A. Poſtzeitung) jaͤhrlich Neunnter Zahrgang. Preis in Augsburg für fich allein(ohne u fi. 12 kr. Durch die Poſt kann dieſes Wochenblatt nur von Abonnenten der Poſt⸗ zeitung bezogen werden, und erhöht ſich der VPreis nach Verhaältniß der Entfernung. Augsburger Sonntags-Peiblatt zur Für ſich allein, ohme die Augsburger Poſt⸗ zeitung, find dieſe Blat⸗ iter nur im Wege des Buchhandels zu be— ziehen und koſten in ganz Deutſchland, der Schweiz u. ſ. we jaͤhr⸗ lich nur Afl Zoer oder Thlr. Poſtzeitung. Zeitgedanken bei m Wechſel des Jahres. Ariſtoteles pflegte bei der Herausgabe ſeiner Phyſik zu ſagen, er habe ſie herausgegeben und nicht herausgegeben, weil ſie ſo dunkel geſchrie— ben wäre, daß Wenige ſie verſtehen werden. Noch dunkler aber iſt das Buch der Zeiten geſchrieben, und nur Wenige ſind es, die darin leſen und ſelbes zu ihrem Beſten verſtehen. Die Meiſten gehen mit der Zeit um, Aals waͤren ſie die Herren derſelben, während doch einmal Gottes Engel rufen wird:„Von uͤun an iſt keine Zeit mehr.“ Wie den einzelnen Men— ſchen, ſo ergeht es mit der Zeit der ganzen Menſchheit und den beſondern Generationen, die in der Zeit leben. Man denkt ſelten oder gar nicht an das Ende der Lebenszeit und an das Aufhören dieſer Zeit auf Erden. Und doch geben die heiligen Lehrer der Kirche ſo deutliche Kennzeichen des Weltendes und der Weltzeit an, daß es nur einer beſondern Apathie gegen alles Ueberſinnliche zugeſchrieben werden muß, wenn dieſe Kennzeichen der alternden und dahinſterbenden Welt unbeachtet bleiben. Bekannt iſt in dieſer Hinſicht die Anſicht vieler Kitchenväter, daß die ſechs Schöpfungs— tage die ſechstauſend Jahre des Weltalters vorſtellen, nach welcher dieſe Die Abnahme der Heiligen, die Zunahme der Gottloſigkeit, der Verfall des Glaubens, der uͤntergang des römiſchen Reiches, die Verkündung des Evangeliums in Welt keine zweihundert Jahre mehr exiſtiren würde. Men iihenen und die Verkehihet und Verdorbenhent der Wen ſuue ſechs Puncte, die dem aufmerkſamen Beobachter des Zeitenlaufes nicht unbemerkt entgehen. Wer mit dem Republlicaner Fröbel den Glauben an Gott und an die Unſterblichkeit des Menſchen aus dem Staate verbannt und die bindende Ehe, ſo wie das Privatrechtſund den Privatbeſitz aufge— hoben wiſſen will, der wird freilich obige Anſichten als Thorheiten ver— lachen. Allein eben dieſe vermeintlichen Thoen wären Arzneimittel für unſere fieberhaft bewegte Zeit, wenn man ſie ernſtlich überdenken und auf das Leben anwenden würde. Die Verdienſte und das Gebet der Hei— ligen ſind Säulen, welche die Welt halten Wenn aber dieſe Säulen einſtützen, was wird die Welt halten, von der man ſagen kann, was Gott von der Stadt Sodoma ſagte? Durch theoretiſchen und praktiſchen verrücker die Menſchen von Gott los, ſo daß die Frage des göttlichen Heilandes immer mehr ihre Wahrheit beurkundet„Wird wohl der Men—⸗ ſchenſohn Glauben finden auf Erden, wenn er kommt?“ Vier große Welt— reiche ſagte der Prophet Daniel vorher, das babyloniſche, das perſiſche, das griechiſche und das römiſche. Dieſe vier groͤßen Reiche haben ihren Lauf vollendet. Auch iſt das Evangelium bereits überall verkündet worden, in Indien, Japan, China, Amerika u. ſ. w. Endlich deuten die herr— ſchende Genußſucht und die aus derſelben entſtehende Fleiſchesluſt auf jene Zeit hin, welche der göttliche Heiland ſelbſt mit Noes Zeit vergleicht. Möge der Wechſel des Jahres uns veranlaſſen, dieſen kurzen Andeutungen einiges Gehör zu ſchenken in unſerer an Herbſtzeitloſen ſo überreichen Zeit! Unglauben machen die ſogenannten und eigentlichen Volks— Boffnung! „Wider Hoffen hoffen wir.“ Es handelte ſich, wenn wir auf die Bewegungen und Kämpfe des verfloſſenen Jahres zurückblicken, um reiche, große, tiefe Ideen, die im Bewußtſeyn der Völker verwiſcht, um koſtbare Güter, die verloren, um Lebensbedingungen, die längſt und ſchwer vermißt waren. Freiheit, Wahrheit, Recht war die Loſung, die durchs ganze Jahr getönt hat. Ware die Entwicklung der deutſchen Freiheit im organiſchen, lauteren, *) Nach dem Münſter'ſchen Sonntagsblatte. RMe J. Januar 8409. Sichtlichen Wege vor ſich gegangen, dann könnten wir Deutſchland Suck wünſchen, dann hätten wir die tiefen Wunden nicht zu beklagen, die gegenwärtig dem Vaterland geſchlagen ſind. Es iſt eine mißliche Sache, wenn aus der Krankheit die Geſundheit, aus der Revolution die Fretheit Worgehen ſoll, Tieferdenkende, die das Weſen der Revoluͤtion näher bachtet, in den Conſequenzen verfolgt hatten, ſchüttelten bedächtig den Epf und hatten gerechten Argwohn gegen eine Freiheit, die ihre erſten gen Wurzeln in die Barricaden geſchlägen hatte. och gegenwärtig iſt die Verwirrung der Begriffe groß, die Gefahr Dt überſtaänden, aber, wider Hoffen hoffen wir. Wir verzweifeln keineswegs, daß das deutſche Volk eben bei dem Richthum des Gemüthes, bei der Tiefe des Gedankens und der Thatkraft S Lebens, die ihm eigen iſt, im Laufe der Zeit, wenn auch nach harten Kämpfen, die tiefen und reichen Ideen von Freiheit, Wahrheit und Recht lauter und rein entwickeln, und im Herzen Europa's klar vor dem Ange— ſichte aller Völker ausprägen werde, wir verzweifeln nicht an einem gluck— lichen Gelingen und hoffen, daß Gott den Leüchter nicht von unſerm Lande rücktz und wenn auch die Hinderniſſe groß und unüberwindlich ſcheinen, dennoch hoffen wir. Die Gerichte, Gottes ſind über uns ergangen.„Lange,“ ſo ſagen erſammelten Biſchöfe zu Würzburg„hat der Herr zu den Völkern ereder mo ſte haden Ihn nicht gehört; hat durch Segnngen eut ihre Herzen erwerben wollen, und ſie haben es nicht erkannt; hat durch ernſte Prüfungen, durch Krieg und Kriegsgeſchrei, durch Krankheit und Hunger die vereitelten Gemüther zu ſich erheben wollen, und ſie haben es nicht geachtet. Da hat Er die Stürme des Aufruhrs frei gelaſſen und der Empörung, und ſie ſind über die Fürſten dahingefahren und über die Völker, und haben die Paläſte erſchüttert auf den Höhen und in Hütten in den Thälern, und viele alte Dämme durchbrochen und alte Wege zer— ſtört, ſo dgß auch die Sicheren aufgerüttelt, die Schlummernden geweckt, die Hochmuthigen gebeugt worden ſind, und— es iſt ein wahres und wahrhaftiges Wort— der Herr wird ſeine ſtrafende Hand nicht zurück— ziehen von dieſem Geſchlechte, bis daß es Ihn von Neuem erkennt, in Demuth um das verachtete Kreuz ſich ſammelt und in der Kirche, die ſich Chriſtus mit ſeinem heiligen Blut erkauft hat, die Mutter wieder ehrt, welche allein die Menſchen die Wege des Heiles führt.„Darum erhebet eure Häupter und erkennet, und zwar in dieſen euern Tagen, was zu euerm Frieden dient.“ Wirklich haben dieſe und ähnliche Gedanken in den Gemüthern mehr oder minder Anklang gefunden; man bemerkte in den Ereigniſſen etwas von Gottesgerichten, Ahnungen ſtiegen in der Seele auf, man fühlte das Wehen eines höhern Geiſtes und unwillkürlich wandte ſich manches Auge, welches lange blöde und blind auf die Erde geheftet war, auf zum Him— mel. In den Edleren und Beſſeren gab ſich ein merklicher Umſchwung der Geſinnung kund. Man verſpürte, daß die Ideen Freiheit, Wahrheit, Recht, mit ihren Wurzeln in ein göttliches Gebiet herüberreichen müſſen, um ſich richtig zu entwickeln und fruchtbringend für ein Volk werden zu können. Und wenn auch die Maſſe der wirklich Böſen groß, die Schaaren der Leichtſinnigen und Oberflächlichen Legion iſt, wenn auch eine unendliche Sündenmaſſe in Deutſchland ſich angehäuft hat und ein höheres Erkennen und beſſeres Wollen hindert,— dennoch bieten ſich auch tröſtliche Erſchei⸗— nungen unſerem Auge dar, dennoch haben ſich auch beſſere Elemente ange— ſetzt; und abermals ſagen wir: Wider Hoffen hoffen wir. Der waͤhre Katholik, der längſt ſchon treu zu ſeiner Kirche hielt, ſteht feſter, denn je, in ſeiner Ueberzeugung. Wo Alles wankte und brach, da ſtand ſeine heilige Kirche hehr und hoch auf dem Felſen und blickte in —3 das Gewühl der Völker; wo die Begriffe in einem gräulichen Chaos ver⸗ , «--- >> v D schlungen waren, sind dem Katholiken an der Hand seiner heiligen Kirche seine Grundsätze fest, seine Anschauungen klar, seine Begriffe rein geblieben. Mancher halbe Katholik, der gesinnungslos auf beiden «seilen hinkte und feige mit seiner Ueberzeugung und seinem Bekenntniß^zurückhielt, stellt sich enischieven zu seiner Kirche; nach Außen wächst die -schaar der glaubenS- treuen Katholiken und im Angesichte der Gefahren wächst die intensive Kraft. Und nachdem die Kirche lange in mütterlicher Liebe und Wehmurh geharrt, daß ihre getrennten Kinder von der-langen Wanderschaft endlich zur Heimalh zurückkehren; nachdem sie den Wind beobachtet und oft am Gestade gewandelt, ihre Arme nach den Zaudernden ausgebreitet und ihnen zugerufen, das seit Jahrhunderten entbehrte Erbtheil des Friedens in Empfang zu nehmen; — da ist vieler Orten eine Sehnsucht wach geworren nach Versöhnung und Vereinigung mit der alten Mu'terkirche. Es drängt gewaltsam im Protestantismus nach einem lebendigen GlaubenS- und Lebensquell. Darum hoffen wir. Ein Blick aber auf die gegenwärtige Stellung der katholischen Kirche Deutschlands läßt uns dieselbe in einem Lichte erscheinen, daß wir freudig jubelnd über die jugendliche Braut deS Herrn abermals ausrufen: Wider Hoffen hoffen wir. Das Unerhörte ist geschehen! DaS Unerwartete ihr zu Theil gewor den. Der Herr hat in den Ereignissen gekämpft für die Freiheit seiner heiligen Kirche. Wie die Eisdecke von lebendigem Strome, ist die Knecht- schafk von der Kirche genommen. Nachdem vor einem Jahrzehent der erste entschiedene Kampf für die Freiheit der Kirche in Clemens August an gehoben und das in Stockung gerathene katholische Herzblut wieder in lebendige Cirkulation gesetzt war, hat cö eben eines Zeitraumes von zehn Jahren bedurft, wo die Kirche still und bescheiden ihr inneres Leben pflegen und kräftigen sollte, ehedenu die politischen Ereignisse, wie ein verheerender Strom, über Deutschland und Europa hereinbrachen und Alles in ihrem Strudel begruben. DaS katholische Volksleben hatte inzwischen einen neuen, herrlichen Aufschwung genommen; mit treuen, guten, tüchti gen Hirten wurden die Bischofsstühle Deutschlands besetzt und in Clemens August war allen daS lebendige Vorbild vorgestellt, wie man unerschrocken ficht für die Rechte und Freiheiten der Kirche. Und als nun die Losung „Freiheit" durch Deutschland schallt, da erhebt sich einmüihig das katholische Volk und fordert Recht und Freiheit auch für seine heilige Kirche. Frankfurt muß der Uebermacht weichen und gibt, was cS zuerst geweigert, und jenes Land, welches am feindlichsten früher der Kirche gegenüder stand, muß am ersten in seiner Verfassung Freiheiten für die Kirche proclamiren. Die Kirche ist freier geworden — Darum hoffen wir. Und nunmehr, nachdem die Kirche freier geworden, wird sie ihre Wirksamkeit beginnen, ihre Segnungen entfalten. Schon waren die Bischöfe Deutschlands in der Stadt KilianS, im alten Würzburg versammelt, zweihundert Jahre später, als der westfälische Frieden geschloffen ward und in einer anderen Gesinnung, als zu einer unheilvollen Zeit auf einem andern Congrcß von Bischöfen sich kund gab; kort haben sie vor Allem zunächst am Altare deS dreieinigen Gottes die Gelöbnisse der Treue und deS Gehorsams dem Vater der Christenheit, unserm vielgeliebten PiuS IX., zu Füßen gelegt, dort haben sie den Glauben der heiligen Kirche nach dem Symbolum deS KirchenrathS von Trient laut und öffentlich bekannt, dort zur Erhaltung und Verbreitung dieser göttlichen Wahrheit in freudiger Eintracht sich die Hände gereicht, dort zum andern Losungswort eS sich gemacht, zu leben und zu sterben in dieser Wahrheit und für diese Wahrheit; — dort haben sie ihre Hirtenworte an die Katholiken Deutschlands gerichtet und sie sind in die Herzen gedrungen, — dort den Klerus zum Kampfe ermuthigt, zur Ausdauer ermähnt, zum Eifer und zur Gottseligkeit angespornt; — dort haben sie im Angesichte Deutschlands ihre Rechte und Freiheiten gefordert, dort ihr Verhältniß zum Skaare — beiderseitige Selbstständigkeit und wechselseitige Freundschaft — festgestellt. Der Episkopat Deutschlands ist fest im Glauben, stark in der Hoffnung, reich in der Liebe — Darum hoffen wir. Und nachdem die Kirche freier geworden, wird sie die Schätze ihres reichen, innern Lebens erschließen, ihre heilige Mission beginnen unter den Völkern Deutschlands. Sie wird auS ihrem Sckwoße Männer gebären, welche die Armuth versöhnen, wie ein Franz v. Assist, in die Wissenschaft den Keim der Gottesfurcht tiagen, wie ein JgnatiuS und PhilippuS Neri, sie wird ihre Missionen eröffnen und durch Buße und Bekehrung in dem verwilderten Volksleben ein reiueS Herz und einen neuen Geist schaffen; sie wird ihre Tempel bauen und schmücken, ihre heiligen Institute wieder tnS Leben rufen, die Herrlichkeit ihres EultuS vor den Völkern offenbaren und an ihrer Brust die heil. Künste wieder nähren, sie wiid Deutschlavd wieder groß machen durch Einheit im Glauben und in der L.ede — Solches hoffen, darum flehen wir. Und wenn auch der letzte entscheidende Kampf, wo vielleicht Glaube und Unglaube, Christus und Belial sich gegenüberstehen und die große Scheidung erfolgt, hart und heiß werden sollte, so wissen wir, was gesagt ist: „Wir leiden Trübsal, aber wir werden nicht beängstigt, wir gerathen in Noth, aber wir kommen nicht um, wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen, wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nicht zu Grunde." Die Kirche ist bekämpft, doch nicht besiegt. Denn Christi Leben ist daS Leben seiner Kirche, sein Kreuz ihr Theil auf Erden, sein Sieg daS Unterpfand ihres ewigen Sieges. DaS ist unsere Hoffnung. Und darum haben wir „Hoffnung" als Angebinde zum neue« Jahre dem Leser dargereicht. Graf Montalembert über die letzter» römischen Ereignisse» Ich halte eS für überflüssig, Ihnen zu bemerken, meine Herren, daß ich'auf einem ganz andern Standpunkte stehe, als mein ehrenwerther Vorgänger (Lernt - Rollin); eben so wenig will ich die Regierung vertheidigen, denn sie muß sich allein zu vertheidigen wissen und vermögen; allein loben will ich sie für das, waS sie gethan hat, und gleichzeitig die Ausdehnung und Bedeutsamkeit darlegen, welche ich in meinen Gedanken ihrer Thätigkeit und ihren weiteren Absichten gebe. Ursprünglich wollte ich diese Thätigkeit hervorrufen, mein ehrenwerther College Birio ist mir indessen zuvorgekommen und ich muß heute der Regierung für ihre Initiative danken und auch der Nationalversammlung für die kräftige und sympalhi- sirende Ausnahme danken, welche die Initiative in ihrer Mitte gefunden hat. Die Mittel der Ausführung will ich hier nicht beurtheilen; ich will namentlich die römische, die päpstliche Frage vollkommen von der italienischen Frage trennen, und ich kann in dieser Beziehung mit dem Interpellanten von vorgestern, der da gesagt hat, der Knotenpunkt der Frage liege in Mailand, nicht einverstanden sepn, ein Standpunkt übrigens, auf den sich »er ehrenwerthe Herr Ledru-Roltin offenbar gestellt hat. Nein, meine Herren, der Knotenpunkt der Frage liegt nicht zu Mailand, sondern der Knoten dieser besondern Frage liegt zu Rom. Handelte eS sich hier um die italienische Frage im Allgemeinen, so hätte ich Ihnen gar Vieles zu sagen, ..... allein noch einmal, die Frage ist keine italienische und der ehrenwerthe Herr Birio bat dieses selbst gefühlt, als er ihnen sagte, daS Papstthum sey keine bloß italienische Institution, sondern eine Institution deS StaatS- und KirckenrechleS, deren Aufrechtbaltung mit der Aufrecht- haliung deS Gleichgewichtes und deS Glaubens im Auslande eng verknüpft ist. Indem ich also die Frage auf ihr rechtes Maaß zurückführe, indem ich sie in ihre Gränzen beschränke, glaube ich ihr darum nichts von ihrer Bedeutung zu rauben, ich erhebe sie vielmehr meines ErachtenS zu ihrer wahren Höhe und Bedeutung, ich mache eine Frage daraus, die weder eine italienische, noch eine französische, ja nicht einmal eine europäische, sondern die, ich wüßte mich keines andern Ausdruckes zu bedienen, eine katholische Frage ist, also die ausgedehnteste, die höchste Frage, welche in Anregung gebracht weiden kann. ES handelt sich hier nicht um eine gewöhnliche Souveräneiät, eS handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Staat, sondern eS handelt sich um Den, der das geistige Oberhaupt von 200 Millionen Menschen und um den Staat, welcher der Mittelpunct dieser Oberherrlichkeit ist, eS handelt sich mit einem Worte um die Freiheit der katholischen Idee. Nun aber sage ich, daß eS eine gar nicht zu berechnende Ehre, ein gar nicht zu berechnendes Glück für die französische Republik, ist, daß sie ihre Thätigkeit in der politischen Welt, in den auswärtigen Angelegenheiten damit so zu sagen einweihen konnte, daß sie diese Unabhängigkeit der katholischen Idee gestützt und gerettet hat, und ich für meinen Tkeil wünsche ihr auS der Tiefe meiner Seele Glück dazu. Ich wünsche ihr Glück zu, daß sie sich die Bewunderung und den Dank der Herzen und Gewissen von so vielen Millionen Menschen, die da zerstreut sind über die ganze Welt, erworben hat. (Lebhafter Beifall.) Allerdings gibt eS auch noch andere Gründe, welche für Papst PiuS den Neunten sprechen, und ich will sie nicht mit Stillschweigen übergehen. Ist cS ja koch zu allen Zeiten, vor aller Diplomatie, vor allen politischen Manifesten, unter allen Regierungen und Verfassungen, eine Pflicht der großen Mächte gewesen, den Schwachen zu Hilfe zu kommen, — ich rede hier nicht von Mächten im diplomatischen Sinne deS Wortes, — sondern eS ist stets eine Pflicht dessen gewesen, waS groß und mächtig ist in der Welt, dem ! » -2 »r K 3 Schwachen und Leidenden zu Hilfe zu kommen. ES ist dieses ganz der-' selbe Gedanke, den Ihr unter dem Namen der „Brüderlichkeit" in Eurer Fahne führet, cS ist also eine Pflicht der großen Nationen, die Schwachen zu unterstützen und zu retten, so oft sie dieses vermögen. Nun aber hat der Papst, ganz abgesehen von seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Christenheit, im höchsten Grade dieses Reckt auf unsern Schutz, denn er ist schwach, und diese seine Schwäche ist heilig und ehr würdig, und er, der Schwache, wird unschuldiger Weise unterdrückt. Er ist schwach, denn ihm stehen keine Heere zu Gebote, er ist nicht von Tausenden von Soldaten umgeben, wie jene Fürsten in Wien und Berlin, er hatte gegen das Attentat, dem er als Opfer gefallen ist, keinen ankern Schutz als achtzig alte Männer. Denn bemerken Sie wohl, wenn von den Schweizern die Rede ist, die aus Rom entfernt worden sind, so handelt es sich nicht von schweizerischen Regimentern, wie man nach der Darlegung deS ehrenwerihen Herrn Ledru Rollin glauben könnte, sondern ganz einfach von einer Ehrengarde, die aus achtcig alten, mit Hellebarden bewaffneten Soldaten besteht Dieß war seine Vertheidigung, oder besser gesagt, es war seine Schwäche. Ich habe ferner gejagt, daß seine Schwäche eine unterdrückte und unschulcige ist, unterdrückt durch den schwärzesten Undank Derjenigen, die er mit seinen Wohlthaten überhäuft hat, und unschuldig ..... Ach! meine Herren, hat es wohl je einen unschuldigem, einen tadellosem Fürsten gegeben, als PiuS den Neunten? Ihm kann auch nichf der Schatten einer Gewaltthat, nicht der Schatten einer Treulosigkeit, nicht der Schatten einer Unehrlichkeit vorgeworfen werden. Er hat Versprechungen gegeben, er hat sie freiwillig gegeben, und hat in allen Stücken mehr gehalten, als er versprochen har. Sein ganzes politisches Leben läßt sich i» die zwei Worte zusammenfassen: Amnestie und Reform. So viel von seiner Unschuld, so viel von den Ansprüchen; welche er auf Eure Ehrfurcht und auf Eure Unterstützung hat, denn es hat, ganz abgesehen von seiner geistlichen Oberherriichkcil, noch nie einen Fürsten gegeben, der so tadellos, so großherzig gewesen wäre. Euch also ist die Ehre geworden, daß ihr die höchste Unschuld und die größte Schwachheit, welche eS in dem gegenwärtigen Augenblicke auf der Welt gibt, stützen und reiten könnet. Allein es ist dieses, ich wiederhole es noch einmal, nicht der erste und auch nicht der bedeutendste Vortheil, welcher sich Ihnen bei piesir Frage darbietet. Der höchste Vortheil ist vielmehr der, daß Sie mit der ganzen Größe und Macht Frankreichs in dieser katholischen Frage einschreiten können, und ich bitte Sie, die Bedeutsamkeit dieser Frage nicht auS dem Auge zu verlieren. Hören Sie! Zweihundert Millionen Meirichen, die da zerstreut sind über die ganze Erde nicht nur in Europa, in Irland, in Spanien, in Polen, sondern bis in die chinesischen Missionen, und tief in die Wüsteneien des Oregongebietes hinein, diese zweihundert Millionen Menschen, die da verbreitet sind über die ganze Erde, sie werden erfahren, — WaS? Sie werden erfahren, Einer nach dem Andern, daß das Oberhaupt ihres Glaubens, der Lehrer ihres Gewissens, der Führer ihrer Seelen, mit einem Worte Derjenige, den sie alle ihrer, Varer nennen, in seinem Palaste insullirt, belagert, unterdrück! und gefangen worden ist, sie werden alle im Ingrimm und Schmerz darüber knirschen, was werden sie aber gleichzeitig damit erfahren? Sie werken erfahren, daß Frankreich mit derselben Hand, mit welcher es seit sechzig Jahren in alle seine Gesetzbücher und Verfassungen den Grundsatz der Gewissens- und Cultusfreiheit eingeschrieben, daß es mit derselben Hand nunmehr ras Schwert Karls deS Großen gezogen ..... (Unterbrechung und Lärm auf der äußersten Linken. Beifall auf anderen Bänken.). ja wohl das Schwert Karls des Großen gezogen, um die Unabhängigkeit der Kirche zu schützen, die da bedroht ist in ihrem Oberhaupte. Und raS ist für Frankreich eine gar nickt zu berechnende Ehre, es ist schon vom rein menschlichen, vom politischen Gesichtspunkte auS für die französische Republik ein gar nicht zu berechnender Glücksfall. Wenn ich an das Gefühl der Dankbarkeit und Bewunderung für Frankreich denke-, welches in alle Herzen einziehen, welches ihrem Schmerz und ihren Unwillen wieder besänftigen wird, so fühle ich selbst neben dem Schmerze und dem Unwillen, der als Christen mich ergreifen mußte, so fühle ich als Franzose eine Freude, ein Glück und einen Stolz, dessen Verkündigung auf dieser Tribüne mir zu hoher Freude gereicht. (Sehr gut!) So viel von der Ehre und dem Interesse Frankreichs. Nun aber kommt auch noch unser Recht, das Recht Frankreichs, oder vielmehr das Recht jener katholischen Majorität, auf welche der ehrenwertste Herr Ledru Rollin so eben hingewiesen hat. Ja, wir sind die Majorität der Franzosen, obgleich dieses nicht mehr in Eurer Verfassung geschrieben steht, wie es früher in der Charte geschrieben stand, allein wir sind eS doch, weil alle Welt eS anerkennt als eine Thatsache, weil unsere Religion eS ist, an die Ihr appelliret, wenn unsere großen Nationalfeste, die Constitution, die Abreise unserer Bruder nach Algier gesegnet werden sollen. Wir sind also die Majorität, und wag verlangen wir alS dir Majorität? Keine Privilegien, keine Gunstbezcugungen, sondern waS Ihr uns in der Constitution versprochen, waS wir uns selbst versprochen haben, weil wir eS sind, die die Constitution gemacht haben, — die Freiheil! Nun bemerken Sie aber wohl: die religiöse Freiheit der Katholiken in Frankreich hat zur ersten und unerläßlichen Vorbedingung die Freiheit deS Papstes; denn wenn der Papst, der höchste Richter, die letzte AppellaiionSinstauz, das lebendige Organ deS Gesetzes und des Glaubens nicht mehr frei ist, so hören wir auch auf frei zu seyn. Wir haben also daS Recht, von der öffentlichen Gewalt, von der Regierung, die uns repräseutirt, und die wir gebildet haben, cS zu verlangen, daß sie unS eben sowohl unsere persönliche Freiheit in Sachen dex Religion, als die Freiheit Desjenigen garanlirl, der für uns daS lebendige Christenthum ist. (Lebhafter Beifall auf vielen Bänken.) DaS ist cS, waS feil tausend Jahren stets gefühlt, und ich scheue mich nicht, es trotz dem Murren dorten zu wiederholen, waS seit Karl dem Großen in Frankreich begriffen worden ist. Ja, schon seit tausend Jahren haben alle katholischen Völker es begriffen, daß der Papst daS Joch keiner Macht, und merken Sie sich das wohl, eben so wenig daS Joch seiner Unterthanen, als daS Joch deS Kaisers von Oesterreich oder deS Kaisers von Rußland tragen dürfe. Was für u»S das Wichtigste ist, das ist irr Umstand, daß der Papst frei sey, frei von jedem fremden oder weltlichen Einflüsse. Warum könne» wir es nicht zugeben, daß der Papst von dem Kaiser von Oesterreich abhänge, und warum wird anderniheils Oesterreich eS nicht zugeben, daß er von der französischen R-pnblck abbänge? Weil die Autorität, die Reinheit und die vollkommene Unabhängigkeit seiner Verordnungen nie auch nur in den mindesten Verdacht kommen darf, und in diesen Verdacht würben sie kommen und zwar mil Recht, wenn er je unter das Joch einer Macht geriethe, als seiner eigenen. Dieß ist der Grund der Unabhängigkeit, der Legitimität und Unverletziichkeit, der zeitlichen Macht des Papstes. Der ehrenwcrthe Herr Ledru-Rollin bat hier gesagt, daß wir am Ende eben so sehr den Fürsten, wie den Papst vertheidigen müßte», und ich für meinen Theil erkläre, daß ich darauf zähle. (Ach! ach! Verschiedene Rufe ) Ich höre Ihre Unterbrechungen, sie sollen indtssen meine» Gedanken nicht verdrehen. Es versteht sich von selbst, daß hier der geordneten und konstitutionellen Entwickelung der politischen Institutionen in den römischen Staaten kein Hinderniß in den Weg gelegt werden sott; allein eben so wichtig ist es, daß mit der Autorität und der Person deS Papstes auch die Freiheit und Autorität des Fürsten vertheidigt weide. (Wideripruch auf der äußersten Linken.) Bemerken Sie wohl, meine Herren, daß ich mich nicht in Abstraktionen bewege, ich prüfe nicht diese oder jene Theorie, diese oder jene Eventualität, sondern halte mich rein auf dem Gebiete der Thatsachen, auf dem Gebiete der Geschickte, auf dem Gebiete Dessen, was seit tausend Jahren die Geschichte der Welt ist. Gerade in dieser Beziehung aber, ich gestehe es offen ein, sind die Mittheilungen, welche tei Chef der vollziehenden Gewalt unS gestern gemacht hat, mangelhaft, meiner Ansicht nach hat er die Mission deS französischen Agenten zu sehr beschränkt, indem er denselben nur auf den Schutz der Person deS Papstes anwieS, und ich hoffe, daß er unS in dieser Beziehung befriedigendere, empfehlendere Explikationen geben wird. (Aufregung.) Die Person deS Papstes ist unS aller» dings unendlich theuer und heilig, allein eS gibt Etwas, waS unS noch theurer und heiliger ist, — seine Autorität! Wie steht eS nun aber mit dieser seiner Autorität? Hören Sie, waS der französische Gesandte darüber berichtet: „Die Autorität dcö Papstes ist gegenwärtig vollkommen null und nichtig." Ein Mitglied der Linken. Desto besser! Graf M ontalembert. Desto b> sser! ruft man mir zu. Ich gebe diese Unterbrechung der öffentlichen Meinung preis. (Beifall aus vielen Bänken.) Also der französische Gesandte berichtet: „Die Autorität de« Papstes ist im Augenblicke vollkommen null und nichtig; sie eristirt nur noch dem Namen nach, und keine seiner Handlungen wird frei und ungezwungen seyn." So berichtet der Gesandte der Republik zu Rom. Herr Laissac. ES handelt sich hier aber doch nur von seiner zeitlichen Gewalt. (Schluß folgt.) Großbritanvte«. * Der Klerus und die Katholiken Englands und Irlands geben die rührendste» Beweise ihrer Theilnahme a« dem Schicksale deS heil. ValerS, PiuS IX. Alle Diöcescn flehen in Folge deS Aufrufe» der apostolischen s 4 Vikare und der Bischöfe Gott auf den Knieen an, dem unglücklichen Italien seine Barmherzigkeit zuzuwenden und dem so grausamen Prüfungen unterworfenen Oberhaupte der Kirche seine Gnade und seinen Segen zu verleihen. Wir bedauern, unsern Lesern nicht alte die eindringlichen Erniah nungen der Prälaten JrlandS und Englands in diesem Betreffe mittheilen zu können. Die Ausdrücke, durch welche sie ihre Anhänglichkeit an den heiligen Stuhl und ihren unerschütterlichen Glauben an die Zukunft der Kirche ausgesprochen, sind im höchsten Grade ergreifend. Wir wählen zur Bekräftigung unserer Behauptung folgende Steven auö dem Hirtenbriefe des Monsignor Walsh, apostolischen VicarS zu London, den auch dessen Coadjutor, Monsignor Wiseman unterzeichnet hat, auS: „Für Alle, geliebte und theuere Brüdcr im Herrn, welche die tiefen Geheimnisse begreifen, auf denen der Glaube ruht, und auf welche die Vorsehung sich stützt, ist jetzt der Augenblick gekommen, sich in Liebe um den Thron deS heiligen Petrus und um die geheiligte Person zu vereinigen, die ihn einnimmt. Laßt Jene, die in dem liebenswürdigen und tugendhaften Pins IX. nur einen Monarchen mehr sehen, den die ungestümen Leidenschaften eines bethörten Volkes von einem zeitlichen Thron gestoßen haben, immerhin darüber verwundert und bestürzt seyn, — sich freuen und jubeln darüber wird doch wahrlich Niemand; — aber für ein katholisches Herz, das in dieser erhabenen Person den Repräsentanten und den Statthalter Jesu Christi sieht, wird er niemals mehr mit wahrem Ruhm umstrahlt, niemals der tiefsten Verehrung und der zärtlichsten Liebe würdiger erscheinen, als wenn wie bei seinem göttlichen Meister seine erhabenen und unveräußerlichen Vorrechte sich mit dem Schmerze, mit der Gefangenschaft in den Händen seines Volkes und mit dem Verrathe vereinigen, den Jene an ihm verübt haben, welche ihm die Theuersten sind. „Wenn wir sehen, waS gegenwärtig um uns vorgeht, sollen wir uns nicht mit dem tiefsten Leid im Herzen und mit Thränen in den Augen um ihn vereinigen, ihm die feierlichsten, die aufrichtigsten Huldigungen darzubringen, um ihn mehr als jemals als das Oberhaupt der Kirche, den Herrn unseres geistigen Lebens wie unseres Glaubens und als den Wahren Stellvertreter unseres gekreuzigten Erlösers anzuerkennen? Die Worte, die wir hier aussprechen, werben ihm wahrscheinlich niemals zu Gesicht kommen, aber wir versichern ihn hiemit nichts desto weniger öffentlich und auS dem tiefsten Innern in unserem und, wie wir nicht zweifeln dürfen, auch in euerem Namen unserer unerschütterlichen Treue und unserer unwan-! delbaren Liebe. „Möge die Anhänglichkeit seiner geistigen Kinder, welche die Unbilden, die er in so hohem Maaße erdulden muß, gewiß noch vergrößern, den heiligen Vater für den Undank und die Untreue seiner Unterthanen entschädigen, — mögen die Gebete von Millionen Katholiken ihn mit einer Schutzwache umgeben, die mächtiger ist, als sein Heer! Mögen die heiligen Apostel Petrus und Paulaö aus ihren Gräbern die bittenden Hände zum Himmel erheben, um den göttlichen Schutz für die heilige Stadt zu erflehe». Mögen die Engel des FriedenS sich um den Hohenpriester Gottes versammeln und ihn gegen alle seine Feinde beschützen, und mögen alle Segnungen des heiligen Geistes in Fülle sich auf sein geheiligtes Haupt Herabsenken, damit er von Neuem mit einem irdischen Diademe gekrönt werde >" Die Katholiken von England und Irland beschränken sich nicht auf Gebete; zahlreich besuchte Versammlungen fanden statt, um zu Gunsten des heiligen VaterS, den die Undankbarkeit seiner Unterthanen genöthigek! hat, Sich von Rom zu entfernen, Anhänglichkeits- und Bewuuderungs- Avreffen zu votiren. I» einer Versammlung zu Dublin wurde der Antrag gestellt, die alte Abgabe deS „Pfennings des heiligen Petrus" wieder einzuführen, um PiuS IX. während der Dauer seiner Verbannung damit zu unterstützen. Aehnliche Versammlungen werden in allen Pfarreien gehalten Werden, um freiwillige Gaben der Gläubigen zu diesem Zwecke in Empfang zu nehmen. Die Katholiken Englands werken wohl auch nicht zögern, sich in gleicher Absicht zu vereinigen. Auf diese Weise hat also das. unglückliche, den Qualen des Hungers preisgegebene Irland in den hochherzigen Eingebungen seines Glaubens die Quelle und die Aufforderung zu! einem Unternehmen gefunden, daS ohne Zweifel bald die ganze katholische Welt nachahmen wird. Deutschland. AuS Bayern im December. ES freut mich, Ihnen auS Bayern wieder einmal etwas Erfreuliches melden zu können — und zwar vor Allem von dem Orden der Cup »einer. Schon seit mehreren Jahren hat dieser Orden durch seine Obern crnstlichst darauf hingearbeitet, die ursprüngliche Klosterzucht nach der Regel des heiligen FranciScuS wieder herzustellen, und so den Orden zu regeneriren. Und wirklich haben die ehrwürdigen Väter deS CapucinerordenS, der vielleicht der populärste unter allen Orden ist, in allen ihren Klöstern seitdem nicht nur musterhafte Ordnung, sondern auch ein segenreicheS Wirken. Der Beichtstuhl in ihren Klöstern ist sehr stark besucht, eben so der Gottesdienst in ihren Kirchen, und die mancherlei OrdenSfeste zu verschiedenen Zeiten deS Jahres bieten dem Volke häufig Gelegenheit zum Empfange der heiligen Sacramcnte, , und gar mancher Kleriker, der früher den religiösen Orden überhaupt nicht geneigt war, hat durch die neu eingeführte strenge Klosterzucht und daS erfreuliche Wirken des CapucinerordenS sein Urtheil zum Bessern geändert und zollt diesen Vätern eine aufrichtige Achtung. Um nun auch in den Stürmen der Gegenwart die OrdenSmitglieder !zu stärken und zum Wirken in diesen gefahrvollen Tagen desto tüchtiger zu machen, werden von dem Hochwürdigen Pater Superior deS Capuciner- Hospitinms zu Augsburg in allen Klöstern, welche dieser Orden in Bayern zählt, geistliche Erercitien abgehalten, auf denen gewiß Gottes Segen ruhen wird. Denn so gewiß es ist, daß der gesunde Kern der Gläubigen noch vorzüglich im Landvolke zu finden ist, so gewiß ist es auch, daß unter allen religiösen Orden keiner so sehr die Sympathien des Landvolkes hat und keiner so sehr mit dem Volke verwachsen ist, als der arme Orden der Capuciner. Ihre Armuth und ihre Entbehrungen, ihre Fasten, Nachtwachen, Disciplin und dergleichen machen sie dem Volke ehrwürdig, ihr Termin bringt sie vielfach mit dem Volke in Berührung und öffnet ihnen die Herzen der Armen und Bedrängten, um Trost und Seelenruhe bei ihnen zu suchen. WaS aber eine recht innige Begeisterung dieser Ordensmitglieder um so wüuschenswerther macht, daS ist eben die geringe Abneigung der Welt gegen diesen Beltelorven und die geringe Bedeutung, welche die Well diesem Orden beilegt. - Je geringer die Welt ihn anschlägt, um so eher wird derselbe unter den Stürmen der Zeit sich erhalten und wie die Weide am Bache sich beugen und nach dem Sturme wieder frisch dastehen, während vielleicht so manche Eiche entwurzelt am Boden liegt und verdorret. Und so wie die Kirche von dem heiligen Franciscus sagt: „ki'-moisous kic psuper et inoclieus ooelum clivos in- greclitur," so mag auch seinen Jüngern jetzt wieder Gelegenheit werden, durch Armuth und Niedrigkeit reich zu werden an Verdiensten und als Boten des Evangeliums unter den Armen viele Seelen zu gewinnen für das ewige Leben und ein nicht unbedeutendes Schärflein beizutragen, den Glauben wieder zu beleben und dem Herrn ein wohlgefälliges Volk zu bereiten. Daß der WeltkleruS nach der gewordenen Mahnung seiner Bischöfe die Hände nicht müßig in den Schooß lege, war wohl zu erwarten — und zwar um so mehr, da schon zuvor so Viele nach einer solchen Mahnung und Ermunterung zur Rechtfertigung ihres Eifers sich gesehnt harten. Nachdem nun das Streben nach Besserem durch die Stimme der Obcrhirten nicht nur gebilligt, sondern sogar gefordert ist, so sucht Jeder nach Zeit und Umständen von den oberhirtlichen Mahnungen Alles in Eifüllung zu bringen, was ihm möglich ist. So hat zum Beispiel Herr Dr. Nhrig in Würzburg von Neujahr beginnend eine politische Zeitung unter dem Namen „Würzburger Journal" angekündigt und damit die geringe Zahl der kirchlichgesinnten politischen Zeiiungen vermehrt, waS gewiß guten Fortgang haben und nicht unbedeutenden Nutzen stiften wird, zumal die Bürgerschaft Würzburgs selbst eine noch durchaus kernh'afte gut katholische ist. Nur fehlt noch einiger Muth so vielen unserer Priester, daß sie im Gebiete der Journalistik sich mehr versuchen, wozu so Mancher Kenntnisse und Geschick hat, allein aus nicht zu rechtfertigender Zaghaftigkeit, Manche leider auch auS Indolenz, sich nicht getrauen, in der Oef- ftntlichkeit mitzureden. Allein wer heut zu Tage nicht mitredet, der wird auch nicht mitgezählt! An den geistlichen Erercitien, deren öftern Abhaltung der Klerus baldigst entgegen sieht, wirb sich gewiß die größte Theilnahme beurkunden. Einstweilen werden überall die religiösen Vereine für kirchliche Freiheit verbreitet, da wir aus ähnliche Weise diese werben erringen müssen, wie eS die Jrländer gethan. Wolle nur Gott solche Männer wecken und stärken, die und daß sie uns ähnliche Führer werden, wie Daniel O'Eonuell den Jrländern war. Volksmijstonen, die noch vor einigen Jahren bei Prälaten und Pfarrern so manchen Widerspruch gefunden, sind durch die Ansprache der Oberhirten gerechtfertigt und werden gewiß so bald als möglich überall abgehalten werden, ob nun durch Vereine von Weltpriestern, die sich eigens dazu vorbereiten, oder durch Ordensleute, daS werben die Bischöfe wohl bald bestimmen. Unter solchen Umständen blicken wir dem kommenden Jahre mit ruhigem Auge entgegen und vertrauen auf den Beistand Dessen, der gesagt hat: „Hcee ego vobmoum sum omnibu8 ckiebus usgue sei consurnmstionem sseouli." (Katholik.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber r F. C. Kremer. Preis In Augsburg für fich allein (»hu« A. Postzeitung) jährlich Ist. Istkr. Durch die Post kann diese- Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags -Veiblatt M Augsburger Postzeitung. Für fich allein, ohne die Augsburger Postzeitung, find diese Blätter nur im Wege des Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w, jährlich nur 1 ft. SOkr. oder I Thlr. Neunter Jahrgang 14. Januar 184kl. Grmrrthigung. *) Es ist ein heißer Kampf In dieser Welt, Darin so manches reizt und wohlgefällt, Wo Goldesglanz und Nugenschimmer Blenden und belhören immer. Doch wirf nur tapfer deine Brust Entgegen der Welt und ihrer Lust Und kämpf' und streite stark und mnthig. Wird auch das Herz dir wund und blutig. Hast ja ein Schwert an der Seile licht. Auch schil'S an einem Helfer von Oben nicht. Laß nur im Kampf den Arm nicht sinken Bald flehst du Oeizwcig und Palme winken. Albert Werfer. Neujahr-wunsch für 184S. **) Die mit dem Strome der Zeit Schwimmenden haben sich in den Kopf gesetzt die meisten alten Gebräuche abzuschaffen, als verbrauchte Waaren, die für die Jetztzeit keinen Werth mehr haben. So erging's mit der Sitte, sich gegenseitig ein glückseliges neues Jahr zu wünschen. Ver faffer dieses, als noch zur Zopfzeit gehörend, bleibt beim alten Gebrauch, und wünscht den lieben Tirolern und allen Lesern dieser Blätter aus dem Grunde deS Herzens ein wahrhaft glückseliges neues Jahr. Man möge es mit Gott anlangen, und in seiner Gnade vollenden. Was auch immer über uns von Gott beschlossen ist, Gutes oder Schlimmes, — eS möge Euch, ihr Lieben, gefaßt, und Gott ganz ergeben finden. Um dieß zu können, wollen wir vereint in einen Spiegel blicken, der unS las Mehr oder Weniger unseres sittlichen Werthes vorzeigen, den Grad der nöthigen Reue erschauen lassen wird, damit wir von innen nach außen Ordnung im Haushalte schaffen, um vorbereitet zu sevn, wenn im Jahre 1849 der HauSvakr Rechenschaft über das geführte Hauswesen abverlangt. Gedenkt vorerst eines alten Spruches: Hin geht die Zeit, Her kommt der Tod; O Mensch, thue Recht, Und fürchte Gott! Da wir ein aufgeregtes Jahr hinter uns haben, so wurden Viele aus unö von seinen Strömungeiz mit fortgerissen. Es bedarf im neuen Jahre der ganzen Kraft des Glaubens, um sich wieder besonnen zu fassen. Deßhalb wollen wir in den Spiegel blicken; er soll uns unsere Seelen zustünde erschaubar machen, wie eS mit dem PluS oder MinuS unserer Reue beschaffen ist. Vor Allem muß jeder Mensch einsehen, daß er nicht am Ziele alles zu Erkennenden ist, wenn man gleichwohl die Jahreszahl 1849 schreibt, worüber hinaus daS Senkblei unserer Vorsehungen keinen Halt mehr findet; und sey man nicht so thöricht, den Jahrhunderten, die vielleicht »och kommen werken, die eigene beschränkte Einsicht als Mauer vorzuschieben, über welche hinaus man den Flug des Geistes nicht erheben könnte, und glaube ja nicht, daß das, was unserm blinden MaulwurfSauge undurchdringlich ist, eben so Allen vor und nach unö unerschaubar gewesen sey oder seyn w.rde. Dagegen hüte man sich auch vor einem Wissen, das dem christlichen Leben verderblich ist; denn daS vorwitzige sich Versenken in GvlteS Geheimnisse und Rathschläge dient unS überhaupt nicht zum Heile; kann ja doch unser Auge den Strahl der Sonne nicht ertragen, wenn sie in ihrem Glänze am Himmel steht — und der Mensch, Staub und Asche, ein Kind von gestern und heute, soll eS wagen nicht zufrieden zu seyn, wenn ihm noch kein tieferer Blick in die Tiefen Gottes und in die Geheimnisse der Werke seiner Schöpfung gegönnt ist! Zuerst trachte man sich selbst zu erkennen. Man überzeuge sich von seiner eigenen Ohnmacht, und man wird Gott dem Vater in Anbetung danken, einer Einsicht enthoben zu seyn, wo unsere Seelenkräfle nicht ausreichen könnten. Um Andere zu erkennen, muß man sich selbst erkennen. Blicken wir nur in den Spiegel deS Gewissens, und wir werden schauen unsere Miserabilität und die Nothwendigkeit auszurufen: ?ator, poccsvi! Zu dieser Sprache kommt aber der Mensch nur dann, wenn er von der Gnade erleuchtet wird, und die Mcntorstimme eines SeelenarzteS hören mag. Da geht gewöhnlich folgendes Seelengcspräch voran: Mensch! umsonst, waS du auch thust; eS ist keine Ruhe in dir, so lange du die Fessel der Sünde trägst. Wie viele Jahre des Lebens sind schon zu Grabe gegangen, und sind vorgemerkt jenseits — in dem Buche der Alles gerecht lohnenden und bestrafenden Vergeltung! Und die unS unbekannte und nichjl gesicherte Zukunft, was wird sie wohl bringen? O Mensch, steht doch dein Taufstein schon neben deiner Grabstätte, und daS dazwischen liegende Leben verklingt wie ein Glockengeläute, und nichts gehört uns, als der Augenblick der Gegenwart, der dem Brunnen der Ewigkeit entspringt. Der nur der gehört zur treuen Benützung für die Ewigkeit unS an. Wolle GotteS Gnade im neuen Jahre die Sehnsucht nach dem Bessern in uns anregen, nach Etwas, waö die Welt nicht geben kann. Bisher war das Auge deS LeibeS von der Wcltlust hart mitgenommen; möge im neuen Jahre daS geistige Auge sich öffnen, und das sinnliche erlökten, wo man dann mit ganz anderer Ansicht der Weltdinge Umriß erschauen wird. Aber da müssen noch Hemmnisse gehoben werden, um auf dem Wege des Heiles Fortschritte zu machen. Siehe, da sendet Gott Fäulniß dem Fleische; eö kommt zum Schweigen, und ein gewaltiger Eingriff von oben inö gewohnte Leben rüttelt mächtig auf, und — man kommt wieder einen Schritt vorwärts auf der Bahn deS Heiles. Aber kaS ist noch keineswegs eine völlige Umwandlung deS Geistes. Mit den grauen Haaren kommt erst ernstes Nachdenken, der innere Ruf: WaS war ich bisher? waS bin ich noch? wird's so noch lange fortdauern? Hier kommt eS meistens zur Entscheidung. Gingen dem Leben gute Werke in Liebe vollbracht voran, so wendet sich allmälig die Seele nach oben; hat man aber im Vergangenen der Gnade deS heil. Geistes widerstrebt, so gestaltet sich der Seelenzustand zum Schlimmern. Möge daS erstere bei uns der Fall in diesem Jahre seyn! Möge der Hammer der Gewisscnsuhr schon Schläge für und in die Ewigkeit geschlagen, der Zeiger unserer LebenSuhr zu Sonnenseite der Gnade sich gewendet haben, und die Liebe Gottes uns durchs Leben tragen, und unsern Augen. Thränen — Perlen, wollte ich sagen, der Liebesreue entlocken; bann würden wir große Fortschritte auf dem Wege LeS Heiles machen, einer ruhigern Zukunft entgegensehen, und bei allen Stürmen, die noch in diesem Jahre uns um- brausen mögen, dennoch fest im Glauben rufen: Was, wie, wo und so lange Gott will. Liebe Mitchristcn, ich wünsche Euch Allen die Gnade der LiebeSreue in diesem neu angetretenen Jahre; nur sie sichert Euer ewiges Heil. Aber dazu bedarf eö der Stärke; sie komme über Euch von oben, in Euch, und führe Euch zu Gott zurück, der Euch diese Gnade verleiht. Auf denn! In der Kraft Gottes wollen wir unS ihm nahen. Wir wollen im neuen Jahre im Vaterschooße GotteS, gleich den Kindern in der Wiege, sicher i i ") Neue Sion. ") AuS dk» kath. Bl. aus Tircl. ruhen, und jeden Augenblick vertrauen, daß eS uns an der gehörigen Nahrung der Seele nie und nimmer fehlen werde. Lasset uns liebend wirken unv leiben, bis der Engel deS FriedcnS unser leibliches Auge schließt, während baS geistige geöffnet wird zu schauen im Lichte, was wir hier nur durch den Glauben erkennen. Wir wollen noch gerne ausharren hier im Thränenthale. Der Flug der Liebe wird die Zeit abkürzen, und in unö das Heimweh nach dem ewigen Leben stillen. Christus, der Sohn GotteS, sitzend zur Rechten deines Vaters, ertheile den Bewohnern dieses Landes deinen unbegreiflichen himmlischen Frieden; ertheile ihnen daS lebendige Leben deS wahren Glaubens und daS tägliche Brod deö Leibes, und vor Allem die Nahrung de^ Seele, damit Keines aus ihnen für Zeit und Ewigkeit verloren gehe. Das ist mein NeujahrSwunsch für Euch, meine Lieben, die ich Alle in der Liebe Christi umfasse. Innsbruck, 1. Jan. 1849. Alex. Fürst Hohenlohe, Bischof von Sardika und Großpropst. - , Der dentscheEpifkopat. Bon Sebastian Brunn er*) klt unilo mors orioliatur, jucke rit» rosurzerol. I'oaelatio o in keiner Weise verpflichtet seyn kann, für alle Erneuten und Ausstände außerhalb unseres Vaterlandes solidarisch einzutreten. (Sehr gut! Lärm auf einigen Bänken.) Einen solchen Grund können nicht Sie, die ächten Republikaner, sondern nur Ihre Feinde geltend machen. Ich für meinen Theil wußte nicht, ob der unversöhnlichste und listigste Feind der republi cauischen Regieruugsform im Allgemeinen und der französischen Republik im Besondern eine schmählichere Anklage, eine gröbere Beleidigung gegen Sie aufbringen könnte, als die ist, die Republik verantwortlich machen zu wollen für alle Ausstände, für alle Erneuten, für alle Revolutionen, die sich in Europa noch auflhun werden. (Sehr gut!) Ohne dieß haben Sie, Gottlob, gegen diese Doktrinen schon selbst protestirt. In den Junitagen haben Sie eure Kriegserklärung unterzeichnet gegen diese Solidarität mit der Anarchie unv allen Revolutionen, und riefe Kriegserklärung haben Sie unterzeichnet mit dem reinsten und edelsten Blute von ganz Frankreich. (Beifall.) So viel von dieser Theorie im Allgemeinen. Wenn ich murr aber erst gar die Thatsachen, von denen in diesem Augenblicke die Rede war, auf die römischen Zustände anwenden soll, — dürfte ich eS da wohl wagen, könntet Ihr, die Ihr mich unterbrechet, könntet Ihr, französische Republikaner, irgend eine Aehnlichkeit zwischen der Lage der Dinge in Rom unv der Lage unv den Pflichten Frankreichs ausfindig machen? Könnte ich z. B. diese römische Versammlung, die ich nicht anders charaklerisiren will, als durch Verlesung einer Stelle, welche der ehrenwerihe Herr Ledru-Rollin so eben und zwar gegen uns angeführt hat: „Die Versammlung, vor deren Thüre der Mord begangen worcen, setzte rnhig die Vorlesung ihres Protokolles fort und während des ganzen Verlaufes der Sitzung wurde der Vorfall auch nicht im Geringsten erwähnt — dürfte ich wohl riefe Versammlung, meine Herren, mit der französischen Nationalversammlung, mit Ihnen vergleichen, die Sie am 15. Mai und am 23. Juni die herrlichsten Beweise von Ihrem Muthe und Ihrer Ruhe gegeben? Gleicht diese römische Versammlung uns, oder gleichen Sie ihr? (Nein; nein; sehr gut.) Darf-ich unsere Armee, so unerschrocken im Kampfe und so gemäßigt im Siege, darf ich sie mit jenen Soldaten des Papstes vergleichen (allgemeine Heiterkeit), die nicht einmal diesen Namen verdienen, darf ich sie mit jenen angeblichen römi- niischen Soldaten vergleichen, die nur stark gewesen sind gegen einen schwachen Mann, die nur muthig gewesen sind gegen ihren Vater, gegen Denjenigen, der ihr Vaterland mit Wohlthaten überhäufte und, noch einmal sey eS gesagt, keine andere Vertheidigung hatte, als achtzig alte Männer? Soll ich unsere Soldaten mit solchem Volke vergleichen? Nein, tausendmal nein! (Sehr gut! sehr gut!) Soll ich endlich unsere Naiionalgarve, die so großartig und standhaft an allen Gefahren, an allen Unternehmungen unseres HeereS gegen die Erneute sich delheiligt, soll ich sie vergleichen mit jener Bürgerwehr, die ich mit nichts Anderem charaklerisiren will, als mit den Worten Ihres Gesandten: „Der Mörder Rossi'S ist nicht verhaftet worden, man hat nicht einmal einen Versuch dazu gemacht, die Bürgergardisten, welche an Ort und Stelle waren, ließen Alles gewähren,' — soll ich unsere Nationalgarde mit dieser Civica vergleichen? (Nein, nein! Beifall.) Und weil der Name Rossi'S über meine Lippen gekommen, so erlauben Sie mir einen Rückblick, eine Erinnerung zu fiiner Ehre, von Seiten eines Mannes, der sein College und noch mehr als das, der sein Gegner gewesen ist. Ja, meine Herren, ich habe ihn gekannt, ich habe ihn bekämpft mein ganzes Leben lang in seiner Stellung als Professor, als Pair von Frankreich, als Gesandter. DaS erste Mal, als er in der PairS- kammer sprach, hatte er das Wort ergriffen, um mir zu antworten, und das letzte Mal, als er die Tiidune im Lurembourg bestieg, da geschah eS, wenn ich nicht irre, um mich zu bekämpfen. Gerade diese Erinnerungen aber legen mir die Pflicht auf, ihm hier eine feierliche Anerkennung zu zollen. (Sehr gut! sehr gut! — Lebhafter Beifall.) Welches auch die Irrthümer oder Fehler seines Lebens gewesen seyn mögen, oder wenigstens, waS ich für Irrthümer oder Fehler gehalten habe, — sie sind in meinen Augen alle ausgelöscht durch seinen herrlichen Tod. (Verschiedenartige Bewegung.) Ja, meine Herren, sein Tod macht ihn würdig, eine feierliche Anerkennung zu empfangen auS dem Munde eines ehemaligen GeguerS und zwar hier in der Nationalversammlung Frankreichs, den, er in seinem Leben so würdig gedient und durch seine» Tod Ehre gebracht hat. (Sehr gut! — Lärm auf mehreren Bänken.) Nun noch ein Wort über diese angebliche Analogie und Gemeinsamkeit der Bestrebungen, welche ich so eben bekämpft habe. Man.beruft sich unaufhörlich im Namen Italiens, im Name» NomS, welches sich empört hat und PiuS IX. unte^cksickt, anf die Interessen der demokratischen Sache. Ich habe nun diMraus nicht die Absicht, hier als Lobredner oder Apostel der Demokratie/aufzutreten . . . (Lärm aus der Linken.) Eine solche Prätcusion wäre bei mir sehr übel angebracht . . . . Eine Stimme auf der.