem gleichen Rechte, wie du dein Weniges? — Und was klagst du über die Unterschiede von Reich und Arm, von Hoch und Nieder? Oder was wagst du an diesen Schranken gar zu rütteln? Weißt du, gegen wen du deine Hand erhebest und wen du anklagest? Wähnst du «twa, Mcnschcnwitz habe dicsc Unterschiede der VcrmögcnSverhcilt- nisse und der Stände in die Mcnschenwclt hincingclünstclt? Nun, so versuche cS einmal, sie aufzuheben, oder vielmehr blicke zurück ans die nuseligen Versuche, die man in kaum verschollenen Tagen blutiger Umwälzungen zur Verrichtung aller svcialcn Unterschiede machte. Wuchsen nicht über Nacht die alten Ungleichheiten aus dem kaum geebneten Boden wieder hervor und klüftctcn nur noch schreiender und schroffer auseinander, als zuvor? Geht daraus nicht klar hervor, daß sie nicht Mcnschenwerk sind und daß es darum für Jedweden die unverletzlichste Pflicht ist, die von einer! höhcrn Hand selbst in die Mcnschengcsellschaft hiucingeschricbcnc Ordnung der Dinge nicht anzutasten, sondern ihren unverrückbaren! Schranken sic^ in freier Resignation zu fügen ? Ein drittes Heilmittel für die Wnnden der Zeit liegt in thätiger Abhilfe der in den unteren Classen herr-j sehenden Noth. Der Schrei nach Brod —- in keiner andern l Zeit wurde er aus Tcn Hütten der Armuth allgemeiner und ver-! zweiflungsvoller gehört. Die Noth, welche die große Theurung der sicbenziger Jahre des vorigen Jahrhunderts herbeiführte, war gewaltig, aber vorübergehend und auf engere Gränzen beschränkt. Es kamen die langen Kriegsjahre und in ihrem Gefolge harte Drangsale; aber weder Mißwachs noch Krieg mit all' ihrer zermalmenden und erschöpfenden Gewalt waren im Stande, das Wohl der niedern Classen tiefer und nachhaltiger zu zerrütten, als dieß der JndustrialismuS des neunzehnten Jahrhunderts that, der über Fabriken und Dampfwagcn thronend allem Fleische Heil und allen Wunden Heilung verkündete. Im Bunde mit einem gottlosen Zeitgeiste legte er es darauf an, die menschliche Gesellschaft zu einer Maschine umzuschaffcn, die, ohne lange nach den lästigen Einflussn des Himmels zu fragen, auf dem Grunde einer unfehlbaren Berechnung mechanischer Erdkräfte die gesicherte Bürgschaft eines nicht bloß zureichenden, sondern überfließenden Unterhaltes und Erwerbes gewähre. Aber wie es dergleichen auf eitel Mcnschcnwitz gebauten Unternehmungen zu gehen pflegt, Der im Himmel thronet, lachet ihrer, und indem er sie ungehindert die höchste Spitze erreichen läßt, gibt er sie in ihrer unmächtigcn Blöße dem Spotte der Leute preis. So hat in unsern Tagen jener vielge- rühmtc JndustrialismuS durch zahllose Vermehrung der Fabriken und unglaubliche Vervollkommnung der Maschinen einen Aufschwung genommen, der nicht mehr scheint überboten werden zu können: abcr gerade jetzt hat die Noth unter den arbeitenden Classen auf den Puncten, wo die Fabrikräder am lautesten schwirren, eine schauderhafte Höhc erreicht, der zum Zeugniß der neue Name: „Pauperismus' auf eine noch nie dagewesene Erscheinung hindeutet. Es ist um so weniger eine Frage mehr, daß auf eine Abhilfe dieses schreienden Uebels gedacht werden müsse, als man Hand in Hand mit der zunehmenden Brodlosigkeit und Verarmung eine Entsittlichung und Erbitterung gehen sieht, die für den socialen Bestand nicht unbedeutende Gefahren befürchten lassen. Solchen an den äußersten Rand der Noth Gebrachten ist mit einer Predigt der Genügsamkeit und den salbungsvollen Zusprüchen des Pietismus nicht geholfen; sie sind vielmehr selbst eine lebendige, laute Predigt an die reichen und begüterten Classen: eine Predigt von der christlichen Barmherzigkeit, die länger zu überhören gegenwärtig nimmer gerathen erscheint. Das haben anch in den jüngsten Tagen Diejenigen, die Macht und Verpflichtung dazu in ihrer Person vereinigen, vielfach begriffen und allen Ernstes daran gedacht, der herrschenden Noth zu steuern. Nur schwankt man noch über die Mittel, die zur Abhilfe des unläugbarcn Nothstandes ergriffen werden sollen. Da und dort scheint man die Sache trotz des besten Willens beim unrechten Ende anzufassen und statt auf eine radicale Heilung zu denken mit Palliativen (nach Art eines schlechten Arzleo) sich zufrieden zu stellen. Uebcrzeugt euch, die ihr Willen und Macht zur Abhilfe habt, daß es zur Heilung eines so tiefwurzelnden, weitverzweigten Uebels mehr bedürfe, als der gewöhnlichen Mittel. Den Anfang müßt ihr bei euch selbst machen: ihr müßt eure eigenen Bedürfnisse, die erkünstelten, beschränken und euch mit dem süßen Gefühle freiwilliger Entbehrung („des Fastens") vertraut machen. Dieses Opfer, das ihr bringet, wird — und dieß ist der Hauptgewinn — eurem Gemüthe die ermangelnde Energie verleihen und nebenbei eure Almosencasse füllen. Schüttet ihr den immer reichlichern Inhalt derselben in die Hände der Armuth, so werdet ihr die dringendste Noth lindern; aber glaubt nicht, daß es mit Almosen, und wären sie die reichsten, gethan sey; eS gilt die Quellen der Verarmung zu verstopfen, und das fordert mehr. Wollt ihr das, so suchet den Armen in eine Lage zu versetzen, wo er sein Brod selbst verdienen kann, schon darum, weil das selbstverdiente Brod am Besten schmeckt und am Ergiebigsten ist; oder noch besser, ihr müßt den Dürftigen nicht zur völligen Brodlosigkeit herabsinken lassen und ihm frühzeitig genug unter die Arme greifen. Und da unverkennbar an dem gegenwärtigen Nothstande eine noch bcklagenswerthere moralische Verkommenheit haftet, so thut es vorzüglich Noth, dieser entgegenzuarbeiten und wieder moralischen Halt in die, eine völlige Auflösung drohenden, Massen zu bringen. Dieß wird euch gelingen, wenn ihr den Unglücklichen, nachdem ihr durch freiwillig auferlegte Entbehrung euch der lähmenden Gewalt egoistischer Genußsucht entrungen, zeiget, daß es euch wahrer Ernst sey, ihnen hilfreiche Hand zu reichen. Dieß Beispiel aufopferungsvoller Liebe, das ihr ihnen gebt, wird seine moralische Wirkung nicht verfehlen: sie werden wieder cmfathmcn unter dem harten Joche der Noth und mit dem ersten Hoffnungsstrahl wird der verzagende Muth sich heben; in die verzwciflungsstarre Hand wird neubcle- bende Kraft strömen, die sie befähiget, die dargebotene Hilfe zu ergreifen und in sich selbst den Quell selbstthätigen Aufschwunges zu eröffnen; was von allen Erfordernissen als das unerläßlichste erscheint. Wenn die verarmten Classen dem wohlwollenden Rath nicht mit Bereitwilligkeit, noch der hilfreichen That mit ihrer Mitwirkung entgegenkommen, wenn sie nicht in ihrer Mitte — Einer dem Andern zur allgemeinen Erhebung sich die Hände reichen und, von Oben unterstützt und geleitet, sich unter sich verbrüdern, so ist ihnen nicht zu helfen; ohne ihre selbstthätige Mitwirkung und innere Versittlichung würde der Abgrund nur mit jedem Tage sich bodenloser zeigen und nur um so unverschämter und bettelsiichtiger aufgähncn, je verschwenderischer man die Gaben einer unverständigen Alinosenspendung in den moralischen Schmutz desselben hineinwürfe. Mit Einem Worte, der vorhandenen, tief beklagten Noth unserer Zeit kann nur abgeholfen werden durch die Macht einer Liebe, die voll hilfreichen Erbarmens aus den Höhen der Gesellschaft in die Niederungen herabstcigt und, indem sie diese in dank barer Anerkennung Wieder jenen verknüpft, zugleich die aufgelös'ten Bande in diese» Kreisen durch gegenseitige Hilfeleistung enger schließt: diese Liebe aber — sie ist die christliche, die allein Kraft zur Aufopferung und Muth zur Entbehrung verleihen und durch alle Stände und socialen Verhältnisse ein dauerhaftes, orga- msch-einigendes Band, wie es unsere atomistisch-zerrissene Zeit so gebieterisch heischt, zu schlingen im Stande ist. Vergesse man aber nicht, daß die christliche, wahre Liebe den christlichen, wahren Glauben als ihren Lcbensgrund voraussetze und daß es ohne diesen mit der Ertunstclung jener (wovon unsere Zeit auch Beispiele darbietet) nicht angehe! — Möge Gott der Herr die Noth der Zeit im Rathe seiner waltenden Vorsehung dazu dienen lassen, daß die Gemüther sich mit gleichem Ernste zum wahren Glauben und zur rechten Liebe in kräftigem Aufschwünge erheben; dann erscheint unsere Hoffnung auf gründliche Heilung der Zcitgebrcchcn als eine festbegründete; widrigenfalls müßten wir mit dem verzweifelnden Rufe des Dichters schließen: — Die Zeit hat Glauben nicht, noch Liebe: Wo wäre denn die Hoffnung, die ihr bliebe? Das Kloster auf Sinai. Der Zugang zum Kloster wird durch eine Maschine vermittelt, welche den, der in'ö Kloster will, 40 Fuß an der Felscn- mauer emporhebt. Die Bewohner des Klosters sind sckiSmatisebc Griechen-Mönche. Im Jahre 1844 waren ihrer 22 an der Zahl, meist aus der Walachei gebürtig; aber nur 4 waren Priester. An der Spitze des Klosters steht ein Erzbischof, der den Titel vom Berge Sinai sührt, der jedoch gleichwie auch der wirkliche Vorsteher der Corporation, semen gewöhnlichen Sitz in Konstan- tinopcl hat. Das Ganze des Klosters bildet gewissermaßen ein kleines Dorf, von hohen, aus ungeheuren Granitblöcken bestehenden Maueru umgeben. Die Ringmauer bildet ein Viereck, das auf jeder Seite achtzig und einige Klafter lang ist; das Innere ist nur ein Haufen unregelmäßiger, nach verschiedenen Planen auf einem sehr ungleiche» Boden errichteter Gebäude. Mit Ausnahme der Kirche, die den großen, von Helena und Konstantin erbauten Kirchen würdig zur Seite steht, ist hier Alles ärmlich; aber überall herrscht die größte Reinlichkeit. Was der Reisende, der aus der Wüste kommt, hier am ersten und mit dem größten Vergnügen bemerkt, ist der Ucbcrfluß an Wasser, welches daselbst niemals ausgeht. Außer den Quellen, die für die verschiedenen Bedürfnisse hinreichen, gibt es hier noch einen berühmten Brunnen, der angeblich aus der Zeit der Patriarchen herrührt. Man behauptet, ganz in der Nähe desselben habe die Begegnung des Befreiers der Hebräer mit den Töchtern Jethro's stattgefunden. Das eigentliche Kloster ward im Jahre 527 durch den Kaiser Justinian erbaut. Man sieht daselbst noch das Gebäude, welches den Katholiken zur Kirche diente, und woraus sie vor l4ö Jahren durch die schismatischen Griechen, die gegenwärtig im Besitz desselben sind, vertrieben wurden. „Ich konnte meine Blicke", erzählt ei» katholischer Missionär, der den Sinai besuchte, „nicht auf dieses Denkmal heften, ohne ein lebhaftes Schmerzgefühl zu empfinden. Wenn der Himmel den Katholiken nicht zu Hilfe kommt, so werden Gold und Ränke der Griechen ihnen allmälig alle heiligen Orte entreißen, und keine einzige ihrer Niederlassungen im Orient wird in ihrem Besitze bleiben." „Als der Brnder mich zur Kirche führte, machte er mich auf eine Moschee aufmerksam, die nach seiner Aussage für die ehedem zum innern Dienste des Hauses angestellten Araber erbaut worden war. Die Schönheit der Kirche überraschte mich, sie wird dmch zwei Reihen Granitsäulm, die ein blaugcmaltcs und mit goldenen Sternen übersäetcS Gewölbe tragen, in drei Schiffe getheilt. Diese Säulen, die man höchst unpassend mit Gyps bcworfen hat, gehören verschiedenen Ordnungen der Architektur, die meisten der korinthischen, an; sie stammen aus dem sechsten Jahrhundert. Der ganze Fußboden so wie die Mauer des Heilig- thmns, besteht aus weißem und schwarzem italienischen Marmor und ist von sehr schöner Arbeit. Die Kirche wird von einer Menge silberner und vergoldeter Lampen erleuchtet, die insgesammt ein Geschenk der Russen sind, weil der Leib der heiligen Katharina, die sie sehr verehren, daselbst ruht. Die Mauern sind mit zahlreichen Gemälden i» prächtigen Rahmen geschmückt, doch ist keines darunter, dessen Malerei einigen Werth hätte." „Hierauf führte man mich in die sogenannte Capelle vom brennenden Dornbusch. Gerade aus der Stelle, wo Gott seine Gegenwart durch ein so großes Wunder an den Tag legte, ist der Ueberlieferung zufolge die Capelle erbaut, welche das Andenken daran zu verewigen bestimmt ist. Man darf nur nach abgelegter Fußbekleidung hineingehen. Das Heiligthum ist in Allem den Hciligthümern Palästina's gleich: ein hoher von Säulen getragener Altar und unter dem Altare die geheiligte Stelle." Das Kloster erhielt von Muhamed selbst e!nen Ferman, zum Schutz gegen die Anhänger des Islam. Dcmungcachtct wäre es längst zerstört, wenn die Mönche dem übermüthigen Stolze der Jslcimiten nicht den Bau einer kleinen Moschee, die gegenwärtig noch zu sehen ist, innerhalb ihrer Mauern zugestcm« den hätten. An dem rauhen Fußpfade, der zum Gipfel deö Sinai emporführt, sieht man mehrere zertrümmerte Kapellen, Ueberbleibsel von Zellen, die einst von heiligen Einsiedlern bewohnt waren. Neben diesen Clciusen befanden sich einst von Cypressen und Ocl- bäumen beschattete Gärten, und jetzt noch, da ihre Pfleger längst dahin sind, cvntiastircn diese immergrünen Bäume anmuthig mit den die GcbirgSmcisscn des Horeb und Sinai bildenden öden Felswänden. Hier auf Sinai war es, wo den Menschen vciS Gesetz auf steinernen Tafeln gegeben wurde: und nun weiß der Ort selbst, wo einst Gott in Blitzes-Flammen jenes Gesetz gab, nichts mehr von ihm!" (Paß. k. Kirchenztg.) Deutschland. VondcrWupper, im März. Neues über die hiesigen kirchlichen Zustände Ihnen zu schreiben ist kaum möglich, da die unsinnigen Wühlereien der „Elberfelder Zeitung" und ihrer Apostel nach wie vor in gewohnter Weise fortdauern und der Katholik allgemach dieses Nabcngekrächze gewohnt werden muß. Die von 17 Namen-Katholiken ausgespielte Komövie ü la Schneide- mühl wird fortgesetzt, über die zu acceptirenden Dogmen und Sacramcnte ist abballotirt (5 Sacramcnte haben schwarze Kugeln bekommen), die ncnc Gemeine unter dem Namen „deutsch-evau- gclisch-apostolisch-katholisch" permanent erklärt, und die Werbung neuer Glieder von Aufgang und Niedergang ausgeschrieben. Außer zweien suSpendnten Geistlichen (deren currieulum vitao für die Vermehrung der Gemeinen ein geistiges Prognostikon ist) enthält die Schncidcmühler Societät auch noch suspendirte Laien, und scheint durch die wirklich künstliche Mischung der verschiedenartigsten Geister in der That etwas Allgemeines zu versprechen und der Schaar der Denk-, Vernunft- und Ungläubigen aus allen Zonen ein bequemes Asyl zu bereiten. Auch der nervu8 rerum im Wuppcrthalc — Geld — strömt aus mildthätigen protestantischen Händen aus der Nähe und Ferne im Uebermaß zusammen. Doch, was Manchem sonderbar vorkommen und besonders den Wächtern des Protestantismus im Thale verdächtig dünken will: die Katholiken halten sich von der Komödie zurück; die da bauen an der neuen viclnamigen Kirche mit Wort und That, Geld und Rath, sind Protestanten; sie sammeln allenthalben die Brocken und predigen für die neue Sache das Wort. Zu den Versammlungen dieser „deutsch-cvangelisch-apostolisch-Katho- lischcn" kommen nun auch Damen, die mit ihrem Strickstrumpf und gesellschaftlichen Talent in die stereotypen Formen Variationen bringen. Nur fehlt noch das geistliche Haupt. Von den beiden „apostolischen Geistlichen" ist der Eine ein gar zu siveler Bruder, der seine Missionen gerne durch Bier- und Schnapskneipen einschlägt, und der Andere ein eigensinniger alter Starrkopf. Der Messias Wird daher noch erwartet; man hofft, Ehrcn-Nonge werde ihn von der Spree mitbringen. Sie jehen, daß sich die Sache mehr spaßig als ernst gestaltet; aber sie hat doch ihre ernste Seite, j Die anhaltenden Schmähungen gegen die Katholiken als Ultra-' mont.iue, Nömlingc, Jesuiten ic. ?c. haben hier einen ungeheuren Brennstoff aufgehäuft. Die Katholiken werden, ihres vollen Rech-^ tcö hier zu existiren und zu gelten sich bewußt, von Tag zu Tag Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. wärmer und fester in ihrem Glauben. Andrerseits kann der höchstauf- gcregte Zustand nicht lange halten und wirkt in alle Lcbcnsvcrhältnisse höchst störend ein. Und da nicht die entfernteste Aussicht da ist, daß diese Handvoll Abtrünniger oder besser (da sie nie thatsächlich zur Kirche hielten) Pseudo-Katholiken auch nur einige Prosclyten aus den katholischen Gemeinden des WupperthalS machen werde, so wird der ganze Spectakel endlich entweder in eine protestantische Fraction überschlagen (was bei dem total protestantischen Charakter der Schncidemühler eigentlich jetzt schon der Fall ist) oder wie alle Sccmdale in leeren Rauch aufgehen. Die nichts weniger als rationalistisch seyn wollenden Prediger des Thales, durch Heng- stenberg in Berlin aufgeweckt, wissen kaum mehr, wie sie sich diesem Anfangs mit Jubel begrüßten wilden Treiben gegenüber gc- berden sollen. Die für diese neumodische Kirche unter den Protestanten auftauchenden Sympathien kommen ihnen zur unrechten Stunde, und das reichlich dazu gespendete protestantische Geld, wozu sie Anfangs selbst aufgefordert, könnte (nach Auslauf dieser elenden Komödie) statt Dank ihnen Spott und Aergcr in Fülle bereiten. Habs-mt sidi! (Katholik.) Italien» In den katholischen Blättern aus Tirol liest man: „Rom, Ende Jan. Die Kirche Sant' Andrea delle Fratte, wo Ratisbonne, ein Hasser der christlichen Kirche, durch eine wunderbare Erscheinung der seligsten Jungfrau plötzlich umgewandelt vom kalten Indifferentsten ein begeisterter Verehrer und Bckenner deS katholischen Glaubens geworden ist, hat seitdem in Rom eine besondere Berühmtheit erlangt, und man trifft die Capelle, in welcher Ratisbonne die Erscheinung der seligsten Jungfrau hatte, zu keiner Stunde des Tages ohne andächtige Beter vor dem Altare, auf dem seither das Bild Mariens, so wie sie dem jungen Manne erschienen, aufgestellt ist. Zur Jahresfeier dieses wunderbaren Sieges der Gnade wurde auch Heuer ein feierliches Trivuum gehalten. Die Kirche war zu viesem Zwecke schön geschmückt. P. Ventura hielt durch alle drei Tage Abends die Predigt. Mit jedem Tage nahm die Anzahl des Volkes zu. Vornehme und Gemeine, Katholiken und Protestanten drängten sich zu dieser Feier. Der Prediger ging die Geschichte der Bekehrung durch, und bearbeitete den Verstanv und das Herz der Zuhörer auf eine sehr passende und segenvolle Weise. Die gespannteste Ausmcrksamkcit von mehrern Tausenden, die religiöse Stille (nur hie und da durch Schluchzen unterbrochen), die vielen Thränen, die sich Männer und Frauen von den Augen trockneten, waren Beweis genug, daß der Geist deS Herrn in der andächtigen Versammlung weilte und wirkte. Den Segen mit dem allerhciligsten Sacramcnte gab täglich eincr von den Herren Cardinälen. Der Schluß der Andacht war am Id. Jan., als am eigentlichen Jahrestage der wunderbaren Bekehrung, wo um Mittag zur nämlichen Stunde, m der Ratisbonne die wunderbare Erscheinung hatte, eine Predigt gehalten, und das heiligste Sacrament ausgesetzt wurde. In der nämlichen Woche empfingen zwei Juden, Beide Domestiken in vornehmen Häusern, die heil. Taufe in der Hauscapelle Sr. Eminenz des Cardinals Mezzofanti aus. den Händen dieses frommen Kirchcnfürsten. Der Herr Cardinal hielt nach vollendeter Funetion eine schöne und rührende Anrede in deutscher Sprache an die beiden Täuflinge, welche beide der deutschen Nation angehören, und schon als Juven einen tadellosen Wandel führten." Verlags - Inhaber: F. C. Kremer. -ÄHL nick nv ^ » ^^»HS - Bei/,, der Augsbuvger Ppstzeststng. Erjl- Jahreshälfte. M 6. April j1845< -Offenes Sendschreiben der Wittwe AnnaCzers- k a zu Gr. Komorsk an ihren Sohn Johann Czerski zu Schneidemühl. ^) Der Ort Gr. Komorsk im Großherzogthum Posen zählt Diejenige unter seine Bewohner, die 1813, also gerate in dem Jahre, als Europa noch ein anderes wichtiges Ereigniß erlebte, nämlich seine Befreiung von der Zwangherrschaft Napoleons, der europäischen Welt das große Kirchenlicht Johannes zur Welt gebracht hat. Wir haben ein Pamphlet vor uns liegen, das dieser Tage zu Ncgensburg die Presse verlassen hat, den oben bezeichneten Titel sührt und die Empfindungen zeichnet, von denen das Muttcrhcrz nun überfüllt ist. Empfindungen, die uns jedoch nicht den Empfindungen der maccabäischcn Mutter, sondern den Empfindungen einer heil. Monika während eines gewissen Zeitraumes ihres Lebens verwandt scheinen. An der Zuverlässigkeit, daß die Worte, wie sie in dem Pamphlete zu lesen sind, Ergüsse des Herzens der wahren und wirklichen Mutter des suspcndirtcn Priesters Czerski sind, darf nicht gezweifelt werden, da am Ende vier Signaturen und zwar die erste von Simon Czerski, älteren Bruder des Johannes Czerski, Organisten bei der Pfarrkirche zn Gr. Komorsk, die zweite von Bartholomäus Gram- matowski, Bürger von Gr. Komorsk, dessen 16 Jahre alte Stieftochter Theklci Solecka der NeoPresbyter Johann Czerski um Ostern 1342 nach Posen entführt hat, die dritte von Mathias Gutowski, Altsitzer zu Gr. Komorsk, Vater der jetzt beiläufig 22 Jahre alten Marianna Gutowska, gegenwärtigen sogenannten Frau Patriarchin, endlich die vierte vom Ortsvorstandc zu Gr. Komorsk, Erdmann, cvangcl. Konfession, worin die Acchtheit der drei voranstellenden bezeugt ist, angeschlossen sind. Wir wollen aus dem ganzen Schreiben der Mutter des be- daueruugswürdigen Czerski nur etwas weniges aushebcn, um unsere Leser zu überzeugen, daß die Schuld der Verirrungen ihres Sohnes ihr fremd ist, und daß er Dasjenige, was er nun der Welt in einer so traurigen Kunst zeigt, nicht in dem elterlichen ') Ncgensburg 1843. Verlag von G, Joseph Manz. Hause gelernt hat. Es ist die Zeichnung des Betragens CzcrS- ki's, da er im Jahre 1842 als Ncoprcsbytcr seinen Eltern und Geschwistern durch einen Besuch eine Freude machen wollte. „Als Du zu Ostern 1842 als neu ordinirter Priester hiehcr kamst, um uns die — wahrlich hohe und entzückende Freude zu gönnen, Zeugen der Verrichtung Deines ersten heiligen Meßopfers zu seyn: wer hätte es geglaubt, daß Du schon damals anfangen würdest, unsere so eben besagte Freude und Wonne in Trauer und Betrübniß zu verwandeln? Und doch ist es geschehen. Du konntest DaS? Du warst dazu fähig? Unsere Freude vaucrte wirklich nicht lange. Sehr bald sahen wir uns wegen Deiner getäuscht; gar bald Deine und unsere Zukunft getrübt. Es fiel uns und allen hiesigen Ortsbewohnern nicht wenig anf, daß Du, so eben neu geweihter Priester, die wenigen Tage vor und nach Deiner Primizfeier, welche Du hier verweiltest, so wenig mit uns und bei uns warst, und daß Du, statt Dich wenigstens zu ge- wiss.m Tagesstunden pflichtmäßig mit dem Breviere oder sonstigen gcistlich-wissenschastlichen Büchern zu beschäftigen, die meiste Zeit, sowohl bei Tage, als in der Nacht in andern, fremden und mitunter solchen Hänsern zubrachtest, deren Bewohner hinsichtlich ihrer Nüchternheit gerade nicht in dem cmpfchlcndsten Rufe waren und sind, am allerwenigsten aber uns, Deinen Blutsverwandten, in irgend welcher Beziehung nahe standen. Sage, war das von Dir anständig, und konnte das für uns erfreulich seyn? Nicht geringen Anstoß und von Dir unvciantwortlichc Veranlassung zu mancherlei bösen Redensarten gabst Du aber dadurch, daß Du Dich während dieser Zeit zn den allcrungcwöhnlichstcn Tages- und Nachtzeiten bald auf der Straße bald in den vorbczcichnetcn Familien sehen und antreffen, ja selbst nach Mitternacht, an unsere Fenster und Thüren anklopfend, mit dem, sonst nur dem gemeinsten Pöbel eigenen Hauen „Macht auf, laßt mich ein!" hören ließest. Und wenn wir am Tage vor Deiner Abreise, nachvcm uns schon so manche Verdächtigungen über Dich und Dein Betragen zugekommen waren, uns endlich erdreisteten, Dir eben so liebevolle, als heilsame nnd schonende Vorstellungen über das Ungeziemende Deines Betragens zu machen, Dn dieses aber höchst übel aufnehmend nnd unsre wohlgemeinten Vorstellungen trotzig erwidernd, ganz im Widerspruch mit Deiner bis dahin kundgegebenen Absicht, gleich den folgenden Tag nach dieser unsrer, freilich wenig erbaulichen Unterredung, von hier nach Posen, wo Du als Domvicar angestellt werden solltest, abreisetest, und für diese, um mehrere Tage beschleunigte Abreise den einzigen Grund angabst, Du könnest deßhalb bei uns nicht länger bleiben, weil wir, wie Du vernehmest, Dein Thun und Lassen und Deine sonstigen Schritte beobachten und nur tadeln: sage! war das kindliche Achtung gegen uns, Deine zwar betagten, auch sonst schlichten, aber immer ehrbaren und Dich so sehr liebenden Eltern? Sollte das als Beweis brüderlicher Liebe gegen Deine Geschwister gelten ? -- Wenn Du dann aber noch zur offenbaren Verspätung und Verhöhnung unsrer besorglichen, liebevollen elterlichen Erinnerungen und Ermahnungen, es scheint sast, als in der Absicht, um ein ungewöhnliches Aergerniß zu geben, auf der Ncisc von hier nach Ncucnburg die 16 Jahre alte Sticf- tochtcr des Einfassen GrammatowSki von hier, Namens T Hella Solecka, gewiß nach vorhergegangener Verabredung und Verständigung, förmlich von der Straße aufgriffst, und ohne Vorwissen und Genehmigung ihres Pflege- und Stiefoaters mit nach Ncucnburg und von da nach Posen mitnahmst: sage! womit willst Du diesen Mädchenraub rechtfertigen? Sollte Dich etwa der Gedanke anwandeln, letztere Thatsache läugnen zu wollen; so siehe weiter unten den Beweis: Was berechtigte Dich zu so lieblosem und grausamem Eingriffe in die Rechte deö GrammatowSki? — Wodurch willst Du diese Mädchenverführung entschuldigen, oder womit beschönigen?' — In gleicher Weise spricht sich die ticfbetrübte Mutter gegen den Schluß ihres Schreibens aus, wo sie ihrem unglücklichen Sohne noch cinmal den Abgrund, an dcm er sich befindet, vorstellt, und ihr Benehmen hinsichtlich der Veröffentlichung des ganzen Schreibens rechtfertigt. „Und was glaubst Du durch alles dieses vollbracht zu haben? Was träumst Du noch zu vollbringen? Die katholische Kirche hast Du nicht gestürzt, und wirst ihr gewiß in Nichts beikommen. Sie ist nicht das Werk ungehorsamer, starrsinniger, hartnäckiger, liebloser, undankbarer, unsittlicher, rachesüchtiger, überhaupt leidenschaftlicher Menschen, auch nicht daö Werk blind- fanatischer Jrrlehrer. Nein! sie ist die Anstalt der vollendeten Vollkommenheit Gottes, als solche selbst von der Macht der Hölle unbezwingbar, und daher von Dir und allen Deinen Helfershelfern gänzlich unantastbar. Auch der Papst, die Bischöfe, Priester und die ganze Gesammtheit der katholischen Kirche stehen zu erhaben in der sittlichen und kirchlich-religiösen Welt da, als daß sie durch Deine Schmähungen und Lästerungen an ihrer Würde und Erhabenheit auch nur im Mindesten etwas verlieren könnten. Selbst das Bestechen durch Geld kaun nicht zu demjenigen Ziele führen, welches Du und Deine Clienten Euch gesteckt habt. Ich ,z. B. habe in den mir vor wenigen Wochen von Dir geschickten li Nthlru. und in den ferner von dem Herrn Justiz- CommissariuS Simmel zu Ncucnburg mir ausgezahlte» anecrn 6 Nthlru. nichts anders, als nur den Preis Deiner verkauften Ehre und Deines Gewissens, Deiner Religion uud Deines Pricstcrstandcö erkannt. Es schien mir, nachdem ich sie unter den so bcwanvten Umständen erhalten hatte, als lägen die Judas Jschariotischcn 39 Silbcrlinge vor mir. Ein so schmachvoll von Dir erworbenes Geld konnte ich nicht an mir behalten, uud dicscö um so wcnigcr, als Du nur zu deutlich die fanatische Absicht zu crkcnucn gabst, auch mcinc Ehre uuv mein Gewissen, mcinc Religion, mein zeitliches und ewiges Glück und Seligkeit um einen so schmählichen Preis mir zn entreißen. Dieses wird Dir aber an mir und an Deinen Geschwistern nicht gelingen. So arm und der Unterstützung bedürftig ich auch bin, so wäre ich doch eher bereit, mir das tägliche Brod und die nothdürftigste Bekleidung auf gerechte Weise an den Thüren der Wohlhabender» zu erbetteln, als dafür das, was mir das Wichtigste, Ehrwürdigste und Heiligste ist, Gewissen und Religion, Glück und Seligkeit zu verkaufen. Fort daher mit solchem Gelde I Mit Entsetzen und Entrüstung habe ich Dir die 12 Rthlr. wieder zurückstellen lassen. Solltest Du mit Geld für Deine Zwecke bei Andern mehr Glück machen, so wären solche zwar nur zu bedauern; Du aber würdest die Last der Schuld Deiner Verführungen nur vermehren. Und was glaubst Tu aus Dir Selbst nun wohl gemacht, welch einen Namen Dir durch Dein schwärmerisches Auftreten und sonstiges Betragen erworben zu haben? Vernimm es! Du stehst als der Spielball der entehrendsten und niedrigsten Leidenschaften eines eben so wankelmüthigen, unrcisen und unzuverlässigen Charakters da. Dein Name als Mensch und Christ ist: Undankbarer und Sittenloser; als katholischer Pnestcr aber: Eidbrüchiger, treu- und ehrloser Apostat. Ueber Deine Folgezeit und Dein Ende mögest Du selbst nachdenken! „Mein Sohn! Du wirst etwa nicht zürnen ob des ausgesprochenen und niedergeschriebenen Tadels, der Erinnerungen und Ermahnungen. Auch wirst Du es doch wohl nicht gar schriftwidrig finden, daß ich, Deine Mutter, Dich bitte und beschwöre, in Dich zu gehen, die Fesseln der ehrlosesten und niedrigsten Leidenschaften zu zerreißen, und von Dir zu werfen, Dich von einem schanilosen Frauenzimmer zu trennen, welches nie Dein, des katholischen Priesters, rechtmäßiges Weib werden kann, und umzukehren, um auf dem Wege der Buße und Besserung wieder zu Ehre, Amt und Würde zu gelangen, und dcm zeitlichen und ewigen Verderben zu entgehen. Nur dieses ist es, was mich bestimmte, was mich als katholische Mutter verpflichtete! Vorstehendes an Dich zu richten und der Ocffcntlichkeit zu übergeben." Wir glauben sicher keine zu gewagte Vermuthung auSzusprcchen, wenn wir diese dahin aussprechen, daß jeder Leser, der dieses Acienstück lesen wird, den schmerzlichen Gefühlen einer solchen Mutter seine innigste Theilnahme zuwenden wird, die da den Ausdruck des Heilandes „glücklich die Unfruchtbaren ic." bei ihrem Schicksale mit unwiderstehlicher Kraft in ihr Inneres gedrängt finden könnte, ja, die vielleicht ihren Gatten, den der Gram vor Kurzem hinwcgnahm, schon tausendmal mag beneidet haben. Doch, sie braucht nicht Besorgniß zu haben, daß je Gesinnungen der Mutter mit Gesinnungen und Lebenswandel des Sohnes werden verwechselt werden. Sie hat ihrem gepreßten Muttcrherzen Luft gemacht, noch mehr, sie hat sich bei allen Gutvcnkenden ein Denkmal gesetzt, nm welches sie selbst Große uud Gewaltige der Erde beneiden dürsten, endlich, sie hat gewissen Menschen, die da viel von Aberglauben und Köhlerglauben der Katholiken aus den niederen Ständen zu sascln wissen, ein Argument gegeben, daß eine schlichte Bürgcrsfrau von beinahe 70 Jahren in einem einfachen Dorfe unterrichteter über die GlanbcnSwahrheitcn sey und über die der Kirche gebührende Achtung genauere Begriffe habe, als so mancher Superkluger und Lasterknecht auf seinem Dach- stüblcin. Darum freuen wir nns, daß dieses Schreiben zu Tage gefördert worden ist, das da zwar von Lasterhaftigkeit und Unwissenheit Zeugniß gibt, doch nicht von Lasterhaftigkeit und Unwissenheit, die katholischen Kirchcnmitglicdern anklebt, sondern von solcher, die nun glücklicherweise für die Ehre der Kirche unschädlich gemacht ist. (Kath. Stimmen.) Der Hochwnrdigste Bischof von Mainz über die Neligionswirren dieser Zeit. ^) Es ist Ihnen bekannt, welches Getreibe auf dem religiösen, kirchlichen Gebiete zur Zeit stattfindet. Es kann Ihnen, die Sie unsere Hessische Landeszeitung, und die in derselben tagtäglich vorkommenden Nachrichten von dergleichen Neligionswirren lesen, nicht entgangen seyn, daß an verschiedenen Orten Deutschlands, besonders in Städten und Städtchen gemischter Konfession, und wo die Katholiken erst seit drei bis vier Decennien sich angesiedelt, und eine Gemeinde zu bilden angefangen haben, Versuche zum Abfall von der katholischen Kirche und zur Bildung sogenannter deutsch-katholischer Gemeinden gemacht werden. Ob die Anreizungen dazu von den Katholiken selbst, oder mehr und minder von sonst woher ausgehen, lassen wir dahin gestellt seyn. So viel scheint aber daraus hervorzugehen, daß eS mehr nur auf eine Vereinigung im Nichtöglaubcn, auf Unabhängigkeit von aller Autorität und Beseitigung des Christenthums überhaupt abgesehen ist, wenigstens haben sich die bisher geschaffenen Glaubensbekenntnisse auf ein Christlichkleinstes eingeschränkt. Darum ist denn auch die der katholischen Kirche feindselige Presse, in ihren vielen Zeitungen, Blättern und Blättchen, äußerst bemüht, die Kirche von dem Papste loszureißen und dennoch katholisch, d. i. allgemein sie heißen zu wollen. Man gibt sich das Ansehen, als könne die Kirche, ohne mit der apostolischen Mutterkirchc und dem Bischöfe von Rom, als dem Papste und Mitlelpuncte der katholischen Einheit, verbunden zu seyn, noch als katholische fortbestehen. Man begeht darum die Perfidie, unter Verwirrung der Begriffe alle katholische Christen, die den Papst als den Mittelpunct der katholischen, d.i. allgemeinen christlichen Einheit erkennen und verehren, und als wahre Katholiken erkennen und verehren müssen, als „ultramontan" zu bezeichnen, während man mit diesem Ausdrucke von jeher nur solche Katholiken bezeichnet hat, welche dem Papste, den Bischöfen gegenüber, größere Rechte zuschreiben wollten, als demselben nach Christi Einsetzung, nach Schrift und Tradition zukommen. Unter diesen Verwirrungen, und bei den steten Schmä« hungen und Lästerungen gegen den Papst, geschieht es denn, daß ungelehrte und unbewachte Katholiken an ihrem Glauben irre werden, von demselben abfallen und von einem Drucke des Papstes träumen, von dem sie doch ihr Leben lang nichts verspürt haben. Welche Angriffe auf andere Lehren, Einrichtungen und Gebräuche unserer Kirche nebenbei versucht werden, ist Ihnen wohl ebenfalls nicht unbekannt geblieben. Wenn wir nun gleichwohl für unsern christkatholischen Glauben, für unsere heilige Kirche, die eine Grundsciulc der Wahrheit, von Christus gestiftet und auf den Felsen Petri erbaut, zu ewiger Dauer bestimmt ist, nichts zu fürchten haben, sondern der Gnade der Verheißung des Herrn vertrauend, zuversichtsvoll erwarten dürfen, daß sie die Pforten der Holle nicht überwältigen werden; so dürfen wir doch nicht glcichgiltig zusehen, wenn der Satan der Verführung umgeht und sieht, ob er eine Seele, die unserer Sorge anvertraut ist, von dem Pfade der Wahrheit und des Lebens ab, und auf den Weg des Verderbens hinüberführe. Indem wir uns daher freuen, daß Sie, wie wir zum Theil wissen, dem Gegenstände bereits Ihre Aufmerksamkeit widmen, sehen wir uns zugleich veranlaßt, Sie allcsammt zu ermuntern und dringend aufzufordern, Ihre Hirtcnsorgc zu verdoppeln, und über die ge- ') Circulare des Hcchwnrdigsten Bischofs an die bischöflichen Decane und sämmtliche PsarrgeislUchen. dachten Angriffe gegen die Kirche die sorgfältigste und umfassendste Belehrung in Predigten und Christenlehren zu ertheile», und damit und mit Ermahnung und Warnung an Ihre Parochianen fortzufahren, in aller Geduld und LehrwciShcit, Sanftmuth und Liebe, und besonders fern von allen gehässigen Seitenblicken auf Andersgläubige. Sie wissen, wie nothwendig in dieser aufgeregten und mißtrauischen Zeit es ist, in unserm Amte, Reden und Thun mit der größten Behutsamkeit zu Werke zu gehen, um nicht mißverstanden, und bei aller Unschuld verunglimpft zu werden. Fürwahr, geliebte Brüder und Mitarbeiter, mehr als jemals haben wir gewärtig zu seyn, Erfahrungen zu machen und zu ertragen, wie deren der h. Apostel Paulus (II. Kor. (>, 3 — 11.) von sich erwähnt, und mehr als jemals müssen wir uns angetrieben sühlcn, nach der Ermahnung desselben Apostels nach Gerechtigkeit, Glauben, Hoffnung, Liebe und Frieden mit Allen, welche den Herrn aus reinem Herzen anrufen, zu streben, und thörichte, zur Lehre nicht gehörige Streitfragen, die Zänkereien erzeugen, zu vermeiden. Denn ein Knecht des Herrn soll nicht zanken, sondern sanftmüthig seyn gegen Jedermann, lchr- fähig, geduldig, mit Milde zurechtweisend Die, Welche der Wahrheit widerstreben: vielleicht daß Gott ihnen Buße verleiht, die Wahrheit zu erkennen, und sie wieder auö der Schlinge des Teufels zu sich kommen, von dem sie gefangen gehalten werden. (II. Tim. 2, 22 — 26.) Im Uebrigcn sehen wir aus den Pfarreien der Diverse, in welchen Versuche der obgcdachten Art auftauchen, und Werbungen zu irgend einer GlaubenSmachcrei vorkommen sollten, wovon wir noch nichts wissen, der ungesäumten Berichterstattung entgegen. Mit den Worten des h. Paulus an Timotheus (I. Tim. 6, 20 — 21.) rufen wir, wie nns selbst, so auch, gcliebteste Brüder, einem Jeden von Ihnen zu: .Bewahre, was dir anvertraut ist, hüte dich vor unhciligcn Wortneuerungcn, und den Streit- rcden der fälschlich so genannten Wissenschaft, zu welcher Einige sich bekannten, und vom Glauben abgefallen sind." Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sey mit Ihnen, und segne Ihre Bemühungen! j- Petrus Leopold, Bischof. Bayern. Mission in Mammendorf vom 23. Febr. bis 6. März 1845. -j Auch der Gemeinde Mammendorf wurde das große Glück einer Mission durch die P.P. Nedcmptoristen zu Theil. Und so sind auch wir Zeugen geworden von den großen Wundern der Gnade, welche die göttliche Vorsehung durch diesen neuen Orden in der Kirche wirkt. Er ist ein Orden aus unserer Zeit, und für unsere Zeit. Ein oberflächlicher Blick in das gemeine Volk zeigt jedem, daß die Grundsätze des religiösen und sittlichen Jndiffcrcntismus mehr und mehr um sich greifen, und daß diesem in reißender Progression sich anschwellenden Strome des Verderbens nicht mehr durch gewöhnliche Mittel ei» Damm gesetzt werden könne. Die Krankheit bedarf außerordentlicher Hcüomittcl. Ein solches schuf die Vorsehung in den Missions-Pricstcrn. — Wie ihr hl. Stifter von dem Markte des öffentlichen Lebens, daö er in seinen feinsten Nüaneen, in allen seinen Mängeln und Bedürfnissen kcimw gelernt hatte, in das Hciligthum berufen wurde, und worin er sich eben so durch Wissenschaft und Heiligkeit auszeichnete, wie er sich in der Welt durch Gelehrsamkeit und achtungsgebietende Tugend über seine Zeitgenossen hervorgethan hatte; so treten seine geistreichen Söhne aus dem Heiligthume in die Welt, genau bekannt mit den großen Bedürfnissen und Krankheiten des Volkes. Und wohl dem Volke, unter welchem sie das Zeichen des Kreuzes aufpflanzen. Schon der Anblick derselben und gewöhnlich die erste Predigt schlägt alle Vorurthcilc nieder, und mit jedem Vortrage reißen sie mehr und mehr hin. Keiner, der diese Reden im ganzen Zusammenhange anhört, kann unüberzcngt und ungerührt bleiben. Sie sind wahrhaft geistliche Exercitien für das Volk, die in ihrer schnellen und geregelten Reihenfolge weit mehr wirken, als die gewöhnlichen Predigten, von denen, weil sie meistens nur nach längcrn Intervallen auf einander folgen, die letzte schon lange vergessen oder verwischt ist, wenn die neue vorgetragen wird. Die Missions-Predigtcn dagegen folgen schnell auf einander, und sind mit großer psychologischer Kunst angelegt. Eine Rede beleuchtet und unterstützt die andere. Ja jeder einzelne Satz in jeder einzelnen ist an der Stelle, wo er die wohlberechnctc treffliche Wirkung hervorbringt. Allzeit wird der Verstand überzeugt, alle möglichen Einwendungen widerlegt, und dann erst auf das Gemüth und den Willen gewirkt, aber mit einer Kraft, der nichts widersteht. Es ist etwas Außerordentliches zu sehen, wie eine Volksmasse von 3 — 4000 Menschen aufmerkt, überzeugt und gerührt wird, und laut in Thränen auebricht, wie Ein Mann, und seine Versprechungen und Gelübde lant und öffentlich dem Herrn darbringt, wie Ein Mann, wie sich ein ganzes Volk gleichsam geistig erneuert. So etwas, sprachen Viele, wovon Manche bei ^5 bis 20 Stunden weit hichcr gereist waren, haben wir nie gesehen, nie gehört. Diese Tage, sagten Andere, rechnen wir unter die glücklichsten unsers Lebens, wir glaubten von der Erde in den Himmel versetzt zu scun. Aber, wird man sagen, sie regen das Volk auf. „Ja, antworte ich darauf, sie regen die Gewissen auf; denn sie gleichen einem wohlgcrüsteten Kriegsheerc, das geübt in allen Waffen-Gattungen durch eine wohlbercchncte Tactik auch nicht Eine Bewegung umsonst macht, sondern den Feind dahin drängt, wo es will, uud ihn dann zwingt, die Waffen niederzulegen, aber mit dem Unterschiede, daß sie die aufgeregten Gewissen, welchen der Feind schon Jahre lang tödtliche Wunden beigebracht hat, nicht verwunden, sondern heilen und beruhigen." Und hierin zeigt sich das Wohlthätige der katholischen Bcicht- anstalt, welche sie als Meister, in Verbindung mit den Predigten, zu verwalten wissen. Denn wenn die Vorträge aufregen, so wird gerade durch die hl. Beicht der bei Manchen seit vielen Jahren verlorene Frieden wieder gewonnen, ein neuer Mensch geboren, und Freude in Gott und aus Gott wirft dann wie ein himmlischer Lichtstrahl seine wunderbaren Reflexe auf alle menschlichen Verhältnisse, so daß alles im wahren, weil in dem höher» Farbenglanze der überirdischen Bestimmung erscheint. — Daraus widerlegen sich so manche Vorurthcile gegen die Missionen von selbst. Sie machen die Menschen nicht düster oder frcudcnschcu, sondern lehren den hohen Werth geistiger Freuden aus eigener Erfahrung kennen, und die zeitlichen in dem Maaße und in der Ordnung genießen, daß dadurch der innere Frieden nicht gestört wird. Sind doch selbst die P.P. Ne- demptoristcn, obwohl sie mit ihrem anstrengenden, die menschliche Kräfte beinahe übersteigenden Berufe noch strenge Meditation, Gebete und Fasten verbinden, die Heiterkeit selbst. An ihnen findet man den Wunsch des liebenswürdigen heil. Bischofs Fr. Tales erfüllt: „Ich wünsche, daß mein Frommer der heiterste in der Gesellschaft sey.' Und diesen sanften Geist heiliger Freude suchen sie auch ihren Beichtkindern einzuflößen. Wenigstens wurde in der Pfarrei Mammendorf nie eine solche allgemeine aus dem Innersten herausleuchtende Freudigkeit bemerkt, als gerade jetzt nach der Mission. Eben so nichtig ist das Vorurtheil, als ob das Ansehen der eigenen Seelsorger durch eine Mission verliere. Gerade dasGegentheilgeschicht. Freiwillig und aus innerm Dränge kamen nicht bloß aus allen Gemeinden Deputationen, die ihren Dank für diese geistige Wohlthat der Mission gegen den Seelsorger aussprachen, sondern von jedem Einzelnen wird öfters bei jeder Gelegenheit dieser Dank wiederholt, nnd die Bitte geäußert, daß der Seelsorger lange in ihrer Mitte bleiben möchte. Eben so wird der Sinn für Häuslichkeit und stille, verborgene Tugend und Liebe zum Throne und Vaterland geweckt. O es ist wahrhaft rührend und begeisternd zu sehen, mit welch einer Begierde das Volk, von den scheidenden Vätern in der letzten Segcnsrede die Ermahnung aufnimmt, der weltlichen Obrigkeit zu gehorsamen, für sie zu beten und namentlich für unsern erhabenen Monarchen, der in seiner hohen Weisheit auch dieses Mittel geistiger Erhebung dem Volke bot. In meinem Leben werde ich die letzten Segnungen nicht vergessen, die von den scheidenden Vätern im Namen des allgemeinen Vaters der Christenheit über Sc. Majestät unser» allerqnädigsten König und sein ganzes Haus, über das Vaterland, über alle Anwesende, und besonders über jene für welche die Mission gehalten wurde, und über all ihr Eigenthum ausgesprochen warv. Denn in meinem Leben habe ich nichts Rührcnders, nichts mehr zum Herzen Dringendes gehört. Wie viele tausend Thränen flößen da, wie viele Gebete stiegen da für unsern Landesvater und das Wohl des Baterlandes zum Himmel. Und gewiß spricht auch Gott sein Amen zu solchen Gebeten. Ob aber auch dieses Alles nachhaltig wirken werde? Bei Vielen ganz gewiß. UebrigenS ist der da pflanzet nichts, und der da bcgießct nichts, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Sollen wir aber deßhalb nicht pflanzen, nicht begicßen, weil das Gedeihen geben nicht unsere, sondern Gottes Sache ist? Ich wünschte nur, daß allenthalben Missionen gehalten würden, und bald würde sich Vieles anders gestalten. Aber wie ? vielleicht könnte dann der confessionclle Frieden gestört werden. Von den konfessionellen Gegensätzen kommt in der Mission gar nichts vor. Es wird rein nur zu Katholiken gesprochen, aber in einer solchen Weise, daß von all den auch bei hiesiger Mission anwesenden Protestanten nicht nur kein Einziger sich unangenehm berührt fühlte, sondern daß im Gegentheil Einer aus ihnen sich irgendwo angeboten haben soll, eine bcrcutende Summe zu geben, wenn auch an dem Orte, wo er wohnt, eine Mission gehalten wird. Aber eine solche Mission verursacht Kosten? Die P.P. Missionäre nehmen von den Gemeinden keinen Heller an, sondern gleich den Aposteln kommen sie, wo sie verlangt werden, nnd suchen nichts anders als das Seelenheil der Gläubigen, selbst indem Hause, wo sie wohnen, ! fügen sie sich in apostolischer Weise ganz in die Ordnung des Hauseö !und in die Lebensweise deö Hausvaters: Huaeeumeiue appormntur i Vodis etc. gilt in ihrer Lebensweise auf den Missionen. Segen, ewiger Segen dem erhabenen Könige und Landesvater und seinem ganzen Rcgcntenhausc auch für diese unaussprechlich ^ große Wohlthat l Ein Augenzeuge. Verantwortlicher Redattcur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. x> ^^»gs - Dei/.^ AugSburger der MNIV/Dh ?' ^s- ^ Xtz SÄ- H^MU tt Erste Jahreshälfte. Nachtgedanken. In feierlicher Stille Die Nacht am Himmel thront, Nnd ohne Wolkenhülle Strahlt mild und klar der Mond. Die gold'nen Sterne glühen , Am blauen Himmelsplan, Und seit Aeonen ziehen Sie friedlich ihre Bahn. Im Busch, auf grünen Zweigen Schläft still der Vögel Brüt, Versenkt in tiefes Schweigen Die ganze Schöpfung ruht. Mit leisen Schritten gehet Der Friede sanft und mild, Sein süßes Hauchen wehet Im schlammcrnden Gcsild. O Nacht! wie senke dein Frieden So tief sich in mein Herz, Als wär' von mir geschieden Auf ewig aller Schmerz. Ich fühlen Gottes Nähe Umwehen mich so süß, Als senkt' sich aus der Höhe Herab das Paradies. Nnd wahrlich, es hat wieder Herunter sich gesenkt, Der brachte es hernieder Der uns sein Blut geschenkt. Nnd jenes süße Wehen Im Feld, im grünen Strauch Iii wohl aus Himmclshöhcn Des Mittlers Liebeshauch. ">, >'^-'^> M- t? PpftzeLtung. KZ. April 5845. Ja! seit er hingegeben Sich hat zum Kreuzestod, Da schwand von allem Leben Die bitt're TodcSnoth. Das Herz, das einst der Thränen Des Schmerzes viel geweint, Das weint nun Licbesihränen Mir seinem Gott vereint. Doch ach, von Gram zerrissen Die Brust voll Weh und Qual, Noch Viele irren müssen In diesem Erdenthal. Sie hauchen in Gesängen Den Schmerz der Seele aus, Aus wilden Saitcnklängcn Tönt all ihr Gram heraus. Sie wollen Trost gewinnen Aus ihrer Wissenschaft, Doch ach, es fehlet ihnen . Die wahre Wissenschaft. Sie suchen nichr Genesung Wo uns ihr Brunnen quillt In Chiisli Wclrcrlosung, Die alle Schmerzen stillt. O! daß ihr doch erkenntet Daß eure Seele todt, O! daß ihr glauben könntet: Nur Eines sey euch Noth! Zum Kreuz, zum Kreuze gehet Da wird euch Trost zu Theil, Im Kreuz, das ihr verschmähet Im Kreuze nur ist Heil. München, 4. April. Fr. Xav. Schumacher. Geschichte einer christlichen Bekennerin. ^) (Katholik.) Zu Anfang des Jahres 1841 war eine nestorianischc Familie von drei Personen, eine arme Wittwe Namens Nassimou mit ihrem Sohne Nucjie! und ihrer Tochter Schimouni von Amadia gekommen und hatte sich in Arbil (in Kurdistan) niedergelassen. Da die Nachbarschaft von chalvciischcu Katholiken bewohnt war, so bildete sich bald zwischen ihnen und der nestorianischcn Familie ein freundschaftliches Verhältniß, in Folge dessen diese drei Personen zur katholischen Kirche zurückkehrten. Als nun eines Tages die junge Schimouni an dem öffcnt-^ liehen Brunnen zu Arbil Wasser schöpfte, kam ein Muselmann, eben so bekannt durch seine Laster als wegen seines Hasses gegen^ die Christen, zu ihr und machte ihr den Vorschlag, Mahometancrin - zu werden. Ohne zu antworten floh Schimouni voll Schrecken! und Abscheu zu ihrer Mutter zurück. Der Türke ließ sie aber! nicht in Frieden. Als sein erster Versuch mißlungen war, verständigte er sich mit einem musclmännischcn Weibe, dem er seine Rolle dictirtc, und am andern Morgen wurde diese Elende, nach LandcSsittc verschleiert, vor das HauS der Nassimou geführt. Di, ,t stellte sie nun der Türke in Bciseyn zweier Zeugen zur Rede und sie erklärte, sie sey Schimouni und wolle sich zum Islam bekennen. Der Betrüger führte nun sofort die Zeugen zum Kadi, um die Erklärung, welche sie so eben gehört, zu bestätigen, und der Kadi seinerseits verordnete, dasz das Mädchen ihm vorgeführt werden sollte. Nun erschien die wahre Schimouni vor dem Gerichte, wo mau sie wegen ihres AbfallcS beglückwünschte. Sie schwur nun zwar voll Unwillen und Erstaunen, dasz sie von der ganzen Sache nichts wisse, allein die Zeugen sagten aus, daß sie vor ihnen erklärt habe, sie wolle freiwillig ihre Religion wechseln. Dieß war für den Richter genug, der gesetzliche Beweis lag vor und er sprach demnach die Christin dem Propheten zu. Umsonst protcstirtc diese g gen das Urtheil, ihre Festigkeit vergrößerte nun ihr Unglück. Der Kadi befahl nämlich, daß sie in den Kerker geworfen und so lange gefoltert werden sollte, bis sie die Wahrheit ihrer angeblichen Aussage anerkenne. Sie wnrdc nun wirklich in das Gefängniß abgeführt, zu Wasser und Brod! vcrurthcilt und ihre Hände und Füße mit Ketten belastet; außer-j dem erhielt sie »och dreimal täglich die Vastvnade und zwar fünf Tage hintereinander. Alles Dieses hatte jedoch keinen Ersolg und die muthigc Jungfrau war fest entschlossen, lieber zu sterben als ihren Gott zu^ vcrläugncn. Andererseits waren auch die Muselmänner wegen der Folgen dieser Geschichte nicht ganz ohne Bedcnklichkciten, denn sie! wußten, daß vor drei Monaten der französische Consul in Bagdad ihren Händen mehr als zwanzig Christinnen cntrissn, die der Bey von Navandouzc zu Sklavinnen gemacht hatte und sie fürchteten,! er werde, wenn er diese neue Gewaltthat vernehme, mit gewöhn-! ter Energie wieder einschreiten und die Verfolgung auf das Haupt ihrer Urheber zurückfallen. Sie nahmen daher der Schimouni ihre Ketten ab nnd schlugen sie nicht länger, um jetzt die Verführung der Versprechungen an ihr zu versuchen. Allein sie widerstand anch diesen, wie sie früher den Schmerzen widerstanden hatte. Da sie jedoch jetzt, nachten: die Art ihrer Prüfungen eine andere geworden war, etwas mehr Freiheit genoß , so dachte sie an ihre Flucht, und da sie gehört hatte, daß der französische Viceconsul in Mos-^ ") Die Geschichte wird von dein P, Rieccidonna aus der Gesellschaft Iesa im neiicsien Hefte der Annalen (Nr U9.) erzählt, von woher wir dieselbe entnommen haben. sul, Herr Benni, allen Unterdrückten seinen Schutz angedeihen lasse, so entrann sie heimlich der Aufsicht ihrer Wächter und kam am 8. Juni nach Mossul, wo sie sich mit ihrer Mutter unter den Schutz des Consularagentcn stellte. Der Consul nahm sie auf wie sein eigenes Kind, lobte ihre Standhaftigkeit und sprach ihr Muth ein. Allein während sie unter seinem Schutze wieder frei zu athmen anfing, traf sie ein neues Unglück in der Person ihres Bruders Nuejm, den der Kadi von Arbil, als ihre Flucht bekannt geworden war, als Geisel hatte verhaften lassen. Der Consul verlangte jedoch seine soso» tige Freilassung und erwirkte sie wirklich, worauf auch dieses zweite Opfer nach Mossul sich flüchtete. Unglücklicherweise befand sich nun damals der Vczicr Moha- met Pascha in Mardin und in seiner Abwesenheit setzte sich der Statthalter von Mossul ebenfalls in den Kopf, Schimouni zum Abfalle zu nöthigen. Er ließ daher die Zeugen von Arbil kommen und forderte am 29. Juni den Viceconsul auf, das Mädchen seinem Gerichte auszuliefern. Der Viceconsul wies jedoch diese Znmuthung energisch zurück und statt seiner Schutzbefohlenen erschien er selbst vor dem Divan, wo er, wenn nicht gänzliche Aufhebung des Processes, doch wenigstens Aufschub desselben bis zur Rückkehr des Pascha'S verlangte. Das wollten indessen die Nichter nicht. Ucberzcugt, daß Mohamet der Christin Gerechtigkeit werde angedeihen lassen, wiesen sie jeden Aufschub zurück, stürmten, da sie die Macht in Händen hatten, ohne Rücksicht auf den Repräsentanten einer befreundeten Macht, sein Haus, und führten die nnglücklichc Schimouni fort, die, stets unverzagt und ihrem Gottc getreu, laut ausrief, sie wolle sich lieber iu Stücke zerhauen als zum Abfalle verleiten lassen. Vom Tribunale weg wurde sie iu ein abscheuliches Gefängniß gestoßen, dem die Christen nicht nahe kommen durften. Allein auch der Viceconsul blieb nicht müßig. Ein erster Courier, den er an den Vczier abgesandt, winde zwar von den Arabern der Wüste aufgefangen, allein ein zweiter war glücklicher und brachte einen günstigen Bescheid zurück. Darum aber bekümmerte sich der Statthalter von Mossul Wenig. Als die Depejchcn ankamen, berief er den Divan, beschied den französischen Agenten vor denselben und statt ihm die Befehle mitzutheilen, welche er empfangen hatte, las er den Blies des ViceconsulS vor, in welchem dieser die Beamten von Mossul wegen ihrer Gewaltthat verklagt hatte. „Sehet, rief er wüthend ans, solche Klagen wagt ein Najah gegen uns vorzubringen! Machet mit ihm, was ihr wollet, und wenn ihr glaubet, sein Tod könne den euch angethanen Schimpf sühnen, so gebe ich ihn eurer Rache preis." Indessen wagte man es doch nicht in dieser Weise bis zum Aeußerstcn zu schreiten. Dasür mußte die arme Schimouni büßen. Von Neuem vor den Statthalter beschicve», wies sie mit neuer Kraft die lügenhaften Aussagen der Zeugen zurück. Doch man wollte mit ihr zu Ende kommen. »Im Namen unserer Gesetze, sagte der Richter, erkläre ich dich zur Muselmännin." — „Und ich, rief die Gefangene aus, erkläre, daß ich eine Christin bin, daß ich es stets gewesen bin, und bis zum Tode es seyn werde." Nun befahl der Nichter von seinem Sessel aufspringend sie zu schlagen und sie empfing an diesem einen Tage nahe an hundert Stockschlägc, außerdem wurden ihr mit den Haaren ganze Stücke blutender Haut vom Kopfe gerissen. Als nun die Jungfrau während dieser Mißhandlungen mit vor Schmerz erstickter Stimme vor sich hinsprach: „So lauge noch ein LebenShauch in mir ist, so soll er Jesus Christus angehören," wandte sich der Kadi an die Schergen nnd sagte dem Statthalter: , Diese Leute thun ihre Schuldigkeit nicht. Siehst Tu nicht an ihren gelinden Hiebe», daß sie vom Biccconsul bestochen sind? Lass' mich einmal gewahren und ich mache mich anheischig, die Christin so zu züchtigen, wie ihre Hartnäckigkeit es verdient." Und er ließ sie auf einer Tragbahre in sein Haus schlepprn, um sie dort einsam und verlasse» von jedem menschlichen Troste nach Herzenslust zu foltern. Frei von jeder Controle und ohne Zeugen bclud er nun sein Opfer mit Ketten, gab sie unter diesem glühenden Himmel den sengenden Strahlen der Sonne preis und ließ sie noch außerdem, daß er ihr fast alle Nahrung entzog, jeden Tag peitschen. Die Unglückliche gerieth in Folge dessen natürlich in einen schrecklichen Zustand und ein Arzt, der sie sah, meinte, daß sie keine vier und zwanzig Stunden mehr leben könne. Ja, der Kadi sprach ihr, um diesen TodeStamxs bis zur förmlichen Verzweiflung zu steigern, unaufhörlich vor, er werde sie, wenn sie nicht Muselmäuuiu würde, den rohe» Mißhandlungen dbs türkischen Pövels preisgeben. Gott ließ indessen nicht zu, daß diese schreckliche Drohung zur Wirklichkeit wurde. Es wurde nämlich zu Mossul bekannt, daß der französische Gcueralconsul zu Bagdad bereits zu Cvnstan- tinopel geklagt hatte; auch der Viccconsul hatte von Neuem an den Vezicr geschrieben und ein wiederholter Befehl von Mvhamet dem Statthalter eingeschärft, das ganze Verfahren bis zu seiner Rückkehr einzustellen. So mußte man wohl nothgedrungrn endlich nachgeben. Nach einer vierthalbmonatlichcn Abwesenheit kehrte Mohamet endlich nach Mossul zurück und gerade an dem Tagc,> wo die chalvLische Kirche das Fest der Namenspatronin von Schi- Mvuni feiert, wurde die hcldcnmüthi.ie Neubekchrte ihrer Mutter zurückgegeben. Beide kehrten mit cincmdcr nach Amavia, ihrem Geburtsort, zurück, um dort in der Uebung der Religion und in Treue gegen den Glauben, den sie fast mit ihrem Blute besiegelt hätten, in Frieden ihre Tage zu beschließen. Ich war bei ihrer Rückkehr in der Stadt selbst cmwcsc»d. Das Eigentliche in der Zesuitenfrage. Die „Union suisse" bringt hierüber Folgendes vor: „Die Streitfrage ist nicht mehr zwischen den Jesuiten uud ihren Feinden, sagt ein neuerer französischer Schriftsteller, dieß Verfahren ist abgenutzt, und zur lächerlichen Komödie geworden. Die Streitfrage ist nun ausschließend zwischen dem Katholicismus, der Kirche, dem Papstthum, dem Episkopat und jenem modernen Nationalismus, der cS in seiner hochmüthigcn Anmaßung noch nicht weiter gebracht hat, als die Menschheit mit schottischen, englischen und deutschen Ideologien zu begaben. „Die Streitfrage ist nicht minder zwischen der Kirche und den heutigen Regierungen. Es handelt sich darum, zu wissen, welchen Antheil von Freiheit die neueren politischen Institutionen, welche aus den Revolutionen dieses Jahrhunderts entsprungen sind, der Kirche, ihrer Auctorität und ihren Instituten lassen wolle»; Europa's ganze Zuknnst hängt von der Lösung dieser Aufgabe ab, welche gleichzeitig die Geister bewegt in Frankreich, mit seinem alten Schweif von philosophischen, ketzerischen und politischen Seelen; in Belgien, mit seiner Minorität von falschen Liberalen und Freimaurern; in der Schweiz, mit ihren Radicalcn und Protestanten; in Deutschland mit seiner Hegcl'schcn Negation; in Nußland, Großbritannien und Spanien. „Mau muß sich ja nicht täuschen lassen; die in Frankreich unter dem Vorwandc der Jesuiten begonnene Polemik war nur der Anfang jenes große» Kampfes, welcher entscheiden soll, wie cö gewisse conscrvative Schriftsteller behaupten, daß alle Revolutionen und modernen Verfassungen nur zu Gunsten der Feind? des Christenthums gemacht wurden. Laßt die Frage gegen die Jesuiten entscheiden, so wird sie auch bald gegen die übrigen religiösen Orden, ja gegen die ganze Kirche entschieden seyn. Es find dieß nicht finstere Prophezeiungen, es ist Geschichte. „Ich war vor einigen Monaten in Avignon, um die herrlichen christlichen und päpstlichen Alterthümer dieser merkwürdigen Stadt zu besichtigen. Indem ich den „Auicle clu vc-vscivur" las, wurde meine Aufmerksamkeit durch folgende historische Anekdote gefesselt: „Als die Jesuiten in geordnetem Zuge das Kollegium verließen , um in die Vcibannung zu gehen, stand ei» Mönch von einem andern Orden an eine Säule des PorticuS des Kollegiums gelehnt. Er betrachtete die ausziehenden Bätcr der Gesellschaft Jesu, und freute sich mit heimlichem Lächeln ihrer Austreibung. Einer der Söhne des heil. Jgnaz, nicht minder schalkhaft, bemerke es und sagte ihm: „Lachet, lachet nur, mein Vatc>, ihr kommt mich noch cm die Reihe; wir halte» hier eine Procession, wir gehe» zwar voraus und tragen das Kreuz, ihr aber werdet hinter uns hergehen." Die Weissagung des Jesuiten erfüllte sich achtel», Jahre später; der lachende Mönch mußte ftin Kloster auch verlassen, auch ihn traf die Verbannung. „Auf die OrdenSlcutc folgte» die Bischöse und Priester, auf die Verbannung das Gemetzel. Nach der Kirche wurde das Königthum geopfert; ein unschuldiger König mußte mit seinem Kopfe die Fehler strafbarer Könige bezahlen. Kaum waren fünfzehn Jahre seit der Aufhebung des Jesuitenordens verflossen, so läutete die Sturmglocke der Revolution von 1789 schon zum Begräbnisse der Monarchie, ja der ganzen bürgerliche» Gesellschaft; die Köpfe der Minister, der Magistrate und der Philosophen, welche ZWO ihrer Mitbürger proscribirt hatten, rollten auf dem Schaffot. Man weiß das Uebrige. „Im Zcchre 1828 wollten dieselben Grundsätze und dieselben Leute die gleiche Verfolgung wiederholrn; zwei Jahre spater unterlag das Königthum einer neuen Revolution, und cine ganze Dv- ncistic wanderte zum dritten Male ins Exil." Deutschland. Fr ei bürg. Unterm 17. v. M. ist ein Hirtenbrief des Hochwürdigstcn Erzbischofs Hermann an die gcsammtc Curat- geistlicbkcit erjchicncn über die betrübenden religiösen Bewegungen der Gegenwart uud die ernste Aufgabe, welche hieraus für die Geistlichkeit erwächst; insbesondere sind als Lehren , welche in jeder Gemeinde in Behandlung komme» solle» — für den Umfang, in dem es zu geschehen hat, sind die Ortsbc- düifnissc d>r Maaßstab — aufgeführt: Die Lehren von der heiligen Schrift und Tradition, als den Quellen der katholischen Wahrheit; von der Erbsünde und Erlösuugsbedürftigkcit des Menschen; von Jesus Christus, dem wesensgleichen Sohne Gottes, und von der Menschwerdung desselben, insbesondere von den großen praktischen Wahrheiten, welche in der Idee der Menschwerdung enthalten sind; vo» deni Erlösungswerke und dessen allseitiger Beziehung zu den Bedürfnissen und Nothständen der Menschheit; von der Kirche uud ihren w scnilichcn Merkmalen, namentlich von ihrer Einigkeit, von dem Primate Pctri und seiner Nachfolger; von der Leitung der Kirche durch den heil. Geist und ihrer Unfehlbarkeit; von den Sacramenten, besonders von der Spccialbeicht »nd dem . Opfcr der heiligen Mcssc; von der Unsterblichkeit der Seele und der Ewigkeit der Höllcnstrasen u. s. w. Anßer diesen Hanptlehrcn unseres Glaubens bilden noch einen dringenden Gegenstand des genauen Unterrichtes die Lehren von der Verehrung der Heiligen, der Bilder und Reliquien, dann die mannichfachcn im katholischen Cultus üblichen Gebräuche und Segnungen n. s. w.; endlich die Kirchcngcbotc und deren Nothwendigkeit und Weisheit. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: Bei einiger- maaßcn aufmerksamerer Erwägung mancher Nachrichten stellt sich die tiefe Besorgnis; ein, daß Herr Schreiber nicht ohne Einverständnis; mehrerer geistlichen Standcögcnosscn gehandelt habe. Die gegenkircklichcn Vcrsammlungcn oberlä'ndischcr Geistlichen in Engen und andern Orten des Obcrrheins sind bekannt, und man besorgt, das; manche solche glcichgcsinnte Standcögcnosscn nicht so fast durch offenen Abfall 'von dcr Kirche sich lossagen, als vielmehr, mit Rücksicht auf die Beibehaltung ihrer Pfründen, für dic Rongc'sche Secte auf weniger auffallende Weise und desto verderblicher in ihren Psarrgemcindcn wirken und sonach größere Abfälle vorbcrcitcn werden. Möge uns diese nnscrc trübc Aussicht täuschen! Poscn. Wie verlautet, ist zwischen dcm „Psarrcr" CzerSki und seiner Gemeinde eine Differenz zu Tage gekommen. Letztere will Nvngcanisch-katholisch seyn und dcr arme CzerSki stände sonach mit seinem apostolisch-katholischen Symbolum isolirt. Zwar hat diese Gemeinde ihrem Bekenntnisse bis in den Tod treu anzuhängen gclobt, abcr die freie Forschung hat ihr im Lichte, das von BrcSlau ausstrahlt, gezeigt, daß die Modisiccition zeitgemäß sey und daS Grundprincip durch dieselbe nicht verlassen werde. Das Thcolognmcnon, nach welchem nicht die Gemeinde ein geistiges Erzcngnif; dcS Pricstcrthums ist, sondern das umgekehrte Verhältnis; stattfindet, ist zwar wi?crchristlich und widerspricht so stark als möglich dcm Verhältniß zwischen Christus, dcm ewigen Hohenpriester, und seiner Kirche; aber es ist gleichsam die Basis der Ron- gc'schcn Reformen und macht sich auch in Artikeln bemerkbar, dic über oder vielmehr für dic Schneivcmühler Sccte geschrieben seyn wollen. In einem derselben wurde vor einiger Zeit berichtet, daß zwei polnische Baucrngemcindcn Deputationen an Czerski gesendet hätten, um wcgcn cincö Anschlusses zn unterhandln. „Dieses möchte wohl" — heißi's dann — „am besten von den gesunden Principien dieser kirchlichen Reform zeugen, insbesondere wenn man bedenkt, daß es polnische Bauern sind, gerade dieselben, welche man sonst für den Typus dcr Bigotterie zu nehmen pflegt." Also während gerade in unsern Tagen die intellectuclle Bildung bis zur Einseitigkeit betrieben wird, sollen unterrichtete Bauern über Prin- cipicniragcn entscheiden I Dic Gesundheit jener Principien macht sich in Symptomen bemerkbar, wie unter andern folgende: daß dic Bibel als einzige Quelle der Offenbarung, zugleich aber auch Sätze angenommen werden, welche vollständig nur mit Beziehung auf dic rirchristliche Geschichte, d. i. Tradition crwusen werden können; das; ferner die königl. Regierung zu Brombcrg die Bibclgcmäßheit des neuen Bekenntnisses prüfen soll, nachdem dasselbe Bekenntniß jeden Einzelnen für befähigt erklärt hat, seine Glaubenslehre selbst aus dcr Bibel zu schöpfen; daß Lebende zwar für Gestorbene beten dürfen, die vollendeten Gerechten im Himmel aber nicht für die noch auf Erden nach der Vollendung Ringenden; daß Priester nicht allein hcirathcn dürfen, sondern es auch dem alten Testamente zufolge sollen u, s. w. Daß über dic seit Jahrhunderten schwebenden Lebensfragen dcr gemeine Mann entscheiden soll, darf indeß!/ > nicht bcfremvcn; denn wer will in unsern Tagen nicht über theologische Gegenstände aburtheilen? Man spricht von Laien in dcr ^Wissenschaft und Kunst und von Priestern derselben; in dcr Theologie soll diese Unterscheidung nichts mehr gelten; in der Medicin, den Naturwissenschaften, der Jurisprudenz, Philologie u. s. w. erkennt man Autoritäten an, in dcr Theologie sind es dic Theologen, die sich zurechtgewiesen sehen als Befangene, die für die Interessen ihrer Kaste eifern, sie sind im allgemcimn Sprechsaal nicht mehr die lehrende, sondern die hörende Kirche. Und doch ist der wesentliche Inhalt dcr Theologie ein gegebener, die christliche Kirche hat eine Geschichte von achtzehn Jahrhunderten; ihr Studium letzt viele HilfS- und Vorkcnntnisse voraus; ihre Literatur ist unermeßlich, wo;u noch kommt, daß gerade auf diesem Gebiete dcr Parteigcist die ärgsten Verwirrungen angerichtet hat; der Theologe soll wo möglich allcS Wissen und Erkcnncn seincr Zcit in sich aufgenommen haben, aber höher als dieses steht SinneSadel und geistige Freiheit. An der Spitze dcr VewegungSpartei sehen wir aber Beamte, cincn Thcater-Secrctär, Industrielle und freilich auch ein paar Tbeologcn; der eine dersclben ist so überaus gelehrt, daß er Vieles vergessen mnßte, um Reformator zu werden; wie gründlich aber dcr andere scinc theologische Vorbildung betrieben hat, das offenbaren seine Sendschreiben und sein gcsammteS reformistisches Vorschrcitcn. Beide sind nahe daran überflügelt und bei Seite geschoben zu werden. Wie in Betracht des Zeichens die Wcrkleute vcrschiedur sind, so sind es auch dic Materialien, die sie. zu dem Um- oder Neubau verwenden. Hicr werden 7 Sacramente sta- tuirt, dort genügen 2, anderswo reihen sich an die 3 noch 5 kirchliche Weihen; hicr gilt die Bibel ohne, dort mit dcr Tradition als Glaubcnsurkunde; jetzt ist das Schneidemühlcr, dann das Brcs- laucr Symbolum an dcr Tagesordnung, dann wicdcr cin justs milieu (rechte Mitte)! Wenn die Lente sich recht besinnen werden, werden sie mit Erstaunen wahrnchmcn, daß sic insgesammt Protestanten oder gar über den bibelgläubigen ProtestautisinnS längst hinaus sino. Ein Satz mehr oder weniger macht es nicht; wer die Autorität dcr Kirche verwirft, um nach eigener Faeon Katholik zu seyn, hat schon aufgehört cs zu seyn. Von den Ncnkatho- likcn gehörte d.r größere Theil „durch den Zufall dcr Gcbnrt" der Kirche an und wirklich schließen sich dcr Bewegung verhältnisz- luäßig viele Protestanten an, wie es auch überall Protestanten sind, welche ihr am meisten Vorschub leisten. — Diejenigen, welche von CzerSki'S Erschein«: in Brcslan große Erfolge erwarteten, haben sich verrechnet, die öffentlichen Blätter wissen davon wenig zu sagen; nnS freilich fällt das nicht ans. Daß sich ihm cin aus dcm Seminar zu Pclvlin unfreiwillig auSgctrctencr Klcrikcr angeschlossen hat, ist schon berichtet; daß er „schr gute Zeugnisse" mitgebracht hat, versteht sich eben so von selbst, als daß ihm die Gebrechen dcr römischen Kirche im Lichte von Schncidcmühl in ihrcr Blöße offenbar geworden sind. Gott sprach: „Es werde Licht, und cs ward Licht/' — so ist CzerSki'S Rechtfertigung überschrieben. — Nach Privcttnachrichtcn werden in der Umgegend von Glogau die Schriften dcS .großen Reformators" Rongc in jede Hütte hineingetragen, sogar dic Lumpcnsammlcr treiben damit Industrie und geben sic hin für Lumpen. Das geschieht sonder Zweifel aus vem Einen und keinem andern Grunde, um die Forschrttte dcr Civilisation anschaulich zu machen, dic den weggeworfenen Lumpen zum Träger des Gedankens macht, und wie erhabener und tiefer Gedanken, Gedanken, welche die Herolde cincr neuen Zeit sind! ^ (Schlcs. K. Bl.) Verantwortlicher Rcdatteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. ^ ^,it o» ZK»>8 tchbin-c .n,6M iuyiM bu^L t"!' H ^»S- ' D-ib, ... AugSburger Pyftzeitttng. Erste Iahreshälft-. M ÄV. April R845 Mission zn Heike in Holland, gehalten von den hochwürdigen Vätern Nedempto- risten im Monat Februar 1845. (Sion.) In Holland gibt es eine Haide, die sowohl in Hinsicht ihrer Lage, als ihrer Bewohner und der Begebenheiten, die sich da zugetragen, wahrhaft merkwürdig ist. Dieß ist das kleine Heike (Haidchen), gelegen zwischen dem Markisate Berg-op-zoom und der Frciherrschaft von Breda. Schon seit Jahrhunderten ist dieser Ort allbekannt durch die Räuber und Diebc, die hier und da zerstreut in Höhlen, oder selbst frei zusammen in seiner Mitte haus'ten. Keine von den beiden Herrschaften hatte ihn je als einen Theil ihrer Besitzungen anerkennen wollen. Ueberall berüchtigt wegen der Plünderungen und Todtschlägc, die da verübt wurden, war er der Schrecken der ganzen Umgegend, so daß mehrere Stunden weit und breit Niemand sich sicher glauben konnte. Umsonst versuchten die Franzosen, welche Herren der Niederlande geworden waren, dieses halbwilde Volk zu zähmen und zu bilden. Selbst Napoleon, der alle Hauptanführer auf einmal hinrichten ließ, hatte an ihren fast barbarischen Sitten auch nicht das mindeste bessern können. Eben so fruchtlos blieben alle seither gemachten Bersuche ihre Anmaßungen und Grausamkeiten zu bändigen und einzuhalten. Noch sind keine zwanzig Jahre verflossen, als sich die Gerichtsbchörde mit einem fürchterlichen Hinrichtungsapparate dahin begab, und daselbst, um Allen Schrecken einzujagen und ihnen zugleich ein warnendes Beispiel vor Augen zu stellen, Viele dieser Unglücklichen auf eine schaudererregende Weise züchtigte. Auch geschah es höchst selten, daß einer aus ihnen ruhig auf seinem Bette starb; gewöhnlich wurden sie entweder auf öffentlichem Platze hingerichtet, oder sie endeten ihr Leben im Kerker, oder sie ermordeten sich selbst un'tcr einander in blutigem Gemetzel, das sie leider nur zu oft unter sich anstellten. So war dieses Volk vor der letzten Staatsumwälzung Belgiens im Jahre 1830 beschaffen. Damals trugen die Truppen, welche in diese Gegenden verlegt waren, nicht wenig dazu bei, ihre gänzliche Verwilderung zu vollenden. Die Haide wurde in dieser Epoche nur noch berüchtigter durch Unzuchtshäuser, nächtliche Tänze und andere abscheuliche Unordnungen, die allda ungestraft getrieben wurden. " Bei Allem dem war es zum Erstaunen, daß dieses in Sitten ganz verkommene Volk im Grunde noch immer Glauben und Religion beibehielt; Alle waren da getauft und bekannten sich zur katholischen Religion; es schien also, daß der Mangel an geistlicher Hilfe, und die allzu große Unabhängigkeit, worin sie sich in religiöser Beziehung befanden, die Hauptursachen ihrer groben Unwissenheit und Sittcnlosigkcit waren. Der fromme Bischof in partiliuZ, der hvchw. Herr I. van Hooydonk, apostolischer Administrator des Vicariates Breda, seufzte schon seit vielen Jahren über ihreu bedauernswürdigen Zustand, und er sann auf Mittel demselben abzuhelfen. Erst im Jahre 1840 konnte er seinem Eifer in etwas Genüge leisten, indem er eine Kirche auf diesem wüsten und verlassenen Boden aufführen ließ und einen Seelsorger dahin beschicv, der sich ganz dem schönen Werke weihte, diese zerstreuten und hirtenloscn Schafe aufzusuchen. Unterstützt durch die milde Beisteuer der Negierung und die freiwilligen Spenden seiner Diöcesa- nen, baute er außer der Kirche noch ein anständiges Pfarrhaus und eine Wohnung für vier Klosterfrauen, die mit dem Unterrichte der Mädchen dieser neuen Psarrci beauftragt wurden, indeß die Negierung auf eigene Kosten einen katholischen Schullchrcr für die Knaben bestellte. Auf solche Weise wurden ungefähr 425 Com-- municanten versammelt, welche die Pfarrgemeinde zum hl. Willi-, brord, Apostel Hollands und gewählter Schutzpatron dieser Ortschaft, ausmachten. Bald darauf bildete sich ein Verein frommer und begüterter Leute, die es übernahmen, diesem hilfsbedürftigen Volke Arbeit zu verschaffen und ihm so den Weg zu einem rechtschaffenen und ehrlichen Leben vorzuzcichncn. Auf diese Art gelang es, in Zeit von weniger als vier Jahren einer so verwilderten Menschenrasse einen Anstrich von Civilisation zu geben. Doch damit war bei weitem noch nicht Alles gethan. Dem eifrigen Pfarrer, Herrn Koes, dessen großmüthige Hingebung allgemein anerkannt ist, blieb noch eine höchst schwierige Aufgabe zu erfüllen. Derselbe bot Alles auf, um sich das Zutrauen seiner Psarrkinder zu erwerben, und sie in den Pflichten der Religion und der Gesellschaft zu unterrichten. Nach vielen Anstrengungen, die übrigens mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt wurden, bemerkte er doch, daß, um dieß schöne Werk zu vollenden, es noch der Beihilfe Anderer bedürfe. Er war schon ost Zeuge gewesen von dem vielen Guten, das dk Missionen überall bewirkten. Deßhalb säumte er nicht, und begehrte inständigst einige Väter Redcmptoristen aus dem Kloster Witte» in Holland, unv da diese sich vorzüglich dazu widmen, gerade den verlassensten Seelen am hilfreichsten bcizu- springen, so wurden ihm dieselben leicht bewilligt. Der hochw. P. Bernard, begleitet von dem hochw. P. Janson eröffnete also die Mission am 8. Februar. Wie groß die Freude eines Volkes war, das noch i» der Wiege seiner Bildung ist, wie fleißig es den Predigten und Untcrrichtungen beiwohnte, wie aufmerksam und gelehrig, ja wie begierig es alle Uebungen umfaßte, die seine christliche Frömmigkeit nur nähren konnten, ist kaum zu beschreiben. Besonders hatte die Liebe zu Jesus Christus und die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria für diese bisher so harten und unempfindlichen Herzen etwas ungcmcin Anziehendes; jede Andcichts-^ Übung, Kreuzweg, Rosenkranz, Scavulir, ja Alles w.ir ihnen! theuer; und sie umfingen AllcS mit rührender Andacht und Frömmigkeit. Der gute Herr Pfarrer hatte sich mit allerhand Gegenständen der Andacht versehen, die er unentgcldlich unter sie austheilte. Nur war es schwer, sie von der Abscheulichkeit des Lasters der Unzucht zu überzeugen. Die Erfahrung lehrt, wie sehr man in diesem Puncte sich selbst täuschen, und wie grob die Unwissenheit in dieser Sache besonders bei Solchen werden kann, die allzeit in Unordnung gelebt, und nie eine christliche Erziehung erhalten haben. Aber der hochw. P. Bernard, der es so gut versteht, sich zu den Einsichten und Fähigkeiten seiner Zuhörer herabzulassen, scheute keine Mühe, um ihnen eine ganze Stunde lang mit der Bibel auf der Kanzel zu beweisen, daß die Unkeuschheit eine Sünde, eine Tovsündc sey, bis endlich vor Rührung und Ueberzeugung Alle einstimmig ausriefen: verflucht sey die Unkeuschheit! Alle ohne Ausnahme nahten sich dem heiligen Bußsacramente; doch kann es wohl nichts Rührenderes geben, als die Gcucral- Communion, die in schönster Ordnung und mit möglichster Einge- zogenhcit gehalten wurde. Namentlich in den letzten Tagen war es ein herrlicher, hcrzerhrbender Anblick, wie die Frauen von den Ordensschwestern, unv die Männer von den hvchwürdigcn Vätern an den heiligen Tisch geführt und da mit dem Brodc der Engel gespeist wurden. Noch ein bcmcrkcnswerther Augenblick war der der Aussöhnung, welche man von Ehelcutcn forderte, ehe ihnen gestattet wurde, den göttlichen Heiland zu empfangen. Diese Uebung wurde für nöihig gehalten in einer Pfarrei, wo so viele Unordnungen zu heben, so große Aergernisse gut zu machen, so tief eingewurzelter Haß und Groll zu dämpfen war; man kann sich keinen Begriff machen, wie frech die christliche Liebe hier mit Füßen getreten, wie gewissenlos alle Schacun verbannt, und wie entsetzlich das eheliche Band hier verkannt und geschändet war. In dem Augenblicke also, wo der Herr Pfarrer die hl. Hostie in den Händen hielt, erhob der Prediger seine Stimme, und fragte feierlich die Ehemänner und Ehefrauen, ob sie sich gegenseitig Alles verzeihen, ob sie in Zukunft in wahrhaft christlicher Einigkeit leben wollten. Das heiligste Sacrament wurde nicht eher ertheilt, als bis Alle mit laut>r Stimme geantwortet hatten: Ja, wir verzeihen, wir versprechen eS. Am letzten Tage der Mission wurde der hochw. Herr Bischof van Hooydonk, der in Begleitung seines würdigen Sccretärö dahin kam, von dem guten Volke mit allen Aeußerungen der aufrichtigsten Freude empfangen. Nach einer rührenden Anrede, wobei Alle sehr ausmcrlsam waren, ertheilte er den Kindern, so wie mehreren Erwachsenen die hl. Firmung, wornach erstere im Psarrhausc ein genügsames Frühstück fanden, das ihnen die Sorgfalt ihres liebenden Hirten bereitet hatte. Bei der AbschiedSrcde, die der hochw. P. Bernard hielt, stieg die Hcrzcnsrührung aufs höchste. Es war der feierlichste Augenblick, als der Redner diese dreifache Frage an das tief bewegte Volk stellte: Wollt ihr allezeit Jesus Christus lieben, die Mutter Gottes recht ehren, und cuerm Herrn Pfarrer stets gehorchen? Die Antwort war wie Eine Stimme: Ja, wir wollen es! was zur größten Erbauung Aller gereichte, die herbeigekommen waren, um diesem interessanten Schlüsse beizuwohnen. Als der Prediger nach dem päpstlichen Segen im Namen der Missionäre von seinen Zuhörern Abschied nahm, brach die ganze Menge in lautes Weinen und Schluchzen aus. Der gewandte Redner benutzte diesen Augenblick, um den Versammelten zu äußern, daß er nur noch bedauere, ein verirrtes Schäflein, das einzige, welches der Gnade bis zum Ende widerstanden, nicht zum Schafstalle habe zurückführen können. Und in der That, noch am Vorabende hatte dieser harte Sünder eben so wenig den Einladungen seiner Freunde nachgeben wollen, als er vorher schon den Bitten und Beschwörungen der Missionäre Gehör gegeben, die kein Bedenken getragen hatten, denselben in seiner Wohnung aufzusuchen, und ihn zur Bekehrung und Aussöhnung mit seinen Feinden einzuladen. „Gewiß', rief jetzt der Missionär wie begeistert aus, „Maria hat sich diesen Sieg vorbehalten, habt nur Vertrauen, meine Brüder, und beten wir mit einander drei Ave Maria für diese arme verirrte Seele." Er hatte beinahe prophezeit, denn Tags darauf legte der Unglückliche seinen tödtlichen Haß ab, und machte die Mission mit, zum Ruhme Mariens, zum Troste und zur Zufriedenheit der Hcerdc und ihres musterhaften Hirten. An diesem Tage wurde eine Messe für die Verstorbenen der Pfarrei gesungen, und die Missionäre trugen zu den Kranken in eigener Person die Hcils- mittcl unserer hl. Religion. Die ganze Gegend ist höchst erfreut über diese segensreiche Mission, die zugleich der Bestimmung und dem Geiste der Missionäre des allerheiligsten Erlösers so sehr entspricht, und so treffend an jene erinnert, die ihr Stifter der hl. Alphonsus den Schäfern und Zicgcnhirten oder den Landbewohnern Kalabriens gab. Man hat alle Ursache zu hoffen, daß durch die Sorgfalt des weisen Prälaten und den unermüdlichen Eifer des frommen Pfarrers, welche beide die Mission begehrt haben, die Früchte derselben dauerhaft bleiben werden. Ein Verein zur Ausrottung dcö Fluchens und GotleSlästerns ist daselbst feierlich errichtet worden, so wie auch eine Sonntagsschule für die Knaben und eine für die Mädchen , nebst einer Bruderschaft zu Ehren des hl. Aloysius Gonzaga. Außerdem haben mildthätige Personen stets ein wachsames Auge gerichtet auf das Elend dieses dürftigen Volkes, das sie selbst während der Mission unaufhörlich mit Almosen unterstützten, so wie die Strenge der Jahrzeit es zu verlangen schien. Alles dieß läßt uns die trostvolle Hoffnung hegen, daß bald sowohl in bürgerlicher, als religiöser Hinsicht die Pfarre zum hl. Willibrord emporblühcn werde, eine Pfarre, die aus Leuten besteht, über welche die Religion in so kurzer Zeit und auf so befriedigende Weise vermocht hat, was nicht die Strenge der Gesetze, nicht das Schauderhafte der Blutgerüste ausrichten konnte. Deutschland. Berlin, 29. März. Was unsre Schncidcmühler angeht, so hat sich der Standpunct dieser Angelegenheit wesentlich verändert. Nachdem der ausgeworfene Köder keine Katholiken fange» will, erklärt sich der Protestantismus zur Heranbildung der neuen Sccte bereit und bittet durch die ganze norddeutsche Presse alle Welt, die Geld hat, um Unterstützung. So hat der hoch- achtbare Handelsstand zu Stettin zuerst angefangen, die Aktien auszuschreiben, auf welche der neue Weltglaube gegründet werden soll. Der Magistrat von Magdeburg, unterstützt von den Eschener Lichtfreunden, ist würdig nachgefolgt und hat auf fünf Jahre aus Communalmitteln, wozu natürlich die Magdeburger .Romlinge" mitbeisteucrn müssen, jahrliche 400 Thlr. für einen noch anzustellenden „deutsch-katholischen Geistlichen" ausgeworfen, damit der Mann Brod habe, wvhlgemcrkt, wenn sich einer findet. Potsdam und sein Magistrat hat nicht wollen zurückbleiben nnd darum eine von dem Garnison- und Hofprediger Sydow in salbungsvoller Liebseligkeit redigirte Adresse, die nichtsdestoweniger in überzuckerter Lieblosigkeit so ganz verstohlen 4000 katholische Mitbürger ohrfeigt, an den Schneidemühler Neu-Licht-Krämer abgeschickt. Wie konnte nach solchen Vorgängen und Beispielen unser Berlin, der Sitz „des Fortschrittes, des Lichtes, der Geistcsfreiheit" ohne ein Lebenszeichen gegen alle diese zurückstehen? Also; — wirklich haben wir in unsern Zeitungen, das Jntelligcnzblatt nicht ausgenommen, eine Aufforderung gelesen, mit einem voranstellenden Bibeltexte hübsch-sittig verbrämt, die alle christlich Denkende (!) aufruft, mit Geldbeiträgen dem „neu erwachten Leben in der katholischen Kirche' (sie) unter die Arme zu greisen. Das Aufgebot zu diesem Glauben auf Acticn war unterschrieben, und das ist der für die Katholiken einzig bedeutsame und bedenkliche Punct bei der ganzen Komödie, von dem Geheimen Negierungsrath v. Naunyn, der zweiter Bürgermeister von Berlin ist, von 10 Stadträthen, 7 Stadtverordneten, von im Amte stehenden Regierungsbeamten, dienstthuenden Ofsicicren, Professoren der Universität, Gymnasialdirectoren, lauter Protestanten, versteht sich, die alle das neu entglommene Licht in der katholischen Kirche kräftig anfachen wollten, auf daß es nicht erlösche. Denn diese Gefahr drohte in der That, und machte so gewaltige Anstrengungen nöthig, sintemal von den beiläufig 25,000 Katholiken Berlins, deren Seelsorger nur fünf an der Zahl sind, und darum bei der größten Anstrengung offenbar nicht immer auf die einzelnen Gemeindegliedcr in erwünschter Weise einzuwirken Zeit und Gelegenheit haben, ungeachtet dieses Mangels geistlicher Stütze nur 41 Schneidemühlisch geworden waren, von denen dann aber später 13, die noch einen Funken Glauben in sich hatten, dmch die Dazwischcnkunft der hiesigen Geistlichkeit wieder zu „Römlingen" umgewandelt wurden. Ueberhaupt kann der Eifer unsrer Geistlichen und unter ihnen namentlich des Herrn Cavlans Ruland, nicht genug gerühmt werden. Weil dem neuen Glaubenslichte das katholische Oel immer mehr ausging, sind, um es zu speisen, die Protestanten hinzugetreten, unter denen manche sich freuten, so leichten Kaufes katholisch wndcn zu können, ohne Papst und ohne Beichte, und haben die Zahl 400 voll gemacht. Darauf hat denn unser wohllöbliche Magistrat in Anbetracht des ncucrwachten katholischen Lebens der sogen, christkatholischcn-apostolischc» Gemeinde die Aula des grauen Klosters zu ihren gottesdicnstlichcn Versammlungen überwiesen. Ein Stadtgcrichts-Auscultcitor Müller war in Ermangelung des Nonge und Czcrski am Charftcitage und den Ostertagen der Pontifcr. Man sang: „Hier liegt vor deiner Majestät" und andere Gesänge unsers nicht neu-, sondern altkatholischcn Gesangbuches, die man unter dem Titel: „Lieder der christkatholischen Gemeinde zu Berlin" gedruckt, vertheilte. So stehen die Sachen jetzt; und wie steht und stellt sich zu ihnen die hiesige katholische Gemeinde? Fürs Erste fragt sich dahtcr auch der sanftmüthigste Katholik: Ist bei einem solchen Treiben bürgerliches, friedliches Zusammenleben möglich? — ferner: Gibt eö in unserm Staate Gesetze gegen Prosclytcn-, machcrei, oder betrifft ihre Anwendung immer nur Katholiken? Sind die Tractate des westphcilischcn Friedens, die Bestimmungen des Reichs-Deputativns-HauptschlusscS, die Worte, die bei der Accmisition katholischer Provinzen gesprochen wurden, immer noch bindend und gültig im deutschen Vaterlande oder nicht, oder gelten sie zwar noch für Alle, nur nicht für die Katholiken und katholisches Interesse? Das sind einzelne Fragen, die sich mi Nothwendigkeit dem Katholiken aufdrängen, wenn er die Sachen hier ihren Fortgang nehmen sieht in einer Weise, als wären sie auf dem rechtlichsten Grund und Boden erwachsen. Heute z. B. Wird in der Vossischen Zeitung öffentlich angekündiget, daß der „Pfarrer" Nonge morgen, Dominica in alliiz, in der Aula des grauen Klosters den Gottesdienst halten würde, nach welchem die Taufe mehrerer Kinder vorgenommen werden solle. So läßt man die Sache hier gehn, man läßt Pfarrer crcircn und so sich nennen, Amtshandlungen vornehmen ohne Widerspruch, man läßt Bürgermeister und Stadträthe ruhig ihre katholischen Mitbürger verletzen, Staatsbeamte jeder Gattung Theil nehmen, duldet den Titel „christkatholische Gemeinde," obgleich die bestehenden Verträge in Deutschland nur eine einzige katholische Kirche kennen. Wie gesagt, so schreiten die Sachen hier vorwärts, aber ihnen gegenüber steht die katholische Gemeinde da wie ein Mann mit dem entschiedensten katholischen Bewußtseyn. Sie hat auf alle jene Wühlereien nur durch Thaten geantwortet, das ist das Zweite in der von ihr angenommenen Stellung gegen jene feindseligen Demonstrationen. Sie hat nämlich 1) wie bekannt eine Dankadresse an den Hochwürdigstcn Bischof Arnoldi abgeschickt, die aus der Mittelklasse hervorgehend ohne irgend einen Anstoß von Seite der Geistlichkeit, und mit 1000 Unterschriften von Familienvätern versehen diesem Kirchenfürsten zeigte, daß die katholische Gemeinde in Berlin katholisch sey. Sie hat 2) an dem Bomfacius-Denkmale sich bethciliget, wodurch wir hoffentlich mit Gottes Hilfe für Spandau endlich zum Ziele kommen. Sie hat 3) in den letzten hl. Tagen eine Theilnahme am Gottesdienste gezeigt, die früher hier nicht vorgekommen. Bei der Prvccssion am Gründonnerstage z. B. (innerhalb der Kirche, versteht sich), welcher sich in den früheren Jahren kaum der Eine oder Andere angeschlossen hatte, zählte man jetzt über 0V Wachskerzen und eben so viele Träger aus den höchsten Ständen. Am Charfreitagc, wo die Kirche so angefüllt war, daß die Menschenmassc bis auf den Opernhausplatz, also quer über die Straße weg, hinausstand trotz des schlechten Wetters, konnte die Menge derer, welche dem heil. Scicramcnte folgen wollten, sich nicht entwickeln wegen Mangels an Raum. Diejenigen deßhalb, welche nicht pro- ccsfionswcise hinter dem heil. Sacramente die Kerze in der Hand ihre Ehrfurcht bezeigen konnten, bilvcten Spaliere mit den flammenden Kerzen vom Hochaltare ab durch den Mittelgang hindurch um die Kirche herum an den Seitcnwändcn. So wurde denn das hvchwllrdigste Gut einhergetragcn durch die gepreßt volle Kirche, gefolgt von zweien Fürsten, von unsern höchsten katholischen Staatsbeamten ohne Ausnahme, von den hier verweilenden katholischen Grafen, Ofsiciercn, den angeschensten Bürgern, dem Kirch-Kollegium u. s. w. Ich habe mit meinen eignen Augen gesehen, wie alten Soldaten die Thränen religiöser Rührung in den grauen Schnurbart hinunterliefen. Dieses sind die erfreulichen und segensreichen Wirkungen jener erbärmlichen Machinationen. Denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Besten. (Münst. SonntagSbl.) 55 « X- Berlin, 10. April. Die Deutsche Mg. Ztg. bringt fol- genden Artikel, der um seiner naiven Geständnisse willen merkwürdig ist: Die neukatholische Kirche (!) hat eine Feuertaufe überstanden. So möchte ich die Experimente und Operationen nennen, denen sie in den jüngsten Tagen, gewiß gegen (?) ihren bessern Willen, hier unterworfen wurde. Bedenklich erschien vom Anbeginn an die Theilnahme, welche von protestantischer Seite ihr geschenkt wurde. Aendern ließ es sich nicht, daß eine große protestantische Bevölkerung theilnehmend und freudig Bewegungen zublickte, welche sie an den von ihren Vätern vor drei Jahrhunderten geführten Kampf erinnerten. Es wäre besser gewesen, besser sür die Sache gewiß, wenn die Protestanten sich ganz fern davon gehalten und die nach dem Lichte (!) strebenden Katholiken ihre Sache ganz allein und auf eigene Geisteskraft vertrauend hätten auöfechtcn lassen. Um so bedeutender wäre der Sieg geworden. Indessen, die Verhältnisse führten es einmal so mit sich. Rongc hatte Luther und Huß citirt, und Czerski im Namen der Schncidcmühler auf die durch die protestantischen Nachbarn geförderte Kcnntnißnahme der heiligen Schrift provocirt. Es war eine Thatsache geworden, daß die Christkatholischen (!) liebevoll und vertrauend sich ihren protkstcmtischcn Brüdern näherten und daß diese ihnen auf halbem Wege mit offenen Armen entgegenkamen. Das Bedürfniß und die innere Nothwendigkeit war mächtiger als die begangenen Versehen; unv die That lehrt uns, daß die Bewegung von allen Seiten ausbricht und, weder durch thörichte Freunde noch durch erbitterte Feinde geschädigt, schon jetzt in ihrem Entstehen einen gesunden (?), organischen (?!), gestalteten Lauf nimmt. Daß Rouge und Czerski, wenn sie hierher kämen, eine ehrenvolle Aufnahme finden würven, ließ sich erwarten, und wer mag es Jenen verdenken, welche sich drängten, sie zu sehen und auf alle Weise ihre Theilnahme ihnen zu erkennen zu geben! Aber daß auch das leicht aufflackernde Strohfeuer des Berliner Enthusiasmus sich ihrer bemächtigm würde, daß sie Gegenstände theatralischer Demonstrationen werden sollten, hätte man zum Besten der Sache selbst und der Ehre der Männer nicht erwarten sollen. Auch Das ist nun ein Factum, was sich leider nicht wegläugnen läßt, und darum ist es besser, es offen cinzugestehen. Sie sind angefestmahlt, angegessen, angetrunken und angesungen worden. Es hat Kränze, Gedichte und Ehrengeschenke geregnet, und die ernsten und ehrlichen Reformatoren haben das Loos der gefeierten Sängerinnen und Tänzerinnen theilen und dafür danken müssen! Nun ist man aus dem Rausch erwacht, und die ernsthafte Betrachtung hinkt nach, daß man etwas sehr Unziemliches arrangirt hatte, daß Männer, Welche mit Muth, Kraft und Gottesvertrauen eine ernste Lebensaufgabe sich gesetzt haben, würdiger zu empfangen sich geziemt hätte, als geschehen ist. Die Einen trösten sich damit, daß es ja in Leipzig nicht anders gewesen sey, ja daß der Empfang in Potsdam den in Berlin noch überboten habe. Aber Andere erinnern daran, wie ein ähnliches tumultucirischeS Verfahren der Sache des Localvereins geschadet, wie etwas durchaus Gutes hier wie dort dadurch verdorben worden, daß es in unrechte Hände gerathen sey. Die Litcraten als solche und im Allgemeinen sind nun einmal in dem begrünvetcn oder unbegründeten Verrüfe, daß sie in jede Bewegung der Zeit sich hineinstürzen und im Strome voranschwimmen wollen. Dem Katholik wird aus Köln geschrieben: .Daß hier in Köln ein guter katholischer Sinn leibt und lebt, zeigt sich von Tag zu Tag. Außer den vielen Dombauvereinen, welche sich unter dem Bürgcrstande bilden und fast ausschließlich einen kirchlichen Charakter annehmen und äußern, bilden sich überall noch Vereine zur Herstellung der übrigen meistens denkwürdigen Kirchengebäude in Köln; ein solcher entstand noch jüngst mit dem Ziele, unsere so schöne als verwahrloset-Minoritenkirchc wieder würdig herzustellen, obschon die städtische Armenvcrwaltung, die ein Recht auf dieselbe anspricht, dieselbe nicht als freies Eigenthum der Kirche abgeben, vielmehr, wie verlautet, dieselbe mit den anstoßenden Gc- bäulichkeiten, die ihr allerdings gehören, nach einigen Zahren zum Verkaufe zu bringen gedenkt; aber überzeugt, daß eine Kirche, die seit der Aufhebung des betreffenden Ordens fortwährend als Nebenkirche dem katholischen Cultus ohne Widerspruch gedient hat und jetzt, nachdem die noch von der Hand der allgemeinen Kirchenzerstörung übrig gebliebenen neunzehn Pfarrkirchen mit ihren wenigen Kapellen für die zahlreiche katholische Bevölkerung nicht mehr hinreichen, wahres Bedürfniß geworden ist, nicht ohne den allgemeinsten und gerechtesten Unwillen entzogen werden kann, schaart sich die katholische Bevölkerung um dieß theuere und schöne Baudenkmal unserer katholischen Voreltern und deckt mit ihrer treuen Liebe und frommen Hingebung den herrlichen Tempel, der wie schutz- und herrenlos inmitten der heiligen Stadt dasteht. Was aber das Aufblühen einer ächtkatholischen Gesinnung vorzüglich documentirt, ist das umsichgreifende warme Interesse an den Schicksalen und Werken des katholischen Glaubens, wovon ich der Kürze halber nur auf eine erfreuliche Erscheinung der neuesten Zeit hinweisen will. Mehrere hundert Männer aus allen Ständen haben sich vereinigt, in einem großen ihnen eingeräumten Locale zu bestimmten Zeiten zusammenzutreten und die katholischen Missionsberichte, so wie andere von dem Klerus ihnen empfohlene Schriften zu lesen, daneben aber auch eine anständige Unterhaltung zu pflegen. Die Lesezcit wird in dem Locale, in welchem ein großes, schönes Gemälde des heiligen Franciscus Zcaverius aushängt, mit Gebet begonnen und beschlossen und dann der weiteren Unterhaltung freie Bahn gelassen. Dabei wird für den Missionsfonds gespendet, und die Gaben sind so opferwillig geflossen, daß in dem ersten Quartale bereits mehrere tausend Thaler in der Casse des Rendanten, eines hiesigen Pfarrgeistlichen, sich befinden. Daneben haben sich andere Lesezirkel für gute katholische Schriften, Bruderschaften, u. A. die zur Bekehrung der Sünder gebildet, und alle Zeichen geben zu erkennen, daß der Klerus der Stadt Köln, wenn er seine Mission begreift und keine Mühe scheut, das schönste Feld priestcrlicher Thätigkeit vorfindet." » .„«. >" nickt >!-' « Breslau. Im Schles. Kirchenbl. erklären vier frühere Non- geaner: „Tiefste Beschämung drängt uns zu der öffentlichen Erklärung, daß auch wir uns durch die trügerischen Lobpreisungen hiesiger Zeitungen verleiten ließen, durch unsere Namensunterschrift der Secte der Neuerer beizutreten; daß wir aber durch den bittern Haß gegen alles Katholische, der sowohl in den öffentlichen Versammlungen , als in Rvnge's Schriften sich aussprach, unsere Täuschung erkannt und da die Wahrheit und wahre Christcnliebe nicht gefunden haben, wo Spott, Hohn, Bitterkeit :c. als das Licht des neunzehnten Jahrhunderts gepriesen wird. Daher kehren wir mit innigster Reue zur heiligen Kirche unserer Väter zurück." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. ? s ^»^s-- D-ii., ^ d - / ^ MW^ AugsSurger Ppstzeitung. Erste Jahreshälfte. ^. S?. April 1845< Die Macht des Gebetes. (Schwe'z. Kirchenztg.) Gott ist der Herr der Schlachten. Das hat der Glaube von jeher gewußt, die Erfahrung bestätigt; der 31. März und 1. April hat es wieder recht auffallend bewiesen. Daher das ununterbrochene eifrige Gebet der Katholiken der Schweiz seit dem Z. December des verflossenen Jahres. Was wir in diesen Tagen erfahren, ist jedoch nichts Neues, wir finden erfreuliche Beispiele hievon schon in der Vorzeit. Je melr der Unglaube es verkennen will, welches Gewicht das fromme Gebet in die Waagschale der Zeitereignisse und der Schicksale der Völker legt, d-stv mehr fühlen wir uns aufgefordert, einen sprechenden Beweis für die Macht des Gebetes aus der Rcformationszeit anzuführen, welche unserer Zeit so nahe verwandt ist. Es schien damals d>e Zeir gekommen, wo cö sich erproben sollte, ob die katholische Religion eine wurzclhafte innerliche Kraft in sich trage, geschöpft aus den Tiefen der Gottheit, um ihre Ricsenäste auszubreiten über die Welt und die Unzcrstörlichkeit ihres We>ens Angesichts aller Feinde der Erde, trotz aller angehäuften Fäulniß, siegreich zu behaupten. Der deutsche Norden wälzte sich trotzig heran, den Felsen Petri leicht und lustig hinroegzutilgen. Die Eroberungssucht der Türken, dieser Erbfeinde der Christenheit, wurde als Bundesgenosse des Protestantismus aufgerufen; die Flotten Englands und Hollands schlangen sich um die katholischen Kräfte, sie einspinnend wie Doppelschlangen den Leib des Laokoon; die Spanier und Italic er waren in Mißtraue» getheilt, während die verrätherischm Waffen des „allerchristlichsten- Königs der katholischen Macht die empfindlichsten Wunden schlugen. Die katholische Kirchcngcwalr, das einzige Heilmittel gegen die einbrechende» Stürme, litt selbst an den Wunden einer feindliche» Zeit, in ihrer Schnellkraft gehemmt durch Anfinge nicht aus Gott. In dieser äußersten Noth barsten die Brunnen der Tiefe, die versiegelten Wasser der Kirche Gottes, aus dem tiefsten Herzen entgcgenbrausend der hereinbrechenden Irrlehre. Die göttliche Liebe, durch Gottes Geist im innersten Wesen der Kirche lebendig, schoß züngelnd hervor, wie Feuer, die Stick lust des irdischen Lebens zu reinigen, heilige Seelen berührend mit den Flammenblüthcn der religiösen Begeisterung, sie im Sturme der höhcrn Mvstik nordwärts reißend zum Kampfe mit den irren Geistern des Jahrhunderts. Unter den vielen Gottbcgcistertcn dieser Zeit, welche in stiller Einsamkeit durch ihr Gebet mächtig auf die Weltgeschichte einwirkten, wollen wir beispielsweise aus Beda Webers vortrefflicher Schrift „Tirol und die Reformation"") Giovanna Maria dclla Croce anführen, welche im Jahre l603 zu Novercdo das drittgcborne unter sieben Kindern das Licht der Welt erblickte. Ihr Vater, Giuseppe Florian!, vom Bergdorfe Nomcsino ob Mori stammend, war ein gesuchter Maler seiner Zeit, vorzüglich historischen Gegenständen zugewandt, mit aller Sorgfalt für die gemeinen Nebenarbeiten seines Berufes, ei» überaus fröhlicher Geist mit aller Lebhaftigkeit der italienischen Natur, mit einem Herzen voll Güte und zartester Weichheit, im Besitze eines sehr mäßigen Vermögens. Seine Frau, Girolama, fast sein Gegenstück, entwickelte in ihrem ganzen Wesen fast männliche Kälte, die scharfe unerbittliche Obmacht des stets klaren Verstandes, nie bestochen durch das Aufwallen eines übermächtigen Gefühles, dadurch die ordnende Seele des Hauses und der Wirthschaft, um den kostspuligen Bedürfnissen einer theuern Zeit zu genügen, nicht selten heftig gegen alles Ucbersprudcln der Empfindung in Andern. Um so freier bewegte sich der Hausvater in den idealen Gebieten der Kunst und Poesie, der liebenswürdigste Schwärmer auf der Oberfläche des Lebens, in sorgloser Behaglichkeit, nicht selten allzu sehr verloren in die Regellosigkeit des genialen Weltgenusses, nicht ganz gesügc dem Ncchnungsmaaßc seiner Gemahlin. Zwischen beiden Cha alteren, die nur durch herzliche Frömmigkeit vermittelt wa^en, blühte Giooanna eigenthümlich auf, eine zarte Gedankcn- blüthe im schwachen Leibe, im Gesichte dem Vater täuschend ähnlich, mit ihrer weichen, feuerfangcndcn Seele seine beste Seite im verstärkten Ucbermaaße ausdrückend, nur in ihren tiefern Lcbens- gründen vom vorwaltenden Ernste ihrer Mutter gestreift. Zum Mädchen erwachsen, entfaltete sie eine allbewundcitc Schönheit, große blonde Locken um das Eirund ihres zierlichen Angesichtes im frischeste» Jncarnat, besonders schöne vollglühende Augen, die mit männlicher Kühnheit und Gedankentiefe über dem allgemeinen Ausdrucke der weiblichen Zartheit leuchteten, mehr gebietend, als D!es'S Weik, da; j84t z» Innsbruck bei Wagner erschienen, behandelt die Re onn >tivn geschichle aus dem eigentlich rel.giosen Standpuncte auf höchst merkwürdige Weise. heimisch anziehend, oft fast unhcimisch einschlagend in die irdische Gemeinheit. Darüber war ein unwiderstehlicher, schwärmerischer Zug von himmlischer Anmuth und Gcsühlsschwclgcrci auSg-gössen, wie sichtbares Glühen der ticsinnc sten Feuerwcll in der bewegten Seele, all' ihr Seyn, alle ihre Bewegungen vergeistigend, i!?re schlanke Gestalt mit Urbcnnacht nach oben ziehend. Und was der personliche Ausdruck äußerlich darstellte, war als bewegendes Mo- mcnt im reichlichsten Maaße in ihrer schönen Seele vorhanden. Abgeneigt dem RcchnungSwcsrn dieser Welt, ohne Sinn für das, was auf Erden Nutzen und Vortheil heißt, hing sie mit über strömender Empfindung, mit der ganz eigenen Frühreife ihres Geistes an den zarten Bildern ihres frommen Herzens, mit allen Regungen ihnr Zuneigung hingezogn» zu ihrem gleichgestimmten Bater, in dieser Richtung nicht einmal begünstiget von ihrer Mutter, die ein weltgcmäszercS Eingehen in die Erwcrbjcite des Lebens von beiden forderte. Floriani hatte bci aller, Frömmigkeit aus seinem jugendlichen Künstlnlebcn die laute, lnstige Weise behalten, die wir im Kunstlcbcn von Italien noch jetzt antreffen, am besten geschildert im Dccameronc des Boccaccio, und im Leben des Be- ncvennto Cellini, fast eben so reizend für geniale Geister, als angefochten vom Ernste d>r berechnenden Wcltklngheit. In allen arbeitsfreien Stnnden, besonders an Sonntagen, zog cS ihn in'S Freie zn Spiel nnd Unterhaltung mit glcichdenkcndcn Freunden im süßen Leichtsinne eines warmen Blutes bei allem Aufwende von Geist und Kunstschwärmerci, bald auf die Höhen von Jsera zur Spende des berühmten WcinS, bald nach Ballung« im Hintergründe des VolanerthaleS zn Jagd und Vogelfang, bald auf die Nuincu von Marco, um dem Liebling aller Nünstlcr, d-m großen Dante, eine Libcition darzubringen. Dieses zerstreute, wcltgcmeine Auffliegen aus der geistigen Frcnde der Einsamkeit mißbilligte die zarte Tochter an ihiem Vater, sie wars sich oft weinend in's Gebet, nm den Sinn desselben zu wenden, Sie wurde aus Schmerz darüber tödtlich krank, alle Hoffnung des Lcb,ns schien verschw enden. Der Vater, seine Tochter nnendlich liebend, verlor alle Fassung, er meinte sterben zu müssen mit ihr. In der größten Bestürzung warf er sich in einem Nebenzimmer vor ein Krenzbild nieder, nnd gelobte mit lantcr Stimme sich zu bessern, wen» ihm Gott das Leben seines liebsten Kindes schenken würde. Die Erhörung blieb nicht lange aus, Giovanna gesundete, und der Vater hielt Wort. Er schloß sich mit der frömmsten Innigkeit an die Unschuld seiner Tochter an, weinend, betend, betrachtend mit ihr in heiliger Einsamkeit. Das früher in tausend Strahlen nach eitler Wcltlust auswä.tS ergossene Leben kehrte mit gesammelter Ucbcrmacht in sein edleS Selbst znrück, nnd trieb den schönsten Spätfrühling heiliger Tugenden in'S Daseyn. „O Ware ich frei, ' rief er oft ans, „ich zöge mich in die tiefste Einöde zurück, die Sünden meines vorigen Lebens zu beweinen!" Am liebsten redete er mit Giovanna vom Leiden Christi, beide weinten oft herzinnig zusammen über die TvdeSpcin ihres Gottes, und diese süße Uebung gründete in der Tochter jene Krcnzcslust, die sich gcröthct vom Blntc des Erlösers tugcndfreudig durch ihr ganzes Leben zog. Abends gingen sie mit einander spazieren, anschauend die Wundcrbildcr der südlichen Alpcnwclt, die der Vater als Maler so ost stndirt, mit andächtigem Kunstsinne aufsteigend zur höchsten Schönheit, welche Gott selber ist, weilend, ruhend in ihm mit allen zarten Emvsindnngcn ihrer Seele. Saß der Vater arbeitend an der Staffelet, so las ihm die Tochter vor, mit heiliger Begeisterung nährend seine Seele, alle genialen Funken hcrvorlockend in'S Bild. Sie selbst gewöhnte sich durch diesen innigsten Verkehr von frühester Jugend auf mit allen erwachenden Fähigkeiten an das Schöne in Gott, in der Natur und Kunst, und steigerte auf diesem Weqe ihre ohnehin empfindsame, ideale Geisteerichtung zur höchsten Feincmpsindung, die mit unerbittlicher Kraft alles Häßliche und Schmutzige von sich stieß. Und diese Geschmacksbilbung wirkte mit übermäßigem Gewichte auf ihr Inneres zurück, mit Ideale» füllend ihre Seele, alle Gemeinheit verdrängend, das moralische Zartgefühl ausbildend. Aus dieser Quelle floß der Adel ihrer Phantasie, die sich später in so kühnen Bildern über die hei igstcn Partien des christlichen Lebens ergoß. Sie verlor schnell nach einander ihre liebsten Geschwister, und stand am Ende allein bei ihren betagten Eltern als ihre letzte Stütze, ihre einzige Lebensfreude, bei allem Ucberdrange ihres Herzens nach dem Uebersinnlichcn doch keineswegs gesonnen, dem Ehestande zu entsagen, wegen ihrer Schönheit und Bildung fortwährend das Ziel vieler Bewerber, in der ganzen Stadt mit Achtung genannt als reine Jnngfrau, deren Wesen das Vorgefühl außerordentlicher Zustände wach erhielt, ost in der äußerst empfindlichen Schwebe ihres Alters nicht ohne tiefe Neige zu den erla.bten enden dieser Welt. In dieser gefahrvollen nnd cntlcheidcndcn Periode ihres Lebens erschien der berühmte Laienbruder Fra Tomaso von Bergamo in Rvveredo, aus Italien nach Deutschla.id ziehend zur Steuer der katholischen Wahrheit. Er hielt sich längere Zeit daseist im Kloster seines Ordens auf, und erkannte veim ersten Anblicke den höhern Beruf der hochbegabten Jnngfrau, mit jenem Scheraugc der innern Welt, das die verwandte GottcSslammc in befreundeten Seelen leicht durchschaut. „Der liebe Gott sucht dich," rief er ihr zu, „um dich der Zahl seiner gclicbtestcn Bräute einzureihen, und wenn du mit der unendlichen Liebe deines liebenswürdigsten Heilandes mitwukest, so wirst dn von ihm große, unMli>ze Gnaden erhalten." Giovanna fühlte sich bewegt, aber nicht bewogen zum Ueberttitie von ihren Weltgcdanken in'S jungfräuliche Gebiet einer Braut Christi. Aber Brnder Tomaso ließ nicht ab, ein ganzes Jahr kam er regelmäßig jede Mittwoche in ihr HauS, und munterte sie auf, den letzten Ansatz von Wcltsinn für den Erlöser freudig abzuschälen, während er daheim unaushörlich weinte und betete für ihr Heil. Diese Beharrlichkeit verletzte ihre noch nicht ganz erloschene Eitelkeit, sie faßte ailmälig einen unüberwindlichen Abscheu gegen den Zudringlichen, und hätte gewünscht, sich seiner lästigen Gegenwart ganz entziehen zu können. Der GotteSmann durchschaute die Gedanken ihres Herzens, und sprach voll heiligen Eiscrs: „Mag die ganze Hölle sich widers.tzcn, JesnS hat dich zu seiner Braut erkoren, er achtete deine Undankbarkeit nicht, er will und muß dich gewinn,n!" Mit diesen Worte-, verließ er Novc- redo, und zog gen Innsbruck. Mit Giovanna'S Nuhe war's nun auS, eine mahnende, mit Fra Tomaso einverstandene Stimme war in ihrem Innern wach geworden, die ihr Tag und Nacht keine Nnhe ließ, »!>d alle Seclengründc unheimlich machte; sie bekämpfte dieselbe mit aller Macht, mit der Aufopferung ihrer frischen, blühenden Gesundheit, sie siel zusammen wie eine angenagte Blume, Ängst und Mißmuth legten sich hcrzbcdrückend um ihr Daseyn. Sie suchte Zerstreuung, das sonst so gehaßte Allerwcltsleben, aber der Athem war ihr zu knrz, banges Herzklopfen pochte ihr in tiefster Brust, trostloser Sckel an allen Dingen erfüllte sie mit Furcht vor dem Gerichte ihrer eigenen Innerlichkeit. So schleppte sie ihr müdes Daseyn ein ganzes Jahr weiter, freudelos, wachsend im verstockte» Sinne zur Vergrößerung ihrer Scelcnqual. Als sie aber einst ein frommes Mädchen erblickte, das den Ermahnungen des Fra Tomaso willig gehorsamt »nd sich ganz Gott geweiht hatte, änderte ein geheimnißvoller Druck auf den Mittelvnnct ihres Lebens auf einmal ihr ganzes Wesen; in Thränen ansbrcchcnd, flog sie der Glücklichen in die Arme, pries sie selig um ihres ^ muthigen Sieges willen, und konnte nichts anderes als das Gleiche ^ wollen. Mit der Heftigkeit ihres zarten, reizbaren Charakters stürzte! sie in die tu'istc Einsamkeit zurück, weinend über die Sünde der j Verstockung, sich lossagend von jeder lockenden Aussicht dieser Welt. ^ Nach dieser glücklichen Aenderung ergoß sie sich in Gebeten und Amnuthungcn zu Gott. Sich zu Bette legend dachte sie sich im Geiste in den Garten des Oelbergcs an die Seite des verlassenen, blutschwitzcnden Erlösers, oder an'S Kreuz ihres gepeinigten Bräutigams, und seufzte: „Nur deshalb will ich meinen müden Gliedern einige Ruhe gönnen, um meinem lieben Gott meinen Gehorsam zu beweisen!" Liegend auf der linken Seite küßte sie in frommen Gedanken die Wunde seiner rechten Hand, ihre Seele in dieselbe empfehlend, ihn beschwörend bei den Schmerzen duser hochheiligen Wunde, daß er sie ja gewisz auf die rechte Seite zu allen Auserwähltcn stillen möge. Ruhend auf der rechten Seite, empfahl sie sich und alle Frommen dem blutenden Heilande am Kreuze, küssend sein heiliges Herz, flehend um Beharrlichkeit im Guten für Alle. Wenn sie die Füße bewegte, so fiel sie mit der reuige» Magdalcna zu den Füßen Jesu nieder, weinend über ihre Sünden, den Erlöser bittend, daß er sie leite auf der schlüpfrigen Bahn der Tugend. Sie legte sodann stets ihre Hände in Kreuzesform, und flüsterte zu ihrem Geliebten, daß er ihr Ruhe gewähren möchte wie seinem Jünger Johannes an seinem göttlichen Herzen, betend zugleich für alle heiligen Seelen, die ihre jungfräuliche Reinigkeit Gott aufgeopfert hatten. In der Nacht aus dem Schlafe erwachend, schämte sie sich tief, wenn sie die Heimchen, Grillen und Zikaden singen hörte, wachend und lobnid ihren Gott, während sie gcsolafen, und stieg mit ihren Nachtliedern lobend und singenv zu ihrem Schöpfer auf. Sie wendete sich mit den feurigen Glulhen ihrer Se.le an alle Stimmen der Natur, an alle Laute der Thiere, an alle Töne der Menschen, daß sie im stürmenden Zusammenklänge einfielen zu loben und zu preisen ihren Gott, den Urheber alles Lebens unv Scyns, rauschend auf den Flügeln dcS SturmwinveS, lispelnd im Hauche der Abendlust, leise sich regend als GotteSwort im Herzen der Menschen. Sie richtete eine kleine Zelle ihres elterlichen Hauses zur Einsiedelei ei», und zog sich in allen freien Stunden in die Stille derselben zurück, seufzend wie eine Turteltaube am Stamme des heilige» Kreuzes. Mittlerweile war Bruder Tomaso in Innsbruck gottselig gestorben, mit seinem Tode besiegelnd das Wort an seine Schülerin Givvanna. In einem Briefe, den er kurz vor seinem Tode an Nathshcrrn Echer in Roveredo geschrieben, sagt er: „Ucbergcben Sie sich ganz Ihrem Gott, Ihrem höchsten Gute. In diese Gnadcnsülle möge Sie Gott ganz einsenken, und kein anderes Licht leuchte Ihnen als daö himmlische, Sie selig einzuleuchten in die ewige Freude." Diese letzten Worte des Sterbende», dieses Vermächtniß des Todten an die Lebendigen, machie ans Giovcmna's Geist und Herz den nachhaltigste» Eindruck, sie spornend auf dem Wege des Heils, gedcnkenv ihres verklärten Freundes. Die außerordentlichen Wirkungen ihrer GottcSlicbe, schon lange i» leisen Anzeichen lebendig, stiegen cillmälig Heller auf, wie leuchtende Blitze in'S schwüle Leben der Erde zuckend. Sie wurde in ihrem einsamen Holzkämmerlein oft so gewaltig entzündet von der Liebe zu Gott, daß ihr der enge Raum des Gemaches krampfweckcnd auf die LebcnSgefäßc wirkte, daß sie durch unsichtbare Gewalt aus ihrer Beklemmung gerissen, trunken und voll von ihrem Erlöser, schwebend, tanzend durch die Gänge des Hauses sang und jubilirte, mit lauter Stimme ihren Bräutigam lobend und preisend. Die Mutter, schon lauge iibcl gestimmt durch die unweltförmigc Geistesrichtung ihrer Tochter, platzte heftig wie sie war mit Vorwürfen aller Art i» diese AuSbrüche der GvttcSliebe herein, schalt sie eine Närrin, und schüttelte sie gleichsam aus ihrer Verzückung. Aber ihr Vater milderte die Eingriffe der Mutter, mit der verzückten Tochter einstimmend in den Preis der göttlichen Liebe, oft selbst ganz cingeschlürft in die Wonnen einer höher» Welt. Giovanna selbst war nach jedem Erwachen aus diesem jubilircndcn Zustande tiesbeschämt, »»endlich verlegen nnd fast verzagt. „O mein Gott!" seufzte sie, „Deine göttliche Weisheit kann ja in mir wirken ohne diese äußern Zeichen! Si hst Dn nicht, daß ich meine Mutter dadurch erbittere uud kraule?" Sie drängte sich mit Gewalt in sich zurück, ankämpfend gegen das Nauschcn und Einströmen des göttlichen Geistes, »m ihr Licbcs- glück zu verberge», aber mächtiger als alle menschliche Vorsicht stürmte der innere Liebcsdrang, es barst ihr cinmcil in diesem unnatürlichen Widerstreben eine Ader in den Atbcmgängc», große Blutströmc entleerten sich gewaltsam, sie fast erstickend, eine lange Krankheit hätte sie bald getödtct, nnr mit Mühe entging sie dem frühzeitigen Grabe. Damit fing auch ihr Kränkeln an, das sie lebenslang marterte, und erst mit dem Tode aufhörte, als die eingepreßte Flamme den engen sterblichen Leib verließ, um in Gott, ihrem wahren Elemente, zu glühen. Sie bändigte sich selbst mit Wachen, Fasten und allerlei Abtödtung, sie aß kein Fleisch, trank keinen Wein, und genoß überhaupt wenig, oft wochenlang fast gar nichts bei unaushöilichcm Brechreize und empfindlichen Magcn- schmcrzcn. Fast noch zerstörender als Ueberdrang der innern Got- teStrast wirkte das Bewußtseyn der frechen Wcltsündc auf ihr Gemüth und die zarten Fühlseiden ihres LeibcS ein. Die letzten Faschingstage kam stets unnennbare Trostlosigkeit über ihre Seele, eine Düire des Geistes, die alle gute» Gedanken, alle Empfindungen der göttlichen Liebe vertrocknete. Ein marterndes Fieber befiel sie, alle Lebenskräfte gewaltsam niedcrcrrbeitcnd, so daß sie an der Aschermittwoche abgezehrt, tvdtcnblaß von ihre»! Schmer- zenslagcr erstand, unendlich froh, daß sie leiden konnte für die Sünden der Welt. (Schluß folgt.) Schweden und Norwegen. Stockholm, 2, April. Zufolge Norwegischer Zeitungen vom März ist von Seiten der Norwegischen Regierung eine Pro- Position über NeligionS- nnd Gewissensfreiheit an das so eben versammelte Storthing gelangt, und ma-r ist sehr begierig zu erfahren, wie sich dasselbe dieser interessanten Angelegenheit gegenüber benehmen werde. Die Propvsition der Regierung zeigt, vorausgesetzt, daß man nur die scandinavischc Erstarrung in spirituellen Dingen in Betracht nimmt und keine Vcrglcichung anstellt mit anderen Ländern, eine liberale Gcsin»ung. Sie lautet nämlich dahin: l) daß eö jedem Mitbürger freigestellt seyn solle zu einem anderen christlichen Religionsbekenntnis; als jenem der Staatskirche (der lutherische») sich zu halten, ohne andere Folgen, als daß er im Abwcichungssalle, als Disscntcr, zu Staats- ämtcrn unfähig sey; 2) daß eS (mit denselben Folge» für die Kinder im abweichenden Falle) den Eltern in gemischten Ehen zugestanden seyn solle, ihre Kinder in welchem christlichen Bekenntniß sie wollen zu erziehen. Zusolge derselben Berichte will man voraussehen, daß zwar das Storthing in die Proposition der Negierung rückfichtlich des ersten Punctes eingehen werde; der zweite Punct aber einige Discnssion veranlassen dürfte. Vergleicht man nun diese Norwegische Toleranz mit unscrcn Vorgängen in Schweden, so muß man billigerweise zugestehen, daß in Norwegen mehr gesunder Verstand sey als hier in Schweden; denn, wie bekannt, ist hier noch voriges Jahr einer unserer Mitbürger vom Gerichte zweiter Instanz, gegen den Wortlaut des §. 16. der Konstitution, zur Landesverweisung und zum Verlust seiner bürgerlichen und erbschaftlich cn Rechte verurtheilt worden, weil er Katholik geworden ist. Zwar gab man sich seither der Hoffnung hin, entweder daß daö oberste Reichsgericht, an welches der Vcrnrtheilte appellirr hat, dieses harte Urtheil cassiren, oder daß die NcichSständc sich gegen eine solche sophistische Deutung des genannten H. 16. verwahren und sich der Gewissensfreiheit annehmen würden. Aber weder das Eine noch das Andere ist bis auf diesen Tag geschehen. Der V,r»rthcilte wartet schon bald ein Jahr vergebens auf irgend einen Entscheid von Seiten des obersten Reichsgerichtes, so daß eS scheinen Will, als ob dieses Tribunal weder ihn zu verdammen noch frei ;u sprechen vorhabe. Die ReichSstcindc sind auch schon seit zehn Monaten versammelt, ohne daß irgend ein günstiger Laut für die Sache der Gewissensfreiheit vernommen worden wäre, im Gegentheil, die einzige Motion, die in Bezug auf diese Angelegenheit bisher am Reichstage gemacht worden ist, lief auf die Proposition hinaus, daö apostolische Vicariat in Schweden für jede Konversion eines staatskirchlichen Lutheraners zum Katholicismus verantwortlich zu macheu, d. h. beide, den apostolischen Vicar und den Konvertiten in das Exil zu schicken. Zwar sind die Stände in diese Proposition nicht eingegangen , haben aber auch nichts zu Gunsten der Gewissensfreiheit entschieden. Diese auffallende reichsständische Abneigu, g gegen Alles, was wirkliche Gewissensfreiheit heißt, hat denn auch zur Folge gehabt, daß das bekannte staatskirchliche Konsistorium zu Stockholm neuerdings wieder Muth gefaßt hat die fast entschlafene Fehde mit dem so eben in Norwegen abwesenden apostolischen Vicar wieder aufzunehmen, in der Absicht ihn alles Ernstes mit einer Znjnrienklage vor Gericht zu ziehen, weil er voriges Jahr in seiner V rthcidigung das Konsistorium der Intoleranz beschuldigt und die Consistonal-Auslieferung des Konvertiten Nilsson an das Gericht behusS der Landesoerwcisung u. s. w. eine „Verfolgung und Kreuzigung" genannt hat; wobei sich einige staatetirch- liche Blatter, Angesichts dieser Auslieferung und Verurtheilung, nicht entblöden zu behaupten, daß der apostolische Vicar durch diese Beschuldigung die Ehre der schwedischen Nation angegriffen, und daher „jedes ihm erwiesene Wohlwollen und Vertrauen nur mit der tiefsten Betrübniß könne angcsehi n werden." Welche Begriffe von Glaubensfreiheit! Aber freilich ist jrtzt die Illusion über schwedische Aufklärung und gerühmte Toleranz in Europa vorüber, — und D.iS ist es eben, was die Leute so ingrimmig macht und so schwer vergeben wird. (Kcuhoük.) Frankreich. Dem Rhein. Bcob. wi-d aus Paris geschrieben: In einem Aufsätze des Rhein. Beobachters Nro. 101 — aus Mm (i. April habe ich nicht ohne Bedauern einen meiner Ansicht und Erfahrung nach gänzlich einseitigen Angriff auf das Institut der barmherzigen Schwestern gesehen. Wer in den zahlreichen hiesigen Hospitälern das Wirün, die Aufopferung, die hohe, herrliche, christliche Humanitär dieser Perlen des Katholicismus gesehen, ich sage mehr, gefühlt, wer den U«te>schied kennt zwischen der weiblichen, zarten, aufopfernden Pflege und der rohen Faust männlicher bezahlter Krankenwärter, der kann! dem Institut der barmherzigen Schwestern (hier -es 5oeurs 6e ek-n-its genannt) nur Ehrfurcht zollen. Glücklich jedes Land, jede Stadt, wo diese frommen menschenfreundlichen Frauen ihr Zelt aufschlagen, um die ekelhaftesten Kranken oft mit überirdischer Entsagung zu Pflegen. Solche Wunder der Nächstenliebe thut nur der Glaube, und ich würde der Stadt Ulm Glück wünschen, wenn statt einer Glaubensspaltung der neuen Serien daselbst die barmherzigen Schwestern als Freundinnen und Pflegerinnen der Leidenden Eingang fänden. Da der Rhein. Beob. mehrmals ausgesprochen, er würde jeder ruhig dargestellten Ansicht seine Spalten öffnen, so liegt mir wesentlich daran, nach dem contra auch das nro in Bezug auf die barmherzigen Schwestern veröffentlicht zu sehen. Gar viele Deutsche, die, nach Frankreich verschlagen, Dienste in der Fremdenlegion nahmen und den langen Marsch durch die sranzösijchcn Provinzen machten, haben persönlich Gelegenheit gehabt, in den Hospitälern (namentlich in dem großartigen Institut von Beaune in Burgund, Lüte-cl'or) die Pflege der barmherzigen Schwestern heilsam zu fühlen. Wie viele Protestanten sind nicht von den barmherzigen Schwestern also gepflegt worden. Hier in Paris thut dieser herrliche Orden nicht bloß in den Hospitälern einen schweren täglichen, nächtlichen Dienst, sondern wo ein Kranker in der Stadt weibliche Pflege verlangt, da werden ihm die gebenedeiten Schwestern gesandt, welche unentg eidlich den Kranken besuchen, pflegen, seine Wnndcn verbinden, selbst Nachtwachen übernehmen. Wer allein, ohne Familie, in Paris lebte und diese herrliche katholische Institution um Hilfe ansprach, wird ihr eine innige, aus der Seele strömende Dankbarkeit widmen. China. Prof. Neu mann in München schreibt in der Allg. Z. über die von Einigen bestrittene Aussetzung der Kinder in China unter anderm: „Die Begleiter der Gesandtschaft des Lord Amherst und andere Engländer, die sich längere Zeit in Kanton aufhielten, namentlich der jetzige englische Konsul und Missionär Tradescant Lay, glanbten die Chinesen seyen mit Unrecht des Verbrechens des Kindercmssctzcns und Kindermordeö beschuldigt worden, weil sie nämlich nichts davon gesehen haben. Auch Professor Neumann hat während seines Aufenthaltes in China keine Kinder auf den Straßen liegcn und keine Leichname in den Flüssen schwimmen sehen. Er hat aber auch keiner Niederkunft beigewohnt, und könnte also, aus demselben Grunde, die Geburten wie die Vernichtung der Geborenen längnen. Der gewöhnliche Fremde wie die auswärtigen Gesandten winden ja bis vor Kurzem als Gefangene behandelt. Was konnten sie von deni Innern des Landes, von den bejammerungswerthcn Voi fällen innerhalb der Familienkreise vernehmen! Ueberbieß bedenke man, daß die Bevölkerung der Kreis- Hauptstadt Kuangtong durch den starken Handelsverkehr zu einer in den andern Gegenden des Reiches seltenen Wohlhabenheit gelangte, welche sie in den Stand setzt für ihre zahlreichen Angehörigen zu sorgen. Müßiggang, Armuth und Verwilderung sind aber bet allen Völkern und in allen Zonen die alleinigen Ursachen der Verbrechen. In dcn übrigen Ländern der Mitte hingegen findet der Kindermord, wie uns neuerdings noch Gützlaff als Augenzeuge versichert, statt, und zwar mit schamloser Grausamkeit, l^uins onenkll, I, 491). Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. ! , zianüI ^ i> ^»S- - K der Augsburgev ., PpKzeitung. Erste Jahreshälfte. - 4. Mai 1845. Die Macht des Gebetes. (Schluß.) In allen diesen wundersamen Erscheinungen, im unaus- reichenden Bestreben, den Leib mit den Strömungen der Seele in Einklang zu bringen, war die heilige Communion ihre einzige Herzstärkc, ihr süßester Gedanke bei Tag und Nacht. Schon am Vorabende erwachte in ihr eine unüberwindliche Begierde nach dieser einzigen Seelenspeisc, die sich mit jeder Stunde steigerte. Kaum konnte sie im Ueberm aße der aufgeregt!» Empfindungen vor Mitternacht ein Auge schließen, mit Schlag l2 Uhr waren alle Blntströme lebendig, alle Empfindungen aufgcstürmt, ihre Lebens jhäti^kcit dem Morgen zugewandt mit glühender Sehnsucht, mit Seufzern und Thränen. Oft riß es sie mit Gewalt auf nach een Sternen des Himmels, nach den Zeichen der tagenden Frühe, und Thränenströme netzten ihr Angesicht, wenn die vorgerückte Nacht nicht wohlthätig auf ihre Seele niedcrlcucbtetc. Ein pfcilartig schließ ndcS, weltvergessenes, blickeinwärts g kehrtcs Wesen trug sie in die Kirche, ihr Athem wurde vor Hunger nach der Himmels- kost glühend heiß, ein liefauSholendes Arbeiten der beengten Brust ließ sich vernehmen, sie war abgemagert, blaß wi- eine Leiche, ihre Augcn tief zurückgesunken in die unmäßig vergrößerte Höhle, die Lippen blutlos, unausstehliche Trockenheit in der Kehle bis hinunter in die Kammer des Herzens. „Ich kann'S nicht mehr aushalten," klagte sie öster, „mir brennen die Eingeweide vor unnennbarer Sehnsucht nach Dir, o Golt!" Im Hinzutreten cichtte sie bw'ge: „O Her; Jesu! O Herz Jesu! ich kann nicht mehr! ich kann nicht mehr!" Den Ausspeuder erblickend, empfand sie ein stürmisches Wühlen aller Säfte, ein Aussied n der tiefsten Seelen, gründe, die ihrem Heilande cntg gen je> chzten, sie lispelte ihm süße LicbeSreime zu von den Wunden Christi, angezogen durch die unsichtbare Gewalt des Gottes, den er in seinen Pricsterhändcn trug, wie an- und aufgesogen durch die Strahlen de ausströmenden Gottcofülle. Kaum hatte der heilige Leib des Erlösers ihre Zunge berührt, als duich das schäumende Uebcrmaaß von Innigkeit und Sättigungslust gleichsam eine ve-borgcne Feder ihres Organismus sprang, und die ersehnte Engclskvst auf einmal in die tiefste Seele hinabschlang, Ihr Gesicht erblühte zu frisch other Lebcnsfarbe, zu einem glänzenden Gcisteefrühling mit allen Blumen der göttlichen Liebe, das Auge trat aus der Versenkung, funken- sprühend, sie sank in tiefe Verzückung, erstarr, nd in di. scr schönsten aller geistigen Entknospungen des verbotenen Seelenlebens, ost flüsternd und lallend in unaussprechlicher Süßigkeit mit Jesus, Maria und den Heiligen. „O Wonne! O JcsuS! meine Lust! O Liebe, meine Sättigung!" hallte es leise, oft unterbrochen, aus den innersten Zillen ihr>s Lebens, „ o Himmclsfrcudc zu ruhen im liebenden Herzen meines Jesus, abgeschält von allen Gegenständen der Erde, abgesondert selbst vom eigenen Leibe i» seliger 'Vergessenheit und Entäußerung von Allem, was Gott nicht ist, im Schooßc des Erlösers, saugend die honigflh ßende Milch seiner göttlichen Weisheit." Sie trat dann sehr ost aus ivrer Persönlichkeit heraus, sich selbst als Object sirirend, ansingend alö Behältniß für daö Allerhciligste. Es war vom himmlischen Künstler gearbeitetes aus feinstem Golde und hellschimmcrnden Perlen, glänzend im r i.rsten Strahlenschmucke. In der Mitte leuchtete ein Herz auS Rubin, glübcnd im ecsciltigtsten Noth, vorn geöffnet mit einem wundeischönen Krcuzbildc, golvstrahlend. eingcschnilten in halb,rhobc»er Arbeit, darüber schwebend die heilige Hostie, weißer als Schnee. Sie wrude bei diesem Anblicke ganz verschlungen in dieses Herz, wie der Wurm eingepuppct, und von den Licbesslammen umlodert, aufge-ch-t. Der B griff unbeschreiblicher Herzcnsreinigkeit drllckle bei diesem Wuuderblicke auf ihre Seele, einlaßfordeind. „O komm, komm Reinigkeit, himmlisches Fräulein! in meine Seele. Ich r ill Dich inbrünstig umarmen und küssen, und Dich einführen in die innerste T»fc meines Heraus. Ich will mit dir leben und sterben!" Sie wurde in diesem Zustande oft vor allem Volke mehrere Spannen über die Erde erhoben, schwebend imSuömcn »nd Braus n ihrer mächtigen Gottes- gcfiihle. ÄnS diesem Flüsterlcben der reinsten Liebe ve,sank sie dann am Ende stets wieder in ein starres Versunkensevn in Gott, ohne Regung, ohne Laut, ohne Gebrauch der Sinne, ost sieben Stunde» nach «inander. Elwacht oder g weckt, fiel sie zusammen wie eine welke Blume, der irdischen Well abgeblüht, mit maßloser Sehnsucht nach dem Verlornen Himmel. Je höher die c Einschlür- fung aller Seilcnkräfte nach innen stiea, desto unzulänglicher wurde ihre Leibeskraft, desto häufiger ein seltsames, von Aerzten nicht verstandenes, keiner Ärznci weichendes, mit unerträglichem Schmerzen verbundenes Krankseyn. Aber selbst ihre Krankheit wurde zur Poesie im Hauche des Geistes, der sie bewegte. Sie kam sich selbst als ein Tonwcrkzeug vor, vvn mannichfalligen Leiden kunst reich besaitet, ertönend in süßem Wohllaut. Die tonkundigc Hand ihres Gottes spielte in den Saiten, mit dem ersten Finger spielend die Ergebung in den göttlichen Willen, mit dem zweiten das Leiden aus Liebe zu Gott, mit dem dritten die vollkommene Geduld, mit dem vierten die Gleichförmigkeit mit dem leidenden Erlöser am Kreuze, mit dem fünften das Lob Gottes in Noth und Tod, und das Rauschen dieser fünr Tvnanlagen im herrlichen Einklänge machte die lieblichste Musik in den Ohren des himmlischen Vaters! Als sie einst, von Fiebcrschincrzcn entkräftet, die Lieder der FronleichiiamSprocession erschallen hörte, zuckte eine weltumfassende Trauciniusik durch ihre Seele. Alle Leiden der Kranken, der Betrübten, der Gefangenen, der Sterbenden auf der weiten Crrc, alle Schmerzen der armen Seelen im Fcgfeucr hallten in ihre Krankheitsw^hen herein, lautrauschend im unermeßlichen Chor, klagend »wd singend den liebreichsten Gott, sie fort- r-ißcnd wie ein enlschütielndcs Bliithcnblatt in den Sicgeszug ihres Heilandes. Sie lebte sich wundersam hinein ins Kirchenjahr, und die ganze heilige Schrift des neuen Bundes war in ihrem Geist zweckmäßig vertheilt auf alle Sonn - und Festtage des Jahres. Alles gestaltete sich in ihr zu den kühnsten Bildern, die nährend, belebend, aufweckend an ihrer Seele vorüberzogen. Und aus dem schwelgenden Genusse dieser Fcstbilder erwachte sie stets flamme»- svrühcnd in Liebe und Lust zu ihrem Gott. Das Leiden Christi, die süßeste Betrachtung ihrer Seele, wiederholte sich mit crschüt tcrndcr Macht an ihrem Leibe, an ihrer Seele, mehr oder minder das ganze Jahr, besonders an Freilagen, U"d am meisten in der Charwochc. Im Jahre 1662 fiel der 17. März, der Todestag Jesu Christi nach ihrer Meinung, auf einen Freitag, da war ihr Leidensschmerz am größten. Das Haupt schwoll ihr unmäßig auf, lief an vielen Stellen roih an, als wollte Blut hervorbrechen, u>d wurde vvn den wühlendstcn Schmerzen durchbohrt. Ihr Schmerz schmachtete so krampfhaft zusammengepreßt, daß eine Obn- macht auf die andere folgte, jedes Glied war furchtbar gepeinigt Besonders schmerzhaft und blutroth aufgischwollen zeigten sich die Stellen der Wunden an Hand, Fuß und Brust. Noch größer War die geistige Noth, die Qual ilrcs Gemüthes, der gänzlichen Verlassenheit. Aber ihre Lcidcnslust stieg zu einer brennenden Heftigkeit, cS zog sie mit Gewalt an die heiligen Wundmahlen ihres MottcS, um aus seinem Leibe, aus seiner Seele den giftigen Todcsschmerz zu sauacn, um ihn zu lieben unendlich mit der That, mit den Lcidenokräften maßloser Liebe. Der übermächtige Eindruck, den ihre Seele aus der KrciizcSschau in sich aufnahm, wirkte wunderbare Erscheinungen an ihrem Leibe. An ihrer Brust bildete sich eine große M-iude, wie von cimr Lanze, heilte allmälig eins, und überzog sich mit einem zarten Häutchcn, in ihren Nieren Wuchsen drei Nägel aus dem Stoffe der Nierensteine, und im Herzen eine feste Masse, ähnlich dem Rumpfe eines Menschen, ganz daS, was die Italiener Do:so nennen. Daher rührten die grimmigen Pcinen, die sie in ihren empfindlichsten Lcbenstheilen ausstehen mußte, und erst die zerlegende Untersuchung brachte diese, aus der Betrachtung des Leidens Christi gesogenen Ursachen an den Tag. Eine crstaunungSwürdige Fcincmpsindung an allen Sinnen stellte sich ein, j.dcr Gcrnch von köstlichen Salben und Stoffen war ihr lövilich zuwider, sie fiel in ihrem Zlmmcr in Ohnmacht, wenn im Keller dcö Hauses ein starkricchendeS Arzneimittel hinterlegt war. Dadnrch wurde sie eine Macht, wirkend in die Ferne, raumvermittclnv, mit diesem Wcitausfühlen und Tüfhincin- empfinden alle Anwesenden mit Schauder erfüllend. Der Schmutz der unreinen Sünde macktc sie an dem Sünder, der ihr nach der That begegnete, ohnmächtig vor tiefcingreifcndcm Schmerz, und als sie einst durch ein Zimmer ging, wo so eben ein derartiges Vergehen stattgefunden hatte, fi l sie atsemloö zur Erde, fast erstickend in den Oünsten der Unreinigkeit, c-st »ach langer Krankheit genesend vom e> tsetzlichcn Eindrucke dieser Wahrnehmung. Sie selbst duftete dagegen in ganz eigener Lieblichkeit, ihr Zimmer, ihre Kleider, ihren jedesmaligen Standpunct mit Wohlqcrüchen durchdringend, durch das Vorausgehen der Düfte ihr Nahen verkündigend. Der Ringfinger war am duftrcichstcn, derber von frommen Seelen mit Andacht geküßt, mit dem gehcimnißreichcn Vermählunusringe, den ihr Gott nach ihrer Aussage daran gesteckt, mit Perlen und Edelsteinen in KnuzeSform abbildend die Todeslciden des Erlösers. Die ehrwürdigsten Zeugen sagten vor den Gerichten zu Novercdo aus, man habe zur Prüfung ihrer Anösage andere Ringe mit großer Gewalt an diejen Finger treiben wollen, aber stets umsonst. Sie waren nicht weiter als bis ans Hauplbeugcglied des Fingers zu bringen, dann schwoll der Finger unmäßig auf, uud gestattete kein Weitcrschicben. Wenn sie gewissen Personen in gemessene Näbe kam, so gewahrte sie im tief- innersten Raume ihres Leibes, ihrer Seclenihätigkeit den Gewissens- zustand des Angenäherten, sie brauete dann aus wie siedendes Wasser, schaudernd und schaudererregend, cS faßte sie ein wilder Schmerz im Tiefgefühle der versteckten Sünde. DaS begegnete ihr vorzüglich im Beichtstühle, das Aufschäumen der empörten Empfindung über die Sünde des Beichtvaters sprudelte in heftige Vo würfe über, in Ermahnungen zur Buße, und war der aufregende Sturm vorüber, so sank sie ohnmächtig zusammen, gebadet in Thränen über ihr Mißgeschick, ihre eigene Sünde beklagend in diesem Heraustreten der Lebenskräfte ans dem Tone einer demüthig Beichtende». Die Beichtväter selbst waren nach ihrem eigenen Geständnisse oft völlig vernichtet über die scharf ins Detail treffende Aindcckm'g ihrer GcwisscnSzuständc, und nicht alle hatten Kraft genug, diese Feuerprobe zu ihrer Besserung zu benützen. Dieses gotlerregte, alle natürlichen Zustände übersch eilende Auftreten und Eingreifen machte sie selbst den meisten Beichtvät r» unverständlich, den Getroffenen tödtlich verhaßt, dem menschliche» Kurzbticke überhaupt gefährlich als eine regellose Macht, den Sicbcnschlaf des Jahrhunderts störend. Schamlose Nachrede, bittere Verfolgung, Verstoßung von Freunde» und Verwandle» legten sich wetteifernd an die Wehrlose, um ihre Himmelokraft niederzukämpfen, mit dem Biß der Schlange umzüngclnd das kühne, gottanstrebende Wcrb. Ihre Mutter wurde brdauert, eine so unglückselige Närrin zur Welt geboren zu haben, selig gepriesen der Vater, welcher in der Gluth heiliger Jcsusliebe unter dem Gebete seiner geliebten Tochter 1624 selig im Herrn verschieden, nach dem Urtheile der Nnchlosen aller Schande entgangen war, die Giovanna auf sein Haus gehäuft. Sie selbst ohne Trost in Noth und Krankheit, versank oft in den verzagendsten Kleinmuth, irre werdend an ihren eigenen Zustände», den Einwirkungen unheimlicher Gewalten preisgegeben, an Leib und Seele gebrochen und zerschlagen. Ein ganz eigener Schauder durchrieselt den Leser, wenn er diese Kämpfe liest, dieses Aufbrodeln unsichtbarer Tcufelsgewalt, um eine große heilige Natur in ihrer schönste», zartesten Lebens- und Himmclsbl >thc zu vernichten. Aus ihrer abgetöneten Seele stiegen dann kleinliche Unmuthsgcdankcn auf, eine kindische Reizbarkeit, alle frühem GvltcSgnadcri zweifelhaft und vc.dächtig machend, blaue Flecke, wie von heftigen Schläge», erschienen an ihrem Leibe, sie konnte oft kein Glied regen vor unmäßigem Schmerz, Tage lang lag sie athemlos da ohne Speise und Trank, baldigen Tod erwartend. Die unpassenden Zuspräche der Priester, die von ihrem Zustande nichts verstanden, fielen wie glühende Kohlen peinigend in ihr tiefstes Herz, und rührten sich daselbst wie ein unheiml ches Gewürm. Sie selbst sagt, alles habe in ihr aufgehört in solchen Zustan den, Sinnliches. Geistiges, Religiöses, sie sey ihr vorgekommen wie eine große, weitgcstrcckte Heive ohne Keim und Lant, ohne Licht und Sonne blick; nur die Ergebung in den göttlichen Willen sey stets uncrschüttcrt geblieben, die ei zige Stütze in der unerhörten Angst, die sich auf Seele und Leib gelegt. Durch solche Prüfung reifte sie zur gebietenden Macht im Vatcrlande, einen neuen Geist zu wecken, und ihn über die Gränzen der Tirvleralpen hinauszuverbreitcn für das Heil der katholischen Kirche. Wie dieß geschehen, davon später. Der Hochwiirdigste Erzbischof von Freivurg über die mltitirchlichei» Wirren dieser Zeit. Wir Hermann von Vicari, durch Gottes Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade, Erzbischof zu Freiburg und Metropolit der oberrheinischen Kirchenprovinz :c. entbieten sämmtlichen Hochwürdigcn Decanen und ihrer gcsainmten Capitclgeistlichkeit Unsern freundlichen Gruß, und Segen und Heil von dem Herrn. Wir leben in einer Zeit der Auflehnung gegen Alles, was von Alters her bestanden. Die umstürzenden St.ebungcn wenden sich unter Andcrm auch gcg n unsere heilige Religion. Es ist bekannt, welche Angüsse in unsern Tagen auf die Fundamente des Christenthums gemacht worden sind, und noch gemacht werden, namcntlüv, wie emsig Flug- und Tagesl^ätter auf Unglauben, religiösen Leichtsinn und Indiffcrcntismus hinarbeiten, behauptend, daß sie die Interessen der Aufklärung und des zeitgemäßen Fortschrittes vertreten. Vornehmlich aber ist cS die katholische Kirche, welche den umwühlenden Angüssen der Zeit ausgesetzt ist. Wie anders? Könnte diese große, eng vereinte und aller wühlerischen Tendenz der ewig wechselnden Tagesweisheit unzugängliche Macht gebrochen weiden, so hätte die Willkür dcc Meinung» den Sieg; eine ewige, unwandelbare Wahrhit stünde überall nicht in der Welt da, und Jeder möchte eS mit seinem Glauben halten, wie eS ihm gefiele. Um daher unsere heilige Kirche, diese Grundfeste der Wahrheit, um ihr Ansehen zu bringen, wcrden da und dort die grössten Verleumdungen gegen ihre Lehren und Institutionen ausgestreut, und wie > achvrücktich man diese Veileumdungen auch zurückweise, dieselben werden mit der gleichen Frechheit in derselben oder in eine, andern Gestalt wiederholt. Manchmal werden anch bloß Nebensachen und Äußendinge angegriffen. Aber je ungewichtigcr diese Angriffe an und für sich sei.st scheine», desto mehr sind sie für jene Menge der Obelfläch- lichen und Unwissenden berechnet, die in ihren Urtheilen über Religion und Kirchenthum keinen a dern Maaßstab haben, als eben diese Außendinge u»v Nebensachen, und dcuo willkommener sind sie jenen Sündenlüsterncn und Sünvcnbcfleckten, welche in ihrer Lüsternheit und Verkommenheit begierig nach Allem greifen, was sie von jenem Glauben befreien zu können scheint, der sie beunruhigt und hindert. Wenn die eben erwähnten Anstrcbungcn gegen positives Christenthum und katholische Kirche erfolglose Bemühungen Wären, so könnten Wir, wenn auch betrübt über dieselben, doch Uns anderseits freuen, weil sie Uns zeigten, wie wohl unterrichtet, und wie fest in ihrer christkathvlischen Ueberzeugung unsere Gläubigen seyen. Allein jene feindseligen Anstre bringen sind nichts weniger, als wirkungslos geblieben. Hier und dort sind E nigc bereits vom katholischen Glauben abgefallen; Andere sind nahe venan, das Gleiche zu thun; und wie viele Tausende seyn mögcn, welche in ihrem Herzen unruhig sind, zwcifUn, schwanken, oder wohl s.lbst schon entschieden sich vom positiven und katholischen Glauben abgewendet haben, weiß allein Gott. Ansehnlich ist deren Zahl unzweifelhaft, denn der Verführer ist selbst in die niederen Classen der Gesellschaft gedrungen. Wir leben in einer bedeutungsvollen Zeit. . Was UnS aber aus Allem, was vor Unsern Augen vorgeht, klar einleuchten muß, ist ein Zweifaches. Das Erste ist, daß sich vielfach in den mittleren Ul d se bsi in den höheren Ständen große Mangclhaftigkcit der ch.istlatho.ischcn Erkenntniß, und im Gefolge dieser Mangelhaftigkeit vornehme Mißachtung theils des positiven Christenthums, theils der katholischen Kirche zu Tage legt. Wir erkennen daraus, daß daö, was bisher für christkatho- lifchcn Unterricht und chnstkathvlische Erziehung geschehen ist, vielfach nicht zureiche, und daß die Zahl derjenigen, welche von jeder ohrcnkizelnden Oberflächlichkeit fortgciisscn, oder im Verlauf ihres Le/ens sich ihre eigene Religion zusammcn'ctzen, so groß sey, als sie cS wohl bei einem gründlichen Religionsunterricht, und bei einer schon früh gepflegten Einpflanzung der heiligen Wahrheiten in taS Herz unmöglich seyn könnte. Wir erkennen aber eben darum weiter, welche Anforcc-ungcn unsere Zeit in Ansehung des Unterrichts und der Erziehung in der katholischen Religion dringend an Jeden stelle, welcher von der Kirche eine Seelsorgc empsangen und übernommen hat. Wahrlich, eine Thätigkeit, wie sie vielleicht ehedem hinreichen mochte, genügt den Betiufnissen der Gegenwart nicht, und insbesondere die Jugend muß gründlich und vollständig unterrichtet, dann aber (was die Hauptsache ist) in die Liebe ihrer Religion und Kirche eingeweiht werden, wenn sie den Verführungen unserer Zeit gewachsen seyn soll. Namentlich hat eine Ueberzeugung, die nicht auch zugleich im Herzen wurzelt, keine Gewähr für ihre Treue. Das Andere, was UnS einleuchten muß, ist dieses, daß wir zwar in Zeiten großer Anfeindungen und Gefahren leben, daß diese Anseindungcn und Gefahren aber von der göttlichen Vorsehung in keiner andern Absicht z gelassen s yn können, als damit der Glaube unter uns an Licht, Lebendigkeit und Kraft gewinne. Es müssen Aergernisse seyn, es messen Prüfungen kommen: aber wenn wir sie getreu benutzen, so können sie der Wahrheit und Gottseligkeit nur förderlich seyn: die Unwissenden werden belehrt, die Irrenden zurechtgebracht, die Schwankenden aufgerichtet, und die Gläubigen befestiget werden. Groß aber, corwürdige B üder! erscheint nun die Aufgabe, welche uns von der Zeit, in der wir leben, oder viel »ehr, welche uns von Jeius Christus und seiner Kirche in dieser unserer Zeit zugeschicden ist. Der heilige Geist, der Leuer der Kirche Christi, hat diese Trübsale kommen lassen. Was er mit denselben will, ist, daß sie Allen und jedem Einzelnen zu seinem Besten erreichen; aber uns liegt cS ob, seinen Führungen und Gnaden mitzuwirken, und der Sache des Glaubens den nahe gelegten neuen Aufschwung zu geben. Wir drücken euch daher, ehrwürdige Brüder! ein nnbcgränztcs Vertrauen auf cucrn von der Gegenwart gebieterisch geforderten scelsorglichen Eifer aus, und sind überzeugt, daß ihr alle euere Kräfte aufbieten weidet, um Irrende zur Wahrheit zu führen, Unw ssende zu belehren, Wankende im Glauben zu befestigen, und überhaupt keine Seele, welche dem Glauben erhalten werden kann, verloren gehen zn lassen. Vorzüglich aber eunahnen Wir euch, und geben euch als euere beson- dere Hirtenvflicht auf, daß ihr nicht nur im katcchetischen Unter- richt, sondern auch in den Predigten jene Wahrheiten sorgfältig erkläret und begründet, welche von den Gegnern unserer heiligen Religion vornehmlich cmgcsocht n werden. Dahin rechnen Wir die Lehren von der heiligen Schrift und Tradition, als den Quellen der katholischen Wahrheit; von der Erbsünde und der Erldsungs- bedürftigkeit des Menschen; von Jesus Christus, dem wesensgleichen Sohne Gottes und von der Menschwerdung desselben, insbesondere von den groß n praktischen Wahrheiten, welche in der Idee der Menschwerdung enthalten sind; von dem Erlöse,'gSwcrkc und dessen allseitiger Beziehung zu den Bedürfnissen und Nothständen der Menschheit; von der Kirche und ihren wesentlichen Merkmalen, namentlich von ihrer Einigkeit; von dem Primate Pctri und seiner Nachfolger; von der Leitung der Kirche durch den heiligen Geist und ihrer Unfehlbarkeit; von den Sacramenten, besonders von eer Spccialbcicht und dem Opfer der heiligen Messe; von der Unstcrb lichkeit der Seele und der Ewigkeit der Höllcnstrafen u. f. w. Außer diesen Hanptlchren unseres Glaubens bilden einen dringenden Gegenstand eueres genauen Unterrichtes die Lehren von der Bcrebrnng der Heiligen, der Bilder und Reliquien, dann die niannichfachen im katholiften Cultus üblichen Gebräuche, Segnungen n. s. w., endlich die Kirchengebote und deren Nothwendigkeit und Weisheit. Wir wissen wohl, daß der Unterricht über die eben genannten Gegenstände, wenn derselbe zeitgemäß, d. i. überzeugend und herzgewinnend s>yn soll, namhafte Studien und die sorgfältigste Vorbereitung fordert. Allein, wo es sich um die höchst n Güter deS Menschen, und wo es sich um unsterbliche, unserer Obsorge anvertraute Seelen handelt, kann uns keine Mühe zu aroß seyn, und wenigstens dürfen wir uns nicht von der Thätigkeit u" ercr Widersacher übertreffen lassen. Die Ortsbedürinisse sind verschieden ; nnd wir müssen es dem Ermessen der einzelnen Curatcn überlassen, zu beurtheilen, in welchem Umfang unjcie gegcnwäitige Anordnung in ihrem Pastvreilk-cise nusgeführt werden müsse. Aber daß es Gemeinden gcdc, w^ dieselbe überhaupt keine Anwendung finde, müssen w r auf das Bestimmteste verneinen. Ist nämlich der Vcisuchcr (was wir gerne hoffen und glauben) auch nicht bk' zu ihnen gedrungen, so ist es doch für Alle schon an sich theils Heilsani, theils gerade;» nothwendig, über die oben angegebenen Puncte klare nnd gründliche Erkenntniß ;u haben. Hier;» kommt aber, daß man richt wissen kann, wo und wie Dieser und Jener in die Lage gerathen wiid, von seinem Glauben Rcchcn chnft geben zu müssen. Was aber jene Ortschaften betrifft, wo sich Ungläubige, Spoiler und Verächter unserer heiligen Kirche befinden, möge ja kein Seelsorger Unseren oberhirtüchen Auftrag mit der E>n>ede umgehen wollen, daß Diejenigen, welche der Belehrung bedürften, nicht in PeedieU und Christenlehre kommen. Denn einmal gibt eS doch auch Redlichere unter ihnen, die da kommen. Dann auch gibt eS Zweifelnde, Schwankende, Beunruhigte, die sogar nach Untcnicht m.d Beruhigung Sehnsucht haben. Und >v nn die Uebiige» auch nicht zu Uns in die Küche kommen, so kommen wir zu ihnen, d. h. was wie auf dem Prcdigtstuhle und i» der große Wort zu führen, nnd sich als Männer der Weisheit und des Fortschrittes verehren zu lassen. Wie d,m aber auch sey: so wird jedenfalls der verderbende Einfluß, den sie bisher auf Andere g übt, gebrochen. Freilich kommt nun Alles darauf an, daß die von uns anbefohlenen Lehrvortrcige nicht nur klar und überzeugend, sondern auch im Ausdrucke so wohl erwogen und gemessen seyen, daß Niemand — auch der Ung'äubige und Gegner — nicht verletzt werde. Die Hauptsache bleibt immer, die betreffende Lehre, frei von jedem Mißoerständniß und jeder Entstellung, so zu fassen, wie sie von der katholischen Kirche vorgetragen wird. Sehr häufig gehen die Angriffe der Gegner bloß auf angebliche, nie aber von der Kirche aufgestellte Behanptnngcn, und ihre Angriffe zerfallen sogleich in Nichts, sobald nur die wirkliche Kirchenlehre aufgestellt wird. Nächst der richtigen Fassung der betreffenden Lehre tändelt es sich um die Beweisgründe. Hier gilt die Regel: nur wenige Beweise aufzustellen, aber triftige, besonders solche, welche jedem schlichten Menschenverstände und jedem unverdorbenen Herzen einleuchten. Nam nt.ich ist gewinnend, was dem Licht, Trost und Frieden suchenden Herzen sich nahe l gt. Unser Verfahren müsse sehr vonugSweise apologetisch seyn. Der Irrthum zerfällt ovn selbst, sobald die entgegenstehende Wahrheit erkannt und geglaubt ist. Und könne» wir es nickt durchaus vermeiden, den Irrthum auch dircct abzugreifen so müsse es der Irrthum seyn, gegen den wir mit Strenge auftreten, mcht der Irrende, den wir gerne mit Milde beurtheilen und behandeln. Harte und schneidende Worte, so gerecht sie auch au sich scheinen möchten, schaff n nie Gutes, sondern erbittern und vergrößern die Spaltung. Zwar gebühren harte Worte dem Verstockten; ab.'r noch denken Wir nicht an Verstockte, sondern an Solche, deren Seelen Wir suchen, und denen Wir liebend und sanftmüthig nachg hcn. Wenn es dann endlich sich darum handeln sollte, die Sprache zu führen, welch." den Lnstocktcn gegenüb.r sich ziemt, so kommt eö nicht den einzelnen Curatcn zu. sich diese Sprache anzumaßen, weil es nicht ihnen zukommt, Jemand für verstockt zu erklären. Das Urtheil hierüber gebührt allein der Kirche. Matth. l6, 17. Bewahren Wir d.cher die Worte des Apostels, da er schreibt: „Ein Knecht des Herrn soll mit Milde zurechtweisen die, welche der Wahrheit widerstreben: vielleicht, daß Gott ihnen Buße verleiht, die Wahrheit zu ei kennen, und sie wieder ciuö der Schlinge des Teufels zu sich kommen, von welcher sie gefangen gehalten werden nach seinem Willen." 2 Tim. 2. 25. 26. Und: .Ich beschwöre dich vor Gott und Jesu Christo, der die Lcbendigen und die Todten richten wird zur Zeit seiner Wiederkunft und seines Reiches: Predige das Wort, hciltc an damit, eS sey gelegen oder ungelegen, überweise, bitte, streife — in aller Geduld und Lehrweisheit" K. 4, Die Gnade Gottes sey mit Uns Allen! Hermann, Erzbischof von Freiburg. 1. 2. Bayern. Oggersheim, 24. April. Die feierliche Eröffnung des Frnncisca »cr - Minoriten - Klv st c r s ist nunmehr ganz Chiistcnlehic vortragen, geht in die Gemeinde aus, wird in dieser bestimmt ciuf den 3. Mai, auf das F.st der Kreu;crfiudung besprochen, nnd dringt unfehlbar auch ;u den Ohren Dcjenigen, festgesetzt. Es wird eine große Volksmenge zu diesem in der welche nichts von unserem Worte wollten. Ja. hier nnd dort Pf.ilz ungewöhnlichen gestc zusammenkommen. Wir haben eine halb- trilt, bewaffnet mit der Wahrheit, die wir verkünd.t haben, em hun ertjahrige Trockene unv religiöse Düerc in der Pfalz gehabt, Gegner wider di Unwissenheit, Seichligkcit und Fe.chhcit bcrjeni- und uu erem crleuchtetcn und frommen König war eS vorbehalten gen sieghaft auf, die bisher gewohnt waren, unangefochten das drser Zeit ein Ende zu machen, (jlaih.) Verantwortlicher Nedattcur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber : F. C. Krem er. P ^ ^ ^>WMU^ ^Ä^ch^ ^SWW^Z ' - - ^-^H-M ^ Erste Jahreshälfte. Poftzeitung. It. Mai 1845. Sendschreiben an die römisch-katholische Geistlichkeit Deutschlands. (H:st. polt. Blätter.) Liebe Brüder in Christo! Gnade, Friede, Heil und Segen sey Euch von dem Vater nnscrö Herrn Jesu Christi, der Euch schirmt und festhält in den Stürmen von außen, und der Euch kräftiget, stärkt und tröstet in den noch heißeren Kämpfen von innen. Das ist ja das wahre Kennzeichen der Kinder GottcS, und ganz besonders des rechtgläubig katholischen Priesters, daß sie kämpfen mit W.lt, Fleisch und Satan bis zum letzten Athemzug, daß sie streiten unter der Fahne des Löwen aus dem Stamme Juda, der sein siegreiches Panier entfaltet hat, damit Alle, die gläubig darauf Hinblicken, neu ausgerüstet werden mit himmlischen Waffen, um den Sieg zu erringen. Der den seufzenden Paulus in seinen Kämpfen gestärkt, der den zagenden Petrus über den Wogen gehalten . . . der ist mächtig, mich und Euch, liebe Bruder! zu retten, wenn wir mit lebendigem Glauben seine Netterband umklammern und festhalten, denn Gott versucht Niemanden über seine Kräfte ... Weil auch der Schwache in der Gnade stark ist. Es drängt die Liebe, sie gibt mir Worte, geliebte Brüder! Euch folgenvc Wahrheit mitzutheilen, über die wir nun ernste Betrachtungen anstellen wollen. In welcher Zeit leben wir? Seit fünfzig Jahren ging eine große Macht der Verführung, von Frankreich kommend, nach Deutschland über. Die französische Revolution hat einen furchtbaren Traum geträumt. Die Folgen dieses Traumes in der Wirklichkeit waren einförmige Bildung, der Staat wurde Religion, und sie gebar eine Konstitution für ideale Manschen, nicht für die in der Wirklichkeit Lcbcnvcn. Sie setzte das Haben dem moralischen Seyn voran und brachte den JndiffercntiSmus ins Leben, wie zuvor noch nie. Viele haben diesen Taumclkclch getrunken, wodurch Kopf und Herz von dem Einen, Nothwendigen weggerückt worden sind. Es geht also seit mehreren Deccnnie» in Deutschland tiefer in'S Arge hinein. Ob der Leuchter ganz umgestossen oder weggerückt wird, das können wir sündige Menschen nicht wissen. Ich kannte Geistcs- männer — weiser als ich — die von diesem Blicke abstrahirten, und an ihrer Stelle nach Kräften Gutes thaten. So wollen auch wir es machen. Des Herrn Arm ist weder lahm, noch abgekürzt, und seine Liebe noch liebend, wie die Sonne leuchtend. Auch in unserer Zeit bezeugt sich der Herr und wird von den Seinen bezeugt. In dieser Zeit des Sturmes wolle der Herr Euch Alle mit dem Troste erquicken, den Jesus seinen geliebten Jüngern im XV. Capitel des Evangeliums Johannes gegeben. An Tausenden unseres Berufes sind die Weissagungen: „Vos s>erse«e tsoient vol>i5" in Erfüllung gegangen. Der Herr blieb aber auch dem Versprechen getreu: 1>i5t.il.i» vostra vvrtetur in ggudium. O Vielgeliebte! unsere bisherigen Advcrsa sind nur Vorläufer kommender größerer Trübsale, die vielleicht auf uns warten, und oft, recht oft müssen wir uns wiederholen, ganz besonders in neuester Zeit: 8i Iioininilms nlaeeiem, Luri5li sorvus nou L88om. Also muß es auch dahin kommen, daß Ihr, geliebte Brüder! mit demselben Vorbilde ausrufet: „per Lliristum skuno'llt Lonsolatio nostra. Kon angustininur. Kon clestituimur. Kon clerolin^uiinur." Der den Lauren- tiuS, nach des Vaters SirtuS Tod, gestärkt hat zum heißesten Kampf, daß er, nur Jesum sehend, standhast blieb, wird auch Eure Stärke seyn, daß Ihr im festen Glauben an die römisch- katholische Kirche nicht wanken werdet. Dominus fortilucio tus, et Illummatio tu»! Brüder! lasset uns dankbar zu Gott aufblicken, der sich unser als Werkzeug bedient, die Binder der Kirche im Glauben zu stärken, und wenn Ihr auch, wie der Apostel Paulus, cS erfahren müsset, czuanta oportsal. >inli pro noininv vomini i so werdet Ihr gewiß antworten: I.i>»enter imnenclar. Kon laeiam nnimam meam nretiosioioin (juam mv. O welch ein Trost für wahrhaft gläubige Priester, wie reichlich entschädigt sind sie sür so manche Trübsale, die man früher zu ertragen hatte, und noch ertragen muß! Gott tröste und beruhige Euch! Er rüste Euch aus mit der Weisheit, die den Daniel vor seinen Feinden furchtbar gemacht hat! Er schütze Euch in der Lö'wengrubc. Er bewahre Euch, daß im Feuer der Trübsal kein Haar Euch versengt werde. Wir wollen mit Tobias zu dem Herrn rufen: „l'u lla^el- las — Hier, Priester des neunzehnten Jahrhunderts! ist die Stel- i lung, von der Du ausgehen mußt. Alle Verufsarten und Stände ! haben ihre Eigenthümlichkeiten, welche, nicht zu haben, eben so gefährlich ist, als der eigentlichen Tugenden derselben zu erman- , gcln. Alle Körperschaften haben ihren esnrit cle corns, und wehe dem Mitglied, dem er fehlt. — Vor Allem trachte man, ^ die Aufgabe zu lösen, seine eigene persönliche rein zu erhalten, und im evangelischen Sinne wahrer Liebe eifrig und gläubig trachte mau, GottcS Willen zu thun, doch nicht ängstlich besorgt, daß er ! durch mich, und nicht durch Andere geschehe, wenn cS Gott mir l nicht beschicken hat. Christliche Größe ist mit der sittlichen stets im Bunde, beivcs sey in uns nicht getrennt, sondern wahrhaft ' Eins. Diese Höhe werde von uns erstrebt, und ist auch in der > That das Höchste, was der Priester sich zur Aufgabe setzen kann, ' wo er der Gefahr des Irrens entgeht, und hoch genug, um den Himmel im Auge zu haben. Wenn die Elemente, mit welchen es die christliche Philosophie hauptsächlich zu thun hat, sich auf zwei zurückführen lassen: den Willen des Menschen, und den Willen GvttcS, sv versuche der Priester nicht beide zu nähern durch metaphysische Spcculationcn, als vielmehr den Menschen durch kindlichen Glauben, sich ganz dem Willen Gottes anheimzustellen. Brüder, liebe Brüver! o daß mein Wort tief in Eure Seele l dringe! Der sicherste Weg ist, gerade zu Christus hinzugehen. Wir müssen unser katholisches Christenthum nicht blvß aus unseren ^ theologischen Cvmpcndicn studirt haben, in Ihm sollten wir persönlich leben und wohnen l^aeramentum Lueliaristiae), Ihm l so nahe zu kommen trachten, daß im steten Gefühl dieses Um- ! ganges unser Leben nicht sowohl wie das Leben eines Anhängers I in so später und ferner Zeit erscheine, als wie vielmehr das eines Jüngers, der dem Erlöser selbst folgt, ihn auf dem Berge und im Tempel gehört hat, und am Kreuze neben ihm gestanden. Hier komme uns die Geschichte zu Hilfe, die Vergangenes wie Gegenwärtiges uns darstellt. Aber diese wahrhaft katholische Anschauung wäre nur ein glänzender, wacher Traum, wenn nicht in uns die Kraft des religiös-kirchlichen Wachsens vorhanden ist, welche in dieser Anschauung enthalten ist. Nicht nur der Wahrheit und Gerechtigkeit huldiget der Priester; im Herzen finde auch Platz, wo Freundlichkeit, Demuth und Ehrfurcht ihre Stellen finden. Daö sind die wahren Lichtpuncte VeS priestcrlichen Wcscnö; und, o möchtet durch die Gnade Jesu Christi Ihr solche Gefäße des Segens zum Heile Eurer gläubigen Gemeine werden. Sind wir so gesinnt, dann folgt von selbst, was die heilige Kirche von ihren Priestern fordert. a. Klericalifche Kleidung, wo wir als sengrat! a inuiulo dem Laien uns zeigen. 1). Gewissenhaftes Beten des Breviers, als eine Heiligung unserer Sprache mit Gott, in der Gemeinschaft mit der ganzen katholischen Kirche auf Erden und im Himmel, und im Gehorsam gegen die Kirche. c. Die Anhänglichkeit an den apostolischen Stuhl. Es hat Christo gefallen, dort die Petra seyn zu lassen, und dafür wollen wir Ihm danken, und an diesem centr» unitatis unö fest in Reih und Glied anschließen, als eine undurchdiinglichc Kette, die keine Macht der Hölle, also viel weniger der Erde zerreißen kann. . Dir Wogen, auf denen sie sich sanft wiegte, waren lazurblau, wir der Himmel. Frühe morgens, sobald die Gipfel der Schiffe mit den ersten Sonnenstrahlen sick vergoldet hatten, waren auch alle Masten zur Feierlichkeit des TagrS, zum Fronleichnamsfeste auf das herrlichste geschmückt. Am Vorabende, zur Zelt des Abendgebetes, wenn die Kugel des großen Gestirns in das Meer sich zu versenken begann, und noch einmal zwischen den Tauwcrken der Schiffe erschien, mitten in Räumen ohne Gränzen, hatte der Schiffs-Pater den Matrosen und der Besatzung bereits verkündet, daß morgen der Fronlcich- niimstag einfalle, das Fest Gottcö, des Herrn der Natur, der die Tiefen des Weltmeeres ausgehöhlet, und die Erde mit hohen Bergen bedeckt bat, das F. st Gvttrö, der dir Wellen bäumet, und die Saaten wachse» laßt. Unter den Menschen, die den Priester gehört hatten, war keiner, der dieses Festes sich nicht erinnern konnte, das er in seiner Stadt, oder seinem Grburtsdorfe seiern sah, da, Wo er noch bei seinen Eltern und Geschwistern war. Die Seeleute verlieren wenig von der Erinnerung an das feste Land, und haben es nöthig in den Einöden des Oeeanö. Mit Freude schickten die alten Matrosen und Schiffsjungen sich an, ihre Fahrzeuge zu verzieren. Dieser Tag hatte die Neiulichkeit und Pracht der Schiffe verdoppelt, und jedes Verdeck derselben glich dem Fußboden in einem wohlbehaltenen Hause: die langen, gcfeanzctcn Wimpel, die schmalen, lieblichen Fähnlein, entrollten und verlängerten stch, bogen wieder ein, wie Schlangen von verschiedenen Farben, und spielten hoch an den Masten. Dit von Wappen bunten Flaggen, Au« dem Französischen, und was von ältern Zelten gesagt wird, darf man wohl auch in des nrucrev sich zu Herze» nehmen. besonders die Wappen von Frankreich in ihrer majestätischen weis-- >'cn Farbe flatterten und klatschten in: Winde. Die ungeheuern Segel, gleich unermeßlichen Draperien, zeichneten sich wie breite Blumengehänge unter dem blauen Himmel aus. Daö Admiralschiff war gleichsam die Kathedrale der schwimmenden Stadt, und an seinem Bord mußte der Segen über die ganze Flotte gegeben werden. Die Bewohner der Insel hatten mit Anbruch des TageS an unsere Seeleute die ganze Ernte ihrer schönsten Blume» iiberbracht, und ihre leichten, langen Nachen, ganz mit Astwcrk beladen, gli. chen kleinen von den Wellen getragenen und geschaukslien I»srln. Die Matrose» empfingen mit freunvlichcr Erkenntlichkeit die ländlichen Gabe», und bedienten sich dieses grünenden und lieblich duftenden Tributes, um an den, Fuße des Hauptmastes dcS Admi- ralschiffeS einen herrlichen Altar herzustellen. — Es ist gewiß ein großes Vergnügen, die Blumen auf dem Boden sich entfalten sehen, wo sie entstanden; sehen. Wie die Bäume ihre Arstc über die Grasmalten ausbreiten, die sie duichbroch.» hallen, um groß zu wachsen. Aber rS war auch ein süßes Gefühl, diese Ausbeutung der Wälvcr und Gärten zu betrachten, wie sie ihre Farben und Grüne auf einem Schiffe initte» in den Wellen entsalirten; Blumen und Palmzweige getränt und verbannt von der Erde, um den A tar des Gottes der Natur zu zieren. Morgens war der Fronleichnams-Gottesdienst in den Pfarrkirchen der Insel gefeiert morde», und bis gegen Mittag konnten unsere Matrosen der Procelsion zusehen, von ihrem Auözug auö der Kirche bis on das Grab von Paulus und Virginia. Um die Majestät des Festes zur See zu verherrlichen kamen die Priester von lsle-c!e-k'rnri<:l.', und die jungen Missionäre, die nach Indien wollten, sich an die Schiffsgcistlichtut anzuschließen. Die Abendzeit war gewählt zur E.rernonie der Anbetung und dcS Segens; eine geheimniß- und anmulhovollc Stunde, eine Stunde, wo man andächtiger betet, weil man da von einem un- bestimmten Gefühle der Traurigkeit lingcnommcn ist, und die Wolken des Himmels wie purpurne, init Gold eingefaßte Drape- rien über unsern Häuptern stehen. Im Augenblicke, da man in den Städten das Zeichen zum Angeluü Domini gibt, begann die Errrmonic am Borde des Av- miralschiffs; hundert und ein Kanonenschüsse kündeten es an, und __ hohem Grade, und keine Hand kann ihnen besser geben, was ihnen mangelt, als die der Religion. Die Stimme des Priesters, der Anblick der geheiligten Hostie in der golvenen Monstranz, die Schwingungen dcS Rauchfasses, die entblätterten Blumen, die abgesungenen Hymnen, die öffentlichen Gebete verfehlen ihren Eindruck auf die Herzen der Matrosen gewiß nicht. jedes Schiff gab S^lve, und auch die Strandbatterien mischten von weitem her ihre Donner unter das erhabene Gebrüll, das von den Flotten her sich hören ließ, und auf einige Augenblicke verschwand die Rosen- und Golvfarbe des Himmels unter dem dicken Rauch so vieler Feuerschlünde. — Alle diese Donner der Menschen mißfielen Gott gewiß nicht; denn sie brachten den Tod nicht mit sich; sie waren kein Kricgs-Signal, kein Ruf zum Morden, sondern zum Gebete, zur Anbetung eines Gottes der Liebe und des Frieden.?. Bei der Ruhe die in den Lüften und auf den Fluthcn herrschte, hätte man sagen mögen, daß die Natur sich sammle und stillschweige bei der Ankunft des Schöpfers. Die Winde legten sich, und keine Welle schlug an die Seite der Schiffe. Nur hörte man von Zeit zu Zeit die Stimmen der Priester, und sah von weitem über den bloßen Häuptern der knieendcn Matrosen das Kreuz und das heiligste Sacrament, welches die Geistlichen in Processio» rings um das Admiralschiff,tru-> gen. Beim Untergang der Sonne schimmerte die Monstranz mit ihren golvenen Strahlen we eine andere Sonne, und die unschuldigen r.inen Hände der wie Engel gekleideten Kinder streuten verschwenderisch Blume» von allen Farben und Wol'lgerüchcn. Diese auf das Verdick fallenden Blume» bildeten gleichsam ^einen buntscheckigen Tcppich unter den Füßen der Priester, und bezeichnete den hl. Weg im Umkreise des Schiffes. Das a» dem Fuße des Hauptmastes errichtete Behältniß war über mehrere Staffeln erhaben, und der Altar war so gestellt, daß er von der ganzen Flotte konnte gesehen weiden. — Welch ein Tempel wäre dieß! Uncrmcßlichkeit über dem Haupte des Priesters! Uncrmcßlichkeit unter seinen Füßen! Und um den Augenblick des Segens zu verkünden , ist es nicht ein Glöcklein in den Händen des kleinen Ministranten, sondern eine Salve von .hundert Kanonen. Hundert zugleich donnernde Kanonen rufen den Soldaten, den Matrosen, dem Meere, der Erde und dem Himmel zu: „Betet hier den Gott der Hcerschaaren an!" — Wirklich dars man Menschen, die nicht beten mö>zcn, gemeiniglich nicht auf dem Meere, zwischen den Höhen der Himmel, und den Tiesc» des Abgrundes suchen; nein, der Anblick der Räume ohne Gränzen, des Unendlichen, das sie umgibt, die große Stimme d>°S Oceans, die dem Seemann ohne Unterlaß prediget, bringt ihm einen höhern Begriff der Seele bei, und lehret ihn glauben. So ist auch kein Officier, kein Matrose, kein Soldat, der nicht mit tiefer Rührung sich niederwürfe, wenn dao heilige Sacrament in den Händen des Priesters sich erhebt, die ganze Heercsmacht zu segnen. — Nun fingen die Sterne allgemach an sich an d m Himmel zu zeigen, nnd man hatte sagen sollen, auch sie wollten mit den Menschen dcu Gott anbeten, der sie an dem Firmamente ciuSgest.cut hatte, und jeden von ihnen beim Namen nennt. — Die Nacht war im Anzüge, und breitete allmälig ihre unermeßlichen Schleier über den Gesichtskreis. Die Flotten standen im Dunkeln, und der Gla»z des Festes erlosch, wie in einer gemeinen Kirche, wenn der Gottesdienst geendet ist, die Lichter auf dem Allare nebe» dem Tabernakel zu brennen aufhören, und nur Uebersicht die Lampe des Hciliglhnmö noch angezündet bleibt. . ^ m ^ . ^ . , ^ ^ , >- M... <- . ^. ^ ^- ci-',^... ^> -s .- , !der von der Versammlung des Allerhelliosten Erlo- '^ian sage nicht, dein, die ganze Feierlichkeit, die ich o eben . ^ . ^ c> - ^ » i o, >, .^,,5 - ^" > beschrieben habe, nichts anderes ais eine pomphafte und eitle Cere- l"' vom 22 Jun.us 1844 b.s l. Apr. ld45 .m Äo.ng- monie gewesen sey- 0 nein, sie war mehr als Poesie und Ueber- "'^ abgehaltenen Missionen, raschung. Sie gewährte Älte», die da anbeteten, süße Tröstungen Altötting, 1. Mai 18ä5. und heilsame Erinnerungen, Lcnte, die man weither der Hcimath^ In einer unterm 28. Mai 1844 ausgestellten und in diesem c»!ii»c» hatte, wo sie geboren waren, die einer rohen Dienstbar- Blatte mitgetheilten Erklärung hat Der Unterzeichnete die erste kcit iu>d strengen Disciplin unterworfen wurden, bedürfen auf ihren Uebersicht über die in Bayern von der Verjammlm g des Aller- von Wind und Welle» gepeitscht.» Fahrzeugen dcS Trostes in heiligsten E.löscio abgehaltene» Missionen mltgelheüt. Derselbst So wird aber das Fronleichnamsfest immer und überall herrlich gefeiert, zu Land und Meer, auf den azurnen Wogen und grünen Wiesen, in großen Stadt.n und am Borde großer Schiffe. In der Normandie und den Gegenden von Paris bemerkte man ehedem einen rührenden Gebrauch. Die Mütter führten ihre kleinen Kinder auf den Weg des hl. Sacraments, und der Vorstand der Kirche, oder der gewöhnliche Priester, der es trug, hielt inne, und setzte den Fuß der Monstranz auf das Haupt des Rindes, um ihm Stärke und Wachsthum zu verschaffen. — Auch die Kranken kamen herbei, und flehten mit ihr, n blassen Angesichtern zu Gott, um Heilung ihrer Gebrechen. Dieß machte nun freilich häusigen Aufenthalt, schadete aber der Schönheit der Ceremonie nichts, und erinnerte an das Auflegen der Hände Jesu, und seiner Apostel, da sie durch Judäa gingen, und Allen Gutes thaten, und Alle heilten, und an die Worte: Lasset die Kleinen zu mir kommen — und: Kommet Alle zu mir, die ihr mit Mühe und Armseligkeit beladen seyd, und ich will euch erquicken. — O selig der Mensch, der das, was diese Worte sagen, kindlich glaubt, vertrauensvoll auffaßt, und nicht zufrieden, an dem Triumphzuge des Heilandes Theil genommen zu haben, auch oft und würdig sich seinem Tische nahet! — » hron. Feiern diese» Tag der Liebe Christen wir im Iubclton! Dankbar op-crn unsre Triebe Wir der Liebe, Die herab sich läßt von, cw'gen Festlich triumphirt der Glaube, Der verhüllt die Gottheit sieht, Dem in stiller FriedenSlaube Hier im Staube Ewiger Vergeltung Dämm'rung glüht. Seuf-cr schweiget! Trocknet Thränen! Hoffend blickt auf cuern Freund, Der einst stillt der Herzen Sehnen Allen denen, Die die Liebe hier mit Ihm vereint! , ! glaubt im Interesse der Leser — namentlich unter dem Hochwürdigen Klerus — zu handeln, wenn er auch dieses Jahr eine solche Uebersicht mittheilt, woraus hervorgeht, daß einerseits daö Ver- langen nach den Segnungen der Missionen fortwährend im Zunehmen begriffen, andrerseits aber es der Versammlung des Aller- heiligstcn Erlösers durch Erstarkung ihrer Kräfte möglich geworden ist, diesem Verlangen in größerm Maaße als bisher zu entsprechen. Unsere vorjährige Uebersicht schloß mit der vom 25. — 30. April v. I. zu Anger abgehaltenen Mission, an welche sich, weil wegen eintretender Wallfahrtszcit zu Altötting und des Mangels an Priestern in der Versammlung während der Monate Mai und Juni keine Mission achalten werden konnte, eine Mission in der Erzdiöccse München sich anschloß, nämlich jene zu Lauierbach, Filiale der Pfarrei Einspach, Landgericht Dachau, welche vom 22. — 27. Junius 1844 abgehalten wurde. Diese Mission veranstaltete der Herr Gutsbesitzer Ritter von Röckel, und in seinem Schloßhofe wurden die vorzüglichsten Predigten im Freien gehalten. Bei der Mission waren täglich viele Fremde vom Adel der Umgegend gegenwärtig und mehrere derselben machten sie ganz mit. Die Mission wurde auch noch verherrlichet durch den Herrn Hoscapcllmcister Aibli"ger, welcher mit rein kirchlichen musikalischen Kompositionen und Liedern die vorzüglichsten Andachten der Mission begleitete, welche durch einen zahlreichen Chor von Educantinnen der Schulschwestern, die in Lauterbach eine Filiale besitzen, ausgeführt wurden. Am 25. Juni, gerade nach dem ersten Theile d>r Abendpredigt, welche von der Mutter Gottes handelte, kam der furchtbare Hagelschlag, der einen großen Theil von Allbaycrn so schrecklich verheerte. Der Prediger mußte sich, da die Predigt im Freien war, mit d.m Volke in die Kirche flücht, n, und ob- schon dasselbe anfangs sehr bewegt war und wegen des Unglückes viele Thränen vergoß, so war doch die ruhige Haltung nach einer Viertelstunde schon wieder vollkommen hergestellt und die Mission erlitt dcßungeachtet nicht die mindeste Störung. Als bei der feierlichen Abbitte vor dem Hochwürdigstcn Gute dasselbe prvcessionali- »r von der Filialkirche in den Schloßhof getragen wurde, begleitete der Herr Gutsbesitzer und die anwesenden Herren und Damen von Adel das Hochwürbigste Gut mit Lichtern und empfingen bei den Gcneralcommunioncn mit dem Volke zur Erbauung desselben den Leib des Herrn. Ein Aufsatz in der Sion beschrieb die Mission auch für solche, die nicht gegenwärtig waren. Die zweite Mission wmde in der Erzdiöccse München-Frcy- sing zu Gunzclhofen, Landgericht Brück, vom 21. — 26. Juli gehalten. Diese Mission zeichnete sich durch die Anwesenheit vieler Geistlichen, besonders aus der Augsburger Diöcese auö, welche mit besonderem Interesse den Gang dieser Uebungen verfolgten. Die dritte Mission wnrde in der Erzdiöccse München-Frcy- sing für die Pfarrei Anzing, Landgericht Ebersberg, vom 8 — 13. September gehalten. Diese Mission wurde durch viele Besuche von München, worunter Personen vom höchsten Range waren, verherrlichet. Mehrere gediegene Aufsätze iu der Augiiburger Poft- zeitung zc. beschrieben ih.e Wirkungen. Die vierte Mission wurde gehalten in der Diöcese Paßau, Pfarrei Zeilarn, Landgericht Simbach, vom 7 — 13. Oct. Ein sehr schöner Aufsatz iu der Paßaucr Kirchcnzeitung von einem ausgezeichneten Weltpricstcr beschreibt ihre Früchte. Als ein besonders rührender Act muß hier erwäh t werden, daß nach der Schlußpredigt, welche im Freien gehalten wurde, in d m sehr geräumigen Hofe dcö Pfarrhauses die Tausende, welche gegenwärtig waren, !ich um das Missionskrcuz drängten und cS zu küssen verlangten. s Die fünfte Mission wurde gehalten in der Pfarrei Sulzbach, Diöcese Paßau, Landgericht Paßau, vom 15. — 20. lOctober. Da Sulzbach an der österreichischen Gränze gelegen ist, so strömten in großen Zügen, wie bei einer Wallfahrt, die Jnn- vicrtler von Schärding und seinen Umgebungen zu Mission. Die sechste Mission wurde in der Pfarrei Reitern, Diöcese Paßau, Landgericht GrieSbach, vom 22. — 28. Octobcr gehalten. Es war dieß eine von jenen Missionen, bei welcher die Menge des hc>-zuströmendcn Volkes außerordentlich war; bei den letzten Predigten im Freien schätzte man die Vvlkszcchl auf 15.000. Die siebente Mission wurde in der Pfarrei Ampfing, Erzdiöccse München-Freysing, Landgericht Mühldorf, vom 1. — 6. November gehalten. Auch hier hat der Adel der umliegenden Gegend mit großer Theilnahme beigewohnt; besonders rührend aber war der Abschied des Volkes bei der Schlußpredigt, welche im Freien gehalten wurde. Alles drängte sich um den Prediger und reichte ihm die Hand auf die Kanzel, welche in der M>tte des Ortes aufgestellt war, und Jeder wollte dadurch den Missionären seinen Dank ausdrücken. Die achte Mission wurde in der Pfarrei Wang, Erzdiöcest München-Freysing, Landgericht Wasserburg, vom 0. -— 13. Nov. abgehalten. Die neunte Mission war in der Pfarrei Nott, Erzdiöccse München-Freysing, Landgericht Wasserburg, vom 15. — 20. Nov. Die zehnte Mission fand statt zu Ebersberg, Erzdiöccse München-Freysing, Landgericht Ebersbcrg, vom 25. — 30. Nov. Diese Mission zeichnete sich besonders aus durch die große Theilnahme, welche die vielen dascchst befindlichen Beamten für die Mission an den Tag legten; sie sowohl, als ihre Frauen gaben das schönste Beispiel, da sie sich bei den Gcncralcommunionen an der Spitze der Pfarrkindcr einfanden. Sogar bei der Abreise der Missionäre gaben sie diesen noch ausdrückliche Beweise ihrer wohlwollenden Gesinnungen. Ein schöner Aufsatz in der Sion von einer gcwandien Hand beschrieb diese Mission ausführlich. Die cilfte 'Mission wurde gehalten in Walpcrtskirchen, Erzdiöccse München-Freysing, Landgericht Erding, vom 5.— 10. December. Die zwölfte Mission war zu Lengdorf, Erzdiöccse München- Freysing, Landgericht Erding, vom 13. — 18. December. Die dreizehnte Mission wurde gcbaltcn in Wag ing, Erz- diöcese München-Freysing, Landgericht Laufen, vom 22. — 27. December. Einige schöne Aufsätze in der AugSburgcr Postzritung beschrieben ihre Wirkungen. Die vierzehnte Mission fand statt in Dingolfing, Diöcese Ncgcnsburg, Landgericht Dingolfing, und wurde vom !). - 15. Januar 1845 abgehalten. Ihre Wirkungen waren außerordentlich^ die gleich darauf folgenden Faschiagtagc gingen ohne allen Exceß vorüber, die Polizeistunde wurde püuctlich gehalten, das ^ ganze Städtchen war wie umgewandelt. Der Hvchwürdigste Herr Bischof von Rcgensburg hielt die Generalcommunion der Männer und - predigte am Schlüsse der Mission. Auch unterstutzten die Beamten auS Kräften die Misston. Die lünszchnte Mission war in Scheycrn, Erzdiöccse Mün- chen-Fikysing, Landgericht Pfaffenhvfen, vom 18. — 23. Jan. Die Hochwürdigen i?. 1>. Benedicti-^cr daselbst gaben durch die Berufung der Missionäre einen rührenden Beweis ihres Eifers für das Seelenheil ihrer Piarrtindcr, und obschon durch dtN Eiser dieses Ordens schon viel geschehen war. so war dennoch nach dem Zeugnisse des Hochwürdigstcn Herrn Prälaten und der übrigen Ordensglicder die Mission auch dort nothwendig und heilsam, und cS bewährte sich der Erfahrungssatz, daß die ungewöhnliche Erscheinung von fremden Priestern stets außerordentliche Wirkungen hervorbringt. Unermüdet war die Mitwirkung von Seite der Ordens-Mitglleder im Anhören fremder Beichtlcute, welche in ungeheuren Massen hinzuströmtcn. Die Sitcncaplle, wo die bayerischen Herzoge begraben liegen, war bei strenger Kälte einigemal so sehr mit dem von der wogenden Menschenmasse aufsteigenden Dunste erfüllt, daß vie dichte Rauchwolke für vie Wirkung eines rmsgcbrochenen Feuers gehalten wurde. Die sechzehnte Mission war jene in der Pfarrei Reisin g, Diöcese Ntgcnsburg, Landgericht Straubing, gehalten vom 8 — 13. Februar. Der Hochwürdigstc Herr Bischof beehrte diese Mission mit Seiner Gegenwart und predigte daselbst. Die sicbcnzrhntc Mission wurde «ehalten in der Pfarrei Psatter, Diöccse Regensburg, Landgericht Stadtambof, vom 15. — 2l. Februar. Es fanden sich in derselben mehrere Fremde aus Regensburg ein. Der Hochwürdigste Herr Bischof predigte auch dort. Der Landrichter und mehrere andere Beamte bezeigte,, ihre vollkommene Zufriedenheit und erklärten, daß ihrer Ueberzeugung gemäß durch die Missionen für die Störung des confes- sioncllen Friedens nichts zu fürchten sey. Die achtzehnte Mission wurde in der Pfarrei Mammen- dorf, Erzdiöcese München Frcysing, Landgericht Brück, vom 1. — 6. März abgehalten. Die neunzehnte Mission fand statt in der Pfarrei Chie- ming, Erzdiöcese Münchcn-Frcysing, Landgericht Traunsiein, vom 9—15. März. Die zwanzigste und letzte Mission in diesem Berichte wurde in der Stadtpfarrei Laufen, Landgericht Lausen, Erzdiöcese München-Frcysinq, vom 27. Mär; bis 1. Apnl abgehalten. Viele Vorurthcilc herrschten in diesem Städtchen gegen die Missionen, sie wurden aber durch die Mission selbst glänzend besiegt. Die Bekehrung war so allgemein, daß mehrere dem Guten fcindjelige 'Menschen den Entschluß faßten, diese Stadt zu vcilassen, da sie in derselben ihr bisheriges Leben nicht mehr ungestört fortsetzen konnten— das beste Zeugniß für die Mission! — Ocsterreichisch- Laufcn nahm, so weit dieß möglich war, thätigen Antheil an der Mission. Da mehrere außerordentliche Früchte der Missionen schon in den einzelnen Berichten über dieselben mitgetheilt sind, und es übcrdieß nur die Absicht des Unterzeichneten war, die einfachsten Daten über die Missionen hier mitzutheilen, so enthielt er sich gänzlich, solche näher zu berühren, kann indeß doch nicht umhin, eine Begebenheit kurz zu erwähnen, welche anderswo nicht berichtet werden tonnte, da sie zu speciell war, und dic doch ein so^ kräf^ tigcs Zeugniß ist für die ganz besondere übernatürliche Gewalt, welche eine Mission über die Menschen ausübt. In einer der genannten Pfarreien machte der Pfarrer die Missionäre' auf einen jun en Menschen aufm rksam, weicher einen besondern Haß gegen ihn hegte, so daß cr^ ihm schon mehrmals mit dem Tode gedroht hatte; „viescr", bemerkte der Pfarrer, „würde sich gewiß nicht bekehren." Und sich! doch geschah gerade das Gegentheil. Dieser junge Mensch erlangte in rer Mission eine solche Erkenntniß seines Unrechtes m-d wurde so heftig erschüttert, daß er sich aufrichtig bekehrte und den Pfarrer vor mehreren Geistlichen im Pfarrhofe «M Verzeihung bat, dic ihm dieser unter Thränen ertheilte. Wenn man diese zwanzig Missionen diöcescnweise zusammenstellt, so ergibt sich, daß vierzehn derselben in der ErMcese Münchcn-Frcysing, drei in der Diöccse Regensburg, drei aber in der Diöcese Paßau gehalten wurden. Dic Zahl der Seelen, denen in diesen zwanzig Pfarreien die Missionen gehalten wurden, beträgt 29,215; stellt man indeß die dicßjährige und vorjährige Uebersicht zusammen, so zeigt sich, daß in ganz Bayern bereits dreißig Missionen gehalten wurden: einundzwanzig in der Erzdiöcese München - Frcysing, fünf in der Diöcese Paßau, und vier in der Diöcese Regensburg — oder einundzwanzig in Oberbayern, acht in Nicderbaycrn, und eine in der Obcrpfalz; die Seelenzahl aber in diesen dreißig Missionen beträgt ^2,651. Zum Schlüsse glaubt der Unterzeichnete noch zwei Bemerkungen, namentlich für jene Hochwürdigc Herren Pfarrer beifügen zu müssen, die entweder die Absicht haben, eine Mission haltcn zu lassen, oder vie sich bereits an den Unterzeichneten um Abhaltung einer solchen gewendet haben. Vorerst theilt derselbe mit, daß Seine Majestät der König in Folge höchster Entschließung vom 2. September 1844 die Bornabme geistlicher Missionen durch die Patres Ncdemptvristcn von Altötting in Pfarrsprengeln innerhalb der Regierungsbezirke der Obcrpfalz und von Regensburg, dann von Schwaben und Ncuburg, wenn sie von dem Hochwürdigsten Herrn Vischose oder von den resp. Pfarrvorständen hiezu berufen werden, allergnädigst zu bewilligen geruht haben. Zweitens bemerkt der Unterzeichnete, daß, obgleich die Zahl der Missionäre sich seit einem Jahre bedeutend vermehrt hat, dennoch die Menge der verlangten Missionen zu groß ist — bis jetzt sind 50 Ansuchungcn aus verschiedenen Theilen Bayerns bei dem Unterzeichneten eingelaufen — als daß dieselben vor anderthalb Jahren alle erledigt werden könnten. Er bittet deßhalb die Hoch- würdigen Herren Pfarrer, die sich bereits an ihn gewendet haben, gefälligst abwarten zu wollen, bis er mit ihnen die nechern Einleitungen zu den bei ihnen abzuhaltenden Misstonen treffen könne und überzeugt zu seyn, daß jedes derartige Gesuch möglichst nach der Ordnung der Eingabe erledigt werden wird. P. Bruch mann, Ncctor der Versammlung des Allcrheiligsten Erlösers. Italien. Schon lange wurde daran gearbeitet die Krankenpflege samtL onlanev, oder die Verbindung christlicher Kinder für regelmäßige Beisteuern zum Ankauf der Kinder von Ungläubigen in China und anderer, dem Götzendienste unterworfener Länder. Bewegt durch die Berichte über das entsetzliche Looö so mancher neugeborener Kinder, vorzüglich in China, trug sich der eifrige Bischof lange mit dem Gedanken, ob nicht zu leiblicher und geistlicher Rettnng dieser bcklagenswerthen Geschöpfe ein Versuch zu machen wäre? Von der Kinderwelt sollte das schone Unternehmen ausgehen; an die Kinderwelt vorzüglich wendete er sich; ihr Gefühl über der Vorstellung des jammervollen Schicksals so vieler, durch gleiche Hilflosigkeit und gleiche zweifache Bestimmung verwandter Mitgcschöpfe bei verthierter Fühllosigkeit ihrer Erzeuger, dann bei dem Hinblick auf gedoppelte, so leibliche als geistliche Fürsorge, deren sie sich erfreuten, wollte er in Anspruch nehmen; besonderer Segen zu dem edlen Vorhaben, hoffte er, werde an dc>5 Scherflein und die Fürbitte der Kleinen sich knüpfen, und Großes hervorgehen aus dem liebeSfrcudigen Zusammenwirken unzählig vieler, an sich unscheinbarer Kräfte, gleich dem Thau, der still und unbemerkbar und dennoch lebenspendend die lechzende Flur erquickt. So eben hatte der Bischof, die christliche Kinderwelt zu seinem Zwecke gleichsam geistig um sich schciarend, ohne tcßwegcn von bereitwilligem Mitwirken auszuschließen, was jetzt schon oder in Zukunft ihr entwachsen seyn würde, dem Verein die äußere Gestaltung und diejenigen Formen gegeben, die bei dergleichen Unternehmungen in Frankreich gebräuchlich sind. Ich traf denselben, ganz belebt von seinem Vorhaben, mitten unter Charten von China, Planen der Hauptstadt Peking und verschiedenen Merkwürdigkeiten des Landes, welche der Pater Grosse, der daö ungeheure Reich von der großen Mauer bis nach Cantvn zweimal ') Aus dessen neuester Schrift: Geburt und Wiedergeburt, deren zweiten Band die Hurt er'sehe Buchhandlung in Schuss- h.iusen eben ausgegeben Hai. II, 348 ff. durchreiste, nach Frankreich gebracht hatte. Mit dem Ausdrucke der vollsten inneren Gewißheit über dem Bewußtseyn, einer segcn- reichcn Sache den ersten Impuls gegeben zu haben und von Gottes Gnade Segen und Gedeihen für dieselbe erwarten zu dürfen, sagte er mir: »O, ich erfreue mich für mein Vorhaben eines kräftigen FürbittcrS vor dem Throne der Allmacht in dem dieser Tage verstorbenen Bischof von Straßburg." Dieser, Herr Tharin, einst Erzieher des Herzogs von Bordeaux, hatte blo-sz einige Tage vorher unter der sorgfältigsten Pflege seines Freundes und vormaligen Nachbars, des Herrn Bischofs von Nancy, in dessen Hütel seine irdische Laufbahn beschlossen. Die Sache, welche der Bischof in seiner angeborenen Lebhaftigkeit mir darlegte, nahm mich wirklich in Anspruch, sein lebendiger Eifer für dieselbe riß mich hin; ich erbot mich zn dem Versuch, in Deutschland und in der Schweiz dafür zu wirken, was freudig angenommen wurde. Ich habe auch mein Versprechen treulich gehalten und wenn nicht mit großem, doch mit einigem Erfolg. Während Großbritannien Kriegsflotten und Landhecre ausrüstete, um China, welches gegen den ungehinderten Absatz des in kalter Gewinnsucht ihm aufgedrungenen, entmarkenden und zerstörenden Giftes des Opiums sich sträubte, zum Verbrauch desselben mit Waffengewalt zu zwingen; während Frankreichs oberste LandcS- Jntclligcnzen in den Bewohnern der Marquesasinselu einen Stoff fanden, dem man Bedürfnisse schaffen und aufvringen könne, um Frankreichs Erzeugnisse einen neuen Markt zu schaffen; während das fromme England den ungerechten Krieg flcg-n China als bequeme Gelegenheit betrachtete unter allmciliger Zerstörung des Herzblutes seiner Bevölkerung sie durch seine Speculantcn ausbeuten zu lassen, dagegen zu ctwelchcm Ersatz für bereiteten physischen und ökonomischen Ruin einige Bibeln und etwelche metaphysische Ideen bei dem Volk an den Mann zu bringen; während das industrielle Frankreich in jenen Inseln nur einen neuen Ernteplah für seine Fabrik-Nabobs begrüßte, reift in einem katholischen Bischof der zarte, rein christliche Gedanke, in eben jenem Reiche, welches unter Kanonendonner und Säbclklirren zum Besten einer Kaufmannsgilde mit entnervendem Gift überschwemmt werden soll, Kinder, die nur den Weg von der Geburt zu dem schrecklichsten Tode finden, diesem zu entreißen, sie durch christliche Erziehung zu Werkzeugen des geistlichen und leiblichen Wohls ihrer Landsleute, zu einstigen Lehrern und Lehrerinnen, zu Aerzten und Hebammen, .zu Kate-> dieselben ernähren, erziehen?" — „Werden Kinder krank, schrieb chisten und Priestern, selbst zu Missionären, immer-also zu einer segenrcichcn Bestimmung, erziehen zu lassen. Man suchte, bald nachdem die Kunde von dem schönen Unternehme» weiter sich verbreitet hatte, die Nachrichten über die Gewohnheit der Chinesen, viele neugeborene Kinder absichtlich dem Tode Preis zu geben, in Zweifel zu ziehen, hicmit des Bischofs der Lazarist Patcr Mouly schon vor einigen Jahren aus Peking, so wollen die Eltern durchaus nicht, daß sie im Haus sterben: um sie unkenntlich zu machen, schwärzen sie ihnen das Gesicht, werfen sie auf die Straße und überlassen sie hier ihrem Schicksal. Einige jedoch waren so glücklich, von Christen aufgehoben, getauft und verpflegt zu werden." Bemühen als ein nutzloses, auS falscher Voraussetzung hcrvvrge- Auf den Umstand, daß in den Königreichen China, Siam gangenes darstellen zu können. War es Irrthum, war es Plan? ^ und Cochinchina vaS Geld selten, mit wenigen Mitteln Vieles auS- Rcgte sich hierin jener Geist, der in dem alten Europa, wo es zurichten sey, stützte nun der Hochwürdigstc Bischof den Gedanken, ihm möglich, in jeglicher Gestalt wivcr die Kirche auftritt, mit!auf englisch-chinesischem Boden cin Haus zu bauen und Brüder verbissenem Grimm hinüberblickt über die Meere, wo immer sie^und Schwestern einer religiösen Genossenschaft dahin zu senden, eine neue Stätte ihrcö Wirkens sich ersieht, dem Herrn einen.welche die losgekauften Kinder in Pflege nähmen. Ein solches Weinberg anlegt und der Arbeiter, die dessen Pflege sich angelegen HauS könnte zugleich zum Absteigequartier der GlaubcnSboten Diese»» lassen, viele findet? Nehmen wir das Erstcrc, als das Ver-uien, die darin erzogenen Kinder würden später durch das Land zeihlichc an! Berichte, die deinem Zweifel Raum lassen, können sich verbreiten, und der Einführung des Christenthums mit rcich- denselbcn belehren. Schon der Erste, dem wir einige Nachrichten lichem Erfolge vorarbeiten. So habe einst der große Papst Gre- übcr China verdanken, Marco Polo, meldet uns, daß Kublay/gor noch als Abt von St. Andreas den Ankauf englischer Sklaven der zu dem bereits von seinen Vorfahren eroberten nördlichen und hiedurch die Verbreitung des Christenthums in England beChina auch den südlichen Theil dieses Landes sich unterwarf, ^wcrkstelligt; so habe Carl der Große junge Sachsen in Corbey solche Kinder aufsuchen und erziehen lasse. Der Venctianer vcr- erziehen lassen und durch sie das Land dem Glauben gewonnen: sichert, daß jährlich mehr als zwanzigtauscnd Kinder ausgesetzt. AehnlicheS ließe sich auch jetzt in Bezug auf China bewerkstelligen, würden, aber dnrch die Fürsorge des Chans dem Tode entrissen, Bedenkt man, welche große Summe jeder Chinese kostet, der würde ein Theil von kinderlosen Reichen angenommen, der Nest, in dem chinesischen Kollegium zu Neapel zum Christenthum erzogen träte in die Dienste oder unter die Kriegsheere der Tartaren. ^ und zum GlaubcnSboten gebildet wird, bedenkt man, wie gering Diese Rettung beruhte aber nur auf dem persönlichen Willen des die Zahl der Zöglinge ist, die während eines Jahrzehcnds aus damaligen Herrschers, das Aussetzen der Kinder blieb als cinge-^ jener Anstalt in ihr Vaterland zurückkehren; wie spärlich mithin wurzelte Sitte. Sie bestand vierhundert Jahre später noch in un- die Erfolge ihrer Thcitigk.it sind, da hier wohl mit der vollcstcn geschwächter Gewohnheit. Der holländische Gesandte Johann Bedeutung das Wort kann angewendet werden: die Ernte ist groß, Nicuhof, der in der Mitte des siebcnzehnten Jahrhunderts China .der Arbeiter sind Wenige, bittet den Herrn der Ernte, daß er durchreiste, spricht davon in sincn Nachrichten über dieses Land: ^ Arbeiter sende, so darf man wol'l gestehen, daß einzig an das Ilet Lv/untseliup cier Keerlgnrgeue-Oüt-Inclisellö Lom-, Gelingen di.seS schönen Vorhabens die Hoffnung sich knüpfen dürfte, pggnie orr «len grollten t-irtariseüen ducin, den regen-^die Christianisirung dieses unermeßlichen Reiches mit größerem Er- voordigen Keiner van Lliinn. Er gibt II, 46. mehrere Be- folge zu unternehmen und mit geringerem Aufwand unendlich mehr wcggründe dafür an: worunter auch die Lehre von der Seelen-!zu leisten, als dem chinesischen Collcgium zu Neapel und der Pro- wanderuug. '1'v clever ovrsulce, sagt er, >vort dit omliren- paganda zu Rom möglich. Wenn aber vollends im Verlaufe der gen der Minderen geennins in t'ueimeli^K, maar voor Zeit es geschehen könnte — was sich leicht denken läßt — diese eenen ^eder in l'onvnliuur geduan. ! Anstalten mit jenen, in dem Lande selbst nnternommcncn Bcmrihun- Dcr russische Collcgicnrath Peter Dorcl berichtet in einem gen in eine znsa nmenwirkende Verbindung zu bringen, dann dürfte der neuesten Werke über China i^8ent annevs en Lliino, ?aris auch ü''cr China die Morgenröthe aufgehen und der Tag anbrechen. 1842.): „Viele arme Bewohner von Canton werden durch die j Hiezu stiftete der Bischof seinen Verein, ausschließlich dem Noth gezwungen, ihre Neugcbornen zu verlassen. Häufig fallen genannten Zwecke gewidmet, den Umfang des Werkes dem Segen diese armen Crcaturcn der Gefräßigkeit von Hunden anheim, der göttlichen Vorsehung anheimstellend. Indem vorzüglich Kinder Dürftige erziehen, um hiedurch für ihr eigenes Bestehen zu sorgen, demselben beitrcten sollen, wird hiedurch den Eltern ein leichtes junge Leute zu Schauspielern, zu feilen Dirnen, den beiden ein- Mittel an die Hand gegeben, die Gesinnungen thätiger Liebe und täglichsten Gewerben im Lande. Ich hörte, es sey einst selbst Dankbarkeit gegen den Erlöser in ihnen hervorzurufen, zu nähren, bei den Reichen gewöhnlich gewesen, viclc neugeborene Kinder des Wenn das Kind des Wohlhabenden für das Kind des Armen, weiblichen Geschlechts zu erwürgen, weil eine große Zahl von welches bloß sein Gebet zu steuern vermöge, den monatlichen Sous Töchtern den Eltern zur Schande gereichte. Das war wenigstens beitrage, so übe es ein gutes Werk schon damit, daß es die Uebung in der Provinz Fo-Kien." — Nach englischen Berichten Theilnahme daran jenem möglich mache, und werde so zwischen wurden in der einzige» Stadt Peking jährlich über 3000 Kinder Allen das Band christlicher Einigung enger geknüpft. Da ferner auf den Schindanger geworfen, diejenigen nicht gerechnet, welche dem Verein dieselbe organische Einrichtung, wie demjenigen zu von Pferden zertreten, von Hunden verzehrt, bei der Gebnrt Verbreitung des Glaubens, gegeben werde, könne er zugleich als erwürgt, an Mohamedancr verkauft, oder an Orte geworfen wer- Vorbereitung dienen, um mit dem cinundzwanzigstcn Altcrsjahre den, wo man sie nicht cntdcckcn kann. Der P. Jojet, Gene- diesem bei,utrelen. Denn über dieses hinaus Dürfen nur Diejcnig-n ral-Procurator der Propaganda zu Macao, schrieb seinem Bruder in demselben verharren, welche ihren Beitritt auch zu jenem dar- zu Anfang des Jahres 18ä1: „Viele Kinder werden den Missio- thun könne». Eine weise Bestimmung, d.imit nicht durch das närcn für drei, sechs Franken zum Kauf angeboten, mit dem Bei- Besondere dem Allgemeinen und, was in unserer beweglichen Zeit satz: wenn man dieselben nicht nehme, sehe man sich gezwungen, so leicht, durch das neu Aufkommenve dem länger Bestehenden sie zu tövtcn. Nun wäre das Ankaufen zwar leicht, wie aber ^Eintrag geschehe. Die Beisteuer soll regelmäßig seyn, um auf >etwas Bestimmtes zählen zu dürfen; sie soll gering und für Alle gleich seyn, dem Armen zum Trost, dem Reichern zur Ehre. Ob auch weit aussehend in jeder Beziehung das Unternehmen, alle Hoffnung setze er auf den Beistand göttlicher Gnade. Das Reglement enthält nur die nothwendigsten Bestimmungen. Jedes getaufte Kind kann als Mitglied des Vereins eingeschrieben werden und bis zum cinundzwanzigsten Jahr es bleiben. Neben den regelmäßigen Beiträgen werden auch Subscriptionen und Geschenke angenommen. Kurze tägliche Gebite der Kinder, wo eine Abtheilung des Vereins sich findet, jährlich eine Messe, sind damit verbunden. Für Verwaltung, Leitung und Verwendung sind ein Ccntralrath und Diöcesanräthe aufgestellt. Jener wurde alsbald ernannt und bestand damals auö dem Hochwürdigstcn Herrn Bischof von Nancy, als Präsidenten (nach französischer Sitte wurde in der Person des Herrn Erzbischofs von Paris ein Ehrenpräsident aufgestellt), den Vorstehein der Missionshäuser in Paris, einigen Gencralvicaricii, neun Pfarrern der Hauptstadt und sieben Laien meist aus dem hohen Adel, so wie man denn an der Spitze aller, aus christlicher Liebe hervorgegangenen und für deren Zwecke wirkenden Verbindungen Namen desselben begegnet. Sobald das Unternehmen bekannt geworden war, erklärten zwei Cardinäle, der Nuntius zu Paris, acht Erzbischöfe und fünfundzwanzig Bischöfe, für dessen Förderung wirken zu wollen; andere versprachen das Werk zu empfehlen; Theilnahme ward ihm sofort in Belgien, Irland und England, und alle geistlichen Com- munitäten Frankreichs machten sich zum Mitwirken anheischig. Während dieses Vorhaben bei dem Herrn Bischos von Nancy gereift war, traf der früher erwähnte Pater Grosse anS China ein. Er versicherte, Anstalten zur Bekehrung vo» China könnten jetzt mit der größten Leichtigkeit errichtet werden. Unverzüglich, meinte er, sollte man Schulen eröffnen. Man könnte Kinder für zehcn, zwölf Sous kaufen, solche selbst uncntgeldlich erhalten. In den an die Engländer abgetretenen Theilen sollten die AusgangS- pnnctc begründet werden, und daß jene in dieser Beziehung günstige Gesinnungen hegten, dafür lägen Beweise am Tage. Das Fest der Himmelfahrt Christi, auf der Spitze des Oelberges, im Mai 1844. ( ^on Pater Aleronder, FranciScancr.) Schon ist bereits ein Jahr verflossen, seitdem ich das un« ncnnbare Glück genoß, auf der mittlern Spitze des Oelberges, wo der göttliche Heiland im Angesichts seiner Getreuen auf einer Wolke sich zum Himmel erhob, an der Erinnerungsfcier dieses glorreichen TriumphftstcS Theil zu nehmen; allein die Eindrücke, die das Fest mit allen seinen rührenden Umständen in meiner Seele zurückließ, schweben noch gegenwärtig in so lebendigem Farbenspiel vor mciiun Augen, daß wohl kein Umstand meines Lebens vermögen wird, diese theuren Erinnerungen je ans meinem Gemüthe zu verdrängen. Von der Feier dieses erhabenen Festes zurückgekehrt, hatte ich mich allein unter ein arabisches Gczelt zurückgezogen, und die Festlichkeit mit allen den vorgekommenen bedeutungsvollen Kirchenccremo- nien überdacht. Da fühlte ich mich — ich weiß nicht, soll ich sagen von Dankbarkeit oder Neue, von Vertrauen oder Schmerz, von Freude oder Betrübniß, oder von allen diesen Gefühlen zugleich durchdrungen. Aber wie hätte es wohl auch anders seyn können? Auf dem Platze sich befinden, wo der Sohn Gottes, unser Erlöser, einst mit seinen Aposteln und Jüngern stand und ihnen mit dem Versprechen des heiligen Geistes den Lefchl ertheilte, in der ganzen Welt seinen Namen zu verkundigen: wo Er, seine heiligen Hände erhebend, die glückliche Schciar segnete, und endlich, umgeben von Engeln und Heiligen, nr feierlichem Triumphzuge auf einer Wolke hinanzog zum Himmel, um „mit ausgebreiteten Armen", wie einst Moses, sein Vorbild, dem himmlischen Vater die untenstehenden Getreuen und Jünger zu zeigen; auf dem Platze sich befinden, wo die Apostel rmd Jünger einst standen , und mit unverrücktem Blicke gen Himmel schauend vor seliger Wonne, vor heißestem Verlangen nach dem Wohnort ihres göttlichen Meisters vergaßen, daß sie noch unten stehen auf der Erde, bis die Engel auf Wolken hcrabschwcbtcn, um sie aus ihrer Entzückung zu rufen mit den Worten: „Was steht ihr da und schauet gen Himmel?" — als hätten sie ihnen sagen wollen, daß es nicht genug sey, sich nach dem Himmel zu sehnen, daß man denselben auch verdienen müsse, daß Kampf und Leiden, Kreuz und Dornen, Liebe nnd abermals thätige Nächstenliebe die Stufen seyen, auf denen man zum Himmel emporsteige, daß der Himmel das Vaterland der unschuldig Verfolgten, der Verachteten, der ungerecht Gemißhandelten sey: — auf einem solchen Platze sich wissen, und mitwirken mit der Erinnerungsfcier dieses so lehrreichen, herzergreifenden Festes — o! wessen Seele würde da wohl nicht von den nämlichen Gefühlen und Gedanken durchdrungen worden seyn, die mein Inneres beschäftigten! Danken, beten, frohlocken und trauern, bereuen und bitten, verzeihen und vornehmen, bedauern und hoffen. Dieß und AchnlichcS war es, was in meinem tiefbewegten Herzen von einem Augenblick zum andern wechselte. Die Feier dcö Festes aber ging auf folgende Weise vor sich: Nachdem schon am Vorabend dcö FrstcS zwei Kamccle mit den nothwendigen Gcräthschaftcn beladcn auf die Anhöhe des Oelbcr- gcS geführt worden waren, wo dann auf der Ebene dieser Bergspitze nach arabischer Sitte Gezclte unter freiem Himmel aufgeschlagen wnrdcn, wandelte auch die religiöse Familie — dcrCustos des heiligen Landes in ihrer Mitte — den Weg hinan, den vor mehr als achtzchnhundcrt Jahren der göttliche Lehrmeister im Kreise seiner Trauten gewandelt hatte. Nur vier Religiösen waren zurückgeblieben, nm die nie zu unterbrechende Wache am heiligen Grabe zu halten. Alle übrigen sah man um Ein Uhr nach Mittag in geregeltem Zuge durch das östliche Stadtthor hinausziehen, dann hinab gegen das schweigsame Thal Josaphat und über die Zedronö- brllcke, links an dem Grabe Maria und an der heiligen Blutschweißgrotte, rechts an Gctjcmani und dem Oelgartcn vorüber; endlich über den st ilcn Berg zwischen freundlich lachenden Blümchen, mit denen der sonst wenig bebaute Berg um diese Zeit recht eigentlich besäet ist, hinaufsteigen, bis sie nach einer mühsamen halben Stunde die mittlere Spitze des Oelberges erreichten. Indessen kamen die Religiösen und Missionäre aus Bethlehem von d^r südlichen Seite heraus und vereinten sich mit den Brüdern aus der heiligen Stadt. Vor und nach, neben und um diesen Zug zeigten sich Gruppen von Männern in buntgefärbten Kleidern, und die Waffen um ihre Lenden; dann unter Kindern verschiedenen Alters gemischt arabische Frauen, die in ihre langen weißen Schleier vom Scheitel bis unter den Knöcheln g> hüllt langsamen Schrittes hinanzogen, und wirklich den Anschein boten, als waren viele der Hingeschiedenen aus den unten im Thalc liegenden Gräbern hervorgcstiegen, um sich mit Lebenden an der Feier dieses glorreichen Geheimnisses zu erfreuen. Auch Mönche verschiedener (nicht katholischer) Religion bemerkte ich unter der hinanklimmendcn Menge — ein Anblick, der mich mit Mitleid und Betrübniß erfüllte über ihre Verirrung, und zugleich den heißesten Wunsch in meinem Innern regte, daß doch der Herr der Verblendeten sich erbarmen, ihnen die Geistcsaugcn öffnen und sie zur Einheit des wahren, seligmachenden Glaubens führen möchte. Zu dieser Anhöhe gelangt, ruhten wir zwischen den Ruinen der ehemaligen Himmelsahrtskirche aus, wovon jetzt noch ein Theil der Mauern nebst einigen Postamenten der zertrümmerten Säulen besteht. In Mitte dieser Ruinen hatte sich noch eine kleine runde Cap-lle erhalten, in der die Fnßstapfen zu sehen sind, die der Heiland bei seiner Himmelfahrt zurückgelassen haben soll. Allein auch diese Capelle ist nun zu einer türkischen Moschee umgewandelt, und nur einmal des Jahres erhalten die FranciScaner Jerusalems um einen Tribut die Erlaubniß, darin die heiligen Functioncn zu halten. Es ist dieß eben am Feste der Himmelfahrt Jesu Christi. Nur der Wein zur heiligen Messe muß heimlich mitgenommen werden: denn weh! wenn die Türken daraufkämen. Diese Profanirung, wie sie meinen, ihrer Molchcc durch Wein >— sie dürften sie nicht dulden, und mit blutigen Köpfen und bedeutenden Geldsummen müßten selbe die Katholiken, wie schon öfter, bezahlen und aussühnen. - In dieser Moschee nun wurden zwei Altäre errichtet, und um drei Uhr vor denselben Vesper und Comvlet mit möglichster Feierlichkeit gesungen. Dann erhob sich die ganze Versammlung, und zog proccssions- weisc zwischen Wolken geweihten Weihrauchs und unter festlichem Gesänge der Allerheiligen-Litanei hinaus, und im Kreise um dieses ehemalige Hciligthum der Katholiken. Dreimal ging der Zug um dasselbe. Da war es, als zögen die Israelitin um die Mauern Jericho'S (vcssen Trümmer nicht gar ferne von hier sind), um zu flehen, daß die unhci« ligcn Mauern zusammenstürzen möchten; diese Mauern, welche dem Muselmanne zur Verrichtung seiner gedankenlosen Ceremonien in einem Orre dienen, der dem wahren Gottesverchrcr, dem Katholiken, so heilig ist, und zu dem er allein sein volles Recht ansprechen könnte. Diese erwiesene, aber nicht anerkannte Wahrheit leuchtete am heutigen Tage aus den glänzenden Wirkungen der heiligen Fcstceremonien siegreich hervor. Das Gebet der Allerheiligen-Litanei hier aus dem Munde so vieler katholischer Priester und Laien gesungen, hatte eine eigene, höhere Kraft, die in der That in die Herzen drang; und es konnte dem ruhigen Beobachter nicht entgehen, welch'einen eigenen Zauber die katholischen Ceremonien und der volltönende kräftige Choralgesang selbst auf die Herzen der Türken sowohl, als auf die der Schismatiker ausübten. Die Verse: Hl inimicos sunet.'ie Lcclesi.io liiimiliai o d n erhebest. auch sie, die in der Finsterniß und im Schatten des Todes sitzen, sehe« möchten, um einmal auch teilnehmen zu können an den Früchten Deiner Auferstehung und Himmelfahrt! Aber mit nicht minderer Rührung flehte ich zugleich, daß Gott die geistige „Scheidewand der Sünden' (Js. 39.) zerbrechen möge, damit das Gebet seiner Diener wie Weihrauch wohlgefällig vor Sein Angesicht hinaufsteige. Tief bewegt von dieser heiligen Feier reinigten darauf Religiösen und Laien, Pilger und Einheimische ihre Herzen durch die heilige Beicht, und es rührte in der That bis zu Thränen, auf verschiedenen Ecken dieses zur Buße und Frömmigkeit mahnenden Ortes demüthige Christen zu den Füßen der Stellvertreter Gottes knien zu sehen, um durch ein reuevolles Bekenntniß sich jenen Herzensfriedcn zu verschaffen, .den die Welt nicht geben kann." Kalt und freudenleer kauerten indessen mit übergeschlagenen Beinen Türken und Ketzer umher, und es schien, als wollten sie an den Wolken der brennenden Tabackspscifen ihr Inneres wärmen und trösten. Ein Cigorisalat, ein Stück Brod und ein Glas Wein machte das Abendmahl aus, und min legte sich zur Ruhe, die, obgleich nur auf hartem Boden unter einem Gezelte, doch Niemand beschwerlich fiel, weil sie durch den Gedanken versüßet wurde, daß hier „Seine (Jesu) Füße gestanden." (Ps. 131, 7.) Um Mitternacht stand man zur heiligen Mette auf, welche durchgängig gesungen wurde. Indessen brach die Morgendämmerung hervor, und die Priester begannen die heiligen Messen, deren wohl 10 oder 12 celebrirt wurden. Auch ich hatte das unaussprechliche Glück, das heilige Meßopfer auf diesem gehcimnißvollen Platze darzubringen. Gegen acht Uhr endlich wurde ein feierliches Hochamt vom Reverendissimus des heiligen Landes gehalten, und am Schlüsse abermals die Allerheiligen-Litanei angestimmt, und von Priestern und Volk nach der kirchlichen Weise beantwortet. Jetzt erst, nachdem die Majestät unseres Gottcodienstes vollendet war, jetzt erst wagten die verschiedenen Secten, die bisher scheu und wie verwirrt umhergesianden waren, mit derUnbedeutenhcit ihrer Ceremonien hervorzutreten, wobei die Anzahl der Zuschauer wohl größer seyn dürfte, als die der Andächtigen. Sie haben ihre Altäre in einem Halbkreise an den Ucberrcsten der zertrümmerten Himmelfahrtckirche hinter der ehemals den Katholiken gehörige» runden Capelle so aufgestellt, daß diese Capelle mit ihren zwei Altären gleichsam wie im Centrum stehet, etwa wie eine Fürstin dem untergeordneten Volke, das sie umkreiset, voransteht, oder wie Nachtvögel sich im Halbkreise zurückziehen vor dem Adler, der majestätisch und chrfurchtgebietcnd vor ihnen sich aufschwingt. Zuerst begannen links (bei den Orientalen die vornehmere Seite) die Armenier ihren Gottesdienst, der allein an Würde und Bedeutung dem unseren nahe kommt; dann rechts die Griechen, mit erdrückendem Pomp und Reichthum, kalt, ohne Ernst und Würde. Nach und mit ihnen die kupferbraune Kopten, und die lichtscheuen Svriancr, von deren Religion, Charakter u. s.w. ich, so Gott «M, später etwas Näheres mittheilen wc de. — Gegen eilf Uhr endlich verlor sich die Menge über den Berg hinab, und in die Stadt hinein; — gewiß vielfach von den Gedanken und Vorsätzen begleitet, mit denen das Herz der AposKl erfüllt war, als sie diesen heiligen Platz verließen, um nach Mahnung der heiligen Engel durch jene gottgefällige Liebe zu Christus, welche die thätige Nächstenliebe nicht ausschließt, sich des Himmels würdig zu machen zu dem der gute Hirt eben hinaufgestiegen war, um im Hause seines himmlischen Vaters Wohnungen zu bereiten für die, welche seine Lehre beobachten. Diese zu halten, und nach Jenen zu seufzen, war auch der Entschluß, der meine Seele beschäftigte, als ich einer der Letzten der Berg hinabstieg und in'S Kloster uirückkebrte. (Kalb. Bl. miSTirol.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber; F. E. Bremer. Äki >>udlä ^ ^I,,"»^'« cllüä >.iStt ichi'-i-Z -lu ? » » ^^»S- ' D-ii., der «, AugSvurger Pystzeitung. Erste Jahreshälfte. M SÄ. K Juni 1845. ^_-^----^^^ * Vor einem Marienbild. Mein Aug', o Jungfrau, gleitet Nicht ab von Deinem Bild, Das sich im Schauen weitet Zum herrlichsten Gefild. Da wogt vor meinen Blicken Grün Saalland, grünes Meer, Und Berg' und Thal, und Brücken Ob wilden Strömen her. Darüber blinkt und blauet Dein reiches Sterngewand; Aus seinem Schimmer thauet Dein Segen auf das Land. Du bist es, die am Morgen Mit Sonnenpracht ersteht, Und lauschet, wo verborgen Aufduftet ein Gebet. Da gehest Du verkleidet, Jungfräuliche Gestalt, Und wo die Menschheit leidet, Da hilfst Du mannichsalt. Du stehst in armer Kammer Und gibst den Kindern Brod, Indeß der Mutter Janiirer Im Kirchlein klagt die Noth. Dann sicht imin Aug', wie sinnig Die Herzen Du beschirmst, Und Mauern, tausendzinnig, Zum Schutz der Unschuld thürmst; Siebt, wie Du Frevler schreckest Durch reiner Wangcn Glühn, Wie Schwachheit, die Du deckest, Zur Riesin wird und kühn! Sicht, wie Du licht auf Meeren Umwandelst in dcr Nacht, Nachhilfe zu bcscheeren Gen Sturm und Wellenmacht; Sicht, wie die Schlachtstandartcn Des Guten siegreich weh'n, Wenn die darum-Geschaarten Um Deine Hilfe fleh'n! O Königin, nicht endet Dcr Wunder Prachtgefilv; DaS Auge, unverwendet, Erschaut es in Deinem Bild'! — So breitet sich mein Leben Vor meinen innern Sinn, Und durch das Ganze wcbcn Sich Deine Wundcr hin. Des Schwachen, dcr erlegen, Gedachtest Du beim Herrn, Und warst nun allerwegen Mir Licht und Rettungöslern. Du hast mich «»fgcrichlct, War ich zum Fall verirrt, Du hast das Netz geschlichtet, In daS ich mich verwirrt. Auf wundersamen Steigen Führst Tu mich himmelwärts! So nimm es denn zu eigen Dieß gnadbcthaute Herz; Mit Blüthcnhuldigungen Umdust' es Deine Brust: Du hast es abgerungen Der Welt und ihrer Lust! — OV auch die Hände sanken. Ob auch die Lippe schweigt Dieß innerliche Danken Du hörest es geneigt. Keine Perle rollet nieder Am Paternoster - Ring, Doch manche hin und wieder, Die an der Wimper hing. ^ H 5 Carl Thuina. Leihbibliotheken. (Nathanacl.) Im Mittclaltcr, wenn irgendwo eine ansteckende Krankheit cmsbrach und Tausende wegraffte, erhob sich wohl oft das Geschrei: die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Natürlich wurde dadurch die grimmige Wuth des unwissenden Pöbels gegen diese armen Leute erregt; sie wurden verfolgt, vertrieben und schmählich mißhandelt. Allerdings war dieses sehr abscheulich und muß jeden wahrhaften Menschenfreund tief betrüben. Doch in unserer aufgeklärten und nach Fortschritt jagenden Zeit ist es ganz anders geworden. Wir haben jetzt wirklich vergiftete Brunnen, die zwar kein materielles Wasser enthalten und den leiblichen Durst nicht stillen können, die aber desto mehr die Dürre des Geistes laben und erquicken sollen. Und, o du Verkehrtheit! anstatt solche Giftbchältcr unter Schloß und Nicgcl zu legen und Jeden davon fern zu halte», wird ungestraft Jcdermänniglich mit süßen und einschmeichelnden Worten eingeladen, daß er doch schöpfen möge von dem Wasser, welches alle Schlacken der GcistcSfinsterniß wegschwemmen und den rechten Werth und Genuß des Lebens lehren soll. Die Wasserträger, welche immersort emsig und fleißig neuen Vorrath den Lüsternen zuführen, werden reichlich mit Lob und Geld bezahlt, und gerade dann ist ihr Lohn am größten, wenn sie recht schlammiges und faules Wasser herbeischaffen. Die lüsternen, welche wir hier meinen, sind unsere gewöhnlichen Leihbibliotheken, uud das faule, vergiftende Wasser, das sie enthalten, sind die verderblichen Bücher, welche in denselben zum Gebrauche aller Welt aufgestellt sind, welche aber, wenn man nach ihrem wahren Werthe mit ihnen verfahren wollte, in das F>uer gcwor-! fen oder unter die Stampfe des Papierfabricanten gebracht werden ^ müßten. Denn sehen wir uns dort einmal etwas näher um, was finden wir zumeist? Zuerst eine ganze Reihe von herzbrechenden und schaudererregenden Räuber- und Mordgeschichten, die ihren Helden mit seineu Lastern und Verbrechen nicht als nncn Gegenstand der Verachtung und deö AbschcueS darstellen, sondern für denselben, wenn nicht gar Bewunderung, doch wenigstens Mitleiden bei den Lesern erregen wollen. Sein lasterhaftes Leben soll ost nur die Folge eines ihn unerbittlich verfolgenden, unabwcnd- baren Schicksals seyn und nicht aus seiner sittlichen Verkommenheit entspringen. — Neben diesen finden wir die zahl- und maßlosen LicbcSgcschichtcn. Welche Liibe wird hierin geschildert? Etwa die reine, christliche Liebe, welche die einzig feste und wahre Grundlage einer glücklichen Ehe ist? Nimmermehr! Das wäre zu prosaisch und alltäglich, uud würde wenig Effect machen und wenig Anklang finden. Es spielt in diesen Schriften jene sinnliche, lcircnschaftlichc, lüsterne Liebe ihre Rolle, welche die größten und gröbsten Ausschweifungen zur Folge hat und eheliches uud Familien- Glück zertrümmert, den Frieden uud die Ruhe so vieler Herzen raubt. Die Liebe wird darin dargestellt nicht als auf wahrem Werth der geliebten Personen beruhend, nein! sie entsteht ganz anders, ganz abgesehen von dem; bald sind es blaue, bald schmachtende, bald feurige Augen, bald blonde, bald schwarze Haare, bald blühende, bald bleiche Wangen, welche den Helden des Stückes fesseln, entzücken und bezaubern, wodurch denn gleich ein Liebesverhältniß angeknüpft wird. Dabei darf es nun an Hindernissen, die zu überwinden, an Intriguen, die anzuspinnen sind, nicht fehlen; das Ganze endet mit einer Heirath, oder mit einer heroischen Entsagung und mit einem in dürren Worten gerechtfertigten Selbstmorde. In das Ganze wird gewöhnlich so viel Wonniges, Seliges, Gemüthliches, Ueberschwänglicheö, Mildig- lichcs, Thränenthauiges, Mondschimmerigcs, Blumcnäugigcs, Wun- dcrliebliches und Herzergreifendes eingeflochten, daß Verführung und Ehebruch cutschuldigt erscheinen. Zuweilen werden auch christliche Ideen eingemengt und kirchliche Anordnungen und Institute besprochen, aber durchgchcndS nur in der Absicht, sie mit Spott und Hohn zu begeifern und zu besudeln. Auch nur eiu flüchtiger Blick in die Schriften von Balzac, George Sand, Victor Hugo, Heine und dem geistreich seyn sollenden Eugene Sue u. s w. beweiset hinlänglich, daß wir die Farben nicht zu stark aufgetragen haben. Doch setzen wir unsere Musterung fort! Seht da, in einer dunkeln und dem wachsamen Auge der Polizei verborgenen Ecke finden wir einen nagelneuen Bücherstapel, der einstweilen zwar noch klein, aber doch für künftigen Zuwachs passend eingerichtet ist. Hier hat man vorsichtig die ganze Familie deö jungen Deutschlands und der frischen Hcgelinge versammelt; hier wird jedem Liebhaber die ganze Masse des commnnistischcn, frcihcit- schwindelndcn, Gott unv die Unsterblichkeit läugnendcn Unsinnes von Prutz, Hcrwegh, Beck u. s. w. zur gefällige» Abnahme dargeboten, und dabei wird großprcchlerisch in alle Welt hincingcru- fen: Durch diese Schriften muß dem Zcitgeiste eine neue Bahn gebrochen und allseitiger Fortschritt befördert werden! Dieser Fortschritt ist aber eigentlich, bei Lichte besehen, nichts Anderes, als Rückschritt zum Heideiithume und Emancipation des Fleisches. — Hiermit ist ein kleiner Theil der Schätze angegeben, in deren Besitze eine Leihbibliothek, die sich in unserer Zeit rcutiren soll, seyn muß. Wenn man nun bedenkt, daß Jeder sür einige Pfennige mit diesen sauberen Gütern sich bereichern kann, so muß die Entrüstung und der Unwille über diesen Unfug bis auf den höchsten Grad gesteigert werden. Jung und Alt, Jungfrauen und Jünglinge, Herrschaften und Dienstboten bringen schaarcnwcise mit Freuden das kleine Opfer dar, wofür sie sich Tage lang einen so köstlichen und großartigen Genuß nach ihrer Mcinung verschaffen können. Jede freie Zeit, ja, sogar manche halbe Nacht, wird ohne Beschwerde dazu verwandt, um die immer stärker werdende Lcsesucht mit solchen schlechten Büchern befriedigen zu können. Das so in die Herzen ausgestreute Uulraut sproßt bald zur bösen Saat auf und bringt die verderblichste Frucht. Unzufriedenheit mit seinen Verhältnissen, krankhafte Empfindclei und gefährliche Liebeleien sind die gewöhnlichen Folgen einer maßlosen Noman- lescrei. Immer in clysäischcn Auen, Wäldern uud Thälern schwebend, Wo sanfte Zephyre mit einander kosen und göttergleiche Gestalten auf- und nicdcrsteigen, kann man sich unmöglich mehr zurecht finden in der rauhen, kalten Wirklichkeit des täglichen Lebens. Besonders werden jüngere Leute durch das zu viele Lesen zu einer Ueberschwänglichkeit des Gefühles gebracht, wodurch sie zu allen Beschäftigungen, welche Ernst und Ausdauer erfordern, untauglich sind. Sie suchen oft unwillkürlich das, was sie gelesen haben, nachzumachen im Leben. Aehnlich den Helden und Heldinnen irgend eines Romanes, der ihnen gerade in die Hand gekommen ist, knüpfen sie an und setzen sie fort ihre auf Acußcrlichkeit beruhenden Bekanntschaften. So weiß sowohl die feinste Weltdame als auch das geringste Dienstmädchen ganz vortrefflich einen Roman zu spielen. Die sittlichen Grundsätze, die christliche Gesinnung und die Festigkeit des Charakters verschwinden allmälich. Und das Ende von All, in ist körperliche und geistige Erschlaffung, Verführung, eine unglückliche Ehe, Zerrissenheit und Zwietracht in den Familien. Dieß genüge. Bei dem Anblicke so vieler schlimmen Wirkungen der gewöhnlichen Leihbibliotheken ist man stark versucht, ein dreimaliges Wehe über solche Giftverbreitungs-Anstalten auszurufen. Doch damit wäre wenig oder gar nichts geholfen. Man muß vielmehr auf Mittel und Wege sinnen, wie diesem Uebel am besten und kräftigsten entgegen zu arbeiten sey. Ein gänzliches Verbot solcher Institute würde nichts fruchten; der industrielle und speculative Geist unserer Buchhändler würde bald geheime Winkelbibliotheken errichten, und gerade dieser Umstand wäre gar zu reizend für das lesende Publicum; wir haben ja Achnliches erlebt mit den polizeilich verbotenen Büchern. Es gibt hier keinen andern Ausweg, als die Errichtung neuer Bibliotheken, welche nur gute, nützliche, christliche Bücher enthalten. Dieses ist auch in der neuesten Zeit dringend von den höchsten Behörden Den Gemeindevorstehern und Geistlichen anempfohlen worden. Auf dem Lande wären am besten Gcmcindebibliothekcu und in den größeren Städten Pfarrbiblivthe- ken einzurichten. Als s.hr praktisch hat sich bewährt auf dem Lande die Verbindung der Missions-Vereine mit den Gemeinde- Bibliotheken. Denn mit den Jahrbüchern der Missivnsgesellschaft ist schon der Anfang zu einer Büchcrsammlung gemacht; dadurch bekommen die Landleute überhaupt Freude am Lesen; sie wollen sich auch nun mit anderen Büchern bekannt machen. Und dieses ist Grund genug, ihnen die für ihre Verhältnisse und ihre Bildungsstufe passenden nützlichen Schriften in die Hanv zu geben. In den Städten wird die Sache viel schwieriger durch die große Verschiedenheit des lesenden Pnblicums, sowohl in Hinsicht auf Bildung, als auch auf äußere LebcnSverhältnissc. Hier sey man gar nicht zu ängstlich bei der Auswahl der Bücher; d. h., um Mißverständnis; zu vermeiden: im Ansänge sey Grundsatz, recht viele angenehm und anziehend unterhaltende Bücher anzuschaffen. Und auf diese Weise bereite man die Leser vor auf ernste, wahrhaft christliche und nützliche Lcctürc. Um mit den vorhandenen schlechte» Leihbibliotheken concurriren zu können, muß der zu zahlende Beitrag möglichst niedrig gestellt werden. Sehr wünschenswert!) wäre es, wenn den UnbcmiticUen nach Umständen umsonst die Bücher geliehen werden könnten. Die Leitung und Beaufsichtigung des Ganzen kann am besten die Pfarrgeistlichkcit besorgen; sie weiß am sichersten Jedem das für ihn passende Buch auszuwählen, und sie wird auch gern sich dieser Mühe unterziehen. Hätten wir doch einmal überall derartige Gemeinde- und Pfarr- Vibliothcken, welch ein reicher Segen würde sich von hieraus verbreiten! Nicht nur würde der Einfluß unserer jetzigen Leihbibliotheken mehr und mehr unschädlich gemacht, sondern sie würden gar nicht mehr bestehen können, jeder ordentliche Mann würde sich schämen und es unter seiner Würde halten, dieselben noch ferner zu benutzen, und wahre Aufüäruug und rechter Fortschritt im christlichen Sinne würde aller Orten immer mehr verbreitet werden. Und zu diesem Zwecke darf kein Opfer uns zu groß seyn. - Die Jndenemancipativn in der Nheinprovinz. (Kalhvlik.) ' Der rheinische Landtag zu Koblenz hat sich für die Juden- Emancipation ausgesprochen. Es ist über diesen Gegenstand, sowohl dort als anderswo, schon so Vieles und so Vielerlei gesprochen, daß man schwerlich etwas hinzusetzen kann, was nicht irgendwo wenigstens schon angedeutet wäre. Es geschieht aber oft, daß durch die Menge der vorgebrachten Gründe der einzelne Grund seine volle Kraft und Bedeutung verliert, und der Gegner dann aus der Gesammtheit nur dasjenige hervorhebt und bekämpft, was er eben mit Fug und Grund angreifen kann; und dann weiß Jeder, was für Wendungen es gibt, um mit Einzelheiten, wenn es auch nur Nebendinge sind, sogleich das Ganze zu verdächtigen. Darum wollen wir, absehend von einer ausführlichen Erörterung der betreffenden Landtags-Verhandlungen, hier nur einen einzigen Punct herausnehmen, der, wie uns dünkt, gewiß eine größere Berücksichtigung gefunden haben würde, wenn ein Landtagemitglicd ihn ganz isolirt, wie sein Einziges und sein Alles, aufgestellt und immer aufs Neue vorgerückt hätte, etwa in der Catonischen Weise: k5zo autvm eensvo. Es ist aber der Inhalt dieses Lc.'N8v» nichts anderes, als: „Ich meine, das Volk will die Judcu- Emancipation nicht!" Der rheinische Landtag hat bei verschiedenen Gelegenheiten mit den freimüthigsten Ausdrücken und mit begeisterter Gewißheit seine Stellung als eine Vertretung des Volkes, seine Stimme als die Stimmung des Volkes, sein Amt als Beauftragung von Seiten des Voltes bezeichnet, und darauf sein Verhältniß zur Regierung und seine Würdigung begründet wissen wollen. Es ist auch gewiß, daß er, sowohl jetzt als früher, in vielen, ja in den meisten Schritten jene Sendung des Volkes erfüllt, wie ihm andererseits dafür das Volt die begeistertste Anerkennung gezollt hat. Aber in Betreff der Judcncmancipation sage ich, und werde immer sagen: sie ist nicht der Wille, nicht der Wunsch des Volkes. Das mit Worten zu beweisen, ist ungenügend und übe, flüssig. Mir dünkt auch, jeder Mensch, ja der Jude selbst, weiß es, was das Volk über den Juden denkt, wie es über ihn spricht, wie es mit ihm verkehrt. Aber es sind doch so viele Petitionen eingelaufen, welche die Judcncmancipation dnn Landtage an'S Herz legten! Für'S Erste Kommen dergleichen Petitionen zunächst aus größeren Städten; m ! diesen aber ist, wie Jeder weiß, Handel und baares Geld der 'HauptlcbcnSncro; und damit kann der Jude dienen, und sich be- i deutend ja unentbehrlich machen, und sich Stimmen sammeln. Die reichsten Häuser iu größeren Städten sind vielfach Juden; sie /treten mit den christlichen Matadors in ein Elikettenveihältniß, ^ geben wechselseitig Thee'S und Actien, und stehen in den familiärsten Beziehungen zu den Landtagsmitgliedern, welche die Stadt entsendet. Ferner verliebn in größeren Städten die Juden all- mälig von selbst, wenigstens scheinbar, ihr Jüdisches; die vielen öffentlichen, für Jedermann freistehenden Zusammenkünfte gleichen aus, zumal, da darin von religiös Sittlichem wenig die Rede ist, und ein religiöser JndiffcrentismuS unter dem Namen Toleranz zum guien Tone gehört. Endlich aber weiß man auch, wie es gewöhnlich mit den Petitionen hergeht; sie werden veranlaßt durch gewisse Hauptsprccher, die bei jeder Gelegenheit etwas gelten wollen, und doch meist gerade am wenigsten gelten sollten, sicherlich nicht fähig und befugt sind, den Kern des Volkes zu repräscntiren. Ich bin fest überzeugt, daß in den meisten Städten, die um Judenemancipativn petilivuirt haben, der große Mittelstand, das ist: einerseits der wahre Kern des Volkes und andererseits derjenige Stand, der am meisten von den Juden zu leiden >hat, das gerade Gegentheil, vielleicht wohl geradezu Schutz gegen die Juden petilioniren würde, wenn man ihn darnach fragte. In Köln gibt cS die Hülle und Fülle von Jndiffcrenti- sten, und gleichfalls die Fülle von Abend-Sprechern und allge- meinen Humanitätsgcistern, ja solche, die vor lauter Humanität nach inhumanen — weil unerhörten — Namen für ihre neugeborenen Kinder suchen; wer euch aber sagt, in Köln sey die allgemeine Stimmung für Judenemancipation, dem saget geradezu, er kenne Köln nicht, oder er lüge. Handwerker und redlich strebende Kaufleute des Mittelstandes rufen einstimmig: „Schützet uns vor den Juden!" Wenn nun auch wir mit einstimmen in diesen Ruf, so wollen wir doch damit durchaus nicht einen Judenverfolger abgeben, verlangen nicht, das; irgend ein positiver Druck auf ihnen laste, oder gar neue Lasten auf sie gelegt werden, sondern meinen es im Grunde gewiß redlicher mit ihnen, als diejenigen, welche ihnen die sogenannte Emancipation aufbürden wollen. Ein ächter Jude wird dieselbe gar nicht einmal wünschen können; er muß sich dem Juden in Rußland näher fühlen, als dem christlichen Deutschen, wenn er nicht seine heiligste religiöse Hoffnung wegwerfen will; und er kann in Wahrheit nicht die gesammten christlichen Rechte annehmen, wenn er nicht zugleich die gesammten christlich-bürgerlichen Pflichten übernehmen will; und das darf er nicht, da seine religiöse» Pflichten (man nehme nur die Feier des Sabbats und anderer Feste) damit nicht in Einklang stehen Frankreich. In Frankreich halten sowohl die Calviner als die augsburgische Konfession jährlich ihre Conferenzcn. Sie sollten dienen zur Erhaltung und Belebung der Religion, zur Verbesserung der Disciplin. Auf der dicßjährigen Konferenz zu Paris wurde beantragt, eine N-ationalsynode zu bilden, von ihr das Heil zu erwarten. Gegen diesen Antrag sprachen aber gerade die zwei einflußreichsten Geistlichen des Pariser Consistoriums, Monod und Cuvier, und zwar in einer Weise, daß die Auflösung und Zerrüttung des Protestantismus offen eingestanden wird. Hr. Cuvier sprach seine Meinung dahin aus, Synodalversammlungen wären unter den gegenwärtigen Verhältnissen unwirksam, ja unmöglich, nicht als würde er die Nothwendigkeit der Einheit und der kirchlichen Gewalt nicht anerkennen, sondern deßhalb, weil bei dem in der reformirten Kirche herrschenden Geist nicht zu hoffen sey, daß Synoden diesem Bedürfniß Abhilfe leisten könnten. „Dieser Geist hat sich mit dem, was Gesetz der Kirche ist, in einen geraden Gegensatz gestellt; ein solches Kirchcngcsctz ist das kirchliche Glaubensbckcnntniß und die Kirchcndisciplin. Die Synoden hätten also die Aufgabe, für Aufrechthaltung, Anwendung und Vollziehung dieses Gesetzes zu wachen. Was würden sie aber in der Wirklichkeit leisten? Es ist vorzusehen, daß sie selbst das Beispiel des Ungehorsams gäben, und mit dem eigenen Gesetz in Widerstreit gcricthcn. Gesetzt aber auch, daß sie dieß nicht thäten, daß sie vielmehr an dem Symbolum und an der Disciplin festhielten, was ist von einer Kirche zu erwarten, in der sich jeder berechtigt glaubt, zu thun was ihm gefällt, in der man Worte hört, wie sie in dieser Versammlung selbst sind ausgesprochen worden: „„Wenn die Synode etwas verordnete, was meiner Ueberzeugung entgegen wäre, so würde ich ihr nicht gehorchen;"" in welcher die Grundsätze der Ordnung, der Einheit und Subordination gänzlich abhanden gekommen sind. Wir haben beim Eintritt in den Dienst der Kirche unsere Freiheit an die Kirche abgetreten, wir sind Organe unserer Kirche und sollen nicht nach unserm Gutsindcn sprechen und handeln, sondern nach dem, was die Kirche als wahr bekennt, was wir bei Uebernahme unseres Berufes selbst als wahr anerkannt haben. Die Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen. Kirche soll sich nicht nach uns, sondern wir uns nach der Kirche richten." — Cuvier findet unter den obwaltenden Verhältnissen die Synoden unzureichend, sie würden ein klägliches Schauspiel darbieten. Die reformirten Kirchen bedürften eine bleibende Autorität zur Ucbcrwachung der Pastoren und Consistoricn, zur Erhaltung der Einheit in der Lehre, Disciplin und Administration — das einzige Mittel zur Beseitigung der Uebel, an denen die refor- mirte Kirche jetzt leidet und die Jedem in die Augen springen. Diese Sprache lautet so ziemlich katholisch; eine solche Kirche oder Kirchengewalt, wie sie Cuvier, der tief in die Gebrechen der reformirten Kirche blickt, als nothwendig erkennt, müßte eben jene Attribute haben, welche die katholische Kirchengewalt hat. Deutschland. In dem mehrfach erwähnten Proteste jener Scctirer in Berlin, welchen das Leipziger Glaubcnsbekcnntniß doch zu glaubensleer geworden ist, heißt es unter anderm: Wir Protestiren gegen das von den hiesigen Scparirten angenommene Leipziger Concil-Symbol. Wir würden mit dem ersten Artikel dieses Glaubensbekenntnisses einverstanden seyn, wenn wir im zweiten „den Sohn" fänden, ohne welchen man nimmer in Wahrheit den Vater hab- n kann (Ev. Joh. 5,23. 14. 6. 