äußersten Linken. Ja wohl, sehr übel angebracht! Graf Moutalembcrt. Finden Sie das auch? Nun so sind wir ja ganz einverstanden. (Allgemeine Heiterkeit.) Indessen werden Sie mir eS doch nicht verwehren wollen, hier offen eS auszusprcchen, daß die Demokratie daS höchste Gesetz deö Landes ist, in welchem ich bin, und der Zeit, in welcher ich lebe. Ich habe deßhalb mit Ihnen Allen dafür gestimmt, daß die Republik eine demokratische seyn soll, weil eine aristokratische oder monarchische Republik in Frankreich, im neunzehnten Jahrhunderte ein Unsinn ist. (Sehr gut!) Als ich aber für diesen Namen oder b.sser gesagt für diese Idee stimmte (und ich bin fest überzeugt, daß fast das ganze Land und die bei weitem größte Majoriät der Nationalversammlung mit mir einverstanden ist), da habe ich durchaus nicht daS gewollt, waS man j tzt in Italien den Triumph der demokratischen Dolche nennt. (Lärm auf der äußersten Linken.) V'iele Stimmen. Sehr gut! sehr gutl Auf der äußersten Linken. DaS hat aber kein Mensch gesagt! Graf Montalembert. Ueberall hat man eS gesagt in Italien, eS ist angeschlagen worden in Livorno; in den Zeitungen ist eS gedruckt zu lesen; auf den Straßen RomS ist es gesungen worden. Rossi'S Meuchelmord nennen sie den Triumph der demokratischen Sache und singen Loblieder zu Ehren des heiligen Dolches, deS demokratischen Dolches, der ihn hmgeopfert hat. Ich aber beschwöre alle wahren Demokraten, alle aufrichtigen Demokraten, alle alten Demokraten, alle honetten Demokraten sich mit mir zu vereinigen und gegen einen solchen abscheulichen Mißbrauch der Worte zu protcstiren. Frankreichs Ehre erfordert schon eine solche Pvotestation; denn wenn Frankreich sich zum Träger der Demokratie in der Well gemacht hat, so muß es in dieser seiner Eigenschaft aueb gegen die blutige Entweihung der Idee und des Namenö Protestiren, die eS zum Symbole seiner Constitution gemacht. Indem ick also die römische Frage unv die italienische Frage im Allgemeinen sorgfältig auSeinanderhalte und voraussetze, daß die Regierung in dem Maaße, als es ihr möglich ist, ihr Unternehmen auch zu Ende führen und nicht allein die Person deS Papstes, sondern auch seine Autorität schützen wird, erkläre ich, daß sie wohl gethan hat. Ich danke ihr dafür und sage weiter, Laß die Regierung der Rtpublik nichts hätte unternehmen können, waS ihr größere Ehre bringen wird in den Augen der Nachwelt und was sie mehr befestigt in dem Herzen deS französischen Volkes. (Sehr gut! sehr gut! — Lebhafter Beifall auf fast allen Bänken.) Der katholische Klerus und da- Verlangen nach Freiheit und Gleichheit. Allüberall herrscht daS Vorurtheil, oder wird wenigstens zur Verunglimpfung ausgebreitet, die Geistlichen seyen nicht aufrichtige Freunde der Freiheit und Gleichheit. Wie in Deutschland und theilweise in Frankreich, so auch ergehet wider sie diese Anklage in Italien. Darauf hat der große und fromme Philosoph Abbv RoSmini, dem, nach den neueren Berichten auS Rom, ein Portefeuille und der Vorsitz deS MinisterratheS angetragen war, in folgender Weise geantwortet: „In Wahrheit, der Klerus ist jener Stand in der Gesellschaft, der am längsten zögert, seine Anhänglichkeit an politische Revolutionen kund zu geben; eS wäre aber ein gewaltiger Irrthum, wenn man daraus schließen wollte, er liebe nicht die Freiheit, nicht die Gleichheit aller Bürger. Freiheit und Gleichheit machen so zu sagen daS Wesen deS Klerus und der katholischen Kirche auS; seine Worte sind nichts weiter und können nichts anderes seyn als Worte der Freiheit und Gleichheit; dieß ist der stete und einzige Gegenstand seiner Predigten, und nie hat er einen andern gehabt, nie kann er einen andern haben. Wollte er je davon lassen, so würde er damit aufhören daS Evan- - 7-* ' - * -, ^ 8 gelium zu predigen. Der Klerus ist nur da für das Evangelium, und das Evangelium ist die Freiheit und Gleichheit. Warum zeigt sich aber die Geistlichkeit da und dort den politischen Revolutionen, die doch nur Freiheit wollen, abgeneigt? Wollet ihr wissen den wahren Grund, soll ich ihn sagen? Gerade weil sie die Freiheit und Gleichheit liebt und stets geliebt hat. Wer irgend ein Gut wahrhaft liebt, haßt eben deßhalb dessen Zerrbild und Verfälschung. Wer deßhalb die Freiheit und Gleichheit liebt, verabscheut in demselben Grade die falsche Gleichheit und die falsche Freiheit; ihm ist eS ein schmerzliches Gefühl zu sehen, wie man den Namen dieser kostbaren Güter mißbraucht, um das Wesen und die Wirklichkeit derselben zu vernichten. Der Klerus läßt sich nicht täuschen wie daS Volk durch inhaltleere Worte, und wenn er Ursache hat zu fürchten, man treibe nur Schein und leeres Wortgcpräug, um wie mit einem Schleier die Knechtschaft und den DeSpotismuS zu bedecken, dann erhebt er sich als Gegner dieser falschen FreiheitSmänner. So handelt und so muß handeln der treue Wächter der wahren Freiheit und der wahren Gleichheit; es ist seine Pflicht, Diejenigen zu bekämpfen, welche darauf ausgehen, jene Güter, die sie mit Worten erheben, in der Wirklichkeit z» vernicht.!!. Wollet ihr nun, daß augenblicklich jeder, auch der scheinbare Widerstand der Geistlichen in Betreff der Freiheit und Gleichheit aufhöre? ES ist das leichteste von der Welt, dieß zu bewirken; ihr braucht nur zwei Dinge zu thun, die ich euch sagen will: Gebt von der Freiheit und Gleichheit eine solche Definition, worin alle und jede Zweideutigkeit vermieden ist, so daß aller Zweifel verschwindet und Jedermann überzeugt ist, ihr wollet die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit, die wahre Freiheit für Alle und die wahre Gleichheit für Alle. Erfindet sociale Formen, wclcl e in der That die Rechte Aller gewährleisten, und zwar in der Art, daß die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit in der Gesellschaft sich verwirklichen können. Durch diese einfachen Mittel verscheuchet ihr plötzlich jede Opposition von Seite des KleruS; noch mehr: ihr braucht ihn nur zu überzeugen, daß ihr aufrichtig diese beiden Güter suchet, und er ist mit Herz und Seele euer, er ist euer treuer Bundesgenosse in dem Ringen nach demselben Ziele. Denn um euer Freund zu werden, braucht der Klerus seine Ansicht nicht zu ändern; ihr macht ihn nicht zum Freunde der Freiheit und Gleichheit, sondern ihr findet ihn nur als daS, was er seiner Natur nach ist. Er braucht sich nicht zu ändern; aber ibr müßt euch nur besser erklären und eure Handlungen mit euren Grundsätzen in Einklang bringen, müßt finden oder doch aufrichtig suchen, was ihr bis daher noch nicht gefunden, nämlich Staatöformen, welche aus der Freiheit und Gleichheit eine Wahrheit machen. Dann erst werden beide Güter verwirklicht, und gerade das ist'S, was der Klerus will." Die H-iuSvereiue. Augsburg, 5. Dcc. „Antoni Bauernfreund" hat wieder eine kleine Flugschrift veröffentlicht unter dem Titel: Etwas Besonderes für die Katlwliken nebst einem guten Neujahrswnnsch für Alle. Darin erklärt er zuerst, waS die Bischöfe in ihrem Erlasse von Würzburg aus wollen und dringt auj Anschluß an den PiuS-Verein: gewiß zwei sehr wichtige Themale. In Beziehung auf das letztere sagt er: „Gesetzt aber auch, ein Jeglicher auS Euch Katholiken ist gesonnen, von nun an nichts mehr zu dulden, WaS Eurer Kirche feindlich entgegen ist und dieselben Rechte für Euch in Anspruch zu nehmen, die heut zu Tage jeder elende Wicht nicht erst lang in Anspruch nimmt, sondern schon wirklich hat und besitzt, sagt: wie wollt Jhr'S da machen? Bis Einer lang zum Andern geht und der dieß und jener was anderes spricht, und am Ende Keiner weiß, waS er. Eurem Pius-Vereine wollet, oder ist ein tückischer Verleumder und will und waS zu thun ist, derzeit habt Ihr schon lang den rechten Z«it-!erst ein rechter Störenfried. Denn seht, Ihr Katholiken Bayerns! Punct versäumt und man lackt Euch hinterdrein auS und sagt spöttisch: tJhr lebet unter einem katholischen Regiment und dieß katholische „ES sind halt dumme Katholiken." — Wenn Ihr nun das Alles recht! Regiment hat bis zur Stunde alle die Verordnungen erlassen und noch überlegt: so sehet Ihr von selbst ein: daß ihr Euch vereinigen müßt. nicht zurückgenommen, die die innersten Rechte und Freiheiten Eurer Kirche Ja vereinigen müßt Ibr Euch. Einen Verein müßt Ihr bilden. Jetzt so lief kränken; dieß katholische Regiment bevormundet und stellt gleichhabt Ihr das Rechte getroffen. Vereinte Kraft ist stark. Ihr seht sam unter polizeiliche Aufsicht Eure Bischöfe; während die Katholiken daS an den Wühlern und Vatcrlandöverräthern. Man fürchtet sie. Die Preußens unter einem protestantischen Regimente stehen und unter Regierung fürchtet sie, der Staat fürchtet sie. Und warum fürchtet man eben diesem protestantischen Regiment alle jene Rechte und Freiheilen sie?— Einfach darum, weil sie vereint sind, weil ihre Kräfte nicht wie ^ katholische Kirche festgesetzt werden, waö da will: in einigen Stunden ist die entsprechende Verwahrung dagegen mit taufenden von Unterschriften versehen. Und daS macht Eindruck und übt den gehörigen Nachdruck. «seht Ihr nun ein, daß Ihr einen Verein bilden müßt, soll eS Euch nicht recht übel ergehen: so ist'S nöthig, Euch zu sagen, was Ihr für einen Verein bilden müßt — Ihr müßt nicht so einfältig seyn, und jetzt gleich vor Allem auSspindisiren und überlegen und nachsinniren, was Ihr Eurem Vereine für einen Namen geben sollt. Ich sag das nicht umsonst; denn daß Ihr Euch zusammenstellt, daß Ihr Euch vereiniget, daß Ihr alsdann Euch kurz und deutlich besprechet, welche Haupt- grundsätze Ihr unabänderlich festhalten wollet: daS ist die Hauptsache. Der Name des Vereines findet sich dann schon von selbsten; ja, was sage ich, er ist schon vorhanden, der Name und der Verein, und zählt allbereits schon eine schöne Anzahl Mitglieder. Dieser Verein ist in Mainz da drunt in einer schönen Stadt am Rhein gegründet worden, heißt PiuS-Verein (weil unser heiliger Vater Pius heißt, wie Ihr wisset) und zählt bereits so 'ne 150,000 Mitglieder. Dieser Verein hat denselben Endzweck, zu dessen Verfolg ich Euch dringcnst ermähne; nämlich Weckung, Belebung des wahrhaft eingeschlafenen katholischen Bewußtseyns, und gesetzliche, friedliche Erkämpfung aller jener Rechte und Freiheiten, die man bis zur Stunde den Katholiken ungerechterweise vorenthalten hat und, wie es scheint, in alle Ewigkeit vorenthalten will. Tretet nun mit diesem PiuS Verein zu Mainz in die innigste Verbindung. Nennt euren Pius-Verein einen Zweigvercin jenes zu Mainz bestehenden HaupivereineS, und eS wirb sich dann AUeS von selbsten machen. Also nochmals und abermals: Tretet zusammen in einen Verein. Ihr auf dem Lande geht zu eurem Pfarrer — tragt ihm Euer Anliegen vor. Das Weitere wird er Euch dann schon sag^n. Aber säumt Euch nicht. Die Zeit ist kostbar. — Erzählet Anderen» waS Ihr in dieser Schrift gelesen habet, theilet sie mit zum Lesen. Besinnet Euch nicht lange, sondern denket, daß eS eine Schmach ohne Gleichen ist, die man Eurer Kirche bisher angethan hat, indem man ihr allein ganz widerrechtlich alle jene Rechte und Freiheiten versagt, die ihr von Gott und Rechtswegen zugehörcn, während mau einem Lumpen, wie der Rouge ist, Freiheit gestaltet, überall, wo er will, seinen Unsinn zu predigen. Habt Ihr diese Schmach recht überlegt (und dazu braucht Ihr keine Woche Zeit), so packt die Sache frisch und im Namen Gottes an, und arbeitet nach Kräften an immer größerer Ausbreitung des PiuS-Vereines. Ihr lernet dadurch einander selbst näher kennen, Ihr wisset dann, was Ihr wollet,, ein Jeder aus Euch weiß es, Ihr Alle wisset es, Ihr seyd dadurch auch noch inniger mit Euren kirchlichen Vorgesetzten vereiniget, und durch sie hiedurch mit unserem heiligen Vater PiuS IX., und will man nun der Kirche wieder einen Schlag versetzen (und daß man daS thun werde, dazu sind alle Aussichten vorhanden), so dürfet Ihr nicht lange mit der Stange im Nebel herumtappen und fragen: was sollen wir jetzt thun? Ihr wißt daS schon, und könnt dann durch Euer einheitliches Zusammenwirken und Euer festes Zusammenhalten eine solch' ehrfurchtgebietende Stellung einnehmen, daß man Euch die religiösen Freiheiten nicht länger vorenthalten kann, die Euch von Gott und Rechtswegen gehören. Ihr habt aber vielleicht ein Bedenken: „Ob Ihr nämlich durch Errichtung deS PiuS-Vereines nicht den Vorwurf auf Euch ladet, als störtet Ihr dadurch den religiösen Frieden zwischen Euch und Andersgläubigen?" — Wer Euch einen solchen Vorwurf macht, versteht nicht, waS Ihr mit die Trümmer einer von. Blitze getroffenen Eiche zerstreut umherliegen, >on- dcrn weil sie ihre Kräfte zusammengesammelt haben, weil sie wissen, WaS sie wollen, weil das ein Jeder von ihnen weiß, und weil sie nicht erst sich fragen müssen, was jetzt da und waS jetzt dort zu thun sey. — Gerade so müßt auch Ihr Kaiholiken eS machen; nämlich „Euch vereinigen " Ihr müßt wissen, WaS Ihr wollt, und weiß das ein Jeder aus Euch, weiß er das von A bis Z, so mag gegen die jetzt nun besitzen, die man Euch in Bayern vorenthaltet, die eben so z. B. den Katholiken Oesterreichs von eben ihrem katholischen Regimente bis zur Stunde noch vorenthalten sind. — Ein böswilliger Mensch ist daher jeder, der Euch obigen Vorwurf macht. Der PiuS- Verein hat mit der Störung deS religiösen FricdenS so wenig gemein, als der Metzgerfriedl den Frieden in seinem Dorfe gestört hat, da er die Gerechtsame wieder zurückverlangt hat, die auf dem Hause seiner Mutter gewesen ist und ihm ungerechterweffe eine längere Zeit vorenthalten wurde." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Preis in Augsburg für sich allein (ohne A Posizeitung)jährUch I fl. I * kr. Durch die Post kau» dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Weiblatt zur Augsburger Postzeitung. Wr 'sich allein, ohne dir A> »gSburger Postzeitung, sind diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u. s. w. jährlich nur I fl. »<»kr oder I Tktr. Neunter Jahrgang. ^ 3 . S r. Januar Italien. Rom. Der Conciliatore, ein in Florenz erscheinendes Blatt, bringt ein Schreiben aus Gaeta, nach welchem man dem Papste drei verschiedene VerhaltungSplane vorgeschlagen hatte. Der erste, welcher von ver retrograven Partei ausging, sprach von Reaction und von österreichischer und neapolitanischer Dazwischenkunft. Pius warf aber jede derartige Idee weit von sich und bezeugte ver Person, welche sie ihm mittheilte, seine Unzufriedenheit. Der zweite Plan, welcher durch einige Männer von höherer Einsicht ausgearbeitet war, empfahl sich durch eine großartige Auffassung. Demnach sollte der Papst einen Regenten für die weltlichen Angelegenheiten ernennen, der Zeir die Sorge überlassen, die wühlerischen Leidenschaften der Römer zu beschwichtigen, und unterdessen daS katholische Europa bereisen, und zwar Frankreich, Deutschland und Irland, um durch seine Gegenwart das katholische Princip neu zu kräftigen dort, wo es durch Schismen, Secten und Ketzereien untergraben wird. Darauf sollte der Papst ein großes europäisches Concilium zusammenberufen und in demselben einen feierlichen Act des Friedens und der Eintracht zwischen allen abweichenden Meinungen herstellen. Pius hat das Edle und Großartige dieses Plans gelobt, fand es aber zu utopisch für die gegenwärtigen Zustände Europa'S und betrachtete es als unausführbar auf Grund der Opposition, auf welche dieser Plan von Seiten ver Regierungen stoßen dürfte. Der dritte Plan endlich, welcher von den bei dem Papste resicirenden Diplomaten ausgeht, besteht darin, daß der Papst sich nach irgend einer Stuct seines Gebietes — sey es Civitavecchia, Bologna oder Ancona — begeben solle, um dort Unter- handlungen zu eröffnen, welche geeignet seyn dürften, die politischen Parteien zu Ideen der gesetzmäßigen Ordnung und der Versöhnung zurückzuführen. Man fügt hinzu, daßPiuS, als man auf eine Entscheidung drang, mit sanfter Heiterkeit antwortete: „Die Thorheit der Römer dauert »och immer; ich will die Zeit abwarten, wo die Finsterniß ihrer Vernunft vorüber seyn wird." Memorandum von Seite der Kirchenprovinz des Erzherzogtums Oesterreich an die österreichische Reichsversammlung. Hohe Reichsversammlung. Der öffentlich bekannt gemachte Entwurf der Grundrechte der österreichische» Constilution muß die Aufmerksamkeir jedes Staatsbürgers auf sich ziehen, und die unterfertigten Bischöfe des EczherzogthumS Oesterreich ob und unter der Enns sind nicht nur durch die pflichlmäßigc Theilnahme an dem Wohls des Staates, sondern auch durch das ihnen von Gott verliehene Amt verpflichtet, der hohen Reichsversammlung, welche diesen Entwurf berathen und über denselben einen Beschluß fassen wird, ihre Bemerkungen, Besorgnisse und Wünsche in Ehrfurcht vorzulegen. Jede Staatsvcrfassung bedarf zu ihrer Wirksamkeit und Dauer nach unserer innigsten Ueberzeugung einer religiösen Grundlage. Nur eine höhere moralische und religiöse Sanction gibt den Gesetzen innere Kraft und sichert die Befolgung auch in jenen Fällen, in welchen äußere Gewalt dieselbe nicht bewirken kann Eine Slaatsverfassung, die bloß auf physische Gewalt gegründet wird, wird nur zu leicht durch physische Gewalt zertrümmert. Die Geschichte aller Zeiten und Völker lehret uns, daß alle StaatS- versassungcn eine Religion zur Basis hatten, und die einzelnen mißlungenen Versuche neuester Zeit, einen Staat ohne Religion zu gründen, bewiesen die Nothwendigkeit einer religiösen Grundlage. — Nicht nnr Robespierre fand sich veranlasset, daS Daseyn Gottes zu proclamiren, sondern ganz Frankreich sah sich bemüssiget, die Religion der Mehrheit des Volkes als Staatsreligion anzuerkennen. ! Diese unterfertigten Bischöfe, welche von' der Uncntbehrlichkeit einer Religion alö Grundlage des StaatcS innigst überzeugt sind, mußte» daher !über den 8- 16 der Grundrechte erstaunen, in dem cS heißt: „Eine iStaatSkirche gibt eS nicht." Sie können ungeachtet längerer Uebcr- ckegung den Sinn dieser Worte weder deutlich, noch bestimmt auffassen, müssen aber in jedem Falle Folgendes bemerken. j Wenn dieser Satz in dem Sinne verstanden wird, daß die StaatS- chcgierung keine Religionsgesellschaft gründen, ordnen und regieren will, sondern jeder ihre Selbstständigkeit gestaltet, so würde dieses den ! Freiheiten und den Rechten der katholischen Kirche nicht entgegenstehen. Wenn man aber mit diesen Worten sagen will: „Der Staat nimmt keine Kenntniß von irgend einer Neligwn, er schützet und unterstützet ^keine derselben," so ist die Ausführung nicht möglich; denn die einzelnen Glieder des SlaateS werden sich doch zu einer Religion bekennen und jene Religion, zu welcher sich der größere Theil deS Volkes bekennet, wird die Religion des StaateS sey». Da die Glieder des hohen Reichstages Repräsentanten deS Volkes sind, so wird her Reichstag selbst jene Religion als Religion deS StaateS anerkennen müssen, zu welcher die Mehrheit deS ! Volkes sich bekennet. ! Will man mit diesen Worten aber sagen, daß die Regierung jede Religion auf gleiche Art schützet und unterstützet, so würde sie ihr eige« ! neS Werk, welches sie erbauet, selbst zerstöre», indem sie die-entgegengesetzten Lehren und Maximen unterstützet und dem Pantheismus eben so, wie dem Katholicismus ihre Hand bietet. DaS Verhältniß eines jeden Staates zu irgend einer Kirche wird durch die drei Worte: Duldung — Schutz — Unterstützung — bezeichnet. Die Unterzeichneten sind von jeder Art Unduldsamkeit oder Verfolgung gegen Menschen eines anderen Glaubens weit entfernt. Sie erkennen die bürgerliche Duldung alö eine heilige Pflicht und werden »ach der Lehre des göttlichen Stifters ihrer Religion dieselbe unter den Gläubigen zu verbreiten und zu erhallen suchen. Sie wissen, daß der Glaube nicht durch Furcht und Zwang, sondern nur durch innere Gründe bewirket werden kann, und daß cS eine heilige Pflicht ist, auch diejenigen zu liebe», die eines anderen Glaubens sind; aber sie kennen auch den Unterschied zwischen Toleranz und I n d i fferentis m n S. Indem sie die erstere als heilige Pflicht anerkennen, müssen sie letzteren als den Tod jeder Re- ligiösität ansehen und verwerfen. Wenn die hohe Reichsversammlung daher die äußere bürgerliche Duldung anderer Religionen alö ein Grundrecht der künftigen Constilution deS Reiches auSspricht, so bitten sie Dieselbe, versichert zu seyn, daß die Bischöfe der katholischen Kirche diesen Beschluß thätig unterstützen und Liebe und Duldung eifrig befördern werten. Wenn die hohe Reichsversammlung aber die Worte: „Eine StaatS- kirche gibt es nicht," — dahin erkläret, daß die katholische Kirche, zu der sich die größte Zahl der Einwohner der Monarchie bekennet, in Zukunft keinen Schutz, keine Unterstützung, oder nur jenen Schutz, nur jene Unterstützung erhalten soll, der auch den entgegengesetzten Lehren zu Theil wird, so werden alle Glieder der katholischen Kirche mit tiefer Wehmuth diesen Beschluß vernehmen, nicht sowohl, weil sie den Untergang der Kirche, die von Jesu auf einem Felsen gegründet durch Gottes Schutz und Segen erhalten werden wird, befürchten, sondern weil die äußere Wirksamkeit der Kirche durch Entziehung der äußeren Unterstützung gelähmet und geschwächet werden wird. Die katholische Kirche erkennet dankbar den Schutz und die Unterstützung, welche die Regenten Oesterreichs durch viele Jahrhunderte ihr gegeben haben. Sie wird bedauern, dieser Unterstützung entbehren zu müssen, aber sie findet ihre Beruhigung in den Worten Jesu Christi, daß Sein Reich dauern wird bis an LaS Ende der Welt. Die unterfertigten Bischöfe sehen mit Gewißheit vorher, daß die traurigen Folge n der Trennung der Kirche und des StaateS weit mehr den Sraat, alS- die Kirche treffen werden. Die katholische Kirche finvel ihren Stützpunct in dem Gewissen der Menschen; denn Gott hat sein heiliges Gesetz in daS Her; der Menschen geschrieben. Sie finvet ihre Kraft in dem unvertilgk-aren Gedanken der Fortdauer nach dem Tore und in den ihr eigenen Mitteln zum Troste uno zum Heile der Menschen. Da jede ihrer Lehren auf die natürlichen Bedürfnisse ves menschlichen Herzens gegrünvet ist, so wird eS allzeit nicht nur empfö.„gliche, sondern sich darnach sehnende Gemüther geben. Ob der Staat, getrennt vv'., dsr Kirche^ für sein^ Gesetze auch eine solche Sanction und Kraft in sich selbst finden wird, zweifeln wir. Wenn die Menschen die Gesetze nur als Aussprüche eines Theiles ihrer Mitmenschen, einer allzeit relativen Mehrheit derselben, ansehen; wenn sie nur daS Auge der Menschen, vor dem ipan sich verbergen kann, scheuen; wenn sie nur den Arm des weltlichen Richters, dem man sich leicht entziehen kann, fürchten., dann wird man bald, aber zu spät, einsehen, daß eS nothwendig sey, die Religion zu schützen und zu unterstützen. Da die katholische Kirche ferner keineswegs eine neu entstehende Kirche ist, welche zu ihrer ersten Gründung und Verbreitung die Unterstützung deö Startes in Anspruch nimmt, sondern da sie seit mehr als tausend Jahren in Oesterreich bestehet, da sie während dieser Zeit mehrere äußere Mittel ihrer Existenz und Wirksamkeit rechtlich ^erworben hat, so kann und muß die katholische Kirche auch in dem schlimmsten Falle jenen rechtlichen Schutz ihres Eigenthumes ansprechen, der dem Eigen- thume eines jeden SiaaiSbürgerS im 8> 22 der Grundrechte zugesichert ist. Wenn der Staat sich Eingriffe in die Rechte und Besitzungen der katholischen Kirche erlauben sollte, was wir nicht besorgen, so würde kein Recht mehr heilig seyn und der Hauptzweck eines jeden Staates — „Sicherheit der Rechte deS Einzelnen" — zerstört werden. Die katholische Kirche fordert für sich keine Befreiung von den allgemeinen StaatSlasten, sie machet keinen Anspruch auf die ihr einst zugestandenen Begünstigungen, aber sie fordert und zwar mit Recht, daß ihre Rechte und Besitzungen denselben Schutz sinken, welchen die eines andern Staatsbürgers genießen. Sollte wider unser Erwarten dieses der katholischen Kirche versaget werden, so würde die hohe ReichSversammlung nicht nur Gleichgiltigkeit, sonder» Feindseligkeit und Ungerechtigkeit gegen die Kirche an den Tag legen, eine Gesinnung, die wir Ihr nicht zumuihen. Die katholische Kirche ist schon gegenwärtig durch die mit allerhöchster Entschließung von, 7. Sept. v. I. verfügte Aufhebung aller Zehent- und Uibarial Bezüge, in welchen der bedeutendste Theil der Einkünfte der Kirchen und des Klerus bestand, in die drückendste und peinlichste Lage versetzet. Mehrere Pfarrer können selbst nicht mehr leben und noch weniger die. ihnen nothwendigen HilfSpriester erhalten. Auf diesen Bezügen hafteten viele Verbindlichkeiten zu Beiträgen an andere Pfarren und Schulen, an Armen-VersorgiingShäuser u. dgl. Diese können nicht mehr angespiochen und nicht mehr geleistet werten. Auf diese Bezüge sind sehr viele Stiftungen gegründet, die nach dem Willen der Stifter erfüllet werden sollen. Die Pfarr- und Kirchenpalrone verweigern die Beiträge zu Kirchen-, Pfarr- und Schulgebäuven, zur Unterhaltung der Seelsorger, in so ferne diese auf die eingebogenen Bezüge sich gründeten, oder die Leistung derselben durch die Verminderung ihrer Einkünfte ihnen nicht mehr möglich ist. Die unterfertigten Bischöfe müssen daher mit Berufung auf den § 22 der Grundrechte dringend bitten, baß die versprochene Entschädigung bald und im gereckten Maaßstabe ausgemittclt und ertheilt werde. Ohne diese Entschädigung würde die katholische Kirche in Oesterreich in ihrer Wirksamkeit gestorct, in ihrer Existenz an vielen Orten gefährdet werden. DaS in dem §. 15 ausgesprochene Grunrprincip über die freie Vereinigung einer jeden Religionögesellschaft wird durch den Beisatz: „in so ferne eine solche ReltgionSgesellschaft nicht, dem StaatSzwecke entgegenstehet," — unsicher gemacht, denn! durch diesen unbestimmten und sehr zweideutigen Ausdruck wird nicht nur die mit dem in unseren Tagen gewöhnlichen Worte .Gewissensfreiheit"! bezeichnete Duldung aufgehoben, sondern die Erlstenz einer jeden RUigionS-! gesellschaft von der Willkür abhängig gemacht, indem man den SlaaiSzweck und das Verhältniß einzelner Lehren, Gebräuche und Gesetze einer Reli- gionSgesellschast sehr leicht in Disharmonie sich denken und dadurch die Existenz einer jeden Religionsgesellschaft, also auch der katholischen Kirche, als dem StaatSzwecke entgegenstehend darstellen kann. Die unterfertigten Bsichöfe müssen dah-r wünschen und bitten, daß zur Vermeidung künftiger Coll.sionen dieser Paragraph der Grundrechte genauer und bestimmter ausgedrückt werde. In den Grundrechten einer jeden StaatSverfassung kann die Ehe, welche die Grundfeste des Glückes der Familien und deS ganzen StaateS ist, nicht mit Stillschweigen Übergängen werden. Die unterzeichneten Bischöfe finden eS daher in der Ordnung, daß in dem §. 18 der Grundrechte der Ehe erwähnt wird, müssen aber bedauern, daß man die Ehe nur als einen Civil-Contract anzusehen und so wie jeden anderen bürgerlichen Conlract ordnen zu wollen scheinet. Die Ehe enthält Pflichten, die der Staat weder zu garantiren noch zu erequircn vermag. Wenn die eheliche Treue, wenn die auch im Unglücke und Leiden unerschütterliche Theilnahme, wenn die durch Undanks !und Treulosigkeit nicht zu tilgende Liebe nur auf einen bürgerlichen Vertrag gegründet und nur durch Strafgesetze gesichert werden soll, so wird sich bald zeigen, wie schwach und locker ein solches Eheband seyn wirb. Die Römer, obwohl Heiden, unterschieden genau die 6on1srrsstio von dem Uontulwrnium und sahe» nur die im Tempel geschlossene Verbindung alö eine wirkliche Ehe an. Völker, die wir „wilde" nennen, schließen ihre Ehen unter religiösen Gebräuchen und nicht nur alle christlichen Bekenntnisse, sondern auch die Juden erkennen die Ehe als einen ReligionS- Act, in welchem die Menschen Pflichten gegen Gott übernehmen und Gott zum Garanten ihrer Verbindung machen. Nach dem vorliegenden Entwürfe der Grundrechte wird die Ehe aber nur als Civilvertrag vor der Civilobrigkeit geschlossen. Die unterzeichneten Bischöfe müssen erklären, daß diese Vorschrift gegen die Lehre und die Gesetze der katholischen Kirche ist, daß die Heiligkeit der ehelichen Verbindung und die Sicherheit der gewissenhaften Erfüllung der Pflichten dadurch zerstöret werden würden. Die traurigsten Folgen dieser Anordnung würden nicht nur die einzelnen Familien, sondern den ganzen Staat treffen. Die Erfahrung lehret bereits in jenen Ländern, in denen man die religiöse Ansicht der Ehe geschwächet hat, daß die Zahl der Ehescheidungen außerordentlich ist, und daß eine gränzenlose Unsittlichkeit um sich greiser. Die unterfertigten Bischöfe halten eS nicht für nothwendig, den Nachbarstaat zu nennen, in welchem die Regierung sich seit einigen Jahren fruchtlos bemühet, dem fürchterlichen Uebel Schranken zu setzen. Sie wird sich stets fruchtlos bemühen, so lange die Grundursache, nämlich die Anncht, die Ehe sey nur ein bürgerlicher Vertrag, vorherrschen wird. Dasselbe Nebel wird in ! Oesterreich eintreten, wenn die im 8- 18 aufgestellte Anficht von der Ehe, - ! als einem bloß bürgerlichen GesellschaftSverlrage, sich unter dem Volke l verbreiten sollte. ! Mit dieser Ansicht, nach welcher die Giltigkcit der Ehe nur von der Einwilligung beiocr Brautleute vor der vom Staate bestellten Behörve abhänget, scheinet der nächstfolgende Satz, in welchem die Zeit einer kirchlichen Trauung bestimmt wird, nicht in Harmonie zu stehen. ! Die unterzeichneten Bischöfe können ihre Verwunderung nicht verbergen, daß man in den Grundrechten der Konstitution des österreichischen Staates einer kirchlichen Trauung erwähnet, indessen doch nur von der Civil-Ehe hier die Rede ist. Will man die Giliigkeit der Civil-Ehe von irgend einer kirchlichen Trauung abhängig machen, so würde dieses im Widersprüche mit den andern Grundsätzen seyn. Ist dieses nicht der Fall, so kann und muß es dem Staate ganz gleichgiltig seyn, ob, wann, wie und von wem sich jemand kirchlich trauen lassen will. Der Staat hat nach 8- 15 kein Recht, zu einer religiösen Handlung die Zeit zu bestimmen, oder dieselbe zu verbieten. Wenn er dieses thut, so greifet er in eine !ihm fremde Sphäre und hebet den aufgestellten Grundsatz, daß eS jedem freistehet. Gott nach seiner Einsicht zu verehren, wieder auf. Im 8 19 der Grundrechte heißt eS: ! Keiner religiösen Gesellschaft darf ein leitender Einfluß auf öffentliche Lehranstalten eingeräumt werden. > Die Ausdrücke: „öffentliche Lehranstalt,' — „leitender Einfluß" — sind so unbestimmt, daß dieselben einer näheren Festsetzung bedürfen. Sind unter öffentlichen Lehranstalten nur die vom Staate gegründeten gemeint? — also die Anstalten der Privaten ausgenommen? Verstehet man unter Lehranstalten nur die eigentlichen Schulen, aber keineswegs die Erziehungsanstalten? Meinet man unter leitendem Einfluß jede Einwirkung auf die Gedanken, Gefühle, Gesinnungen ober Handlungen der Jugenv und ihrer Lehrer? oder ist nur die äußere Organisirung, der Lehrplan, die Methode für den Unterricht in einzelnen Kenntnissen ober Fertigkeiten gemeint? WaS immer gemeint seyn mag, so sind die Bischöfe der katholischen Kirche in ihrem Gewissen verpflichtet, der hohen ReichSversammlung zu erklären, daß die katholische Kirche allzeit einen Einfluß auf die Jugend und auf die Bildung derselben haben muß und haben wird. Die Kinder sind durch die heilige Taufe bereits Glieder der katholischen Kirche, und sollen von Kindheit an als solche glauben, hoffen und handeln lernen. 11 Die katholische Kirche ist verpflichtet, ihre durch die Taufe aufge nominellen Glieder ohne Rücksicht deS Alters derselben zu belehren, zu leiten, zu warnen und zu bessern. Sie kann daher deS leitenden Einflusses sich nicht einschlagen. Will man den Religionsunterricht von den öffentlichen Lehranstalten ausschließen, so würde man ganz vergessen, daß der Zweck des Jugendunterrichtes nicht allein in Beibringung gewisser Kenntnisse oder Kunstfertigkeiten, sondern in der Bildung deS Herzens bestehet; daß dem Staate mit bloß seientifisch gebildeten Verstandesmenschen wenig geuützet seyn wird, wenn diese nicht zugleich religiös gesinnte und gewissenhafte Menschen sind. Will man die Jugend der Aufsicht und Lei tung des Klerus entziehen, den Priestern verbieten, die Jugend vor irrigen Grundsätzen, falschen Lehre», historischen Dichtungen und dgl. zu warnen, die in öffentlichen Lehranstalten vorgetragen werden? Wenn dieses nicht bezweckt wird, so werden die Religionölehrer allzeit einen leitenden Einfluß haben. Jeder, der nur etwas vom Schulwesen kennet, weiß, daß die reli giöse Denk- und Gesinnungsart der Lehrer bloß weltlicher Gegenstände, nicht nur jener der Geschichte, der Philosophie, sondern auch der Naturlehre, der Technik, der Mathematik auf thr>.n Borirag, ihre Darstellung Einfluß nimmt. Da eS nun ftdem Lehrer frei stehet, seiner religiösen Ueberzeugung zu folge», so würde ihnen der verderblichste Ein fluß auf die Religiösität der katholischen Kinder gestattet seyn, indessen den Priestern der katholischen Kirche jeder Einfluß in den Schulen verboten wäre. Die religiöse Bildung der Menschen, also auch der Jugend, kann nicht auf ein eine Stunden oder Orte beschränket werden; der Kirche kann daher die Uebcrwachung, Warnung, Belehrung, Ermunterung, Besserung ihrer Glieder nie und nirgends untersagt werden. Der Staat selbst muß wünschen, daß die Kirche diese ihre Pflicht zu seinem eigenen Wohle eifrig erfülle. Man scheint in unseren Tagen den wohlthätigen Einfluß ganz zu vergessen, welchen die katholische Kirche auf den Zustand der Volksbildung und der Wissenschaft genommen hat. Jeder, der die Geschichte der verflossenen Zeilen kennet, weiß, daß Europa seine Cultur dem Klerus der katholischen Kirche zu danken hat; daß die Volksschulen in den Münstern und Klöstern entstanden stich; daß die höheren Wissenschaften in den Zeiten der Rohhcit nur von den. Gliedern deS katholischen Klerus erhalten und gepflegt worden sind. Nickt nur in den verflossenen Jahrhunderten, sondern auch in der jüngsten Zeit haben die Seelsorger die Bildung deS Volkes in den Schulen mit großem Eifer zu befördern gesucht. Sie haben nicht durch Neuerungen zu glänzen, nicht durch Schaustücke Auffthen zu machen gesucht, aber sie haben daS Nützliche und Nothwendige zu lehren sich eifrig bemühet. Jeder, der den Zustand der Volksschulen vor fünf zig Jahren, also in jener Zeit kennet, in welcher die Aufsicht und Leitung des VolkSschulweftnS den vom Staate angestellten Schulcommissären und Referenten anvertrauet war, wird, wenn er billig ist, sagen müssen, daß daS Volksschulwesen unter der Aufsicht und Leitung des Klerus nicht nur nichts verloren, sondern viel gewonnen hat. Der Klerus hat sich wirklichen Verbesserungen nie entgegengestellet, im Gegentheile würde er manche Verbesserung vorgenommen hatun, wenn er nicht durch höhere Behörden gehindert gewesen wäre. — Sucht nach Unabhängigkeit, Scheue vor der nahen fortwährenden Aufsicht, der Wunsch, Aufsehen zu machen, und die Hoffnung auf gut besoldete Directions-Aemter sind die Quellen deS RufeS mancher Menschen nach Abänderung der bis jetzt bestandenen Organtsirung. Der Gedanke, die unmittelbare Leitung des Volksschulwesens einzelnen Gemeindegliedern anzuvertrauen, ist keineswegs ganz neu; denn auch in der gegenwärtigen Schulverfassung bestehet für jede Sckule ein auS der Gemeinde gewählter OrtSschulaufseher. Wie wenig diese OrtSschulausseher mit Ausnahme einzelner daS Beste der Schule beförderten, lehret die Erfahrung. In der Einwirkung der Seelsorge fanden die braven Lehrer Schutz, Ermunterung und Unterstützung; die Eltern Aufmunterung zum Schulbesuche ihrer Kinder; die Kinder liebevolle Belehrung und Leitung, ohne zu erwähnen der materiellen Unterstützungen, welche Lehrer und Kinder, die in Noth waren, von den Pfarrern erhielten. Alle diese Vortheile werden verloren seyn, wenn die Volksschulen der Aufsicht und Leitung deS Klerus entzogen werden. Die Bischöfe, denen daS VolkSschulwesen stets am Herzen lag und liegen wird, wünschen, daß die Bildung der Jugend, wenn die Schulen der Aufsicht und Leitung deS Klerus entzogen werden sollten, wirklich gewinnen möge; aber sie fürchten daS Gegentheil und glauben, daß die Erfahrung bald, aber zu spät, die Menschen eines Andern belehren wirb. Sie müssen in jedem Falle dem katholischen Klerus jenen Einfluß auf die Jugend sichern, den JesuS ihnen zur Pflicht machte, da er sprach: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn diesen ist daS Himmelreich." Auf den z. 20 der Grundrechte gründen die unterfertigten Bischöfe die Hoffnung, daß durch ein zweckmäßiges und hinreichendes Preßgesetz den Verunglimpfungen und Schmähungen der katholischen Kirche endlich werden - Schranken gesetzct werden. Wenn es jedem leichtsinnigen oder böse gesinnten Scribler freistehet, die heiligsten Lehren und Gebräuche lächerlich zu machen und mit Kvth zu bewerfen, die Priester der Religion durch die schändlichsten Lügen und Verleumdungen herabzuwürdigen, verdächtig oder verhaßt zu machen, so wird das Wirken deS Priesters zerstöret und die Religion deS Volkes untergraben. ES ist für den Staat selbst von größter Wichtigkeit, daß dieses nicht geschehe. ES kann vielleicht bald eine Zeit kommen, in der man daS Unzureichende der physischen und politischen Autorität erkennen und an die Gottesfurcht und Gewissenhaftigkeit der Menschen zu appelliren sich bewogen finden wird. Dann wird man die Mitwirkung deS Klerus wünschen und bedauern, die Achtung und das Vertrauen des Volkes zu demselben untergraben zu haben. Die unterzeichneten Bischöfe, denen daS Wohl des StaatcS nickt weniger, als jenes der katholischen Kirche am Herzen lieget, wünschen sehnlich, daß eine vollkommene Harmonie und ein gemeinsames Zusammenwirken beider Gewalten begründet und erhallen werde»! Beide können und werden zum zeitlichen und ewige» Heile der Menschen dienen, wenn sie sich wechselseitig unterstützen; wenn feine derselben sich Eingriffe in die Sphäre der andern erlaubet; wenn jede die Rechte der andern achtet und schützet. Sie erklären feierlich, daß sie als treue Staatsbürger das Wohl deS Staates befördern und die Rechte deS StaateS heilig achten werden; aber es ist Pflicht ihres Amtes und ihres Gewissens, die Freiheiten und Rechte der katholischen Kirche zu sichern, Uebergriffe und Beschränkungen von Seite deS StaateS hintanzuhalten und um jene Unterstützung zu bitten, die das wahre Interesse deS StaateS und die gedeihliche Wirksamkeit der Kirche fordern. Indem sie im Namen deS Episkopates der katholischen Kirche im Erzher,ogthume Oesterreich ob und unter der Enns diese ihre Bemerkungen, Besorgnisse und Wünsche nach ruhiger und reifer Ueberlegung der hohen Reichsversammlnng ehrfurchtsvoll vorlegen, bitten und hoffen sie, die hohe Reichsversammlung wird diese Aeußerung als einen Beweis der pflicht- mäßigen Sorgfalt für daö Wohl der Gläubigen, und deS Vertrauens zu der Einsicht und dem guten Willen der Vertreter deS Volkes annehmen und der Aufmerksamkeit nicht unwürdig achten. Wien, den 12. December 1848. Vincenz Eduard, Fürsterzbischof von Wien. — Gregor, Bischof von Linz. — Anton, Bischof von St. Pölien. Heranbildung von Missionären aus dem SäcularklernS -j- Regensburg. Unser hochwürdigster Herr Bischof hat in Betreff der Heranbildung von weltlichen Priestern zu Missionen für daS katholische Volk folgenden Hirtenbrief erlassen: Wir Valentin, durch göttliche Erbarmung und ceS heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von RegenSburg, entbieten der gesummten Geistlichkeit des BiSthumS RegenS- burg unsern Gruß und Segen im Herrn. Die hochwurdigsten Erzbischöfe und Bischöfe DeulschlandS haben in ihren Berathungen zu Würzburg vielfach die Ueberzeugung ausgesprochen, daß in unserer Zeit geistliche Erercitien für den Klerus und Missionen für daS katholische Volk nicht nur sehr heilsam, sondern in manchen Gegenden des deutschen Vaterlandes auch nothwendig seyen. Da eS aber gerathen erschien, den Zeitumstänven auch hierin Rechnung zu tragen, so wurde fast einmüthig der Wunsch geäußert, eS möchten Säcular-Priester für diese- segensvolle Geschäft ausgewählt und gehörig vorbereitet werden, damit sie dann nicht bloß in der eigenen, sondern auf Verlangen der Bischöfe auch in andern Diöcesen Deutschlands dieser apostolischen Thätigkeit sich widmen könnten. Was in Würzburg als Bedürfniß der Zeit anerkannt worden, wollen Wir im Vertrauen auf GotteS Beistand i»S Werk zu setzen versuchen. Wir lassen deßhalb vor Allem an Unsere SeelsorgS Priester die Einladung ergehen. eS mögen diejenigen auS ihnen, welche für diese apostolische Wirksamkeit Beruf und Neigung in sich finden, UnS ihre Erklärung hierüber in Bälde schriftlich mittheilen. Damit sie aber bei der Prüfung ihrer selbst die nöthigen AnhaltS- puncte haben, geben Wir vorläufig folgende Bestimmungen an: 1. Diejenigen SeelsorgS-Priester, welche sich erklären, daß sie neben der gewöhnlichen Seelsorge auch der bezeichneten Thätigkeit sich widmen wollen, müssen sich vor Allem va,u vorbereiten, d. h. sie müssen längere oder kürzere Zeit auS der ordentlichen Seelsorge treten und in irgend einem Hause unter entsprechender Leitung dem Studium der Theologie, der AScese 1S und so viel möglich den praktischen Uebungen der Seelsorge obliegen, damit sie in jeder Hinsicht für dieses Amt tüchtig werden und in Einem Sinn und Geiste zu wirken im Stande seyen. Da Uns aber gegenwärtig ein anderes geeignetes Local noch nicht zu Gebote steht, so werden Wir zu diesem Zwecke einige Zimmer in Unserm Klerical-Seminar Herrichten laffen; und da außerdem der immer noch fortdauernde Priestermangel eS nicht gestattet, zum Behufe der nöthigen Vorbereitung eine größere Anzahl Priester auf eiumal auS der Seelsorge zu entlassen, so wollen Wir für den Anfang auö denen, welche sich gemeldet, nur fünf oder sechs derselben zu dieser Vorbereitung einberufen, damit im künftigen Jahre wenigstens in einigen Pfarreien Missionen gehalten werden. Denjenigen Priestern, welche sich zwar melden, aber jetzt noch in der Seelsorge unentbehrlich sind, werden Wir Anleitung geben lassen, wie sie vorläufig, bis auch sie zur eigens lichen Vorbereitung einberufen werden können, durch Studium und geistliche Uebungen diesem Berufe näher kommen sollen. 2. Haben sie im Klerical-Seminar die nöthige Vorbildung erhalten, so kehren sie in ihren frühern Beruf als Pfarrer oder Cooperatoren zurück, stets bereitwillig, auf den Ruf deS Bischofes geistliche Exercitien zu leiten oder Missionen zu halten, nach deren Vollendung sie sich wieder der ordentlichen Seelsorge widmen. 3. Da aber zu einer segensvollen Verwaltung dieses AmteS natürliche Anlagen auch mit wissenschaftlicher Bildung nicht genügen, wenn nicht ein kräftiger und beharrlicher Wille, für die Ehre Gottes in besonderer Weise Opfer zu bringen, dem Gemüthe eine Begeisterung verleiht; so ist eS nothwendig, daß diese Priester unter sich verbunden seyen, und daher einen Verein bilden, indem sie nach bestimmten Vorschriften sich richten, wie auch von Zeit zu Zeit zusammen kommen, um in guter Nich tung sich zu erhalten und den Eifer in Gebet, Studium und Seelsorge zu beleben. Deßhalb hören sie aber nicht auf, Säcular- und Seelsvrgs- Priester zu sepu, und werden neben dem Weltpriesterstande keinen besondern Stand bilden, sondern gehören nachher wie vorher dem Säcular- KleruS selbst an. UebrigenS können in diesen Verein auch solche Priester eintreten, welche, ohne daß sie für Misstonen verwendet werden, demselben anzugehören wünschen. 4. Endlich müssen Wir zum Voraus bemerken, daß Wir jenen Priestern, welche dem beabsichtigten Vereine beitreten werden, nicht die geringsten zeitlichen Vortheile versprechen können und wollen, und daß Wir gerade darauf die Hoffnung eines desto größern Segens von Oben setzen. So lange sie entweder zur Vorbildung oder Wiederbelebung dessen, was ihres BerufeS ist, in einem Hause zusammenwohnen, oder auf Missionen sich befinden, werden sie nur auf das Noihdürftige Anspruch machen können, ohne AuSsicht auf frühere Beförderung wegen des Opfers, das sie Gott zum Heile der Seele» freiwillig bringen. Sie bleiben allen übrigen Seelsorgern in jeder Hinsicht gleichgestellt, und wenn je ein Vorzug Geltung haben soll, so kann dieser nur in einem erhöhten Streben bestehen, sein eigenes Heil zu wirken und möglichst vielen Seelen zu nützen. Durch sie soll der übrige Theil der Seelsorger, nicht zurückgesetzt, sondern vielmehr geehrt und der thatsächliche Beweis geliefert werden, daß auch der Säcular- Klerus durchweg im Staude sey, jenem dem apostolischen Wirken näher kommenden Berufe der Missionen für Priester und Volk zu genügen. Regensburg, den lö. December 1848. Valentin, Bischof. Joseph Lipf, bischöflicher Secretär. nun die Menschen Menschen und keine Engel sind, so übt das Aeußere und Innere einer Kirche einen bedeutenden Einfluß auf den Besucher derselben. Eine düstere, zu kleine und halb verfallene Kirche kann unmöglich den Menschen zur geistigen Freude an Gott und Gotteöeicnst stimmen wie eine geräumige, helle und gut erhaltene, die gleichsam ein Himmel auf Erben ist. Aber gerade an geräumigen und freundlichen Gotteshäusern fehlt eS ln unserer Zeit in gar vielen Gemeinden. Die zunehmende Bevölkerung fordert auch größere Kirchen, besonders auf dem Lande, wo oft dem Pfarrer auf jeden Sonn- und Festtag bange seyn muß wegen Unordnung und Störung beim Gottesdienste, besonders hinsichtlich der Schuljugend, die in den wenigsten Kirchen einen passenden Platz hat wegen Mangels an Raum und Stühlen. Uebergehen wir aber diesen Mißstand, der noch lange dauern wird, weil man zur Vergrößerung der öffentlichen Vergnügungsplätze eher Zeit und Geld findet, als zur bequemern Einrichtung der Gotteshäuser, und schauen wir nur die Dachungen und Gemäuer mancher Ktrchen an! Regen und Schnee dringen durch das schlechte Kirchenbuch ein, und in kurzer Zeit fällt ein Theil der Mauerdecke herab, so daß der Geistliche mit Lebensgefahr an dem einen oder andern Altar die heilige Messe celebrirt. „Hätte man unserer Kirche den Zehent gelassen, so müßte sie eine der schönsten der Gegend seyn." So antworteten mir meine Pfarrkinder auf die Frage um die baupflichrige Person. Der königl. LandgerichtSvorftanv hat schon vor zwei Jahren den Schaden angesehen und darüber an daS königl. CultuSministerium dringend berichtet. Allein die Kirche wird immer baufälliger und lebensgefährlicher und die Summe der R-paralurkosten immer bedeutender. „Gebt Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was deö Kaisers ist." Diesen AuSspruch deS Herrn hat der Staat mit Füßen getreten und Gott genommen, was Got- leS war. Dieses ungerechte Gut hat wie der Rost das Eisen auch das Gold und Silber deS Staateö aufgefressen, so, daß Gott um Kirchen, der Kaiser um Geld betteln muß. Ruin und Ruine» in der Gegenwart «nd Zukunft. h DaS vornehmste HauS einer Stadt- und Landgemeinde ist das Gotteshaus. Hier steht die Wiege der geistlichen Wiedergeburt, der Tisch der Seelcnspeise, der Altar deS beständigen unblutigen Opfers! In der! Kirche befindet sich der heilige Schwemmleich der Buße, der Lehrstuhl des! Wortes GotteS. In der Svphienkirche zu Constantinopel war beim Ein-i gange ein großes Weihwaffergefäß mit der griechischen Umschrift, die vor-i und rückwärts gelesen den gleichen Sinn gab: , , die Propheten aufzulösen, sondern sie zu erfüllen." Und glück, lich der Staat, dessen Gesetze die göttliche Consiitulion zur Grundlage haben! WaS kann man daher von einer ReichSversammlung hoffen, die in Vielen ihrer Mitglieder des Glaubens an Gott beraubt ist, und dem Reiche eine Verfassung geben will ohne Gott?! Und mit den Beschlüssen eines solchen — des deutschen — Parlaments soll im Einklänge stehen der Neubau des deutschen Reiches; dieser Neubau soll im Einklänge stehen mit dem großen (?) Grundsätze: „Alles für daS Volk, »nv Alles durch daS Volk!" Alles für daS Volk, d. h. für sein zeitliches und ewiges Wohl! Ja, damit stimmt jeder Christ überein. Aber: „Alles durch daS Volk!" Welch eine Begriffsverwirrung, welch ein Umsturz aller Rechtsverhältnisse! Seit wann hat denn Gott, der allerheiligste und allermäch- tigste Souverän — dem Volke das Recht eingeräumt, Gesetze zu geben und Constitutivnen zu mache»? Wann und wo hat Gott daö Volk mit Souveränetät ober Machtvollkommenheit begabt? Wozu sind dann noch Fürsten und Regierungen nöthig, wenn das Volk selbst herrschen dürste? Wären sie dann noch mehr, als bloße willenSlose Werkzeuge oder Puppen deö Volkes? Dann müßten die Fürsten und Obrigkeiten dem Volke und nicht Dieses jenen gehorchen. Wie könnte aber da der Apostclsürst Petrus noch schreiben: „Unterwerfet euch um deS Herrn willen jeder menschlichen Obrigkeit — eS sey nun dem Könige, der über Alle gesetzt ist, oder seinen Stellvertretern, als solchen, die Er zur Bestrafung der Uebelthätcr, und zur Belohnung der Guten bevollmächtiget hat. — Erweiset Jedem die gebührende Achtung — liebet die Brüder, fürchtet Gott, ehret den König." Wie könnte so Paulus noch schreiben: „Jedermann sey der obrigkeitlichen Gewalt Unterthan, die über ihn gesetzt ist; denn keine Obrigkeit ist anders woher, als von Gott und die bestehenden Obrigkeiten sind alle von Gott geordnet." Röm. 13, 1 — 4. Der König ist also Regent von Gottes Gnaden und nicht von Volkes Gnaden. Darum beschloß daS sechste Concil von PariS: „Der König soll demüthig und wahrhaft glauben, daß Gott es sey, der ihm daS Reich gebe." Und Tcrtullian schreibt: „Der Christ ist Niemandem Feind, am allerwenigsten dem Kaiser, von dem er weiß, daß er von Gott angeordnet sey." Kurz: „Wie der Vater die Gewalt, mit welcher er über die Kinder herrscht, nicht von den Kindern, sondern von Gott erhält; eben so empfängt der LandeSvatcr die Gewalt, mit welcher er über die Landeskinder gebietet, nicht von diesen, nicht vom Volke, sondern von Gott." Der große Grundsatz deS christlichen Volkes, mit dem der Neubau des deutschen Reiches im Einklänge stehen soll, heißt also: „Alles für das Volk und Alles durch die ihm von Gott gesetzten Gehalten." *) 2. „Befreiung der Lehrer aus ihrer Abhängigkeit von den Geistlichen." Also die Schule soll von der Kirche getrennt, die Erziehung der christlichen Jugend soll der Kirche entrissen und dem Staate allein über- geben werden! Könnt und dürft ihr das gestatten, christliche Vater und Mütter! werdet ihr ruhig zusehen, wie eure Kinvlein, die so fähig sind für das Reich Gottes, der heiligen Mutter, Eurer Kirche, von, Herzen gerissen und einer vielleicht entchristlichten Staatöanstalt in die Arme gelegt werben, um dem wahren Glauben der Bäter und dem Himmelreiche immer mehr entfremdet zu werden? Wehe euch, wenn ihr dieß könnt, t! Wahrlich dann dürftet ihr euch nicht mehr freuen, wenn euch ein Kindlein zur Welt geboren wird. , , > 3. Verminderung des stehenden Heeres, daimt nicht die besten^ Kräfte den" Gewerben und dem Ackerbaue entzogen und die StaatsauSgaben ohne Noth vergrößert werden. Dagegen Einführung der Volksbewaffnung," ^ Wenn daS stehende Heer und mit ihm die Ausgaben des Staates vermebrt werden, wer ist Schuld daran? Tragt nicht ihr die einzige Schuld, ihr Männer der sogenannten Freiheit und Gleichheit! die ihr das Volk durch Reden und Schriften aufwiegelt zur Empörung gegen seine Fürsten und Obrigkeiten? Nennt euch ferner nicht mehr Vvlksfrcunde und Volksführer, sondern vielmehr, was ihr in Wahrheit seyd, Volksfeinde und Vvlkö- verführer Seicht durch das stehende Heer werden den Gewerben und dem Ackerbau die besten Kräfte entzogen, sondern durch eure unzähligen Volks Versammlungen, in denen ihr den Gewerbsmann und Ackersmann mit euer» erbä.mlichen Glückseligkeiislehren, an die ihr selbst nicht glaubt, einwiegt in die Träumereien der VolkShcrrlichkeit, während sie ihre Hände am Ambose oder Pfluge re. haben sollten. Und wie könnt ihr mit gutem Gewissen Einführung der Volksbewaffnung empfehlen, wenn Gewerbe und Ackerbau blühen sollen? Zst'S nicht gerade die Volksbewaffnung, die nebst der Trink- und Spielsucht, weit mehr als ein stehendes Heer, die besten Kräfte dem Gewerbe und Ackerbau entzieht? Stellt der Staat nicht eben deßhalb stehende Heere auf, damit wir vor innern und äußern Feinden beschützt den Gewerben und dem Ackerbau ungehindert nachgehen können? Doch wir wissen gar gut, warum ihr, demokratische Wühler! Verminderung deS stehenden HeercS und Einführung der Volksbewaffnung wünscht. Nicht wahr, damit ihr ungehindert euer Unwesen treiben und gleich einem Hecker und Struve als Banditen verkleidet den friedlichen Bürger überfallen und berauben könnt?! 