1 Joh. 2,23), so aber weiß der zweite Artikel von Jesu Christo nichts weiter zu bekennen, als daß er — leer und dürr gesagt— „unser Heiland" sey. Es ist damit freilich ein großer Hut gegeben, unter den auch die verschiedenartigsten Köpfe gesammelt werden können; was aber nützt die äußerliche Sammlung einer Vclheit von Köpfen, wo keine Einheit der Herzen ist in Einem Glauben, Einer Liebe, Einer Hoffnung? Konnte man in den Artikel von Gott Vater näher Bestimmendes einfügen, bei dem Artikel von Jesu Christo mußte man es, mußte es schon deßhalb, weil gerade hier die scharfe G>-änzschcide steht, wo Christenthum, Juden- thum und Hcidenthum, wo Glaube und Unglaube aus einander gehen. Ein Stillschweigen an dieser Stelle in einem christl. Glaubensbekenntniß ist, gclind gesagt, eine Schwäche, die einer sich neu bildenden christl. Kirche zu ewiger Schmach gereichen muß. Wir müssen diese Schmach von uns tilgen! Was soll die übrige Christenheit von uns halten, wenn wir im Bekennen dessen, nach dem wir uns „Christen" nennen, so sparsam, so wortkarg sind? Wovon das Herz voll ist, muß der Mund übergehen. Wir sind Familienväter; wer sichert unsern Kindern die heilsame Unterweisung in all' den heiligen Wahrheiten, für deren jede das köstliche Blut unzähliger Märtyrer geflossen ist ? Was in dem Bekenntniß der Gemeinde nicht steht, braucht weder von der Gemeinde, noch von ihrem künftigen Geistlichen bekannt zu werden. Wir fragen; man antworte uns, man antworte sich selber! Wo blcibtdie Gottheit Jesu Christi, wenn man verschweigt, was aller wahren Christen Zungen je und je bekannt haben und bekennen werden bis an'S Ende der Welt, daß Jesus Christus sey „ Gottes eingeborener Sohn, unser Herr, der empfangen ist von dem H.Geist" und „geboren von der Jungfrau Maria?" Wo bleiben die geschichtlichen Thatsachen unserer Erlösung durch Christum, die ewigen Fundamente unseres christl. Glaubens an Versöhnung mit Gott, Frieden des Gewissens, Kraft, Mull), Freudigkeit im Leben, Leiden und Sterben, wenn unser Bekenntniß verschweigt, daß Jesus Christus „gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zur Unterwelt, am dritten Tage auferstanden von den Todten, und, aufgefahren gen Himmel, zur rechten Hand Gottes sitzt, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten?' Verschweigen wir das, so verschweigen wir auch, daß wir Christen sind, so ist es auch von gar keiner Bedeutung mehr, ob wir im dritten Artikel unsern Glauben an „d en hl. Geist' bekennen oder nicht. ",,,.^>' Verlags-Inhaber ? F. E. Krem er. wahren sie auch, daß Gott selbst mit ihnen ist, und sie fühlen es an der Zunahme des Lichtes und der Wärme, die in ihren Seelen sich ausdehnt. Es ist darum nicht ohne Interesse, einen Blick auf Das zu werfen, was der Verein zur Verbreitung des Glaubens in unserem eigenen Innern wirkt und wir wollen dabei weniger das Werk selbst loben, als unsern Eifer neu zu erwärmen suchen. Der Glaube ist das erste Bedürfniß der Seele und da cS keine Tugend gibt, die nothwendiger wäre als er, so ist auch keine mehr bekämpft worden, als eben er. Nicht nur in der gegenwärtigen Zeit, sondern von jeher war cS schwer und hat Mühe und Anstrengung erfordert, Das zu glauben, was den Sinnen nicht schmeichelt und Entbehrungen und Opfer erfordert. Deßhalb hat denn auch die Vorsehung zu allen Zeiten Kirchenlehrer erweckt, um den Glauben in den Schulen und auf den Kanzeln zu vertheidigen. Nicht allein aber das, sondern sie hat auch noch für die große Mehrzahl der Menschen einen so zu sagen handgreiflichen Beweis der Wahrheit, der einen noch tiefern Ein- vruck macht, den Beweis durch Thatsachen und Beispiele aufgestellt. Den Lesern der Jahrbücher der Verbreitung des Glaubens treten in dieser Beziehung zwei verschiedenartige, sehr belehrende Erscheinungen entgegen. Einerseits sehen wir den Irrthum in allen seinen Abstufungen, in seiner gcsammten vollständigen Entwickelung bei jenen großen Völkern, wo er ungestört und unvcr- hüllt auftreten konnte. So sehen wir die Ketzerei in jenen zahlreich bevölkerten Städten der vereinigten Staaten, wo jede Secte, Episkopalen, Presbhtcrianer, Quäker, Wiedertäufer u. f. v. ") ^nnsles cke la propgAütion cle Is loi. Xr. 100. Uebertragung des Katholiken. Nach der / ihren Tempel hat. AndcrwäriS, auf den Trümmern jener alten Städte dcö Morgenlandes, in alter Zeit so berühmt durch ihre großen Bischöfe und Kirchenvcrsammlnngen, gewahre» wir jetzt das Schisma in seiner tiefsten Erniedrigung. An den mcihomc- danischcn Völkern können wir sehen, wie unfruchtbar selbst der Glaubenssatz von der Einheit Gottes wird, wenn er durch den Betrug verdorben und durch ein gesellschaftliches Leben entehrt ist, das auf Gewaltthaten, auf der Sklaverei und Vielweiberei bcrnht. In noch weiterer Ferne von uns ist das Heidcnthum noch Herr und Meister in den schönen Landen von Indien «nd China; cS herrscht dort mit jenem Glänze, der cS einst bei den berühmten Völkern des Alterthums umgab; es hat seine Schule», ciuc Literatur und Künste, die ihm dienen, Gesetze, die cS schützen. Allein untc,r dieser schönen Außenseite verräth sich sein wahrer Geist durch die Menschenopfer und das Hinmordcn neugeborener Kinder. Gehen Wir noch einen Schritt weiter und durchwandern wir die Inselgruppen der Südsee, so finden wir dort bei jenen blutigen Festen, wo der Sieger den Besiegten verzehrt, die menschliche Natur in ihrer tiefsten Herabwürdigung. Denn je mehr der Geist sich verirrt, desto größer wird auch die Uusittlichkeit und Zuchtlosigkeit im Leben, und Gott läßt nicht zu, daß das Böse unter dem Scheue der Lehre allein vciborgen bleibe, sondern er treibt cS auch hinaus iu'S Lcbcu und zwingt cs auf diese Weise, sich beurtheilen zu lasse» nach seinen Werken. Von der cmdcren Seite bietet uns die Wahrheit einen ganz verschiedenen Anblick dar. Jede Mission ist ein Kamps, dessen Zeugen wir sind und das Christenthum findet dort dieselben Feinde wieder, die schon früher cS befehdeten, cS hat alle Arten von Kämpfen zu bestehen. Alle theologischen Streitfragen, welche die Vertheidiger der Kirche schon früher durchgcfochten haben, müssen dort von Neuem erörtert werden, um die ewigen Veränderungen des Protestantismus zu widerlegen, die griechischen Spitzfindigkeiten zu entwirren und die Wolken jener dunkeln philosophischen Weisheit zu zerstreue», iu welche das orientalische Götzcntinim sich hüllt. Handelt cS sich aber um barbarische Völker, wo das Evangelium keine falschen Lehren zu überwinden hat, — welche Anstrengungen sinv nicht da erst nothwendig» nm einzudringen in jene Geister,! die unterdrückt sind durch die Sinnlichkeit, und die unsterbliche. Seele von dem Fleische und Blute zu erlösen, die sie zu ersticken ^ drohen? Eben so gibt cö kein Bnßwcrk, keinen Kampf gegen - die Natur, den früher jene Einsiedler und Mönche bestanden, welche halb Europa bekehrt haben, der nicht auch in dem Helden-^ müthigcn Leben unserer Missionäre sich erneuerte, wenn sie in ihrer freiwilligen Verbannung aus stürmischem Meere, in den Wäldern, rintcr einem tödtlichcn Himmelsstriche und unter klcinmüthigcn Christen umherirre», denen ihre Anwrscnheit mitten unter lauernden Ungläubigen Schrecken einflößt. Wahrlich, sie würden oft den Einsiedler um sein spä lichcs Mahl, um die Sicherheit seiner Zelle und die Freiheit seines GcsangeS beneiden, wenn sie überhaupt des Neides fähig waren! Da aber die entscheidendste Prüfung von allen die durch Verfolgung ist, so fehlt auch diese nicht in unserer Zeit und in Tong-King sind die Gefängnisse gefüllt, in China sterben die Bckcnner in den Einöden vor Hunger, in den Städten von Corca sind die Blutgerüste aufgeschlagen, damit das Blutzcngniß für den Glauben nie aufhöre. So wiederholt^ sich also in der Kirche der Kamps in allen seinen Formen, dcr^ Kampf durch das Wort, der Kampf durch die Abtövtung, der Kampf durch das Martcrthum, und was sie zu allen Zeiten ihrer Geschichte war, das ist sie auch jetzt noch. Sie beweist dadnrch aus unwidcrsprcchliche Art ihre Unsterblichkeit, indem sie stets leidet nnd stets stirbt, ohne je zu erlöschen; sie beweist dadurch ihre Fruchtbarkeit, denn all der Schweiß und das Blut werden nicht umsonst vergossen, und trotz alles Widerstandes dehnt daö Christen- thum seine Eroberungen aus und befestiget sie. In jenen großen Reichen Asiens, wo die Mandarine das Bild dcö Gekreuzigten mit Füßen treten lassen, schaciren sich jeden Tag mehr Neophyten zum Gebete um dieses theuere heilige Bild. Auf den Felsen OcccmicnS, die früher nur durch Schiffbrüche berüchtigt waren, blühen jetzt mit der modernen Civilisation die Tugenden der ersten Zeiten auf. Denn, wie Fcnelon so scbön sagt, „die Quelle der göttlichen Segnungen versiegt nie und durch die Erfüllung seiner Verheißung zeigt Jesus Christus, daß in seiner unsterblichen Hand die Herzen aller Völker und aller Zeiten liegen." ') Sehet, so macht uns Gott die Kraft der Wahrheit fühlbar, denn er weiß, daß aufrichtige Herzen einer solchen Belehrung nicht widerstehen, schlaget jenes berühmte Sendschreiben der Gläubigen von Lyon über den Martertod des heil. Pothinus und seiner Gefährten auf und leset! Auch dort gab cs furchtsame Christen in der Stadt. Als sic aber sahen, wie ihre Brüder vor den Richter geführt wurden, als sie ihre Bekenntnisse und Antworten hörten, da wurde, wie sie erzählen, ihr Glaube wieder stark und sie rechneten eö sich zur Ehre an, öffentlich als Christen aufzutreten und laut den Erlöser zu bekennen. Dieselben Erscheinungen wiederholen sich vor unsern Augen. Die Gerichte sind nicht geschlossen, die Beile tricscn noch von Blut, wir haben die Verhöre unserer Brüder vernommen, wir haben ihre Folterqualen und ihr glorreiches Ende gesehen. Sollte da nicht auch in unsern Herzen der Glaube lebendiger und feuriger geworden seyn? Sollten da nicht auch wir, stolz auf diese Triumphe unserer Brüder, nuSruscn: Wir sind Katholiken! Wenn wir so an diesen Kämpfen der Kirche für die Ehre Gottes, an dem glorreichen Hinscheiden unserer Märtyrer, an den unerschrockenen Bekenntnissen der Neubckehrtcn, an so vielen Op- fcrn und Tugenden Antheil nehmen: so müssen wir wohl über kurz oder lang unserer selbst uns schämen und den Entschluß fassen Gott mehr zu lieben, wir müssen uns inniger anschließen an jene ewige Güte, die ohne Unterlaß die Menschen an sich zieht, und ohne Unterlaß von dem Hasse und der Verachtung zurückgestoßen wird. Und am Ende wird jene heilige Leidenschaft uns dnrchvringcn, die Bourdaloue so kräftig schildert, wenn er nachweist, „daß die Sache GotteS so in unsere Hand gelegt ist, daß wir sie führen müssen; daß daher, so ost dieselbe Schaden oder Nachtheil erleidet, Gott das Recht hat sich an uns zu halten, weil der Schaden, den sie erleidet, nur die Wirkung und eine Folge unserer schlechten Führung ist. . . . Wenn ihr für cnch selbst arbeitet, sagt er, so werdet ihr, weil ihr selbst klein seyd, bei aller Anstrengung uur Kleines und Beschränktes fertig bringen. Alles wird dem Nichts gleichen, daö von eurer Person und eurem Stande unzertrennlich ist. Wenn ihr aber für JesuS Christus arbeitet, so ist Alles, was ihr thuet, in gewisser Beziehung göttlich." ^ in der That keine leere Formel die Anrufung: „Heiliger Franciscus Zcaverius, bitte für uuS," ein Gebet, das uns das Andenken dieses Mannes, dem die göttliche Liebe nie Ruhe ließ, in das Gedächtniß zurückruft. Dieser Kreuzer, den wir alle Woche geben, ist eine Mitwirkung an der Erlösung der Welt durch das Blut Jesu Christi; dieß ist das Werk, dem wir uns anschließen. Nach dem Beispiele unseres t) Fenelon: Predigt auf das Fest der heiligen drei Könige. 2) Bourdaloue: Predigt über den Eifer. göttlichen Erlösers fangen wir zuerst an die Menschen zu lieben, ohne auf jene engeren Bande dcS gemeinschaftlichen Stammes, Vaterlandes und der Religion Rücksicht zu nehmen, wir lieben eben so viele Menschen, als der Erlöser am Kreuze geliebt hat. In jenen verkehrten, von den Reisenden verfluchten Völkern, in jenen menschenfresscndcn Stämmen, deren schreckliche Festmahle unö schon oft beschrieben worden sind, sehen wir nur noch unsterbliche Seelen, die unseres Mitleides und unserer Hingebung im höchsten Grade bedürftig sind. Wenn wir aber so dem fernen Elende bei- svrir-gen lernen, — wie könnten wir da wohl gefühllos bleiben bet dem Elende, welches wir sehen und mit Händen greisen, das an unserer Thürschwclle, auf den Straßen, in den Gefängnissen und Hospitälern auf unö harret? So leitet der Verein zur Verbreitung des Glaubens den Lauf der Liebe zwar nach fernen Landen hin, aber er entzieht darum unseren städtischen Armen nichts. Können wir dem Einsammler, der die wöchentliche Gabe abholt, dieselbe nicht versagen, so werden wir auch armen Kindern, die um Brod bei uns betteln, die Thüre nicht weisen. Und wenn arme Alvcnbcwohner, wenn die Fischer in dem Meerbusen von Genua und die irländischen Soldaten, welche in Indien dienen, sich zum Besten der Missionen ihre Nahrung am Munde absparen, so dürfen wir wohl von einer solchen Gesinnung Alles erwarten. Welche Gefühle müssen sich aber erst in uns regen, wenn Wir auf eine» höheren Standpnnct uns stellen und, irdischen Gedanken mehr entrückt, es bedenken, wohin unsere Gaben gehen. Sie nehmen denselben Weg wie unsere Gebete und gehen in jenen Schatz Gottes, wo der Pfenning der Wittwe gezählt wird, wo ein GlaS Wasser nicht verloren ist, wo Niemand gibt, ohne viel mehr dafür zu empfangen. Unsere schwachen Verdienste werden auf diese Weise Eins mit den Verdiensten der Apostel, der Märtyrer und so vieler leidenden und verfolgten Katholiken. Zwischen ihnen und uns ist Alles gemeinschasllich, wir haben eine Blume in ihren Kronen und eine jede ihrer Thränen, welche die Engel aufsammeln, bittet im Himmel für unsere Sünden und zieht Gottes Barmherzigkeit auf unsere Häupter und unsere Familien herab. In keinem ihrer Gebete werden wir vergessen, denn sie lernen für uns beten, wenn sie sehen, daß alle Jahre am Tage Allerseelen ihre Priester für die verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft zur Verbreitung dcS Glaubens an den Altar gehen. In demselben Geiste haben die Väter der amerikanischen Kirchenversammlung zu Baltimore den Vischösen von China und Corca die Hand geboten, um uns zu segnen, ^) unv nichts kann einem so heiligen Verbände widerstehen. Wenn im scchözchntcn Jahrhundert die Hälfte von Europa den Versuchen unv Gewaltthaten der Reformation kräftigen Widerstand leistete, so wurde sie darin vielleicht mehr, als man glanbt, durch jene zahlreichen italienischen, französischen, deutsche», portugiesischen nnd spanischen Missionäre unterstützt, welebe den Glauben in die alte und in die neue Welt trugen. Vielleicht wnrde das Heil von mehr als einem Bolle durch das freiwillige Opfer jener Tausende von Christen, die in Japan starben oder durch das unschuldige Gebet jener armen Wilden in Canada entschieden, die eben erst die heilige Taufe empfingen. Und wenn wir jetzt sehen, das; so viele neue Kirchen sich gründen, daß überall in Asien, Afrika und Amerika, auf allen Inseln Oceanicnö die Gemeinden sich mehren, — scheint es da nicht, als wolle die Vorsehnng, die rings um uns her so viele Herde 1) Vrrgl, da« Sendschreiben der Väter des zweiten Concils von Baltimore un^ die Briefe des.apostolischen Viears von Siam und des Bischofs von Capsa. der Liebe entzündet, endlich auch jene alten Kirchen wieder lebendig machen, in denen seither die Erstarrung noch das Ucbcrgc- wicht behauptet? Und wir, die Mitglieder des Vereines znr Vcrbrcitnng dcS Glaubens, wir sind dazu bestimmt, diesen Plan auszuführen. Wenn in den Werften eines Hafens die Gehilfen unter den Balken sich beugen, die sie zurichten, so begreifen wohl nur Wenige derselben die Wichtigkeit ihrer Arbeit. Nnd doch bilden diese Balken alle zusammen ein Schiff, das die vaterländische Flagge mit allen ihren Erinnerungen aus allen Meeren glorreich entfalten wird. So sind auch wir die Gchilf.n und unsere Almosen sind die ^schwachen Mittel, deren Gott in seiner Gnade sich bedient, um ^ das Schiff des ApostolatcS zu bauen und flott zu machen. Dieses ! Schiff aber trägt die Fahne dcS KrcnzcS, und mit ihr die gestimmte Bildung, die gcsammtc Civilisation der Welt! Cormenin's Gespräch mit dem Ungenannten. (Aus seiner neuesten Flugschrift.) Eines Tages hielt Seine Hvchwnrdcn, ein Bruder Prediger, den ihr wohl kennet^), eine Rede; er gewahrte mich von der Höhe seines Lchrftuylcö herab, an dessen-Füßen ich mich demüthig niedergelassen hatte, um ihm zuzuhören. Er hob an, mich anszufragcn. Er: Ist cS schon lange her, Timon, daß Ihr die lächerliche Rolle eines Sacristei-Vcrthcidigcrs übernommen habt? — Ich: Mein Vater, es möchten seiidcm 23 Jahre verflossen seyn. — Der Pater meinte, das wäre doch mir eine kurze Zeit, worauf ihm Cormcnin antwortet: Es wäre genug in der jetzigen Welt, 28 Jahre lang dieselbe Meinung z» vertheidigen uud er hoffe auch noch im 30. Jahre für die nämliche Sache zu streiten. — Er: Nun ich gebe zn, daß Eure Stand- haftigkeit wirklich etwas Seltenes s,v; doch darnm handcll es sich jetzt nicht. Seyd Ihr Gallicancr? — Ich: Pah! Pah! — Er: Seyd Ihr vielleicht ein Ultramontanc? — Ich: Pah! Pah! — Er: Was sagt Ihr da? — Ich: Ich sage, mein Vater, daß ich weder das eine noch das andere bin. — Er: Timon, Timon, eins von beiden seyd Ihr gewiß. — Ich: Ich sage Euch, mein Vater, ich bin weder das eine noch das andere. — Er: Was seyd Ihr dann? — Ich: Ich bin bloß katholisch. — Er: Ihr wollt sagen, fanatisch, abergläubisch, götzendienerisch, jesuitisch, ultramontcinisch und blödsinnig; denn mit diesen Namen bezeichnen wir Andern die Katholiken. -— Ich: Ich wußte, mein Vater, daß Ihr die Katholiken mit jenen Beiwörtern beehrt. — Er: Wißt Ihr auch, daß ich in der Sorbonne wohne, ohne Doctvr derselben zu seyn? — Ich: Ja ich weiß cS, daß Ihr dort wohnt und daß Ihr kein großer Doctvr seyd. — Er: Darnm gebe ich nicht viel und ich werde doch thun, als wäre ich es; ich werde auch für Euch gut sorgen, wenn Ihr einer der Unsrigcn werden wollt. — Ich: Was meint Ihr damit: einer der Eurigcn werden? — Er: Wenn Ihr zum Beispiel sagt, daß die Religion schon sehr alt sey. — Ich: Ja mein Vater, sie ist sehr alt, so alt wie Gott, weil sie Gott selbst ist. — Er: Wenn wir aber doch, die Laterne t« der Hand, in der dunkeln Nacht, welche ruud um uns ist, mit einander eine neue Religion suchten! — Ich: Welche, mein Vater? — Er: Jene, welche Ihr wollt! — Ich: Ich wünsche mir keine bessere, und bedenkt wohl, die große Schwierigkeit liegt eben darin, eine andere zu finden. - Er: Warum nehmt Ihr nicht wie ich, den Gott an, der im großen ') Cousin. All ist, Alles in Allem seyend? — Ich: Entschuldige meine, vielleicht einfältige, Aengstlichkeit, dieses göttliche Universum, den Gott, der Alles in Allem ist, anzubeten: es ist mir nicht klar gezeigt, ob Ihr Euch selbst in diesem All begreift? — Er: Ich habe niemals gesagt, daß ich mich selbst begriffe; weit gefehlt! ich weiß nicht, warum Ihr mich verleumdet, als glaubte ich, daß ich mich selbst begriffe. — Ich: Ich sage nichts, als was die ganze Welt sagt. — Er: Anstatt mit der ganzen Welt zu sagen, daß ich mich begreife, was nicht wahr ist, thätet Ihr besser, Euch mit uns zum Angriffe gegen den päpstlichen Aberglauben der Ohren- bcicht und des Cölibats zu vereinigen. — Ich: Das konnte ich thun, um Euch gefällig zu seyn, vor übergroßer Liebe zu Euch, wenn ich wie Ihr nicht katholisch wäre. — Er: Man kann katholisch und gut katholisch seyn, ohne die Ohrcnbeicht und den Colibat anzunehmen. — Ich: Wirklich! — Er: Ich sage es Euch: und ich konnte Euch an der Sorbonne, obschvn ich dort nicht Dvctvr bin, ein ganz gutes Zeugniß der Rcchtgläubigkeit ausstellen, wie ich es vorgestern für meinen Freund M...'°) in einer hohen Kammer"") gethan habe. — Ich: Ach ein Zeugniß des katholischen Christenthums von dem Anbeter des Gott-All, der in Allem ist! Wie so ganz klar! — Er: Ich gestehe, daß ich nicht immer sehr klar bin, was vielleicht meine Weise mich auszudrücken, verschuldet. Doch erlaubt, mein Theurer, Euch zu sage», daß ich Euch über mein Zeugniß vollständig befriedigt und ibm an einem andern Orte""") und vor gelehrten Leuten völlige Giltigkcit verschafft hätte, bei dem einen, weil er der Sohn seines Vaters, bei mir, weil ich der Vater meiner Werke bin, bei einem Dritten, weil er wegen seiner Vcrurtheilung unzufrieden ist, und bei einem Halb-Duzend Anderer, weil sie sich einen Spaß daraus machen würden, des Dritten Schicksal zu theilen. — Ich: Ich danke Euch, mein Vater, für Eure Wohlgewogenheit: Ihr hättet mich mit Euren: guten Zeugnisse gewiß denen zugeschickt, welche für Schlichtung kirchlicher Angelegenheiten so compctent sind. — Er: Ja, ich wllrte Euch auch an einem dritten Orte vertreten haben, wo wir die heiligen Kanones — deß können wir uns rühmen, ein wenig besser auslegen, als der Papst, welcher, unter uns gesagt, nichts davon versteht. — Ich: Mir scheint, mein Vater, daß Ihr, ohne Gott-All zu seyn, doch Euch in dem großen All befindet und überall ein wenig hincingczwickt seyd, so daß Ihr in der Pairskammcr, in der Akademie und im Staatsrathe, also zwei-, ja dreifache Geschäfte mit der Theologie macht. — Er: Warum nicht? hab' ich etwa nöthig gehabt, die Kanones zu lese», selbst um sie nur zu verstehen? — Ich: Keineswegs! — Er: Over um sie anzuwenden? — Ich: Noch weniger. -— Er: Soll cS mir verwehrt seyn, den Staat zu vertheidigen, selbst wenn er nicht angegriffen ist? — Ich: Gewiß nicht. — Er: Geben mir die organischen Artikel nicht das Recht, mir, dem Archilaicn, selbst die Archiclcrikcr in geistlichen Sachen zu richten? — Ich: Zweifelsohne. — Er: Bin ich demnach nicht ein Stück vom All? — Ich: Wer soll das Gegentheil behaupten? — Er: Und wenn ich im All bin, warum sollte Gott nicht darin seyn? — Ich: Dieß kann Niemand widersprechen. — Er: Und wenn Gott darin ist, warum wären die Jesuiten nicht darin? — Ich: Wahrhaftig ein starker Grund, daß die Jesuiten darin sind. — Er: Und mit mir darin sind, der ich nicht mit ihnen bin? — Ich: Woraus folgert Ihr, daß wenn Ihr in ') Wickelet. "> der PaiiS. "') In der Aka^mie. Verantwortlicher Rid,ieteur: L. Schönchen. dem All seyd, man die Jesuiten daraus vertreiben müsse, weil sie nicht mit Euch sind? — Er: (reibt sich die Stirne.) Ich: Und was werdet Ihr zuletzt aus Gott machen, den Ihr noch vor der Hand im All laßt, mein Vater? — Er: Gott mag zusehen, was er werden kann: ich beschäftige mich jetzt nur mit den Jesuiten. — Ich: Ich finde es jetzt ganz natürlich, daß die Leute, welche Ihr außer dem All stellt, nichts sind, während Ihr, der Ihr Euch in dem All laßt, Professor an der Sorbonne, Würdenträger der Universität, Staatsrath, Akademiker und Pair von Frankreich seyd. — Er: Das alles, weil ich im All bin; Ihr räsonnirt ganz gut und ich sehe, daß Ihr schon den Anfang gemacht habt und unö beitretcn werdet. — Ich: Ich bin nicht ungerecht und unduldsam, wie Ihr, mein Vater; wahrscheinlich darum, weil ich kein Philosoph bin. Ich erkenne, daß Ihr ein Mann von hohen Verdiensten, gelehrt, klug, genial, beredt und feurig seyd, ich betrachte Euch als die wichtigste Person von Frankreich. — Er: Wie das, wenn ich bitten darf? — Ich: Weil Ihr alle Professoren der Philosophie ernannt habt. — Er: Und warum noch? — Ich: Weil die Professoren der Philosophie alle Tage neue Ideen aushecken. Er: Und wie macht Ihr den Schluß? — Ich: Weil die Jdcenträger stärker sind, als die Säbclträgcr. — Er: Wahrhastig, Ihr schmeichelt mir. — Ich: Ich schmeichle Euch nicht und will Euch nicht schmeicheln, indem ich, obschon anerkennend Eure Macht, auch erkenne, daß Ihr einen schlechten Gebrauch von derselben macht. — Er: Welchen Gebrauch soll ich von derselben machen? — Ich: Sagt lieber, daß Ihr keinen Gebrauch davon macht und nicht Wissen und Gewissen in Fesseln schlagt. — Er: Ach, so seyd Ihr sür die Wissenschaft? — Ich: Ja, wenn sie wahre Aufklärung ist. — Er: Und für das Gewissen ? — Ich: Ja, nach dem 5tcn Artikel der Charte. — Er: Und für den Fortschritt? — Ich: Ja, wenn er nicht rückwärts führt. — Er: Für Vernunft und Recht? — Ich: Vorausgesetzt, daß man nicht die Gründe des Stärkern gelten läßt. — Er: Für Psychologie, Ideologie, Ortologie, Embryologie und Pcmthologic? — Ich: Ja, ich will und muß sie wollen, weil sie alle in dem All sind. — Er: Für die Theologie? — Ich: Ja, aber für die, welche Ihr selbst nicht lehrt. — Er: Für die Freidenker? — Ich: Ja, unter dem Vorbehalte, daß sie mir gestatten, auch anders, als sie, zu denken. — Er: Für die Politiker, Moralisten, Philosophen? — Ich: Vollständig, nur müssen sie mir erlauben, den einen wie den andern zu sagen, daß die Politik seit Aristoteles, die Moral seit der Votschaft des Evangeliums und die Philosopie seit Plato keinen Schritt vorwärts gemacht babc. — Er: Für die Gerechtigkeit? — Ich: Wenn sie ihrem Namen Ehre macht. — Er: Für den Unterricht? — Ich: Ja, wenn er nicht in den 3 Artikeln eingereiht ist. — Er: Für die Freiheit? — Ich: Ja, s.lbst sür die ErziehungS - Freiheit. — Er: So, wie ich? — Ich: Nein, noch mehr. — Er: Mehr als ich? dieß überschreitet die Schranken einer anständigen Erörterung, und ich verschiebe mein Eraminatorium auf einen andern Tag. — Ich: Ganz zu Euren Diensten. Darüber brachen wir ab und da sich eine große Zahl Lachender auf meine Seite gestellt hatte, glaubte ich einen Augenblick an guten Erfolg. ') Nach der Übersetzung der Poss. k, Kirchenztg. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. H n » ^»S- ' Deii., der ' », MW s . ,«UM. ^^^HM R«gSb«rger ' . ' - -.^ ^,>« ich habe nach ihrer Entlassung Erkundignngen über sie eingezogen, harten und verstockten Herzens, mit dem schweren Gedanken, daß sie bleibt gut. Es ist noch Keiner von der Krankenstube entlassen, seine Sünden ihm AllcS, sein Glück auf Erden, die Ruhe seines «der nickt einen guten Eindruck mitgenommen hätte; ich habe oft Gewissens, die Hoffnung und Zuversicht in die Ewigkeit geraubt,! Gelegenheit gehabt, das in der seelsorglichen Behandlung der Geist er der Verzweiflung nahe, und schreckt ihn der bange Zweifel, j fangencn zu erfahren. Und wenn die Kranken auf der Genesung ob seine Seele noch Gnade vor dem Richterstuhlc GotteS finden^sind, so ist eS eine Lust zu sehen, wie die Schwestern bald ihre kann: sieht er dann an seinem Bette sitzen die barmherzige Schwe-! schwachen Kräfte zu kleinen Arbeiten zu benutzen wissen, z. B. bei ster, die auch Alles verloren, aber freiwillig Alles aufgeopfert hatten Frauen: Da haben sie eine Arbeit für das HauS oder die um Gottes und der Tugend willen, und ihm zu helfen, die jeden! Kirche unter Händen, etwas zu nähen oder zu stricken. Setzen Augenblick bereit ist, jede seiner Mienen und Geberdcn bewacht, ^sie sich damit neben die Kranken und sagen: Es ist so schön, ob sie ihm nickt eine Erleichterung , einen Trost spenden könne: etwas zum Nutzen des Hauses, das sie pflegt, oder für die Ehre Gottes thun zu können; wie gern greifen diese dann nach der Arbeit u. s. w. Mit welchem Danke und welcher Liebe die Ge. fangenen gegen ihre Wohlthäterinnen, wie sie die Schwestern oft nennen, erfüllt sind, davon habe ich oft rührende Beweise gesehen. Ich trat einmal auf das Lazarett) der kranken Männer, und fand sie zu ungewohnter Zeit zum gemeinschaftlichen Gebete um ein Crucifix gelagert. Die eben das Bett verlassen dursten, lagen knieend versammelt, die andern hatten fromm ihre Hände auf dem Bette gefaltet: das ganze Lazareth betete. Ich fragte nach der Ursache, und erfuhr: die eine Schwester war krank geworden, sie hatten sie den Tag über nicht gesehen, und beteten zu Gott um ihre Genesung. Welche Freude, als sie nach einigen Tagen wieder unter sie trat. Es ist einleuchtend, was ein jolcher Geist, der nun auf dem Lazarethe herrscht, für einen moralischen Einfluß im Ganzen üben muß. Ich muß aber hierbei bemerken, daß die Behandlung der Kranken seitens der Schwestern durchaus nicht zu weich, oder gar sentimental ist: wer die Schwestern so beurtheilen wollte, der könnte sie schlecht. So besorgt und voller Theilnahme sie für die Kranken auch sind, so Wissen sie doch jedem unbilligen Begehren derselben mit Entschiedenheit entgegen zu treten, und etwaige vorkommende Störungen und Unordnungen auf den Laza- rethen mit Ernst abzuwehren und zu beseitigen. Ich habe öfter gesehen, wie eine Schwester die Sträflinge um sich zusammentreten ließ, um ihnen eine angemessene Strafrede zu halten. Eben so wenig hat ihre Tugend und ihr Seclcneifer mit Frömmelei und falscher widerlicher Bekehrungssucht etwas gemein. Wäre das, so würde ihre Wirksamkeit auf die Gefangenen sicher geringeren oder wohl gar keinen Erfolg gehabt haben. Denn Nichts entdeckt der ohnehin so mißtrauische Verbrecher leichter, als Absichtlichkeit, und durch Nichts nimmt man denselben mehr gegen sich ein, als durch diese. Wo sie mit dem, dem Weibe eigenen, durch Uebung bei ihnen geschärften Takte sehen, daß ein Wort des Trostes oder der Erbauung oder der Ermahnung am rechten Orte seyn und Eingang finden möge, da wird es gesagt, und sein Erfolg der göttlichen Gnade und der ferneren Behandlung des Geistlichen überlassen." Italien. Bedeutung der Glocken. (Kath. Blätter aus Tirol.) Rom. Am 3. Mai zog eine seltene Feierlichkeit das römische Volk und die anwesenden Fremden in die weltberühmte Basilika Santa Maria Maggiore. Der heil. Vater weihte nämlich in Höchsteigener Person in dieser Kirche die vor einem Jahre gesprungene, Heuer nun neu gegossene, und an Werth und Gewicht vermehrte große Glocke. Nebst 20 Kardinälen und dem päpstlichen Hofstaate wohnten auch viele Bischöfe der morgen- und abendländischen Kirche, und eine große Menge hoher Herrschaften, für welche an beiden Seiten dcö Mittelschiffes Tribunen errichtet waren, der Feierlichkeit bei. Am Schlüsse der Ceremonie verkündete die Glocke zum ersten Male mit ihrer rein klingenden Stimme den Gruß des Engels. Die Glocken haben in der katholischen Kirche ein bedeutungsvolles und einflußreiches Amt. Schwebend in der Höhe zwischen Himmel und Erde, durchdringen und übertönen sie mit ihrer metallenen Stimme bald erhebend bald niederdrückend, balv begeisternd bald erschreckend, immer jedoch mahnend und predigend, das einförmige und eitle Brausen und Lärmen der unter ihnen sich herumtreibenden Menschheit. Bald ist ihr feierlicher Schall ein schwaches Echo der seligen Sicgeslieder, die aus dem himmlischen Jerusalem in unser Thränenthal herniederschallen, und in unsern Herzen das Heimweh nach der jenseitigen theuren Heimath anregen; bald ist ihr Ruf eine herzzerreißende Klagestimme, die uns die Seufzer unserer leidenden Brüder drüben verkündet, uns den Ernst und die Schrecknisse des Todes und Grabes prediget, und mit den Thränen und Seufzern der verlassenen Theuren vereinigt ein ernstes Grablied singt; bald verbreiten sie ihren feierlichen Klang über Städte und Dörfer, über Berge und Thäler, und verkünden der unter der schweren Last der Arbeit, Leiden und Sorgen gedrückten Menschheit die hohen Festtage dcö Jahres, diese so angenehmen und lrostvollcn Rast- und Nuhcpuncte auf der mühevollen Pilgerreise durch dieß Leben, und rufen mit der Stimme des guten Hirten die gläubige und hcilbegierige Heerde Christi in die Kirche zur stets offenen Gnadenquellc dcö lebendigen Wassers; balv aber hört man sie wieder in der bangen Stunde der Gefahr, wenn Donner rollen und Blitze sich durchkreuzen, oder das feindliche Schwert cntgegcnblinkt, oder die schreckliche Wuth der entfesselten Elemente wild zerstörend um sich greist, gleich einer um ihre Küchlein besorgten Henne, ihren Mark und Bein durchdringenden Angstschrei Ausstößen, und die Sorglosen an die Gefahr erinnern, die Erschreckten aber zum Gebete und Vertrauen auf Gott ermuntern; die Glocken sind es, die dem durch den nächtlichen Schlas erquickten irdischen Waller den neuen Tag verkünden, und ihm beim ersten Erwachen die Wohlthat der Erlösung in's Gedächtniß rufen, und die heiligsten Namen Jesus und Maria zum Ohr und Herzen sprechen, so wie sie wieder am Abende jedes Tages der scheinenden Sonne noch den Gruß des Engels an Maria hinter die Berge nachrufen, und dem ermüdeten Arbeiter von der Hitze und Last des irdischen Tagewerkes zur Erquickung und nächtlichen Ruhe winken. Sie haben das ehrenvolle Amt, alle Tage den an- und abwesenden Brüvcrn in der Kirche und zu Hause, auf dem Felde und auf den Höhen der Berge den hoch heiligen und höchst wichtigen Augenblick zu verkünden, in welchem der Erlöser in der Hand des Priesters gleichsam neuerdings Mensch wird, und für das Heil seiner Erlösten sich opfert; — sie sind, mit Einem Worte, die theilnehmenden Zuseher der irdischen Ereignisse, und dle mitfühlenden Verkllnder unserer frohen und lcidcnoschwcren, trüben und heileren Stunden von der Taufe an bis zum Grabe, — das kräftige Sprachorgan, durch welches der stäte Rapport des Himmels mit der Erde, der Zeit mit der Ewigkeit unterhalten wird. Ist nun dieses das Amt, und die durch die heilige Weihe noch erhobene Würde jeder kirchlichen Glocke überhaupt, und einer großen Hauptglockc insbesondere, so genießt doch Maria Liberia unter ihren vielen Schwestern in der weiten christlichen Welt ein ganz eigenes Ansehen, da sie die erste und vornehmste aller Marienkirchen der christlichen Welt schmücket, und ihr die Ehre zukommt, täglich den sieben Hügeln Romö das Lob Mariens und den Gruß des Engels zu verlunvcn. Uebrigcns hat dicse Glocke noch eine besondere Bestimmung. Sie wird täglich zwei Stunden nach Ave Maria, welches im höchsten Winter auf 7 Uhr, im höchsten Sommer auf 10 Uhr hinausgeht, eine Viertelstunde lang gelautet, damit die Jäger und Hirten, die auf der unabsehbaren Fläche der römischen Campagna im nächtlichen Dunkel herumirren, und in großer Gefahr stehen, sich gänzlich zu verirren, und Gesundheit und Leben einzubüßen, an dem Schalle dieser Glocke sich zurechtfinden, und demselben nachgehend die gehörige Richtung gegen Rom wieder finden können. So ist sie also auch ein Zeuge der alle möglichen Leiden umfassenden, und in Rom so schön sich entfaltenden christlichen Liebe, und zugleich cm schönes Bild der heiligen Mutter der Kirche, welche vom festen Thurme ihrer allumfassenden Liebe herab mit Schmerz und Mitleid hinausblickt in die tiefe Nacht der Sünde und des Un- und Irrglaubens auf die so vielen Unglücklichen, die im schauerlichen Dunkel hcrumtappend Gefahr laufen, sich immer mehr von ihrem einzigen Ziele zu entfernen, und in bodenlose Abgründe zu stürzen, und bis zu der Zeiten Ende mit rastloser Liebe bemüht ist, mit Millionen Stimmen und Millionen hilfreichen Händen die Verblendeten zu retten. Cormenin über den Satz: der Papst ist ein auswärtiger Souverän. Ich kann nicht mit Stillschweigen einen der meist schismati- schcn Einwürfe übergehen, welche mir gemacht worden sind. Die Ehre seiner Erfindung gebührt, ich sage cS, weil ich gegen Niemanden ungerecht seyn will, dem — vcrurtheiltcn Handbuch-- schreibcr. „Wenn ihr dem Papst gehorcht, gehorcht ihr einem auswärtigen Souverän." Souverän! Ihr wollt sagen: Souverän der Bischöfe? Nicht wahr, ihr weigert euch, dem Papste unter- thcinig zu seyn? Sagt es gerade heraus, daß man es wisse, was euch Schrecken einjagt, die Kanones der Kirche oder die Kanones des Papstes? Ich glaube, ihr fürchtet euch vor jenen sowohl, wie vor diesen! Auswärtiger Souverän! Ja wenn der Papst über das Zeitliche zu befehlen hätte, er ist aber nur Herr der Katholiken in geistlichen Angelegenheiten! Ist der Papst es, welcher mir das Billet übersendet, daß ich ungehindert bei den Wachen vorüber in den Palast des Bürgerkönigs treten kann? Ist er es, welcher den Gewählten ermächtigt, in der Deputirtcn-Kammer Platz zu nehmen? Hab' ich dem Papste meine monatlichen Steuern zu bezahlen? Will man keine geistliche Einheit mehr? Ihr antwortet mir, das sey eine Frage, wie jede andere. Gut, wenn dieß eine Frage ist, wie andere Fragen sind, wenn man keine geistliche Einheit mehr wünscht, wenn man will, daß ein Franzose Papst seu» müsse, wen nehmen wir dazu? Nehmen wir Duvin zum Papste! Warum sollte auch Dupin nicht unser Papst seyn, in seiner dreifachen Eigenschaft als Franzose, Häretiker und Gallicancr? Wie weit wird es noch mit uns kommen, wenn wir uns im Geistlichen abgränzen? Ist Gott ausschließlich Franzose? Ist er nicht eben sowohl Italiener, Spanier, Holländer, Jrlcindcr, Oestcrrcicbcr? Wir sind allzu gute Franzosen, um Gott zu gehorsamen. Er ist ein 'Ausländer! Da sagt mir einer: Habt auf Maistre Acht, habt wohl auf ihn Acht! hat er nicht den Papst gebeten, einen Fürsten in Deutschland im Zeitlichen abzusetzen? Da seht ihr, wie weit man mit euren päpstlichen Grundsätzen kömmt! Ich führe euch nicht so weit. Bin ich für die Uebertreibungen verantwortlich, welche Maistre vor 50 Jahren in die Welt hinansgeschlieben hat? Ich habe an meinen Fehlern zu tragen genug. Wenn Maistre royalistischcr als der König, und ultra- montaniscbcr als der Papst war, so haben weder der Papst noch der König, noch ich die Schuld daran. Laßt Maistre neben *> Duvin. _ Verantwortlicher Rcd.^tcur: L. Schönchen. seinem abgesetzten oder abzusetzenden kleinen Fürst.» ruhig im Grabe schlafen und laßt uns von unsern Angelegenheiten sprechen! Zum Beispiel wäre es eine höchst einflußreiche Sache, offen mit dem Ministerium des Cultus zu brechen, wie es ein excentrisches Kirchcnblatt gerathen hat, oder allmälig, wie ein berühmter Dichter") vorschlagen möchte. Dieß wäre eine Uebertreibung ... In Frankreich würde der Bruch zwischen Staat und Kirche große Nachtheile sür den Katholicismus nach sich ziehen, und ich bin überzeugt, daß jeder Bischof und auch der Papst meiner Meinung sey. Der «Staat muß der Kirche alle Freiheit lassen, und die Kirche darf sich nicht in Sachen des Staates mengen; beide haben ihre Bahnen nicht über-, sondern nebeneinander. Ein Austrctcn aus der Bahn führt zum Kriege zwischen den zwei Gewalten. Wer aber Krieg zwischen Kirche und Staat wünscht, ist ein schlechter Bürger, ist ein schlechter Christ. Meine Gesinnung ist: Staat und Kirche solle» in gegenseitiger Unabhängigkeit, aber in Freundschaft leben. Dieser Grundsatz wird von allen verständigen Menschen getheilt, und jedes edle Herz muß ihm Beifall zollen. Menschen, welche aufrichtige religiöse Gesinnung haben und die Verbindung zwischen der Kirche und dem Ministerium des Cultus aufgelöst sehen möchten, wissen nicht, was sie begehren: sie nehmen nicht wahr, daß sie denen einen neuen Vorwand leihen, welche den Klerus jedes Gehaltes aus der Staatscasse berauben wollen. Ida von St Elme. Die jüngst zu Brüssel im Spital verstorbene Verfasserin der „Memoiren einer Zeitgenossin", Frau von St. Elme (nicht Eldme, wie es durch einen Druckfehler in der Postzcitung hieß), war im Haag geboren als Tochter protestantischer Eltern. Nach dem Tode ihres ersten Gatten kam sie nach Paris, wo sie ihres „Esprit" und ihrer Schönheit wegen viele Bewunderer fand. Sie schloß nicht sehr chrenwerthe Verhältnisse mit den ersten Generalen der Republik und des Kaiserreichs, machte mehrere Feldzügc mit, predigte auf diese Weise lange Zeit praktisch die Emancipation der Fraucn und warf sich später auf die Theorie, indem sie sich zum St. SimonismuS bekannte. Tröstlich ist hingegen ihr Ende, das uns belgische Blätter schildern. Für menschliches Elend hatte sie stets eine mitfühlende Seele und unterstützte in den Tagen ihres Glanzes mit beträchtlichen Summen die Hilfsbedürftigen. Vielleicht haben die Gebete dieser ihr die Gnade der Erkenntniß erwirkt. Denn in den spätern Jahren ihres Lebens reifte in ihr der Entschluß, katholisch zu werden, heran, und sie führte denselben in Brüssel aus. Lange Zeit vor ihrer letzten Krankheit schrieb sie an den Ncdcmtoristcn Pilat, um sich den Unterricht in der katholischen Religion zu erbitten. Nach ihrer Bekehrung und besonders in ihrer letzten Krankheit offenbarte sie den lebendigsten Glauben, sie ertrug mit erstaunenöwerthcr Geduld die furchtbaren Schmerzen ihrer Krankheit und that ihren Mund nicht auf, als um ihre Umgebung zu erbauen. Aller Welt wünschte sie es wissen zu lassen, daß sie ihre Schriften widerrufe und ihre Vergehen verfluche, die sie gerne mit ihrem Blute ausgesühnt hätte. Sie pneö Gottes Bnrmhcrzigknt, die sich an ihr erwiesen habe, und iu ihren letzten Augenblicken drückten sich Reue und die Hoffnung aus, daß sie jetzt in ein besseres Leben hinübcrtrctc. Lamartine? Nach der Ucbcrtr.igung der Pass. k. Kirchcli zt g, Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. ^ < H .^»s- ° Bei/., r Augsburger Erste Jahreshälfte. M? ÄS. * Zeichen der Zeit. Von Cöllen an dem Rhcine Eine Sage gehet laut: Es habe mit neuem Steine Der Dom sich angebaut. Ja, ja! das ragt und strebet Zum Himmel fort und fort. So Könige! regt und lebet Ein deutsches Königswort. Hört nur, wie im Gesteine Das „Weide!" pocht und pulst! So schafft das Wort, das Eine, — Nicht ciller Rede Schwulst. Dem fürstlichen Beginnen Hat sich das Land gesellt: Zum Gold der Königinnen Des Bürgers Gabe fällt. Aufopfernd trägt die Spenden Dcr Thürme Dreialtar Hinauf, wo das Vollenden Noch stehet immerdar. WaS hier die Herzen einte, Die sonst der Glaube schied, — Ein Traum, der sich versteinte, Ein Traum ist's und ein Lied! Ein Traum, in Stein geschrieben, Von deutscher Einigkeit! „Ein Glauben und ein Lieben!" Das Ammenlied der Zeit. Doch Jahre, viclgcraumc, Muß erst die Schrist crgrau'n, Bis vcrbemcldi im Traume Sich einst die Zeiten schau'n; Poftzeitung. SS. Juni 1845« Bis einst nicht mehr zur Lüge Des Liedes Stimme wird, Daß sich doch endlich füge Eine Heerde und Ein Hirt! Trier und Cöln. Auf und ab am RheincSstrom Klingt es tief und helle, Zwiesprach' hält von Cöln der Dom Mit dem Braus der Welle, Ja, der Rhein, er jubelt laut Auf in seiner Kläre, Seit die Mosel ihm vertraut Neue Wundcrmähre. Kunde geht von Ort zu Ort, Glockengrüßc schallen, Pilger siehst du sort und fort Nach dem Dome wallen, Wo mit Wchmulh sie und Dank Das Gewand erfüllet, Das des heil'gen Blutes trank, Und den Herrn gehüllet. — Gottes Wort ist im Gemüth Recht zum Frühling worden, Wunderblumen sind erblüht An des Altar's Borden. Merk'! es weht ein Gotteshauch Sichtend durch's Gcsilde, Blühen muß der edle Strauch Dorren muß dcr wilde. 1843. ______ Hier ergießt der alte Quell Labender die Fluthen, Fließt so klar, so himmelhell In der Sonne Gluthen: Dort, von heißem Durst geplagt, Nennt ein Volk, ein krankes, Pfützen, die der Tag gebracht, Quellen sr scheu Trankes! Blumen welken am Felsenrand, Burgen, deren Zinnen Mit der Dichtung Lichtgewand Mondlich sich umspinnen: Doch, indeß dem Zeitensturm Trümmernd sie sich neigen: Heb, sich Halle, hebt sich Thurm, Gott geweiht zu eigen. Bischöfe, die legen Grund Mit Gebet und Segen, Und im Bolke gibt sich kund Folgcsroh Bewegen. So am reinen MaubenSstrom Bauen fromme, schlichte Pilger einen geist'gen Dom In die Weltgeschichte! Noch zu serner Kunde schallt Einst sein festlich Läuten: Wer da mit gen Trier gewallt, Wird'S den Enkeln deuten, Wie auf leisen GviteSruf Sich da« Volk erhoben, Wie es diesen Tempel schuf Trotz der Feinde Toben. Zwar der Bauplan ist nicht seit Heute erst ersonnen: Nein! die gute alte Zeit Hat ihn schon begonnen: Aber jetzt, wo Fehde dräut, Jetzt ihn weiter bauen, In der glaubenSavmen Zeit — Macht den Bösen Grauen. Daß ihr Haß zur Flamme stieg: Eben das beweist es, Unser Bauwerk sey der Sieg Eines bessern Geistes. Doch wer stillt der Frevler Mund, Die ren Bauherrn') sckmähten, Auf der Kirche heil geu Grund Spott und Lüge säete»; ') Bischof Arnoldi, Sage, fahrlcS streuten sie Ihren gift'gen Samen! Sage, diesen Spöttern lieh Deutschland Schutz und Namen! — Ach was steht zu Cöln am Rhein Riesengroß geschrieben? Ist vergessen schon das: „Ein Glauben nur und Lieben!"? — Volk der Einen Kirche Du! Bau' am deutschen Horte, Ungeirret baue zu, Bau' hinein die Worte, Daß die Brüder, glaubensgleich, Einst am Eingang lesen, Was der Kirche liebcreich Losungswort gewesen! Doch — an diese Friedensschrift Muß ich Zeichen reihen, Die des Unrechts, so Dich trifft, Dein Jahrhundert zeihen. Mit dem Griffel, spitz und scharf, Grab' ich ein — die Schande, Daß Dein Glaube nicht pilgern darf Frei durch alle Lanve! Carl Thuina. Die Oblaten der allerseligsteit und unbefleckten Jungfrau Maria. In dem Maaße, als das Felv der Missionen ausgedehnter und fruchtbarer wird, beruft der Herr auch mehr Arbeiter in dasselbe. Er erweckt nicht nur einzelne Apostel zu diesem göttlichen Amte, sondern ruft auch ganz neue Kongregationen in's Leben, deren Gesammtthätigkeit allgemeine Bedürfnisse besser befriedigen kann. Unter diesen neuen Institutionen tritt eine jetzt zum erstenmale in die Missionsgeschichtc ein und Wir müssen ihre Entstehung zuerst erzählen, ehe wir von ihren Arbeiten Rechenschaft ablegen können. Die Gesellschaft der Oblaten der allerseligstcn Jungfrau (Odlats <1e Narie immaeuleo) wurde im mittäglichen Frankreich von Monsignore de Mazenod, gegenwärtig Bischof von Marseille, gegründet und besteht schon länger als achtzehn Jahre. Sie beschränkte Anfangs ihre Thätigkeit auf den Ort ihres Entstehens; als aber im Jahre 1841 Monsignor Bourget, Bischof von Montreal in Canada, in Angelegenheiten seiner Diöcesc, namentlich um Missionäre für dieselbe zu gewinnen, nach Europa kam, bat er den Hochwürdiasten Bischof von Marseille ihm eine Kolonie seiner Priester, die Oblaten Maria zu überlassen. Dem würdigen Prälaten, dem die Kirche von Canada schon so viel verdankt, wurde sein frommer Wunsch gewährt und es ward ihm der Trost zu Theil, daß er diese neuen Mitarbeiter in seine Diöcesc einführen konnte. Nachdem ihr Haus nach der Regel geordnet war, begannen sie sogleich ihre apostolischen Arbeiten, die der Herr überall mit reichlichem Segen begleitete. Die Oblaten der allerseligsten Jungfrau in Canada sind im Augenblick neunzehn Personen stark, unter welchen sich fünfzehn Missionare, welche die Gelübde abgelegt, und Vier Novizen befinden. Sie haben drei Häuser. Das erste, zu Longueil, wo der Generalvisitator residirt und das No- viciat sich befindet, ist besonders mit der Seelsorgc der Town- Ships beauftragt. Man bezeichnet mit diesem Namen die an den Gränzen von Canada und den Vereinigten Staaten zerstreut liegenden Niederlassungen, die, weil die Bevölkerung nicht zahlreich genug ist, zu Pfarreien mit einem ständig dort resivircndcn Priester nicht erhoben werden können. Es ist klar, daß die religiösen Bedürfnisse dieses stiefmütterlich bevachtcn Theiles der Hecrde eine besondere Pflege erfordern. Eine andere Genossenschaft von Oblaten Maria, die Mon- signor Signay in die Diöcese Quebcck berufen, ist in den nordöstlichen Theil des Saguenay, an die Ufer des Stromes, welcher diesen Namen trägt, verpflanzt worden. Außer den Missionen für die katholischen Pfarreien beschäftigen sich die Bäter dieser Station damit, den Wilden das Evangelium zu predigen, von denen immer noch einige Stämme an den Quellen des St. Mau- rice und Saguenay, so wie an den Ufern des Montmorency wohnen. Weiter gegen Norden, nach dem 52. Breitengrade zu, gibt es noch PapinachoiS-Jndianer, zwischen den Seen Amnitchta- gcm, Pcipimouagan und Pirretibi. Auf den rechten Ufern des St. Lorenzo, nach dem östlichen Theile von Nieder-Canada hin, sind noch die Ucberreste der MisinakS oder Gaspcsier, die früher sehr zahlreich und wegen ihrer vorangeschrittencn Civilisation bemerkenswert!) waren. Die Trümmer dieser verschiedenen noch im Heidenthume lebenden Völker wurden seit mehreren Jahren von den Mitgliedern der Kongregation von St.. Sulpice und anderen canadischen Priestern besucht, deren Eifer wirklich mit sehr schönen Erfolgen gekrönt wurde, ja mehreren ward sogar, nachdem sie dem Herrn viele Seelen gewonnen, der gewöhnliche Lohn der Hingebung zu Theil, — als Opfer ihrer Liebe unterlagen sie den Beschwerden eines so schwierigen Amtes. Gegenwärtig besorgen die Oblaten der allerseligsten Jungfrau alle diese Missionen und einige der Väter müssen jedes Jahr alle die verschiedenen Posten besuchen, wo die Indianer sich versammeln, theils um sie dem Christenthum- zuzuführen, theils um jenen, welche schon Christen sind, den Trost der Religion zu spenden. Nimmt später die Anzahl der Missionäre zu, so werden sie ihre Wanderungen bis nach Labrador und zu den EsquimoS ausdehnen, die zum Theile noch dem Götzendienste huldigen. Das dritte HauS der Oblaten Maria ist zu Bytown, Diöcese Kingston in Ober-Canada. Die Mitglieder dieser Genossenschaft sind wie jene von Montreal dazu bestimmt ihre MissionS- thätigkeit den schon bestehenden Pfarreien zu widmen und der im Innern des Landes zerstreuten katholischen Bevölkerung das Evangelium zu predigen. Tausende von Holzhauern, die seither sechs Monate im Jahre in den Wäldern zerstreut waren, um dort das Schiffsbauholz zu fällen, und in religiöser Beziehung sich in vollkommener Verlassenheit befanden, können jetzt leicht an all' den geistigen Tröstungen Theil nehmen, welche Liebe und Eifer zu vermehren wissen, sobald eS um das Heil der Seelen sich handelt. Den Vätern deö HauseS von Bytown sind außerdem noch die Algoncmins und Abbitibbes anvertraut, zwei Jndianerstümme im nordwestlichen Theile von Canada zwischen dem 50. und 52. Breitengrade. Früher zahlreich, sind diese Stämme jetzt sehr herabgekommen, denn nachdem die vielen Kriege, welche sie theils unter sich, theils gegen die Weißen geführt, sie schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderes sehr gelichtet, hat seitdem die stets anwachsende europäische Emigration sie in die Wälder getrieben, wo die Mehrzahl derselben vor Hunger und Elend umgekommen ist. Auch der hochwürdigste apostolische Vicar der Hudsonsbay verlangt Oblaten für seine ungeheuere Diöcese und sie werden dort ihre Thätigkeit im Laufe dieses Sommers beginnen. In diesem Lande, das fast so groß ist wie ganz Europa und sich vom 7t). bis zum 142. Grade westlicher Länge und vom 48. bis zum 68. Grade nördlicher Breite, d. h. einerseits von den westlichen Gränzen Labradors bis über die Felscngebirge nach dem stillen Ocean hin, und andererseits von dem oberen See und den Gränzen der Vereinigten Staaten bis zum Eismeere erstreckt, sinv nur fünf Priester, deren ganzes, von einer Bevölkerung von ungefähr ZWO Katholiken vielfach in Anspruch genommenes Leben kaum dazu ausreicht die verschiedenen Posten der englischen Compagnie zu besuchen. Allerdings haben diese Priester bei all' ihrem Eifer bis jetzt nur hie und da den guten Samen ausgestreut in jenen ungeheueren Länderstrecken, wo die meisten Jndianerstämme ihre Unabhängigkeit noch bewahrt haben. Allein bald werden sie ihren festen Wohnsitz aufschlagen unter jenen fast noch unbekannten Völkern, die nach den Gegenden, welche sie bewohnen, verschiedene Namen führen und alle geneigt scheinen die Diener des Evangeliums mit offenen Armen aufzunehmen. (Katholik.) Aus dem heiligen Lande. Ausflug von Betlchem zur Wüste von Engaddi. Betrachtungen beim Anblick des todten Meeres. Das Dorf der Hirten. Nach dem Tagebuche von I. G. Priester der Diöcese Münster. Vetlehem, 24. April 1844. 77 Gleich nach dem Mittagessen ritten wir, unser drei Deutsche, vom Kloster ab. Das Ziel unseres Ausflugs war Davids einstmalige Zufluchtsstätte, die Wüste von Engaddi. Als Begleiter gingen mit unö zwei Betlehemitcn, auf deren Treue und Redlichkeit wir rechnen durften. Es war der Sohn des uns unvergeßlich gewordenen Commandari, des ersten Bürgers der Stadt. Wir nannten ihn gewöhnlich den kleinen David; der rechte Name aber des guten und wackeren Knaben war Antonio. Da er in der Franciscancr- oder katholischen Schule seinen Unterricht genossen hatte, so war es in der Ordnung, daß er wie überhaupt die katholischen Araber sehr gut italienisch sprechen konnte, obgleich es mitunter recht naive Ausdrücke absetzte. Der andere Begleiter, den der Vater des Knaben zu noch größerer Sicherheit mitgehen ließ, war ein alter Araber, der aber keine Sylbe italienisch verstand, wohl aber, weil er sich zur griechischen Kirche hielt, einige Worte Griechisch redete. Dieser Alte der in seiner Tracht und seinem Weißen Barte wirklich etwas Ehnurchtgcbictcndcö an sich hatte — er erinnerte uns an den heil. Joseph — sollte, im Falle sich uns Beduinen nähern würden, das Wort für unS nehmen. So ritten wir also, mit einigem Proviant versehen, den uns die guten Mönche von Betlchem als Nachmittagbrod mitgaben, ab und kamen bald am Felde der Hirten vorbei zum flachanlaufcnden Gebirge hinauf. Das F.ld der Hirten! wer könnte es passiren, ohne an das Aloria in exeeisis zu denken, was hier zum Erstenmale von EngclSstimmcn erArmz! Nnwürdigcrweffe hatten auch wir diesen hehren Hymnus. »Ze ihn die Kirche je nach den verschiedenen Festen in der heil. Messe balv feierlich, bald minder feierlich ertönen läßt, in der Nähe dieses Feldes angestimmt, und selig im Glücke, ihn an diesem Orte singen zu könncn, mehrmals wiederholt, bis wir fast die Hälfte des Gebirges erreicht hatten. So kahl und steinig die '-öcrge dahier auch seyn mögen, einige Kräuter unv — Schade, daß wir keine Botaniker waren — vielleicht manche nützliche und heilsame bringen sie doch hervor. Es ist als habe von der Fruchtbarkeit des Bodens, der einstens, wie die heil. Schrift sagt, von Milch und Honig floß, noch eine letzte Spur übrig bleiben sollen; denn alle diese Pflanzchcn und Kräuter, so verschiedenartig sie auch seyn mögen, alle geben sie einen mehr oder minder angenehmen, aromatischen Duft von sich, so daß man in den üppigsten Blumengarten versetzt zu seyn glauben würde — und ein Blinder würde eS sich nicht ausreden lassen, — wenn nicht die von aller Erde entblößten Felsen rund herum dem getäuschten Auge nur zu sehr eine öde Wüste darböten. In den Thälern links und rechts sieht man allerdings auch noch fruchtbares, von Beduinen angebautes Land. Auch mehrere Be- duinenlagcr sieht man hie und da in den Ebenen scstgestcckt. Wie schwarze Milben, die sich zu einem Häuflein zusammen gefunden hab>n, liegen sie da, die von Rauch schwarz und gelb gewordenen Zelte. In der Nähe weidet gewöhnlich eine Hcerde langohriger Schafe, und das Gebell dcö HurdcS vom Lager ciuö läßt merken, daß auch dort lebende Wesen sind. Was jedoch die armen Bewohner dieser bcduinischen Lager betrifft, so soll man in Zeiten, wo der Boden die nöthige Nahrung nicht versagt, vor diesen Beduinen wenig zu fürchten haben. Sie stehen schon im größeren Verkehre mit der Stadt, und sind ungefähr das waS bei uns die Bauern. — Zur Rechten jenseits des Thales schauten wir den himmelan sich erhebenden kegelförmigen Frankcnberg, zu dessen Füßen das Hirtcndvrflcin Thecua liegt, der Geburtsort des Pro- vhcicn Amos dcö Hirten von Thecua (vergleiche AmoS I.) Was jenen Frankcnberg betrifft, so ist er eine zum Theil künstliche Erhöhung auf dem Rücken des Gebirges, von den Kreuzfahrern, die wie auch jetzt noch alle Europäer von den Orientalen Franken genannt werde», als letzte Zufluchtsstätte benutzt, um sich vor den das Land überschwemmenden Saracenen zu retten. Ucbcrbleibsel eines Forts sollen noch vorhanden seyn. Nachdem wir endlich nach etwa 2 und ^ stündigem Ritt den Rücken des Berges erreicht hatten, bot sich uns ein überraschender Anblick dar. Das todte Meer lag dem Anscheine nach keine Stunde entfernt vor uns zu unseren Füßen. Doch man täuscht sich sehr. Die erst nach und nach sich abflachenden, kreuz und aucr herumführenden Gebirge lassen wenigstens noch 3 Stunden auf und ab steigen, ehe man das Ufer des Meeres erreichen kann. Doch dem seh, wie ihm wolle, es lag vor uns das Welt bekannte Meer, die schlimmberüchtigte Gegend von Sodom, wir sahen ans sie hinab, ohne des fast beständig darüber hängenden Nebels wegen das Ende desselben mit den Augen erreichen zu könncn. Wir vergaßen Engaddi, stiegen ab von unseren Thieren, setzten uns nieder und öffneten die Schritt. Daß wir das Glück haben sollten, bei einer anderen Ercursion das stille Ufer dieses SalzmccrcS zu erreichen, seine verbrannten schwarzen Steine zu schauen, von seinem Pcchharz ein Stück als Andenken mit in die Hcimath zu bringen, daß wir das jedem Sünder zu wünschende Gluck baden sollten, dahier mit der Natur die Folgen des Lasters und der Sünde zu schauen und zu beweinen, wie Hütten wir das erwarten dürfen, da man uns ja diese Gegend als so gar gefährlich geschildert hatte. Das war also einstens jene Gegend um den Jordan, die da war wie das Paradies der Erde, und wie Egvvten; das die Gegend, die sich Loth erwählte, als der friedliebende Abraham ihm die Wahl gelassen hatte, zur Linken oder zur Rechten zu ziehen. Lieber, so glaubten wir Abraham reden zu hören, laß keinen Zank seyn zwischen mir und dir, und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten! denn wir sind Brüder. Siehe, das ganze Land ist vor dir, ich bitte scheide von mir; gehest du ,ur Linken, so bleibe ich zur Rechten, willst du aber die Gegend zur Rechten wählen, so ziehe ich zur Linken, l^l. Mos. 13, 8.) Wir betrachteten Loth's Schicksal, der da bei allem zeitlichen Glücke dieses nebst seiner Seele verloren hätte, wenn Gott nicht an Abraham gedacht, und um dessen willen ihn erlöset hätte von dem schrecklichen Gerichte, was über die Bewohner jener Städte verhängt und vollzogen ward. (1. Mos. 19, 29.) Dort also war es, wohin eines Abends zwei Engel kamen als Loth eben am Thore der Stadt saß. Dort in Sodom war es, wo die Männer der Stadt vom Knaben bis zum Gr.is Loth's Haus, wo jene Jünglinge nach alter Sitte gastfreundschaftliche Einkehr genommen hatten, bestürmten, und seine Gäste herausforderten, um mit ihnen, den Unschuldigen, jenes die Menschheit entehrende, Völker- und staatcn- zerrüttcndc, nicht mit Unrecht auch heutzutage noch sodomitisch genannte Laster zu treiben. Schauderlich ist es, zu vernehmen: alle umgaben sie das Haus (s pusro usczuu sei senem,) und riefen: eciue illos live, ut cognosesmug eog. l^l.Mos. 19.) Wahrlich da mußte wohl das Maaß der Langmuth Gottes voll werden; an den Engeln des Herrn selber wollten sie sich vergreisen, an Fremdlingen, an Gästen, denen doch die alte und ehrwürdige Sitte Achtung und Schutz angedcihcn ließ! Doch wie alles eigene Ehrgefühl, so war auch alles Rcchtsgefühl in Folge ihrer viehischen Lüste längst erstickt. Kein Zureden Loth's half, das vor Leidenschaft entbrannte Volk drang immer näher, die Thüren des Hauses wollte man erbrechen. Da streckten die Männer, die im Auftrage Gottes hinübergckommencn Engel, ihre Hände hinaus und Alle, die draußen waren, wurden mit Blindheit geschlagen, vom Kleinsten bis zum Größten, so daß sie die Thüre nicht finden konnten, dann offenbarten sie den Zweck ihrer Reise. Alle die dein sind, so sprachen sie zu Loth, führe aus dieser Stadt; denn wir wollen diesen Ort vertilgen, weil sein Geschrei groß geworden ist vor dem Herrn, der uns gesandt hat, ihn zu verderben. Also noch eine Nacht blieben sie verschont, jene ungerechten, in den tiefsten Abgrund von Unsittlichkeit versunkenen Menschen, sie die da verdient hatten, auf der Stelle in die tiefsten Tiefen der Erde zu versinken, sie blieben noch einige Stunden verschont. — (Schluß folgt.) Schweiz. Frciburg, 4. Juni. Letzten Sonntag wurden in der Kirche !zu Unser Lieben Frau die von dem Jesuiten P. Morel eingeführten !Maricnandachten, welche den ganzen Maimonat dauerten, mit einer !auf den Sieg der Luzerner bezüglichen Predigt des Bischofs unter ! ungeheurem Zudrang des andächtigen Volkes beschlossen. Eben > dieser von der Vorsehung geschenkte Sieg wurde auf bischöfliche i Anordnung auch in den katholischen Kirchen der Kantone Waadt, iNcucnburg und Genf gefeiert. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Jnhab-r: F. C. Kr einer. 9* 5 ^aS» ' D-i/,^ der «, A«gsv«rgev Postzeitttng. Erlie Jahreshälfte. SS. Juni 1845. Aus dem heilige»» Lande. Ausflug von Betlehem zur Wüste von Engaddi. Betrachtungen beim Anblick des todten Meeres. Das Dorf der Hirten. Nach dem Tugebuche von I. G. Priester der Diöcese Münster. Betlehem, 24. April 1844. (Schluß.) i-s Wie schwer und hart es jedoch selbst den Gerechten, aber doch immer noch sinnlichen Menschen wird, diese Erde mit allen ihren bösen und verführerischen Menschen zu verlassen, davon gibt Loth mit den Scinigcn ein schlagendes Beispiel. Mußten ihn doch die Engel, da er zauderte, bei der Hand nehmen, und ihn fast gewaltsamer Weise hinausführen aus der unglücklichen Stadt. Und nun — als eben die Sonne aufging über die Erde, als Loth einging in Segor, als Sodom's Bewohner, von thierischen Lüsten gesättigct, in viehischen Schlaf noch versunken daliegen mochten, — da regnete der Herr über Sodom und Gvmorrha Feuer und Schwefel vom Himmel herab, und kehrte viese Städte um, und die ganze Umgegend, alle Bewohner der Städte und Alles, was da grünte auf Erden. Was aber dort geschah zu den Zeiten Loth'S, man aß, man trank, man kaufte und verkaufte, man pflanzte und baute bis zum Tage, wo Loth von Sodom auszog, und der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel regnete und Alle vernichtete, das wird auch einstens geschehen, wenn der Mcnschen-'sohn wieder kommen wird in Macht nnd Herrlichkeit, das wird um so gewisser geschehen, als er selber bei Lukas 27, 28, ungefähr in der besagten Weise uns dieses Ende der Welt vorhcrgcsagt hat. Denn so heißt es ferner an jener Stelle: wer auf dem Dache ist und Geschirre hat im Hause, der steige nicht hinab, sie zu holen, eben so wer auf dem Felde ist, der kehre nicht zurück nach Hause u. s. w. Noch zwar ist das Maaß der Langmuth Gottes nicht voll. Noch gibt es der Gerechten in allen Länder» der Erde nicht wenige. Mehr noch denn 10, mehr denn 109, denn 1000 von reinen und unschuldigen Seelen leben in Klöstern und Einöden, bei Tag und bei Nacht ihre Hände zum rächenden Gott erhebend, und Erbarmen erflehend, kraft des kostbaren Blutes, was ein Gottessohn für uns Alle vergoß, kraft der mächtigen Fürbitte, die eine Gottesmutter bei ihrem Sohne ! einzulegen vermag. Hundert und tausend Priester stehen noch ! immer zwischen dem Vorhof und dem Altar, das Sllhnopfcr bringend für die Sünden der Welt. Dieß und dergleichen erwogen wir hier Angesicht's des todten Meeres, und wer, der mit uns diese als ewige Warntascl für das Menschengeschlecht daliegende Wasserfläche gesehen hätte, würde nicht zu ähnlichen Gedanken gekommen seyn! Dort zur Nichten hinter jenem Berge, dachten wir dann, wird Hebron liegen, und hier zur Linken Jericho. Wie oft mag Abraham diese Gegend durchwandert haben, er, dem gesagt ward: „Mache dick auf, ziehe durch das Land nach seiner Länge und Breite; denn ich will es dir geben!" (I.Mos. 13, 17.) Unter solchen Gedanken gingen wir zu Fuße weiter bis wir zu einer Höhle kamen, die uns unser kleiner David als die bezeichnete, wohin die Pilger gewöhnlich gingen, wenn sie die Wüste von Engaddi besuchten. Indessen befand sich nicht weit davon noch eine zweite ganz ähnliche Höhle, die eben so gut dafür ausgegeben werten konnte; eine dritte noch entferntere, zu der wir aber wegen Mangel an Zeit nicht hinkommen konnten, soll ebenfalls Davids Höhle genannt werden. Eine oder die Andere mag wohl die richtige seyn. Die beiden Höhlen, die wir sahen, waren fast gleich groß, und man muß staunen, wie David von Sanl nicht bemerkt werden konnte, da sie innerhalb kaum 15z Schritte weit ist. Allein wenn man bedenkt, unter wessen Schutz David stand, der da singen konnte: Doininu8 illumingtio mva 0t, 5ulus mva czuom timcko? si cvnsistgnt »«Ivvrsum nie oasln», non timvl)i1 cor meum. (Ps. 26.); wenn man bedenkt, wessen Ahnvatcr, wessen Borbild David war, der Vorfahrcr des Messias, des Sohnes Gottes, der sich nennen ließ den Sohn Davids, den Sohn Abrahams, und unsichtbar ward, als man ihn in seiner Vaterstadt Nazarcth vom Berge hinabstürzen wollte, — dann kann man auch auf David und seine Begleiter anwenden, was wir bei Luc.-4, 30. lesen: ip5v gutem transiens per mu,!. Die Stelle lautet also: „David aber zog von da hinauf und weilte in den sicheren Orten von Engaddi." Wenn man die Gegend betrachtet, so kann man unter diesen sicheren Orten unmöglich etwas anderes verstehen, als eben die steilen Felsen, die nur Steinböckcn gangbar sind, unv die durch die Natur gleichsam Festungen bilden. l^Wie dieß auch Allioli in einer Anmerkung zu dieser Stelle meint.) Im zweiten Verse ist die Rede von einer Wüste Engaddi; die Gegend, wo wir hier verweilten, glich freilich einer Wüste. VerS -1 ist die Rede von Schafhirten, deren wir im Thal überall sahen, und einer Höhle, wohin Saul, wahrscheinlich um zu schlafen, hineintrat. David und seine Männer lagen versteckt im inneren Theile derselben. Wenn eine jener Höhlen, die man für die Höhle von Engaddi anszibt, die wahre seyn soll, so können nur wenige Männer mit David darin versteckt gewesen seyn, denn wenigstens die beiden Höhlen, die wir hier sahen, sind so klein, daß 5t) Mann sie ganz ausfüllen würden. Hier also war es, wo David sich hätte rächen können an seinem Feinde, dem Verfolger, und statt dessen seine Ruhe nicht störte, sondern heimlich ein Slück von dessen spricht die Braut im hohen Liede 1, 13., ist mir eine Cypros- traube von den Weinbergen Engaddi's.) Diese Weinberge haben wohl mehr an den Abhängen der Berge, oder zwischen den Bergen, in denen auch jetzt noch fruchtbare Thäler sind, gestanden. Wir bemerkten besonders ein Thal oder einen flachen Hügel, dessen Erde halbröthlich war, ja hie und da soll auch noch wirklich Wein wachsen, und der süßliche Wein, den man in Betlchcm cvnsumirt, soll zum Theil aus dieser Gegend von Engaddi kommen. Indessen haben wir selber hier nirgends Weinpflanzung g,sehen. Nimmt man an, daß der CvproS ein Baum war, dessen Blüthen Traubenweise an besonderen Stielen hingen, und einen angenehmen Duft gaben, und statt Weines einen Balsam lieferten, von welchen Bäumen, wenn ich nicht irre, PliniuS irgendwo erzählt, und hinzufügt, daß Titns einen solchen aus Palestina nach Rom gebracht habe, so kann ich versichern, daß solche Bäume in Engaddi in der ganzen Gegend nicht mehr cristircn, wohl aber, wie schon gesagt. Kräuter, die einen aromatischen Geruch von sich geben, den selbst die, welche ich von dort in die Hcimath mitgebracht habe, bis heute noch beibehalten. Bei der Rückkehr nach Bctlehem schlugen wir einen näheren Weg ein, indem wir dort, wo man vom Gebirge am ersten in die Ebene hinabsteigen kann, hinnnterklettcrtcn, und unsere Thiere nachkommen ließen. Der Beduine, der bis dahin nicht von unserer Seite gegangen war, schlug teu Weg zum todten Meere hin ein, und entließ unö freundlich. Ja er ließ uns zuützt noch durch den Araber sagen, wenn wir ein andereömal etwa nach Jericho oder dem todten Meere gehen wollten, so wolle er eö dem Scheck, seinem Bruder anzeigen, und es solle uns eine hinlängliche Bedeckung zugeschickt werden, worauf wir jedoch nicht eingehen konnten, Da die Forderungen, welche man einzelnen Personen macht, gar zu bedeutend sind. Während wir den Berg hinunter gingen hörte ich, da ich einige hg Schritte voraus seyn mochte, von unten her einen andern Beduinen schreien. Anfangs achtete ich wenig darauf, je näher ich jedoch der Ebene kam, desto genauer bemerkte ich, daß mich das Rufen anging; ich glaubte anfangs er se» verdrießlich darüber, daß wir in seine Ebene herunter kämen, und etwa durch sein angebautes Land ziehen mußten, blieb daher stehen, bis die Anderen herbei kamen. Der Beduine war ein Schäfer unv hatte seine Hccrde weithin zurückgelassen, und schrie mir in Einem Mantel schnitt; der Herr sey mir gnädig, sagte David, daß ich, fort zu, und zwar so laut und grell, daß ich wirklich nicht anders glauben konnte, als daß ich irgend wie ein Recht verletzt hätte; ich bat daher den Araber, der uns begleitete, ihn zu fragen, was meine Hand an ihn lege; denn er ist der Gesalbte des Herrn; daher verdiente er es denn auch, daß Saul, als er jene Großthat aus Davids eigenem Mnnde vernahm, ausrief: „Du bist gerechter denn ich! denn du hast mir Gutes gethan, ich aber habe dir BvseS vergolten!" Und Saul zog dann in sein Haus zurück, David aber und seine Männer verweilten auf dem Gebirge. Wahrscheinlich lagen seine übrigen Männer in anderen Höhlen, und er mit 2 oder Z in dieser; und die Sprache, w.lche die Männer mit David führten, wird mehr durch Zeichen und Winke als in lauten Worten bestanden haben. Auch gegenwärtig scheinen die Araber sich dieser Höhlen noch zuweilen zu bedienen, denn die Decken waren schwarz von Rauch, auch die Tritte von Schafen bemerkte man inwendig, und es scheinen wie zur Zeit David'S auch jetzt noch diese Höhlen zu Schafhürden benutzt zu werden. Eine ähnliche Höhle, ähnlicher Bestimmung dienend, war auch jene heilige Grotte zu Bcllchcm, worin unser Herr und Heiland JcsuS Christus geboren werden wollte, nur war diese nicht so schwer zugänglich, er wolle, denn er höne nicht auf zu schreie» und zu rufen, und mit Händen und Füßen zu demonstriren. Und was war es, was er wollte? ein bischen Taback für sich ; dann wünschte er noch eine Handvoll mehr für seinen alten Vater. Diesen seinen einfachen Wunsch hatte er nun vielleicht 20mal wiederholt, und mit solcher Lebhaftigkeit, daß man niemals auf den Gedanken kommen konnte, daß von einer so geringfügigen Sache die Rede war. Mein Begleiter, der Taback bei sich hatte, gab ihm sofort all seinen Vorrath, und die Freude und der Dank, womit er seine Hand an Her; und Stirn legte, war rührend. Er eilte alsvbald zurück zur Hcerdc und wie wird er sich erst am Abend gcsrcut haben, als er seinem alten Vater eine kleine Hand voll Taback überbringen konnte. So sollen überhaupt die Beduinen seyn, sie sordcrn wie die Kinder Alles was sie sehen, und gibt man ihnen etwas, so sind sie zufrieden. Abschlagen dürste man ihnen nichts, das würde wie jene in der Wüste Engaddi. Wird Engaddi in der hl. Schrift! sie kränken und zur Rache aufreizen. Ein ähnlicher Fall kam mir eincSthcilS Wüste genannt, so ist an einer anderen Stelle auch ^cin anderes Mal vor, als wir ebenfalls an einer Schafhccrde vor- von den Weinbergen Engaddi's die Rede. (Mein Geliebter, so! bei kamen; als wir um ein Bischen Trinkwasser baten, reichte man uns sofort frische Milch von ihrer Heerde, und war zufrieden als Wir unsere Erkenntlichkeit mit ein paar türkischen Piastern (ein Piaster mag ungefähr 2 Silbergroschen oder 6 Kreuzer nach unserem Gelve seyn) zu erkennen gaben; als wir ihnen dann auch ein Stück frischen Brodes gaben, waS wir für die Reise mitgenommen, wußten sie uns nicht genug zu unterstützen, um uns wieder auf unsere Pferde zu helfen. Nachdem wir in die Ebene hinabgekommen, hatten wir „och einen müßigen Berg zu übersteigen um wieder in das Hirtenftld zu gelangen. Und vor uns lag Bctlehem oder vielmehr die Kreuzkirche der Geburt mit ihrem einfachen Kreuze auf dem Dache, einen Thurm hat sie nicht. Die ganze Gegend verräth die größte Einfachheit nnv hat in der That etwas Idyllisches an sich; denkt man sich, daß dieß die Gegend war, wo einstens die Hirten zur Nachtzeit bei ihren Heer- dcn wachten, wo die Herrlichkeit Gottes sie umleuchlcte (Luc. 2, g — lg.), wer möchte da nicht mit ihnen ausrufen: transeamus Letlelrem. Indeß zuvor machten wir noch einen kleinen Abstecher zum sogcnantcn Dorfe der Hirten, das eine Viertclstunve von Betlehem entfernt ist, einer der interessantesten Puncte bei Bctlehem. Denn jenes unbeschreiblich ärmliche Leben dieser Hirten, diese Kleidung der Männer und Frauen die, wie man behauptet, noch ganz ähnlich ist mit der Kleidung zur Zeit Christi, dann der Gedanke, daß dieß kleine Dörfchen es war, dessen Bcwohr.cr vor allen anderen Mensche» der ganzen Welt zuerst mit der frohen Botschaft der Geburt des freiwillig ärmsten aller Menschenkinder beglückt wurden; der Gedanke, daß die Bewohner dieses OertchenS von jeher Christen gewesen seyen, und sich bis heute zum Christenthum bekennen, wie sollte das Alles nicht mit Wehmuth und Freude erfüllen, wie nicht zu drn erhabensten Betrachtungen über Gottes Vorsehung und Leitung stimmen? Leider sind di.se armen und guten Hirten durch die Ränke der Griechen zur Zeit als sie sich in der äußersten Noth befanden, durch Gold verlockt, zur griechisch- schismalischen Kirche übergetreten. So lange Katholiken in Betlehem waren, waren sie kaiholisch; und ich glaube nicht unrecht zu haben, wenn ich b Haupte, sie seyen noch katholisch, wenn auch nicht in ihrem äußeren Bekenntnisse, so doch dem Geiste nach; auf sie kann man gewiß anwenden: „sie wußten nicht, was sie thaten," dv-rti pureres s>>ii-itu> Wir ritten mitten durch das Dorf, das nur aus einigen 20 Häusern bestehen mag, die jedoch eher Ställen als menschlichen Wohnungen ähnlich sind. Da liegen denn die Mütter mit ihren Kindern vor der Thüre mit Hausarbeit, gewöhnlich der Handspindel beschäftigt. Die Hauöthüre ist die einzige Ocssnnng des Hauses, ist sie verschloss n, so liegen sie wie in einem Stalle, der das einzige Wohnzimmer des ganzen HanscS ist. Sie schlafen auf der Erde auf einigem Stroh liegend, und ihr Kleid ist das Bett. Bei aller dieser Armnth scheinen sie je> doch froh und vergnügt zu seyn, denn sie sind cS nicht anders gewohnt, und so lange sie Brod verdienen, kennen sie keine Klage. Ucberall mögen die Sitten der Völker durch die Zeitoerhältnisse sich geändert haben, in diesem Dörfchen ist Alles geblieben, wie eö war zur Zeit, als JesuS der Welterlöscr dort geboren wurde, und die friedlichen armen Einwohner zu sich lud zu der Krippe, wo dann auch wir unverdienter Weise gegen Abend unsre Dan- kcSthränen fließen lassen konnten. Deutschland. Urtheil eines Protestanten über Ronge. Unter dem Titel „die neue deutsch-katholische Bewegung, an dem Maaßstabc der heiligen Schrift gemessen," ist in Bcannschwcig im Verlage von G. C. E. Meyer sc>n. ein sehr interessantes Schriftchen erschienen. Der Verfasser ist ein Gläubiger, und nach dun, was wir schon früher über ihn geho t haben, ein mit sehr gediegenen Kenntnissen ausgestatteter Candtdat der protestantischen Theologie, Hermann Scholz aus Wvlfenbüttcl, derzeit Informator in Lievland. Da er so dem Schauplatze der Bewegung serne steht, so ist sein Urtheil um so unbefangener. Seine Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, die wir bei andern Protestanten, wenn sie über katholische Angelegenheiten schreiben, leider so oft vergeblich suchen, läßt auch nicht zu, daß cr nicht unumwunden seine Ueberzeugung aussprcche, auf die Gefahr hin, von seinen Glaubensgenossen, wie das auch nicht das Erstemal geschähe, für einen gchcimcn Anhänger der katholischen Kirche gehalten zu werde». Man muß gestehen, daß er bei Beurtheilung der Sccte überall das Richtige gefunden hat Seine größte Aufmerksamkeit hat cr dem ersten Urheber derselben, dem Apostaten Ronge selbst zugewendet. Eö wird eine Betrachtung angestellt über „Nonge'S Werth als Mensch, als Priester und als Christ." Die Bcur- thcilungSgründe werden aus verschiedenen Sendschreiben des Apo staten hergenommen und diese theils als durch sich selbst verwerflich, nichtssagend und unsinnig da-gclcgt, tbcils mit den Worten der heiligen Schrift zusammengestellt, um dadurch ihre Nichtswürdigkeit und ihr Abweichen von allen christlichen Gruudsätzxr offen bar zu »rächen. Dabci spricht sich der Verfasser unvcrholen für mehrere Glaubenslehren und Grundsätze der katholischen Kirche aus, welche der Protestantismus nicht anerkennt ;. V. für die Verehrung der Reliquien, die Priesterweihe, die mündliche Ueberlieferung, die hierarchische Ordnung, den Exorcismus bei der heiligen Tanfe und für die Ohrcnbeichte. Die Gebrechen des Protestantismus sind ihm wohl bekannt und cr verschweigt sie nicht. So sagt cr z. B. „Hat sie (die katholische Kirche) doch nie in dem Grade, als es leider i» der protestantischen Kirche geschehen ist, den Glauben verläugnet; hat sie doch nie, so wie es bei uns geschehen ist und noch geschieht, ihre Freiheit an die weltliche Macht verkauft, das Recht, sich frei nach ihrem Princip zu gestalten, das Recht, sich ihr Regiment und ihre Diener selbst zu setzen, Unwürdige von ihrem Verbände auszuschließen u. s. w. Hat sie sich doch nie zur Staatsanstalt herabwürvigen lassen! Darum scheint cS uns eine Gottlosigkeit, die römisch-katholische Kirche so mit Koth zu bcwer» fcn, wie Ronge mit seinem Anhange es thut :c." — Wir können nicht unterlassen, noch Einiges ans !c» Schlußworte» mitzutheilen: „Die katholische Kirche (heißt cS da) hat gcwisscrmaaßcu Ursache sich zu freuen, das; diese verderbten Bestandtheile ihres Körpers, welche bisher mehr verborgen zum Schaden der gcsundcn Glieder wirkten, nun von selbst wie durch ein Geschwür heraus eitern; und sollten, wie schon hie und da geschehen, auch Protc stauten dieser »cueu Gemeinde zufallen, so wäre in ihr vielleicht auch unserer Kirche ei» Ab;ugScanal eröffnet, durch den von unserer Kirche sich selbst ausschiede, was einmal nicht zu ihr gehört. Nicht vor der Verödung, sondern vor dem Lerderbniß hat sich die Kirche Gottes zu fürchten. Die Zeit ist vor der Thüre, ahnet dem Christen, wo der innere Abfall so Vieler, die jetzt im äußeren Verbände der Kirche stehe», sich in offener Loc-sagnng vom Christcnthumc offenbaren wird. Die Christenheit wird dann wohl sehr zusammenschmelze», aber was übrig bleibt, wird größtc»thcils reines Gvlv seyn. Und das wären denn die Vorboten der Wiedc» crschcinung Christi und deS jüngsten TagcS, wie er vorher gesagt hat Luc. 18, 3.: „Wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?" '-Bergt. 2 Timolh. 3, 1. Iudä 13... . Ihr, die ihr euch rühmet und frohlocket, nunmehr von der römischen Kirche los zu seyn, sehet zu, ob ihr nicht vielmehr von Gott und von Christo los seyd, ^icht eine Kirche Christi, sondern Feinde seines Reiches. Wir wollen euch weissagen, was kommen wird! Ihr werdet bald so viel verschiedene Sccten als Gemeinden seyn, und eine wird die andere im Unglauben und in der Verwirrung überbieten. Die prächtigen und rührenden Redensarten, mit denen ihr eucrc Tod- tcngräbcr übertünchet, eure neuen Gottesdienste und Einrichtungen ansbictct, sollen uns nicht täusche» noch blenden. Auch die französische Revolution begann mit solchen schonen Redensarten: öffentliches Wohl, Mcnschciircchtc, Liebe, Begeisterung; und Viele ließen sich dadurch täuschen. Aber Wem das Ohr geschärft war, der hörte schon damals durch diese Flötentöne das Fallen der Guillotine, das Heulen der Sturmglocken und den schrecklichen Nnf: ü Iiss Iv Itcii! -> I)as Oicu!... O Deutschland, du einst vor allen Ländern gcbcncdcictvs, nun aber schier vor allen mit Unscgcn bcladcncs Land, dessen wankender Grund auch bei dieser neuesten Erschütterung offenbar wird; daß du dich vou deinem bösen Engel, deiner Nachbarin im Westen, die dir zur Versuchung an die Seite gestellt ist, immer mehr verführen lässest, ihr nack- uiabmcn! Wer könnte es treu mit dir meinen und sollte nicht wünsckcn, er könnte in die Speichen deiner Räder greifen und den rollenden Lauf zum Stehen bringen, der dich immer näher hinab nn den Abgrund führt? Wie lange wird ein großer Theil deiner Kinder, in die Knechtschaft der TagcSblättcr gegeben, blindlings folgen dem Zuge seiner falsche» Propheten, die ihnen Freiheit verheißen, während sie selbst Knechte des Verderbens sind? (2Petr. 2, 19.) O, daß du doch bedächtest, waS zu deinem Frieden dient, ehe dich das Strafgericht treffe, das deine Nachbarin schon ereilet! Bekehre dich zum Herrn, so wird er sich dein erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung (Jes. 55, 7.). Das walte Gott!" (Katholik.) « » « Die im Interesse des NcuglaubcnS, rcsp. Unglaubens veröffentlichten ZcitnngMrtikel tragen, wie das Schlcsische Kir- chcnblatt sehr richtig bemerkt, fast sämmtlich ein so ganz gleichartiges Gepräge, als wenn sie aus einer und derselbe» Münzstätte hervorgegangen wäre». „Ucbcrall soll der Geist für Einführung des ChnstcnlhnmS sich kund geben; überall ist der Tag, an welchem Herr Rouge in irgend einer Stadt erscheint, ein ewig denkwürdiger und wird in den Annalen derselben fortleben; überall ist tie Stunde, wo der neue Goltcsdicnst gehalten wird, von hoher Wichtigkeit; überall spricht der Redner klar und mild tief in die Herzen Vcr andächtigen Gemeinde; überall ist die Predigt tief durchdacht und macht sichtbaren Eindruck; überall werden von dem großen Ernst und heiligen Feuer, mit welchem die r ine Lehre des Herrn verkündet wird, die Gemüther mächtig ergriffen; jegliche Feierlichkeit ist wahrhaft hcrzerhcbcnd und tief erschütternd; die Vorbereitungen zur heiligen Communion sind natürlich höchst erbaulich; kurz und gut, der Gottesdienst wird in wahrhast erhebender Weise abgehalten, und so oft mit hinreißender Bcrcdtsam- teit nnd herzergreifender Innigkeit eine Predigt gehalten wird, so hört ein Jeder mit unverkennbarer Aufmerksamkeit und Andacht zu. Ob solche Phraseologie, wie sie aus einigen wenigen ZcitungS- j blättern hier zusammengestellt ist, so ganz buchstäblich Wahrheit! enthält, bleibt unentschieden, wenn auch ein schlichter Landmann! aus Obcrschlcsicn nach Brcslau reiste, um hier das Urcbristenthum zu erkennen, oder ein Stadtoberhaupt ein solennes Mittagbrod zu Hause veranstaltete; daß sie aber aus Effect berechnet ist, bedarf keines weiteren Beweises. Dieser Zweck ist allerdings hie und da erreicht worden, indem bereits mancher gutmüthige Schlesicr, der von publicistischer Diplomatie keine Vorstellung hat, der Vesorgniß Raum gab, daß sowohl der Katholicismus als Protestantismus seiner Endschaft nahe. Aber Gott sey Dank, die Sachen stehen besser; die Gotteshäuser sind überall jetzt zahlreicher als je besucht, die Anhänglichkeit und Liebe zur Lehre unseres göttlichen Erlösers beseelt Katholiken wie Protestanten gleich stark, und in Eintracht werden beide Confessivnen als im Staate gleichgestellte neben und mit einander fortbestehen." » » Dem Katholik wird geschrieben: Unlängst sollte auch das eine halbe Stunde von Mainz gelegene Dors Weisen an wiederum mit der neuen Schneidcmühlcr Hnlslchrc beglückt werden, nachdem schon früher einige Emissäre bei Einzelnen es versucht hatten, sie zum Abfalle von der katholischen Kirche zu verführen. Schon zu drei verschiedenen Malen trieb sich nämlich ein anständig gekleideter Fremder auf den Straßen Heruni, gesellte sich freundlich zu den größeren Schulkindern, fragte sie allerlei und knüpfte daran seine Belehrungen vom neuen Messiasrciche und dem Umsturz der katholischen Kirche. Unter anderem Unsinne sagte er: unser lieber Herr Gott würde wieder auf einem Esel geritten kommen und einen feierlichen Einzug halten. Dann forderte er sie auf, „deutschkatholisch" zu werden, wollte ihre Namen in ein Büchlein schreiben und bot Einigen Geld dafür an. Die Kinder, namentlich ein dreizehnjähriger Knabe, wiesen ihn jedoch mit seiner Lehre und seinem Gelde ab und hielten ihn für einen Narren. Auch in Hänsern war er, besonders bei einem anspruchslosen, frommen Winzer, zu welchem er sich begeben hatte, nachdem ihm bei den Kindern seine Spcculation nicht gelungen war. Als ihn aber der schlichte Mann fragte, welcher Religion er denn eigentlich zugehörc, hielt er es nicht unter der Würde eines Glanbcnsverkündigcrs, zu erklären: „Hier sind die Leute katholisch — da bin auch ich katholisch; und bet Protestanten bin ich protestantisch." Da cntgcgncte ihm der durch solches Glaubensbekenntnis; nicht befriedigte Winzer: „Da sind Sie also gar nichts!" wandte ihm den Rücken und ließ ihn mit Verachtung stehen. Ich kann bei der Gelegenheit die Frage nicht unterdrücken: Was würde einem Katholiken (und zwar mit Recht) geschehen, der auf so unverschämte Weise in einem fremden protestantischen Orte sich Solches erlauben würde? Wie oft hat man die Katholiken und besonders die Geistlichen als Proselytenmcichcr angeklagt, wenn sie ihre tausendjährigen Rechte ausüben und ungehindert ihrem Glauben leben wollten? Wie übel wird es aufgenommen und fast als Kriegserklärung angesehen, wenn irgend ein Katholik, der gar nicht bekehren will, sondern durch allerlei Neckereien und Verspottungen seines Glaubens und besonders der heiligen Gebräuche desselben gezwungen, endlich erklärt, daß die katholische Kirche die einzig wahre nnd alleinseligmachende sey, daß es nur eine Wahrheit gebe, also auch nur eine wahre Kirche geben könne? Und wir müssen uns von diesen Schwärmern Alles gefallen lassen! ! Freilich, die katholische Kirche ist cS schon gewohnt, stets nach einem besonderen Maaßstabe gemessen und unter dem Aushängcschildc von „Toleranz," „Aufklärung," „religiöser Freiheit" und .allgemeiner Menschenliebe" gelästert und mißhandelt zu werden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. ? XV ^ays - Mei/., der Augsbttvger Iweite Jahreshälfte. lt MV ^S-tt-^c-A Utz^-A^M? -~ ^-^ Z .„^^ Poftzeitung. ^SrM^ V» «. Juli Eine freie Vetracliruna über die Heiligkeit der Kirche. 5 Wenn der Mensch in sich wahrnimmt, daß er nach höherer Vollkommenheit streben soll, ihm eine höhere Lehre sagt, daß es hienicden seine Bestimmung sey: „Gott, dem vollkommensten Wesen ähnlich zu werden," was muß sein Inneres mehr begeisternd erheben, als ein unbefangener, vorurtheilssreier Hinblick auf die römisch-katholische Kirche, die da auch heißt „heilig"?! Sie ist heilig in sich und Andere heiligend — ich mag betrachten ihre Lehre, oder ihre Satzungen, cder ihre hl. Sacramcnte, oder ihre Anstalten, Ceremonien u. dgl., überall wehet derselbe Eine Geist der Heiligkeit und Heiligung. Und Wie kann es auch anders seyn, da ihr Aus- oder Aufgang von der Höhe —- Oriens ex sl(o — aus ewigen Licht - Regionen, aus dem Reiche der Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit ist, da ihr Stifter die Heiligkeit selbst ist, und diese seine Braut als mackel« und fleckenlos unter namenlosen Schmerzen durch Blut und Wasser am Kreuze in seinem heiligsten Herzen uns gebar. — Auch vom Kreuze herab möchte ich von der Kirche sagen: Oiieiis ex alto — ciuao est ists, ciuas procossit sieut sol . . . Lle-Lta vt sol, pulclrrg. ut Kur» . . . sieut suror» eon- suigeris . . . puletna es . . ? ! Die Seite wurde geöffnet, und es flössen die Quellen des unsterblichen Lebens, die der heiligen Kirche Daseyn und Fortdauer geben. Der Mensch, zur Welt gebore», wie armselig! Die Erbsünde mit ihren Folgen lastet auf ihm; er ist in den Augen des Allheiligen un heilig, ein Gegenstand des Zornes und Mißfallens. Wo ist nun für ihn ein Heiligungsmittel? In der Kirche, sie heiliget ihn durch daö Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des hl. Geistes. (Tit. 3, 5.) Er wird Gott Wohlgefällig, zum Kinde Gottes neugeboren, zu Gottes Ebenbild in Christo erneuert. „In den Wicdergcborncn hasset Gott nichts"... (hl. Synod. v. Tr.) Da nun aber nach Gottes Weisheit in den Getauften noch die Begicrlichkeit, oder der Zunder der Sunde zurückbleibt — ohne aber eine wirkliche Sünde zu seyn; denn Sünde ist nur, wo Uebereinstimmung des Willens mit der Begierde ist — da das Fleisch gegen den Geist, und den Geist gegen das Fleisch gelü- . stet, beide sich entgegen stehen (Gal. 5, 17.); da der Mensch zum Kampfe gegen Welt, Fleisch und Satan auftreten soll, wer wahret ihn vor unhciligen Wegen, wer lichtet das Dunkel seines Verstandes, diese traurige Folge der Erbsünde, daß er Vöscö vom Guten unterscheide, nach dem Rathe der Bösen nicht gehe, auf rein Wege der Süudcr nicht stehe und wandle, und auf dem Stuhle der Pestilenz nicht sitze, daß die Bosheit seinen Verstand nicht verkehre, noch ersonnene Lehre seine Seele betrüge, der Zauber der Eitelkeit nicht verdunkle das Gute, und uustätc Begicrlichkeit nicht verkehre seinen arglosen Sinn, sondern daß er seinen Glauben nach seinem Taufbunde standhaft bekenne, und nach solchem — srvmm und heilig — lebe? Wer gibt seinem Willen, durch die Erbsünde geschwächt und zum Bösen geneigt, Kraft? Du bist es, heilige Kirche mit deiner heiligen Lehre und dem heil. Sacramente der Firmung, das sich zur Taufe wie Wachsthum zur Geburt verhält, die Gläubigen, die durch die Taufe unter die Fahne aufgenommen, zum Kampfe bewaffnet, ihnen Kraft und volle Stärke des Gemüthes und die Vollkommenheit zur Gnade ertheilt — die Taufgnadc vermehrt, im Glauben stärkt und zum vollkommenen Christen macht. Doch die Welt liegt im Argen, der Mensch wird mehr oder weniger nmsluthet von stürmenden MccrcSwogen reizender Lockungen auf unheiligc Pfade von innen und außen, und wird, ach! überwuudcn ein verlorener Sohn, und irret im flrnen Lande un-- hciligcr Gesellschaften, losgetrennt vom Umgänge mit dem himmlischen Vater — gottlos. Nun aber noch nicht ganz verloren, erkennt er sein Unrecht, seinen unhciligen Wandel; eine innere GottcSstimmc, das anklagende Gewissen, macht ihm bittere Vorwürfe, läßt ihn nicht ungestört bei seinem TagcSgcsä'äftc, noch im fröhlichen Zirkel trauter Freunde, noch im nächtlichen Schlafe, indem ihm nicht gilt: In paee iir i«.Ii'i??um, elvrmiam et re- cuiiescam; überall in sich beunruhigt schwebet ihm vor das zürnende Antlitz des Allhciligcn, dessen Ebenbild er in sich so undankbar und schändlich, vollgisättigt von thierischen Lüsten, verunstaltet, und die himmlische Taufgnade verloren. Unglücklicher! hast du Neue und gute Vorsätze, so verzage nicht, komm, komm! eile! der Vater zieht dich, er kann dich nicht so unhcilig und verloren sehen; eile der Kirche, dieser schönen Mutter, dieser Braut Jesu Christi, die dich sucht, in die Armc, und bekenne demüthig und aufrichtig deinen unheiligen Wandel, und sie wird mit Frcudcnthrcincn dich umhalsen, und mit der himmlischen Lösegcwalt, gleich dem barmherzigen Sa- mciritan, sacramentalischen Wein und Oel in deine Seclenwunden gießen, sie gchcimnißvvll heilend verbinden, und dich wieder mit dem Lilienklcidc der h eiligmache ndcn Gnade schmucken, worüber der Himmel sich freut, und die Hölle knirschet. Ja, noch mehr! Ein köstlich Mahl ist dir bereitet, wunderbar dich stärkend i» Dieser zweite» Taufgnadc, die du erlangt durch innern Schmerz und Bußthnincn; denn der von einer schweren Krankheit Genesene bedarf stärkender Nahrung. Diese findest du in dem allerhciligstcn Altarssacramcntc, in welchem Jesus durch seine heilige Kirche sich selbst uns zur Scclenspcisc gibt, um nicht uur die hciligmachcnde Gnade in uns zu erhalte» und zu vermehren, sondern um sich mit uns auf'S innigste zu vereinigen, von läßlichen Sünden zu befreien, die Seele vor zukünftigen Uebeln zu bewahren, die böse Lust in uns zu mindern und zu unterdrücken, und uns den Eingang zum ewigen Leben zu eröffnen. „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm » . . der hat das ewige Leben." (Joy. v, 57, 59.) Wer kann unsere Seele mehr heiligen, als der Urheber allc^ Heiligkeit selbst, wenn wir uns recht ost und wohl vorbereitet mit ihm in diesem Sacramente zu vereinigen suchen? So will uns der Heiland mittelst seiner heiligen Braut, der heiligen, römisch-katholischen Kirche, heiligen, sucht den Verlornen, heiligt den Unheiligen, kräftigt ihn mit himmlischer Speise, und gebiert und führt ihn zum ewigen Leben. Der Stammbaum dcö menschlichen Geschlechtes, der Ehestand, wurzelt im Paradiese, gepflanzt, gesegnet und geheiliget von dem, der da sprach: „Wachset und vermehret euch, und erfüllet die Erde." (Genes. 1, 28.) In reiner Liebe, ferne von wilothicrischcr Lnst, in heiliger Absicht, nach Gottes heiligem und weisem Endzwecke knüpfe sich das eheliche Band zwischen Einem Manne und Einem Weibe — Mann und Männin, zwei in Einem Fleische — Ein großes Geheimniß, ein Sinnbild der Verbindung Christi mit der Kirche — Ein wichtiger Stand auf Erde», ei» scgcnvvllcr für Kirche und Staat. Segen- und gnadcnvoll für die Verehelichten, wenn sie durch Wachsthum in Rcligionskenntnisft», Gottesfurcht und Tugend in ihrem jugendliche» Stande, wie Nebckka, Joseph, Tobias, Sara ?c. sich dazu vorbereiten, uud so ihre Jugcndjahre heiligen, wozu ihnen eben wieder, wie wir bisher betrachtet, die heilige Kirche durch Lehre, Heilungsund HciligungSmitlcl heiligend an die Hand geht. Nur ein frühe veredelter und sorgfältig gepflegter Banm läßt gute Früchte erwarten. Die Jugcndjahre sollen auch in dieser Beziehung die Pflanzschule für deu ehelichen Stand seyn, deren sorgfältige Pflege der Heiligung in den Händen der Kirche liegt. Kenntnisse in der Religion, Gottesfurcht, Frömmigkeit und Tugend müssen mit den Jahren zunehmen. O gebet uns eine fromme Jugend, und Wir geben euch fromme Eltern I Im Ehestände sind der Pflichten viele und schwere, der Drangsale, anch in der glücklichsten Ehe, ost nicht wenige, hart und drückend, die Erziehung der Kinder in der Furcht des Herrn sehr schwierig, kummcr- und mühevoll; die Pflichten der Ehelcute gegen Gott, gegen cinaiwcr, gegen ihre Kinecr, Untergebene, Ncbenmenschcn :c. mannichfachc; Ehelcute sollen einander lieben, schützen, und nie verlassen, als gctrc»c Gefährten durch das ganze Leben, was immer für Trübsale und Mühseligkeiten sie treffen mögen, so wie Christus seine Kirche beständig liebt, schützt und nie verläßt. Wohl eine schwere Bürde, ihr Eheleute! lastet auf euer» Schultern. Ihr sollet in cuerm ehelichen Stande bis in den Tod gottselig verharren, und cuerc Kinder christlich erziehen. Ihr brauchet höhere Kraft, höhere Weihe, und diese wird euch vom Himmel durch die Kirche i» dem hl. Sacramcntc der Ehe, wenn dieser Stand nach Gottes weiser und heiliger Absicht angetreten und gehalten wird, uud wird er also angetreten, so ist solchen Ehclcutcu verheißen Gottes Segen, Vermehrung zcitlicher Güter und Nahruug, gotteSfürchtige und gehorsame Kinder und Kindcskiuder, und nach dem Austritte aus dieser Welt die ewige Seligkeit. Also ist es wieder die heilige Kirche, welche heiligend vorbereitet, heiliget dnrch das hl. Sacramcnt der Ehe. uud lehret und führet und leitet durch das heilige Wort und andere sacra- mcntalische Gnaden, wie auch durch tägliches Gebet, auf diesem Dornige» Pfade zum ewigen Heile. Wie bei dem Eintntte i» dieses Leben und durch den ganzen Verlauf desselben, so sucht die Kirche beim Austritte aus dieser irdische» Laufbahn den Menschen durch die hl. Sterb sacramcntc zu reinigen, mit dem Mgercchtcn auszusöhnen, zu heiligen, und so in den Schooß des ewigen Friedens zu führen; ja ihre mütterliche Liebe bleibt nicht beim Grabe stehen, sondern bethätigt sich noch eifrig über dasselbe für die leidende Kirche durch das innige Band geistiger Gemeinschaft. Wie ein tröstender Engel es scheint der Priester am Sterbebette, wenn kalter Schweiß die Stirne decket im Kampfe mit dem Tode, und sanftes Wehen eines höhern Geistes erquickend und crmuthigend durchströmet seine gläubige Seele, sey es, daß ich betrachte die hl. Sacramcntc, oder vie kraft- und salbungSvvllcn Gcbcte und Segnungen der Kirche. Die Kirche ist hier die reale Repräsentation des wahren, göttlichen, barmherzigen Snmaritan in diesem wichtigen Monuntc, von dem eine Ewigkeit abhängt, damit, w.nn der Ewigkeiten Thore sich öffnen, kühlende Luft, (wie schön ein Anderer sagt,) aus anderer Welt in das vom Todcsschweisze feuchte Angesicht beseligend wehe. Wer ist es nun aber, durch welchen die Kirche die beseligende göttliche Lehre uns ertheilt, und die Heilsqucllcu so mütterlich liebend uns öffnet, und deren Gnaden so reichlich auospcndet? Der Priestcrstand ist es, dem sie — die Kirche — auch wieder höhere Kraft und Weihe gibt, damit sie — die Priester — ihre geistlichen Aemter recht und wohl versehen mögen; besondere Gnade, vasz sie als Lichter auf dem Leuchter, als das Salz der Erde erfunden werden , daß sie gekräftigt, wie durch Worte, so vorzüglich durch Beispiel, Lehren. So ertheilt nun die Kirche dnrch jedes heilige Sacramcnt eine besondere, eigene Gnade, um durch alle Stufen und Stände des menschlichen Lebens zu reinigen und zu heiligen. O heilige Kirche, wie kann ich dich genug erheben! Wahrlich von dir rufe ich auch aus: „Saucta et immaeulala . . . eiuiliu8 to IgucIil)U8 vtlvi-am, nvseio." Oktio. K. Al. in 83dl). „Vicii civilolvm 8gnelinn ^vrusalem novam clöSLonelentom cls coolo a Duo ..." ^noe. 21. Wie glücklich, in dem Schvoßc einer so reinen und heiligen Mutter zu ruhen, an ihrem Herzen so wonniglich sich zu nähren! „Deine Brüste sind besser als Wein: sie riechen nach den allerbesten Salben: dein Name ist ein ausgegossen Oel." (Hohcl. 1, 2. 2, 10.) Wahrlich: „Dein Bauch ist wie ein Waizen- Haufen, von Lilien umlagert.« (Hohcl. 7, 2.) Was von der göttlichen Weisheit geschrieben steht, 'l)öre ich von dir sagen mit holdselig einladender Stimme, in süßer Rede von Lippen, gleich einer Purpur-Schnur (Hohel. 4. 3.). „Meine Lust ist bei den Menschenkindern zu seyn . . Höret mich, ihr Kinder: Glückselig, die meine Wege bewahren! Höret die Lehre, und werdet weise, und verwerfet sie nicht! Glückselig der Mensch, der mich höret, und der an meinen Thüren wachet, Tag für Tag, und meiner wartet an der Schwelle meiner Thüre. Wer mich findet, findet das Leben, und schöpfet daß Heil von dem Herrn," (Spr. Salom. 8, 3l — 36.) O unglückliche Brüder! die ihr gegenwartig gegen diese heilige Mutter, die euch in ihrem reinen Schooße geboren, genährt und herangezogen zum wahren Leben, so undankbar, sündhaft und höchst unehrenvoll denket, redet, schreibet und handelt, o öffnet euere Augen, und vernehmet mit euern Ohren, was ich in Verbindung mit obigen Worten diese so heilige Mutter an euch möchte aus ihrem erbarmungsvollen Mutterhcrzen sprechen lassen: „Wer aber gegen mich sündigt, verletzet seine eigene Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod." (Spr. Sal.8,36.) Beherzigt auch noch die Worte des hl. Paulus: „Gleichwie aber Jannes und MambreS dem Moses widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit, Menschen verdorbenen Sinnes, verworfenen Glaubens; sie werden es aber nicht weiter treiben: denn ihre Thorheit wird Allen offenbar werden, wie es auch bei jenen geschah." (2. Timoth. 3, 8. 9.) O Jesus, seßlc mich recht innigst an diese deine heilige Braut, die ja nur aus Deinem heiligsten Herzen hervorgegangen, wie die aufsteigende Morgenröthe, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne, furchtbar wie ein wohlgeordnetes Heerlager! Ja, ziehe uns Alle, daß wir alle dieser Deiner heiligen Braut nachlaufen, dem Wohlgcruche ihrer Salben, frohlocken und uns freuen in ihr, und Du uns durch sie einst führest in Deine himmlische Wohnungen! (Hohcl. 1, 3.) L. Nordamerika. (Katholik.) Die erst unlängst bekannt gewordenen Verhandlungen der ersten Diöccsansvnode von Ncw-Avrk-) enthalten sehr interessante Ausschlüsse über das innere Leben der katholischen Kirche in Nordamerika. Dr. Hughes, katholischer Bischof von New- Zjork, hielt am fünfzehnten Sonntag nach Pfingsten, als am 28. August 1842, iu New-Aork das erste Diöcesanconcilium seines BiSthumcS. 67 Priester waren zugegen; nur sechs waren aus gegründeten Ursachen zu kommen verhindert. Die Verhandlungen wurden mit aller Bescheidenheit vier Tage lang geführt, und in der dritten Sitzung 33 Synodalbcschlüsse festgesetzt zur Aufrcchthaltung des Glaubens und der Disciplin, und dann durch den Druck bekannt gemacht. Bald darauf richtete der eifrige Bischof ein Pastoralschrciben an seine Geistlichkeit und an die Gläubigen. Er drückt darin vor Allem seine Freude aus über die Bereitwilligkeit und Erbauung, mit welcher sein Klerus dcu sechstägigen geistlichen Uebungen und dann der Synode beigewohnt, so wie auch über die Einigkeit, mit welcher die Synodalbeschlüsse 8z'rwc-ce5ana Kco - LKoraeen5i5 prima Kabitk snno 1842, IXeo-LIzoraei, lz-pis Keorgii Hlitclioll. 1842.— ?asw- rsl Better ok lKv riglN Keverc-irä Dr. IlugKes lc> tlre Llorgz imci I.uit5' vl tko vioceso ol I^e>v-Vorlc. 1842. zu Stande gekommen seyen. Dann wendet er sich an das Volk und zeigt demselben, welchen Vortheil die gefaßten Synodalbcschlüsse zur Aufrcchthaltung der kirchlichen Disciplin bringen werden. Wir wollen hier das Merkwürdigste von diesen Synvdalbcschlüsscn mittheilen. Das Hauptaugenmerk ist auf die Ausspcnduug der heiligen Sacrameute gerichtet. Da in den vereinigten Staaten die katholische Kirche bisher nur dahin arbeiten mußte, sich fest zu begründen und vor äußern Anfeindungen zu schützen, so mußte in der kirchlichen Disciplin da manches geduldet werden, was nun, seitdem der Bestand der Kirche hinreichend gesichert ist, durch kirchliche Gesetze verboten werden mußte. Es warv daher verboten, in Prioathäuscrn oder au andern Orten als in der Kirche die heilige Taufe zu ertheilen, außer wenn der zu Taufende in Todesgefahr wäre; in diesem Falle müssc», wenn das Kind noch lebt, die Ceremonien später nachgeholt werden; ebenso wird dieß geduldet, wenn die Eltern mehr als drei Meilen weit von dem Seelsorger wohnen, oder wegen Armuth den Weg nicht machen können. (2. Beschluß.) Vermöge alter Gewohnheit empfingen die Kinder, außer bei Todesgefahr, erst in den Jahren, wo sie zu den heiligen Sacramcn- ten dcö Altars und der Buße zugelassen wurden, das heilige Sacramcnt vcr Firmuug; diese Gewohnheit wird gebilligt und für die Zukunft zur Regel erhoben. (4. Beschluß.) In Betreff des Bußsacramru- tes wird beföhle«, in allen Kirchen Beichtstühle zu errichten; und verboten, die Beichte des weiblichen Geschlechtes anderswo als in den Beichtstühlen derKirche anzunehmen, ausgenommen in Fällen dcrKrank- heit, Taubheit und allzu großer Entfernung. (8. Beschluß.) Auch solleu die Priester nur im Talar, mit Chorrock und Stola, in den Beichtstuhl treten. (9. Beschluß.) Was die Ausspcudung des heiligen AltcrrS- sacramentes betrifft, so wird dem Priester ausgctragcu außer iu unvorhergesehenen Fällen die Messe nie anders, als im Talare zu lesen; auch soll er die heilige Eucharistic nicht anders, als in einer anständig verzierten, von ihm auf der Brust getragenen Bursc zum Kranken bringen; ebenso wird verboten, dieses heilige Sacramcnt in einem Privatorte aufzubewahren. (6. Beschluß.) Vordem heiligenAltarssacramente soll das ewige Licht erhalten werden. (7. Beschluß,) Der Priester soll eine Ehe nicht einsegnen, wenn die Brautleute, wenigstens der eine Theil, sich nicht mindestens vier Tage vorher bei dem Seelsorger gemeldet haben. Dieser soll sie dann zum vorschristmäßigcn Empfange des heiligen Sacramcntes vorbereiten und zur Ablegung einer sacramenta-- lischen Beichte anhalten. Vor Verrichtung einer solchen Beichte darf er sie nicht einsegnen, (11. Beschluß.) Vor gemischten Ehen wird nachdrücklich gewarnt; da aber diese i» jenen Ländern doch mußten geduldet werden, so haben die Seelsorger im Geiste der ächten kirchlichen Praxis — cö gibt bekanntlich auch eine laxe, die sich gern für eine rigorose ausgeben möchte, — folgende Gesetze zu beobachte»: 1) Kein Priester soll aus was immer für eine Weise zur ehelichen Verbindung Solcher mitwirken, von denen er weiß, daß sie sich von einem hcterodoren Geistlichen haben copulircn lassen, oder wahrscheinlich Voraussicht, daß« sie dieses thun Werden. 2) Wenn das Ehchindcrniß prc>r>tc;r ilispuri- tcrtLm oultus obwaltet, so muß jedesmal vom Bischöfe DispcnS erbeten werden. 3) Der Priester darf, und zwar nur außer Kirche, und ohne alle heilige Ceremonien und kirchliche Kleidung, der Abschlicßung einer solchen Ehe nur dann beiwohnen, wenn der akatholischc Theil feierlich verspricht, dem katholischen Theile freie Ncligioncübung zu gewähren und die Kinder im katholischen Glaubcu erziehen zu lassen. (15. Beschluß.) Alle Geistlichen endlich sollen ihren Gläubigen die Gefahren solcher Mischehen an'S Herz legen. (16. Beschluß.) Weil häusige Fälle vorgekommen sind, daß Brautleute, um die Einsegnung leichter zu erhalten, anstatt an den eigenen Seelsorger, an fremde Priester sich wendeten, so wird für die Zukunft jedem Priester verboten, innerhalb eines fremden Kirchspieles, so wie Brautleute, die unter einem fremden Seelsorger stehen, ohne Erlaubniß dieses Seelsorgers einzusegnen. (12. Beschluß.) Und weil es sich ost ereignet, daß Brautleute, besonders Einwanderer, zur Eingehung einer Ehe sich stellen, ob- schon sie bereits vcrheirathct sind; so soll der Seelsorger ein Braute paar so lauge mehr einsegnen, bis jeder Zweifel, ob sie etwa vcrheirathct sind, gehoben ist. Und wenn kein anderes Mittel zur Erlangung der Giwißhcit übrigt, so sollen solche Brautleute, die verdächtig sind, angehalten werden, vor der Civilobrigkcit, oder wenigstens vor dein Seelsorger ihren eheloscn Stand mit einem Eide zu bezeugen. (lZ. Beschluß.) Kräftig wird gegen die geheimen Gesellschaften gesprochen. Die Seelsorger werden beauftragt, solche, die feierlich zu einer geheimen Gesellschaft geschworen, so lange von den Sacrcuncnten auszuschließen, bis sie jede Verbindung mit derselben gelbst haben. Thun sie das nicht, und weigern sie sich selbst auf dem Todbcttc noch die verbotenen Bande zu zerreißen, so soll ihnen das kirchliche Begräbnis; verweigert wer- dcn, (33. Beschluß.) Zugleich sollen die Seelsorger ihre Beichtkinder, sofern sie in dieser Beziehung verdächtig sind, darüber befragen. (33. Beschluß.) Eine andere Verordnung der Synode betrifft die Verwaltung des Kirchen Vermögens. Bisher verwalteten in der Diöccsc Ncw-Zork, wie in vielen anderen Theilen Amerika'S, Laien nntcr dcm Titcl kirchlicher Vorsteher (IVustees) das Kirchenver- mögcn. Da aber bei diescr VcrwaltungSart für dic Kirche manche Unannehmlichkeiten entstanden, so muhte man Abhilfe schaffen. Das vierte Provincialconcilium von BaUimorc im Jahre 1842 vcrord- nctc, daß in Zukunft keine Kirche geweiht werden sollte, bevor sie nicht dcm Bischöfe als Eigenthum übergeben worden wäre. Da aber in Ncw-Aork das alte Vcrwaltungssvstci» schon so ticf eingewurzelt war und der Bischof selbst nicht so große zeitliche Sorgen übernehmen wolltc, so schlug die Synode eincn anderen Weg ein. Man ließ den Trustecs dic Verwaltung des KirchenvcrmögcnS, verpflichtete aber dic Scclsorgrr jcder Kirche, ein Jnvcntcnium über das Kirchcnvcrmögcn zu führen und darin alle Einnahmen und Ausgaben der Kirche zu verzeichnen. Dieses Jnocntarium wird dem Bischof bei der jährlichen Visitation vorgelegt. Zugleich dürfen die weltlichen Anwälte nichts von dem Kirchcnvcrmögen verwenden, ohne ausdrückliche Erlaubniß ihres ScclsorgcrS. Aber auch diescr darf, dic gewöhnliche» Bedürfnisse abgerechnet, innerhalb eines Jahres ohne specielle Erlaubniß des Bischofs nicht mehr alv hundert Dollars bewilligen. Zugleich ward den Trustces untersagt, ohne Einwilligung ihres ScclsorgcrS ciue Pcrson zu irgend einem kirchlichen Dienste anzustellen, oder weltliche Vcrsammlungcn in der Küche, vdcr in einem andern dazu gehörigen Orte zu halten, oder die Kirchcnstühlc öffentlich zu versteigern. (Beschlüsse 24. 25. 26.) Solche und ähnliche weise Vorschriften hatte das erste Diö- ccsanconcilium von Ncw-Iork erlassen, und Bischof HngheS seinen Diöccsancn in einem Pastvralschreibcn eingeschärft. Kaum aber waren diese Verfügungen bekannt geworden, als vier politische Blätter gegen dieselben als solche, welche dic bürgerlichen Rechte und die Gewisscnc-frciheit verletzen, auftraten. Vier Zeitungsschreiber von allerlei Rcligion, einer auö der Scctc der Cougrcgationalisten, ein Prcobytcriancr, cin Jude und cin Vierter, der keine Rcligion zu haben schien, waren hier einig zur Bekämpfung der katholischen Kirche. Dagegen erließ Dr. Hughes „eine Apologie seines Hirtenbriefes, als Erwiderung auf dic Einwürfe der vier Zeitungsschreiber." -) Er beweist darin, daß solche Verordnungen nicht, wie man ihm vorwerfe, die Rechte und Freiheit der katholischen Gesellschaft verletzen. Jede religiöse Gesellschaft in den vereinigten Staaten habe das Recht, ihren Cultus durch eigene Gesetze zu ordnen, und solche Gesetze seyen für die Katholiken eben die Synodalbcschlüsse. Und da dic Verpflichtung zur Befolgung der Gesetze einer religiösen Gesellschaft nur eine moralische sey, d.h. da Jeder sich nach Belieben davon lossagen könne, so wie es Jedem frei stehe, in dieselbe einzutreten und sich ihren Gesetzen zu unterwerfen, so werde ja kein religiöser Zwang auferlegt. Nur müsse, wer die Vortheile einer Gesellschaft genießen wolle, auch deren Gesetze sich gefallen lassen. Wenn man die Beschuldigung vorbringe, daß die Geistlichkeit darauf losgehe, das Kirchengut aus den Händen der Laien an sich zu reißen, so sey dieß nicht wahr, indem die Synodalvervrdnuugen nur Mißbräuche in der Verwaltung des KirchenvermogenS beseitigen. Hierauf zeigt er in speciellen Fällen, welche Unordnungen in das alte Vcrwal- tungssystcm eingcschlichen. WaS die gemischten Ehen betreffe, so stehe cS Jedem frei, bei solchen Ehen seiner eigenen Neigung, oder den Befehlen der Kirche zu folgen; die Gewissensfreiheit werde also durch die gefaßten Beschlüsse nicht verletzt. In Betreff der geheimen Gesellschaften endlich entgegnetc er, daß cS der kirchlichen Vorstcherschaft zustehe, den Gläubigen jene Fälle zu bestimme», in welchen es erlaubt sey, Gott durch einen Eid zum Zeugen anzurufen. Durch unerlaubte Eide suchen aber einflußreiche Verführer dic armen Ka-- tholikcn, besonders öffentliche Arbeiter, für ihre ruchlose» Zwecke zu gewinnen. Gerade sie, seine Gegner, die Journalisten, sollten als Wächter der öffentlichen Ordnung solche, welche die bestehenden Verhältnisse untergraben, vorzugsweise bekämpfen. Man sieht, daß eer gesunde Menschenverstand sich in Nordamerika in einem besseren Flore befindet, als zur Zeit in Deutschland! „Wenn wir dieses Aufblühen der katholische» Kirche i» Nord- Amerika, bemerken bei der Gelegenheit dic römischen ^Vnnali clells scien/e rvli^ivse, dieses Erstarken in Wissenschaft uud Disciplin crblickcn, so sehen wir uns unwillkürlich in die ersten Zeiten der christlichen Kirche zurückverseht. Die alte Kirche suchte, von außen ringsum bekämpft, sich in ihrem Innern immer mehr zu befestigen, dic HeilSwahrhcit n immer tiefer in'S Leben einzuführen und ihre Disciplin regelmäßigcr zu ordnen; sie ließ eS aber auch an polemischen Entgegnungen gegcn die äußern Feinde nicht fehlen. Eben dieses sehen wir heutzutage in der katholischen Kirche Nordamerika's; und dabei blühet sie, und breitet sich fortwährend aus. Möchten nicht manche katholische Länder Europa'S, iu denen die Religion fast keine Triebkraft entwickelt, daraus gar Vieles zu lernen haben?" Aphovisme. Mag man sich auch in der Welt über die Schlichtheit der Landgcistlichcn lnstig machen. Kein Stand ist ehrwürdiger als dieser. Jeder dcrselbcn ist als Hirt mit dcr Sorge für seine kleine Hcerde beauftragt, die mit ihm sein frugales und arbeitsames Leben theilt. Er bringt ihnen das Wort GottcS, und predigt ihnen Unterwerfung unter die Gcsctzc. ') Lisliop IlugKvs .-Vpolog)' tor Ki8 psstor.il Dotter, iu roplx w tliL sttieUires ot to»r Ldilors ot' nolicic»! >'enSparers. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. ? 5 ^»S- - Dei/.. der Augsbttrger Zweite Jahreshälfte. M- S8. Ppstzeitung. IS Fuli 1845» Der gute Pater Thomas.*) I. Derjenige Fremde, der während der Jcihre 1815 bis 1825 Florenz besuchte, und dem die höhern Cirkcl offen standen, wird zuweilen in den Salons der vornehmen Welt einen freundlichen alten Herrn, aus dessen Augen so recht die Seele sprach, angetroffen haben. Seine Kleidung zeigte es schon an, daß er dem geistlichen Stande angehöre, aber mehr noch als sein ehrwürdiges Gewand und seine Stellung verschafften ihm seine viele Tugenden, sein menschenfreundlicher Charakter Zutritt in alle vornehmen Familien und Niemand wurde in ihren geselligen Kreisen mit größerer Verehrung, innigerm Zutrauen empfangen und behandelt wie dieser alte geistliche Herr. Wo er sich auch zeigte, es mag in dem Hause eines Fürsten, Grafen, Staatsministcrs oder Generals gewesen seyn, bcwillkommte ihn der Hausherr mit aufrichtiger Herzlichkeit und die Dame von Haus, selbst wenn sie noch jung und schön gewesen, unterhielt sich mit Niemanden lieber als mit ihm; die jungen Leute beiderlei Geschlechts umringten ihn mit zutrauensvoller Ehrfurcht, ihm am liebsten all ihre kleinen Angelegenheiten anvertrauend und selbst die kleinen Kinder hüpften ihm fröhlich entgegen. Sollte sich zufällig dieser Fremde auch in die von dem Mittelstand oder den armen Classen bewohnten Häuser in Florenz verirrt haben, so fand er auch dort nicht seltener die Gelegenheit diesen alten, freundlichen geistlichen Herrn mit seinem gutmüthigen Gesichte anzutreffen; und auch dort wurde er mit derselben Verehrung und Liebe behandelt, auch dort war sein Benehmen eben so menschenfreundlich und Vertrauen erweckend, wie in den ersten und vornehmsten Cirkcln. Aber wer war denn dieser so allgemein hochgeachtete, überall gerne gesehene, von Jung und Alt, Vornehm und Gering geliebte und verehrte Mann? Es ist der gute Pater Thomas gewesen, und in ganz Floren; gab es kein Hauö, vom Palazzo Pitti, der Residenz des Grvßherzogs an, bis zur niedrigsten Hütte, wo dieser Name nicht mit Ehrfurcht ausgesprochen Worden wäre. Mögcn Diejenigen, die es nicht begreifen wie es einen Menschen geben konnte, der ohne Neider, Verleumder oder geheime Feinde durch's Leben gewandelt seyn sollte, immerhin ihre Köpfe Pater Thomas war ein Salzburger von Geburt. ! ungläubig schütteln, es bleibt dennoch wahr, daß Pater Thomas weder Neider, Verleumder noch Feinde gehabt, und zwar hatte er deßhalb keine Neider, weil er selbst Niemanden beneidete; keine Verleumder, weil er von allen seinen Bekannten, wie und wo er konnte, nur Gutes sprach; keine Feinde, weil er keines Menschen Feind gewesen; und obwohl gegen sich sehr strenge, war er gegen die Schwachheiten seiner Nebenmenschcn nachsichtig, darum geschah es, daß selbst der Lcrdorbcnste sich dem guten Pater Thomas nicht ohne Ehrfurcht nahte, und daß die bessern Menschen aus allen Ständen ihm mit aufrichtiger Verehrung und liebevollem Zutrauen entgegenkamen. In seinen jüngeren Jahren trieb ihn reine Menschenliebe nach den Urwäldern Amerika'S, wo er während zwanzig Jahre als Missionär den wilden Indianern das Wort des Heils verkündet, und durch sein Beispiel, seinen tugendhaften, wahrhast christlichen Lebenswandel unter ihnen bekräftiget hat; und ist es ihm auch nicht gelungen, alle die er gekannt zur christlichen Glaubenslehre zu bekehren, so haben sie ihn doch alle wie ihren Vater geachtet und verehrt, er hat sie alle wie seine Kinder betrachtet und behandelt. Wie viele barbarische Mißbräuche hat er bei ihnen nicht beseitigt, wie viele Menschenleben, die unter ihren Msscrn als Opfer ihrer Rache oder sonstiger grausamen Gebräuche verbluten sollten, nicht gerettet. Besonders suchte er in die für alles Gute noch mehr empfänglichen Gemüther den Keim christlicher Tugenden zu pflanzen, aber auch bei ven Erwachsenen bestrebte er sich die Erkenntniß des wahren GotteS zu erwecken, ihre rohen Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten zu vcredlcn. Sie Alle, Alt wie Jung, waren aber davon überzeugt, daß Pater Thomas nur ihr Bestes wünsche, darum liebten und achteten ihn selbst diejenigen Indianer, deren wilve Leidenschaftlichkeit oder schon zu tief eingewurzelte Vorurthcile seiner Ncligionslchrc unzugänglich blieben, und ließen sich von ihm in allen andern Sachen willig leiten. Es war ein Riesenwerk der Menschenliebe das er unternommen. Auf alle Bequemlichkeiten die uns Europäern zur zweiten Natur geworden, mußte er verzichten, unzähligen Gefahren muthig entgegen sehen, von einem Indianer Stamm zum andern ohne Rast und Ruhe wandern, Waldungen durchziehen, worin Tiger und Hyänen auf Beute lauer», steile Berge übersteigen, wo ein einziger Fehltritt ihm Verderben drohte, oder tiefe Moräste durchwaten, die ihn bis zum Hinfallen ermüdeten; dem Hunger und Durst Trotz bieten, den heißen Sonnenstrahlen wie der frostigen Nachtluft sein gefälltes Haupt aussetzen, und nur langsam sah er den Saamcn keime», den er mit so vieler Mühe, so vielen Anstrengungen, unter so vielen Gefahren ausgesäet hatte, aber wie sein Vertrauen auf Gott, und seine Menschenliebe, war auch seine Geduld gränzenlos. Jedoch sein zunehmendes Alter, wie seine geschwächte Gesundheit machten es ihm physisch unmöglich, solche Beschwerden noch länger zu ertragen, er wurde gezwungen, wollte er nicht unterliegen, ein milderes Klima und eine ruhigere Lebensweise aufzusuchen. Seine Sehnsucht zog ihn nach Europa zurück, wo ihm noch eine liebe Schwester lebte, die er vor seinem Ende, das er als nahe bevorstehend dachte, »och einmal zu sehen, zu umarmen wünschte. Viele tausend Indianer begleiteten den guten Pater Thomas bis zum Ccmal, der ihnen ihren lieben Gast, ihren Lehrer und Wohlthäter entführen sollte; von nah und fern strömten sie herbei um ihn noch einmal zu sehen, ihm ein letztes Lebewohl zu sagen, und als er beim Abschied mit rührender Stimme, thränenden Angcn, sie seine geliebte Ärüder, Schwestern, Kinder nannte, für deren Wohl er jeden Tag zu Gott inbrünstig beten wolle, sie mit sanften Worten bat, ihn ebenfalls nicht zu vergessen, sich seiner Lehren stets zu erinnern und sich immer mehr zu bemühen, dieselben zu befolgen, sie zur Eintracht, Gottesfurcht und Nächstenliebe ermähnte und zuletzt salbungsvoll seine zitternden Hände emporhob um sie zum Letztenmcilc zu segnen, sielen diese wilvcn Naturmenschen überwältigt von der Allgewalt seiner heiligen Worte, tief ergriffen von dem schmerzlichen Gefühl der Trennung, ihrem Wohlthäter, Freund und RcligionSlehrcr lant schluchzend zu Füßen. Auch P.itcr Thomas ließ sich auf die Kniee nieder um unter Gottes freiem Himmel gemeinschaftlich mit ihnen zu beten; sie baten für die Herstellung seiner Gesundheit, sein Wohlergehen; er für ihr Seelenheil. Selbst bis über das Meer war der Ruf des guten Pater Thomas gedrungen; denn sobald er an der Küste Italiens gelandet, erwartete ihn eine Einladung des GroszherzogS von ToSkana nach Florenz zu kommen, um an seinem Hof die Stelle eines Beichtvaters zn bekleiden; und mit derselben Bereitwilligkeit die er bezeigte, wenn ihn, während seines Aufenthalts in Amerika, ein indianischer Häuptling berief, seiner Familie oder seinem Stamm Religionsunterricht zn ertheilen, folgte er diesem Ruf; ihm galt es ja gleich in welcher Sphäre er wirkte, wenn er nur Gutes wirken konnte. Kaum war ein Jahr seit seiner Ankunft in Florenz vorüber gegangen, und schon wurde er allgemein geliebt, hochgeschätzt und verehrt, besonders aber von den Armen und Unglücklichen dieser Stadt, selbst sein Anblick erfreute und tröstete sie schon; wenn er über die Straße ging, liefen ihm Kinder von allen Seiten freundlich entgegen, gerne verließen sie ihre Spiele, um dem guten Pater Thomas ihr Händchen zu reichen, der sich stets so liebevoll gegen sie bezeigte. Stand eine Mutter ihren Sängling im Arm am Fenster, an welchem er vorüber kam, so bemühte sie sich, ihm ihren Kleinen bemerkbar zu machen. Wer an ihm vorüberging, grüßte ihn ehrfurchtsvoll, und für alle, welchem Stand der Grüßcnve auch angehörte, hatte Pater Thomas einen gleich freundlichen Gegcngrnß, für Jeden ihn Ansprechenden eine freundliche Rückantwort. Der Großhcrzog hatte ihm gleich bei seiner Ankunft eine Reihe reich eingerichteter Zimmer im Palast angewiesen, voch das geräuschvolle Leben am Hof, die lange daurcnden Mahlzeiten und der Luxus aller Art, der ihn da umgab, behagte dem guten Pater Thomas nicht sonderlich, was ihn aber besonders dazu bestimmte, bei dem Großherzog die Erlaubniß nachzusuchen, sich in eine Privatwohnung einmicthcn zu dürfen, war der Umstand, daß arme Leute in schlechter Kleidung es nicht wagten, ihn im großherzoglichcn Palast aufzusuchen; er miethete daher eine kleine Wohnung von drei Zimmern in einem schlichten Bürgershaus für sich und seine Schwester Betty, die bei der Nachricht von ihres Bruders Ankunft in Toökana herbeigeeilt war, um ihn, den sie schon so lange nicht gesehen, und der ihre einzige Stütze war, an ihr schwesterliches Herz zu drücke». (Schluß folgt.) Taufe einer Indianerin auf ihrem Sterbebett zu Paris. Der Häuptling des Indianer-Stammes der Jowavs ließ sich auf seiner Reise nach Paris von mehreren seiner Untergebenen begleiten. Er. hatte auch einen Familien-Vater eingeladen, der aber kurz vorher zwei seiner Kinder durch den Tod verloren hatte und darum sich von seinem Weibe und dem einzigen übrig gebliebenen Kinde nicht trennen wollte, bis ihm der Häuptling gestattete, beide nach Europa mitzunehmen. In England mußte das unglückliche Eltern-Paar auch noch das dritte Kind als Opfer dem Tode überlassen. Die Mutter, Oki-Wi-Mi ist ihr Name, wurde tief er- schlittert; sie wußte auch noch nach der Ankunft in Paris ihres Klagens und FastenS, denn die Wilden Amerika's drücken ihre Trauer durch Fasten aus, kein Ende. Sie nahm manchmal 3 und 4 ganze Tage hindurch keine Nahrung zu sich. Ihre Kräfte waren erschöpft und sie fiel in eine EntzündungS - Krankheit, welche trotz der sorgfältigsten Behandlung der Aerzte zu einer Lungensucht sich ausbildete. Die arme Mutter rückte sichtbar dem Tode näher. Oki-Wi-Mi machte sich und Andern kein Hehl daraus, daß ihre Auslösung bevorstehe. Der Dollmetschcr Ieffrev Doraway, ein guter Katholik, versuchte es, so weit er konnte, der Frau die Grundlehrcn des Christenthums beizubringen. Da die Indianer der Felsengebirge oft mit katholischen Missionären der Vereinigten Staaten in Berührung kommen, haben sie manche, wenn auch unbestimmte Begriffe von unserer Religion aufgefaßt. Die jüngste Tochter des Häuptlings der JowayS, welche mit ihrem Vater sich zu Paris befindet, ließ sich sogar zu St. Louis in Missuri taufen. Man hatte auch bemerkt, daß Oki-Wi-Mi während ihrer Krankheit große Vorliebe für eine Medaille der unbefleckten Empfängniß bezeigte, welche ihr einmal geschenkt worden war. Jeffrey ist der Sprache der Sacke, des Stammes, welchem die kranke Indianerin ihrer Geburt nach angehörte, nicht so mächtig, als er es wünschen mußte, um sie in alle Lehren des Christenthums einzuführen. Dieß Hinderniß fiel aber weg, als der Mann sich bereit erklärte, den Unterricht zu verdollmetschen. Eines Morgens war sie kräftiger, als gewöhnlich, da sie einen erquicklichen Schlaf genossen hatte. Plötzlich hieß sie ihren Mann vem Bette sich nähern und kündigte ihm an, daß sie sterben werde, indem der große Geist sie riefe und ihre Kinder schon die Arme nach ihr ausstreckten. Sie dankte ihm für die zärtlichen und ungeheucheltcn Beweise seiner Liebe und bat ihn, unbedenklich ihren Leib in Frankreich zu lassen; denn wenn sie auch nicht in der Heimath bestattet werde, so könne sie sich doch mit ihren Kindern und dem großen Geiste vereinigen. „Wann ich verschieden bin, so laß mich mit meinen reichen Gewändern umkleiden, und ziere meinen Leichnam mit allen den Geschenken, welche ich von den Weißen erhalten habe; aber vor meinem Begräbnisse nimm mir wieder Alles ab, dieß (sie zeigte auf die Medaille der unbe- fleckten EmPfLngniß) ausgenommen. Ich will sie behalten, weil sie mich in meiner Krankheit getröstet hat." Jeffrey, dem der Gemahl diese Worte seiner Frau übersetzte, war davon ganz überrascht und hielt den Augenblick für geeignet, sie durch den Mann fragen zu lassen, ob sie nicht die Tauft empfangen wolle. „Ja, Ja," antwortete mit schneller Bereitwilligkeit Oki-Wi-Mi. Jeffrey lief nun fort, einen Priester zu holen, und kam mit einem Caplan von St. Noche zurück. Dieser wendete sich an den Mann, ob er nichts dagegen habe, wenn seiner Frau die Tauft gespendet würde. Der Indianer erklärte seine Einwilligung, Oki-Wi-Mi erhielt die Taufe und starb als Christin. Als der Caplan sich verabschiedete, dankte ihm der Gatte voll Rührung, und bat ihn um Verzeihung, daß er ihn nicht früher gerufen habe. Die Verstorbene wurde mit alle» Ceremonien begraben, welche das Rituale bei der Bestattung katholischer Christen vorschreibt. Ihr Mann und zwei andere Indianer, dereneinernoch nichtcrwcrch- sen ist, wohnten dem Seelen-Gottesdienst in der Magdalmen-Kirche bei. Anch sprengten sie Weihwasser auf den Sarg, welchen sie i» die Erde versenken sehen wollten. Der hinterlassene Gatte bekümmerte sich noch mit Sorgfalt, welches Denkmal Der Verstorbenen gesetzt würde und er sah sich nntcr den Monumenten des Gottesackers nach einem Modelle für den Grabstein seines Weibes um. Die Marienandacht in der St. LndwigsLirche in München. Ueber die Predigten, welche die beiren PP. Redcmptoristcn während des verflossenen Maimonatcs zu München hielten, sind so alberne Gerüchte durch böswillige Leute verbreitet worden, daß wir um der Schwachen und Leichtgläubigen willen nicht umhin können, den nachfolgenden Bericht der Neuen Sion, welcher, wie wir wissen, aus zuverlässiger und wahrheitsliebender Quelle herrührt, auch diesen Blättern einzuverleiben. Die Maiandacht in der hiesigen St. Ludwizskirchc, von dem würdigen und eifrigen Scelenhirten, Herrn Stadtpfarrer Stumpf, durch die Berufung der PP. Redemptoristcn in's Lebe» gerufen, bildet ein kirchliches Ercigniß, welches wahrlich nicht spurlos an der Einwohnerschaft Münchens vorüberging. Ich beginne meincn Bericht mit den Vätern der Congrcgation des Erlösers; ihre Predigt eröffnete täglich Abends 7 Uhr die Andacht Zwei hvchwür- dige Väter waren gesandt, um abwechselnd die Vorträge zu halten. Es braucht nicht erinnert zu werden, welche Anstrengung es kostet, je des andern Tages die Lndwigskanzel zu besteigen. Uebcrdicß mußten manche Vorurtheile und feindselige Gesinnungen beseitigt und niedergeschlagen werden, wollten sie nicht umsonst gekommen seyn und ihren Orden in dem ihm eigenthümlichen schönen Lichte erscheinen lassen. Mit Gottes Gnade, hoffen wir, ist beides gelungen. Die Prcdigtstoffe waren so gewählt, wie es die Bcdürf- nisft der gegenwärtigen Zeit eisorderten; die Form der Abfassung war populär und von edler Einfachheit. So sehr die Veiten hoch- würdigen Prediger das Hauptgewicht auf die Verkündigung der evangelischen Wahrheil legten und diese in ihrer ganzen Kraft und tiefcindringendcm Ernste darstellten, so vcrnachläßigten sie darüber keineswegs die homiletische Form, wußten aber, daß diese in etwas anderem bestehe, als in sentimentalen Phrasen und hohlem Pathos, womit ein Theil des PublicumS verwöhnt und verweichlicht worden ist. Referent war Zuhörer der allermeisten Predigten und hat es sich und vor Andern gestehen müssen, daß gerade edle Einfachheit und genaue Ausarbeitung es sey, welche ihre Vorträge am Vvr- heiligcn Stifters getreu verlieren sie die natürlichste Einfachheit nie aus dem Auge. Bei der Anlage ihrer Predigten zielen sie auf Deutlichkeit und Gründlichkeit ab, und von Niemanden mag dieser Vorzug an ihnen bcstrittcn werden. Gewöhnlich lassen sie ganz natürlich die Definition, die nähere Erläuterung des angekündigten Satzes vorausgehen, erhärten dieselbe mit ausgesuchten Sprüchen von Gottcsgclehrten und schließen die Kettenreihe der Beweisgründe mit dem Gottcsworte der heiligen Schrift. Ist das geschehe», so kleiden sie die vorgetragene Wahrheit in die Form eines Gleichnisses, um sie einem Jeden, auch dem gemeinen Manne, verständlich und klar zu machen. Nun ist aber auch jeder Zuhörer überzeugt und die Beistimmuug von Seite dieser belohnt den begeistere ten Fackelträger des Lichtes himmlischer Wahrheit. Es war ein eigenes Vergnügen, schon in den ersten Predigten nntcr den Zn- hörern zu stehen und die allerersten Wirkungen zu beobachten. Bis zu einer Art Auflegung steigerte sich einige Male die crrnngcne Ueberzeugung des Gesagten bis der Prediger nach einer Reihe erschütternder, tiefeindringcnder, gewaltiger Worte den Ucbergcmg zu einem Beispiele aus der Geschichte machte. Das dars aber nicht geschehen, um den einmal aufgeregten Geist mit einer Erzählung einzuwiegen. Dieses Wußten unsere Väter gut; sie suchten dadurch nur den Totaleindruck hervorzurufen, und diesen an das anschauliche, lebendige Bild einer geschichtlichen Persönlichkeit bleibend zu knüpfen. Die schwierigen Thcmate wie das über Unkeuschhcit uud Versührung (Aergerniß), bei deren Ankündigung manchem Zuhörer das Herz besorgt zu schlagen anfing, sie waren so durchgeführt und so vorgetragen, daß sie eben so wenig das Zartgefühl beleidigten als die Sünde selbst schonten. Das Nämliche ist von der Predigt über die nächste Gelegenheit zu sagen. Mädchen, die Jahre lang in sündhaften Verhältnissen lebten, fragte der Prediger, ob sie sich in der Küche beschäftigten? „Sie sollten Acht haben, was da mit der Citrone geschehe: sie werde zuerst ausgedrückt, bis sie keine guten Säfte mehr besitze, dann werfe man sie in'S Kehricht. Das sey auch das LooS solcher Personen." Dieses Gleichniß soll hier deßhalb angeführt werden, damit sich zeige, von welch praktischem Tacte sie sich bei der Wahl der Vergleichungcn leiten lassen. Der öftere Anblick der Citrone predigt gewiß Solchen das Gesagte oft wieder. Eine Feuerprobe hatte der Pater auch zu bestehen, als er daran kam, von der Hölle, dem Höhepuncte der erschütternden Rcren, zu sprechen. Wer dürfte gute Nachrede hoffe», wenn er den Vcrdcunmungs- würdigcn von der Verdammung spricht? Mißverständnisse und Verdrehungen mußte man bei aller Gründlichkeit und Deutlichkeit sich erheben scheu. Doch auch diese Entfremdung der Gemüther wurde beseitigt, als der Prediger den I^iis i»l'i.-rnalis ^Höllenstein) weglegte und beide Patres darauf den Balsam aller Tröstungen folgen ließen. Man versöhnte sich um so liiber, als der Wohllaut der Stimme und die Gefälligkeit des Vvrtragcs beim einen, nnd die jugendliche Gestalt und die fließende Beredtsamkcit beim andern Pater die Herzen gewannen. Was hinter diesen Predigten sey, wurde bald erkannt. Die freudige Theilnahme wuchs mit jedem Tage; eine Stunde vor dem Beginne der Andacht regte cS sich schon und in größter Eilftrtigkeit ging cö da der schönen Ludwigskirche zu. Christen aus den höchsten und niedrigsten Ständen drängten sich nach dem Brode des Lebens. Daß die Wirkungen dieser Andacht nicht bloß vorübergehend seyen, sondern sehr nachhaltig bleiben, wird (wir wagen cS zu behaupten) noch die Zukunft lehren. Auf die Fragen: Wie lange schon halten Sie die gasttage, feiern Sie die Fcftzciten, haben Sie Ihr sündhaftes theilhaftesten auszeichnen. Dem Muster der Evangelisten und ihres Verhältniß aufgelöst ,c.? wird die Antwort erfolgen: „Seildem ich das und das so in der Ludwigskirche habe predigen gehört." Diese Hoffnungen glaubt Referent mit allen redlichen Katholiken um so mehr hegen zu dürfen, da er versichern kann, daß schon Gestohlenes zurückerstattet, schlechte Bücher ausgelicsert wurden. Unter den letzteren befindet sich das heillose Buch: „die Stunden der Andacht." Abergläubische, irreligiöse Bücher wurden auf der Stelle in die Hände der Patres gegeben. Wann dürfen wir uns ähnlicher Nachrichten erfreuen? Es wird viel gepredigt, ja! noch schöner und gründlicher gepredigt, aber alle 7 Tage nur Eine Predigt, sie ist zuletzt nur wie eine einzelne vorüberziehende Regen- Wolke, die den dürren Boden benetzt: alle Tage aber eine Predigt und das einen ganzen Monat lang, das bildet einen Platzregen, der auch die trockensten Herzen durchgingt. AuS den Früchten also laßt uns diese Maiandacht erkennen. Rcierent ist nicht der Erste, der durch Aufzählung der segensreichen Missionen der Re- dcinptoristen ihr Lob verbreitet und die katholische Welt zur Mit- srcudc über diese geistlichen Söhne der Gnade auffordert. Ihre Trefflichkeit ist selbst schon bei den Sprechern des Protestantismus anerkannt worden. Um sich davon zu überzeugen, hat man bloß das jüngst erschienene Hcst der protestantijchen Kirchenzcitung, redi- girt von Dr. Harlcß in Erlangen, zu lesen. Dort ruft am Ende der Darstellung einer Rcvcmptoriften-Mission der Verfasser auS: „Protestantische GlaubcnsbrüderI lernen wir uns schämen vor solchen Männern. Brüder, auf! die Söhne Loyola's ziehen in geschlossenen Reihen gegen uns ... Diese Redemptoristcn also waren in unserer Ludwigskirche und haben jedesmal die Feier eröffnet. Wenn die große Anzahl der Zuhörer so zur Andacht gestimmt war, da wurde dem Volke der Gegenstand unserer Anbetung, Jesus Christus im allcrheiligstcn Sacrcunentc des Altars ausgesetzt und unter Gesang eines Mävchcnchorcs zum Hochaltäre begleitet. Dorthin dann schrie es aus tausend und wieder tausend Herzen: „Herr, erbarme dich unser!" und aus eben so vielen tönte es nach: „Herr, erbarme dich unser!" Wen die Predigt noch nicht bezwungen hatte, der wurde von diesem Strome der Andacht unwiderstehlich mit fortgerissen. Nach vom ganzen Volke abgesungener lanrctanischcr Litancv wurde von einem Priester der Schluß der Lilancy gebetet und dazu noch die treffende Anrufung Mariens eben auS dem Büchlein der Mcnandachtcn abgelesen. Hieran schlössen sich die wundcrlicben Maricnliedcr, wie sie Herr Hofcapell- meistcr Aiblingcr cvmponirt hat. Vorgetragen wnrdcn sie unter Direktion des hvchwürdigcn Herrn crzbischöflichen SccrctärS Glink von einigen Mädchen. Gesättigt vom Brode des Lebens, das ihm die guten Patres gebrochen, erfrischt durch den Labsal hcrzerhebcnder Andacht, die wie ei» Gotlesstrom dnrch die begeisterten Schaaren tcchinwogte, beseelt und getragen von der wundnsamcn Macht religiöser Begci> sterung ging das Volk nach allen Richtungen — bis in die entlegensten Theile der Stadt — mit der freudigen Hoffnung auseinander, morgen wiederum des gleichen geistlichen Trostes und der gleichen inner» Stärkung zu genießen und wiederum eine Stufe auf der Leiter ch.istlichcr Tugend höher gefördert zu werden, auf der Gottes Barmherzigkeit und Gnade Alle segnend in den Schooß seiner ewigen Liebe führen möge! — Der Gewinn des Protestantismus aus der neuen Scctirerei. W. Menzel (im Literaturblatt) sagt hierüber bei Beurtheilung von WiggerS' „kirchlicher Statistik oder Darstellung der gesammten christlichen Kirche nach ihrem gegenwärtigen äußern und innern Zustande" (Hamburg Perthes): „Herr Wiggers sieht alles im schönsten Flore gedeihen und zweifelt nicht, daß der größte Theil der katholischen Welt noch zum Protestantismus übertreten werde. Habe sich dieser Uebertritt auch verspätet, so sey er doch unvermeidlich und zwar werde der große Abfall, die zweite Reformation, in Deutschland beginnen. Diese Worte sind noch vor dem Austreten Nonge's geschrieben worden. Allein die vermeintlichen Eroberungen sind in Wahrheit Verluste. Die negativen Elemente überwiegen bis zur unwillkürlichen Selbstvernichtung, und die französische Revolution liefert den augenscheinlichen Beweis, wie unhaltbar die Negation ist, und wie nur die das Feld behaupten können, welche die Fassungskräfte und wahren Bedürfnisse der Völker richtig beurtheilen. Daß die Leiter der katholischen nud griechischen Kirche diese ewig sich gleich bleibenden Bedürfnisse der Völker richtiger würdigen, als die Leiter der evangelischen gegenwärtig thun, dürfte nicht schwer seyn nachzuweisen. Die letzteren haben nämlich seit lange zugelassen, daß von Kathedern herab gelehrt wird, der Protestantismus involvire nicht sowohl einen Glauben und eine darauf gegründete Pflicht, als vielmehr einen Fortschritt und darcmfgegründete Berechtigungen einer maaßlosen Freiheit. Nun sucht man die positiven Elemente auszustoßen, durch die allein eine Kirche möglich und volksgerecht wird, verwirft die Bibel zc. und rühmt sich zwar, bereits das Volk gewonnen und auf seiner Seite zu haben, vergißt aber, daß die Jlluminaten sich vor fünfzig Jahren derselben Volksgunst rühmten und doch in ihren Erwartungen betrogen wurden. Holbach, Delamettric, ClootS, Chaumctte :c. beurtheilten das französische Volk weniger richtig, als Aobö Maurv, Chateaubriand, Napoleon. So wie die Leidenschaften ausgetobt hatten, füllte das Volk wieder ganz von selbst die Kirchen und wurden alle jene Prediger des Unglaubens verlassen. Abbö Maury behielt Recht, indem er sich mitten im Wahnsinn der Revolution nicht über das kirchliche Bedürfniß des französischen Volks hatte irre machen lassen. Napoleon, obgleich ein Sohn der Revolution, hatte Scharfblick genug, die Macht der alten Kirche einzusehen und er beeilte sich, dieselbe herzustellen. — Dieß Beispiel auf unsre neuern protestantischen Zustände angewandt, beweist sonnenklar, wie sehr jetzt wieder diejenigen Männer sich täuschen, welche dem Volk wieder von absoluter Freiheit, Emancipation von all und jedem religiösen Bande :c. vorreden und es mit Hilfe der com- munistischcn Theorien zu einem neuen Umsturz der Kirche aufbieten. Sie verstehen das Volk nicht, wie sehr sie auch schon glauben sich desselben bemächtigt zu haben. Das Volk wird sie täuschen. DeS Volkes wahre Natur ist dieser vorübergehende Paroxismus nicht. In seinem Kern und Grunde bleibt das Volk immer glaubensbcdürftig, in Deutschland wohl sogar noch mehr, als in Frankreich. Gelänge es daher auch unsern Licht- und Fortschrittsmännern, das Volk bis zu einer anarchischen Krise zu bringen, so würde doch, wie in Frankreich, nur eine große Abspannung und kirchliche Reaction die Folge seyn. Diese würde dann aber vielleicht weniger Stützpuncte im zerrütteten Protestantismus, als in der lateinischen und griechischen Kirche finden. Nach der Krise dürfte der Puscyismus noch eine viel höhere Bedeutung erlangen als vorher." _ - Verantwortlicher Redaeteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. ______ ^ .....^. WWW»» P für Köln im Lichte der Weisheit und in der Kraft der Tugend. Schon jetzt offenbarte sich, wie er Allen Alles werden sollte. Darum war er Freund der Gelehrten, Muster der Frommen, aber auch Freund und Vater der Armen. Seine Liebe gegen die Armen ging so weit, daß er nicht selten seine Bücher verkaufte, um den Armen geben zu können. CanisiuS hatte bereits das Ziel seines Lebens festgestellt: — Gott und der Kirche zu dienen war der Entschluß dcö Jünglings. Er folgte dem Zug!' der Gnade, schlug die edle und reiche Braut, welche der Vater für ihn bestimmt hatte, aus, zog die evangelische Armuth einer reichen Pfründe vor, lehnte deßhalb selbst ein ansehnliches Kanoniccit in Köln ab, und bat seinen Vater, ihm doch in der Wahl seines Amtes und Standes volle Freiheit zu lassen. Der Vater wußte die Gesinnung seines Sohnes zu schätzen und überließ ihn fortan seiner Neigung. Nachdem Canisius seine Studien am Gvmnasium Montanum zu Köln vollendet und unter Leitung seines treuen Führers Eschius die Gefahren des jugendlichen Lebens glücklich überstanden hatte, widmete er sich dem Studium der Philosophie, und zwar mit so glücklichem Ersolgc, daß er am Schluß des philosophischen Cursus mit dem Doctorhnt beehrt ward. Darauf studirtc er das weltliche Recht zu Köln, das geistliche zu Löwen, verwandte jedoch den größt-n Theil seiner Zeit für die theologischen Wissenschaften, und so mit gediegener Gelehrsamkeit allseitig gerüstet ward er bereits von den Gelehrten seiner Zeit anerkannt als tiefer Philosoph, gründlicher Rechtskcnner und großer Theolog- So groß er indeß in den Augen Anderer war, so klein erschien er sich selbst. Demuth war die Grundlage seines Lebens, Demuth krönte den großen Mann, und gab ihm jene Liebenswürdigkeit des Charakters, welche in die Gemüther dringt und die Menschen mit einer unwiderstehlichen Gewalt gchcimniszvoll fesselt. Die Wissenschaft blähte ihn nicht auf, denn er hatte das Geheimniß erkannt, in welchem alle Schätze der Weisheit verborgen liegen, — Jesum Christum, und dicstn als den Gekreuzigten. Man sagt von ihm, er habe, um gegen die eitle Ruhmsucht der Gelehrten sich zu bewahren, unter seinen Büchern und Papieren den Calvarienbcrg aufgerichtet. Im steten Hinblick auf den Gekreuzigten bildete sich allmcilig die bewuuderungSwürdigc Weisheit, Tugend und aufopfernde Liebe, womit alle Schritte seines Lebens bezeichnet wann. , M ^ In cin besonders nahes und freundschaftliches Verhältniß trat er mit dem berühmten kölnischen Theologen und Schriftsteller Laurentius Surius. Sie untcrhiclten sich oft über die Weise eines heiligen Lebens und über das Verlangen nach den himmlischen Gütern, und Canisius rettete seinen Freund von dem Gifte der neuen Lehre, welche ihn fast anzustecken drohte. Beide erkannte», daß das Leben kurz, die Hoffnungen der Menschen eitel und hinfällig und alle Wünsche nichtig und ungewiß seyen, wenn sie nicht den Himmel suchen. Surius trat in die Karthause des hl. Bruno in Köln. Um diese Zeit war von Paul lung unter den höhern Ständen, und seine Liebe zu den Armen hatte bereits die Herzen des Volkes ihm gewonnen. Mittlerweile starb Canisius' Vater; er eilte deßhalb nach Nvmwegen, um die Kindespflicht an ihm zu erfüllen, nahm den gesetzlichen Antheil von der Hinterlassenschaft seines Vaters in Empfang und verwandte einen bedeutenden Theil davon, um zehn seiner Genossen in Köln zu unterhalten, das Ucbrige gab er den Armen. Von Nvmwegen reisete er sogleich wieder nach Köln. Auch auf dieser Reise war er nicht unthätig. Er traf auf dem Wege drei Jünglinge, mit welchen er von göttliche» Dingen mit solcher Kraft sprach, daß diese durch seine Sieden bewogen sofort der Welt entsagten und zwei davon in den Karthäuscr-Orden traten, der dritte aber in die Gesellschaft Jesu aufgenommen wurde. Aller weltlichen Sorgen frei, vollendete nun Canisius das Opfer und wurde im Jahre 1545 im 25. Jahre seines Alters Priester. Nunmehr widmete er sich aufs Neue den Studien und es fing au, die Fülle und der g.-.nze Reichthum seines Geistes sich zu offenbaren. Am Montano - Gymnasium zu Köln wurde er zum Magister der evangelischen Geschichte erhoben, während er an der Universität über ras Sendschreiben des hl. Paulus an Timo- theuS Vorlesungen hielt. Bei Auslegung der hl. Schifft befliß er sich der Beleuchtung durch die hl. Väter, die er unermüdct studirte und dadurch einen so reich-n Schatz von Gelehrsamkeit sich erwarb, daß er in der Folge die an Gründlichkeit ausgezeichnetsten Werke schrieb. Damals schon gab er die Schriften Cyrilli des Alexandriners heraus. Er predigte in Köln mit Macht dem Volke, wies ihm dem Irrthum gegenüber die Wahrheit und begeisterte jener Orden bestätigt, welcher nach den: Plane der Vorsehung Großes für die katholische Sache und für das Heil der Menschheit wirken sollte, der Orden des hl. Jgnatius oder der Orden der Gesellschaft Jesu. Peter Fabcr, der erste Genosse des hl. JgnatiuS, war nach Main; berufen, wo er über die göttlichen Schriften lehrte, zum Volke predigte, mit den Gegnern des katholischen Glaubens disputirte und in den geistlichen Uebungen des hl. Jgnatius Anleitung gab. Die Zeit war gekommen, wo an Canisius in Erfüllung gehen sollte, was eine fromme Wittwe Ncinnlda schon in seiner Kindheit über ihn geäußert hatte. Canisius selbst bezeugt, wie sie im Kreise von Freunden oft von den schweren Ungewittcrn gesprochen, welche über den Katholicismus hereinbrechen würde», wie ein neuer Orden von Priestern entstehen würde, durch welche Gott treue Arbeiter in seinen Weinberg senden und daß er auch ihn ^Canisius) ihnen beigesellen werde. Seine Schriften und Bemühungen würden zur Zeit der Kirche vieles nützen. Sie klopfte bei dieser Gelegenheit dem Knaben Canisius, welcher damals 13 Jahre alt war, auf die SchulKr und fuhr fort: „Auch dieser wird einer aus der Familie jener Priester Jesu seyn, der die Wunde» der Kirche heilen, viel arbeiten und schwitze» wird." Kau», horte Canisius von der Stiftung dieses Ordens und von der Anwesenheit Fabcr'S in Mainz , als er Köln verließ und nach Mainz eilte. Er glaubte in Faber einen Engel des Himmels zu erkennen und übergab sich sofort und unbedingt der Leitung des großen Mannes, welcher mir der tiefsten Gelehrsamkeit eine kindliche Frömmigkeit und alle Gaben eines wahren VolkS- lchrcrs verband. Er wohnte den geistlichen Uebungen des hl. JgnatiuS bei, und noch ehe sie vollendet waren, erkannte er, daß dieses der Orvcn von Priestern sey, worüber die gottselige Nei- nalda sich geäußert hatte. Schon unter den geistliche» Uebungen äußerte Canisius den Wunsch, in die Gesellschaft Jesu aufgenom- ^ Frömmigkeit,".? die'siege'nde Macht'der Wahrheit waren die Waffen, womit sie wacker kämpften, glücklich siegten. Und bald waren Volk und Senat wieder gewonnen und den es durch Erwcckmig des wahrhaft katholischen Glaubens. In Köln schienen sich damals, um das Jahr 1546, die Unistände mißlich gestalte» zu wollen. Der Erzbischof Hermann von Wied, wenig bewandert in den göttlichen Wissenschaften, war den listigen Nachstcllnngcn der Gegner heftig ausgesetzt. Sofort erhoben sich Peter Canisius und Johannes Groper zum heiligen Kampfe für die Wahrheit. Die Gegner wußte» einige Glieder im Senate der Stadt zu gewinne» und hofften, die Zcsuiten zu vertreiben. Doch die Jesuiten wollten lieber alles Ungemach dulden, als eine kranke Stadt verlasse». Auf Befehl des Seiiates mußten Canisius und seine Genossen sich trennen. Sie blieben in Köln, äußerlich getrennt, im Herzen desto inniger vereinigt. In verschiedene Stadtviertel vertheilt, wurden sie für jeden Theil der Stadt cin Licht im Dunkel, ein Salz wider die Fäulniß der Irrlehre». icht Scmftmuth, Demuth, Geduld, Ergebenheit, wahre men zu werde» und Fabcr, der in ihm ei» würdiges Glied des! Ordens erkannte, genehmigte seinen Wunsch. Es war am Feste der Erscheinung des hl. Michael, an seinem 23. Geburtstage, am 7. Mai 1543, als Canisiuö in den Orden der Gesellschaft Jcsu eintrat. Bald nach seiner Aufnahme in den Orden wurde Canisius von Fabcr wieder nach Köln gesandt und dahin trug er nun mit der ganzen Lebendigkeit jugendlicher Kraft jenes himmlische Feuer, welches er aus dem Munde deö fromme» Mannes geschöpft hatte. Er setzte seine Studien fort, ergab sich aber der Pflege der Armen und der Uebung der LicbeSwerke mit solchem Eifer, daß seine Studien daruntcr litten. Faber milderte durch Briefe das jugendliche Feuer und gab zu bedenken, wie er an einem so wichtigen Orte, wie Köln, durch gediegene Wissenschaft festen Stand fasse» und wohl erwägen müsse, was er in Zukunft säen wollte. Canisius gehorchte und ergriff wiederum die Studien mit ungetheilter Kraft. Sein Ruhm als Gelehrter bereitete ihm bald seine Stcl- Jesuiten ward ei» freies und ungcstöiteö Wirken in Köln gestattet. CanisiuS trat wider Buzer von Straßbnrg, Melanchthon und Pistvr, die nach Bonn berufen waren, in den Kampf, bewährte sich herrlich im Kampfe für die katholische Wahrheit und wurde an der Spitze einer auserlesenen Gesandtschaft des Klerus, der Akademie und der Stadt Köln nach Lüttich gesandt, um durch den Bischvs von Lültich, Georg Austriacus, dein Sohne Kaiser Mar- milians I., auf den Kaiser für die bedrängte kölnische Kirche zu wirken. Da cr aber in Lllttich sein Geschäft nicht so schnell als er dachte und wünschte, vollenden konnte, so übernahm er, um die Stunden nicht mußig hinzubringen, nach der Weise der Gesellschaft Jesu die Kanzel, tröstete die Katholiken und gewann nicht wenige für die alte Wahrheit. Viele brachte er durch die geistlichen Uebungen des hl. JgnatiuS zu einem andern und bessern Leben. Oft predigte er drei und viermal im Tage und bekehrte Männer von den höchsten Würden. Selbst der Bischof freute sich, ihn in seiner Capelle zu hören und versprach, die Sache der Religion beim Kaiser mit seinem ganzen Ansehen zu unterstützen. (Fortsetzung folgt.) .«»mSStt« «l nHkhIln?!^, ,t» l,U»Ä ^>i, Äo m: Der qute Pater Thomas. ' (Schluß.) ^ II. In einem der von Pater Thomas gemietheten drei Zimmer schlief er selbst, in dem entgegengesetzten seine Schwester Bctty und das zwischen beiden gelegene ziemlich geräumige Gemach diente ihnen als ArbeitS-, Speise- und Empfangs-Saal. Ein Schreibtisch, auf welchem ein Bücherschrank angebracht war, stand in einer Ecke desselben, in einer andern ein Betstuhl, über welchem ein Cruzifir hing, in der Mitte erblickte man einen runden Tisch mit einem reinlichen Tiroler-Teppich bedeckt, an der Hinterwand sah man ein mit braunem Leder überzogenes Canapee, vor welchem ein kleinerer, ebenfalls mit einem Tcppich bedeckter Tisch stand; Betty's Arbeitstischchcn am Fenster, zwei Armstühle, ein halb Dutzend Sesseln, zwei heilige Gemälde an der Wand, nebst einer Penrcl- Uhr über dem Kamin, waren die Möbeln, die man in Pater Thomas' Empfcmgsaal antraf. Eines Morgens saß darin am Fenster, mit weiblicher Arbeit beschäftiget, eine Person hoch über die Vierzig. Ihr Gesicht war von Blatternarben entstellt, ihre gutmüthigen Augen schielten ein wenig, ihre Gestalt war unansehnlich, aber in diesen wenig einnehmenden Körpcrformen wohnte eine schöne Seele. Von Jugend auf an Entbehrungen, Kränkungen und Leiden aller Art gewöhnt, nahm sie dieselben mit jener Ergebung hin, welche nur denjenigen höheren Naturen eigen ist, die das Christenthum richtig auffassen und auch im Leben üben. Diese Person war Betty, die würdige Schwester des guten Pater Thomas, war auch zugleich ein getreuer Abdruck seiner edlen Seele. Heute kömmt er aber wieder gar zu lange nicht nach Hause; schon zehn Uhr durch und er hat noch nicht gefrühstückt, der arme Bruder! Die Straßen werden Menschenleer, jeder sucht Schutz in seiner Wohnung vor den heißen Sonnenstrahlen; aber er vergißt seine schwächliche Gesundheit, seine körperlichen Schmerzen und alles Zeitliche, wenn ihn sein heiliger Beruf beschäftigt hält. Kaum hatte Betty diese Worte für sich gesprochen, trat Pater Thomas in die Thüre. Guten Morgen Bctty, habe dich lange mit dem Frühstück warten lassen, nicht wahr? Nun es wird uns desto besser schmecken, redete er seine Schwester an, während sie ihm Hut und Stock abnahm und er sich den Schweiß von der Stirne abtrocknete. Meine alten Knochen wollen nicht mehr recht fort; — fügte er hinzu, indem er sich auf einen Armstuhl niederließ und seine Beine rieb — freilich haben sie in den amerikanischen Urwäldern schon ihre Dienste gethan, wahrlich es wäre von mir undankbar, mich über sie beschweren zu wollen. Gewiß das wäre es, und eö ist schon selbst undankbar, daß du sie nicht mehr schonst, lieber Bruder, entgegnete die besorgte Betty. Schelte mich nur rechtschaffen aus, ich verdiene es, schon deßhalb, weil ich deine Morgcnsuppe kalt werden ließ, sagte Pater Thomas gutmüthig lächelnd zu seiner Schwester, die beschäftigt war den Tisch zu decken, und eben im Begriffe stand das Frühstück herbeizuholen. l Als sie beim Mahle saßen und rüstig dem aufgetragenen ! Gerüchte zusprachen, frug Pater Thomas, ob während seiner Ab- 'Wesenheit Niemand nach ihm gefragt. Doch, erwiderte Betty, die Gräsin Orsini kam mit ihrer Tochter selbst vorgefahren, sie läßt dich für Montag zur Mittagstafel bitten, sie feiert an diesem Tag ein Familien-Fest und sie, wie ihr Fräulein, drangen sehr in mich, dich zu überreden ihre Einladung anzunehmen. Auch der deutsche Baron war du, er will wieder kommen, da er dich, wie er sagte, noch heute zu sprechen wünscht. Und hier sind zwei Taschenbücher, welche die Prinzessinnen Amalie und Sophie zum Geschenk geschickt. Pater Thomas nahm wohlgefällig die zwei elegant cingebun- ! denen Bände zur Hand, blätterte darinnen und sagte: — die guten ! Kinder wissen, daß ich von Zeit zu Zeit gerne an einer heiteren ^ Leclüre nasche. Auch der Jude Lapar hat nach dir gefragt — fuhr Bctty !in ihrcm Bericht fort, nachdem ihr Bruder die Taschenbüchcr wieder bei Seite gelegt, und sich wieder zu Tische gesetzt hattc. Kaum hatte Bctty diesen Namen ausgesprochen, so ficl dcm guten Pater Thomas die Gabel aus der Hand, er schlug sich unwillig vor die Stirn. Wie konnte ich auch dicscn armen M.i^n vergessen, wahrlich mein Gcdächtnijz taugt nicht mehr viel, aber, Gott sey Dank, cS ist noch nicht zu spät, erst Nachmittags würde man ihn auspfänden, wenn er seine kleine Schuld nicht bezahlen kann. Bei diesen Worten erhob er sich vom Tische, ging an sein ^ Schreibpult, zog daraus ein Papierpäckchcn hervor, worin verschiedene Münzsorten sorgfältig eingewickelt waren, zählte tas Gelb nach, wickelte cS wieder ein, steckte es zu sich, griff nach Hut und Stock und wollte sich schleunig damit entfernen, doch an der Thüre trat ihm ein Herr entgegen. Halt, ich lasse sie nicht los, sprach der Eintretende scherzhaft, ich bin schon zweimal vergebens da gewesen. Weiß es, Herr Baron, war die Antwort, wenn jedoch ihre Angelegenheit nur ein halbes Stündchen Aufschub gestattet, bitte ich, mich nicht zurückzuhalten, denn hartherzige Gläubiger verstehen keinen Spaß, würden dem armen Lazar ohne Barmherzigkeit sein bischen Hab -und Gut versteigern, ihn mit Weib und Kindern auf das Straßenpflaster setzen, wenn nicht schnell geholfen wird. Kann ich vielleicht mit meiner Börse zu dieser Hilfe etwas beitragen? fragte der deutsche Baron. Danke für dicßmal, das Sümmchen ist schon beisammen; wir andere, wir sind auch Egoisten, haben ebenfalls Vergnügen daran, aus eigenem Beutel armen Leuten aus der Noth zu helfen und so sparen wir, zwar nicht ich, denn ich verstehe mich nur schlecht darauf, aber meine Schwester Betty, um von Zeit zu Zeit in Stand gesetzt zu seyn, durch Selbstentbehrungen das Elend Nothlcidender lindern zu können. Aber hier schwatze ich mit ihnen, während der alte Lapar in Angst und Schrecken lebt. Wissen sie was Pater Thomas? Ich will sie in meinem Wagen, der vor ihrer Thüre hält, zu ihrem Lapar begleiten, dadurch gewinnen sie Zeit und ich finde Gelegenheit ihnen mein Anliegen vorzutragen, es betrifft ebenfalls das Schicksal eines Unglücklichen, der von ihnen Rettung hofft. So sehe ich es gerne, wenn mir meine guten Freunde Unglückliche zuweisen, sie sind ja meine liebste» Kinder, leider aber kann ich nicht allen helfen, doch trostlos wenigstens wünsche ich keinen zu verlassen. Der Fremde, der sich darauf mit Pater Thomas entfernte, war der zu seiner Zeit berühmte Astronom, Baron Z., ebenfalls ein edler Menschenfreund, der ihn im Wagen darum bat, die Be- gncidigung eines jungen Engländers von guter Familie, welcher mehr aus Unwissenheit als aus Bosheit, in halb betrunkenem Zustand, in einer Kirche von Pisa ein Verbrechen begangen, beim Großherzog auszuwirken, und der gute Pater Thomas war wie immer, auch in diesem Fall bereitwillig, sich für den Unglücklichen zu verwenden. Sobald er zurückgekehrt, rief er noch in der Thüre seiner Schwester zu, ihm seinen Staatsauzug zurccht zu legen, beifügend, ich muß noch vor der Mittagstafel zum Großhcrzog. Und nachecm er sich in seinem Schlafcabinet schnell umgekleidet halte, trat er wieder in den Saal zu seiner Schwester, die an seinem Anzug bald hier bald dort noch etwas zu ordnen fand, während er sie gutmüthig anlächelte und zu ihr sagte: Nicht wahr Schwester, du bist neugierig zu erfahren, was dieser so eilfertige Gang ;u bedeuten habe? Ich verrathe dir cö aber nicht, erst wenn ich mit froher Nachricht zurückkomme sollst du es von mir vernehmen. Gelingt mir mein Vorhaben, Bctty, so wollen wir heute zu Mittag eine der Bordeaux-Flaschen leeren, die der französische Gesandte mir verehrt, und ich will den Tag als einen gesegneten preisen, an welchem ich zwei Unglücklichen zu helfen Gelegenheit fand. Alle deine Tage sind gesegnet, dein ganzes Leben ist ja nur ein immerwährendes Wohlthun, dachte Betty, während sie ihrem Bruder nachsah, und Bctty hatte recht. Deutschland. Wallfahrten. Aus Obcröstcrrcich, 28. Juni. Die Kirche hat sich zu allen Zeiten für den Nutzen der Wallfahrten ausgesprochen, denn wenn diese nicht nützlich waren, wie könnte sie mit Ablässen Diejenigen beschenken, die in redlicher Absicht und mit reinem Herzen Wallfahrten anstellen an heilige Orte, wie nach Jerusalem, zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus, an die Gnadcnorte der heiligen Jungfrau u. f. w.? Entfernt von zeitlichen Geschäften, sind die Wallfahrer bloß mit Gedanken an Gott und göttliche Dinge beschäftigt. Sie stellen sich an den heiligen Orten Palästina'S vor, was dort geschehen: die Leiden des göttlichen Heilandes, seine Angst am Oelbcrg, seine Geißelung und Krönung, seinen schmer^ollen Gang, da er mit d-m schweren K>euz beladen war, entlieh die Kreuzigung selbst. Wie soll das Andenken an all dieß in einem Orte, wo es selbst geschehen ist, nicht von der eindringlichsten Wirkung für das Gemüth begleitet seyn? Welch ein Abscheu gegen die Sünde und welche Liebe zu Christus muß in dem Herzen Desjenigen entspringen, der bei sich erwägt: All dieß hat der Heiland mcincr Sünden wegen und um mir seine Liebe zu zeigen, an diesem Orte vollbracht. Und neue fromme Entschließungen tauchen auf in seinem Herzen; mit Gott will cr'S hinfüro halten und nicht mit der Welt, die so sehr im Argen liegt. Hiczu stärkt ihn das Beispiel von andern frommen Pilgern, die er in Andacht vor dem Gnadenaltar hingestreckt sieht, die Gott suchen von ganzem Herzen. Golt läßt nichts unbclvhnt, jeder Tritt und Schritt, der seinetwegen gethan wird, wird von ihm gesegnet; wie sollten also die vielen Tritte und Schritte eines Wallfahrers, oft unter Regen und Ungewittcr, unter den brennenden Strahlen der Sonne, oft bei ganz schmaler Kost, bei so vielem Ungemach in den Herbergen umsonst geschehen seyn? So viel Bitteres, dem man sich um Gottes w llcn unterzieht, sollte keines Lohnes werth sinn? Gewiß, wenn anders wichtigere Pflichten nicht darunter leiden. Darum wird zu Wallfahrten gemeiniglich eine Zeit gewählt, wo keine Kollision statt haben kann. Warum endlich die Kirche das Wallfahrten anrathet, ist die Rücksicht auf die Buße. Die vielen Beschwerden einer Wallfahrt nimmt sie als ein Bußwerk an, als ein Mittel die Leidenschaften zu bezähmen. Wohl also dem Wallfahrer, der in der Absicht Wallfahrten unternimmt, um die begangenen Sünden abzubüßen; denn er bezahlt damit einen Theil seiner Schuld an Gott ab. Darum ist die Beicht den Wallfahrern angerathen, damit die Buße Gott wohlgefällig sey. Bekannt ist es von der heiligen Maria von Egyp- tcn, daß sie nach Jerusalem wallfahrtend selbst auf der Reise dahin ein böses Leben führte. In Jerusalem angekommen, war sie nicht im Stande, in die Kirche vom heiligen Grabe zu treten; sie versuchte es zu wiederholten M^len, aber eine geheime, unsichtbare Gewalt hielt sie zurück. Dieß brachte sie auf den Gedanken, ihre Sünden mögen wohl Schulv seyn, daß sie nicht hincintreten könne. Da befand sich vor der Kirche ein anmuthigcs Bild der Mutter Gvtteö: vor diesem warf sie sich auf die Kniee, schluchzte und weinte ob der Größe und Menge ihrer Vergchungcn, und bat die seligste Jungfrau Maria um ihre Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne. Beruhigt stand sie auf und konnte nun ohne Anstand den gottgeweihtcn Ort betreten. Reue und Buße also führen uns Gott nahe. Wenn demnach so viel Gutes mit dem Wallfahrten verbunden ist, so ist es gewiß erfreulich, daß ein solcher von der Kirche gebilligter*) Gebrauch, der seit einiger Zeit etwas in Versall zu gerathen schien, wieder in Aufnahme kömmt, und zwar unter Aufsicht der Priester. In dieser Hinsicht gereicht es dem Hause Oesterreich zum besondern Lobe, daß selbst unsere Majestäten Wallfahrtsorte besuchen, wie Maria Zell, so wie auch Personen ersten Ranges, Mettcrnich, Schwarzenberg und Andere sich dieses Gebrauches nicht schämen. So geht von Wien aus unter geistlicher Begleitung jährlich eine Wallfahrt nach Maria-Zell. Und im heurigen Jahre hat auch Linz das Beispiel der Wiener nachgeahmt; denn während sonst die Wallfahrt nach Maria-Zell gemeiniglich in der Pfingstwoche ohne geistliche Begleitung unternommen wurde, ging Heuer unter Ansllhruug eines Priesters aus der Stadtpfarrkirche zu Linz eine Wallfahrt am Freitag nach Christi Himmelfahrt nach Maria-Zell vor sich. Der Zug wurde unter dem Geläute der Glocken eröffnet, und der durch seine Frömmigkeit bekannte Stadtpfarrer und Domschvlafticus Mathias Kirchstcigcr begleitete denselben unter Assistenz bis zur Donau, wo die Wallfahrer ein Schiff bestiegen, um bis Morbach unweit Maria Tafcrl zu kommen, das ein besuchter Wallfahrtsort ist, und gemeiniglich von Wallfahrern, die nach Maria-Zell gehen, besucht wird. Bei der Rückkunft dieser Wallfahrer, die 8 Tage darauf statt fand, ging der Stadt- und Landdechant wieder bis zum Prater außerhalb Linz unter Assistenz entgegen, und unter Begleitung vielen Volkes zogen die Wallfahrer in Procession in die Stadtpfarrkirche, wo ein Dankgebct für die glücklich vollbrachte Wallfahrt verrichtet wurde. (K. - Z. f. d. kath. Deutsch!.) ') „Man soll den Leib nicht nur durch Fasten übeihaupt und durch jenes insbesondere, welches die Kirche angeordnet hat, sondern auch durch Wachen, andächtige Wallfahrten, ui.d andere Arten von C,>siciungen züchlig?n, und d e fleischlichen Begierden bezähmen." e->t. Kvm, pr-i^c, sext, p. 38!. Viermae. Llrauss. ^ Verantwortlicher Suda-'teur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. ärkmer. ? » ^^»gs - Mei/., der UttgsbttVgev Iweite Jahreshälfte. »«. Poftzeitttng. S7. Juli 1845. Leben des seligen Petrus Canisius, Priesters der Gesellschaft Jesu. (Fortsetzung.) Canisius kam an das Hoflager des Kaisers und flehte im Namcn der kölnischen Universität, der Stadt und der ganzen Geistlichkeit die Hilfe des Monarchen sür Köln an. Scinc Worte fanden Gehör und er kehrte mit der frohen Botschaft nach Köln zurück, daß der Kaiser die nöthige Hilfe versprochen habe. Wirklich traf den Erzbischof nicht lange nachher der Bannstiahl. Adolph von Schauenburg folgte ihm in der bischöflichen Würde. Am Hoflagcr des Kaisers war es, wo Otho, Cardinal und Truchscß, Bischof von Augsburg, unsern CanisiuS in seiner ganzen Vortrefflichkcit kennen lernte und durchschaute. Er bestimmte ihn für das Concilium von Tricnt. Bereits war der große Theolog JasuS auf Otho'S Betrieb dorthin abgegangen. Canisius reisetc in einem Alter von 26 Jahren zum Concilium von Tnent, obwohl Köln ihn ungern gehen ließ und Stadt sowohl als Universität bei dem General des Ordens, dem heil. Jgnatius, sich um ihn verwandten. CanisiuS glänzte bald als junger Mann unter den ergrauten Kirchenfllrstcn der Versammlung und gab nicht nur mit andern Theologen scinc Meinung, sondern faßte auch das, was andere sammelten, in cine eben so schöne als kräftige Sprache. Der heil. Kirchcnrath wurde auf einige Zeit unterbrochen. Inzwischen halte ihn der heilige Jgnatius nach Rom berufen. Canisius wurde vom Papste mit allen Zeichen der Liebe und des Wohlwollens empfangen. An der Seite des heil. Jgnatius athmete CanisiuS unter den Uebungen der Demuth und des Gehorsams, die einzig große Geister auf dem Gebiete der Kirche gebildet haben, ein apostolisches Leben in reicherem Maaße. Nach fünf Monaten sandte der heil. Jgnatius ihn nach Messina in Sicilicn, wo Johannes Vega, der königliche Statthalter, das erste Kollegium der Gesellschaft Jesu gestiftet hatte. Hier wurde Canisius zum Lehrer der Rhetorik verordnet. Er, der kurz vorher in heiliger Versammlung unter den ersten Gotteö- gelchrten der ganzen Welt seine Meinung gab und die Meinung Anderer in das treffendste Wort faßte, arbeitet in demüthigstem Gehorsam als Lehrer der Jünglinge. Wenn je einer im Geiste seines Ordens, in Demuth und Gehorsam wirkte, so war es der ! ehrwürdige Canisius. Die Seele seines Lebens, Demuth und ! Gehorsam, fand man nach seinem Tode auf einem Blatte geschrieben: „Ich gelobe heilig und ohne Ausnahme, daß ich niemals trachten will, daß wir meiner Bequemlichkeit wegen irgend ein Amt oder Ort angewiesen werde. Diese Sorge und Gewalt, mit mir umzugehen, und sowohl meinen Leib als meine Seele zu regieren, überlasse ich ganz und gar meinem Vater in Christo und vorgesetztem General Jgnatius, dessen Gutbcsindcn ich mein Urtheil und mcincn Willen ganz unterwerfe, demüthig opfere und vertrauensvoll übergebe. Im Jahre Christi 1548 den 5. Februar. Petrus CanisiuS von Nymwcgcn." Mittlerweile hatte der erlauchte Herzog in Bayern Wilhelm IV., der den Glauben und die Kirche so mächtig schützte, Canisius vom heil. JgnatinS für Bayern sich erbeten. Canisius eilte auf Befehl des Vaters JgnatiuS nach Bayern und richtete sofort seinen Blick auf die Universität. Jngolstadt lag darnieder. In Verbindung mit JajuS und Salmcor erhob er die Universität bald wieder zn ihrem frühern Glänze. Canisius lehrte nicht nur die Wissenschaft, sondern er begann auch in deutscher Sprache zu predigen. Mächtig strömte sein Wort. Die größte Kirche war für die Menge der Zuhörer zu klein. Ja, er trug die Botschaft des Heils auch in die Gefängnisse, Spitäler und in die Hütten der Armen. Seine Bemühung ward gekrönt; balv wählte man ihn einstimmig zum Nector Magnificus der Universität. Dadurch hatte sein Einfluß gewonnen, und er verwandte nun seinen ganzen Einfluß und alle seine Kräfte darauf, die Gebrechen der Universität, und namentlich die Wunden, welche bereits die Irrlehre ihr geschlagen, zu heilen. CanisiuS wachte, wie ein sorgsamer Hausvater, über sein Haus. Vor Allem räumte er jene Bücher aus dem Wege, die heimlich das Gift der Irrlehre und des Lasters in die Herzen trugen. Mit dem akademischen Senate herzlich und innig vereinigt wirkte er strenge gegen alle Laster und Ungezogenheiten. Nnr die Unverbesserlichen entfernte er, andere strafte er mit Weisheit und Milde. Junge Gemüther suchte er sür Frömmigkeit und Tugend zu gewinnen. Zu dem Ende eröffnete er cine Privatschule in seinem Hause und suchte durch freundliche Gespräche nicht so den Verstand, als das Gemüth katholisch zu bilden, gegen die herrschenden Zeitübel zu warnen, zur wahren Weisheit zu ermähnen. Es lag ihm Alles daran, tüchtige Arbeiter für den Weinberg des Herrn zu gewinnen; darum wußte er junge Männer, die reich an Talenten, aber arm an Gütern waren, aus der Menge herauszufinden, sammelte für sie die nöthigen Geldmittel und unterstützte sie durch seinen Unterricht. Sein Wirken umfaßte jedoch nicht bloß die Universität, sein großer Geist durchdrang und erschaute schnell alle Verhältnisse und so blieben ihm auch die großen Uebel, an welchen ganz Ingolstadt krankte, nicht verborgen. Unter dem Volke waren mannichsachc Mißbräuche cingerissm und üble Sitten und Gewohnheiten aus dem Aberglauben und dem Mangel an gründlichem Unterricht erwachsen. Canisins durchschaute das Uebel, und unterließ nicht, alle Mittel anzuwenden, welche Liebe, Klugheit und ächt christliche Weisheit ihm eingaben, um dem Nolkc die entschiedene Richtung auf das Wahre und Gute wieder zu geben. Bor Allem mangelte es am Gebete, diesem eigentlichen Pnlsschlage des geistigen und geistlichen Lebens, woran man den gesunden und kranken Gemütszustand der Menschen und der Völker leicht erkennt. Die Leute schämten sich des Gebetes. Canisius begegnete dem Uebel. Er belehrte das Volk über das Wesen des Gebetes, lehrte die einfachste und leichteste Art zu beten und weil überall zu dem Worte das Beispiel hinzukommen muß, so ging er selbst umher, fiel auf die Kniee nieder und betete ihnen vor. Er wählte Jünglinge aus, die den Geist der Andacht hatten, und ließ sie in der Kirche voibet.n. Die Leute, aus Mangel an Unterricht, durch elende Schriften und schlechte Beispiele irregeführt und lau gemacht, vernachlässigten den Gottesdienst, begnügten sich mit der Hülste vcr heil. Messe oder gingen gar nicht hin, CanisiuS belehrte das Volk über das erhabene Geheimniß des heiligsten Opfers, unterrichtete bei Tag und bei Nacht, ermunterte, ermähnte, tröstete, belehrte, bekehrte, betete, reinigte, schmückte die Kirchen, stellte den Gottesdienst in würdevoller, katholischer Feier wieder her — und siehe, ein neuer Geist dlN'chwchte Ingolstadt und die ganze Umgegend, mau strömte zu den Kirchen und Altären, man ward froh und freudig, reich und glücklich wieder im Glauben und in der Tugend. Das Geld, welches ihm als Ncctor zufiel, nahm er niemals an. Die Akademie wählte ihn zum Prokanzler und Herzog Albert trug ihm durch ein ausdrückliches Schreiben diese Stelle an. Doch CanisiuS verschmähte den Glanz hoher Stellen; auch wollte er sich nicht dnrch diese Stelle an einen festen Ort binvcn, sondern gehen, wohin ihn die Noth und der Gehorsam gegen seinen heil. Batcr Jgnatius rief. Und wirklich rief ihn ganz Deutschland. So luv ihn Julius Pflug, Bischof von Naumburg, ein; so die Domherren zu Straßburg, so begehrten ihn die Bischöfe von Frcising und Eichstädt für das wicdercrösfnete Concilium zu Trient. Doch Herzog Albert wollte ihn aus Bayern nicht entlassen. Endlich ward Canisius von dem Schwiegervater des Herzogs Albert, dem römischen Könige Fcrvinand, nach Wien berufen und er folgte den Befehlen des Papstes und des heil. Jgna- tius. Im März des Jahres 1552 ging er von Ingolstadt nach Wien. Ein glänzendes Zeugniß begleitete ihn. In Wien eröffnete sich für die Thätigkeit des großen Mannes ein neues, weites Feld. Überall Bcrdcrbniß in Erkenntniß und Sitten und zwar nicht nur im gemeinen Volke, sondern auch im Klerus, in Klöstern, in Schulen, in allen Ständen, überall die Rcchtgläubigkcit durch den Irrthum wie verdrängt! Unter Zwanzig gab es kaum Einen wahren Katholiken. Die Seelen- Hirten in Dörfern und Städten waren meistens Miethlinge, ohne Bildung, ohne sittlichen Wandel. Die Geheimnisse der Religion wurden vernachlässiget oder verachtet. Ein betrübender Anblick für die Seele eines CanisiuS! — Vor Allem zuerst wandte er sich im . Gebete zu Gott und bat auch den heil. Jgnatius, durch sein Gerbet den Herrn zu versöhnen. Der hl. Jgnatiuö erließ an sämmtliche Mitglieder der Gesellschaft Jesu die Aufforderung, monatlich ^Einmal zur Ausrottung ter Irrthümer das heilige Opfer darzubringen. So durch Gebet und durch festes Vertrauen auf Gott gestärkt begann CanisiuS sein Wirken in der großen Hauptstadt. Älle, welche einen akademischen Grad zu erlangen suchten, wurden strenge geprüft. Er schärfte Wachsamkeit und Sorgfalt ein, damit nur ausgezeichnete Männer, welche gründliche Wissenschaft mit wahrer Frömmigkeit verbanden, zum Lehramte ausgewählt wurden. ^Um für alle Zeiten tüchtige Männer zu bilden, rieth er, ein Seminar zu stiften; hier sollten fähige Jünglinge wahrhaft kirchlich erzogen werden. Um aber das Unkraut von dem Weizen zu ! scheiden, trat er öffentlich als heiliger Kämpfer gegen den Irrthum in die Schranken und bekämpfte die neue Lehre mit den Waffen des Wortes, welches ist das Schwert des Geistes, das in ihm durch Gebet und Wissenschaft geschärft war. Viele verstummten, viele entflohen, viele schwuren den Irrthum ab. Aus dem Unglauben und Irrglauben war das Laster als nächste und notl> wendige Folge entsprungen. CanisiuS bekämpfte durch die Predigt das Laster und bestrafte ungescheut die Fehler aller Stände. Nach dem Tode des berühmten Friedrich Ncuser ernannte ihn der Kaiser zum Hofprediger von Wien. Der Donner seines Wortes brachte den Irrthum zur Wahrheit, das Laster zur Tugend. Licle bekannten ihre Sünden und die heil. Beichtanstalt, welche von den Gegnern als Tortur verschrien war, wurde für Wien wiederum eine Quelle des Friedens und der Freude. Ja, er predigte nicht allein in Wien, sondern besuchte auch die Landgemeinden, wo Priester mangelten oder Miethlinge waren. Kaiser Ferdinand erkannte die außerordentlichen Verdienste des ManncS und wollte ihn, als der Bischof von Wien gestorben war, zu dessen Nachfolger einsetzen. Auch hätte der Papst gern den erleuchteten Priester zur Würde eines Bischofes erhoben, doch aus Demuth schlug CanisiuS die hohe Würde aus und bat den heil. Jgnatius, seiner Erhebung zu widersprechen. Der heil. Jgnatius that es, invcm er dem Oberhaupte der Kirche vorstellte, „daß es im Geiste der Gesellschaft Jesu liege, dem Ehrgeize zu steuern." (Fortsetzung folgt.) Die Grundsteinlegung zur St. Johannes-Kirche in Cincinnati, am Feste Maria Verkündigung 1845. Ueber diese in der Postzeitung schon kurz erwähnte Feierlichkeit berichtet der in Cincinnati erscheinende WahrheitS- frcund: Selten noch habe ich die Feder mit freudigerem Gefühle ergriffen, um eine Mittheilung über einen erlebten frohen Tag an Jemanden zu schreiben, als ich es heute thue, um mit wenigen Worten die Feier zu schildern, welche gestern in unserer „Königin deö Westens" statt gesunden: ich meine die Grundsteinlegung zur dritten deutschen katholischen Kirche in Cincinnati, welche unter Anrufung des heiligen Johannes des Taufers an der Grccn- Straße, zwischen der Race und Vine erbaut wird. Die seit mehreren Tagen anhaltende unangenehme kalte und stürmische Witterung machte unö nicht wenig besorgt, daß die auf den 25. März festgesetzte Feierlichkeit auf eine betrübende Weise g stört oder gar verschoben werden müßte. — Aber siehe, noch am Vorabende zum Kirchenfeste der St. Marien-Kirche legte sich der seit einiger Zeit herrschende Wcchsclwind, der Mond ging wie eine Rubinen-Scheibe auf, und die hell leuchtenden Sterne waren gute Boten eines schön darauf folgenden Tages. An diesem schönen Tage wurve denn Lormittags ein solennes Pontifical-Amt vom Hochwürvigsten Herrn Bischöfe ?ui-oell in der St. Marien-Kirche gehalten, wobei der Hvchwürdige Herr Fcrne- ding die Fest-Nede hielt. Die große geräumige Kirche war dabei zum Erdrücken angefüllt, wie dies; jeden Sonntag der Fall ist, und mehrere hundert Personen standen vor den Kirchen-Thüren, welche in dem inneren Raume keinen Platz mehr finden konnten. Nachmittags gegen 2 Uhr setzten sich die mancherlei Vereine der zwei deutschen katholischen Gemeinden in Bewegung, um von ihren bezüglichen Pfarr-Kirchen. aus sich zur Ordnung anzuschicken, in welcher die Proccssion von der St. Marien-Kirche aus nach dem neuen Kirchen-Platze gesuhlt werden sollte. — Etwas nach 3 Uhr fing der Festzug an. Voran nach alter Christen-Weise das hohe Processions-Kreuz mit einem prächtigen Crucifix-Bilde, welches man erst kürzlich aus Deutschland hatte kommen lassen. Darauf folgten paarweise die Schulkinder der zwei deutschen katholischen Schulen in einer fast endlosen Reihe (die St. Marien-Schule allein zählt über 500 Kinder und hat ein recht niedliches Pannicr); nach den Kindern kam der Klerus, dem das Pontifical-Kreuz mit mehreren Ministranten vorausging. Von den 16 Geistlichen, welche dem Hochwürdigstcn Bischöfe vorangingen, waren der Hochwürdige Herr I>. Lllst, 8.^., Ceremonien-Meister, die Herren ?. Vvi'IiL^cllZii, 8.^. u. 5. >Vc>oä Lau- tores. Nach dem Hochwürdigsten Bischöfe, der in kontilivalidus zum erstenmale in Procession durch die Straßen dieser Stadt zog, folgten die '1>>istl? Johannes darauf beziehen, und suchte auch das Vcrnunstgemäße der erhabenen symbolischen Ceremonien der katholischen Kirche, insbesondere bei der Weihe eines Ecksteines zu einem neuen GotteS-Hause bemerkbar zu machen. — Das ihm von der St. Marien-Kirche her zuleuchtcudc „Kreuz in der Höhe' flößte Herrn Hammer die Zuversicht ein, daß auch das Kreuz auf dem Thurm der St. „JohanncS-Kirche" bald zur Himmels-Wcite hinauf leuchten werde. Nach dieser Anrede stieg der Klerus von der Tribüne wieder herab, setzte die Einweihung der Grundmauern fort, und beschloß beim Grundstein selbst die Weihe desselben. Alle auf diese Weihe bestimmten Psalmen wurden feierlich gesungen, wobei die Hochm. Herr» f!!>ntore8 die Schönheit unserer Ritual-Gesänge unter Gottes freiem Himmel prciswürdig entfalteten, und so Manchen zum Mitsingen unwillkürlich hinzogen. Zuletzt sprach noch einige tief ergreifende Worte der Hochw. Pontificant selbst. -—- Die eben untergehende Sonne gab ihm Gelegenheit, ganz passend zu sagen, daß die Sonne in der katholischen Welt nicht untergehe u. f. w., und nachdem er es öfter wiederholt, daß alle die voran gegangenen Gebete und Gesänge und Feierlichkeiten nur zur größeren Glorie des höchsten Herrn verrichtet worden sind, schilderte er die Armseligkeit des Anfangs der katholischen Kirche in Cincinnati, und offenbarte seine Gcmüths- Bcwcgung, die er fühlte, als er l^der Hochwürdigstc Bischof) in der Proccssion bei dem Gottesacker in der Vine-Str. l^Ecke der Corporations-Linic) vorüberging, auf dem einst die erste katholische Capcllc von Cincinnati, eher einem Stalle ähnlich, gestanden, und dann auf Rollen in die Stadt, wo jetzt die St. Peters- Kathcdralc steht, geschoben wurde u. s. w., und sprach dann seinen Wunsch aus, daß aus dem Rückwege eine Station auf diesem Gottesacker, dem ersten katholischen Kirchen-Platze von Cincinnati, gehalten werden möchte. — Der Hochwürdigstc Bischof ertheilte dann den bischöflichen Segen der anwesenden unzählbaren Volks- Mengc und die Proccssion zog zur St. Marien-Kirche zurück. Die allen Anwesenden tief in die Seele gehende Station für die verstorbenen Vvrfahrer wurde unter Absingung des Psalmes vo ?ro- lunctis und der hiczu gehörenden Oration gehalten, und nun ging es ohne Verzug zur Kirche auf dieselbe Weise zurück, auf welche der Zug von derselben ausging. — Das Pscilmodircn wurve durch die Straßen bis zum Altare der St. Marien-Kirche fortgesetzt. — Der schön erleuchtete Hochaltar mit der dabei kuicendcn Pricster- Sckaar vor dem ausgesetzten Allcrhciligstcn Sacramcnte, die beiden Seiten-Altäre mit den kunstgerechten l^zum erstenmale an diesem Tage aufgestellten) Standbildern der seligsten Jungfrau und des heiligen Josephs inmitten frischer Zedern-Bäume, der Lichtglanz im Innern der Kirche bei hcrcingcbrochcner Nacht außerhalb derselben mußte die in den Tempel zurückgekehrten Gemeinden zum Doum lauclnmus hinreißen, welches in deutscher Sprache angestimmt wurde, sobalv der Segen mit dem Hochwürdigstc» Gute gegeben und somit der Festlichkeit des ganzen Tages das Siegel des Glaubens und der Liebe vollends aufgedrückt worden war, — eines Tages, den die meisten Katholiken von Cincinnati ohne Zweifel unter die schönsten ihres Lebens rechnen werden. » » « Als eine Randglosse möchte ich noch beifügen, daß bei der Feierlichkeit — die außerhalb der Kirche begangen wurde, — auch nicht die mindeste böswillige Störung vorfiel, was den «katholischen, anders denkenden Mitbürgern zur Ehre gereicht, welches die betheiligtcn Katholiken mit Dank anerkennen und sich freuen, in einer Stadt Nord-Amerika's zu leben, wo „Religions- Freiheit" kein leerer Schall, sondern ein gediegenes Manncs- Wort ist. Der Hochwürdigste apostolische Nuntius in Köln. Der Katholik berichtet darüber unter cmdcrm: Am 30. Juni gegen Abend mit dem Dampfboote der Kölnischen Gesellschaft hier angelangt wurde der Hochverehrte Gast durch die Equipage des Herrn Erzbischofs in das Erzbischöflichc Palais abgeholt und nach kurzer Ruhe schon ein Besuch der weltberühmten Kathedrale gemacht, welche auf Se. Excellenz den vortheilhaftesten Eindruck machte und dadurch die Veranlassung wiederholter B, suche in den Tagen der Anwesenheit wurde. Am 3. Juli erschien eine aus sieben Mitgliedern bestehende Deputation der Bürgerschaft — Beamten und Kaufleute — und überreichte in schöner Bewillkommungsrede eine zahlreich unterzeichnete Adresse, deren schöner Inhalt das Herz des Stellvertreters des heiligen Vaters tief rührte und auf welche der so festlich Bewillkommte in deutscher Sprache erwiderte. Die Erwiderung, deren reine und schöne Sprache, so schwer für den an weichere und wohlklingendere Formen gewöhnten Italiener, bewundert ward, verdient ihrer in angemessener Kürze enthaltenen Gediegenheit wegen eine weitere Verbreitung. „Die Stadt Köln," so lautete dieselbe, „hat sich immer durch ihren Eifer für die katholische Kirche, durch Verehrung und Ergebenheit gegen das Oberhaupt derselben ausgezeichnet. Die Gesinnungen, die Sie mir ausgesprochen haben, beweisen, daß Sie ihrer Vorfahren würdig sind; ich wünsche Ihnen Glllll dazu! Der heilige Vater wird sich darüber freuen und groß wird auch Seine Freude seyn zu vernehmen, daß Sie dem würdigsten Prälaten, dem die Verwaltung dieser Diöccsc anvertraut ist, von ganzem Herzen ergeben sind. Ich brauche nicht, meine Herren, von der väterlichen Liebe des heiligen Vaters zu Ihnen zu sprechen, da Sie bereits überzeugt sind, daß dieselbe die innigste, die zärtlichste ist: zum Zeugnisse dieser Seiner Liebe wird der heilige Vatcr den apostolischen Segen über Sie aussprcchen und der Segen des Stellvertreters Jesu Christi auf Erden wird ein Unterpfand seyn aller jener Tröstungen und Segnungen, womit Gott Sie und diese Stadt bereichern und erfüllen wird. Fahren Sie fort, meine Herren, auf diesem Wege der Wahrheit und des Heiles durch treue Erfüllung aller Ihrer religiösen und bürgerlichen Pflichten zu wandeln, damit Köln das alte, das katholische, das heilige Köln immer sey und bleibe!" Daß diese mit Wärme und apostolischer Salbung gesprochenen Worte von den biedern und warmkirchlichcn Kölnern mit Begeisterung und nachhaltiger Treue aufgenommen, bewahrt und in weiten Kreisen verbreitet wurden, brauche ich hier wohl nicht weiter zu sagen; nur möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß dieser schöne, wohlthuende Eindruck bei dem darauf folgenden Diner, wozu nebst anderen Honoratioren und einzelnen Geistlichen der Stadt die Herren Deputirten von Sr. Erzbischöflichen Gnaden geladen waren, in der Nähe des ausgezeichneten Prälaten noch erhöht wurde. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. ^»s- ' M-i/., Augsvttrger Zweite Jahreshälfte. Postzeitttng. vW^Ä.» A. August t84S. Leben des seligen Petrns Canisius, Priesters der Gesellschaft Jesu. (Schluß.) Es läßt sich denken, wie sehr die Zeit des großen Mannes in Anspruch genommen war. Als Mann des höchsten, unbedingtesten Zutrauens, welches ohne Unterschied alle Stände ihm schenkten, wurde er von Unzähligen um Nath gefragt, zum Beichtvater gebeten, in geistlichen und leiblichen Nöthen als Fürsprecher angerufen, von Kranken um Trost und Zuspruch angefleht; aber bei allen Geschäften und Mühen fand CanisiuS Zeit, Schriftsteller zu seyn. In Wien erschienen mehrere gcdiegcne Schriften, unter andern „das goldene Buch," welches in der Folge häufig in's Deutsche übersetzt wurde. Wichtig aber für die damalige Zeit und für die ganze Folgezeit, wichtig nicht allein für Deutschland, sondern für ganz Europa war das Werk, welches CanisiuS unter dem Titel: „Summe der christlichen Lehre" heraus. Durch die neue Lehre waren auch unter dem gläubigen Volke die religiösen Begriffe vielfach verwirrt. Es fehlte an einem Buche, worin der große und reiche Inhalt des katholischen Glaubens kurz und klar ausgesprochen war. Da fühlte Canisius sich gedrungen, den kurzen Inbegriff oder die Summe der christlichen Lehre ^summ-l eloctriiine Llni8liu»!>v) dem katholischen Volke mitzutheilen. Das ganze Werk zerfällt in zwei Hauptthcilc, wovon der erstere über die Weisheit, der zweite über die Gerechtigkeit handelt. In der Abhandlung über die Weisheit ist die Lehre über den Glauben und das Glaubensbekenntnis^, über die Hoffnung und das Gc^ct, über die Liebe und die zehn Gebote und die Kirchengcbotc, und über die Sacramentc aufgenommen. In dem zweiten Hauptthcilc übcr die Gerechtigkeit wird zuerst gelehrt, was man mcivcn soll: er nmfaßt die Lehre über die Sünde, — dann, was man thun soll, dieser umfaßt dic Lchrc von der Tugend. Das Werk schließt mit den letzten Dingen des Menschen, mit der Lehre über Tod und Gericht, Lohn und Strafe im jenseitigen Leben. Somit zerfällt das ganze Werk, um nach unserer Weise zu reden, in einen theoretischen und praktischen Theil oder in dic Lchrc über Glauben und Lcbcn. Nur ein flüchtiger Blick in dieses Werk läßt uns den großen Mann erkennen, welcher keinen Kirchenvater, ben in der ganzen Fülle seiner Wahrheit darzustellen. Dic Schrift war für dic damalige Zeit von unbeschreiblichem Nutzen und gewiß ist es sehr erfreulich, daß man in unsern Tagen diesem berühmten Werke deö Canisius wieder große Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ans besondere Veranlassung des Erzbischofs von Paris wurde in einer Ausgabe vom Jahre l68(> bemerkt, daß der Katechismus des Petrus CanisiuS vielhundertmal ausgelegt und in dic Sprachen aller Völker übersetzt sey. Ferdinand würdigte zuerst dieses goldene Buch und befahl, es durch ganz Deutschland zu vertheilen und in den Schulen öffentlich vorzulesen. In allen Schulen, Gymnasien, Akademien und Tempeln wurde CanisiuS gelesen und erklärt. Philipp II., König von Spanien, berieth sich mit der hochberühmtcn Schule zu Löwen, welches Unterrichtes er in der katholischen Lchrc für sein Reich sich bedienen sollte. Alle Gelehrten dieser und anderer Hochschulen waren einstimmig, daß keine Darstellung und Erklärung der katholischen Lehre tauglicher sey, als dic des ehrwürdigen PctrnS CanisiuS. Philipp besah! daher, das Lehrbuch des Petrus Cauisius im ganzen Nönigreichc Spanien zu gebrauchen. Wohl sagte Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf und Herzog von Ncubnrg: „Wer Pctri Canisii kurzen Inbegriff christlicher Lehre einmal gelesen hat, der kann unmöglich mehr ein Ketzer seyn." Canisius war zwar in Wien der Gefahr des bischöflichen Amtes entgangen; indeß gebot der Kaiser, er solle wenigstens die Verwaltung des Visthums übernehmen. Jgnatiuö konnte nicht answcichcn, und gab die Verwaltung des bischöflichen Amtes zu, doch unter der Bedingung, daß Peter Canisins von den bischöflichen Einkünften nichts berühre. Der Name des apostolischen Mannes war bereits in der ganzen Welt bekannt. Man stritt sich um seinen Besitz. Besonders heiß verlangten ihn Siebenbürgen, Ungarn, Schlesien, Polen und Böhmen. Nach Böhmen entließ ihn Ferdinand: hier sollte ein Kollegium der Gesellschaft Jesu als Schutzmauer gegen dic Irrlehren errichtet wcrdcn. Doch dic Gegner kannten dic Gewalt des Mannes und fingen an, gegen ihn nicht nur in Schmähwor- tcn, sondern in einem förmlichen Aufstande zu wüthcu. Canisins kam in Gefahr, unter einem Steinregen zu erliegen oder verbrannt zu weiden, und man mußte ihn mit einer bewaffneten kein Concilium unberücksichtigt gelassen, um den katholischen Glau-i Mannschaft umgeben. Doch Solches währte nur Augenblicke. Der Mann Gottes wußte seine Widersacher durch Sanftmuth/ Demuth und Geduld, Wissenschaft und Gebet zu-entwaffnen. — Bald daraus ernannte ihn der heil. Jgnatius zum ersten Provin- cial des Jesuitenordens für ganz Deutschland. Nach einer kurzen Ruhe, die er in Bayern genoß, ward er von Ferdinand zum Reichstage nach Rcgcnsburg berufen, wo sich die Fürsten des Reiches versammelt hatten, um der GlaubcnSneucruug die geeigneten Schranken zu setzen. Viele angesehene Theolog n waren zugegen. Keiner schrieb und sprach gründlicher und mächtiger, als Canisius. Er stellte die katholische Wahrheit in ihrer ganzen Fülle und Kraft dar und ging auch aus diesem wichtigen Geschäfte mit Ruhm bcdcckt hervor. Im Jahre 1558 starb der heil. JgnatiuS. Ihm folgte als zweiter General des Jesuitenordens Jacob Layncz. In diesem Jahre war es, wo CanisiuS von Rom nach Polen abreisetc, um dem RcligionSgcsprächc in Petrikovia aus Befehl des Papstes beizuwohnen. Die Kirche war hier in der größten Vcdrängniß. Der König war schläfrig und nachsichtig. Viele Vornehme waren dem Irrtl'mne günstig; die Bischöfe hochbctagt und saumselig. Canisius erschien. Er begann mit Gebet, wie überall, weckte Bischöfe und Priester zum Kampfe für die heilige Sache, deckte den falschen Schein der Irrlehre auf, benahm dem Frommen die Furcht, vernichtete die listigen und gottlosen Unternehmungen der Gegner und vermochte selbst den Bischos Sigiömund, die Religion und die Rechte der Bischöfe zu schützen. — Eben so segensreich war seine Wirksamkeit in Augsburg, wohin er auf Begehren des Kardinals von Augsburg und des Kaisers Ferdinand sich begeben hatte. Hier war Uneinigkeit, CanisiuS stellte die Einigkeit wieder her. Er ricth den Bischöfen, in ihren Sprengeln Schulen zu errichte», wo uncntgcldlich Unterweisungen gegeben Würden, öfter Versammlungen zu halten, Seminarien zu stiften, iu welchen talcntovlle Jünglinge zu den Aemtern der Kirche herangebildet würden. Er wußte in Augsburg ein eigenes HanS zu erhalten, wo unbemittelte, aber mit GeistcSgabcn ausgestattete Jünglinge vor dem Irrthume bewahrt und in der Wahrheit gegründet wurden. Auch hier predigte CanisiuS mit solcher Gründlichkeit, Demuth und Krast, daß der Carvinal, der Bischof und das Dom- capitcl und die ganze Gemeinde ihn zum ordentlichen Prediger dringcndst verlangten. Sie erhielten ihn, behielten ihn aber nicht lange, denn er wnrdc von seinem Obern bestimmt, den Cardinal HosiuS, der vom Papste an den Kaiscrhof nach Wien abgeordnet War, dorthin zu begleiten. Nach seiner Rückkehr predigte Canisius in Augsburg mit neuer Kraft. Die Feinde konnten dem Geiste nicht widerstehen, der aus ihm redete. Als Dvmprcdigcr von Augsburg gab er das Martyrologimn deutsch heraus unter dem Titel: „Der Kir- chcnkalendcr, darin angezeigt worden die christlichen Feste und Heiligen GottcS beider Testamente, wie man dieselben das ganze Jahr in der ganzen Christenheit von Tag zu Tag begeht, auch mit Verzeichnis; unzählbarer Heiligen, wie sie gelebt und gelitten, was sie gethan und gelassen haben zu ihrem Heile und zum Exempel aller Christen." Die Vorrede dieses Werkes ist ausgezeichnet schön. Außerdem verfaßte er das „Handbüchlein für Katholiken," welches er der stubircnden Jugend wivmctc. Es enthält auserlesene, kräftige und ganz in Worten der Schrift verfaßte Gebete. Sein „Katholisches Gebetbuch," welches er selbst noch zum sechsten Male herausgab, enthält einen Schatz von Gebeten nnd Unterweisungen in einer kräftigen, deutschen Sprache. Um durch Lesung die Jugend in der Frömmigkeit zu üben, gab er die vortrefflichen Briefe des heil. Hicronymus heraus. Wegen solcher Verdienste belobte Pius IV. den apostolischen Mann in einem eigenen Sendschreiben. Inzwischen war das Concilium von Trient wieder eröffnet. Pius IV., Kaiser Ferdinand und der Cardinal HosiuS wünschien in dem heiligen Rathe die Gegenwart eines Mannes, welcher eben so fromm als gelehrt war und die Zustände Deutschlands am besten kannte. CanisiuS folgte dem Rufe und erschien in der Versammlung der Väter. Cardinal HvsinS, der krank lag, genas, als sein Haupt den alten Freund berührte. Es war dem Cardinal, als hätte in seine Glieder eine neue, wunderbare Kraft sich ergossen. Er schrieb seine Wiederherstellung den Verdiensten des Peter Canisius zu und hielt sie sür ein Wunder. Und so glaubte man allgemein, daß Gott dnrch ihn auch für die Sache der Religion heilsam wirken werde. Die Legaten und Väter der Versammlung erholten sich Raths bei ihm, und hier war es auch, wo CanisiuS, unbekümmert um das Ansehen der Person, mnthig in die Schranken trat, als es galt, dem Kaiser gegenüber die Rechte der Kirche wahrzunehmen. Kaiser Ferdinand begehrte, was dem Ansehen des römischen Stuhles und der Freiheit des Conciliums zuwider war. Zu dem Ende versammelte er mehrere Theologen zu Innsbruck, um über die Anträge, welche cr ans der Synode machen wollte, ihre Meinung zu hören. Auch Canisius fand sich ein. Mehrere Gelehrte suchten ihn auf ihre Seite zu bringen; aber CanisiuS blieb unbeweglich. Er achtete nicht die Person und das Ansehen des mächtigen Fürsten und wußte durch eine gründliche Darlegung der Wahrheit den Fürsten eines bessern zu belehren. Ucberhaupt, wohin er kam, da ward Licht, Friede, Ordnung, Einigkeit, da ward katholisches Leben, Liebe zur Kirche. Nichts vermochte seiner Demuth, Sanftmnth, Wissenschaft und Gelehrsamkeit, nichts der Kraft seines Gebetes zu widerstehen. Petrus CanisiuS war so fast die Seele des Conciliums, und wurde das Organ, durch welches das Concilium in Deutschland eingeführt wurde. PiuS IV. ernannte ihn zum außerordentlichen Nuntius. Als solcher reiscte er zu den Fruste» des Reiches und machte sie mit den Beschlüssen des Conciliums bekannt. Auf diesen seinen Reisen war cr ein wahrer Apostel, brachte das Wort des Herrn vor Fürsten und Könige, stärkte überall die Gläubigen, bekehrte die Irrenden. Wer vermag die Menge zu zählen, welche durch ihn der wahren Kirche wieder zugeführt ward! Canisius kehrte von seiner apostolischen Reise mit Segen nach Rom zurück. Indeß bestieg PiuS V. den päpstlichen Stnhl. Auch dieser würdigte die Frömmigkeit nnd Gelehrsamkeit des großen ManneS und sandte ihn im I. 1566 nach Augsburg. Mit zwei andern sehr ehrwürdigen Bätern aus der Gesellschaft Jesu wußte er die größten Schwierigkeiten zu lösen, zum Heile der Kirche und zum Segen des Staates. — Im I. 1567 kam CanisiuS nach Franken und gründete dort das Kollegium zu Würzburg. Wie überall, so predigte er auch in dieser Stadt und im ganzen Lande dem Volke, widerlegte den Irrthum, der auch dort schon Wurzel gefaßt halte, leitete die Priester zur würdigen AuSspcndnng der göttlichen Geheimnisse an und ermunterte sie zu einem heiligen Wandel. Und kaum hatte Canisius Würzburg verlassen, um in Ellwangen in gleicher Weise zu wirken, als seine Feinde das Ge- nicht auSstreuetcn, Canisius sei in Ellwangen zur neuen Lehre übergetreten. Sosort kehrte cr nach Würzburg zurück und bewies durch die That das Gegentheil. Wir übergehen die übrigen Reisen und Geschäfte des apostolischen ManneS und erwähnen nur, daß er auch »ach Westphalcn kam und eine Zeitlang in Osnabrück verweilte, dort predigte und vom Volke überaus verehrt wurde. Von Osnabrück begab er sich nach Köln, dem theuern Orte, wo er den Anfang seiner Lauf. I bahn machte und die glücklichen Jahre seiner Jugend und Studien' verlebte. Damals war es, wo er eine geschriebene Originalaus-! fertigung der Verhandlungen des Conciliums von Trient, mit! Unterschriften und Siegeln versehen, nach Köln brachte, welche > noch im Archive der städtischen Schulverwaltung aufbewahrt wird. > Die Einwohner Kölns waren über seine Ankunft hoch erfreut, denn sie verehrten ihn als den Erhalter deö wahren Glaubens. > Sie erwiesen ihm die höchsten Ehren und der städtische Senat! überreichte ihm den Ehrenwein. Er ward gebeten, die Kanzel! zu besteigen, und that es, obwohl er müde von der Reise und! noch nüchtern war. Von Köln begab er sich nach seiner Vaterstadt Nymwegen, wohin er mehrere dringende Einladungen erhalten! hatte, und obgleich dort der Irrthum eingedrungen war und gro-! ßen Hasz wider die Priester der katholischen Kirche erregt hatte,! so konnte man doch dem Manne die schuldige Achtung nicht versagen, welcher eine so große Zierde des Vaterlandes geworden War. Acht Tage schenkte er seiner Vaterstadt, begab sich dann nach Jülich und von da wieder nach Köln. Und solche Liebe hatten die Kölner zu dem ehrwürdigen Manne, dasz sie sofort den Beschluß faßten, Keinen zum Lehramte zuzulassen, bei dem man über die Reinheit seiner Lehre ungewiß sey. Mit dem Senate vereinigte sich die kölnische Universität. Keiner erlangte die theologische Doctorwürde, noch ward jemand zum Grade einer andern Facultät zugelassen, wenn er nicht zuvor die vom Oberhaupte der Kirche vorgeschriebene GlaubenSformcl beschworen hatte, worauf CanisiuS schon damals in Wicn drang. CanisiuS kam darauf nach Dillingcn, wo er ein ganzes Jahr verweilte und den ersten Theil seines Werkes wider die Centurien schrieb. Er nannte es „vom heil. Johannes dem Täufer" und widmete es dem Erzherzog Ferdinand von Oesterreich. Die Centurien waren schon im Jahre 1560 von den Magdeburgischcn Worts-Dienern herausgegeben und weil sie viele Leser gefunden, und überall Lüge statt der Wahrheit, Gift statt der Arzneien gaben, so hatten sie bereits großes Verderben angerichtet. Pius V. selbst beauftragte unsern Canisius mit Widerlegung dieses Werkes, und im Jahre 1571 verließ schon der erste Theil die Presse. Der gelehrte Cardinal Baroniuö schreibt über dieses Werk in seinen Jahrbüchern: „Der wachsame Fleiß des gelehrten und überaus gottseligen Mannes CanisiuS bezeugt, daß in diesem Werke nichts mangelt, was dazu dient, die Widersacher ihrer Uncrscchrcn- heit, Thorheit und Treulosigkeit zu überzeugen.' Allgemein wurde der Wunsch rege, CanisiuS möge auch Maria, die allcrscligstc Jungfrau und Mutter des Herrn, welche vielfach gcschmähct war, gegen die Feinde des Glaubens vertheidigen. Das Oberhaupt der Kirche verlieh dem Verfasser seinen Segen und vollkommenen Ablaß. Im Jahre 1577 vollendete CanisiuS diesen zweitcn Theil und nannte ihn „von der seligsten Jungfrau Maria." Er widmete das Werk dem Herzoge Albert von Bayern. Den dritten Theil fing Canisius an zu schreibe», konnte ihn aber nicht vollenden. Und wie war es ihm möglich, viele Bücher zu schreiben, da ihn das Oberhaupt der Kirche, der Kaiser, die ersten Fürsten und Herren und die Obern der Gesellschaft Jesu ununterbrochen in Anspruch nahmen? — Er war beständig in Geschäften, auf Rci- sen, überall und immer mit Mühe beladen. Papst Gregor XIII. sagte zu ihm, als er ihn an den Erzbischof von Salzburg, an den Herzog von Bayern und an andere Fürsten sandte: „Wir wollen, daß du nach unserm Verlangen behilflich seyest, Deutschland beizu- springcn, weil uns hinlänglich bekannt ist, wie viel deine scgcuS- Vslle Weisheit in dieser Sache vermag." Nach Vollbringung dieser wichtigen Geschäfte rief ihn Papst Gregor wieder nach Rom, um sich mit Am zu berathen über die Gründung eines deutschen Kollegiums in Rom. Es war das siebente Mal, daß der apostolische Mann zur Hauptstadt der Christenheit rcisete. — Von dort begab sich CanisiuS zum Reichstage in Negensburg. Im Jahre 1579 sandte ihn der Pater General zu Albert, dem Grafen von Fürstcnbcrg; und schon wollte er auf Befehl des Papstes mit dem Bischöfe von Breöcia znm Reichstage nach Nürnberg gehen, als ein anderes wichtiges Geschäft ihn »ach Helvetica abrief. Die Bischöfe von Konstanz, Basel und Lausanne schrieben an Papst Gregor Xlll. die große Gefahr, in welcher die heilige Sache d.s Glaubens im Schweizerlande schwcbc. Der heil. Vater ließ sofort durch seinen Nuntius, der in Deutschland war, Einsicht nehmen und dieser rieth, ein Kollegium der Gesellschaft Jesu in Frciburg zu gründen. Kaum aber verbreitete sich daö Gerücht von der Gründung eines Kollegiums der Gesellschaft Jcsu, als sich stürmisch die Jrrlchrcr erhoben. Wie i» Deutschland, so wurden auch im Schwcizcrland Schmähungcn aller Art übcr die Giscllschaft Jesu auSgegvssen. Der apostolische Nuntius berief daher im Jahre 1580 den gelehrten und gottseligen Petrus Canisius nach Freiburg. Der päpstliche Legat Bonhrm, Bischof von Versailles , führte ihn ein und begrüßte den Senat der Stadt mit den Worten: „Sehet, Freiburger, hier habt ihr einen Edelstein, einen Mann, der ein hochgcweihtes Pfand ist, das ihr mit besonderer Verehrung bewahren sollet!" — Und siehe! wohin CanisiuS kam, da flohen die Schatten der Nacht und die Nebel des ^Irrthums. Er war bald die Liebe des Volkes. Einstimmig ward >das Collcginm dcr Gesellschaft Jesu gegründet und Canisius zum I Vorsteher erwählt. Sicbenzehn Jahre lebte er in Fccibnrg und besorgte nicht nur in Frciburg, sondern auch auf dcm Lande das ^Hcil dcr Seelen. Er predigte, war Nathgcbcr, schrieb Bücher, ! sandte Briefe an die Brüder in den Collegicn, welche er gegründet, tröstete und bcgcifterte sie für Wahrheit, Wissenschaft und i Vollkommenheit. Unter solchen unuutcrbrochencn Bemühungen für die Ehre ! Gottes und das Heil der Menschen war CanisiuS Greis geworden. -Er fühlte die Abnahme seiner Kräfte und das Herannahen des ^ TodcS. Nunmehr begann die Vorbereitung zu der letzten Reise in die Ewigkeit, zur Bereinigung mit Christo seinem Herrn, dem ^er treu gedient hatte. Er verlangte sehr nach der Fürbitte from- !mcr Freunde, tödtcte seinen Leib mehr denn zuvor durch Fasten jab, obwohl seine Kräfte sichtbar von Tag zu Tag abnahmen. -Nnr die Gespräche von Gott und göttlichen Dingen gaben ihm Stcnke und erheiterten seine Seele. Durch Leiden scincm Herrn !in etwa gleich zu werden, war ihm selige Wonne. Nachdem er !vicr volle Monate au den Schmerzen der Wassersucht gelitten hatte, cntschlics er im Herrn am Feste d^s heil. Apostels Thomas, Nachmittags drei Uhr, im Jahre 1597 im 77stcn Jahre seines Lebens. Ganz Frciburg trauerte. Man beklagte seinen Tod, wie ein großes Unglück. Jeder bemühte sich, eine Reliquie von ihm zu erhalten. Man feierte ihn wie einen Heiligen. Die Frcibnr- ger setzten dem ehrwürdigen Vater ein Denkmal und nannten ihn darcmf „ihren Patron und Fürsprecher, den Erzvater dcr Kirche in der Schweiz, eine feste Säule des katholischen Glaubens, einen Mann, berühmt in der ganzen christlichen Welt." Die Verehrung steigerte sich, als man seinen Leichnam ausstellte. Man kämpfte, um die Hände und Füße des Verstorbenen zu küssen. Es wurde schwer den Leichnam zu begraben, da fast immer die Menge ihn nmlagcrte. Die geringste Reliquie von ihm war ein kostbares Kleinod und war es auch nur cin Haar, man faßte es in Silber und Seivc. Bald glänzte das Grab des gottseligen Mannes von Wundern. Sein Leib ruhcte in der Hauptkirchc des hl. Nikolaus zu Freiburg bis zum Jahre 1626, wo er unter großer Feier in die Jcsuitcnkirche übersetzt wurde. Im Jahre 1843 am 21. Nov. wurde Canisius in der Versammlung der Kongregation vom heil. Ritus selig gesprochen. Petrus Canisius gehört zu den außerordentlichen Erscheinung gen auf dem Gebiete der katholischen Kirche und zu jenen Männern der Vorsehung, welche der Herr in gefahrvollen Zeiten erweckt, damit sie Licht und Salz der Erde seyen und wie feste Säuleu die Kirche tragen; Deutschland und Europa ist dem apostolischen Manne zum Danke verpflichtet und mit Recht nennt ihn die französische Kirche „den Apostel letzter Zeiten." Der Eifer für das Haus Gottes verzehrte ihn. Glühender Eifer für die Ehre, Verherrlichung und Erhöhung der Kirche Jesu Christi, die gleich einer unauslöschliche» Flamme bis zum letzten Athemzuge in ihm lebte, bildete den Hauptzug in dem Charakter des ehrwürdigen CanisiuS. Das Glaubensbekenntnis;, welches er seiner Antwort an die Ccnturiatoren von Magdeburg vorausschickte, kann uns hiervon allein überzeugen. Der Cardinal StanislciuS HosiuS nennt es daö kostbarste Denkmal der demuthsvollstcn und hochherzigsten Hingebung, die je ein gläubiges Kind der Kirche gegen diese gute Mutter hegen kann. „Freimüthig — so heißt es unter Andern in diesem Bekenntnisse — freimüthig bekenne ich mit HieronymuS: Wer sich anschließt an den Stuhl Pctri, der ist mein Mann. Mit Ambrosius rufe ich laut aus: In allen Stücken wünsche ich der römischen Kirche zu folgen; und diese verehre ich mit Cyprian als die Wurzel und Mutter der katholischen Kirche, mit der, wie Augustin sagt, die Obergewalt des apostolischen Stuhles immer verbunden ist." Darum klagte, seufzte, weinte er über das Unglück der Irrlehre, welches über Dcntschland verheerend einbrach und Alles zu verderben drohte. „O möchte der Herr, so rief er trauernd aus, uns die Augen öffnen und unsere Herzen rühren, um die Uebel des Hauses Israel zu sehen und zu beweinen." Die Irrlehre zu bekämpfen und überall den wahren Glauben wieder herzustellen, das war sein Lebensziel. Bestimmt von der Vorsehung für diesen hohen Zweck, war er auch von ihr mit den nöthigen Gaben und Kräften dazu reichlich ausgestattet. Er besaß eine feste, aller Arbeit und Anstrengung trotzende Gesundheit, einen durchdringenden, umfassenden, gründlichen Verstand, einen eisernen Fleiß, das glücklichste, geordnetste trcucste Gedächtniß. Man erzählt sich in dieser Beziehung Dinge, die ans Wunderbare gränzen. Seine Klugheit, Bescheidenheit und Milve gewannen ihm die Herzen aller Menschen. Ueber die verschiedenartigsten Gegenstände wußte er sich mündlich und schriftlich, auf der Kanzel und in freundlichen Gesprächen, deuisch uud lateinisch, niit derselben Leichtigkeit zu erklären und auSzusprcchcn. So erklärte er den Kindern den Katechismus, unterrichtete die Erwachsenen, predigte dem Volke, schrieb Bücher, untcrrcdctc sich mit Katholiken höhcrn und niedern Standes, disputirte mit den Irrlehren,, wirkte an den Höfen der Großen, besuchte die Armen auf dem Lande, ging in Gefängnisse und Spitäler, gründete Kollegien und Seminarien, brachte Universitäten zur Blüthe, machte unzählige Reise», hielt Missionen — dieß war fünf und fünfzig Jahre seine ununterbrochene Beschäftigung, ohne daß je sein Eifer erkaltet, je seine Kraft gelähmt wäre. Unendlich viel Gu>cS wirkte er namentlich durch seine Missionen. Die Pfarrer machten unter seiner Leitung die geistlichen Uebungen nach Vorschrift des hl. Jgnatius, — und neues Leben blühete in den Gemeinden. Alle, die er fähig fand, forderte er auf und ermunterte sie, gegen die Jrrlehrer zu schreiben, und verhandelte darüber insbesondere mit dem Vater Aquavira. So sehnlich er aber wünschte, daß seine Gesellschaft recht viele Schriftsteller liefere, welche im Stande wären, die Irrthümer der Protestanten zn widerlegen, so duldete er doch keine Schrift, welche der Größe und Wichtigkeit des Gegenstandes nicht entsprach. Unausstehlich war es ihm, wenn man in solchen Schriften auf bittere Ausdrücke, auf schalen Scherz und Spott, auf frostige Anspielungen Jagd machte. Er wünschte im Gegentheile, daß Alles Ernst und Liebe, wahrhaft katholische Bescheidenheit und Mäßigung athme. So glühend sein Eifer war für die Bekämpfung der Irrlehre, so groß, tief und außerordentlich war seine Liebe für alle Ver- irrten. Nach seinem Tode fand man ein Büchlein, von seiner Hand geschrieben, und darin mehr als fünfzig Beweggründe verzeichnet, die ihn vermochten, alle Tage für alle Menschen jeden Standes und Berufes zu beten; besonders aber waren die Namen derjenigen vermerkt, die ihn verfolgten, die Feinde der Gesellschaft Jesu, die Jrrlehrer und Irrgläubigen. Unter Strömen von Thränen betete er täglich für ihre Bekehrung zu Gott. Mit diesen Gebeten verband er die strengsten Bußübungcn, die er selbst im hohen Alter und in seiner Krankheit nur im Gehorsam milderte. Wie viel überhaupt der ehrwürdige Canisius durch sein Gehet gewirkt, wer weiß es, wer kann es berechnen? — Sein ganzes Leben war ein ununterbrochenes Gebet. Um Zeit für Gebet und Betrachtung zu finden, ging er spät zur Ruhe, stand früh auf. Gewöhnlich fand ihn der weckende Bruder schon auf den Knieen liegend, die Hände gefaltet, die Augen schwimmend in Thränen. Er betete mit heiligem Ungestüm, besonders wenn er für die Bekehrung der Sünder und Ungläubigen betete, kämpfte dann (wie er sich selbst ausdrückte) wie Jakob, mit seinem göttlichen Meister, und setzte den Kampf unerinüdct so lange fort, bis er den Sieg errungen hatte. Eine besondre Verehrung bewies er von seiner ersten Kindheit bis zu seinem Lebensende gegen die allerseligste Jungfrau und Mutter Maria, uud dieselben Gesinnungen suchte er in Unterredungen , Predigten, Büchern allen Gläubigen einzuflößen. Den Kirchen aber und Kapellen, die ihrem Namen geweiht waren, verschaffte er Ablässe und andere Auszeichnungen. Vorzüglich that er dieses für die berühmte Wallfahrtseapelle unserer lieben Frau von Alt - Oetting in Bayern. Täglich pflegte er zur Ehre der heil. Mutter Gottes den Rosenkranz zu beten und in seinem hohen Alter legte er ihn fast nicht mehr aus der Hand. Er rechnete es sich zur besondern Ehre, alle zu ihrem Andenken eingeführten Andachten mitzumachen. — Groß und reich, heilig und wunderbar ist das Leben des ehrwürdigen CanisiuS nach allen Seiten und Beziehungen. Er kämpfte als guter Kämpfer in einer schweren, unhcilSvollcn Zeit den Kampf für Christum den Gekreuzigten und seine heil. Kirche. Ganz Süddcutschland hat auf seinen Schultern geruht. Bayern, Köln und Wien sind zn großem Danke ihm verpflichtet. Als Kämpfer Christi hat er gelebt und gewirkt, als Kämpfer Christi starb er. Das Bild des Gekreuzigten in der einen Hand und cS mit Zärtlichkeit küssend, die brennende, geweihte Nerze, dieses Sinnbild des lebendigen, katholischen Glaubens, in der andern, übergab er sanft seinen Geist in die Hände seines Schöpfers. Priestern und Laien kann der ehrwürdige Canisius in unserer vielfach bewegten und verwirrten Zeit lebendiges Vorbild und trefflicher Wegweiser seyn. Zugleich aber können wir nicht umhin, unsere volle Liebe und Ehrfurcht gegen die Gesellschaft Jesu auSzusprechcn, welche einen Canisius bilden und erziehen konnte. —- Verantwortlicher Red.ittcur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. H o ^^HS - Mei/,, der Attgsbttrgev Iweite Jahreshälfte. SS. Die heilige Communion. Auf de« Altare« Höhe« Da ruhet Gottes Sohn, Umglänzt von Edelsteinen, Auf golonem Königsthron! Und Schaarcn holder Engel, Mit Schwingen, blau und grün, Sie liegen da und schauen Und preisen ewig Ihn! Das sterblich Auge bräche Bor Seiner HerUichkeit, Driun wählte Seine Liebe Ein einfach Lilienkleid! Er ist der Herr der Welten, Denn Ihm entquoll ihr Seyn, Und Er löst' die Gefallnen Mit Seinem Blute ein! Uzd doch ruft Er: „O Seele, „Da unten tief im Thal! „Es sehnet mich, zu halten „Mit Dir das Hochzeitmahl! „Mach auf! Mach auf die Thüre „DeS kleinen Herzens Dein, „Mach auf, o Braut, und führe „Den Bräul'gam zu Dir ein!" Und unten tief im Thale Da steht das Hüttlein klein, Da wohnt die Menschenseele Gar dürftig und allein! Postzeittmg. August 5845. Sie trägt ein zartes Kleidchen Mit blülhenweißem Schein, Das wieder sie gewaschen Im Blut des Lammes rein! Ob des Gewandes Schimmer Ist sie erfreut gar sehr! — Da wallt der Ruf von Oben Zu ihrem Hüttchen her! — Es tönet süß und herrlich Wie Himmelsharmonicn! — Die Seele lauscht — und bebet — Und fasset nicht den S.nn! „Der König aller Wesen — „Mit mir — der Bettlerin! — „Weh mir! — Welch eine Täuschung „Verblendet meinen Sinn! — „Und doch! — die «w'ge Wahrheit „Ist's, di- hier zu mir spricht! — „Eher täuscht der Sonne Klarheit, „Eher täuscht d-r Sonne Licht!" — Da zuckt der Blitz des Glaubens Ihr durch die schwache Brust! — Sie rafft sich auf und fohlet Die reinste Himmelelust! — Sie Prüft nochmal ihr Kleidleia, Ob es auch lauter ganz, Und schmückt's mit Thränender!?» Von himmelreinem Glanz! — Dann ordnet sie noch sorgsam Ihr ganzes kleines Haus, Und z''crt's mit süßen WUnnen Und bunten Bänvcrn aus! Dann f.icher sie die Lampe Der Liebe lodernd an, Und schreitet so ^ur 'Ifortc Voll Seligkeit hinan! Sie öffnet — sie sinkt uicr>er! — Blickt zum Altarcsdom, U»d stammelt: Mein Erlöser! ?!nn komm! — Mein Jesu! Komm! — I. Sigbart. Aus dem Hirtenbriefe des hochwrirdigstcn Bischofes von Paderborn, Franz Drcppe r. Erlassen am 13, Inli 1845. Wie maiuiichfachc Wtchsclfällc und Veränderungen, wie manche Gefahren und unqünstigc Zcitvcrhältnissc bcdrohcten das altehrwür- digc BiSthum Padcrborn von der Zeit an, da der glaubensstarke Kaiser, Earl der Große, cS gründete, bis auf den heutigen Tag? Aber die gefahrdrohende» Stürme sind vorübergegangen, und der Weinberg des hl. LiboriuS, den die Rechte des Herrn gc^ pflanzt hat, besteht fort, ja ihm ist nach den überstcmdcnen Stürmen einer wechsclvollcn Vergangenheit eine Ausdehnung geworden, wie nie zuvor. In ununterbrochener Reihenfolge führten vor Uns 56 Bischöfe den Hirtcnstab über Unser Bisthum, von dem ersten und frommen Bischof Hathumar an, bis auf Unsern in Gott ruhenden ehrwürdigen AmtSoorgängcr Richard us. Unter ihnen haben viele um die Stadt und das Bisthum Paderborn sich hohe Verdienste erworben, sey cS durch das Licht herzlicher Frömmigkeit und apostolischen Eifers, womit sie ihren Untergebenen voranlcuchtcten, sey eS dnrch die tiefe Einsicht und Umsicht, womit sie dem zeitlichen und ewigen Wohlc der ihnen anvertrauten Hecrdc ihre unermüdliche Sorge wiömetcn, sey es durch den Glaubcns- und Kampfesmnth, womit sie dieselbe in bedrängnißvollen Zeiten gegen die sie bedrohenden Feinde bewachten und schützten, sey es durch die thatkräftige GotteS- und Nächstenliebe, womit sie erhebende Tempel erbauten zur Ehre des Höchsten, UnterrichtS-Anftaltcn gründeten zur Heranbildung einer gottcsfürchtigcn Jugend, oder durch milde Stiftungen bleibend fließende Quellen der Erstickung und dcS Trostes eröffneten für die leibende Menschheit. Mit dankbarer Verehrung blicken Wir hin auf die lange Reihe jener treu befundenen nnd nun in die Fr ende ihres Herrn eingegangenen Hirten. Das Andenken ihres gottgefälligen, pflichttreuen, ausdauernden Wirkens, die Erinnerung an den Schutz und Segen Gottes, der auf ihren Arbeiten ruhcte, wird auch Uns zur Ermunterung dienen, alle Unsere Kräfte dem Uns gewordenen Apostolische» Amte zu weihen, auf daß Wir zur Ehre Gottes, zum Wohle der Kirche und des Staates, und zu Eurem Heile, geliebte Diöcesanen! den Bischöfliche» Stuhl der ehrwürdigen Kathedrale einnehmen, in welcher so viele Denkmäler des Frommsinncs Unserer verklärten AmiSoorgängcr Uns umgeben. — Während Wir also im Aufblicke zum Hinimel, und im Rückblicke auf die Vergangenheit Ermunterung und Ermuthigung zur Uebernahme der schweren, Uns gewordenen Bürde finden, läßtauch die Gegenwart, so ernst und sorgcnerregcnd sie vor Uns liegt, Uns nicht ohne Trost; denn Wir sehen in Unserm Domcapitel Uns umgeben von einem Kreise ehrwürdiger, im Dienste der Kirche ergrauten Brüder, die mit dem Ncichthume ihrer Kenntnisse und Erfahrungen ihren Beistand Uns nicht versagen, vielmehr Unsere Sorgen theilen, und dnrch Rath und That die Last des heute von Uns angetretenen Amtes UnS erleichtern werden. Wir sehen in den Städten und Dörfern Unsers ausgedehnten Bisthumes ein gläubiges Volk der Hirtcnsorge würdiger Priester anvertraut, die ^mit der Wissenschaft des Heiles, mit bewährter N'nnve in Führung der Seelen, Liebe ihres hohen Berufes und einen erbauenden Wandel verbinden, die als gntc Hirten treue Sorge tragen für ldie ihnen anvertraute Hecrdc, und in Lehre und Beispiel sie hinführen auf gute Weide. Ja, bei dem Gedanken an die zahlreichen, Unsrer Sorge übcrwicscncn Kinder, die Unserm Herzen so nahe, Leiber dem Wohnsitze ihrcö Bischofs und Vaters so ferne liegen, ^ wo könnten Wir Ncruhigung finden, wenn nicht in dem Vertrauen, ^welches wir auf Eure vereinte, eifrige Mithilfe setzn, ehrwürdige Brüder und Mitarbeiter in dem Weinberge des Herrn. — In einer Zeit, in welcher so unsäglich Vieles abhängt von würdigen Priestern, die in Wort und Wandel, in Liebe, im Glaube», und i» Reinheit das Vorbild der Gläubigen, das Licht der Welt, und das Salz der Erde sind, in solcher Zeit werdet Ihr nicht täuschen die Hoffnung ! Eures Bischofs, werdet seine Freude seyn und sein Trost, werbet mit Glaubensmnth und Bernfstrcnc um ihn Euch schaeucn, mit Uhni, wie gesunde Glieder eines kräftigen Leibes Euch einen zu ^gemeinsamen heiligen Streben, ans daß Wir kämpfen einen Iguten Kampf, die Laufbahn vollenden und den Glauben bewahren. Viele aus Euch vernahmen einst aus Unserm Munde die Lehren unsers heil. Glaubens. Erweiset Euch nun als Unsre treuen Gehilfen an der Euch angewiesenen Stelle dcö göttlichen Weinberges; lasset vor den Enrcr Hirtuisorge übcrwiesencn ! unsterblichen Seelen das Licht EureS thatkräftigen Glaubens und priestcrlichen Wandels leuchten; verkündet mit Eifer das göttliche Wort, spendet mit Winde die heiligen Sacramcnte, feiert zur .Erbauung der Gläubigen das heiligste Opfer, snchct mit Liebe die ^Verlorenen, seyd Väter der Armen, Tröster der Trauernden; widmet Eure eifrige Sorge dem Unterrichte der Jugend, auf daß sie in den Geist und Zusammenhang der christlichen Hcilswahrhcitcn I tiefer eindringe, und das Wort Gottes die Leuchte ihres L.bcns ! werde, und ihr Schirm gegen die mannichfachc» Gefahren, welche !im jugendlichen Alter den Glanben und die Unschuld bedrohe». Vernachlässiget die Gnade nicht, die Euch verliehen lst mit Auflegung der Hände des Priesterthums. Ihr habet dc» Hcrr» erwählt zu Eurem Erb theile. Lasset ^ nicht erkalten die erste Liebe, womit Ihr Ihm Ench wcihctet, und Er ist es, der Euer Erbe Euch wieder erstatten wird. Aber auch an Euch alle, vielgeliebte Diöcesanen, haben Wir Worte väterlicher Liebe und Ermahnung zu richten, an dem Tage, an welchem Wir zum Erstenmale als Bischof und Hirte Enrer Seelen, als Wächter Eures Glaubens zu Euch reden. Eingedenk der Gefahren und Kämpfe, welche gegen Eure Glanbcnslrcue, und gegen Eure Anhänglichkeit an die einige, heilige, katholische, Apostolische Kirche, unsere Mutter, in unsern Tagen sich erheben, fleheten Wir heute beim Antritte Unsres Obcrhirtcnamteö für Euch Alle zu dem Vater der Erbarmungcn, und Wir werden nicht müde werden für Euch zu flehen: Heiliger Vater, erhalte sie in seinem Namen, die du mir gegeben hast. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit; damit Alle Eins seyen, in lebendigem Glauben, in thätiger Liebe, und damit Keiner vvn denen, die du mir gegeben hast, verloren gehe. Wie könnten Wir es unberührt lassen, was vor Aller Augen liegt? Wir leben in Tagen, in welchen nahe und ferne in allen Theilen des großen Leibes der Kirche, neu erwachteö Leben, er- höhete Treue der kirchlichen Gesinnung, und vermehrte Theilnahme für Alles sich kund gibt, was die heiligsten F'agcn unsres Lebens, und der Kirche Wohl und Wehe berührt. Während diese Erschci- Führer; schaaret Euch um sie, als um Eure Hirten, hörct ihre Stimme und folget ihr. Gehorchet Euern Vorgesetzten und seyd ihnen Unterthan, denn sie wachen für eure Seelen als solche, die Rechenschaft geben müs- sen; damit sie dieses mit Freuden thun und nicht mit Seufzen. Dazu hat Christus in der Kirche Hirten und Lehrer verordnet, damit wir Alle gelangen zur Einheit im Glauben, und in der Erkenntnis; des Sohnes Gottes, daß wir nicht mehr Kinder seyen, die hin und her schwanken, und von jedem Winde der nung Unser Herz mit heil. Freude erfüllt, fchll es nicht an an- Lehre umhergetrieben werden, durch die Schallhastig- dern Zeichen der Zeit, welche uns Allen, geliebte BiSthumsange->kcit der Menschen, durch Kunstgriffe der Verführung, hörige! nachdrücklich die ernste Mahnung zurufen: Wach et; !sondcr» daß wir Wahrheit übend in Liebe an Allem stehet fest im Glauben, handelt männlich und seyd zunehmen, in ihm, welcher das Hanpt ist Ehristuö. stark. Lasset in dieser Zeit der religiösen Auflegung und dcsMic ihr Christum den Herrn angenommen habet, so Kampfes Euch nicht irre machen in der Ueberzeugung von dcr-wandelt in Ihm; eingewurzelt und gegründet in Ihm, Göitlickkeit jenes Glaubens, in welchem Eure Väter Frieden san- und fest im Glauben, so wie ihr gelehrt worden, und den im Leben und seligen Trost im Sterben, dem Ihr in der wachset in Ihm mit Danksagung. Sehet zu, daß euch unvergeßlichen Stunde Eurer ersten heiligen Communion Treue ^Niemand verführe durch WcltweiSheit und leeren gelobtet. Seyd und bleibt treue Söhne und Töchter jener heil. Trug, nach der Ueberlieferung der Menschen, nach Kirche, welche erbauet ist auf dem Fundamente der Pro-!den Kindheits lehren der Welt und nicht nach Christo, pheten und Apostel, deren Eckstein Er selbst ist, Jesus denn in Ihm wohnet die ganze Fülle der Gvtth.it Christus. Ihr gibt eine ruhmvolle Vergangenheit von 18 Jahr-Leibhaftig. Bleibet bei dem, was ihr gelernt habet Hunderten das Zeugniß, daß sie nicht Menschen- sondern GotteS-^und euch anvertraut ist, denn ihr wißt ja, von wem werk, daß sie jene von dem Gottessöhne zur Fortführung seines ^ihr es gelernt habet. Auch in unsern Tagen gilt die Er- Erlösuns^verkcs gestiftete Heileanstalt sty, der Er die tröstende Mahnung, die der Apostel PaulnS an die Christen in Galaticn Verhcißn.ig gegeben hat: Sehet ich bin bei euch alle Tage, sichtet?: es gibt Einige, die euch verwirren und das bis an vas Ende der Welt. Du bist Petrus, auf die-^Evangelium Jesu Christi zu verkehren suchen. Aber scn Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will den Vater bitten, und Er wird euch einen an dern Tröster senden, damit Er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit. Seit der Heiland dieses große Wort gesprochen, wie viele menschliche Schöpfungen und Werke, die eine unzcrstörlichc Dauer wenn wir, oder ein Engel vom Himmel euch predigen möchten anders, als wir euch gepredigt haben, der sey verflucht. Erweiset euch als gehorsame Kinder jener Kirche, die da gesetzt ist zum Ruhme der Jahrhunderte, deren Herrlichkeit sich erstreckt von Meer zu Meer, welcher Könige und Fürsten angehören, und die von Schaaren himmlischer Engel umgeben ist. In ihr hat versprachen, sind in den Stanb gesunken; aber des Herrn Worte-JcsuS Christus alle seine Wahrheiten und Gnadcnmittcl nieder gc- sind mcht vergangen; seine heil. Kirche nnd die bcwnndcrungo- legt, sie ist die Bcwahrcrin und Verkünderin seiner Lehre, die würdige Einrichtung und Verfassung, die Er ihr gegeben, dauert sort, und sie wird fortdauern bis zum Ende der Tage. Dessen freuet Euch in dem Herrn, vielgeliebte Divccscuic»! Freuet Euch einer Kirche anzugehören, die in ihrer Lehre, in ihren Sacramen- tcn, in ihrer Verfassung stets den unschätzbaren Vorzug der Einheit und des Apostolischen Ursprung s bewahrte, an deren Spitze als Mittclpunct der Einheit, als Wächter über die Reinheit des Glaubens ein höchstes, von Christus angeordnetes sichtbares Oberhaupt steht, welches mit der Sorge und Liebe deö Vaters wachet über das geistliche Wohl der über den ganzen Erdkreis zerstreuten Lämmer und Schaafe der Hccrde Christi. Die Biftöfe und Priester, denen größere oder kleinere Theile jener Hecrde anvertraut sind, haben ihre Sendung von Christus dem Herrn, sind Nachfolger der Apostel, habe» durch feierliche Händeauslegung die sacra- mcntalischc Weihe zu ihrem hohen Berufe empfangen. Von ihnen gilt das Wort des Herrn: Wie der Vater mich gesendet hat, also sende ich euch. — Ihr habet nicht mich erwählet, sondern ich habe euch erwählet, und dazu euch Ansspenverin seiner Gnaden. Hörct bereitwillig das göttliche Wort, welches sie Euch verkündet, bewahret cö in Enrcm Herzen, unv befolget cS in Eurem Leben, geliebte Bisthumeangchörige! Seyd Thäter des Wortes, nicht Hörer allein. Nahet Euch oft und mit würdiger Vorbereitung den heiligen Sacramcntcn der Buße und des Altars, und ihr werdet erleuchtet, gereimgct, gc- heiligct werden. Versammelt Euch oft um die Altäre des Herrn znr frommen Theilnahme an der Feier des heiligsten OpferS; in ihr werdet Ihr finden Tugend- nnd Dnlvungetraft, Trost und Frieden. Feiert mit der Kirche, nach ihrer Anleitung und mit eifriger Theilnahme die Sonn- und Festtage und die heiligen Zeiten des JahreS, und Ihr werdet immer mehr theilhaftig werden der herrlichen Segnungen, welche in den großen Wahrheiten und Begebenheiten des Christenthums verborgen liegen. Unterwerfet Euch mit gewissenhafter Treue den Geboten und Verbote» der vom heil. Geiste geleiteten Kirche; ihr ist von Jesus Christus die Gewalt zu binden und zu lösen gegeben; alle ihre Anordnungen sind Ausflüsse ihrer Weisheit und mütterlichen Liebe, und bc- bestimmt, daß ihr hingehet und Frucht bringet, und-rechnet für Euer ewiges Heil. Begnüget Euch nicht damit, äufzer- daß eure Frucht bleibe. Wer euch höret, der höret mich. Wer euch verachtet, der verachtet mich. Darum schließet an die Vorsteher der Kirche Euch an, geliebte Diöcesanen! als an Eure von Gott gesendeten Lehrer und lich der Kirche anzugehören, seyd vielmehr ihre Bekcnner in Wort und That, mit Herz, Sinn und Wandel, folget treu ihrer mütterlichen Führung auf dem Wege des Heiles, und an den Früchten, die in Eurem Herzen und in Eucrm Leben sich offenbaren, werdet ihr erkennen, daß ihr? Lehre aus Gott ist. O wie reichlich würde der Friede Gottes wohnen in Eure» Herzen, geliebte Diö- cesancn! wie würde Ordnung, Eintracht und Segen blühen in Eure» Familien und Gemeinden, wenn Ihr Alle glaubenstreuc und folgsame Kinder der Kirche wäret. Ist ja all ihr Wirken unaufhörluh dahin gerichtet, jene Gottesfurcht unter den Menschen zu verbreiten, welche der Anfang der Weisheit ist, jenen Glauben, welcher thätig ist in Liebe, jene Hoffnung, in der wir selig sind, jene Liebe, welche des Gesetzes Er' fiillung ist und das Band der Vollkommenheit; jene Liebe, ohne welche wir ein tönend Erz wären und eine klingende Schelle, ob wir auch die Sprache» aller Menschen und Engeln reden könnten und einen Glauben hätten, also daß wir Berge versetzten. Worauf ruhet Ordnung und Friede im häuslichen und öffentlichen Leben, worauf die Milde und Menschenfreundlichkeit Der Herrschaften, die Treue und Redlichkeit der Dienstboten, worauf ruhet der Gehorsam und die Treue der Unterthanen gegen die von Gott gesetzten Obrigkeiten, worauf ruhet die Pflichttreue Aller, die iu höhcrn oder mindern Aemtern thätig sind im großen Haushalte Gottes, worauf stützt sich gegenseitiges Vertrauen im Handel und Verkehr unv in allen Verhältnissen des Lebens, worauf ruhet die Treue der Ehegatten, die Hcilighaltung der Unschuld, die Sicherheit des Eigenthumes, das Wohl der Familien und Staaten? Auf jener Gewissenhaftigkeit, welche in der Stimme des Gewissens uns die Stimme Gottes erkennen und ehren lehn, uud an seine Aussprüche uns bindet mit unwiderstehlicher Gewalt, auch dann, wenn kein menschliches Auge die Uebertretung bemerkt. Die Kirche aber ist eo, welche jene zarte Gewissenhaftigkeit mit treuer Sorge in ihren Kindern pflegt, durch ihre Lehren und durch den Reichthum ihrer HcilSanstalte», insbesondere durch das scgcnbringcnde Scicrament der Buße, bei dessen Spendung der Priester dem zweifelnd-n oder irrenden Gewissen als freundlicher Lehrer, dem verwundeten als kundiger Arzt, und Allen als gottgesandter Richter erscheint zur Stärkung, Ermunterung uud Beruhigung der Seelen. So rufen Wir Euch denn, vielgeliebte Diöcesancn! nochmals die väterliche Ermahnung zu: haltet fest an der Kirche des lebendigen Gottes; ergreifet den Schild ihres erhebenden, ermunternden und trostvollen Glaubens, in allen freudigen, traurigen und gefahrdrohenden Stunden eures Lebens; seyd und bleibet wie die Glieder mit ihrem Haupte, vereinigt mit dem heiligen Apostolischen Stuhle zu Rom, mit dem Statthalter Jesu Christi, dem Vater und Lehrer der Gläubigen, dem Mittclpuncte der Einheit. Schöpfet aus den von der Kirche Euch dargebotenen Gnadenschätzcn der heiligen Sacramcnte; trinket mit Heilsbegicrde eiuS den Quellen des lebendigen Wassers, welche der Herr in ihr eröffnet hat. Ihr insbesondere, Ihr Väter und Mütter, Ihr Lehrer unv Erzieher der Jugend! lasset vor den Euch anvertrauten Kleinen leuchten das Licht Eures lebendigen Glaubens, Eures kirchlichen Sinnes, Eures christlichen Wandels; erziehet sie in der Lehre und Furcht des Herrn; pfleget in ihren zarten Herzen jene heil. Keime der Religiosität und Gottesfurcht, aus welchen allein ihr dauerndes Glück erblühet für Zeit und Ewigkeit. Seyd allzumal katholische Christen, in Wort, Gesinnung und That. Wandelt im Geiste, bringet Früchte des Geistes, die da sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Güte, Langmut!), Sanftmuth, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keu schh eit. Peramwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Bei unerschütterlicher Festigkeit im Glauben verletzet nicht die heilige Liebe; enthaltet Euch iu Wort und That aller Kränkungen und Feindseligkeiten gegen AndcrSglaubcnde, auch gegen diejenigen, welche euch schmähen und anfeinden. Suchet die Gegner zu belehren und von der Heiligkeit unsers Glaubens zu überzeugen, mehr durch Eure Werke und durch Euren christlichen Wandel, als durch aufgeregten Wortstreit. Erweiset Euch als würdige Nachahmer Jesu Christi, des Urhebers und Vollenders unsers Glaubens, welcher, wenn er gelästert wurde, nicht wieder lästerte; und am Kreuze für seine Feinde betete: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Seyd beharrlich im Gebete, erstehet insbesondere den Schutz und Segen Got- tesüber unsern heiligsten Vater, den Papst Grcgorius XVI., ciufdaß der Allgütige das würdige Oberhaupt noch lange seiner hl. Kirche erhalten wolle zum Troste der Lämmer undSchaase der großen Heerde Christi... Die Nongeaner in Schwaben. Unsere Nongcaner in Ulm und Stuttgart machen manche Schwabenstreiche. So trat der bekannte Julian Chowuitz bei der neulichcn Anwesenheit Kerblers in Ulm nach dessen Sermon vor das versammelte Publicum und forderte die „ Lusttragcnden" auf, ihre Namen auf die Liste der Gemeinde zu schreiben. Er hoffte zweifelsohnezahlreiche Beitrittserklärungen. Lautlose Stille herrschte. Aber nicht ein Mensch trat hervor sich einzuzeichnen. Sichtliche Schamröthe überflog und überzog das Angesicht der Reformatoren. Hr. Julian aber suchte sich dadurch auö der Verlegenheit zu helfen, daß er die, welche sich „geniren" hierzu unterschreiben, in seine Wohnung einluv. Dem Apostaten Kerbler soll dabei auch ein Stichvurch dcisHerz gegangen seyn, er konntedaraus sehrdcutlich abnehmen, daß sein Wort Gottes auf unfruchtbaren Boden gefallen sey. Vor einigen Tagen brachte der Schwäbische Merkur die Nachricht, daß den Deutschkirchlern nunmehr vcrstailetsey, ohne Hinderniß in der resormirten Kirche ihren Gottesdienst abzuhalten, und daß dieses ein Beweis der Humanität unserer Regierung sey, vie sich bereit zeige, billige Forderungen Ver Zeit zu unterstützen. Der neckische Zufall aber wollte es, daß dieselbe Nummer deS Merkurs eine gar merkwürdige Erklärnng brachte, worin das „Vorstandsmitglied" Buttcrftein sich gegen die Beschuldigung, als sey er Nachts in einem Straßenscandal gesehen worvcn, verwahrt. Die Häupter sind überhaupt stattliche Leute. Obenan steht Herr Julian Chownitz, Gründer der ersten Gemeinde in Schwaben, ja in Süv- Veutschlanv, erster Geschichtschreiber der von ihm gegründeten Gemeinde, Vorsitzender derselben, gewesener Nevacteur der „Ulmcr Schncllpvst," Versasstr vvn Ritter-, Räuber- und Li-besrvmanen und nisendes Genie. Folgt sodann Herr Buchbinder Leycndecker, der im heiligen Rocke eine Naht entdeckt und in seiner Noth den dicken Schreiner zu Hilfe gerufen. Hr. Würmle, „Pfarrer" der schwäbischen Gemeinden, der zwischen Ulm und Stuttgart hin- und herfährt; aber auch noch andere Gemeinden pastorirt, von denen sich die Vettern und Basen ins Ohr raunen, von .denen aber wir Uneingeweihte noch nichts verkommen haben. Da Hr. Würmle in Baden in zwölfjähriger Lerwcserei schmachtete, und zunächst keine Aussicht halte, katholischer Pfarrer zu werden, ist er nun plötzlich ohne Mühe Nvnge'scher Apostel geworden. Ueber seine Antece- denticn mögen wir nichts sagen. Jedenfalls war er nicht deßwegen unverweslicher Verweser, weil er zu fest katholisch war. Seine vieljährige Lerwcserei steht mit dem Katholicismus des Herrn Würmle nicht in der entferntesten Verbindung. Endlich folgt Herr I o se p h Butterstein, der vor einigen Monaten noch auf dem Hohenaöberg war, sodann „evangelisch" und bald darauf Rongeancr wurde, und sich jetzt gegen den Vorwurf vertheidigen muß, er sey nicht betrunken in »einem Straßenscandal" gesehen worden! (Nach dem Katholik.)