4. „Alljährliche Zusammenberusnng der Stände, jährliche BndgetS und unbedingtes SteuerverweigerungSrccht." Die Stände kosten, alle 3 Jahre zusammenbcrufen, dem Lande ohnehin schon enorme Summen, und ihr, Volköbcglücker! wollt diese Lasten dem guten Volke alle Jahre auf den Rücken legen? Wie räumt sich das zusammen mit eurer Sorge für Verminderung der StaalSauögabcn? Nicht wahr, eure Budgetö soll das Volk bewilligen, jene der Fürsten und großen Bürde« weil Würde-Träger aber vermindern? Welch schreiende Ungerechtigkeit! Endlich verlangt ihr gar »och unbedingtes Steuerverweigerungr- recht für die Stände deS Landes! Seit wann haben denn die Repräsentanten deS Volkes von Gott daS Recht erhalten, die Steuern der gesetzlichen Obrigkeit zu verweigern? Sagt nicht der Heiland selbst: „Gebet dem Kaiser, was deS Kaisers, und Gott, was Gottes ist?" Nicht wahr, weil ihr, Freunde des RongethumS! Gott nicht mehr gebet waS GotteS ist; so wollet ihr auch dem Kaiser nicht mehr geben, waS des Kaisers ist?! Habt ihr vergessen waS Paulus an die Römer schreibt: „Gebet jedem, waS ihr ihm schuldig seyd: Abgabe, wem Abgabe; Zoll, wem Zoll; Ehrfurcht, wem Ehrfurcht; Ehrenbezeugung, wem Ehrenbezeugung gebührt." Röm. 13, 5—7. Wie aber, wenn man dem Landesfürstcn keine Steuern mehr entrichten dürfte, könnte sich da noch eine Obrigkeit erhalten? Wenn aber keine Obrigkeit mehr da wäre, würde dann nicht schnell die gräulichste Anarchie, die Schreckensherrschaft der Proletarier mit dem rohesten Faustrechte gangbar werden und keiner mehr seines Lebens und Eigenthums sicher seyn? Höre darum, christkatholischeS Volk des Algäu'S! was bezüglich hieher der Apostel Paulus an seinen Timotheus schreibt: „Vor allem ermähne ich dich, daß flehentliche Bitten und Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen angeordnet werden, besonders für die Könige, und für Alle, die in einem obrigkeitlichen Amte stehen, damit wir unter ihrem Schutze still und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit dahin leben mögen. Denn daö ist gut und wohlgefällig vor Gott unserm Heilande, dessen Willen es ja ist, daß alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen und selig werden." 1. Tim. 1 — 4. Dieses zum neuen Jahre Dir katholisches Algäuer Volk von Einem Deiner aufrichtigsten Freunde. Den 1. Jan. 1849. - <>*? hören die Gewalten nicht auf von Gott gesetzte Gewalten zu setzn, wenn die Fürsten ihrem Volke eine Verfassung geben, kraft welcher sie da» Volk in seinen Re- Praientantcu an der Regierung des Landes Antheil nehmen lassen. Die preußisch-protestantische Intrigue. * Unter dieser Aufschrift enthält daS Pariser Blatt „UniverS" folgenden Artikel aus Frankfurt vom 30. December 1848: Welchen Namen der Protestantismus sich auch immer geben mag, er war immer eine fricdenstörende Partei in der Kirche gewesen, und ver- läugnet diesen Charakter nun auch in der Politik nicht. Seit mehreren Monaten erschöpft sich Deutschland durch Anstrengungen, jene alte bürgerliche, politische unv militärische Einheit, unter welcher Form immer, wieder zu erringen, die ihm der LutheraniSm und die auö ihm hervorgegangenen Seelen geraubt haben. Man braucht die Lebensbedingungen der Nationen nur einigermaßen zu kennen, um zu begreifen, daß ein so weltumfassender und Völkerreicher Staat, wie Deutschland ist, sich nur unter der Bedingung zu wirklicher und dauerhafter politischer Einheit vereinigen kann, daß er durch einen erblichen Monarchen rcpräsentirt und gewissermaßen in ihm personificirt ist; das Beispiel PolenS lehrt Deutschland, was unter einem Wahl Kaiser (m der strengen Bedeutung dieses Ausdruckes) auö ihm werden müßte. Wenn man die Frage, wer zu der Würbe eines deutschen Kaisers erhoben werden soll, nur auf politischem Gebiete erörtern würde, dann wäre sie bald gelöst: die Gewohnheit, das kaiserliche Diadem auf der Stirne eines Habsburgers glänzen zu sehen, würde allein hinreichen, dem Hause Oesterreich die Oberherrschaft über alle Staaten Deutschlands zu sichern, und die Wahl des Erzherzogs Johann zum Verweser des Reichs beweist hinlänglich, welche Gesinnung in dieser Beziehung vor einigen Monaten unter allen deutschen Völkern die vorherrschende gewesen ist. Man sah damals wohl ein, daß Oesterreich mit seinen acht und dreißig Millionen Einwohnern und einem Heere, von mehr als 400,000 Mann allein mächtig genug sey, den verbündeten Staaten Deutschlavds hinreichenden Schutz zu gewähren, und man konnte sich nicht verhehlen, baß eS durch seine See-Etablissements am adriatischen Meere dem wiedergeborenen Reiche die kostbarste Mitgäbe, die eines offenen SchiffsahrtöwegcS für seine Producte auf alle Märkte des Orients zubrächte. Da wirb aber auf einmal der alte Lutheranismus, jener nämlich, der Gustav Adolph, blutigen Andenkens, dem die reformtrten Fürsten die deutsche Kaiserkrone bestimmt hatten, aus dem fernen Schweben herbeirief, von dem Gedanken, einen katholischen Fürsten an der Spitze Deutschlands zu sehen, von Furcht unv EndsHen ergriffen. Wie Briareus, einer der Ceiuimanen, dehnt er seine erstarrten Glieder, und diese Bewegung reicht ^ hin, den ganzen germanischen Boten zu erschüttern. Die katholische Kirche, ! welche in Deutschland so viele Bekenner zählt und so lange Zeit von der politischen Macht unterjoch^, war, harte plötzlich ihre Fesseln gebrochen, ik und daS Geräusch der zertiümmerlen Kellen schlug mißtönend an die prvte- ^ stantischen Ohren. In allen protestantischen Staaten so wie im Schooße der Versammlung in Frankfurt wurden Ränke geschmiedet, deren Zweck war, die Kaiserkrone dem Oberhaupte des Hauses Brandenburg aufzusetzen. Dieß war eine der ersten Wirkungen deS katholischen Congresses von Mainz und des Nanonal-Concilö in Wü^burg. Diese politische Verirrung leitete 1 mau damit ein, daß die Fraiikfurter Versammlung die Einheit der österreichischen Monarchie zu zerWren suchte, indem sie dem zu schaffenden Reiche nur den geringsten M)eil der Staaten einverleibte, aus welchen diese große Monarchie besteht, und daß sie in Folge dieses unüberlegten Actes Oesterreich eine weit geringere Anzahl von Abgeordneten und Stimmen für die beantragten beiden deutschen Kammern zugestehen wollte, als Preußen besitzen sollte. Die Schlinge war zu sichtbar gelegt, als daß die österreichische Politik sich darin hätte fangen lassen sollen. Stark durch die Siege, welche sie in Italien unv über die Aufrührer ihrer Hauptstadt erkämpft hatte, gab sie nicht undeutlich zu verstehen, daß sie sich nöthigen Falles entschließen werbe, ihre Abgeordneten von Frankfurt abzurufen, und um diesem Vorhaben einen bestimmteren und kräftigeren Charakter zu geben, entsagten der Ksiser und sein Bruder der Krone und setzten sie ihrem 18 Jahre zählenden Erben aufs Haupt, dem sie damit die Vertheidigung des kaiserlichen Adlers anvertrauten. Zu gleicher Zeit legte Herr v. Schmerling, Präsident des deutschen Reichsministeriums und einer der ausgezeichnetsten Man- 15 »er Deutschlands, seine Stelle nieder und verließ Frankfurt, um nach Oesterreich zurückzukehren. Alle diese Thatsachen sind mehr oder weniger unmittelbare Folgen der preußisch-protestantischen Intrigue, von der lch spreche. Um sich einen Begriff von den Ländermassen zn machen, die früher unter der Krone der occidentalischen Cäsaren vereinigt waren, muß man sie in drei streng abgeschiedene Zonen abtheilen. Die erste begreift die Länder in sich, die man als rein deutsche betrachtet, und die von 38 Millionen Einwohnern bevölkert sind; sie find im Norden: Hannover, Schleswig Holstein, die beiden Mecklenburg, Sachsen, die Staaten, die aus der ehemaligen Landgrafschaft Thüringen entstanden sind, das Kurfürstenthum Hessen rc.; gegen Süden: die Königreiche Bayern und Württemberg und die Großherzogthümer Baden und Hessen-Darmstabt. Die zweite Zone begreift in sich die Erbstaaten von Oesterreich nämlich: Böhmen, Mähren, daS eigentliche Oesterreich, Steier- mark, Kärnthen, Krain, Tirol und daS Küstenland (Littcrole), zusammen mir mehr als 12 Millionen Einwohnern, von welchen ein beträchtlicher Theil zur slavischen Nace gehört. Diese Zone will man allein dem deut scheu Bunte einverleiben, um Preußen, dessen Einwohnerzahl 16 — 17 Millionen beträgt, ein numerisches Uebergewicht über Oesterreich zu verschaffen. Diese Zone gehört indessen schon seit Jahrhunderten zu dem Reiche, welches man heut zu Tage österreichisches Kaiserreich nennt; unter diesen, Titel ist sie durch hundertjährige Bande mit der dritten Zone verbunden. Diese umfaßt nahe an 26 Millionen Einwohner in Italien, Galizien, und in den Uferländern der Donau, die zu Ungarn gerechnet werden Außer diesen verschiedenen Völkerschaften zählt man noch gegen 5 Millionen Italiener, und 5 Millionen Polen und RuSniaken in Galizien. Die schönen Uferländer der Donau, welche die deutschen Waffen in drei Jahrhunderten blutiger Kämpfe den Türken entrissen haben, gehören daher wirklich zu Deutschland unter dem Scepter Oesterreichs. Diese Länder werden von 5 Millionen Ungarn, 2 Millionen Romanen und Walachei,, IVs Million Deutschen und 7 Millionen Slaven bewohnt. Alle diese Länder wurde», wie gesagt, zu Ungarn gerechnet; als aber die ungarischen Demagogen sich von der Souveränctät des Hauses Oesterreich losreißen wollten, ergriffen die sie bewohnenden Völkerschaften die. Waffen und vereinigten sich mit voller Uebereinstimmung unter den kaiserlichen Fahnen. Sobald mit Hilfe ihrer treuen Waffen der Aufstand in Ungarn unterdrückt seyn wird, werden sie auf immer von dieser Nation getrennt seyn, sie werden aber auch zugleich verlangen, daß man in ihrer Verwaltung und ihrer Rechtspflege ihre National-Dialecte einführe. — Nach dieser Auseinandersetzung wird man es begreiflich finden, warum die österreichische Regierung zaudert, sich über die Anforderungen der Versammlung in Frankfurt auszusprechen, denn die vollkommene Euiverleibung seiner Eibstaaten in das neue deutsche Reich, ist für Oesterreich eine Lebensfrage. Die österreichische Regierung hat indesA, in dieser Beziehung einen Schrill gethan, den man als den Anfang der Kundgebung ihrer Absichten betrachten kann, indem sie dem Reichsverweser und der ReichSversammlung erklären ließ, daß sie diese wichtigen Fragen künftig nur auf diplomatischem Wege erörtern werde, was ihren saften Willen anzeigt, sie nicht im Schooße einer berathenden Versammlung, deren Competenz dazu sie Lestreitet, sondern mit dem ReichSveriöeser selbst, als Macht also einer Macht gegenüber, verhandeln will. Damit.man ihre entschieden vertheidigenden Maaßregeln im Voraus zu beurtheilen im Stande sey, hat sie Herrn v. Schmerling selbst den Charakter eines Bevollmächtigten bei dem Reichsverweser verliehen. Aus diesen Umständen kann man schließen, daß, im Falle die preußisch-protestantische Intrigue in Deutschland obsiegen sollte, was zwischen Katholiken und Protestanten^eine lebhafte Aufregung hervorbringen würde, Oesterreich, stark durU Ane bedeutende Territorial- unk Miliiär-Macht, geradezu versagen würde, seinen Theil des deutschen Reiches auszumachen, indem eS die Stellung eines vollkommen unabhängigen Staates annehmen und sich darauf beschränken würde, wenn es ihm vortheil- haft scheinen sollte, mit dem neuen Bunde eventuelle Bündnisse zum gegenseitigen Schutz zu schließen. Diese Frage, welche für daS System deS europäischen Gleichgewichtes von so großer Wichtigkeit ist, führt also, wie gesagt, einen Conflict herbei, der mehr religiöser als politischer Natur und weit mehr geeignet ist, in den Schooß Deutschlands unzählige Steine neuen Haders zu werfen, als ihm die Elemente der National-Einheit zu verschaffen, die man grünten will. Bauen und Einreisten. *) Der Zustand, in dem wir uns jetzt befinden, und in dem wir uns ') Von Seb. Brunner, aus dessen Wiener Kirchenzeitung. seit Einem Jahrhunderte befunden haben, ist kein normal kirchlicher, von dieser Thatsache sind aber bisher viele nicht unterrichtet gewesen; wenn wir nun den Katholiken darüber Unterricht ertheilen, so sind wir dabei der Meinung, auch etwas zur Erbauung gethan zu haben. Scheint auch in diesen antiquirten krankhaften Zuständen gar nichts sich ändern zu wollen, ja scheinen sie um den Kristallkeim herum sich immer noch in größerer Härte zu verstecken, so kann unö dieses nicht im mindesten um unsere Hoffnung bringen, und diese Hoffnung ist aufs besser und aufs lebendig werden. Wer die Zustände in Württemberg, Baden, Preußen noch vor einigen Jahren gekannt hat — und die jetzigen dagegen anschaut — der kann sich nicht genug über den plötzlichen Umschwung wundern. Wer aber den Gang der Begebenheiten genau beobachtet hat, dem wurde es lange schon klar, daß doch die kirchliche Idee, nachdem sie Jahrelang gepflegt worden, einmal zum Durchbruch kommen müffe, trotz aller Verknechtung von Seite des Polizeistaateö. Die Erbauung ist in den Geistern vor sich gegangen, und eS bedurfte nur eines Anstosses — so ist der Bau auch nach außen hin sichtbar geworden. Wir wollen eine Thatsache anführen. Die kirchlich geinnten Männer der Universität zu Tübingen, Hefele, Kühn, Welle, und in jüngster Zeit Zuckrig!, haben den wahren Geist gepflegt — sie haben gebaut, sie sind dem Joflphinischen Princip, daS im Convictsrcclor Schott, in den Professoren Geringer und Schmiele ihnen feindlich gegenüber gestanden, hart an den Leib gegangen, Hefele hat nicht selten mit der Waffe vernichtende» WitzcS dareingejchlagcn, daß die Funken davon gestorbrn sind — die jungen Theologen wurden genährt in kirchlichem Geiste, achteten ihre kirchlichen Lehrer, erlangten Liebe zur Wissenschaft — bei allem dem aber schien die bnreaulratische Polizeigcwalt noch vor zwei Jahren die kirchlichen Elemente der Universität zu unterdrücken, indem sie durch Einzwängen gewisser Individuen in den Beschlüssen der theologischen Facultät eine Stimmenmehrheit in josephini- scher Richtung hervorbringen wollte. Mögen es die Worte eines Würt-- tembergerS bezeugen, was die Bureaukratie daselbst in ihrem Uebcrmuth getrieben. Der Regens zu Rottenburg Dr. Mast sagte in seiner Rede beim Mainzer-PiuSverein unter andern: „dcßgleichen verordnete die (Würt- temberger) StaalSomnipotcnz, in die Verwaltung deS Bußsacramentö sich einmischend, daß die Hilfspricster nicht eher in die Kirche in den Beichtstuhl gehen sollten, bis Gläubige sie ausdrücklich begehrten. Nicht weniger als 17 — 18 Priester sind in einem Zeitraum von 5 — 6 Jahren nm ihrer Glaubens, reue willen bureaukratischcn Bedrückung«,» ausgesetzt gewesen; ein Lehrer aus Tübingen wurde entlassen wegen eines theologischen Votums über eine Frage, welche die ganze Kirche in Bewegung setzte. AIS Bischof Keller seinen Antrag auf Herstellung der kirchlichen Selbstständig- keit vor die Landstände brachte, wagten es fünf Repetenten des Tübinger Convictes in einem Schreiben an den Bischof ihren Dank und Beifall aus- zusprechen; sie wurden alsbald hiefür von ihren Stellen entfernt, und als Pfarrverwalter hinauSgcstossen. Dennoch konnte die Bureaukratie die immer kräftiger gedeihende Pflanze des katholischen Bewußtseyns nicht vernichten." Die Wahrheit von Mast's Worten habe» die jüngsten Ereignisse bestätigt. Die kanzleiliche Peifidie und Niederträchtigkeit hat nichts ausgerichtet, die Ideen sind ine Leben getreten, die kirchliche Richtung hat in jüngster Zeit einen glänzenden Sieg erfochten und die Anhänger deS Polizeistaales sind schmachvoll unterlegen. So ist eS im Badischen ergangen, so in Preußen. Auch dort hat man die wahrhaft bauende kirchliche Richtung — umstürzlich und revolutionär genannt, und — Fürsten und Minister sind befangen genug gewesen daran zu glauben, bis ihnen in neuester Zeit die Binde von den Augen genommen worden und sie zur Einsicht gelangt sind, daß die Revolutionen ganz wo anders herkommen. In den Kanzleien sind die Sünden gegen den heiligen Geist begangen worden, da hat man in Ernennungen und Anstellungen, in Unterdrückung und Verknechtung gegen den Geist der Kirche gesündigt, und diese Sünden gegen den heiligen Geist können der Kanzlei nicht nachgelassen werden — leider tragen wir an ihren traurigen Folgen immer noch zentnerschwer. In den Kanzleien, aus denen die absolute Polizeigcwalt wie eine Spinne ihr Netz gewoben — da herrschte der Geist deS EinreißenS und Umstür- zens, da herrschte jener feindselige Geist — der die Kirche in die traurigste Lage herabzudrücken unablässig bemüht war. Was der bureaukratische Geist im Staate gebaut hat — und waS er für unsterblich gehalten, daS hat im abgelaufenen Jahre ein einziger Sturm in ganz Deutschland über den Haufen geworfen; und daS waS derselbe bureaukratische Geist an Festungswerken, an Eskarpen, Cortinen und Laufgräben gegen die Kirche gebaut hat — daS sollte vielleicht einen längern Bestand haben? Was morsch ist sollte in Geduld weggeräumt werde», wer zu diesem Unternehmen seine Hand bietet, der ist doch wahrlich kein Einreißer — wer aber eine alte Barake, die von allen Seiten durchlöchert ist — und schon bei leichten Windstößen schwankt, mit einigen Bogen Papier verklebt, 16 und meint er habe sich durch diese Mühwaltung ein wohnliches HauS zubereitet — der macht sich allgemeinen Bedauerns würdig, und zwar um so mehr, je mehr er meint, er habe für Erbauung etwas gethan. Ueber die Stellung des Klerus. In einem Artikel der (alten) Sion über die Stellung deS Klerus zu den politischen Verhältnissen der Gegenwart finden wir folgende beach- tenSwerthe Puncte hervorgehoben: Erstens. Es ist größtentheils und fast überall mit der Würde des Priesters und seinem Ansehen unverträglich, zu politischen Versammlungen einzuladen, sie abzuhalten und zu leiten. Dieß ist vielmehr Sache der Politiker von Profession. Schreiber dieses weiß, wie sehr man einen Priester, der gegen diese Regel handelte, von geistlicher und weltlicher Seite getadelt und verunglimpft hat. *) Zweitens. Dagegen wird eS gerathen seyn, solchen Versammlungen, wenn sie in der Pfarrei oder in deren Nähe gehalten werden, beizuwohnen und nach Gelegenheit daS Wort zu ergreifen. Nur wenn mit Gewißheit vorauszusehen wäre, daß seine Anwesenheit Zorn oder Erbitterung unter den Versammelten herbeiführen würde, oder Wender mit Grund befürchten könnte, daß gegen die Religion und die bestehende Verfassung aufrührerische Reden gehalten werden, hat er sich fern zu halten. In diesem Falle aber wird er nicht ermangeln, auf geeignetem Wege seine Pfarrangehörigen und andere, auf die er Einfluß hat, zu ermähnen, daß auch sie der Versammlung nicht beiwohnen. Drittens. Damit die Gemeinde nicht der Verführung sogenannter VolkSsreunde preisgegeben werde, andererseits aber ihre politischen und konstitutionellen Rechte, gewahrt bleiben, hat der Seelsorger die Pflicht auf sich, sie zu ermahiicii, sich einem der bestehenden katholischen Vereine durch Bildung eines FilialvcreineS anzuschließen. Viertens. Hat sich ein solcher Verein gebildet, so wird eS die Sorge deS Seelsorgers seyn, daß er ihm in jeder Weise zu Diensten steht. Selbst beizutreten wird nicht in allen Fällen rathsam seyn; eS wird hinreichen, hie und da den Versammlungen — wo möglich auf Einladung — beizuwohnen, und als außerordentliches Mitglied sich einschreiben zu lassen. Fünftens. Ein Hauptaugenmerk richte er darauf, die religiösen Fragen von den politischen und bürgerlichen zu trennen. Erscheint er in der Versammlung, so erkläre er, daß er nicht als Pfarrer, sondern als Staatsbürger hier sey. Die Religion wird er immer und überall zum Motiv der Handlungsweise seiner Untergebenen machen, nicht aber in allen Tagcöfragcn religiöse Fragen erkennen. Er soll den Beweis liefern, daß die Kirche zeitgemäßen Reformen, die eS wahrhaft sind, nicht im Wege steht. Die Religion ist der Willkür der Herrscher und der Zügcllosigkeit der Völker gleich entgegen. Sie ist die Mutter der wahren Freiheit. Sie befehdet nur den Umsturz und die rohe Gewalt, die zerstört ohne aufzubauen. DaS Volk soll lernen, daß gesetzlicher Fortschritt nicht im Widersprüche stehe mit der treuen Aichängltchkeit an den Glauben und die Kirche, so wie daß eben deßhalb alle Reformen, die dem Glauben und der Kirche widersprechen, oder wogegen diese Einwendungen zu erheben hat, diesen Namen nicht verdienen. Sechs tenö. Ein Haupibcdürfniß ist eS, dem Volke begreiflich zu machen, daß alle Berge zu ebnen, alle Hügel abzutragen, alle Thäler auszufüllen auch die beste Regierung nicht vermöge. Alle menschlichen Einrichtungen tragen den Stempel der Mangelhafligkeit und Unvollkom- menheit an sich. ES ist eine,beklagenswertste Thatsache, daß irgend ein ministerieller Fehlgriff häufig schon den Sturz deS Ministers nach sich zieht. Niemand ist in allen Stücken vollkommen; die bestgemeinten Entwürfe finden oft unübersteiglichc Hindernisse, oder zeigen sich in der Anwendung als unausführbar. Davon können unsere FortschrittSminister viel erzählen. Stark in der Opposition, waren sie desto schwächer, als sie selbst anS Ruder kamen. Also nur keine 'zu hohen Erwartungen! Nur keine Wunder verlangen! Siebentens. Ein starkes Hinderniß eines wirksamen Einflusses der Geistlichen auf daS Volk ist die weit verbreitete Meinung, daß sie nur ihre StaudeSintcrcsscn im Auge haben. Man bemühe sich also, diesem Wahne die Wahrheit gegenüberzustellen. Der Priester zeige durch Wort ') Hiegegtn spricht nicht die von vielen Seelsorgern init Erfolg abgewendete Abhaltung einer Gemeinde zum Zwecke gemeinsamer Besprechung und Beschlußfassung. Wir hatten oben größere Versammlungen im Auge. Veranlwortlicher Redacteur: L. Schönchen. und That, daß er auch in seiner politischen Thätigkeit nicht für sich, sondern für seine Heerdc sorge. Er gebe, waS er geben kann, er entsage freudig für seine Person allen Privilegien und Vorrechten als Staatsbürger, waS nicht mehr zu retten ist, lasse man fahren. Man nehme so den Feinden der Kirche die Waffen auS der Hand, die sie leider mit vielem Erfolge bisher geführt haben. Durch freundliches Zuvorkommen, durch * Nachgiebigkeit und Opferwilligkeit wird man für die materiellen Verluste geistigen Gewinn eintauschen. ES ist hohe Zeit, daß sich der Klerus Freunde mache. Schon steigen neue Wolken am politischen Horizonte auf. Wünschen wir, daß sie sich vertheilen, so lasset unS einträchtiglich mit dem Volke und für daS Volk reden, schreiben und wirken und mit GotteS Gnade bessere Zeiten herbeiführen. BlumS Tod. * München, 23. Jan. Die Nachricht, daß Robert Blum vor seinem Ende, dem Deutschkatholikenthum entsagend, sich nach dem Empfang der heiligen Sacramente der katholischen Kirche sehnte und sie empfing, mußte voraussichtlich in der radicalen Presse einen Rückschlag und einen conliverablen „gesinnungstüchtigen" Lärmen erregen. In München war daS Tagblatt, daS Organ der Deutschkathchischen, also daS Orgai^. der „Liebe," eines der ersten Organe, um die Postzekvung und Konsorten auch dießmal (wie schon so oft) mit einem Schmutzwurf heHiger und '„brüderlicher, liebevoller" Schmähwort? zu überschütten,, auch nebenbei dem Psaffenfreund I)r. Hurter einen kräftigen Settenhicb zu versetzen. Nun beeilt sich ein anderes der gesinnungstüchtigen Blätter, ick einem Artikel „die heilige Landbötin und ihr Anhang» .die Bekehrung Blunl's als Lüge zu erklären und den „Pfaffen" Eines hknauSzugeben. Dasselbe Blatt schließt seine Sammlung für Blum'S Wittwe und Kinder mit der Summe von — 56 fl.! DaS ist daS Resultat beinahe eines Vierteljahres und so begeisterter Aufrufe; wenn man für Blum'S Wittwe und Kinder so viel Mitleid fühlte (und sie verdienen es auch in »Vnchcr Beziehung), hätte man nicht zweckmäßiger einen Theil der SuMie, welche die Münchner Todtenfeier für Blum kostete (Manche glauben, im Ganzen nahe an 2000 fl.) zu jenem Mit- leidszwccke verwenden können? Allein Mancher will wissen, daß es damals mehr auf eine politisch-demokratische Demonstration, als auf eine Todtenfeier abgesehen war. — Zu läugnen, daß Blum als katholischer Christ starb, eS für eine „Lüge" zu erklären, ist leicht, und eö ist in der Welt der .Gesinnungstüchtigen" gewiß auch erfolgreich, denn vr. Hurter ist ! ein „Pfaffenfreund", also unglaubwürdig, Pater Raimund ist ein „Pfaffe», also ebenfalls unglaubwürdig, der Profoß, der etwa als Zeuge dienen könnte, ist ein „Schwarzgelber», also unglaubwürdig, ergo daS Ganze eine Lüge der „Pfaffenpartei". — DaS ist allerdings ganz bequem; aber > fatal war Blum'S Bekehrung für die „Gesinnungstüchtigen", für die „Gewaltmänner der Freiheit", ein wahrer Donnerschlag; denn starb Blum als katholischer Christ, so starb er weder zagend, wie ein tröst- und haltloser armer Sünder, noch keck und trotzig, wie ein Barricadenmensch, der das Hemd von der behaarten Brust reißt, und mit gesinnungstüchiigem Pathos schreit: „hieher zielt, deutsche Brüter!" Blum kann also der Derbheit und modernen Barbarei der modernen Nothrcpublik nicht als Heldenercmpcl hingestellt werden; starb Blum als katholischer Christ, erwähnte jeder gute Katholik dieß mit aufrichtiger Freute und weihte er ihm dabei den Tribut eines anerkennenden Andenkens für eine, wenn auch späte, doch so aufrichtige und in Wahrheit demuthvolle Bekehrung, so hatte die gcsinnungstüchtige Presse einen Anlaß weniger, die glänze katholische und conservative Welt wegen ihrer Be feint ung Blum'S in die tiefste Hölle zu verwünschen; wahrlich, wäre Blum'S Bekehrung noch vor seinen verschiedenen Tvdtenfeiern bekannt geworden, man hätte unter der Zahl der „Gesinnungstüchtigen» statt sunkensprühcnoer Begeisterung so manches kühle und lange Gesicht erblickt. — Danken wir aber Gott, daß Er durch Seine Gnade den Sterbenden rührte und daß dieser dem Zug der Gnade > treu folgte. Verein der heiligen Kindheit. Der Verein der heiligen Kindheit hat in dem letzten Hefte seiner Jahrbücher einen interessanten Bericht über seine bisherige Wirksamkeit h erstattet. Seine Einnahmen betrugen vom 1. Mai 1847 bis zum 1. Mai 1848 95,834 FrancS, die Ausgaben 95,478 FrancS. Davon gingen in Frankreich 76,865 FrancS, im Auölande 18,968 FrancS ein. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Preis t» Augsburg für fich allein (ohne A. PostzeitungljLhrltch Ist. >*kr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur vou Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags-PeLbLatt zur Augsburger Postzeitung. Für fich allein, ohne die Augsburger Post» zeitnng, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandel« zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur L fl. SOkr oder I Lhlr. Neunter Jahrgang L1. Februar L84S. Die katholische Kirche in den Bereinigten Staaten von Nordamerika. Der „Catholic Almanac" für 1849, herausgegeben von F. LucaS in Baltimore, ist so ch«l erschienen. Wir glauben im Interesse unserer Leser zu handeln, wefiw wir auH demselben auszugsweise ihnen hier eine Uebersicht von dem gegenwärtigen Stande der katholischen Kirche innerhalb der nordamerikanischen Union.vorlegen.' Innerhalb des Gebietes der^ Vereinigten Staaten waren, seitdem Oregon dazu gehört, zwei Erzbisthümer, welche, nachdem Galveston, Cleveland, Buffalo und Albany zu BiSthümern errichtet worden, 26 Bis- thümer umfassen. Die erzbischöfltchen Sitze sind Baltimore und Oregon City. Durch Verfügung des apostolischen Stuhles (20. Juli 1847) wurde auch der bischöfliche Sitz von St. Louis zum Range eines ErzbiS- thums erhoben. Auf dem nächsten (siebenten) Concilium der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten (welches am 4. Sonntage nach Ostern 1849 eröffnet werden soll) wird bestimmt werden, welche Liöcesen diese neue Kirchenprovinz ausmachen sollen. Gehen wir nun zu dem Stande der einzelnen Diöcesen über. 1) Die Erzdiöcese Baltimore umfaßt den Staat Marvland und den District Columbia. Sie wird regiert durch den hochwürdigsten Erzbischof Samuel Eccleston (consecrirt am 14. September 1834). Die Erzdiöcese zählt gegenwärtig 65 Kirchen, 3 im Bau begriffene, 9 Kapellen und 10 anderweitige Stationen. Geistliche sind 53 in der Mission und 40 anderwärts beschäftigt. Kirchliche Seminare sind in der Erzdiöcese 3, in welchen sich gegenwärtig 56 Stuvirende befinden. Ferner sind in derselben 5 gelehrte Anstalten für junge Männer, 5 weibliche religiöse Anstalten, 5 weibliche Pensionate »und 27 wohlthätige Anstalten. Die katholische Bevölkerung zählt 100,000 Seelen. 2) Die Diöcese Charleston, welche am 12. Juli 1820 errichtet ward, begreift die Staaten Nord- und Süd - Carolina und Georgien. Bischof der Diöcese ist der hochwürdigste JgnatiuS AloysiuS Reynolds (ward am 19. März 1844 consecrirt). Kirchen sind in der Diöcese 25, im Bau begriffen 2, Missionsstakionen 50. Geistliche zählt die Diöcese 22 und 3 Theologie Studirende. Ferner befinden sich 2 weibliche religiöse Anstalten, 2 weibliche Pensionate, 6 wohlthätige Anstalten und 7 Mäßigkeitsvereine in der Diöcese. Die katholische Bevölkerung beträgt 7000 Seelen. 3) Die Diöcese Galveston umfaßt den ganzen Staat TeraS. Bischof der Diöcese ist der hochwürdigste John Odin, welcher am 6. März 1842 consecrirt ward. In der Diöcese befinden sich 16 Kirchen und Kapellen, -4 im Bau begriffene Kirchen, 16 Geistliche, 4 Schulen und 1 Pensionat für junge Frauenzimmer. 4) Die Diöcese Neu-OrleanS', welche im Jahre 1793 errichtet ward, umfaßt den Staat Louisiana; den bischöflichen Stuhl nimmt der hochwürdigste Anton Blanc, welcher am 22. November >835 consecrirt warb, ein. In der Diöcese befinden fich 56 Kirchen und CapeUen. Geistliche sind verwandt in der Mission 60 und 14 anderwärts. In dem einen Seminare befinden sich 10 Theologie Studirende. Gelehrte Anstalten für junge Männer zählt die Diöcese 2, Pensionate für junge Frauenzimmer 7, Freischulen 3, wohlthätige Anstalten 6 und wohlthätige Vereine 3. 5) Die Diöcese Natchrz begreift den Staat Missisippi; Bischof derselben ist der hochwürdigste John I. Change, welcher am 14. März 1841 consecrirt ward. Die Diöcese besitzt 6 Geistliche und 7 Kirchen. MisfionSstationen find 14. Die Zahl der katholischen Bevölkerung ist 6 — 7000. 6) Die Diöcese NaShville. Sie umfaßt den Staat Tennessee und wird von dem hochwürdigsten Bischöfe Richard PiuS MtleS, welcher am 16. September 1838 consecrirt ward, regiert. Diese Diöcese begreift in sich 6 Kirchen. 2 Kapellen, 20 MissionSstalionen und 8 Geistliche; ferner 5 Geschäften zum heiligen Herzen, 1 Knabenschule, 1 Pensionat sür iunge Fecu nzimmer, 1 Schule für Farbige und l Hospital und Waisenhaus. Die Zahl der katholischen Bevölkerung ist 3000. 7) Die Diöcese Dubuque umfaßt den Staat Iowa; der hoch- Wüpbigste Bischof Mathias LoraS, welcher am 28. Juli 1837 consecrirt ward, ist Bischof Derselben. In dieser Diöcese sind 15 Kirchen, 10 Stationen, 2 JndianeNnissionen und 12 Geistliche; ferner 4 Theologie Stu- dirende (von denen bereits einer Subdiacon ist), 2 religiöse Akademien und eine katholische Bevölkerung von 7000 Seelen. 8) Die Diöcese Milwaukie umfaßt den Staat Wisconsin und wird von dem hochwürbigsten Bischöfe Johann Martin Henni, wel- cher am 19. März 1844 consecrirt ward, regiert. In dieser Diöcese sind bereits 44 Kirchen und Capellen erbaut und noch 23 sind im Bau begriffen. MijsionSstationen sind 42, welche von 33 Geistlichen versehen wer. den. Ferner befinden sich in derselben 1 theologisches Seminar, 1 Kollegium, 4 Ordenshäuser und eine katholische Bevölkerung von ungefähr 40,000 Seelen. 9) Die Diöcese Chicago umfaßt den Staat Illinois. Seitdem Tode deS hochwürbigsten Bischofs William Quarter ist'der Bruder "caselh.'n W. I. Quarter, Administrator der Diöcese. So eben trifft die Nachricht ein, daß der hochwürdigste Vandevelde, früher Provincial ver Gesellschaft Jesu in Missouri, von, heiligen Stuhle zum Bischöfe von Chicago ernannt worden sey. Die Diöcese zählt bereits 68 Kirchen und noch 18 weitere Kirchen sind im Bau begriffen. Die MissionSstationen sind zahlreich. Geistliche sind in der Mission 53 und anderwärts verwendet 4. Ferner sind in der Diöcese 1 theologisches Seminar, 1 Universität, 3 Akademien, 2 Convente, 6 wohlthätige Anstalten unv eine katholische Bevölkerung von 80,000 Seelen. 10) Die Diöcese Cincinnati umfaßt den Theil des Staates Ohio, welcher zwischen dem OhioZUver und dem 40" 4U nördlicher Breite liegt, und auf der andern Seite deö Ohio (Cincinnati gegenüber) die Städte Covinglon und Newport mit einem Gebiete von 3 Meilen Ausdehnung im Staate Kentucky. Die Diöcese steht unter der Jurisdiktion des hochwürdigsten Bischofs John Baptist Purcell, welcher am 13. Oktober 1833 consecrirt ward. Kirchen sind in der Diöcese 65, 4 weitere sind im Bau begriffen. Andere Stationen sind 10. In der Mission sind 58 und anderwärts 12 Priester verwendet. Ferner finden sich in ver Diöcese 1 geistliches Seminar, 10 Theologie Studirende, 1 Collegium für junge Männer, 8 OrdenSgenoffenschaslen, 6 weibliche Pensionate, 5 wohlthätige- und Unterstützungsanstalten, 9 (?) Schulen, 10 religiöse Gesell« schasten und eine katholische Bevölkerung von 65,000 Seelen. 11) Die Diöcese Cleveland umfaßt öen nördlichen Theil (über der Linie vom 40" 4U) des StaateS Ohio; sie steht unter der Jurisdiktion deS hochwürbigsten Bischofs A. Rappe, welcher am 10. Oct. 1847 in der Kathedrale zu Cincinnati consecrirt ward. In der Diöcese sind 34 Kirchen und noch einige sind im Bau begriffen. Andere Stationen find 40. In der Mission sind 28 Geistliche verwendet. In dem Seminare sind 16 Theologie Studirende. OrdenSgenoffenschaslen sind in der Diöcese 4, Pensionate für junge Frauenzimmer 2, wohlthätige Anstalten 6, Mäßigkeitö- gesellschaften 10 und die katholische Bevölkerung zählt 25,000 Seelen. 12) Die Diöcese LouiSvillc umfaßt den Staat Kentucky. Sie steht unter der JuriSdiction deS hochwürdigsten Bischofs Benedict Joseph Fläget (am 4. November 1810 consecrirt), welchem der bochwür- digste Martin John Spalding, Bischof von Lengone und Coadjutor von LouiSville, in der Verwaltung der Diöcese assistirt. Bischof Spalding ward am 10. September 1848 consecrirt. In der Diöcese find 44 Kir- 22 chen, 10 Kapellen, 75 andere Stationen und 46 Geistliche. Geistliche Anstalten find in derselben 2; Kollegien sür junge Männer 2, weibliche religiöse Anstalten 4, weibliche Pensionate 11 und 4 wohllhälige Anstalten. Die katholische Bevölkerung beträgt 30,000 Seelen. 13) Die Diöcese Hart fort umfaßt die Staaten Connecticut und Nhode-Jöland. Der Bischof der Diöcese, der hochwürdigste Win. Tylor, welcher am 17. März 1841 consecrirt ward, refidirt in Providence. In der Diöcese sind 12 Kuchen und 13 Geistliche. Ungefähr 20,000 Seelen beträgt die katholische Bevölkerung. 14) Die Diöcese Buffalo umfaßt den Theil des StaateS New- Uork, der westlich der östlichen Gränzen der CountieS Cayuga, Tompkins und Tioga liegt. Sie ist verwaltet durch den hochwürdigsten Bischof Timon, welcher am 17. October 1847 consecrirt wurde. 27 Kirchen und 30 Geistliche sind in der Diöcese. In dem Seminare befinden sich 8 Theologie Studircntc. Ferner sind in der Diöcese 1 Kollegium sür junge Männer und 5 Anstalten, die unter Leitung der barmherzigen Schwestern stehen. Die katholische Bevölkerung beträgt ungefähr 40,000 Seelen. 15) Die Erzdiöccse St. Louis. Durch ein apostolisches Schreiben von, 20 2">i >847 wurde der bischöfliche Sitz von St. Louis zum Range eines ErzbiSthumS erhoben. Wie oben bereits bemerkt, wirb erst auf dem nächsten Concilium von Baltimore bestimmt weiden, welche Diö- cesen diese neue Kirchenprvvinz bilden sollen. Dieses ErzbiSlhum wird von dem hochwürdigsten Erzbischofe Peter R. Kcnrick, welcher am 30. November 1811 consecnrt wurde, regiert. Es sind in derselben 53 Kirchen und ungefähr 25 andere Stationen. 65 Geistliche sind in der Mission und 42 anderweitig verwendet. Indianer-Missionen sind 6; 3 Seminarien, 3 Kollegien für junge Männer, 14 weibliche religiöse Genossenschaften, 9 Institute für junge Frauenzimmer, 13 Schulen und 8 wohlthätige Anstalten. 16) Die Diöcese Mobile umfaßt die Staaten Alabama und Florida. Der hochwürdigstc Michael Portier, welcher am 5 Novem ber 1826 consecnrt wurde, ist Bischof der Diöcese. 16 Kirchen sind in der Dlöcese und noch 2 weitere Kirchen sind im Bau begriffen. Stationen sind 20 und ebenfalls 30 Geistliche daselbst. Im Seminare befinden sich 5 Theologie Studirende. Ferner sind in der Diöcese I Kollegium sür junge Männer, 3 weibliche Pensionate, 3 wohlthätige Anstalten und eine katholische Bevölkerung von 11,000 Seelen. 17) Die Diöcese Little Rock begreift den Staat Arkansas und steht unter der Jurisdiktion des hochwürbigsten Andrew Byrne (am 10. März 1844 cousccrirl). 7 Kirchen sind in der Diöcese und 2 weitere sind noch nicht vollendet. Stationen sind 10 und 6 Geistliche sind in der Mission verwendet. Ferner sind 1 Seminar für junge Männer und 1 weibliches Pensionat in der Diöcese. Die katholische Bevölkerung ist nur 700 Seelen stark. 18) Die Diöcese PittSburg umfaßt den westlichen District von Pennsylvanieu, welcher von dem östlichen durch die Linie getrennt wird, welche die östlichen Gränzen der Grafschaften Bedsord, Huntingtou, Clear- field, Elk, Mac-Kean und Potter bilden. Die Diöcese wird regiert von dem hochwüldigsten Michael O'Connor, welcher am 15. August 1843 seine Consecration empfing. Kirchen sind in der Diöcese 60, Geistliche 45, Theologie Studirende 21, religiöse Genossenschaften 4 und die katholische Bevölkerung zählt 35,000 Seelen. 19) Die Diöcese Boston umfaßt die Staaten Massachusetts, Ncu-Hampshire, Bermout und Manie. Der hochwürdigste John B. Fitz- patrrck, welcher am 24. März 1844 conftcrirt wurde, ist Bischof der Diöcese. 58 Kirchen sind in derselben und noch einige andere sind im Bau begriffen. Andere Stationen sind sehr zahlreich in jedem Staate. 49 Geistliche sind in der Mission und 8 anderweitig beschäftigt. Ferner sind in der Diöcese l katholisches Kollegium für junge Männer, 1 Waisenhaus und zahlreiche Schulen. Die katholische Bevölkerung beträgt über 80,000.Seelen. 20) Die Diöcese New-Uork umfaßt (seit Errichtung der Diö- cesen Albany und Buffalo) Stadt und Counlh New-Aork nebst den Coun- tieö südlich deö 42. Grades nördlicher Breite und den östlichen Theil des StaateS Neu-Jersey und steht unter der Jurisdiktion dcs hochwürdigsten Bischofs John Hughes, welcher am 7. Januar 1838 consecnrt ward. In der Diöcese sind 56 Kirchen und 5 Kapellen. 75 Geistliche sind in der Mission und 16 anderwärts verwendet. Im Seminare befinden sich 30 Theologie Studirende. Wffseuschaflliche Anstalten für junge Männer sind in der Diöcese 2, ähnliche für junge Frauenzimmer 5, und Anstalten unter Leitung der barmherzigen Schwestern 12. Die katholische Bevölkerung beträgt 130,000 Seelen. 21) Die Dlöcese Albany begreift den Theil deS Staates New- Uork, welcher im Norden und Osten durch die Gränze des StaateS, im Westen durch die östliche Gränze der CountieS Cayuga, Tompkins und Tioga begränzt ist und im Süden bis zum 42. Grade nördlicher Breite reicht. Bischof der Diöcese ist der hochwürdigste Mac-Klos key; er wurde am 10. März 1844 consecnrt. ES sind in der Diöcese 47 Kirchen und 11 sind noch im Baue begriffen. Andere Stationen sind ungefähr 60. In der Mission sind 38 Geistliche verwendet. Anstalten, welche von barm- > herzigen Schwestern geleitet werden, sind 3 in der Diöcese. Die katho- ! lische Bevölkerung beträgt 60,000 Seelen. ! 22) Die Diöcese Detroit, welche im Jahre 1833 errichtet j ward, umfaßt den Staat Michigan. Der hochwürdigste Peter Paul Lefevre, Bischof von Zrla in ,mrt. inliä. ist Coadjutor und Administrator der Diöcese. Er wurde am 21. November 1841 consecnrt. 30 Kir» chen sind in der Diöcese und noch 7 sind im Bau begriffen; andere Stationen sind ungefähr 25. Indianer-Missionen sind 6. 27 Geistliche sind in der Mission verwendet. ES bestehen: 1 geistliches Seminar, 1 Pensionat für junge Frauenzimmer und 13 katholische Schulen. Ferner bestehen 1 Hospital und 11 wohlthätige und fromme Gesellschaften. Die katholische Bevölkerung beträgt 75,000 Seelen. 23) Die Döcese Bincennes, welche den Staat Jndiana umfaßt, steht seit dem Tode des hochwürbigsten Bischofs Bazin unter der Administration des hochwürdigen Herrn Maurice de St. Palais; den neuesten Nachrichten zufolge ist dieser vom heiligen Stuhle als Bischof der Diöcese ernannt worden. Es sind in der Dlöcese 51 Kirchen und Kapellen, und 34 Geistliche in der Mission verwendet. In dem Seminare befinden sich 7 Theologie Studirende. Religiöse Genossenschaften sind in der Diöcese 3, wissenschaftliche Anstalten für junge Männer 1, weibliche Pensionate 5, Schulen unter der Leitung von Schulbrüdern 6. Die katholische Bevölkerung beträgt ungefähr 30,000 Seele». 24) Die Diöcese Philadelphia begreift den östlichen District von Pennsylvanieu, den westlichen von Neu.Jersey und den Staat Dela- ware. Der hochwiircigste Franciö Patrick Kenrick, welcher am 6. Juni 1830 consecrirt ward, ist Bischof der Diöcese. Gegenwärtig sind in der Diöcese 77 Kirchen und 6 Kapellen. 6l Geistliche sind in der ! Mission und 8 anderweitig verwendet. 24 Theologie Studirende befinden ^ sich in dem Seminare. Wffsenichaftliche Anstalten bestehen 6 für Knaben und 5 für Mädchen. Wohlthätige Anstalten zählt die Diöcese 4, und die katholische Bevölkerung beträgt ungefähr 120,000 Seelen. 25) Die Diöcese Richmond, welche den Staat Virginien umfaßt, steht unter der JuriSbiction des hochwürdigsten Bischofs Richard B. Whei an, welcher gegenwärtig in Wheeling resivirt. Er wurde am 21. März 1841 consecrirt. Die Zahl der Geistlichen ist 9, der Kirchen l4, der Capellen 2, der Theologie Studirenden 10, der Schulen für junge Frauenzimmer 3 und der wohlthätigen Anstalten 4. 