__^ Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. .ziZai-mzG ^ck -u? dus,i^Z »Z« S-mi-?? ^ m,ML ?v« M»s ^st ^ o,S,S H» nvz^T ,W-Kr dvÄ >i« .' »i« m Z7Ü^zg 77 i Z?i!iZllizG 7is 7iliml)Z Zniz's.^»K^ 0^ ,tgnö7a7ZS 777ÄNK iia noit ^gt .kÜir/M) .ittUwt Sch-nlMÄchA^d»vMittijZa-ü'in-L «7? Uchßgjzu^ zx.ZUi.-z iüM 771 ,7,iur. doS ^(.LL.LL ,7.7vS t — .09'U-K 77? tim 7>i? ?n77u7nK ^o,t7,?,j-.-t ,.iivlS,u- 7,i'.'»;uM -!uP nzS'-i 0^ mu dv-j ji„lch'i,i,M 7Zil7liiii7ss IlZUZl! ^Z? MIIllt77Ii,7i7E dkck °!7^ chi^ di."Z7M zlchM'M iW ni ÄDÄ 7iN ichil! i!ll^ -Z-In ,ni57nzi!:illoF 7Zni? tch777^ 1 >- ^^^^ ^ ^ -. - ^ - - nzchi>2»l-^7z(.-nu bZiii? 7ZÄ ni li7Z5ri^ , , d7M 7zsj7i7tL 7ZÄ ü^s MU7DN?ffl)l77It. ,«717'? für. 1!, -4 <^,^"l"'U '"l -M Fwene ^layresyalfte. . 4»««- : ü-wkiuiL i7^.. mi 7llzv!Ä7tzvT ZÄ,j ^klUsl^NIllU^lÄ II7ÄiI^dt 7UÄ »x g,!u'>!Ü7N 77^ 7iuI'l7^-^2 IN7Ä lim mo't 7ni7I!".A I!7t!zil!iI:r.',I^ 17^ . znch>7;7^ N7ÄZin7iA 7l'l .'ist lillldÄ , 7ji5itt 7Ui^II^ U7 M7>t lim lillll . »7t-7l .iuc>1s^ xu»7^ dlill ll 'Iii 77??<2 7'!7'ti!7!lt57 ^Iv? chtin 7c.üZ ,i7?ii7Z?ii^m ^..^>7. ^ c ^— . N7kii)'s iiis>i7il3 lim 7AvU! s-m z?nl^^ M7!lIZs P7UZ77I6 77 l^s NZM7I1-N7 IS-N 7-'^!. Die sieben heiligen Sacramente. (Aus dem Hirtcnbricf des Fürstbischofs ven BrcSlau.) »N7>ll!< «'s ,(.^ .IL ,0L .^L) lchomll'^V Änu .^„llZlnT Den von Adams gefallenem Stamm als neues Individuum sich ablösenden, aus der unreinen Wasscrumhüllung des Mutterleibes hervorgehenden und darum mit der Erbschuld befleckten 'Menschen empfängt in Christi Namen der reine Mutterschooß der Kirche und gebiert ihn aufs Neue zu einem schuldbefreiten Daseyn aus dem geheiligten Taufwasser und aus dem heiligen Geiste. Wie die schwere dicke Erdenluft, die zum ersten Male in die sich entfaltenden Lungen des Ncugebornen eindringt, um die junge LebenS- flamme anzufachen, sogleich auch als schmerzlicher Wehcschrci wieder auSgestoßcn wird, wc-l der neue Ankömmling sogleich das Elend des Verbannten fühlt: so dringt im Sacrament der Wiedergeburt der heilige Geist belebend in die Seele des Täuflings, uud regt hier den ersten Pulsschlag des geistigen Lebens gchcimnifzvoll an. In dem Lallen des neuen Kindes Gottes, in seinen unaussprechlichen Seufzern vernehmen dann die Himmlischen den siißcn Ruf: Abba, Vater! (Röm. 8, 15. 26.) und die Engel, die Gottes Angesicht schauen, tragen ihn wie Wcihrauchvuft vor Seinen Thron. Darum heißt die Taufe mit Recht, waö sie ist: die Wiedergeburt aus dem Wasser, und dem heiligen Geist. Wie durch die Geburt die physische LebcnScinigunz mit der Mutter l^Eoa), so wird durch die Wiedergeburt dir psychische, solidarische Schuld, verband mit Adam gelöst; der Getaufte steht, gehalten durch die Gnade der Wiedergeburt, sittlich rein auf sich selber zu neuer Sclbftcntschcidnng, neuer Frciheitsvrobc; die Makel des Falles ist an ihm getilgt. Aber noch bleibt die Narbe und mit ihr eine empfindliche Schwäche. >^ ...... ,^ . .,,,,„ Wo für den Heranwachsenden das Leben ernster, der Kampf heißer und gefährlicher wird, tritt die treue. Mutter, die Kirche, wieder herzu und salbt mit dem Salböl der Firmung den jungen Kämpfer. Geschmeidiger werden nun seine Glieder, leichter entschlüpfen sie dem Angriffe des Feindes; des Salböls Duft kräftigt seine Lebensgeister: lauter Sinnbilder lcr im Sacramcnte wirksamen innern Gnade des siebcnkräfligen heiligen Geistes. Von der Hand t>eS Bischofs empfängt er dann noch den Ritterschlag des christlichen Streiters, und tritt nun geistig gewappnet auf den Kampfplatz, des LcKnSuhjtrKiM S7tt--G Hu-»»!! 776-7M 7Zj ,i,>Li«uö)T nz4nZkn5>i,!/:ilz 5sÄ zchnnK ?nu ::zZ Aber der Kämpfer ist doch nicht immer siegreich; die vernarbte schwache Stelle wird häufig getroffcu; betäubt und verwundet sinkt er nur zu oft unter den feindlichen Streichen bewußtlos zu Boden. An Christi Statt und aus Seinem Auftrage eilt nuu die treue Mutter herbei, bringt durch eindringlichen Zuruf den Gefallenen zum hellen Bewußtseyn zurück, läßt die empfangenen Wunden sich aufdecken, reinigt nnd pflegt sie nach Befund und Bedarf mit scharfen, ätzenden oder gelinden Mitteln, legt heilsamen Verband an und entläßt dann, den Verband rechtzeitig lösend, den Geheilten zum neuen Kampfe. Auch hier wieder das tiefste Erkennen der menschlichen Natur und ihrer Bedürfnisse! — Die nach innen eiternde fressende Wunde muß geöffnet werden im Bekenntniß, damit das Gift sich nach außen entleere. Das sicbcrisch aufgeregte Blut, das schmerzlich gegen die entzündete Wunde drängt, muß beruhigt, d. h. die Gewissenequal gehoben werden, durch objective Versicherung, durch vricstcrlichcn AuSspruch der Sündenvergebung, welche die innere Einigung des kranken Gliedes mit dem Leibe Christi uud so den ruhigen Pulsschlag des geistigen Lebens wieder herstellt. So bindet und lös't die katholische Kirche aus Christi Vollmacht im Sacrament der Buße. Allein dcr Mensch bedarf auch der Nahrung; er hat kein Genügen in sich selbst, er muß fremde Stoffe aus der Natur, seiner leiblichen Nährmutter, iu sich aufnehmen. Die Natur lebt dadurch in ihm, wie er in der Natur, und beider LcbeuSprvccß ist ineinander verschlungen, ist ein stetes wechselseitiges Sich-Hingcbcn und Durchdringcn. Ihren reinsten, edelsten NahrungSstvff bietet sie ihm in Weizen und Wein, in dcr höchsten Reife und Steigerung ihrer vegetabilischen Kräfte. — So auch dcr geistige Mensch; er selbst genügt sich nicht, kann weder sich selbst behalten, noch erhalten; er muß sich einem Andern hingeben, ein Anderes empfangen. Christus, der Erlöser, gibt sich ihm leiblich und geistig, wirklich und wesentlich, und nimmt ihn zugleich in Sich auf in dem heiligen Abendmahl untcr den Gestalten des Brodes und Weines: „Wer mich ,ißt,, der bleibt in Mir und Ich in ihm." (Joh. 6, 57.) Diese völlige Hingabe Christi an die einzelnen Gläubigen setzt aber nothwendig seine erlösende Hingabe an und für die gcsammte Menschheit voraus: der Leib, dcr gegessen, das-Blut, das getrunken wird, ist hingcgcbcn, vergossen für die Erlösung dcr Welt. Darum ist das Abendmahl mit dem Opfer ^ln'Zil ux ii!i!L d,>M^ »i7s 7lis. izi^ ^iss!7g 7ivl ckü-^zl ?!!ii llji'lt unzertrennlich verbunden; und wie das irdische Daseyn und Lebens sich selbst vor Allem opfernd wie Christus für die Gemeinde, in die Zcitfolgc verfließt, und ein Tag den andern, eine Genera-!Der geistig Zcugenve entsagt der leiblichen Zeugung wie Christus; tion die andere verdrängt, so wird täglich in der Zeit und für! seine Braut ist die Kirche, seine Familie die Gemeinde; er gehört die Zeit das außer der Zeit ein für alle Mal gültige blutige;zu den Verschnittenen um des Himmelreichs willen. (Match. 19, Kreuzopfcr unblutig wiederholt, erneuernd für die mit der Zeit! 2l). — 1 Cor. 7, 32.33.) Denn das Priesterthum des neuen strömende Menschheit das blutige, um so jevcn Pulöschlag einer ^ Bundes sollte nicht wie das in dem Geschlechte AaronS sich forttäglichen Erdumwälzung, jede TageSwclle im Zcitenstrome gleich-^ pflanzende des Alten, Eigenthum und Vorrecht einer Familienkastc, sam mit dem Opferblutc der Erlösung zu durchdringen und zu ^sondern in der Universalität des Christenthums allen geistig Bc- särben, damit der versammelten Gemeinde Christus der Gekreuzigte ^ gcibtcn und Berufenen zugänglich, und darum leiblich unvererblich als Gegenstand ihrer Liebe täglich vor Augen, sein heiliges Kreuz- seyn. Deßhalb heißt es „ein ewiges Priesterthum nach der Ord- opfcr immerfort sühnend zwischen Himmel und Erde schwebe (Ga- nung Mclchisedcchs, der, ohne Vater, ohne Mutter, ohne Ge« later 3, 1.), „nd so die Erde auch für die Himmlischen die Si° schlechtofolge, Priester war, nicht nach der Vorschrift einer flcisch- gmrtur trage, womit wir sie hicnicdcn bezeichnen: eine Kugel undilichen Bestimmung, sondern in der Kraft eines unvergänglichen das Kreuz darauf. So wiro, weil mit dem rund um die Erde ^ Lebens." (Hcbr. 7, 3. Iti.) Darum soll der Priester Alles, wandernden Tage anch das katholische Opfer in ununterbrochener! auch das Theuerste auf Erden, verlassen, um Christo nachzufolgen Folge sich um sie herumzieht, des Propheten MalachiaS alte Weis-! (Luk. 44, 26.), um, wie Er, frei von allen die Ausübung sagung buchstäblich erfüllt: „Vom Aufgang der Sonne bis zum! heiliger Pflichten hemmenden Familienbcmdcn .. Cor. 7, 33.), Niedergang ist Mein Name groß unter den Völkern, und an allen! mit Christus sagen zu können: „Wer ist mein Vater, meine Mut- Orten wird Meinem Namen cm reines Opfer dargebracht." (Ma-Ztcr und wer sind meine Geschwister?" u. s. w. (Matth. 12, 48.) lachias 1, 11.) — Aber auch das eigene Wort des Herrn:!Aber nicht entfremdet soll er hierdurch seinem Lande und Volke „Schct, Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt" ^ werden, sondern nnr mit Christus um so größerer Aufopferung (Matth. 28, 20.) wird in diesem Sacrament auf eine besondere und Hingebung für dasselbe fähig. — So pflanzen denn Christi wunderbare Weise, die im Manna der Bundeslade deutlich vorge-! Sendung, Hauch und Vollmacht (Joh. 2V, 21. 22.), so pflan- bildct war, erfüllt. Unter dem Schleier der Brodcsgcstalt verbor-^zcn die heiligen Flammen des ersten Pfingstfestes in der katholi- gen, scheint zwar wie dortmals in dem sturmbcdrohlen Schifflcin ' schen Kirche von Haupt zu Haupt, von Geschlecht zu Geschlecht, i^Matth. 8, 24.) der Herr anch hier zu schlummern, so still, so ^ wie in geschlossener elektrischer Kette sich fort durch die Auflegung regungslos, so gehcimnißvoll ist Alles ringoumhcr, gleich der ein-!der Hände im Sacrament der Priesterweihe, samen Lampc vor dem Hciligthnm. Allein auch hier heißt es wie ^ Als der Vater der Gemeinde ist aber der Priester auch ihr im hohen Lubcslicde: „Ich schlummere, aber mein Herz wacht." Tröster in aller Noth, zumal in der höchsten letzten Noth deö (Hohcl. 5), 2.) Er hört alle Seufzer und Klagen seiner Getreuen, Todes. In Christi Namen sendet ihn die Kirche an das Kranken- Er hört ihren Nvthschrei, Er weiß um die Gefahr des schwan-^ bett eines jeden ihrer Kinder, das heilige Ocl der Stärkung zu kcndcn Schiffes; Ein Wort — unv Wind und Wellen gehorchen gießen in die erlöschende Lcbenoflammc. Dunkel ist'S und kalt Ihm, und cö wird wieder Friede und Stille. und öde in der Nähe deö Todes; darum Oel, welches Licht und In dem Strome der Zeit aber, der das Schiff der Kirche Wärme beschließt und sinnbildct, und Gebet, welches den Ange- trägt, gehen die Jndividueu und die Generationen unter und ver- sichts des Todes einsam Verlassenen in Gottes und guter Geister schwinden von der Erde. Darum hat das alte Wort: „Wachset! Nähe bringt. Neue Kämpfe, ungeahnte, gibt es hier mit den und mcbrct euch!" seitdem der Tod dazwischen getreten ist, für die auflösenden Kräften der Natur, mit den feindlichen des GcistcrrcichS; Erde die Bedeutung erhalten: Wachset und ersetzet euch! Gerade! darum noch einmal eine Salbung für den christlichen Athleten. — das geschlechtliche Verhältniß aber ist in den Fall der Menschheit! Der Kranke genes't oder er stirbt, je nach Gottes heiligem Nath- aufS tiefste mit hineingezogen und verschlungen, wie die gräulichen schlusse: in beiden Fällen hat ihn die trcne Mutterhand der Kirche Ausartungen desselben bei allen Völkern zeigen. Deßhalb bedürfte entweder zurückgcleitet von dem dunkeln Thore des Todes oder ihn in dem Werke der Erlösung die Quelle der geschlechtlichen Erneue-! hindurchgeführt in ein anderes Leben, wo sie ihn auch dann nicht rung eines besondern höher» Schutzes und Segens, einer beson- vergißt, sondern immer noch mit ihren treuen Fürbitten und dern Heiligung, damit alle Gefahr der Entartmig möglichst bcsci- Segnungen ihn begleitet. tigt, der Vercinignng ein höheres Mittel und Band als das der l Das ist in wenigen schwachen Zügen — (denn wer vermöchte gefallenen Natur gegeben und für die höheren Pflichten des gott-/diese heiligen Geheimnisse der erlösenden Liebs ganz auszuforschen ähnlichen Bcrnss der Menschenbildung höhere göttliche Gnade und^und ciuözusvrechen?) — die Bedeutung der sieben heiligen Sacra- Kraft verliehen werde. Deshalb erhob Christus die Ehe in seiner mente, in deren Besitz und Spendung die katholische Kirche allem Kirche zum Sacrament, indem Er sie durch des Apostels Mund Spotte und Widersprüche zum Trotz mit ruhiger Sicherheit sich zum Abbild seiner heiligend.» Verbindung mit der Kirche erklärte; behauptet, getragen durch die allmächtige Kraft des göttlichen Ge- und von da an ist jedes Braut- und Ehepaar, in welchem sich berS und durch den kindlichen Dank der Millionen treuer Empfän- dicseS Abbild rein darstellt, ein ehrwürdiger, rührender Anblick für ger, die da wissen und täglich von Neuem inne werden, welche Engel und Menschen/ j reiche Quellen unaussprechlichen Trostes und Heiles ihnen hier Nicht bloß eine leibliche Zeugung aber gibt'S, sondern anch geöffnet sind. Zwar fließen diese Himmelsguellcn durch menschliche eine geistige, »nd durch diese, in der göttlichen Annahme an Kin-^Canäle als ihre Träger; aber die göttlichen Gaben sind der Will» dcsstatt vorgebildet, werden geistige Kräfte und Vorrechte geistig kür menschlicher Thätigkeit eben so entrückt, wie in der Natur die übertragen und fortgepflanzt zum Dienste der Gesammtheit. Der befruchtenden Einflüsse der Sonne, des Thaues und NcgcnS, und sie Empfangende, diesem Dienste sich Widmende leistet aber dafür sind darum an sich unabhängig von der Würdigkeit des zeitlichen auf die Ausübung niederer Kräfte und Rechte Verzicht, um ungc-! Spenders, dessen eigene Armuth GottcS Reichthum nicht beschrän- tbcilt und leiblich wie geistig frei für sein heiliges Amt zu lcbcn/ken und das Anrecht des empfangenden Gläubigen, der hier der Gläubiger des Priesters wird, nicht verkürzen kann. Das ist das sogenannte opus opsratum, d. h. die göttliche, dnrch sich selbst geltende That. In dem Empfänger aber fordern die Sacramcnte nicht minder, wie der zu befruchtende Acker: emsige Vorbereitung, reges Verlangen, demüthiges Empfangen, treues Bewahren. Und das ist das opus operinitis, d. h, die Mitwirkung mit der Gnade. Gewiß eine vor aller Vernunft sich rcchtfertigenve, und doch so oft mißverstandene und gelästerte Lehre! — Besonders merkwürdig aber ist es auch, daß die vier Dinge, die den Menschen dem Thiere am nächsten bringen: Geboren werden, Essen, Zeugen und Sterben, durch die in der katholischen Kirche daran geknüpfte sacramcntalische Gnade ihn am höchsten über sich selbst himmelwärts erheben, so daß in dieser göttlichen Hcilsökonomie dieselben Ketten, die ihn zum Sklaven der Natur knechten, durch die Gnade gebrochen und veredelt, als Ehrenzeichen aus der Brust des frcigewor- denen Kindes Gottes glänzen. So reich an Weisheit und Erbarmung, so erfinderisch ist die erlösende göttliche Liebe, Wie sie sich in der katholischen Kirche offenbart I Das tausendjährige Jubiläum zu St. Georgenberg in Tirol. 5 Vom Lech. Am 29. des vorigen Monats ging in dem Nachbarlande Tirol, zu St. Gcorgcnbcrg, eine seltene religiöse Feier, daö tausendjährige Jubiläum der dortigen Wallfahrt zu dem Bilde der schmerzhaften Gottesmutter unter der Linde, zu Ende. Ratholv, ein bayerischer Ritter von Aibling, hatte sich um die Mitte des neunten Jahrhunderts in die Einsamkeit zurückgezogen, und in der Nähe von Schweiz eine Höhle in der fast unwegsamen Thalschlucht zu seiner Wohnung gewählt, wo er nach mchrcrn Wallfahrten nach Rom und Campvstcll ein Bild der schmerzhaften Mutter Maria unter einer Linde aufstellte, bald aber eine Capelle darüber errichtete, und als Priester die hl. Geheimnisse den dort sich versammelnden Bergbewohnern feierte. Mehrcrc andere ihm gleichgcsinnte Männer bauten sich Einsiedeleien um die seinigc herum, und als diese Wohnungen dem Andränge der frommen Pilger nicht mehr genügten, beschloß man einen größern Bau auf einem benachbarten, über 359 Fuß den unten vor- bciflicßenden Wildbach überragenden Hügel auszuführen, der auch bei wunderbarer Leitung von Oben und unter freundlicher Beihilfe der benachbarten Ritter von SchlitterS, Frcundsberg und Seebcn, die gleichfalls für sich selbst dort Wohnungen erbauten, zu Stande kam. Da der Gründer seine erste Capelle dem hl. Georg, dem Kirchenpatron seines Geburtsortes gewidmet hatte, so erhielt dieser Ort den Namen St. Georgcnberg. Als Rcginbcrt, ein Ordenöpricster des Benedictinerstiftcs Ad- mont, dann Abt zu St. Peter in Salzburg, im Jahre 1125 Bischof zu Briren geworden war, gestaltete er die Wohnungen der Ritter auf St. Georgenberg in ein Kloster um, und gab den damaligen Bewohnern die Regel des hl. Benedict, welche Anordnung von Papst Jnnocenz II. im Jahre 1138 bestätiget wurde. Als aber diese Abtei, nach mehrmaliger Zerstörung durch Brand, auch von andern Unglücksfällen heimgesucht worden war, entschloß man sich nach dem vierten Brande im Jahre 17l)5 das neue Kloster nicht mehr auf dem St. Georgenberg, sondern in dem eine Stunde entfernten, am Fuße des Berges gelegenen Ficcht zu erbauen, jedoch blieben auf dem St. Georgcnbcrge immer mehrere Ordcns- pricstcr aus dem Stifte Fiecht, um den geistigen Bedürfnissen der Wallfahrter zu genügen, die stets in großer Anzahl den St. Georgenberg besuchten, wenn gleich jetzt nicht mehr, wie früher, ganze Pfarrgemcindcn aus 4 BiSthümcrn mit dem Kreuze dorthin wallfahrteten, unter welchen in vorigen Zeiten alljährlich auch die Bewohner von Aibling sich befanden. Nachdem seit ein paar Jahren von dem gegenwärtigen Kisten Abte in Fiecht, Pirmin, die Uebcrrcstc der ehemaligen Klostcrgc- bäude wieder sehr zweckmäßig erneuert, und für die Bequemlichkeit ärmerer Wallfahrter ein ganz neuer Bau hergestellt war, beschloß dieser eifrige Beförderer der Ehre GotleS und des Seelenheils seines Mitmenschen, in diesem Jahre das Gcdächtnißfcst des tausendjährigen Bestandes der Wallfahrt auf dem Gevrgenbcrgc zu feiern. Er hatte hierzu von Sr. Heiligkeit dem Papste Gregor XVI. einen vollkommenen Ablaß erlangt, und nachdem durch die wohlthätige Theilnahme der Nachbarschaft die Kirche mit mancher neuen Zieide versehen, und besonder^ auf dieses Fest einfach ausgeschmückt worden war, begann die Jubiläumsfeier am Sonntage den 20. Nachmittags mit einer feierlichen Proccssion, bei welcher daö Aller- hciligste von dem hochwürdigstcn Abte in Begleitung einer zahlreichen Volksmenge aus der Stiftskirche in Ficcht hinauf auf den St. Georgcnberg getragen wurde. Auch Se. Erccllcn; der Herr Gouverneur, Graf v. Brandts, begleitete zur allgcmcincu Erbauung diesen ersten Wallfahrtszug, und wohnte noch der darauffolgenden Eiöffnungsrcde des Herrn Prälaten, und der musikalischen Litanei bei. Nachdem so die Feier ihren Anfang genommen hatte, wurde selbe durch die neun folgenden Tage in der Art fortgesetzt, daß täglich von Morgens 3 Uhr an die Beichtväter den unzähligen Wallfahrtcrn ihre Dienste widmeten; um 6 Uhr war das erste Hochamt, wobei das Allerhciiigste ausgesetzt wurde, das bis zum Schlüsse der Nachmittagöandacht ausgesetzt blieb. Um 8 Uhr wurde die erste Predigt, dann das feierliche Hochamt gehalten? um 2 Uhr war die zweite Predigt, dann die Abbetung des heil. Rosenkranzes und eine feierliche Litanei. Abends halb 8 Uhr wurde der Tag mit abermaliger Abbetung des hl. Rosenkranzes vor ausgesetztem hochwürdigsten Gute beschlossen, aber die Beichtväter rienten noch den unzähligen Büßern bis fast zur Mitternacht. Doch der fromme Eifer der Wallfahrter ließ sich nicht aus der Kirche verdrängen, welche die ganze Nacht über mit Besuchern angefüllt blieb. Täglich kamen auch mehrere Gemeinden in zahlreichen Krcuzzügen mit ihren Seelsorgern an, und am Sonntage den 27. Juli bezeugten die Bewohner von Aibling durch ihr Erscheinen, angeführt von ihrem würdigen Seelsorger, daß sie des frommen Rathold, ihres ehemaligen Mitbürgers, noch nicht vergessen hätten, und kehrten, erbauet durch die salbungsvollen Worte ihres Seelen- Hirten, und gestärkt durch den Empfang der heil. Sacramcnte der Buße und des Altars wieder in ihre Hcimath zurück. An demselben Tage hiclt das Pontisicalamt Sc. Gnaden der Hr. Prälat des CistercienscrstifteS Stams, und sprach am Nachmittage Worte der Erbauung zu der in der Kirche versammelten, dichtgedrängten Volksmenge. Am letzten Tage den 29. Juli feierten Se. Gnaden der Hr. Prälat des Prämonstratenscrstiftcs Wildau das Pontifical- amt, und beschloß am Nachmittage mit der letzten Predigt und darauffolgenden Litanei und dem feierlichen Te Deum, dem sämmtliche anwesende Priester beiwohnten, dieses religiöse Fest. Auö Nähe und Ferne war eine nnzählige Volksmenge herbeigeströmt, und die Zahl der Communicanlcn, nur auf St. Georgcnberg, überstieg 24 Tausend; Viele aber hatten schon in den benachbarten Kirchen, oder vor ihrer Abreise in ihrer Hcimath die heil. Sacramcnte empfangen. So war dieses Jubiläum wohl ein wahres Freudenfest für Himmcl und Erde, und Unzählige werden, ausgesöhnt mit Gott, und mugcstärkt zur Tugend und Frömmigkeit, den St. Gcorgen- bcrg verlassen haben; auch hatte man, bei dem Zusammenflüsse einer so unzähligen Volksmenge, doch weder ein Unglück noch einen störenden Exceß zu beklagen, und so möge der fromme Urheber dieser seltenen Feier und seine religiöse Genossenschaft noch ferner die Früchte all des Guten genießen, das gewiß so viele fromme Gebete über sie herabgcflcht haben; aber auch die eifrigen Priester der Umgegend, die mit solcher Aufopferung und freudiger Bereit Willigkeit sich der so anhaltenden Anstrengung einer solchen Feier unterzogen, werden des Segcnö von. Oben nicht entbehren; endlich wird auch die ganze hl. Kirche, für welche nach der Meinung des hl. Vaters zur Gewinnung des vollkommenen Ablasses von so unzähligen Zungen gebetet wurde, bei diesem Feste nicht leer ausgegangen seyn, sondern bei ihren schweren Anliegen, besonders in neuester Zeit, auch in dieser Fürbitte wieder eine mächtige Stütze gewonnen haben. Ein Augenzeuge dieser Feier. n,ck pii? ^U5ni5 IckiZiF ni z^lit^IiilT 7? ? duo zgmi!i5?I?5L mchnr 77zH 71 Ave Wtaria! Gegrüßt seyst Du Maria!! - .'!.„,il^ijui:. 7ZÄ SMv,»zt/M^ lm,H zckZ75i.ttm-n>.Ä mZnzg Makellose HimmclSrose, . > I.'t^Zkt??, 't7>L zzOAiy gepriesen-^llZ^Ioi nu?u z-Z cklni »Zlz's "nzgil^ini.' nz4 rZiizvtchgM,e»j>jr ^Itt L dni^^E m? Ki^i)t Von der Engel mus di'! SvS tSHjgW^ MozMi^IIiL doÄ i,-Zvm .imvchoy 8 mU .ilzil-Z t^,y^un tchoSuL^^iittim-dlisd 7ZS >/s>u!chL) Ewig soll mein Herz Dich lieben, -- .'Z Zi: ^rud- Nimmcrmel'r Dich je betrüben, Nenn' auch mich nn„ Deinen Sohn, -c-uo 7ili7Z<.'/) lim 7-jis ?.c>! ,cy mcmcr Licbc Lohn! — 7,Io«Ichi,ll! Zia 7z?c> .nzss?Ichsz6 z!uG n,is^^7n«ch'^I nn^zys .tchon7,I!iM s,^ d^.^7AjM nztzil^nu ms Hon N'ililzjl 7>l duv -<öi-i -dls g,il WWWM'« 'mim-', 7,Ä choT ^10 N7,chu',z^ lim 7Z4Ü H/^-M^cl zchizv- . n,gnÜ7Ä7Zc- zchM ^ »1,71^ ni niÄniZMZÄ ZZLMM nzmo? . ZÜ.'.I.NZ^I^! Zt7oM i^kttimchvsi? mr/ÄteerchlhAir.-, >5irwiT sz^js,7^n,jz:,s,jZ N,ttzNi>7?^!chiZ ,N,II,MNMPtS,^Ms7Z!l ni 7Zt ux g-luuoäiZ 7Z(t nzsonT .ZÄ N,t7,i,', i!" »wifil-ivP So? uoaliW cMsi7z',n,!c7!',nom^(k tvünP .77üj! Slclle Tcincnr Sobn ui.S vor. ?er aus Allen Dich erior! - - . ^7ZL .tr>^T z^inttsg . Lnntiz7zS7^ -öW^-^F'Äs^Mt-'/i t(dm !tnU .N,7^.(^G «?nKM^MiMlN- .N,ßN.l7,T .-^7 .-SonG 7ZS tim k"»^i'^Mt Du ^u«e,i!litlL70Z-ln^il?iiHliMaÄiieivjskiiin7Zr,s,7ZLgim tio m, ö, ljt 7^0 -lnu NZLU,3 >n'/s,Y '"MÄgAMeA rn^ni-d ii-sschü,. mo Z7Z^T zNqüsiZzg NN70Ä -ch-is^nMMi^ 7,2 ni ziÄ ^7uj .n,'l7?iS U'ir.mizmmis! st->I?^ Immerdar N(I, !^r,nG sid'fiIritn7Mli7Zvs Wir nach Deinem Sohn mn meisten Dir die Wicht der Kleisten. -7(imzxj„is c,? >M» si-r- 2?v ,tl,ck,7Z'.' Ämi mck D.ch '.-crehr^ K-i hren Dir uns weih'n Dinker,ul.-e Kmder ,eyn. Sieh' mit Güte Aus d e Blüthe Deiner Binder, Die mit Freud' I hm Dich verehr'n in z'löigiw snl.II,', ,MshyU>Ä ,!T nx .wi! ,?5NA 7?Z 7,tN,/' 7^!l-!,:!^tt-,V ,l,!,^7,mck', '^^-M n-z? Mi- chij .gniMS noe n!M 7,ck!i7, y«6. ni, . S^iÄ zj!t ni d!7^n!ch76nL nztnuzn b,ck sttiM zi>t" -,», t'ins 7,Z ni zli!ü^ Ztt^ir.m'HZ^i-0^?Si^ Dänemark daS Eldorado seyn, von welchem die Poeten geträumt knicen die Priester Des Herrn, gewohnt, sonst andern zu predigen dießmal, um sich predigen zu lassen. Und was hören sie? Nichts Unerhörtes und Neues; was sie selbst schon wußten, bedachten und andern predigten, das vernehmen sie. Sie betrachten die Bestimmung des Menschen, die Bestimmung des Priesters, die Sünde in ihrer Natur und in ihren Wirkungen bei jedem Menschen und bei dem Priester insbesondere, das gräuliche Vergehen haben, während eS jetzt daS prosaischste aller Länder ist, dessen Bewohner, gebeugt unter das Joch der scandinavischen Pritchard, keine größere Seligkeit kennen als Essen und Trinken. Ich kann Ihnen alle diese Gesetze nicht wörtlich anführen. Zum Theile kennen Sie dieselben schon aus jeuen Christians V. (1683) und Christians VII. (1766), die ich Ihnen früher mitgetheilt habe, und Sie erinnern sich wahrscheinlich noch, daß nach einer sacrilegischcn Messe, des Priesters Reinigkeit, den laue» diesen Gesetzen, welche noch in Kraft sind, die Katholiken keine Priester, den Tod, das Gericht, die Hölle, und insbesondere die-freie Ausübung ihres Cultus genießen und Geistliche, Mönche Hölle des verworfenen Priesters, das Brcoicrgebet, das Leben des Priesters nach dem Geiste Jesu, den Eifer, die Bcichtanstalt, Die Beharrlichkeit zc. Aber cS ist etwas ganz anderes, über diese Gegenstände für sich nachzudenken, mehr gelcgcnheitlich, und etwas anders, acht Tage lang, entfernt von allen übrigen Geschäften — ununterbrochen von dem Allcrwichtigsten zn hören und damit mit ganzer Seele sich beschäftigen, zu hören von einem Manne, der nicht in gesuchten Worten oder Floskeln spricht, aber dasür in den einfachsten Worten den Anwesenden die Blitze der Wahrheit ins Angesicht schleudert. Gerne ließ jeder sich nkderschmettern, um als ein im Feuer der Buße gereinigter Paulus auszustehen und mit dankbar gerührtem Herzen küßte jeder im Geiste dem guten Vater die Hand für die geschlagenen Wunden, weil er auf sie ;u- uud Jesuiten sich im Lande nicht aufhalten dürfen. Jesuiten namentlich, die trotz dieses Verbotes im Lande sich betreten lassen, sollen geköpft, es soll ihnen der Kopf vor die Füße gelegt werden, wie das Gesetz sagt. Ich will mich daher für jetzt darauf beschränken, der bedeutendsten dieser Gesetze zn erwähnen und die hervorstechendsten Bestimmungen derselben heraus zuhebcn. Der größeren Klarheit willen scheint cS mir jedoch nothwendig, einige Bemerkungen über die dänische Kanzlei und die dänischen Kolonien in Wcstindien vorauszuschicken, von denen oft die Rede seyn wird. Die dänische Kanzlei ist das erste und bedeutendste der Ministerien, unter welchem die gcsammte innere Verwaltung, die bürgerlichen und religiösen Angelegenheiten des eigentlichen Däne« gleich auch so heilenden Balsam zu legen wußte. Vom Mittwoche Quarks, das heißt der Inseln und Jütlandö stehen, und welches an war Allen Gelegenheit gegeben, eine Beicht über ihr ganzes! mit Ausnahme Der Finanzen und auswärtigen Angelegenheiten bisheriges Leben abzulegen. Alle Falten DeS HerzenS waren weit! alle Attribntioncn der übrigen Ministerien in sich vereinigt. Der ausnnandcrgcrisscn und es wurde somit leicht gesehen, was man sonst vielleicht nie bemerkte und Alles — Alles ausgeschüttet. O wie süß ist cS, zu den Füßen des Beichtvaters zu liegen, wenn die Herzen so zubereitet sind! Am Samstage celebrirtc der Hochwllrdigste Herr Bischof die heilige Messe, unter welcher alle Ercrciiantcn die heilige Communion empfingen, und hielt die Schlußrede. Hochdcrsclbe war innigst erfreut und gerührt über die große Anzahl der Theilnehmer. „l^cee ciuam donuni et cruzin ^'ueunclum, Iraditaie lratres iir Jeder. Solche Tage sind Tage, War auch nur Einer unter uns, Der sie nicht Zeitlebens segnen wird? Ich gestehe, ein heimliches Heimweh beschlcicht mich, so oft ich au Hirschberg denke. Und doch bin ich anch wieder so gerne unter den Meinigen und arbeite neu belebt uud ncngestärkt in meinem Berufe. Gott erhalte die schönen Vorsätze, die gemacht worden. Verehrte Brüder, wir haben sie mit cinmüthigcm Herzen gemacht. Laßt uns einander beim Worte nehmen und uns zurufen: Ja das haben wir in Hirschbcrg miteinander ausgemacht, wenn auch, ohne ein Wort miteinander zu sprechen — treu unserm erhabenen Berufe in heiliger Liebe uns zu opfern zur Ehre Gottes für das Heil der unsterblichen Seelen. Einer der Excrcitantcn. Chef der dänischen Kanzlei ist der erste Minister des Königs, also die erste Person im Staate. WaS die dänischen Kolonien betrifft, so bestehen diese in drei kleinen Inseln von den Antillen, von welchen St. Thomas die bedeutendste ist, in einer Factorci an Guinea und in einer zweiten Factorci im cngli- Die Katholiken in Dänemark. ( Kathel.k.) Kopenhagen, 15. Juli. Wenn wir die Gesetze, Verordnungen und Nescripte überblicken, welche von der dänischen Regierung nach und nach gegen die Katholiken erlassen worden sind, so bcläuft sich die Zahl derselben auf wenigstens fünfundzwanzig. Fünfundzwanzig Gesetze in ohngcfähr einem und einem halben Jahrhundert zeugen gewiß von dem Eifer der Regierung für das der Küste von scheu Indien Von allen diesen Gesetzen nun ist nur ein einziges den Katholiken günstig, jenes vom 11. März 1682, welches die Ausübung unum." DaS fühlte gewiß! der katholischen Religion in der Stadt Friedcricia in Jütland die der Herr gemacht hat. > tolerirt. Es hatte nämlich zu dieser Zeit der Handel eine große Menge Fremder dahin gezogen. Sie dürfen sich indessen über den Begriff, welchen daö Wort Toleranz hier hat, nicht täuschen. Toleranz bedeutet hier nicht, daß jeder Einwohner von Friedcricia oom Protestantismus zur katholischen Kirche zurückkehren, oder daß ein Katholik, der eine dänische Frau gchcirathet, seine Kinder in seinem Glaubcn erziehen kann; Toleranz bedeutet hier bloß, daß die Regierung den Katholiken cS erlaubt, eine Capclle zu besuchen, die sie auf ihre Kosten erbaut haben, daß alle Kinder aus gemischten Ehen lutherisch werden müssen, und daß kein katholischer Priester außerhalb der Capclle eine Ceremonie verrichten oder in seinem geistlichen Kleide erscheinen darf. Durch die Verordnungen vom 2. Juni 1773 und vom 20. Sept. 1754 ist die Wohlthat dieses Gesetzes auch auf die Westindischen Kolonien ausgedehnt worden, unter dem Vorbehalt jedoch, daß nie ein Jesuit den Boden derselben betrete. Durch ein neueres Gesetz vom 4. Dcc. 1816 sind diese Bestimmungen bestätigt worden. Ein Decrct der dänischen Kanzlei von 1780 spricht den Zweifel aus, ob wohl überhaupt katholische Kinder in lutherischen Kirchen getaust werden könnten, wenn die Eltern sich nicht dazu verpflichten wollten, sie im evangelischen Glauben zu crzichcn. Später erschienen jedoch zwei Verordnungen, die eine am 20. Sept. 1793, die andere am 17. Januar 1806, welche bestimmten, daß die Taufe dcn Katholiken nicht versagt werden sollte, sie müsse jedoch nach lutherischem Ritus gespendet werden. Durch die Verordnungen vom 4. Juli 1795 und vom 6. Sept. 1808 erlaubt die Kanzlei dcn Katholiken das lutherische Abendmahl zu empfangen, sie ertheilt die Erlaubniß, wie dort gesagt wird, ohne dazu zu verpflichten, wenn ein Katholik gefährlich krank ist. In diesem Falle soll der Prediger dem Kranken dcn Unterschied der katholischen und lutherischen Lehre in Bezug auf Beichte und Abendmahl erklären, — man muß gestehen, daß der Augenblick vortrefflich gewählt ist, — und ihn besonders auf die Folgen Dieser seiner Communivn aufmerksam machen. Mehr als Einer unserer Bruder ist aus Schwachheit diesem heuchlerischen Gesetze schon erlegen. Die armcn Leute wollten nämlich, wenn sie wieder gesund geworden waren, wie früher zur katholischen Kirche zurückkehren; allein da hieß es Halt! Ihr seyd keine Katholiken mehr, Ihr gehöret zu uns; denn Ihr habet das Abendmahl nach der wahren Lehre empfangen. Mochten sie auch auf ihre Unwissenheit, ihrcn KrankhcitSzustand und ihre geschwächten Geisteskräfte sich beruf,n, Alles half nichts, die Ncubekehrtcn geborten von Rechtswegen der Staatskirche an. In demselben Jahre, am 31. December 1808, erschien noch ein Nachtrag zu diesem Gesetze, welcher dcn Pastoren aufgab, dcn Katholiken vorzustellen, daß selbst nach katholischer Lehre der Empfang dcS katholischen Abendmahles nicht nothwendig sey zur Erlangung cincS seligen Todes. Man benutzte also nicht allein die Beängstigungen der Krankheit, um dcn schwankenden Glauben eines Katholiken zum Falle zu bringen, sondern versuchte auch noch die etwa Wider- spcnstigcn mit ihrcn cigcncn Waffen zu schlagen. Die Verordnung vom 13. Mai 1720 gewährt einzig und allein dein lutherischen Pfarrer das Richt Brautleute verschiedener Religion zu trauen. Es ist jedoch bei solchen gemischtcn Ehen dcn Pastoren ausdrücklich vorgeschrieben, sich von dem katholiftbcn Theile einen in die Pfarrbüchcr einzutragenden Act geben zu lassen, durch welchen der katholische Theil sich feierlich verpflichtet, alle Kinder in der lutherischen Religion zu erziehen. Die Verordnungen vom 14. December 1748 und vom 30. April 1824 verbieten es den katholischen Priestern strengstens ohne besondere Genehmigung der Kanzlei eine Trauung vorzunehmen. Durch Verordnung vom 18. Mai 1827 sind jedoch die Westindischen Kolonien von dieser Bestimmung ausgenommen. Das Gesetz vom 22. Dctobcr 170 t gcbictct dcn bürgerlichen und geistlichen Behörden alle ans gemischten Ehen entsprossenen Kinder zu überwachen und bcsonrcrs dafür zu sorgen, daß die lutherische Gatlin durch die Einflüsterungen ihrcs Mannes nicht vom wahren Glauben verführt werde. Nach dem Ritual der evangelisch-lutherischen Kirche durfte früher kein Katholik nach dcn Vorschriften ihres Cultus beerdigt werden. Seitdem die Regierung jedoch für mehrere Orte besondere Privilegien ertheilt, hat die Kanzlei es sür angemessen erachtet, durch ein Gesetz vom 26. November 1616 dcn Predigern zu erlauben, auch die Katholiken zu begraben und eine Handvoll Erde aus ihre Särge zu werfen. Unsere beiden hiesigen Geistlichen, die Caplänc der österreichischen Gesandtschaft, dürfen bis jetzt dem Leichenwagen nur in bürgerlicher Kleidung folgen, sie dürfen bei einem Begräbnisse kein Krcnz vvrantragcn lassen, keinen Chorrock anziehen, unv müssen aus dem Gottesacker die üblichen Gebete so schnell als möglich verrichten. Voll Eifer und Liebe spenden sie inocsftn die Sacramcnte der Kirche Armcn und Reichen ohne Unterschied, ohne etwas dafür zu fordern, und der Fall ist noch nicht vorgekommen, daß ein Katholik von einem Prediger beerdigt worden wäre. Wenn wir indessen in Dänemark so gedrückt sind, so liegt die Schuld zum Theile an uns selbst. Würden einmal alle Katholiken in Kopenhagen eine Petition unterzeichnen und diese Petition von den Repräsentanten der katholischen Mächte unterstützt werden, so würde das die Minister wohl zu einigem Nachdenken bewegen. Früher unterstützten Frankreich und Spanien überall die katholische, Kirche mit ihrem Einflüsse, und diese beiden Mächte besaßen in ihrem GesandtschaftShütcl zu Kopenhagen eine Capclle. Seit dem Jahre 1830 indessen haltcn es die französischen Gesandten in Dänemark für überflüssig, eine heilige Messe zu hören, und der Geschäftsträger Ihrer Katholischen Majestät hat die Paramente ur>d heiligen Gefäße der spanischen Capclle unter Schloß nnd Riegel gelegt. So auf unsere eigenen Kräfte b schränkt und von allen Mächten, mit Ausnahme Oesterreichs-) verlassen, müssen wir unter der Wucht solcher Gesetze erliegen und es haben sich seit fünfzig Jahren unsere Kirchen mit jedem Tage mehr gelichtet. Nur ein Hoffnungsschimmer leuchtet unö noch. Wenn nämlich die Frage von der religiösen Freiheit zu Gunsten aller protcstirendcn Scctcn, eine Frage, die von der dänischen Presse schon mehrfach erörtert wordcn ist, vor die Ständeversammlung gebracht wird, so wird die Regierung trotz der Pastoren wohl Concessionen machen unv nach Norwegens Beispiel die religiöse Freiheit gewähren müssen. Italien. Rom, 2. Aug. Schon als Prälat entwarf der Papst dcn Plan znr Abhilfe eines Bedürfnisses in dem historischen Theil der Theologie, das zwar früher schon oft als solches aufgezeigt ward, wobei es aber beim Besprechen blieb. Er dachte dabei an die Beschaffung eines allnmsasscndcn, von jeder confcssioncllen Verschiedenheit der Parteien abstrahircnden Panovlions aus Quellen gesammelten theologischen WisscnS. Seitens der O.uellcn, auf gcschichtlichcm Grunde basircnd, sollte es somit alle wahrhaften Elemente der Kirchcngcschichtc, biblischen und patristischen Hermeneutik nnd Exegese, Literatur, Liturgik, Pädagogik, kirchlichen Archäologie, Ka- nvnistik, praktischen Theologie im engern Verstände, wo es nöthig in genetischer Entwicklung, sonst überall in der Form dcS an sich bieten. Dieser Gcsammtapparat von Wissenschaft wollte in seinen Enden das kirchliche Dogma anzeigen, ohne aber die Momente desselben zu erhärten. Der Ruf zu höhcrn Ehren und die damit überkommenen Geschäfte waren der Ausführung des Vorhabens nicht günstig. Das änderte sich zum Bessern nach der Besteigung des Stuhls Petri. Ein vom nunmehrigen Papst hochgeschätzter Hofbeamter, der Kavalier Moroni, nahm dcn Plan auf und verwirklicht ihn im Verein mit dcn auSgczcichnctstcn Thcologcu und andern Fachgelehrten, nicht ohne Mitwirkung seines Urhebers. Somit erscheint ein Werk dcS Titels: „Dixionario cli eiucii/ione storioo - eoelegiastiLSl da 8sn ?ieti-o sino ai noslii tc-mpi," das, ans ctwa 35 starke Octav- bände berechnet, schon halb vollendet ist. Keine uns bekannte Literatur besitzt einen ähnlichen Schatz für die Fachthcolvgic; merkwürdig durch seincn wahren Autor und von seltener Vollendung durch die darauf verwendcicn geistigen Mittel. l^A. Z.) ') Das Gott dafür segnen wolle. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. -5 ^»gs ' ^ei/., New-Zjork, 22. Mai 1845. Sie wissen gewiß in Frankreich, das; hier mehr als 15,0dl> Franzosen leben, von welchen mindestens die Heilste aus sehr wohlhabenden Handelsleuten besteht. Alle diese braven 5!cnle suchcn sich fortwährend mit dem Mutter- lande auf gleicher Linie zu erhalten und nehmen jede Ansicht, die aus Frankreich ihnen zukommt, wie ein Evangelium an. Nun aber lesen sie kein anderes französisches Blatt als den Courricr des EtatS^unis, eine zn Ncw-Zork erscheinende und von dem Verfasser dcö Tour dc Ncsle Herrn F. N. Gaillardct rcdigirtc Zeitung. Schon daraus können Sie den Geist dieses Blattes bemessen, das sich zwar rühmt ein Echo aller Parteien zu seyn, in der That aber nur die bissigsten Artikel des Su'clc und National gegen die katholische Kirche aufnimmt und in seinen Feuilletons den ewigen Juden und die Königin Margot veröffentlicht. Tiefes unselige Blatt liegt auf allen französischen Tischen, die Damen vcrscblin« gen seine Romane, die Männer lesen seine politischen Artikel, die nur von JcsuitismuS und den Schändlichkeiten der berüchtigten Societät faseln, und die Besseren verhüllen sich das Haupt und schämen sich, daß sie einer Religion angehören, die solche Böscwichtc duldet. An das Univers gerichtet und vom Katholik übersetzt. Indessen ist der religiöse Zustand der französischen Bevölkerung jetzt dvch viel befriedigender, als er vor einigen Jahren war. Damals hatten wir hier wahrhaftig eine Hcerde ohne Hirten. Die Männer dachten an nichts als ihr Glück zu machen, keineswegs aber an ihr Seelenheil, und die Frauen, die aus Frankreich noch gute Gesinnungen mitgebracht hatten, verloren sie in Amerika, weil sie dort keine Nahrung fanden. Es gab wohl katholische Kirchen, allein weil dort englisch gepredigt wurde und man sich bei einer Predigt langweilte, welche man nicht verstand, versäumte man es auch in die heilige Messe zu gehen. Die Kinder, besonders jene der a bcirendcn Classe, besuchten die protestantischen Schulen und ihre strafwürdigen Eltern dachten nicht einmal daran sie zur heiligen Commnuivn zu führen. Es herrschte mit einem Worte unter unscren Landslcuten in religiösen Dingen eine förmliche Auflösung. Im Jahre 18ä2 kam indessen der Hochwürdigstc Bischof d c Jorbin - Janson nach Ncw-Aork und hier wie überall waren seine Schritte von guten Thaten begleitet. Der Vinccnz von Paulo der chinesischen Kindheit versammelte die vornehmsten Franzosen um sich und redete ihnen zu, bis ihnen vor Scham das Blut in das Gesicht stieg, dasz sie noch keine eigene Kirche hätten. Nun bot der Generalkonsul die Hand, selbst der Courricr des Etats- uniS unterstützte vom Standpuncte der Nationalität aus die Sache, cine Snbscriptiou wurde eröffnet und darauf ein Grundstück angekauft und die Arbeiten begonnen. Seit zwei Jahren ist jetzt diese Kirche fertig und dem Cultus übergeben, und der würdige Abbl- Lasont ist Psarrcr derselben, ein Priester, der sich mit Leib unv Seele seiner Aufgabe widmet und an die Lösung derselben sein Leben setzen wird. Lebendige Christen sind zwar unt.'r seinen Schafen noch wenige, allein cö ist doch schon wenigstens unter den Franzosen znr guten Sitte geworden, Sonntags in das Hochamt zu gehen. Die Damen erscheinen dort in ihren elegantesten Toiletten und ihre Männer begleiten sie regelmäßig dahin. Auf dem Heimwege wird nun zwar die Predigt kritisirt und vielleicht nicht kurz und schwunghaft genug bciunden; — für diese Herren müßte man zum mindesten Bossuct wieder erwecken, — allein das Wort Gottes, welches Abbo Lasont mit einem Eifer, einem Tacte und einer Salbung ihnen verkündet, welche Bewunderung verdiene», geht an diese» Gemüthern doch nicht spurlos vorüber. Der Gottesdienst wird mir vieler Würde gehalten und es ist der Grc- gorianijchc Gesang cingcsührt worden, eine Erinnerung an das Mutterland, wclchc hier cine sehr heilsame Nencrung ist, denn in allen katholischen Kirchen Englands, Irlands und Amerika'S hört man nichts als Opcrncmcn, die von Männer- und Frauen-Chören gesungen werden. Sie können sich cinc» Begriff von der angestrengten Thätigkeit unseres Pfarrers machen, wen» Sie bedenke», daß seine Pfarr- ki»der in einer Stadt zerstreut sind, die großer ist als Paris, und daß er außer der Vorbereitung ans seine Predigten, den zweie» Messen, die er liest, den Beichten, die er hört und außer den übrigen gottcSdicnstlichcn Verrichtungen auch noch seine Kranken in diese», weiten Raume besuchen mnß. Doch Abbv Lasont hat auch noch cine Schule gegründet und ist dabei von der Voraussetzung ausgegangen, daß man nur dann wahre Gläubige habe» könne, Wenn sie von Jugend auf zur Religion herangebildet würden. Eines nach dem cmdcrcn hat er die Franzoscukindcr aus den protestantischen Lehranstalten herausgenommen und hält nun selbst 17l) Kindern Schule, die ihm viel Trost gewähren. Ebenso hat er für 2W Mädchen cinc Anstalt gegründet, die von zwei frommen Damen aus Paris geleitet wird, welche dieser edlen Mission sich widmen. Diese Schule gedeiht so sichtbar und ist so sehr geschätzt, daß selbst die Protestanten ihre Kinder gern dahin schicken. Hier in diesem häretischen Lande brauchen wir uns wenigstens mit den Chicanen der Universität nicht zu plagen und die Freiheit ist hier mehr als ein leerer Name; hier wird der Priester, der die Jugend lesen lehren will, damit sie besser denken lerne, nicht im Namen des Gesetzes durch die kleinliche Eifersucht der Schnüffler daran verhindert; das öffentliche Vertrauen fragt nicht darnach, wo er seine Diplome und Pergamente erworben und man ist überhaupt der Ansicht, daß ein frommer Priester mehr von der Sache versteht, und besser lesen und schreiben kann als kleine Kinder. Ncw-Vork, 31. Mai 1845. Ich habe Ihnen am 22. Einiges über die französische Kirche von New-Zjork geschrieben. Es ist dieses indessen nicht der einzige Tempel, der in dieser Stadt unserer heiligen Religion geöffnet ist, denn eS gibt jetzt in New- ^Zjork und den Vorstädten siebzehn katholische Kirchen und noch mehrere sind im Baue begriffen, Dank dem bewunderungswürdigen Eifer unseres Bischofs. Monsignore Hugues ist der zweite Prälat auf diesem bischöflichen Stuhle und er folgte Monsignore DuboiS nach, einem französischen Priester, den das SchreckenSregimcnt aus unserem Va-- terlcmde vertrieben und die Emigration zum Missionäre gemacht hatte. Bischof HugueS ist ein Isländer und seit seiner fünfjährigen Regierung hat das von seinem Vorgänger vorbereitete Feld schon hundertfältige Frucht gebracht. Seine Diöccse umfaßt den ganzen Staat New-Zjork, der so groß ist wie Frankreich und er durchwandert denselben unaufhörlich, taufend, firme»d, bekehrend und predigend. Seine Rede ist so ergreifend, daß selbst die Protestanten begierig darauf horchen und seine Worte wahrhafte Wunder hervorbringen. Im Angenblickc ist er mit dem Baue ciues Seminars beschäftigt, um die Zöglinge des HciligthumS in > dasselbe aufzunehmen und seine Begierde eS zu vollenden ist so ^glühend, daß er selbst den Maurern an die Hand geht, die Kelle ! ergreift und jeden Arbeiter an den rechten Platz stellt, um ein Werk zu fördern, dessen Baumeister der Vischos selbst ist. Ebenso !hat er, als ein zweiter Moritz von Snlly, selbst seine Kathedrale !gebaut, ein gothisches in gutem Geschmacke ausgeführtes Gebäude, !das im Mittelvnncte der Stadt liegt. Das Bedürfniß eines Seminars war ein wahrhaft dringliches, idenn die Kirche wird in diesem Lande erst dann feststehen, wen» !sic sich auf einen eingeborenen KleruS stützen kann, allein bis jetzt ^hatten wir hier nnr französische und irländische Missionäre. Der Bischof hat im Ganzen nur 165 Priester, die in der ungeheueren Diöccse zerstreut sinv und diese Zahl ist dermaßen unzureichend, daß er Protestanten, welche religiösen Unterricht und Erlenchtung ! verlangen, oft lange warten lassen muß. Durchschnittlich bewirkt jeder Geistliche drei Bekehrungen im Jahre. Ich habe dieses aus dem Munde des Hochwürdigsten Bischofs selbst und dieses Resultat ^ist kein geringes, wenn man bedenkt, daß diese Bekehrten keine ! einfachen im Naturzustände befindlichen Wilden sind, die ihr Auge gern dem Lichte öffnen, sondern skeptische, leichtsinnig dahin lebende ^Menschen, die seither in allen Vorurthcilcn ihrer Erziehung befan- !gcn waren. Wilde gibt es im Staate Ncw-Iork dermalen eben so wenig als wir in Frankreich noch Druiden besitzen und eS ist dadurch den Missionären mancher Trost entzogen, denn zwischen Iowas, die von Zeit zu Zeit einen Mensche» fccsscn, und übermüthigen Kaufleute» mit weitem Gewissen kann einem Seelsorger !dic Wahl nicht schwer fallen, wenn eS ihm freigestellt würde, diese ^odcr jene zu seinen Schasen zu wählen. . ^ ^ Während so der Bischof Hugueö seinen Nlerus, seine Gläubigen und alle Dissidenten erbaut, unter welchen er im Rufe der Heiligkeit und des hohen Verdienstes steht, ist der anglicanischc Bischof von New-Iork für die ganze Stadt ein Gegenstand des Aergernisses geworden. Ich erwähne dieser Geschichte nur darum, weil die Justiz bereits darüber entschieven hat. Mr. Onderdonk war nicht nur ein Fcinv des Cölibatö der Geistlichen,^ — sein Glaube gab ihm ein Recht dazu, — sondern die freie Forschung und das freie Leben hatten ihn förmlich zum musclmämnschen Polygamen gemacht. Unter den übrigen Geboten Mahomcds hatte er jedoch wieder eine Auswahl getroffen, denn der Wein hatte besondere Gnade gefunden vor seinen Augen. Auf die Klage mehrerer Prediger' hin hat nun die Versammlung der protestantischen Bischöfe Mr. Onderdonk abgesetzt unv am 20. dieses Monates nach einem zweitägigen Wahlkampse Mr. Potter an seine Stelle gewählt. ES traten bei dieser Wahl die beiden bischöflichen Parteien auf und wir können somit ihre Kräfte nach derselben bemessen. Die Statuten der Sccte bestimmen nämlich, dasz der BisthumS- Candidat von der Versammlung der Geistlichkeit vorgeschlagen, dann aber von sämmtlichen Laienabgcordneten der Pfarreien genehmigt werden muß. Die Majorität des Klerus ist puseyistisch, denn der Puscyismuö hat in Amerika gerade schon so viel Grund und Boden gewonnen wie in England, und sie wählten daher Anfangs einen Kandidaten aus dieser Schule. Nun aber kamen die Laien, welche die Ansichten ihrer Pastoren nicht theilen, denn sie sehen nicht ohne Grund in dem Puscyismus eine Hinneigung zum PapismuS, und verwarfen den Hochwiudigcn, welcher vorgeschlagen war. Mr. Pottcr, dem das Verdienst gebührt, daß er ein vollblütiger Auglicaner ist, wurde darauf zum Bischöfe gewählt. Doch es ist Zeit, daß ich Sie nach so ärgerlichen Geschichten wieder erbaue und ich will Ihnen daher Einiges von den Klosterfrauen deö heiligen Hcrzenö (clu sulliü ocieui) erzählen. Diese Ordcnsfraucn haben acht Häuser in den Vereinigten Staaten und eines in Canada, in welchen su> der Erziehung der weiblichen Jugend sich widmen. Kein Land bevnrfte in der That dieses Ordens mehr als Nordamerika, denn die hiesigen Pensionate waren nur Schulen der Eitelkeit, des PianoS und des Tanzes und begünstigten die natürlichen Neigungen der Manchen, statt daß sie dieselben auf den rechten Weg hätten leiten sollen. Sie können sich einen Begriff davon machen, wenn ich Ihnen eines der Feste beschreibe, die in diesen Pensionaten gefeiert werden. Die Zöglinge wählen sich alle Jahre eine Maikönigin, nicht die bravste, sondern die schönste; diese erhält dann Ehrcndcunen, Pagen, unv wird auf einem Throne gekrönt, alles im Beiseyn einer zahlreichen Sippschaft von Verwandten und Freunden. Nach dieser Ceremonie, rn welcher die frühreife Cogucttcrie die schönste Gelegenheit findet, sich bestens zu entwickeln, kommen Komödien und Polka's, in welche» jene glänzen können, welche bei der Wahlhandlung ohne Würde und Amt geblieben sind. Die Ordcnöfraueu des heiligen Herzens wissen besser was Erziehen hnßt und ihre Pensionate befinden sich in einem sehr blühenden Zustande. Selbst protestantische Eltern übergeben ihnen oft ihre Töchter, so groß ist das Vertrauen, dessen diese heiligen Seelen genießen. Die gegenwärtige General-Supcriorin deö Ordens in Amerika ist Madame Hardey, eine Jrlanderin; in gleich hoher Verehrung aber steht Die Frau von Kcrsaint, von der die ganze Ordcnsgenossenschast nur mit Thränen der Bewunderung im Auge sprich:. Tochter eines Admirals von Frankreich vereinigte Frau Hcnrictte von Kcrsaint in ihrer Person Alles, womit man in der Welt eine glänzende Carriere macht, und die Welt wurde darum von nicht geringer Verwunderung ergriffen, als sie sich in der Blüthe ihrer Jugend in c-'n Kloster zu O.uimper begrub. Dort war sie indessen ihrer Familie noch zu nahe und sie wollte mit Niemanden mehr Verkehr haben als mit dem Himmel. Darum war sie die Erste, welche sich stellte, als die Rede davon war ein OrdenshauS des heiligen Herzens in den Vereinigten Staaten zu gründen. Schon länger als zwölf Jahre ist sie jetzt in Amerika und wenn ein Haus gegründet ist, begibt sie sich sogleich an einen anderen Punct, um dort ein anderes zu gründen und wählt aus diese Wcisc sich selbst stets die schwierigsten und anstrengendsten Posten. Schon mehr als zwanzigmal wollten ihre Genossinnen sie zu ihrer Supcriorin ernennen, allein sie hat sich stets geweigert, diese Stelle anzunehmen und befindet sich gegenwärtig in Canada, wo sie armen Kindern Schule hält, während sie die Sorge für die reichen ihren? Kloster anvertrauten Töchter Anderen überläßt. —,- Italien. CanonisationSproceß einer Schäferin. Es schwebt gegenwärtig in Rom der CanonisationSproceß einer frommen Schäferin, Gcrmainc Cousin, aus Toulcnse. Sie ward 1579 von frommen Eltern geboren, verlor ihre Mutter früh, und wurde von einer lieblosen Vase zur Hcerde geschickt, als sie kaum zu laufen vermochte. Unter harten Leiden jeder Art wuchs sie auf, aber sie sah in Allem die Hand des Herrn nnd gewann Armuth und Verachtung lieb. Weit von der Dvrfkirchc hütete sie ihre Schafe, aber jeden Morgen ging sie zur heiligen Messe, überließ unterdcß die Hecrdc der Obhut Gottes. Jeden Sonntag suchte sie zu communicircn, und ihre Andacht zur göttlichen Mutter war so groß, daß sie stets beim Läuten des englischen Grußcs sogleich ans die Kniee siel, selbst wenn sie im Wasser stand, um ihr Gebet zu verrichten. Sie galt in ihrer kindlich frommen Lebensart nicht nur für eine Betschwester, sondern die Base hielt sie auch für untreu, da sie es für unmöglich hielt, daß dieselbe mit dem wenigen Brod, das sie erhielt, leben könne, und doch theilte sie davon noch andern Armen mit. Die Base drohte ihr daher mit einem Stocke, wenn sie nicht bekenne, und durcb- suchte ihren Schrank; doch statt einen Vorrath von Brod oder Eßwaaren zu finden, lagen duftende frische Blumenkränze darin, zu einer Zeit, wo überall nur Schnee und Eis blühte. Bon nun an hieß man sie nicht mehr die Betschwester, sondern die Heilige. Im Jahre IliOl starb die Schäferin und wurde iu der Kirche begraben; drei Jahre später starb eine andere aus gleicher Familie, ihre Base, und man wollte die Grusl der Heiligen öffnen, um diese ihr beizugesellen. Als man den Stein abhob, fand man den Leichnam der Schäferin, als ob sie erst gestern gestorben wäre. Die Spate des TodtcngräbcrS traf sie in'S Gesicht, und das rothe Blut quoll hervor, als wenn das Leben gar nie von ihr gewichen wäre; mit einem frischen Kranz auf dem Haupte und mit einer Kerze in den Händen, lag sie da und wurde von Allen gleich erkannt. Man enthob sie und setzte sie aus, bis 1t)45. Da begab cS sich, daß eine adelige Frau den Anblick des Leichnams nicht ertragen konnte; sie befahl, ihn zu entfernen. Doch nicht lange nachher erkrankte ihr Kind, sie selbst wurde von einem harte» Uebel befallen, alle Hilfe der Aerzte war umsonst. Da rieth ihr der Gemahl, sie solle die Heilige um Verzeihung bitten, daß sie dicflbe verstoßen. Sie thaten es in gemeinschaftlichem Gebete, worauf die Schäferin in unbeschreiblicher Schönheit ihn?n erschien und ihre und des Kindes Genesung ankündigte, was vollkommen -- eintraf. Von nun cm wurde sie bekannter und besucht von allen Orten. Ueber alle ihre Lebensunistände, Unvcrweolichkeit und Wunder wurden die genauesten Untersuchungen aufgenommen, und cS steht in Aussicht, daß die Schäferin, wie sie den Lohn ihrer Trene im Himmel erhalten, auch auf der Erde als eine Heilige bekannt und verehrt werden soll. Evangelischer Missionseifer. Die Verhältnisse und das Wirken der englischen MissionSge- scllschaft auf Neu-Sccland veranlaßte im englischen Parlamente eine DiScussion, die nicht weniger als drei Tage andauerte und den Beschluß eines UntcrsuchS veranlaßte, obschvn das Ministerium solchen mit aller Krast zu hindern suchte. Aus dc» Verhandlungen hat sich herausgestellt, daß die Londoner Missionogcscllschaft die Niederlassung europäischer Kolonisten auf Nen-Seeland auf jede mögliche Weise zu hindern suchte. Der Plan war kein anderer, als ein ausschließlich aus Eiugcbornen bestehendes Reich zu gründen, dessen Regierung iu den Händen der Missionäre liegen sollte. Was man an der schönen Anstalt der Jesuiten auf Paraguay als die Schattenseite dargestellt hat, das suchte der englische Missions- vercin zu verwirklichen, ohne seine Lichtseite — ohne die christliche Liebe und Aufopferung uneigennütziger Missionäre. Nicht bloß die Niederlassung von Europäern wollte man hindern, sondern auch die politische Oberhcrrlichkeit der englischen Krone über das Gebiet der Colonic. Die Missionäre suchten die Eingeborncn mit Haß gegen die Europäer zu erfüllen, was ihnen so wohl gelang, daß cö im März l. I. zu einem gräßlichen Kriege zwischen den Eingeborncn und Ausländern kam, wie der Capitän des Schiffes Midlothian aus Sidncy »ach London berichtet. Die englische Fahne wnrdc niedergerissen, die Stadt Kororika niedergebrannt, 100 Eingcboruc und 20 Engländer auf dem Schlachtfeld getövtct, die niedergelassenen Engländer muhten sich flüchten, Sir R. d'Oyley schrieb »ach England: „Die Kolonie Neu-Sccland ist für England verloren, wenn nicht die Pest neun Zehntheilc der Eingeborncn wegrafft." Man dürfte sich mit Grund verwundern, wie die MissionS- gcscllschaft im Stande war sogar die Obcrherrlichkcit Englands wenigstens übcr dcn Thcil von Ncu-Sccland zu verhindern, wo sich englische Colvnistcn niedergelassen hatten, wo England einen Gouverneur ausgestellt hatte, und im Augenblick, wo es einer Gesellschaft bcsondcrc Privilegien zur Benützung dieses Landes ertheilt hatte. Aber die Sache wird begreiflich, wenn man weiß, daß Lord Glcnelg, Chef dcS ColonialwcscnS, eines der einflußreichsten Mitgiicdcr der Missionogcscllschaft ist, nud noch viele andere solche Beamte ihr angehören, die alle darauf bedacht waren, die rium hat zwar anscheinend gesiegt; aber dieser Sieg sieht einer Niederlage vollkommen gleich. Man darf das Wirken dieser Missionäre, die nur auf Ehre und Stellen bedacht sind, nur sich selbst überlassen, der Laus der Dinge wird sie erreichen. Diese Missionäre sind auch iu Asien gleich beliebt. Man ist sc> darauf bedacht ihrer los zu werden, daß man ihnen in Syrien an einigen Orten für baarcs Geld keine LcbcnSmittcl gab, um sie zum Verlassen des Landes zu nöthigen. Zu Saphct und Abbeja hat man sie mit Gewalt fortgetrieben. Dennoch beziehen diese Herren schöne Besoldungen, in dem Grade größer, als zahlreicher ihre Familie wird. Um einige Früchte des MissionSeiserö in den obligaten Berichten ausweisen zu können, stellt der Herr Missionär einen heidnischen Bedienten an, droht ihm dann mit Fortjagen, wenn er nicht in die Predigt komme, und so ist der Convertir gemacht. Solche Bekehrungen kosten je »ach Umständen verschieden sieben Piaster des TageS oder dcn Hauszins, oder — wie zu Jerusalem — den Titel eines BisthumS-Architekten, um nichts zu bauen, oder dcn Titel eines MissionS-Dvlmctschers, um nichts zu dolmetschen. Ein ernsteres Eingehen in die protestantischen Missionen des Orients würde die erbaulichsten Scenen anö Tageslicht bringen. — Wer behauptet dieß? Nicht ein katholisches Blatt, sondern die „Presse" von Paris. Deutschland. Von der Donau. Noch sind es nicht volle fünf Jahre, seitdem das adeliche Gut W. an der Donau durch Kauf aus den Handen eines adelichcn Gutsbesitzers in die eines bürgerlichen übergegangen ist. Als Letzterer das Gut angetreten hatte, da entstanden zwischen ihm und der Gemeinde nach und nach nicht weniger denn vierzehn Processe. Ganze vier Jahre wurden dieselben mit großer Erbitterung und beiderseits nicht »»bedeutenden Kosten fortgesetzt. Das einschlägige königliche Landgericht war fortwährend mit diesen Parteien beschäftiget, aber alle Bemühungen waren umsonst. Es wollte kein Vergleich, keine Aussöhnung zu Stande kommen. Endlich fand sich der sehr würdige Land- gerichtS-Vorstand bewogen, dcn erst neulich dahin versetzten Functionär St____.... mitdemAuftragczu betrauen, scineKräftein dieser odiosen Sache zu versuchen, um endlich einmal eine Versöhnung zwischen dem Gutebesitzer und der Gemeinde zu bewirken. Mit Freude, aber inncrem Langen übernahm derselbe dieses höchst mühsame Geschäft. Im Vertrauen auf Gottes Beistand, der ein Gott des Friedens ist, begann er die Verhandlungen mit einer eindringenden herzlichen Anrede an die Parteien. Schon vorher hatte er mit voller Andacht dem heiligen Meßopfer beigewohnt nnd scin schönes Vorhaben der Fürbitte des opfernde» Und sieh da! sein inbrünstiges Gebet sand ErPriesters cmpsohlcn. Ansicdlung von Engländern zu hindern und der MissionSgescllschaft! hörung, sein wohlgemeintes FricdenSwort erweichte die Herzen. Beide Parteien wcintcn Thrcincn der Freude und reichten sich die Hand zur Versöhnung. Alle Processe wurden ausgeglichen und seitdem leben die bisher sich Feindlichen iu ungestörtem Frieden und in schönster Einigkeit. Am darauffolgenden Tage wurde zur Danksagung, auf allgemeines Verlangen, in der sehr schön gelegenen Capcllc dcö Dorfes ein feierliches Hochamt abgehalten, bei welchem kein Herz uugcrührt und kein Auge die Missionsgcscllschaft zu dieser Stelle gekommen und war ihr! ohne Thränen blieb. — So viel kann ein Beamter wirken, wenn er aus noch andern Gründen ganz dienstbar; er nnd seine Nachfolger iGercchtigkcitoliebe mit wahrer Gottesfurcht vereiniget. Ehre diesem wirkten dcn europäischen Colonistcn entgegen. Das AuSbrcchcn der!braven Manne! er hat zu Stande gebracht, was man früher für offenen Revolution gegen die Rcgieruug vermochte endlich die Auf-!unglanblich gehalten hätte! Möchte er noch recht viel Gutes mcrksamkcit dcs englischen Parlamentes zu fesseln. Das Ministe- wirken! (Sion.)___ alle Gewalt zu verschaffen. Die ColvnisativnSgescllschast that Schritte, um sich mit der MisuonSgcscllschaft gütlich abzufinden, diese aber wies jedes Ancrbictcn von sich. Die Colonisten mußten den Eiugcbornen das Land abkaufen und ihre Herrschaft anerkennen; im Grund aber waren cS die Missionäre, die alles lenkten. Capitän Hobson, der erste Gouverneur dieser Kolonie, war durch Peramwvrtlichcr Rcda-teur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. P 5 ^»S- ' ^ei^^ der Attgsvorger Postzeitmtg. weite Jahreshälfte. 7. Sept. 1845. Katholische Briefe aus Nordamerika. *) Ncw-?jvrk, 30. Juni 18ä5. Das kirchliche Organ Presbytcriancr in dcn Vereinigten Staaten vom Monat Juni enthält die nachfolgende merkwürdige Anzeige: „Die Generalversammlung der PrcSbvtericmcr empfiehlt den Donnerstag vor dem vierten Sonntage des Juni als einen Tag des Fastcns und des Gebetes, weil der Einfluß Gottes auf feine Kirchen im Augenblicke vollkommen aufgehört hat." Sollen wir einen Commcntar zu diesen Worten schreiben? Nein, wir wollen dieses einem anderen amerikanischen Blatte, dem „Chnrchman", überlassen, denn wir könnte» sonst i» Verdacht kommen, es fehle nnS an Liebe. Bei jenem protestantischen Blatte wird das der Fall nicht seyn und wir könnten ohnedies; die Sache nicht besser auffassen, als es bereits dort geschehen ist. „Wie, ruft der Chnrchman aus, Gottes Einfluß auf die Kirche soll suspcndirt seyn! Was will das hcißcn? Gewiß hat dieses Blatt sich in Bezug auf die Ursache des von der Generalversammlung vorgeschriebenen Fasttages getäuscht, denn cS wäre unbegreiflich, wie eine so intelligente Körperschaft auf einmal so wahnwitzig werden sollte von einer Suspension des Einflusses Gottes zu reden, da doch ein jedes ihrer Mitglieder wissen muß, daß Christus seinen Dienern und der Kirche versprochen hat, stets und bis an das Ende der Zeiten bei ihnen zu bleiben. „Ich werde alle Zeit und bis an das Ende der Welt bei Euch bleibe»; da wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen." Die wahre Existenz einer Kirche hängt also von der Existenz des göttlichen Einflusses auf sie ab, und hat dieser Einfluß aufgehört, — was soll man da von der Kirche halten? Hat daher die Generalversammlung wirklich die in Rede stehende Verordnung erlassen und ist der Zustand der presbyteriani- schcn Kirchen wirklich der Art, wie die Versammlung in diesem E, lasse ihn schildert (was Niemand besser wissen wird als die Gc- neralvcisammlung selbst), so folgt ans dcn Worten des Heilandes in nothwendiger und logischer Weise nur so viel, daß die Gläubigen der besagten Kirchen sich nicht mehr im Namen Christi versammeln. Nach der feierlichen öffentlichen Erklärung ihrer Häupter ^) An das UniverS gerichtet und vom Katholik übersetzt. ! ist also die prcSbytcrianischc Kirche todt. Wo werden also künftig !die Blitze des Vaticans in Philadelphia ihre Kraft hernehmen, >wenn selbst Jene, welche gegen Rom am heftigsten heulen und donnern, in einem authentischen Acte eö verkünden, daß Gott sie verlassen hat? Kann durch solche Menschen der Irrthum entlarvt, kann durch solche Hände der Aberglauben auSgcrcutet wcrdcn? Sind das die Kämpen, welche die Kirche umstürzen sollen, die einen Pascal und Fcnelon hervorgebracht hat? Ich bin sicher kein Lobrcdner Roms, ich fühle keine Sympathieen für Rom, allein Nom kann trotz aller seiner Irrthümer lebendige Beweise aufzeigen, daß Gott noch mit ihm ist. Oder soll vielleicht dcn Mängeln der römischen Taufe durch jene Männer abgeholfen wcrdcn, bei welchen eine Suspension des göttlichen Einflusses stattfindet? Welcher vernünftige Mann möchte einer scheinbar religiösen Genossenschaft angehören, die ihrem eigenen Geständnisse nach nur periodisch der Wahrheit des heiligen Geistes unterworfen ist, dann aber gleich einem gcilvanisirtcn Lnchnamc, der in einigen krampfhaften Windungen ein scheinbares Leben geführt, sofort wieder in die Unbcwcglichkeit des Todes zurückfällt?" Dieses Gemälde ist getroffen und wir wollen nur noch einen Pinsclstrich hinzufügen, indem wir eine Geschichte erzählen, die sich neulich zu Ncw-Aork zugetragen hat. Ein dortiger prcobytcriani- schcr Prediger war durch seinen Haß gegen dcn Katholicismus vor allen Andcrcn ausgezeichnet und cS verging kcin Sonntag, an dem er nicht von den Infamien des Papstthums gepredigt hätte. Der Mann glich dem alten Knox, jenem angeblichen Kirchcnvlrbcsscrcr Schottlands, der einst die Kirchen zerstört und die Gräber der Könige entweiht hatte, auf'S Haar, und eö fehlte ihm wahrhaftig nicht an gutem Willen, um die Rolle seines Patrones in ihrer ganzen Ausdehnung zu spielen. Plötzlich wird dieser Unglückliche krank und ist nun schon zwei Jahre im Zustande der Lähmung an das Krankenlager gefesselt. Was sagen nun die Presbvtcriancr, um diesen Zustand zu erklären? — Die Papisten hätten durch ihre Zauberkünste Gott betrogen und diese Züchtigung vom Himmel auf ihn herabgezogen! Da dieser Fanatiker in dem Tempel, in welchem er pcrorirtc, keinen Nachfolger fand, so ist die Kirche zum Verkauf ausgcbotcn worden, und wer hat sie gekauft? Monsignvre HugueS, der katholische Bischof von Ncw-Vork. So eben ist sie consccrirt und für unseren Cultus bereits eingerichtet worden. So -. --.....-----.............. geht es aber, früher habet Ihr unsere Kirchen niedergerissen, und jetzt segnen wir die eurigcn! » » . KB. « '« ' <- * Ncw-?jork, 31. Juni 1845. Sie verlangen sü'r die Katholiken ihren Unterdrückern gegenüber die Freiheit wie in Belgien. Mit eben so viel Recht könnten Sie indessen die Freiheit wie in Amerika verlangen und wir möchten wirklich einmal sehen, wie dann der „National" gegen diese Musterrcpublik geifern würde, der er doch sonst alle seine Sympathiccn zuwendet. In den Vereinigten Staaten ist die Kirche wahrhaft frei und der Katholicismus macht unermeßliche Fortschritte, Dank diesem Regiments der Freiheit. Uebcrall erheben sich neue Kirchen und es vergeht keine Woche, in der ich nicht in den religiösen Blättern eine neue Grundsteinlegung oder die Consecration einer Kirche erwähnt finde; denn auch katholische Zeitungen gibt es in den Vereinigten Staaten und Canada, und meines Wissens haben Ncw- Aork, Philadelphia, Baltimore, Pittsburg, New-Orlcans, Montreal und Qucbcck Blätter, welche ausschließlich religiöse Fragen behandeln und besonders eine sehr gewandte Polemik gegen die protestantischen Blätter handhaben. Die Blätter dieser drei letzteren Städte werden in französischer Sprache geschrieben und auch Ncw- Aork thäte ein periodisches Blatt iu dieser Sprache Noth, um auf die französische Bevölkerung einzuwirken, welche der Courricr des EtatS-uniS an der Nase herumführt. In Ermangelung eines eigenen religiösen Blattes findet indessen die Kirche eine mächtige Stütze in einem der verbrcitetstcn politischen Blätter von New- Aork, dem Herald, der jeden Montag eine der am Tage vorher gehaltenen katholischen Predigten veröffentlicht. Diese Predigten handeln alle von höchst zeitgemäßen Gegenständen, deren Erörterung eben die Umstände erfordern, z. B. von der Suprematie des Hapstcs, der reellen Präsenz, den Gebeten für die Abgestorbenen u. s. w. und die lichtvolle Behandlung dieser Gegenstände, die von einem thcilweise protestantischen Auditorium schon einmal gehört worden ist, wird von Häretikern und wahren Gläubigen oann auch noch einmal gelesen. Nichts kann aber auch dem Eifer der katholischen Geistlichkeit Schranken setz n und die glänzenden Erfolge, welche sie bereits errungen, flößen den Predigern der dcssidircnden Secten einen nicht geringen Schrecken ein. Wenn einem tieferen Blicke schon jetzt der Augenblick nicht mehr verborgen ist, in welchem England katholisch seyn wird, so bedarf es eines viel geringeren prophetischen Geistes, um jetzt schon voraussage» zu können, daß ehe fünfzig Jahre vergehen, sich in Nordamerika die Mehrheit der Bevölkerung der Sonne der Wahrheit zugewendet haben wird. Ucbrigens führt nicht der Proselytismnö allein dieses Resultat herbei, denn die Auswanderung wirst unaufhörlich ganze Ströme ncncr Einwohner nach Nordamerika, die größtcnthcilö Jrländcr, d. h. Katholiken sind. Diese Männer opfern nun wohl ihre Nationalität, aber nicht ihren Glauben auf, und von den 400,000 Seelen New-Zjoa'ks gehören bereits l 50,000 ihnen an. Der Jrländcr, der über den Ocean geht, wird für sein Exil durch eine gewisse Wohlhabenheit entschädigt, denn in Amerika gehört das Elend zu den Ausnahmen, während es in Irland die Regel ist. UcbrigcnS ist eine gute Stiefmutter immer noch nicht im Stande das Gedächtniß der Mutter zu verwischen, die wir verloren haben, und Sie müssen mir erlauben Ihnen hier! die Geschichte eines Kindes des grünen Erin zu erzählen, die ich selbst erlebt habe. Patrik O'Cvnnor lebt des festen Glaubens, cr stamme von einem der alten irischen Könige ab nnd wie cS sich nun auch mit^ der Authenticität dieses erlauchten StammbaumcS verhalten mag,! so viel ist gewiß, daß der Gedanke daran und an seine gegenwärtige niedrige Stellung ihn tief niederdrückt. Das Feld, welches cr bebaute, sagte er mir, sey in alten Zeiten mit dem benachbarten schönen Schlosse durch Heinrich II. seinen Vorfahren genommen worden und so müßten die Nachkommen im Schweiße ihres Angesichtes jetzt das Land umpflügen, über welches ihre Ahnen einst geherrscht. Patrik also war zwölf Jahre alt und das älteste von sechs Kindern, die in einer Erdhütte von Connaught mit Vater, Mutter, Großmutter und Urgroßvater vegetirten, kein anderes Bett als eine Streu von Hcn und Stroh und zu Tisch- genvsscn zwei Schweine hatten, die mitten unter ihnen schliefen. Diese Schweine müssen sehr schmutzig gewesen seyn, wie Victor Hugo sagt. Der Vatcr, der allein arbeiten konnte, bebaute ein kleines Kartoffelfeld, um seine Familie damit zu erhalten, denn in Irland essen die Reichen unter den Armen zwei- oder dreimal täglich von diesem gesegneten Knollengewächse. Patriks Familie war indessen nicht so glücklich und der Garten brachte kaum so viel hervor, daß die zwölf Einwohner der Hütte sich einmal im Tage sättigen konnten. Nahm daher der Vorrath ab, so fastete der Vater mehrere Tage um seinen Kindern keinen Abbruch thun zu müssen. Patrik, dem diese schmerzhafte Enthaltsamkeit wehe that, wollte seine Portion oft mit dem Vater theilen, doch vergebens. Da faßte das Kind den Entschluß seiner Familie nicht mehr zur Last fallen zu wollen und da es schon oft Haufen von Emigranten gesehen, die ihr Dorf verließen und nach einem Lande zogen, wo man, wie cS hieß, sein Glück machen konnte, verließ er Nachts die Hütte und machte sich auf den Weg nach Dublin, wo cr auf einem nach Amerika segelnden Schiffe als Schiffsjunge Aufnahme fand und in kurzer Zcitfrist auf dem Pflaster von New-Aork stand. Es gibt hier nun mehrere Wohlthätigkcits-Gesellschaften jeder Nation, die ihre Landslcutc unterzubringen und zu unterstützen suchen und Patrik kam durch Vermittelung einer solchen im verflossenen Jahre als Bedienter in eine französische Familie, die sich seiner annahm. Trotz der guten Nahrung, Kleidung und Behandlung dachte indessen das arme Kind immer noch an Irland und besonders lebendig wurde die Erinnerung in ihm, wenn cr — eine Kartoffel sah. Doch nur trauriger Art sind die Erinnerungen, wclchc dicscr Anblick in sein Gedächtniß ruft: wie viel erfreu^ licher war doch die Zeit, als er mit dieser köstlichen Pflanze Blüthe» seiner Schwester Kränze wand oder daraus Sträuße für die heilige Jungfrau band. Patrik muß also diese seine theuere Blume wieder haben und sehen, allein cr lcbt in cincr großen Stadt und weit entlegen ist das Feld. FlugS reißt cr also in dcm kleinen Hofe seiner Herrschaft ein paar Steine auf und pflanzt in die Zwischcnränmc das Fragment einer Kartoffel. Jeden Morgen beschauet nun Patrik so eifrig wie ein Botaniker die Fortschritte, wclchc scin Liebling in der Vegetation gemacht, jeden Augenblick, den er von seiner Arbeit abbrechen kann, bringt cr bei der Pflanze zu und verliebt sich förmlich in dieselbe, wie der Graf von Charncv in seine Picciola. Und in der That die Blätter entwickeln, die Knöpfe bilden sich, Morgen des TageS wird die geliebte Blume sich entfalten. Patrik träumte in dicscr Nacht von dcr blassen Blumcnkrone, seiner Mutter, seinem Dorfe, von den Spielen seiner Kindheit. Allein o weh! am andern Morgen ist Alles fort, Blume», Knöpfe, Blätter und Wurzeln. Die Kinder des Hauses, die im Hofe gespielt, haben die arme Pflanze ausgc- risscn, weil ihr Spielplatz dadurch entstellt worden war! An demselben Tage — es war gestern — spcistc ich in dieser französischen Familie und bemerkte, daß Patrik, dcr uns an dcr Tafel bediente, tief betrübt war. Als ich nach der Ursache . fragte, erzählten mir die Kinder lachend diese Geschichte und sagten, der Groom sey ein großes Thier, wenn ihm diese elende Blume so leid thue. Dieses Alter kennt kein Mitleid I Ich für meine Person theilte diese Heiterkeit nicht und betrachtete Patrik mit solcher Bewegung, daß das arme Kind darüber ganz außer Fassung gericth und weinend das Zimmer verließ. O Gefühl voller Slcrne, der Du den Onkel Tobn, den Lieutenant Lescvre, den Edelmann aus der Bretagne und den Pastctcnbäckcr von Versailles so unübertrefflich geschildert, was würdest Du aus dieser Geschichte gemacht, und Du guter Ludwig XVI., der Du einst die Blume des Kartoffelkrautes stolz in dem Knopflochc Deines Königrockes getragen, mit welchem Entzücken würdest Du dieses Kind in Deine Arme geschlossen haben! Der Mariencnltus in Rom. (Aus dem dritten Bändchen von Hurter'S „Geburt und Wiedergeburt.") Es ist oft gesagt und in neuester Zeit als ausgemachte Sache wiederholt worden, daß in Rom über der Mutter der Sohn, über Maria der Erlöser, wenn nicht beinahe vergessen, doch in den Hintergrund gestellt werde. Ihr, wird gesagt, seyen die meisten Kirchen geweiht, zu ihren Festen vereinige sich die vorzüglichste Feierlichkeit, zu deren Verherrlichung werde das Meiste aufgewendet, ihr Bild an den Straßenecken und an Gebäuden am häufigsten gefunden, zu ihr am vcrtrauensvollestcn in den Kirchen gefleht, die laurctcmische Litanei am inbrünstigsten gebetet, ihr Lob schalle des Abends in Gesängen vornehmlich durch die Straßen, durch ihren Namen wolle der Arme zur milden Gabe bewegen unv als Bcthcnrung und Ausdruck des Staunens sey er im Gespräch am öftersten zu vernehmen. Beherrscht von dieser Meinung, wenn gleich nicht in ähnlichem Grade darüber entrüstet, wie manche Andere, kam ich nach Rom unv glaubte, in mancherlei Wahrnehmungen eine Bestätigung derselben zu finden. Auch ich war anfangs geneigt, dafür zu halten eine solche Hintansetzung des Erlösers zu Gunsten seiner jungfräulichen Mutter lasse sich gar nicht in Abrede stellen; eine Vernachlässigung, welcher, wenn sie wirklich statt fände, ein wahrer Christ das Wort doch niemals reden könnte. Allein auch hierüber wollte ich nicht sofort urtheilen, sondern sehen und hören. Allererst erlaubte ich mir gegen einen deutschen Geistlichen meine Besorgniß zu äußern, daß eine solche Hintansetzung schwerlich zu mißkcnnen sey. Dieser vermochte aus längerer, unbefangener Beobachtung dieselbe zu lösen, er bewies mir, daß auch diese Anschuldigung aus jener Oberflächlichkeit hervorgehe, die in Unfähigkeit, Alles sorgfältig zu beobachten und mit einander in Verbindung zu bringen, alsbald mit einem fertigen Urtheil in Bereitschaft stehe. Auch das gemeine Volk in Rom, bemerkte er mir, kenne den Unterschied zwischen Christo, der Fülle der Gnade, und Maria, der Fürbitterin um Gnade, gar wohl; und wenn auch deren Name in seinem Mund häufiger vorkomme, und wenn auch durch die Maricnfcstc die Erinnerung an sie lebhafter angeregt werde, so dürfte ich mich vollkommen überzeugt halten, daß Niemand in Rom so unwissend sey, entweder Mutter und Sohn auch nur gleich zu setzen, oder das, was dem Sohn allein gebühre, auf die Mutter übertragen zu wollen. Schon daß abwechselnd durch die Kirchen das ganze I.rhr hindurch das Sanctissimum ausgestellt sey, erhalte den Glauben an den Erlöser und die Anbetung desselben und daS Vcrtranen auf ihn stets durch das ganze Volk lebendig. Ich vernahm die gegebenen Aufschlüsse gerne, unterließ aber nicht von deren Triftigkeit durch eigene Beobachtung mich zu überzeugen. Die erwähnten Ausstellungen des Hochwürdigstcn -^aben dem Bemerkten nicht geringe Bestätigung. Eine solche Ausstellung, welche in der betreffenden Kirche Jedesmal ^0 Stunden dauert, zeigt schon in der äußern Anordnung, daß hier das Höchste j?ch finde, was dem Glauben des katholischen Christen kann dargeboten werden. Ich habe während dieser Feierlichkeit eines Abends nach der St. Pctcrskirche mich begeben. Sie gewährte einen imposanten Anblick. Auf dem Hochaltar, über den hundert Lampen um die Lonlessio der Apostclfürstcn, stand unter einem Wald brennender Wachskerzen das hochwürdigstc Gut. Dnrch jede Scitcn- capcllc verbreitete eine einzige Lampe ein unsicheres Liebt, und hinauf in die hohen Wölbungen und hinaus bis zum Eingang zerrann der Lichtglanz in das Dunkel. Hunderte von Betern knieten, in Andacht versenkt, an dem Geländer der <>c>nfessio, viele andere zerstreut in den gewaltigen Schlagschatten, welche die Pfeiler warfen. Dieß, vierzig Stunden ununterbrochen dauernd, gemahnt Jeden an die Nähe dessen, welcher der Qncll und das Ziel seines Glaubens ist. In ähnlicher Weise findet diese Ausstellung in jeder andern Kirche statt. Nun gibt cS wohl Niemand in Rom, der noch als Glied der Kirche gelten wollte, welcher nicht mehrere Male während des Jahres durch die Anbetung, die er dem Sanctissimum erwiese, lebendig dar.in erinnert würde, wer sein Haupt, wer der Quell des geistigen Lebens, wer der Grund seiner Zuversicht sey. Außerdem besteht ciue sehr zahlreiche Erz- bruderschaft vom cillccheiligsten Altarssacrament, die zur immerwährenden Anbetung desselben sich verpflichtet hat. Hiezu sendet sie unausgesetzt, Tag und Nackt, das ganze Jahr hindurch, einige ihrer Glieder in die Kirche, welche an der Reihe ist. Eine Erör. terung über den Glauben an die wesentliche Gegenwart Christi im AltarSsacrament kann in dieser Schrift nicht durchgeführt, wohl aber die Sache von dem katholischen Standpunct aufgefaßt und hicnach das Urtheil gesällt werden: daß vermöge dieser Einrichtung dem Sohn eine ganz andere Stellung und ein ganz anderes, unendlich höheres Verhältniß zu dem Gläubigen angewiesen werde, als der Mutter. Demnach würde jene Anschuldigung schon hic- ! durch entkräftet. Wahr ist es, daS Gebet, welches bei den kirchlichen Feierlichkeiten zweiten Ranges, zumal bei den Abendandachten, am öftersten in den Kirchen gehört wird, und welches der Italiener von zartester Jugend an spricht und kennt, ist die Lauretanischc Litanei, in welcher „die reinste, keuscheste, unbcileckte, licblicbc, wunderbare Mutter, die weiseste, ehrwürdige, mächligc, gütige, getreue Jungfrau, die Königin der Engel, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Beichtiger, der Jungfrauen, aller Heiligen," bei jeder dieser Eigenschaften und bei allen andern Auszeichnungen, die ihr beigelegt sind, um Fürbitt: angefleht wird. Wie sehr aber die jedesmalige Wiederholung des ! „Bitte für nns" zu jedem Ausdruck der Verherrlichung sie der l Dauer des Gebets nach hervorhebt, so tritt sie doch wieder zurück der Stellung nach, die sie in der Litanei einnimmt, und dem Gewicht der andern Seufzer nach. An Christus, an die Dreieinigkeit wendet sich das Hilft rufende Herz zu allererst; von Christo, von der Dreieinigkeit hofft es Erhörung, hofft es Erbarmen; hier allein findet es den Quell der Gnaden, leren Lc^ . Maria bloß ist; cS weiß dieß, cS ist dessen fest überzeugt, n.,>, mal seufzt cS darum, und erst nachdem es sich Bahn gemach: : nachdem es vorgedrungen ist an den Thron der Allmacbi u"d Gnade, sieht eö sich gleichsam um und erblickt Maria, wie ein«: von dem Schwerte des SchmcrzcnS durchbohrt unttr dem , so nun von Glorie umzogen an jenem stehen; es nimm: sie gleich- sam bei der Hand, zieht sie mit sich hin, daß ihr Flehen mit seinem Seufzen sich vereine. Das Herz weiß, daß Maria nicht hilft, nur mit ihm und für es bittet. Hat es dann sein Seufzen beendigt, so erwartet es volle Erhörung, Erlösung, Erbarmung doch nur von dem Lamm Gottes, „welches dahin nimmt die Sünden der Welt," und es wendet sich an dieses, welches um seiner Mutter willen Erhörung, Erlösung, Erbarmung ihm nicht versagen wird. Also auch hier wieder der Sohn vor der Mutter, über der Mutter; und das übersieht, vergißt auch der Beschränkteste, auch das Kind nicht; denn so aller Unterweisung bar, so zur Neligiousübung bloß abgerichtet, darf man, wie Manche möchten glauben machen, das italienische Volk sich nicht denken. In welchen Illusionen über Unwissenheit des gemeinen Volkes in Italien man immerhin sich wiegen möge, so unwissend ist auch der Unwissendste nicht, daß es ihm unbekannt wäre, daß die höchste, und tagtäglich in allen Kirchen und von allen Priestern begangene Feier, die heilige Messe, einzig und allein auf den drcimaleinen Gott sich beziehe; daß er, wenn er derselben beiwohne (die Zahl derer aber, welche dieses einzig auf den Sonntag und einige der vornehmsten Feste beschränken, mag sehr gering seyn), vor dem Drcimaleinen knie, zu dem Drcimaleinen bete, und diejenige Person der Dreieinigkeit gegenwärtig wisse, die uns zum Heil Mensch geworden ist. Er ruft mithin nicht nur täglich den Sohn an, sondern er nahet sich dem Sohn und der Sohn nahet sich ihm; er steht täglich in dessen und nicht in der Mutter wesentlicher Gemeinschaft; er ist darüber gar nicht im Ungewissen, wem cr die Gnadcnwirlung des heiligen Opfers zu verdanken hat, dieweil er während der ganzen Handlung mehr als einmal hört und versteht, daß Alles ihm zu Theil und wirklich und wahrhaft zu Theil werden möge dnrch „Jesum Christum, Gottes ciugeborncn Sohn, der in Gemeinschaft des heiligen Geistes mit dem Vater regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit." Wird dabei die «selige, glorreiche, allezeit jungfräuliche Gottcögebärcrin Maria" ebenfalls genannt, so weiß jedes Kmd, daß ihr erst die nachfolgende Stelle augewiesen ist. Gleiche Bcwandtniß hat es mit dem Noscnkrauz, der am Abend gebetet wird, und dem gewöhnlich der Segen folgt. Jener wird mit Eifer gebetet, der wahre Werth aber auf diesen gelegt, die Mutter zwar gepriesen, die gchcimnißvolle Gnadenwi^- kung aber von dem Sohn erwartet, in dem alsbald von dem ganzen Volk aus dem kanAuo lin^ua angestimmten Itanium erxo dieses bezeugt, in dem darauffolgenden ^vililvri Zvnitociuv abermals der Dreimalcinc verherrlicht. Der Glaube an die persönliche Gegenwart Christi im AltarS- sacramcnt und die hicoon unzertrennliche tägliche, ja stündliche Anbetung derselben ist so innig in die ganze Anschauungsweise eines italienischen Katholiken verflochten, so unabweisbares Bedürfniß desselben, so der Pfeiler seines Glaubens, daß mir einst der berühmte Pater Ventura sagte: es hätten ihn Viele zu jeder Zeit versichert, mir die Gewißheit, Christum in ihrer Nähe zu haben, mache sie glücklich, und sie würden der Verzweiflung anheimfallen, wenn der Gedanke möglich wäre, daß der Glaube an diese Gegenwart sich anstrcitcn ließe. Wie läßt sich bei solcher Ueberzeugung und bei der hier berührten Praxis die Anschuldigung rechtfertigen, cS würde des Sohnes weniger gedacht, als der Mutter? Trete man im Vorübergehen in die nächste Kirche, während die heilige Messe cclcbrirt wird, alsbald muß man sich überzeugen, daß die Anwesenden dieser genau folgen, in dieselbe mit aller Innigkeit verflochten sind; schwerlich wird cS einem Einzigen einfallen, wenn der Ministrant zum Sanotus klingelt, statt zu Gott, zu Maria sich zu erheben, oder das Noa culps statt an den Sohn an die Mutter zu richten. Manchmal des Nachts hört man in den Straßen Rom's von Vorüberwandeludcn daö Lvivs, Nuria singen, aber vergessen wir nicht, daß es immer mit dem: ^ ^^»ss - sfii, , der a Augsburger Iweite Jahreshälfte. Xs- Dv'. Ppstzeiwng. ^ 44. Sept. 484S. Die Macht des Glaubens und Gebetes. Wir haben vor einiger Zeit begonnen, cm der gottseligen Giovanna daila Croce die Wirkung des Gebetes in den Welt- Ereignissen nachzuweisen. Jetzt wollen wir nach langer Unterbrechung den Faden wieder aufnehmen. Der gütige Leser wird sich in Gedanken zurückversetzen in die vorangegangene Darstellung wie Maria den Funken der göttlichen Liebe in sich ausgenommen, und durch das Feuer der Prüfungen geläutert zur gebietenden Macht hcrcingercist, einen neuen Geist in ihrem Vatcrlandc (Süd- Tirol) zu wecken. Die Fülle ihrer innern Gotteslicbe drängte sich mit übcrschwcllcndcr Kreist nach außen, um durch heilige Theile» den himmlischen Bräutigam zu verherrlichen, und alle Welt mit der Liebe zu ihm zu durchdringcn. Der Haushalt wurde in den schwierigen Zcitumständc» des dreißigjährigen Krieges nur mit Mühe geführt, die Kunst konnte in den unkunstmäßigcn Verhält nissen wenig gewinnen, und das angestammte Vermögen reichte nicht auS, die laufenden Togesbcdürfnissc zu decken. Daher geriet!) die Mutter Girolama ans den Gedanken, durch ihre Tochter Giovanna eine Mädchenschule eröffnen zu lassen, und dadurch ihr HauSwesen zu erleichtern. Diesen klugwirthschastlichcn Einsall fühlte die Tochter mit geistiger Ucbcrlcgenhcit auS, ihn als Mittel benutzend, die Erziehung bcs weiblichen Geschlechtes in ihrer Vaterstadt mit einem bessern Geiste zu beseelen. Wenn auch bitter verfolgt und verleumdet, hatte ihre Tugend sich doch eine so unzerstörlichc, allgemein anerkannte Geltung gewonnen, daß die reichsten und edelsten Häuser mit Freuden ihre Töchter der Obhut und dem Unterrichte Giovcinna'S anvertrauten. Sie zählte bald in die vierzig Schülerinnen, eine sehr große Anzahl beim Bestände unzähliger Anstalten dieser Art in der noch nicht so volkreichen Stadt. Von den Eltern gedrängt, nahm sie auch zehn bis zwölf in Kost und Wohnung auf, sie bei Tag und Nacht überwachend, alle ihre Schritte leitend. Ihre erste Sorgfalt ging dahin, die kindlichste Frömmigkeit in ihren Zöglingen zu wecken. Die Flammen ihrer Inbrunst schlugen begeisternd i»S zarte Gemüth der Kinder, und bildeten jene unverwüstliche GlaubcnSinnigkcit in ihnen aus, die, einmal ins weibliche Herz gepflanzt, kaum mehr ausgerottet werden kann, und in der Regel für die Tugend des ganzen Lebens entscheidet. Beständig redete sie ihnen zu: „O Kinder! nur keine ! Sünde! Tausendmal lieber Tod, Fegicuer, Hölle, alle Peiucn dic-- !ser Welt, als eine Sünde geg>n unsern Gott!" Sie sagte dieß stets mit solcher Kraft, mit einem so hcrzzermalmcudcn Nachdrucke daß viele ihrer Schülerinnen gestanden, sie hätten die erschütternde Macht dieser Ermahnung bis in ihr höchstes Alter nicht mehr vergessen können. An Communiontagcn war sie die schönste, lehrreichste Erscheinung, ein hinreißendes Gottesbilv für die alles bemerkenden Kleinen, strahlend im Gesichte von der Ueberfulle der innern Scelcnsrcuvigkcit, mit der äußern Thätigkeit dem Unterrichte geweiht im regelmäßigsten Fortgangc, aber mit allen tiesern Kreisten ihres SeynS versammelt und aufgesogen in ihren Gott. Eine ihrer geistvollsten Kostgängcrinncn, die berühmte Pcrcgrina Sai-- banti, gestand nach dem Tode ihrer Lehrerin, sie habe dieses far-- bcnfrische Bild nie mehr aus der Seele wischen können, und in scdcr Versuchung sey es ihr wie ein zürnender Geist zum Siege helfend entgegengetreten, und sie hoffe mit demselben aller Todesfurcht zu trotzen. Als sich die Nachricht vom Herandringen der Schweden verbreitete, sagte Giovanna in der Schule: „Kinder! sürchtet euch nicht! Seyd standhaft im Glauben! Wenn die ketzerischen Soldaten nach Novcredo kommen, so wollen wir mnthig für den Glauben sterben, und einen ewigen Kran; im Paradiese gewinnen!" Bei diesen Worten erglühte ihr Angesicht voll heiligen Fcncrs, jubelnd wiederholte sie: .Ja, Kinder! sterben, sterben!' Und aus allen Bänken regte sich die Unruhe der Mädchen, in die der Strahl ihres AugcS heilige Todeslust gebracht. Aus dieser Schule und Kostanstall, die viele Jahre bestand, gingen die kern- hastestcn Frauen von Novcredo hervor, die Gluth heiliger Andacht in die ersten Familien der Stadt zurücktragend, in heiliger Ehe thätig, den Jugcnduntenicht der siommcn Giovanna auf ihre Kinder fortzupflanzen. Um ihren Geist im Eifer für die gute Sache wach zu erhalte», belebte Giovanna den schon sniher eingeführten Fraucnvcrcin dnrch ihre Theilnahme, und versammelte sie alle Sonnlage Nachmittag zur frommen Lesung und Betrachtung in einer kleinen Ncbcntirchc von San Marco, mit feuriger Anregung der unerschöpflichen Hilfsmittel, die in der weibliche» Brust für die Frömmigkeit und Tuscnd schlafen. AuS ihren stets bereiten Geldspenden erhielt sie die Mittel, verwahrloste Jungsraucn aus ihrem wüsten Leben herauszureißen, und sie durch lockende Aussteuer in christlicher Ehe unterzubringen. Sie redete dieselben - .......---------- auf offener Gasse an, und hörte nicht auf zu bitten, bis sie erweicht in sich schlüge» und ernstliche Besserung gelobten. Uni alle Gefahr dcS NücksalleS abzuschneiden, nahm sie dieselben von der Gasse mit ihren ersten Ncucthräncn weg in ihr HanS, schaffte sogar Kranke dieser Art in ihr eigenes Bett, und rastete nicht, bis sie auf christliche Weise versorgt waren, trotz aller Einwendungen ihrer wirthschcistlichcn Mutter, die eine solche Belastung des Haushaltes nicht gerne sah, aber ihre unwiderstehliche Toebter gleichwohl gewähren lassen mußte. Dadurch wurde ihr Einslnß aus die Bevölkerung der Stadt und Umgebung bald unermeßlich groß, eine Art öffentlicher Macht, der »ichtZ widerstehen konnte. Dnrch ihr mächtiges Einfahren ins Her; Ader Priester wirkte sie! auf dessen bessern Theil der Geistlichkeit unendlich wohlthätig ein,! ihre Sitten reinigend, die verborgenen Funken der geistlichen Bc-I rcblsamkcit lockend, sie durchglühend zu kühner Wcltvcrachtnng im Kampfe für den Erlöser. Sie war auch in jeder öffentlichen Noth die Fürsprecherin für ihre Vaterstadt, die betend- Mittlerin zwischen Gott und ihren Mitbürgern, von NathSwcgen dazu erlesen und ersucht. Am schönsten trat sie iu dieser Eigenschaft 1(>3ö aus, wo eine grimmige Pest in Rovcredo und im ganzen Lägerthale cinrisz, sie allein nicht cntmuthiget in der allgemeinen Angst und Verivirrung. Alles flüchtete auf das Land, in einzelne abgesperrte Bitten, die Aerzte verließen ihren Dienst, die Priester warfen sich in schmähliche Flucht, die Angesteckte» starben ohne den Trost der heiligen Sacramcnle, selbst ihre Mutter erkrankte an der herrschenden Seuche, ohne daß eine lebende Seele sich ihrer angenommen hätte. Die Siraßcn standen verödet, keine weibliche Person zeigte sich auf dcnselben, die Furcht und herzlose Abwehr des Uebels hatte alle Herzen versteinert. Giovanna, damals gerade 27 Jahre alt, in ihrer schönsten Leibcsblüthe, lächelte allein voll seliger Zufriedenheit unter den Bildern des Todes umher, ihre Mutter pflegend mit eigener Hand, und sie gesund betend, die Straßen aus und ci» den Männern Muth einsprechend, die bald gezählten FranciScancr von Arco, die ihr Leben dem Tode für die Stadt Novcredo darboten, mit den feurigsten Ansprüchen ermunternd. Die rührendsten Gesichter vom ewigen Gcisterfrühlingc im Himmel uniglänzten die Glückliche, die Wohlgcrüche einer bessern Welt umströmten sie, daß sie den Jammer der Erde nicht fühlte, mitten im Leichcngestanke laut anfsang zum Preise ihres Gottes, Tag und Nacht hingeworfen an sein göttliches Herz, daß er die Stadt befreie vom schrecklichen Uebel. Und in der That, die Pest hörte Plötzlich auf, und das liebliche Bild der pcstabwehrcndcn Jnngfrau lebte unvergeßlich fort im Andenken der Geretteten. Die FranciScancr, die TvdeSgctrenc», fandcn ein eigenes Kloster zum Danke für ihre Dienste in der Stadt, und wurden von dieser Zeit an die GcwisscnSsnhrer der Giovanna, mitvcrwickelt in ihre Leiden, Thcilnehmcr an allen Arbeiten für den Glauben in Tirol, die Mittler der Ordcnsverbreituug nach Deutschland, stets von ihrem muthigcn, rastlos auf die Ehre Gottes sinnenden Geiste geleitet. AuS dicsen segcnrcichcn Wirkungen für ihre Vaterstadt trat sie allmälig in weitere Kreise über, Tirol mit ihrer Gottes- liebc umschlingend, Italien und Deutschland mit der Macht des katholischen Glaubens zur Einheit durchdringend. Sie verband sich zu diesem Zwecke mit der Wittwe Vencria Simoncini, einem Weibe ganz eigener Art, die nach dem Tode ihres Gemahles, nach der Versorgung ihrer Kinder sich ganz den Eindrücken der Giovanna hingab, leise, still ihre Befehle ausführend, Tag und Nacht gedrängt zur That für tun Erlöser, »»verrückt das hcilige Ziel im Auge, durch Schmähungen stärker, durch Verfolgungen angefeuert, im Gebiete der Giovanna trotzbictcnd allen Künsten des Widerstandes und der Lüge. Sie zogen miteinander durch das Loppiothcil ins Gebiet der Sarcci, stiegen von Riva nach Tenno hinauf, von dort über'S Gebirg nach Tionc, und hier umbcugcnd heraus nach Campo im Gebiete von Stcnico, mit der wehrlosen Unschuld gottvertrauender Seelen, mit dem Herzen voll glühender Liebe, die alle Hindernisse überwand, alle Fehlnrthcile der Welt- linge zu Schande» machte, und den, Erlöser diente in Noth und Kälte, in Hunger und Durst, bei guter und schlechter Aufnahme, den Gott ihrer Seele preisend mit unaufhörlichen Seufzern. Uebcrall gründeten sie Frauenvrreine, und gaben Unterricht im Gebete und in der Betrachtung. Giovanna, welcher die Macht des Wortes überwiegend zu Gebote stand, hielt Anreden in den Versammlungen mit erschütternder Wirkung auf die Gemüther, selbst widerspenstige Piarrer zu Thränen rührend. Der Pfarrer Betta in Bordecjndicaricn ging ihnen treulich zur Seite, und setzte das angefangene Werk mit Umsicht und Eifer fort, während seiner langen Seelsorge mit Giovanna ans das innigste verbunden zum Heile der verwahrlosten, weitabgelegcnen Thalbewvhncr. Die letztere konnte diesen Jugcndauözug nie mehr vergessen, mit besonderer Liebe blieb sie diesen rauhen Thälern zugewandt, und als sie selbst nicht mehr persönlich erscheinen konnte, sandte sie Bilder, Kreuze, Hciligthümer, die mit heilbringender Kraft durch alle Gemeinden gingen, und tausendfachen Segen stifteten. Dadurch wurde in diesen äußersten Südwcstgegenden von Tirol der erloschene Eifer wieder angezündet, und besonders das weibliche Geschlecht geweckt zu unberechenbarem Einfluß auf die Erneuung der Familien in Andacht und Gottesfurcht. Bald darauf wanderte sie mit ihrer Frcun- din nach Trient, in die reiche Residenz der Fürstbischöfe auS dem Hause Madruz, die damals unermeßlichen Reichthum entfalteten, in vier aufeinander folgenden Männern ihres Geschlechtes fast erblich in ihrer geistlichen Fürstenwürde. Hier schwand die wehrlose Jungfrau in den Augen Wcltlichgcsinnter mit ihren muthigcn Plänen zur Reformation der Sitten in völlige Ohnmacht zusammen, Angesichts des prangenden Hofes mit allen Anflügen einer üppigen Zeit, Angesichts der Kirchcnprälatcn, die fctteingcpfründet wenig Geist zeigten einer plcbcischen Jungfrau sich zu unterwerfen, Angesichts eines Adels, der durch Macht und Reichthum alle übrige Avelömacht in Tirol verdunkelte. Selbst die berechnenden Jesuiten, ihre standhaften, zurückgezogenen Freunde, mißriethen ihr das Auftreten, weil nach ihrer Ansicht keine Hoffnung aus Erfolg leuchtete. Aber die Einsame, Zurückgestoßeue blieb allein unverzagt, bauend auf den Gott in ihrer Brust, auf die Flammen der Licbe, die stärker als der Tod die Welt überwindet. Sie dachte an das Wort des Fr-r Tomasv, daö er einst im Eifer des Geistes über sie gesprochen: „O mein Gott! Wie viele Verfolgungen wird diese Seele leiden! Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! mein Gott und mein Herr! Strase die Verfolger nicht, erwarte sie zur Buße, betrachte und durchvringe sie mit dem Blicke deiner Milde!" Die Gebetseufzcr des Hingeschiedenen gingen wörtlich in Erfüllung, Giovanna wnrde zwar lövtlich krank vor Schmerz, aber der Glaube verließ sie nicht, daß sie durchdringcn würde zur Ehre ihres Gottes. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Einweihung einer neuen Kirche in der Diöcesc Paßau. Auf dem hohen Wollaberg (Diöcese Paßau) mit seiner reizenden Nuudsicht zwischen dem Baver- und dem Böhmcrwcilde, den Styrer und Tyrolcr Alpcn stund über 200 Jahre ein kleines Kirchlein, längst nicht mehr ausreichend für die inzwischen mächtig angewachsene Bevölkerung der Pfarrei Wollabcrg, und bereits so baufällig, daß es nicht mehr länger den abwechselnd aus allen Richtungen anbrausenden Stürmen und Wettern hätte Widerstand leisten können. Im April vorigen Jahres wurde cs bis auf den Thurm niedergelegt, und mit einem von des Königs Majestät auf die StiftnngSconcurrcnz-Casse angewiesenen Kostenbetrag zu 18,000 fl., mittelst freiwilliger Hand- und Spanndienste der Pfarrgcmeinde nach einem allerhöchst genehmigten Plane aus unübertrefflichem feingearbeiteten Granit im gothischen Vaustyl neu erbaut. So stund der großartige, in den erhabensten Formen vollendete Bau fertig, geziert mit neuer Uhr von Manhart in München, classischem Hochaltar vom vewährten Bildhauer Ansclm Sickingcr in München, mit neuen Seitenaltärcn, deren Bilder unter Leitung der königlichen Akademie der bildenden Künste in München von den Künstlern Adler und Barth daselbst trefflich ausgeführt, dann mit Kanzel, Betstühlen und sonstiger Einrichtung Alles neu, und nach übereinstimmendem Plane von Meisterhand gefertigt, als am 25. v. M. gleichzeitig mit den ersten Sonnenstrahlen sein neues harmonisches Geläute und der hundertfältig in den Bergen wicdcrhal- lendc Donner der Geschütze das hohe Namens- und Geburtsfest des LcmdcsvaterS und zugleich das Fest der Heiligung dieses Tempels für den Dienst des Herrn verkündete, zu deren Vollzug der Hochwürdigste Herr Bischof Heinrich von Pafzau am Abend vorher von Ehrfurcht und Liebe herzlichst begrüßt, seinen feierlichen Einzug in Wollaberg gehalten hatte. Schon um 5 Uhr Morgens begann der Kirchenfürst umgehen von einem zahlreichen Klerus, im Beistyn vieler Festgäste und einer unübersehbaren Masse von Andächtigen, unter sichtbarer Freude und Rührung über die Schönheit und Großartigkeit des neuen Tempels, dessen Heiligung, und reihte derselben ein Pontificalamt mit 'l'o veum und eine Kanzel- rcde an, so voll des göttlichen Geistes, der feurigsten Gottes-, Königs- und Vaterlandsliebe, als hätten sich alle Flammen, die einst am Psingstfcst über den Häuptern der Apostel schwebten, über diesem ächt apostolischen Haupte vereinigt. Kein Auge blieb trocken, als der Bischof, selbst tief ergriffen, zunächst Gott, dann unserm ruhmwürdigen Könige für das Zustandekommen dcö so eben neugc- weihten herrlichen Tempels dankte, und dabei nicht nur selbst die heißesten Segenswünsche für des Königs und der Königin Majestät, für den Stamm der Wittclsbacher in den innigst gefühlten herzlichsten Ausdrücken darbrachte, sondern auch das Volk 'verpflichtete, mit jedem Gebet in diesem Gottcöhause auch das Gebet zu vereinen für das angestammte Regentcnhaus, für den gesegneten Stamm der Wittclsbacher, welcher mit Muth und Krast dem Vaterland das unschätzbare Gut der heiligen Religion der Väter geschirmt und erhalten hat. Anch den k. Stellen und Behörde», welche mit so viel Eifer als Pietät die Interessen der Religion, und wie diesen Bau, so andere gleich großartige Bauten für Zwecke des Cultus gefördert, und endlich der wackern Pfarrgcmeinde, welche vhngeachtet des totalen Hagelschlazes im vorigen Sommer alle Hand- und Spanndienste zu diesem großen und durch die Oertlichkeit erschwerten Baue unentgcldlich und eifrigst geleistet hat, drückte der Bischof den wärmsten Dank unter rührenden Segenswünschen aus. Am Mvrgen darauf weihte der Bischof nach einer höchst erbauenden Pontificalmcsse den neuen Kirchhof, spendete das heilige Sacrament der Firmung, nahm die Aufwartung und Danksagung der Behörden und der Vertreter der Pfarrgemeinde an, und trat, begleitet von dem Ehrcngclcite, wie beim Einzüge unter den heißesten Segenswünschen von Tausenden die Heimreise an. Ein solch Fest der christlichen Frömmigkeit und treuesten Loyalität zugleich, durch keinen Mißton, keinen Unfall getrübt, so erhebend, daß selbst dir größten VoliSmasscn, von dessen Erhabenheit getragen, im Jnbel höchster Freude jenen würdigen Ansta-d behaupteten, der jeder zur Ordnung mahnenden Schranke entbehren kann, erscheint und verdient bekannt zu werden, als eine crsrenliche Kundgabe des unwandelbaren guten alten Sinnes im lieben Vaterlande, den der Allmächtige auch fortan segnen und erhalten wolle. l^Kirchcnztg. f. d. k. Deutsch!.) 'X- -X- Mai»;, 18. Aug. Der Katholik schreibt: Unser Hoch- würdigster Bischof hat so eben die nachfolgenden zwei Verordnungen erlassen: I. Petrus Leopold Kaiser, Bischof von Mainz, an die gestimmte ehrwürdige Geistlichkeit der Diöccse. Wir glauben Euch, geliebte Mitarbeiter und Brüder im Herrn, die amlliche Anzeige nicht vorenthalten zu dürfen, daß ein Mitglied unseres Diöcesanklcrus, der bisherige Dccan und Pfarrer Winter in Alzey, von der katholischen Kirche abgefallen ist. Derselbe hat Uns, nachdem er erst wenige Wochen vorher, unterm 5. Juni, über die Umtriebe der neuen Scctirer in seiner Gemeinde mißbilligend an Uns berichtet hatte, unterm 25^ vorigen Monats den von ihm gethanen Schritt selbst angezeigt, und Wir haben darauf, als er auch auf die von Seiten Unseres Ordinariats an ihn er- gangcne Mahnung sein Beharren in seiner Vcrirrung in einem Schreiben vom 9. dieses Monats bestätigt hatte, solche Maaßregeln ergriffen, wie sie sowohl die Schwere des Vergehens, als die dringlichen Umstände der dortigen Pfarrei, in welcher übrigens das beklagenswerthe Beispiel des Hirten die GlaubcnS- trcue der Gemeinde keineswegs erschüttert hat, erforderten. Die Ercommnnicativnscrklärnng fügen Wir in untenstehendem Abdruck bei. Es wäre wohl überflüssig, geliebte Brüder, mit Euch davon zu reden, wie ticfschmcrzlich dieses in Unserm BiSthume Gottlob! so seltene Ereignis; unser Herz berühren mußte. Lieber wollen Wir Euch sagen, daß beim Gedanken an die begangene Untreue des Einen Uns. nichts besser aufzurichten vermag, als der Hinblick auf Eure Treue, die Ihr im Augenblicke des Kampfes Euch nicht als Miethlinge erfinden lasset, die da fliehen oder zum Feinde übergehen, sondern die Ihr vielmehr den beispiellosen VcUockungs- und Verführungskünstcn verkehrter Menschen mit Entschiedenheit und Besonnenheit entgegentretet, und Euch dadurch einen gegründeten Anspruch erwerbet sowohl auf linsern freudigen Beifall, als anch auf die Liebe und das Vertrauen Eurer Psarrgenosscn. Darum hegen Wir sogar die tröstliche Hoffnung, daß selbst in diesem, an sich so bedauerlichen Falle, das Böse sich als eine Veranlassung zum Guten erweisen werde. Denn Ihr, geliebte Brüder, werdet es erwägen, welches schwere Aergerniß ein Priester aus unserer Mitte so vielen gutgesinnten Gläubigen gegeben hat, und Ihr werdet deßwegen nun um so sorgfältiger in Eucrm Wandel, in Enern Amtsverrichtungen, in Eucrm Hauöwescn, Alles vermeiden, woran das ohnehin schwer geärgerte Volk Anstoß nehmen könnte; — Ihr werdet es erwägen, welche Schmach der Abgefallene, so viel an Ihm ist, durch das Beispiel seiner Apostasie auf unsern geistlichen Stand gehäuft hat, und Ihr werdet Euch dadurch um so lebendiger angetrieben fühlen, durch die vollkommenste Reinheit und Tadellosigkeit Eures Lebens, durch die genaueste Beobachtung des klericalischcn AnstandS und durch die gewissenhafteste Führung Eures heiligen Amtes dem Priester- stände die ihm gebührende Achtung zu wahren; — Ihr werdet eS endlich, beim Anblicke des traurigen Falles eines Mitbruders, erwägen, daß auch die Würde des Priestertlnims und Seclsorger- cimtcs nicht sichert vor den schwersten Fehltritten, und Ihr werdet es darum fortan desto weniger mangeln lassen an jener dem Priester so unentbehrlichen Wachsamkeit über sich selbst, werdet um so besorgter seyn, durch Gebet und Anwendung der von der Religion so reichlich uns gebotenen Heils- und Tugendmittel oft die Gnade zu wecken und zu erneuern, die Euch im Sacrcnnentc der Priesterweihe gegeben ist. Ja, geliebte Brüder, Wir erwarten es von Euch, — das wird geschehen, und der Feind, der den Abfall eines Priesters immer als einen besondern Triumph fiir seine Sache zu betrachten pflegt, wird sich auch dieszmal getäuscht haben. IlebrigcnS empfehle» Wir den Abgefallenen, der einst Euer Mitpricster war, Euer», Gebete. Flehen wir zu Gott, dasz da, wo die Sünde groß ist, vie Gnade desto großer sey, damit der Verirrte, der die Kirche Gottes auf so traurige Weise verlasse» hat, recht balv die Schwere seines Unrechts erkenne und gebessert in ihren Scbooß zurückkehre. In dieser Hoffnung geben Wir Euch i» väterlicher Liebe Unsern bischöflichen Segen, -j- Petrus Leopold, Bischof, vclt. Hcffncr. II. Petrus Leopold u. f. w. au den gewesenen Dccon und Pfarrer Unseres BiSthnms, Herrn Adam Winter zu Al- zey. Auch nach Ihrer Erklärung vom 25. vorigen Monats, in welcher Sie, wie Sie sich ausdrücken, vou der römische» Hierarchie sich lossagten, hatten wir immer noch einige Hoffnung gehegt, daß Sie, gerührt und erschüttert durch die eben so liebevolle als ernste Ermahnung Unsers Ordinariats vom 1. dieses Monats, die Ihnen varin gegebene achttägige Frist zu gewissenhaftem Nachdenken über Ihren gethanen Schritt benutzen uud zu besseren Gesinnungen zurückkehren würden. Wir mußten aber leider so^ wohl aus dem Inhalte, als aus dem Tone Ihres Anwertschrci- benö an unser Ordinariat vom 9. dieses Monats die Wahrnehmung machen, daß unsere Hoffnung grundlos war, indem Sie darin Ihren Austritt aus der katholischen Kirche wiederholt ausgesprochen haben. Hierdurch haben Sie sich aus der katholischen Kirche selbst ausgeschlossen, uud erklären Wir daher, daß Sie nach den kanoniscben Satzungen in die I^xeoinmunieatio, latss LvilwiitiuiZ, verfallen sind. In Beziehung auf Ihre weiteren Schritte müssen Wir Sie Ihrem eigenen Gewissen überlasse». « «- - Der Fürstbischof Melchior vollbrachte einen in unsern Augen bedeutungsvollen Act, indem er alc-bald nach seinem Regierungsantritte die zu Brcslau bestehenden weiblichen Kloster mit seinem Besuche erfreute. Zuerst, am 24. Jnli, besuchte er das Kloster der Ursulincrinnen. Nachdem derselbe, berichtet das Schlcsischc Kirchcnblatt, von der Frau Oberin Namens des ConvcnlS chrfurchtvollst und von den klemmen Mädchen der untersten Elcmentar-Schulclassc kindlich begrüßt worden, sangen an 600 im Nefectorüim versammelte Schülerinnen ein znm Empfang des Oberhirtcn gedichtetes Danklicd, von dessen Schlußversc derselbe Veranlassung nahm, in liebevollster Weise zu den kindlichen Hcrzm Worte der Belehrung und Mahnung zu sprechen, die gewiß einen gesegneten, bleibenden Eindruck zurückließen. Am 6. August darauf verherrlichte der Fürstbischof in demselben Kloster die Feier einer fünfzigjährigen Ordcnsproiession mit seiner Gegenwart. Er wurde' um 9 Uhr an der Klostcrpforte vom Convent und mehreren Priestern ehrfurchtvollst empfangen, wohnte dem Hochamte bei, sprach den Segen über die Jubilarin während der Litanei, betrat nach dem Schlüsse des I e Lizum den Hochaltar und sprach aus der Fülle seines reichen Gemüthes zur Jubelbraut Worte der Erbauung und Erhebung, die auf alle Anwesende» den tiefsten Eindruck machten. Er wies darauf hin, daß dieß Fest mit dem Feste der Verklärung des Herrn zusammcntrcffe und darin seine schönste Beziehung finde; daß die Jubelbraut, von Liebe zum Herrn geleitet, hier vor Zahren ihre Hütte aufgeschlagen nnd das Heil in Christo im stillen Frieden der Einsamkeit gefunden habe. Nach Beendigung dieser Jubelfeier suchte der Fürstbischof das Kloster der E lisa bc !h i n erin nen heim. Er wurde in der Klosterkirche von dem versammelten Convcnte der Jungfrauen erwartet und chrfurchtvollst empfange». Nachdcm die bei Ankunft eines Bifchvfö üblichen Gebete verrichtet worden, begrüßte der Fürstbischof am Hochaltar den Convent mir dem Gruße: „Der Friede sey mit Euch!" uud schloß daran herzliche Worte seiner Theilnahme für den Orden, der unserm göttlichen Heilande vorzüglich auf seinem Kreuzwege nachfolge und so scgeureich wirke. Nach Erthcilung des apostolischen Segens begab sich derselbe in das Nefectorium, wo !die Frau Oberm ihre Huldigung darbrachte und eine der geistlichen Schwestern ein Wcihgcdicht sprach. Der Obcrhirt erneuerte hier den Ausdruck seiner Theilnahme nnd huldvollsten Gewogenheit für diesen wohlthätigen Orden und besuchte dann die Wohnungen der Jungfrauen, die Apotheke und die Krankensäle, in deren größtem zwei arme kranke Kinder den allvcrehrten Kicchcnfürstcn, der auch hier als Vater unter seinen Kindern erschien, in einfachen Worten begrüßten, worauf derselbe nicht nur zu diesen Kindern, sondern auch zu allen Kranken sich wandte und zu Allen gcist und gcmüthvolic Worte der Belehrung, der Mahnung und des Trostes sprach, die, vom Herzen kommend, auch Aller Herzen tief ergriffen. Segnend und gesegnet schied er aus dieser Zufluchtstätte der Leiden. Polen. Bedrängnisse der katholischen Kirche. Die Nachrichten aus Pole», schreibt das Iournal deBru rclleS, werden von Tag zu Tag betrübender. Seit der Rückkehr des Kaisers nach St. Petersburg ist in diesem Lande eine Schaar von Beamten und Pspcn eingetroffen, welche den Auftrag haben, die vom Kaiser entworfenen Maaßregeln auszuführen. Die Popen legen bereits Hand an das Werk, sie durchziehen das Land, um die Bauern zur russisch-griechischen Religion zu bekehren. Eine gnte Zahl katholischer Pfarreien ist schon aufgehoben uud ihre Kirchen den Griechen zugewiesen. Die Ukase, welche den Psarrer» verbieten, außerhalb ihres Bezirkes die Sacramente zu spenden, und ihre Predigten einer vorgängigen Censur unterwerfen, werde» mit Strenge vollzogen. Ucbcrtrctung derselben hatdie Deportation nach Sibirien zur Folge. Die russischen Missionäre schämen sich auch der niedrigsten Ränke nicht, um die Polen griechisch zu machen, und wenn die In- trignc nicht ausreicht, nehmen sie zur Gewalt ihre Zuflucht und rufen militärische Hilfe an. Die Soldaten treiben die Bauern wie Heerden in die griechischen Kirchen, und dort werden sie in Masse in die Verzeichnisse der Gläubigen eingetragen. Die so bekehrten sind dann für immer von dem Schvoße der katholischen Kirche ausgeschlossen. Die russische Regierung weiß, daß die Religion eine unübcrsteigbare Scheidewand zwischen Nnßland und Polen anfgcrichtct hat und daß, so lange Pole» katholisch bleibt, ras Nationalgefühl in diesem Lande niemals ersticken werde. Kein Mittel wird verachtet, um jene Scheidewand niedcrtureisien. Vcraimvorrlichcr Redacteur: L. Schönchen. WerUgS - Inhaber: F. C. Kr cm er. L 5 ^»SS ' Mei/.^ d»5 Attgsbttvger n apostolischen Stuhl. Nach Münster zurückgekehrt, führte er ein stilles, zurückgezogenes Leben, um sich zum geistlichen Stande vorzubereiten. Am 22. Februar 1793 empfing er die heil. DiaconaiSweihc (die Subdiaconatswcihe hatte er bereits am 7. Juli 1791 empfangen) und wurvc am 1Z. Juli 1793 zu Rheinc, wo sich der damalige Wcihbischvf d'Alhaus gewöhnlich aufhielt, zum Priester gcwcihct. Mit inniger Andacht und hohem Ernste empfing er dieß heil. Sacrament, es nicht ahnend daß er berufen war dasselbe in der Folge so Vielen wieder zu spenden. Seine erste heil. Messe feierte er am folgenden Tage in der Capcllc des Schlosses Darfcld im Krcisc der Scinigcn. Die Zeit, wo Gott ihn zum Hirtcnamtc berufen wollte, kam bald. Im Jahre 1795 starb der Wcihbischof von Münster, Carl d'Alhaus, und zu seinem Nachfolger wählte der Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster, Erzherzog Maximilian Franz von Oesterreich, den durch Frömmigkeit und Tugend ausgezeichneten jungen Domherrn, Freiherr» Caspar Maximilian Droste. Papst PiuS VI. bestätigte den Gewählten, und gab ihm den Titel eines Bischofs von Jericho. Die feierliche Weihe wurde auf den 6. September 1795 festgesetzt; der Kurfürst selbst nahm die heil. Handlung vor, und ncihete außer dem Wcihbischofe von Münster den Freiherr» Ferdinand von Lüning und Carl von Gruben, jenen zum Fürstbischöfe des neu errichtete» Fürstbisthums Corvcy, diesen zum Bischöfe von Paros und Wcihbischofe von Osnabrück. Bei der Weihe assistirten die damals hier in der Verbannung lebenden französischen Bischöfe von Ltmoges und Seez. Die Feierlichkeit der Consccration dieser drei Bischöse ist, wie das Münstcr'sche Jntelligenzblatt vom 7. September berichtet, „mit großer Pracht und Ordnung in der hohen Domkirche vor sich gegangen, und der Anstand und die Würde, mit denen Se. Kur- fürstliche Durchlaucht diese Function vornahmen, allgemein bewun- Abschied von unsern Freunden aus Münster, welche wir in Sicilien j dert." Bei der heil. Handlung herrschte nach demselben Berichte, obgleich die Zahl derer, die derselben beiwohnten, außerordentlich groß war, die größte Ordnung und Stille. Die Bischöfe von Liining und von Gruben sind längst gestorben; Caspar Maximilian ist ein längeres Leben bcschicdcn zum Heile und zur Freude Vieler. Seine bischöflichen Amtöverrichtungen begann Caspar Maximilian einige Tage nach seiner Consccration in der Kirche der Johanniter- Cvinmendc zu Münster. Hier spendete er am 17. September das heil. Sacramcnt der Firmung und ertheilte am 19. die höhern Weihen, lim den würdigen Empfang des heil. Sacramentes der Firmung zu befördern, bearbeitete er gleich im folgenden Jahre eine Unterweisung darüber, und veröffentlichte diese mit einer rührenden und erbaulichen Vorrede an die Kinder. Während nm diese Zeit in Frankreich der schreckliche Revo- lntionskricg wüthete und alles Heilige mit Füßen getreten wurde, während dieser Orkan, von Westen herkommend, immer höher hinaufzog und in Deutschland bereits große Kricgsrüstungcn stattfanden, da war für einen kleinen Theil desselben, für das Münsterland eine schöne Zeit, eine Zeit der Blüthe gekommen. Des unsterblichen Fürstcnbcrgs großer Geist hatte hier ein neues, kräftiges Lebe» in alle Classen des Volkes gebracht, nnd im Lande die Wissenschaft auf eine damals seltene Höhe gehoben. Er hatte die weltliche und die geistliche Regierung in Händen und wirkte in beiden Beziehungen wahrhaft segensreich. Mit eben so vieler Umsicht und Klugheit, als Rastlosigkeit und Uncrmüdlichkcit suchte er den Wohlstand des durch Krieg und Unglücksfälle tief gesunkenen Landes zu heben, und Stadt und Land in jeder Weise zu verschönern; die größten Verdienste aber erwarb er sich durch die Verbesserung des niedern und höhern öffentlichen Unterrichts, welchen er auf eine so hohe Stufe erhob, daß er seine Zeit um etwa ein Jahrhundert überflügelte. Das Glück deö Landes, welches cr so in jeder Weise beförderte, spiegelte sich in dem Privatleben dieses großen Mannes wieder; es war das Leben des Gerechten voll Heiterkeit und Nnhc. Seine großartigen Bestrebungen sür Kunst und Wissenschaft wurden besonders unterstützt durch die eben so geistvolle als fromme Fürstin Amalic von Gal litzin, welche im Jahre 1779 nach Münster kam, um dort bloß für die Erziehung iyrcr Kinder zu leben. Ihr Haus, das jedem fremden große» Manne gastfreundlich offen stand, wurde der Sammelplatz ausgezeichneter Personen. Fürsteubcrg, der um unser Land so hochverdiente Overbcrg, Katerkamp, Kistcmaker u. m. a. versammelten sich täglich in den Abendstunden bei der Fürstin, um sich über Kunst und Wissenschaft zu unterhalten. An diesen Gesellschaften nahm auch der junge Bischof Caspar Maximilian mit seinen Vrüvcrn, den, jetzigen Erzbischof von Köln, Clemens August und dem am 25. Februar 182L verstorbenen Dvmcapi- tular Ficihcrrn Franz D roste Theil. Der Umgang mit diesen Männern, zu denen sich im Jahre 1800 auch der Graf Leopold Stolbcrg gesellte, bot unserm hochwürdigstcn Bischöfe die beste Gelegenheit dar, seine Kenntnisse in jeder Wissenschaft zu erweitern nnd seinen Geist durch die Klarheit und Fülle der Gedanken seiner Freunde zu bilden. Von Fiirstenberg selbst angeleitet, konnte cr in späterer Zeit, als cr zum Diöcesanbischosc berufen ward, um so besser dessen Schöpfungen erhalten und weiter fördern; und dieß hat cr stets gethan; cr wandelte auf dem Wege seines großen Freundes rnhig und geräuschlos fort, suchte den Ruhm, den die Münstcr'scbc Diöccsc durch die treffliche Einrichtung ihrer in der schönsten Harmonie mit der Kirche stehenden Schulen und durch ihre fromme und wissenschastlicl' gebildete Geistlichkeit erlangt hatic, zu erhalten und fester zu begründen. Die Zeit der großen Bewegung am Ende des vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts, die Zeit, wo in Deutschland eine kalte Alles läugncnde Philosophie sich immer mehr Geltung verschaffte, verlebte Caspar Maximilian in treuer Erfüllung der Pflichten seines hohen Amtes und im Kreise der genannten Freunde. Die Gefangennehmung des Papstes Pius VI. durch die Franzosen im Jahre 1798 und dessen Tod in der Gefangenschaft zu Valence machten auf ihn einen tiefen Eindruck, und ihm war die tranrige Ehre beschicken, am 8. November 1799 im Dome zu Münster für den Verstorbenen das feierliche Seelenamt zu halten. Doch hatte er bald die Freude, für die Wahl Pius VII. Gott zum Danke das heil. Meßopfer darbringen zu können. Noch eine Begebenheit kam hinzu, welche geeignet war die Münsterlcindcr, namentlich diejenigen, welche an der weltlichen und geistlichen Regierung des Landes bisher Theil genommen hatten, in dieser so sehr bewegten Zeit zu beunruhigen. Der Fürstbischof Maximilian Franz, welcher durch den französischen Rcvolutivnskrieg aus der Residenz Bonn verdrängt, seinen Wohnsitz zuerst nach Mcrgentheim und dann nach Wien verlegt hatte, war in der Nähe dieser Stadt auf dem Schlosse Herzendorf 1801 den 27. Juli am Schlagfluß gestorben. Die Nachricht kam am 4. August durch einen Courier nach Münster und verursachte hier eine allgemeine Bestürzung. „In der so trauervvllen Zeit," sagte der Gencral-Vicar von Für- stenbcrg in einer öffentlichen Ankündigung, „welche der größte Theil der Welt seit einigen Jahren erlebt hat, verschonte die göttliche Vorsicht dieses Hochstift mit den Drangsalen, nnter welchen so viele andere Länder geschmachtet haben. Sie hatte den in Gott ruhenden, weiland Durchlauchtigsten Kurfürsten Max Franz, unsern gnädigsten Fürsten und Herrn 'zu Ihrem Werkzeuge gewählt, um durch dessen Weisheit und Patriotismus den größten Theil der drohenden Gefahr von uns abzuwenden." Am 28. August wurde im Dome zu Münster von dem Weihbischofe unter Assistenz seiner beiden vorgenannten Brüder Franz und Clemens das feierliche Seelenamt gehalten. Das Domcapitel zu Münster, dasselbe welches von Gott an die Gränzscheide der alten und der neuen Ordnung der Dinge gestellt war, übernahm gleich nach erhaltener Todesnachricht die weltliche Regierung des Landes und ernannte Fiirstenberg zum Capitels-Bicar, um die Diöcese in geistlichen Dingen wie bisher zu regiere». Man glaubte einer Säkularisation des Hochstifts nur durch eine schleunige Wahl eines neuen Fürstbischofs entgehen zu können. Die Wahl wurde bereits am 9. September, nachdem zuvor der Wcihbischof Caspar Max, assi- stirt von seinen Brüdern die Heilige-Geist-Messe gehalten hatte, vorgenommen und fiel auf den Erzherzog Anton Victor, Bruder des Kaisers von Oesterreich, welcher sogleich als neuer LandcS- sürst feierlich verkündigt wurde. Der neugewähltc Fürst trat, wie bekannt, die Regierung nicht an, vielmehr hörte Münster am 3. August 1802 auf ein sclbsistcindiger Staat zu seyn. Indessen behielt das Münsterland seine geistige Eigenthümlichkeit; es behielt die vortrefflichen Fürsteuberg'schcn Institutionen, und blieb von dem frivolen Unglauben der Zeit unberührt. Caspar Maximilian und sein Bruder Clemens August, der auf Fürstenbergs Wunsch am 18. Januar 1807 zu dessen Coadjutor nnd am 9. Juli desselben Jahres, da Fiirstenberg wegen Altersschwäche sich gänzlich von den öffentlichen Geschäften losgesagt hatte, znm CapitclS-Vicar einstimmig vom Dvmcapitcl erwählt wurde, Ware» es, welche in dieser wichtigen UcbeigangSpcrivdc unter vielen und mannichfachcn Wcchjelfällcn des Krieges die Münstcr'sche Kirche viele Jahre hindurch regierten. (Fortsetzung folgt.) Die Macht des Glaubens und Gebetes. (Fortsetzung.) , lMULS NZWUi^.A? »MNI! (ttlü. !1ZMMs ->>M !>^!/l' Während Giovanna mitten im Fieber dalag, besuchte fie eine Trientinerin, Namens Afra, eine Schwester des dritten Ordens des heiligen FranciscuS wie sie ganz hineingezogen ins wunderbare Leben der christlichen Mystik. Ohne sich wechselseitig zu kennen, ohne ein Wort zu reden, fühlten sich beive Seelen blitzschnell in einander hinein, die verwandten Flammen fuhren sprühend auf, zusammcngluhcnd in cinö, sie fielen sich wechselseitig ans Herz, lachend, jubelnd voll Hcrzenolust, beider Angesicht wurde leuchtend, mit Hellem Glanz übergössen durch die plötzlich entbundene tiesinnerstc Seelenkraft. Vencria Simoncini und alle Gegenwärtigen wurden unwillkürlich hineingcschlürft ins Flammenmeer heiliger Liebe, sie fingen ebenfalls zu lachen und zu frohlocken an, und unaussprechlich süße Thränen mischten sich in den Jubel der aufgeregtesten Herzen. Afra starb bald darauf, mit Givvauna im Geisterbunde verharrend, im Himmel vermittelnd, was diese auf Erden für den Erlöser wirkte. Die Kranke erhob sich auf einmal völlig gesund, und ging mit der größten Uncrschrockenheit ans Werk. Sie selbst bat in eigener Person die angesehensten Fraucu von Tricnt zusammen, begeisterte sie in kühner Rede zur Stiftung eines FrauenvcreinS, und wußte vom Fürstbischöfe sogleich die Erlaubniß dazu zu erwirken. Ein Domherr ließ sich auf ihre ihm ganz unerwartete Bitte herbei, die Oberleitung zu übernehmen, und am nächsten Sonntag eröffnete Giovanna denselben in erster feierlicher Versammlung in einer kleinen Kirche der Stadt. Sie blieb fortan mit demselben in unaufhörlicher Verbindung, brieflich, mündlich anmahnend zur That für JesuS, und stiftete dadurch unendlichen Segen besonders in den höhcrn Kreisen der Gesellschaft. Denn die edelsten Frauen aus den Geschlechtern Madruz, Wollenstem, Spaur. Thunn und andern waren durch den übermächtigen Geist der Jungfrau vereint worden zur Verbreitung ächtchristlicher Frömmigkeit trotz alles WiverstrebcnS feindseliger Ansicht. Während dieser Bemühungen zur Steuer der Andacht und Gottesfurcht wurde sie mit drei Personen bekannt, durch deren Einfluß sie ihre ftgenrcichcn Wirkungen bis ins Herz von Deutschland und Italien ausbreitete, und für die Ncchtgläu- bigkcit Tirols den entscheidendsten Einfluß in die Schaalc des dreißigjährigen Krieges legte. Die erste derselben war die Gräsin Sibylla von Lvdron, eine geborne Fugger aus dem berühmten Geschlechte der Fugger zu Augsburg. Sie hatte ln zarter Jugend den Grafen Maximilian von Lvdron gehcirathct, seßhaft auf seinem Schlosse in Villa Lagarina auf dem sanften Bergabhangc, Rove- rcdo gegenüber, eine überaus feingewobene Seele von der empfindlichsten Durchsichtigkeit des Gewissens und vollendeter Durchbildung in der Schule geheimer Leiven, die am schwersten auf das Men- schenhcrz drücken, weil die Abhilfe eben so selten als das Mitleid schwer zur Theilnahme zu bewegen ist. Eine Tochter Georgs Fug- gcr, der sich in Trient angesiedelt hatte, wäre sie nach der Wahl ihres Herzens gern in eine heilige Einsamkeit zurückgetreten, mußte jedoch auf den Befehl ihrer Eltern im Jahre 1602 sich vcrchc- liche». Der äußere Glanz bot wenig Entschädigung für daö innere Unglück ihres Hauses und Verhältnisses. Mit der Gluth heiliger Andacht fügte sie sich ins Unvermeidliche, und lebte 32 Jahre im Ehestande, kinderlos, geopfert ihrem Gott in allerlei Leiv uud Drangsal. Als ihr Gemahl nach zweijähriger Krankheit im Jahre 4635 starb, setzte er sie zur Erbin aller seiner Güter ein. Dadurch zwar im Besitze eines ansehnlichen Vermögens, aber von ihren nächsten Anverwandten aus Aerger über den letzten Willen ihres Gemahls aus dem bisher bewohnten, lchcnSsähigcn Schlosse schimpflich hinausgestoßen, war sie in die weite Welt gewiesen ohne Liebe und Theilnahme, geneckt in ihren Gefallen und Einkünften, und innerlich dnrch die Angst ihres unbchilflichen, über- zarten Gemüthszustandes gequält. In dieser Lage wurde sie auf einmal mit Giovanna persönlich bekannt, fand an ihr reichlich, was ihr abging, und schloß sich ganz au ihre unerschütterliche Selbständigkeit an. Allen Aussichten ans eine zweite Ehe entsagend, widmete sie sich ganz dem Gebete und der Wohlthätigkeit, und entschloß sich, aus ihrem Vermögen ein Clansscnklostcr zu Rovcredo zu stiften. Giovanna faßte nicht ohne vielfache Anfechtung von innen und außen den Entschluß, selbst in dasselbe einzutreten, und an der Spitze heiliger Jungfrauen die Fülle der Andacht und Frömmigkeit auS diesem Mittclpuncte zartester Reinheit überallhin zu verbreiten. Die ungeheuren Widerstandskräfte wurden mit ungebrochenem Muthe überwunden, das Ztlostcr eröffnet nach ihrer eigenen geschärften Regel, und sie selbst nach dem Verlaufe der ersten Jahre zur Aebtissin erwählt. Sibvlla trat als Drittordensschwestcr in dasselbe ein, um zum Wohlthu» noch stets freie Hand zu haben, als Vermittlerin im Weltverkehre eine stets sehr erwünschte Stütze der Aebtissin, besonders durch ihre Fertigkeit in der deutschen Sprache und die Bekanntschaft mit den deutschen Verhältnissen eine fast nothwendige Ergänzung derselben zur Vermittlung der italienischen GlaubcnSströmung inö deulsche Volksleben. Durch diese Absonderung halte Giovanna scheinbar sich alle Wirkungsfähigkeit für die Welt abgeschnitten, wegen dieses Schrittes selbst von ihren Freunden bitter getadelt, ja von ihrer eigenen thatkräftigen Natur fast mit Gewalt zurückgedrängt in die frühere Bewegungsfreiheit. Aber was in den Augen der Welt Thorheit war, erwies sich auf dem Wege der Gnade als die rechte Weihe der Kraft für die gottgcvpfcrtc Jungfrau. Mit dem Schleier ihres einsamstillcn KlostcrlebenS trat sie erst auf die entscheidende Höhe der Weltgeschichte als mißkannte Springfeder der meisten Begebnisse ihrer Zeit im Sinne der katholischen Kirche. Die eingezogene Klosterzelle steigerte ihr himmlisches Licbcelcbcn auf den höchsten Grad der Einigung mit Gott, aus ihm sog sie göttliche Weisheit für die Angelegenheiten dieser Erde, lichten Einblick in das Uhrwerk des großen WcllkampfcS, im Geiste nulle- bend, mitfühlend den stürmenden Puls der Zeit. Das für menschliche Beschränktheit Unheimliche in ihr erhielt eine furchtbare Kraft, denn ihre Wirkungen ins Weite führten die katholischen Streiter blind in den Sieg, und lenkten mit Obmacht die Rathschläge der Könige. Hier ergoß sich ihr mächtiger Geist zuerst in den berühmten Mattia Galasso, unter dem Namen GaltaS allen Lesern der Geschichte des dreißigjährigen Krieges wohlbekannt, mit Stolz beizuzählen den begabtesten Männern, welche Tirol in den heiligen Streit gesandt. (Schluß folgt.) Deutschland. 5 Von der Altmühl. Vom 17. bis )^3. August vc>. sammelten sich abermals aus dem Klerus der Diöccsc Eichstädt 75 Priester zur Abhaltung geistlicher Uebungen oder Exercitien zu Hirschberg bei BcilngrieS. Welchen großen höchst segenoieichcn Einfluß für Geist und Herz dieselben übten, zeigen die Worte des Dankes, welche Einer auS ihrer Mitte auf Ersuche» seiner Mit- brnder an den hochwmdigstcn Herrn Bischof, Carl August Grafen von Ncisach, der zum Schlüsse der Uebungen hergekommen war, richtete, und die also lauteten: „H ochwürdigstcr Herr Bischof! Wcnn der Tag sich geneigt und Abendruhc sich über Berg und Thal auögegossen, in den weiten Räumen dieses Schlosses nächtliches Dunkel eingetreten, dann ertönte aus der erleuchteten Capelle ein ernster heiliger Gesang, der da von des Berges Höhe weit in die Thäler hinschwebte, »nv diejenigen, die ihn horten, wundersam ergriff und zur frommen Andacht stimmte. Und wer waren sie, welche diesen feierlich ernsten Gesang anstimmten? Büßer waren cS, welche bei den Füßen Jesu Christi des Gekreuzigten ihre Sündcnschulv erkannten und vor dem Allcrheiligstc» hingesunken im Geiste und in der Wahrheit sangen: „Ui^rvre moi vvus secuncium mognam mikei'ic.'ai-cü-xn limm," welche im Gefühle herzlicher und inniger Reue bekannten: „l'ilii soli s>eeoavi et >n»Iuin cormn t» seci." ^) Ix,' gesündigct hatten wir gegen Gott, als unsern besten und licbvollsteii Vater, gesündigct hatten wir gegen Gott unsern Erlöser, unsern Hohenpriester, der doch uns zu seinen Priestern erwählte; gcsiindigct hatten wir gegen Gott den heiligen Geist, den wir betrübet, vcr doch die heilige Pricsterwürdc unS auf die Stirne unauslöschlich gezeichnet: und darum nun tönte dieser hei' ligc und ernste Gesang in die Stille der Nacht hinaus; der Geist dcr Buszc wurde in uns selbst erweckt und erprobt, um vann auch nachhaltig ihn in den Herzen der nns anvertrauten Seelen erwecken und erhalten zu können. Gleichwie die Sonne ihre erleuchtenden und erwärmenden Strahlen aussendete im Frühjahre aus dem erstarrenden Winterschlafs der Saaten freundliches Grün hervorlocket, im Sommer mit sengendem Glänze die Aehre und die Traube reiset; so ist es auch die Liebe unserer heiligen, katholischen Mut- terlirchc, die stets sorgsam bemühet ist, vaS geistige Leben ihrer Priester da, wo es erkalten will, neu zu erwärmen und zu beleben, und sie für Gewinnung der Seelen, fürs Reich Gottes erglühen zu machen. Ihr Strahl der Liebe lockte die geistigen Blumen fürs gcistigc Leben an den Höhen des Libanon, auf dem Nonlo (^U8ii,0 und in der ThcbaiS hervor, und es war dem tiefen und hohen Geiste des heil. IgnatiuS vorbehalten jene geistigen, zerstreut blühenden Blumen des pricsterlichen Lebens zu einem Strauße zusammenzufassen, der durch seine Farbenpracht wie durch seinen süßen aromatischen Duft gleich herrlich ist; und dieser geistliche Strauß warv nun auch uns gewunden. „Hingewiesen wurden wir auf unsere Bestimmung. Ja, Gott hat unS erschaffen mit Geist und Körper, um ihn zu lieben und zu verherrlichen; lcivcr aber daß dieses der Mensch nicht will, ja er trotzt der Majestät Gottes und spricht: „ich will Dir nicht gehorchen/ — und somit ist die Todsünde begangen. Und diese Beleidigung der göttlichen Majestät muß mit der Hölle bestraft werden. Doch nicht bleibt der Mensch auf ewig mit den gefallenen Engeln verdammt, die ewige Liebe erbarmte sich seiner, denn er fiel nicht aus eigener Schuld wie die verworfenen Engel, sondern durch Verführung, — und drei Blnmeu werden ihm gereicht, der Tod, das Gericht und die Hölle, auf daß er in sich gehe. Ja, der Tod trat in seiner fahlen Bleifarbe, im kalten, klebenden Lcrwesungsschwcißc vor unsere Augen und mahnte uns: Priester du mußt sterbe»! Doch das wann, wie und wo ist uns verhüllet. Hingestellt sahen wir uns vor den Nichterstuhl Gottes, um gewogen zu werden auf der unbestechlichen und untrüglichen Waage „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Bannhcrjigkeit," Psalm SV. '1 „Dir allein h^bc ich gesiindiget und BöseZ vor dir gethan," Ps, 50, 5. der göttlichen Gerechtigkeit^ und unser Herz erbebte. Mit der hl. Theresia und Brigitte, haben wir endlich hinabgcschaut in jenen ewigen Feucrpfuhl, wo immer und immer die Qualen dauern, und nimmer und nimmer das Feuer erlischt und nimmer der Wurm erstirbt; ja, mit Entsetzen und mit Grausen haben wir da erschaut Priester verdammt, wie sie die Verfluchungen nnd den höllischen Spott zu ertragen haben, wie ihre Seele und ihr Leib vom Feuer durchglühet brennen, und der Fluch Gottes und das unauslöschliche Priestermahl an ihre Stirne gebrannt ist. — Und es klang wie Aeolsharfcn, und der Blick wendete von der schauerlichen Tiefe sich nach oben, und eine Stimme rief uns zu: O mein Jünger, was habe ich dir gethan, daß Du Böses vor meinen Augen thun konntest?! Es war dieses die Stimme Jesu Christi vom Kreuze herab, der sprach: Mci» Jünger, was habe ich, dein Herr und Meister, dir denn gethan daß du mich beleidigest mit Stolz und Hvffart, da doch mein Haupt mit Dörnern gekrönt ist; was habe ich dir gethan, daß du verschließest dein Herz, wo ich doch mein Herz aus. Liebe für dich öffnen ließ; was habe ich dir gethan, daß du mißbrauchest deinen Körper zur Sünde, da mein Körper für deine Erlösung ans Kreuz geheftet ist? — Und niedersanken wir vor unserm gekreuzigte» Heilande und beteten: „O! sverto laoiem iu»m a peecslis nostris, et omnes micimlaws nostrss cldv;" ja mit Eine»! Herzen und mit Einen: Munde riefen wir: O Herr! wende hinweg dein heiliges Angesicht vou unsern Sünden, tilge unsere Sündcnschulv; erschaff in mir ein neues Herz, einen neuen Geist! — Die Liebe und Erbarmnng des gekreuzigten Heilandes erhörte uns. Wir reinigten im heil. Sacramcnte der Buße durch eine Lebensbeichte unsere Seelen vom Sündcnauösatzc, und der Vater nahm uns auf, wie der Vater den Verlornen Sohn, — der göttliche Sohn als seine lieben Jünger und der heil. Geist als viclbkgnadigtc Priester. Im G-suhle der uns gewordenen Gnade erneuerten wir nun zu den Füßen Jesu unsere Vorsätze: das Brevier stets «lovoto und altente zu beten, das heil. Meßopfer mit heiliger Ehrfurcht, mit Andacht und Aufcrbauung zu entrichten, nach unserm hohen Vorbilde des göttlichen Heilandes gute Hirten und Seelsorger zu seyn, die Guten auf ihrem Wege zu erhalten und die Verirrten aufzu- suchen und zur Hecrde heimzubringen; unsern Geist und Eifer zu beleben durch Meditation und geistliche Lcctürc, dagegen aber auch zu vermeiden den Besuch von Gasthäusern und derjenigen Orte uud Gelegenheiten, wo der priesterlichen Würde und der pricsterlichen Reinigkeit Gefahr drohen könnte. Und was wir da Alles zu den Füßen Jesu des Gekreuzigten gelobt haben, — heilige Gewissenspflicht soll es uns seyn, unser Gclöbniß auch treu zu halten. — „Und wem danken wir nun zunächst diese erlangten Gnaden und Segnungen? Ihnen, hochwürdigster Herr Bischof! Sie haben in Ihrer Liebe und väterlichen Sorge uns diese Exercitien bereitet, durch die wir mit Gott ausgesöhnt zu unsern Gemeinden ncugestärkt heimkehren, — und auf Ersuchen und im Namen meiner theuren hochwttrdigcn Herrn Mitbrüder bringe ich Euer hochbischöflichen Gnaden unsern gemeinsamen, tiefgefühltesten und herzlichsten Dank dar: doch nicht allein mit Worten wollen wir danken, sondern durch Thaten als treue Hirten uns bewähren, wozu ich Euere hochbischöflichc Gnaden für uns Alle um Ihren Segen bitte." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Krem er. ? ^ ^^aSS - Mei/., d»r Augsvurger Zweite Jahreshälfte. M SS l^t Postzeitttng. S8. Sept. R845 Aus dem Leben des hochwurdigsten Bischofs von Münster, Caspar Maximilian, Neichsfreiherrn Droste zu V i scherin g. (Fortsetzung.) Caspar Maximilian nahm während dieser vcrhä'ngnißvollcn Zeit die bischöflichen Verrichtungen nicht allein für die Diöccsc Münster, sondern auch iür die Katholiken in Holland, und als 181V der Wcihbischof von Köln, Clemens Angnst, Freiherr von Mcrle, Bischof von Bethseida, starb, auch siir die Erzdiöccse und einen Theil von Belgien mit großer Aufopferung und apostolischem Eifer wahr; und hat außer für die genannten Districte auch für die Diöccscn Noucn in Frankreich und Osnabrück die heiligen Ocle am Grü> cndonncrstage und aus dieser und der Diöccse Trier mehr als einmal im Dome zu Münster die Priester gcwcihct. Dazu war er seit 180») Archiriaconus von WinterSwick, nnd hatte in dieser Eigenschaft die geistliche Gerichtsbarkeit über die Kirchspiele Borken, Hcydcn, Ram-dorf, Nacsfcld, Recken, Weseke, Vclen, Geschcr, Schcrmbeck und Erle im Amte AHaus; über Dingdcn im Amte Nocholt; ühcr Holtwick und Ostcrwick im Amte Horstmar; über das ganze Amt Rhcinc-Bcvergcrn; über Hcrbcrn im Amte Wcrnc, nnd über Altcnbcrgc, Grcvcn, Hembcrgen, Nordwalde, Rinkcnrodde und Sendnihorst im Amte Wolbeck. Er verwaltete dieses Archidiaconat, bis die Circnmscriptions-Bulle über die preußischen Diöccscn vom 16. Juli 1821 sämmtliche hier bestehenden Archioiaconatc aufhob. Unterdessen waren nach der Säcularisation des Hochstifts die politischen und kirchlichen Verhältnisse. immer trüber geworden; Napoleon hatte sich zum Alleinherrscher von Frankreich gemacht, Italien und einen großen Theil von Deutschland unter seine Herrschast gebracht und den Papst, der sich seinen gewaltthätigc» Handlungen standhaft widersetzte, am 5. Juli 1809 in strenge Gefangenschaft bringen lassen. Viele Bisthümcr waren in dem neu gebildeten weiten französischen Reiche erledigt, der ganze kirchliche Organismus gehemmt. Napoleon erkannte, daß sein Reich so nicht bestehen konnte, aber er wollte nicht den von JesuS Christus bestimmten Weg gehen, sondern mit frevelndem Mulhe seinem eigenen Wille» folgen. Als der Papst seinen ungerechten Forderungen anch in der Gefangenschaft mit heroischer Standhaft tigkcit widerstand, und bei allen seinen Drohungen nach Jesu Lehre kein Zeichen der Entmuthigung und Schwäche kund gab, sondern festhielt an den göttlichen Gesetzen, da glaubte er durch eine zahlreiche Versammlung von Bischöfen seinen Willen durchsetzen zu können. Er berief zu dem Ende alle Bischöfe seines Reiches, so fern solche nicht in den Gefängnisse» bewacht wurden, auf den 9. Juni 1811 nach Paris. Es erschienen 104 Prälaten, nntcr ihnen auch der Wcihbischof von Münster, nnd eröffneten am 17. Juni mit einem großen äußerlichen Glänze die Versammlung. Die Abänderung der bestehenden Kirchendisciplin rück- sichtlich der Bestätigung und Institution der Bischöfe war die Hauptaufgabe dieses sogenannten Conciliums. Man hattc schon mchrcre Berathungen gehalten, und sich am 26. Juni versammelt, um den Entwurf einer Adresse an den Kaiser, der den sämmtlichen Bischöfen am 39. eine Audienz geben wollte, zu prüfen. Als diese verlesen und besprochen war, da erklärte freimüthig der Bischof von Jericho: „er vermisse in der Adresse dasjenige, womit daö Concilium den Anfang machen müsse. Er glaube nämlich, daß es die Pflicht der Bischöfe sey, die feierliche Audienz, welche der Kaiser dem Concilium ertheilen wolle, und welche vielleicht die Einzige sey, die das Concilium als solches haben werde, sogleich zu benutzen, den Kaiser ganz ausdrücklich und dringcndst zu bitten, daß der Pcipst in völlige Freiheit gesetzt werden möge. Geschähe dieses nicht sogleich bei der Audienz und würde dieser Augenblick versäumt, so würde sich vielleicht späterhin keine so günstige Gelegenheit wieder darbieten." Dieser Antrag wurde sogleich von vielen Bischöfen unterstützt; fand jedoch auch leider von einige» heftigen Widerspruch, aber er war Veranlassung einer engern Verbindung der gulgcsinntcn Bischöfe niit dem Oberhaupte, vielleicht auch, daß die angesagte Audienz nicht statt fand. Es war durch diesen von Vielen unterstützten Antrag, gesprochen im Augenblicke, da die StaatSgcfäng- nissc mit Geistlichen angefüllt wnrdcn, die ganze Versammlung auf ihre Stellung und Aufgabe hingewiesen, und die Mehrzahl der versammelten Prälaten setzte» von jetzt an den ungerechten kirchcn- widrigcn Eingriffen und Forderungen einer sonst unwiderstehlichen Gewalt einen unerschütterlichen Mnth entgegen. Napoleon erreichte seine Absicht nicht; man erklärte sich für incompctcnt, die Kirchen- diSciplin abzuändern. So waren die Plane des stolzen Herrschers l vanna unter Ferdinand III., dem Sohne des Kaisers, der eigent- cm wehrlosen aber vom Geiste der Kirche durchdrungenen Männern gescheitert; zum ersten Male besiegt, ließ er das Concilium am 2. Octobcr auflösen. Es wird dieses in der Kirchengeschichte niemals einen Namen erhalten, aber ein schönes Denkmal der apostolischen bleiben. Caspar liche Führer des kaiserlichen Heeres, und dadurch das gottgesegnete Werkzeug, die Geistcrschiacht Der tirolischen Beter gegen den Protestantismus mit den vereinten Mitteln der Kaiscrmacht zu unterstützen, ganz nach dcn Ansichten und Ueberzeugungen, die sich in Gesinnung vieler der dabei versammelten Prälaten!den frommen Gemüthern festgesetzt hatten. Begeistert von dem ! feurigen Zureden seiner fernen Freundin und Landsmännin, die nach j ihm gewissen Sieg prophezeite, wagte er im Jahre 1634 die ent Maximilian kehrte am 12. Octobcr 18 ll Münster znrück und erhielt später von Pius VII., nachdem dieser im Triumphe nach Rom zurückgekehrt war, ein Brevc vom 17. August 1814, worin er seinen unerschrockenen apostolischen Sinn und seine Anhänglichkeit an den Stellvertreter Christi auf Erden rühmlichst erwähnte. (Schluß folgt.) Die Macht des Glaubens und Gebetes. (Fortsetzung.) GallaS stammte aus Judicarien und bestimmte sich als Jüngling für die militärische Laufbahn, zog über die Alpen ohne anvcrcs Gepäck als seinen unverwüstlichen katholischen Sinn, der ihn unbeschwert zum muthigstcn Kämpfer für die katholische Sache machte. Er diente zuerst unter Tillv der katholischen Ligue, später im kaiserlichen Heere ansangS in Flandern, hernach in Italien und Deutschland, und schwang sich durch Geist, Gewandtheit und Heldenmut!) zu den höchsten HccrcSwürden empor. Die fliegende Eile von einem Orte zum andern, der Muth mit geringer Mannschaft eine weit überlegene Macht plötzlich anzufallen und zu schlagen, die Kunst, sich in kürzester Zeit mit Umsicht unangreislich zu verschanzen, waren seine drei vorzüglichsten Eigenschaften, und dadurch stieg er zum kaiserlichen General-Feldmarschall-Lieutcnant auf, für seine großen Dienste mit Ansehen und Reichthum kaiserlich belohnt. Mitten in diesem ehrenvollen Gewühl von Kampf und Sieg dachte er mit der Zärtlichkeit der ersten Liebe an seine Hci- math Tirol, mit der kindlichfrömmftcn Gesinnung hangend am katholischen Glanbcn, thcilnehmend an der glühend erwachten Andacht seiner Heimalhgebirge, nur von dieser Gottesbcgristerung der Gemüther Sieg für den Kaiser, Heil für das Vaterland erwartend. Seine erste Gemahlin war Jsabclla, eine Tochter des Grafen Sigmnnd von Arco, die ihm keine Erben gebar. Als er sich gegen das Jahr 1622 mit dnn Edclfräulein Dorothea Anna vcrheirathctc, einer Tochter Philipps von Lodron, wurde er mit der Giovanna näher bekannt, die damals in der Blüthe von zwanzig Jahren stand. Er knüpfte mit ihr jenen wnndersamen Geisterbnnd, der sich aus den Gebirgen Tirols leitend und ordnend ins Hccrgcwühl nach Böhmen bis an die Ostsee schlang, und alle seine Schritte mit gchcimnißooller Gottcsmacht leitete. Er stand unaufhörlich mit ihrem Beichtvater in Verbindung, und scheivende -Schlacht bei Nördlingcn gegen die Schweden, die unter Bernard von Weimar und Gustav Horn heranrückten, er stlbst glühend wie ein Jüngling in den Flammen der GvttcSbewcqung aus Tirol, getragen durch die mächtigen Schwingen des entzückten Gebetes, mit einem Kreuze auf der Brust, das ihm Giovanna als Unterpfand des Sieges geschickt, ein anderes Kreuz ebenfalls von ihr seinen Vorposten voraus, fast zu persönlich kühn, weil fortgerissen von der Sicgeöfreudigkcit, die ihm aus den tridcutini- sehen Alpen zugeflossen. Das Heer der Feinde wurde gesprengt, viele Officiere ersten und zweiten Ranges lagen todt auf dem Schlachtfcldc, andere wurden gefangen, Horn selbst verwundet, Bernard von Wcimar entging mit genauer Noth der Gefangenschaft. Durch diesen unerwarteten Schlag war das erstemal der Siegesstolz der Schweden auf deutscher Erde vernichtet, die Ucbcr- macht der Protestanten gebrochen, und ungeachtet der Krieg noch viele Jahre fortwüthcte, war die tödtliche Wunde bet Nördlingcn doch nicht mehr zu heilen. Die Gegner fühlten selbst am tiefsten die Wichtigkeit dieser Niederlage, und bis auf dcn heutigen Tag ist der Haß gegen GallaS nicht erstorben. Er stiftete im Einverständnisse mit seiner hellsehenden Freundin das Karmeliterkloster in Trient auf dem Nordsonncnabhange über der Stadt als dankendes- Siegeszeichen für die GottcShilfe aus Tirol. Das Denkmal ist gefallen wie so viele andere in Tirol im Sturme des antikathvlischen Princips, aber in den Augen kundiger GeschichtSfrcunde singen die Ostcrkränzc von tausend Pfirsichbäumen noch alljährlich von den schönen Hügeln herunter von GallaS und seinem Siege, vom Uebcrgewichtc der katholischen Sache durch die aus Gott geschöpfte Glaubenskcaft der Tiroler. Von diesem Zeitpuncte an änderte sich der Zustand der Giovanna auf einmal. Sie wurde ein wundersames Wesen, ihre vorige Schlachtenfreudigkeir war verschwunden, das Gräuclbild des dreißigjährigen Krieges zog mit tövllichen Pcincn in ihre Seele ein, mit dcm Klagegcwinsel der Sterbenden, mit dem erstorbcnen Wuthblick der Todten, mit dcm unseligen Röcheln trostloser Ketzer. Furchtbare Schmerzen zuckten durch ihren Leib, erstickende Trostlosigkeit durch ihre Seele, ihr Hcrz schien sich zu spalten in strömender Thränenfluth über das Unheil eines Krieges ohne Menschlichkeit, ohne Schonung des deutschen VluteS in deutscher Brüderschlacht. Sie sah in diesem KricgSabscheu eincS TageS die Hölle angefüllt mit Verdammten aus deutschen und italienischen Schlacht- bediente sich in seinen Briefen einer eigenen Chiffer zur Unter-^ fcldern, unv ächzte in tiefer Angst: „Das sind die Blutfrüchte schrift, um dic Quelle seiner Schlachtplätte und seines ganzen Ver- aus Deutschland und Italien! Seelen, erlöst durch Christi Blut, Haltens sorgsamst zu verdecken. Als WallcnstcinS Benehmen immer bedenklicher wurde, fragte er Giovanna um Rath, was er in dieser räthsclhaften Lage der Sachen thun solle. Sie antwortete schnell: „Wallcnstcin ist ein Verrcithcr an dcn Katholiken, und crkaust mit dem übcrschwänglichen Preise seiner Todesangst gehen jämmerlich verloren im liebclvscn Mordgewühle. Die gegenwärtigen Zeiten sind schlechter als die ersten Zeiten der Kirche im Hcidenthum und in heidnischer Blutgewalt. Damals tödtcten un- diescm Verrathe wird er zum Opfer fallen!" Auf ihr Anrathen ^ zählige Tyrannen dic heiligen Blutzeugen, diesen die Thore des machte er jenen frühzeitigen, gchcimnißoollcn Rückzug aus der Paradieses öffnend, sich selbst dcn Schlund des Verderbens. Aber nächster: Umgebung seines Oberfcldherrn, und rettete durch seine Umsicht dcn Kaiser und die Kampfchrc der katholischen Schlacht- luch. Er wurde dafür genau nach dcn VorauSsagungen der Gjodle jetzigen Tyrannen sind grausamer, sie verspritzen das Blut der Christen, und senden sie schaarenweise in die Hölle, verdammt ihnen nachzufahren, wenn sie nicht Frieden stiften I" Mit zermal- mender Gewalt schrieb sie an Gallas: „Friede! und wieder Friede! Jetzt ist die günstigste Zeit ihn abzuschließen, weiteres Blutvergießen bringt uns Katholiken keinen Vortheil!" Als man ihr einwendete, selbst Rom wolle den Frieden nicht, und rathe zum Verfolge des Sieges, gab sie mit furchtbarer Ergriffenheit ihres Gemüthes zur Antwort: „Der Kaiser hat Sieg gewonnen durch das Gebet der Gläubigen, daß er Frieden stifte, und wirkt Nvm zum Frieden nicht mit, wird es überschwemmt werden mit Blut!" Alle Glaubensmänner im Kaiserhecre und an den Gränzen der Schlachtlinie, mit denen sie in Verbindung stand, erhielten den Auftrag, mit aller Macht für den Frieden zu arbeiten. „Mit dem glühenden Herzen der allerseligstcn Jungfrau Maria," rief sie aus, .mit dem Feuereifer der Erzengel werfe ich mich ans Herz meines Gottes, bittend und flehend, daß er dem Kaiser Frieden schaffe!" Der Frieden kam leider nicht zu Stande, aber die erschütternden Vorauösagungen der italienischen Klvsterjungfrau, die mit den deutschen Zuständen ganz und gar unbekannt war, gingen wörtlicher in Erfüllung als für die katholische Sache zu wünschen gewesen wäre. Ueber zehn Jahre raste der Krieg mit Mord und Verheerung in Deutschland ohne entscheidenden Erfolg auf beiden Seiten, ohne daß sich der Siegesflug der Katholiken jemals wieder auf die Lichthöhe von Nordlingen erhoben hätte. Gallas Stern selbst erblaßte. Sein unglücklicher Zug an die Ostsee, gegen den Rath der Giovanna unternommen, gefährdete selbst den Glanz seiner glorreichsten Tage. Die einsam trauernde Freundin, in unaufhörlichen Gluthschmerzcn für das Heil der Kirche, konnte ihn nicht mehr sehen auf einem Felde, dem Gott nicht mehr günstig war, in Waffen, die ihn durch Gottes Geschick nicht mehr tragen konnten zum Siege im Sinne der gläubigen Beter in Tirol. Sie rief ihn zurück, und befahl ihm den Rest seiner Tage in Trient zuzubringen. Durch seine Räthe zum Frieden werde er dem Kaiser noch immer nützen können, fügte sie bedeutsam bei. Gallas gehorchte, und wanderte gegen das Jahr 1646 in seine Heimath zurück, durch seine herzinnige, in so vielen Schlachten bewährte Frömmigkeit alle seine LandSlcute erbauend, bis zu seinem Athemzuge der lutherischen Irrlehre tövtlich abhold. Er erzählte mit Zufriedenheit, nie habe er in seinem Leben eine Kirche dieser Sccte betreten, nie einer Predigt derselben beigewohnt. Er ließ sich zu seiner Grabesruhe die prächtige Cavelle in der St. PctcrS- vfarrkirchc zu Trient erbauen, wo die Gebeine des heiligen Knaben Simonin ruhen. Aber nicht lange genoß er die wohlverdiente Stille seiner Zurückgezogcnheit; Ferdinand 111., mächtig erregt durch de» hellsehenden Geist der Giovanna, von ihr mit einem geweihten Kreuze beschenkt, und unaufhörlich zum Frieden bestürmt, rief ihn nach Wien, um seine klugen Rathschläge für den glücklichen FriedcnSabschluß zu benützen. Daselbst starb er am Stein am 26. Mai 1647 im 62sten Jahre seines Lebens mit der herzlichsten Andacht, der längsten und süßesten Gewohnheit seines Lebens. Seine Gemahlin brachte seinen Leib nach Trient zurück und setzte ihn bei in der eben genannten Cavelle mit einem bci- gestifieten Cavlan. (Schluß folgt.) Die Feier der Cngelweihe in Einsiedeln. Der Pilger von Einsiedeln bringt hierüber einen längern Bericht, dem wir Nachstehendes entnehmen: Dort bei dem schönen Marmorbrunnen mit den vierzehn Röhren sammeln sich die Schaaren einen Augenblick. Wohl haben Manche vier, fünf und noch mehr Tagreisen zurückgelegt; aber siehe da, wie verschwunden ist auf einmal die Müdigkeit, des wunden Fußes wird nicht mehr geachtet, und entblößten Hauptes wallen Greise, Männer, Jünglinge und Knaben auf der einen, die Frauen und Töchter aus der andern Seite der breiten, schön- gcsäuberten Kirchcnsticgc processionsweise hinan zum Hause des Herrn, zum Heiligthume seiner jungfräulichen Mutter. Es ist drei Uhr Nachmittags (13. Sept.); so eben beginnt die Ponti- fical vesper, gehalten von dem päpstlichen Nuntius, Mvnsignor HieronymuS d'Andrca, Bischof von Mclitcne. Kaum hatten die letzten Töne des so schönen „Salve Regina" verklungen, als der Hochwürvige Herr P. Joachim Bachmann von Mcnzingcn, Stifts-Capitular und gegenwärtig Pfarrer von Frcicnbach, die Kanzel betrat und die EröffnungSpredigt hielt; in gemüthlicher, der Feier entsprechender Rede sprach er über die Worte der seligsten Jungfrau: „Großes hat an mir gethan, der da mächtig und dessen Name heilig ist." (Luk. 1, 49.) Im ersten Theile seines Bortragcs: Wer ist Maria? schilderte der Hochwürdige Redner die Größe und Glorie der Himmelskönigin; im zweiten: Was ist Maria dem Pilger? bezeichnete er ihre hohe Tugenden, ihre Demuth , Reinigkeit, Geduld und Liebe zu Gott und den Menschen. — Aufmerksamkeit und Andacht walteten von Anfang bis zu Ende. Unterdessen war es Abend geworden. Von allen Seiten, vom Etzel, von der Schindellegi, über den s. g. Katzcnstrick und Hacken her, langten fortwährend Wallfahrter an. Ungeachtet der allseitig getroffenen Vorkehrungen zu bestmöglicher Beherbergung der Pilger in Gast- und Privathäusern, war doch schon vor angebrochener Nacht alles überfüllt. Jetzt hatte die bisher regnerische Witterung sich gänzlich geändert; es war ein schöner Hcrbstabend, der auch durch die vortrefflichen Leistungen der hiesigen Musikgcscllschaft, die musicirend durch die wogenden Straßen zog, auf rühmliche Weise verherrlicht wurde. Die ganze Nacht hindurch erscholl Gebet und Gesang von vielen hundert frommen Pilgrimen, die im Hause des Herrn ihre Nachtherberge sich erwählt hatten; namentlich war die Muttergotteöcapclle Tag und Nacht von betenden Schaaren ringsum dicht belagert. Wahrlich, hier ertönte das Lob des Herrn und seiner gebenedeiten Mutter in mancherlei Sprachen und Gesängen ! Ein Viertel nach zwei Uhr verkündeten der hehre Klang der zwei größten Glocken und dann wieder zahlreiche Mörscrschüsse den Anbruch des hohen Festtages. Um drei Uhr begann der Nacht- gottcSdicnst im Chöre der Religiösen, worauf (um vier Uhr) Se. Gnaden der Hochwürdigstc Herr Abt Cölestin in der heiligen Cavelle das erste P vntificalamt hielt. Während dieser hohen Handlung war das Hciligthum der Gottesmutter von zahllosen Lichtern prachtvoll beleuchtet. Unmittelbar vor der heil. Capclle war auf der Höhe einer Gallerie ein großer, herrlicher Stern ! angebracht, aus dessen Mitte der Name Maria glänzend ! hervorstrahltc. Vier große, hcllschimmerndc Transparente flainm- z ten auf vier einander gegenüberstehenden Gallerten mit den Inschriften: „Heilig, heilig, heilig ist Gott im Saale der glorreichen Jungfrau! Gebenedeit sey der Sohn Mariens, der gekommen ist, ewig zu herrschen!" Die geräumige Wallfahrtskirche war gedrängt voll. Man sah Leute aller Stände. An allen Altären wurden heilige Messen gelesen. Alles athmete sichtliche Andacht und heilige Frende. Und in der That, es war ein herzcrhebendcr, »eiliger Augenblick, als des Glöckleinö silberner Ton erklang, Reich und Arm auf die Kniee niederfiel, und nun der ehrwürdige, drciund- siebenzigjährige Prälat seine Hände emporhob, Denjenigen haltend, dessen Majestät Himmel und Erde erfüllt. Hohe Andacht und rmie Liebe walte» ringsum. Die Stimme heiliger Sehnsucht ruft in tausend Herzen: „Komm', o Jesu, komm!" Und siehe, der Bräutigam kömmt! An zwei Altären (die gewöhnliche Communionbank genügt nicht mehr) wird das Brod der Engel den durch das heilige Sacramcnt der Buße gereinigten Gläubigen gespendet. So ununterbrochen bis Mittags. Die Festprcdigt (Morgens 8 Uhr) hielt der Hochwürdige Herr Pfarrer Enzlcr von Arth. Das zweite Pontifical- oder Hochamt (um halb 10 Uhr) hielt Se. Excell. der päpstliche Nuntius, der auch am Schlüsse dem Volke den päpstlichen Segen sammt vollkommenem Ablaß in gewohnter Form ertheilte. Die in jeder Beziehung ausgezeichnete Kirchenmusik, wurde in diesem Amte von zwei Orchestern auf zwei sich gegenüberstehenden Gallcricn, deren jede mit einer Orgel versehen ist, aufgeführt, was einen sehr guten und großartigen Effect machte. Inzwischen strömten immer noch große Schacircn von Pilgern herbei, so daß viele derselben Nachmittags keinen Platz mehr in der Kirche fanden. Nach der Vesper, welche abermals Se. Erccll. der Herr Nuntius hielt, predigte der Jesuit P. Dam- bcrger. Er trug mit großer Begeisterung und Wärme eine trefflich anSgcarbeitctc, ganz auf das Fest und die Zeit passende Rede vor über die Engclweihc als historisches Factum, und das Fortbestehen und Fortwirken dieses Wunders, wie es sich in der ganzen Geschichte Einsicdelns zeigt. Der Abend kam. Sah man in die Kirche, so schien alles Volk in derselben versammelt, und blickte man auf den großen, Weiten Platz vor derselben, so glich er einem wogenden, rauschenden Meere. Heftiger Regen und Wind drohten die nächtliche Proccssivn zu vcr-itcln; aber allmälig wurde die Luft milder, der Regen lies; nach; Dorf und Kloster ward beleuchtet. Die zwei großen Transparente auf der s. g. Kramgasse erhielten Farbe und Leben. Mitte innen stand der zierliche Muttergvttcsbrunncn ebenfalls überaus schön beleuchtet. Und als die große Glocke ertönte, die Trompeten schmctt-rtcn, die Fahne» und hinter ihnen der singende Klerus, bei hundert Priestern mit breimcnven Wachskerzen, in'ö Dunkel hinaustraten, da schwieg das mächtige Tosen der VolkSwogcn, und Gefühle der Anbetung unv des Dankes ergriffen jede Brust. Unten auf dem Platz, der Kirche gegenüber, stand ein flammender Altar, in dessen Mitte das Bildniß der seligsten Jungfrau prangte. Als der Klerus da angelangt, empfing der Diacon die Monstranz aus der Hand d,S pontificircndcn, Hochwürdigcn Herrn Abtes von Krcuzlingcn, und stellte das Brod des Lebens zur Anbetung auf den Altar. Eine schöne Motette für Gesang und Instrumente l^oon P. Cvnrad Stöcklin) rauscht durch die glanzvolle Nacht; und wie dann der Cclebraut im Namen des Drei- cinigcn mit dem gegenwärtigen hochheiligen Geheimniß den Segen ertheilt; da stürzt Alles auf die Kniee, und eine Stille, als wäre der weite Raum ganz öde und verlassen, bezeugt die unwiverstch- bare Macht des Glaubens über die Menschen und das lebendigste Gefühl der Anbetung. Ein solcher Moment gegenüber dem Thun und Treiben der Neu- und Ungläubigen gibt die tröstliche Versicherung, daß noch nicht alles Volk seine Kniee vor dem Baal der Gottocrgcsscnhcit gebeugt, und daß der katholische Glaube jetzt noch Wunder lhut. Die gewöhnlichen Berechner von Volksmasscn sprechen von 20,WO Personen, die da beisammen waren. Nach genauerer und nüchterner Berechnung aber glauben wir, jene Zahl auf 15,000 reducircn zu müssen. Singend kehrte die Proccssion wievcr in den Tempel, ob dessen Hauptportal der heil. Name JcsuS herrlich erglänzte, zurück, weilte eine Zeit lang vor der ehrwürdigen Maricncapcllc und zog dann hinauf in den Chor der Kirche, in welchem aus der Höhe ein flammendes Kreuz als Siegeszeichen herablcuchtete. Ein lantum erZo beschloß die Feier dieses Tages; und „Isntum ergo" stimmten wohl viel tausend Herzen ein: 1-mtum ergo! „So Vieles also" hast Du, o Herr! deinem Volke gethan, hast hier einen Gesundbrunnen errichtet, zu dem so mancher Kranke eilt, hast hier eine Burg des wahren Glaubens erbaut, gegen welche die Hölle vergebens anstürmt, hast einen Leuchtthurm errichtet, in welchem die fortwährend brennende Lampe der Verehrung Mariens dem mit vielen Sturmwogen kämpfenden Volke tröstend cntgegenwinkt. Deutschland. Köln, 15. September. Am heutigen Tage feierte der Pfarrer zu den heiligen Aposteln und Ehrcndomhcrr, Herr Geistmann, sein fünfzigjähriges Pricstcrjubilcium. Die wirklich große Thätigkeit, welche derselbe für Schule und Kirche so wie für Arme entwickelte, und sein anspruchloscS, zugängliches Wesen hatten ihm unter dem Kölner Volke eine große Popularität erworben, so daß die Theilnahme an diesem Feste sich über die Gränzen der Pfarr- Gcmcmde zu den heiligen Aposteln erstreckte. Am Vorabende des Festes, dem 14., wurde ein schöner Fackclzug nebst Serenade ihm gebracht, wobei das katholische Militär, dessen Seelsorger in Ermangelung eines eigenen Geistlichen Herr Geistmann ist, ebenfalls sich bethciligte. Um neun Uhr fand ein solennes Hochamt statt; der Herr Jubilar als Celcbrant wurde dabei von seinen jetzigen und ehemaligen Caplcincn bedient, und einer von ihnen, Pfarrer Horn von Eschweiler, hielt die Festrede. Se. Erzbischöfliche Gnaden, die der Feier die Ehre der Gegenwart, mit dem Domcapitel, schenkten, hielten am Schlüsse ebenfalls eine den Oberhirtcn wie den Gefeierten ehrende Anrede und überreichten ihm das Diplom der Ernennung zum Erzbischöflicheu Geistlichen Rathe gcl Iicmoi-es, — das erste Beispiel eines solchen Titels in der Erzdiöcesc. Ferner ward der Gefeiertc, der bereits den rothen Adlerorden vierter Classe besaß/ mit dem rothen Adlcrordm dritter Classe beschenkt. Untcr mehreren von der Psarrgemcinde und einzelnen Verehrern ihm gewidmeten schönen Festgaben zeichnete sich ein schöner vom Officiercorps ihm gewidmeter Becher aus. Das Schönste bei der ganzen Feier war die allgemeine Ueberzeugung daß der eben so anspruchslose, als eifrige Seelsorger so viele Beweise der Verehrung mit vollem Rechte verdient. Die schöne byzantinische Kirche, durch die rastlosen Bemühungen des altersgrauen aber noch jugendlich thätigen Jubilars jetzt vollständig rcstaurirt, war auf's Herrlichsie geschmückt und vermochte die Menschcnmassc kaum zu fassn. (Katholik.) . ' » ->,! L' t'^' ^ ^'k^ -'(t <>^ 'i Zu Brixcn versammelten sich, außer dem Klerus der Fürstbischöflichen Residenz, beiläufig 40 Priester, um an den Geistcs- übungcn Theil zu nehmen, welche gemäß der Anordnung des Fürstbischofs vom 4. bis 8. August daselbst stattfanden. Die zwei Jesuiten Wcningcr und Singer aus Innsbruck leiteten dieselben. Der greise Fürstbischof begann in eigner Person die heilige Feier, segnend die mit ihm in Christus dem Herrn versammelten Söhne, und hcrabrufend über sie die Gnade des heiligen Geistes. Gut gewählt und tief ergreifend waren die Vorträge der P. P. Jesuiten, und die Anwesenheit des Oberhirtcn steigerte den Eifer der Zuhörer. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. ,IN»D 5t,iK ^ <^ 1> 5»HS - Dei/., d»r ^ Augsvurgev Iweite Jahreshälfte. Postzeitmtg. U» s Oct. Au dem Leben des hochwürdigften Bischofs von Munster^ Caspar Maximilian, Neichsfreiherrn Droste zu Vischering. (Schluß.) Zwar niedergeschlagen über die traurigen politischen und kirchlichen Verhältnisse, aber mit festem Vertrauen auf Gott, der seine Kirche wohl prüfte, aber nie verläßt, kehrte Caspar Maximilian von Paris nach Münster zurück. Doch noch zwei Jahre harter Prüfung mußten vergehen, noch erst viele kirchliche Institute und Stiftungen heiliger und frommer Männer fallen, da erhörte Gott die Gebete für das unterdrückte Vaterland; auf dem Schlachtftlde bei Leipzig wurde im October 1813 Deutschlands Befreiung erfochten. Die Nachricht von dem großen Siege verbreitete sich schnell durch das ganze Land und rief überall die größte Freude hervor, feierliche Dankfefte wurden in allen Kirchen begangen. Wie der Herr die frommen Gebete der für die gerechte Sache Kämpfcnden erhörte und wie die Sieger Gott die Ehre gegeben, das legte der hochwürdige Weihbischof der Bürgcrwacht^ Mannschaft von Münster, als er die ihr von des Königs Majestät geschenkten Fahnen am 17. October 1815, am Tage vor wr Erbhuldigung, aus dem Domhvfe stierlich einweihete, nachdrücklich ans Herz, und ermähnte sie zum unumschränkten Vertrauen auf die allwaltende Vorsehung und zur unverbrüchlichen Treue gegen den König. Caspar Maximilian stellte in den kriegerischen Unruhen seine Reisen zur Ertheilung des heil. Sacramcnts der Firmung nicht ein, vielmehr besuchte er auch während derselben nicht allein einzelne Psarren der Diöccse Münster, sondern auch der Erz-- diöccse Köln. Als aber der allgemeine Friede wieder hergestellt war, konnte er seinem Eifer, für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen zu wirken, ungestörter nachkommen. Am 26. August 1816 trat er eine große apostolische Reise an ia die Erzdiöccsc Köln und bcsuchte die ganze Rhcingcgcnd bis an die Gränzen der Niederlande. Mehrere tausend Familien strömten ihm in feierlichen Processionen entgegen, und baten für sich und ihre Kinder um das heil. Sacramcnt der Firmung, In Gladbach wurden allein m fünf Tagen 24,437, und während dieser Reise vom 27. August 1816 bis 4. Februar 1817 im Ganzen 328,597 Gläubige gefilmt. Er ertheilte auch vielen Candidaten des geistlichen Standes in dieser Zeit die heiligen Weihen; in der Domkirchc zu Köln wurden allein 63 Priester gcwcihet und 109 erhielten die andern heil. Weihen. Doch nicht allein in Köln, sondern auch in den Kirchen zu Düsseldorf, Bonn, Koblenz, Dürcn, Malme dy, Aachen und mehrerer anderer Städte spendete er das hl. Sacramcnt der Priesterweihe und zwar nicht bloß Kandidaten aus der genannten Erzdiöccsc, sondern auch aus dcn Diöcescn Trier und Lüttich und der Holländischen Mission; überhaupt wurden 97 Priester gcwcihet, und 316 empfingen die andern Weihen zum geistlicbcn Stande. Caspar Maximilian wirkte bis zum Jahre 1325 im Erzbisthum Köln als Weihbischof, eben so auch für dic Katholiken in Holland bis zum Jahre 1833. Mehr als einmal bcsuchte er die weite Erzdiöccse, in den Jahren 1822 und 1823 sogar jährlich zwei Mal; 1822 weihte er auch die Kirche zu Bcnrath bet Düsseldorf ein. In Münster war um diese Zeit die Zahl der zu Weihenden bei jeder Ordination sehr groß; alle junge Geistlichen aus den Niederlanden kamen bis zum Jahre 1833 zu diesem Zwecke dahin, eben so auch viele aus der Diöccse Osnabrück, so daß an einem Tage wohl 290 und darüber die heiligen Weihen empfingen. Caspar Maximilian hat im Ganzen mehr als einer Million Katholiken die hl. Firmung, und 3173 Diaconen die heil. Priesterweihe ertheilt, der andern Weihen, deren Zahl mlhr als das dreifache beträgt, nicht zu gedenken. Mehrcrc der von ihm gewcihctcn Priester sind in der Folge auf bischöfliche Stühle berufen worden, z. B. der verstorbene Erzbischof von Köln, Ferdinand August Graf von Spiegel, der jetzige Erzbischof, Clemens August, Freiherr von Droste, der Bischof von Lüttich, Cornelius van Bommel, der Bischof von Paderborn, Franz Drcpper, der Weihbischvf und apostolische Vicar von Osnabrück, Carl Anton Lüpkc. Zudem hat unser hochwürdigster Bischof das gewiß seltene Glück gehabt fünf Bischöfen, Joseph von Hommcr, Bischof von Trier, Richard Dammers, Bischof von Tibcrias und Weihbischof, nachher Bischof von Paderborn, Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, Bischof von Calama und Weihbischos von Münster, nachhcriger Erzbischof von Köln, Baron van Wykersloth, Bischof von Curlum und Weihbischvf von Holland, und Franz Arnold Mclchers, Bischof von Hebron nnd Wcihbischvf von Münster, die Consecration, dein 'Abte Karl ron Kerscnbrock zu Licsborn und dem Prior Eugen im Tra- pistenkloster zu Klein-Burloe die Bcncdiction zu ertheilen. So kann mit Recht von dem würdigen Jubelgreise gesagt werden, was Paulinus vom heil. Ambrosius von Mailand erzählt: daß er allein mehr gesinnt und gcwcihet habe, als fünf seiner Nachfolger. Aber nicht allein die Tausende, denen er in Deutschland und den Niederlanden die Hände aufgelegt, sind Zeugen seiner apostolischen Thätiqkcit, und bewahren Dankbar sein Andenken, sondern auch viele Kirchen und Altäre, die er am Rhcine und in Westfalen geweiht hat, erinnern an sein langes gesegnetes bischöfliches Wirken. In der Diöcesc Münster fuhr er auch nach der Wiederbe- sctznng des bischöflichen Stuhles, welche nach einer beinahe zwanzigjährigen Erledigung am 7. Juli 1321 erfolgte, wie bisher fort, alle bischöflichen Functioncn allein zu verrichten, und vollends als der neue Bischof, Freiherr Ferdinand von Lüning nicht lange nach seinem Antritte von einer schleichenden Krankheit befallen wurde. Dieser muszte als sich seine Gesundhcits-Umstände täglich verschlimmerten, ,'m Octobcr des genannten Jahres ans Anrathen der Aerzte alle Geschäfte aufgeben; er verließ Münster, um es nie wieder zu sehen, und begab sich auf das Gut Ahsen in der Nähe von Soest, zu seinem Schwager, um hier Erholung von frühern Anstrengungen zu suchen. Bald darauf reiste er nach dem ihm so theuern Corvey, das er einst als Bischof und Fürst regierte, und beschloß hier den trüben Abend seines Lebens. Er starb am 1!). März 1825 und wurde am 22. beerdigt. Unter der Regierung des Bischofs Lüning war die Divccse Münster in Folge der Circumscriptions-Bulle vom 16. Juli 1821 bedeutend vergrößert worden, indem das Best Rcckling Hausen, früher zur Erzdiöccsc Köln gehörig, das mit der nunmehr aufgehobenen Diöcesc Aachen verbunden gewesene Herzogthum Eleve, die dem Weihbischofe von Osnabrück untergeordnet gewesene Grafschaft Oberlingcn und die von den nordischen Missionen getrennte Psarrc zu Oldenburg damit vereinigt wurden. Es hatte auch unterdessen das Domcapitel zu Münster das Recht der freien Wahl der Bischöse wieder erhalten, und machte hiervon jetzt zum ersten Male Gebrauch. Die Augen vieler waren auf den langjährigen würdigen Weihbischof gerichtet der bei der Einrichtung des neuen DomcapitelS im Jahre 1823 zum Dechant desselben ernannt war, und dadurch Gelegenheit gefunden hatte die Feier des Gottesdienstes im Dome dessen er sich immer mit Eifer angenommen noch mehr zu fördern. Die Wahl war auf den 15. Juni 1825 festgesetzt; die Feierlichkeiten dazu begannen am 12. mit einem dreizchnstündigcn Gebete, „damit der Herr, der die Herzen Aller kennt," sagt das hochwürdige Domcapitel in seinem Pastoral-Schreiben, „uns zeigen wolle, wen er erwählt habe." (Apostclgcsch. 1, 24.) Die Geistlichkeit der einzelnen Pfarren von zahlreichen Schaarcn Andächtiger aus allen Ständen begleitet, so wie die Schüler des Gymnasiums, die Studirenden der Akademie und die Alumnen des bischöflichen Seminars begaben sich abwechselnd in feierlichen Proccssioncn zur Domkirche, um von Gott die Gnade zu erflehen, daß die Wahl auf ein würdiges, das Wohl der Diöcesc und das Seelenheil seiner Untergebenen wahrhaft förderndes Oberhaupt fallen möge. Sowohl an diesem als am Tage der Wahl selbst hielt der Weihbischof die feierliche heilige Geist- Messe. Die Wahl ging am genannten Tage nach kirchlicher Regel! vor sich, und gegen 11'/^ Uhr Morgens wurde dem königl. Bevollmächtigten, Grasen von Merveldt, durch eine Deputation^ des DomcapitelS gemeldet, daß dieselbe zu Stande gekommen, worauf sich dieser ins Capitclhaus begab, vor dem versammelten Capitel Namens seiner Majestät des Königs die Wahl genehmigte und Caspar Maximilian als gewählten Bischof begrüßte. Nachdem die Wahl der im Chöre harrenden Geistlichkeit bekannt gemacht war, verkündigte der Domcapitular und Professor Brockmann dieselbe den in der Kirche zahlreich versammelten Bewohner Münsters, worauf ein dreimaliges Lebehoch unter den Gewölben der altehrwürdigcn Cathcdrale wiederhallte und die Freude der über die getroffene Wahl laut bekundete. Als Papst Leo Xll. diese durch eine Bulle vom 19. December 1825 nicht allein bestätigt, sondern auch durch zwei Sendschreiben vom nämlichen Tage der ganzen Geistlichkeit und sämmtlichen Einwohnern der Stadt und Diöccse Münster Caspar Maximilian als ihren Bischof verkündigt und sie zur Treue und zum Gehorsam gegen den neuen Oberhirten ermähnt hatte, wurde er am 4. April 1826, am Tage des heil. Ambrosius, als der dreiundsechzigstc Nachfolger des heil. Ludgerus feierlich inthronisirt. Mit jenem unerschütterlichen Vertrauen auf Gott, das ihn stets auch in den schwierigsten Zeiten beseelt hatte und voll von heiligem Eifer, trat er in sein hl. Amt ein. „Vereinigt eure Gebete mit den unsrigcn," schreibt er an die Diöcesanen, „damit Gott Unsern Bemühungen zu Seiner Ehre und zum Heile der Uns anvertrauten Heerdc Seinen Segen verleihe." Durch langjährige Erfahrung war er mit allen Verhältnissen der Diöcesc innig vertraut geworden und er konnte daher mit vollem Rechte in seinem am Tage der Inthronisation an die Geistlichkeit erlassenen Hirtenbriefe sagen: „Das Amt eines Weihbischofes haben Wir dreißig Jahre hindurch verwaltet und den Meisten von euch durch die Auflegung Unserer Hände die heiligen Weihen ertheilt; euch alle kennen Wir, zugleich sind Wir aber auch euch allen bekannt." Und so war es; ein inniges vertrauliches Verhältniß bestand zwischen dem Bischöfe und der ganzen Geistlichkeit der Diöcesc, und wurde ferner unterhalten, ein Verhältniß wie das des Vaters zn seinen Kindern. Alle Geistlichen besuchen den Bischof, wenn sie zur Hauptstadt kommen, und werden von ihm auf das freundlichste ausgenommen. Bei den Visitationsreisen, welche der eifrige Oberhirt fast jährlich unternahm, verkehrte er stets mit Pfarrern und übrigen Geistlichen nicht als Vorgesetzter, sondern als väterlicher Freund, er erkundigte sich mit der größten Theilnahme nach allen Verhältnissen, ermunterte und mahnte liebevoll zu einem hl. Eifer und cö war wahrhaft rührend, wenn er beim Abschiede, wenn auch nicht auf ein diesseitiges, doch gewiß auf ein jenseitiges frohes Wiedersehen vertröstete. Dagegen wurde er auch nicht allein von der ganzen Geistlichkeit, sondern auch von den Laien innig geliebt und hochgeehrt. Auf allen seinen Visitationsreiscn, welchen Theil der Diöcesc sie auch immer berühren mochten, wurde er immer mit Herzlichkeit und unter großen Ehrenbezeugungen von den Bürgern und Landbewohnern empfangen und gleichsam im Triumphzuge von Ort zu Ort begleitet. Uebcrall strömten Tau« sende zusammen, um den geliebten Obcrhirtcn zu sehen, ihm ihre Anhänglichkeit und Verehrung zu beweisen und seinen Segen zu empfangen; man hatte nicht allein die Kirchen und die Ocrtcr, welche er besuchte, sondern auch die Wege, durch welche er kam, festlich geschmücket. In den Jahren 1837 und 1833 wurde er von körperlichen Leisen schwer heimgesucht und konnte längere j Zeit hindurch seinen Amtsfunctionen sich nicht unterziehen. Man I hegte allenthalben Bcsorgniß um den verehrten Obcrhirtcn, groß !war daher Die Freude, als er zum ersten Male wieder im Dome ^beim feierlichen Gottesdienste erschien. Der Empfang auf seiner ersten Reise nach dieser Krankheit, im Jahre 1839, war überall festlicher als je; die eine Pfarre wetteiferte mit der andern, dem ehrwürdigen Greise ihre Liebe zu erweisen und ihre Treue gegen die katholische Kirche an den Tag zu legen. Auch die Landleute aus der Umgegend von Münster suchten, als er von der Reise zurückkehrte, diese Gelegenheit zu benutzen, ihre Verehrung gegen ihn öffentlich zu zeigen, sie empfingen den verehrten Oberhirten eine Stunde vor Münster und begleiteten ihn in großer Anzahl zu Pferde bis zu seiner Residenz. Und welche frohe Bewegung war nicht, als der Hochwürdigste Bischof am 13. Juli 1343 sein fünfzigjähriges Priester-Jubiläum feierte! Es kamen nicht allein die Geistlichen aus allen Gegenden der Dioccse in großer Anzahl, sondern auch viele Laien, um dem allverehrten Jubilar Glück zu wünschen. Die Geistlichkeit widmete ihm als Ehrengeschenk ein Stammcapital zur Errichtung eines Convictes für solche Jünglinge, welche sich dem Studium der Theologie widmen wollen, und die Vertreter der Stadt Münster sprachen bei den verschiedenen zu Ehren des Obcrhirten angeordneten Festlichkeiten ihre Achtung und Liebe gegen ihn und ihre Anhänglichkeit an den katholischen Glauben mit Entschiedenheit und wahrer Begeisterung aus. Die Bewohner Münsters namentlich sesselte der hochw. Bischof schon in ihrer Jugend an sich; alle. Kinder nämlich besuchen U,n seit Jahren am Tage ihrer ersten hl. Communion, um seinen Segen zu erbitten. Der würdige Oberhirt, ein wahrer Jugendfreund, empfängt sie stets mit der größten Liebe, ertheilt ihnen freundliche Ermahnungen und schenkt ihnen zum Andenken ein Bild oder ein Gebetbuch. Diese Bücher und Bilder werden in vielen Familien sorgfältig aufbewahrt, und haben für sie als Andenken an einen der wichtigsten Tage des Lebens und als Geschenk des verehrten Oberhirten doppelten Werth. Was die Leitung der Diöcesan-Angelegenheiten angeht, so .ließ Caspar Maximilian diese in dem ruhigen und geregelten Gange, in den sein längst verstorbener großer Freund Fürsten- bcrg sie gebracht, und suchte dessen weise Einrichtungen in Beziehung auf Kirche und Schule in jeder Weise zu erhalten und zu fördern; er belästigte die Geistlichen nicht mit unnützen Schreibereien, und besordcrte nie übermäßige Bureau-Arbeiten, aber er vernachläßigte auch diese nicht, wohl wissend, daß auch die äußern Verhältnisse der Kirche namentlich die Vermögens-Verwaltung geregelt sein und bleiben müssen; er erließ zu diesem Ende am 1. September 1837 eine Verordnung wegen einer zweckmäßigen Geschäftsführung, und befahl darin allen Geistlichen und Rirchen- bcamten sich pünctlich hiernach zu richten, um sowohl die nothwendige Ordnung in den Geschäften bei der bischöflichen Nehörde, als bei jeder Pfarre und Kirche zu erhalten. Eine andere dahin zielende Verordnung wegen Ausnahme von Inventarien über die Archive bei den Kirchen und sonstigen geistlichen Anstalten wurde bereits am 17. Juli 1832 erlassen, und bezweckt neben der Erhaltung und Sicherung der Einnahmen und Gerechtsame dieser Anstalten auch die Aufklärung der Kirchen - und Landeögcschichtc. Indessen war ihm dieses immer nur eine, wenn gleich wichtige Nebensache, die Seelsorge dagegen, wie es die göttliche Sendung fordert, die Hauptsache. Fast die ganze Geistlichkeit wuchs unter seinen Augen auf; er hat sie nicht nur gesinnt, ihren Prüfungen beigewohnt und sie zu Priestern gcwcihet, sondern er besuchte sie auch von Zeit zu Zeit und beobachtete sie in ihrer Amtsthätigkeit. Durch Wort und That wies er sie bei jeder Gelegenheit auf ihren Berns hin, für das Seelenheil der Anvertrauten zu sorgen, und führte namentlich dicserhalb die Synödalreden wieder ein, in denen entweder er selbst oder andere bewährte Männer, jedoch immer in seiner Gegenwart, die Geistlichen auf ihre wic>,l^>.. > , ^>..,i merksam machten und zu einem wahrhaft priestcrlichcn Leben und Wirken mahnten. Die Seclsorgc lag ihm so ant Herzen, daß er alle Geistlichen, auch diejenigen, welche vermöge ihres VencficiumS nicht dazu verpflichtet waren, veranlaßte, so viel möglich daran Theil zu nehmen. Auch wurden unter seiner Regierung mehrere neue Pfarren errichtet und an vielen Orlcn das Pfarrwescn neu organisirt. Aus dem Eiser für die Seclsorgc ist das Interesse hervorgegangen, welches er immer für die mit der Kirche in enger Verbindung stehenden Schulen bewiesen; auf allen seinen VisttationS- reisen widmete er den Elementarschulen und Gymnasien seine besondere Aufmerksamkeit, er besuchte sie nicht bloß, sondern ließ auch Prüfungen abhalten, und cS machte ihm immer die größte Freude, wenn er Lehrern und Schülern seine Zufriedenheit mit ihren Leistungen bezeigen konnte. „Wir ermähnen euch, ihr Schullehrer und Schullehrcrinncn," spricht er in seinem an die Divccsancn gerichteten Hirtenbriefe vom 4. April 1826, „vergesset es nicht, daß euer Amt eines der allcrwichtigsten und ehrwürdigsten auf Erven ist! Nicht nur oberflächlich müsset ihr euch hieran erinnern, sondern ihr müsset die Würde und die Wichtigkeit eures Amtes oft wiederholt so beherzigen, daß ihr davon ganz durchdrungen und aufs neue zum Eifer und Fleiße, euer Amt treu zu verwalten, erwecket werdet." In demselben Briese crmahnt er auch die Eltern, auf jede mögliche Weise für guten Unterricht und gute Erziehung ihrer Kinder zu sorgen: „Diese, sagt er, werden ewig eure Freude und Ehrcnkronc seyn, wenn sie geworden sind, was sie seyn sollen." So sehr unser Hochwürdigstcr Bischof auch von jehcr gestrebt hat, im freundlichen Einverständnisse mit den Staatsbehörden die Interessen der Kirche zu fördern, so hat er doch dieser nie etwas vergeben, vielmehr deren Rechte sowohl in früheren Jahren als Archidiacvnus als später als Bischof immer gewahrt. Sein segensreiches Wirken für Kirche und Staat wurde von Sr. Majestät dem Könige dadurch anerkannt, daß ihm im Jahre 1840 der rothe Adler-Orden erster Classe verliehen wurve. Den Adler-Orden zweiter Classe hatte er schon im Jahre 1332 erhalten. Auch des Großhcrzogs von Oldenburg Königl. Hoheit ließ ihm bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Pricsterjubiläumö den Großhcrzoglich Oldcnburgischcn Haus- und Verdienst-Orden mit einem Glückwunschschreiben überreichen. Die höhere Weihe empfängt endlich das Wirken des allverehrten Obcrhirten durch sein würdevolles frommes pricstcrliches Leben. So lange cs scinc Gesundheit erlaubte, brachte er an allen Sonn- und Feiertagen im Dome das hl. Meßopfer dar, hielt an den höchsten Festen selbst das Hochamt, begleitete die Proccssionen und trug am heiligen Fronlcichnamötagc, so wie bei dcr großen Procession das heiligste Sacramcnt. Jetzt, da er dieses, wenn gleich ungern, seiner Kränklichkeit wegen unterlassen muß, sieht jmcm ihn dennoch oft an Sonn- und Feiertagen zur großen Er- I bauung der Diöcesancn im Dome beim öffentlichen Gottesdienste, j nicht allein des Morgens beim heiligen Opfer, sondern auch des Nachmittags bei der Predigt. Es ist in Westfalen, im Nhcin- lande und darüber hinaus allgemein bekannt, mit welcher Würde und innerer Andacht er stets alle geistlichen bischöflichen Functioncn zur Erbauung aller Anwcscndcn vcrrichtct, wie er hierbei keine Mühe und Anstrengung scheut, sondern immer unverdrossen und bereitwillig zur Ehre Gottes und zum Heile dcr Menschen ist. Noch in den letzten Jahren konnten ihn Altersschwäche und körperliche Leiden nicht abhalten, am heil. Psingstfcste im Dome zu Münster das hell. Sacramcnt der Firmung zu spenden. Es ist ein erhebender und rührender Anblick, wenn der ehrwürdige Hirt, gestützt auf die Arme der begleitenden Geistlichen zum Altare fast getragen wird und mancher erinnert sich beim Anblick des frommen Greises, des Jüngers der Liebe, der alt an Jahren aber jugendlich kräftig im Glauben und heiliger Liebe von seinen Schülern unter die Seinen sich tragen ließ, um nur die wenigen Worte zu sprechen: „Kindlcin liebet euch unter einander." Schließlich dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß Theilnahme, Mitleid und die großmüthigste Wohlthätigkeit gegen die Armen schöne Züge seines Charakters sind; er unterstützte nicht nur alle wohlthätigen Unternehmungen zu jeder Zeit auf das bereitwilligste und freigebigste, sondern linderte auch das Unglück vieler Familien und gab manchen Jünglingen von Talent die Mittel, sich den Wissenschaften widmen zu können. Die Mission zu Stamsried und ihre Früchte. (Kirchen;, s. d. k. Deutschland.) Die Väter Nedcmptoristen von Altötting hielten zu Stamsried in der Oberpfalz eine Mission ab. Sie fand vom 20. bis 27. Juli statt. Der Decan und Pfarrer von Stamsried, der Hochwürdige Herr NicolauS Märkl, hat nun einen Bericht über dieselbe und über ihre Wirkungen veröffentlicht. Im Eingang sagt der Berichterstatter: „Wie groß die Macht des religiösen Glaubens, und mit welch wunderbarer Kraft unv Salbung der vom heil. Alphons Liguori gestiftete Orden der Ncvemptoristen diese Macht zu entwickeln, und in den Gemüthern der Gläubigen den lebendigsten Bußsinn, die gottseligste Umwandlung zu bewirken vermag, zeigten die Missionen, welche die ehrwürdigen PP. Ne- demptoristcn aus Altötting während der letzten Monate Juli und August im Dccanat Roding, namentlich in den Pfarreien Roding, Waldcrbach, Stamsried, Zell unv Pcnting abgehalten haben." Dann fährt er also fort: „Referent beschränkt sich hier auf die Misston zu Stamsried, und verschob den Bericht, bis er von der Nachhaltigkeit der Früchte durch thatsächliche Beweise Ueberzeugung gewann. Der für das zeitliche und ewige Wohl seiner Unterthanen gewissenhaft besorgte und frommstnnige Gutsherr von Stamsried, der Königl. Staatsrath und Minister des Innern, Herr Karl von Abcl, war es, welcher die Initiative zu den hiesigen Missionen gab, und die bedeutenden kosten der Her- und Rückreise der PP. Nedcmptoristen bcstritt. Samstag den 19. Juli hielten die ehrwürdigen Patres zu Stamsried ihren Einzug, aus innigster Achtung begleitet von sämmtlichen Beamten des königl. Lanvgerichts Roding und Rentamts Waldcrbach, empfangen von sehnsüchtiger Liebe der hiesigen Einwohner. Herr P. Bruch mann, Rector der Versammlung vom Allerhciligstcr Erlöser zu Altötting (ein in religiöser, wissenschaftlicher und oratorischer Beziehung ausgezeichneter, vielseitig gebildeter, durch körperliche Vorzüge impvnircndcr Mann von ächt katholischer Orthodoxie) eröffnete am 20. Juli die Misston mit einer ergreifenden Rede, welche ans die versammelte Masse von mehr als 4000 Gläubigen den tiefsten Eindruck machte und durch die allgemeinste Rührung die Gemüther -für die Mission stimmte. Was nun während der acht Tage dieser Gnadcnzeit der seltene Verein dcr neun durch Frömmigkeit, Seelcncifer und Rednergabe hervorragenden Rcdcmptoristcn sowohl auf der Kanzel als auch im Beichtstühle leistete, gränzt an daö Unglaubliche, und war nur möglich durch den sichtbaren Beistand des göttlichen Geistes, der mit ihnen und durch sie wirkt. Von der frühesten Morgenstunde 5 Uhr bis Abends 7 Uhr hörten die Patres mit bcwundernswerther Geduld neun Tage hindurch die Beichten dcr Büßer, und erlaubten sich nur um Mittag eine kurze Stärkung durch ein einfaches Mahl. Sämmtliche Predigten wurden unter freiem Himmel vor einem festlich decorirtcn Altar auf dem großen Marktplatze gehalten. Täglich hielten die Missionäre drei, immer länger als eine Stunde dauernde Predigte», und an den drei Tagen der allgemeinen Cvm- munion in der Kirche noch drei besondere Vortrage, jedesmal vor, bei und nach dieser heiligen Handlung. Die unsäglichen Anstrengungen wurden noch erschwert durch die drückendste Sommerhitze, und obschon die Patres in der Gluth ihres Eifers vom Morgen bis zum späten Abend im eigentlichen Sinne vom Schweiß der apostolischen Arbeit träuften, so waren sie dabei doch immer des fröhlichsten und heitersten Sinnes, Gott dankend für die besondere Theilnahme und Bekehrung der Gläubigen, nur das Wort im Munde: „Alles Gott zur Ehre! Wenn dcr Herr nur unsere Arbeit segnet!" Wirklich sprach Gottcs Geist aus diesen Aposteln. Die Schriftstelle (Act. 4, 31.) erfüllte sich von Neuem: „Alle waren mit dem heil. Geiste erfüllt, nnd sie redeten das Wort Gottes mit Zuversicht." Die Wirkungen des göttlichen Geistes durch den Mund dieser Prediger waren außerordentlich. Was David sang (Ps. 103, 30.), bewährte sich hier: „Sende herab Deinen Geist, und sie werden neu geschaffen; umwandeln wirst Du die Gestalt der Erde." Ja, eine neue Umwandlung zeigte sich in den rührendsten Zügen. Der Unterricht über Beicht und Buße, über Ziel und Ende des Menschen, über Todsünde und Aergerniß, über die Fleisches- und Zungen-Sünden, über Tod, Gericht und Hölle erschütterten die Gemüther, zeigten dem Sünder den Abgrund seines Verderbens, und schreckten ihn auf zur ernstlichen Besinnung und Selbsterkenntnis;, zur redlichen Buße und Besserung. Als die tiefcindringliche predigt vom Gottesraube stattfand, und der Redner die versammelte Schaar von 15,000 Menschen zur Abbitte der Frevel vor dem Allerheilie-sten Sacramcnt in «iner, das Innerste erschütternden Weise aufrief, da stürzten die Tausende demüthig auf die Kniee, unter einem Thrcincnstromc schluchzend, ja bei der Steigerung des AffcctS laut wehklagend, so, daß die kräftigste Stimme des Predigers erstickt ward. O cs war eine feierliche, ergreifende Scene, bei welcher selbst dcr Ungläubige die Macht des Glaubens erkennen muß; da wurde das Felsenhcrz weich, und auch der verstockteste Sünder ward ernst und zitterte. In allen Gemüthern war bei der Kreuzprcvigt der neue Bund mit Gort durch den Erlöser am Kreuze geschlossen, und die Gelübde der Besserung schallten bei dem fragenden Aufruf des Predigers aus tausend und tausend Zungen mit dem lauten, von Thränen besiegelten: „Ja, Ja, Ja," zu dem versöhnten Himmel empor. Die beruhigenden Predigten über Gottes Barmherzigkeit, über die Hilfe Mariens, über die Kraft des Gebetes und das Leiden Christi, gössen wieder den Balsam des Trostes in die zerknirschten, wunden Herzen. Die Schlußrede des P. Rector von der Beharrlichkeit im Guten setzte den vorigen Sieden die Krone auf, und befestigte in den Gläubigen den Vorsatz standhafter Besserung, welchen die Menge in lautem Schluchzen und Weinen kund gab. (Schluß folgt.) Verantwortlicher Redatteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. 5»SS - ^i/., «' .^M««M»«^ ^ V" / MO^^^l!^.7-///^ " ^/^^M Augsburger P-stzeitung. Iweite Jahre-Hälfte. ^ ^T. Bet. ^G^S. Die Mission zu Stamsried und ihre Früchte. ! (Schluß.) Wie bewunderungswürdig der unermüdliche Eifer der frommen Väter für das Seelenheil ihrer Mitbrüdcr, so erstaunlich war die ausharrende Geduld und Theilnahme der Gläubigen. Die Sorgen für das Zeitliche vergessend, nur noch um das Heil ihrer Seele bekümmert, verließen Alle ihre häuslichen Arbeiten, und strömten zu den Predigten und Gcneralbeichten. Die reifen Korn- Aehren riefen sehnsuchtig der Sichel: allein Niemand hatte noch einen andern Sinn, als an seiner Seele ewige Früchte zu ernten. Eltern und Kinder, Hausväter und Mütter, Knechte und Mägde, Gläubige aus allen Ständen strömten zu den Predigten, heißhungrig nach der Speise des göttlichen Wortes, die ihnen in neuer, kraftvoller besonderer Würze geboten ward. Die Menge der Andächtigen mehrte sich täglich, so daß an einig/n Tagen die Versammlung auf 15 —- 16,000 Menschen stieg; denn der Ruf von dem außerordentlichen Segen der Mission zog sowohl von den benachbarten Städten Cham, Ncunburg, Nötz zc. als auch von den weitesten, 6 Stunden entfernten Gegenden, selbst von Böhmen, Thcilnchmer herbei. Allenthalben und immer herrschte die größte, nicht durch den geringsten Vorfall gestörte Ruhe. Aus allen Gesichtern sah man nur andächtigen Ernst und die Spuren innerer Ergriffenheit. Zwei und drei Tage lang harrten die Andächtigen auf die Beichte in unglaublicher Geduld, und die Kirche war die ganze Nacht mit Büßern gefüllt, die entweder im Gebete verharrten, oder dort blieben, um den nächsten Morgen die Ersten an den Beichtstühlen zu stehen. O eS war biö zu Thränen rührend, wenn jeden Abend bei dem feierlichen Ertönen der großen Airchcn- glocke, welche eine Stunde nach dem Gebete „der Engel des Herrn" gezogen ward, in der Stille der Nacht der ganze Ort u>d alle Umgebung hinsank auf die Kniee, laut betend für die Bekehrung der Sünder. Da die PP. Nedcmptoristen nur die Beichten der Psarrgcnosscn annahmen, so wurden die zahllosen Fremden so viel möglich von den hiesigen Pfarrgeistlichen und von den zur freund liehen Aushilfe Hieher gekommenen Pciestern zur Beichte gehört. Es haben die meisten der Pfarre Angehörigen (wenige ausgenommen) Gcneralbeichten abgelegt, und die Zahl der Communiccmten mit Einschluß der Fremden beträgt gegen 5l)öl). Den regen Vußgeist, und die frischen Vorsätze der Besserung suchte unser Hvchwürdigstcr Herr Bischof Valentin zu befestigen, welcher Sonntags Den 27. Ju!i nach Stamsried kam, und die versammelten Diöccsancn in einer eben so k> ästigen als väterlichen, ge- müthvollen Rede zur Bewahrung der MissionS - Gnaden, zur Stcmdhaftigkcit im Guten, zum Ausharren bis ans Ende ermunterte. Die Wirkungen der Mission sind wunderbar. Vieljährige Adultericn und concubinarische Verhältnisse sind aufgegeben; ungerechtes Gut wird in den Pfarrhof gebracht, zur Zurückgabe an die Eigenthümer; die bittersten Feinde bieten sich die Hand, und langjährige Processe heben die Gegner auf. Fluchwortc und schmutzige Gespräche, Zottenlicder werden von den Guten gehindert. Bußgcist, GebctSliebc, andächtige Stille während dcö kirchlichen Gottesdienstes, Nächstenliebe, bescheidener und ruhiger Sinn, Mäßigkeit und Milde sinv in rührenden Zügen sichtbar. Die ledigen Leute vereinigen sich zu einem Tugendbunde; die Büßer stehen an Sonn- und Feiertagen gedrängt an den Beichtstühlen, und die Andächtigen halten an diesen Tagen in der Pfarrkirche Betstunden biö zum späten Abend. In den Gasthäusern herrscht Ruhe nnd Ordnung und sie sind geleert um die gesetzliche Stunde. Seit der Mission hielt kein Wirth mehr eine Tanzmusik. Diese wohlthätige Umwandlung, diese Beruhigung des mit Gott ausgesöhnten Gemüthes, diesen innern Hünmclsfriedcn anerkennend, und in seiner Süße suhlend, war das ganze Volk auch cntglüht vom Dank gegen ihre geistigen Wohlthäter. Wie Kinder von einem geliebten Vater, so trennten sich die Beichtkinder von den lieb gewordenen Vätern unter Schmerz und Thränen. Der heiße, aufrichtige Dank drückte sich aus in festlichen Triumphbögen, durch welche die Scheidenden den Sieg über die bekehrten Herzen erkennen sollten, durch Blumenguirlanden, womit man ihre Neisewägcn schmückte, durch Blätter und Blumen, womit man ihre Pfade bestreute, durch Anreden und Gesänge der Jugend, durch die rührendsten, unter schmerzlichem Schluchze», die Luft erschütternden Rufe der tausend Zungen: „Vergelt Gott Alles tausendmal!" — Unter diesem Rufe begleitete das Volk die Scheidenden weithin, und konnte sich kaum von den Priestern trennen, die ihm so viel Gutes thaten. Noch immer füllen sich die Augen der Gläubigen mit Thränen, wenn die Pfarrgcistlichen zur Bewahrung dcr Missionsfrüchte bei ihren öffentlichen Vorträgt» cm die Bußpredigten dcr Mission, und an die Gelübde dcr Besserung erinnern. O möchten die erfreulichen Früchte — durch standhafte Beharrlichkeit der Gebesserten — Segen für die ganze Umgegend bleiben!! — Ocftere Renovationen dürften dcr Mission die nachhaltige Wirksamkeit sichern. Die geistlichen Orden unserer Tage fördern so mächtig als ersprießlich mit ihrer rühmlichen Wirksamkeit das geistige und religiöse Wohl des Volkes; allein der Orden der PP. Ncdcmpto- risten scheint in nnscrer frivolen Zeit besonders von Gott berufen, den ticfgcsuukencn Glauben aufzurichten, und das in sinnliche Lüste und Genüsse versunkene Volk zur bußfertigen Sinnesänderung und zu christlicher Sclbstvcrläugnung zu erheben. Wahrlich die katholische Kirche feierte in den Missionen unsrer Gegend herrliche Triumphe durch die sonderbare Macht des Glaubens. Wer hierüber anders urtheilen oder die innere heilige Kraft dcr Mission bezweifeln möchte, versuche es selbst zu seiner Heilung, die Geistes ^ Übungen einer solchen Mission mitzumachen. Das innere Leben in Gott und Christus, die hicdurch bewirkte Besserung der äußeren Sitten wurde gewiß das Eigenthum jimer Gemeinde werden, wo cS den PP. Rcdcmptoristcn gegönnt ist, auszustreuen den Segen ihrer Mission, an die Gott augenscheinlich seine Gnaden heftet. Wo die Mission nichts mehr fruchtet, hat die alte Schlange ihren Thron aufgeschlagen. Die Macht des Glaubens und Gebetes. (Schluß.) Gleichzeitig war Giovanna durch den berühmten Jesuiten Alberto Albcrti in Italien thätig, der ein zartes, von aller Eitel' keit freies Wesen mit erstaunungSwürdigcm Reichthum von Gelehrsamkeit verband. Alberto nahm sich der Giovanna an, als sie arm und hilflos in dcr Welt lebte. Er sah sie selten, aber stand in fortwährendem Briefwechsel mit ihr, als sein Wirken unermeßlich weit aufgriff, wie andere Menschen es kaum möglich finden können. Während er durch alle größern Städte Italiens zog als eifernder Prediger, in Graubündcn und Valtclin gegen die nach Italien vordringcnde Irrlehre mit dcr größtcn Gefahr seines Lebens, und unzählige Werke religiösen Inhalts auf Befehl dcr Bischöfe im Puncte ihrer Ncchtglänbigkeit prüfte, schrieb er noch selbst viele und bändcreichc Bücher der verschiedensten Art; so daß seine Vielseitigkeit und GeschäftSgcwandthcit gleich sehr bewundert wurde. Mit den großartigen Ansichten dcr Giovanna vollkommen einverstanden, von ihrem Geiste getragen, durch ihre F!ammen- briesc cntzündct, ging er ganz in ihre resormircnden Bestrebungen ctn, und vernichtete in der Lombardie die Anhaltspunctc dcr Protestanten zur Verbreitung ihrer Lehre durch die Verbesserung der verdorbenen Sitten. Insbesondere reformirte er den abenteuerlichen Geschmack der Prediger in Italien, ihn zurückführend ans die natürliche Einfachheit des Styles und Vertrages ganz im Geiste seiner Freundin, die selbst so laut und so nachdrücklich gegen diese Prcdigcrunfugc geeifert. Er schrieb ein eigenes Werk gegen die Asterzicr dcr italienischen Frauen, welche schon der verkannte Bar- tholomco Saluzzo als Hciuptrcizmittel der Wollust so erschütternd und mächtig angegriffen hatte. Er vertheidigte seinen Orden, den der bekannte Kaspar Scioppius, ein Anhänger der herrschenden Irrlehre, als staatcnzerstörcnd angegriffen hatte, so nnwivcrsprech- lich, daß dcr letztere aus Gram über seine Niederlage starb. Die Wechselbeziehungen zwischen Giovanna und Albcrto bildeten sich bis in die kleinste Einzelnheit des Lebens aus, und bestätigten oft überraschend die Macht des Geisterbundes, die beide zum Kampfe für die Wahrheit in der Trunkenheit heiliger Gottcsliebe verband. So lebte er zum Beispiel zur Pest in Cremona gerade so wie Giovanna in Rovcrcdo. „Ich bin unendlich fröhlich," schrieb er aus dcr pesterfüllten Stadt an seinen Bruder, „und ganz trunken -von meinem Gott. Die Pest ist meine Vertraute geworden, ich denke nicht einmal an ihre Gefährlichkeit. Ich bin so sorglos, so heiter im Geiste als befände ich mich in der gesunden Sicherheit eines Landhauses zur Unterhaltung. Und doch erdrückt mich dcr tägliche Beichtstuhl fast, ich laufe Tag und Nacht den Kranken nach, ich bettle für die Armen von der eine» Thür znr andern, um besonders die unglücklichen Mädchen, früher schändlichem Gewerbe verfallen, in eigenen Schutzhä'usern unterzubringen. Meine Zelle ist ein Trödlcrladen voll zusammengebettelter Kleidung für die Armen!" So stand das schwache Weib in Südtirol zwischen Gallas und Alberto in der Mitte, die crusrcgende, belebende, rathende Geistes- und Gotteökraft, mit der Hand des einen die irrlehrige Schwedenhilfe niederschmetternd, mit dem Geiste des andern Ober- Italien allem Herandrängen der Irrlehre verschließend, beide vereinend in den Flammen ihrer gottgeborncn Andacht, in Deutschland die Stifter und Vertheidiger des LutherthumS entmuthigend, in Italien die Franzosen und Schweizer, ihre unnatürlichen Helfershelfer und Verbündeten, bekämpfend , dadurch die Lebensverbindung zwischen der deutschen und italienischen Nation in Gott und Kirche erhaltend. Alberto überlebte die Giovanna um drei Jahre, er starb nämlich in Rom 1676 am 3. Mai. Sein Abscheiden stellte abermals jenes überraschende Zusammentreffen dcr Zeitumständc heraus, die wir so oft an diesem hochgestellten verzückten Betern und Beterinnen zu bemerken Gelegenheit haben. Sie wurden nämlich größtcnthcils im Frühlinge der Erde entrückt, im Dufte dcr Erdenblüthe hinüberschlummcrnd in den ewigen Gcifterfrühling, der schon auf dieser Welt so mächtig in ihren Seelen getönt hatte. Sein Tod war sanft und leicht, wie ein Hereingreifcn dcr vorausgegangenen Freundin, um seine Seele zum Mitgenusse Gottes hinüber zu nehmen in die Sonne ewiger Klarheit. Der dreißigjährige Krieg war nun überstanden, er hätte die katholische Religion vernichten sollen, und siehe! die Religion war aus ihren eigenen Tiesen, durch den heiligen Geist, den keine Erdenmacht hemmen kann, wieder belebt, geläutert, entflammt worden. Für den Abfall vom Glaube» in Deutschland, für die Blutsaat des unmenschlichen Brudermordes trat reichliche Entschädigung ein durch die tiefere Innerlichkeit, Andacht und Sittcnrcin- heit der katholischen Länder, die durch die Geißel Gottcö gemahnt, durch die Begeisterung der Frommen fortgerissen, mit Herz und Leben dem Geiste dcr Kirche sich anschlössen, denkend, fühlend, wirkend in Eins, mit dieser Einheit dcr gegenüber wühlenden Zerrissenheit des Protestantismus vollkommen gewachsen. Dcr errungene, katholischcrseitö mit so viel Vorgefühl dcr Zukunft, mit so heißen Thränen hcrbeigcbetete Friede legte sich heilend auf alle Lebens- und Kirchenvcrhältnisse, und die Frommen wirkten mit dem Flammcncifcr ihrer gvticrfülltcn Brust fort am heiligen Werke dcr Wiedergeburt ihrer Hcimath in Glauben und Tugend. So insbesondere Giovanna in Tirol! Ihre Wirksamkeit hatte sie mit den ersten Staatsmännern, mit den höchsten Kirchcnfürstcn in heilsame Verbindung gebracht, und sie benutzte Dieselbe mit dcr gewissenhaftesten Sorgfalt znr Ausbreitung ihrer Grundsätze. Ihr Kloster in Noveredo wurde eine Wallfahrtsstätte, zu der Hohe und Geringe mit Andacht pilgerten, um sich Scelcntrost, Licht und Aufmunterung zur Tugend zu suchen, und wer nicht gehen konnte, suchte sie heim mit Briefen. Stundenlang lehrte sie im Sprachzimmer, mit Macht eindringend in die Gewissen, alle Bloßen aufdeckend', die Seelenwunden heilend. Ihr Heller Einblick in alle menschlichen Verhältnisse machte sie zum Gegenstände allgemeiner Bewunderung für die Guten, d.s Schreckens für die Bösen, zur Spruchbehörde für die Staatsmänner. In Innsbruck stand um diese Zeit Graf von Spaur an der Spitze der Negierung, und unter ihm Baron von Trojer, beide Männer von Auszeichnung, voll Gottesfurcht und Andacht. Sie unternahmen keine wichtige Angelegenheit ohne ihren Rath einzuholen, und konnten ihre Klugheit und Umsicht nicht genug loben. Kaiser Leopold 1. stand mit ihr in ununterbrochenem Briefwechsel, und verhandelte die wichtigsten Geschälte seines Hauses und seiner Länder nach ihren Rathschlägen. Ja! der berühmte Paul Hocher, erster Kanzler des Kaisers, mit ihr auf das innigste befreundet, nahm keinen Anstand, zu erklären: „Sie ist ohne allen Zweifel ein großes Weib! Es begegnet mir oft, daß ich sie über eine Staatsangelegenheit um Rath fragen muß. Sie gibt ihn aber so, daß ich und alle andern kaiserlichen Räthe meinen, das bloße Befolgen dieses Rathes sey schon cln und für sich so viel als die vorliegende Sache zu Grunde zu richten. Wird der Rath aber ausgeführt, so geht alles vortrefflich von Statten, und ich finde dann jedesmal, daß, wenn er nicht befolgt worden wäre, die Sache nothwendig hätte verloren gehen müssen!" Diese entschiedene Uebermacht ihres Urtheiles und Hellblickes unterwarf ihr die größten Geister in Deutschland und Italien, die demüthig von ihr Lehre und Unterricht annahmen. Die vorbeireisenvcn Gesandten, selbst von protestantischen Fürsten, legten ihr im Kloster zu Novercdo ihre Jnstructivnen vor, und ließen sich von ihr die beste Art der Ausführung dictiren. Alle damaligen Fürsten, geistliche und wellliche, besuchten sie und stärkten sich an ihrer Tugend und Weisheit. Die Masse von Briefen, die von allen Enten an sie einliefen, war ungeheuer aus allen europäischen Ländern, selbst von Ungarn, Siebenbürgen, Mähren, Polen, Nußland und Dänemark, in fast allen cnropäi- schen Sprachen, so daß sie eigene Dollmetschcr brauchte. Kein Brief blieb unbeantwortet, sie schrieb mit eigener Hand oft ganze Nächte, und ihr Secretär, Franz von Kles, ein Franciscancrmönch im Kloster zu Novercdo, berühmt durch seine äußerst zierliche Handschrift, hatte nebenbei vollauf zu thun, die übrigen nach ihrer Angabe in lateinischer Sprache zu beantworten. Selbst der gemeinste Schuster und Schneider von Stciermark, Kärnthen, Ärain, Neapel und Genua sand aus ihrer reichen LiebcSfülle eine fromme, rathende, aufmunternde Belehrung in der pünctlichsten Beantwortung seines oft äußerst schlecht und unleserlich geschriebenen Briefes. Kranke wurden heil durch ihr Gebet in weiter Ferne, verstockte Sünder auf einmal blitzähnlich gerührt, alle menschlichen Gcbrcchcn erleichtert. So hatte sie schon bei L-bzeiten eine so weit verbreitete Verehrung genossen, wie sie nur wahrhaft großen und heiligen Seelen zu Theil wird. Ganz Tirol war von ihrem Geiste durchdrungen, von ihren Worten erschüttert, durch ihr Leben im Glauben befestiget, und das Ausland hatte sich demüthig herangelassen, die Kraft der katholischen Frömmigkeit in den Gebirgen anzuerkennen. Das kirchliche Princip der Katholiken, in einem schwachen Weibe vnkörpert, war aufgewachsen wie das Scnf- körnlein, und beschattete als mächtiger Baum die umliegenden Länder. Diese Erscheinung wirkte mächtiger auf die Erhaltung der! katholischen Religion in Tirol, als der kalte Beweis, als jede Viclgeschäftigkcit irdischer Vorkehrung. Ihre Schriften, 15 Quartbände an der Zahl, ewig das eine Thema der Liebe Gottes behandelnd, mit einem Aufwande von Geist und Kraft, die kein zweites Mal in solchen Verhältnissen erscheinen möchten, siele» wie ausfahrende Blitze ins Leben der Gesellschaft, die allbedächtige Ver- stanreSopcration in ihre Schranken zurückweisend, die Schlcußcn des christlichen Gemüthes öffnend, am wirksamsten verdammend das kaltrauscheude Gewässer der Irrlehre. Am Palmsonntage 1673 erfolgte ihr Hinscheiden, welches mit dem Geläute aller Glocke» i» Novercdo angekündigt wurde. Das Bisthums-Jubiläum inMichstädt. Der Katholik bringt nachstehenden vom 14. Sept. datirtcn Artikel, der als Ergänzung unserer eigenen Berichte auch von den Lesern dieser Blätter gerne gelesen werden wird. Heute gehen unsere Festlichkeiten zu Ende. Das herrlichste Wetter begünstigte uns fortwährend, so wie auch uicht die geringste polizeiliche Störung die heilige Stimmung des Ganzen getrübt hat. Mit jedem Tage nahm die Zahl der Waller zu, cS wurde zur reinen Unmöglichkeit daß die Kirchen der Stadt sie aufnehmen, oder daß die obwohl große Zahl unablässig thätiger Priester ihren frommen Bedürfnissen ginüge» konnte. Der Zudrang zu den Beichtstühlen war so groß, daß die Beichtväter selbst nur mit Mühe zu ihren Plätzen gelangen konnten, auf welchen sie dann vom grauen Morgen bis in die späte Nacht verbleiben mußten. Um Mitternacht hat man noch Beichte gehört, und um drei Uhr in der Frühe waren 'schon die Straßen mit Menschen gefüllt und die Kirche» besetzt; so ging es zunehmend bis zum Schluhtagc, der dann Alles übertraf: 12l) Priester saßen zu gleicher Zeit Beichte und konnten bei Weitem nicht zureichen. Um sechs Uhr Abends waren die Leute oft noch nüchtern und empfingen die heilige Commuuion. Bis jetzt ist auch eine approximative Angabe der anwesenden Pilger noch unmöglich. Indessen hat man die nöthigen Erkundigungen begonnen und wird ihr Resultat nebst den Predigten der Hochwür- digsten Bischöfe als willkommenes Andenken für alle Anwesenden der Oeffentlichkeit übergeben. Ohne uns mit der Nennung der einzelnen mehr oder minder bedeutenden Frcmdc» zu befassen bemerken wir nur, daß auch der königliche Regierungspräsident von Anobach, Freiherr von Andrian, eingetroffen war und an den kirchlichen Feierlichkeiten Antheil genommen hat. Der Herr Präsident hatte sich bei dieser Gelegenheit der größten Auszeichnung und des freundlichsten Willkommens von Seiten aller hier anwesenden Prälaten zn erfreuen. Am Freitage predigte der Hochwürdigste Bischof von Würzburg, und sprach über das zu dieser Feier so passende Thema der Fortdauer des Lehr- und Pricsteramtes in der katholischen Kirchc, und obwohl seine ohnehin nicht starke Stimme bei der ungeheueren Mcnschcmnassc die wcitcn Räume des DomeS nicht zu durchdringen vermochte, so predigte doch sein würdiges Erscheinen und die mehr dem Himmel als der Erde angehörende Gestalt gleich einem in die Versammlung nicdergcsticgcnc» Engel. Am Samstage predigte der Abt des Klosters Scheuern, er hielt den Panegyricuö auf seinen Ordcnsgcnosscn den heiligen Willibald und zeigte, wie derselbe dem evangelischen Gebote in seinem Leben und in der Führung seines bischöflichen Amtes nachgekommen sey und wie jeder Christ, besonders aber die Bewohner EichstädtS, einem so rühmlichen Beispiele nach Maßgabe der jedem Einzelnen angewiesenen Sphäre nachzukommen hätten. Eine ungchcurre Wirkung machte in diesen acht Tagen die Mission der Nedemptoristen, die wahre Männer des Volkes sind und durch ihre Predigten Außerordentliches leisteten. So wirkte nach der weißen Anordnung des Hochwürdigstcn Bischofs von Eichstädt Alles zusammen, um diese Tage zu einer wahren Jubelfeier zu machen und Manchen, die vielleicht Jahre lang in bedrängtem Gewissen dahin gelebt, mit cinemmale die Fesseln der Sünde zu nehmen. Die bischöflichen Hochämter und alle Pracht im Dome fesselten die Gemüther und faßten das Herz des Menschen von der sinnlichen Außenseite, die Proccssionen und alle die Menschcnzügc, die aus weiter Ferne herbeiströmten, brachten eine eigene Stimmung der Religiosität und der Verpflichtung zu geistiger und nicht bloß äußerlicher Fcsithcilnahmc hervor, die Predigten endlich erschütterten die Seele und führten sie und hoben sie aus dem weltlichen Taumel mit cinemmale zu den Wahrheiten der Ewigkeit, und es war kein Frieden und keine Ruhe mehr, bevor nicht Jeder seine Last in der Beichte zu den Füßen des Priesters niedergelegt halte. Die acht Väter der Redemvtoristcn, unter welchen sich auch Pater HugueS, der llebcrselzer der Werke des heiligen AlphonS befand, wechselte» in den Predigten so ab, daß Jeden die seiner Individualität am meisten entsprechenden Gegenstände trafen. Hohe und Niedere nahmen an den Vorträgen unausgesetzten Antheil; selbst aus dem Augsburgischen waren ganze Gemeinden gekommen, eben so aus Württemberg. Nachdem am Sonntag Morgen der Bischof von Eichstävt die Schlußprcdigt in der Domkirche gehalten un.d in der wärmsten Begeisterung zur Bewahrung der nun gewonnenen Früchte angefeuert hatte, hielt der Hochwürdigstc Bischof von Straßbur.z das letzte Pontisicalamt und am Nachmittag die Vesper, nach welcher die Schlußproccssion in derselben Ordnung, wie die zur Eröffnung, statt fand. Die beiligen Reliquien wurden von dem jlrcuzaltar, auf dem sie bisher ausgesetzt waren, erhoben und dann in die Stadt hinaus getragen, die während dieser acht Tage immer wie am ersten Tage geschmückt geblieben war. Dann wurden sie wüdcr in dem Dome auf dem Willibaldsaitare beigesetzt, wo sie eine große Marmvrurnc bis zum künftigen Jubiläum verschließt. Nach der Rückkunft wurde die Feier mit einem feierlichen 'I'o Ooum geschlossen, und — ein schlagender Beweis, daß die Feier nur religiöse Motive auch in den Einzelnen gehabt, — in der kurzen Zeit von einer halben Stunde schien die Stadt wie geleert, alle Fremden waren verschwunden und auf der Heimreise begriffe». Am Abende brachten die Bürger der Stadt Eichstädt ihren hohen und aus weiter Ferne gekommenen Gästen, den Bischöfen, vor dem bischöflichen Palais einen glänzenden Fackclzug. Der gauze Magistrat begleitete denselben und brachte im Namen Aller den Ausdruck seines Dankes. Die hiebci so wie während der übrigen Fcstzcit an den Tag gelegte noble Haltung aller Bewohner Eich- städtS fand bei allen Fremden die vollste Anerkennung. Wunderbar ist es, daß gerade am Schlüsse aller Feste der Himmel, der sich immer bisher heiter gehalten, überzogen wurde, und es sogleich heftig zu regnen begann. Montag Morgens kam noch das Domcapitel, um den Bischöf.n seine Aufwartung zn machen. Um Mittag hatten alle unsere Mauern verlassen. Wer weiß, wann solche Tage wieder über Eichstädt kommen!" Deutschland. Der Kirchcnztg. f. d. kath. Deutschland ^frühere Paß. k. K. Z.) wird auö der Diöccsc Regensburg geschrieben: „Auch im heurigen Jahre hat unser Hochwürdigstcr Herr Bischof Valentin für seinen Diöccsan-ZllcruS geistliche Uebungen und zwar wieder an drei verschiedenen Orten — zu Amberg vom 1. bis 6., zu Metten vom 15. bis 19., und zu Regensburg vom 29. Sept. bis 4. Oct. — abhalten lassen. So ist denn zum vicrten- mal seit dem Bisthums-Antritt des Hochwürdigsten Herrn Ordinarius die große Wohlthat einer solchen Geistes-Erneuerung seinem Klerus zu Theil geworden, in welcher nach dem Ausspruche des heiligen Franz von SalcS unser Inneres -— gleich einer Uhr — zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt werden soll. Viele Priester haben in jedem dieser 4 Jahre die ihnen dargebotene Gelegenheit hiezu benutzt, und es dürfte kaum mehr hundert Geistliche in unserer weitauSgcdehnten Diöcese geben, welche des Segens dieser Uebungen sich nicht theilhaftig gemacht hätten. Doch welcher Priester sollte auch hievon sich ausschließen, da unser Obcrhirt selbst hierin mit seinem Beispiele vorlcuchtct, indem er auch Heuer wieder in Metten an diesen Exercitien Theil genommen hat! Von Metten begab sich der Hochwürdigstc Herr Bischof nach Lamm, königlichen Landgerichts Kitzing, um die dortselbst am 29. Sept. stattgefunden«: Sccimdiz des wahrhaft Hochwürdigen Ortspfarrers und geistlichen Rathes Stephan Neinhold durch seine hohe Gegenwart und durch persönliche Abhaltung der Festpredigt zu verherrlichen. Möge der Herr diesem Priester-Veteran zum Lohne seiner ausgezeichneten Verdienste im Fach ver Scclsorgc die seltene Gnade verleihen, daß er nach 7 Jahren auch das Pfcirr-Jubilcium feiern könne; denn bereits 43 Jahre sind vorüber, seit dieser musterhafte Priester des Herrn vie Verwaltung der umfangreichen Pfarrei Lamm übernommen hat, der er noch immer in voller Rüstigkeit und Thätigkeit vorsteht! Von Lamm aus reiste Se. Bischöfliche Gnaden nach Reisbach, zur Enthüllungofcicr des Monumentes, das die Bürger NcisbachS, in Vereinigung mit mehreren anderen Menschenfreunden, den drei großen und edlen ReiS- bachcrn: Maximns von Jmhof, gewesenem Augustiner, Prior und Professor der Phvsik, Jgna; von Streber, Bischof von Birtha und Domprvbst zu München, Xaver von Schwcibl, Bischof von Rc- genSburg, gesetzt haben. Dasselbe besteht in einer von Stiglmayer gelungen gearbeiteten Marien-Säule, an deren oberem Sokel die Büsten der vvrbemcrktcn Männer, aus Erz gegossen, angebracht sind. Se. Bischöfliche Gnaden hielt ein Seclenamt für die Ruhe der drei Abgeschiedenen, denen diese Feier galt, und hierauf nach der Monuments. Enthüllung am Fnße desselben eine begeisternde Rede, worin der Verdienste jener edlen Nciebacher Erwähnung geschah, und zur eifrigen Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter und zur vertrauensvollen Anrufung ihrer Fürbitte mächtig aufgefordert wurde. Wohl gegen 109 Priester von Nahe und Ferne, selbst aus fremden Diöceseu, nahmen außer einigen weltlichen Beamten an dieser seltenen Feier Antheil, so wie an dem darauffolgenden gemeinschaftlichen Festessen, bei dessen Schlüsse der Hochwürdigste Oberhirt einen patriotischen Toast auf das Wohl Seiner Königlichen Majestät so wie des ganzen königlichen HauseS ausbrachte. Italien. Rom. Cardinal Patrizi, Generalvicar Seiner Heiligkeit, spendete am 17. August an einen 27jährigen Muselmann, Ibrahim Effcndi aus Scutari, und an einen 24jährigen Israeli ten, Joseph Namcr aus Konstcmtinopcl, die Sacramente der Taufe und der Firmung. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. ^ ^s- - D-i/./^ der .MM ^ » »-i ^> Augsburger Zweite Zahreshälftr. ?Ä »Ä- ^M^W ^st^^^M M ? 4S. ^ Danklied nach der heiligen Communion. O! weil ich Ihn nur habe, Des holten Bräutigam, Welch' eine Speis' und Labe, So süß und wundersam! Er wohnt in meiner Hütte, Er ruht in meiner Brust; — Welch eine Huld und Güte, Welch eine Himmclslust! — O könnt' ich j'tzt lobpreisen In mächt'gcn Töncn Ihn! Ich säug' in Jubilwciscn Durch alle Wellen hin. Jesus, der mich erkoren Und jetzt daZ Brautkleid bot, Er ist gar hoch geboren, Ein wahrer Gott von Gott. Wo kann gesunden werden Ein Mann, so reich, wie Er! Von Himmel und von Erden Ist Er der hohe Herr! Mein JcsuS ist gar mächtig, Was Er nur will, er kann's! Schau an! die Schöpfung Prächtig Hat er gebildet ganz! Poftzeitung. IS Kct. 1845. Wie prangt an Tugcndbelle, Dir süße Bräutigam! Ist selbst des Guten Quelle Uno aller Tugend Stamm! Er strahlt vor allen Schönen Wie goloucs Sonnenlicht! Die Engel selbst sich sehnen Zu schau'» sein Angesicht! So — was ich such' und wähle DaS hat mein Bräutigam, Der mich, sie ärmste Seele, Zur Braut heut liebend nahm! O Seligkeit in Schmerzen. Jesus? du Süß gleit! O bleib' in meinem Herzen Jetzt und in Ewigkeit! Du seyst fcrtan mein Leben, Mein Fuß soll mit Dir geh'«. Mein Mnnd soll Dich erh.ben, Auf Dich mein Auge sch'n! Bis ich auf HimmelSauen In ew'ger reinster Lust, Dich «»verhüllt darf schauen, AuSruh'n an Deiner Brust! — S i g h a r l. Ei» Dissidenten - „Gottesdienst" in Al;ei. Vom DonncrSberg, 1. Oct. Ich begab mich am 28. vorigen Monats in Die Nachbarstadt Alzci, um daselbst bei der Erthcilung dcö heiligen Sacrainentes der Firmung durch den hoch- würdigsten Bischof von Mainz gegenwärtig zu seyn und so einer Feierlichkeit anzuwohnen, die für diese Stadt unter den dermalen daselbst obwaltenden religiösen Wirren von mehrfacher Bedeutung seyn musztc. Nachdem ich diesen meinen Zweck erreicht, die schöne Ordnung, den kirchlichen Sinn der katholischen Alzcier bewundert und die treffliche Rede des hochwürdigstcu Bischofs, die bei all ^Zeichen der Erlösung äußerlich zu machen, wie es Art der Röm- linge ist, worauf unter schmelzenden Accorden die Gemeinde ihr schmachtendes „Amen" aushauchte. Jetzt hörte man ein einleitendes Lied mit einer dem neuen Mainzer Choralbuche entnommene»! Melodie; der Geistliche spricht nunmehr das Sündenbekenntniß in pomphaften Phrasen und intonirt sein „Herr erbarme dich unser," das der Chor unter Begleitung hinkend und lahm nachschnitte; dann ein abermalig Lied um gnävtge Erbarmung, in das mein jovialer -Legleiter mit mir herzlich einstimmte (versteht sich in dem Sinne, daß der Herr recht bald die Fülle seiner Gnade über die Irregeleiteten herabsenden w lle, zur Erkenntniß der Wahrheit, ihrer cmschieccn katholischen Fassung nicht ein, auch nur im Ent->die sie von sich gestoßen in frevelndem Höhne). Winter singt nun ftrntcstcn die abgefallenen Neuerer kränkendcS Wort enthielt, mit-, sein „Eh'e sey Gott in der Höhe" und der Chor antwortet: angehört, — die weitere Schilderung will ich einer geübteren Feder> „Frjcde Den Menschen" :c., unbekümmert darum, daß gerade er überlassen, — begab ich mich in eine-, Gasthof und vernahm da-^ und Consorten von demselben Schlage Unfrieden ausstreuen; wieder selbst, daß auch die T»sse»ters Nachmittags „Gottesdienst" abhal-!cin Lied verkündend dcö Allmächtigen Ehre, wobei Winter, als lcn würden. Begierig mit eigenen Augen zu sehen, mit eigenes r,c Gnneindeglieder ans dem Geleise kamen, mit einer Achilles- Ohren zu hören: beschloß ich der Versammlung anzuwohnen und ^stimme cingriff und sie so viel als thunlich in Ordnung zu brin- bceilc mich, Ihnen das Resultat mitzutheilen. Auf das Local des abzuhaltend,» „Gottesdienste gen suchte; er sang sodann der Gemeinde sein: „Herr sey mit euch" aufmcrk-^und diese erwiderte: „und mit deinem Geiste." Darauf folgte sam gemacht, fand ich dasselbe auf Alzci'S westlicher Seite in «ein Lied, Evangelium und Epistel und eine tief ergreifende Prc- cincm Gart'N^äuochcn, das ehedem zur Freimaurerloge gedient digt. Die Vernunft wird darin zur Göttin erhoben, nach weiland haben soll. In diesem kaum 70 — 8» Personen fassenden Ge. französischer Manier in den neunziger Jahren und haarscharf mit bäudc bemerkte ich an einem mit Vorhängen verhüllten Fenster Conclusionen ohne Prämissen bewiesen, d^ß Vernunft-und Christus- eine Art von Altar, auf welchem das Bild des gekreuzigten Hella des umritt.n zweier Leuchter aufgestellt war, zur Rechten ein fiändcrartigcs Kainclchen, zu beiden Seiten des Eingangs je vier Reihen von Bänken und vor denselben mehrere lehnlose Stühle, zum Sitz für die weiblichen Dissidenten - Notabilitäten Alzer's (wie ich nachher wahrnahm) bestimmt. In einer Seitcnlogc, so früher als Vogelbauer benutzt wurde, befand sich ein Kanapee, auf Religion identisch und Derjenige, der sich der Vernunft nicht bediene, ein Sklave sey und bleibe sein Leben lang, indem er so seinen Sinn dem Machwerk römischer Pfaffen gefangen gebe. Den Einwurf, ob nicht auch die Menschen ohne Christus zu dieser Vci> mmftrcligion — m Offenbarung durch Christus — hätten gelangen können, beantwortclc der Pre-dicant dahin, daß dieß wohl hätte geschehen können, aber doch erst nach langer Zeit, vielleicht nach dem ich Platz nahm, um bei ziemlich günstigem Herbstwetter den! mehreren Jahrtausenden. Zuletzt ergeht denn mit majestätischem Winter abzuwarten. Nach Verlauf einer Viertelstunde, während! Pathos, unter Flammcnblicken, mit schwülstigen Worten die Aus- wclcher sich ohngcfähr liö — 70 Menschen, Darunter zwei Drit-I forderung, sich frei der Vernunft zu bedienen — zufällig aber tel müßige Zuschauer, halbnackte Buben, zierlich gekleidete Herren, Bursche mit langröhngen, dampfenden TabackSpscifen versammelten, zündete ein armer Schlucker die beiden Wachslichter an, zu bedeuten das neue Licht, das jetzt in der durch römisch-katholische Pfaffen herbeigeführten Nacht dcö abergläubischen Götzendienstes leuchten sollte; endlich erschien denn auch mühsam und keuchend der sogenannte Pfarrhcrr der DiffcntcrS, bekleidet mit der Soutane, ein schwarzes Kävpchcn auf dem 5eopfc, und er sah eben nicht aus, als habe ihm die Last des Römerjochö bedeutend zugesetzt. Die Gcmeindcglicdcr waren gerade in traulicher Unterhaltung begriffen; Herren bccomplimcutirlen die anwesenden Damen und pflogen schmeichelnde Gespräche, ein andachtcrweckcndeS Vorspiel der beginnenden Komödie! Nachdem Winter seine compendiöse Bibel auf ein in der Mitte des rothbchängtcn AltartischcS befindliches Ruhekissen niedergelegt und ein wenig ausgeschnauft hatte, begann der feierliche Act, während dessen der neue Pontisex gegen die Zuhörer sich wandte. Als Fiihrcr dabei diente mir eine Broschüre, die ich mir Eingangs des Gartenhäuschens für 12 Kreuzer gekauft, was, wie mir der Verkäufer bemerkte, theuer sey, da die Gemeinde cmnvch klein, unansehnlich und arm wäre. Die andächtige E» bauung verlief also. Ein nobler Stutzer brachte unter dem Arme in einem Kästchen ein Instrument (vielleicht auch Ronge's Erfindung), wahrscheinlich mit Saiten überzogen, das klavicrartige Töne hören ließ; nachdem dasselbe gestimmt, räusperte sich Winter und begann: „Im Namen des VaterS' natürlich ohne das waren Leute da, die auf ihrem Antlitze deutlich lesen ließen, daß sie'von ihrer Vernunft noch gar wenig Gebrauch gemacht, zu« mal sie nicht sehr reichlich damit bestellt schienen; — mit lächelnder Freude wurde das hohe Glück verkündet, mit dieser Himmclstoch- ter „Vernunft" nun frei schalten zu dürfen, frei von knechtischem Geistesdruck, der bisher mit Centnerschwere auf ihr gelastet. „Lasset die Anderen, so schloß der Redner in seinem LicbcScifcr, lasset die Anderen äußerlich Triumphe feiern; wir feiern unseren Triumph im Innern, dieweil unsere Vernunft nicht mehr sklavisch niedergehalten ist, wir uns frei machen dürfen von Allem, was römische Priester der Christusreligion beigefügt haben." Nach einem abermaligen Liede folgte endlich das Glaubensbekenntnis;, das mit denselben Worten ungefähr also lautet: „Ich glaube an Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, ich glaube an Jesus unseren Heiland, ich glaube an den heiligen Geist, Nachlaß der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben." Nach angestimmtem dreimal Heilig wurde das Gebet des Herrn verrichtet und nach einem Schlußgcsange der Segen ertheilt. Alles Dieses geschah, während die Gemcindeglieder bcauem da saßen mit verschlungenen Armen und Beinen. Nach Beendigung der Andacht (!) forderte ein Mann mit grauem Haupte, vermuthlich ein Vorstandsmitglied, auf zu einer Confcren; zurückzubleiben und es blieben nach Entfernung der Zuschauer etwa zwanzig Herren und Damen zur Berathung zurück. Vergleicht mau nun diese Parodie einer Gottesverchrung und Predigt nach neugebackenem Ritus, und den Leiter und Wortführer derselben, den Expfarrcr Winter mit einem Artikel im Frankfurter > offenen Glaubensbekenntnisse ab, denn gewiß würde man eine Masse Journal (vom 27. September d. I. zweite Beilage), so muß es^von 8000 Menschen an der Ausübung desselben nicht hindern, allerdings klar werden, Wer Haß erregt, muß es jedem Unbe-^Da es sich in den Paschalikö Jakova und Ipek dermalen darum fangen.» in die Auqen springen, Wer bemüht ist, von der Kanzel handelt, Rekruten auszuhcbe», zu welchen keine Christen einverleibt herab Lügen und Entstellungen vorzubringen und wer durch boshafte werden, traf es sich, daß Viele davon ansgchvbcn wurden, welche Ausfülle andere Konfessionen zu lästern sucbt. Möge doch der nur dem Scheine nach Muselmänner sind. Um dem Dienste zu Referent jenes Aufsatzes die dem Expfarrer Winter zugegangenen entgehen, erschienen dießmal Viele derselben kühn in der Zirchc zu Ordinariatscrlasse, die derselbe doch gewiß g-lesen hat, da er Jakova, den apostolischen Präftcicn, Dionisio d'Afragala, auffor- aphoristische Sätze aus denselben citirt — ganz und unvcrstümmelt dernd, sie in den Eaialog der übrigen Katholiken einzutragen, abdrucken lassen, und es wird sich jeder Billigdcnken^c überzeugen, Der hiervon unterrichtete Seraskicr ordnete eine Zusaminentrctnng daß die oberhirtliche Stelle auf eine Weise zu dem Verirrten ge-!an, wobei einerseits die JmamS und andererseits für die heimlichen sprechen, wie mir eine sorgsame Mutter zu ihrem geliebten, auf Katholiken in Jakova der benannte Prüftet, für jene von Ipek Jrrgängc gerathenen Kinde sprechen kann; so wie hinwiederum aber der Missionär Deodato aus Cartacciana, erschienen. Die Jeder, der den Erpfar-cr kennt un? ganz Alzei cS recht wohl zu ^ Erklärung der Missionäre, daß sie und die Pfarrer gedachte Jndi- würdigcn weiß, wenn eS in diesem Aufsätze heißt, es habe dieser viduen als Katholiken anerkennen, und daß, wenn diese die Mo- scin Amt freiwillig nietergelegt :c. Wir kennen den Grunv, schcen besuchen, es nur zur Vermeidung von Bcxalwncn geschieht^ r«Z8p. bald sieben Gründe nur zu gut und schweigen aus Liebe, machte einen üblen Eindruck auf den Scraskier, der nun die Mis- sind jedoch auch nicht abgeneigt zu revcn, wenn es seyn mnß — sionäre entließ und die Jmams zu sich beschied. Auf die Erklä- oder auch, wenn es nicht bald auf anderem Wege zur aUgemeinen rung der letzteren, daß die Tissiventcn als Muselmänner zu betrach- Offcnkundigkeit gelangen sollte, >oas in der Umgegend kein Geheim- tcn seyen, l^csz er die Häuvtcr derjenigen in Ketten werfen, welche niß mehr ist, so lange man es ihr auch zu verbergen wußte, den Katholicismus offen bekennen wollten. Man berechnet, daß Ihr aufgeklärten Disscnters freuet euch nur cuerer Accniisttion! ^ bei 150 Familien sich als katholisch erklärt borten. Eine chrer- Mancher von euch gab vor, nur wegen Winters aus der Kirche ^bietige, aber energische Erklärung von Seile aller znm Katholeees- auSgetectcn zu seyn; ihr habt ihn nun wieder, den ihr nicht mehr muö dermalen im Geheimen sich bekennenden Familien jener Gcgcn- wolltet und mit den unjierlichsten Präcicaten beehrtet, ihr habt den könnte dem Uebel ein Ende machen, da man einer so groszcn ihn nun wieder und sogar als Helden des Tages! Behaltet ihn, Menge ein offenbares Recht unmöglich verweigern könnte. Am kein Katholik beneidet euch, seyd aber schön ruhig, damit, was diel 15. August, als am Tage von Maria Himmelfahrt, ist endlich römisch-katholische Liebe mit Stillschweigen bisher übersehen, durch ^»ach vielen Iahren in einer bei Scutari liegenden katholischen solche Lobhudeleien provocirt nicht am Ende ans Tagesl'cht gcsör-^Kirche, welche die schismatischcn Griechen an sich reißen wollten, dert werde. (Katholik.) ^0^^^ wieder gehalten worden. Es war dieß ein Triumvh ,_, !des katholischen Glaubens, denn anstatt 20 oder 30, wie sonst, hatten über 1000 Katholiken sich daselbst eingefundcn. Aus den katholischen Missionen. " « ^ Der „0ssvrvatc.ro '1'r,'o«linc>" veröffentlicht folgende Nach- ^ herrliche Colonie von katholischen Priestern und Or- richtcn, welche ihm aus Scutari in Albanien unterm 20. ^"^emen ist dieser Tage wieder in die Welt ausgegangen, um August zugesendet wurden- „Während des Aufenthalts der Armee ^" H"°'"'"^ das Licht drS Eoang-l.ums zu bringen. Dr. Bravv. des Seraskiers in Jakova l,at sich ein für den Katholicismus wich-?