26) Die Erzdiöcese von Oregon-Cily. Das Oregon-Tern- torium ist in acht Diöcesen getheilt, welche eine Kirchenproviuz bilden, deren Metropolitansiß Oregon-City ist. Den erzbischöfliche» Stuhl nimmt der hochwürdigstc Erchischos Franciö N. Blanchet (welcher 1845 consecrirt ward) ein und verwaltet zugleich auch die Diöcese Nesgualy. — Die Diöcese von Walla-Walla steht unter der JuriSbiction des hochwürdigsten Bischofs Magloire Blanchet, welchem gleichzeitig provisorisch die JuriSbiction über die Diöcesen Fort-Hall und Collville übertragen ist. In diesem Erzbisthume sind gegenwärtig 12 Kirchen und mehrere andere Stationen. Geistliche sind ungefähr 20 in der Mission verwendet. Pensionate bestehen 3 Die katholische Bevölkerung besteht aus 6500 SavageS Indianern und 1600 katholischen Einwanderern aus Canada. Die Misfioue» des Socialismus. Wie oft und mit Recht sind die katholischen Reduktionen der Jesuiten unter den Jndianerstämmen Paraguay's gepriesen und gerühmt und jene Macht, die solche Schöpfungen hervorgerufen und sie zu erhalten vermochte, als eine sehr hohe bewundert worden; eS war dieß aber auch eine Macht, die nicht von dieser Erde stammte, sondern von Gott: eS war dieß jener lebendige Glaube, wie ihn nur die katholische Kirche auszuweisen vermag. Die Redactionen der Jesuiten in Paraguay stehen übrigens nicht vereinzelt da, wir finden außer ihnen noch in Amerika die Reductionen der Franciscaner in Kalifornien; in Asien auf den Hochebenen der Mongolei und Dsungarei zahlreiche einzeln verstreute Dörfer und Niederlassungen, Reductionen im eigentlichsten Sinne deS Wortes, angelegt und bevölkert von flüchtigen chinesischen Neophyten; ferner in Afrika unter den verschiedenen Negerstämmen auf den Küsten von Angola und Mozambique sogar christliche Königreiche unter eingeborenen Fürsten, gegründet und geleitet von katholischen Missionären und Priestern; endlich in dem jugendlichen Oceanicn gleichfalls schon katholische Dörfer und Kolonien, gleichen Ursprunges wie die Rcductionen von Paraguay. So finden wir in allen Erdlheilen, unter allen Racen deS Menschengeschlechtes die katholische Kirche, repräsentirt durch arme aber glaubenSreiche Missionäre und apostolische Männer, als Schöpferin und Erhalkerin der blühendsten Niederlassungen und Kolonien; und selbst die Europäer fühlen sich glücklich und wohl unter dem Schirme der alten, aber ewig jugendlich-kräftigen Mutter, wie dieß u. A. die Kolonie St. Marien stadt in den Bereinigren Staaten von Nerdamerika bekundet. Auch die protestantischen Secten suchten, wie in manchem Andern, der katholischen Kirche hierin nachzuahmen, und wir stoßen namerttlich auf die Secle der Herrn Hüter, die in fast allen Erdtheilen (Oceanien ausgenommen) Kolonien zu gründen versuchte und daS Muster der Nevuclionen von Paraguay (vielfach modificirt freilich nach den Satzungen ihrer Serie) bei der Ausführung ihrer Colonisations-Versuche benützte. Allein, so sehr auch diese Hcrrnhuter-Colouieu von den Herrnhutern selbst gelobt und stets als in, blühendsten Zustande befindlich geschildert wurden; so haben doch neuere Reisende, und zwar Piotestanten, eingestehen müssen, daß diese Kolonien theils wieder aufgegeben worden seyen, theils in einem nichiS Weniger alö blühenden Zustande sich befänden. Dieß gilt zunächst von den Kolonien in Afrika unter den Hottentotten und Bosjemans. Die Kolonien unter den Indianern in Nordamerika sind entweder schon im vorigen Jahrhunderte wieder spurlos verschwunden, oder — in europäische Ansiedelungen verwandelt wurden, in welchen sich auch nicht Ein Neophyte befindet. Dasselbe gilt von den wenigen Colonien im russischen Asien, z. B. Sarepla, einer Niederlassung, in welcher so wenig bekehrte Heiden oder ehemalige Nichtchristen sich aufhalten, als in den Stammsitzen Herrnhut oder Ber- thclsrorf in Sachsen. Um nichts zu übergehen, gedenken wir noch der von dem Prediger Egede im vorigen Jahrhunderte von Kopenhagen aus in Grönland gegründeten Colonien bekehrter Eskimos. Egede, — den man protestantischer Seils dem heiligen Indianer-Apostel Franz Taver an die Seite zu stellen versucht hat, — hatte große Schwierigkeiten zu überwinden, ehe es ihm gelang, einige Eskimos in Colonien a la Herrnhut zu vereinigen; kaum war er aber gestorben, so verschwanden die Neubekehrten wie Spreu im Winde und an ihre Stelle traten dänische Rvbbenjäger und Thransieder. Wir verweilten absichtlich Etwas länger bei den Kolonien der Herruhuter: sie werden ja so oft von den Gegnern der katholischen Kirche als Muster aufgestellt und sollen als Belege dafür dienen, daß der Protestantismus als solcher wohl auch im Stande sey, Colonien, ähnlich den Redactionen der Jesuiten, zu gründen und im blühenden Zustande zu erhalten. Nun wir haben gesehen, wie es mit der Erhaltung deS blühenden Zustandes dieser am meisten gepriesenen aller protestantischen Missionö- Colonien steht, und überlassen es den Lesern des MissionsblalteS sich über die weniger gepriesenen Misstonsstakionen anderer protestantischer Secten hiernach ein Urtheil zu bilden. Wir erwähnten oben der katholischen Kolonie St. Marienstadr in den Vereinigten Staaten und deuteten darauf hin, daß die katholische Kirche auch diejenige Kraft besitze, schon civilistrte Menschen — und zwar verschiedener Abstammung — zu vereinigen und ihnen Alles zu sichern, was zu einem so viel als möglich sorgenfreien Erdenleben gehört. Auch der Protestantismus und der Socialismus und Kommunismus haben sich auf diesem Felde versucht, und besonders letztere, indem sie sich die Aufgabe gestellt, den Menschen schon auf Erben glückselig zu machen, ihr Hauptaugenmerk auf die Etablirung überseeischer Niederlassungen und Colonien gerichtet. Wir begegnen auch hier zuerst wieder den Herrnhutern, die, wie schon gejagt, in fast allen Theilen der Welt europäische Colonien gegründet, welche sämmtlich dem Stammsitze Herrnhut, äußerlich wenigstens, auf ein Haar gleichen. Man kann diesen Gemeinden daS Zeugniß nicht absprechen, daß sie ein Bild äußerer Ordnung und Zufriedenheit abgeben; die inneren Verhältnisse sind aber überall sehr verworren und eine eifersüchtige Herrschsucht der Prediger und Nettesten auf der einen Seite hat auf der andern Seite vielfache Unzufriedenheit und Mißstimmung hervorgerufen, die sich zwar noch passiv verhalten, allein über kurz oder lang auf eine die Societät der Herrnhuter Brüdergemeinden vernichtende Weise an den Tag treten werden. — Wir können und wollen hier nicht alle die Anstedelungsversuche deS Protestantismus und AntikatholiciSmus aufzählen und beleuchten, wie z. B. die Versuche der Methodisten, Mormonen, des Würltembergerö Rapp u. A.; nur der Versuche von Seiten des Kommunisten Cabet sey hier ausführlicher gedacht, besonders da dieselben die öffentliche Aufmerksamkeit in unseren Tagen stark in Anspruch genommen haben. Folgendes Schreiben eines Anhängers von Cabet, das so eben die französischen Blätter mittheilen, möge unsere Leser in den Stand setzen, sich ein Urtheil zu bilden über die schaffende und erhaltende Kraft deö CommuniSmuS in Bezug auf Colonien, die von einer religiösen Ueberzeugung oder Ansicht ins Leben gerufen worden. DaS Schreiben lautet: „Ehre uno Ruhm dem Pascha Cabet und seinen Janilscharen! Jka- ricn ist begründet, Jkarien cristtrt, es ist ein Eden, ein wahres irdisches Paradies; o, wenn Ihr Jkarien sehen würbet!" so lauten die enthusiastischen Reden, mit welchen die Schafe, welche darauf hören, verlockt und dann geschoren werden sollen. „Ihr müßt mir blind vertrauen," sagt der Pascha von Jkarien. Auch ich habe wie so viele Andere bescheiden die Augen zugedrückt und mich weder um die Hilfsquelle» des Landes, noch um den Zustand ber Casse bekümmert. Keiner der Passagiere kannte die Einnahmen und Ausgaben, eben so wenig war uns die Urkunde über den Erwerb einer Million Acres Land vorgelegt worden, wir reiste» ab wie wahre Hämmel. Kaum waren wir indessen auf der See, so erklärte mir ber Stellvertreter von Cabet, daß diese angebliche Concession von einer Million AcreS Land gar nicht eristire. Es war dieses die erste Täuschung. Bei unserer Ankunft in Neu-OrleanS erfuhr ich, daß die Waarenniedcrlage zu Shrewport und die Uhren der Ikarier für 1000 FraucS versetzt seyen. Zweite Täuschung. Da ich krank war, so verlaugie ich einen Arzt; der Oberjauitschar Favard antworteie mir aber, in Neu OileanS seyen die Aerzte alle Quacksalber, meine Krankheit sey auch nicht so bedeutend, daß ich mich deßhalb aufhatten sollte, ich solle darum nur nach Jkarien gehe» und mich dort von dem Arzte der Gesellschaft behandeln lassen. Später erfuhr ich indessen, baß der Janilschar Favarv sich nie um einen Arzt bekümmert, daß er vielmehr erklärt habe, er habe kein Geld, um einen Doctor zu bezahlen. Dritte Täuschung. Wie wurde ich aber erst überrascht, als ich nach Shrewport kam und das zur Aufnahme der Frauen bestimmte Gebäude sah. ES befindet sich in einem solchen Zustande, daß die Einwohner sagten, sie möchten keinen Gaul hineinstellen! Die vierte und stärkste Täuschung war unser Zug durch die Wälder und Prairien von TeraS, während dessen wir wegen der Habgier des Oberjanitsckaren alle möglichen Entbehrungen erdulden mußten. Die letzte und traurigste aller Täuschungen war jedoch unsere Ankunft in Jkarien selbst. Wir sandcn bort keinen Menschen, sondern Leichname, keine Spur von Kultur in diesem angeblichen Paradiese, wohl aber 10,000 FrancS Schulden. Am Tage nach unserer Ankunft wurde deßhalb einstimmig mit Ausnahme von drei Stimmen beschlossen, daß die Gesellschaft aufgelöst sey und wir AlleS im Stiche lassen wollten. Der Rückzug war mit großen Schwierigkeiten verbunden und wir mußten unterwegs viele Kranke zurücklassen. Die Koffer und das gesammte Weißzeug deS letzten Zuges mußten auf den Prairien zurückgelassen werden. Wir erwarteten nun zu Shrewport Hilfe von Frankreich aus und es kam auch wirklich eine aus fünf Mitgliedern bestehende Commission am 24. Oktober an, die uns sagte, sie habe im Ganzen 4000 FrancS, während sie in der That 25,000 FrancS hatte. Jeder von unS erhielt nun 55 Francs, womit er sich nach Neu-OrleanS durchschlagen mußte. Ein Mitglied der Commission, NauienS Chaise, ging mit einem Theile dieser Summe durch, die anderen haben einen sogenannten Bruderbund gebildet, dessen Mitglieder alle Wochen 30 SouS zum Besttu der kranken und arbeitslosen Ikarier zahlen müssen. Da indess.n fast Alle, welche auS Teras zurückgekommen, krank sind unv nicht arbeiten können, so werden bloß die jungen Schafe in den Verein treten »nd bezahlen, und wenn sie je einmal Rechnung verlangen, so ward der Janitschar kommen, und ihnen sagen: .Ihr müsset uns blind vertrauen!" Ich für meinen Theil bin ohne Arbeit und habe 1000 FrancS, davon 400 FrancS auf Rechnung meines Neffen, in die Casse geschossen Da indessen mein Neffe nicht kommt, weil Eden in der Auflösung begriffen ist, so glaubte ich, daß ich diese Summe wieder bekommen würde. Als ich aber mit dem Janit- scharen Favard davon sprach, gab mir dieser Vertrauensmann deS Pascha zur Antwort: „Dein Geld wie das aller Anderen ist zum T—." Diese Änderen sind die Familien, welche noch in Frankreich sind, die ihr Geld eingeschossen haben, allein jetzt nicht abreisen werden, weil die ganze Unternehmung aufgegeben ist. In der Sitzung deS BrudervereineS von, 21. Oct. bat ich um einen Vorschuß, damit ich bis zur Ankunft neuer Geldmittel auS Frankreich leben könne. Ich erwarte Geld, denn icb habe an meine Familie darum geschrieben, unv erwarte auck meine Frau, die sitzt schon auf der Reise zu mir seyn muß, und ebenfalls 1200 FrancS eingeschossen hat. Ich versprach hoch und theuer, daß ick diesen Vorschuß zurückgeben würde, so bald mein Geld aus Frankreich ankäme; Alle wußten, baß ich ganz mittellos war und keinen Menschen in Neu-OrleanS kannte. Kraft deS Princips ber Brüderlichkeit wurde mir indessen jede Unterstützung rundweg abgeschlagen. Welch eine Lehre für mich! Möge sie den anderen Unglücklichen zur Warnung dienen, die sich durch Cabet und seine Janit- scharen verführen lassen. E. Dubuisson, Golcarbeiter." AuS diesen Andeutungen und Beispielen läßt sich.zur Genüge erkennen und die Folgerung steht fest, daß nur die katholische Kirche die Kraft besitzt, kirchliche Colonien zu gründen und zu erhalten, alle Secten aber, sie mögen heißen, wie sie wollen, find nicht im Stande, für die Dauer eine Vereinigung von Menschen zu erhalten; denn nur der katholischen Kirche stehen Glaube und Liebe zu Gebote, zwei Bindemittel, die alle anderen überdauern, selbst den Eigennutz, diese so starke Triebfeder menschlicher Leidenschaften. (Katholik.) Alvineirt« I»««,«, qnitt piilvts (AuS: Sechs Predigten über da« heilige Bußsacrament, von W. I. Franz. ') „Uemento Ilomo, guia pulvis es!" So spricht die heilige Mutter, die Kircke, mit Anfang der heil. Fastenzeit zu ihren Kindern ein ernstes Wort: Ich soll gedenken; — du sollst gevenken; — er, sie, soll gedenken; — Wir sollen gedenken! — WaS? — Ich werde sterben; — du wirst sterben; — er, sie, cS wird sterben; — wir werden sterben; — und »auf den Tod folgt das Gericht." (Hebr. 9, 27.) An den Tod sollen wir denken und was darauf weiter kommt! — O, daS ist eine alte Geschichte! sagt der FaschingSmensch, dem das Aschermittwochlied nicht gefallen will; daS ist eine alte Geschichte! Denkt man denn nicht ohnedem genug daran? Nein! sagt die Erfahrung, man denkt nicht genug daran. Stirbt ein AltcS, da sagen die Jungen: Die Jahre waren da; cS hat lange genug gehalten. — Stirbt ein junger Mensch, da sagen dann die Alten: Der oder die hat auch zu geschwinde gelebt, oder fügen, sich selber beruhigend, wohl die Bemerkung bei: Die Jungen, wenn eS zum Krankwerden kommt, reißt es meist schneller weg, als die Alten. — Stirbt ein Kranker, da sagen die Gesunden: DaS war bei dieser Krankheit vorauszusehen!... stirbt ein dem Anscheine nach Gesunder in der Fülle seiner Kraft, — da sagen die Kranken und Kränkler: Er ist ein Opfer seiner Dollblütigkeit geworden; ja sie vertrösten sich: ein oftmaliger Patient sey diel sicherer vor dem Tode, als so ein Riese; weil wer mehr mit Kränklichkeit zu thun habe, viel sorgfältiger sich zu bewahren verstehe.— Stirbt «in Armer, da denken die Reichen: Dem Menschen hat es an Nahrung, Pflege und einem guten Arzte gefehlt: sonst wäre er wohl aufgekommen! — Stirbt ein Reicher, da sagen dann die Armen: Der könnte auch noch gesund seyn, wenn er einfacher gelebt hätte, und die vielen Arzneien haben ihm vollends den Rest gegeben; — einfache Kost und Hausmittel erhalten uns länger.... So und ähnlich denken und reden Tausende, ehe nur Eines auf den rechten Grund kommt und sagt: Der ist gestorben und Die ist gestorben, weil sie sterbliche Menschen waren, wie auch ich bin und nicht weiß, weder den Tag noch die Stunde. — So und ähnlich wie die eben Geschilderten macht man es aber eben, weil man an den Tod nicht denken mag, selbst wenn man von ihm reden muß!... und dock kann nicht daS Vergessen, kann nur daS ernste, lebenSverbeffcrnde Bedenken des nun einmal unvermeidlichen TodeS, diesem seinen Stachel, diesem die vorangehende und nachfolgende Bitterkeit benehmen. Erforsche also dein Gewissen, ordne dein HeilSgeschäft im Andenken der Asche und im Spiegel des TodeS; — und waö du an dir findest, das du im Sterben nicht an dir haben möchtest, — daS ist gewiß nicht recht! Daß es aber wieder recht werbe, mit der Gnade GotteS, in jedem solchen Falle, mahnt mit verdoppelt liebevollem Rufen, mahnt mit Worten, mahnt mit Sinnbildern unsere Heilsbesorgte, liebende Mutter, die hl. Kirche, «den in der heiligen Fastenzeit. — Ein geistreicher christlicher Dichter hat diesen Fastenbußruf in folgenden Denkrcim gefaßt, mit welchem ich schließen will: Zeit der Reue, Zeit der Buße kommt auf'« Neue, Grüßet uns mit ernstem Gruße, Mensch! nicht säume, nimmer hascht eitle Träume! Ist dein Leib nicht Staub und Asche? — Ach ermesse was dir noth, Nicht vergesse deines Heilands bittern Tod! Wein' und klage, daß viel Stunden Daß viel' Tage leer und thöricht sind befunden; Andrer Gram so dich beschwert Wahrlich ist der Müh' nicht werth! Diese heilige Gesinnung und daS ihr entsprechende Thun möge unS begleiten durch die nahende Fasten, durch unsere ganze Lebenszeit! Augsburg, M. Rieger'sche Buchhandlung. Barmherzigkeit eines Priesters. „DaS freie Oesterreich" bringt unter der Aufschrift: „Handlung eines katholischen Priesters auS den Octoberragen von 1848" unter der Chiffre Dr. G. B. folgende Erzählung. Ich kam, meinen Geschäften nachgehend, am 6. October gerade in dem Augenblicke aus dem Stephansplatze an, als der blutige Zusammenstoß der Garden war, und wurde dort in ein Gedränge von Menschen hineingerissen. Bald hörte ich hinter mir Kugeln pfeifen, und viele Menschen, so wie ich, flohen in daS AlumnatSgebäuve; dort merkte ich erst, nachdem ich einigen Verwundeten Hilfe geleistet harte, daß ich selbst im Rücken von einer Kugel verwundet sey. Ich ließ mich in daS deutsche Haus führen, wo der Arzt meine Wunde für tödtlich erklärte, und wirklich hatten mich die Kräfte schon so verlassen, daß ich halb bewußtlos zusammen sank. ES wurde um einen geistlichen Herrn geschickt, und der Priester deS deutschen Ordens, der hochwürdige Pater Holzapfel kam, und versah mich mit den heiligen Sterbsacramenten. Er hatte wohl iir meinen Augen den Wunsch erkannt, ein Plätzchen zu haben, um ruhig sterben zu können, da jede Berührung mir ungeheure Schmerzen verursachte. Da erbarmte er sich, und ließ mich in ein abgesondertes Zimmer bringen, wobei er thätig Hand anlegte, deckte mich dann mit seiner eigenen Bettdecke zu, und pflegte mich mehrere Tage und Nächte unausgesetzt, so daß, wenn ich des Nachts von wüthenden Schmerzen erwachte, ich ihn neben meinem Lager (welches in der Eile auf den Boden gemacht worden war) auf dem harten Fußboden, nur seinen Kopf auf meinem Polster liegend, fand, und er mir dann stundenlang den heiligen Trost der Religion zusprach. Als ich mich so weit erholte, daß eine Operation an mir vorgenommen werden konnte, übernahm er die Kosten derselben, und verwiest mich freundlich zur Ruhe, als ich ihm sagte, daß ich ein ganz armer Mensch sey, und ihm nichts ersetzen könne. Die Operation ging glücklich von Statten, nnv er pflegte mich während meiner Wundfieber fort, so sorgsam, wie es meine eigene Mutter nicht besser hätte thun können, und behielt mich auch, nachdem ich NcconvaleScent wurde, in seinem eigenen Zimmer bei sich, wo er mir manches gar schöne Erbanungsbuch zu lesen gab. So geschah eS, daß ich, an Leib und Seele gesunder von ihm auS dem deutschen Hause entlassen wurde, als ich hineingekommen war. Gott möge cS ihm lohnen, ich kann nichts, als für ihn beten, und seinen guten Lehren folgen. Und dieß will ich auch, so wahr mir Gott helfe. PiuSvereine. BreSlau. Der hiesige Piusvercin beschäftigt sich gegenwärtig mit Errichtung von Abend- und Sonntagsschulcn für Gesellen, Lehrlinge, Arbeiter und Dienstboten. Auch hat sich ein Auöschuß zur Gründung katholischer Volksbibliotheken gebildet. — Ueberhaupt gewinnen die katholischen Vereine in Schlesien immer weitere Ausbreitung, so daß ihre Zahl bereits auf 56 gestiegen ist; die bis jetzt bestehenden entwickeln auch eine Thätigkeit, die von dem Aufschwung katholischer Gesinnung ein herrliches Zeugniß gibt. Wenn man bedenkt, daß fast sämmtliche Vereine wöchentliche Versammlungen halten; daß die meisten ihre Wirksamkeit meilenweit ausdehnen; daß die wichtigsten kirchlichen Fragen allgemach durchbesprochen, und eine gründliche Wissenschaft deS Nothwendigen Gemeingut von Tausenden wird; daß ferner die VereinSglieder eifrige Sendboten im Familien- und Freundeskreise abgeben, so kann man den Segen deS katholischen Ver- einSwerkes nicht gering anschlagen. Augsburg, 8. Febr. Vom hiesigen PiuSverein, der von Tag zu Tag an Bedeutung gewinnt und nun über 500 Mitglieder zählt, während sich bereits auch mehrere Zweigvcreine mit Hunderten von Mitgliedern angeschlossen haben, wurde in seiner gestrigen, zum erstenmal im goldenen Saale in der Jesuitengaffe abgehaltenen Generalversammlung eine Adresse an die Kammer der Abgeordneten angenommen, welche im Einklänge mit der Denkschrift der deutschen Bischöfe für die Kirche die vollständigste Freiheit in Anspruch nimmt. Verantwortlicher Redacteur: 8. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Preis iu Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung) jährlich Ist I» kr. Durch die Post kaun dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung Sonntags - Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. stür sich allein, ohn« die Augsburger Post» zeitung, find diese Blätter nur im Wege de< Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur 1 st. »O kr. oder I Lhlr. Neunter- Jahrgang. ^ 7 . 18 . Februar 181 i-. Nicolaus, durch Gottes Barmherzigkeit und des apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Speyer, allen Geistlichen und Gläubigen der Diöcese Gruß und Segen iu unserm Herrn Jesus Christus. Was der heilige Geist den Aposteln unsers Herrn Jesu Christi hinter dem Schleier der Zukunft gezeigt hat; was der Apostel Petrus zur Warnung, Vorsicht und Wachsamkeit späterer Zeiten vorhergesagt hat (2. Petr. 2, 1) mit den Worten: Auch unter euch werden falsche Lehrer seyn, welche Irrlehren deS Verderbens einführen, den Herrn, der sie erkauft hat, verläugnen, und schnelles Verderben unter sich herbeiführen: — das scheint in unserer Zeit sich erfüllt zu haben. ES sind zwar von jeher viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen (1. Joh. 4, 1), welche das Wort der göttlichen Wahrheit durch ihre verkehrten Meinungen entstellt, und in vielen Gläubigen das Licht deS Evangeliums zu verfinstern gesucht haben. Allein noch in keinem Jahrhunderte, seitdem die heilige Kirche besteht, ist die göttliche Lehre deS Christenthums mit so vereinten Bestrebungen angegriffen, verspottet und verläugnet worden, wie in unsern Tagen. Noch nie waren die falschen Propheten, Lehrer und Prediger deS Irrthums und Unglaubens so zahlreich. Noch nie sind so ungescheuk die Haupimahrb,!' n des Evangeliums verdreht oder verworfen, und die verderblichsten Grundsätze allenthalben in Wort und Schrift verbreitet worden. Noch nie wurde es so frevelhaft gewagt, den Glauben an die himmlische Lehre deS Erlösers, welche die Christenheit seit mehr als achtzehn Jahrhunderten alö das Wort deS Lichtes und des Lebens, als ihr theuerstes Heiliglhum und die Quelle alles Trostes verehrt, in den Gemüthern der Unbefestigten zu erschüttern, zu vernichten, und die Kirche, die ihre Bewahrerin ist, zu zerstören. Als solche falsche Propheten und Jrrlchrer haben wir besonders die Stifter und Verbreiter der seit nicht langer Zeit entstandenen Secte zu erkennen, deren Anhänger sich da freie Christen, dort Deutsch tat ho- liken mit Unrecht nennen. Wie diese Secte in ihrem Entstehen an verschiedenen Orten unsers Vaterlandes von den Gegnern der heiligen K rche willkommen geheißen; so wird sie noch immer gepflegt, gefördert und unterstützt Diese Secte hat, unter Begünstigung der Feinde der Religion und zum Umsturz jeder rechtmäßigen bürgerlichen und kirchlichen Gewalt und Ordnung, mit dem offen ausgesprochenen Bestreben, einen allgemeinen Abfall von dem katholischen Christenthum herbeizuführen, auch in unsern Gegenden Eingang gefunden. Es ist ihr gelungen, durch trügerische Ueber- redung und andere unlautere Mittel manche laue, leichtsinnige, glaubenslose und verweltlichte Seelen zu Anhängern zu werben. Wo gibt eS aber eine Haupliehre des Christenthums, eine Grundfeste der göttlichen Wahrheit, ein aller Annahme wenheS Geheimniß des Evangeliums, welche nicht in den Schriften und Reden der Verkündiger und Theilnehmer dieser Irrlehre verkehrt gedeutet, verhöhnt und in den öffentlichen Bekenntnissen ihres Glaubens oder vielmehr Unglaubens verläugnet werden! So sehr auch diese Glaubensbekenntnisse unter einander im Wortlaute verschieden sind, so stimmen sie doch in der Aufnahme der Irrthümer aller Jahrhunderte unv in der Verneinung aller übernatürlichen Offenbarung mit einander überein. Es ist, Geliebte im Herrn, wie ihr wisset, die Grundlage, auf welcher der ganze christliche Glaube beruhet, und eö ist die UnterschetdungS- lehre der christlichen Religion von jeder anderen: baß wir den einigen Gott erkennen und anbeten sollen in drei Personen, den Vater, Sohn und heiligen Geist. Auf diese heilige Wahrheit sind nach der Vorschrift Jesu die Christen in allen Jahrhunderten getauft und zu deren Bekenntniß durch die Taufe verpflichtet worden. Allein diese höchste und tiefste Offenbarung- deS göttlichen WesenS findet in dem Bekenntnisse dieser Abtrünnigen keine ^ Stelle. Sie halten diese hochheilige Wahrheit, obgleich sie in der heiligen Schrift klar ausgesprochen, und durch die apostolische Ueberlieferung zu unS gekommen ist, für eine menschliche Erfindung und Vorstellung, die man mit Stillschweigen zu übergehen habe. Darum bekennen sie auch Jesum Christum den Herrn nicht als den cingebornen Sohn GvtteS, gleichen Wesens mit dem Vater. Sie bekennen ihn nicht als den von Gott verheißenen Heiland unv Erlöser, der gesandt worven, die abgefallene und verirrte Menschheit zu Gott zurückzuführen. Sie bekennen ihn nicht als den Sohn, durch den Gott in den letzten Tagen zu uns geredet, der daS GotleS-Wort, welches er verkündigte, durch Wunder unv Thaten bekräftiget hat; dessen Belehrung daher wahrhaftig, dessen Gebote verbindlich, dessen Verheißungen zuverlässig sind; der in jeder Hinsicht nur Worte deS Lebens hat. Diese Abtrünnigen bekennen Jesum Christum nicht als den Mittler, in welchem Gott die Well mit sich versöhnte (2. Kor. 5, 19); der durch seine Hingabe in den Tod und seinen Gehorsam bis zum Tode ces streuzeS unsere Schuld getragen, gut gemacht, unsere Rechtfertigung verdient; und der durch seine Auferstehung uns die unendliche Vaterliebe Gottes verbürgt hat. Sie bekennen ihn nicht als den, dem alle Gewalt ' '-st im Himmel und auf 'Erden. Ti. ..ek......-.» ihn nicht als den Richter der Lebendigen und der Todten, den Geber des Lebens und der Unsterblichkeit. Sie halten den Herrn Jesum Christum nicht für mehr als einen Menschen. Sie lassen ihn nur gelten als ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung, als einen ausgezeichneten Lehrer, der die jüdische Religion verbessert, gereinigt, und die Menschen zur Erkenntniß der religiösen Wahrheiten der Vernunft gebracht habe. Die Erlösung von der Sünde durch den Tod Jesu, seine Stellvertretung unv das Vertrauen auf seine unendlichen Verdienste nenne» sie einen Wahn; da auf der menschlichen Natur keine erbliche Schuld liege und die Menschen zur Vergebung der Sünde nur eigener Besserung bedürfen. Was die heilige Schrift von der übernatürlichen Geburt deS göttlichen Heilandes, von seinen wundervollen Thaten, von seiner Auferstehung und Himmelfahrt erzählt, geben sie auS für unverbürgte Sagen und bildliche Vorstellungen der alten Welt, welche gläubig anzunehmen nicht nothwendig sey. Der heilige Geist ist diesen Abtrünnigen keine hochheilige, göttliche Person; sondern nur die geistige, religiöse Gesinnung, ja selbst daS wechselnde religiöse Bewußtseyn der Zeit. Sie lehren daher, eS sey Täuschung, vom heiligen Geist übernatürliche Gnadcnwirkungen erwarten wollen. Die heiligen Sacramente, welche diese Jrrlehrer, außer der Taufe und dem Abendmahle, verwerfen, sind ihnen daher nicht sichtbare, kräftige Zeichen der göttlichen Gnade, sondern nur Gedenkzeichcn der Ausnahme in ihre Gemeinde, Erinnerungen an Christus den Lehrer. Ja, die Taufe halten sie nicht einmal für nothwendig, da ohne dieselbe auch Juden in ihre Gemeinde aufgenommen werde». Die heilige Kirche halten diese Verirrten nur für eine menschliche Anstalt. Die kirchliche Gewalt und Gerichtsbarkeit, lehren sie, sey nur GeisteSdruck'und zur Gewissensknechtung eingeführt, von deren Fesseln man sich befreien müsse. Deßhalb hätten auch, so behaupten sie, die Gesetze, Anordnungen und Gebräuche der Kirche für die freien Gewissen keine verbindende Kraft. Sie erklären zwar, daß sie nebst der Vernunft die heilige Schrift als Quelle ihres LehrbegriffeS annehmen; aber sie verehren sie nicht als ein unter GotteS Eingebung geschriebenes Buch, und fälschen dieselbe durch verkehrte Deutung unv Auslegung. Sie ziehen die AuSsprüche der heiligen Schrift vor den Richterstuhl ihrer schwachen und doch übermüthigen Vernunft und sagen eS unverholen: daß sie nur Jenes in der heiligen Schrift für wahr erkennen, was sich mit der Vernunft, welche allein unser Denken zu leiten und zu berichtigen habe, begreifen lasse. Alles Geheimnißvolle, Wunderbare und Uebernatürliche lassen sie unbeachtet oder verwerfen eS als irrig. Sie vermessen sich zu behaupten, daß selbst die Lehre Christi, in welchem doch alle Schätze der Weisheit und Erkenntniß verborgen sind (Kol. 2, 3) und seiner Apostel, einer wettern Ausbildung und hohem Vervollkommnung fähig sey; und daß eS bei dem Christenthume überhaupt auf den Glauben nicht ankomme, sondern nur die Liebe das Wesentlichste desselben sey. AuS dieser kurzen Darstellung werdet ihr, Geliebte im Herrn, erkennen, wie wiverchristlich, wie dem Evangelium entgegengesetzt die Lehre dieser Secte ist. Ihr werdet erkennen, mit welchem Unrechte Jene, die sie angenommen haben, und ihre Anhänger, sich noch Christen und wahre Bekenner unsers Herrn und Erlöjers nennen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh. 14, 6.). Höret den geliebten Jünger des Herrn, der mit dem größten Nachdrucke sich gegen solche Jrrlehrer erklärt (1. Joh. 2, 22. 23.). Wer ist, so spricht er, Wer ist der Lügner, alö der, welcher läugnet, daß Jesus der Christus ist. Daö ist der Widerchrist, wel- cher den Barer und den Sohn läugnet. Jeder, der den Sohn verläugnet, hat auch den Vater nicht; wer aber den Sohn bekennt, hat auch den Vater. Daran, so lehrt ferner derselbe Jünger der Liebe (1. Joh 4, 2. 3.), wird der Geist GvtleS erkannt: Jeder Geist der bekennet, daß Jesus Christus, im Fleische gekommen ist, der ist aus Gott. Jeder Geist aber, der Jesum läugnet, ist nicht auö Gott, sondern er ist der'Wider- christ. Und wieder schreibt der Jünger der Liebe (l. Jol). 5, 10. 11.): Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat Gottes Zeugniß in sich: wer dem Sohne nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner, weil er an das Zeugniß nicht glaubt, welches Gott von seinem Sohne bezeuget Hai. Und oaS ist vaS Zeugniß, daß uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohne. DaS ist aber der Sinn dieser Worte dcS Apostels: Wer nicht Jesum als den eingebvrnen Sohn GotleS bekennt; wer ihn nicht hält für den Christus, den Heiland und Mittler der Menschen, der um unseier Erlösung willen in das Fleisch gekommen, Mensch geworden, und daher Gott und Mensch zugleich ist; wer ihn nicht erkennt als den Urheber veS geistigen und unsterblichen Lebens; wer an ihn nicht glaubt, durch welchen der Vater sich gcoffenbaret hat; wer hingegen seine göttliche Lehre, die er verkündigt hat, in Zweifel zieht und verwirft, der bekennt auch den Vater nicht, der kann sich auch seiner Liebe und Gnade nicht trösten. Denn Niemand kommt zum Vater alö durch den Sohn (Joh. 14, 6.). Mit noch größerer Ungebühr maßen sich diese Abtrünnigen den Namen Katholische an, und nennen sich Glieder der allgemeinen, durch alle Länder der Erde verbreiteten, auf Erden streitenden, un Himmel triumphi- renden Kirche, die erbaut ist auf den Grund der Apostel und Propheten, wovon Christus der Eckstein ist (Eph. 2, 20.); der Kirche, welche seit mehr als achtzehn Jahrhunderten die himmlische Lehre des Herrn rein, unverkürzt und unverfälscht bewahrt har, und deren Bekenntniß so viele tausend Märtyrer mit ihrem Blute besiegelt haben. Diese Abtrünnigen, wenn sie auch von uns ausgegangen sind, so waren sie doch nicht auS uns (1. Joh. 2, 10.). Sie sind daher nicht mehr erbaut auf den Grund der Apostel. Sie haben sich losgerissen als unbefestigte Steine aus dem heiligen Tempel Gottes und sind der Stadt GoilcS Fremdlinge geworden. Sie haben sich losgetrennt von dem Felsen der Küche, losgesagt von dem Mittelpunkte der Einigkeit, dem obersten Hirten, dem der Herr anvertraut hat, seine Lämmer und seine Schafe zu weiden auf Erden (Joh. 21, 15 ff.), und von den Bischöfen der Kirche, welche der heilige Geist gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren (Apostelg. 20, 28.). Sie wollen nichts hören von der Gemeinschaft der Heiligen und von der liebevollen Fürbitte der gnadenvollen Mutier Gottes und der Auserwähllen im Himmel. Sie verwerfen und verachten und wollen keinen Antheil mehr haben an dem erhabenen Opfer deS Altares, an der Vollzahl der heiligen Sacramente, an allen HeilSmitteln der Kirche, an ihren heiligen Anordnungen und Uebung gen. Sie wollen nicht mehr untergeben seyn als treue Kinder der mütterlichen Pflege und Zucht der Kirche. Wie können sie also den Namen Christen und Katholiken führen, wenn nicht zur Täuschung, zur lügenhaften Verführung der Unverständigen? Wie können sie den Namen haben, als ob sie lebten, da sie doch todt sind (Geh. Off. 3, 1.)? Muß nicht, da sie dem wahren Glauben abgestorben sind, aus ihren Irrthümern der Grabesgeruch der Verwesung aller Gottseligkeit heraufsteigen? Wir haben euch, Geliebte in dem Herrn, nun den Inbegriff des Unglaubens und die Menge der Irrlehren dieser Secte, in welche Jene, die zu ihr übertreten, Viele vielleicht wiver ihrem Willen, nur angelockt und verblendet durch trügerisches Zureden verfallen, zu eurer Warnung vor Augen gestellt, damit ihr nicht jedem Geiste glaubet, sondern prüfet, ob sie aus Gott sind (1. Joh. 4, 1.). Wir aber würden unsere schwere Pflicht, zu wachen über eure Seelen, die unserer oberhirtlichen Obsorge anvertraut sind, versäumen, und große Verantwor- ! lung vor Jesus Christus, dem Hirten unv Bischöfe eurer Seelen (I.Petr. !2; 25.), uns zuziehen, wenn wir euch, die ihr den Glauben bewahret ^und dem Herrn Jesus Christus und seiner Kirche treu seyd, nicht auch die schwere Versündigung darlegten, deren Jene sich schuldig machen, welche an der Gemeinschaft der Abtrünnigen Theil nehmen, und wenn wir euch nicht auf die große Gefahr aufmerksam machten, die ihrem Seelenheile drohet. Warnend rufen wir euch daher mit dem Apostel zu: Lasset euch nicht von jedem Winde dvr Lehre hin- und Hertreiben durch die Schalkheit der Menschen, durch die arglistigen Kunstgriffe der Verführung zum Irrthume; sondern übet die Wahrheit in Liebe und nehmet zu in allen Stücken in !ihm',' der das Haupt ist, Christus. (Eph. 4, 14. 15.). Folger j dem Jünger der Liebe, welcher euch mahnt (2. Joh. 8, 9.): Sehet euch ^vor, daß ihr nicht verlieret, waS ihr erwirkt habt, sondern ^vollen Lohn empfanget. Jeder, der abweicht und nicht in !der Lehre Chrisü bleibet, hat Gott nicht; wer in der Lehre ^bleibet, der hat tz'en Vater und den Sohn. Wie aber konnten wir es in unserm bischöflichen Amte vor Gott ! verantworten, wenn wir nicht mit allem Eifer der väterlichen Liebe auch Jene, die schon am Glauben Schiffbruch gelitten, und in der Anfechtung gefallen sind, bitten und im Namen Jesu Christi ermähnen und beschwören würden, den verderblichen Irrthum zu verlassen, und zu der wahren Heerde zurückzukehren, für welche der göttliche Hirt sein Leben gelassen hat? Denn wie groß uud schrecklich ist doch die Versündigung, seinem Taufbunde untreu werden, und dem Bekenntnisse deS dreieinigen GottcS, auf welches wir in der Taufe eingeweihet werden, entsagen und dadurch auch auf die Seligkeit verzichten, die bei diesem Bunde verheißen wird! Wie unverantwortlich ist eS doch, den Herrn Jesum Christum, als den eingebvrnen Sohn Gottes, verläugnen, der unS von Gott zur Weisheit geworden ist, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung (1. Kor. 1, 30.). Denn, wer an den Sohn glaubt, der hat vaS ewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, der wird daS Leben nicht sehen, sondern der Zorn GotteS bleibt über ihm (Joh. 3, 36.). Wie vermessen und strafbar ist es doch, den Feinden der Kirche sich anschließen, und mit ihnen sich gegen sie auflehnen und empören, da sie doch die Verheißung des Wahrhaftigen hat, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden! Wie vermessen ist eS, sich selbst aller Gna- denmiltel, Quellen und Kräfte deS Heils berauben, die uns in der Kirche dargeboten werden! Vor diesem Uuheile warnt der Apostel, wenn er an die Hebräer schreibt (Hebr.2, 3.4.): Wie werden wir entfliehen, wenn wir ein so großes Heil außer Acht lassen, welches anfangs von dem Herrn kund gemacht, dann von denen, die eS gehört, in uns befestigt worden ist, unter GotteS Mitbe- stätigung durch Zeichen und Wunder und mancherlei Krafterweisungen und Gaben deS heiligen Geistes nach seinem Willen? Und wird den unglücklichen Abtrünnigen wohl Freude und Wohlfahrt auf Erben erblühen aus ihrem traurigen Abfalle? Die Gunst der Feinde der Religion können sie zwar gewinnen; die Verführer können ihnen zeitliche Vortheile bieten, aber den Segen Gottes werden sie verlieren. WaS nützte eS ihnen aber, wenn sie die ganze Welt gewännen, an ihrer Seele aber Schaden litten (Matth. 16, 26.)? Werden ihre Kinder ihnen Freude machen durch Gehorsam und Wohlvershallen, welche sie nicht in der Zucht dcS Herrn erziehen, sondern von dem Herrn und seiner Wahrheit abwendig gemacht, unv auf den Weg des Verderbens geführt haben? Wird ihnen der Muth nicht sinken in den Tagen der Trübsal? Werden sie mit Vertrauen auf Gott unv mit Zuversicht hinzutreten können zum Throne der Gnade deS SohneS GotteS, deS Mittlers und mitleidigen HohepriesterS, den sie als solchen nicht mehr bekennen, damit sie Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden, zur Zeit, wenn sie Hilfe nöthig haben (Hebr. 4, 16.)? Werden ihnen nicht alle Quellen deS Trostes und der Beruhigung versiegen, die nur daS Christenthum seinen treuen Bekennern eröffnet? Werden die Erinnerungen ihres frühern christlichen Glaubens und deS seligen Lebens in Christo, welche sie doch in ihrer Seele nicht vernichten können, nicht einmal über daS andermal ihnen ihren schmählichen Abfall strafend vorhalten? Wird ihnen die Qual deS bösen Gewissens nicht den Frieden der Seele für immer rauben? Und endlich in der Stunde des Todes, wo alle 27 Blendwerke des Betrugs verschwinden, wo die Stimme der Verführer nicht mehr Gehör findet vor der ernsten Aussicht in die Ewigkeit; wie wird die Furcht sie nicht ängstigen und die Hoffnungslosigkeit sie umlagern, wenn sie dahin scheiden ohne Reue und Buße, unv unversöhnt erscheinen vor dem Richterstuhle dessen, der den Ausspruch gethan hat: Wer mich vor den Menschen bekennet, den will ich auch vor meinem Vater im Himmel bekennen; wer mich aber vor den Menschen ver- läugnet, den will auch ich vor meinem Vater vertäu gnen, der im Himmel ist (Matth. 10, 32. 33.). Darum nun, Geliebte im Herrn, nehmet unsere väterlich warnenden Worte der Ermahnung zu Herzen und lasset euch von Niemanden irre führen aus keine Weise (2. Thess. 2, 3.). Lasset euch nicht abwendig machen von unserm heiligen katholischen und apostolischen Glauben. Ihr aber, die ihr den Weg der Wahrheit verlassen habt, kehret reumüthig zurück und rettet eure Seelen. Damit aber Niemand sich täusche, damit Niemand unser bisheriges Stillschweigen zur Entschuldigung seiner Verirrung vorwende, indem wir bisher noch hofften, die Lethörlen würden von selbst und auf die '.Mahnung ihrer Seelsorger die Leerheit und Nichtigkeit der Irrlehre erkennen und sie verlassen, so erklären wir: 1. Daß alle Jene, welche die katholische Kirche verlassen und in die Gemeinde der neuen Irrlehre eintreten, als ihre Glieder sich einzeichnen lassen, oder das sogenannte Abendmahl der Abtrünnigen empfangen haben, wenn sie auf die wiederholte Ermahnung ihrer Seelsorger nicht ausireten aus derselben, unv Las Bekenntniß ihres Unglaubens nicht reumüthig widerrufen, in die Strafe des Kirchenbannes verfallen sind, und fortan aus dem Schooße der heiligen Kirche ausgeschlossen sind, somit aller Gnaden, heiligen Sacramente und Diensterwcisungen der Kirche Gottes verlustig werden. 2. Da das heilige Sacrament der Taufe auf dem Glauben an den dreieinigen Gott, und auf dem Erlösungstode unsers Mittlers und Heilandes Jesu Christi beruhet, welche Glaubenswahrheiten die neuen Jrrlehrer verwerfen; so müssen wir fürchten, daß sie die von dem göttlichen Heilande verordnete, rechtmäßige Weise der AuSspendung .der heiligen Taufe nicht beobachten, und die von ihm vorgeschriebenen heiligen Worte der Weihe, wovon die 'Giltigkeit der heiligen Taufe abhängt, verändern oder verstümmeln, wie schon geschehen ist. Wir verordnen daher, daß alle von diesen Seclirern getauften Kinder oder Erwachsenen, wenn sie in die Kirche ausgenommen werden wollen, bedingungsweise getauft werden sollen. 3. Erklären wir, daß alle katholischen Christen, welche den religiösen Handlungen dieser Scctirer beiwohnen, ihre Reden und Vortrage anhören, oder gar die Gründung der Gemeinden derselben begünstigen und unterstützen, sich der fremden Sünde schuldig machen, und gewtssermaaßen Antheil nehmen an ihrer Untreue. Dabei aber, Geliebte im Herrn, legen wir euch dringend an das Herz: So sehr ihr auch den Irrthum und den Unglauben euerer unglücklichen verirrten Brüder verabscheuen und meiden sollt, laßt euch nicht gegen sie erbittern; versagt ihnen die herzliche Liebe nicht; seyd immer, wie eS wahren Christen geziemt, bereitwillig zu aller Dienstleistung und Wohlthätigkeit nach eueri» Vermögen und ihren Bedürfnissen; besonders aber erweiset Barmherzigkeit ihren Seelen, die in so großer Gefahr ihres Heiles schweben; wendet zu ihrer Rettung den Einfluß an. welchen euch euer Ansehen, euer Beruf, die Bande des BluteS und der Verwandtschaft, der Freundschaft, des Umgangs und der gemeinschaftlichen Lebensvcrhällnisse auf sie gewähren; und werdet nicht müde mit Freimüthigkeit ihnen die Augen über ihren Irrthum zu öffnen, die Gefahr ihnen zu enthüllen, die ihrer Seele drohet, und sie zu warnen vor dem Verderben, dem sie entgegen gehen. Höret nicht auf mit sanftmüthigem Geiste, mit herzlich brüderlicher Liebe sie zu ermähnen und um der Liebe Christi willen sie zu bitten, zurückzukehren zu der Wahrheit, von der sie abgewichen sind; unterlasset nie, die Wankenden mit aller Treue zu dem Herrn im Glauben zu befestigen und in der Kirche zu bewahren. Ermähnet ench selbst einander, nach der Weisung des Apostels, alle Tage, so lange eS noch „heute" heißet, damit nicht Jemand verhärtet werde durch den Trug der Sünde (Hebr. 3, 13.). Verbindet aber auch mit euern Bemühungen anhaltende Fürbitte zu dem Geiste der Gnade, in Vereinigung mit der wirksamen Fürbitte der Mutter unsers Herrn und aller unserer verklärten Brüder im Himmel, daß er erwecke die Abgefallenen zur Sinnesänderung, daß er sie zurückführe auf den Weg deS Lebens und der Glückseligkeit, in die Gemeinschaft deS Sohnes Gottes und in den Schooß seiner heil. Kirche. Bedenket, was der Apostel lehrt (Jak. 5, 19. 20): Meine Brüder! wenn Jemand unter euch von der Wahrheit abgewichen seyn sollte, und Jemand ihn bekehret, der wisse, daß, wer den Sünder »so seinem Irrwege zurückführt, dessen Seele vom Tode errettet, und die Menge der Sünden bedeckt. So werdet auch ihr theilhaftig der Freude de« Himmels über die Sünder, die Buße thun. Endlich aber ermuntern wir euch, Geliebte im Herrn, selbst eure Vorsicht und Wachsamkeit zu verdoppeln in der gegenwärtigen Stunde der Versuchung, die gekommen ist über den Erdkreis, zu prüfen die Bewohner der Erde, an dem zu halten, waS ihr habt, damit Niemand eure Krone nehme (Geh. Off. 3, 10. 11.). Hütet euch, daß ihr durch den Irrthum der Thoren nicht mit fortgerissen werdet und eure eigene Fe st igkeit verlieret; wachset vielmehr in der Gnade und Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi (2. Petr. 3, 17. 18.); damit ihr allzeit bereit seyd zur Verantwortung gegen Jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über eure Hoffnung, doch mit Sanftmuth und Ehrfurcht (1. Petr. 3, 15. 16). Je gewaltiger und feindseliger die Bestrebungen, Mittel und Bemühungen der falschen Propheten und Jrrlehrer sind, daS Reich deS Unglaubens zu verbreiten, unv die heilige Kirche zu untergraben; desto fester stehet im Geiste und Eines Sinnes, für den Glauben deS Evangeliums zu kämpfen, und wandelt würdig dieses eures Glaubens (Phil. 1, 27.); desto enger schließet euch an einander und an eure Seelenhirten an im Glauben und in der Liebe; desto größer und aufrichtiger sey eure Ehrerbietung gegen, die heilige Kirche; desto williger sey euer Gehorsam gegen ihre Vorschriften; desto eifriger sey euer Bestreben, die heilige Religion, die ihr bekennet, zu ehren durch einen untadclhasten Wandel in aller Gottseligkeit. Denn wie ihr Jesum Christum, den Herrn angenommen habet, so wandelt in ihm, eingewurzelt und gegründet in ihm, und fest im Glauben, so wie ihr gelehrt worden, und wachset in ihm mit Danksagung (Kol. 2, 6. 7.). Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft deS heiligen GelsteS sey mit euch Alle». Amen. Speyer, am Feste der Erscheinung deS Herrn (6. Januar) 1849. h N i c o l a u S, Bischof. Deutschland. Linz. Wir können nicht umhin unsern Lesern daS herzliche Schreiben deS hochwürdigsten Herrn Bischofes von Linz an daS ehrwürdige Kollegium der versammelten Bischöfe Deutschlands zu Würzburg nebst der Antwort hierauf mitzutheilen. Eure Eminenz, Hochwürdigstcr Herr Cardinal und Primas! Eure Excellenzen, Hoch- und Wohlgeborne, Hochwürdigste Herren Erzbischöfe, Bischöfe und Doctoren der Theologie! Sehr gerne würbe ich Ihrer so heiligen, Ihrer so hohen Versammlung, Erhabene Brüder! beigewohnt haben, hätte nicht die bedrängte Zeit, die, wie Sie wohl wissen, gegenwärtig über Oesterreichs Lande hereingebrochen, allseitig mich daran gehindert. Geleitet von meinem priesterlichen Berufe, durchdrungen von der Liebe für die katholische Kirche, die seit früher Jugend mir im Herzen glüht, gedachte ich, so schwer auch die Last der Jahre und allmälige Verfinsterung meines Augenlichtes auf mir liegen, in Begleitung eines Genossen in Ihre Mitte zu eilen. Glauben Sie meiner Versicherung, hoch und abermal hoch schätzen wir Ihre Versammlung, die, wenn je, so gewiß in unsern Tagen zur höchsten Nothwendigkeit geworden ist, auf daß der alte, angestammte Glaube vertheidiget, und die priesterliche Zucht wieder befestigt werde in den deutschen Landen. Nicht so viele Schwierigkeiten erheben sich dawider, als vorzüglich unzählbare Schaaren von Feinden, die man theils Ungläubige, theils Liberale oder Jndifferentisten zu nennen gewohnt ist. Der Haß gegen daS Christenthum muß also gemildert, das Vvrurtheil müßiger Menschen mit Sanftmuth widerlegt, und die hie und da eingerissene Lauheit der Gläubigen mit aller Kraft zur wahren Frömmigkeit zurückgeführt werden. Auf daß Ihre Bemühungen, Erhabene Brüder! dieser heiligen Absicht entsprechen, flehe ich, obwohl ferne von Ihnen, mit meinem Klerus unv meiner Heerde täglich zu Gott, um so mehr, da ich, als Bischof der Aelteste in unserm theuren, deutschen Vaterlaude, so sehr gewünscht hätte, mit meiner Wirksamkeit und Demuth, mit meiner Bereitwilligkeit und Geneigtheit in Ihrer Mitte zu weilen, und nach meiner noch geringen Fähigkeit Ihre weit stärkeren Kräfte wenigstens durch meine Winke zu unterstützen. UebrigenS wird der gute, fromme Wille und, wie gesagt, daS gemeinsame Gebet der Gläubigen meine wie immer gestaltete Leistung ersetzen. DaS Oberhaupt unterer katholischen Kirche PiuS IX. wird het- S8 irren Antlitzes Ihren heiligen Sitzungen wenigstens im Geiste beiwohnen, so wie unsere seligsten Vorfahren, ein Bonisaz, ein Kilian, ein Wilibalv, rtn Adalbero, ein Ulrich, ein Rupert, ein Benno, ein Maximilian u. s. w. Solchergestalt wird, wie vor AlterSzeit die Eine, Heilige, Apostolische, Katholische Kirche ztz Nicäa, EphesuS, Chalcedon n. s. w. auch, Ihre Versammlung in unserm geliebten Vaterlande daS Band der christlichen Einheit immer fester schlingen. O im Herrn versammelte Oberhirten! DaS Petro-apostolische Lehramt wird fest stehen, und den spätesten Nachkommen noch den ursprünglichen, reinen katholischen Glauben vermitteln. Meine „Betrachtungen", die mir die jüngst verflossenen Tage in die Feder zu dictiren schienen, lege ich demüthigen Herzens Ihrer Erwägung vor, und verspreche mein inständiges Gebet zum Himmel. Nicht minder bitte ich aber, daß Sie mir und meiner Heerde Ihren Segen ertheilen. Ihrer hochverehrten Versammlung demüthiger Bruder der Bischof von Linz' An den ehrw. Senat der zu Würzburg versammelten Bischöfe. Antwort Sr. Excellenz deS ErzbischofcS von Köln, JohannneS, im Namen des hohen CollegiumS der versammelten Bischöfe, als erwählten Präses, an den hochwürdigsten Bischof zu Linz. Eucre Excellenz, Hoch- und Wohlgeborner, Hochwürdigster Herr! In Christo geliebtester Bruder! DaS höchst angenehme Schreiben, welches Sie am 28. Octvber d. I. zugleich mit Ihren erst jüngst veröffentlichten Betrachtungen an UnS gesendet, wurde in Aller Gegenwart bei Unserer Sitzung vom 3. d. M. vorgelesen, und hat Unsere Herzen auf daS Zärtlichste berührt. Eine so besondere Reinheit und Liebe der Seele leuchtet aus selbem hervor, einen so ächten Eifer für Religion und Frömmigkeit athmet cS, daß UnS nichts Angenehmeres und Freudigeres hätte zu Theil werden können, als dieses ehrenvolle Zeugniß der Hochachtung von Seite eines solchen, eines so hochverehrten Mannes. Aber einen desto tiefern Schmerz haben Wir auch darüber empfunden, daß Wir bei Unseren Berathungen über so schwierige und so hochwichtige Gegenstände die Gelehrsamkeit, die Weisheit und daS Ansehen Unsers geliebtesten und erfahrenste» Bischof-SeuiorS entbehren müssen. Den Schmerz mildert, und Trost gewährt Ihr frommer Wille gegen unS, vermittelst welchem Sie so freundlich und gütig versprochen, mit Ihren und den Gebeten Ihrer Heerde Unsere Arbeiten und Berathungen zu unterstützen, und die Wahrnehmung^ daß Wir noch immer dasselbe, wie Sie gefühlt, und denselben Endzweck UnS vorgesetzt haben. Denn dieses Ziel werden Wir nach Kräften verfolgen, daß der katholische Glaube unverletzt bewahrt, daß das Band der allgemeinen, kirchlichen Einheit mit dem Statthalter Christi auf Erden erhalten werde, und so zugleich mit dem Wohls unseres theuren Vaterlandes daS Heil der hohen Braut Christi erblühe und weit hin erstrahle. Alles, worüber Wir gehandelt und was Wir schriftlich niedergelegt haben, werden Wir Ihnen mittheilen. Leben Sie wohl. — Würzburg, 6. Nov. 18-18. — Johannes, Erzbischof von Köln, des heiligen apostolischen Stuhles geborner Legat. Alls den katholischen Missionen. Neu-Orleans, 10. Oct. Heute, am Feste des heiligen Frau- ciScuS BorgiaS wohnten wir dem feierlichen Gottesdienste im Kollegium der Gesellschaft Jesu bei. Hohe Andacht, dankbare Freude und tiefer Schmerz waren die Gefühle, die uns während und nach dem heiligen j Opfer und der Predigt erfüllten. Auch der leichtsinnigste und ungläubigste! Mensch wird die Gefühle der Andacht mit unS theilen müssen, wenn er! in einer Kirche der Gesellschaft Jesu dem Gottesdienste beizuwohnen das! Glück hat. Der katholische Cultus, groß und erhaben, die Sinne würdig ! fesselnd und die Herzen hinreißend, bekommt in den Kirchen der Jesuiten ^ etwas eigenthümlich Kindliches, Rührendes, wir möchten sagen Seraph!-! schcS, ohne daß die Großartigkeit und Erhabenheit des Cultus darunter! litte. Woher kommt dieß? Wir antworten hierauf: dieß kommt vcn der^ aufrichtigen Demuth und dem innigen Glauben Derer, welche die heiligen ! Geheimnisse feiern. Ein Priester der Gesellschaft Jesu, am Altare das! Opfer darbringend, wird durch seine ungcheuchelte Andacht, durch die! glühende Ueberzeugung, die sich in seinen Blicken abspiegelt, stets an einen! heiligen JgnatiuS oder einen heiligen AloysiuS erinnern und gleiche Gefühle in den Herzen aller Anwesenden erwecken. ' Dieß ist der natürliche Zauber, welchen die Jesuiten in allen ihren Kirchen ausüben, in ver alten, so in der neuen Welt! — Unsere dankbare Freude fand ihren Grund in! den so zahlreich wie noch nie im Chöre versammelten Priestern und Vätern der Gesellschaft, von denen die meisten erst zu unS herübergekommen waren, um dem dankbareren Boden von Amerika die goldenen Samenkörner anzuvertrauen, die daS versteinerte und doch so morsch und faul gewordene Europa sich aufzunehmen weigert. WaS einst die Benedictiner und Prä« monstratenser für einen großen Theil unseres Mutterlandes jenseits deS OceancS geworden: Gleiches werden nun in Amerika die gottbegeisterten und glaubensfrcudigen Söhne deS heil. JgnatiuS und deS heil. AlphonS erfüllen; je finsterer eS in Europa wird, desto lichter wird eS in Amerika werden; für jeden in der alten Welt umgestürzten Altar des Allerhöchsten werden sich bei uns zwei neue erheben! Und wenn die entarteten, und in ihrer Entartung in den Dienst SatanS getretenen Europäer sich noch so sehr abmühen, der katholischen Kirche, als der einzigen Bewahren» deS Christenthumes, den GarauS zu wachen: bis über den Ocean reichen ihre teuflischen Künste nicht, und kommen sie selbst, so werden sie nur Spott und Verderben ernten, ganz so wie sie eS verdienen. Bruder Jonathan macht wenig Komplimente, am allerwenigsten mit den Gottesläugnern! Dieß können jene Herren zur Genüge bezeugen, welche zu unS herüberkamen und in New-Aork z. B. als Apostel der Rongerei aufzutreten wagten. — Tiefer Schmerz aber muß uns als ehemalige Europäer und Deutsche durchdringen, denn jedes Schiff bringt unS Kunde von der europäischen Verdorbenheit; jeder vertriebene Jesuit, jeder verbannte Liguorianer oder überhaupt jeder OrdcnSgeistliche, der unsere Gestade betritt, um bei uns Zuflucht für sich und seinen Glauben zu suchen, ist ein sprechender Beleg für die Herrschaft der Glaubenslosigkeit, Bosheit, Rohhcit und Niederträchtigkeit in dem größten Theile von Europa! Trösten kann unS hier nur die Ueberzeugung, daß die Bestrebungen der Bösen in Europa, daS Christenthum zu unterdrücken, daS gerade Gegentheil in Amerika herbeiführen, ganz so, wie vor dreihundert Jahren, wo Luther und Calvin und ihr Schwärm den Christenglauben in der alten Welt auszurotten versuchten, während die Söhne deS heiligen FranciscuS, DominicuS und JgnatiuS die neue Welt für diesen Glauben eroberten. Gott mit Ihnen und ihrem Vaterlandc! (Katholik.) Aschern»! t t w o ch. Der Jubel ist verklungen, Dahin die bunten Reih'n, Vom Grabe wird gesungen. Man segnet Asche ein. Und heute vieles meiden. Was gestern sie geliebt, Entsagen eitel» Freuden, Nicht stiehn wo's Dornen gibt, DaS Eitle ist vernichtet Es weht der Demuth Blau, DaS Auge steht gerichtet Ruf Kreuz und Marierscha». Man sieht die Blicke hangen An Jesu Krciizesbild, Mit Wchmuth, Neu' und Bangen Ist jedes Herz erfüllt. Die heiligen Altäre Sind jeden Schmuckes bar, Der Buße ernste Lehre Zeigt ihre Trauer klar. Ach! die gebroch'nen Blicke Sie sprechen von der Schuld, Die Er dort zahlt zurücke Voll Liebe, Schmerz und Huld: Viel' zieh» zum heil'gcn Orte, Gebeugten Sinnes, hin; ES tönen ernste Worte Von Tod und Grab darin. Der Schuld, die wir getragen Und die Er auf Sich lud! Wer kaun mit Worten sagen, WaS hier die Liebe thut? Sie lassen Asche streuen Auf's srcudenmüde Haupt, Und sich dem Tode weihen Der Erdenfreudcn raubt. Laßt uns den Fels besteigen Auf dem der Mittler ringt, Er wird den Pfad uns zeigen, Der auf, zu Ihm uns bringt' Sie wollen Buße üben. Den Ehristeusinn erncu'n Und heute vieles lieben, WaS gestern sie noch schcu'n. Ja laßt uns kämpfen, ringen, Laßt weinen uns und sich'», Das wird uns zu Ihm bringen Auf Seines Berges Höh'n! Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Prr!« I» Augsburg für stch allein (ohne A. Poßzeitnng) jährlich Istlr kr. Durch die P»st kaun birst« Wochenblatt »ur »eu Abonnenten brr Post- jkitung bezöge« werben, und erhöht sich der Prei« nach Verhältniß der Entfernung Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Fär sich allein, ohne die Augsburger Post« zeitnng, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandel« zu beziehen und kosten in » ganz Deutschland, der Schweiz u. s. w. jährlich nur L fl. SOkr. oder I Thlr. Nennter- Jahrgang. 