^°f Wcstaustrali-n und Snffragan des Hockwürd-gsten Erz- tigcr Vorfall ergeben. Bekanntlich hatte schon General Piccolo-^ b''^ Polding, der m Angelegenheiten seiner^Misston eine mini bei Gelegenheit der Siege der kaiserlich österreichischen Waffengemacht, ist nämlich am 10. «evtember von unter der Anführung des Markgrafen von Baden im Jahre 1689 ^°"^" «"s wieder nach Australien zurückgek.hlt. Ihn begleiten zu Pristina mit den dem österreichischen Panier ergebenen katholi-!italienische, fünf französische nno drei irische Priester, nenn fchcn Volksältesten Unterrednogen gehabt, welche für dieselben er-i Studircndc der Theologie und sechs Ordensfraucn, im Ganzen spricßliche Folgen hatten, und bei jenem Anlasse waren viele Ein-! "^undzwanzig Personen. wohner vom griechischen Ritus nach Slavonien und Ungarn einge- -- wandert, so wie auch das Patriarchat der gnechisch-illyrischen Kirche,! Deutschland. welches bis zum Jahre 1776 in Ipek bestand, nach Carlowitz ^ Der hochwürdigstc Bischof von Fulda hat nachstehenden Erlaß verlegt wurde. Die Katholiken dagegen verblieben in den Pascha- an den Dechant und Pfarrer Schaum zu Hanau und den Pfarrer liks, in welchen sie geboren warm und bis zu welchen die öster nach Amerika unter der Führung Wilhelm Pcnn'S über und nahmen das Land ei», das j-tzt Pensyl vanien heißt. Es sind etwa 300 000 in den Vereinigten Staaten und sie machen sich durch ihre auffallende Kleidung dort bemerkbar. Die Männer tragen Hüte mit breiten Krempen und ein schwarzes Kleid nach französischem Schnitte; die Weiber unterscheiden sich durch eincn Anzug, der an den unter dem Dircctorium erinnert, und bilden so eine ständige Maskerade auf den Straßen. Die Quäcker dutzcn die ganze Welt und nehmen nie den Hut ab. Sie verwerfen alle Sacramcnte, allen äußern Cultus, die ganze kirchliche Hierarchie. — Was ihre Ceremonien anbetrifft, so verhalte» sie sich anfangs bei ihrem Gottesdienste stille und unbeweglich, indem sie den hl. Geist erwarten. Bisweilen zeigt der G.ist keinen guten Willen zu kommen, nnd dann herrscht eine oder zwei Stunde» la»g ci»e solche Stille daß man einen Grashalm fallen hören würde. Plötzlich erhebt sich ei er der Anwesenden, ein Mann j oder eine Frau. Das cvnvulsivische Zittern seiner Glieder kündigt die Ankuuft des Geistes an. Er spricht dann aus dem St greife und andere folgen ihm, so daß oft fünf bis sechs predigen; zuweilen geht man auch auseinander, ohne daß einer Lust gehabt hat den Redner zu machcn. Die orthodoxen Quäcker begnügen sich mit ihren Predigten; aber es gibt auch Disscnters unter ihnen: daö sind die Tänzer. Diese letzten haben sich etwa 59 Meilen von New.-Uork aus angesiedelt und besitze: viel Ackerland. Die Gemeinde besteht aus kräftigen Männern und Frauen und ersitzt sich nur durch Proscly- tenmachcrei. Die Hciralh ist untersagt und es besteht keine Gemeinschaft zwischen den beiden Geschlechtern, die sehr weit auseinander wohnen. Den Tag über leben sie eben so getrennt und besorgen ihre Arbeit nach ihren verschiedenen Geschäften und nur am Sonntag kommen sie in einer Kirche zusammen. Ihr r.ligiöser Cultus besteht im Tanzen, Springen und im Kreiseherumdreheu unter Gesang, und ihr Gottesdienst — man möchte ihn lieber Ball nennen — dauert so lange bis sie ermüdet zu Boden sinken. Die Tänzer sind sehr reich und cS gibt immer Bewerber, die m ihre Republik aufgenommen werden wollen. Nun gibt es noch eine Secte, die sehr von der vorigen con- trastirt, nämlich durch ihre Verachtung der zeitlichen Güter. Vor zwei Jahren hat ein gewisser Miller zu predigen angefangen daß die Welt bald untergehe und man nur an sein Seelenheil noch denken müsse. Es war sogar der 24. April 1844 als der festgesetzte Weltuntergangstag bezeichnet, an welchem Tage alle Menschen in den Himmel erhoben wurden, bevor die Erde zu seyn aufhörte. Der Betrüger lud alle auf einen Berg ein, um dann dem Himmel näher zu seyn. Denn in Amerika gibt es keinen Betrüger, der nicht auch Betrogene fände. Bald darauf sah man in allen Magazinen New-Uorks lange weise Röcke unter der Benennung: Himmelfahrtsröcke. Jeder Gläubige mußte damit angethan seyn, um mit Anstand und Grazie in den Himmel zu kommen. Man führt Kaufleute an, welche Tafeln aushängen hatten, worauf stand: „Wegen des baldigen Weltuntergangs bekommt man hier Alles gratis!" Die Vorübergehenden gingen hinein, und nahmen sich ohne zu zahlen, was sie brauchten. An dein verhängnisvollen Tage waren an mehr als 2t> Orten die Berge mit Menschen angefüllt und warteten auf die Himmelfahrt; als aber der Abend kam, mußten sie alle sich nach Hanse begeben, ohne gen Himmel gefahren zu seyn. Sie schämten sich nun freilich sehr. Miller aber findet sich seit dieser Zeit mit dem Ausspruche ab: „Unglücklicherweise habe ich mich in der Zeit geirrt." Aber viele von den Prvsclyten sind noch nicht cnitäuscht und wollen kein Eigenthum mehr besitze», indem sie glauben, die Welt werde demnächst untergehen. Wir fügen hier eine Anekdote dieser Art bei. Ein Mann, der ein Anhänger dieser Secte war, übergab sein Vermögen seinem Sohne unter der Bedingung daß, wenn die Welt nicht unterginge, er das Vermögen ihm wieder zurückgeben sollte. Nun will aber der Sohn die ihm übcrgebcnen Güter nicht mehr zurückgeben und es ist daher bei den Gerichten in Ncw-Aork ein Proceß anhängig. Ich würde nun auch noch von den Mormoniten sprechen, die sich eine Stadt bauten und darin apogryphischen Urkunden gemäß leben, von denen sie sagen daß sie mehrere tausend Jahre vor Moses geschrieben worden seyen; — von den Phalcn- steriancrn, die 5 Cvlonien in den Vereinigten Staaten haben und m jedem immer mehr Falliments erleiden; — von den „Ungläubigen", die sich selbst diesen Namen gaben uud ihre Lehren überall predigen und von allen, die sich sür Jnspirirte halten und ans den Straßen ihre P-cdigen und Gesänge ausschreicn. Doch es drängt mich zur Eile :u',d so große Mannichfaltigkeit wird endlich monoton. Ich habe ja bloß zeigen wollen, wohin der Mensch kommt, wohin er sich verirrt, wenn er nicht mehr eine Autorität in religiösen und kirchlichen Sachen anerkennt. Deutschland. Köln. Es ist jetzt bestimmt, daß auch in unserer Erzdiöccse geistliche Exercitien für den DiöcesanklcruS gehalten werden sollen. Der erste Cursus wird bereits am 21. dieses Monats für diejenigen Geistlichen, die Sc. Erzbischöflichcn Gnaden um dieselben gebeten haben, beginnen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. —— P ^ ^»gs - Mei/,^ Augsburger Iweite Jahreshälfte. der «MWD^ MA- ^^^LW. M ? a Postzeitung. s. Nov. 184S Die Verherrlichung des Kreuzes. Von schwerem Fluch beladen Ging einst auf dunklen Pfaden Dein Name durch die Welt, Kreuzholz! im Morgenlande Als Denkmal tiefer Schande Dem Laster aufgestellt. — Dn einst das Ziel des Spottes — Jetzt das Panier des Gottes, Der uns das Heil erwarb, Seit Er mit blassen Wangen An deinem Stamm gehangen, Und leidend für »nS starb. Du einst des Bannes Stempel Zur Flucht aus Stadt und Tempel Verbre.-r.crn aufgedrückt, Wardst jetzt z im Ehrenzeichen, Das in dem Grün von Eichen Die Brust des Siegers schmückt. Du strahlst auf Kriegessahnen Seit serustcr Zeit der Ahnen Dem Tapser» in der Schlacht, Und führst aus Schlamm und Sumpfe Ihn siegreich zum Triumphe Im Grau'n der Todesnacht. — Das Bild von Sieg und Leiden Siehst ans des Lebens Haiden Dem Fiominen du zugleich, Und strahlst aus fernsten Zonen Als Schmuck d-r KönigSkiouen Auf unserm Erdenreich. — Uni Dich in lichten Fernen Schlingt einen Kranz von Sternen Einst des Erlösers Hnld, Hat in der Prüfung Tagen Dich hier der Christ getragen In Demuth und Geduld. Selbst noch am Hochgerichte Winkst Du im Glaubenslichte, Führst aus dem dunkeln Nichts Den Docht, der hier verdorrte, Still durch des Todes Pforte Hinauf junl Thron des LichiS. — Sanft auf des Grabes Erde, Daß sie zum Segen werde, PZanzt in der Hosfnnng Lauf Dich der Verwesung Staube Des Christen fester Glaube Als Siegeszeichen auf. — Noch schöner wird den Deinen Einst dein Triumph erscheinen, Wenn dumpf vom Sturm nmstöhnt, Durch Neih'n gcspaltner Särge Beim Wiederhall der Berge Einst vie Posanne tönt. — Wenn ernst mit Schau'r und Schrecken Die Sündersehaar zu wecken Ihr Don-ier-Nnf sich eint, Und leuchtend jenen Tagen Von Engeln hoch getragen — Dein strahlend Bild erscheint. — Dann wird von Glanz umgeben Zu Dir sich froh erheben, Der hier im Stillen litt, Und sich zum cw'g?n Lohne Der Hcil'gen S egeokrone Durch Leiden fromm erstritt. Dann wirst mit blut'gen Malen O heilig Kreuz D» strahlen Vom Jubcllild gekrönt, DaS hoch in SionS Hallen Dir ewig einst zu schatten, — Bon Sera>ch?harfen tönt. P. S. Das Blut des heiligen Jammriils. (Aus Hnrters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.) (Fortsetzung.) Am folgenden Vormittag fand ich mich frühzeitig genug in der Capelle des heiligen Januarius ein, wo das Flüssigwerdcn wieder vor sich gehen sollte. Dicßmal konnte ich noch näher, noch genauer beobachten. Wieder wurde das Misererc angestimmt, und die auf den Knieen liegende Menge harrte mit Ehrerbietung und freudigem Erwarten, die Augen nach dem Altar gewendet. Mit dem Bischof von Lancaster und einem General-Bicarius aus Canada stand ich auf dessen oberster Stufe, unmittelbar neben dem Priester, welcher das Gefäß in den Händen hielt. Er behandelte es auf vollkommen gleiche Weise, wie der andere Priester am Abend vorher. Mehr als einmal hielt er mir dasselbe unter die Augen, und ich überzeugte mich von der vollkommenen Dichtigkeit und Festigkeit des Stoffes, so wie man bei gesunden Augen und klarem Bewußtseyn von irgend einer Sache nnr immer sich überzeugen kann. Jetzt so wenig, als am Abend vorher, fand auch nur von Ferne eine andere Berührung des Gefäßes statt, als in der oben beschriebenen Weise. Dicßmal jedoch dauerte es nicht so lange, bis der Stoff flüssig wurde. Es mochten kaum fünf Minuten vergangen seyn, als die Bläschen zum Vorschein kamen, die Masse vollkommen zerrcmn, das Fläschchen sich wieder gefüllt hatte, da zuvor ein ähnlicher leerer Naum zu sehen gewesen. Wieder ergoß sich die dichte Menge, welche die Januars- Capelle und außer derselben einen Theil der Domkirche gefüllt hatte, in das 1v veum. Am litzten Tage der Octave führte mich der Zufall nochmals in die Capelle des Heiligen, wo ich den Inhalt des Fläschchens in flüssigem Zustande der Verehrung ausgestellt fand. Zu dieser erschien in eben diesem Augenblick ein neapolitanische? Großer aus einem der vornehmsten Geschlechter. Er nahte sich ihm mit der gleichen Ehrerbietung, wie ein nebenan kniccnder Lazaroni, ließ es sich auf Slirne und Brust drücken wie dieser, und küßte es gleich diesem. Dieß geschah in einem 'Augenblick, von dem de? Fürst nicht wissen konnte, ob Jemand oder Niemand ihn sehen, ob von den vicrmalhnnd.rttauscnd Bewohnern Neapels dieser oder jener seiner dargebrachten Ehrerbietung Zeuge seyc, ob ein prüfender oder ein zweifelnder, ein glaubender oder ein spottender Fremdling sein Erscheinen würdigen oder belächeln würde. Dasselbe mußte also nothwendig Folge innerer Anregung seyn, denn keinerlei Berechnung konnte sich einmischen, wie man etwa von des Königs, in großem Geleite abgestatteten Besuch bei dem heiligen Blut sagen könnte: dieß sey eine, in kluger Berechnung dein Volksglauben dargebrachte Huldigung. Und was nun? Nach dem wiederholt Gesehenen, sorgfältig Beobachteten, die unerschütterliche Ueberzeugung daß hier etwas Außerordentliches, etwas Unerklärliches, Unbegreifliches statt finde, — ein Wunder, sofern man von diesem Ausdruck nicht zurückschreckt, oder denselben auf Etwas anwenden will, was alljährlich öfters vorgeht. Ich darf mit der festesten Zuversicht wiederholen daß ich weit eher mit dem entgegengesetzten Vorsatz als mit demjenigen, etwas Außerordentliches und Unerklärliches sehen zu können . in St. Clarens Kirche mich cingcfundcn, daß ich nicht übereilt einen Entscheid gefaßt, daß ich am ersten Abenv jedes Urtheil suSpenlirt habe, indem ich vorerst nochmals sehen wollte. Unbefangener bin ich allerdings schon am ersten Abend geworden durch die alsbald in meine Erinnerung tretenden Lügen der Neisebeschrci- ber von einer Manipulation des Fläschchens in warmen Händen, sammt allen den Zuthaten und Erklärungen, wodurch sie die Sache entweder lächerlich zu machen, oder in einen groben Betrug zu verwandeln sich bestreben. Nachdem ich dann am folgenden Tage bei Hellem Sonnenlicht, auf den Stufen des Altares, dicht an der Seite des Priesters , den ganzen Hergang nochmals von Anfang bis zu Ende und mit gleichem Vorsatz, blos prüfen zu wollen, beobachtet hatte, da sah ich keinen zureichenden Grund mehr, mit meinem Urtheil zurückzuhalten , oder durch hervorgesuchte Wenn und Aber dasselbe zu verclausulircn, oder es in die Schwebe zu stellen, oder an der richtigen Wahrnehmungsfähigkeit meiner Sinne zu zweifeln; sondern, wo ich befragt wurde, oder wo das Gespräch auf diese Sache sich lenkte — was zu Neapel in den der Ehre des Heiligen gewidmeten Tagen so selten nicht ist — äußerte ich mich: etwas Wunderbares, wenigstens Unerklärliches, könne hier selbst von dem Ungläubigsten, so er nur redlich und aufrichtig seyn wolle, nicht gcläugnet werden. Entweder müsse er ein solches im eigentlichen Sinne, so wie es von dem Oberhaupt der Kirche, von der ge- sammten Geistlichkeit und von dem ganzen neapolitanischen Volk dafür gehalten werde, annehmen, oder alsdann ein noch weit größeres Wunder darin anerkennen daß ein Betrug (zwischen welchem und der außerordentlichen Erscheinung eö keine Wahl geben kann), der niemals durch einen Einzigen, sondern nur unter dem Zusammenwirken Mehrerer jeweils möglich seyn kann, durch den Lauf vieler Jahrhunderte in immer gleich ungeschwächter Wirksamkeit habe fortdauern können. — Ich weiß wohl daß die Wörter Blendwerk, Pricsterlist, Habsucht, Herrschsucht als allzeitfcriige Trümpfe immerwährend in Bereitschaft liegen. Das aber sind Worte, die das Zeugniß gesunder Sinne nicht entkräften können. Stellen wir uns für den Augenblick auf den Standpunct des ! Betruges, so darf man des Vorganges nur Einmal Zeuge gewesen seyn, um sich gestchen zu müssen, daß ein solcher jedenfalls ^unmöglich Werk eines Einzigen seyn,könne, etwa eines Solchen, ! dem das Geheimniß, unter Verpflichtung sorgfältiger Ueberlieferung «an einen Nachkommenden, wäre anvertraut worden, sondern daß ! ein Zusammenwirken Mehrerer unerläßlich seyn müsse. Nun wäre ! es unbedingt eine Thatsache sonder gleichen zu nennen, wenn durch !den Verlauf mehrerer Jahrhunderte eine zahlreiche Reihe der ge- z wiss.'nlvsesten Betrüger ununterbrochen den ersten Rang unter der ^neapolitanischen Geistlichkeit hätt- einnehmen können, somit ein ^ Jeder in die Zwecke und Absichten der Vorangegangenen und der ! Gleichzeitigen mit der nämlichen Willcnlosigkeit oder Gewissenlosigkeit eingegangen wäre; indeß die Geschichte mehr als einem Erz- bischof oder ihm Nahestehenden das »»verwerfliche Zeugniß der Frömmigkeit und aller priesterlichen Tugenden beilegt. Aber auch dieses in Abrede gestellt und angenommen, was sich durchaus nicht zurückweisen läßt, daß immerfort ihrer Mehrere in das Geheimniß müßten eingeweiht seyn: wäre es nicht das unbegreiflichste aller Wunder, wenn im Verlauf so vieler Jahrhundertc, von einer so großen Zahl Wissender, nie ein Einziger je — wo nicht aus Redlichkeit und Wahrheitsliebe — doch in Beschränktheit, in unüberlegter Plaudcrhaftigkeit, in unbewachtem Augenblick, zuletzt aus Bosheit, aus Nachsucht, in Widerspruchsgeist, in Zeiten, welche dergleichen begünstigten, aus Spekulation, in Hoffnung sich in Credit setzen zu können, aus welchen lobenswerthen oder verwerflichen Gründen immer es sey, aus der Schule geschwatzt, entweder den Betrug rein aufgedeckt, oder doch genügsame Merkmale, die zu dessen Enthüllung konnten führen, an die Hand gegeben hätte. Die Vollandisten haben bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts mit der genauesten Scrupulosität sich bemüht, nicht nur die schriftlichen Zeugnisse und Berichte über diesen Vorgang aus allen Zeiten zu sammeln, sondern wiederholt an Ort und Stelle Alles zu erforschen und zu beobachten. Schon im Jahr 1661 reisten Hcnschcn und Papcbroch deßwegen nach Neapel, und waren am 1V. März in Gegenwart mehrerer anderen Personen Zeugen der Sache. Beinahe hundert Jahre später kam der Bearbeiter der Acten über den heil. Januarius in gleicher Absicht dahin, und am 21. August 1754 wurde in Gegenwart der zum Schatz Verordneten (mehrerer Herren vom höchsten Adel), vieler Geistlicher und anderer angesehener Männer durch den Erzbischof das Blut aus der Nische genommen und eine Acte über dessen Verwahrung uno Hcrvornahme aufgesetzt und unterzeichnet. In dieser heißt es: „Die ehrwürdigen Ucberblcibsel werden mit der größten Vorsicht (summa eauteiu) verwahr!; die Schreine sind aus Werkstücken von Marmor in die Miuer gebaut, durch zwei Thüren, jede in- und auswendig mit Silberblcch beschlagen, verschlösse!,. Jede Thüre hat zwei Schlösser und zwei verschiedene Schlüssel; zwei derselben verwahrt der Erzbischof, zwei ein zu der Deputation Verordneter (aber mir öfterem Wechsel der Person durch das Jahr). Blut und Haupt zugleich werden des Jahres nur Dreimal, das Letztere allein wird an mehreren hohen Festen hcrvorgcnommen. Der Erzbischof sendet alsdann einen Dclcgirten, der Verordnete findet sich in Person ein, und Zeugen geistlichen und weltlichen Standes sind immer viele anwesend. Würden aber die Verordneten nicht zur bestimmten Stunde sich cmsinden, so wäre cö unmöglich, die Ucberblcibsel hcrvorzunchmen." Man kennt die Sorgsalt, womit die Christen das Blut der Märtyrer unter allem Toben der Heiden und selbst unter dem Henkersschwcrt, nnd wären es auch nur Tropfen desselben gcwcfcn, oder hätten sie nur Tücher in dasselbe tauchen können, auffaßten, selbst mit Erde von der Nichtstätte vermischt, es zusammenrafften. Prudentius sa^zt in seinem Preisgesang auf den heil. Vincentiuö nbcr dicscn Gebrauch: lim pui'pui'llntem eornoris Hamlet erriorom lumimro ?!enciim vostvm iiimsm Ltüliiirtv tiiiguut, saiiAuiiio, l'uiamcm ut sacrum suis Lvmi rLSLi'vent, postoris. Der heilige JcrnuariuS nun war Bischof von Beneocnt, und wurde in der Cyristenverfvlgung unter Dioclctian im fünften Jähre des vierten Jahrhunderts mit einigen Gefährten nach Puzzuoli geschickt, um im dortigen Amphitheater den wilden Thieren vorgeworfen zu werden. Seine Leidensgeschichte erzählt uns, daß diese gcsänftigt zu seinen Füssen sich gelegt hätten, worauf der Richter, hierob noch wüthender geworden, Befehl zu seiner Enthauptung gegeben habe. Bei dieser faßte eine gottcSfürchlige Frau sciu Blut in zwei Fläschchcn auf, in das eine das reine und unvcrmischtc, in das andere mit Erde gemengt. Unter Kaiser Konstantin dann wurden die Gebeine des Blutzeugen von Puzzuoli nach seiner Gc-, burtsstadt Neapel gebracht und in der durch den heil. Bischof Scserus in seiner Ehre (außerhalb der Mauern) erbauten Kirche beigesetzt. Die Frau, welche sein Blut aufbewahrt hatte, brachte dem Bischof die Fläschchcn, und so wie diese dem Haupt nahe gebracht wurden, erhielt es seine Flüssigkeit wieder. Im neunten Jahrhundert belagerte Sicon, Fürst von Benevcnt, die Stadt Neapel, wobei er vor Allem Obacht hielt daß Niemand die heil. Ueberbleibscl wegtrage; denn er glaubte, dieselbe» gehörten dem Bischofssitz, nicht dem Geburtsort des Blutzeuge». Nachdem er die Stadt eingenommen und die Gebeine erhoben, brachte er sie unter großem Frohlocken nach Bcnevent. In den stürmischen Zeiten König (Kaiser) Friedrichs II. wurden sie in die Abtei Monte- Vcrginc geflüchtet und so heimlich unter dem Hochaltar eingemauert daß bei zweihundert Jahren Niemand Etw iS davon wußte. Im Jahr 1480 sollt- cin neuer Hochaltar gebaut werden, d5 wurden sie entdeckt und im Jahr 1497 mit großer Feierlichkeit wieder nach Neapel gebracht. Das Haupt indeß, nebst dem Blut, war immer in Neapel geblieben. Wer entweder i-r dem königlichen Museum zu Neapel die in Pompeji gefundenen Gegenstände, oder zu Rom in dem christlichen Museum des VaticanS, oder endlich in der Sammlung des ?. Marchi die in den Katakomben gefundene» Glasgcfäßc zu Aufbewahrung dcS Märtyrerbluts gesehen hat, der wird keinen Zweifel darüber hegen, daß auch dieses Fläschchen aus eben jener Zeit herftamme. Dessen geben ihm dann noch, ausser Mabillon, die Abbildungen Zeugniß, welche in Bvldelli's Ossizrva/ioni scipra i ss-zri eiml-teii cli S8. ^lartiii erl -mtmln Llii-isti-mi Krankheit ihr letztes Stadium erreicht zu haben. An diesem Tage war es, wo der Selige plötzlich seinen Blick zum Himmel erhob und mit verklärtem Blicke zum Heilande flehend ausrief: „Jesus! Gib mir mehr Leiden! Gib mir mehr Leiden!" — Seine Bitte ward erhört. Noch am Abende stellte sich der Todes kämpf ein. Der Zustand verschlimmerte sich von Stunde zu Stunde. Man befürchtete, er möge, ohne nochmals den Heiland empfangen zn haben, von hinnen scheiden. Der wartende Diener und die Schwestern machten ihn aufmerksam aus seinen Zustand. Man fragte ihn, ob er nicht wünsche, daß man ihm den Heiland bringe, damit er kämpfen helfe im letzten schweren Kampfe? — „O gewiß, gewiß!" war die Antwort. „Um die Gnade, Jesum in der letzten Stunde zu empfangen, habe ich mein ganzes Leben lang gebeten. Gehet geschwind, daß mein Beichtvater komme!" — Mit heißer Sehnsucht erwartete er den Erlöser, welchen seine Seele lieb hatte. Ost hörte man ihn sagen: „Ach! kommt mein Heiland noch nicht? Ich sterbe, ohne ihn zn empfangen." „O da kommt er," rief er freudig seinem Beichtvater entgegen, als dieser mit dem hochwürdigstcn Gute in's Zimmer trat. Der Beichtvater reichte ihm die heil. Wegzehrung. Zum letzten Male empfing der Selige den Heiland unter der Hülle des Brodes, um ihn bald zu schäum von Angesicht zu Angesicht. Der Herr Domcapitular vr. Keller- mann verrichtete die übrigen Gebete und ertheilte ihm am nächsten Morgen die General-Absolution. Die heil. Oeluug hatte er bereits in dem ersten Theile der Krankheit, als eine gefährliche Krise einzutreten schien, empfangen. So gelüstet als guter Kämpfer Christi erwartete er ruhig den Tod. Von dem Augenblicke, wo der Heiland bei ihm eingekehrt war, schien eS, als ob sein Leben bereits nicht mehr auf Ercen, sondern unter den verklärten Geistern sey. Die hl. Mutter Gottes Maria und der hl. Joseph, der hl. Clemens, der hl. Jgnatius Loyola, der hl. Fran- ciscuS Xaverius, StanislauS Kostka, Aloysius so wie die hl. Mutter Theresia, waren es, womit er sich vorzüglich beschäftigte. Sie hatte er vorzüglich im Leben als Muster und Vorbilder, als Schutzvalroncn und Fürbitter geehrt, sie ehrte Du bist wahrhaftig der Sohn Gottes! Uisorers mei soounelum magnam misorieorclism tu am. Erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit!" Der letzte Augenblick war gekommen. „Herr Jesu! komm, komm bald!" Das war das letzte Wort, welches leise über seine sterbenden Lippen kam — und der große Maun war entschlafen! — — — Selig die Todten, die im Herrn sterben, denn ihre Werke folgen ihnen nach! Deutschland. Stettin, 6. Oct. Der gestrige Tag war ein schönes Fest für uns. Se. Hochwürden der fürstbischöfl. Delegat und Propst zu St. Yedwig in Berlin, Herr Brtnkmann, welchem das Oberhaupt der Kirche die Vollmacht verliehen, in den Orten seines Dclegaturbczirkes die heil. Firmung zu ertheil-n, spendete in hiesiger Pfarrkirche an 192 Personen dieses heil. Sacrament. Es hat sich dabei wiederum bewährt, welch himmlische Stärkung, Labung und Erqnickung die Gläubigen aus dem LebenSquell der von Christus in seiner Kirche zurückgelassenen Heils- mittel schöpfen. Die Feierlich? it wird den Stcttiner Katholiken unvergeßlich bleiben. Nach Darbringung des beil. Meßopfers, welches der Herr Delegat unter Assiitenz der beiden Ortsgeistlichcn feierte, bestieg der Caplan Roland aus Berlin die Kanzel und hielt eine Gemüth und Herz tief ergreifende Rede, in welcher er auf das Wesen und die Wirkungen der hei!. Firmung hinwies und besonders hervorhob, wie die Jünger des Herrn dieß hl. Sacrament am Pfingstfcste empsa.ig:» und den Gläubigen später selbst auSgcspendct, wie die Verheißung Chriili, den hl. Geist zu senden, Allen geworden und auch heute in Erfüllung gehen solle an denen, welche sich zum Empfange der heil. Firmung hier versammelt. Nachdem der Chor die erste Strophe des Liedes: „Komm heiliger Geist," gesungen, hielt der Herr Delegat eine kurze Anrede und ertheilte hierauf den vor der Cvmmunionbank Knicenden unter Handauf- lcgung das heil. Chrisam. Die ganze Gemeinde war sichtbar ergriffen. Obgleich die Kirche, ein Saal im königlichen Schlosse, welcher zu klein ist, um an den hohen Festen alle Gläubigen aufzunehmen, auch bei dieser Feierlichkeit sehr gefüllt war, so herrschte doch di' größte Ruhe und Ordnung, denn ^eder war von tiefer Anvacht durchweht. Nach Beendigung der heil. Handlung ward das Sanctissimum exponnt, das '1's llounr angestimmt und der Segen schloß die erhabene Feier. In 11 Tagen wird der Herr Delegat wiederkehren, um bei Gelegenheit der zweiten dießjährigcn Missionoreisc auch in den Fliailirchen das Sacrament der hl. Firmung auSzuspenden. (Schles. Kirch nblatt.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er. n ^^»S- - MeiA, der Attgsvttvger Iweite Jahreshälfte. M- »» Postzeitmtg. S. Nov. 1845 An die gebenedeite Mutter. Maria auf dem Himmelsthrone Blick' holde Mutter erdenwärts Und senk' aus deiner Strahlenkrone Nur Einen Strahl in dieses Herz. Verklärt stehst du vor deinem Sohne Und zeigest auf dein Mutterherz; O, bitte ihn, du Seelenwonne, Er möchte liniern meinen Schmerz. Sich' schmachtend lechzet meine Seele, Wie in der Wüste nach der Quelle Ein matter Wand'rer heiß sich sehnt. Erbitt' mir Labung, Trost urd Fr eden; Du bist zu trösten ja bcschicden, Wenn fromm ein Herz dich Mutter nennt. Fr. X. Das Blut des heiligen Januarius. (Aus Hurtcrö „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.) (Fortsetzung.) So viel über den Ursprung und die Beschaffenheit des Flä'schchens und seines Inhaltes. Allein noch bis auf den heutigen Tag haben die Einen gemeint, mit etwelche» lügenhaften Berichten oder durch ein paar Witzworte die Sache abfertigen zu kön ncn. Redlichere haben cö vei sucht, verschiedene Hypothesen aufzustellen; das Einfache, irgend ein chemisches Präparat in durchaus übereinstimmendes Raumvcrhältniß zu bringen, auf durchaus gleiche Weise zu behandeln, und dann mittelst eines durchaus gleichen Eifolgcö von dem angeblichen Geheimniß den Schleier zu lüften, das ist meines Wissens noch nie versucht worden, wenigstens noch nie gelungen. Man kennt zwar wohl in der Cbcmie ein Präparat, welchem man den Namen Januarsblut beigelegt hat; dasselbe mag das Aussehen von Vlut haben, es mag seyn, daß es bet einer gewissen BehandlungSweise, bei gewissen Temp-raturgraden flüssig wird; darin liegt aber noch kein Beweis, überzeugend würde er nur bei Anwendung einer durchaus gleichen Behandlung, ohne alles Hinzutreten eines von außen einwirkenden Elementes. Daß von der brennenden und bloß bei dem Vorzeigen flüchtig bingehal- lencn Kerze auf das zwischen den bciten Gläsern isvlirt stehende Fläschchen auch nur irgendwelche Wärme ausstiömcn könne, das wird gewiß Niemand, welcher Augenzeuge war, behaupten wollen. Aber die Hand des Priesters! sagt man. Diese hält allerdings den Stiel des Gesäßes, indeß die Fingerspitzen der andern das Kreuz auf der Spitze berühren. Mache nun Jemand den Versuch mit einem Taschcnlatcrnchen, erfasse er dessen Stiel, stelle er in den leeren Raum das sensibelste Thermometer, und beobachte er, ob dasselbe nach viertelstündigem Halten auch nur unmerklich steigen werde? Nun bleibt noch die atmosphärische Wä>me in der vollen Kirche übrig. Nehme man einen Körper, der aus festem Zustande noch Welt schneller in den flüssigen übergeht, als geronnenes Oel, und bringe man denselben in vollkommen gleiche Temperatur-Verhältnisse, und sehe wieder nach, ob die Veiändernng in gleichem Zcitvcrlauf vor sich gehe, ob jedenfalls der Uebergang aus dem festen in den flüssigen Zustand mit gleicher Schnelligkeit erfolge, wie hier, wo das Flüssigwcrden nicht ein allmäliger, sondern ein rasch verlaufender Proeeß ist? Zu liescm Allem müßte noch eine höchst seltsame Voraussetzung hinzukommen: daß nämlich die höhere neapolitanische Geistlichkeit vor Jahrhunderten schon in dem Besitz chemischer Geheim isse gcwcsei sey, welche die in neuester Zeit erstaunlich vorangcschrittcne Wissenschaft bis auf den heutigen Tag noch nicht zu entziffern gewußt habe. Scllle das etwa ein hinterlassineS Eibstück des Erz;aubererö VirgiliuS gewesen seyn, von dessen Künsten Bischof Conrad von Halbersladt in seinem Reisebericht bei Arnold von Lübeck uns so merkwürdige Dinge erzählt? Bemerkenoweeth bleibt es immer, daß der berühmte Chemiker Daoy sich nicht im Fall sah, eine befriedigende Erklärung aufstellen zu können, daher der Annahme eines außerordentlichen Herganges nicht abgeneigt war. Daß sin Anerbieten zu chemischer Untersuchung der in der Flasche besinnlichen Substanz von der Hand gewiesen wurde, ist doch wohl begreiflich, weniger, daß er ein solches Anerbieten nur machen konnte. Bleibt hiemit ge-riß für immer der analytische Weg versperrt, so steht der synthetische unbedingt offen, und Niemand könnte einen Chemiker an Herstellung einer Substanz hindern, mit welcher, unter vollkommen gleichen Modalitäten, eben dasjenige sich zutrüge, was mit der Substanz in dem Fläschchen. Hören wir nun nach diesen apriorischen Schlußfolgerungen «inige Zeugnisse! Beginnen wir dabei mit einem der neuesten. — Unter die tiefsten Denker und unter die ausgezeichnetsten Gelehrten seines Fackcs, die Neapel in letzter Zeit auszuweisen hat, gehölte der Professor Nikolaus Fergola, ein Mathematiker ersten Ranges, anncben hervorgehoben durch alle jene höhern und edlen geistigen und moralischen Eigenschaften, welche die Römer unter dem Wort Virlui^ begriffen haben. Er starb als Mitglied der königlichen Akademie der Wissnschasten am 21. Juni 1824. Unter de-> Wcrthvollcn Handschriflcn, die er zurückließ, und welche von der Bibliothek des königlichen bourbonischcn Museums aufbewahrt werden, fanden sich auch vollständige, nur der Ordnung noch bedür sende Materialien zu einer Schuft, die voriges Jahr durch den Professor Flauti herausgegeben wurde unter dem Titel: 'Ivorica lic- mirnceili, »^s^osts con metoclo eiimvslraUvv so^uita da un elioorso .ipole-gotiLli sul »rirueolo pulil)ili allu muteriiZ, malemuliLiiinentiz climo- strulo. Mathematiker gelten in der Ziegel nicht als Leute, welche durch Eindrücke aus die Einbilvungck-aft leicht sich bestechen lassen; sie geh n in der Regel bei ihren Forschungen behutsam zu Werke, wollen auf den Grund der Erscheinungen dringen, begnügen sich nicht mit Schein und Möglichkeiten, sondern verlangen zwingende Beweise. Fergvla's Definition eines Wunders ist ganz kurz fol gende: „ein Phänomen, von dem sich keine natürliche Erllä-ung geben läßt;" wobei er zugleich die Unzulänglichkeit der Wölfischen und der Clark'fchcn, so wie die Frechheit der Svinoza'schen Definition nachweist. Darauf geht er zu der innern Möglichkeit der Wunder über und widerlegt die Einwendungen der Gottlosen. Nachdnn er ferner über die Natur der Wunder, deren Urheber und Zweck, und über die Energumenen seine Sätze aufgestellt und erwiesen, kommt er aus das Wunder des Bluts des heiligen Januarius. Zuerst beschreibt er mit aller Genauigkeit das Gefäß, in welchem das Fläschchen gezeigt wird, und stimmt bezüglich der Weise der sorgfältigen Aufbcwah-ung mit dem früher Erwähnten vollkommen übcrclu. Das Flüssigwcrden erfolgt 25' Male im Jahr, mithin in einem Jahrhundert 2500 Mal, obwohl es etwa zu einer Zeit unte-bleibt. Die namhaftesten Aerzte, Philologen, Kritiker Neapels sind häufig Zeugen des Vorganges gewesen, und Keiner je fand sich zu Einwenvungen dagegen veranlaßt. Das Blut, so wie es flüssig wird, zeigt keine lcimarligcn Bestandtheile, sondern wird flüssig w>« Wasser, und bleibt sich in diesem Zustande stets gleich. Ob vor den Beschauenden das Fläschchen täglich über tausendmal gedreht werde, nle wird dasselbe trübe. Fergola^ hat seiner Abhandlung eine Tabelle beigefügt, in welcher diel Wärmegrade der Kirche während drei Octaoen, nach Fahrenheil'-^ schc-n Thermometer, uud zugleich die Zeitdauer des Flüssigwerdens ^ und der Stand von diesem genau verzeichnet ist. Während der gamen Octave vom 19. bis 26. September 17^14 wechselte der Wärmegrad bloß zw s.hcn 77 und 80 G-ad Fahrcnhcit (20 bis! 21^2 Rcaumur), wahrlich ein unbedeutender Unterschied; die Zeit des glüssigwcrdenö dagegen von 5 bis 27 Minuten, und einmal nur wurde die Substanz bloß halb flüssig. Bemerkenswert!) ist,I daß am 19. Sept. bei 80 Graden 27 Minuten, am 26. aber bei bloß 77 Graden nur fünf Minuten verflossen. Vom 2. bis 10. Mai 1795 wechselte das Thermometer zwischen 67 und 80 Grad, die Zeit zwischen 2 und 41 Minuten, bei 67 Grad verflossen 15 Minuten, bei 80 Grad 33 Minuten; wonach Wä me- grad und Zeitdauer außer aller gegenseitigen Beziehung stehen. Noch merkwürdiger ist der Wechsel der Zeitdauer in dem Verhältniß zu der Folge der Tage. Man wäre vielleicht geneigt, zu glauben, die Zeit bis zum Flüssigwerden nehme im Fortschreiten der Tage ab, und wenn dasselbe heute stattgefunden, w rde es morgen um so schneller vor sich gehen. Keineswegs. Am 2. Mai verflossen 12 Minuten, am 3. bloß 2, am 4. hingegen 41 und am 5. nur 22. In den acht Tagen vom 19. bis 26. September des gleichen Jahres schwankte das Thermometer zwischen 74 und 81 Grad, die Zeit aber zwischen 3 und 32 Minuten. Auch dicßmal standen Zeit und Wärmegrad durchaus in keiner Wcchscl- verbindung. Im September erfolgt das Flüssigwcrden um 9 Uhr Vormittags, worauf das Blut aus der weit wärmern JanuarS- CaxeUe auf den Hochaltar der kältern Dvmkirche getragen wird, und bis zum Abend, wo man cS wieder in seine Nische stellt, in immer gleich flüssigem Zustande bleibt. Im Mai ist es täglich zweimal flüssig, Vormittag von 9 bis 12 Uhr; um Mittag wird das Rcligua ium verhüllt und die Kirche geschlossen. Wird hierauf Nachmittugö drei Uhr die Hülle weggenommen, so findet sich das Blut wieder in festem Zustande, bis es abermals slreßnrd wird. Das nun sind die Beobachtungen eineS Privatmannes, während des Verlaufes einer kurzen Zcitsrist. Allein seit dem Jahr 1659 werden alle Wahrnehmungen über die Beschaffenheit des Blutes bei dem Herausnehmen aus der Ni'chc, über die Umstände, unter denen es flüssig wi-d, über den Grad der Flüssigkeit, über den Zeitverlauf bis zu dieser, durch den Schatzmeister der Capcllc und einen Chorherr» Jedesmal aufgezeichnet. Würde das wohl geschehen, oder der Mühe werth eracht t werden, wenn hier Betrug statt fände? Diese Auflcichnu'gen sind zugleich ein fortlaufen^ der Commentar zu dem eidlich beschworencn Bericht des SecrctärS der zur Deputation des Schatzes Verordneten, der darüber sagt: „Manchmal veizieht sich das Flüssigwcrden, Einmal etwa erfolgt es gar nicht; bisweilen ist das Blut schon flüssig, wenn es aus dem Schrank genommen wird; nicht selten füllt es das Fläschchen so, daß die Bewegung des Flüssigen nicht kann wahrgenommen werden. Das Gleiche ist zuweilen der Fall, wenn cS ausgesetzt ist; entweder bleibt es so den ganzen Tag, oder es sinkt wieder. Jetzt wird die ganze Masse flüssig, dann wieder bleibt ein Klumpen zurück, der in dem Fläschchen umhcrschwimmt; ein anderes Mal, jedoch selten, wird es flüssig, indem es zum Küssen dargereicht wird, gewöhnlich indlß, wenn es auf dem Altare steht, wo Niemand es zu berühren im Stande ist; eine brennende Kerze wird von Zeit zu Zeit hingehalten, um zu sehen, ob das Flüssig- werden erfolgt sey. Alle diese Verschiedenheiten erzeigen sich ohne Ordnung oder Neihcngcmg, auf den etwa die Witterung Vc;ug haben könnte. Nicht nur wird zu gleicher Zeit des einen Jahres wahrgenommen, was in derjenigen des andern anders ist, ja oft in der gleichen Octave, selbst an dem gleichen Tag sind Verschiedenheiten zu bemerken." Hierin ist dann die Behauptung des Temperaturwechscls zwischen der angeblich kältern Nische, worin das Biut aufbewahrt wird, und der wärmcrn Kirche entschieden widerlegt, wenn nicht von vornherein dürfte angenommen werden, daß diese Temperatur- Verschiedenheit nicht so bedeutend seyn könne, um einen festen Körper in einen flüssigen zu verwandeln. Wäre aber auch, wovon sich nach Fergola's Untersuchungen das Gegentheil herausstellt, die Mauer-Nische wirklich kälter, als die Domkircbc, so könnte doch der Unterschied der Temperatur nicht so bedeutend seyn, um einen flüssigen Stoff in ganz kurzer Zeit in den Zustand des Gcronncn- seyns zu verwandeln. Mache man den Versuch mit dem feinsten Oel, und sehe man, ob in einer neapolitanischen Kirche je eine so niedere Temperatur eintrete, die das Oel zum Gerinnen bringen könne. Der Engländer Weedall stillte dergleichen Versuche an. Er setzte ein Glasgesäß mit Gallerte aus Kalbsfüßen mit einem Thermometer über eine F »erwärme von 73 —- 75 Grad Fahren- heit, und mußte sie fü'ns Viertelstunden drehen, bis sie zu zerfließen begann; bei steigender Wärme von 60 — 36 Graden bedürfte sie 35 Minuten, bei 105 Graden (32 ^ Reaumnr, also einer Tempcraturhöhc, die zu keiner Zeit in der Kirche vorkommen kann) 15 Minuten. Bei 78 Graden wird Butter nur in fünf Viertelstunden, und erst auf der Oberfläche weich, und bloß bei 100 ^ ivg vergeht er in 12 Minuten völlig. Eis dagegen Wurde bei 68 Grad seine Festigkeit nicht lange bewahren, doch eben so wenig, und betrüge es an Gewicht bloß eine Unze, in 12 Minuten vollständig zergehen. Hiebei ist dann nicht zu übersehen, daß alle diese Stoffe bei gleichem Wärmegrad unabweichlich in gleicher Zeitsrist sich verändern, indeß bei dem Blut des heil. JanucrriuS hierin die größte Verschiedenheit bemerkt wird, und der Wärmegrad auf die Zeit des Flüsstgwerdcns keinerlei Einfluß übt. Wie endlich soll man es erklären, daß die Flüssigkeit das Einemal das Fläschchcn füllt, ein Andermal nicht? Fergola läßt seinen Beobachtungen den Satz folgen: Ein hermetisch verschloss ncs, jedem chemischen AgcnS und jedem nußern Einfluß unzugängliches Fläschchcn ist auf zwei Dritthcile seines Raums mit einer harten Substanz angefüllt; wie kommt es nun, daß diese, in die Nähe eines andern Körpers (der Reliquien des Heiligen) gebracht, unter verschiedenen Modalitäten, j^tzt den gleichen Raum einnehmend, dann das Fläschchcn füllend, doch ohne es zu zersprengen, flüssig wird gleich Waffer, dabei niemals das Fläschch n trübt? Hierauf entgegnit er: „als Ranon der Physik steht fest: man darf zu Erklärung der Naturerscheinungen keine andern, als wahrhaftige Gründe und deren nicht mehr, als zur Erklärung nothwendig sind, beibringen." des heiligen Januars die Nacht durch aus's sorgfältigste bewache», und es würde das Flüssigwerden dennoch vor sich gehen, würden Jene wohl alsdann die Nichtigkeit der Thatsache anerkennen? Lieber würden sie das Wort der Juden wiederholen: die Wächter haben geschlafen, sie hoben von den Priestern sich überlisten lassen. Aber in der Octave der Translation bleibt das Blut immerwährend von Mittag bis drei Uhr auf dem Hochaltar des Doms, nur verhüllt, und zeigt sich Jedesmal beim Enthüllen geronnen und wird neuerdings flüssig. Wer schleicht denn am hellen Tage hinein, um die Operation des Füllens des FlaschchenS vorzunehmen?" Fergola schließt dieses Eapitel mit den Worten, welche sich auch mit vollem Recht auf di^ gelahrten Wundcrzerklärer des Neue» Testaments anwenden lassen: „Wer die Wahrheit der Wunder läugncn will, sieht sich ;u tausenderlei Tollheiten gezwungen." (Fortsetzung folgt.) Die katholische Kirche und die Secten im Orient Konstantinopcl, 27. September. ") Aus Demuth und Umsicht hebt die katholische Propaganda nicht alle Tagesereignisse hervor, welche unsere Missionäre stärken und trösten, sie vcrmci det vielmehr, so weit dieses in ihren Kräften sieht, den äußeren Glanz eines Ruhmes, der das Hciligthum entweihen oder Verdienste, die einer höheren Belohnung würdig sind, mit dem Rubine vor den Menschen aus gleiche L nie stellen würde. Zudem würden lange Listen von Bekehrungen in einem Lande, das gesetzlich die Freiheit des Gewissens noch nicht besitzt, leicht zu eben so viel Prvscriptlonslistcn in den Händen der Fei de der Kirche werden, welche stets aus ihre Wirksamkeit lauern und derselben hemmend entgegenzutreten suchen. Europa kennt darum nicht alle Fortschritte des Glaubens im Oriente und der größte Theil des Guten, welches die Missionäre wirken, bleibt und kannt. Anders geht freilich der Protestantismus zu Werke, denn dieser s tzt die Trompete an den Mund und verkündigt Ersoige, die er nicht errungen hat. Daher mochte es denn kommen, daß neulich durch franzö>ische und deutsche Zeitungen die Nachricht gelaufen ist, der Patriarch, Weiter ist es Kanon der! der Episkopat, die Geistlichkeit und das Volk der Kritik: „Die Cautelcn, welche eine Gesellschaft anwendet, um eine Nestorianer seyen zum anglicanischcn Glauben über- Thalsache gegen Betrug sicher zu stellen, müssen gewisse Gränzen getreten. Die Katholiken können indessen darüber rudig seyn! hcrbm, über welche hinaus dieselben nicht geben dürfen, denn sonst S)enn die Kirche Heirrichs VUI. und der Königin Beß, iv.lchc müßte man Cautelcn gegen die Cautelcn verlangen, was in's End-! zu Hause immer mehr altert, hat bis jetzt das Geheimniß lose getrieben werden könnte, und alle moraiische Gcwißh.it ver-i noch nicht gefunden, sich nach außmhin zu verjüngen oder gar Nichten, die Gcsellichast auflösen müßte. Unter solchem Skepticis-! neu zu gebären. Im vorigen Jahre hat sie allerdings bei den muS könnte kein Sohn sich sür rechtmäßig erkennen, kein Vertrag türkischen Nestoricrnern zwei Pred'ger, Renegaten des Pu-- giltig, gar nichts mehr gesichert seyn." seyismus, unterhalten, allein diese beiden Arbeiter im Weinberge „Aber," fährt er fort, „möchten die Nationalisten am Endeides Herrn bekümmerten sich wenig um Die, welchen sie das Evan- cinwenden: wäre es nicht denkbar daß die Priester von San ^gelium predigen sollten, sondern gericthen dn, Sendlingcn des Germano mittelst falscher Schlüssel Nachts die Capellc aufschlössen,! Methodismus in die Haare und daö Resultat des Kampfes war, das Fläschchcn aus dem Rcliguarium herausnähmen, und Men- daß beide alle Achtung in den Augen der Bevölkerung verloren struum, oder irgend cine chemische Zubereitung, in dasselbe göffn und das Feld räumen mußten, aus welchem die Dominicaner von und es bewerkstelligten, daß am folgendin Tag zu bestimmtes Mossul und die Capuciner von Mardin friedlich wie seither Stunde das Blut flüssig werde?" — Fergola beantwortete dieß fortarbeiten. Der Ncstorianischc Patriarch, den der englische Ge- mit dem Sprüchlein: „Betrug dauert selten lange," und zum sandte unter seinen besonderen Schutz genommen hat, belicht zwar Theil mit denjenigen Gründen, welche in Betreff einer Sache, die seinen monatlichen Gehalt fort, allein er steht in der Stadt Mos- unter den verschiedensten Kö>ngshäuscrn und unter Zusammenwirkens sul allein, verlassen und voll Verlegenheit, daß er nicht wenig- vicler Personen während mehrerer Jahrhunderte immer statt gcfun-Ostens einige Seelen gekapert, die er für seine Hceide ausgeben den hat, alsbald auch mir sich darboten. „Trüge man indeßkönnte. Dieß ist die ganze Geschichte, woraus die protestantischen sagt Fergola weiter, „der Einwendungen der Ungläubigen größere!- Rechnung als sie verdienen, ließe man die Mauernischen im Schatz! .) U„z Univcrs nach der Uebertragung des „Katholiken." Blätter die Neuigkeit geschmiedet haben, der Patriarch, der Episkopat, der Klerus und das Volk der Ncstorianer seyen für den anglieanischen Glauben gewonnen worden. Man hat dabei nur das kleine Verschen begangen, daß man den Theil für das Ganze genommen und für den ganzen Körper ein von dem Leibe losgetrenntes Haupt gehalten hat, das nicht aus irgend welchem religiösen Bedürfnisse, sondern bloß in der Hoffnung durch englischen Einfluß den in den Gebirgen von Kurdistan gelegenen bischöflichen Stuhl von KhodjamöS zu besteigen, unter englischen Schutz getreten ist. In zweiter Linie stehen die amerikanischen Methode sten, die jedoch bei den Nestorianern in Persien eben so unglücklich sind. Zwar berichten auch sie schon seit zehn Jahren nach Hause, daß sie den Episkopat, die Geistlichkeit und das Volk gewonnen hätten, allein auch das ist unwahr. Sie zahlen zwar den Bischöfen und Priestern in der Ebene von Urin iah einen Jahrcsgehcilt aus, in welchem Sinne sie dieselben allerdings gewonnen haben; allein das Volk hat der Bestechung Widerstanden und die unerhörten Anstrengungen, welche die intole- ranten Herren schon seit fünf Jahren machen, um die französischen La;aristcn, deren Ankunft allen ihren Bestrebungen Stillstand geboten, aus Persien zu vertreiben, sind nur zu ihrem Nachtheile auogeschlagcn, woher es auch kommen mag, daß sie j-üngnhin in ihren Briefen an daö Comite; zu Boston diese gefährdete Mission dem Gebiete der dortigen Freunde empfohlen haben. Eben so unglücklich sind sie in Griechenland, wo das Bostoner Comite wegen der störrischen Gemüthsart der Griechen zu Athen nur noch einen einzigen Missionär unterhält, eben jenen Herrn King, dem das Volk der hellenischen Hauptstadt neulich fast übel mitgespielt hätte, weil er eine Broschüre geschrieben, in welcher nach dem Geiste seiner Sects die Jungfräulichkeit und Heiligkeit der Mutter GottcS gelästert waren. Ueberhaupt bestebt ihr ganzes Missionspersonal zu Konstantinopcl, Smyrna, Brussa, Trapezuni, Erzerum, Abei im Libanon und Urmiah in Pcrsien aus dreißig verheir.itheten Herren, acht Damen und neunzehn aus den verschiedenen Localitäten stammenden Assistenten, wozu nun noch Miß Fidelia Fiek und Miß Harriet Lcwell kommen, von denen die erstere ein Erzichungoinstitut zu Urmiah mit zwei und Zwanzig Pensionärinnen leitet und die zweite eines zu Konstantinopel gründen wollte, das invissen einer gewissen Concurrenz wegen nicht zu Stande gekommen ist. Es ist in der That schwer zu begreifen^ was Miß Harriet Lowell neben den barmherzigen Schwestern ausrichten will, die schon mehr als hundert Pensionäre, über dreihundert Externe hab.n und dabei noch die Kranken ohne Unterschied der Religion und Nat ionalität verpflegen. Die Zahl der verpflegten Kranken bclief sich im vorigen Jahrc auf 22,600 und Wird dieses Jahr das Dreifache dieser Zahl erreichen. Dieser überwiegende katholische Einfluß, der sowohl im Unterrichte als in der Wirlscnnkcit der Missionäre hervo-tritt, ärgert nun allerdings gewisse Diplomaten, die von der fixen Idee besessen sind, sie müßten die papistisch jesuitischen Einflüsse bekämpfen. Sie fühlen, daß sie hier von einer unbekannten und unwiderstehlichen Kraft überflügelt Werden, deren unverzeihliches Unrecht immer noch darin besteht, daß sie eine wahre F>cundin und Beföiderin der Civilisa-^ tion ten für allgemeine Gewissensfreiheit im türkischen Reiche nicht und begnügen sich mit einzelnen Zugeständnissen, wie z. B. in der Renegatcnfrage, weil sie wohl voraussehen daß volle Glaubensfreiheit die Erfolglosigkeit der protestantischen Propaganda und die Triumphe der katholischen Wahrheit nur vermehren könne. Alle englischen Intriguen im Libanon gehen von diesem einen Principe aus. Niemand gewinnt bet diesem Verfahren der Engländer mehr als das griechisch russische Schisma. Da die Freiheit sein Tod seyn würde, so benutzt es die ihm vergönnte Frist nach Kräften, um die unter sinem Joche seufzenden Völker desto fester zu knebeln und allerwärts Schutz- und Trutzbündnisse zu schließen. So hat der griechische Patnarch jetzt die Gültigkeit der Taufe bei dcrr nichtunirten Armeniern anerkannt, eine Concession, welche von der St. Petersburger Synode dictirt worden ist und die zwei getrennten Kirchen einander näher bringt. Andererseits haben der griechische und armenische Patriarch mit dem Oberrabbiner der Juden den ganz eigenthümlichen Vertrag abgesctl> sscn, daß Keiner von ihnen Proselytcn aus der Religionsgemeinschaft deö Andern aufnehmen solle, ja sie haben sich sogar das Recht der gegenseitigen Änslicferung vorbehalten, ein lächerlicher Contract, durch welchen der Begriff der religiösen Einheit und Wahrheit in Frage gestellt wird und der unter der Maske eines gottlosen Indifferentismus nichts Anderes bezweckt, als den Pros.lytismus im Allgemeinen zu unterdrücken. Ein junger Jsraelite, den ein dunkles Gefühl zum Chiisteuthume hinzog, kam bald darauf zum griechischen Patriarchen und wurde von ihm im Namen der ebengedachten Convention aufgefordert, beim Judenthume zu bleiben. Da jeroch dieser Grund den jungen Mann nicht befriedigte, so führte ihn dieselbe Hand, die ihn zur Erforschung der Wahrheit geleitet, jetzt zu den lateinischen Missionären und der Jsraelite, der nicht schismatisch weiden durste, wurde nun katholisch. Trotz aller dieser Rücksichten auf jene nordische Macht, die im Oriente den Ucbertritt von einer Religion zur andern nicht dulden will, stehen die Angelegenheiten des griechischen Patriarchen nicht zum Besten. Er hat zwar von dem Hvspodar der Wailachei, Bibesko, einen mit sechs Pserden bespannten Wagen zum Geschenke erhalten, weil er zu der ziemlich skandalösen Ehescheidung und Wiederverchelichung dies-s Fürsten seine Einwilligung gegeben, allein sein geistlicher Credit ist rarum um nichts gebessert worden. Da er unter dem Ministerium Risa gewählt worden ist, so benutzen seine Mitbewerber diesen Umstand, ihn mit dieser heicklen Cabinetsfrage in Berührung zu bringen und es ist leicht möglich daß er bald einen Nachfolger erhalten wud, eine Absetzung, die ihn nicht nur der mit seiner Würrc neulich veebundenen politischen Ehren berauben, sondern auch der Wuth s.incr Gläubiier preisgeben wird, welche die zur Bcfö!ve?ung seiner Wahl vorgeschossenen Geldsummen noch nicht zurückerhalten haben. Frankreich. An den geistlichen Exercitien, welche jedesmal im Herbste für die Priester am Sitze ihres Bischofes abgehalten werden, ward dieß Jahr abermals mit gesteigertem Eiser Theil genommen. Auch die Vischöse wohnten meistens denselben bet. In der Diöcese Montpellier z. V. fanden sich ungefähr 409 Priester zu den ist. Diese Männer obgleich NeP^ Uebungen 'ein- die Zahl der Tyeilnehmer aus dem liberalen Poln.k, ...ter^utzen d.e französischen Bestrebungen Valcnce stieg über 20» Verlags - Inhaber : F. C. Krem er. n ^»s- - KieiK. der Attgsvurger Zweite IahreÄhlilfte. L Postzeitung. R«. Nov. Das Blut des heiligen Januarius. (Ans Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bandchen.) (Fortsetzung.) Gehsn wir nun zurück in die Zeiten, um die ältesten Zeug- nisse über diesen Vorgang alnul'ö'en. Die Marteracteu des hnli- gen Januarius und seiner Gesägten, aus diesen die ältesten Breviere, beschreiben denselben gerade so wie er noch jetzt wahrgenommen wird. „Eine vornehme Sache," heißt es im achten Lesestück des Breviers für das Fest des heiligen JanuariuS, „ist auch sein Blut, welches geronnen in einem Glasfläsccch^n aufbewahrt wird. So wie man es in die Nähe des Hauptes des Märtyrers bringt, wird es ans wunderbare Weise flüssig, und bis auf den heutigen Tag sieht man cS dann Blasen werfen, als wäre es so eben vergossen worden," — das älteste Zeugniß mit Znt- bestimmung reicht an acht Jahrhunderte hinauf. Im Leben des heiligen Percgrinus, des schottischen Kö.iigS Malcolms Sohn, liest man: „Der heilige Percgrinus kam auch nach Neapel zu dem crlanckten Wunder des heiligen Blutzeugen Januarius. Dort werden zir»i GlaSfläschchen mit dem Blut des Heiligen aufbewahrt. Es ist stcmhart. Werden aber die Fläschchen dem Haupt des Blutzeugen genäl ert, so wird das Blut mit einem gewissen schäumenden Brodeln alsbald flussig und die Fläschchen bleiben unversehrt." — Daß wenigstens Haupt und Blut aufbewahrt werden, berichtet kein Jahrhundert später der sicilianischc Kartäuser Maral- duS. — Aencas SilviuS zählt in seinem Commentar zu den Reden und Thaten König Alfonso's vier schenswerthe Dinge in Neapel auf. „Als fünftes," sagt er, „wenn es Jemand vernehmen will, würde ich beifügen, jenes heilige Blut des heiligen Januarius, welches bald geronnen, bald flüssig gezeigt wird, obwohl es vor 12V0 Jahren für den Namen Christi vergossen worden ist." — Das älteste neapolitanische Druckwerk sind wahrscheinlich die ?an- cZeotgo muclicmglos kiluttli-iei Silvaliei, herausgegeben im Jahr 1474 von dem königlichen Leibarzt Ängclo Cato. In der Zueig- nungsschrist an König Ferdinand von Aragonien zählt derselbe zu Neapels Schätzen auch das Blut des heiligen Januarius. „Was soll ich," sagt er, „von dem Blnt dieses Märtyrers sprechen, welches zu Neapel mit größter Ehrerbietung aufbewahrt wird? Weiche Wunder immer unter den Augen der Vekenner Christi in unserer Zeit vor sich gehen mögen, wäre cincS leuchtender, unläugbarcr? Von dem Haupt entfernt, wird das Blut hart, in dessen Nähe gebracht, wird eS flüssig, eben so,- als wäre cS an diesem Tagt vergossen worden." — Aehnliches bezeugt der genuesische Dog! Frcgoso, welcher vom Jahr 1473 —- 1483 als Flüchtling zu Neapel sieb aufhielt. — Robert Gaguin erzählt in seinem Meci der Chroniken, oder Grschichtespirgel von Frankreich (.Vlii-viiLk Iivstcirial ciiz kVaneo): am 3. Mai 14S5 habe König Carl VIll. in Begleit vieler Carvinäle, Erzbischöse, Bischöfe und Prälaten in der St, Januarskirche der Messe angewohnt, darauf sey ihm Haupt und Blut des Heiligen gezeigt woilxn, letzteres stcinhart; kaum es aber einige Zeit auf dem Alrar gestanden, habe cs alobald sich zu erwärmen und zu sleßen begonnen, gleich Blut, welches so eben einem lebendigen Menschen wäre entzogen worden. Am ausführlichsten spricht darüber einer der merkwürdigsten Männer am Anfang des 16ten Jahrhunderts, der berühmte Franz Pico, Fürst von Mirnndola, nämlich der gleichnamige Vetter von jenem, welchen Scaliger das Monstrum der Gelehrsamkeit genannt hat. Derselbe gab im Jahr 1502 ein Werk heraus: cle liclcz et orclino creclencli. Darin findet sich folgende Stelle: „Zu Neapel, in der Campagna, werden die Uebcrreste d-s Blutzeugen JanuariuS aufbewahrt. Ein Gefäß enthält sein Blut, welches frommer Sinn nach seiner Hinrichtung aufbewahrte. Stellt man dasselbe in die Nähe der Glieder, so fängt es gleichsam zn schäumen an und wird flüssig und kehrt in den frühern Zustand des Blutes zurück; entfernt man cs an einen andern Ort, so gerinnt es wieder und wird fest, und nimmt die Gestalt an, wie Blut sie haben muß, das vor vielen Jahrhunderten vergossen worden. Doch geschieht dieses nicht immer; denn so bald jener Gegend irgend ein Unfall droht, oder Ruhestörung cS hindert, so deutet eS durch srine Unbeweglicbkeit die bevorstehende Plage an, wie die Landes-- bewohner aus langjähriger Erfahrung wisftn. Ich habe mit meinen eigenen Augen dieses feste und seiner Natur gemäß schwarze Blut bei der Annäherung an das Haupt roth, flüssig werden, Blasen werfen gesehen, gleich als wäre cö unmittelbar der Ader entströmt. Ich wiederhole es: ich habe es mit eigenen Augen gesehen und habe mich vollkommen überzeugt, daß dieses auf natürlichem Wege unmöglich so sich zutragen könne. Denn für den Philosophen ist es eine ausgemachte Wahrheit, daß Etwas, waö selnc Gestalt verloren hat, in dieselbe nicht wieder zurückkehren könne. Wer dieses nicht glauben wollte, den würde leicht die Erfahrung belehren: er dürfte nur Blut nehmen; wäre es erst geronnen, und nach Monaten -—- ich will nicht einmal sagen Jahren — in einen erdichten und staubförmigen Stoff verwandelt, so würde es in seine vorige Gestalt, oder nur in die Accidentien der Gestalt, d. i. Nöthe, Flüssigkeit u. s. w., nicht Wieder zurückgebracht werden können." Diesen Zeugnissen läßt sich noch eine Bulle Sixtus V. beifügen, worin er sagt: „Wir wollen, daß die in der erzbischöflichcn Kirche von Neapel gelegene Capclle, der Schatz des heil. Janua- rius genannt, wo das Haupt und das Blut dieses Heiligen aufbewahrt wird und, wie Wir vernommen haben, die göttliche Majestät beständige Wunder wirkt, mit erforderlicher Ehrerbietung besucht werde." Noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts verfaßte ein neapolitanischer Rcchtsgelehrter in entschieden beipflichtendem Sinn iibcr diese Thatsache folgendes Gedicht: Nonclmn ereelis ^rsbs, 3o)tlriei5 czuiri Larbarus oris LnnsuZi^ »6 veriu religionis iter? ^s>)iee, pul^a Iiiee! 8tüt loriZum post Äsi^ri-z nvum Iiieorrui,,tus aclliue et sine tade eruorz Imo Iiilaris ^liseit, eonsur^it, cti8silii, arclet Oe^or, extrem-v est im^atieirs tubsc; ?erliclris sn cernis, eupiti ut eruor obvius, sirte li'rigicius et ilurus, serveut et iiciuest? Laute vel g8s»erior, vel sit iulamiiirtiiius .Vier 8aiiZuine czuin llrir» sponte linauente licrues? Gegen dergleichen Zeugnisse können nur Gegenzeugntssc, erwiesene Thatsachen, concrete Gründe Gewicht haben; bloßes Abweisen, nacktes Läugnen, wohlfeiles Spotten erklärt nichts, entkräftet nichts, hellt das Dunkel nicht auf. Der Baron Bielefelv sagte seiner Zeit freilich zu Neapel: „einen solchen zerrinnenden Stoff wissen unsere Apotheker ebenfalls zu bereiten." Aber warum haben sie es in Berlin nie versucht, diese außerordentliche Erscheinung zu rcproducircn? — Ein anderer Deutscher brachte die scharfsinnige Erklärung: es wären zwei Monstranzen vorhanden, eine mit dem harten, die andere mit dem flüssigen Blut, und während der Function Würde jene von dem Priester escamotirt. Wer auch nur einmal den Vorgang beobachtet hat, der käme hiemit wieder zu einem Wnnder, Wenigstens zu einem wahren Hexenmeister, der mit der wundcr- Werlhcstcn Leichtigkeit vor den Augen von Tausenden eine ganze Monstranz wegstipitze» könnte, ohne daß Jemand es wahrnähme.— Noch abcnteu-rlicher hat der Franzose Scrces, um das Flüssigrver- dcn zu erklären, die Nähe des Vesuvs und der Solfatara zu Hilfe genommen. Aber wie müßte es denen zu Puzzuoli und zu Nesina ergchen, wenn die Wärmcströmung von diesen beiden Puncten eine solche Wirkung bis in den Dom von Neapel ausdehnen könnte? Da er wohl fühlen mochte, dieß könne nicht gelingen, so fiel es ihm nicht schwer, zu behaupten, die Sache ginge an verborgenem Ort, bloß in Gegenwart von lcichgläubigcm Pöbel, unter Ferne- Halten gebildeter Personen, und zu einer Zeit vor, die nicht genau festgesetzt sey. Das heißt wenigstens das Lügen in ehrlicher Weise betreiben, indem auch nicht ein Pünctchen Wahrheit in dasselbe gemischt wird. Ein Engländer trug das Wunder von dem Heiligen auf seine Priester über. „Wunderbar," rief er, „sind die chemischen Kenntnisse der Priester des Schatzes von St. Januar!" — So sinnt man in Ermanglung einer zureichenden Erklärung lieber las Ungereimteste aus, als in offenem Bekenntniß seiner Unfähigkeit wenigstens das Außerordentliche und Unerklärliche zu bekennen. Man ist unendlich weit über die Zeit jenes bescheidenen und pflichtmäßigen Zweifels hinausgeschrittcn, welchen der hessische Jurist Heinrich Kornmann in seinem lateinisch geschriebenen Buch: „Ueber die Wunder der Verstorbenen," in Betreff des vorliegenden so ausdrückte: „Wiewohl die Sache allgemein bekannt ist, möchte ich doch das sichere Zeugniß Solcher vernehmen, die gegenwärtig waren und mit offenen Augen den Vorgang beobachteten." Unter den frühern Reisenden spricht Kcyßler wenigstens gemäßigt, und ohne die läppischen Zuthaten, womit spätere ihre Berichte würzen zu müssen glaubten. Da in seiner Reisebeschreibung die Zeitangaben hinsichtlich seines Aufenthalts zu Neapel mangeln, so ist es ungewiß, ob er das Flüssigwerden des Blutes selbst gesehen, oder den Hergang nur nach Berichten und aus Vermuthungen beschrieben habe. Ich bin geneigt, das Letztere anzunehmen; denn er sagt darüber Folgendes: „Die in dem Glase befindliche Materie ist braunroth und gleicht dem Lalsamo ?sru- visno, welcher auch leicht flüssig gemacht werden kann. An dem Tag, da dieses Wunder geschehen soll, steht dieses Blut vor einer Menge Lichter (unwahr, die Menge ist nicht groß und jedenfalls ragen die L'chter bedeutend hoch über das Gefäß hinauf); das Glas, worinnen es nun zwar noch in einer kleinen Phiole, die etwa eines Fingers lang, eingeschlossen ist, wird den umstehenden und zwar mit großer Begierde herzu sich drängenden Personen zum Kusse an den Mund und hernach an die Stirne gehalten (aber immer dann erst, wenn es schon flüssig ist, daher Kcvßlers Folgerung von selbst dahin fällt); bei solcher Gelegenheit stürzt der Priester dasselbe mehr als tausendmal (rein unmöglich, soll heißen ein paar Dutzendmal) um, daß der Boden oben und auf die Seite zu stehen kömmt. Di^ Wärme seiner Hände (ohne allen Einfluß, wie ich überzeugend gesehen und dargcthan habe), der Qualm der Lichter (welcher einigen Einfluß unmöglich üben kann), der Dunst, welcher aus der Menge des Volkes in einer warmen Jahreszeit (man denke an Fergola's Vergleichung »wischen Thermometer und Zeitverkauf), und endlich der warme Odem, der aus dem Munde der Küssenden kommt (nachdem das Flüssigwerden schon geschehen ist), nebst andern Umständen (deren Angabe nicht hätte sollen unterlassen werden) könnte auch eine andere vorher flüssig gewesene Malerie schmelzend machen. (In einer Anmerkung führt Keyßler an: „Im Jahr 1733 hat der bekannte Chemikus Hvfrath Ncuincmn in Berlin das Geheimniß erfunden, auf eine leichte Art und so oft er will, eine vergleiche Fließung des Blutes, wie von des heil. Janucrrius Reliquien vorgegeben wird, nachzumachen." — Für gläubige Ungläubige wäre cö interessant, dieses unter vollkommen gleichen Modalitäten, wie das Ercigniß in Neapel, sich vormachen zu sehen.) „Es wäre billig/ fährt Keyßler fort, „daß man den Ungläubigen und Ketzern genügsame F-eiheit vergönnte, die Umstände dieses Wunders genauer emzus hen (diese ist ihnen aber wirklich ohne alle Beschränkung vergönnt), anstatt daß sie sich, wie Andere, begnügen lassen müssen, daß der Priester endlich ruft: il mirsoolo e tutto, und dann mit großen Freuden das le veum Iauilunru8 angestimmt wird." Wenn Kotzebue in dem Flüssigwerden des Blutes nur einen der vielen Beweise von dem dummen Aberglauben der Neapolitaner findet, so ist er doch ehrlich genug, nicht den Aberglauben an das Ersonnene in Anspruch zu nehmen. Er sagt: „Man glaubt gewöhnlich, die Flüssigkeit der rothen Materie werde durch die Wärme der pricstcrlichen Hand hervorgebracht; aber darin irrt man. Die kleine Phiole, welche das sogenannte Blut enthält, ist in einer größcrn gläsernen Flasche eing->chlosscn, so daß zwischen beiden ein leerer Raum sich befindet, die Wärme einer Hand folglich schwerlich bis dahin dringen kann, und auf jeden Fall ein sehr unsicheres Mittel seyn würde. Wohlunterrichtete (v. h. nicht über die Sache selbst, sondern in omni seibili et aonnullig sliis sogenannte Aufgeklärte) haben mich versichert, das Wunder werde bloß durch chemische Mittel bewirkt, daher es auch oft so lange daure; aber fehlen könne es nie, wenn die Flasche nur immer brav geschüt- telt (das aber wird sie nicht, sondern bloß gewendet) werde. Wenige Leute, selbst wenige Priester, sind im Geheimniß, und es gibt unter den letztern vernünftige Leute, die steif und fest an das Wunder glauben." Elise von der Recke wollte zwar die flache Verständigkeit an 5tin Vorgange ebenfalls üben, aber ihre pretiöse Nervenschwäche vereitelte das lobwürdige Vorhaben, sie konnte es in der Kirche nicht aushalten und mußte sich zurückführen lassen. Doch gereichte es ihr zur trostreichen Beruhigung, „den Erfolg eines Experimentes nicht gesehen zu haben, dessen Geheimniß leicht zu errathen sey." Dafür gibt ihr Begleiter, Völliger, in einer Anmerkung ein Zeugniß, dessen Gewicht sicher ihm selbst nicht einleuchtete. Er sagt nämlich- .das größte Wunder an diesem Wunder sey wohl das, daß es bei dem Mitwisser, so Viele? (woher aber wußten der Hr. Hofrath dieses?), die damit zu thun haben, seit so vielen Jahrhunderten stets unverrathen geblieben sey." Also immerhin ein Wunder, und zwar allerdings dieses (ohne daß der Herr Hofrath es auch nur zu ahnen vermochten) unbestreitbar das größere, darum schwerer zu glaubende! > Der, wie durch mancherlei Geisteswerke so auch durch seine „Wahrheit in der Hermes'schen Sache bekannte königlich Preußische Staatsrath Rehfues, hat in seinem „Gemälde von Neavel" diesen Vorganz durch fade und höchst vergriffene Spässe zu beseitigen versucht. „Bekanntlich," sagt er, „wiederholt sich dieses Wunder seither beinahe jedes Jahr einigemal, und Viele haben versucht, !s natürlich zu erklären. Indeß ist es, wie vorauszusehen war, Keinem gelungen; denn wenn der Himmel einmal ein Min der thun will, so ist es natürlich, daß er es einrichtet, um nicht von jedem Zweifler erklärt werden zu können. Freilich gibt cS der Vorwitzigen genug, die, wenn sie's auch nicht erklären können, dennoch nicht glauben wollen; und es hat uns daher manchmal geschienen, als ob die Art von Wundern, welche die Siamesen von ihrem Heiligen, Pra Ariaharici, erzählen, die beste sey, weil sie alles Nachgrübeln schon von selbst verbietet." — Dann wieder: „Ich will mich nicht mit Erklärungen abgeben, wie das Wunder geschieht; denn darum ist es ja eben ein Wunder, weil man es nicht erklären kann. Genug ist es, zu bemerken, daß in Neapel auch noch andere Leute steif und fest voran glauben, als nur der Pöbel?" An einem andern Ort sagt er: „Es mag wohl seyn, daß die Weiber im Einverständniß mit den Priestern sind." (Welchen Dienst würde er der Wahrheit erwiesen haben, wenn er auch nur von ferne hätte andeuten wollen — wie und zu welchem Zweck dieses Einverständmß bestünde?) „Es gibt wenige Wunder, tue der Welt etwas genutzt hätten. Dieses gehört auch unter die unfruchtbaren; und es ist nicht abzusehen, warum der Heilige nicht lieber jedes Jahr durch eine zchnfältige Ernte seinen frommen Neapolitanern ein Liebreichen gibt." — Dann wieder: „Man Weiß, wie oft das Blut des heiligen Januars in Neapel flüssig wird; aber Niemand weiß, wie das zugeht, außer den Wenigen, welche der Himmel zu diesem Wunder gebraucht. Ich habe selbst gesehen, wie die Flasche in der Hand des Priesters that, und kann mir nur eine Erklärnng denken, welche, glaube ich, noch Niemand gemacht hat. Wie, wenn jene trockene, dunkelrothe Masse Eis wäre? welches man bekanntlich in Neapel weit b»sser zu behandeln versteht, als in Archangel. In der Hand deö Priesters vergeht eS zuverlässig, besonders wenn er die Flasche (die er gar nicht berührt) recht fest hält und andächtig dazu betet. Am bequemsten aber wird tS seyn, zu glauben." — Am bequemsten, wenigstens am leichtesten für Hrn. Rehfues wäre es gewesen, die Sache mit Eis sogleich nachzumachen, uud sein ki'^x« durch die Welt zu rufen. Daß doch oft die größten Spitzköpfe auf das AUcreinfachste nicht verfallen können! Der Franzose Misson versichert in seinen Reisen, den Vorgang „dieses angeblichen Wunders" Zweimal gesehen zu haben. Er läßt uns die Wahl zwischen einem wirklichen Wunder oder dem plumpsten Betrug (le tour le >>ius Zrossier). Indeß, sagt er, mache cS in der katholischen Kirche größeres Aufsehen, als irgend Etwas. Hr. Paschal zähle es zu den Kennzeichen der wahren Religion. Um aber als Gelehrter jeden ehrenrührigen Verdacht, als pflichtete er diesem bei, von sich abzuwälzen, führt er aus HorazenS fünfter Satyre des ersten Buchs jene Stelle an, wie heidnische Priester das Volk wollten glauben machen, sie wüßten Weihrauch ohne Kohle zu schmelzen. — Kein volles Jahrhundert später sagt Dupaty: ,,Er zwar habe dciö Flüssigwerden ebenfalls gesehen; aber es gehe ganz natürlich damit zu." Des geringfügigen UmstandeS jedoch, das Wie etwas näher zu bezeichnen, enthebt er sich gänzlich. Am Ende fügt er bei: „Seit einiger Zeit ist dieses Wunder in Mißkredit gekommen; vermuthlich wird es bald ganz aufhören. Wahrscheinlich wird eS mit Nächstem auf der Welt nur ein einziges Wunder noch geben: die Welt." Auch einige Lügenbcrichte oder läppische Witze englischer Reisender mögen folgen. Addisson fertigt die Sache mit der Benennung eines „tölpelhaften Schwankes" ab. — Middleton heftet seinen Lesern Folgendes aus seiner Einbildungskraft auf: „Während in der Kirche ein paar Messen gelesen werden, machen sich die übrigen Priester insgesammt mit dem Fläschchcn viel zu schaffen; es ist in solcher Weise aufgehängt, daß, während ein Theil, Dank der Wärme der Hände oder der Beihilfe anderer Mittel, zu zerrinnen beginnt, die Tropfen auf den leeren Grund eines andern Fläschchcns hinabfallen." — Nicht ehrlicher berichtet der Doctor Moore in seinem View et' soeiet^ »Nil HIanlier8 in ltuli, Il_,ett. 64, der Priester gebe sich viele Mühe das Fläschchcn zu erwärmen und zu streicheln. (Rein unmöglich, da er dasselbe gar nicht berühren kann.) — Ein neuerer englischer Reisender, welcher unter dem Namen EustaciuS sogenannte „Classische Reisen" herausgegcben hat, obwohl Katholik, erklärt nicht, sondern fertigt bloß ab: „Niemand," sagt er, „gibt sich die Mühe nachzuforschen; man setzt voraus, vic Thatsache rechtfertige sich durch sich selbst; die Neapolitaner behelfen sich des Grundsatzes der alten Deutschen: heiliger und ehrerbietiger ist eS, von den Göttern zu glauben, als zu wissen." (Schluß folgt.) Die Bekehrungen in England. t Katholik ) Obgleich die Rückkehr Newmciu's zur katholischen Kirche schon längst vorausgesagt worden und Jedermann da-auf gefaßt war, so hat dennoch dieser Schritt, als er endlich geschah, auf den anglicanischcn Klerus und das Publicum eine unerhörte Wirkung hervorgebracht. Noch am Tage vorher, ehe der berühmte Theologe die große That vollbrachte, wiegte sich die englische Presse in Illusionen und die Times sah in dem Umstände, daß er seine Fellowftelle am Orielcvllcg aufgegeben, nur den Wunsch des Be» theiligten von der Universität auszuscheiden, wie er schon drei Jahre früher die St. Maricnpfarrci aufgegeben hatte, um jede Kollision mit den Vorständen der verschiedenen Kollegien zu vermeiden, welche die studircnde Jugend von seinen hinreißenden Predigten fern zu halten suchten. Es scheint indessen, als habe Mr. Newman sein Glaubensbekenntnis; früher abgelegt, als er selbst ursprünglich es bestimmt hatte und Gott hat sich, entgegen den Plänen der Menschen, dieser begnadigten Seele früher geschenkt, als sie selbst die Absicht hatte sich ihm hinzugeben. Nach einem vor uns liegenden Briefe hat er am 9. Octvber das Glaubensbekcnntniß abgelegt und am 10. in der Frühe aus den Hände» eines katholischen Priesters zum erstenmal die heilige Kommunion empfangen. Mehrere seiner Freunde waren Ihm auf diesem Wege schon vorausgegangen und er selbst hatte ihnen den Rath dazu gegeben. Nach Mr. Georges Ward war Mr. Charles Bridges vom Orielcollcg der Erste, welcher der katholischen Wahrheit die Ehre gab und am 29. September entsagte Mr. Dalgairns, der zu Littlcmvre Newman'S Schüler gewesen war, in dem Kloster von Aston-Hall dem Glauben, den s,in Lehrer einige Tage später abschworen sollte. Am 2. Octvber wurde Nererend Ambros St. John zu Prior-Park in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen und am 9. October traten Reverend Stanton vom Vrascnosc-Collcg und Reverend Frcdertk BowlcS vom Ereier- Collrg zu Littlemvrc mit Ncwman zur katholischen Kirche -»rück, Was wir trotz einiger gegcntheiligen Gerüchte verbargen können. Unter den Personen, di' s.itdcm tn den Schvoß der katholischen Kirche aufgenommen worden sind, wird ferner ang»siihrt Reverend Albany Christie, der zu demselben Kolleg w!e Newman gehörte. Zwei andere Geistliche haben ihre Entlassung aus di sein Kollegium genommen, es scheint jedoch, daß nur Einer von ihnen es vethan hat um katholisch zu weiden; aus dem Exeter-Colleg ist in derselben Absicht Reverend Edgar Estcourt ausgetreten. Auch Reverend I. Walker vom Brasenose-Colleg, mit welchem die öffcnllichcn Blätter sich mehrfach beschäftigt, gehört jetzt zu den Kindern der Kirche. Di,ß sind die Mitglieder der Universität und anglicamscheu Geistlichkeit, welche seit drei Wochen die unserigen geworden sind. Viel zahlreichere Bekehrungen haben indessen unter den Laien stattgefunden, mehrere ehemalige Pfarrkindcr von Newman, ganze Familien, sind katholisch geworden und die Zabl Derer, welche sowohl innerhalb als auherdalb der Reihen der Geistlichen im Begriffe stehen Newman'S Beispiel zu folgen, soll sehr bedeutend seyn. Bis gegen Ende des Jahres werden wir darüber im Klaren seyn und wir wollen darum auf alle die in englischen Blättern umlaufenden Gerüchte kein besonderes Gewicht legen. Betrachten wir nun alle jene ausgezeichneten Männer, die seit Mr. Sibthorp allmälig zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind, so drängen sich nnS vorzüglich zwei Erwägungeil auf. Die erste ist die, daß, während in Deutschland alles Gest'rel von der Kirche sich abwendet, in England gerade die ausgezeichnetsten und tiefsinnigsten Theologen, Männer, die Jahre lang gemeinsam an ^ der Regeneration der anglimnlschcn Kirche gearbeitet, nach langjährigen Studien und Forschungen zu dem Resultate gelangt sind, daß die katholische oder, um u >6 des Ausdrucks zu bedienen, die römische Kirche die -inzigc ist, in welcher sich Wahrheit, Gnade und Heil finden. Der andere nicht weniger merkwürdige Umstand ist die hcldenmüthige Uncigennüyigkeit, mit welcher di.se Männer alle ihre materiellen Interessen dieser Erkenntniß aufopfern. Wer die Reichthümer der cmglicanischcn Kirche, die Einkünfte ihrer fetten Pfründen, die glänzenden Dotationen der Kollegien an der Universität Oxford kennt, wird die Bedeutung dieser Opfer zu würdigen wissen. Und wenn wir diesen Schritt einen heldenmüthig uneigennützigen nennen, so übertreiben wir nicht, denn viele dieser anglicanischen Geistlichen, die zu uns zurückgekehrt sind, haben keine anderen Einkünfte als die ihres Amtes, viele haben durchaus kein eigenes Vermögen und dabei für eine Gattin und eine oft zahlreiche Familie zu sorgen, manche, die von ihrer Familie noch etwas zu erwarten hatten, werben jetzt enterbt, weil sie die Religion gewechselt haben. Unter so kritischen Umständen ist ein Rücktritt ein Wunder und es geht daraus hervor, wie bedeutend jener Schritt ist, den diese uneigennützigen mit allen Gaben des Geistes geschmückten Männer gethan, verzichtend auf einen sichern Reichthum und einzig vertrauend auf die Vorsehung, sie, ihre Frauen und ihre Kinder! Die englischen Papisten aber können ihnen trotz des bc- rüch'igten, in den deutschen Blättern eben wieder spukenden Jesui- tenschatzcs nichts geben, denn die katholische Kirche, die dort eben erst aus ihren Trümmern wieder sich erhebt, hat Lasten zu tragen, die ihre Hilfsquellen bei wcit-m übersteigen und kaum das Brod für ihre Diener. UcbrigenS ist das in England auch so aner-> kannt, daß selbst unter den wüthendsten Gegnern des PuscyismuS sich nicht eine einzige Stimme erhoben hat, um die Reinheit der Absichten und das uneigennützige Benehmen Newman'S zu verdächtigen, so daß am Ende, um doch etivas zu sagen, das f>ilste aller englischen Blätter die Opfer, welche Newman und seine Freunde gebracht, für Narrhcit erklärt hat. Schweiz. Die Neue Sion schreibt: Nicht nur macht sich bei uns französischer Einfluß vielfach geltend, sondern cs finden sich auch bei uns Elemente und Nahrungen, wie sie nur in Frankreich zum Vorscheine kommen und nicht selten sind wir das getreue Nachbild jenes größeren Vorbildes. Von diesem Standpuncte aus die Jesuiten-Angelegenheit betrachtet, dürfte es sich als wahrscheinlich annehmen lassen, daß die frommen Väter der Gesellschaft Jesu sich nicht in die Länge in der Schweiz mehr halten werden. Dafür sprechen Zeichen, von denen sich jetzt nicht reden läßt. Der Herr seiner Kirche läßt es zu, daß seine Kerntruppen auf eine Zeitlang da entfernt werden, wo sie nach unstrn Begriffen am unentbehilichstcn wären, daß ihnen auf die verschiedenste, aber stets unverschuldetste Weise äußere Mittel ihrer Subsistenz entzogen werden, nm sie gleichsam zur völligen Selbst- Entäußerung zu bringen, von wo aus sie lediglich zum stillen Dulden vcrurtsteilt, aber eben damit gewürdigt sind, als Nachbild ihres Herrn so mißhandelt und entblößt vor der Welt zu stehen, daß selbst da und dort ein Pilatus sagen muß: Seht, welche Menschen! Darin erblicke ich, daß Gott mit ihnen ist. Die ersten und glücklichsten Vekämpfer des Protestantismus müssen aber jedenfalls so lange bestehen, bis sie durch ihr Gebet und ihr Wirken seinen Bekennern den Rückweg zur alten, einen und einigen Kirche angebahnt haben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krrmer. Augsburger Zweite Jahreshälfte. ^»gs - Bei/.. ^ ... ^/ AUG ^. ^.^^ Postzeitttng. ^ M'.' ck^^ SZ. Nov. t84S Das Blut des heiligen Januarius (Aus Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.) (Schluß.) Stellen wir nun alle Berichte, von dem neapolitanischen Arzt Matthäus SilvaticuS im fünfzehnten Jahrhundert bis auf denjenigen des englischen Natu> f>>rschers Wattrton in letzter Zeit auf die eine Seite, auf die andere Alles,,was seit Masson bis auf den neuesten Tou'isten herab, vorgegeben, geklügelt und gewitzelt worden ist, und würdigen wir die Summe von Beibcm, ohne alle Rücksicht auf die Erscheinung selbst, bloß nach ihrem Zusammenhang und nach ihrer Vcweiskra't an sich, welches Resultat gewinnen wir? Dort eine ununterbrochene Reihenfolge durchaus übereinstimmender Zeugnisse, hervorgegangen aus genauer Erkundigung, ruhiger Beobachtung, abgelegt mit Einst und Würde; hier dagegen Urthcile vom Hörensagen, aber mit der nacktesten Zuversichtlichkcit ausgesprochen, aus der Luft gegriffene Verdächtigungen, freche Verdrehung dcssen, was unter den Augen von Tausenden vorgeht, und oft gemeine Sp^sse an der Stelle von erwarteter befriedigender Erklärung. Das Milteste, was sich darüber sagen läßt, ist jenes Wort: „und ihr Zeugniß stimmte nicht überein." Unerklärliches muß Jeder anerkennen, der unbefangen sehen, redlich urtheiln will. Die Kirche aber st llt den Glauben an ein fortwährendes Wunder mit dem Blut des heiligen JanuariuS in so fern einem Jeden anheim, daß sie denjenigen, der dasselbe als solches nicht annehmen mag oder kann, deßweg-n von ihrer Gemeinschaft nicht ausschließt. Dagegen sollte man meinen, das geringste Maaß von Ehrlichkeit würde es vorziehen, die Sache auf sich beruhen zu lass n, als, um hiezu nicht sich verstehen zu müssen, mit frecher Hand nach Äuökunftsmitt.ln zu greifen, welche einen ganzen, immerhin acluenswerthen S'and durch eine lange Reihe von Jahren zu gewissenlosen Betn-gnn stempeln. Wenn der Neapolitaner die Abwendung der d-odendsten Gefahr des Vcsuv- Ausbruches vom 20. December 1631 der Fürbitte des heiligen Januarius verdankt, der Protestant dagegen dieselbe dem zufälligen Umstand zuschreibt, daß die Lava einen andern Weg genommen und das Toben des Elementes ohnedem nachgelassen habe, so stellt sich Jeder auf einen Standpunct, den er mit Gründen vertheidigen >kann; wenn aber der Letztere, um die Mangclhaftigkeit seiner Erklärung dessen, was der Andere zweifellos annimmt, nicht cingc- stehcn und vor demjenigen, was dieselbe überragt, nicht sich beugen zu müssen, seine Zuflucht entweder zu Kindereien oder zu Unredlichkeiten nimmt, dann weicht der Boden unter seinen Füße», und er sinkt unter diejenigen herab, welche das Austreiben dcr Teufel nicht anders, als durch einen Bund mit Belzcbub, dem Obersten der Teufel, erklären wollten. In jedem Fall hat die abergläubische Ungläubigkeit vor der abergläubischen Leichtgläubigkeit nichts voraus, als ihr pausbackiges Blasen. Nach allcm, mit eigenen Augen Gesehenen und sodann aus glaubwürdigen Berichten in Bestätigung desselben Vernommenen mußte ich dem Urtheil von Sabbatino am Schlüsse einer Abhandlung über das Blut des heiligen Januarius beipflichten, welcher sagt: „Ich weiß gar wohl, daß viele Ausländer, selbst Katholiken, an dem Wunder zweifeln, oder, bevor sie es sehen, nicht daran glauben. Da ich aber Solche öfters in die Schatzcapelle begleitet und sie zu genauem Beobachten veranlaßt habe, überzeugten sie sich, daß hier nicht mehr zu zweifeln wäre, und daß der Vorgang auf keine Weise einer natürlichen Ursache sich zuschreiben lasse. Nachdem sie Augenzeugen geworden waren, hat Mancher gegen mich sich erklärt: das Flüssigwcrdcn des Blutes sey wenigstens eine wunderbare Sache; Keiner, der sie beobachtet, vermochte einen Grund aufzufinden, sie ferner zu bezweifeln." — Darum mag wohl Solger, ob mich Mancher darüber die Achseln zucken dürfte, ein wahres Wort gesprochen haben, wenn er in seinen philosophischen Gesprächen sagt: „Es gehört ein weit stärkerer Geist dazu, ohne Krittelei und Erklärungssucht Wunder zu glauben, als Alles, was mit den gemeinsten Verstandesregeln nicht übereinstimmen will, matt mid feig hinwegzuläugnen." Somit war nach wiederholter genauer, aber redlicher (in den Augen aller Gegner aus bloßem Widerspruchsgeist das Unverzeihlichste) Beobachtung, die mich das Wunder, oder, wenn es milder lauten sollte, das Außerordentliche anzuerkennen zwingt, mein Urtheil festgestellt, als mir die Schrift das Abbate Luca zu Gesicht kam: 8c»j>ra ui>» eelebre eontiovLrsis iMattutü, in ^iixkil- teri-g, negli snni 1831 v 1832 intoino slla liciuesa^ioire de! 8snFuiz lti 8. Oonaro, Voseovc» o Älartiri.'. Ich entnahm derselben zu meiner größten Befriedigung, daß dreizehn Jahre früher der englische Priester Weedall in gleicher Jahreszeit Augen-s unv siehe! Kommen auch Sie und sehen auch Sie, nicht bloß an zeuge des Vorganges gewesen sey und beinahe die gleiche Argu-seinem einzigen Morgen, sondern jeden Morgen, die ganze Octave mentation über das Wunder in dem einen oder in dem andern Sinne (d. h. als Wunder des Betrugs oder als Wunder in Wahrheit) aufgestellt habe, was er in dem zu Birmingham erscheinenden Lulliolie ^lu^a/iii snrung weder menschliche Erfahrung, noch menschlicher Scharfsinn mit den gleichen Umständen, wie ich; und er begnügte sich mit dem am Abend in St. Chiara Gesehenen so wenig, als ich, sondern verschob ebenfalls sein Urtheil, bis er am folgenden Morgen -im Dom zum Zweitenmal Zeuge gewesen. Hier stand er, gleich hinreiche — darf von der reinsten Gewissenhaftigkeit dennoch die Frage gestellt werden: wozu dieses Wunder? Diese Frage darf um so unbedenklicher gestellt werden, weil die Gewissenhaftigkeit zugleich eine durchaus befriedigende Antwort zu ertheilen im Stande mir, neben dem Priester und überzeugte sich, gleich mir, daß bei ^ ist. Beobachte den Neapolitaner, wie lebhaft, wie beweglich, wie der Weise, wie derselbe das Gefäß halte, die körperliche Wärme auf den Stoff in dem Mschchcn, möge nun derselbe bestehen, woraus es sey, nicht den allergeringsten Einfluß zu üben im Stande sey. „Leichter," sagt er, „würde die an einen Leuchter gelegte Hand eine Kerze entzünden, als jene Berührung einen festen Stoff flüssig machen" Hiemit bin ich vollkommen einverstanden. Es wurde Hrn. Weedall von einem Ungenannten eingewendet: „die gebildetesten und achtungswerlhcsten Neapolitaner und der Erzbischof selbst (damals der greift Cardinal Ruffo) glaubten Wahrscheinlich nicht an das Wunder. Darüber machte Hr. Weedall die gleichen Bemerkungen, wie ich. Ich setze in das Begleiten der Procession und in den Besuch des Königs bei dem Blut nicht einmal so großen Werth, wie er; das ließe sich am Ende als Ostentation deuten; solche aber konnte sür jenes Haupt einer der ersten Familien Neapels, mit welchem ich in der Capelle zufällig zusammentraf, unmöglich Beweggrund des bloßen Privatbesuchs Werden. Auch könnte ich einen andern und zwar nicht blvß durch sogenannte Bildung, sondern durch tüchtige Wissenschaftlichkeit ausgezeichneten Fürsten nennen, der mit der vollesicn Anerkennung des Unerklärbaren mit mir darüber sprach. Ein Gelehrter, der zwar nicht genannt ist, den ich aber wohl kenne, und der zu den unter- richtctcsten und achtungswerthesten Personen Neapels gewiß mit Recht gezählt werden varf, zugleich Mitglied des Domcapitels ist, sagte zu Hrn. Weedall: „Ich will Ihnen frei meine Meinung gestehen. Ich bin nicht leichtgläubig, und prüfe Alles. Man spricht oft von Wundern, welche da oder dort sich sollen zugetragen haben. Im allgemeinen schenke ich ihnen nicht leicht Glauben. Was aber das Blut des heiligen Jcmuarius betrifft, so darüber aufgehellt. Ich halte das Flüssigwerden augenfällig ohne Bedenken für eine wunderbare Sache. Ließe sich vernünftiger Weiftannehmen, es walte unter uns ein geheimes Einverstcmdnisz? Sie kennen unsere Stellung. Wir bilden zwei getrennte Korporationen mit verschiedenen Capcllcn und ganz abweichenden Rechten und Privilegien. Mir ist nicht gestatte:, den Schatz zu betreten, als Spielball seiner Einbildungskraft er sich erzeigt! Sein Auftreten, in welcher Gestalt du ihn sehen magst, seine Gebärden, der Ausdruck seiner Sprache verräth dir schon sein wallendes Blut, seinen des Ungewöhnlichen bedürftigen Sinn. Bei einem solchen Volk könnte bloße Belehrung unmöglich lange vorhalten; dasselbe bedarf Etwas, was ihm seine Abhängigkeit von dem Höhern nicht vor die Ohren, sondern durch die Augen vor den innern Sinn bringt. Ihm ist eine gewaltige Macht nothwendig, die ihn zwi- schenein von der Erde, welche gleich einer Buhlerin alle Reize und Locknngen vor ihm enthüllt, oder deren verzaubertes Kind er ist, losreist, die ihm laut und vernehmlich zuruft: cS ist Etwas über dir, in dessen Hand dein Geschick steht, was mit Segen dich überschütten, was Landesnoth über dich herwälzen kann. Dieses Verborgene, Geheimnißvolle ist ihm, der weniger durch die Specula- tion, als durch das Wahrnehmbare sich ziehen läßt, zu unfaßbar, gewinnt unmittelbar auf ihn nicht diejenige Einwirkung, wie auf den mehr geistigen Menschen. Darum ruft jener alljährlich Wiederkehrende Vorgang, für seine Begriffe weit verständlicher, ihm zu: das Verborgene, welches jenes so Erfreuende als Bekümmernde dir zu bereiten vermag, tritt dir nahe in seinem Boten, dem heiligen Jcmuarius, der zugleich dein Anwalt vor demselben ist; in dem, was unter deinen Augen zu verschiedenen Zeiten des Jahres sich zuträgt, hast du das Siegel, daß Gott deiner gedenkt, zugleich die Weckstimme, daß du seiner ebenfalls gedenkest. An Calculatoren, welche längst schon in Groschen und Pfennigen berechnet haben, welchen Schaden dasjenige bringe, was sie Aberglauben nennen, fehlt eS nicht; möchte einmal Einer in der ist mir jeder Zweifel! Berechnung, welchen Nutzen die Beseitigung des Glaubens an dielen augenfällig und sts Wunder dem neapolitanischen Volk bringen dürfte, die Probe liefern! Wenn aber der leichtfertige, sinnliche, zu mancherlei Bösem geneigte Neapolitaner auch nur einmal des JahreS, zerknirscht oder in Anbetung hingerissen, vor dem Altar liegt, auf welchem er die verehrten Ueberreste erblickt, sollte dieses, weil er vielleicht, des anvern Tages wieder seinen gewohnten Gang fortgeht, darum gar und die Kapellane vom Schatz haben keine Befu,,niß, in unserem seinen Werth haben? Und wenn ihr eine ganze Litanei von Capitel sich cinznfindcn. Wir mögen uns gegenseitig k-nncn, eine engere Verbindung aber besteht unter uns nicht. Das Wunder geht bald in unserer Kirche, bald in der Capelle vor, und dieß durch so manche Jahrhunderte hinab, unter so vielen politischen Revolutionen, über welchen so oftmals die Interessen und die Gesinnungen der Bürger in Zwiespalt gekommen sind. Es wäre unmöglich, daß wir in verstcckier Spitzbüberei eine geheime Verabredung treffen, daß so viele unserer Vorfahren sie hatten aufstellen und festhalten können. Wer über diesen Gegenstand mich befragen mag, dem weiß ich keine andere Antwort zu ertheilen, als Schlimmem über die Neapolitaner abzukugeln Wisset, würde dieselbe sich verkürzen, wenn ihr ihm das Wunder mit dem Blut des heiligen Jcmuarius zu sequestriren vermöchtet? Die katholische Mission in Schweden. (Katholik ) Stockholm, 31. Oktober. Es hat sich hie und da die Ansicht geltend gemacht, die Schweden seyen nur darum intolerant, Komm jweil ihre Gesetzgebung sie dazu nöthige. Dagegen müssen Wir uns aber die bescheidene Frage erlauben, warum denn in diesem Falle jene verjährte Gesetzgebung nicht modificirt, warum sogar diesen barbarischen Gesetzen die Constttution geopfert wird, in welcher sie, wie Nilssons Advocat klar bewiesen hat, bereits abgeschafft sind? Der Rnchstag von 1845 hat sogar einstimmig die den Katholiken im Toleranzedicte von 1751 gewährten Rechte beschränkt, er hat z. B. den katholischen Klerus auch bei der Einsegnung rein katholischer Ehen der Controle des lutherischen Consistoriums unterworfen, er hat den katholischen Klerus genöthigt, Jeden, der zur katholischen Kirche zurückkehren will, dem Consistorium zu de- nunciren, um gegen einen Solchen eine gerichtliche Klage einzuleiten, die Geistlichkeit muß zu diesem Zwecke alljährlich eine Liste sämmtlicher Katholiken in Schweden einreichen und endlich ist der hochwürdige apostolische Vicar für alle Handlungen seines Klerus verantwortlich gemacht. Gegen Letzteren ist im Augenblicke wirklich ein Proceß von Seiten des Consistoriums anhängig, weil er 1) zugegeben, daß Nilsson in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen wurde und 2) daß drei Kinder lutherischer Vätc. „in der katholischen Schule, dem Gesetze entgegen, Nahrung und Kleidung," ja vielleicht auch eine Erziehung empfangen, welche die katholischen Mütter ihnen nicht geben konnten und um welche der lutherische Klerus sich nicht bekümmert hat. Ja man hat uns sogar ein Verbrechen daraus gemacht, daß wir ein Kind einer armen katholischen Mutter aufgenommen haben, obgleich sie schon lange vor der Geburt dieses Kindes von ihrem lutherischen Ehemanne verlassen worden war, obgleich das Consistorium den vier andern Kindern dieser Frau, welche es derselben vor vier Jahren Weggenommen, keine andere Versorgung hatte angedeihen lassen, als daß es dieselben aus der katholischen Schule weg in die Bergwerke geschickt hatte! Eines dieser Kinder ist indessen vor jetzt ohngrfähr zwei Jahren zurückgekommen und hat sich seit dieser Zeit, wie so viele andere, einem Raubvogel gleich in den Straßen Stockholms herumgetrieben, ohne daß das Consistorium oder die Polizei sich darum bekümmert hätten, bis der junge Verwahrloste vor Kurzem wegen Diebstahls zu Gcfängnißstrafe vcrurtheilt wurde. Es wäre nun wirklich der Untersuchung werth , ob man vielleicht zum Vortheile der Societät auch seinem jüngsten Bruder eine ähnliche Erziehung angedeihen lassen will, da man dem katholischen Klerus ein Verbrechen daraus gemacht, daß er die Absicht gehegt habe, ihm eine christliche Erziehung zu geben? Nach solchen Thatsachen wird man mich wohl nicht für parteiisch halten, wenn ich sage, daß in Schweden solch ein blinder Haß gegen die katholische Religion herrscht, daß selbst Leute, die sonst in allen übrigen Dingen ganz vernünftig und tolerant sind, in eine Art von Verrücktheit gerathen, wenn sie nur den Namen katholisch hören. Kein Blatt, mochte es nun der liberalen oder conservativen Partei angehören, hat auch nur ein Wort zu Gunsien der Gewissensfreiheit gesprochen, obgleich dieselbe durch die jüngste Entscheidung der Gerichtshöfe wieder in die unglücklichsten Zeiten des sechzehnten und sicbcnzehnten Jahrhunderts zurückgeworfen worden ist, eben weil es sich nur um einen Katholiken handelte! Ja die liberalsten Blätter weigerten sich sogar, nur ein Inserat von Nilsson aufzunehmen, in welchem dieser alle Jene, welche etwa noch ein Geschäft mit ihm abzuthun hätten, aufforderte, sich binnen drei bis vier Tagen zu melden, weil er nach Verlauf dieser 6"st das Land verlassen müsse. Auf dem Dampfboote floh, mit Ausnahme einer französischen Dame, alle Welt vor ihm, wie vor einem Verpesteten. Auf dem Reisepasse war nicht angegeben, daß der Inhaber ein rechtschaffener und tadelloser Mann sey, wohl «der, „daß er durch gnädigen Beschluß Sr. Majestät vom 27. Juni zur Landesverweisung vcrurtheilt worden sey, weil er vom LutheraniSmus abgefallen und sich zu einer falschen Lehre bekannt habe." Man hatte ihm aufgegeben, die Stadt spätestens bis zum 10. zu verlassen (der Paß ist vom 7.) und sich auf dem Canal nach Gothenburg und von da mit erster Gelegenheit zu Meer nach Kopenhagen zu begeben, ohne Rücksicht auf den Zustand seiner Frau, die eben erst aus ihrem Wochenbette sich erhoben, und der zwei armen Kinder, von denen das jünciste, selbst nach Angabe des Passes, kaum Mi Monate alt ist. Die Polizei von Gothenburg, unter deren Aufsicht Nilsson gestellt worden war, soll die ihr gewordenen Aufträge sehr gewissenhaft ausgeführt haben. Die Provincialblätter waren indessen nicht so schweigsam über ^ die Verbannung Nilssons, wie die Blätter der Hauptstadt und habe» ! sich bei dieser Gelegenheit die heftigsten Ausfälle gegen den hoch- würdigen apostolischen Vicar (Studach) erlaubt. „Wie ist cS möglich, fragte die Gothenburger Zeitung, daö liberalste Blatt Schwedens, daß dieser Mann einen solchen Weg betreten kann und Wer wagt es, ihn gegen die öffentliche Meinung und das Einschreiten des Consistoriums zu vertheidigen? Zu unserem tiefen Bedauern müssen wir eingestehen, daß Herrn Studach von einer Seite her Schutz und Unterstützung zu Theil wird, von welcher man am wenigsten eine solche Aussaat Lcr Zwietracht und Uneinigkeit erwarten sollte." So groß ist also, wie Sie aus Allem sehen, der Fanatismus in Schweden, daß ein Mann, wie Nilsson, der trotz der gehässigsten Verfolgungen seiner Ueberzeugung treu zu bleiben wagt und, wie das genannte Blatt sagt, .sein Verbrechen durch die Verbannung sühnt," das ganze Land in Bewegung bringen kann. Böswillige Menschen benutzen sogar dieses Phantom des Proselytismus, um in dem Herzen des Volkes, wie dasselbe Blatt sich ausdrückt, .einen tiefen Schmerz gegen eine Königin zu erregen, die, wenn sie nicht katholisch wäre, vom ganzen Volke angebetet werden würde," und man sprengt zu diesem Zwecke das grundfalsche Gerücht aus, das katholische Waisenhaus weide besonders durch die Beiträge Ihrer Majestät der Königin unterhalten. Sie können nun selbst errmsscn, mit wie viel Schwierigkeiten wir zu kämpsen haben und welche Zukunft unserer armen Mission bevorsteht. Nordamerika. Der katholische Pfarrer W. Schonst zu Kolumbus im Staate Ohio schreibt an die Redaction des schlcsischen Kirchcn- blattes unter Anderm: „Der Grundstein zu unserer neuen Nirche ist gelegt, und der Bau bereits drei Fuß von solidem Stcinwerk über dem Grund erhaben. Es war am Feste der heiligen Dreieinigkeit, als der hochwürdigste Bischof stlbst, von mir allein asst- stirt, die feierliche Ceremonie der Grundsteinlegung verrichtete. Eine ungewöhnlich große Menge Volkes aus allen Ständen und Konfessionen war dabei gegenwärtig. Der hochwürdigste Bischof selbst predigte dabei in eng ischer Sprache. Alle Bessergestnnt.n und die weniger Vorurthcilsvollcn wurden durch seinen Vortrag sehr erbaut. Nach ihm sprach ich in einigen Worten (über Epheser 2, 19—21.) zu unsern deutschen Landeleuten, die sich mit freudigen Augen um uns schaartcn. Die ganze Handlung, unter freiem Himmel vorgenommen, war ein Act des Triumphes unserer heiligen Religion. Bekannt mit der Bigotterie und der zügellosen Abneigung eines großen Theiles des hiesigen Volkes unv Pöl'clS gegen Alles, was katholisch heißt, muß ich gestehen, daß ich zuvor etwas besorgt war, man würde von gewisser Seite während unserer Ceremonie und Procession, die man noch nie zuvor hier gesehen, Stöcung verursachen. Allein trotz des großen Gedränges licf Alles gut ab, und die politischen Blätter der Stadt sprachen sich schon in den nächste» Tagen belobend über unser Werk und über die Erhabenheit einer solchen Feierlichkeit in der katholischen Kirche aus. Alles, was bis jetzt am Bau geschehen ist, ist mcistcntheils nur durch unserer eigenen Leute Händearbeit geschehen. Die Zeit ist aber jetzt schon da, wo wir, um vorwärts zu kommen, bedeutende Geldausgaben machen sollen. Woher das nöthige Geld nehmen, weiß ich selbst noch nicht. Meine Ansicht ist jedoch diese, durch unsere eigenen Kräfte so weit zu gehen, als wir können, hoffend, daß der Herr, ver das Anfangen gab, auch das Vollbringen geben wird. Gedrängt durch unsere Noth und aufgemuntert vom hochwürdigstcn Bischos, habe ich bereits nach Wien an den hoch- würdigsten Erzbischof und Präsidenten des Leopvldinen-Misstons- Vereins geschrieben, und um Unterstützung gebeten. Ich nähre die tröstende Hoffnung, daß unsere demüthigen Bitten nicht unerhört bleiben werden. Ich habe bis jetzt in meinem Schreiben nach Deutschland noch wenig oder gar keine Aeußerungen gethan, um Aufforderungen an meine Freunde und Bekannten, und besonders an Schlesiens Klerus ergchen zu lassen, uns hiehcr zu folgen, und ihren Wirkungskreis in diesem »och so dürftig versorgten Theile des Weinberges Christi aufzuschlagen. Die Ursache war keine andere, als weil ich gewissermaßen fürchtete, für Das Schicksal Anderer verantwortlich zu werden da, wo ich mich selbst noch von so manchen Schwierigkeiten umgeben sah. Es gibt hier so Manches, was uns zu Anfang des Hierseyns nicht gefällt; unser sinnlich schwaches Her; finvet sich vielleicht in vielen Dingen und Erwartungen getäuscht, so daß leicht Einer, der nicht von ganzem Herzen den Willen hat, zur Ehre Gottes und seiner Mitchristen Heile, so wie nicht minder auch zu seinem eigenen hier zu wirken, sich leicht getäuscht glauben, und unzufrieden werden könnte. Ich hielt eö daher für rathsam, mit dergleichen Aufforderungen behutsam zu Werke zu gehen, um uns nicht den Vorwurf, aufzubürden, Andere in eine unangenehme Lage verlockt zu haben. Da sich aber der Mangel an deutschen Priestern immer eher mehrt als »lindert, und die Umstände an manchen Orten schon bereits so sind, daß für einen Priester, der sich daselbst niederläßt, wenig Schwieriges mehr zu befürchten ist; so nehme ich jetzt keinen Anstand mehr, Diejenigen unter meinen Freunden und Bekannten, und besonders unter dem jüngern Klerus Schlesiens, die Eifer für Missionen und Liebe sür ihre Mitbrüver im Herzen fühlen, aufzu- foidcrn, sich unserm Werke anzuschließen und uns hicher zu folgen, wo nicht blos; einzelne Seelen, sondern ganze Gemeinden ihrer warten und bedürfen. Es haben sich bereits an mehreren Orten deutsche Gemeinden gebildet, die Willens und fähig sind, einen Priester für sich und die Umgegend zu unterhalten. Abgesehen von Cincinnati, wo dieses Frühjahr der Grundstein zu einer dritten deutschen (katholischen) Kirche gelegt worden ist, die bis nächstes Spätjahr fertig werden soll, sind es besonders die Orte Clcveland, Canton, Chilicote zc., wo sich deutsche Gemeinden bereits förmlich gebildet haben, und die sehr nothwendig deutsche Priester brauchen.— Auf meiner vorjährigen Reise mit dem hochwürdigsten Bischof durch die Diöccse wurde ich von deutschen Katholiken oftmals ersucht, ihnen zu helfen, und dahin zu wirken, daß sie einen Priester erhielten, der beständig bei ihnen bleiben könnte. Ich versprach cS, und äußerte öfter, ich will »ach meinem Vaterlande schreiben, und dort meine Mitbrüdcr auffordern uns Hieher zu folgen, damit Eure Wünsche befriediget werden. Der hochwürdigste Bischof selbst ersuchte mich, ich möchte dieß thun. Wenn ich es bis jetzt noch nicht besonders gethan habe, so geschah es eben aus den oben angegebenen Rücksichten. Jetzt aber, wo ich mit den Umständen des Landes und der Diöccse selbst schon mehr bekannt bin, komme ich mit der Aufforderung offen heraus, und bitte und beschwöre glaubenseifrige, fromme und thätige Priester, Hieher zu kommen und uns zu helfen. . . ." Deutschland. Am 20. September starb im 7lsten Jahre der Erzpricstcr, Krcisschulen-Jnspector und Stadtpfarrer Johann Völkel von Ziegenhals, Archipresbyterat Neiße. Ehe er seine thätige und tugendreiche Laufbahn beschloß, sollte ihm noch eine ganz ungewöhnliche Freude und Anerkennung seiner Verdienste zu Theil werden. Als nämlich der Herr Fürstbischof in Breslau die Kunde erhielt, daß zu Ziegenhals ein würdiger Priester auf schwerem Krankenlager darniedcrliege, beschloß derselbe in seiner holdseligen Milde und Herablassung bei seiner vorhabenden Durchreise nach Freiwaldau, diesen frommen Diener des Herrn mit einem Besuche zu beglücken und mit dem apostolischen Segen zu begnadigen. Am 26. September Nachmittags 4 Uhr kam dieser edle und fromme Entschluß zur Ausführung. Wiewohl der Kirchenfürst sich alle Empfangsfeierlichkeit verbeten hatte, so konnte doch nickt verhindert werten, daß sich die Gläubigen zufolge der erst zwei Stunden zuvor bekannt gewordenen Nachricht des nahen Besuches auf ven Ruf der Glocken in der schönsten Ordnung unv Ruhe um den Wagen des ankommenden Obcrhirten schnarren und der Magistrat und die Honoratioren ibre Verehrung denisclbcn bezeigten. Auf die besondere Bitte und Einladung von Seiten des Archipresbyterat? durch einen Nachbar Pfarrer beruhte derselbe den Wagen zu verlassen, durchschritt segnend die Menge und begehrte vor seinem Eintritt ins Pfarrhaus, das Hciligthum des Herrn erst zu betreten. Erfreut sah cS die Menge, wie der Hvchwürdigste mit und unter den Andern am einfache» Kcm^eUuin niederknicte unv inbrünstig betete, und dann zu>- höchsten Freude Äller den Altar bestieg, von dem er an die andächtige Menge die unvergeßlichen Wvrte sprach: „Ich bin gekommen, Euren kranken Pfarrer zu besuchen, und fordere Euch als seine Gemeinde auf, für ihn zu beten, damit Gott ihn entweder gciund weidenlasse, um noch lange unter Euch Gutes zu wirken, oder aber, wenn es sein heiligster Wille seyn sollte, ihn von snn n Erdenleiden zu erlösen, ibmdas' bessere Jenseits schenke." Darauf ertheilte derselbe den apostolischen Segen und schloß mit den Worten: „Der Friede ley mit euch! Gelobtsey' Jesus Christus!" worauf die beglückte Menge freudig ihr „ in Ewigkeit, Amen!" erwiderte. Unteideß hatte sich der Kirchhofroum mit unzähligen Gläubigen angefüllt, als der Hochwü.digstc die Ki ehe verließ uuv der Pfarrwohnung zueilte. Wer kann aber erst das freudige und trostreiche Gefühl beschreiben, als der Kirchcnfürst die schichte Wohnung des ebenfalls einfachen und frommen Priesters betiat und dem Schwerkranken seine Hände reichte, sie ihm auflegte, ihn tröiiete und seine Freude über dessen Würdigkeit und Geduld aussprach, mit dem apostolischen Segen ihn beglückte und unter Thränen und Bruderkuß herzlich von ihm schied. Der Kranke hatte bei seiner große» körperlichen Schwache keine Worte, sondern nur Thränen der Freude und des Da»keS über diesen hohe» und ^beglückenden Besuch, und auch die A wescnven vermochten nur mit j Thränen zu danken. Sichtbai gerührt, rciließ der Fürstbischof das Pfarr- !hauS und eilte seinem Wagen zu, segnend die kniccnde, zahlreich versammelte Menge, und nahm unter freundlichen Bcgiüßungen von den Gläubigen Abschied, die indeß seinen voidern Wagcnsitz mit einem schönen Blumenkranz geschmückt hatten und dem dadurch freudig überraschten Oberhirten auf die Frage: „Wer dieß gethan?" die Antwort zuriefen: „Gehorsame und fromme Kinder ihrem Vater." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. P ^ o ^»gs - WeiH, der Augsvurger Iweite Jahreshälfte. >WHM M Postzeitttng. »«. Nov. ^84S. Kurze Darsrellnna der se^enreichen Wirksamkeit des heil. Simeon Stylites. (Kah. Blätter aus Tirol.) Die katholische Kirche dürfte unter den Tausenden ihrer Heiligen kaum einen zählen, der von den Weisen dieser Welt mehr als unnützer Schwärmer verlacht worden wäre und es noch wird, als der in der erste» Hälfte des fünften Jahrhunderts so hoch gefeierte und allgemein angestaunte heilige Simeon Stylites oder der Säulensteher, das Wunder und die hervorleuchtendste Erscheinung seiner Zeit. Gewohnt, die Wirksamk.it eines Menschen nur nach dem lauten Rennen und Treiben in's Aeußere hin zu messen, schaut der kurzsichtig? Blick der in's Materielle versunkenen Klüglinge mit Verachtung zum wunderlichen Heiligen auf der Säule empor, und kann in dem stillen Beter und Büßer höchstens einen bemitlcidcnswerthen Thoren, oder vielmehr einen des Hohnes und Spottes würdigen Müßiggänger sehen. Und doch war Simeon Stylites — kein Müßiggänger! Seine Säule war ein hehrer Schauplatz weiinmfassender Thätigkeit und eines höchst segcnvlllen Wirkens zum Wohl unzähliger Menschen, ja ganzer Bölkerstämme, und wir wagen es kühn zu be- Häupten: Eine Stunde seines edlen Lebens auf ihr trug Wohl reichere Fruchte für Gottes Ehre und des Nächsten Heil, als das ganze bewegte Leben vieler rastlos geschäftigen sogenannten Welt- bcglllcker. Im ersten Gesichte -), das er noch als Hirtenjüngling schaute, ward ihm von einer glänzenden Himmelögestalt gesagt: „Der Herr will, daß sein Name durch dich verhcnlicht Werde. Viele sollst du vom Irrthume zur Erkenntniß der Wahrheit führen; durch dich sollen die Gebote der heiligen Kirche ne e Kraft erhalten. Könige und Nichter mit ihren Unterthanen werden deinem Worte gehorchen. Sey standhast, und trage Liebe gegen Jedermann in dir!" Wiederum ward er in einer andern Erscheinung bestellt, für alle Armen Sorge zu tragen, Bedrängte zu ") Erzählt vom Priester CoSmaS, einem Zeitgenossen des Heiligen und Augenzeugen vieler Tha'en und Wunder ees großen Mannes, in einer weitläufigen Lebensbeschreibung dc°selbcu in syrischer Sprache, Sie steht unter dem Titel: ^cls s, Simeonis 8t)Iiti>«. als An. hang im zweiic» Bande der ^ct-> U-irl^ium (IriLiUslimn, herausgegeben von Stephan Eved, Asscmani. schützen, Waisen und Wittwen beizustehen, Mächtige und Neiche ohne Scheu zurecht zu weisen, und ihrem Ucbcnnuthe zu steuern. So war ihm die Ausgabe seines L-bens von Oben bestimmt, und er entsprach treu und unermüdet mit übermenschlicher Beharr^ lichkeit dem hohen Berufe, der ihm geworden. Ordnen wir die verschiedenen Wecke, denen er sich him,cgeben, und die mannich- fachen Wohlthaten, deren die Menschheit durch ihn thcilhast geworden, so finden wir nach den Berichten des erwähnten syrischen Biographen, dann seines gelehrten Freundes Thcodvret, und anderer völlig glaubwürdiger Zeugen: 1. Er hielt täglich wenigstens zweimal belehrende Vorträge an das von allen Seiten zahllos herbeiströmende Volk, mit himmlischer Beredsamkeit Alle aufmunternd, nach dem Ewigen zu trachten, GotteS und der heiligen Kirche Gebote zu halten, vom Irdischen sich loszureißen, und die Hölle zu fürchten. So bewirkte er eine Menge der auffallendsten Bekehrungen vom Laster zur Tugend. 2. Er bekehrte eine Menge Heiden, ja ganze wandernde Völkcistämme zum Christenthumc. Areber, Perser, Armenier, Jberier, selbst Britten, Gallier und Spanier vom äußersten Westen der drängten sich, begierig nach der Lehre des Heils, zu dem auf der Säule stehenden außerordentlichen Manne im fernen Mvrgen- landc. 3. Er trug wachsame Sorge für die Sittlichkeit umliegender Gemeinden, wie z. B, der Kirche von Phanir in Cölesviien, d>ren Priester eben dieser Cosmas war, der uns die aussah lichc Erzählung der Wundcrthaten des Heiligen hinterlassen. Solche Gemeinden ermunteite er sogar hie und da duich Briefe zu einem wahrhaft christlichen Lebenswandel. 4. Als Engel des Friedens legte er Zwiste bei, schlichtete die Streitigkeiten vieler ihn zum Schiedsrichter Wählenden, und hörte eines Jeden Anliegen geduldig und liebreich an, um zu ratv>n, zu trösten und zu helfen. 5. Von ungerechten Nichtern oder andern Unterdrückern Bedrängte fanden an ihm einen Vater und Netter, der seine Schützlinge meistens durch auffallende Wunder der Strafe an ihren trängcrn vertheidigte. Um des Wohles der Untergebenen willen trieb er saumselige Obrigkeiten zur eifrigern Erfüllung ihrer Pflichten an. 6. Doch nicht bloß auf einzelne Personen, Gemeinden oder Völker erstreckte sich die Wirksamkeit des großen Mannes, sondern auch für die ganze Kirche ward sie in Anspruch genommen. Zur Entscheidung der wichtigsten Angelegenheiten und Fragen seiner Zeit ward SimeonS, des berühmten Säulenstehers, weiscr Rath und vielvermögende Mithilfe nachgesucht. An Kaiser Theodos II. schrieb er zu Gunsten der Christen gegen die Juden; durch ihn bewogen entsagte die Kaiserin Enoxia der Irrlehre des EutycheS; Kaiser Marcian verkleidete sich, um frei und unerkannt mit dem von höherem Richte erleuchteten Einsiedler sich zu besprech n; Kaiser Leo befragte ihn wegen des Conciliums von Chalcedon, und der Heilige trug sehr viel dazu bei, das; sich bei der Verdammung des NcstvriuS die orientalischen Bischöfe, an deren Spitze Johannes, Patriarch von Antiochicn, stand, mit dem heiligen Cyrillus von Alexandne» und dem Concil von Epliesus vereinigten. 7. Er war der allgemeine Nvthhelfer der Leitenden jeder Art durch außerordentliche Wunder, der mit der Gabe der Heilung ausgerüstete Arzt der Kranken, der stets sorgsame Vater der Armen, und die Zuflucht aller Hilfsbedürftigen. 8. Er betete, betete viele Stunden des TageS, und mit Weniger Unterbrechung die ganze Nacht hindurch; und ein Gebet, Wie Er betete, ja — das rechte, wahre Gebet überhaupt ist kein Müßiggang, eS ist eine heilige Aibeit, ist die schönste Beschäftigung der Frommen und Heiligen hienicden, und der Seligen und Heiligen oben die ganze Ewigkeit Hindu?ch. „So großen Nutzen," sagt Theodoret, „ergoß die von Spöttern verhöhnte Sänle." Von ihrer Höhe herab flössen Segnungen des Himmels, Licht und Wärme der heiligen Lehre und Liebe. Darum ruft der syrische Lebensbeschreiber mit Recht bewundernd aus: „Wie Viele wurden durch ihn Junger der wahren Lehre, und Gefäße der Ehre! Wie viele Unzüchtige wurden keujch, wie viele Wüstlinge zur Reinigkeit bekehrt, wie viele Buhlerinnen durch seinen bloßen Anblick von serne in treue Freundinnen Christi umgewandelt! Wie viele Bedrängte sind durch sein Wort von ihren Drängern errettet, wie viele Schuldbriefe durch seine Verwendung vernichtet worden! Wie vielen Mißhandelten ward Ruhe, wie viele Sklaven wurden befreit, wie viele Waisen und Wittwen aufcrzogcn und ernährt! Er erhöhte das Ansehen der Purster Gottes, unv hielt die Verordnungen der h.iligen Kirche aufrecht. Er steuerte dem Wucher, und brachte es dahin, daß Viele sogar keine Zinsen mehr forderten." Dann verbreitet er sich staunend über die Wunde-baren Heilungen und Hilfeleistungen in der Nahe und in die Ferne hin, Heilungen von den schwersten Gebrechen und Krankheiten, Rettungen aus Gefahren zu Wasser und zu Lande, u. s. w. Ferner berichtet er, daß oft Briefe von Königen oder Gesandte derselben beim Heiligen anlangten, um sein Gebet und seinen Segen für die Reiche zu erflehen, und seine B.fehlc zum Wvhle der Unterthanen zu vernehmen. Sie nannten ihn aber im Eingange ihrer Schreiben „Vater und Lehrer, der uns von Gott gegeben wurde." llnv Simcon rieth und verordnete ihnen Alles, was Gott gefällig, zu dessen Ehre, für das Heil der Seelen ersprießlich, für die Armen vo-thcilhaft, und zur Befestigung der Herrschaft dieser Fürsten dienlich war. So lebte nach dem Zeugnisse von Zeitgenossen und Augenzeugen der Mann auf der Säule. So lebte er, eine lange Reihe von Jahre» hindurch rastlos wirkend für die Ehre seines Herrn und das Wohl seiner Vrüver, und dieß unter dem Drucke furchtbarer körperlicher und geistiger Leide», wodurch Gott sein.n Diener und Liebling prüfte unv reinigte, lind ein solches Leben wäre nur müßige Schwärmeret gewesen?! Ein Leben stete» BetenS und Leidens, der strengsten Abtödtung und Selbstverläugnung, der Belehrung und Ermahnung, der thätigsten Liebe und Erbarmung gegen Alle; ein Leben wirksamen wohlthätigen Einflusses auf Hohe und Niedere, Pri.stcr und Laien, Reiche und Arme, Gemeinden und Völkerstämme, Kirche und Staat; ein Leben, reich an den schönsten und hcldenmü'thigsten Tugenden, an Geduld und Demuth und Sanftmuth, und herzgewinnender Freundlichkeit und unbesiegbarer Standhaftigkcit im Guten, — ein so großes und edles und heiliges Leben eine müßige Schwärmerei?! Nein! Wir nennen es mit Recht voll Ehrfurcht und Bewunderung ein wahrhaft thätiges und scgenreiches Leben, einen her-lichen Baum voll der besten Früchte für das ewige Leben, eine überfließende Quelle von Wohlthaten für die Menschheit, einen Schatz des Hmm-ls f >r Kirche und Staat, einen Acker reich an Ernten für Jenseits, und Simeon Stylites ist den größten, heiligsten, einflußreichsten, verdientesten, und darum ehrwürdigsten Männern beizuzählen, die der Himmel je in seiner Huld und Gnade der hilfsbedürftigen Welt geschenkt, eine Sonne, nach allen Seiten hin ihre Strahlen versendend voll Licht und heiliger Glut. Aber — das Stehen auf der Säule? War denn nicht wenigstens diese Lebensweise Thorheit und Unsinn? Hätte er nicht auf eine andere, vernunftgemäßere Weise eben so wirken können? „Nein," ist Möhlers Meinung*); „nur so brachte er jene erschütternde Bewegung in den Gemüthern hervor. Dieß konnte nur Er wirken, und zwar in der ganz bestimmten Erscheinung, wie er stand auf der Säule" und so weiter. Katerkamp aber bemerkt im dritten Ban?e seiner Kirchengeschichte über Simeons Lebensart: „Es scheint doch der Vorsehung gefallen zu haben, durch ihn eine erschlaffte Zeit zu beschämen, und.ein Vorbild aufzustellen, was der menschliche Wille für unv durch Gott vermöge. Durch seine sonderbare Lebensweise sollten höhere Zwecke erreicht werden. So beweiset der Erfolg." Entschiedener als Katerkamp mit seinem „Scheinen" erklärten die Zeitgenossen unseres Heiligen, Cosmas und Theodoret, ihre feste Ueberzeugung, daß es ausdrücklich so Gottes Anordnung und Wille gewesen sey, ihn als Licht auf die Säule zu stellen. Eine Engelerscheinung lehrte, wie die syrischen Acten erzählen, den Heiligen die Art und Weise des Stehens und Betens; Gottes Absicht aber, bemerkt der Verfasser, sey gewesen, „weil Er die Welt wie eingeschlafen sah, durch Simeons Leiden die Menschen von der schweren Bersunkenheit zu erwecken.' Cosmas sowohl als Theodoret führen dann aus dem alten Bunde mehrere Beispiele außerordentlicher und seltsam scheinender Austräge Gottes an Propheten an, gegeben zur Wiedererweckung des gesunkenen sittlichen Lebens der Menschen, die so oft nur durch das Außerordentliche und Wunderbare aus langgewohnter Erstarrung und Erschlaffung aufgeregt werden können. So haben wir, um mit Theodoret zu reden, einen Tropfen der Wirksamkeit Simeons, des Styliten, dargestellt, um daraus auf den reichen Regen der Segnungen seines merkwürdigen und wohlthätigen Lebens schließen zu lassen. Erwägt man di-ses Leben näher, so muß man in der That mit dem heiligen Jakob von Sarug"*) gestehen, daß es über jeden Ausdruck erhaben sey, unv, wie er, Simeon einen an Triumphen reichen Kämpfer nennen, und einen auSerwähltcn Vater voll der erhabensten Großthaten. ') Vergleiche den L. Band der gesammelten Schriften und AusfStzc Mvhiers, herausgegeben ron Döllingcr. Dem berühniresten wnschcn L.rter und Lehrer nach >st. Ephräm, in seiner mctnfchcn Lvvrede auf Simeon Stylites. Diese Zeilen mögen aber dienen als vorläufige Ankündigung einer ausführlichen Darstellung des Lebens und Wirkens des großen Styliten, die der Unterzeichnete mit Zugrundelegung der syrischen Acten aus den bewährtesten Quellen, z. B. Theodoret, den Bol- landlsten u. s. w., zusammenzustellen versuchen wird. P. PiuS Zingerle, 0. S. L. Der Convertite Newman (Neue Sion.) Hat von vr. Puley, Professor der hebräischen Sprache, die »nglokatholische Partei ihren Namen, so ist Newman die Seele derselben. ") Beive Männer stehen in den kräft-gsten Jahren. Pusey wurde 18W geboren. Nachdem er im Jahr 1Z22 seinen ersten Grad in lilteris Kumsnioridus erhalten hatte, wurde er zum l^lellov) Mitglied des Kollegiums von Oriel gewählt. Im Jahr 1328 wurde er zum Professor der hebräischen Spiache ernannt, eine Stelle, mit der zugleich ein Kanonicat verbunden ist. Herr Newman, etwas jünger als Pusey, ist nicht Doctor, sondern bloß BaecalaurenS der Theologie und obwohl Mitglied i^sLllov) der Universität Oxford, ist er nicht Professor. Seine Stellung ist die eines kellc^v oder Mitglieds des Kollegiums von Oriel und Pfarrers an der Kirche der heiligen Jungfrau Maria. In letzter Eigenschaft wirkte er besonders einflußreich aus die studirende Jugend durch seine Predigten, die er, so wie m-hrcre andere Schäften theologischen Inhalts, im Druck herausgab und dadurch bald auch in weiteren Kreisen als tie'er Denker und frommer Geistlicher bekannt wurde. Einige verknöcherte A->glicaner suchten zwar die Jugend von seinen Predigten feine zu halten und eadurch seinen Einfluß zu schwächen, es schlug jed ch zu ihrem Nachtheil aus, sofern die daraus entstandenen Streitigkeiten die Zahl seiner Schüler vermehrten. Mit dem Erscheinen der „Abhandlungen für die geg?nwärt!ge Zeit" (ti-acts kor tlis times) im Jahr 1833, wurde der litem- rischen Thätigkeit Ncwmans ein neues Feld eröffnet, sofern er hier als thätiger und eifriger Mitarbeiter auftrat. B.kannt ist die 98. und zugleich letzte Abhandlung, die im Jahr 1841 erschien und deren Verfasser Newman ist. In dieser Abhandlung nämlich suchte Newman die 39 Artikel der englischen Kirche mit den Bestimmungen des Concils von Trient in Einklang zu bringen. Um zu zeigen, wie Newman htcbci verfuhr, wollen wir eine kleine Probe geben. Wie so manche Scctc, nennt auch die englische Knche die Bilververehrung eine Bildcranbetung. Wenn nun in den 39 Artikeln von Bilderanbetung gesprochen und diese verdammt wird, so sagt Newman, das habe auch die Kirchenver>ammlung von Trient gethan und die 39 Artikel verwerfen also bloß einen in jener Zeit bei den Katholiken sich findenden Mißbrauch, nicht aber die Bilderverehrung überhaupt. Mit der Lehre der katholischen Kirche war nämlich Newman schon in f.üher Zeit ganz einverstanden und er suchte dem absterbenden dürren Baum der englischen Kirche dadurch gleichsam aufzuhelfen, daß er lebenskräftige Sprossen, die er der katholischen Kirche entlehnte, jenem einpfropfte. Römischer Katholik will Newman um diese Zeit noch um keinen Preis seyn. *) Wir halten uns hiebe! besonders an die von Gvndvn verfaßte Schrift,' „vie religiöse Bewegung in England vver die Fe-rlschnile des Kuihvlicismus und die Rückkehr der anglicanischen Kirche zur Einheit.« - Diese Sehnst, die interessante Ausschlüsse über Englands gegenwäniae Lage gibt uns darum empichlenswenh ist, wuroc ms Deutsche uversetzl, Äiainz, Verlag von C. G. Knnze 13^5, In den Schriften, die vom Jahr 1833 — 37 von ihm erschienen, nennt er die römische Kirche eine verlorene. Rom ist ihm ketzerisch und hat sich mit der Sache des Antichrists verbunden, es hat die Lüge an die Stelle der Wahrheit gesetzt und muß daher geflohen werden, wie die Pest. So redet Newman i» den dreißiger Jahren! Auch in den Streitigkeiten, die durch die 9vste Abhandlung entstanden, zeigt sich noch eine große Abneigung gegen die katholische Kirche. Doch ist die Ahnung, daß in dieser Kirche jenes verlorene Paradies sey, nach dem sein Herz und G.ist so mächtig verlangt, viel stäiker und klarer. „Das Jahrhundert strebt, schreibt er, ich weiß nicht nach w-lchem unbekannten Etwaö hin, und was außerordentlich ist, die einzige religiöse Gemeinschaft, welche im Verlauf dieser letzten Jahre sich unter uns im Besitze dieses Unbekannten zeigte, ist die Kirche von Rom. Sie allein hat, trotz ihier Irrthümer und der Unbequemlichkeit ihres praktischen Systems, den innigen Gefühlen der Anbetung, der G.hcim- nisse, der Zärtlichkeit, der Ehrfurcht, der Andacht und so vieler anderer, welche man insbesondere katholische Gefühle nennen kann, eine freie und regelmäßige Entwicklung gegeben." Daß in der katholischen Kirche die volle und ungetrübte Wahrheit sey, wenigstens in der Thcvrie, das dräng/ sich ihm vom Jahr 1841 immer unabweisbarer auf und bringt ihn so weit, daß er alle Schmähungen, die er in unklarem Eifer auf sie gewälzt, öffentlich widerruft. Er kann cS kaum begreifen, daß er als einzelnes Individuum gegen eine so alte, so verbreitete Gemeinschaft, die so viele Heilige erzeugte, solche Dinge sagen konnte und entschuldigt sich damit, daß dieses eigentlich nicht einmal seine eigenen Worte seyen, sonde n die aller englischen Theologen, die, so gelehrt, so ausgezeichnet sie auch waren, sich doch in Schmähungen gegen Rom überboten. Sodann wünschte er auf diese Weise die Anschuldigung des RvmaniSmuS zurückzuweisen. Seit dieser Wiverruf bekannt wurde, erhob sich natürlich das Geschrei seiner Gegner über Romanismuö noch ärger und lauter. Man muß sich auch wirk.ich fragen, warum Newman nicht in die Katholische Kirche zurückkehrte, die er doch als die Trägerin der iWahiheit und Gnade c.kannt hatte? Eine offene, volle Antwort ^hierauf gibt ein Schüler Ncwman's in einem Schreiben, das an ^das Univers gerichtet war, um die Franzosen über den Puscyismus lzu oricntiren. „Meine Herren, schreibt dieser junge Anglvka'holik, die Demuth, die erste Bedingung jeder gesunden Verbesserung, mangelt unS nicht; wir seufzen über die Sünden, die unsere Vorfahren ^begingen, indem sie sich von der katholischen Welt trennten; wir empfinden ein heißes Verlangen, uns mit unsern Brüdern zu vereinigen; wir l eben mit ungehcuchelier Liebe den apostolischen Stuhl, den wir als das Haupt der Christenheit anerkennen, und dieß um so mehr, als die Kiiche von Rom unsere Mutter ist, welche aus ihrem Schoeße den glückseligen heiligen Äugustiu schickte, um unS ihren unerschütterlichen Glauben zu übe.bringen. Wir erkennen auch an, daß weder unsere Formulare noch auch der 5Urchcnrath ^von Trient uns an einer Vereinigung hindern. Nach allen diesen Zugeständnissen können Sie mich wohl fragen: warum kommt ihr denn nicht, euch mit uns zu vereinigend — Vorerst, meine Herren, unterscheidet Herr Newman, wahrend er sich so bestimmt über die Reinheit der von der Kirche Roms geltend gemachten Formulare auSd>ückt, immer zwischen dem System der Kirchcnver- scunmlunz von Tiient und einem andern System, welches in dieser Kirche besteht. Während er Gott dankt, daß er die Nirchenver- sammlung von allem formellen Irrthum in Glaubenssachcn bewahrt ha>e, behauptet er zugleich, daß in Sachen der Ausübung Vcr- derbnisse in der Kirchc seyen, gegen welche die Kirchenversammlung selbst die Stimme erhebt, welche aber nichts desto weniger noch bestehen und laut eine Verbesserung fordern. — Er behauptet immer, daß die Theorie der Kirche rein sey, indessen nach gewissen, zu allgemein verbreiteten Andachtsbüchern und den Erzählungen mehrerer aufgeklärten und vom gewöhnlichen Protestantismus ganz freien Reisenren fürchtet er, eS sey ein gutgeheißenes System vorhanden, welches in der Ausübung, statt der Seele des Sünderö die heilige Dreieinigkeit, den Himmel und die Hölle vorzustellen, die heilige Jungfrau, die Heiligen und das Fegfcuer an die Stelle jener setzt. Allerdings bildet alles diess keinen wesentlichen Theil des Glaubens der Kirche; indessen gesteht er, daß dieses System so laut eine Reform erheische, daß es der anglicanischen Kirche unmöglich sey, sich der römischen in die Arme zu werfen." Das sind also die Irrthümer des „praktischen Systems," die Newmcm von der Kirche ferne hielten. Das Aufgeben dieser vermeintlichen Dinge ist ihm die Reform, die er von Rom fordert, um alebald in Gemeinschaft mit demselben zu treten, „ungeachtet alles Widerspruchs der Staatsmänner und der bürgerlichen Gewalt." Man sieht hier, was Vorurthcile, anerzogener Haß vermögen, selbst bei einem Manne von so scharfem Blick und großem Geiste. Newmcm bucht anfänglich mit allen seinen Glaubensgenossen über die katholische Kirche den Stab, seine Studien lassen aber keinen Zweifel mehr in ihm aufkommen, daß alle Ergüsse des anglicanischen Eifers Bcrlcumdungcn sind; er spricht die Kirche theoretisch frei. Unbekannt mit dem katholischen Leben und Leiden trägt er das Bild, das ihm von Kindheit an von der Kirche gemacht und eingeprägt wurde, auf die Praxis über, und glaubt hier den Götzendienst, den Irrthum, die Lüge zu finden, die er in den Dogmen der Küche vergebens sucht. Will man die Thätigkeit und den Einfluß Newmcm's nach seinem ganzen Umfang kennen lernen und würdigen, so darf man den Antheil, den er an dir Herausgabe und Redaction der LritisK eritie bat, nick't übersehen. Als die cmglokatholische Partei erstarkte, schuf sie sich bald Organe, durch die sie ihre Ideen als fruchtbare Keime verbreitete. Dahin gehören die bereits erwähnten .Abhandlungen für die gegenwärtige Zeit" und die IZritisI, eritic!, deren Redaction Newmcm übernahm. Es ist dieses eine Licrteljahrschrift, die eben so Theologie als Kunst und Politik in ihren Bereich zieht und mit großer Gründlichkeit und umfassender Gelehrsamkeit vom anglokatholischen Standpunct aus beurtheilt. Die Gediegenheit und ernst, wissenschaftliche Haltung verschafften der Zntschnft sehr schnell Eingang und mit ihr auch puseyitischcn Ansichten und Grundsähen. War Ncwman geistreich und muthig genug, die Halbheit der anglokatholischen Bewegung zu durchschauen und nach gewonnener Erkenntniß in die Küche zurückzukehren (denn daß seine Ansicht von dem praktischen System ein Irrt um ist, bedarf keiner Erwähnung), so ist dieses Pusey bis jetzt nicht gelungen. Er steht noch auf dem Standpunct, den Newman vor 1841 eingenommen hat und durch die Vorgänge im Jahr 1843, wo er die bekannte Predigt hielt, wurde er nur noch mehr hineingetrieben und scheint sich festgerannt zu haben, so er nicht, durch die göttliche Gnade gezogen, endlich doch noch die Heimath findet in der katholischen Kirche. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Deutschland. 5 Kloster Oberschönefeld. In unserer Klosterkirche werden sich am 2. December wieder fromme Seelen zu einer religiösen Feier versammeln, die schon mehrmal statt fand, seitdem die schirmende Hand der Vorsehung dem völligen Untergänge unsers Stiftes wehrte, und durch ihr zum Besten unserer heiligen Religion allzeit bereites Organ, unsern Allergnäbigstcn Landesvater, dasselbe wieder in's Leben rief. Diese Feier betrifft drei Jungfrauen. Eine Laienschwester, Francisca Schwarz von Ettenbeuern, legt auf 3 Jahre ihre Prvfeß ab, und zwei Andere, von denen die erste für den Chor und die Arbeitsschule, und die zweite zu den Diensten einer Laienschwester bestimmt ist: Joscpha jetzt Alaidis Schmid von Augsburg, und Nadegunda jetzt Wendelina Joachim von Margarshausen, werden eingekleidet. Möchte uns bald ein einträgliches Institut zugewiesen werden, wodurch unsere Fortdauer hinlänglich gesichert wäre, da die oft zahlreiche Arbeitsschule armer Landmädchcn dem Kloster nichts einträgt, vielmehr große Kosten verursacht! Wie wohlthätig wäre z. B. eine Versorgungs-Anstalt für verwahrloste, unmündige, weibliche Kinder, einstweilen etwa bis auf sechs Jahre, ein Vorschlag, der gleich bei unserer Restauration, sogar in Tagblättcrn, mit vollem Beif.elle aufgenommen wlüde. Allein bis jetzt fehlen noch immer die Mittel, nm diese frommen Wünsche in Wirklichkeit zn verwandeln; doch wir vertrauen auf Gott, mit dem wir das Werk angefangen haben, und der es auch zu seiner Ehre, und zum Heile der Seelen hinausfuhren, und so die Standhciftigkeit krönen wird, womit unsere alten Conventualinnen unter hundert leidigen Zufällen in ihrem geliebten Stifte ausgehalten haben, und ihrer frommen Sehnsucht nie entsagen werden: Nur immer bei JesnS zu seyn und zu bleiben, Und alle Gedanken der Welt zu vertreiben; Ihr Ringen und Flehen geht einzig dahin, Für Ihn zu erglühen mit heiligem Sinn. Statistik der katholischen Kirche in Nordamerika. AuS dem katholischen Almanach dieses Jahres ergibt sich, daß die vereinigten Staaten, das eben anncxirte TcxaS nicht miteinbegriffen, 21 Diöcesen und ein apostolisches Vicariat, 675 Kirchen und 592 Kapellen, 572 in den Messionen beschäftigte Peicster und 137 Priester in den Kollegien und Seminarien, 22 geistliche Lehranstalten, 22 Seminarien, 28 Kollegien und höhere Bildungga stalten für die Jugend, 2g religiöse Gene ssensckaflen, 94 katholische WolMätig- kcitS-Bereine und eine katholische'Levöllerung von ungefähr 1,300,000 S.clen besitzen. Letztere Angabe beruht jedoch nur auf einer ohn- gefähren Schätzung und der wirkliche Stand der katholischen Bevölkerung ist wahrscheinlich viel stärker. Vergleicht man diese statest schen Angaben mit den älteren, so ergibt sich daraus das erfreuliche Resultat, daß unsere heilige Religion dort in steter Zunahme begriffen ist. Im Jahre 1835 gab es in den Vereinigten Staat. « nur 13 Diöcesen, 14 Bischöfe, 272 Kirchen, 327 Priester, 12 Seminarien und 9 Kollegien; im Jahre 1840 zählte man schon 16 Diöcesen. 17 Bisctöse, 454 Kirchen, 432 Priester, 18 Seminare und 11 Kollegien; und jetzt im Jahre 1845 haben wir 21 Tiöcesen, ein apostolisches Vicariat, 26 Bischöse, 675 Kirchen, 709 Peiester, 22 Seminarien und 15 Kollegien, ohne von der Zunabme der weiblichen religiöscn Genossenschaften und Töchterschulen hier zu reden. _ ^ Verlags-Jnhab.r: F. C. Krem er. ' H ^ V»Sv ' Dr,/., d»r «/ ^ ^^^"^^u^^^SV Ppftzeitttng. Iweite Jahreshälfte. ^S. 7. Dec. 18-45. Conversionen zu Rom. (Aus Huriers „Gcburr und Wlc!>ere>el'url", drittes Bändchen.) Daß in Rom Konversionen häusiger vorkommen, als sonst irgendwo, ist begreifli ch. Feblt es ja nie an Solchen, welche mit zuvor schon gehegter Absicht oder angeregter Neigung nach dem Mittelpunct der Kirche sich begebe», dieweil cs sie hinziebt, an diesem selbst offen zu bekennen, wozu inneres Sehnen oder vielleicht bereits gewonnene Ueberzeugung sie geleitet hat. Außer dem sind der Veranlassungen, der nicht zu berechnenden Einwir- kun>en, welche dergleichen anbahnen, fördern, bewerkstelligen, gar mancherlei. Ganz Rom ist für den, welcher Ohren hat, zu hören, gleichsam eine nie vc stumme« de, in dn mannichfaltigsten Redeweise an einen Jeden sprechende Pred'gt zu Bertuiidung des in das Leben einget-ctenen christlichen Glaubens. Auf Rom läßt sich das Wort des Psalms anwenden: „Der Tag übergibt dem Tag das Wort, und eine Nacht thut kund das Wissen der andern. Es gibt keine Sprache und keine Rede in der ihre Stimme nicht gehört wurde. Ihr Schall geht aus in alle Lande und an die Ende des Erdkreises ihre Wotte." Wohl möchte es nichts Anziehenderes, nichts Lehrreicheres geben, als wenn die Beweggründe, die Veranlassungen, die Einflüsse könnten zusammengestellt werden, welche während des Verlaufs bloß eines einzigen Jahres aus die verschiedenen Individuen zu deren Rückkehr in die Kirche eingewirkt haben. Ohne allen Zweifel würde man daraus sich überzeugen können und überzeugen müssen, daß bei den Bedeutendem und in jeder Beziehung Selbst- ständigen unter denselben nichts weniger unterlaufen sey, als dasjenige, was man gewöhnlich Proselytenmachcrei nennt, und von der man so gerne ganz Rom angesteckt wähnt; indeß man gewiß, wenigstens in den höhcrn Class.n, so der Geistlichen als der Laien, hier derselben so ferne steht als irgendwo, eben so viel Zartgefühl besitzt, um in die inncesten Herzensangelegenheiten eines Dritten unberufen sich nicht einmischen zu wollen, als anderwärts. UebrigenS gibt cS eine zweifache Proselytenmachcrei; und cs ist die größte Frage, welche von beiden schwunghafter betrieben werde, ind ß diejenige, welche von beiden die würdigere sey, weniger zweifelhaft ftyn kann. Es gibt eine Proselytenmacherei, welche in festbegründcter Ueberzeugung wurzelt und die Liebe als Agens hat, eine andere, welche, wenn nicht aus Wanken und Gleichgültigkeit hervorgeht, doch die Abneigung, wo nicht den Haß, zur bewegenden Kraft macht; eine, welche, glücklich im Besitz reicher und kostbarer Habe, jeden Andern zu deren Mitbesitz einladen, mit demselben ihn ausstatten möchte, eine andere, welche, auf »bre Entblößung stolz, denjenigen, der diese nicht theilt, bereden mochte, auch seines Besitzes als eines werthloscn Dinges sieh zu cntschlagcn; die eine theiet mit, die andere entzieht, denn sie kann nichts geben, im besten Fall dem Menschen nur dasjenige lassen, was der, welchen sie gewinnen möchte, längst schon gehabt hat. Die eine weiß, Daß sie das Individuum, welches sie zum Gegenstand ihrer Bemühungen wählt, in eine, über alle Zeit und allen Raum sich erstreckende und von dem Himmel zur Erde reichende Verbindung einfügt, die andere, daß sie von dieser eS losreißt, um es in eine solche zu bringen, der keine andere Bürgschaft gegeben ist, als diejenige des (immerhin wandcibarcn) guten Willens einer größern oder genngern Anzahl von Personalitäten. Jene hat einen positiven, ja mehr als positiven, einen unerschütterlichen Ausgangspunct und faßt eine positive Wirksamkeit ins Auge (wiewohl cs gutmüthigem Eifer leicht begegnen mag, daß er in dieser Beziehung allzuleicht sich täusche), jene, von Negativem ausgehend, ist außer Standes zu berechnen, wo das Endziel der Negation gesteckt sey. Aber gerade da, wo die Proselytenmachcrei aus dem Bewußtseyn des vollen Besitzes und auö einer anerkannten Verpflichtung hervorgeht, zu dessen Theilnahme auch Andern zu verhelfen, kann in untergeordneten Verhältnissen die Anwandlung zu einer gewissen, die natürlichen Gränzen leicht überschreitenden Bethätigung derselben nahe liegen. Ich will gar nicht bezweifeln, daß mancher Priester in einfacher Gutmüthigkcit seines Herzens sich verpflichtet glaubt, dieselbe versuchen zu sollen, wo nur immer Gelegenheit dazu sich darbieten mag; daß daher in Gefängnissen oder in Spitälern oder an andern derartigen Orten Mancher aus den untern VolkSclasscn in die katholische Kirche hinübergezogen wird, der sonst vielleicht nie daran gedacht hätte; daß sogar zwi-- schencin auch Mittel mögen angewendet werden, deren Rechtfertigung schwer fiele. Eine Frage aber wäre cs, ob diejenigen, welche bei vorkommenden Fällen alsbald Lärm zu schlagen bereit stehen, auch immer die Umstände kennen und, wenn sie dieselben kennen, vor Uebertreibung sich frei halten und daneben zu richtiger Beurtheilung dessen geneigt seyn möge«, was vielleicht in mehr als einem Fall den Lärm nothwendig dämpfen müßte? Es ist vor wenigen Jahren vorgekommen, rcisz mehrere nichtkatholische Sträflinge längere Zeit in einer Gefangenschaft zu Rom sich befanden. Von diesen gingen Einige, ob aus innerer Ueberzeugung, ob in Hoffnung, ihr Loos zu verbessern, ob in vollkommen freiem Willen oder überredet, weis; ich nicht, zur katholischen Kirche über. Das wurde bekannt, und augenblicklich begab sich der Hausprcdigcr einer Gesandtschaft, der in aller Zeit rorher niemals um diese Menschen sich bekümmert hatte, in die Gefangenschaft und ließ dieselben zusammen kommen. Denjenigen, welche katholisch geworden waren, machte er darüber Lorwürfe, erhielt aber die Antwort: wenn sich um die religiösen Bedürfnisse der Gefangenen diejenigen nicht bekümmerten, welche im Fall wären, darum sich erkundigen und Beistand leisten zu können, wenn der Gefangene aller Mittel zu seiner Belehrung und Tröstung sich beraubt sehe, so dürfe eS Niemand befremden, daß er zu denjenigen Mittel» seine Zuflucht nehme, die ihm freundlich dargeboten würden. Dieß Wäre die Ursache, weßwegen sie katholisch geworden wären. — Den Andern nun, welche deren Beispiel nicht gefolgt waren, gab der Prediger Namens seines Fürsten eine Geldunterstützung. Darüber beschwerten sich nun jene Erstern, indem sie meinten, sie wären, trotz ihres Ueberlrittes zu der katholischen Kirche, Unterthanen ihres Landeöherrn, so gut als jene Anvern, zumal die Zahl der unter seiner Regierung stehenden Katholiken keine geringe sey. Das hatte die Folge, daß von dem Staatssecretariat des Innern mchtkatholischen Geistlichen der Eintritt in die Gefängnisse untersagt wurde. War dieses Verbot nicht dmch jenen Vorgang gerechtfertigt? Diente aber das Geschenk als Mittel, Jene in ihrem nichtkatholischen Glauben zu festigen, ist es ein prciswürdi- gercs, als dasjenige, durch geweckte Hoffnung besserer Behandlung oder schnellerer Entlassung einen Gefangenen zur Annahme eines andern Glaubens zu bewegen? Bei manchen ungesuchten und unbeabsichtigten Bekehrungen selbstständiger Personen würde man nicht selten auf die überraschendsten Veranlassungen und Einwirkungen stoßen; auf Einwirkungen, Wenn nicht gerade so unerklärlich und wunderbar wie diejenige, welche Theodor Ratisbonne in die Kirche hineinführte, doch immer so auffallend, daß in ihren ersten Anfängen wenigstens der Finger Gotics nicht verkannt werden könnte; wie in jenem Regenschirm Welchen ein Engländer in einem Beichtstuhl zurückgelassen hatte, was zur Veranlassung wurde, ihn sammt einem Freunde wieder in die Kirche zurückzuleiten, wie Solches in Abbe Rohrbacher's „Ucberblick über die vornehmsten Bekehrungen" zu lesen ist. Einen nicht minder merkwürdigen Gang nahm die Bekehrung einer deutschen Dame, welche vorzüglich alle die Abneigung gegen das Papstthum und die Pe.son eines Oberhauptes der Küche mit sich nach Rom brachte, welche so häusig den deutschen Protestantismus aller Schattirungen und Abarten durchdringt und stachelt. Eines Tages begegnete sie unfern des Stadtthores dem Papst, der eben eine Spazierfahrt machte. Da zwang es sie mit unwiderstehlicher Gewalt, gleich Andern, auf die Knie zu fallen und den Segen des ehrwürdigen Greisen zu empfangen; was augenblicklich einen so tiefen Eindruck auf sie machte, laß sie beinahe in Thränen zerfloß und lange noch, nachdem der Papst schon vorübergefahren war, in ihrer knicenden Stellung verblieb. Als sie endlich sich aufraffte, lehrte die vorige Gesinnung zurück und sie machte sich über ihre ungeziemende Schwachheit selbst bittere Vorwürfe. Sey doch, kam es ihr hierauf zu Sinn, derjenige, bei dessen Erscheinen sie sich auf die Kniee gelassen, und der sich Oberhaupt der Kirche nenne, ein sündiger Mensch gleich Andern; warum denn ihm solche Ehrerbietung beweisen? Die Neue über ihre Schwachheit stachelte sie zum Grimm, und sie beschloß dadurch Genugthuung für dieselbe sich zu verschaffen, daß sie dem Papst seine Anmaßlichkeit, bei gemeinsamer Unvollkommendeit mit allen andern Menschen, geradezu vorhalte. Zu dem Ende ließ sie um eine Audienz bitten, gleichzeitig aber Postpferde bestellen, um unvcrweilr nach ihrer kühnen That wenigstens dem Bereich des Beherrschers des Kirchenstaates sich zu entziehen. Es war nicht schwer, die Audienz zu erhalten. Die Dame hatte wirklich den Muth, ihr Vorhaben auszuführen und dem Papst zu bemerken: wie er sich den Stellvertreter Christi auf Erden nennen könne, da er ein sündiger Mensch sey? Mit seiner anerbornen Milde antwortete er ihr: „Ungeachtet er selbst tagtäglich dieses sich sage und Gott anflehe, daß er, unangesehen dessen, zu Führung des schweren Amtes mit seiner Gnade dennoch ihm beistchen wolle, freue es ihn, wenn er auch durch Andere hieran erinnert werde, damit er stets desto lebendiger und dcmuthSvollcr dessen gedenke." Diese Antwort entwaffnete die Dame. Sie fühlte sich wieder eben so betroffen, als an dem Tage, da sie dem Papst auf offener Straße begegnet war. Man versicherte mich (und es fällt mir bei der Persönlichkeit Gregors XVI. gar nicht schwer, eS zu glauben) der Papst sey hierauf gleich einem Katecheten in einige der wesentlichsten Puncte des katholischen Glaubens mit ihr eingetreten, und habe die Audienz verlängert, um über verschiedene Differenzen die Dame zu belehren. Dieß Alles habe aus dieselbe solchen Eindruck gemacht, daß sie die Postpferde abbestellt, hierauf um einläßlichere Unterweisung sich umgesehen, endlich die volle Ueberzeugung gewonnen habe, daß der katholische Glaube der wahre, sie somit zu diesem übergetreten sey. Ein deutscher Edelmann, dem ich die Nachricht über diese gewiß höchst merkwürdige Rückkehr in die Kirche verdanke, erzählte mir, wie er in seinen frühern Jahren durch die Eitelkeiten und Zerstreuungen des Hoflebcns geradezu um allen Glauben gekommen sey. Die protestantische Lehre, in der er mit aller lebcnlosen Kälte des norddeutschen Nationalismus erzogen worden, habe er nur allzubald über Bord geworfen, die katholische dagegen gar nicht gekannt, oder höchstens nach den wegwerfenden Urtheilen, Welche in seinem Heimathlandc gewvhnheitsgemäsz über sie gefällt würden. So sey er auf Reisen nach Rom gekommen, mit dem Vorhaben, länger daselbst zu verweilen. Leichtfertigkeit und Ncu- gierde hätten ihn getrieben, einen Jesuiten um Unterricht in der katholischen Glaubenslehre anzugehen, nicht um in dieser sich umzusehen, als vielmehr, um von dein Standpunct des Rationalismus und des Protestantismus, bei sonstigem Mangel an aller innerer Ueberzeugung, demselben zu widersprechen, also gewissermaßen bloß unfruchtbar den Verstand beschäftigende Dialectik zu treiben. Mit bewundernswerther Klarheit habe der Jcsuite die wesentlichsten Lehren des Christenthums ihm dargelegt, und mit noch größerer Ruhe seine Einwendungen angehört, mit schlagenden Gründen sie zu entkräften gewußt, ohne jedoch einen andern Eindruck, als denjenigen der Achtung vor der Geistesschärfe des Mannes, dem er gegenüber stund, in ihm hervorzurufen. In seiner Rolle als entschiedener Protestant habe er sich immer wieder auf die heilige Schrift zurückgezogen und dieselbe als Schild allen noch so schlagenden B.weisen des Jesuiten entgegengehalten. Da sey ihm einst von demselben mit aller Gelassenheit bemerkt worden: sofern er dabei auf die Lutherische Übersetzung sich stütze, so führe er dasjenige, waS er beweisen wolle, zugleich wieder als Beweggrund an, drehe sich somit in einem nichtigen Kreise herum. Denn Luther selbst habe, um für den wesentlichsten >satz seines Systems einen Ausspruch der göttlichen Schrift anfuhren zu können, zuerst diese In Röm. III., 28. geändert; wie er denn dessen alsbald sich überzeugen werde, wenn er seine Uebersetzung mit der Urschrift vergleichen wolle. Mit dieser Nachweisung, die damals für ihn eigentlich eine Entdeckung gewesen sey, habe er sich nach Hause begeben, und nimmer von dem Gedanken sich losmachen können, daß es mehr als ein Wagnis; genannt werden müsse, die heilige Schrift als obersten und allgemeinen Nichter in Glaubenssachen zu proclamiren, dann aber, damit der AuSspruch dieses Richters den eigenen Meinungen eine untrügliche Sanction verleihe, eben diese Schrift zu ändern. Hiedurch sey Luthers Beruf als angeblicher Kirchen- verbesscrer vor seinen Augen in ein bedenkliches Licht, sey zugleich an die Stelle der bisherigen Gleichgültigkeit der Zweifel getreten; Habe er die frühern Entwicklungen des Jesuiten, die sonst eindrucke- los an ihm vorübergegangen wären, in seiner Erinnerung wieder hervorgenommen, die Unterredungen nunmehr mit Ernst und wahrem Verlangen nach Licht und Belehrung fortgesetzt. Aus einem kalten und widerspruchsrcichcn Dialectiker sey er in einen Wahrheit suchenden Schüler umgewandelt worden, dabei die Gnade Gottes Ihm zu Hilfe gekommen. So habe die Nothwenvigkeit des Glaubens zum wahren Leben ihm fortwährend fühlbarer sich gemacht, habe er immer mehr, immer Heller und tiefer erschaut, daß allein der katholische Glaube der wahre seyn könne, habe es ihn mit unwiderstehlicher Geistesmacht in die katholische Kirche hineingezogen. Je mehr und mehr sey ihm die Ueberzeugung aufgegangen, das; er in ihr nur das Licht finden könne, nach welchem er zuvor gar kein Verlangen gehabt, die Seelenruhe, deren Entbehrung er bisweilen nur allzu schmerzlich gefühlt, und den Trost, dessen Segensfülle er bis anhin niemals gcahnet. Wie er dann sein Bekenntniß abgelegt, sey er in jeder Beziehung inne geworden, daß eine wahre Wiedergeburt in ihm vorgegangen sey. (Schluß folgt.) Nekrolog des S°. Palmatius Dietz von Altötting. 6. November 1845. (Kirchenztg, f. d. rath. Deutschland.) Einer der letzten Veteranen jener Helden-Schaar der Söhne des heiligen Franciscus aus dem Capuzincr-Orden der bayerischen Provinz, die alle Stürme der französischen Revolution, die Schrecken der Kriegsjahre, die Gräucl der Säcularisation, den Vanda- Zismus der Deportation, die schwärzesten Verleumdungen, Verachtung, Mangel und Entbehrung mit christlicher Tugendstärke, mit einem unbeugsamen Muth und mit bewunderungswürdiger Ausdauer und Ergebung in den Willen des Allerhöchsten ertrugen und nie das Ordenskleid ablegten, — unser guter Vater, l>. Palmatius Dietz, ist nun auch seinen LndcnSbrüdern in die Ewigkrit nach- gefolgt, in der Nacht vom L. auf den 7. November in ein besseres Leben hinübergegangcn. Wer ihn kannte, liebte ihn wegen seiner Ansprnchlofigkcit und frommer Einfalt, und weil sein langes und unermüdcteS Wirken im Weinberge des Herrn zum Theil in eine so bewegte und unruhige Zeit fiel, so dürfte es der Mühe werth seyn einiger Züge aus dem verdienstvollen, an schweren Prüfungen reichen Leben dieses biedern Jubelgreises hier zu geben- ken, um so mehr aiö sein Andenken in den Herzen Vieler, die ihn näher kennen zu lernen Gelegenheit halten, noch nicht e» loschen seyn wird. Auch glauben wir nicht anzustoßen, wenn wir den Namen des Seligen dem Verzeichniß der Männer von vorzüglicher Tugend und von besonderen Verdiensten aus dem Orden der Capuzincr in Bayern anfügen. ?. Palmatius war den 11. April 1772 von wohlhabenden Eltern geboren, machte seine Studien rühmlichst zu Ambcrg und trat auf das Gutachten weiser und geistvoller Männer, welche er zu Rathe gezogen, seinem Berufe folgend, schon sehr früh in den Cipuziner-Orden, und machte zu Neumarkt sein Noviciat. Im Jahre 1795 zum Priester geweiht, begriff er wohl die Aufgabe, die ihm dadurch gesetzt ward, und war mit der Lösung derselben bei einer rüstigen und dauerhaften Gesundheit bis zum Ende seines Lebens rastlos beschäftigt. In den verschiedenen Klöstern, wohin ihn der Gehorsam rief, z. B. zu Wasserburg, Straubing, Deg-- gendorf, Schärding, München, Laufen, Burghausen :c. :c. leistete er die ersprießlichsten Dienste, durch treue Aushilfe in allen Zweigen der Scelsvrge; besonders wird aber sein Andenken gesegnet bleiben an dem Gnadenorte Allötting, wo er eine Reihe von 30 Jahren hindurch als eifriger Beichtvater uncrmüd-t thätig arbeitete. Jene unselige Zeit, wo nach Gottes unerfo, schlichen Nachschlüssel, sein heiliger Orden so schweren Prüfungen entgegenging, wo den Brüdern alle pfarrlichcn Verrichtungen untersagt, die Ausländer heimgeschickt, die alten Laienbrüder als Pfründner in die Abteien verwiesen wurden, wo allen die Pforte zum Weltpricster- stand geöffnet und die nicht wollten, in Centralklöster zusammengedrängt wurden, und da die drückendste Armuth und Noth erlitten; wo dem ?. Prvvincial die Visitation untersagt, Provincial- Capitel verboten wurden und innerhalb eines Jahres die bayerische Capuzincr-Provinz bis auf die Hälfte zusammengeschmolzen war, vermochte nicht sein festes, unerschütterliches Gottvertrauen zum Wanken zu bringen. Aufwärts zum Himmel blickte seine fromme Seele und demüthigte sich unter der Hanv des Herrn. Deßhalb konnte er auch bei allen späteren Schlägen, die ihn trafen, lächelnd sagen: () psssi graviors, clsdit Heus Ki5 czuociue linem! Als Napoleon nach Altötting gekommen war, ließ er sogleich den ?. Guardian rufen und fragte um die Ursache der Abreise der Capuzincr aus Tyrol; warum sie hiehergekommen seyen und w.r sie abberufen habe. Dieser antwortete ehrerbietig und bekannte, was er wußle. Zuletzt fragte ihn Napoleon: .Betet ihr nur für den Kaiser von Oesterreich?" „Wir beten," antwortete jener, „für alle christliche Fürsten und Potentaten." „So betet auch für mich!" sagte Napoleon. ?. PalmatiuS war ein ächter Religiöse und entwickelte als Guardian, Definitor und Provinzvicar sehr schöne Tugenden, Gewissenhaftigkeit in seiner Handlungsweise, Eiser für die klösterliche Zucht, verbunden mit Bescheidenheit und kluger Nachsicht, solide Frömmigkeit uns Eingezogenheil gepaart mit Heiterkeit und Frohsinn, Abgezogenheit unv Flucht der Welt ohne dabei einen Sonderling zu machen; er war ein sorgfältiger Vater seiner Untc-gc- benen, seine Zelle stand allen off-n, die Rath, Trost und Hckse suchten, und dieß geschah nicht selten, da er in der geistlichen K-iegSschule wohl geübt und erfahren war. Noch im hohen Aller hielt er die strenge Abstinenz, war immer der erste im Chor, der eifrigste im Beichtstuhl und Krankenbesuch und überhaupt bei allen Functionen, die von ihm gefordert wurden. Daß es hier an verschiedenen Prüfungen nicht mangeln durfte, versteht sich; aber eben diese machlcn seine Tugend noch vollkommener und bewährter. Alle persönlichen Kränkungen und Beleidigungen ertrug er mit Stillschweigen, wo es aber die Ehre Gottes galt, schwieg erricht, sondern ertheilte eine sanfte Zurechtweisung. Am 26. März dieses Jahres feierte der würdige Priester seine Secundiz und ward innigst gerührt durch die ungeheuchelten Beweise von Hochachtung und Verehrung, die ihm damals von der Liebe, die er allenthalben genoß, sprechendes Zeugniß gaben. Eine rüstige Gesundheit, deren er sich stets erfreute, versprach ihm der Jahre noch viele zum segcnvollen Wirken; doch Gott hatte es anders vor. Eine besondere Freude gewahrte ihm und dem ganzen Konvente auch noch der gnädigste Besuch unsers innigst geliebten Kronprinzen, tonigl. Hoheit, bei Hochdessen jüngster Anwesenheit in Burghanscn, wo er sich mit demselben auf das Herablassendste unterhielt. Nach langer Unterbrechung sah er auch noch kurz vor seinem Hingange durch Versetzung des Noviciats der bayerischen Provinz in hiesiges Zlloster den mitternächtlichen und täglichen Chor beginnen und unt>r einem liebevollen, würdigen Guardian die heilige Ordensdisciplin hcrcmblühen und gedeihen. Daß ?. Pcilmatius so gähling dahinstarb, darf wohl bei einem Ordensmanne wie er war, kein unvorhergesehener Tod genannt werden, da er ja täglich seine Seele mit gläubig frommem Sinne dem Herrn anempfahl: „In msrnis tug8 vomins eom- menclo s^ii-itum meum" und noch Tags vorher das heilige Meßopfer, das er immer mit großer Auferbauung dem Allerhöchsten entrichtete, wie er es öfters zu thun gewohnt war, als Wegzehrung für sich und um eine glückliche Sterbstunde applicirte. Bcmerkcnswerth ist hier noch, daß um dieselbe Zeit, da sür dcu Seligen das Ossioirim OLlmictorum gebetet ward und seine Leiche in den Sarg gelegt und in die geweihte Erde bestattet wurde, 1'. Georg, seit längerer Zeit ohne Hoffnung auf Genesung darnicde!liegend und von 1>. Palmatius mit allen heiligen Stcrb- sacramenten versehen, in die Züge griff und ruhig und gottergeben dahinstarb. Beide rühm sie nun, wie im Leben nur eine Wand ihre Zellen trennte, in Dem durch unsern vielgeliebten Oberhirten Heinrich erst bei seiner letzten Anwesenheit geweihten neuen Friedhofe im Garten der ?. Kapuziner nebeneinander. Der liebevolle Wunsch des Bischofs, den Er nach vorgenommener Feierlichkeit auosprach: „Mögen Sie noch lange von diesem Gottesacker, den ich nun im Namen der heiligen Kirche eingeweiht, keinen Gebrauch machen dürfen," ist also leider nicht in Erfüllung gegangen; darum können wir nur wünschen, daß die Schlußworte des Hochwürdigsten: „sollte aber dieß früher oder später geschehen, so möge Ihnen Die Erde leicht seyn, und der große Auferstchungs- tag uns alle -inst ei» recht freudiges Wiedersehen im Reiche des himmlischen Vaters bringen" — in Erfüllung gehen mögen. Deutschland. Wir haben unsern Lesern von dem großartigen Werke der Nächstenliebe, welches der am 11. Oct. in Salchurg verstorbene Bürger Matthias Bayrhamer in seiner lctztwilligen Beifügung ausgeübt hat, noch nicht Mittheilung gemacht. Der Inhalt des Bavrhamcr'schcn Testamentes verdient aber als ein Muster der umfangSreichsien Nächstenliebe in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Wir berichten deßhalb das Wesentlichste desselben im gedrängten Auszüge aus der Beilage der Salzburgce Zeitung. — Mattbias Bayrhamer, geboren am 5. Febr. 1769 zu Fischtaging bei Seckirchcn in Baiern, war der Sohn biederer, unbemittelter aber arbeitsamer Landleute. Als Kcllerjunge zu Seekirchen und später in Salzburg, und insbesondere als Hausknecht in einem damals sehr besuchten Gasthause daselbst, fand er viele Gelegenheit, sich praktische Kenntnisse im Geldgeschäfte zu erwerben, wobei ihm seine erprobte Redlichkeit und das in ihn gesetzte Vertrauen ersprießliche Dienste zu pecuniärcn Speculationen that. Im Jahre 1812 wurde er dortiger Bürger, kaufte sich sofort zwei Wohnhäuser, und betrieb seit dort bis zu seinem Tode Handel mit Zucker, Kaffee u. dgl., und vorzüglich Wechselgeschäfte. Im Februar 1844 machte Bayrhamer ein Testament, wo er 111,800 sl. als Stiftcapital zum Unterhalte für 55 arme, gebrechliche und erwerbsunfähige Genieindeglieder der Stadt Salzburg bestimmte und anwies. In Anerkennung dieser großmüthigen Nächstenliebe wurde ihm am 15. Febr. d. I. von Er. Majestät dem Kaiser von Oesterreich, Ferdinand I., die große goldene Civil-Ehrenmedaillc mit Kette huldreichst verliehen, und dieselbe am 15. Mär; feierlich übergeben. Bayrhamer überlebte diesen Freudentag nur mehr wenige Monate. Er verschied am 11. Oct. 5'^ Uhr Abend. Gleichwie schon bet Lebzeiten seine Sparsamkeit durch Wohlthun veredelt ward, so zeigte sich sein Wohlthätigkeitssinn doch vorzüglich in seinem Testamente. Außer der obenerwähnten großen Summe von 111,890 fl. zum dortigen Bürgerspitale und Bruverhause legirte er: Zu einer Armen-VersorgungSanstalt in Seekirchen 100,900 sl. Zum dasigen Irrenhause . . . 7,200 „ „ „ Leproscnhcmse . > . 4.050 „ „ „ Bürgersäckel . . . 10,000 „ „ „ Armenfonds . . . 9,980 „ „ „ Ausstattungsfonds für Bürgerssöhne 20.900 „ „ „ Knabenseminar . . . 5,000 „ Für die barmherzigen Schwestern in Schwarzach 19,900 „ Als Fonds zur Untersetzung armer Einwohner der Stadt Salzburg .... 15,000 „, Zu Handen Sr. Eminenz, des Hrn. Cardinals- Fürst-Erzbischofts sür wohlthätige Zwecke 24,930 „ Ueberdieß noch an auswärtige Fonds eine Summe von wenigstens .... 25,000 „ Und an minder wichtige Anstalten daselbst ungefähr 12,000 » Somit im Ganzen die höchst beträchtliche Summe von beiläufig .... 355,999 fl. Deßungeachtet erhielten seine dürftigen Verwandten mit Ausschluß der Realitäten ungefähr 340,009 sl.; obschon auch die Legate an Nichtverwandte und die Vorsorge für Dienstboten u. s. w. bedeutende Summen forderten. » « » München, 21. Nov. Mit der Gründung eines Klosters deutscher Benediktiner in Nordamerika soll es wirklich ernst werden. - Der kirchliche Festtag des heiligen Korbinicm ward in allen Kirchen unserer Diöcese mit Hochamt gefeiert, in mehreren Kirchen Münchens wohnten aber sehr wenig Leute demselben bei. — Man sucht gegenwärtig auf lobenswerthe Art die NeligionSwahrheitcn durch schöne Bilder dem Volke näher zu bringen und zugleich dessen Geschmack zu bilden. Besonders auszuzeichnen sind die Bildchen des Düsseldorfer-Vereins, die des Manzischen Verlages, und die äußerst billigen colorirten des hiesigen Lithographen Driendl, die den faden französischen Producten dieser Art weit voranstehen. Bischof Galura in Briren hat den ganzen Katechismus in recht sinnreiche Bildchen gefaßt, nur Schade, daß der Lithograph sie nicht besser ausgeführt hat! (K.-Z. f. d. k. D.) Nerannvorrlicher Redacteur: L. Schönchen. VeÄagS-Inhaber: F. C. Krem er. P ^ ^^»S- ' We»/^. d»r Augsburger Zweite Zahreshälste. M 5«> a Postzeitttttg^ R4 Dec. »S Die Redemptoristen in den vereinigten Staaten und die deutsche Colonisation. (Katholik.) Bekanntlich ist dcr religiöse Zustand der deutschen katholischen Kolonisten in Amerika oder wenigstens in den vereinigten Staaten zur Zeit noch dcr bedauernswcrlhcste, den man sich denken kann. Ueberall auf der großen Fläche jenes Erdtheils zerstreut, gehen sie sittlich und national unter der übrigen Masse der Bevölkerung zu G>undc. Schon lange ward daher das tiefste Bcriuf- uiß gefühlt, für diese Unglücklichen in leiblicher und geistiger Hinsicht Sorge zu tragen. Wer aber könnte eine so schwierige, bei nahe unüberwindliche, mit d,r größten Selbstaufopferung verknüpfte Aufgabe lösen? Etwa unsere deutsch - begeisterten langbärtign Jünglinge oder jene Literatcn, die fortwährend von deutscher Einheit unv deutschem Fortschritte träumen, denen es aber nur darauf ankommt, mit aller Gemächlichkeit Stellen, Geld und Popularität zu erhalten? Nein, wahrlich nicht! Denjenigen war es vorbehalten, deren geistliche Voreltern einst a»ch die rauhen Steppen und Wälder Deutschlands niit ihrem Schweiße und allen Tugenden der hclvcnmüthigstcn Selbstverläugnung anbauetcn unv lichteten. Wie damals die Söhne Vcnedicts, so auch heute sind es deutsche katholische OrdcnSmanner, welche ihre Brüder in Amerika, die dort hilflos zerstreut und im Elende umherirren, zu einem großen deutschen Nationalleben der iuigen wollen. Die seit einigen Jahren nach Amerika hinübergcsicdelien Väter des Ordens dcr Redemptoristen, die geistlichen Söhne des heiligen Liguori, haben diesen großartigen Plan gefaßt. Einer meiner Freunde, der bei diesem so höchst wichtigen und heilbringenden Unternehmen, obgleich ein Laie, mitbethciliget ist und dafür gleichfalls nach allen Kräften zu wi ken sucht, hat mir folgenden Bericht über die ganze Lage der Sache zur Veröffentlichung übcrsandt, und ich hoffe, daß seine Mittheilung sowohl die Aufmerksamkeit, als das Interesse des ganzen katholischen Dentschlands für das große Unternehmen, was hier in Neve steht, anregen wird. Vom Delci Ware. Da ich glaube, daß es nicht ohne Interesse für unser deutsches Mutterland seyn dürfte, etwas über den Zustand der katholischen Kirche unter den nach Nordamerika ausgewanderten Deutschen ;n erfahren, so sey es mir erlaubt, hier Einiges von dem mitzutheilen, was ich auf meinen Reisen durch die vereinigten Staaten in Bezug darauf antraf. Ich kann als Laie nur das mittheilen, was äußerlich vor Augen liegt, da nur der Missionär selbst im Stande ist, über das höhere Verdienst seiner Arbeiten, den innern Anbau der Seelen, zu berichten. Dazu fehlt aber unsern unermüdlichen Arbeitern theils die Zeit, theils sind sie zu'bescherten und demüthig, um ihre herrlichen Erfolge selbst zu bemerkcn, geschweige darüber vor der Welt zu reden. Wie tapfere Kämpfer schauen sie niemals wohlgefällig hinter sich, sondern haben unermüdlich und rastlos nur die unermeßliche Arbeit oor sich im Auge, so noch zu beschaffen; und dafür lohnt den frommen Helden Gottes nur Entbehrung aller Art, kaum ein anerkennendes Wort vergilt ihre Mühen, ihren sauern Schweiß. Ich sah unsere geliebten Hirten, von Krankheit heimgesucht, ohne lie Mittel zu besitznr, sich die nothwendigsten, den Gesunden unentbehrlich scheinenden Vedürsn sse zu verschaffen, ohne anderes Lbdach, als e nen elenden Brcticroe, schlag, der Kälte eben so zugänglich, wie dcr erstickenden Sommerhitze; ich sah unsere geliebten Missionäre in aller dies-r Entbehrung freudig von ihrem Strohlag r ausspringen, worauf sie das Fieber in entsetzlichem Fcosie hin und her warf, im Augenblicke, wo ein Kranker oder ein Beichtlind ihrer begehrte; ich sah sie, die kaum die Kräfte besaßen, ihren eigenen krar.ken Körper zu tragen, wie sie in diesem Zustande Meilen weit zu F^ße ibrem göttlichen Berufe nacheilten, freudig alle Schmerzen, alle Schwache, alle Krankheit verachtend, in dcr leiblichen Hoffnung, einer Seele Linderung und Trest zu bringen. Es ist unmöglich, diese nlc ruhenden Arbeiten der f-om- mcn, vom Geiste der ersten Apostel beseelten Söhne des heiligen AlphonS dc Liguori zu sehen, ohne von Bewunderung und Liebe s>r sie erfüllt zu werden u»d vom wärmsten Dankgefühle gegen Den, der ihncn allein die Kraft gab, solches zu erdulden, solches zu leisten. Nach dem Urtheile Aller, welche die Vcrhält- ! issc des Landes kennen, sind wohl wenige Orden mehr geeignet für Nordamerika, wenige arbeiten mit solchem Erfolge, wie der der Redemptoristen. Wenn andere Orden eine besondere Gnade für die Missionen unter den Wilden haben, so hat die Vorsehung den Nedemptonsten offenbar ein gewiß eben so großes Maaß dieser G»ade für die Missionen unter den civilisirtcn Ansiedlern Amerika'S ertheilt. Dieselben charakteristischen Merkmale, welche in Italien, in Tirol, Oesterreich, in Belgien, Frankreich und England die Misi?vncn dieser Väter bezeichnen, so daß man an der ganzlichen religiösen und sittlichen Umwandlung der Herzen der Bewohner die Gegend leicht unterscheidet, wo diese Apostel arbeiteten, dieselben sezenreichen Spuren sind auch hier in Amerika dem moralischen Boden tief eingeprägt, nur in einer noch enlschicdcnern Weise, da der Mensch in Amerika einfacher und direkter ist als in Europa. Und diese Merkmale sind: ernste und zwar nicht augenblicklich erkünstelte, sondern dauerhafte Bekehrung der halsstarrigsten in Sünden verknöcherten Gemüther, ein neues, heiteres, natiirlichcS, vom warm?« Hauche unseres Alles belebenden katholischen Glaubens durchwehtes Leben, Friede und Einigkeit im Herzen der Familien und der bürgerliche» Verhältnisse. Die drei großen Waffen, deren sich die Vorsehung durch diese ihre getreuen Diener überall zur 'Rettung der Seelen und zur Befestigung und muthigcn Forderung jm begonnenen Guten bediente, bewähren auch in Amerika ihre unwiderstehlich siegreiche Gewalt: die heiligen Saciamentc der Buße und des Altars unv die Andacht zu unserer geliebten Mutter, der allcrsrligstcn Jungfrau Maria. Nichts ist rührender, aber auch nichts den katholischen Muth belebender und den menschlichen Dünkel demüthigender, als diese ganz bescheidenen, ganz demüthigen, ärmlich gekleideten, gläubigen Priester Gottes mitten in dem reich-n, trotzigen, ungläubigen, amerikanischen Wohlleben, wie sie, die die Schwächsten, die Unbedeutendsten scheinen, durch die von Gott erhaltene Kraft die Gemüther bewältigen, den Trotz in Demuth und Folgsamkeit wandeln, dem ungläubigen Herzen den Glauben schenken, das in babylonischer Veiwir.ung des Sectcn- Geistes verlorene Gemüth ordnen, aufklären und zu einfach klarer Erkenntniß heranbilden. Nichts ist erhebender, ich wiederhole cö, als diese Herrschaft des einfachen kalholischen Glaubens über das hoffärtizc, heidnische Treiben der Welt. Und nirgends zeigt sich diese Herrschaft entschiedener, augenfälliger als in Amerika. Wir sehen einen einsamen, schweigsamen, in Allem die Einfachheit, die Demuth alhmenden Priester, dessen Erscheinen vielmehr äußern Beistand zu fördern scheint, als geeignet, mit der hochfahrenden, trotzigen Welt in Kampf zu treten, auf Hunderle von Meilen zu einer Missio.ecstativn gesandt, in fremdes Land, unter fremde Menschen, in fremdes Klima, versehen nur mit ärmlichen Mitteln zum W-ge, aber ausgerüstet mit seinen heiligen Gelübden der Keuschheit, der Armuth und des Gehorsams unv ausgerüstet mit dem Geiste u d der Sendung von dem, der rncher ist als die Erre, die Er geschaffen, der mäch'igcr ist als der Arm der Welt, den Er zerbricht, wie es ihm gefällt. In wenigen Wochen sehen wir denselben guten Boten Gottes umgeben von einer Gemeinde von mehreren Tausenden von Gläubigen, die vielleicht seit zwanzig. dreißig Jahren nicht mehr das G-ück hatten, einen Priester zu scheu, ihre Gewissen in der heiligen Beichte zu. reinigen, das Wort Gottes zu vernehmen, ihre Kinder taufen unv erziehen za lassen. Wir sehen ihn, den anscheinend Schwachen, wie er in wenigen Wochen Arbeiten zu Stande gebracht hat, welche die menschliche Berechnung und die menschliche Kraft veizweffeln würde in einem ganzen, langen, angestrengten Menschenleben zu vollbringen. Er hat das Zeichen in den Grund der Er« und in den Grund der Herzen gepflanzt, in welchem Gott unö allein den Sieg verheißen, und in diesem Zeichen hat er die Küche Gottes wieser unter den Menschen ause baut. Und was wir hier eben sagen, ist nicht etwa eine fromme Netcformel, eS ist die einfache, schlichte Geschichte sämmtlicher Missionen der Nctcmptoristcn in Amerika, Wie wir jetzt im Einzelnen nachweisen wollen. 1) Die ersten Nedemptoristcn kamen im Jahre 1832 aus Wien nach Nordamerika. Sie waren zehn Jahre lang aller Noth, allen Entbehrungen ausgesetzt, ohne daß sie dahin kommen k»n«. >en, ein Haus zu gründen; sie waren genöthigt, vereinzelt zu arbeiten und konnten daher keine geordneten Misstonen halten. Aber diese wahrhaft apostolischen Männer schienen von Gott gerade dazu bestimmt, die amerikanischen Bischöfe mit dem Geiste dieses Ordens bekannt zu machen; denn welches Prüfungsfeuer mag ge- eignctcr seyn, den apostolischen Beruf zu bewähren, als die Leiden, vcnen diese Männer so lange ausgesetzt waren! Der Hochwürdigste Er;bischof von Baltimore erkannte zuerst, daß dieser Orden ganz den amerikanischen Bedürfnissen entspräche und lud ihn ei» sich in Baltimore niederzulassen. Er übertrug dem Orden die deutsche Gemeinde unter der Beringung, eine Kirche zu bauen und ein Missionshaus zu gründen, um darin mit der Zeit Missionäre für Amerika zu bilden. Von dieser Zeit an, es sind etwa vier Jahre, verbreitete sich die Kongregation mit großer Schnelligkeit über Nordamerika, so daß wir in diesem Augenblicke schon neun Missionshäuser gegründet sehen. Mit dieser Ausbreitung der Redemptoristen beginnt eine neue Epoche in der religiösen Entwickelungsgeschichte dieses höchst merkwürdigen Landes: das katholische Leben unter den Deutschen, welche bis dahin fast ganz ver^ lassen waren, die fast ohne alle deutschen Priester, ohne Beichte, ohne Predigt nur aus Barmherzigkeit in den irischen Kirchen geduldet wurden, obgleich sie alle Lasten derselben gemeinsam mit den Jrländern trugen, wird selbstständig, überall bilden sich com- pacte Mass-n katholischer Deutschen von zweitausend bis zehntausend Menschen um diese Väter; Amerika, welches bis dahin nur Lcrsammlungssäle gekannt hatte, sieht die ersten Häuser Gott-S emporsteigen, die dem katholischen Begriffe einer Kirche entsprechen, während zugleich in den Herzen der Deutschen ein praktisch katho lischcs Leben erwacht, da man sich bis dahin mit dem äußern Namen begnügt hatte, der sogar oft aus feiger Menschenfurcht verheimlicht war. Es wurde eine Ehre Katholik zu seyn und zu den Gemeinden dieser Väter zu gehören, welche ohngeacktet des dirccien Gegensatzes, worin ihre Weise dem ganz »lateneUcn amerikanischen Leben gegenüber steht, doch von Allen mir Ehrerbietung und einer Art Staunen betrachtet werden wegen ihrer großen Sittenreinheit und Steenge, neben väterlicher Milde, ihrer kindlichen Einfalt vereint mit großer Erfahrung und einem Schatze von g ündlichen Kenntnissen, welcher die Oberflächlichkeit und Unwissenheit der Seelen mit Furcht erfüllt; wegen ihres ganz das eigene Interesse verschmähenden, aufopfernden Eifers für das Heil der Seelen, Der sie freudig allen ihren schweren persönlichen Mangel ertragen ließ, um nur keine Mittel dem Dienste GoiteS zu entziehen; wegen der ächt katholischen Friedfertigkeit, welche sie alle »nnvthige Controverse vermeiden ließ, und e blich wegen ihrer immer zum Geben und zum Helfen bereiten Baimherzigkeit, die sich gern selbst daö Nothwendigste versagt, um dem armen Bruder zu helfen. Welch ein Segen ist aus diesen, selbst ganz armen Brctterhciusern über Tausende, namentlich deutscher und belgischer Familien gcflossn, wie viele sind aus bitterster Noth, wie viele unsrer Ländöleute vcm Untergange gerettet worden duich die Väter der Armen! O, daß Deutschland einen Blick auf sie werfe» könnte, um zu sehen, wie sie, ohne daß das Mutterland es ahnet, als die Schutzengel und Netter seiner ausgewanderten Kinder auf diesem fremden Boden erschienen sind, um uicht allein ihren Glauben und ihre Seelen zu retten, sondern auch ihre zeitliche Existenz, ihre Ehre, ihre Nationalität. Denn seit gutkatholisch und deutsch durch die Nedemptoristcn gleichbedeutend in Amerika geworden ist, scheidet sich d'e deutsche Nationalität immer schärfer, immer vorteilhafter von der englischen, der sogenannten Jankee- Bevölkerung aus. Bis dahin gingen fast alle die Tausende jähr- licher deutscher Auswanderer in der englischen Bevölkerung unter, sie verloren ihre Sprache, ihre Nationalität, und damit fast immer den katholischen Glauben. Das ganze deutsche Leben der Katho- liken in Amerika ist jetzt aber durch diese Vater emancipirt, und entwickelt mit jugendlicher Triebkraft rasch und tüchtig eine Zukunft, welche Niemanden, der Amerika aus eigener Anschauung kennt, mehr zweifelhaft seyn kann. Und diese Entwickelung ist um so solider, um so tüchtiger, da sie ohne alle politische Einmischung, rein von innen heraus, aus dem katholischen Leben vor sich geht. Die Existenz der Nedemptoristen in Amerika ist durchaus eine deutsche National - Angelegenheit; dieß ist der Haupt- gesichtspunct, aus welchem diese Sache nächst dem ersten, allgemein religiösen Interesse zu beherzigen ist. Und wenn auch keine Nationalität von dem großherzigen universlllen Wirken der Nedemptoristen in Amerika ausgeschlossen ist, wenn sie gleich eine eigene sehr wichtige französische Missionsstation in Michigan unterhalten, so sind es doch überall die Deutschen, für welche die Vorsehung diese Väter bestimmt zu haben scheint. Wie die Bienen um ein honigreichcs Blumenfeld, so sammeln sich Schaaren arbeitsamer Deutschen um den Wvhlgeruch der Frömmigkeit dieser Redemvto- ristcnhäuser. (Schluß folgt.) Coitversionen zu Nom. (N»S Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bündchen.) (Schluß.) Die merkwürdigste Konversion in neuester Zeit dürfte ihrer wunderbaren Verumständungen wegen diejenige seyn, welche vor kaum anrerthalb Jahren in einer andern Hauptstadt Italiens erfolgt ist. Eine Dame von sehr guter Herkunft, geistreich und wahrhaft gebildet, hatte noch als Mädchen, zusamint einer gleich- gesinnten Jugendfreundin, in den Lehren des Protestantismus diejenige Befriedigung, die Beiden Bedürfniß gewesen wäre, nicht gefunden; es dingten sich ihnen allerlei Zweifel auf, welche sie nicht zu lösen vermochten. Sie nahmen Bücher zur Hand, mittelst welcher ihnen wohl ein ctwelchcr Schimmer, nicht aber das volle Licht aufging. In dieser Ungewißheit wurden sie einig, sich an einen Geistlichen in der Nachbarschaft zu wenden, der ihre Lcctüre leitete, und in der gewonnenen Richtung sie festigte. Nicht lange hernach verheiratete sich die Eine an einen Mann, der mit dem Adel der Herkunft aus einem der edelsten und angesehensten Geschlechter seines Landes denjenigen des Geistes und des Herzens verband, dabei aber ein cntschieiencr Protestant war, indem Prote- stantiomus die allein richtige und giltige christliche Lehre cincrk nnte. Eben so festgewurzelt war bei der Frau die Neigung für die katholische Kirche, ja sie gewann an innerer Gewißheit unendlich, als später die Jugendfreundin, durch keine Rücksichten und Hindernisse gehemmt, in den Schooß derselben zurückkehrte. Aber die Frau brachte ihre Sehnsucht dem ehelichen Frieden zum Op'cr, der hic- durch nur hcitie können gestört werden. Viele Iah,, flössen über diesem bittern Kampf dahin, r-ngetiübt für ihr etliches Verhältniß, weil sie denselben in ihr innerstes Heiligthum verschloß. Indeß mächtiger ward der Zug zu dem reinen Quell aller Gnaden in ihr rege, als in dem Tod einer einzigen Tochter in der schönsten Jugendblüthe die schwerste Hiimsuchung sie traf. Doch zu keiner Zeit weniger, als eben in jenen Tagen, hätte sie es wagen dürfen, hierüber gegen ihren Mann auch nur die leiseste Andeutung verlauten zu lassen. Denn dieser hatte cbev jemals in seinen Dienstverhältnissen, aus Beweggründen, die ibm nur zur Ehre gereichen, unter Untergebenen einigt gemischte Ehen zefordert, was ihm in dem streng katholischen Lande nicht geringe Unannehmlichkeiten zuzog. Dieselben niißstimmten ihn vorzüglich gegen die katholische Geistlichkeit, welche hieran Theil hatte, und damit gegen die Kirche selbst. Entschiedener zugleich erwies er sich für den Protestantismus, dem er unzertrennlicher nicht allein für seine Person anhing, sondern welchen er auch mit aller Macht äußerer und innerer Ueberlegenheit in denjenigen zu scsiigen sich angelegen seyn ließ, auf welche er seiner Stellung gemäß einzuwirken vermochte. Dieses Auseinandcrgchen in der Erkenntniß und in den ge-- hnlgtestcn Bedürfnissen des Herzens war das einsige Schwere, was die treffliche Frau zu tragen hatte; aber auch Etwas, was durch alles Uebrige, was sonst das Leben ihr darbot, nicht konnte ausgewogen werden. In solcher Verlassenheit war sie cinsig auf eine katholische Freundin angewiesen, der sie ihre Bekümmernis; eröffnen durfte, von der sie verstanden wurde, bei der sie Theilnahme und Ermuthigung fand, in deren Haus sie einen katholischen Priester traf. Gemeinsam mit diesem wurden die Frauen einig, eine Novelle zu veranstalten, um G-'tt zu bitten, daß er dem Man» einen geneigteren Sinn in Betreff der katholischen Kirche verleihen wolle. Die Frau aber, weit entfernt, auf Kosten des in jeder andern Beziehung höchst glücklichen ehelichen Verhältnisses Gewährung ihres Verlangens gleichsam erzwingen zu wollen, hielt sich so sehr zurück, daß sie nicht einmal eine katholische Kirche betrat; nur um b i dem Mann nicht Mißstimmung hervorzurufen. Deßwegen wurde die Noocne in der Art veranstaltet, daß die Frau in dem Hause der Freundin mit dieser gemeinschaftlich betete, während gleichzeitig in der Kirche der Priester im Geist und im Gebet mit ihnen am Altare sich vereinigte. Balv hernach wurde der edlen Frau auch die Freundin durch den Tod entrissen. Welche Wunde dieser schwere, in fremdem Lande doppelt schmerzliche Verlust ihr schlug, läßt sich leichter fühlen, als aussprechen. Indeß bli bcn die Verhältnisse einige Zeit noch, wie sie seit langem gewesen waren, bis eines Tages unerwartet der Mann seiner Gattin die E-öffnung machte: er sehe wohl, daß ein unwiderstehliche Zug sie nach der katholichen Kirche ziehe; hege sie das Verlangen, stch unterrichten zu lassen, so wolle er ihr hieran nicht hinderlich seyn; nur wünsche er, daß sie in der Wahl des Geistliche seine Neigung (oder vielleicht auch noch nicht verschwundene Abneigung) berücksichtige. Dieses war nicht schwierig, indem derjenige, auf den Beide, als auf einen Landemann, leicht sich vereinigten, les vollestcn Zutrauens bei Jedcr^ mann stch erfriuen durfte. Sofort wurden die nöth-gen Vorkehrungen zu baldigem Beginn dieses Unter ichts getroffen. Da die Dienstpflicht den Mann in einer andern Stadt zurückhielt, als in derjenigen, in welcher der Geistliche wohnte, verlangte er fortwährende Berichterstattung über den Inhalt und den Erfolg des Unterrichts. Der Geistliche fA>d, daß dieses am Zweckmäßigsten durch die Frau selbst könnte übernommen werden, und veranlaßte diese, die gepflogenen Unterredungen schriftlich an den Mann gelangen zu lassen, mildem Anerbieten, Unvollständiges ergänzen, Nothwendiges b.ifögen zu wollen. Sobald er aber die ersten Früchte seiner Belehrung gelesen, überzeugte er sich alsbald, daß es der Nachhilfe von seiner Seite nicht bedürfe, wie es ihm auch erwünschter war, wenn dieser Verkehr zwischen Mann uns Frau statt fand ohne alle Dazwischcnkunst von seiner Seite. Um über die Contrvverspuncte sich selbst besser oricntiren und beurtheilt» zu können, in wie fern seine Gattin den ertheilten Unterricht auffasse, erbat sich der Mann zugleich einige Bücher über diesen Gegenstand, die er nicht allein erhielt, sondern auch mit großer Aufmerksamkeit las, also, daß der halberwachsene Sohn, der inzwischen die Mutter besuchte, die Frage: wie der Vater sich befinde? dahin beantwortete: er sitze beinahe Tag und Nacht über den Büchern, wett mehr als sonst. — Begreiflich konnte der Unterricht nicht schwierig seyn; der ausgestreute Saame fiel auf einen Boden, der schon seit zwanzig Jahren nicht nur bereitet war, sondern der Aussaat harrte. Nach wenigen Wochen konnte der Mann die Anzeige erhalten: es stehe der Aufnahme seiner Gattin in die Gemeinschaft der katholischen Kirche nichts mehr entgegen, diesilbe hänge einzig noch von seiner Zustimmung ab. Auch diese erfolgte, und zwar mit freiem und freudigem Willen. Darauf wurde der Tag und der Ort verabredet, wo diese Aufnahme vor sich gehen sollte; und zwar, damit Aufsehen vermieden werde, in einer kleinen Stadt, unfern der Hauptstadt. Doch nicht lange hernach bemerkte der Mann: er sehe eben nicht ein, warum eine andere Stadt gewählt werden sollte, als diejenige, in welcher der Geistliche, der den Unierricht ertheilt habe, und in der sie sich gerade befänden. Auch das wurde beliebt, und so brach endlich der Tag an, an welchem das vieljährige stille Sehnen der Frau an das so heiß gewiinschte Ziel gelangen sollte. Alles war bereitet; da trat unerwartet der Mann zu dem Geistlichen und fragte: ob es nicht anginge, daß auch er, gemeinsam mit seiner Gattin, das Bekenntniß deö katholischen Glaubens ablege? Die Mittheilungen aus dem erhaltenen Unterricht, i» Verbindung mit dem eifrigen Forschen in den empfangenen Bücher», hätten ihn M der gleichen Ueberzeugung geleitet, und in dieser sey auch sein Entschluß zur Rückkehr in die Kirche unerschütterlich begründet. In so wunderbarer göttlicher Gnadenhcimsuchung »lochte die beglückte Frau an diesem Tag, der nun beide Eheleute mit der Kirche vereinigte, mit dem dreifachen Ehrenkranz veS Glaubens, der Geduld und des Goltvertrauens sich geschmückt sehen un^> eines Lohnes sich freuen, den vor kurzem noch ihre kühnste Hoffnung nicht hätte erwarten dürfen. Je größer, entschiedener unv bt der 16. Sitzung erfolgte eine abermalige Suspension, weil Moriz von Sachsen, nachdem er den Kaiser verrathen, plötzlich mit feindlichen Truppen der Stadt sich näherte. Nach neunjähriger Unteibrcchung, in welcher Zeit auf I u l iu S III., MarccllusII. und Paul IV. auf den päpstlichen Stuhl g-folgt waren, wuide es endlich unter PiuS IV. am 13. Januar 1562 mit der 17. Sitzung wieder eröffnet, und bis zum 4. December des Jahreö 1563 fortgesetzt, wo es mit der 25. Sitzung bcschloss-n wurde. So ist es äußerlich zcrstückt und zerrissen, aber trotz dem im Inneren ein Werk aus einem Gusse und eben dadurch ein um so siegreicheres Zeugniß der katholischen Einheit. (Schluß folgt.) Die Redenrptoristeu in den vereinigten Staaten und die deutsche Colonisattou. (Schluß.) Kehren wir nuu zu den einzelnen Missionsstationen zurück. Wir sanden die erste in Baltimore, gegründet auf den Ruf des hochwürdlgsten Erzbischofs Samuel Eccleston. Da» erste nothwendigste Bedürfniß war der Bau einer hinreichend geräumigen Kirche für eine Gemeinde von wenigstens fünftausend Deutschen, und einer nicht geringen Anzahl Franzosen, Jrländer und Amerikaner. Zwar steuerte der Lyoner Verein, so wie die Leopoloinen- Stiftung in Wien zu diesem Baue bei, allein diese Hilfe war nicht im Stande die Ausgaben nur einigermaßen zu decken, da der Bauplatz allein 10.000 Dollars (1 Dollar — 5 Francs 30 Cent.) kostete und der Bau, wenn er ganz vollendet seyn wird, bts auf 371,00» Francs sich belaufen wird. Düse Kirche ist die bedeutendste der bisher von den Vätern in Am°rtka gebauten. Sie ist in einem einfachen gothischen Slyle, mit Vermeidung aller nicht unumgänglich nothwendigen Ornamente, gebaut. Wennauch die Gemeinte nach Kräften beisteuerte, so lastet doch noch eine große Schuldenlast auf dieser Kirche, in welcher bereits seit längerer Zeit Gottesdienst gehalten wird. Wegen dieser Schuldenlast konnte man noch nicht dazu kommen, neben der Kirche ein HauS für die Patres und Laienbrüder zu baue» und sie müssen sich noch immer mit einer alle Unbequemlichkeiten darbietenden Localität begnügen. Es befinden sich hier vier Vät.r und eben so viele Laienbrüder, wrlchc theils zur Bedienung des HauseS verwendet werden, da die Ncdcmptoristcn niemals weibliche Bedienung zulassen, theils zum Dienste der Kirche und zu Anfertigung von Tischlerarbeiten im Jlincen der Kirche, worin dieselben eine kunstreiche Ge- schicklichkcit entwickelt haben. Diese Kirche ist dem heiligen Alphon- sus von Liguori geweiht. 2) Der Herr Erzblischof übertrug der Congregation die Besorgung einer zweiten Kirche in Baltimore, der des heiligen JacobuS, mit einer Pfarrei von circa 3000 Scel,n, ebenfalls g> öszlcntheiis Deutsche, obgleich, wegen der Engländer, welche dazu gehen, bestimmt wurde, hier später auch einen englischen GvttlSvlenst abzuhalten. Neben di scr Kirche zum heiligen JacobuS Wurde ein Haus zur Aufnahm? der angehenden Missionäre gebaut, welche hier ihre Studien machen, nebst den nöthigen Wohnnngcn für die Patres, die z>> Professoren bestimmt sind und die nöthigen Laienbrüder. Von diesen beiccn Häusern aus, nämlich dem von St. Alphons und von St. JacobuS, wird auch der Gottesdienst und die geistliche Leitung des Hospitals der barmherzigen Schwestern und des StaatSgcfängnisscS besorgt, so wie den sehr verlassenen Carmcliterinn n und den schwarzen Schwestern, welche letztere sich dem Unterrichte und der Erziehung farbiger Kinder widmen, nach Kräften dagestanden. Eben so veische» die Väter von Baltimore den Gottesdienst mehrerer c^dcicr deutscher Gemeinden in größerer oder geringerer Entfernung, so in Washington, Rich- mond in Virginien und bei den zerstreut lebenden Deutschen dieser Gegenden. 3) Fast gleichzeitig mit der Gründung der Häuser in Baltimore ist die des Hauses in Pittsburg, im Jahre 1841. Es lebte» hier damals gegen 6000 katholische Deutsche, wie überall ohne geistliche Hilfe. DaS erste Bedürfniß war auch hier der Bau einer Kirche, und man mußte bauen, von Mitteln entblößt, allein auf die Vorsehung vertrauend. Der Bauplatz für die Kirche kostete 65.000 Frcs. und die Kirche, welche bereits unter Dach ist, gegen 100,000 Frcs. Und demungcachtet zeigt sich schon jetzt die Aussicht der Nothwendigkeit eine zweite Kirche zu bauen, da die Zahl der katholischen Deutschen täglich zunimmt. Die Gemeinde machte die freigebigsten Anstrengungen, um den Vätern im Bau beizustehen, da aber die meisten unvermögend sind, so sehen sich die guten Väter noch immer mit einer großen Schuldenlast beschwerte Nicht einmal an den so nothwendigen Ba» einer Wohnung für die «Geistlichen hat man bisher denken können und die armen Diener Gottes schmachten noch immer, von Hitze wie Kälte gleich gequält, in ihrem dürftigen Bretterverschläge. Einer der diesigen Väter ist fortwährend mit der Seclsorge unter den vielen Deutschen der nahen und fernen Umgegend beschäftigt und versieht die ziemlich zahlreiche Gemeinde in Wheeling am Ohio. 4) Vor zwei Jahren wurden die Nedemptoristcn durch die Wiederholten Vorstellungen des Hochwürdigsten Bischofs Kenrick von Philadelphia bewogen, daselbst eine Gemeinde katholischer Deutscher zu überncbmen, so wie den Bau einer Kirche für dieselben. Bis dahin hatten dieselben eine sehr kleine Kirche, unter der traurigen Verwaltung von Kirchcnvorstehern, wodurch fortwäh-! rendes Aerqcrniß entstand und sogar Viele die Kirche ganz mieden, j Andere die protestantischen Vcrsammlungshäuscr besuchten. Der nöthige Bauplatz wurde angekauft für 55,000 Frcö. und eine Kirche zu bauen begonnen, in welcher bereits seit einiger Zeit Gottesdienst gehalten wird. Die Unkosten dieses Baues werden, wenn er vcllendct ist, 150,000 Frcs. und zugleich um vieles die Kräfte dieser Gemeinde übersteigen, und doch hat man bei Aufführung dieses Baues kaum den allernothwendigsten Anforderungen einer Kirche entsprochen. Gegenwärtig besinnen sich hier drei Patrcö und mehrere Laienbrüder. Die gänzliche Verlassenheit der Jugend und die augenscheinliche Gefahr, worin sie sich durch den Besuch der protestantischen Schulen befanden, nöthigte hier so wie an andern Orten die Väter der Congrcgation, den Unterncht theils selbst provisorisch zu geben, durch Laienbrüder ertheilen zu lassen, oder auf eigene Unkosten Lehrer anzustellen. Da die Schulen aber durchaus nicht im Berufe des OrdcnS sind, so konnte diese Ueber nahine nur durch die äußerste Noth der armen Kinder bewirkt werben, und es ist zu wünschen, daß bald Schulbrüder ihre Stelle einnehmen. Die Zahl der katholischen Deutschen in Philadelphia ist etwa 10,000. Es befinden sich auch in der Umgegend von Philadelphia viele klmicre deutsche Gemeinden, welche sämmtlich von den Vätern besucht werden. 5) In New-Aork lebten ungefähr zwanzig Tausend katholisch- Deutsche in sehr verlassenem Zustande. Ihre Zahl mehrt sich täglich. Die Congngatio» folgte dem bringenden Wunsche des Hochwürdigstcn Herrn Hughes, Bischofs von Ncw-A rk, sich auch dieser Seele» anzunehmen und zugleich eine Kirche zu bauen. Seit zwei Jahren arbeiten nun drei Väter der Kongregation in dieser Gemeinde mit eben so großem Eifer als Erfolge. Da die Mittel biohcr fehlten zum Bau emer Küche, so hat man vorläufig einen Bauplatz für 130,000 FrcS. angekauft und eine Nolhki chc aufgeführt. Auch hier wohnen die Patres in einer Art hölzerner Barrackcu, allem Wechsel cer Temperatur ausgesetzt, 6) Derselbe Hochwürdigste Bischof von Ncw-Iock übergab der Congregation die deutsche Gemeinde von Röche st er von circa 2000 Katholiken. Zwei Patres leiten diese Mission und die Gemeinden der Umgegend. Die Unkosten des Bauplatzes und der Kirche, welche bereits unter Dach ist, werden nach Vollendung letzterer 150,000 Frcs. üb.rsteigen. 7) Vor etwa einem Jahre sandte der Orden auf Wunsch des Hochwürdigstcn Bischofs von New-Aork einen Pater »ach Buffalv. In wenigen Monaten hatte sich cinc Gemeinde von 2000 Deutschen um diesen Missionär gesammelt, von denen alle, ohne Ausnahme, ihre österlichen Pflichten erfüllten. Die Nothkirche ward hier auf Kosten des Hvchwürdigsten Bischofs aufgeführt, und es hängt von der Unterwerfung der Kircheuvorstchcr einer andern Kirche der Stadt ab, welche sich gegen den Bischof und die Diöccsangcsttze empört und vieles Aergerniß H-gröktt haben, ob die Kongregation diese Mission, welche cinc änderst wichtige und trostreiche zu werden verspricht, definitiv übernehmen und ein Etablissement auf eigene Kosten gründen wird. Hiezu- wäre freilich bedeutende Beihilfe erforderlich. Es befinden sich in Buffalo auch gegen 100 französische Familien alles pncstcrlichen Beistandes beraubt. *) In Monroe in Michtgan versehen seit achtzehn Monaten zwei Patres der Nedriuptoristen die Mission in der Stadt und der weiten Umgegend. Die Bewohner sind grvsztenthcilS cana- dischc Hieher übersiedelte Franzosen von großem religiösen Eifer und großer Sitteneiiifachhcit. Diese Missionäre haben auch die Sorge für die deutschen und englischen Ansiedler, so wie die zahlreichen am Lac St. Claire und Huron lebenden Wilden die Arbeiten der Nedemptoristcn, so bald als es möglich seyn wird, in Anspruch nehmen werden. Es ist der Wunsch des Hochwürdigstcn Bischofs von Detroit in Monroe ein Ccntralhaus für die Missionen dieser Gegenden zu gründen, wozu der Congrcgation bisher die Mittel fehlen. 9) Es wurde vor einiger Zeit in der Grafschaft Elk in Pcnnsylvanien eine katholische Kolonie, St. Maria, gegründet, auf einem zu diesem Behufe angckauftcn Landstriche von circa 5^/z deutschen Quadratmcilen. Es war cm lange gefühltes Bedürfniß, durch Ansiedelungen dieser Art dem vielen Unheile entgegenzuarbeiten, wtlchem die zerstreuten von Protestakten umgebenen Niederlassung?» ausgcs tzt sind. Abgesehen davon, daß den ersten Bedingnissen zum Gedeihen einer Kolonie, nämlich ein sicherer Rechtstitel, geeignete Lage, guter Boden, gesunde Luft und gesundes Wasser, welche leiter so häufig alle oder theilweise in diesem Land.' mangeln, in dieser Niederlassung auf das vollkommenste entsprochen ist, bictci sie dem Katholiken die noch nothwendigeren höheren Anforderungen: Gelegenheit ungestört seinen religiösen Pflichten leben und seinen Kindern eine solide, ächt katholische Erziehung geben zu können. ES ist die Meinung der drei Unternehmer dieser Kolonie hier einen Mittelpunkt für das katholische Leben und die katholische Erzicbung der teutschen Jugend in Amerika zu bilden. Die Kongregation des allerhciligsten Erlösers hat die geistliche Sorge dieser rein katholischen Kolonie übernommen , unv beabsichtigt mit der Zeit ihr StudicuhauS hierher zu verlegen. Die erste hier gebaute Kirche ist, wegen der täglich zunehmende» Zahl der Bewohner, schon zu klein, und eine zweite ist erforccrlich, größer als die in den übrige» MlssionSstaatcn erbauten, da, nach dem Urtheile Aller, St. Maria in Kürze eine bedeutende Stadt ;u werden verspricht. Dieß sind die nun bisher begründeten Missionshäuser der Kongregation des allerhciligst.n Erlösers in Nordamerika. Leider konnte den dringenden Anforderungen der Bischöfe von New-Orleans, von Orcgon, Chicago und Boston nicht entsprochen ^wcrdcn, in ihren Diöccscn Missionen zu übernehmen, da zum Unterhalte der oben angeführten die von Europa gesandten Mittel ^ bei weitem nicht ausreichen, und unmöglich ;u den frühcrcn drii- ! ckendcn zeitlichen Verlegenheiten neue hinzugefügt werden können, um auf dem betretenen Wege sich weiter auszubreiten. Werfen wir nun einen Blick auf das bisher betrachtete Feld ^ der Arbeiten dieses OrdcnS zurück, so finden wir eine so groß- ! artige MissionSthätigkeit, wie kein anderer Theil der Erde sie var- > bieten möchte. Wir sehen, wie unter der geistlichen Leitung dieser ') Die Congrcgation hat diese Mission bereits angenommen, wie wir eben erfahren. Väter ein eben so tüchtiges wie stlbststcindiges katholisches Leben einer ganzen deutschen Bevölkerung in jenem Wclttheile sich ausbildet. Niemand kann an der hohen religiösen und nationalen Wichtigk-it dieser unter sichtbarem Beistände Gottes arbeitenden Mission zweifeln. Möchte ihr daher auch die Aufmerksamkeit und die Hilfe aus dem Vatcrlandc zugewandt werden, deren sie so sehr bedarf, und ohne welche ihre großartige Thätigkeit nur gelähmt werden würde! Endlich bemerken wir noch, daß die Im letzten Sommer unternommene Visitationsreise des Hochwürdigen Pater von Held, Provincial der vereinten belgischen und amerikanischen Provinz, von den scgenreichsten Folgen für Amerila war, da er alle die vielfachen Bedürfnisse der neuen Stationen mit eigenen Augen sah, und mit ungemeincr Umsicht und Weisheit alle nöthigen Einrichtungen zur Ordnung und Befestigung seines Ordens traf. Niemand, der nicht mit eigenen Augen sah, wie diese Väter in Amerika leben, kann sich eine Vorstellung davon machen, bis zu welchem Grade sie der nöthigsten Hilfsmittel beraubt sind, indem sie bisher alle Zuschüsse lediglich zum Bau der Kirchen verwenden zu müssen glaubten, ohne an ihre eigene Erhaltung zu denken. Daß ihnen fast überall geeignete Wohnungen fehlen, haben wir gesehen; ihre Nahrung ist so dürftig, daß der ärmste Amerikaner sie zu schlecht für sich halten würde; dazu fehlen ihnen durchaus alle Bücher, und eö herrscht die größte Noth an Rechengerät!), Meßgewändern, kurz an Allem, dessen der Missionär bedarf. Je größer aber die Noth, um so lebendiger ist auch unser Vertrauen auf Den, der die Herzen der Menschen wie Wnsserbeiche leitet, daß er dahin Hilfe, baldige und wirksame Hilfe sende, wo sie einzig und allein zu seiner Ehre und zum Heile vieler Tausenden von Seelen erfleht wird! Schreiben Wiseman's an die Bischöfe Frankreichs. Dem genannten, und in der Postzeitung schon erwähnten Schreiben des CoadjutorS Bischofs Dr. Wiscman entnehmen wir folgende Stellen: „ES hat der göttlichen Vorsicht gefallen, Sie zum Hirtenamte in einem Lande zu berufen, wo die katholische Religion beinahe von sämmtlicher Bevölkerung bekannt wird; wo eine zahlreiche, sceleneif- rigc und sittlich untadelige Pnestcrschaft die Bürde ihrer Regierung erleichtert und Sie durch eine gesegnete Wirksamkeit tröget. Nach vielen Jahren der Prüfungen sehen Sie die Religion und ihre ehrwürdigen Diener geläuterter und glänzender aus dem Feucrofen kommen. Uns hingegen hat Gott in ein Land gestellt, wo lange Zeit Häresie und Spaltung herrschten und noch zur Stunde die Masse des Volkes in Finsternissen gefesselt sitzt, wo die Arbeiter im Evangelium unzulänglich für die Ernte sind, kurz, wo noch Alles zu geschehen hat, wo Kirchen gebaut, für die Erziehung gesorgt und religiöse Anstalten gegründet werden müssen. Trotz dieser Verlassenheit hat der Allmächtige eine Umwandlung hervorgerufen, welche in Trost unsere Herzen aufrichtet; er ließ einen Hoffnungsstrahl über uns leuchten, der die Nacht der Zukunft erhellt; er hat unsere Mühen versüßt und im Vergleich mit der nächst vergangenen Zeit unsere Arbeiten leicht gemacht. Unsere Vorgänger im Amte haben in Thränen gescict, und wir ernten in.Freuve, „Die ganze katholische Kirche hat mit der angenehmsten Ucberraschnng wahrgenommen, daß in England eine Erwecknng dcö religiösen Geistes sich kund gibt, welche man nicht anders denn als eine Offenbarung desselben heiligen Geistes betrachten kann, Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. der die Gewässer der Tiefe bewegte, um Ordnung und Licht zu schaffen, und in unsern Tagen das wilde Meer menschlicher Irrthümer aufzuregen scheint, um hinter dem Sturme Einheit und Wahrheit herbeizuführen und eine neue Welt religiösen Glaubens aufzubauen. Nicht allein, daß uns seine Gnade mit weit mehr Bekehrungen zum katholischen Glauben als ehemals, erfreut; die alten Vorurtheile verschwinden, man bezeugt sich gegen uns liebevoller und immer Mehrere denken an die Widcrkehr der Einigkeit und wünschen sie mit Sehnsucht herbei. „Gott der Herr hat uns dabei gegen die Gefahren des Stolzes bewahrt, indem die glückliche Umgestaltung unter Umständen vor sich ging, daß wir uns nicht einmal den kleinsten Antheil daran zuschreiben können. „Ja, die Ereignisse in England sind nicht durch die Thätigkeit der Katholiken, nicht durch die Predigten unsers Klerus nicht durch die Beredtsamkeit unserer Schriftsteller, noch durch den Eifer und durch die Frömmigkeit unserer Gläubigen hervorgerufen worden. Nicht menschliche Gewandtheit oder Klugheit oder Weisheit haben, auch nur im Entferntesten, zur Entwickelung beigetragen. Im Gegentheil scheint jede Dazwischenkamst von unserer Seite die große Bewegung zu beschleunigen und Denen, welche sich uns näherten, die Hand zu reichen, eher einen Stillstand, als einen Fortschritt zur Folge gehabt zu haben. „Keiner andern Mittel hat der Herr sich bedient, als seiner Gnadengaben, welche er in reichem Maaße sendete und indem er eine Reihe von Begebenheiten eintreten ließ, wodurch die denkwürdige Bewegung vorbereitet wurde. „Der Glaube lehrt uns, daß wir die Einflüsse seiner Gnade durch unsere Gebete fruchtbarer machen, uud die Erfahrung hat bewiesen, daß darin unsere einzige und mächtigste Hilfsquelle besteht. „Mit aufrichtigem Danke vernahmen die Katholiken in England, daß ihre Brüder in Europa und in Frankreich insbesondere, fromme Bitten mit den ihrigen vereint haben. Sie erkennen es als ein Merkmal brüderlicher Liebe, daH in inbrünstiger Andacht für Englands Wiedervereinigung mit der katholischen Kirche zu einer Zeit gestehet wird, wo Gott die Herzen einiger Protestanten gerührt und ihnen den Gedanken eingegeben hat, in dem Schooße ihrer betrübten Mutter den gestörten Seelenfrieden zu suchen. Den Einen hat der Herr zum Gebete entflammt, dem Andern hat er in seine Dunkelheit Licht gesendet: die Bekehrungen waren in einem gewissen Sinne Vergeltung des Gebetes. So mußte unser Flehen mit dem Erfolge, der es krönte, inniger und feuriger werden. Um diese Hilft, um diese LiebcSbezcugnng bittet Sie nun der niedrigste Ihrer Brüder. Eine Zeit drängt heran, von der wir uns viel Gutes versprechen; die Geister sind aufgeregter als je, und sie schwanken, was zu thun seyn. Viele sind bereitet, zu uns zu kommen, und best.hcn dabei die furchtbarsten Kämpft; sie haben nnr die Wahl, alle zeitlichen Guter zu verlieren oder der Wahrheit zu entsagen; sie müssen Menschenscheu und Vorur- theilc überwinden, auf den Verkehr mit ihren Familien Verzicht leisten und die theuersten Bande zerreißen. Schwierigkeiten aller Art thürmen sich bei manchem Uebertrittc auf, und Mehreren kostete er eine Selbstvc.läugnung, die von wahrem Heldenmuthe zeigt. „Welcher Katholik könnte sein Gebet versagen, welcher Sohn der Kirche sollte sich nicht glücklich schätzen, den in schwerem Streit Begriffenen hilfreich beizustehen? Viele sind noch unentschieden, welchen Weg sie einschlagen sollen. Wer wollie nicht den' Geist der Weisheit und der Kraft in Fülle für sie erbitten? _ Verlags-Jnhabir: F. C. Krem er. 'Kun n o <^ ^^»S ei Augsburger Zweite Jahreshälfte. ü i 5? 5 L Ppstzeitttttg. T8. Dec. Ewige Anbetung bei Maria Hilf auf deut Gudel in der Schweiz. (Schweiz. Kirchenz.) Von jeher war das glaubensvollc Gebet frommer Seelen von den Segnungen des Himmels begünstigt. Es liegt im Gebete eine wellüberwindende Kraft nicht nur für den Betenden selbst, sonder» auch für Die, für welche gebetet wird; das Gebet ist das Herz, aus welchen- gesundes Leben sich in alle Glieder ergießt. Darum haben in wichtigen Angelegenheiten unsere glaubenskräftigen Väter vor Allem ihre Zuflucht zum Gebet genommen, und wo sie wichtige Angelegenheiten zu besorgen hatten, beteten sie nicht nur selbst, sondern sorgten auch dafür, daß Andere dcn Segen dcS Himmels auf ihre Unternehmungen durch frommes Gebet herabflehcn möcht?». So finden wir im Jahrzcitbuch von Mcnzingcn einen schönen Zng von dem Glauben, welchen die Väter an des Gebetes Kraft besaßen; es heißt darin: „daß die fünf katholischen Orte zur Zeit des Kappclcrkncges 1531, als sie ihres Glaubens und ihrer Freiheit wegen hart bedrängt waren, vom 10. Wcinmonat bis zum 19. Wintcrmonat achtzehn W>ttwen aus den allcrflömmsten aus gemeinen Kosten zu Einsicccln unterhalten haben, die rann sechs und sechs wechselweise in alldvrtiger lieben Frauen Capclle Tag uud Nacht ununterbrochen für das katholische Heer beten mußten." Es ist bekannt, welch entscheidenden Sieg 632 katholische Hirten über ein auserlesenes Heer von 5000 wohlbuvaffnetcn Kriegern am 23. Weinmonat auf dem Gubcl erfochten, und wie schnell in Folge dieicö Sieges auf die Grundlage gegenseitiger Dullmnq Zwischen den verschiedenen Glaubensgenossen ein allgemeiner Landfriede zu Stande kam. Weder dcn Sieg noch den Frieden schrieben die frommen Väter eigener Tapferkeit oder Klugheit zu, sondern nächst Gott der Fürbitte der seligsten Gottesmutter und Jungfrau Maria. Darum wurde zum Zeichen des kindlichsten Dankes im Jahre 1556 auf der Wallstatt eine Capclle erbaut: „Gott dem Allmächtigen, seiner Hochwürdigen Mutter Maria, dem heiligen Bischof Severin und dem ganzen himmlischen Heere zu Lob, Ehr und Preis wegen des zu Errettung und Erhaltung unsers wahren katholischen christlichen Glaubens und geliebten !BaterlandcS gnadenreichen, wunderbar! ichen und ! tapfern erlangten Siegs." An diese Cavelle halte in der Folge Caspar Clscncr, „nachdem er aus gottseligem Antrieb das stürmische Kricgslcbcn mit dem einsamen Eremitenstandc vertauscht, mit H'.lse gutherziger Leute, besonders des Baron von Zurlauben, seines Hauptmanns, eine Ercmitenzcllc angebaut, worin er ein gottseliges Leben geführt, bis er im Jahr 1681 den 29. Mai selig im Herrn entschlafen ist." Der ausgezeichnetste unter seinen Nachfolgern auf dem Gnbcl war der fromme gottcefürchtige Pater Joseph Wiscnegger, Priester des dritten Ordens, von Salzburg gebürtig, der beinahe 46 Jahre in dieser Einsamkeit ein anferbaulicbcS Leben führte, und im Rufe der Heiligkeit im Jahre 1751 verschied. Sein Leichnam wurde in der Capellc begraben. Seit Jahrhunderten steht sie nun da, die vielbesuchte Wall- fahrtscapelle zu Maria Hilf auf dem Gubcl, von frommen Einsiedlern besorgt, mit verschiedenen Stiftungen bereichert, ein Ocnlmal wunderbarer Hilfe in der Noth, so wie auch ein Denkmal der Aussöhnung entzweiter Brüder. Schwebend zwischen dem sanften Wrün des Hügels und dem reinen Blau des Himmels blickt sie, von den Strahlen der auf- und niedergehenden Sonne wunderschön verklärt, freundlich nieder in die Thäler der Limmat und der Reuß, und mahnt mit stillem Ernste die Bewohner, festzuhalten an dem heiligen Vertrage, auf welchem unsere Väter nach langem blutige» Zwiste die Bruderhand des Friedens sich geboten. Man wird sich erinnern, wie vielfach den Grundsätzcn diescS Vertrages, auf dem, wie auf einem Fundamente, der RcligivnS- fcicve ruht, seit den dreißiger Jahren ist entg'gengehandelt worden, und wie eben darum unser Vaterland im Laufe des letzten Jahres in g'ößtcr Gefahr gestanden eine Beute jener Faction zu werden, deren Plan es ist, den blutigen ReligionS- und Bürgerkrieg herauf- zubcschwörk», um auf dcn Ruinen der bestehenden Ordnung in Kirche und Staat den Thron des AntichristenthumS aufzurichten. Um diescS boshaften Planes Ausführung zu hindern, war es nothwendig, daß die katholischen Stände vereint und muthvoll den Bcfcindungcn ihrer Kirche in: Vertrauen auf die Hilfe des göttlichen StiflcrS entgegentraten, und in dieser heiligen Absicht wurde vorzüglich zum Gebet Zustacht genommen. Regenten und Volk wendeten sich im Hinblick auf die großen ihnen drohenden Gefahren zu Maria der Himmelskönigin, um ihre vielvermögende Fürbitte bei Jesus ihrem göttlichen Sohne anzuflehen. Wo min einen Ort fand, an dem Maria in besonderer Verehrung gehalten wird, dorthin gingen zu Hunderten, dorthin oft zu Tausenden. So richteten sich auch die Blicke frommer Beter auf den Gubel zu „Maria Hilf," und es veranstaltete dorthin schon im Jahre 1843 Joseph Leu von Ebcrsol eine große Wallfahrt. Es war ein feierlicher Tag der 23ste Weinmonat, an welchem Tag jährlich die Gcdächtnißfcicr der Schlacht begangen wird, es war rührend zu sehen, wie zn Tausend und Tausend den Berg hinan- und damit bei den frommen Ordensschwestern auch Solche eine Zufluchtstätte finden können, welche den heilsamen Gciftesübungen auf einige Zeit obliegen, oder mit Thränen der Buße bei den Füßen des Heilandes den Gottesfrieden wieder finden möchten." Die liebevolle Vorsehung fügte es, daß diese Freunde bald dahin sich verständigten, Hand an's Werk zu legen, im Vertrauen auf Denjenigen, welcher wie das Wollen, so auch das Vollbringen des Guten verleiht. Es wurde sofort das Land um die Capelle mit dem darauf befindlichen Hause angekauft, und der stiegen, und zu hören, wie von Tausenden gerufen wurde-. „Hei- Plan für ein zu errichtendes Klostcrgebäudc ausgearbeitet. _ Die lige Maria, bitt für uns!" Es gedachten damals einiges Vorstände eines wohldiscipltnirten Klosters der ewigen edle Männer an das zahlreich versammelte Volk politische Reden ^ Anbetung gaben auf gestelltes Ansuchen die Zusicherung, nicht nur zu haltenallein der selige unvergeßliche Vater des Volkes Joseph lein Noviciat für dieses Filialkloster zu übernehmen, sondern dem- Len sagte zu ihnen: „Männer! des BctenS wegen sind wir an diesen Wallfahrtsort gekommen; das Gebet ist die beste Politik unserer Tage; aus dem Gebete stammen Muth zum Kampfe, und zum Rathe Weisheit." Diese Gesinnung des katholischen Volksmannes beweist! sellschaft möglich gemacht werden, sich bald als die Gesinnung des katholischen Volkes selbst. Denn als am 31. März und 1. April 1845 die Kunde erscholl, daß ein wohlgcrüsietcs Heer von 8 bis 10,900 Freischärlern in das Herz der katholischen Eidgenossenschaft schon eingedrungen sey, und daß ringsum fcmatisirtc Massen nur des Zeichens zum feindlich n Uebcrfalle harren, als die Thäler zwischen dem Sonnenbcrg und Gubel vom Donner der Kanonen erdröhnten und die Sturmglocken über den Treucbruch der Eidgenossen weitumher in schauerlichen Tönen wehklagten, da verdoppelte man das Gebet, da richtete sich manches thräncnbcnetzte Auge auch hinauf zur Capelle auf dem Gubel, die im Glänze der Frühlingssonne so freundlich niederblickte, da stiegen auö tausend schwer gepreßten Herzen Gelübde empor zu selben überhaupt alle mögliche Sorgfalt zuzuwenden, und der Hochwürdigste Bischof von Basel säumt- nicht, dem Unternehmen seine Gcncbmigung und den vbcrhirtlichcn Segen zu ertheilen. _ Die Gründung des Klosters soll durch eine zu bildende Gc- Zur Erinnerung an den 13. December 1S.SA3. (Mmister'schcs SrnntagSblatt.) (Schluß.) Die Aufgabe des Conciliums war eine dreifache; die nächste, welche das Concilium auch immer als solche im Auge behielt, war die Zurückführung der Abgefallenen. Weil aber der Abfall bereits zu einer bestimmten Irrlehre sich ausgebildet hatte, welche zugleich mit einer gänzlichen Entstellung der katholischen Lehre verbunden war, so mußte zweitens das Concilium diesen Irrlehren unv Entstellungen die reine katholische Lehre gegenüber stellen; und Maria der Helferin der Christen, und Während die bundestreucn^ weil endlich ein in der That großes Sittenverdcrbniß und großer Krieger im gefahrvollen Schlachtgcwühle kämpften, knieten die Kin- Verfall der Zucht in der Kirche bestand, welches eben dem Abfalle der der Gemeinde Menzingcn in der Gnadencapellc, erhoben ihre, die meiste Nahrung gab, so mußte drittens dieser sogenannten unschuldigen Hände zu Maria und flehten für das Leben ihrer Reformation eine wahre Reformation in der Kirche selbst cntgcgen- Vätcr und Brüder, flehten für den Sieg der gerechten Sache Nicht umsonst wurde so viel angelobt, so viel geweint, so viel vertrauungSvoll gebetet; bald erfreute die Vcängnigten die Kunde von dem glänzenden Siege. Aber jetzt vergaß man nicht der erhaltenen Hilfe in der Noth, es füllte sich auf dem Gubel nicht bloß die Capelle, es füllte sich weit umher der Hügel mit frommen Pilgern, die hinaufgceilt waren theils ihre Gelübde zu lösen,- gesetzt werden. — Wie das Concilium diese seine schweren und umfangreichen Arbeiten ausgeführt, wie tief und klar es seine große Aufgabe erkannt, in welchem Gcistc, mit welchem Eifer, welcher Klugheit es gewirkt habe, von dem allem werden wir eine Ahnung erhalten, wenn wir einiges auS der Rede, welche der Bischof Ragazoni an die versammelten Väter hielt, mittheilen. „Zweierlei Arznei, sprach er unter cmderm, mußte für ihre theils ihre dankerfüllten Herzen vor Marie- der Trösterin der Bc-i kranken und schwachen Gemüther angewendet werden: erstlich, die trübten auszuschütten, und seither pilgern täglich fromme Betcr hinauf, um durch die Fürbitte der seligsten Gottesmutter zu erflehen, daß in Folge .dieses Sieges nun auch, wie vor drei Jahrhunderten nach der 'merkwürdigen Schlacht ans dem Gubel, der holde Friede wiederkehre für unser theures Vaterland. Bei dem Anblicke so vieler Pilgcrschaarcn, und beim Hinblicke auf die Gefahren, welche unserer katholischen Schweiz noch bevorstehen, that sich zu gleicher Zeit der in den Herzen mehrerer Freunde seit längerer Zeit schon verschlossene Gedanke kund: „Bei Maria Hilf auf dem Gubel ein Klöstcrlein der ewigen Anbetung zu erbauen," damit auf diesem stillen Berge ununterbrochen Tag und Nacht fromme Ordensschwestern vor JcsuS im heiligsten Altarssacramcntc ihr Gebet verrichten „für Erhaltung und Belebung des katholischen Glaubens in unserm Vaterland, für Friede und Eintracht unter den Eidgenossen, für S tandhaftigkcit der Guten Erklärung und Bestätigung des katholischen und wahrhaft evangelischen Glaubens rückstchtlich derjenigen Dinge, die von ihnen in Zweifel gezogen werden, und die diesen Zeiten angemessen schienen unter Zerstreuung und Zernichtnng aller Finsternisse der Irrthümer darüber; zweitens die Herstellung der kirchlichen Zucht, wegen deren Entartung, Wie sie behaupten, sie vorzüglich von uns abgefallen sind. Beides haben wir, so viel an uns war, nach diesen Zcitoerhältnissen in reichem Maaße geleistet. „Denn gleich im Anfange hat dieser Kirchenrath, um gleichsam ein Fundament für seine künftigen Handlungen zu legen, und zu zeigen, auf was für Zeugnisse und Schutzmittel man bei Feststellung der Glaubenslehre fußen müsse — nachdem er gemäß der löbl. Uebung unserer Borväter das Bekenntniß des Glaubens abgelegt hatte (3. Sitzung) — die Bücher des alten und neuen Bundes, die ohne allen Zweifel anzunehmen sind, getreu und weislich, nach dem Beispiele der bewährtesten alten Concilien auf- und für Bekehrung der Sünder und Ungläubigen, gczählet, und damit nicht einmal über die Worte der verschiedenen Ucbersetzungen irgend eine Schwierigkeit entspringen könne, eine eigene und bestimmte Übersetzung aus dem GriechischlN und Hebräischen genehmiget (4. Sitzung). Sodann verordnete er, das Haupt und' die Schanze aller Irrlehren angreisend, über das ursprüngliche Verderbniß der menschlichen Natur dasjenige, was die Wahrheit selbst, konnte sie sprechen, aussprechen würde (5. Sitzung). „Ueber die Rechtfertigung — eine wichtige, und sowohl von den alten, als von den Jrrlehrern unserer Zeit auf außerordent- ltche Weise besttittene Sache — bestimmte er sodann das, was sowohl den in dieser Art verderbnißvollsten Meinungen steuerte, als auch die richtige Glauben-weise in einer bewunderungswürdigen Ordnung und mit wunderbarer Weisheit, die leicht den Geist Gottes darin erkennen läßt, darlegte (6. Sitzung). Dieser seit Menschen Gedenken treffliche Beschluß versetzet fast allen Ketzereien den Todesstoß, und vertreibet und zerstiebt sie, wie die Sonne die Finsterniß; eS leuchtet eine solche Klarheit und ein solcher Glanz der Wahrheit aus ihm, daß sich wohl Niemand mehr anstellen kann, als sähe er ein so großes Licht nicht. Hierauf folgte die heilsame Verhandlung über die sieben Sacramente der Kirche, und zwar erstlich über alle insgesammt (7. Sitzung), und sodann über jedes insbesondere. Wer aber sieht da nicht, wie genau, wie deutlich, wie umständlich, wie ltchthell und — was die Hauptur- sache ist — wie wahr dieselbe die ganze Weise dieser himmlischen Geheimnisse in sich begreifet? Wer kann in dieser großen und vielfältigen Lehre noch auf irgend eine Weise vermissen, was befolget, oder was gemieden werden müsse? Wer will bei ihnen ollen noch Platz oder Anlaß zum Irrthume finden? Wer endlich könnte fernerhin an der Kraft und Wirksamkeit dieser Sacramente zweifeln, da es sich zeiget, daß jene Gnade, welche sich täglich! durch sie, wie durch gewisse Canälc, in die Gemüther der Gläu-! bigen ergießet, damals uns so reichlich bcistand? Dazu gesellten j sich dann die Beschlüsse über das hochheilige Opfer der Messe und! über die Communion unter beiden Gestalten, und der Kinder, so! durch Heiligkeit und Nützlichkeit ausgezeichnet, daß sie mehr vom! Himmel gekommen, als von Menschen abgefaßt zu seyn scheinen.! Diesen wird heute noch die gewisse Lehre von den Ablässen, von! dem F-gfcuer, von der Verehrung und Anrufung der Heiligen, von den Bildern und Reliquien beigefügt, und durch sie nicht nur den Trügercien und Verleumdungen der Ketzer Widerstand, sondern auch rcm Gewissen der srommgcsinntcn Katholiken vollkommen Genüge geleistet werden..... „Auch der zweite Hauptthcil, in welchem von der Wiedcrbe- fcstigung der sinkenden und fast untergehenden Kirchenzucht gehandelt werden mußte, ist auf das sorgfältigste beendigt und vollendet. Künftig werden zur Uebernahme der kirchlichen Aemter solche erwählt werden, die sich durch Tugend, und nicht durch Ehrsucht auszeichnen, dem Wohle des Volkes, nicht ihrem Interesse dienen, und vielmehr beglücken, als beherrschen. Häufiger und sorgsamer wird Gottes Wort, das eindringlicher als alle Schwcrtcsschärfe ist, verkündiget und erklärt werden. „Die Bischöfe und die Uebrigen, denen Seelsorge anvertraut ist, werden bei ihren Hcerden verbleiben, und über sie wachen, und nicht von der ihnen anvertrauten Huth getrennt bleiben. Niemanden werden weder zu unreinen und lasterhaftem Wandel, noch zu böser und verderblicher Lehre, Privilegien irgend einen Vorschub gewähren; kein Verbrecher wird ohne Strafe, keine Tugend ohne Belohnung gelassen. Bestens gesteuert ist der Menge armer und um Almosen bittender Priester; jeder wird einer bestimmten Kirche, und einem bestimmten Wirkungskreise, von dem er sich nähren kann, zugezählt; der Geiz, dieses scheußlichste aller Laster, besonders im Hause Gottes, wird gänzlich aus diesem entfernt; unentgeldlich, wie billig, werden alle Sacramente ausgetheilet, aus einer Kirche werden mehrere, aus mehreren Eine gebildet, je nachdem das Wohl und der Zustand des Volkes es erfordert, und was zum höchsten Glücke zu rechnen ist, die sogenannten Allmoscnsammler, die die ihrige, nicht die Sache Jesu Christi suchend, unserer heiligen Religion großen Schaden, große Unchre zufügten, werden durchaus aus dem Gedächtnisse der Menschen ausgetilgt werden. Von daher hat unsere gegenwärtige Bc- drängniß ihren Anfang genommen; von daher hat ein endloses Uebel sich einzuschleichcn und Tag täglich weiter auszubreiten nicht aufgehört, dem die Vorsorgen und Maaßnahmen so vieler Concilien bis anhin nicht zu steuern vermochten. Wer wird eS deßwegen nicht eine sehr weise That nennen, daß dieses Glied, für dessen Heilung man sich umsonst lange und vielfach bemühet hat, weggeschnitten werde, damit es dem übrigen Körper nicht schädlich sey ? „Ferner wird der Gottesdienst reiner und pünctlicher erfüllet, und diejenigen, die die Gefäße des Herrn tragen, werden so rein werden, daß sie Andere bewegen, ihnen nachzufolgen. Vortrefflich ist hierbei der auogedachte Plan, diejenigen, welche in die heiligen Weihen erhoben werden sollen, bei jeglicher Kirche vom jugendlichen Älter an zu solchen Sitten und Kenntnissen hinanzubilden, daß dadurch gleichsam eine Pflanzschule aller Tugenden begründet wird. Endlich wurden die Provincialsynodcn wieder hergestellt: die Visitationen zur Wohlfahrt, und nicht zur Klage und Belästigung der Völker, wieder eingeführt, den Hirten die Vollmacht zur bequemern Leitung und Weidung der Ihrigen zucrtheilt, die öffentliche Buße wieder in Uebung gesetzt, die Gastfreundschaft sowohl den kirchlichen Personen, als den frommen Stsstungsortcn anbefohlen, für Die Erthcilung scclforglichcr Pricstersicllcn eine denkwürdige, fast himmlische Messe angeordnet, die sogenannte Vielheit der Benesicieu abgeschafft, der erbliche B.sitz des Hciligthumö Gottes verboten, den Excommunicationen eine Schranke gesctzet uno be- stimmt, die erste Beurtheilung der Streitigkeiten dahin, wo sie entstehen, angewiesen, der Faustkamps der Einzelnen untersagt, der Ueppigkeit, Habsucht und Zügcllosigkcit der Menschen, und besonders der dem Dienste Gottes Gewidmeten, gleichsam ein Zügel, der nicht leicht abgcworsen werden kann, angelegt, die Könige und Fürsten sorgsam an ihre Pflicht ermähnet, und mit großer Klugheit andere Dinge dieser Art mehr verfüget. Wer sieht daher nicht, daß ihr, beste Väter! auch in diesem Theile Eucre Obliegenheit in höchstem Maaße erfüllt habet?" Der Katholik sagt in einer Betrachtung zur Erinnerung an die dreihundcrtjährige Eröffnung des Trientner Concils unter anderm: „Wer auf dieser Synode nicht erschien, das waren Die, die am lauteste» darnach geschrieen: die sogenannten Reformatoren. Es wurde klar, daß es nicht um Reformation, um Verbesserung oder Herstellung der alten Lehre und Zucht zu thun war, sondern um Deformation; eine Kirchenversammlung, wie sie von der ersten zu Jerusalem oder der zu Nicäa an durch die Apostel und ihre Nachfolger, als die Oberhirtcu der Kirche, stets gehalten worden War, wollten sie nicht, sondern eine Versammlung nach umgekehrtem Princip, wo nicht die Lehrer und Väter der Kirche, die „der Herr bestellt hat die Kirche Gottes zu regieren," unterm Beistand des heiligen Geistes Rath nehmen und Beschluß fassen, sondern wo die untergeordneten Kleriker oder gar die Lernenden unterm Einflüsse des sognanntcn Zeitgeistes über Die wichtigen Gegenstände des Glaubens und der Sitten diScutircn und abstimmen sollten. Die - vom heiligen Geiste geleitete Synode zu Tricnt ist, wie die von Christo festgesetzte heilige Ordnung es wollte, abgehalten worden von den Bischösen der Kirche aller Länder und Nationen; was sie von Glaubenslehren erklärt und von Kirchengesctzen angeordnet hat, ist bis heute von der ganzen Kirche, von Millionen und aber Millionen Christen anerkannte heilige Norm; wo aber sind jene Irrlehren, gegen welche die Synode zusammentrat? wo sind z. B. die Hauptsätze der „Augsburger Confession," die heule den Protestanten (nicht aller Länder, sondern nur) eines Landes, ja nur Einer Gemeinde als Norm dienten? gegen die nicht ein „hundertfacher Protest" erhoben würde? — Wurden doch die Wenigen, die am Glauben Luthers sich festklammerten, um nicht ebenfalls in den Strudel der Denkgläubigkeit mit hinein zu gerathen, wie Scctirer gehalten und behandelt! „Auch heute, nach drei Jahrhunderten, erschallt wieder ein Ruf nach Synoden; aber nicht nach einer allgemeinen Kirchcnvcrsammlung, sondern nach Diöccsansynodcn, wie sie Das Concilium '1'ricle!»tim>m angeordnet habe. Die jetzigen Schreier sind von den damaligen verschieden, daß sie sich noch nicht außer der Kirche gestellt und das Dogma, wie es die Kirche festgesetzt, angeblich unberührt lassen. Aber im Uebrigcn gleichen sie sich, wie ein Tropsen dem andern. Geschrei um Abschaffung des Cöli- bats, der Ohrcnbeichte, der Kirchensprache, des Cercmoniendienstes, frecher, »ngemessener Tadel gegen Papst, Bischöfe und geistliche Obern, Verfluchung und Verwcltlichung der Kirchenlicht: das ist heute, wie damals, der Inhalt der bis zum Ekel wiederkehrenden Klagen und Beschwerten, Forderungen und Drohungen Derer, die nach Synoden schreien. Nber, daß auch unsere heutigen Schreier keine kirchlichen Synoden, keine Synoden in altbewährter Norm und Form wollen, liegt klar zu Tage. Laien sollen mit im hohen Rathe sitzen, und statt daß in ächtkirchlicher Weise der Bischof die' nach dem Kirchenrecht befugten Männer um sich sammelt, sollen und wollen die Schreier, die Cölibatstürmer und Bcichtfcinde den Bischof gleichsam vor sich citiren, nm durch die also leicht erreichbare Stimmenm hrheit gegen den Geist und die Gesetze der katkolischen Kirche Beschlüsse zu fassen. Synoden, die nach christ icber Weise, in althergebrachter Form, in gläubiger und frommer Gesinnung gehalten werten (Üe seyen allgemeine oder besondere) haben stets Befestigung im Glauben und Schärfung der Kirchcndisciplin >ur Folge gehabt, und würden auch heute noch denselben Erfolg haben; Synoden würden auch heute noch geschärft terc Bestimmungen gegen cingeschlichene Mißbräuche und Aergernisse, gegen anstößigen Wandel der Geistlichen, gegen Lauigkeit und Gleichgültigkeit im Empfange der Sacramenle, gegen Willkür in den liturgischen Formen :c. zur Fol e haben, gerade das Gegentheil von Dem, was die Schreier wollen. Ein neuer Beweis, daß sie nicht Synoden wollen, wie das Tndcntinum sie beschreibt, sondern Synoden in ihrem Sinne, wo das Gelüste destructiver, ze> störender Tendenzen durch Herbeizichung von Krethi und Plethi Erfolg haben lönntc. Das ist gewiß: würden unsere Bischöfe Synoden zusammenbcrufcn, We sie das Tndcntinum will, und wie seit dieser so segcnrcichen Kirchenversammlung in vielen Diöccsen (z. B. in Köln) gehalten wurden — die jetzt so nach Synoden schreien, wären die Ersten, w lche dagegen Protest erhöben! „Aber es dürfte vielleicht gut, ja nothwendig ssyn, wenn unsere Bischöfe Diöccsansynodcn, versteht sich in katholischem Sinne, abhielten? — Nothwendig ist es nicht; denn irber alle die Puncte, welche die Ncologcn in und außer der Kirche in Frage stellen, über den Cölibat, die Beichte, die Liturgie:c. hat die allgemeine Synode zu Trident die bestimmtesten Erklärungen und Vorschriften gegeben; eine Diöccsansynode wird doch Beschlüsse eines ökumenischen Concils nicht ändern, geschweige gar umstoßen wollen, wären eS auch nur Disciplinarpuncte! Und nun gar diese wichtigen Institute, das Cölibat und die Beichte, in deren Verteidigung die Kirchen der ganzen katholischen Welt Eins sind! Wohl ist es hie und da nothwendig, eine allgemeine und geläutcrtere Handhabung der Kirchendisciplin einzuschärfen; dazu bedarf es aber keiner Synode, nur der sorgfältigsten Amtsführung der Kirchen- obern, die die Kirchengesctze mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit geltend zu machen haben. Daß in dieser Beziehung in den Gegenden, wo diese Synodenschreier sind, diese Diöccsansynodcn, wenn ihre Zusammenbcrufung nicht aus anderen Gründen unzulässig oder doch unrathsam wäre, ihr Gutes haben könnten, kann nicht gelciugnet werden; wohl möchten sie den verkommenen Klerus mancher Decanate zurcchtzuweisen, auf Zucht und Sitte in ihrem Hauswesen, ans Anstand in ihrer klerikalischcn Haltung, auf Treue in Handhabung des Bußlacraments und vieles andere Nothwendige zu dringen alle Ursache finden. Aber, wie gesagt, das ist es nicht, was die Neologen mit ihrem ungestümen Geschrei nach Synoden wollen, sondern daS, was in allen christlichen Jahrhunderten verrufen und verpönt war, das gerade Gegentheil der eigentlichen Synodalaufgabc. Was der Constanzcr Decan mit seinen Anhängern will, sind nicht solche kirchliche Synoden, welche im Leben und in den Sitten dieser eigentlichen Wcltprie- ster übervollen Anlaß zur Erneuerung und Schärfung der Kirchcndisciplin fänden, sondern geistliche Kammcisitzungcn, welche die Kirchensützungen durch Bcillvtage und Stimm,ctiel abmcichcn und im Geiste deS sprudelnden Champagners und wortreicher Toaste ihre Weihe und Kräftigung fänden. „Es ist nicht zu läugnen: auch jetzt, nach drei Jahrhunderten, ist eine trübe und wirce Zeit. Herrscht auch unter den Gliedern der katholischen Kirche mehr Einheit und Leben, als je zuvor in diesen drei Jahrhunderten, so tobt und raset eS um so mehr um sie herum; und sitzen auch auf den Bischosstühlen in allen Ländern fast durchweg tüchtige, ihre Zeit und ihre Stellung begreifende, charakte!feste Kirchenfürsten, so ist doch an allen Seiten ein Widerstreben irdischer Gewalten, ein Kampf weltlicher Elemente gegen die Zwecke der Kirche bemerkbar, wie es seit der sogenannten Reformation nie so allgemein, wenn auch in einzelnen Ländern allerdings stärker, sich zeigte. Dem Allem gegenüber hat auch jetzt, wie v,or drei Jahrhunde-ten, die katholische Kirche einen schweren Stand: aber daß die katholische Kirche, wie dazumal, aus den sie umschwärmenden Wirr- und Jrrsalen nur herrlicher hervortreten wird: deß sind wir, im Bewußtseyn unserer inneren geistigen Kraft und im Vertrauen auf den Herrn, gewiß. Der ! Rückblick auf die vor drei Jahrhunderten gehaltene Versammlung, !deren Satzungen bis heute der ganzen katholischen Welt Norm, Freude und Ruhm sind, kann uns nur in diesem Vertrauen stärken. ! Bischöfe wie Priester werden im Lause deS nenbegonncncn Jubeljahres diese ermutigenden und erstellenden Gedanken für sich und die ihnen anvertrauten Gemeinten zu benutzen verstehen. Vom Neujahr an wird das SonntagS-Beiblatt, wie schon angekündigt, im Format der Postzcitung erscheinen. Indem wir zum Abonnement einladen, bemerken wir, daß dasselbe auch auf rein Wege des Buchhandels zu beziehen ist, und zwar um den jährlichen Preis von Ist. 30 kr. oder Nthlr. 1. _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags. Inhaber: F. «. Krem er.