1^2 8 SS. 184S. Hermann von Dteari, durch Gottcö und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Erzbischof von Freiburg, dem hochwürdigen Klerus seiner Erzdiöcese Gruß und Frieden in Christo, unserm Herrn! Hochwürdige Brüder im Herrn! Aus dem Hirtenschrciben, daS die zu Würzburg versammelten Erzbischöfe und Bischöfe an den gesummten hochwürdigen Klerus ihrer Diöcesen am 15. November v. Js. erlassen haben, habet Ihr bereits ersehen, daß die Oderhirten Deutschlands zur Wiederherstellung der von der Kirche vorgeschriebenen Diöcesansynoden sich die Hände gereichet. Die Bischöfe haben cS erkannt, baß durch die freiere Lage, in welche die Kirche durch die neuesten Zeitereignisse gekommen, eS möglich geworden, daS alte ehrwürdige Institut der Diöcesan- Synoden wieder inS Leben zu rufen, in der Art und Weise, wie es in der Kirche von Alters her bestanden, und wie eö die frömmsten und erleuchtetsten Vorsteher der Kirche zum unaussprechlichen Heil und Frommen ihres Klerus und ihrer Heerben angewendet; sie haben es erkannt, daß der lebendige Contact Leö Bischofs mit seinem Kleruö in Diöcesan- Synoden das Band der Liebe und Einigkeit zwischen beiden fester und inni- ger knüpfe, und daß durch diesen lebendigen Contact deS Vaters mit seinen in Christo innig geliebten Söhnen der Eifer und die Begeisterung für den -'heiligen Glauben, für die christliche Sitte, für das Heil der Seelen mehr angefacht, gesteigert und geträsliger werve, als es durch d>-„ seitherig-», mehr bureankralischen Verkehr zwischen Oderhirten und Hirten geschehen?- So wird denn, hochwürdige Brüder und Priester der Erzdiöcese Freiburg, auch Uns bald die hohe Freude zu Theil, Euch um U»S in Einheit und Liebe zu versammeln. Wir gedenken, so Gott Gnade verleiht und Tage des Friedens, im nächsten Fiübjahr Unsere Suffragane zu einer Provincialsynode zu rufen, und mit der Hilfe deS Allerhöchsten werden Wir sofort im Verlaufe des Jahres die Diöcesansynode feiern. Indem Ww Euch, hochwürdige Brüder! dieses mittheilen, können Wir nicht umhin, vorläufig die kirchlichen Grundsätze, die bei der Abhaltung der Diöcesansynoden von den Bischöfen beobachtet werden müssen, in Kürze darzulegen, da seit vielen Jahren bei dem — oft ungestümen — Begehren der Synoden häufig Ansichten und Wünsche sich geltend machen wollten, die außerhalb dem Kreise der kirchlichen Bestimmungen liegen, und daher auch für UnS nie als maaßgebend erscheine» können. Wir halten es vor Allem für nothwendig, den kirchlichen Begriff ' einer Diöcesansynode festzustellen. Wenn Wir die in dem berühmten Werk deS Papstes Bencdict XIV. äo 8xnoc!o clioLCLsona niedergelegten Bestimmungen zusammenfassen, so erscheint die Diöcesansynode^ als „die von dem Diöcesan-Bischofe oder von dem durch diesen Beauftragten rechtmäßig zusammengerufene Versammlung von Priestern, Klerikern, und den dazu Verpflichteten der Diärese zur Festsetzung und Bekanntmachung derjenigen Anordnungen, Bestimmungen und Vorschriften, welche der Bischof zur Erhaltung, Beförderung und Herstellung der kirchlichen Disciplin, als zur Heilung, Zurechtweisung oder Bestrafung der Gebrechen, Vergehen und Verbrechen, zur Beförderung der christlichen Sitte, zur Belehrung der Unwissenden unter seinem Klerus und Volk als nützlich und nothwendig anerkennt, und in der auch die von der Provincialsynode erlassenen Decrete zur Befolgung und Beachtung publicirt werden." ^ 1) 8. llonc. I'rict. 8oss. XXIV. csp. 2 cko rek. 2) Lk. lib. I, csp. I, §. 4 (8)-uociu8 üioecessua liisce verbis clescribitur: Iwgilims congregalio ab Lpiseopo eoaeta ex presb^teris et LIericis suao clioe- cesis, aliisve, qui acl eam seceUere tenentur, in gua cle bis, guae curae pasto- rsli incumbunt, agenclnm et üeliberguäum est), und bcs. lib. Vl. cap. I, §. I et 4 (die Stelle folgt weiter nuten). Sehet, gclicbteste Brüder in Christo! das ist der kirchliche Begriff ein.^Diöcesansynode. Nur eine solche wünscht die katholische Kirche, nur eine nach den Bestimmungen der Kirche gehandhabte wollen und werden Wir feiern, denn zum Gehorsam gegen die Kirche sind Wir durch Eid und Gewissen gebunden Nur solche Synoden haben jenen Nutzen, den Vene« dict XIV. im oben erwähnten Werke ') mit so viel Wärme schildert. .In den Synoden wird," — so sagt eine Cölner Piovincialsynode von» Jahr 1549 bei Gelegenheit deS Beschlusses, die Diöcesansynoden wieder inS Leben zu rufen, — „die Einheit wieder hergestellt, da bestrebt man sich, den Körper in seiner Unversehrtheit zu erhalten; wo das, was bei der Visitation nicht erzweckt wurde, durch gemeinschaftliche Bestrebungen erzielt wird; wo über das Haupt und die Glieder, über den Glauben und Frömmigkeit, über die Religion und den Gottesdienst, über die Sitten und cte Zucht, über den Gehorsam, über Alles, was für ein gutes christliches Leben nützlich oder nothwendig ist, gehandelt und festgesetzt wird, so daß in aller Wahrheit gesagt werden kann: das Heil der Kirche, der Schrecken ihrer Feinde, oie Stützen des katholischen Glaubens sind die Synoden, die man mit Recht die Nerven deS kirchlichen Lebenö nennen könnte. Denn durch Vernacbläßignng der Synoden zerfällt die kirchliche Ordnung, wie wenn der menschliche Körper von den Nerven abgelöst wird." — „Mir," s-gt ein berühmter Bischof von Verona, „pflegt kein Tag angenehmer zu s,y-., alö der Tag der Synode, keiner, der bei den großen Beschwerden, Ze^ mein Amt mit sich führet, meine Seele mehr tröstet und erquickt. -Denn an viesei» Tage glaube ich meine Augen, meine Ohren, meine Hände, meine Füße zu sehen." Benedict XIV. bemerkt, um den Nutzen der Diöcesansynoden kennen zu lernen, dürfe man nur die Acten derselben durchsehen, namentlich derjenigen, welche der heilige Karl BorromäuS in Mailand gehalten; man werde sehen, daß hier Decrete von der höchsten Weisheit und Klugheit zu finden, für Ort und Zeit wohl berechnet, und geeignet, die Kleriker in ihrer Pflicht zu erhalten und die verdorbenen Sitten deS Volkes zu bessern, so daß man die Diöcesansynoden anerkennen müsse als eine kräftige Stütze, die in einer Diöccse schwankende Disciplin aufrecht zu halten. Wenn Wir den kirchlichen Begriff der Diöcesansynoden, und daS, was über deren Nutzen gesagt wurde, scharf inS Auge fassen, so erscheinen viele Ansichten, die man sich in neuerer Zeit von ihnen gebildet, als völlig irrige. Keineswegs nämlich treten die Diöcesansynoden in das kirchliche Leben, wie die Landtage oder die constiluirenden Versammlungen in das politische. Keineswegs wird durch sie der Episkopat in seinen von Gott ihm verliehenen Rechten und schweren Pflichten, die Kirche zu regieren ^), beschränkt und beeinträchtigt, keineswegs wird durch sie eine sogenannte Repräsen« taliv-Negierung in die Kirche eingeführt. Die Bischöfe haben juro clivino ihre Gewalt und könnten sie, ohne aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche zu fallen, keineswegs theilen mit sogenannten Repräsentanten deS Kleruö und des Volkes, als welche man hin und wieder die auf der Synode Versammelten betrachten will. Der weltliche Fürst, dessen Gewalt« sphäre nicht unmittelbar durch die göttliche Offenbarung bezeichnet ist, kann wohl seine Gewalt theilen mit den Vertretern seines Volkes; nicht aber der Bischof. Bei allen, noch so tief eingreifenden Veränderungen der politischen Verhältnisse und Verfassungen bleibt die Kirche fest und unangetastet stehen, die Hierarchie kann keineswegs, so lange man in der Gemeinschaft der katholischen Kirche bleiben will, umgestürzt werden. Und so erscheint auch bei der Berufung und Abhaltung der Dyöcesansynoven der Bischof immerhin als der Inhaber und Träger der Jurisdiktion, von 1) lud. I, cop. 2. 2) ^.ct. XX, 26. Lone. Iricl. 8es5. XXIII, csp. 4 cke 8scr. Oreiin. 3 » dem jede andere kirchliche JuriSdiction in der Diöcese auSfließt; die auf der Diöcesansynode versammelten Kleriker sind nicht im Besitz einer legislativen Gewalt, ilnien steht, nach der einstimmigen Lehre aller Katholiken, mir ein votum clolilxwativum, nie aber ckocisivum zu. Dem Bischof liegt die kirchliche Gesetzgebung ob, dabei aber wird er den Rath, die Wünsche, die Borschläge, die Bi?ken seines Klerus berücksichtigen. Immerhin muß demnach festgehalten werde» an dem, waS Benedict XIV. cke 8zn. ckiVeeos. Iil>. III. e. 12 , §. 7 st:s. lilr. XIII. o. 1 und 2) sagt: „/» 8'i/7tocko ckswce- snntt so/ns /s/resco/rns esst ^'ne/ew est /eArsstn/or', r/rse suo »romr'no ckec,e/a /eie/t est e/tenr/rvC ns/errr/sirrtt eonsö/ürm ew/-ose«/, non /amen ooe/r/ar- r//nck see/a/." Die Diöcesansynode» sind demnach keine Mittel, durch Welche gewisse schiSmatische Bestrebungen durchgeführt, der Kirche der Cba- rakter einer Demokratie aufgeprägt, willkürliche, der kirchlichen Einheit Widerstrebende und verderbliche Neuerungen gemacht, die Bande des Gehorsams und der Disciplin gelockert und aufgelöst, die bischöflichen Rechte geschmälert, die oberhirllichcn Anordnungen durch Stimmenmajontät der Versammelten nnnullirt werden könnten. ') O nein, die Diöcesansyno- den erscheinen UnS, nach Erlangung der kirchlichen Freiheit und Selbst- ständigkeit, deren Ermangelung am meisten der Einführung dcS Institutes seither im Wege gestanden ^), als das kräftige Mittel, die an vielen Orten so tüf gesunkene Disciplin wieder herzustellen, den ächt kirchlichen Geist zu wecken und zu befestigen, Ordnung und Einheit in das religiöse Leben deS Klerus und dcö christlichen Volkes zu bringen. Wie die Neu- belebung des Synodalwcsens ein Product deS erwachten Geistes der Freiheit und Selbststänsigkeit der Kirche ist, so wird hinwiederum gerate dieser Geist durch dasselbe Stälkc, Festigkeit, Energie und Wirksamkeit erhalten. Auf diese Weise wird durch das Institut der Diöcesansynoden eine wahre durchgreifende Reformation des Klerus und dadurch die des Volkes hervorgebracht. Daß eine solche Reformation deS Klerus und des Volkes vonnölhen, daran wird wohl Niemand zweifeln, der nur mit einiger Demuth in sein Inneres blickt, und die gegenwärtigen Zustände, wenn nur oberflächlich, betrachtet. Beherrscht denn nicht zahl lose Gemüther ein neues Heidenthum, in seinen Erscheinungen und Früchten oft viel fürchterlicher, denn das alte? Und woher dieß? Gestehen wir eS! Eine Hanptursache liegt darin, daß die ewigen Wahrheiten deS Christenthums oft von solchen, die mit dem heiligen Lehramt betraut sind, nicht mit der gebührenden Wissenschaft, Kraft und dem rechten Ernst verkündet, nicht mit Sorgfalt erklärt und nicht mit apostolischer Aufopferung vertheidigt werden! Am Salz der Erde fehlt es oft! Die Priester sollen die Walt auS den Jrrgängen dcS Unglaubens zurückführen zum Kreuze Christi; allein bei manchen ist leider des Glaubens Licht selbst erloschen! — Wie viele Seelen schmachten heut zu Tage unter der unerträglichen Tyrannei deS Egoismus. Die Priester sollen in den erkalteten Herzen wieder anfachen daS Feuer der göttlichen Liebe; allein unreine Sinnenlust und eitle Weltliebe hat in manchem priesterlichen Herzen selbst jedes höhere Gefühl ertödtet. Die Stimme solcher tönt wirkungslos in der Gemeinde. Eine Hauptaufgabe unserer Zeit ist es, durch Mildthätigkeit, durch Werke der Barmherzigkeit und durch Opfer der Liebe die Kraft des Christenthums zu offenbaren, und dadurch der Noth und den Drangsalen zu steuern; allein manche Priester, berufen, Vorbilder zu seyn christlicher Liebe und Hinopferung, verschließen in unbeschreiblicher Härte ihr Herz der Noth ihrer Brü- der und Schwestern in Christo, nicht mehr eingedenk jener heiligen conones der Kirche, die den Kleriker über Verwendung seines Einkommens belehren und zur besonderen Liebe der Armen und Leidenden verpflichten. DaS sind Erscheinungen — wer will sie in Abrede stellen! Es thut Unserm väterlichen Herzen, hochwürdige Brüter, wehe genug, baß sie vorhanden. Die große Anzahl der würdigen, glauberfüllten, gottbegeisterten, opferwilligen Priester, die in Unserer Erzdiöcese zur Verherrlichung GotteS und zum Heil der Seelen wirken, empfinden mit UnS tiefen Schmer; hierüber, und Alle kommen darin übercin, daß eine Hauptaufgabe, die dringendste, die erste, die einfluß- und segensreichste der Diöcesansynoden ist: die Reformation des Klerus, die Erweckung deS wahrhaft innern, geistlichen, glaubenSvollen und liebethätigcn LebenS der Priester. Dadurch wird die Reformation deö Volkes allein angebahnt, daran knüpft sich diese naturgemäß und leicht, wie der heilige Papst Pius V., eine Seite des pric- sterlichen Wirkens im Auge habend, ausgerufen: Oen/an r'ckoner eon/es- Ltt-nr, occe omnrnm kö/rmsstsanoTstrnr /-/euer ne/onma/r'o. Z Aus dem bezeichneten Zwecke der Diöcesansynoden leuchtet klar hervor, warum die Kirchenversammlung von Trirent (8e88. XXIV, e. 2 cke res.) so sehr auf die Abhaltung derselben gedrungen, weil ja gerade eine Hauptaufgabe der versammelten Vater eS war, eine Neugestaltung des Klerus und dadurch eine wahre Reformation der Christenheit zu bewerkstelligen. Denn ewig wahr ist es: „Xilril est, czuock nlios magis all snetatem et Dei enltum nssickue iustruat, guoin eorum vitn et exempluin, czui so clivino ministerio ckeckieaiunt, euin enim n rebus sneeuli in rckliorem suhlet! loeuin eonspieiantur; in eos, tainguain in speeulum, religui oeulos eonjieiunt, ex iisgue sumunt ^uock imitentur" sÜono. Trick. 8es8. XXII, map. 1 cke rel.). Aber eben so klar ist eS, daß allen jenen Gcijtlichen, die ihrem heiligen Dienste nicht mit voller Seele sich weihen, und einen ihrem erhabenen Berufe entsprechenden Wandel nicht führen wollten, die Diöcesan- synoden bald als ein lästiges Institut erschienen. Daß in neuerer Zeit vielfältig gerade von solchen am heftigsten, am ungestümsten die Synoden verlangt wurden, hat seinen Grund nur darin, weil man unter einer Diöcesansynode etwas ganz Anderes dachte, als sie nach den kirchlichen Bestimmungen ist, weil man durch sie nicht sich selbst, sondern die Kirche ändern, und wie man zu sagen pflegte, bessern wollte, nicht eingedenk der Wahrheit jenes herrlichen AnSsprucbs deS Aegidius von Viterbo auf dem fünften Laterancoucil: „7/omr'nes /-er saena r'mma/am' /ar es/, narr säen« /romrTres" etc. Die Wünsche Aller dieser werde» durch die Diöcesansynode, die Wir veranstalten, nicht befriedigt; denn Wir halten, wie oben schon bemerkt wurde, an den kirchliche» Bestimmungen fest. Nach diesen werden auch Wir die zur Synode Verpflichteren berufen, und dabei durch Nichts der Idee einer Repräsentativ. Regierung in der Kirche Vorschub leisten. Wenn, weil wohl in Rücksicht der Seelsorge und anderer geistlichen Berürfntsse der Gläubigen, für deren Befriedigung der Bischof auch während der Synode zu sorgen verpflichtet ist, nicht alle durch daS kirchliche Recht zur Synode Verpflichteten b) dabei erscheinen können, etwa dem Klerus 1) Die auf der Synode Versammelten haben jedenfalls als Norm und Richtschnur ihres Verhaltens die nachfolgenden drei Entscheidungen des Papstes Pius VI. zu betrachten, wie sie in seiner für die ganze katholische Kirche mit gesetzlicher Anetorität bekleideten Bulle „.lue/ore»! /eckest" cntliatten sind: IX. Vrt Onctrina, grüne staluil: ,,IIvlorinationein sbusunm circa ecclesiastieam ckiscipbnam in sz'nockis ckioecesa- uis ,nl> episcv>>o et yarocbis acguabler geirrter«; ac stabibri «telrere, nc sine übertäte ckecisionis inckebilam köre subjectionem suggestionibns et jussianibns cgiseopnrnm/ste/eier, /e»i<-r eeesta, c/re»<'»/)er /ist aur/ori/at/s /uesic« , 7-e§!mrnre> -recrerrc/rlr, .eiebcerneecer. /«rcei.e /erlernst «!o znckiees lickei, et simnl innnitnr juckicium in eansis ückei ipsis coingetere jnre yrirzrrio, et gnielem etiam yer orckinationem acceplv: rb'a/.cer, /errierari/er, nrck/rin. /i/erairr/err/ .-eebcce.eirei, cketrei/eeee.e /irrn//»// ckr/in/- teerttiien /irckie/oriettnic ckuezninstrueienr ecestcriae, ack rarrru.c crrnrieee. XI. Vrt. 8entonti<> ennncinii8, veteri »injornin institnto ab ayostolicis n.rgrie temjrorilrns ckuct», >>er nieliora eecle^iav saecula servato, recegtirm knisse, ,,nt etecreta, sut elellnitiane.n, ant sentontiae otiam mnjorrim 8eeii»m nnn acceptarentur, nisi recognitae kuissent et apgrobatae a sznueto ckioeeezana:" Deil.eer, temer-eer-ia. ckeroAernr zrro .euer Acneree/r/eile erbeckreerkreie ckedtteee eorie/rtu/rerriibu» erperrsttt/ecs.e, term et jentente!»- erd /rrererre/rreer Luz-errerr-e tc§rtrrner poterterte rnarierntrbu»', sc/«lLmer /<-cc»r et /rerere^rrn. 2) Man vergl. das Brevc Pius VIII. pom 30. Juni 1830 an die Bischöfe der »berrheinische» Kirchenprovinz. 1) Benedict XIV. sagt in dem ersten Capitel des VI. Buches seines Werkes cks tHnoel. ebneres. §. I: „generatim asseriinns, ctebere Idpiscopum in sua 8znocio constituere, griao ack vitra coercencka, virtutein yromovenckam, cko>»ravatus po- gnb innres relormanckos et ecclesiasticam ckisciirbnam ant restituenckam, aut lbvenckam, necessaria et utilia esse jnckicaverit.^ Er will deßhalb, eaß der Bi- schof vor Abhaltung der Spn.de sich eine genaue Kenntniß der Mißnande seiner Diöccse derschaffe, insbc andere möge der Bischof eiforschen, ,,guaenam grroack ackministratio- nem 8»crainentornin, verbi ckivini graeckiestionem, ckierum kesioruin cultum et observationem vickeartnr corrigencka et ernenckancka " — §. 4 sag Bcnedrct X> V.: ,,In eunstitntione eckila a üione X. in lloncilio üateranensi ckieitur, lHnockns cogi, ut ckcpraoerter ccrrrstAerrikier: guae verbs exyenckens ürasmns llbosiier in tract. cke jniisck. ete. ait: üpisenpabs 8zmockus instituta est chnatuor ex causis, e qnikns nimm bie ckesignat pontitex: primo, nt cke>>ravala corii^antur; secun- cko, »t ignvrantes instrnantnr; terti», ut regnlae worum, statutague kormeu- lur: guarto, »t guae in provineiali 8^n«rcko ckecreta sunt, in üyiseuyali zrubli- centur. — §. 5: In /^rnte/icer/i rermerrr» ita Idpiscopus praesentes allngnitur: Venerabiles consacerckntes et lratros nostri carissimi yraeinissis Oeo precibus, oportet, nl ea, guae cke ckivinis okliciis, vel sacris orckinibus, ant vtiam cke nnstris moribns, et neeessiiatibus ecclesiastieis a nobis conlerencka sunt, cum caritate et benignitate nnusgnisgne vestruiu suscipiat, summague reverentia, qusntum valet, ckomino ackjurante, yercipiat, vel guae cmenckatinns ckigna sunt, omni elovotione nnusguisgue llckelitvr stuckeat emenckare." Im Capitel 2 dcsiel- ben Buches bemerk! Bcncdi l XIV , der Brsa os solle besonders „ckecreta llune. Trick, jnnuere, novis sanctionibns bileire, eoriimeino observationem nrgere." 2 ) Wie sehr die Seelsorge bei der Abhaltung der Synode berücksichtigt werden müsse, geht hervor aus dem, was Benedict XIV. I. e. bb. III, c. 12, §. I sagt: „ja ckioecesana 8vnocko« multo magis excusancki sunt paroeki, gtios non pro- pria seck snarum ovinm necessitas remoratur: et enim non sulum non repre- benckencki, seck plniiinum cornmenckancki sunt, si ickeo ckunitaxat 8zenockum nun aececkant, gnia ab«im non babent sacerckotem, quem sibi in animarnm eura snbstitnant; ickgue praeserlim, cum in ;>aro< bia rezieriuntur intirwi tam gravi morbo laborantes, ut pruckenter timeatnr, ne sint cito ckeeessnri: gnanta enim ratio a garockis, priusgnam ack 8vnockum se accingant, babencka sit cke aegro- tis, guos in parocbia relingusnt, sstis agerte eckisserunt ss. Iseclesiarum Vnti- stites." 3) Im pontik. rom. heißt eS: „8aoerckotos et LIerici universi, gui ack 8znockum eine gewisse Wahl überlassen werden sollte, so müßte jedenfalls das bischöfliche Recht der Berufung dabei gewahrt, und jeder Gedanke einer Stellvertretung und namentlich einer Repräsentativ'Regierung entfernt werden. Hochwürdige Brüder! Erneuern wir im Geiste und nach den Vorschriften unserer heiligen Kirche das ehrwürdige Institut der Diöcesansyno- den: deS Segens Fülle wird sich über Klerus und Volk dadurch ergießen. Prägen wir Lurch Einhaltung der kirchlichen Bestimmungen den Versammlungen die erhabene heilige Würde auf, vie auf allen Handlungen der Kirche ruht; der heilige Geist wird sofort in allen Versammelten walten und mächtig wirken. Die Diecesansynvde wird das kräftigste Mittel seyn, uns im Glauben zu stärken, die Gnade, die durch Auflegung der Hände unS zu Theil geworden, zu erneuern, ^ uns zur Verwaltung unseres erhabenen Berufes zu begeistern, den Geist der Liebe und brüderlichen Einheit zu wecken und zu befestigen. Gnade, Heil und Segen, wenn wir Alle den Willen unserer Kirche vollziehen, Wehe aber uns, wenn wir von ihren heiligen Satzungen abweichen wollen. Nehmet, geliebte Brüder! diese vorläufige Verständigung mit dem Geiste der Liebe auf, mit dem Wir sie geschrieben. Nach Abhaltung der Provincialsynoke wird ras Weitere Euch mitgetheilt werden. Die Gnaee Jesu Christi sey mit Euch Allen. Gegeben Frei bürg, am Tage des heiligen PolycarpuS, den 26. Januar l849. Hermann, Erzbischof von Freiburg. Das Gleichgewicht in -er kirchlichen Regiernngsforin. *) Die kirchliche Regierungsform muß sich bei genauer Betrachtung in ihrer Idee und in ihren Grundrissen als die herrlichste und beste darstellen. Wenn die Glieder der Kirche, die einzelnen Ober- und Unterbehördcn, die Priester oder die Laien nicht überall den Geist der Kirche in ihrer Regiecke jure vel eonsueiullino venire tenentur, conveniunt in civilste vol slio loco, proul pontikox oiclin.iverit." Bciikdiet XIV. zählt im III Buch die vocsnlli gch 8znockum auf Es sind b>svvde»s die csnoniei ecelesi.ie estliechrglis, »ud psroeüi el I liest, (alle, die pe, guae oo semper, eolli- rnsiiinl, »t animsrum 8sluiem piomoveeciit, eos msxime intere88v oportuit, lpiibu8 sligus ckowiriici gregis purtio traelita erst eiistockienckii." I. c. csp. ö, 8. 1. Las diene, 1'rill. ieffimm : „rstione tarnen paroeliiaiium, ant alisrum secularinin eeeie8iarun>, ctiam annexaium, chebeantii, gui iüarum cursm gerunt, guiciingne illi 8nnt, 8zwocko intere88e ;8c8s. XXIV, cap. 2 cle rok.ss — Betreffs der Laie» führt Benediet XIV. -lili. III, cap. 9, §- 81 eine Entscheidung der Eon- greg. (ionc. Irill. an, die in eansa Oriolen. 8xn. gefragt murre: nck ^i/ne-chunt evears /afev.e, .er evnnrn conui/ro «kr ve/rt," responllit: „Lpf^cupn», „on pck»»e." Er stetil sefert felgcnde leitende Grundsätze hierüder auf: „Xv8 8tatniinu8: primum, jus commune otisistere I.aici'8, no 8znot: 8ecnnelnm, »on vlnUante liae juris soveriiale, alignich niliilo minn8 6880 chelerenchum ennlrariao coiisuetiickini, 8i alicubi jam invalue- rit: tertiuin, eliamsi Inijusmolli consuetocko nnnllnm üit inelucta, possv Lpis- cnpnm ex aligno grsvi nigenligne eauxa all 8nam 8^nollum Iaico8 allmittero, tarne?» -" incligeat; eewinnllo gnippe pvt68t ee>8 ante 8)'nollum conüuiere: guintnm llemnm, cavenllnm e88e Ir>>i8eupi8, ne 8ine vera et -zravi neee88itate Iaicv8 all 8vn»llum arc«88ant, pnullaiim enim pv88ent iili, enn8netnllini8 eilrtentn, ju8 intervenienlli 8ilri lleincep8 arro^are." 1) B-nedict XIV. bemerkt st. c. Ich. III, c. 12, 8- D, daß deßhalb, weil der Bischof allein in der Diö »sansynode llullex et I.eZisIatoe sey, die Zulassung ron Stellvertretern derjenigen, die nicht erscheinen sännen, für die Synode vvn keinem Nutzen sey „Vll tiaee, aut in prociiralurem eiigitur, gni aliax non e88vt Zz'nollo interkutu- ri»8; et hie pickest repelli tamgusn, extrsneus; aut eligitor, gui jam 8>iu juro 8)nollo inlervenit; el die eerte nun pvl68t unum coN8ilium 8vo, aüull st)8enti8 nomene, Lpi>co>io praetrero; eague >>roplvr inutile et 8upervaeaneum e8t, ut ali8enti8 guogoe per8vnam in Z^nocio peseseicket." 2) Hierycr gehöre z. B.. was Beuckict XIV. (I. c. Ich. IV, e. 1, 8- 4) sagt: evitanlla8 turl>a8 et prseeavenllu8 tumullo8, gui eerte lierent, 8i singulis lle dlleru venia llaretur reeiamanlli allver8u8 llecreta, guae in 8) null» promnl- ßantur, 8utet epücopus aiiguem c»n8tituere totius llleri prucuraturem, gui vmnium nomine, ea tame» gua llecet molleatia et reverentia llieat in 8^nollo, slleru llisplicent, gnaeguv ex Ü8, guse aut 8tatula aut 8tatuenlla 8unt, chilneilinra et asfiera villeantur; aimulgno mullum 8uxZerat, guo illa emolliri, Klerus uplaret: uinieia porru, guae nomine LIeri petierit, 8cripta trallat 8^nulli 8ecretsriu. 8 e' töricht Benediet von den 08tiarü, gui pra«8int Lccle8iae janui8 et Iaic>8 8>ne 8trep»tu ingre88um prolrilreant, et cum incipienlla e8t 8vnullu8, t-celexiae lure8 ul)8erent. 3) Waü besonders durch das Ablegen der prole88io llllei geschieht. 4i Es werden zu diesem Zwecke conse88arij aufgeilettt (I, e. 8-5) und eonciona- tore8; all noc electi, ut totins — „P iuö-Verein" sie jene nannte». Die sie an heh'rem Sonnen-Glänze Der Kirche zogen, daß der Chiistenheit Sie werd' das Banner bess'rer Zeit. Darum herbei zur wundersamen. Zur heh ren Pflanze, die im Garten Der Kirche Gottes wuchs. — „Es schaartcu »Um selbe sich in Gottes Namen „(Wird einst die Zukunft sagen) von nah und weit „Der Kirche Söhne und — errangen beff're Zeit." A. voll Lachemair. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags »Inhaber; F. C. Kremer. Prei« i» Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung) jährlich Ist. I»kr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. Für fich allein, ohne die Augsburger Post» zeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur L fi. A«kr. oder I Thlr. Neunter Jahrgang. März 184S. Schreiben des Mainzer PiusvereineS, als Vorortes des katholischen Vereines Deutschland-, an unsern heiligen Vater Papst PinS LX. Heiligster Vater! WaS wir in unserm Schreiben vom 6. Oktober, worin wir Deiner Heiligkeit nach kindlicher Pflicht über unsern Verein Rechenschaft abgelegt, geahnet halten, daß nämlich die Wuth der Empörer selbst gegen Deine geheilige Person einen ruchlosen Plan im Schilde führe, ist leioer zu frühe eingetroffen. Nach göttlichen und menschlichen Gesetzen solltest Du, Heiligster Vater, als Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, und als Fürst deö römischen Volkes, in Rom wohnen und regieren; aber Du mußtest, um Deine und der katholischen Kirche Freiheit zu retten, von Rom und den Römern fliehen, fliehen von dem geheiligten Grabe, von der ehrwürdigen Sckwelle Deines Vorfahren. ° Die ganze Welt war starr, als diese Nachricht überallhin sich verbreitete; denn schwerlich gibt eS einen Menschen, zu welcher Religion er auch immer sich bekennen mag, er müßte denn durch Partcihaß und blinde Verstocktheit besserer Gefühle ganz unfähig seyn, der nicht bei dem Namen PiuS IX. von Liebe und aufrichtiger Verehrung sich durchdrungen fühlte. Am meisten aber wurden durch diese Mißgeschicke Deiner Heiligkeit die Katholiken ergriffen, da sie eben so sehr durch die Gesetze und Einrichtungen ihrer heiligen Religion, als durch die Geschichte und Erfahrung so vieler Jahrhunderte hinlänglich unterrichtet sind, daß die Lage der katholischen Kirche von der Unversehrtheit und Sicherheit deS obersten Hirten der selben nie getrennt werden kann. Außerdem wissen wir Alle, wie innig die weltliche Oberherrschaft der römischen Päpste über den Kirchenstaat um der freien geistlichen Regierung der Kirche verknüpft ist, und baß eben deß halb die Vorsehung des allmächtigen GolteS den Nachfolgern des Apostel- fürsten daS Erbe des heiligen Petrus als weltlichen Staat überwiesen hat, damit sie, keiner irdischen Macht unterworfen, mit gleicher Gerechtigkeit und unbedingter Freiheit, wie eS dem Vater ver gesammlen Christenheit, dem Hirten der ganzen Heerbe des Herrn zukömmt, bei allen Fürsten und Völkern deS christlichen Erdkreises die göttlichen Gebote und die Gesetze und Rechte der Kirche schützen und aufrecht erhalten können. AuS diesem Grunde haben wir, Heiligster Vater, jenen gottlosen Aufstand in Rom, der Dich genölhiget hat, die Zügel der Regierung auf einige Zeit der Willkür verworfener und schlechter Menschen zu überlassen und ihrer Wuth nachzugeben, als ein allgemeines Unglück der ganzen christlichen Welt schmerzlich beklagt. In dieser Wehmulh hätte uns die sichere Hoffnung einigermaaßen aufrichten können, daß diese entsetzliche Verwirrung aller Verhältnisse in Rom nicht von langer Dauer seyn werde; denn wer härte glauben mögen, daß der Haufe jener Verrälher, die alles Heilige und Profane mit blinder Wuth durcheinander werfen, ihren Wahnsinn längere Zeit fortsetzen könnten, besonders da Alles, waS die römischen Päpste betrifft, ganz offenbar unter einer besondern und außerordentlichen Leitung der göttlichen Vorsehung steht. DaS aber hat uns besonders mit dem höchsten Schmerze und wahrhaft mit Trostlosigkeit erfüllt, daß die Umstände unter denen, und die Personen durch welche Dir, Heiligster Vater, diese Widerwärtigkeiten bereitet wurden, der Art sind, daß dadurch Dein väterliches Herz auf das Tiefste verwundet werden mußte. Denn nicht von Fremdlingen, o Heiligster Vater, nicht von den Feinden der katholischen Kirche, der Du durch Dein Ansehen und Deine Tugenden vorleuchtest, nicht von Ungläubigen und Heiden hast Du diese Unbild eifahrcn. Solches wäre gering zu achten und leicht erträglich dem obersten Hirten, der unter seinen Vorfahren so viele Märtyrer zählt, die von den Ungläubigen theils gelobtet, theils verfolgt wor-- dcn sind. Leider sind eS aber die Römer selbst, welche Dich so sehr mißhandelt, die Römer, denen von der. göttlicken Vorsehung und von allen Gläubigen des Erdkreises die Beschämung deS obersten LcilerS der ganzen Kirche anvertraut ist; die Römer, deren höchste Ehre und Zierde gerade darin besteht, daß in ihrer Mitte der Statthalter Christi sich niedergelassen, ein Vorzug, um welchen, wenn eS die Religion gestaltete, alle Völker sie beneiden möchten; die Römer, die'Du,v Heiligster Vater, durch so viele Beweise Deiner Liebe, durch so viele Wohlthaten, durch so viele Zeugnisse Deines höchstens Vertrauens, durch so viele freisinnige Gesetz«: und Einrichtungen, durch die vollkommenste Amnestie vieler Strafbaren und Verbrecher ausgezeichnet und beglückt hattest; die Römer endlich, die noch vor Kurzem Lurch endloses Zujauchzen, durchVzZestzüge, durch Segenswünsche und selbst durch Eitschrvüre erklärt Hatley, daß ihre Treue gegen Dich durch nichts erschüttert werden könne, ihre Liebe zu Dir ewig dauern werbe. O deS jammervollen UnbestandeS der Menschen! O abscheuliche Undankbarkeit! O deS bittern Schmerzes des lösten Vaters und Fürsten! Nach der Erstarrung, in welche-wir durch die Nachricht von diesen höchst traurigen Ereignissen versitzt wurden, haben wir bei unS erwogen, ob wir durch irgend etwas den gerechten Kummer Deiner Heiligkeit lindern könnten, als einstimmig aus allen Gegenden Deutschlands an unS, den dermaligen Vorort deS kalichlischen VereineS Deutschlands, die Auf- soioeiüng erging, vaß wir Deiner Heiügten im Namen aller Mitgiierer aller Emzel-Vereine rie Gesühl^und Empfindungen ausdrücken sollten, von denen ein jedes wahrhaft katholische Herz bei jener Nachricht auf das Tiefste ergriffen und durchdrungen wurde. Indem wir diesem Auftrage andurch nachkommen und Dir, Heiligster Vater, die Versicherung auSsprechen, daß wir mit kindlicher Liebe Deine Leiden mit Dir theilen und das von Deinen Unterthanen an Dir begangene Verbrechen ausi daS Innigste verabscheuen; fügen wir zugleich die Erklärung hinzu, daß wir durch den Anblick Deiner schweren Trübsale nicht entfernt in unserm Glauben erschüttert werden. Wissen wir ja doch, daß Du auch dazu gesetzt bist, in dieser so stürmischen Zeit das Geschick der Kirche an Deinem eigene» Geschicke darzustellen, und daß Du auch in d e m Sinne Stellvertreter Christi bist, daß Du die leider! zu sehr überhandge- nominellen Sünden deS christlichen Volkes auf Deine Schultern nehmen und durch Deine Trübsale sühnen sollst. Sicher wirb der Tag einst kommen, an welchem der Erdkreis Deine feierliche Rückkehr in Deine Stadt mit Jubel vernehmen wird; und sollte wider Erwarten der'anbetungswürdige Rathschluß Gottes Liesen Tag verzögern, vielleicht in der Absicht, Laß auch die auswärtigen Völker Deiner Ankunft, Deiner Gegenwart sich erfreuen können, dann, heiligster Vater, wolle doch nicht an Deinen Söhnen in Deutschland vorübergehen. Gewiß, wir haben eS nicht vergessen, wie durch viele Jahrhunderte der Name der Römer mit dem deutschen Reiche so innig verknüpft war; und obgleich durch die Unbilo der Zeiten es dahin gekommen, daß die Fürsten in unserm Valerlande nicht mehr dem ehrenvollen Amte als Schutzherren der römischen Kirche nachkommen können, so hat doch die Ehrfurcht und Liebe gegen den heiligen Stuhl und die römischen Päpste in den Herzen der Gläubigen nicht abgenommen. Mit welch' unaussprechlicher Freude würden wir Dich, o Pins IX., o geliebtester und liebenswürdigster Vater und Hirte, aufnehmen! Schon jetzt, bey dem bloßen Gedanken an die Möglichkeit einer solchen Reise, eilet Dir unsere ganze Seele entgegen, sehnsuchtsvoll strecken wir die Arme nach Dir auS und haben kein höheres Verlangen, als daß eS unS vergönnt seyn möchte, Dir durch die That zu beweisen, daß der Nachfolger deS heiligen Petrus, daß vorab unser PiuS IX., wohin immer er auf der weiten Welt seinen Fuß richten mag, allüberall treue und gehorsame Söhne und Römer findet. Unterdessen werden wir täglich, wie auch alle Bischöfe Deutschlands t. 34 eS angeordnet haben, andächtig zum Himmel flehen, daß Deine durch die Arglist treuloser Menschen verführten Unterthanen endlich zur Besinnung kommen, daß Dir dadurch eine glückliche und frohe Rückkehr bereitet werde, und daß Du noch viele, viele Jahre hindurch von dem apostolischen Stuhle herab über den Erdkreis und die ewige Stadt Glück und Frieden und Segen spenden mögest. Gedenke bei Deinem Segen, wir flehen darum, auch an unS, den dermaligen Vorort deö katholischen Vereines Deutschlands, segne alle Mitglieder dieses Vereines! Zu Deinen Füßen niedergeworfen empfehlen wir eben so inständig als ehrfurchtsvoll Deinen heiligen Gebeten unser deutsches Vaterland, die Lage der katholischen Kirche in Deutschland, un fern katholischen Verein und schließlich unS selbst, Deiner Heiligkeit unter- thänigste und treueste Söhne und Diener, der Vorstand des dermaligen VororlS des katholischen Vereines Deutschlands. Mainz, 20 Dec. 1848. Die Priester der Wiener Erzdiöcese an Se. Heiligkeit Pins »X.. Heiligster Vater! Die Zuchtruthe der göttliche» Gerechtigkeit ist wach worden über den Nationen und die strafende Hand des Herrn ist ausgestreckt wider sie, weil sie eS versäumt haben, Ihm zu dienen im Glauben und heiliger Furcht und verschmäht haben, sich zu erkennen allcsammt als ein Eines und einiges Volk in Seiner heiligen Kirche. Den blinden Heiden gleich wissen sie in der Eitelkeit ihres Sinnes nur von den Göttern des Landes, indem sie geboren sind, und haben sie schmählich zerrissen daS Band der geistigen Wiedergeburt, das sie in Einheit umschlungen hat; sie sind abgeirrt von dem Wege, der zum Heile führt, von der Wahrheit, die den Frieden bringt, von dem Einen Leben, das Alle belebt in Einem Geiste; denn sie haben Christus verläugnet, welcher der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Nicht erfassen sie sich als das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk, das erworbene Volk, auf daß sie die Tugenden Desjenigen verkünden, der aus der Finsterniß in Sein wunderbares Licht unS berufen hat. (i. Petr. 2, 9.) Und weil der Glaube klein geworden und die Verkehrtheit überhand genommen, ist auch die Liebe erkaltet und der Friede verschwunden, und haßerfüllt und feindselig stehen unter dem welterschütternten Rufe: „Volk gegen Volk" in gräßlicher Fehde die Nationen sich gegenüber. In diesen traurigen Kampf wollte die Verkehrtheit auch Dich verwickeln, heiligster Vater! Und bei der Würde und Stellung, wornach Du der Stellvertreter des Zeichens bist, dem widersprochen werden wird, stürmten Widerwärtigkeiten auf Dich ein, über die wir aus tiefstem Herzen mit Dir sowohl trauern, als leiden. Dennoch verzagen wir nicht. Denn obgleich die göttliche Vorsehung eS zugegeben, daß die Leiden der Kirche in Deinem Leben sich ganz besonders darstellen und gleichsam, wie die Wunden des Heilandes, sich abspiegeln, so hat sie doch weder Dich, noch uns ohne Hoffnung gelassen. Denn wir haben eine feste prophetische Rede, daß die heilige Kirche Gottes eben durch Kampf und Trübsal ihrem Triumphe entgegeneilt. In ihr wirst auch Du siegen mit dem Zeichen des Kreuzes, das Du, wie der Heiland, demüthig und sanftmüthig auf Deinen Schultern trägst. Ja Du hast schon gesiegt. Dem nachfolgend, der Dich zu seinem Stellvertreter auf Erden berufen, bist Du auf den Kampfplatz getreten, und ob auch die Mächte der Finsterniß alle Gewalt brauchten und List auf List, Trug auf Trug häuften, bist Du doch als Sieger aus dem Kampfe hervorgegangen. Dieß aber ist Dein Sieg, den Du errungen — Deine Liebe, mit welcher Du alle Gläubigen Christi, die Glieder der ganzen Kirche umfassest; Deine Liebe, die dem Hasse weder Raum gibt, noch dienen mag; jene heilige Liebe, die im Leben des ErlöserS leuchtet und die Welt im Dulten und Leiden überwindet, ist Dein überaus herrlicher Sieg. Während wir daher bei der Treue, die als Deine Söhne an Dich rinS bindet, nicht umhin können, zu trauern mit Dir, freuen wir unS zugleich, den Sieg schauen zu dürfen, den Du errungen hast. Möge daher dieses erste freie Wort der Liebe, daS unS zu sprechen vergönnt, den Weg finden zu Deinem Herzen, und wenigstens mit einigem Trost es erfüllen, indem eS Dir Zeugniß gibt, daß wir Deine treuen Söhne geblieben. Denn — konnte zwar geraume Zeit hindurch in unsern Landen der freie Verkehr gehemmt werden, durch welchen Priester und Gläubige Gemeinschaft pflegen mit ihrem Haupte, dem Stellvertreter Christi, so konnte es doch unserm Herzen nicht verwehrt werden, seinem Zuge nach jenem heiligen Sitze zu folgen, von Dem die Einheit ausgeht. Weder Mißgunst, noch Bosheit noch List und Schlauheit der Feinde deS heiligen Primates der Kirche konnte unsere treue Liebe zu Dir, Vater der Väter! bisher vermindern. Eben so werden aber auch keine Künste, von wem immer sie ausgehen, und keine Hindernisse, von wem immer sie uns in den Weg gelegt werden mögen, ein Hemmniß für unsere kirchlichen Bemühungen seyn. Wohin Du immer, heiligster Vater, Deine Schritte lenken mögest, werden unsere Herzen Dir folgen. WaS immer die göttliche Vorsehung mit Dir verfügen und wohin immer sie Dich rufen mag, wirst Du im Geiste uns mit Dir haben. Und jeden Tag, den der Herr der Ewigkeit unS erleben läßt, bitten und beschwören wir Ihn, der da ist der Vater der Barmherzigkeit und der Gott allen Trostes, daß Sein Joch Dir sanft, und Seine Bürde Dir leicht werde, und daß Er die Kraft von Oben Dir ertheile, der Du auch unsere Stärkung bist, weil wir, wie die Glieder mit dem Haupte Dir verbunden sind. ES stärke und wird uns stärken jenes erhabene Wort, das Du in Deinem Leben sowohl ausprägst, als predigst: „Der Schüler ist nicht über den Meister." (Match. 10, 24.) Und: .Haben sie Mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen." (Joh. 15, 20.) Daher werden wir nicht minder in der Trauer als in der Freude, sowohl in Nöthen und Trübsalen, als im erwünschten Frieden der Kirche, indem wir jene Gelöbnisse der Treue und des Gehorsams, welche die zu Würzburg versammelten Bischöfe dem heiligen Stuhle abgelegt haben, zu den unsrigen machen, unerschütterlich an dem nothwendigen Mittelpuncte der kirchlichen Einheit festhalten und sowohl jeder für sich, als in Vereinigung mit den Gläubigen zum Erhalter und Lenker der Kirche ohne Unterlaß beten: „Der Herr erhalte Dich und verleihe Dir Leben und Heil auf Erben und übergebe Dich nicht in die Hände Deiner Feinte." Zu Deinen Füßen knieend, flehen wir endlich, heiligster Vater, nach der Fülle Deiner zärtlichen Liebe sowohl für unS, als für die Gläubigen in Demuth um Deinen väterliche» Segen. Wien in Oesterreich, am Feste der heiligen Jungfrau Scholastik«, im Jahre deS Heils Eintausend achthundert vierzig und neun. (Folgen die Unterschriften.) Da- neue Goldland und das Christenthum. Neu-OrleanS, 3. Dec. Das Goldland Californien ist, wie Sie sich denken können, auch bei unS das dritte Wort, und Tausende sind bereits aufgebrochen, um in jenem fernen Lande sich Reichthümer auf eine leichte Weise zu sammeln. Unsere Uankees achten die Beschwerden der langen Reise für nichts und die Gefahren, welche das Klima von Califor- nien ihnen darbieten könnte, verspotten sie. Doch nicht mir NativeS aus der Union, sondern auch Einwanderer aus Europa ziehen in großen Karawanen nach dem Eldorado von Californien, und besonders sind es englische und irische Emigranten, welche heute den geldgierigen Spaniern unter Cortez und Pizarro nachahmen. Auch Franzosen und Deutsche werden noch erwartet, dürften aber wohl zu spät ankommen und eine Beute gewissenloser Agenten und Entrepreneurs werden. Die Berge und Thäler Cali- fornienS werden erstaunen über die bunte Gesellschaft, welche sich dort zusammenfindet, und eS ist ein Glück für das Land, daß es keine dichte Bevölkerung besitzt, die unfehlbar durch die Laster und Ausschweifungen der Goldsucher in kurzer Zeit geistig und leiblich zu Grunde gehen müßte. Allein auch die wenigen Ureinwohner, von denen bekanntlich eine nicht geringe Anzahl von den Vatern des heiligen FranciscuS zum Christenthume bekehrt und in festen Wohnsitzen, den bekannten Redactionen von Californien, vereinigt wurden, sind allen Gefahren und dem Verderben der Civilisation preisgegeben; denn daß diese Reduktionen, die ohnedieß in der jüngsten Zeit schon zurückgekommen waren, da die früheren Unterstützungen von Seiten der spanischen Krone seit der Unabhängigkeilserklärung der spanischen Colonien in Amerika in Wegfall gekommen und die republicanische Regierung von Merico den von Allem entblößten Franciscanern höchst großmüthig im Laufe der Jahre ein oder zweimal eine Schiffsladung voll Cigarren zukommen ließ, — daß diese Redactionen durch die Goldsucher und ihre keine Gränzen kennende Habsucht vollends den Todesstoß erleiden werden, ist nach den neuesten Nachrichten so gut als gewiß. Doch weiß Gott immerdar Alles zum Besten zu lenken, und Cali- formen wird dereinst in der Geschichte der Missionen ganz gewiß eine nicht minder bedeutende Rolle spielen, als in der Handelsgeschichte. Schauen I Sie nur einmal auf die Karte von Amerika und lassen Sie Ihre Blicke hinüberschweifen über den großen Ocean, der CalifornienS Küsten bespült, und Sie werden selbst sagen müssen, daß dieses Land der Schlüssel zu China und Japan ist, daß Monterey und Sän Franciöco so recht als l 35 MissionSstapelplätze, wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf, sich darstellen. Die armen Seelen, die da ihre Seligkeit auf den Besitz deS gelben Metalles gründen und sich nur in zeitliches und ewiges Elend stürzen, arbeiten, ohne eS zu ahnen, der Kirche rüstig entgegen, denn bald wird der amerikanische SpeculationSgeist die ferne Westküste Californiens mit den östlichen Staaten durch Schienenwege verbinden und ein Haupt- Hinderniß, daS sich bis jetzt der Christianistrung Californiens entgegenstellte, die weite Entfernung und die unsichere, höchst kostspielige Verbindung mit den bevolkerteren Landstrichen werden verschwinden, so wie auch die dünne Bevölkerung, schneller als man eS zu ahnen vermag, sich bedeutend vermehren wird. Freilich müssen die gesellschaftlichen Verhältnisse Californiens sich erst consolidiren und geregelt werden, denn jetzt geht eS dort nicht viel besser zu als in einem Lande, in welchem man eines schönen Tages alle Zucht- und Correctionshäuser auf einmal geöffnet und den bisherigen Insassen vollkommene Freiheit gegeben, ihre bisherigen Gaunereien und Schlechtigkeiten und alle ihre Lieblingslaster nach Gefallen auszuüben. Doch wird der Congreß schon dafür sorgen, daß daS für die Union so wichtige Land der habsüchtigen Spcculationswuth entrückt und die Zustände desselben gesetzmäßig geregelt werden. Ist dieß einmal geschehen, und es wird zuversichtlich bald geschehen, dann darf die Kirche nicht säumen, von dem so günstig gelegenen Lande Besitz zu ergreifen, ja sie muß schon jetzt ihre Vorposten dort aufstellen und vor Allein darauf bedacht seyn, die oben-erwähnten Reduktionen vor der Hand zu erhalten. ES haben einzelne Priester sich auch schon entschlossen, den californischen Goldsuchern zu folgen, nicht um den glänzenden Mammon mit ihnen zu theilen, sondern die Schätze des Himmels ihnen nachzutragen und den armen verblendeten Leuten, wenn sie, vorn Fieber und den Leidenschaften verzehrt, ihre unglückselige Gewinnsucht verwünschen, die Tröstungen und Heilmittel der Religion liebreich anzubieten. Auch die wenigen Eingeborenen spanischer Abkunft, so wie nicht minder die in verschiedene Stämme getheilten Indianer werden sich der verdoppelten Sorgfalt der Kirche zu erfreuen haben. Hat diese aber einmal einiges Terrain in Californien gewonnen, so wird es, bei der vollkommenen Religionsfreiheit in den vereinigten Staaten, gar keine Mühe kosten, in Californien etwa zu Monterey oder zu Sän Franciseo einen Bischofssitz zu errichten. Besonders dürfte sich Sän Carlos de Monterey zu einem solchen eignen, da eS als Hauptort des Landes an der Bay von Monterey eine äußerst günstige Lage besitzt und die dort herrschende Luft wegen der nahen Bergkette von Santa Lucia sehr gesund ist. Auch Sän Franciseo, jetzt wie Monterey freilich nur ein elendes Dorf, besitzt einen schönen Hafen, von welchem auS die Missionäre in verhältnißmäßig kurzer Zeit nach China kommen können, wenn einmal erst die Communicalion zwischen Californien und unseren östlichen Staaten hergestellt seyn wird. China selbst wird dem so mächtig nach Westen gerichteten Dränge der Amerikaner noch weniger Widerstand leisten können, als es den englischen Waffen und Flotten zu widerstehen vermochte. Jede Concession aber, die das Reich der Mitte der alle Schranken umstoßenden und alle Mauern übersteigenden Handels- thätigkeit zu machen sich gezwungen sieht, wird und muß zugleich der Ausbreitung des Christenthumes zum Vortheile gereichen, wie eS der englisch-chinesische Krieg zur Genüge bewiesen, selbst dann noch, wenn, wie gewöhnlich, die mercantilischcn Interessen dem Christenthume nicht eben hold sind. Noch ein Reich aber liegt Californien gegenüber, welches die Blicke der Missionäre schon so oft und roch bis jetzt stets vergeblich aufgesucht, Japan, daS mit Neucalifornien genau unter einer Breite liegt und auf welches die UankeeS nächstens ihre Aufmerksamkeit richten werden, was so viel heißt, als jenes Jnselreich dahin zu bringen, daß es mit ihnen in nähere Verbindung tritt. Vielleicht kommen die Allengländer dem Bruder Jonalhan zuvor, aber gleichviel: auch für Japan hat die Stunde geschla gen, in welcher daS Kreuz wieder glänzen wird über den Gräbern eines heiligen Märtyrervolkes. Und von Californien auS, daS viel günstiger gelegen als Oregon und auch wegen seines Metallreichthumes weit eher durch Eisenbahnen, Landstraßen und Canäle mit der Union verbunden seyn Wird als dieses, von Californien aus werden die neuen Apostel Japans und deS noch größtenteils verschlossenen und doch so dicht bevölkerten Osten von Asiens ausgehen und das Werk des heiligen Franz Laser vollenden, vielleicht zu einer Zeit, wo es in der alten Hcimath des Christenthumes den Gottlosen und Atheisten gelungen seyn wird, die Religion des Kreuzes zu verdrängen. (Katholik.) Säcularfeier des Benedictinerstiftes Raygern. Aus Mäbren im Januar. Raygern und sein achtes S ä- culum. DaS Benedictinerklosterstift zu Raygern in Mähren hat am 26. November 1848 daS achte Jahrhundert seiner Einweihe durch den Präger Bischof SeveruS zurückgelegt. Es war daher natürlich, daß in den Bewohnern dieses Stiftes der Gedanke auftauchte, feierlich zu begehen daS Andenken dieses hochwichtigen Momentes. Der allgeliebte Abt Victor Schlosser, welcher bei der Sorge um daS zeitliche Wohl deS Hauses stets sich gegenwärtig hält die Worte deS heiligen AugnstinnS: „Ut in omnilms glarilwvtur Heus"— setzte, nach genommener Rücksprache mit seinen Conven- tualen, den 19. Sonntag nach Pfingsten (22. Oktober) als den zur Eröffnung der Feier geeignetsten Tag fest; also zu einer Zeit, wo Oesterreichs politischer Himmel zwar umflort, aber noch nicht verfinstert, noch nickt mit Blitzen und Feuersäulen gefüllt war. Der heilige Vater PinS IX. bewilligte zur Verherrlichung des Festes einen vollkommenen Ablaß für Alle, welche nach erfüllten Bekingnngcn während der Octav die Stiftskirche besuchen würden, die Namen der Pontificanten und Festredner waren schon aufgezeichnet — kurz alle die nöthigen Anstalten besprochen. Da geschahen am 6. October die bekannten Gräuelscenen in Wien, — LatourS Blut befleckte auf immer der Residenzstadt geschichtliche Blätter, sie sah Bürger- blut und verlor die Besinnung. Die Provinzen erblaßten ob der ruchlosen That, und mehr als Eine schien daS Gleichgewicht zu verlieren; Wühler jeder Art und Gattung mehrten durch unzcitige Reden den Schrecken, schüchterten die Gutgesinnten ein und gaben Muth den Tollen. O schrecklich waren die Oclobertage, schrecklich für Jeden, dem Recht und Tugend kein leerer Schall! — Wie, und in den Tagen deS Schreckens sollte Raygern ein Fest begehen? — sprach man ja frei und offen von der Schmach deS souveränen Volkes, daS noch Klöster duldet, theilte ja aus Flugschriften voll schändlicher Lügen gegen Bischöfe und Priester! — Wie zur Zeit deS FaustrecktcS mußten die Klosterpforten verwahrt und bewacht werden, um nicht unvorbereitet vom losen, räuberischen Gesinde! überfallen zu werden — und dieß in einem katholischen Staate! — war da also noch eine Möglichkeit an ein Fest zu denken, wo die persönliche Existenz und Sicherheit so gefährdet war? — Allerdings: „Solle BretiSlaw'S Stiftung durch gottlose Hände fallen — wohlan denn, so möge sie würdig fallen" — so sprachen die Mönche, und weder der Kanonendonner, noch daS Sturmgeläute des nahen Brünn, noch der Aufruf zum Landstürme und die Züge der Proletarier hielten sie ab, den einmal gefaßten Entschluß zu verwirklichen. Es war ihnen ja nicht um weltlichen Pomp zu thun, nur ihrem Dränge, Gott zu danken, wollten sie Genüge thun. Eröffnet ward daS Fest den 21. mit einer solennen Vesper.- O wie ganz anders klang damals das „veus in scljutoriurn" in der hell umstrahlten bräutlich geschmückten Stiftskirche, wie ernst tönte das „Uonlitoor" durch die weite» Hallen, wie herzbrechend das „Vv grokuixIiZ." Man fühlte GotteS Nähe, sah sein unmittelbares Walten, die eigene Nichtigkeit — daS Grab geöffnet. Am Montage las der Brünner Bischof unter Assistenz seines Capitels daS Hochamt, das päpstliche Ablaßbreve ward öffentlich vorgelesen und eine ergreifende Rede von einem benachbarten, würdigen Pfarrer gehalten. Die Kirche war zwar zahlreich besucht, aber keineswegs in der Art, wie eS sonst bei andern minder wichtigen Gelegenheiten zu geschehen pflegte. Und wie gering war die Zahl Derer, welche durch die heilige Commuiiion ihren Willen, den Ablaß zu gewinnen, kundgaben? Mit vollem Rechte schloß man auf die Theilnamlosigkeit der Gläubigen. Auch der zweite Tag ging still vorüber; aber am dritten, vierten und den nachfolgenden, da konnte die Stiftskirche, eine der größten in Mähren, nicht mehr fassen die herbeiströmende Menge. Was bewirkte diese plötzliche Umwandlung? — der Eifer der nachbarlichen Seelsorger. Die sprachen kräftige Worte zu ihren Gemeinden, erklärten ihnen die Bedeutung deS Festes, die Zeichen der Zeit, die Nothwendigkeit deS innigsten AnschlnsseS an den Weltenlenker. Unabsehbare Schaaren pilgerten unter frommen Gesängen zur Klosterpforte, als wären sie mitten im Frieden. Junge Priester, ganz und gar ergeben ihrem Volke und dessen Heile, betraten ohne Vorbereitung die Kanzel — (denn man bestellte keine Prediger, weil man der Zeit nicht traute) — und sprachen so herrlich, wie dieß nur ein begeistertes, rein religiöses Gemüth zu thun im Stande ist. Sie mußten gehoben werden diese Redner, als sie sahen, wie ihr Volk, an dem man bereits zu zweifeln anfing, sich so empfänglich zeigt für daS allein Wahre — für Gott und Vaterland. Und fast könnte man behaupten, daß diese so angeregte religiöse Stimmung daS mächtigste Hinderniß Allen wurde, die im Solde der Umsturzpartei RaygernS Anwohner zum Landstürme gegen die k. k. Truppen, die gegen Wien zogen, bewegen wollten. Auch nicht Ein Mann folgte ihrem tollen Rufe; man vertrieb vielmehr die Wühler und bewahrte die Treue gegen daS angestammte, heißgeliebte Herrscherhaus. — Beendet ward daS Fest nach achr Tagen durch ein Ponnficalamt des HauSabteS Victor, welcher die hohe Freude hatte, zu sehen, wie Tausende, dem Rufe der heiligen Kirche folgend, die Bedingungen zur Gewinnung deS vollkommenen Ablasseö erfüllten, wie sie gestärkt die Worte deS Heiles in ihre Heimath brachten, 36 wie sie durch die Theilnahme am Feste deutlich auSsprachen, daß sie die Klöster und die religiösen Orden nicht als eine Schmach veS souveränen Volkes, sondern als von der Kirche approbirte, ihre Zwecke fördernde Institute ansehen, die der allgemeinen Achtung sich um so mehr erfreuen werden, je mehr sie die Bedürfnisse der Zeit und ihrer Aufgabe auffassen. — Und darum, lasset nur spotten und mit schalem Witze besudeln die Klöster und ihre Bewohner: ist eS diesen Ernst mit ihrem Berufe, so werden sie um so fester an ihrer Regel hängen und sich freuen, daß ihnen Gelegenheit ward, durch die That zu beweisen, daß sie der Welt und ihren Freuden abgestorben. (Katholik.) Proselyten zu machen, als sie nur immer wollen; sie dürfen bei uns zu ihrer Reise in den Himmel diejenige Landstraße wählen, die ihnen am besten gefällt, wenn sie nur überall den gesetzmäßigen Zoll bezahlen. Wir lieben die Jesuiten, wir bewundern die Jesuiten, wir ehren die Jesuiten und das alles nicht wegen ihrer schlechten Eigen« schaften, und wegen ihrer schlechten Tendenzen, sondern wegen ihrer Wissenschaft, ihrer geistigen Bildung, und wegen der Kühnheit in ihren Unternehmungen zur Verbreitung des Unterrichtes. Wir machen bei unS keinen Unterschied unter den verschiedenen religiösen Secten, alle finden bei uns Friede und Duldung." Belgische Zustände. Belgien (Lüttich). Während ringS um unS, und in fast allen Ländern von Europa die heftigste politische und sociale Aufregung, Aufstand, Krieg und blutiges Unheil herrschen, genießt unser schönes, gesegnetes Belgien einer inneren Ruhe und Sicherheit, wie man sich derselben kaum seit einem Jahrhundert zu erinnern weiß. In Belgien werden durch königliche Verordnungen Kirchen und geistliche Orden für Wohlthätigkeit, der Verein der christlichen Liebe zu Antwerpen, das HauS zum guten Hirten für die Pflege entlassener Verbrecher zu Namur, der Verein der Frauen der Barmherzigkeit zu Brüssel, freigebig unterstützt: in Belgien werden Kirchen gebaut, und mit großer Pracht eingeweiht, und dabei deS Segens und des Schutzes der göttlichen Vorsehung mit freudiger Dankbarkeit gedacht: in Belgien befiehl ein gesetzliches und geregeltes Einvernehmen zwischen Regierung und Unterthanen, und freundlicher Verkehr so zwischen Privaten, wie zwischen den Beamten deS StaateS, der Gemeinden und der Kirche. Dieses freundliche Bild von den belgischen Zuständen zeigte sich besonders neulich in Lüttich bei Gelegenheit der am 27. November mit ungewöhnlicher Feierlichkeit vollzogenen Consecration der neuen Pfarrkirche St. Veronica durch den hochwürdigsten Herrn Bischof van Bommel. Die Anwesenheit hoher Staatsbeamten, so wie der Provincial- und Gemeindebehörden und einer »»gemein zahlreichen Geistlichkeit verherrlichte das Fest, bei welchem der hochwürdigste Herr Bischof in seiner gewohnten und beredten Weise zu wiederholten Malen Worte der Erbauung, der Ermunterung und des DankeS an die verschiedenen Stände der Anwesenden richtete. Die lautlose Stille, mit welcher allemal diese Worte von der so lebhaften und beweglichen Bevölkerung von Lüttich angehört wurden, gab Zeugniß von der hohen Theilnahme, mit welcher dieselben vernommen wurde». Am höchsten stieg diese Theilnahme, als der Bischof zuletzt mit feierlich erhobener Stimme verkündigte, daß er daS Fest mit dem Gebete für den König beschließen wolle, weßhalb er alle Anwesenden auffordere, ihr Gebet mit dem Seinigen zu vereinigen, um den Segen GotteS für den vielgeliebten Herrscher, für das königliche HauS, und für ganz Belgien zu erflehen. „Möge unser schönes Land fort und fort sich jenes besonderen Schutzes der Vorsehung erfreuen, der unS vor all jenen Un g l ü cks fä l le n und Umwälzungen bewahre) hat, dergleichen wir mit Schrecken auS so manchen andern Gegenden erfahren haben!" Dieß waren die Schlußworte der Anrede am Ende deS Festes, welches um halb 8 Uhr begonnen hatte, und mit Einschluß des PontificalamteS bis 1 Uhr Mittags dauerte. DaS folgende Festmahl im Pfarrhause war ein Verein deS heitersten Frohsinns und der aufrichtigsten Herzlichkeit. (Sion.) Nordamerika. Vereinigte Staaten. Der „New-Aork Herald," ein protestantisches Journal, schrieb ohnlängst: „Wie wir erfahren, sind sieben oder acht Jesuiten cu.S dem Kloster zu Freiburg in der Schweiz mit dem letzten französischen Dampfboot in New Aork angekommen. Dem Vernehmen nach haben andere Fahrzeuge eine noch größere Anzahl von Priestern aus dcm- selbigen Orden herüber gebracht. Ueberhaupt haben wir in den sechs letzten Monaten eine größere Anzahl von Priestern auS Europa erhalten, als in vielen früheren Jahren zusammengenommen. Die Jesuiten, so wie andere, sowohl protestantische, wie katholische Geistliche, welche man in Europa um ihrer religiösen Meinungen willen verfolgt, thun recht daran, daß sie zu unS kommen; in unserem Lande steht cS ihnen frei, so viele Robert Blum. Wir haben die endliche Bekehrung deS in den RongeanismuS und rothen RepublicaniSmuS verirrten Robert Blum nach Fr. HurterS verläßlichem Zeugnisse vor einiger Zeit in der Postzeitung berichtet. Nun tritt der schon öfter genannte Gratzer Rongeaner Scholl in seinen Sonntagsblättern mit der ganzen Kraft seiner Sophistik auf, um den unglücklichen Blum auch in seinem Tode noch als Märtyrer und Helden dem Nongethum zu retten; „denn es gilt daS Bild unsers Todten rein zu halten von pfäffischer Entstellung, rein zu waschen von pfäffischen Verdächtigungen und Verleumdungen, mit welchen dieselben, die ihn im Leben gehaßt, selbst den Todten jetzt nicht verschont lassen." Man sollte nach solchem Anlaufe erwarten, Scholl werde authentische Documente vorlegen, auS denen unwidersprechlich sich zeigte, Blum sey als Rongeaner gestorben. Allein dem ist nicht so; die ganze Beweisführung besteht vielmehr in einem anonymen Artikel aus der „Jllustrirten Zeitung" von Leipüg, der durch vierte Hand den Schottenbenedictiner P. Raimund als Quelle angibt. Wir wollen über die Verläßlichkeit der erwähnten Zeitung nicht rechten, sondern theilen nur zur Bestätigung der Hurter'schen Angaben und zur vollkommenen Widerlegung aller gegentheiligen Berichte «katholischer Blätter folgenden Erlaß des fürstbischöflichen Consistoriums in Wien mit. Dieser lautet: „In Folge des anher gestellten Gesuches vom 10. dieses Monats wurde der Curat an der hiesigen StiftSpfarre zu den Schotten, P. Raimund Schwedler, welcher dem Robert Blum in seinen letzten Lebensstunden die Tröstungen der Religion zu spenden berufen war, über die in Frage gestellte Versöhnung desselben mit Gott und seiner heiligen Kirche einvernommen. Die von diesem Priester abgegebene Erklärung bestätiget, daß Robert Blum, welcher sich schon bei dem Verhöre als Katholik angegeben hatte, den ihm gemachten Ermahnungen und Belehrungen in sein Herz, welches über daS unerwartete Ende, insbesondere aber wegen des Schicksals seiner Gattin und seiner Kinder sehr bekümmert war, Eingang gewährt, und, nachdem mit GotteS Gnade bei der Erinnerung an seine Mutter und ihre Lehren der alte Glaube in ihm erwacht war, auch daS Sündenbe- kenntniß abgelegt und die heilige Wegzehrung mit sichtbarer Rührung und Andacht empfangen habe. Zuletzt dankte er diesem Priester für die gespendeten Tröstungen der Religion und starb mit den Worten: „„Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist."" Wien, den 27. Januar 1849. FürsterzbischöflicheS Konsistorium: Matthias Pillitzer, Bischof von Telmäse in pari., Generalvicar. Leopold Eikelhart, Kanzleidirector." Piusvereine. Trier, 12. Januar. Unser PiuSverein, der so klein und unscheinbar begonnen, ist in einem sehr erfreulichen Wachsthume begriffen. Er zählt gegenwärtig etwa 560 Mitglieder. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß daS Wachsthum und Gedeihen deS VereinS davon abhängt, daß er als solcher keiner politischen Partei sich anschließt, als solcher keinerlei politische Bestrebungen unterstützt, sondern lediglich die Wahrung der religiösen Freiheit und die Hebung der socialen Zustände durch die vom Christenthum und der katholischen Kirche gebotenen Mittel als einziges und Hauptziel im Auge behält, und dadurch einem Jeden, zu welcher politischen Farbe er sich auch bekennen mag, wenn er nur anders ein wahrer und warmer Katholik ist, den Eintritt ermöglicht. (Ist auch die Ansicht des AugSburger PiuSvereines.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. K-'^r« ^ »7 . -7 '^->^» 7 «»^»/.^ H> Preis io AvgSburg für sich allein (ohne A. PostzeitungMhrlich Ist. Istkr. Dur» , die Post kaun diese« Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung Sonntags - Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. Für fich allein, ohnL die Augsburger Post- zeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u. s. w. jähr«, lich nur I st. SO kie- «der 1 Lhlr. Neunter' Jahrgang. ^ 1 «. 11 . März 181 k». Hirtenbrief des Hochwürbigften Bischof- Peter Joseph von Limburg. Die heilige Fastenzeit, in die wir so eben eingetreten sind, gibt, wie alljährig, so besonders in diesem Jahre den von dem heiligen Geiste gesetzten Oberhirten dringende Veranlassung, Worte deS höchsten Ernstes an die ihnen anvertrauten. durch das Blut deS Gottmenschen Jesu Christi erkauften Gläubigen zu richten. Leben wir doch in einer Zeit, wo die Angriffe auf die katholische Kirche, die einzige, von Gott selbst für die Dauer der Welt gegründete Beschützerin der Wahrheit und Freiheit, maßloser, frecher und massenhafter sind, als je vordem; in einer Zeit, wo man vorgeblich im Interesse der Wahrheit, des Lichtes und der Aufklärung, die einzige und rechtmäßige Mutter und Pflegerin dieser Güter durch alle erdenkliche Mittel, durch List und Betrug, durch Hohn und Gewalt für immer aus der Welt verbannen möchte; in einer Zeit, wo man sinnlos und mit betäubendem Geschrei nach Freiheit ruft, und Gleichheit prediget und Brüderlichkeit im Munde führt, indeß so Viele den erbittertsten Haß gegen die katholische Kirche im Herzen tragen und in ihren Handlungen kundgeben, die Gleichheit in einem Sinne verstehen, der, ein absoluter Widerspruch deS Geistes und der göttlichen Weltordnung, zum Raub und zur Plünderung und nachmals zur allgemeinsten Verarmung führen müßte, und die Freiheit, welche uns Jesus Christus gebracht und die fort und fort von seiner Kirche verwirklicht und inS Leben eingeführt werden will, als unwürdige Knechtschaft verlästern, dagegen die Willkürherrschast der rohesten Leidenschaften, ein freches Ucberheben über alle göttliche und menschliche Gesetze und das Hingegebenseyn an die niedersten sinnlichen Genüsse als Freiheit anpreisen. Unter diesen Zeitverhältnissen konnten die Hochwürdigsten Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands nicht in Verlegenheit seyn bei der Auswahl der in ihren dießjährigcn Faslenhirtcnbriefen zu behandelnden Gegenstände, und, so viel uns biö jetzt bekannt geworden, haben sie so ziemlich allseitig die Wunden der Gegenwart berührt und die kräftigsten Heilmittel dagegen angegeben. Unter den letzter» stehen in der vordersten Reihe die Vereine der Katholiken, wie sie im vorigen Jahre in den verschiedenen Gegenden Deutschlands entstanden, bald darauf im Oktober zu Main; zu einem einzig großen Vereine zusammengetreten, und wenige Wochen daraus durch die zu Würzburg versammelten Erzbischöfe und Bischöfe gutgeheißen und allen Gläubigen nachdrücklichst empfohlen worden sind. Mit großer Vollständigkeit und Klarheit handelt von denselben der Hirtenbrief des Hochwürdigsten Bischofs Peter Joseph von Limburg, den wir deßhalb nachfolgend mittheilen, weil wir leider immer »och die traurige Erfahrung machen müssen, daß an vielen Orten kleinliche Rücksichten und ungegründete Besorgnisse die Gründung solcher katholischen Vereine hindern, indeß von der andern, feindlichen Seite Alles aufgeboten wird, die vorhandenen Kräfte zu sammeln, sie nach und nach und unvermerkt für ihre verderblichen Plane zu bearbeiten und sie sodann unter günstigern Verhältnissen zum Umstürze der Kirche, zum Verderben der Religion und Sittlichkeit wie überhaupt zum Untergang der bestehenden Ordnung zu mißbrauchen. Anknüpfend an den ernsten Zuruf deS vorigen JahreS: «Leget die Rüstung GotteS an, damit Ihr zur schlimmen Zeit Widerstand leisten und Alles besiegend das Feld behaupten könnet '). Ergreifet den Schild deS Glaubens 2), umgürtet Euch mit dem Panzer der Gerechtigkeit") und Liebes, und nehmet den Helm und das Schwert deS Geistes, welches GotteS Wort ist"). Denn der Feind, den wir zu überwinden haben, ist der Fürst der Finsterniß"), — der Gott dieser Welt, welcher den Verstand !dcr ihm dienenden Ungläubigen so geblendet hat, daß ihnen das hellste j Licht deS herrlichen Evangeliums Christi nicht leuchtet ). Nicht durch ! materielle Kräfte, nicht durch Geschütze, Festungen und Kerker läßt er sich izurückschrecken, sondern nur durch die Waffen deS Lichtes"), wenn wir, vertrauungSvoll um das so sehr verachtete und g-schmähte Kreuz des Erlösers unS schaarend, von denselben den rechten Gebrauch machen. Wie nämlich Christus am Kreuze über ihn triumphirtc, so wird Jeder auS unS siegreich gegen ihn kämpfen, der durch Glaube, Hoffnung und Liebe mit dem Heilande verbunden, sein Fleisch, sammt den Lüsten und Begierden kreuzigend "), sich und der Welt abstirbt ^), und dagegen Dem lebt, der für unS gestorben und auferstanden ist anknüpfend an diesen Zuruf beklagt der Obcrhirte, daß cS „selbst heute noch unzählig Viele giebt, welche zur Schändung ihres christlichen NamenS rücksichtlich der Erstrebung eines glücklicheren LooseS, als eS unö dermalen im Allgemeinen deschieden ist, auf die Seite Derer treten, die von Christus und seiner göttlichen Heilsanstalt, welcher doch alle civilisirten Völker ihre Gesittung und ihren Wohlstand verdanken, nichts mehr wissen wollen; den Leidenschaften, in welchen die Hauptquelle unseres Elendes liegt, — dem Stolze, der Habgier, Trägheit und sinnlichen Genußsucht noch schmeicheln und voll« Befriedigung versprechen, statt den treuen Verkünden, deS göttlichen Wortes und den sonstigen erleuchteten Männern und wahren Freunden deS Volkes zu folgen, die nur in der bußfertigen Rückkehr zu Gott, — in der Beherrschung der genannten Laster und in Pflege der denselben entgegen- gesetzten christlichen Tugenden, den Weg zum Frieden und zur Wohlfahrt erblicken. Sind vielleicht alle diese auch jetzt noch so verblendet, daß sie sich einbilden, durch dieses Verhalten ihr Gewissen nicht zu verletzen und zur Herbeiführung einer glücklicheren Zukunft mitzuwirken? Wäre dieses wirklich der Fall, so stünde eS wahrlich um sie traurig; aber noch trauriger steht eS um sie in der Wirklichkeit. Nein, Geliebte! sogar die Mehrzahl von ihnen hat noch eine bessere Ueberzeugung, handelt ihr aber auS niederer Selbstsucht, — auS Hoffnung aus vorübergehenden zeitlichen Gewinn, oder auS Furcht und Feigheit entgegen. Von ihnen läßt sich in gewissem Sinne sagen, waS einstenö der Heiland zu den Pharisäern sprach, als diese auf seine Aeußerung: „ich bin zum Gericht in die Welt gekommen, daß die Nichtsehendcn sehend und die Sehenden blind werden")," ihn gefragt hatten, ob auch sie blind seyen? „Wenn ihr blind wäret," erwiderte ihnen der Herr, «so gereichte cS euch nicht zur Sünde; nun ihr aber sprechet, wir sehen, so bleibet eure Sünde)." O, Geliebteste! wie unheilvoll ist diese herabwürdigende und unter allen Zeitverhältnissen verderbliche Gesinnungslosigkeit gerade jetzt! DaS Gute, waS die Bewegungen unserer Zeit hervorgebracht, — eine freiere, die Würde und Kraft des einzelnen Menschen, wie der Corporationen mehr ehrende Verfassung, kann dadurch, statt uns zum Segen zu gereichen, leicht zum Fluche werden. Denn diese freie Verfassung gestattet ihrer Natur nach nicht nur den erhaltenden, sondern auch den zerstörenden Kräften einen bedeutenderen Einfluß auf alle LcbenSkreise, und kann somit nur in so weit die von ihr gehegte» Hoffnungen erfüllen, als wir auS freier Selbstbestimmung weise und gerecht handeln. Welcher Zustand muß nun aber eintreten, wenn Die, welche noch den Glauben haben, daß wie für den einzelnen Menschen, so auch für die Familie und den Staat nur in Christus Heil zu finden ist, nicht zusammenhalten und mit vereinter Kraft die Segnungen deS Christenthums gegen das Verderben LeS Unglaubens zu schützen suchen? Darf «S unS dann befremden, wenn Diejenigen überall einen überwiegenden Einfluß gewinnen, welche die Freiheit nur zum Deckmantel 1) Sph. 6, 13. 2) Sph. s, 16. «, 17. «) Zoh. 13, ,1. 14, 30. 3) Sph. «.14. 4) 1. Theff. 5, 6. 5) Sph. r,'' 1) 2 Kor. 4 . 3 u. 4. 2) Rom. 13, 12. 3 ) Gal. ö, 24. 4) C»l. ö, 14. S) 2 Kor. b, 1b. S) Joh. S, 30. 7) 3«h. S, 41. der Bosheit mißbrauchen — welche auf nichts Anderes sinnen, als nach dem Umstürze alles Bestehenden sich zu Despoten über unsere materiellen, wie über unsere geistigen Güter auszuwerfen, nicht nur unser leibliches, sondern auch unser geistiges Leben zu beherrschen? Doch zu diesem äußersten Grade der Sklaverei wird eS und kann eS, wenigstens in Deutschland, nicht kommen, wenn der im verflossenen Jabre gerade im Momente der wüthendsten Verfolgung unserer heiligen Kirche inS Leben getretene, mit dem Namen, wie mit den glänzenden Tugenden unseres heiligen Vaters PiuS IX. geschmückte katholische Verein, welcher dermalen in der alten katholische» Rheinstadt Mainz, wo einst der große Apostel der Deutschen, der heil. BonifaciuS, den Hirtcnstab führte- leinen Mittelpunct hat, von dem aus er seine Wirksamkeit zur christlichen Wiederbelebung Deutschlands bereits durch alle Gauen desselben verbreitet, wenn, sagen Wir, dieser katholische Verein Deutschlands die ihm gebührende Anerkennung und Theilnahme findet. Denn wo dieser fruchtbare Ast an dem Lebensbaume unserer heiligen Kirche bis jetzt seine Verzweigungen hinge- trieben, da setzte er dem Bunde der Verblendung und Gesinnungslosigkeit nicht nur eine unüberwindliche Schranke, sondern brachte auch durch die gesunde, kräftigende Nahrung, die er bietet, Viele von den Verirrungen ihres Geistes und Herzens zurück. Darum, Geliebte! können Wir, indem Wir Angesichts deS für Deutschland noch nicht entschiedenen KampfeS zwischen dem neucrwachten Heidenthume und dem Christenthnme bei der Wiederkehr der heiligen Fasten« zeit Uns abermals verpflichtet fühlen, Euch zur freudigen Ausdauer unter der Fahne Christi zu ermuthigen, die unumwundene Erklärung Euch nicht vorenthalten, daß UnS unter den vielfachen traurigen Erfahrungen, welche UnS die Gegenwart in Unserem BcrusSkreise bicrer, nichts mehr zu trösten und zu erfreuen vermöchte, als wenn alle Gemeinden Unserer Diöcese rück- sichtlich der Gründung von Filialvereincn und deren Anschluß an den katholischen Verein Deutschlands dem schönen Beispiele folgten, welches mehrere Gemeinden deS BiöthumS bereits gegeben haben. Damit wollen Wir zwar keineswegs sagen, daß man nur alö Mitglied eines solchen Vereines sich als einsichtsvollen und gesinnungStüchtigen Katholiken bewäh ren könne; zieht ja der katholische Verein Deutschlands seine ganze Lebenskraft selbst nur a»S dem großen, von Christus gestifteten und seinem Geiste beseelten Vereine unserer heiligen Kirche; allein warum sollen, wenn die durch den Zeitgeist irregeleiteten Glieder der Kirche mit den Feinden des Christenthums gegen dieselbe gemeinschaftlich wirken, nicht auch die auS Ueberzeugung ihr treu Gebliebenen zur Förderung ihrer Lebensthätigkeit in einen engeren Verband miteinander treten? Sollen sie sich hierzu nicht um so mehr berechtiget und bestimmt fühlen, wenn die Wirksamkeit dieser Ver eine, ohne das Recht auch nur eines Einzigen zu verletzen, nicht nur das Wohl der Kirche, sondern auch das deS Staates fördert? Daß aber dieses der Fall ist, muß Jeder einräumen, der die löbliche Aufgabe, welche der katholische Verein Deutschlands mit lallen seinen Zweigvcreinen sich gesetzt, und die niitadelhaften Mittel, die er zu ihrer Verwirklichung einzig erlaubt, gehörig kennt und unparteiisch beurtheilt. Betrachtet nur, Geliebte! die Aufgabe deS katholischen Ver- einS Deutschlands im Hinblicke auf die Hauptmißstände unserer Zeit, und Ihr sehet sogleich ein, daß sie die Grundübel der Gegenwart an ihrer Wurzel faßt und durch die einzig zureichenden Mittel ihre Heilung versucht. Diese Grundübel sind, was wohl nicht erst eines Beweises bedarf: eine hie und da bis zum Hasse der christlichen Frömmigkeit gesteigerte Irreligiosität, eine durch keine Autorität in Schranken zu hallende Ungerechtigkeit und Unfittlichkeit, und endlich die aus beiden entsprungene Noth und Unzufriedenheit, welche, so lange ihre wahre Ursache nicht erkannt, und in geeigneter Weise ihr entgegen gewirkt wird, die Gefahr staatlicher und gesellschaftlicher Umwälzungen stets unterhalten. Jeder Einsichtsvolle wird zugeben, daß hier eben darum mit neuen StaatSversassungcn, Verwaltungsformcn, menschlichen Gesetzen und Einrichtungen, so weise und zweckmäßig sie auch seyn mögen, wenig geholfen ist, so lange nicht durch die Rückkehr zum lebendigen Glauben an Christum der in ihm uns offenbarte Wille Gotteö wieder als höchstes, unverletzliches Gesetz anerkannt, und durch die auS dem Glauben quellende Liebe die Erzeugerin der bestehenden Zwietracht und Noth, nämlich die Selbstsucht, überwunden wird. Soll aber das Christenthum wiederum diesen Einfluß auf die menschliche Gesellschaft erhalten, soll es die Ansichten, Neigungen, Wünsche und Bestrebungen der Menschen wiederum bestimmen, und insbesondere durch seine göttliche Autorität der weltlichen Obrigkeit den ihr gebührenden Gehorsam sichern; so darf die Trägerin desselben, unsere heilige katholische Kirche, nicht länger unter der Bevormundung deS i) i Ksr. s, 14. . . StaateS in Erfüllung ihres hohen BerufeS sich gehemmt fühlen; sondern sie muß, wie eS für den Naffauischen Theil Unserer Diöcese schon durch die landesherrliche Proclamation vom 5. März deS verflossenen Jahres verheißen und seitdem für die katholische Kirche in ganz Deutschland durch Art. 5. 8 . 17. der Grundrechte ausgesprochen worden ist, in Allem, waS zu ihrem Bereiche gehöret, — in Lehre, Gottesdienst, Anstellung und Abberufung ihrer Diener, Handhabung der Disciplin und Verwaltung ihres Vermögens frei und setbstständig werden. Dem entsprechend stellt der katholische Verein Deutschlands an die Spitze seiner Aufgabe: „Die Verwirklichung der Freiheit der Kirche und aller ihrer Rechte durch die ihm zu Gebot stehenden Mittel zu erstreben." Sieht man nun, Geliebteste! auf die Anwendung der Freiheit der Kirche, als der Grundbedingung ihrer ungeschmälerten segensreichen Wirksamkeit, so. erscheint dieselbe im Interesse der Anbahnung einer besseren Zukunft nirgends dringender geboten, als da, wo sie ihr lange Zeit am hartnäckigsten verweigert worden ist und zum Theil noch verweigert zu werden pflegt, — im Gebiete deS Unterrichtes und der Erziehung. Niemand kann es bestreiten, daß, wie hoch man auch die Leistungen deS neueren Schulwesens, insbesondere in Beziehung auf die Entwickelung der geistigen Kräfte, anschlagen mag, dieselben dock für das Wissen, wie für das Leben weit hinter den Leistungen aus der Zeit zurückstehen, wo die Kirche unbehindert Schulen errichten und leiten konnte. Zwar hat die Schule seit mehreren Decennien Alles aufgeboten, um den Verstand möglichst zu bilden, ihn mit Kenntnissen zu bereichern und den Menschen für seinen irdischen Lebensberuf zu befähigen; allein weil sie nicht vom Standpuncte des Christenthums auS in gleichem Maaße auf die Veredlung seines Herzens hinwirkte und seine ewige Bestimmung im Auge behielt: so hat diese naturwidrige Einseitigkeit sowohl der. Aneignung höherer Weisheit, als dem friedlichen Genusse deS Lebens unberechenbaren Abbruch gethan, lind konnte die Folge dieser verkehrten Richtung eine andere seyn? Wenn der Verstand nicht ein gebildetes, für die Liebe deö Ueberstnnlichcn und Göttlichen empfängliches Herz zur Begleiterin hat, so tritt er nur allzu bald in den Dienst niederer Leidenschaften; und wo diese den Menschen beherrschen, da verliucrn sie ihm nicht nur jeden Lebensgenuß, sondern trüben auch den Blick seines Geistes so sehr, daß er zuletzt die einfachsten Wahrheiten, wenn sie nicht mit der Befriedigung seiner Neigungen und Begierden in naher oder entfernter Beziehung stehen, z. B. die klarsten religiösen und sittlichen Begriffe und Grundsätze nicht mehr zu fassen vermag, — bestätigend das Wort des Apostels: „Der sinnliche Mensch nimmt nicht auf, waS des Geistes ist; ihm ist eS Thorheit und er vermag eS nicht zu fassen, weil es nur geistig gefaßt werden kann Hierin, geliebte BiS- lhums-Angehörige! liegt auch der tiefste Grund des Unglaubens der heutigen Generation und die ausreichendste Erklärung ihrer traurigen Lage. Unzählig viele Menschen haben sich nämlich eine Glaubenslehre gebildet, wie sie die Beschaffenheit ihres Herzens verlangte; aber auch eine Lage sich bereitet, wie ihr verdorbenes Herz sie verdiente. Weil sie so leben, daß sie den Himmel, den sie wohl gerne nach dem Tode annähmen, nicht hoffen können, und die Hölle, die sie freilich fliehen möchten, fürchten müssen; so läugnen sie beide und suchen den Himmel schon auf der Erde in der ungezügelten Befriedigung ihrer niederen Triebe; aber statt ihn hierin zu finden, verwandelt sich ihnen die Erbe gleichsam zur Hölle, nämlich zu einem Orte steter Unruhe und steigender Qual; indem daS, wor- nach sie haschen, sie täuscht, uns das, was sie beglücken könnte, ihren Neigungen zuwider ist. Gewiß zeugt eS darum nicht weniger von dem richtigen Blicke in die Bedürfnisse unserer Zeit, als von dem lobenSwerthe- sten Willen des katholischen VereincS Deutschlands, daß er als nächsten Theil seiner Aufgabe bezeichnet: „Die Freiheit des Unterrichtes zu erringen und zu sichern." Der Verein begnügt sich übrigens nicht damit, rücksichtlich der Förderung christlicher Weisheit und Tugend seine Fürsorge der Jugend zu widmen. Die unmittelbar folgende weitere Bestimmung seiner Aufgabe geht dahin, auch „für die geistige und sittliche Bildung des Volkes zu wirken;" und daß er dafür eine nicht minder lobende Anerkennung verdient, bedarf nach dem über den dcrmaligen geistigen und sitt- lichen Zustand des Volkes bereits Erwähnten wohl keiner Erinnerung. Wie nun der katholische Verein Deutschlands in den angeführten drei Bestimmungen seiner Aufgabe die geistigen und sittlichen Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft erfaßt und ihnen abzuhelfen strebt; so richtet er in der vierten, in welcher er sich vorsetzt: „zur Hebung der herrschenden socialen Mißverhältnisse und Uebelstände nach Kräften beizutragen," seine Aufmerksamkeit auf die aus der geistigen und moralischen Verkommenheit entstandene Schwankung der gesetzlichen Ordnung und Verwirrung der materiellen Verhältnisse. Unv wie er hinsichtlich jener sowohl dem Mißbrauche als der Nichtbeachtung der gesetzlichen Gewalt 3V durch Förderung der Gerechtigkeit und wahren Freiheit entgegen tritt; so sucht er diese auf eine Weise zu beseitigen, daß das bereits so sehr bedrohte Eigrnthumörecht, ohne dessen Bestand kein Staat und keine Gesellschaft eristiren kann, nicht gefährdet wird, nämlich durch freiwillige Unterstützung der Armen und Nolhleidendcn, durch Sorge für Arbeit und Verdienst, durch Belebung deS Fleißes, der Mäßigkeit und Sparsamkeit. Da aber dem Vereine die Lösung seiner Aufgabe sowohl in Ansehung auf Förderung des leiblichen, als deS geistigen Wohles deS Volkes sehr erschwert und zum Theil unmöglich gemacht würde, wenn der katholischen Kirche der Rest des Vermögens, welcher ihr nach der Säkularisation geblie teln zu ihrer Lösung, au« dem Verhalten der VereinSglieder eine gegründete Veranlassung zu Beschuldigungen hergenommen werden kann. Wir halten es übrigens nicht für nothwendig, Geliebte! im Einzelnen anzuführen, was in vieler Beziehung Euck obliegt. Ihr sehet c« wohl selbst ein, daß die Glieder eines Vereines, der sich keine geringere Aufgabe gestellt, als die Wahrheit deS Christenthums durch ein demselben entsprechendes heiliges Leben und den aus diesem entspringenden Segen gegen die alle ächte Religiosität und Sittlichkeit untergrabenden und nur Unheil und Verderben stiftenden Bestrebungen der Antichriste» unserer Tage wieder zur allgemeinen Anerkennung zu bringen, — daß die Glieder eines solchen den, noch geschmälert würde: so erkennt er eS als einen weiteren Theil VereineS gleich den Bekennen, Jesu in den ersten christlichen Jahrhunderten seiner Aufgabe, „auf geeignetem Wege dafür einzutreten, daß in allen Tugenden vorleuchten müssen, durch welche diese trotz der Vcr« katholische Stiftungen für Kirche, Schule und Wohlthätig. dächtigungen, Verleumdungen und blutigen Verfolgungen, die sie zu erdul- keit ihren Bestimmungen erhalten werden." den hatten, den Sieg über das Heideiuh»», errungen haben. Nur Eines In dem Bewußtseyn endlich, daß, wie er selbst sein Daseyn und können Wir nicht unterlassen, Euch besonders anzuempfehlen: Zeiget that- seine Wirksamkeit dem AssociationS-, d. h. dem VereinSrechte verdankt, so sächlich, daß die aufrichtige und innige Liebe, die Ihr gegen alle Men- bei Wahrung dieses Rechtes, der Gründung neuer oder Wiedereinführung scheu, welchem religiösen oder irreligiösen Bekenntnisse sie auch zugethan schon früher bestandener, unter dem Namen geistlicher Orden bekannter seyn mögen, im Herzen traget, so unüberwindlich ist, als Euer Beharren Vereine nichts mehr im Wege steht, welche Vereine zur Zeit ihrer Blüche in dem von Euer» Vätern ererbten katholischen Glauben, und daß Ihr in Deutschland für Wissenschaft, Kunst, Frömmigkeit und ganz besonders! nicht weniger gewissenhaft seyd in Erfüllung Eurer Pflichten gegen den auch für Linderung der leiblichen Noth der Armen so außerordentlich Gro- Staat, als in Ausübung derer gegen die Kirche, — daß Ihr in gleichem ßeS geleistet haben, ist eS die Schlußbestimmung deS katholischen Vereines Grade bereit seyd, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, alö Gott, Deutschlands: „DaS Recht der freien Association gegen Ein-'waS Gottes ist'), und zwar ebendarum, weil Euer katholischer Glaube griffe und Verletzungen zu wahren." >Euch so zu handeln befiehlt. Ueberblicket nun, Geliebtcste! die Aufgabe deS katholischen Vereines ^ Zeigen wir uns, geliebte BiSthumS-Angehörige! hierin als wahre Deutschlands in ihren einzelnen Bestimmungen, und Ihr werdet mit Uns Jünger deS Herrn; so mag,der Fürst der Finsterniß noch so viele Leidendste Ueberzeugung theilen, daß die Berechtigung wie die Verdienstlichkeit,'schaften gegen uns aufregen; wir werden siegreich aus dem zu bestehenden zur Lösung derselben durch Gründung von Filialvereinen mitzuwirken, so'Kampfe hervorgehen, und unser Sieg wirb nur um so glänzender, ver- wenig bestritten werden kann, als die Berechtigung und Verdienstlichkeit, dienstlicher und erfolgreicher seyn, je schwerer die Prüfung ist, die dem- im Geiste unserer heiligen Kirche dem Wohle der Menschheit seine Kräfte selben vorausgeht. Dafür bürgt uns Jesus selbst, — der Anfänger und zu widmen. Wir wissen übrigens wohl, Geliebte! daß demungeachtet über Vollender unseres Glaubens, welcher statt der für ihn vorhandenen Freude den katholischen Verein die härtestem Urtheile gefällt werden, und mitunter I baS Kreuz erduldete und der Schmach nicht achtete, nnn aber zur Rechten selbst von Solchen, die sich Katholiken nennen. Allein daS darf uns nichts des göttlichen Thrones sitzt"). Denn zuverlässig ist das Wort: sterben befremden in einer Zeit, in welcher, bei allem Stolze auf den Fortschritt > wir mit ihm, so werden wir mit ihm auch leben; dulden wir mit ihm, deS Wissens, in Ansehung auf die wichtigsten Angelegenheiten deö Lebens!so werden wir mit ihm auch herrschen"). eine Unwissenheit und Begriffsverwirrung herrscht, wie sie kaum in einer! Wer auS unS, Geliebte! fühlte sich in Erwägung dessen nicht früheren Periode der christlichen Geschichte sich findet; eS darf unS nicht! gedrungen, mit dem Apostel auszurufen: „Was kann u»S scheiden von der befremden in einer Zeit, in der Manche aus Verblendung in ihrem Hasse Liebe Christi? Trübsal? oder Angst? oder Verfolgung? oder Hunger? oder gegen die Wahrheil so weit gehen, daß sie lieber Alles für recht erklären, j Blöße? oder Gefahr? oder Schwert? .... Voller Sieg wirb uns über als daß sie der katholischen Kirche ein Recht oder die Ausübung eines sol-! dieses Alles durch ihn, der uns geliebt hat ')." Und so lasset uns den», chen zuerkennen, und stets über Verletzung des FriedenS, der Humanität und christlichen Toleranz klagen, wenn man den FanatiSmuS ihres Unglaubens nicht schweigend tolerirt, oder gar als ein Zeichen von Friedensliebe, Humanität und christlicher Toleranz gelten läßt. Oder sollten etwa die Mittel, deren sich der Verein in Erstrebung erneuern, Jesu zu leben und Jesu zu sterben, seiner Zwecke bedient, zu einer gerechten Klage Veranlassung geben? Dieß iAllen. Amen! — ist eben so wenig der Fall. Der §. 8. deS katholischen Vereines Deutschlands spricht sich hierüber folgendermaaßen auS: »Zur Erreichung seiner Zwecke wird der Verein sich aller gesetzlichen Mittel bedienen, namentlich deS freien Versammln ngS- und Ver- einörechteS, des PetitionSrechtes, deS Rechtes der freien Rede und der freien Presse: wie er auch durch Verbreitung guter Schriften und Bücher der geistigen, und durch Ausübung und Förderung aller Werke der christlichen Nächstenliebe der leiblichen Noth deS Volkes zu steuern sich bemühen wird." Geliebteste! wozu uns auch schon die bevorstehende heilige Fastenzeit auffordert, im vertrauensvollen Hinblicke auf ihn ablegen jede Bürde, nämlich die Sünde, die unS anklebt, und mit Muth die unS angewiesene Kampfbahn durchlaufen "); lasset unS mit Herz und Mund das Versprechen Seine Gnade sey mit uns Au- G a « t a. Gaäta, 3. Fcbr. Gestern, am Feste Mariä Reinigung, fand ein großartiger Gottesdienst in der Kathedrale statt, welchem die ganze königliche Familie von Neapel und der Papst beiwohnten. Nach der Messe hielt der Generalprocurator der Barnabiten eine Anrede an den Papst, welcher darauf folgendermaaßen antwortete: „Jedesmal, wo ich von der göttlichen Vorsehung berufen werde, diesen heiligen Versammlungen vorzusitzen, in Bei dem richtigen Urtheile, geliebte BiSthums-Angehörige! daS Ihr! denen mit dem Beistande des heiligen Geistes die Entscheidungen über die trotz der vielfach bei Euch gemachten Versuche, Euere treue Anhänglichkeit'Handlungen der Helden der Kirche Jesu Christi erörtert werben, erfüllen an unsere heilige katholische Kirche zu erschüttern, und durch daS Truglicht ^ mein Herz Freude und Vertraue» und Bewunderung der allweisen Fügun- einer falschen Aufklärung Euch von dem Wege der Wahrheit abzuleiten, in ^ gen Gottes, der in den Rathschlüssen seiner Liebe zum Menschengeschlechte kirchlichen Angelegenheiten bis jetzt im Allgemeinen Euch bewahrt habt, und! von Zeit zu Zeit einige seiner Diener mit seinem heiligen Geiste auSge- bei dem unter Euch sich immer weiter verbreitenden Verlangen, an den! rüstet, aus daß sie im Kriege wider die Hölle die Feinde der Wahrheit preiSwürdigen Bestrebungen des katholischen VereineS Deutschlands Theil angreifen und gegen sie den Kampf deS Herrn kämpfen. Dieser Gedanke zu nehmen, scheint UnS daS Gesagte hinreichend, um Uns der zuversicht- tröstet mich in meinen gegenwärtigen Leiden; er öffnet mein Herz zu der liehen Hoffnung hingeben zu können, daß keine gegnerischen Bemühungen Zuversicht auf den Herrn, daß er unter seinen Dienern neue gute und tm Stande seyn werden, das Wachsthum der in mehreren Gemeinden bereits erachteten, so wie die alsbaldige Gründung neuer Filialvereine in den übrigen Gemeinden der Diöcese zu verhindern. Und so erübriget Uns, um Unsererseits nichts zu versäumen, was dazu beitragen kann, recht bald von dem Troste und der Freude aufgerichtet zu werden, die Wir in dieser Hinsicht von Euch erwarten, nur noch die väterliche Ermahnung, daß Alle, welche an einen solchen Verein sich anschließen oder bereits angeschlossen haben, sich auch als würdige Glieder desselben bewähren mögen, damit eben so wenig, wie aus der Aufgabe deS VereineS und seinen Mit- getreue Rüstzeuge erwecken wird, die sich der Erleuchiung und Bekehrung deS Volkes widmen und eS von der Wunde heilen werden, die zu seinem großen Schaden und Gefahr mit jedem Tage weiter wird. Stolz, Ueber- druß aller Unterordnung und die heftige Herrschsucht Einiger führen eS einem Joche entgegen, schwerer und unheilvoller als das, welches eS zu zerbrechen trachtete. Und da jener Geist deS Stolzes geradeSweges Gott 1) Matth. 22. 21. ». 37. 5) Hebe. 12, 1. S) Heb. 13, 2. 3) 2. Tim. 2, 11. 12. S) Rom. 8, 35 angreift, so kann eö geschehen, daß der Allmächtige ihm plötzlich Einhalt thut wie einst in den Gefilden Babels. Die heilige Maria bieter uns in der Feier dieses TageS ein Beispiel, wie wir dem Stolze des Zeitalters widerstehen sollen, nämlich durch Demuth und Gebet. Möge auf ihre Fürsprache der Herr seine väterlichen Blicke auf das Elend aller seiner Kinder lenken, und vor allen auf diejenigen, welche sich in der Hauptstadt der christlichen Welt durch das verführerische Wort von Menschen haben verleiten lassen, die sie zum Glücke einluden und sie täglich betrogen haben. O Rom I Rom! Gott ist mein Zeuge, daß ich jeden Tag meine Stimme zum Höchsten erhebe und, flehend bahtngestreckl, inbrünstig bete, daß er der Geißel Einbalt thue, die täglich schwerer auf dir lastet! Ich bitte ihn, ein Ende zu machen den Vorspiegelungen jener falschen Lehren und zu entfernen aus deinen Mauern und aus dem ganzen Staate jene politischen Redner, die den Namen des Volke« mißbrauchen. Ich bitte ihn auch den König, die königliche Familie und dieses ganze Reich vor der allgemeinen Erschütterung zu bewahren. Seine Majestät verdient es durch seine Fröm-^ migkeit und sein Volk durch seinen Glauben." (Katholik.) ! Aus de» katholischen Missionen. In Algier scheint eS in kirchlicher Beziehung noch immer nicht zum Besten zu gehen. Die bischöfliche Kathedrale in der Hauptstadt steht unvollendet da und eS kann kein Gottesdienst in derselben gehalten werden; in Buffarik ist dieser Tage zwar eine Kirche eingeweiht worden, allein sie hat keinen Glockenthurm, der um so mehr vermißt wird, als Buffarik in dem Mittelpuncte der großen Ebene von Metidscha liegt und sein Geläute, wenn eS eins hätte, mehrere Stunden weit vernommen werden könnte. UebrigenS ist diese Kirche noch die schönste von allen, sie hat wenigstens Chor, Schiff und Seitengänge, während alle übrigen neugebauten Gotteshäuser bloß auS vier Mauern bestehen. Auch das Dorf Affroun in der Metidscha, welches den zuerst angekommenen Pariser Colonisten angewiesen worden ist, hat noch keine Kirche und es fehlen auch alle Mittel, eine solche zu bauen. Von den Colonisten selbst hört man indessen nur Gutes und eS scheint, daß sie ihre schlimmen Eigenschaften in dem modernen Babylon zurückgelassen haben. Während so der Kirche hier alle äußeren Hilfsmittel fehlen, wird um so eifriger an dem Ausbau deS innern Menschen gearbeitet und es wird schon nächster Tage eine neue Gesellschaft von Missionären auS der Provence, welche der Bischof von Marseille geschickt, in Blibah sich niederlassen. Diese guten Priester sind eigentlich dazu bestimmt, den Arabern daS Evangelium zu predigen, werden aber vorläufig noch die Seelsorge der in der Ebene zerstreuten Colonisten übernehmen. In der Capelle des Seminars deS heiligen Geistes wird bis Sonntag den 14. Januar Abbü Bessieur von dem hochwürdigstcn Bischöfe von LangreS unter Assistenz der MissivnSbischöfe Mvnnet und KobeS zum Bischöfe consecrirt werden. Der neue Bischof wird den Titel von Galli- polis in partibus führen und er ist für das apostolische Vicariat der beiden Guinea'S an der westafrikanischen Küste bestimmt. Monsignor Bessieur, jetzt 46 Jahre alt, stammt an- der Diöcese Montpellier und ist der einzige Ueberlebende von sechs Priestern, weiche nach Guinea auSgesandt worden waren. Am Ende war er in Gabon — ganz allein und er lebte dort achtzehn Monate lang, ohne einen Mitbruver zu sehen oder irgend eine Nachricht auS Europa zu erfahren. Während der Zeit erlernte er die Landessprache und ist derselben so vollkommen mächtig, daß er ein Wörterbuch, eine Grammatik und einen Katechismus in derselben verfaßt hat, die auf Kosten der Regierung gedruckt worden sind. Die Mission, welche die beiden Guinea'S und Scnegambien umfaßt, ist ohngefähr so groß wie ganz Europa und zählt 30 Millionen Einwohner. Von der Propaganda ist die Besorgung derselben der Congregation deS heiligen Herzens Mariä, die mit der Congregation deS heiligen Geistes jetzt vereinigt ist, übertragen worden, Monsignor Bessieur gehört derselben an und wird bei seiner bevorstehenden Abreise von seinem Coadjutor, dem hochwürdigsten Bischöfe KobeS auS der Diöcese Straßburg begleitet werden. DaS Klima von Guinea ist nämlich so gefährlich, daß die christliche Klugheit den Rath an die Hand gegeben hat, keinen Bischof mehr allein dahin ziehen zu lassen, eS muß vielmehr, wenn einer unterliegt, sogleich ein anderer an Ort und Stelle seyn, um die Lücke wieder auszufüllen. Herr KobeS ist übrigens aller Wahrscheinlichkeit nach der jüngste von allen Bischöfen der katholischen Welt, denn er ist erst 29 Jahre alt und er mußte vor seiner Consecration eine Alterödispense haben; er führt den Titel eines Bischofs von Modon in Griechenland. Ein schon längst gefaßter Plan ist jetzt seiner Ausführung nahe; die Regierung der Republik wird drei neue BiSthümer für die französischen Eolonien errichten. Dem Andenken deö gottseligen Priesters Matthias Amann, geweiht am 2. Juli 1847; gestorben am 10. Februar 1849 in WolferSdorf bei Freising. Leb' wohl, o Freund, auf Wiederseh'n . Im schönen HimmelSgarteu! Uns, die im Thränenthal noch geh'», Magst jetzo dort erwarten! Hast auf der Rennbahn nicht geweitet. Bist uns voraus zum Ziel geeilet; Schon darfst Du halten süße Rast Von Deines Tages Hitz' und Last. Erst schaut' ich Dich mit Lieb' und Lust Im neuen Priesterkleide, ES glühte noch in Deiner Brust Die erste Priestersreude, Noch duften von des Geistes Spende, Von frischer Salbung Deine Hände; — Da bricht, ich sag'S mit herbem Schmerz, — Der Tod Dein treues Pricsterhcrz. Bist mit der Lampe klarem Licht' Zum Bräutigam gekommen. Hast schöne Garben, schwer und dicht, In Freuden mitgenommen. Du hast so gern' in heißen Tagen Das süße Joch des Herrn getragen; Nun kannst Du trocknen Deinen Schweiß, — Nimm hin den ausledung'ncn Preis! Er selber ist Dein großer Lohn, Von keinem ausgewogen, Den täglich Du vom HimmelSthron' Zu Dir herabgezogen; Den Du mit liebendem Verlangen Hast täglich am Altar umfangen. — Der hält in Seinem Hochzcitsaal Mit Dir ein ew'ges Priestcrmahl. Hast Seine heii'ge, reine Braut In treuer Lieb' verehret, Hast Salems Mauern mi'gebaut, Dem argen Feind' gewchrct. Für den Dein Mund im Feuerworte Sich aufgethan am hcil'gen Orte, Den schaust Du Selbst in Seinem Licht Von Angesicht zu Angesicht. Du hast den Frieden, süße Freud', Darfst nimmer mit uns klagen; Wir Andern müssen manchen Streit Und manche Schlacht noch schlagen! Jetzt müssen wir die Kräfte einen; W:r zählten, Bruder, aus die Deinen; Drum, bricht ein solches Priestcrherz, — Verzeihe Gott des Priesters Schmerz! Die Siegeskron', die nie verblüht, Umschlinget schon Dein Haupt, Und Wonne Deine Seel' durchglüht, Die keine Macht Dir raubt. Leb' wohl, auf Wiederseh'n! — Wir kommen. Wann wir die Marterpalm' genommen. Wann wir gewaschen und erneut Im Blut' des Lammes unser Kleid! — Verantwortlicher Redacteur! L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Krr«er. Prei« I» E,g«durg für Ach allein (»hne A. Pastzeitnng) jährlich Ifl IP kr. Durch die P-ß kann diese« Wochenblatt »ur »o» Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung Sonntags - Deiblatt zur Augsburger Postzeitung. Ftir fich allein, ob«« dl« Ang«burger Post» zeitung. And diese Blätter nur im Wege de« Buchhandel« zu beziehen und kosten is ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur I ft. Sstst kr. oder I Lhlr. Neunter Jahr-gang. ^ 11 18. März 184». Wir Valentin, durch göttliche Erbarmung und deS apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Regensburg, entbieten dem gesammten hochwürdigen Klerus Unsers BiSthums Gruß und Segen in dem Herrn. Wir gedenken, da eö nun endlich die Zeitverhältnisse einmal gestatten, im kommenden Sommer Euch, geliebte Milbrüoer! um UnS zu versammeln, um nach kirchlichen Vorschriften eine Diöcesan-Synode abzuhalten. Zu derselben werden alle in der Seelsorge stehenden Priester der Diöcese ein- berufen, und nur jene von der persönlichen Anwesenheit diSpensirt, welche durch Alter oder Krankheit oder auS Rücklicht auf die nothwendige Pasto- ratiou zu erscheinen gehindert sind. Da aber die beantragte Dweesaw Synode nicht länger als 3 bis 4 Tage dauern kann; theils wegen der hiemit für den versammelten Klerus verbundenen Kosten, theils weil die gotteSdienstlichen und andere Funktionen an Sonntagen keine Unterbrechung erleiden dürfen; so erscheint eS um so nothwendiger, daß schon jetzt mir umfassenden Vorbereitungen der Anfang gemacht werde. Und damit Wir auch schon bei diesen Vorarbeiten die Wünsche, Anträge und Vorschläge Unsers Diöcesan-Klerus gebührend berücksichtigen kennen, so laden "Wir" alle Priester Unserer Diöcese ein, diese ihre zur Diöcesan-Synove sich eignenden Wünsche, Anträge und Vorschläge, sie mögen nun Wiederbelebung älterer Diöcesan-Vorschriften oder Aenderungen derselben, oder den Erlaß neuer zweckdienlichen Anordnungen, die Abstellung bestehender Mißbräuche, die Mittel, dem zunehmenden Sittenvcrderben mit Erfolg zu wehren und Religiösität und Sittlichkeit zu fördern, oder die Herbeiführung größerer Einheit in allen Zweigen der Pastoration, besonders in der Kirchenzucht und ähnlichen Gegenständen betreffen, den einschlägigen Decanatämtern in Bälde einzureichen, damit sie UnS bis künftige Ostern vorgelegt werden. Auch sollen in diesen Eingaben all jene religiösen Gebräuche und Gottesdienste, welche von der allgemeinen kirchlichen Ordnung abweichen, z. B. das zu häufige Aussetzen des AUerheiligsten, die Abhaltung von Leichen- gotteSdiensten an Sonn- und Feiertagen zum Nachtheil deS PfarrgotteS- dienstcS u. s. w. genau angegeben seyn mit dem endlichen Beifügen, ob die Tage vom 19. Juni Morgens bis zum 22/ Mittags zur Abhaltung der Synode in so fern geeignet erscheinen, als an denselben die seelsorg- lichen Arbeiten minder gehäuft sind. ' Uebrigens wünschen Wir, geliebte Mitarbeiter im Herrn! daß Ihr Eure Meinung über Alles, was ihr vorbringen werdet, offen und ohne Rückhalt auSsprechet, und dieß um so mehr, als Wir zu Euch das Zutrauen haben, daß Keiner den gesetzlichen Boden der Kirche verlassen oder etwas verlangen werde, waS im Widersprüche wäre mit der Disciplin der allgemeinen Kirche, oder mit der von Gott gesetzten hierarchischen Ordnung oder auch mit den von der Kirche für die Diöcesan,-Synode erlassenen Canonen. Diese schriftlichen Eingaben gewähren auch jenen Priestern, welche der Synode anzuwohnen verhindert find, Gelegenheit, sich bei derselben zu betheiligen und dadurch zu einem gedeihlichen Erfolge mitzuwirken. Die Decanalämter werden hiermit angewiesen, die von den einzelnen Priestern eingesendeten schriftlichen Eingaben in Empfang zu nehmen und sogleich nach den Osterfeiertagen der oberhirtlichen Stelle einzusenden, da später einlaufende Wünsche und Anträge bei den Vorarbeiten eine Berück» fichtigung nicht mehr finden könnten. Sobald Wir im Stande find, die Synode zu berufen, werden Wir nicht nur über die Art und Weise ihrer Abhaltung, sondern auch über die zu verhandelnden Gegenstände dem gesammten KlcrüS ausführliche Mittheilung machen, damit auch von seiner Seite eine gehörige Vorbereitung zu derselben um so leichter möglich werde und gewiß nicht ausbleibe, da Wir dieß alS ein Haupterforderniß eines gesegneten Erfolgs bezeichnen müssen. Gegeben zu Regensburg den 25. Februar 1849. 4 Valentin, Bischof. Joseph Lipf, bischöfl. Sccrctär. Katholtkenvereine *) In einem amtlichen Berichte sind die Verhandlungen der ersten Versammlung des katholischen Vereines Deutschlands am 3., 4., 5. und 6. Oktober zu Mainz erschienen. Wer die Reden der Männer liest, die da gesprochen haben, der muß zum Geständniß gelangen: Wahrhaft, das war eine großartige, herrliche Manifestation katholischen Lebens! Sie sind zusammengekommen aus allen Gauen Deutschlands, und haben Gebrauch gemacht vom Rechte der Association im Sinne der Kirche. Wie vorauszusehen. war Oesterreich, zunächst Wien, auch hier wiederum nicht vertreten. Professor Dr. Knoodt aus Bonn, der einige Jahre hier in Wien gelebt, hat sich unser angenommen, und auS freundschaftlicher Erinnerung den -Deh'Mtey-f.ür Wien dargestellt. Unwillkürlich wird man auch was da» katholische Leben anbelangt, an daS alte komische Volkslied erinnert: „Nur langsam voran, nur langsam voran, daß die österreichische Landwehr nachzotteln kann!" Jetzt wird eS unS erst recht klar, in waS für eine kirchliche Versumpfung und Stagnation uns die nicht genug lob- und prei,würdige Schreiberherrschaft hineingeführt hat. Es ist wahrhaft jammervoll anzuschauen, wenn man sieht, wie selbst Männer, die eS gewiß ehrlich mit der Kirche meinen, noch immer von einer solchen Furcht befangen sind, die ihnen gar nicht auS den Gliedern herauszutreiben ist — baß sie immer noch an dem unseligen, wahnsinnigen Ausspruche festhalten: „Nur kein Lärm nur kein Eklat, nur Ruhe — VaS könnte diesem, und jenes könnte jenem nicht recht seyn, diese Autorität ist zu schonen, und jener Autorität ist nicht zu nahe zu treten, nur abwarten auf eine günstige Zeit, auf eine bessere Gelegenheit, nur Geduld, es wird sich schon Alles machen, und zum Bessern wenden." Nun kommt aber die Frage, wie weit sind wir bisher mit diesem geduldigen Abwarten gekommen? wie weit wären die Apostel gekommen, wenn sie abgewartet hätten? Wer einmal eine Sendung hat, der wird durch'S Abwarten nur seine Zeit verlieren, seine Pflicht ist eS, eben weil er gesendet ist, zu gehen und zu thun, waS sein Amt, seine Pflicht ihm gebietet. Jene Epochen der Kirchengerichte, die durch'S „Abwarten," daS heißt auf deutsch: durch'S Faulenzen herbeigeführt worden sind, waren traurig genug, und können gewiß nicht zu den glorreichen gerechnet werden. ES macht sich im Gebiete geistigen Lebens gar nichts selber — waS geschieht, daS muß gemacht werden. Und waS die Schonung von Autoritäten anbelangt, so will eS unS bedünken, daß eS nur Eine große Autorität gibt, und daS ist die Kirche, — und wer ihrem Geiste durch anhaltendes, hartnäckiges Entgegenstreben zuwiderhandelt, der hat aufgehört eine Autorität zu seyn. Der vernünftige Katholik erkennt in dem Verwalter eines kirchlichen AmteS, mag er was immer für eine Stellung im Priester- thume einnehmen, nur so lange eine Autorität, so lange dieser feststeht auf dem Felsen Petri. so lange er sich in lebensfreudiger Verbindung M dem Primate erhält — ist aber dieß nicht mehr der Fall, dann ist eS auch mit der Autorität auS und geschehen! Stünde eS nicht besser mit der Kirche in Norddeutschland, wenn der Klerus und daS katholische Volk zu den Zeiten der Reformation statt fich bethören und verblenden zu lassen, jenen treu- ') Au« der Wienerzeitung, und zunächst für österreichische Zustände geschrieben. 'ri- SLWL'sLL 4S losen Verräthern an der Kirche Gottes, jenen abtrünnigen Bischöfen und Erzbischöfen unerschütterlichen Widerstand entgegengesetzt hätte? Wir gestehen es offen, wir haben kein Vertrauen zu jenen Mäcklern, Welche jeven Einfluß deS Primates auf die kirchliche Lebensgestaltung um die Gunst deS absoluten PolizeistaateS zum Theil verschachert haben, und wäre eS auf ihren Willen angekommen, noch mehr und auch ganz und gar verschachert hätten! Wir haben kein Vertrauen zu den abgebrauchten Werkzeugen der Polizei, denen daS Aufflammen apostolischen Muthes von je eine Thorheit gedünket hat, die in der welthistorischen That deS Clemens August eine unbegreifliche Unklugheit gesehen haben, die nie einen Muth zeigten, wenn eS gegolten nach oben hin aufzutreten — die nur ein Müthlein besaßen, was sie nach unten an ihren Untergebenen zu kühlen versuchten! Wir haben kein Bertrauen zu Männern, die ihr ganzes Leben mit dem fadesten, glaubensleersten, rationalistischen Gc- salbaber zubrachten, die vo», Dogma nichts wissen und nichts hören wollen, unv die, wenn sie schon um deS Decorums willen von Christus sprechen mußten, in dem Erlöser und Weltheiland nichts anders sahen, als einen salbungsvollen Lehrer von Moral unv Humanität — der sich nur durch seine reine Lehre vor den Moralpredigern vor seinem Erscheinen und nach demselben ausgezeichnet hat. Durch säst vierzig Jahre (ungefähr y§n 1780— 1820) ist auch zu Wien auf manchen Kanzeln im Sinne oder auch im Unsinne dieses abgeschmackten rationalistlschen ComplotteS gepreciget worden, man hat den Unglauben mit der abgewässerten, fadenscheinigen Moral mit vollen Händen ausgesäet, und eS lst erstaunenswerih, w nn man j-tzt einige von den unchrwürrigen Ueberbleibern aus jener Zeit über JndifferentiSmus klagen hört; alS ob sich diese Leute in ihrem ganzen Leben mit etwas anderem, als mit der gewissenlosesten Verbreitung des jetzt beklagten JndifferentiSmus beschäftigt hätten — als ob ihnen nicht alle Apologetik und Polemik auf dogmatischen Grundlagen von jeher in die Seele hinein zuwider gewesen unv von ihnen nach Maaßgabe ihrer Polizeigewalt, selbst sogar verfolgt worden wäre! Was ist nun da zu thun, wie kann dem JndifferentiSmus der höheren unv mittleren Stände, wie der Jrreligiösität des von der gefesselten Kirche vernachlässigten und verwahrloststen Proletariates abgeholfen Werben? Gewiß nur einzig und allein durch die vom Josephinismus so sehr gehaßten und mit Kerker unv Kelten noch bis in die letzten Jahre verfolgten religiösen Vereine! Das Wirken Einzelner, wie eS das bereits um alle geistige Umsicht gekommene alte Polizeikirchensystem immer »och gerne haben möchte — kann hier auf die Massen rein nichts ausrichten, Vergestllschaftuiig, Vereinigung ist ja daS Princip der Kirche, unv daS muß sie verfolgen und auSbilven mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, Eine geipliche Behörde, die eS zu verhindern und hintertreiben suchen würde, diesen einzigen Rettungsanker der Gesellschaft in die aufgewühlten Wogen deS Proletariats einzusenken, spräche sich mit einem Male entschieden als »»kirchlich, als unkatholisch auS, und schriebe hiemit das Urtheil ihres unmöglichen Fortbestandes mit eigener Hand. Gewiß immer mehr rückt die entscheidende Stunde heran. Wie der unselige Knoten sich lösen Wird, das weiß die Vorsehung, wir vermögen cS nicht vorauszusehen, nur daS wissen wir bestimmt — daß eS bei uns nicht mehr so fortgehen kann, wie es bisher gegangen ist. Zersplitterung der Kräfte führt zum offenen Abgrund, Synode» braucht der Klerus, katholische Vereine das Volk!*) Geistliche, welche diesem rettenden Bedürfniß entgegentreten, laden hiemit eine Verantwortung auf sich — mit welcher beladen wir nicht gern vor Gottes Rlchterftuht hintreten möchten! Sendschreiben des katholischen Vereins zu Oggersheim und Umgegend an den PiuSverein in Augsburg. Biedere, deutsche Männer, Liebe, katholische Brüder! Hoch schlug unser Herz, gar sehr waren wir erfreut, als Euer Sendschreiben uns zukam. Die Katholiken der Pfalz haben mit Begeisterung die lebendige Theilnahme aufgenommen, welche Ihr dem Geschicke derselben zuwendet. Sie werden nimmer vergessen, daß ihre bayerischen Brüder in Schwaben die Ersten waren, welche in ihrem Kampfe gegen den Bund deS ungläubigen Zeitgeistes und der verrotteten Schreibcrherr- schaft durch ihr Wort sie aufrichteten, und ihnen treulichen Beistand im Kampfe gegen die Feinde der wahren Freiheit und deS Christenthums zu- ) Dieser Artikel ist noch vor Verkündigung der neuen Grundrechte geschrieben. sagten. Wohl wird bald der eben in Speyer sich gebildet habende Central« Auöschuß der katholischen Vereine der Pfalz im Namen Aller die heilige Pflicht deS DankeS an Euch abstatten. Wir aber, die den Gegenstand deS Streites in ihrer Mitte haben, wir, denen das Kloster von Oggersheim doppelt werth ist, sowohl wegen der Persönlichkeit seiner Bewohner, als wegen der steten Aushilfe, welche der Seelsorge allein dadurch zu Theil wirv; — wir fühlen auch doppelt schwer die Ungerechtigkeit, welche verübt werden soll; wir erkennen nur zu gut, daß eS sich nicht bloß um dieses Kloster, sondern um unsere ganze Freiheit auch für die Zukunft handelt. Eben darum finven wir uns noch besonders getrieben, Euch katholischen Brüdern im Schwabenlande für Eure so herrliche, ganz katholische Manifestation unsern innigsten Dank auszudrücken. Dieser Dank an Euch sey unser erstes Lebenszeichen. Seyd versichert, trotz des großen Wortes, das unsere Demokraten führen, trotz ihres GebahrenS alS wenn sie die Pfalz, die ganze Pfalz wären, — unser schönes Land faßt noch viele, ächte katholische Herzen in sich. Diese werden mit der That eg beweisen; unv wie unser BiSihum in den Stürmen der Reformation nicht wankte, so wird eS auch jetzt unter dem Schutze Mariä «einer Patronin fest bleiben, Gott und der Kirche treu, werth sich zu nennen Eure treuen Brüder in Christo. Oggersheim in der Pfalz, 4. März 1849. V. Franz de Vico. Es ist seiner Zeit der leiver allzu frühe Tod deS k. de Vico aus der Gesellschaft Jesu in diesen Blättern erzählt worden. Der ,,^mi cko la kaligion" bringt nun, wie eS scheint auS der Fevcr eines MitbruterS deS Verblichenen, einen kurzen Nekrolog, auS dem wir daS Merkwürdigste hervorheben. Franz de Vico wurde zu Macerata, einer Stadt im Kirchenstaate, am 19. Mai 1805 geboren. Seine Familie war eine der angesehensten in der Provinz. Der Bischof Slrambi von Macerata, der im Gerüche der Heiligkeit gestorben ist unv dessen Canonisation man entgegen sieht, erkannte im jungen de Vico außerordentliche Gaben, segnete ihn öfter und gab ihm häufige Beweise zärtlicher Zuneigung. Frühzeitig nahm ihn die Religion, diese zärtliche Mutter und Erzieherin der Seelen, unter ihre schützende Fittige. Seine ersten Studien machte er im Collegium der Jesuiten zu Urbino, und zwar bis in die Rhetorik Als er aber Neigung zeigte, selbst in die Gesellschaft einzutreten, hofften seine Eltern, die ihn zu etwas anderm berufen glaubten, er werde davon abkommen, wenn sie ihm einen andern Ort zur Fortsetzung seiner Studien anweisen würben. So kam er zu den Plansten nach Siena. wo er den berühmten k. Jnghi- rammi zum Professor der Mathematik erhielt und daS Gymnasium absolvirte. AIs die Zeit herbeikam, wo sich de Vico für einen Beruf enlscheiven sollte, entschloß er sich, seinem Gott unv sich selber treu, auf die nicht unbeträchtlichen elterlichen Güter zu Gunsten senrcS jüngern Bruders zu verfichten, und verlangte unmittelbar darauf seine Zulassung zur Gesellschaft Jesu. Doch mußte er die Ausführung dieses seines LieblingsplanS noch verschieben. Sein Vater halte nämlich, diesen Entschluß ahnend, bei seinem Tode dem Vormunver seiner Söhne aufgetragen, ihn auf die stärksten Proben zu stellen; ja er hatte ausdrücklich angeordnet, daß man ihn am Ende seiner Studien eine Reise durch Italien machen lassen solle, um durch neue Eindrücke viesen in ihm festgewurzelten Gedanken zu verwischen. Aber diese letzte Prüfung, weit entfernt, ihn in seinem Vorsätze wankend zu machen, befestigte ihn vielmehr in demselben, und so trat er denn mit neuen Kenntnissen bereichert, am 23. December'1823 zu Rom inS Noviziat zu St. AncreaS. In der Zwischenzeit zwischen seinem Noviziat und dem theologischen Curse wurde er, nach dem Gebrauche der Gesellschaft Jesu, zum Unterricht verwendet. Er lehrte im römischen Collegium die untern Classen unv die Humaniora. Um eben diese Zeit fing er seine astronomischen Beobachtungen an. Oft erhob er sich, nachdem er drei oder vier Stunden geschlafen, vom Bette, oder,er wachte vorher einen großen Theil der Nacht hindurch. Auch während der vier Jahre, in denen er den theologischen Studien obliegen mußte, setzte er diese Forschungen fort. Nachdem er jene vollendet halte, wurde er ausschließlich für die mathematischen und astronomischen Wissenschaften verwendet. Er wurde dem p. Dumouchcl, einem französischen Jesuiten, der das Observatorium des römischen Kollegiums leitete, beigegebcn. Dieser demüthige und gelehrte Astronom war glücklich, seitdem er von den Talenten und den Fortschritten seines jungen Mitarbeiters reden konnte, und brachte ihn mit den ausgezeichnetsten Astronomen von Europa in Verbindung. Oefier als einmal bezeugte er eS am Ende seiner Laufbahn, wie viel Trost eS ihm mache, einen fähigern Nachfolger zu 43 hinterlassen, als er selber war, der durch diese erhabene Wissenschaft die Hauptstadt der Christenheit verherrlichte. In der That erlangte das Ob. servatorium des römischen CollegiumS unter der Leitung deS k. de Nico eine europäische Berühmtheit. Die Wissenschaft verdankt ihm viele und wichtige Entdeckungen. Folgende sind nach chronologischer Ordnung die vorzüglichsten: Am 28. November 1832 entdeckte er den Biela'schen Cometen auf seiner Rückkehr zur Sonnennähe und zwar in der nämlichen Nacht, in wel cher ibu Herschel zuerst in England bemerkte. Am 5. August 1835 entdeckte er den Halley'schen Cometen, der an andern Orten erst 15 Tage später entdeckt wurde. JnS Jahr 1838 fallen verschiedene Entdeckungen über die Atmosphäre des Saturn. In die Jahre 1838 — 1839 die Entdeckung der zwei nächsten Trabanten des Saluin, die vor ihm nur Herschel gesehen hatte. Diese Entdeckung geschah durch die Anwendung einer neuen Methode, die Arago eine kostbare Entdeckung nannte. In dem nämlichen Jahre bestimmte er die Zeit der periodischen Wiederkehr der 2 Trabanten deS SalurnuS. In den Jahren 1839 —40—41 erfolgte die Bestimmung der Wendung der VenuS um ihre Are. Auch diese Entdeckung Hai ungeheures Aufsehen gemacht. In den Jahren 184l —42 — 43 — 44 entdeckte er eine große Anzahl neuer Gestirne. Am 23. August 1844 folgte die Entdeckung eines neuen Cometen, genannt: „der Comel deS römischen CollegiumS." Am 4., 5. Februar 1845 entdeckte er einen andern neuen Cometen von unbekannter Umlaufszeit Am 9. Juli v. I. entdeckte er den Enke'schen Cometen bei seiner Rückkehr zur Sonnennähe. — Endlich hat I?. de Vico die Zeit und den Trost gehabt, Schüler zu bilden, die seiner würdig sind, und deren Name sich eines Tages mit dem Namen ihres Lehrers zur Vermehrung seines Ruhmes vereinigen wird. — AIS er mir allen Jesuiten, seinen Mitbrüdern, gezwungen war, das römische Kollegium zu verlassen, durchreiste er Frankreich, um sich inS Kollegium nach George- Town in den vereinigten Staaten zu begeben, wo seiner ein Observatorium harrte, das eben so reich ist an Instrumenten als das, was er eben verlassen hatte. Arago, der damals Minister war, drang in ihn, daß er in Paris bleibe. Auf seiner Reise nach London empfing er keine minder günstige Aufnahme bei den englischen Gelehrten. Aber nirgends erregte vielleicht seine Gegenwart mehr Sympathien als in den vereinigten Staaten. Es gelangten an ihn die dringend sten Einladungen, um ihn zur Niederlassung in Amerika zu ermuntern, ihn und alle italiemschlN Jesuiten, die eS fassen könne. Zahlreiche Subscripiionen organisirlen sich auS freien Stücken, um die Neberfahrt zu erleichtern und die Niederlassung zu unterstützen. Dieser Edelmulh rührte um so mehr das Herz des k. de Vico, als eS vorher betrübt war über die Beklemmung seiner Mitbrüver, die ohne Vaterland, ohne Freistätte waren Vergessend der Ermüdung und seine Kräfte verschwendend fuhr er aufs Neue über den Ocean, um die Abreise inS Land der Freiheit zu beschleunigen. Eben halte er in Liverpool die Einschiffung von 20 Erilirten geleitet und bereitete schon wieder eine neue Colonie vor, als er vorn Typhus ergriffen- wurde, der ihn am 15. Ociobcr v. I. zu London hinraffte. Eine Bruderhand hat ihm die Augen geschloffen! Die Kenntnisse deS k. de Vico waren in allen Fächern ausgezeichnet. Er halte seine Studien der Philosophie und der Theologie mit Glanz vollendet. Er war ein ausgezeichneter Musiker, und eS war für ihn eine angenehme Unterhaltung an Festtagen auf dem Chor der Zöglinge des römischen CollegiumS zu dirigiren. Auch als Composileur hat er einen berühmten Namen. Waren es die ferner Stehenden, die seine eminente Wissenschaft und seine alles umfassenden Talente bewunderten, so verehrten und schätzten seine Brüder, in deren Mitte er lebte, seine Bescheidenheit und Sanftmuth, seinen stets gleichen Humor, seine treue und beständige Beobachtung der Regel. In seinen Augen war der Unterricht ein Gebet und eine Predigt, und dieses Leben, geweiht dem Apostvlat der Wissenschaft, hat der Himmel sich gewürdiget zu beschließen in der Verfolgung für den Namen Jesu und zu krönen durch eine Art Martyrthum für die Liebe seiner Brüder. Er erreichte ein Alter von 43 Jahren, k. I. ?. (Sion.) Kirchliche Zustände in den Donaufürftenthümern. Von der untern Donau. Am 9. November v. I. hat die katholische Misston der Moldau ihren zweiunddreißigsten Bischof durch den Tod verloren. Der hcchwürdigste Herr Paul Sardi auS Val d'Aosta in Piemont war erst 55 Jahre alt und seil fünf Jahren Bischof; auf seiner letzten VisitationSreise hatte er sich erkältet und starb nach wenigen Tagen in Jassy, von seinen Missionären und Diöcesanen (70,000) tief betrauert: denn er war ein demüthiger, aufrichtiger, „wahrer Jsraelit, in welchem kein Falsch ist." In dem für Italien so stürmischen Jahre 1821 trat er in den Minoritenorden im römischen Staate ein und begab sich 1825 als apostolischer Missionär nach Konstantinopel. Dort erwarb er sich die Liebe und Achtung seiner Oberen und Mitdrüdcr, wie deS ganzen Volkes. Unverdrossen und unermüdet arbeitete er auf der Kanzel und im Beichtstühle, in der Kranken- und Armenpflege. Seinen Bemühungen war e» größtentheilS zu verdanken, daß nach dem schrecklichen Brande am 2. Aug. 183 l, welcher ganz Pera verheert halte, das Kloster St. Anton auS der Asche wiedererstand. Im Jahre 1839, als er Provincial deS OrieniS und apostolischer Prüfect von Rumelien war, führten ihn AmlSgesck'äfte nach Rom, wo gerade damals der griechische Beichtvater der PeterSkirche, der Minorilenbischof Tomaggian, gestorben war, dessen Stelle er übernahm, bis ihn Gregor XVl. im Frühjahre 1843 als Bischof und vmitotor opo- stulious in die Moldau sandte. Anch hier wußte er sich die Herzen Aller zu gewinnen, sogar von den Moldauischen Bojaren wurde er geachtet. Er hatte den Trost in kurzer Zeit mehrere neue Kirchen und zwar nicht wie die früheren von Holz, sondern von Stein zu erbauen und zu vollenden, neue Pfarreien zu gründen und viele Verbesserungen in der Mission zu machen. Leider geht Vieles mit ihm zu Grabe, wenn die römischen Wirren nicht bald gesuchter werden und der heilige Vater einen neuen tüchtigen Nachfolger an seine Stelle setzt. Es wäre aber fihnlichst zu wünschen, daß er kein sardinischer Unterthan wäre, damit die Intriguen, die Karl Albert auch hier schon seit zehn Jahren durch seine Consuln treibt, nicht weiter um sich greifen können, indem sie der Kirche ungemei» schaden. Am verstorbenen Bischöfe Sardi gedachten die Sardinier wieder ihren Mann zu finden, er war aber dafür zu ehilich und aufrichtig. So wie in Asien und den übrigen Welnheilen Frankreich die Missionen geschützt, so schützt sie in den Dvnaufürstenlhnmern und der übrigen europäischen Türkei (Konstantinopel und Smyrna machen hiervon eine Ausnahme: da ist der Schutz gemischt — einige Klöster und Kirchen stehen unter Oesterreich, die andern unter Frankreich), das Kaiserhaus. Zu dieser Ehre hat der Herr der Heerschaaren jene beiden Mächte auserkoren — und wie schön und würdevoll haben beide ihre Aufgabe bisher uneigennützig geloSt! WaS wäre auS dem heiligen Grabe zu Jerusalem schon längst geworden, wenn sich nicht Frankreich mit Macht gegen die russischen Intriguen gestellt hätte? — Die Kirche deS heiligen Grabes gehörte, von Gottfried von Bouillon an bis auf unsere Tage, ausschließlich den Katholiken, sie war von ihnen erbaut. Da sie aber 1808 abbrannte und durch die Napoleonijchen Kriegszüge verhindert, keine Unterstützungen auS Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien einkamen, mußten die gaslsreundschaft- lichen Franciöcaner die größte Noth leiden und konnlen dte Kirche nickt wieder erbauen. Diese Gelegenheit benutzten die schlauen Griechen und halfen den Lateinern beim Wiederaufbau des Tempels, um auch ein Recht darauf zu erhalten. Von nun an dachten sie an nichts sehnlicher, als die Katholiken ganz zu verdränge». Kein Geld zu Bestechungen, keine Mühe wurde gepart, selbst Gewalt wurde oft angewandt, um den Katholiken ihren sechShunderijähngen Besitz zu entreißen. Der FanatiSmuS, daS Geld und der russische Schutz vermögen im Oriente AlleS; denn die hohe Pforte kann keinen Firman ausgehen lassen, der vollziehende Kraft hat, wenn er kein russischen Gesandten nicht guttünkt. Gewiß wären die armen Fran- ciScaner vertrieben worden, wenn Frankreich die Rechte der Kirche nicht geschützt hätte, und nicht allein auS dem heiligen Grabe, sondern a»S dem ganzen heiligen Lande. Vor vier Jahren verschaffte Herr v. Titow (der russische Gesandte in Konstantinopel) den Griechen einen Firman, um einige Baureparaturen an der Kirche des heiligen Grabes vornehmen zu können. Da man schon im Voraus wußte, wohin sie damit wollten (eS war ihnen darum zu thun, die noch übriggebliebenen und zu sehr vom alten Reckte zeugenden, lateinischen FreScogemälde und Wappen auszutilgen), so nahmen die Väter den Schutz Frankreichs in Anspruch und sie erhielten einen Gegenfirman. Der Moskowile intriguirte nun so weil, daß die Türken nickt mehr wußten, waS anders zu machen sey, als die Sacke der französischen Gesandtschaft zu entdecken. Diese allein wäre auch nicht mächtig genug gewesen, daS Recht der Franciscaner zu schützen. Da befahl Kaiser Ferdinand seinem JnternuntiuS, dem Grafen Stürmer, hinsichtlich deS heiligen Grabes und von nun an in allen Kirchenangelegenheiten gemeinschaftlich mit dem französischen Gesandten bei der Pforte zu arbeiten. Da blieben nun die Sachen, wie sie waren. Wären die österreichischen Hofagenten und Consuln in den Donau- fürstenthümern, in Bulgarien, Albanien und Bosnien nicht tüchtige Männer, denen der Schutz der Kirche so sehr wie ihrem Kaiser am Herzen liegt, dann wären unsere Missionen längst schon zerstört. Darauf arbeiten nicht sowohl die eingeborenen Schismatiker, als de« CzaarS Pläne hin, für die er überall verschmitzte Consuln hat, von welchen sogar einige Katholiken, die aber grimmiger sind als die Schismatiker, um sich in Gunst zu erhalten und irgend einen russischen Orden zu erhäschen. So hat der russische Consul von Galacz, Herr Carl Cola, ein Katholik, voriges Jahr (1847) den dortigen Pfarrer dabin bringen wollen, das „8alvnm tso" für den Kaiser Ferdinand, wie eS nach uralter Gewohnheit im ganzen Oriente an den höchsten Festtagen (in Konstantinopel und Smvrna an allen Sonn- und Feiertagen) vor dem Segen gesungen wird, einzustellen. Er behauptete, daß die Artikel deS Carlowitzer FriedenS von 1699 und jene von Passarowitz von 17l8, in welchen die Rechte der katholischen Kirche und ihrer Schutzmacht Oesterreich sanctionirt sind, durch den neuen russischen Traktat von Aerianopel aufgehoben wären. Ja, dieser Mann ging in seiner Ruffomanie so weit, daß er bet der AuferstehungS-Feierlichkeit am CharsamStage, als der Pfarrer daS „8alvum kao" anstimmte, seinen Stuhl umwarf und zum Aergernisse der Anwesenden zur Kirche hinauSstürmte. Daß er nun anfing, jenen armen Pfarrer zu verfolgen und noch verfolgt, macht seine Verdienste beim Petersburger Cabinet noch größer. Eben so wird bei jeder Messe im Gedächtnisse der Lebenden nach dem Papste der Kaiser genannt, wie in dessen eigenen Ländern. Und verdient dieser fromme Monarch eS nicht, da er die Kirche und ihre Diener so uneigennützig und herrlich schützt? (Rh. V. H.) A « s W i e n. — Wien, 4. März. Während an andern Orten, insbesondere in München und Augsburg der konstitutionell-monarchische Verein die Hydra der Anarchie mit mächtigem Arme niederkämpft und der PiuSverein in letzterer Stadt bereits sein segensreiches Wirken entfaltet: ist bei uns durch den Belagerungszustand die Thätigkeit ähnlicher Vereine darniedergehalten. Die Behörden, welche mit Fug und Recht die verdächtigen Vereine unterdrücken, würden unseres ErachlenS wohl daran thun, dem katholischen und ächt konstitutionellen Elemente im Wiener-Volke eine freiere Bewegung zu gewähren, und so eine moralische Schutzmauer für öffentliche Ruhe und Ordnung, für Achtung göttlicher und menschlicher Gesetze zu erbauen. Um so schmerzlicher mußte den gutgesinnten, katholischen Bürger WienS der in diesen Tagen an den Vorstand deS hiesigen Katholiken-VereineS ergangene Bescheid von Seite des Civil- und Militär-Gouvernements berühren, deS Inhalts: „Die Belehrung der Mitglieder des Vereines in öffentlichen Bersammlungen durch religiöse Vortrage könne nicht gestatl-t werden." Es ist dieser Bescheid um so verwundender, als er nicht zunächst im Willen deS Gouvernements beruht, sondern, wie wir Ihnen aus verbürgter Quelle berichten können, lediglich auf das Gutachten deS hiesigen erzbischöflichen ConsistvriumS sich gründet. Se. Ercellenz der Hr. Gouverneur äußerte sich mündlich gegen den Hrn. Cardinal Fürst Schwarzenberg, der hierüber mit ihm Rücksprache pflog: „Er könne leider in dieser Angelegenheit nichts thun, denn der Hr. Erzbischof von Wien sey dagegen." ES dürfte, darum für Ihre Leser interessant seyn, den Bescheid, auS welchem die Feder deS.ConstsloriumS deutlich herauSblickt, in seiner ganzen Länge zu vernehmen. Er lautet: „Die Belehrung, die der Verein cki seinen Versammlungen ertheilen wolle, könne nach den Grundsätzen unserer (?) Kircke auf dem Wege der Christenlehren und Predigten in katholischen Kirchen erreicht werken. Versammlungen für diesen Zweck in nichtkirch- lichcn Gebäuden zu gestatten, sey gegenwärtig der Zeitpunct um so weniger vorhanden, als der Verein nach seinem Programme auch politische Zwecke verfolge, daher sehr leicht in diesen Verein sich Pharisäer (!) ein- schleichen könnten, welche unter der Maske der Beförderung des Glaubens politische Glaubenslehren verbreiten könnten, welche der öffentlichen Ruhe und Ordnung nachteilig werden könnten. Für seine Thätigkeit bedürfe der Verein dieser Versammlungen in Privathäusern auch darum nicht, weil er (?) durch die dem Vereine einverleibte gutgesinnte katholische Geistlichkeit das Wort GotteS in Seinem (?) Hause spenden lassen (?) könne." Der Vorstand deS Vereines ist katholisch genug, um die Zumuthung im letzten PassuS von sich abzulehnen: „daß eS lhm zustehe, durch den Klerus im Hause GotteS daS Wort GotteS spenden zu lassen." Er will keinen Eingriff machen in die Rechte deS Bischofs, will aber auch sich nicht als .pharisäischer" Verein verdächtiget wissen. Dieser PassuS insbesondere hat die sämmtlichen VereinSglieder auf'S tiefste verletzt; und eS steht ein feierlicher Protest zu erwarten, weil der Verein auch, nach Aufhebung deS Bela- gcrungSzustandeS, sein Wirken in der Zuknifft hierdurch verdächtiget sieht. So verfährt ein geistlicher Vater mit seinen Kindern, und eS darf Sie nickt Wunder rühmen, wenn unter Laien und Geistlichen kaum Ein Herz mehr in kindlicher Liebe ihm entgegenschlägt. In kürzester Zeit wird daS Ordinariat von Wien und St Pöllen, ihrem offen vor der Welt ausgesprochenen Principe gemäß, als vereinzelter Kämpfer auf der Wahlstätte deS Bureaukratismuö dastehen; denn KlcruS und Laien sehnen und ringen nach Freiwerdung aus den papiernen Fesseln. Mag dann immerhin eine hohe kirchliche Person sich wegwerfend äußern: „Man könnte diese Leute da (vr. Brunner und Konsorten d. h. die absolute Majorität deS Klerus) suspenviren, wenn man wollte!" — Eine erfreuliche Erscheinung, unerachtet deS angelegten Hemmschuh'S, ist die sich mit jedem Tage steigernde Abon- nentenzahl auf den VolkSsreund, das Organ deS Katholiken-VereineS; sie beläuft sich im Augenblicke bereits gegen fünfthalb Tausend. — Zur allgemeinen Freude hat Kanonikus Veilh am ersten Fastensonntage die Kanzel in der Pfarrkirche am Hof bestiegen, und läßt als ein zweiter Paulus in seinen Fastenvorträgen den Wienern die Schärfe seines zweischneidigen Wortes fühlen. Nach seinem Vorbilde wirkt auch der durch und durch katholisch gesinnte niedere Klerus, auf den die Worte der Apostelgeschichte ihre Anwendung finden Kap 5. V. 41.: „Sie gingen freudig vom Ange- sichte deS hohen Rathes hinweg, weil sie gewürdiget wurden, um deS Namen Jesu willen Schmach zu leiden, und sie hörten nicht auf, täglich im Tempel und m den Häusern*) zu lehren und Christum Jesum zu verkündigen." — Ihr /X Korrespondent auS Wien ist, wie schon öfter, auch dießmal übel berichtet, wenn er Ihnen von der „ersten" konstitutionellen Ehe eines gewissen Schuhmachers Lewisch erzählt; der Lloyd widerlegt dieses Gerücht, welches durch mehrere hiesige Blätter cursirt, und schon an der Stirne daS Brandmal der Lüge trägt, auS dem Munde des Hrn. Pfarrers in der Leopoldstadt, der den benannten Hrn. Lewisch auf seine Anfrage: ob er bei Lebzeiten seiner Gattin mit einer andern Person eine Ehe als Katholik eingehen könne, ganz natürlich dahin beschtev: „Nach christkatholi- schen Grundsätzen sey dieß platterdings unmöglich. Von einer Civil-Ehe könnte nach diesen Vorbegriffen nur durch Intervention deS SchmiveS von Gretna-Green eine Rede seyn." C o b l e n z. Koblenz, 4. März. Der Hochwürdigste Herr Bischof vr. Wilhelm Arnoldi von Trier ist gestern nach Köln abgereist, wo er mehrere Tage verweilen wird. Wie man mit Bestimmtheit versichert, findet in diesen Tagen in dem Hause unseres Hochwürdigstcn Herrn Erzbischofs Johannes v. Geissel eine Versammlung der Rheinischen Bischöfe statt, in welcher wichtige Angelegenheiten besprochen werden sollen. Unter Ander,» sagt man, daß die Abhaltung von Dwcesansynoden als eine bald möglichst einzuführende Angelegenheit dort berathen werde und man will auS sicherer Quelle wissen, daß der Hochwürdigste Bischof von Trier demnächst die Geistlichkeit der Diöcese zu einer vorläufigen Besprechung um sich versammeln werde. PiuSverein e. Fulda, 8. März. In der am 6. dieses Monats dahicr abgehaltenen Versammlung deS Piusvereincs kam auch die Bildung der Ober- Schulcommission zur Sprache, und allgemeiner Unwille gab sich gegen die jeden Katholiken verletzende Zusammensetzung jener Behörde kund. Die Versammlung faßte den Beschluß, in einer energischen Adresse gegen die jetzige Zusammensetzung der Oberschulcommission zu protestiren und an das Ministerium die Forderung zu stellen, daß es unter die Mitglieder jener Commission zwei Katholiken und zwar 1) den jedesmaligen Pfarrer und Landdecbanten zu Kassel, 2) den Inspektor der höher» Gewerbschule zu Kassel vr. I. Hehl, einen sehr wackern und entschiedenen Mann, aufnehme. Zugleich soll der PiuSverein in Fritz lar aufgefordert werden, eine Adresse in gleichem Sinne zu erlassen. » Augsburg, 15. März. DaS obige „Sendschreiben deS katholischen VereinS zu Oggersheim und Umgegend an den PiuSverein in Augsburg" wurde letzterem in seiner gestrigen allgemeinen Versammlung mitgetheilt, worauf die Anwesenden ihren katholischen Brüdern in der Pfalz ein feuriges Lebehoch ausbrachten. Auf Mitrhulung deS Vorsitzenden über den Stand der OggerSheimer Angelegenheit, daß nämlich durch Regierungörescript die Minoriten in Oggersheim aufgefordert worden seyen, ihre Selbstauslösung anzubahnen, daß aber eine kräftige Petition von den Katholiken der Pfalz an Se. Majestät zur Wahrung ihrer Rechte abgegangen sey, beschloß man einstimmig, sich dieser Petition in einer Eingabe an Se. Majestät anzuschließen. ') Die Apostel haben, wie es scheint, es u cht für überflüssig gehalten, auch außer dem Tempel da« Wort Gottes zu lehren. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Prei« In Angtdnrg für sich allein (ohne A. Posijeitung)jthrltch Ifll » kr. Durch die Post kaun dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Posi- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung Sonntags - Deiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Für sich allein, ohne die Augsburger Post- zeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur I fi. S«kr. oder I Thlr. Neunter Jahrgang. 12 L5 März L84S. Römische Zustände. Der Prostaatssecrctär, Cardinal Antonelli, hat im Namen des heiligen VaterS folgende Erklärung erlassen, welche die wichtigsten Ereignisse in kurzer Zusammenstellung, mit Berücksichtigung der Stellung deS heiligen VaterS zu denselben, enthüll. Gasta, 18. Februar 1849. Seit Seinem Antritt deS PontificatS hat Se. Heiligkeit nur im Auge gehabt, alle Seine Unterthanen mit zeitgemäßen Wohlthaten zu überhäufen, indem Er vor Allem für ihr Wohl sorgte. In der That, nachdem Er Worte der Vergebung für die gesprochen, welche in Folge politischer Verbrechen entweder deS Landes verwiesen waren oder im Kerfer schmachteten; die Staatsconsulta errichtet und den Ministerrath eingesetzt; bei der gebieterischen Macht der Umstände die Errichtung der Civica und daS neue Gesetz über anständige Freiheit der Presse, endlich ein Fundamentalstatut für den Kirchenstaat genehmigt, hatte Er wohl das Recht auf jene Dankbarkeit, welche Unterthanen einem Fürsten schulden, der sie nur alS seine Kinder ansieht und ihnen eine Herrschaft der Liebe versprach. Aber sehr verschieden war die Erwiderung so vieler Wohlthaten und Zugeständnisse, womit Er sie überschüttet. Nach kurzew^Kundgebungen dee Zufriedenheit, von jenen angeregt, welche schon damals die strafbarsten Gesinnungen im Herzen hegten (Kundgebungen, deren Aufhören der heilige Vater mit allen von Seinem väterlichen Herzen Ihm eingegebenen Mitteln zu erhalten strebte), erntete Er bald die bitteren Früchte des Undanks. Als eine zügellose Partei Ihm Gewalt anthat, um Ihn zu einem Kriege mit Oesterreich zu bewegen, mußte Er in dem Konsistorium von, 26. April v. I. eine Allocution halten, in welcher Er der ganzen Welt erklärte, Pflicht und Gewissen verböten Ihm, darein zu willigen. Das reichte hin, die vorbereiteten Umtriebe zu offener Gewalt gegen die Ausübung Seiner freien und vollen Macht ausbrechen zu lassen, indem eS Ihn zwang zur Theilung deS StaatSministeriumS in ein geistliches und weltliches, eine Theilung, welche Er niemals anerkannt hat. Gleichwohl hoffte der heilige Vater, indem Er an die Spitze der Ministerien fähige und ordnungsliebende Männer stellte, daß die Dinge eine bessere Wendung nehmen und die Uebel, welche schon so vieles Elend weissagten, sich theilweise würden aufhalten lassen. Aber ein mörderischer Stahl, gezuckt von der Hand eines Mörders, vernichtete die Hoffnungen, welche Er gefaßt. Dieses zu einer glorreichen Handlung erhobene Verbrechen eröffnete unklug die Herrschaft der Gewalt, der Quirinal wurde umringt von Bewaffneten, man versuchte ihn einzuäschern, feuerte Flinten auf die Gemächer ab, wo der heilige Vater sich befand und Er hatte den Schmerz zu sehen, daß einer Seiner Secretäre davon daS Opfer wurde. Endlich wollte man seinen Palast mit Kanonen beschießen und mit offener Gewalt Hineindringen, wenn Er nicht in die Zulassung deS Ministeriums willigte, welches man Ihm aufdrängte. Nachdem der heilige Vater in Folge einer Reihe eben so schauderhafter Thaten, wie die Welt weiß, der Gewaltherrschaft unterliegen mußte, sah Er sich zuletzt in die harte Nothwendigkeit versetzt, Rom und den Kirchenstaat zu verlassen, um jene Freiheit wieder zu erlangen, die Ihm geraubt war und deren Er genießen muß zur vollen Ausübung Seiner höchsten Gewalt. Dank der Fürsehung zog Er sich nach Gasta zurück und fand dort die Gastfreundschaft eines ausgezeichnet katholischen Fürsten. Dort, umgeben von einem Theile des heilige» Kollegiums und den Gesandten aller Mächte, mit denen Er in freundlicher Beziehung steht, zögerte Er keinen Augenblick, Seine Stimme vernehmen zu lassen und durch Pon- lifical-Act vom 27. November letzthin die Motive Seiner zeitweiligen Trennung von Seinen Unterthanen und die Nichtigkeit und Ungesetzlichkeit aller von dem durch Gewalt eingesetzten Ministerium ausgegangenen Acte zu verkündigen, und ernannte eine NegierungScommission, damit diese die Leistung der öffentlichen Angelegenheiten während seiner Abwesenheit aus dem ! Staate übernehme. ^ Ohne Seinem Willen Rechnung zu tragen, suchten die Urheber dieser ! ruchlosen Gewaltthaten Seine Macht bei den ungebildeten Classen noch zu ! verkleinern, und schämten sich nicht, noch größere Attentate zu begehen, lindem sie sich Rechte anmaßten, die nur dem Souverain zustehen und eine ungesetzliche stellvertretende Regierung unter dem Namen einer provisorischen und höchsten StaatSjunta einsetzten. Durch einen andern Act vom 17. Dec. letzthin protestirte der heilige Vater gegen diese neue und schwere Ruchlosigkeit, indem Er verkündigte, diese StaalSjunia sey nur eine Usurpation der höchsten Gewalt und könne folglich durchaus keine Autorität besitzen. ^ Er gab sich der Hoffnung hin, daß dieser Protest Seine verirrten ! Unterthanen zu ihrer Pflicht und Treue zurückrufen würde; aber ein neuer und schmählicherer Act offenbaren Frevels, vollständiger Rebellion, vollendete Seine harte Prüfung. ES war dieß die Zusammcnberufung der allgemeinen Nationalversammlung der römischen Staaten zur Bildung neuer politischer Formen für die Staaten deS römischen Stuhles. Hier nun protestirte Er mittels eines andern niotu propri« vom 1. Jan. gegen diesen A.-t »nd verdammte ihn alS einen gehässigen und gotteöräubcriseben Angriff auf Seine Unabhängigkeit und Seine Souveränctät, verpönt sowohl durch göttliche als menschliche Züchtigungen, und verbot Seinen Unterthanen die Theilnahme daran, sie verwarnend, daß Jeder, der eS wage, Seine weltliche Oberherrschaft anzugreifen, die Censur und die große Ercommunicatioir verwirken würde, eine Strafe, die Alle treffen würde, welche unter irgend einem lügenhaften Verwände Sein Ansehen verletzt oder sich angemaßt hätten. Und wie ward von der anarchistischen Partei dieser Protest und diese verhängnißvolle Verdammung aufgenommen! Es genügt zu erinnern, daß alles Mögliche geschah, um deren Bekanntwerden zu hintertreiben. Man drohte demjenigen mit schweren Strafen, der eS wagen würde, daS iVolk davon zu unterrichten und der nicht den Absichten der Anarchisten ! willigen Vorschub leihe. Jedoch trotz dieser unerhörten Schandthaten blieb !vie Mehrzahl der Unterthanen ihrem Souverän treu, setzte sich lieber allen Opfern, selbst denen deS eigenen Lebens auS, als ihren Pflichten als Unterthanen und Katholiken untreu zu werden. Noch mehr erbittert durch die Gefahr, ihre Plane vereitelt zu sehen, verdoppelte die Anarchistenpartei auf > tausenderlei Art ihre Schändungen und Drohungen ohne irgend welche Rücksicht auf Rang und Stellung, sondern einzig um zu jedem Preise daS Uebcrmaaß ihrer Niederträchtigkeit zu erreichen, und griff dabei sogar zu dem schändlichsten Mittel der Bestechung. Von Erceß zu Erceß gehend, mißbrauchten sie selbst die durch den heiligen Vater zugestandenen Wohlthaten, indem sie die Freiheit der Presse biö zur größten Zügellosigkeit benutzten. Nach Begehung der schändlichsten Unterschleife zur Belohnung ihrer Helfershelfer und zur Beseitigung der braven und eingeschüchterten Leute, — nach so vielen Mordthaten, die unter ihrem Schutze begangen sind, nach Verpflanzung deS Aufruhrs, der Sitteulosigkeit und der Irreligiosität nach allen Seiten hin, — nach Verführung der unerfahrenen Jugend, ohne selbst die öffentlichen Lehrgebäude zu schonen, indem man solche zur Ausnahme der verlaufenen Militärsöldlinge herabwürdigte, wollen die Anarchisten die Hauptstadt der katholischen Welt, den Sitz deS obersten Kirchen- sürsten in einen Pfuhl der Gottlosigkeit verwandeln; indem sie, wenn'S ihnen gelänge, daS oberhirtliche Ansehen gegen Denjenigen, der von der Vorsehung zur Leitung der über daS Weltall verbreiteten Kirche eingesetzt !ist, schändeten, indem sie Ihn der weltlichen Macht entsetzten, mit der Er als Patrimonium der Kirche zur Ausübung Seiner Obergewalt über die ganze Kirche angethan ist. Wie sollte so vielen Verwüstungen und Mordthaten gegenüber daö Herz des heiligen VaterS nicht tief ergriffen seyn! Dasselbe ist aber auch zu gleicher Zeit mit Besorgniß erfüllt bei dem Hilferuf Seiner treuen Unterthanen, die Ihn beständig um Seinen Schutz gegen die wilden Tyrannen anflehen. Bekanntlich richtete Se. Heiligkeit kurze Zeit nach Seinem Eintreffen in Gaöta am 4. Dcc. v. I. Seine Stimme an alle Ihm befreundeten Fürsten. Mit der Nachricht von Seiner Entfernung auS Seiner Resivenz^ und den päpstlichen Staaten unter Mittheilung der hierzu Ihn bestimmte habenden Gründe, rief Er ihren Schutz zur Vertheidigung der Rechte deS- heiligen Stuhles an. ES ist für Ihn eine angenehme Befriedigung, kundgeben zu können, daß Alle auf Sein Ansuchen liebevoll geantwortet, Ihm! die lebhafteste Theilnahme zu erkennen gegeben und die Versicherung ausgesprochen haben, zu Seinen Gunsten einschreiten zu wollen, während sie Ihm die wärmsten Gefühle persönlicher Ergebenheit und Zuneigung bezeugen. In Abwartung dieser glücklichen und großmüthigen Maaßnahmen und indem Ihre Majestät die Königin von Spanien mir so vieler Willfährigkeit einen Congreß der katholischen Mächte veranlaßt hat, um sich über Mittel zu vereinigen, wie Se. Heiligkeit unverzüglich in Ihre Staaten und in Ihre volle Freiheit und Unabhängigkeit wieder einzusetzen sey, zu welchem verschiedene Mächte ihre Zustimmung bereits ertheilt haben, und welche von andern zu erwarten steht, ist es betrübend, wahrnehmen zu müssen, daß die päpstlichen Staaten einer vollen ZerstörnngSwuth preisgegeben sind, von welcher die Partei der Auflösung aller gesellschaftlichen Zustände besessen ist, und welche unter dem Vorwande der Aufrechthaltung der Nationalität und der Unabhängigkeit nichts unterläßt, um den Gipfel ihrer Schandthaten zu erreichen. Das sogenannte Grundgesetz, welches von der römischen Costilncnte am 9. Februar decretirt worden ist, bildet einen Act des alle Gränzen überschreitenden Frevels und der scheußlichsten Gottlosigkeit. Man erklärt den Papst darin thatsächlich und rechtlich all' Sei uer weltlichen Macht über die römischen Staaten verlustig, man ruft darin die Republik auS, und in einem andern Acte decretirt man die Vernichtung der Wappen des heiligen Vaters. Angesichts solcher Verhöhnung Seiner obersten Würde als Kirchcnfürst und Souverän legt Se. Heiligkeit Verwahrung ein gegen diesen Frevel bei allen Regierungen, bei allen Völkern und bei allen Katholiken der ganzen Welt. Wenn nicht unverzüglich diesem Zustande abgeholfen wird, so könnte eS leicht eintreffen, daß die Hilfe erst dann gebracht würde, wenn die Kirchenstaaten bereits Opfer ihrer grausamsten Feinde geworden und in Asche aufgegangen seyn werde». Der heilige Vater hat gegenwärtig alle ihm zu Gebote stehenden Mittel erschöpft und sieht sich, gegenüber der katholischen Welt, durch seine Pflicht genöthigt, das Erbthcil der Kirche und die daran geknüpfte Sou- veränelät zu wahren, da solches unerläßlich für Aufrechrhaltung Seiner Freibeit und Seiner Unabhängigkeit als oberstes Haupt der Kirche ist. Gerührt von den Klagen Seiner treuen Unterthanen, welche laut um Hilfe rufen, und um sie dem eisernen Joche der Tyrannei, das sie nicht länger tragen können, zu entreißen, wendet er sich von neuem an die fremden und beschidcrS an die kachvlischen Mächte, welche mit so viel Großmut!)! und auf so glänzende Weise ihren festen Willen ausgesprochen haben, Seine! Sache zn vertheidigen. Er hat die Gewißheit, daß sie mit Eifer zusam^ menwirken werden, Ihn durch ihre moralische Intervention auf Seinen! Stuhl und in die Hauptstadt Seines StaateS wieder einzusetzen, der zur! Aufrechterhaltung Seiner vollen Freiheit und Unabhängkeit durch die Fröm-! migkcil gebildet worden, und der Ihm durch die Verträge, welche die! Grundlage deö europäischen öffentlichen Rechtes bilden, gewährleistet wor-! den ist. Und weil Oesterreich, Frankreich, Spanien unvdaS Königreich beider Sicilien durch ihre geographische Lage im Stande sind, mit ihren Armeen im Kirchenstaate die durch eine Horde Aufrührer gestörte Ordnung nachdrücklich wieder herzustellen, so ruft der heilige Vater, im religiösen Interesse dieser mächtigen Töchter der Kirche, mit vollem Vertrauen ihre bewaffnete Intervention an, um vor allem den Kirchenstaat von der Partei dieser Elenden, welche dort durch alle Arten von Verbrechen den schändlichsten Despotismus ausüben, zu befreien. ES ist dieses das einzige Mittel, die Ordnung im Kirchenstaate wieder herzustellen, und dem Papste die freie Ausübung Seiner Oberherrschaft zurück zu geben, wie eS Sein geheiligter und erhabener Charakter, die Interessen der allgemeinen Kirche und der Frieden der Völker gebieterisch verlangen. So nur kann Er das Erbtheil, welches Er bei Ueber-, nähme deö PontificatcS empfangen, bewahren, um eö Seinen Nachfolger»! in seiner Unversehrtheit hinterlassen zu können. ES ist die Sache der Ord-! nung und des Katholicismus. Der heilige Vater gibt sich deßhalb der! Hoffnung hin, daß, während alle Mächte, mit welchen Er in freundschaft-! Ilcher Beziehung steht, und welche in der Lage, worin Ihn eine anarchi-! sche Partei versetzt, Ihm so oft ihre lebhafte Theilnahme bekundet haben, der bewaffneten Intervention, welche die Schwere der Ereignisse Ihn anzurufen zwingt, einen moralischen Beistand leisten werden, die vier bezeichneten Mächte nickt einen Augenblick verlieren, das Werk, welches Er von ihnen verlangt, zu vollenden, und sich um die öffentliche Ordnung und um die Religion verdient zu machen. (Sion.) Fasten-Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn CrzbischofS Hermann von Freiburg. Hermann von Vicari, durch GotteS und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Erzbischof von Freiburg, Metropolit der oberrheinischen Kirchenprovinz :c. rc. beim Beginne der heiligen Fastenzeit allen Gläubigen seiner Erzdiöcese Gruß und Segen von Gott dem Vater und Jesu Christo! Geliebteste! Der heilige Apostel Paulus redete bei seinem Verweilen zu Athen, wo sein Geist in ihm sich ereiferte bei der Wahrnehmung, daß die Stadt der Abgötterei ergeben war, auf dem Arcopag die Versammelten also an: „Athener! ich sehe, daß ihr in allen Dingen, ich möchte sagen, übergläubig seyd. Denn als ich umherging, und eure Götterbilder sah, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: Dem unbekannten Gott. Was ihr nun, ohne eS zu kennen, verehret, das verkündige ich euch." (Apvstelg. 17, 16 ff.) In einer ähnlichen Lage, wie damals der heilige Apostel, befinden auch Wir Uns, wenn Wir daS Leben und Treiben eines großen Theiles der Menschen betrachten. Ein neues Heidenthum hat sich vieler Gemüther bemächtigt. Den eiteln Götzen der Zeit eilen die armen verblendeten Sterblichen zu, weihen ihnen ihr Herz, stehen mit Leib und Leben für sie ein, preisen sie sich gegenseitig an und setzen auf sie all' ihre Hoffnung. Unbekannt ist Vielen geworden der wahre und lebendige Gott, „der die Welt gemacht hat und Alles, was darin ist, der des Himmels und der Erde Herr ist, der Allem Leben gibt und Odem und Alles; in dem wir leben, und unS bewegen und sind," der in Christo Jesu, Seinem eingebornen Sohn, die Welt erlöset, „und den Menschen verkündigt, daß Alle überall Ruße thun sollen: denn er hat einen Tag bestimmt, an welchem er den Erdkreis richten wird nach Gerechtigkeit durch Jesum, den er dazu bestellt, und Allen als glaubwürdig dargethan hat, incem er ihn auferweckte von den Todten." (Apostelg. 17, 24 ff.) Geliebteste! Verhehlen Wir es Uns nicht, — es drängt sich UnS im Hinblick auf die gewaltigen Erschütterungen, unter denen im Augenblicke unser Vaterland erbebt, und nach den so vielen herben Erfahrungen des verflossenen JahreS, — ungeachtet der nie aufgegebenen Hoffnung, daß am Ende noch Gutes und Besseres errungen, und auch das Böse zum Guten sich wenden, und daß namentlich nach einer Zeit herben Kampfes und bitterer Leiden das Kreuz Jesu Christi, und vie Braut deS Lammes, die heilige Kirche, neuen Sieg und neuen Triumph zum Heile der Menschen feiern werde, — eS drängt sich Uns, sagen Wir, bei dem allgemeinen Ueberblick unserer Zustände, die höchst traurige Wahrnehmung auf, daß ein neues Heidenthum eines Theiles der Menschheit sich bemächtigt habe, in Folge dessen Viele nicht mehr kennen den lebendigen Gott, „der mehrmals und auf vielerlei Weise einst zu den Vätern durch die Propheten, am letzten zu uns durch den Sohn geredet, welchen Er zum Erben über Alles gesetzt, durch den Er auch die Welt gemacht hat: welcher, da er der Abglanz seiner Herrlichkeit und daS Ebenbild seines -Wesens ist, unv durch das Wort seiner Kraft Alles trägt, nachdem er uns von Sünden gereinigt hat, sitzet zur Rechten der Majestät in der Höhe." (Heb. 1,1-3.) Ja, Wir sehen einerseits eine große Anzahl solcher, welchen im vollen Sinne des Wortes das Kreuz des Herrn eine Thorheit und ein Aergerniß (1- -Kor. 1, 23.) ist, welche mit allem Ernst und allem Aufwand ihrer Kräfte bestrebt sind, wie sie eS vielfach in seiner sichtbaren Erscheinung auf Erden weggeräumt, so es auch gründlich aus den Herzen herauszureißen; andererseits erblicken wir eine große Anzahl solcher, welche mit aller Ruhe und Gleichgiltigkeit solchen Bestrebungen zusehen, und, ob auch das Kreuz noch ihr Zeichen ist, so doch nicht zu wissen scheinen, waS sie haben in Christo, „in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnet" (Kol. 2. 9.) „in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntniß verborgen sind" (Kol. 2, 3.), „der unS von Gott zur Weisheit geworden ist, zur Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung" (1. Kor. 1, 30.), der unser einziger Mittler, Hohepriester und ewige Seligkeit ist; und weil sie dieß nicht wissen, so gleicht bei ihnen daS Wort Christi dem Samen auf dem Wege, Jeglichem preisgegeben, dem es gefällt, eS wegzunehmen und dafür des Feindes Samen einzusäen. 47 Leider ist nur bei zu Vielen daS böse Werk gelungen, und in Erfüllung ist gegangen, was Paulus an die Römer schreibt: „Nachdem sie Gott erkannt hatten, haben sie ihn nicht als Gott verherrlicht, noch ihm gedankt, sondern sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ward verfinstert. Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit dem Gleichniß und Bild deS vergänglichen Men- scheu,. die Wahrheit Gottes mit der Lüge, verehrten und beteten mehr daS Geschöpf an, als den Schöpfer, welcher gepriesen sey in Ewig-! keit." (Röm. 1, 21 ff.) ! Wie heißen nun aber die eiteln Götzen der Zeit, denen diejenigen! huldigen, welchen der wahre, lebendige Gott ein unbekannter geworden ist?! Viele Götzenbilder fand der heilige Paulus in Athen. Und so sind auch die Götzen unserer Zeit viele, ja unzählige. Fassen wir einige derselben! schärfer ins Auge! ! Der erste der Götzen, dem Viele huldigen, ist die falsche Weis-! heit der Welt, insgemein die „Aufklärung" genannt, deren Wesen' und Höhepunct ihre Freunde darein setzen, daß sie die Religion Jesu Christi, wie sie von der katholischen Kirche seil achtzehn Jahrhunderten gelehrt und von einem Geschlecht zum andern überliefert worden ist, als Finsterniß und Unverstand, als Aberwitz und trugvolle Anmaaßung erklären, jene heilige Religion, welche den Erdkreis erneuert, welche dem menschlichen Geist seine Würde und Schwungkraft verliehen, nach allen Seiten hin sich zu entwickeln und Alles mit der Kraft deS Denkens zu durchdringen, und welche ihn zur Erkenntniß deS Geistigen und Uebersinnlichen erhoben; jene heilige Religion, welche die Herrschaft der Regierenden, wie die Freiheit der Untergebenen geheiligt und sie inS rechte Ebenmaaß gebracht, indem sie beide einem höhern Gesetze, jene dem der herablassenden Liebe, diese dem des Gehorsams unterwarf; jene heilige Religion, die unS gelehrt daß wir alle Eines Vaters sind, dessen Ebenbild wir Alle an uns tragen, daß wir Alle von der Erbschuld befleckte, schwache und sündhafte Sterbliche sind, für die Alle des Erlösers sühnendes Blut geflossen; jene heilige Religion, die uns zur höchsten sittlichen Freiheit, zur Freiheit von Irrthum und Sünde erhoben, die unS das Gebot der brüderlichen Liebe und das der Feindesliebe gegeben, und unS gelehrt, daß Geben seliger sey, als Nehmen, Gehorchen besser, als Gebieten; jene heilige Religion, welche die Menschenwürde selbst des neugebornen KindeS zur Anerkennung gebracht, es geschirmt und geschützt vor dem traurigen Loos, das in den gebildetsten Staaten des Alterthums vielen Kindern zugefallen, welche dem Kinde schon den Zugang zur Geistesbildung geöffnet, welche dem Weibe seine Würde und die ihm gebührende Stellung verliehen, die Ehe geheiligt, die Sklavenketten gelöst: kurz darin setzen die Freunde der falschen Aufklärung die höchste Wissenschaft und Bildung, als Finsterniß und Unverstand, als Aberwitz und trugvolle Anmaßung jene heilige Religion zu erklären, der wir alles Schöne, Große, Erhabene, dessen wir uns erfreuen, verdanken. Fragen wir" nur die Geschichte, welchem Boden denn die größten Weisen, Gelehrten, Erfinder und Künstler entsprossen sind, dem Boden der sogenannten Weltweisheit und .Aufklärung," ober dem Boden der Religion, deS Christenthums, der Kirche? Die Geschichte läßt unö hierüber nicht in Zweifel. Wem verdanken wir — um nur Einiges zu erwähnen — die herrlichen Dome, die als Symbole unserer heiligen Kirche stets uns mahnen an die Einheit, Größe und Herrlichkeit derselben, und unsere Seele mit heiliger Andacht und Anbetung Gottes erfüllen? Verdanken wir sie nickt gläubigen und frommen Männern? Was hat die Bauleute begeistert, diese großartigen Werke aufzuführen? Die Religion, die Liebe Jesu Christi, dessen heilige Geheimnisse in diesen Tempeln gefeiert, ja der selbst im heiligsten Sakramente in ihnen wohnen sollte! Amerika, die neue Welt — erinnert euch stets an den frommen Kolumbus. Ja selbst jene Erfindung, die durch die völlige Veränderung des Kriegswesens einen gewaltigen Umschwung im Leben der Völker hervorgebracht, ist sie nicht in der einsamen Zelle eines armen Mönches gemacht worden? Im Besitze alles dessen, was die Welt durch Geister, die durch das Christenthum und durch die Kirche ihre Reife, ihre Stärke, ihre Thatkraft und Ausdauer erlangt, empfangen hat, schaut sie nun — in ihrer eigenen Armuth und ihrem Bettelstolz — mit verachtendem Blick hin auf die Religion und die Kirche, und will sie als eine Mutier der Finsterniß und der Verdummung verhöhnen und brandmarken. Doch gerade dadurch sprechen sich die, welche sich weise dünken, ihr Urtheil. „DaS Wort vom Kreuze ist Thorheit denen, die verloren gehen; denen, die selig werden, ist eS Gottes Kraft. Denn cS steht geschrieben: Vernichten will ich die Weisheit der Weisen, die Klugheit der Klugen verwerfen. — Was vor der Welt thöricht ist, hat Gott erwählt, um die Weisen zu beschämen, und das Schwache vor der Welt hat Gott erwählt, um daS Starke zu beschämen: und daS Geringe vor der Welt, und daS Verachtete, und daS, waS Nichts ist, hat Gott erwählt, um daS, waö Etwas ist, zu nichte zu machen, damit kein Mensch sich vor ihm rühme." (1- Kor. 1, 18 — 2». 27 — 29.) ES fällt dem stolzen Sterblichen so schwer: Gott die Ehre zu geben, und zu bekennen, daß der Allerhöchste die einzige Quelle des Lichtes und der Weisheit, und daß „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk von oben herab vom Vater des Lichtes ist." (Jak 1, 17.) Darum verwirft man die Wahrheit so, wie sie Gott geoffenbart hat; um sie willkommen zu machen, hüllt man sie in daS Gewand der Irrlehre und Weltweisheit, führt dadurch die Menschen hinweg von der Quelle lebendigen Wassers hin zu Cisternen, und bekennt nicht mit dem Apostel: man wolle nichts wissen, als Jesum Christum, und diesen als den Gekreuzigten. Die Rede und die Predigt, die „in überredenden Worten menschlicher Weisheit" besteht, gefällt mehr, als „die, welche in Erweisung des Geistes und der Kraft besteht: und doch beruhet der Glaube nicht auf Weisheit deS Mensche», sondern auf GotteS Kraft." (l. Kor. 2, 2. 4. 5.) „Niemand täusche sich daher selbst! Wenn Jemand unter euch sich weise zu seyn dünkt in dieser Welt, der werde ein Thor, auf daß er weise werde." (l. Kor. 3, >8.) Dem Götzen der falschen Aufklärung wollen aber Viele nicht entsagen. Wer in den Augen der sogenannten Weltweisen verständig und aufgeklärt scheinen will, der darf nicht gläubig Christi Kreuz umfassen, sondern der muß gleichgiltig gegen Religion und Glauben thu». Sonst anerkennt man feste LebenSansichten, Beharrlichkeit in der Behauptung und Anwendung von Grundsätzen, Ausdauer in der Verfolgung deS einmal vorgesteckten Zieles: wer aber die Weisheit GotteS nicht mit der eitel» Weisheit der Welt vertauschen will, wer fest und unerschütterlich zu Dem sich hält, der allein Worte deS ewigen Lebens hat, wer sich stützt auf die Grundfeste der Wahrheit, die Kirche, und somit sein Haus bauet auf einen Fels, das, wenn die Winde und die Wogen sich erheben, nicht einstürzet, — der wird — trotz der Freiheit, die man für alles Andere in Ansprnch nimmt, der Blindheit, deS Starrsinns, der Unduldsamkeit beschuldigt und nicht selten mit Schmach und Hohn bedeckt. Alles dieses geschieht, weil man vor dem Götzen der falschen Aufklärung die Kniee beugt und den wahren lebendigen Gott nicht kennt. Ein anderer Götze, dem viele Menschen dienen, und der daS Auge ihrer Seele so verdunkelt, daß sie nicht mehr erkennen den lebendigen Gott, ist die Habsucht, die unersättliche Gier nach irdischen Gütern, die man als die allein wahren betrachtet, die man auf jedwede Weise zu erhäschen und festzuhalten sucht. Geliebteste! Wie sehr ist in Vergessenheit gerathen daS apostolische Wort: „Wir sehen nicht hin auf daS Sichtbare, sondern auf daS Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare ist ewig" (2. Kor. 4, 18.); und wie wenige bekennen eS, daß „sie Pilgrimmr sind und Gäste nur auf Erden, und ein Vaterland suche», daß sie Bürger der Heiligen sind und Hausgenossen GotteS" (Hebr. 11,13. Eph. 2 19.), denen es geziemt, mit dem Apostel zu sprechen: „Unser Wandel ist im Himmel, woher wir auch den Heiland erwarten, unsern Herr» Jesum Christum." (Phil. 3, 20.) „Den Reichen dieser Welt gebiete," — so ermähnt der heilige Paulus seinen geliebten TimotheuS, — „nickt hoch- müthig zu seyn, nicht zu vertrauen aus ungewissen Reichthum, sondern auf den lebendigen Gott, .... Gutes zu thun, reich zu werden an guten Werken, gerne zu geben und mitzutheilen, sich zu sammeln einen Schah als eine gute Grundlage für die Zukunft, damit sie daS wahre ergreifen." (1. Tim. 6, 17.) Wen erschüttert nicht der Ruf deS heiligen JakobuS: „An dem Tage (der Ankunft des Herrn) weinet und heulet, ihr, die ihr dem Götzen der Habsucht gedienet, die ihr die irdischen Güter nicht als HauShälter GotteS gebrauchtet, und euren Trost und Frieden in ihnen suchtet, — weinet und heulet über euer Elend, daS über euch kommen wird. Euer Reichthum verfault, eure Kleider sind mottenfräßig, euer Golo und Silber ist verrostet und der Rost desselben wird rin Zeugniß wider euch seyn, und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch Schätze deS Zornes gesammelt für die letzte Zeit. Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder eingeerntet haben, welcher von euch vorenthalten worden, schreiet: und ihr Geschrei ist zu den Ohren deS Herrn der Heerschaaren gedrungen. Ihr habet geprasset auf Erden und in Wollust geweidet eure Herzen bis auf den Tag der Schlachtung. Ihr habt den Gerechten ver- urlheilet und gemordet, und Er widerstand euch nicht." (Jak. 5, 1 — 6.) (Schluß folgt.) Niederlande. In Holland scheint man immer mehr einen religiösen Zwiespalt zwischen Katholiken und Protestanten anzubahnen. ES ist bekannt, daß der Protestantismus vordem die StaatSreligion und der Katholicismus nur, zu Gunsten deö Handels, geduldet war, seine Bekenner aber keinerlei Ansprach aus Ehrenämter und besoldete Stellen hatten. Der König Lud« Wig Napoleon, Vater deS jetzigen Präsidenten der französischen Republik, verstand eS doch wohl, ausgezeichnete Männer herauszufinden und zugleich mit den Protestanten in ehrenvolle und einflußreiche Stellungen zu bringen. Seinem Beispiele folgte auch der Kaiser Napoleon; indessen ging alles dieses in der RestaurationSperiode für die Katholiken wieder verloren. Wilhelm 1 von. Nassau und sein Minister van Manen adoptirten wieder den alten, reactionären Haß der Protestanten gegen die Katholiken; die Frucht dieser traurigen Polink war bald der Verlust deS schönsten Theiles deS Königreiches: denn eine der bittersten Klagen der Belgier wider die ehemalige holländische Regierung stützte sich auf die ungleichmäßige Vertheilung der Aemter und Stellen, oder die Ausschließung der Katholiken. Die schreiende Parteilichkeit der Regierung zu Gunsten der Protestanten hat aber nicht aufgehört, vielmehr ist das alte System, die Katboliken auszuschließen, mit Leidenschaft aufrecht erhalten. Während die katholische Bevölkerung zur Nichtkatholischen sich ungefähr wie 2 zu 3 verhält, steht die Zahl der katholischen Beamten in dem Verhältniß zu den protestantischen wie 2 zu 25. Man berechnete und bewiest durch Namen und Zahlen, die veröffentlicht, und nicht widerlegt worden, daß von 18 Millionen Gulden, welche der Staatsschatz jährlich an Besoldungen und Pensionen den Beamten zahlt, kaum 2 Millionen auf die Katholiken kommen, obgleich dieselben doch über b/g der Gesammtbevölkerung ausmachen. Begreiflicher Weise konnte eine solche, klar in die Augen springende Ungleichheit die Gemüther nur aufregen. Als nun in Folge der Revolution vom 24. Februar 1848 auch König Wilhelm II. seine Politik im liebevollen Sinne ändern zu müssen glaubte, schloßen sich die Katholiken dem auS vollen Herzen an, und ihren unablässigen und einstimmigen Petitionen ist eS hauptsächlich zuzuschreiben, daß ein Artikel der neuen Constitution trotz der großen Anstrengung einer Menge Protestan ten, in der zweiten und ersten, und nachher in der doppelten Kammer durchging, der allen Staatsbürgern ohne Unterschied deS Glaubens dieselben Rechte auf sämmtliche Staatsämter zusicherte; so daß er in die jetzige Verfassung aufgenommen. Kein Minister hat sich diesem gerechten Artikel zu widersetzen gewagt, und man glaubte, das Ministerium würde sich nun endlich beeilen, alles, seit langen Jahren den Katholiken Hollands angethane Unrecht wieder gut zu machen. Allein wie sehr hat man sich getäuscht! Unter 75 von den verschiedenen Ministern seit 1. Februar 1848 bis 1. Januar 1849 Angestellten sind 71 Protestanten, 2 Juden und 2 Katholiken! Es kommen von diesen Anstellungen allein 17 auf das Ministerium deS Innern, worunter 16 Protestanten und 1 Jude. Man schreiet: „Die Katholiken sind unfähig." Allein selbst unter den 15 angestellten Schreibern und Kopisten ist kein Katholik. — Diese schreiende Zurücksetzung hat denn nun zur Folge, daß fast in allen Städten Hollands unter den Katholiken Proteste und Petitionen an den König zur Unterschrift circulircn und große Betheiligung finden, worin man sich in scharfen Ausdrücken darüber beklagt, daß beim Vergeben von öffentlichen Aemtern eine so schreiende, große Parteilichkeit zum Nachtheile der Katholiken noch immer Statt findet. (Sion.) Piusvereine. Köln, 11. März. Der hiesige PittSverein hat eine allgemeine Versammlung sämmtlicher katholischen Vereine in Rheinland und Westfalen für die zweite Hälfte des MonatS April in Köln anberaumt und auSge schrieben, und beabsichtigt dazu zugleich ausgezeichnete Persönlichkeiten im katholischen Deutschland einzuladen. Eine solche Versammlung zu gemeinschaftlicher Verständigung und Aufmunterung ist allerdings sehr wünschens- werlh, um so mehr, als hie und dort Elemente in die katholischen Vereine sich Eingang zu verschaffen drohen, welche das ehrende Merkmal derselben, die Katholicität, zu verletzen und in die noch jungen Vereine einen Bruch hineinzutragen Gefahr bieten. Kann man von dem hiesigen Piusvereine auch nicht behaupten, daß er seine Aufgabe vcrkaniu und seiner Bedeutung und Bestimmung, die kirchliche Freiheit vor Allem z» schirmen und zu wahren, nicht entsprochen habe, so hat es doch auch für ihn einzelne gefahrdrohende Momente gegeben, deren Folge freilich nur in der Zurückziehung einzelner Mitglieder bestand. Liegt die größte Gefahr für unsern katholischen Verein gegenwärtig in der die Einzelnen oft so schroff trennen- ^ den politischen Frage, so kann vor absichtlicher Besprechung dieser, Fragen im katholischen Vereine nicht genug gewarnt und daS so katholische Kennzeichen leidenschaftlicher Duldung — siuo ira r. ksp., äs expo8itiono, in lib Reg.), welche mit dem Fuße der Tugend den Kopf der alten Schlange zertreten, und welche, gestellt zwischen Christus und die Kirche (8. Lernsrä 86I-M. in eap. XII. Kpo»aI^p8.), voll der Gnaden und ganz lieblich, allzeit daS christliche Volk aus den drohendsten Gefahren gerettet, den Nachstellungen und Angriffen aller Feinde entrissen und vom Untergänge befreit, auch UnS ihre liebevolle Muttersorge zuwenden, und durch ihre unablässige und überaus mächtige Fürsprache bei Gott erflehen werde, daß er diese so traurigen und beklagenSwerthen Trübsale, diese so bittere Angst uud Noth, die Geißel seines Zornes, welche wir um unserer Sünde willen verdient haben, abwende, und daß Er die furcht« baren Stürme, die allerwärtS zu Unserem tiefsten Schmerze gegen die Kirche sich erheben, bändigen und b rühigen, und Unsere Trauer in Freude verwandeln wolle. Ihr wisset gab wohl', ehrwürdige Brüder, daß all' unser Vertrauen auf die heilige Jungfrau gesetzt ist; denn in Maria hat Gott die Fülle aller Güter niedergelegt, so daß, wenn für uns Hoffnung, Gnade, Heil bereitet, wir wissen mögen, daß eS nur durch Maria vermittelt ist, . . . weil also der Wille Dessen, welcher will, daß wir Alles durch Maria erhalten (8. Illrimrä. in nstivit. 8. Lloriau da ^gnaocluetu). Wir haben nun einige durch Frömmigkeit und theologische Wissenschaft ausgezeichnete Männer des geistlichen Standes, und eine bestimmte Anzahl Unserer ehrwürdigen Brüder, der Cardinäle der heiligen römischen Kirche, hervorragend durch Tugend, Religiosität, Umsicht, Klugheit und Kenntniß der göttlichen Dinge, ausgewählt und ihnen aufgetragen, mit ihrer Klugheit und Wissenschaft diesen so sehr wichtigen Gegenstand nach allen Seiten hin auf daS Sorgfältigste zu erörtern und sodann ihre Ansicht mit möglichster Gründlichkeit UnS kund zu machen. In allem Diesem glaubten Wir in die herrlichen Fußstapsen Unserer Vorgänger einzutreten und ihrem Beispiele nachzufolgen. Wir haben ferner dieses Schreiben an Euch gerichtet, ehrwürdige Brüder, um Eure Frömmigkeit und Eure bischöfliche Sorgfalt auf das Dringendste aufzufordern, daß jeder von Euch in seiner Diöcese nach eigenem Ermessen öffentliche Gebell anordnen und abhalten lalle, damit der gnädige Vater der Lichter daS himmlische Licht seines göttlichen Geistes über Uns auSgieße, durch den Hauch von oben UnS anzuwehen würdige, und Wir einen solchen Entschluß fassen, durch welchen seines NamcnS größere Ehre, daS Lob der seligsten Jungfrau und der Nutzen der streitenden Kirche gefördert würde. Wir wünschen aber auch dringend, daß Ihr in möglichst kurzer Frist UnS Kunde geben möget von der Andacht, welche Euer KleruS und Euer gläubiges Volk gegen die unbefleckte Empfängniß der heiligen Jungfrau hegt, und wie das Verlangen sich kund gebe, daß diese Angelegenheit vom apostolischen Stuhle entschieden werde; besonders möchten Wir aber auch Eure Wünsche in Betreff dieser Sache in Erfahrung bringen. Und wie Wir bereits dem römischen Klerus die Erlaubniß ertheilt haben, die kanonischen Hören von der Empfängniß der seligsten Jungfrau, wie sie erst jüngst zusammengestellt und in Druck gegeben worden, anstatt der im gewöhnlichen Brevier enthaltenen in Gebrauch zu nehmen, so ertheilen Wir Euch, ehrwürdige Brüder durch dieses Schreiben die Vollmacht, dem Klerus Eurer Diöcese dieselbe Erlaubniß zu ertheilen, welche Wir dem römischen Klerus ertheilten, ohne daß eS deßhalb noch einer besonderen Anfrage an UnS oder Unsere Longregstio 8gerorum rituum bedürfte. Wir zweifeln nicht im Geringsten, ehrwürdige Brüder, daß eS Euch bei Eurer besonderen Verehrung gegen die heiligste Jungfrau eine Freude seyn werde, diesen Unseren Wünschen mit aller Sorgfalt und allem Eifer nachzukommen und UnS die nöthige Auskunft balligst zuzusertigen. Für jetzt aber empfanget, als Unterpfand der himmlischen Güter, als besonderen Beweis Meines Wohlwollens gegen Euch, den apostolischen Segen; auS innigstem Herzen ertheilen Wir ihn Euch selbst, ehrwürdige Brüder, und allen Priestern und Laien der Euch anvertrauten Diöcesen. Gegeben zu Gaöta, 2. Februar 1849. Unseres PontificateS im dritten Jahre. PiuS IX. k. k. Fasten-Hirtenbrief de- Hochwürbigsten Herrn Erzbischof- Hermann von Freiburg. (Schluß.) O Stumpfsinn einer so geistig und aufgeklärt seyn wollenden Zeit, in der so Viele die Augen nicht weiter blicken lassen, als auch die Thiere thun, welche die Dinge sehen, aber weder Ursache, noch Grund, noch Hiel und Ende derselben erfassen und verstehen. O Verblendung der Mcn- chen, welche die sichtbaren Dinge, statt zur Verherrlichung Gottes und zum Heil der Seelen, durch Mißbrauch, durch abgöttische Liebe zur Schändung deS heiligsten Namens und zum ewigen Verderben anwenden; darum „seufzen alle Geschöpfe" (Röm. 8, 22.), denn durch den Mißbrauch „werden die irdischen Dinge auS Geschöpfen GotteS zu Gräueln, zur Verführung der Seelen der Menschen, zur Falle den Füßen der Thoren" (Weisheit 14, 11.). O Verhärtung der Herzen, die eS nicht begreifen wollen, daß „die Gottseligkeit zu allen Dingen nütze ist und die Verheißung hat dieses und deö zukünftigen Lebenö" (1. Tim. 4, 5.), daß „die Gerechtigkeit das Volk erhöht, die Sünde aber der Leute Verderben ist" (Sprüchw. 14, 14.), und die es insbesondere nicht fassen, daß die auS Habsucht und Geldgier entsprungene Schändung und Eutheiligung deS Sabbathes und der Feiertage zeitliche und ewige Strafe GotteS über die Frevler herabzieht, denn der Allerhöchste hat eS geboten: „Gedenke, daß du den Sabbath heiligest:" Gott ist ein heiliger und gerechter Gott, ein Eiferer für Sein Gesetz, der Seiner nicht spotten läßt. „Durch die Verstocktheit und dein unbußfertigeS Herz bäufcst du dir Zorn für den Tag deS Zornes und der Offenbarung der gerechten Gerichte GotteS" (Röm. 2, 5.). Geliebtestc! Gerade durch den Abfall so Vieler von dem Geiste deS Christenthums, daS uns die ewigen Güter allein schätzen lehrt, sind viele traurige Erscheinungen unserer Tage zu erklären, die größtentheilS in der Unzufriedenheit Vieler mit der Armuth ihre Quelle haben. Wäre der wahre lebendige Gott, den daS Christenthum verkündet, vielen Armen kein unbekannter geworden, so würden sie das LooS der Armuth nicht nur mit zufriedenem Gemüthe, sondern sogar mit einer gewissen Freudigkeit ertragen, ferne von ihnen blieb der lüsterne Blick nach dem Eigenthume der Andern, und daS Streben, um jeden Preis sich in den Besitz irdischer Güter zu setzen. Durch das Christenthum sind die, welche nach dem Urtheile der Welt die Letzten sind, die ersten geworden. Sind denn nicht die Armen die Erstgebornen der Kirche, wird ihnen nicht vor Allen das Evangelium verkündet (Luk. 4, 18.)? öffnet der Heiland auf dem Berge Seinen göttlichen Mund nicht damit, daß er die Armen selig preißt (Math. 5, 3.)? und sagt nicht der Völkerapostel: „Sehet auf eure Berufung; nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene ..... sondern was Nichts ist (vor der Welt), hat Gott erwählt." „Hat nicht Gott," so fragt der heilige JakobuS, „die Armen in dieser Welt auscrwählt zu Reichen am Glauben und zu Erben des Reiches, Welches Gott denen, die ihn lieben, verheißen hat" (Jak. 2, 5.)? Ja eine erhabene Würde verleihet der Armuth, —der mit demüthigem und frommem Sinn ertragenen Armuth, — die Religion deS ErlöserS, der selbst der ärmste unter den Armen geworden, der — obwohl Gott— „sich! selbst entäußerte, KnechtSgcstalt annahm, sich selbst erniedrigte" (Phil. 2, 7. 8.), der „für die ihm vorgelegte Freude das Kreuz erduldete, die Schmach nicht achtete" (Hcbr. 12, 2.), und von sich sagen konnte: „Die Füchse haben Höhlen, und die Böget deS Himmels haben Nester; aber der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege" (Luk. 9, 58.). Des ErlöserS Bild wiederstrahlet also am herrlichsten in den Armen, Leidenden, Gedrückten. In den irdischen Königreichen gibr es Bevorzugte, die außerordentlicher Rechte und Ehren sich erfreuen, weil sie entweder durch die Geburt, oder durch ihr Amt dem Fürsten näher stehen. Der Glanz der Krone strömet auch auf sie über. Die Kirche ist auch ein Reich, doch nicht von dieser Welt; ihr Herr ist auch ein König; dieses KöuigS Krone ist aber eine Dornenkrone, deren Glanz die Leiden, Peinen, Wunden sind. Der Glanz dieser Krone strahlet daher in denen wieder, die da leiden und dulden. Seitdem der ewige König der Glorie mit der Armuth sich ver- bunden, ist sie geadelt; und deßhalb verheißt daS Evangelium Trost denen, die weinen, Nahrung denen, die hungern, ewige Freude, die leiden. „Wehe aber euch, ihr Reichen, so ruft der Herr aus, denn ihr habt euren Trost; wehe euch, die ihr gesättigt seyd, denn ihr werdet hungern; wehe euch, die ihr jetzt lachet, denn ihr werdet trauern und weinen" (Luk. 6, 24. 25.). Doch, Geliebtestc, dieses „Wehe" gilt nur denen, die Götzendiener ihres Mammons sind; nicht aber denen, die, weil sie Jesum den Armen als ihren Herrn und König anbeten, im Geiste arm sind, die Welt brauchen, als brauchten sie selbe nicht, ihre» Heiland in den armen Brü- dcrn wiedersehen, und in ihnen den Herrn lieben, deßwegen das Herz der Noth der Leidenden nicht verschließen, sondern eingedenk der Worte: „Selig ist, der deS Armen und Dürftigen gedenkt: am Tage deö Unglückes wird ihn erretten der Herr" (Ps. 40, 2.), und „Deine Sünden tilge durch Almosen" (Dan. 4, 11.), und „Selig sind die Barmherzigen, sie werden Barmherzigkeit erlangen" (Matth. 5, 7.), sich durch den falschen Mammon Freunde erwerben, die sie einst aufnehmen in die ewigen Wohnungen" (Luk. 16, 9.). Sehet, Geliebtestc, auch hierin wieder die Würde der Armuth! Durch die den Armen erwiesene Liebe, durch die ihnen gebrachten Opfer wird der Weg zum Himmel gebahnet, denn also wird sprechen der ewige Richter: „Kommet, ihr Gesegnete meines VaterS, besitzet daS Reich, welches seit Grundlegung der Welt euch bereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mich gespeiset; ich war durstig, und ihr habt mich getränket; ich war ein Fremdling, und ihr habt mich beherberget; ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnisse, und ihr seyd zu mir gekommen. — -Wahrlich, sag' ich euch, waS ihr Einem dieser meiner geringsten Brüder getban habt, daS habt ihr mir gethan" (Matth. 25, 34. 35. 36. 40.). ! Sehet, Geliebtestc, wenn der Gott, den das Christenthum verkündigt, bekannt ist, lösen sich die Räthsel des socialen Elendes unserer Zeit. Durch den Geist deS Evangeliums wird der Pauperismus in der Wurzel zerstört. Wie auf der einen Seite Zufriedenheit, stilles, gottergebenes Dulden die Seele deS christlichen Armen schmückt, so erfüllet brüderliche Liebe und Erbarmung die Brust deS christlichen Reichen; und so wird gesteuert der Noth der Besitzlosen, ohne daß ein gewaltsamer Eingriff in daS Eigenthum der Besitzenden gemacht wird. Ein dritter Götze, in dessen Dienste zahllose Menschen zum Untergang ihrer Seelen stehen, ist die Fleisches- und Genußsucht. O furchtbar unersättliche Gier der Feinde des Kreuzes, deren Gott der Bauch ist, o unbeschreibliche Gier nach sinnlichen Genüssen, und daher das Schwinden der alten deutschen Häuslichkeit, deS stillen, so freudenreichen Familienlebens, daher die Weichlichkeit junger kräftiger Leute, die Entwöhnung von anstrengenden Arbeiten, und eine oft völlig entfesselte Schweigern! Wäre euch der wahre lebendige Gott in Seiner unendlichen Liebenswürdigkeit und Heiligkeit bekannt, ihr würdet gewiß euer Herz ihm nicht entziehen, um eS den schnödesten Genüssen zu überantworten, ihr würdet gewiß „eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darbringen" (Röm. 12, 1.), denn „alle die, welche Christi sind, haben ihr Fleisch gekreuzigt sammt den Lastern und Gelüsten" (Gal. 5, 24.) und „lassen die Sünde nicht herrschen in dem sterblichen Leibe" (Röm. 6, 12.) „Die fleischliche Gesinnung ist Feindschaft wider Gott, weil sie sich dem Gesetze Gottes nicht unterwirft; welche fleischlich sind, können Gott nicht gefallen" (Röm. 8, 6 ff.) Gerade hier offenbart sich recht augenscheinlich das neue Heidenlhum: der Abfall von dem lebendigen Gott bringt den menschlichen Geist unter die Herrschaft des Fleisches. Die geistige Auflehnung gegen den Allerhöchsten endet damit, daß Gott solche treulose Geschöpfe „den Lüsten ihres Herzens überläßt, der Unreinigkeit, so daß sie ihre eigenen Leiber schänden" (Röm. 1,24.). Solche werden aberdaö Reich Gottes nicht besitzen" (1.Kor.6,9.). Geliebtestc! Wenn Wir nun viele Menschen solchen eiteln Götzen, als da sind die falsche Weisheit der Welt, die Habsucht, die Fleischeslust, nacheilen sehen — sollten Wir uns da nicht gedrungen fühlen, mit allem Ernst der Seele den unbekannten, aber wahrhaften lebendigen Gott, den Schöpfer, Erlöser und Richter der Welt zu verkünden? Gerade darin liegt ja der Grund, daß sie falsche Götter anbeten, weil der wahre ihnen unbekannt ist. Der Hauptgrund des neuen Heidenthums liegt unstreitig in dem Mangel der religiösen Bildung, der klaren, lebendigen, deutlichen Erkenntniß deS dreieinigcn GotteS, seines heiligen Willens, der Geheimnisse und der Mittel veS Heiles. Solche Erkenntniß ist die erste Pflicht deS Christen. Der Heiland rufet uns zu: „Wer auS Gott ist, höret GotteS Wort" (Joh. 8, 47.). ES ist dem Christenthum grundwesentlich, daß es nicht, wie manche der falschen heidnischen Religionen, irgendwelche Ge- heimnißlehren enthält, die nur bestimmten AuSerwählten zugänglich wären. Nein, ein Jeder ist berufen, zur Erkenntniß der geoffenbarten Wahrheiten und Geheimnisse Gottes zu gelangen. Darin sieht der heilige Paulus die wunderbare, weltumschaffende Kraft deS Christenthums, daß das Geheimniß, welches von Ewigkeit und von Geschlechtern verborgen war, nun geoffenbaret worden ist seinen Heiligen, — welches ist Christus, den wir verkündigen, in dem wir jeden Menschen ermähnen und jeden Menschen mit aller Weisheit lehren, — nach dem Auftrag „daS Wort GotteS vollständig zu verkünden, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christo Jesu darstellen" (Col. 1, 25 ff.). Deßhalb bezeugt auch der heilige Apostel in seiner rührenden AbschiedSrede zu MiletuS: „Ich habe mich nicht entzogen, den ganzen Rathschluß Gottes zu verkünden" (Apostelg. 20, 27.). Die Kirche thut dieß für und für, aber wie wenige bemühen sich, die rechte Erkenntniß zu erlangen! Richten die Eltern heute, wie ehedem, noch ihre Hauptsorge dahin, daß ihre Kinder vor Allem eine tüchtige religiöse Bildung bekommen? — Wo ist noch die schöne Sitte, daß Vater und Mutter den Katechismus mit ihren Kindern wiederholen, oder sie prüfen, ob sie der Predigt deS Evangeliums aufmerksam angewohnt, ob sie dieselbe verstanden und beherzigt? Wo ist noch die fromme Sitte, daß die Familie an den gottgeweihten Tagen, ober nach vollbrachter Arbeit sich versammelt, um gemeinschaftlich in religiösen Unterrichts- und ErbauungS- büchern zu lesen? — Wie frühzeitig will die Jugend oft der Christenlehre sich entziehen, wie wenig besucht sind an manchen Orten, namentlich von Jünglingen und Männern, die Predigten! Solche, die den sogenannten gebildeten Ständen angehören wollen, entziehen sich oft gänzlich der religiösen Erkenntniß, und vergessen ganz und gar daS, was sie, vielleicht nothdürftig genug, in der Kindheit gelernt haben. Was Wunder, daß der wahre lebendige Gott vielfältig ein unbekannter geworden ist! Wie nun Vielen der wahre lebendige Gott ein unbekannter ist, weil sie ihn nicht kennen lernen, wie sie doch könnten und sollten, weder ihn, noch seinen Willen, seinen gnadenvollen Rath, noch sein großes Werk für uns und um uns, so ist er Anderen ein unbekannter Gott, weil sie ihn nicht lieben. Die Liebe ist in Vielen erkaltet. Und doch ist eS nur die Liebe, wie sie das Wesen und die Natur GotteS ausmacht, welche Gott, so viel es einem Geschöpfe möglich seyn kann, aufzunehmen, zu fassen, zu begreifen vermag. „Die Liebe ist aus Gott," schreibt der heilige Johannes, „und Jeder, der liebr, ist aus Gott geboren, und kennet Gott. Wer nicht liebt, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1. Joh. 4, 7. 8. 16.). Geliebteste, saget selbst, wenn diese Liebe Gottes die Herzen beseelte, wie könnte man doch so leichtsinnig die Sünden hineinschlürfen wie Wasser, wie könnte man so gleichgiltig von der Sünde sprechen, als wäre sie Nichts, wie könnte man so ruhig und hartnäckig fortleben in der Unbußfertigkeit! Ja, der Mangel der Sehnsucht nach Sündenvergebung, nach gründlicher Reinigung der Seele, nach aufrichtiger Wiederversöhnnng mit dem Vater, den man so schnöde und so undankbar verlassen, zeiget klar und deutlich, daß erkaltet ist die Liebe. Eine solche Höhe hat bereits die Selbstsucht erreicht, daß die Helden der Gottes- und Menschenliebe, die Heiligen, und besonders die Märtyrer, Vielen als Thoren erscheinen! So sind denn, Geliebteste, die Lässigkeit in der Erkenntniß der Wahrheit und die Erkaltung der Liebe offenbar die Hauptguellen der Erscheinung, daß Gott ein unbekannter geworden ist, daher denn auch die Erscheinung, daß selbst dann, wenn Gott durch außerordentliche Weltbegebenheiten sich kund gibt, Sein Walten geläugnet wird, daß die Menschen sehen und hören, aber nicht verstehen, daß sie den Finger GotteS nirgends mehr erkennen wollen, ob er auch noch so deutlich sich zeige, noch so stcht- barlich über die Völker fahre, und sie die Hand des Herrn nicht fühlen, wenn sie auch über ihnen schwebt! Geliebteste! Höret in dieser heiligen Fastenzeit den Mahnruf deS heiligen Apostels: „Dieses sage ich denn und beschwöre euch im Herrn, daß ihr nicht mehr wandelt, wie auch die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, deren Verstand mit Finsterniß verdunkelt ist, die entfremdet sind dem Leben GotteS durch die Unwissenheit, die in ihnen ist durch die Blindheit ihres Herzens ..... ihr aber habt Christum nicht so kennen gelernt," — ja wahrlich, sondern als den lebendigen Sohn GotteS, der die Reichthümer der Weisheit, der Erbarmung, der Treue und Zuverlässigkeit, der Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Güter der zukünftigen Welt, die Hoffnungen und Schrecken der Ewigkeit euch gelehrt hat, — „wenn ihr anders ihn gehört, und euch durch ihn belehren ließet, so wie die Wahrheit in Jesu ist: daß ihr in Ansehung deS vorigen Wandels ableget den alten Menschen, der durch des Irrthums Gelüste verderbt wird. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüthes, und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit" (Ephes. 4, 17 ff). Durch würdigen Empfang der heiligen Sacramente erneuert, lasset Euch hinfüro nimmer besiegen von dem Reize der Sünde! Kämpfet den guten Kampf der Heiligen! „Ergreifet die Waffcnrüstung Gottes, damit Ihr in diesen bösen Tagen widerstehen und in Allem unbesiegt daS Feld erhalten könnet. Stehet, die Lenden umgürtet mit der Wahrheit und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuhet, bereit das Evangelium deS Heiles zu verkünden. Vor Allem aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurigen Pfeile deS Bösewichtes. Nehmet auch den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, welches GotteS Wort ist. Mit allem Gebet und Flehen betet zn aller Zeit (Ephes. 6, 13 ff.ff. Ja, Geliebteste, harret aus im Gebete, gestützt aus die Verdienste Jesu Christi, vertrauend auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, deren liebendes Herz in Barmherzigkeit zu uns sich neiget und am Throne Gottes für unS Alle fleht. Betet, kämpfet, überwindet, sieget! Bedenket eS wohl, daß die Tage des irdischen Lebens schnell und unwiederbringlich vorübergehen, und daß ihr bald stehet an der Pforte der Ewigkeit. Für eine glückselige Ewigkeit seyd ihr erschaffen, sie ist euer Ziel und Ende! Wehe euch, wenn ihr dieß Ziel und Ende nicht erreichet: ewige Strafe ist alsdann euer LooS. Darum rufen Wir noch einmal mit väterlicher Stimme: betet, kämpfet, überwindet, sieget! „Wer überwindet, dessen Name wird der Herr nicht austilgen aus dem Buche deS Lebens, sondern ihn bekennen vor dem Vater und seinen Engeln" (Matth. 10, 32. Apok. 3, 5.). Gegeben Freiburg, am Feste Mariä Lichtmeß, den 2. Febr. 1849. -f Hermann, Erzbischof von Freiburg. Sammlung für den heiligen Bater. Das Ordinariat des ErzdiSthuniS München nnd Frei sing ic. Der heiße Wunsch aller treuen Kinder der katholischen Kirche, daß der allmächtige Gott die dermalige traurige Lage unseres heiligen Vaters, des Papstes PiuS IX., erleichtern und die Tage seiner Trübsal abkürzen möchte, ist bisher nicht in Erfüllung gegangen. Unser theureö Kirchen« Oberhaupt befindet sich noch immer, von Seinem apostolischen Stuhle vertrieben und von den Quellen entfernt, aus welchen die nöthigen Mittel zu Seinem Lebensunterhalte sowohl, als zur Führung der Geschäfte der obersten kirchlichen Verwaltung fließen sollten, in einer für Seine geheiligte Person höchst drückenden, Seine Wirksamkeit für daS Wohl der Kirche beeugencen Verbannung. Ja der oberste Hirt der Heerde Christi muß eS geschehen lassen, daß die zur Förderung frommer und religiöser Zwecke bestimmten und unentbehrlichen Mittel in der Hauptstadt der Christenheit selbst von Seinen nnd unseren Feinden zum Verderben der Kirche mißbraucht und vergeudet und daß die großartigen Anstalten und Fonde, an deren Erhaltung jedem Gläubigen unendlich viel gelegen seyn muß, zerstört oder so erschöpft werden, daß auch bei einem, so Gott will, baldigen glücklichen Umschwünge der Dinge alle äußere» Kräfte zur Wiederherstellung der Ordnung und Wohlfahrt im Kirchenstaate »nv zur geregelten Führung des allgemeinen KirchenrcgimenlcS auf lange Zeit gelähmt bleiben müssen, indem da, wo jetzt nur Noth und Elend gesäet wird, ein besserer Zustand nicht anders als mit großen Opfern wieder herbeigeführt werden kann. Welchen Gläubigen wird bei dieser Lage des heiligen Vaters nicht der lebhafte Wunsch beseelen, dem verfolgten Kirchenfürsten nicht nur mit seinem Gebete, sondern auch werkthätig beispringen zu könne»? Der Einzelne vermag dieses freilich nicht. Aber wenn wir, von unserem Glauben begeistert und von christlicher Liebe durchdrungen, unsere Kräfte vereinigen, so mag unS die Freude zu Theil werden, daß unsere mit kindlichem Herzxn dargebrachten gemeinsamen Opfer den großen Dulder doch erfreuen und in Seinen Leiden trösten und stärken werden, wenn sie Ihm auch nicht zur Hebung derselben behilflich und dazu nicht hinreichend seyn können, um daS, waS die ZerstörungSwnth Ihm und der Kirche jetzt raubt und vernichtet, sogleich wieder herzustellen. — Helfen wir, soviel wir eS vermögen, dann dürfen wir um so zuversichtlicher auch auf GotteS allmächtige Hilfe vertrauen! Aus besonderem Auftrage Sr. Erzbischöflichen Ercellenz ergeht daher an sämmtliche Herren Pfarrer und in der Scelsorge angestellte Priester der Erzdiöcese hiermit die oberhirtliche Weisung, diese Lage deS heiligen VaterS, welche in der nachfolgenden Erklärung deS Päpstlichen Pro-StaatS- SecretärS CardinalS Antonelli vom 18. v. MtS. umständlich geschildert ist, am künftigen Öfter-Sonntage bei dem pfarrlichen Gottesdienste den Pfarrgenossen und Gläubigen klar, einfach und beweglich darzustellen, und sie zur Spendung milder Gaben für unsern bedrängten obersten Hirten, den Stellvertreter Christi auf Erden, mit dem Beisätze zu ermuntern, daß der allgütige Golt gewiß auch daS kleinste Schärflein seiner edlen Bestim- mung wegen wohlgefällig aufnehmen und tausendfach segnen werde. — Die wirkliche Vornahme der Sammlung hat sofort am Ostermontage oder am weißen Sonntage zu geschehen, und eS sind auch alle Gaben, die außer der Kirche gespendet werden wollen, bereitwillig und mit Dank anzunehmen. Von dem DiöcesankleruS, welcher seine treue Anhänglichkeit an die Kirche und seinen Wohlthätigkeitssinn schon so oft auf daS Entschiedenste an den Tag gelegt hat, erwarten Se. Erzbischöfliche Ercellenz, daß derselbe den übrigen Gläubigen auch hier mit einem guten Beispiele voranleuchten werde. Sämmtliche Gaben sind von den Herren Pfarrern möglichst bald an die Decanals-Vorstände und von diesen unverzüglich hierher zu senden. DaS Gesammtergebniß wird seiner Zeit amtlich bekannt gemacht werden. Wenn, wie zu hoffen ist, alle Katholiken — BayernS nicht nur, sondern unseres ganzen deutschen Vaterlandes — zu gleichen Aeußerungen der kindlichen Liebe gegen den heiligen Vater sich vereinigen, in welchen uns andere Länder theils schon vorausgegangen sind, theils sicher noch nachfolgen werden, so wird unser Bemühen, die gegenwärtigen Drangsale deS großen DulvcrS einiger Massen zu mildern und Seinen Blick in die Zukunft zu erheitern, auch dem materiellen Erfolge nach nicht ganz vergeblich seyn. München den 90. März 1849. Dr. Mart. v. Dentinger, Domprobst. I. B. Grund! er, Secretär. Sendschreiben des katholischen Central-VereineS der Pfalz an den PiuS- Verein zu Augsburg. Theuere Mitbürger, Katholische Brüder! Dieß ist die katholische Einheit. Sie hat hienieden keine Schranken, als die dem Erdkreise selbst gesetzt sind. Von den Vogesen und dem Rheine geht sie bis zum Lech und den Alpen, und über die Berge schreitet sie weiter zu dem hl. Stuhle deS Apostelfürsten zu Rom, von wo, als dem rechten Mittelpuncte, sie ihr heiliges, selbst mit der Ewigkeit verknüpftes Band um das ganze weite Erdenrund schlingt, das Band der heiligsten Liebe, der ächten Brüderlichkeit, welches weder der unwirthbare Sand der Wüste, noch daS unwegsamste Gebirge, noch des Weltmeeres surchtbare Gewalten abzuschütteln oder zu zerreißen vermögen. Ja! In der katholischen Einheit ist daS wahre Weltbürgerthum, welches alle Geschlechter der Erde in ihrer wahren Gleichheit umfaßt, um sie alle dem gleichen, einen, großen Ziele deS Jenseits entgegen zu führen. Welch eine Fülle deS Glücks, in dieser Einheit als ein lebendiges Glied eingereiht zu seyn! Welch ein Hort, sich ein treues, gehorsames Kind der herrlichsten Mutter, der römisch-katholisch- apostolischen Kirche nennen zu dürfen! DaS waren unser Aller Gedanken, als wir Euer erhebendes Sendschreiben, welches Ihr am Tage des heiligen Märtyrers Sebastian jüngsthin an uns gerichtet, mit tiefbewegtem Herzen empfingen. Wenn ein Glied leidet, leiden Alle. Ihr habt eS getreu bewiesen. Gesegnet sey Eure Bruderlieb.-! Gesegnet sey der Samen, welchen Ihr in unsere Herzen gestreut durch die Worte, die Ihr zu uns frei und entschieden gesprochen, wie eS freien Männern gebührt. Vergelt' Euch Gott den reichen Trost, welchen Ihr uns durch Euren brüderlichen Zuruf in diesen Tagen deS KampsiS und der Mühsal gespendet. Wähnet nicht, daß diese Gefühle freudigen DankeS nicht die lautersten, daß der gebotene Trost nicht der erquicklichste gewesen sey, weil wir so lange mit dieser Antwort gezögert. AIS Euere Brudcrworte zum Rheine herübertönten, hallten sie erst noch in zerstreuten Herzen wider, welche noch keine Einigung gefunden zu den großen Aufgaben, deren Lösung vor Allem in und durch die Kirche der ernste Gang der Geschichte mit lautem Mahnrufe von dem lebenden Geschlechte heischt. Jetzt aber sind bereits in unserer Heimath katholische Vereine erstanden, und sie sind mit einem KreiSausschuffe in organische Verbindung getreten, welcher sich in der Hauptstadt der Pfalz, zu Speyer, wo der Bischofsstuhl unserer Diärese steht, gebildet hat. Im Namen dieser Vereine statten wir Euch nunmehr vor Allem unsern treuen Dank ab für den brüderlichen Zuspruch, mit welchem Ihr uns in so ernster Zeit erfreut habt. Im Namen dieser Vereine erklären wir sodann, daß wir mit Euch gegen jede Unterdrückung protestiren, welche unsere wohlerworbenen Rechte als Katholiken anzutasten unternimmt. Wir erklären, daß wir fest entschlossen sind, mit Euch und allen anderen Vereinen gleichen StrebenS im engern und weitern deutschen Vaterlande alle gesetzmäßigen Mittel anzuwenden, um unser gutes Recht» um unsere volle Freiheit und Unabhängigkeit in Sachen der Religion und Kirche zu wahren. Wir erkennen mit Euch, daß eS unser höchstes Recht und unsere höchste Freiheit ist, ganz katholisch zu seyn, wie es die heilige Kirche ist und will — ganz und vollständig, ohne Abzug und ohne Zuthat. Wir erklären endlich, daß wir mit Euch fest und unverbrüchlich daran halten, auch für alle Andersgläubigen gleiches Recht und gleiche Freiheit im Vollmaaße gelten zu lassen, wie wir selbst sie im Vollmaaße unverkürzt zu genießen gesonnen sind. Wenn Ihr dazu am Schlüsse Eueres uns so theuern Sendschreibens uns darauf aufmerksam macht, daß wo wir einem unserer Rechte daS Geringste vergeben, wir sicher alle gefährden werden, so seyd überzeugt, daß diese Wahrheit tief in unseren Herzen eingeschrieben steht.— Von diesem Gesichtspunkte ausgehend erkennen wir auch,die OggerSheimer Klosterfrage in ihrer vollen Bedeutung. Zeuge davon die zahlreichen mit lausenden von Unterschriften versehenen Adressen, welche an den Thron gelangten. Nicht ein Haar breit darf die katholische Kirche in der Pfalz hier ablassen von ihrem rechtmäßigen Besitze, welcher ihr durch die bayerische Landesverfassung gewährleistet und obendrein nun durch daS Grundrecht der freien Association bestätigt ist. Wir fordern die Unantastbarkeit der bestehenden kirchlichen Institute, wir fordern daS Recht der freien Association, wie wir eö jeder politischen Partei zugestehen, auch für die Kirche, und diese Forderung muß geachtet, sie muß erfüllt werden. Maßnabmen, welche jeden verfassungsmäßigen Bodens entbehren, wie solche bereits versucht worden sind, oder noch versucht werden könnten, werten uns in unserm Rechte nicht beirren. Lasset auch Ihr Euch nicht durch solche beirren. Wenn wir zusammenstehen — wie wir thun — und unser Recht, unser gutes Recht entschieden und rücksichtslos vertreten — wie wir fest entschlossen sind — wer wird eS wagen, dasselbe anzutasten? Katholische Brüder! Empfangt mit unserm wärmsten Danke unseren Brudergruß. Empfanget die innigsten Wünsche für daS segensreiche Gedeihen Eueres VereineS. Bleibet unS zur Seite, wie wir Euch nicht verlassen werden. Dann lasset den Sturm der Zeiten hereinbrechen, lasset die Wcrkleute der Zerstörung und Zersetzung, wie sie'S nach Zulassung der göttlichen Vorsehung vermögen, vollenden, waS sie im furchtbaren Wahne begonnen, lasset daS Elend durch Europa schreiten mit noch nie gesehenem Grausen — wir werden vereint im heiligen Glauben und in der thätigen Liebe unverzagt, unverdrossen bauen an dem großen Werke der Wiedergeburt unsers theuern Vaterlandes in Staat und Kirche, wenn auch erst die Söhne in daS stattliche HauS des neuen GotteS- und Weltfriedens einzugehen gewürdigt sind Ja! Gott selbst hat unS zu diesem Werke berufen. AIS wackere, unermüdliche Bauleute wollen wir daran selbst unser Leben setzen, unablässig unS zumahnend: Wachet, betet, arbeitet! Gott mit uns! Wer ist dann wider uns? Speyer, Mitfasten 1849. Der katholische Central-Verein der Pfalz, v. EmontS, Vorsitzender. Deutschland. Augsburg. Zum dritten Male lieSt man in den Annoncen der AugSburger allgemeinen Zeitung die Ankündigung eines Original-WerkeS über die Liguorianer von einem Johannes Nordmann. Dieser entweder fingirte oder ganz obscure Name fällt mit einer wahren Berscrkerwuth über genannten Orden her, so daß auch der einfachste Verstand fragen muß: ist eS möglich, daß ein und derselbe Orden so gottlos, so verschmitzt und dabei so unvorsichtig und dumm seyn kann, daß er die Urkunden über sein entsetzliches Treiben so zu sagen selber authentisch ausstellt? — Ohne Zweifel ist jener Johannes Nordmann ein etwas amplificirter Ableger deS berühmten HanS Nord im vorigen Jahrhundert. Der letztere kündigte nämlich feierlich in allen Zeitungen an, daß er mit Haut und Haar, mit Leid und Seele in einen Krug, der, wie Jedermann sehen könne, in gar keinem Verhältnisse zu seiner (des Hans Nord) Körpergröße stehe, kriechen werde. Die berühmtesten Professoren bewiesen aus Gründen der Physik, wie Gelle« gar schön beschreibt, daß HanS Nord unmöglich Raum im Kruge habe. Allein sie kamen doch angefahren und das übrige Publicum strömte ebenfalls herbei; die Casse hatte vollauf zu thun, der Saal füllte sich ganz und Alles staunte den kleinen Krug an. Lange wartete daS Publicum, sich in Hypothesen erschöpfend. Inzwischen war HanS Nord mit der Casse verschwunden, der Krug blieb leer stehen und in welchem Krug er sich geborgen, konnte man nicht erfahren. Professoren und Publicum zogen ab, jene froh, baß ihre Beweise nicht widerlegt worden, dieses spottend über seine eigene Dummheit. — So wird eö bei diesem Großhans ebenfalls ablaufen: ist die elende Speculation auf die Dummheit eines gewissen PublicumS gelungen, so wird er sich mit dem Gelde davon machen und die 011a pvtricka zum Begaffen u. s. w. zurücklassen. Johannes Nordmann stellt nämlich 30 Bogen Druckpapier in Aassicht, gefüllt mit Scheußlichkeiten aller Art, läßt pränumeriren, wie HanS Nord, und daS Publicum das Ungeheure suchen, indeß er ihm die Tasche erleichtert und sich selbst unsichtbar gemacht hat. Die AugSburger allgemeine Zeitung mag sich damit entschuldigen, daß Annoncen Handelsartikel seyen und daß man ihr also über NordmannS Pöbelhaftigkeit keine Vorwürfe machen dürfe. Aber dann muß ich die AugSburger allgemeine Zeitung richten, wie man den Schalk am besten richtet, nämlich auS seinen eigenen Worten. Ich laS einst die würdige und ruhige Vertheidigung eines angegriffenen Mannes, welche er auf seine Kosten, also als Annonce, in die AugSburger allgemeine Zeitung einrücken lassen wollte. Allein diese nahm die Sache nicht auf, weil sie nirgends auf dem konfessionellen Gebiete anstoßen wolle. Hiemit war der Mann ab und zur Ruhe gewiesen; jetzt aber wundert er sich über diese Consequenz und Parteilosigkeit der Allgemeinen. — Doch gegen Katholiken iß Alles erlaubt; sie nehmen eö ja hin und zahlen ihre und ihrer edelsten Glieder Mißhandlung noch mit schwerem Gelde. Eine himmelschreiende Liberalität! (Neue Sion ) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. PrciS in Augsburg isir sich allein (chnc A Pcsiztitung)jL>irlich z fl. I4kr. Durch die Posi kaun dieses Wcchenblatt nur vcn Abonnenten der Post- zeirung bezogen werden, und erhöht sich der Breis nach Verhältniß der Entfernung. onntags-Deiblatt zur Augsburger Postzeitung Für sich allein, ohne die Augsburger Post« zeilung, sind diese Blätter nur im Weg« de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u. s. w. jährlich nur I fl. Lttkr. oder I Hhlr Neunter Jahrgang. M' 14 t. 8. April Christliche Märzerrungenschaften. * Man thut sich allwärts auf die politischen Märzcrrungenschaften dcS Jahres nach Christi unsers Herrn und Heilands Geburt 1848 viel zu Gutem; allein der Christ kennt viel ältere Märzcrrungenschaften, sie datiren bis aus 1816 Jahre zurück, denn im 33stcn Jahre uach Christi Geburt und, wie die Chronologisten übereinstimmen, im März jenes Jahres fand die Kreuzigung Jesu Christi statt. Betrachten wir kurz, was uuö dieser Kreuzestod gebracht hat. Er brachte uns Versöhnung mit dem Vater unseres himmlischen Vaterlandes. — Er brachte uns Freiheit, Freiheit von dem ewigen Tod der Sünde, Freiheit von der Knechtschaft der Sünde. — Er brachte unS SicgeSkraft, um die Pforten der Holle zu überwältigen, indem wir dem Fürsten dieser Welt, dem Geist der Lüge und des falschen Lichtes, nun das Kreuz auf den empörerischen Nacken setzen und ihm zurufen können: „in Iwe signo vineimus!" — Er brachte uns allgemeine Amnestie, väterliche Wiederaufnahme in das Reich und die Anwartschaft auf selige Sitze in demselben. — Er brachte unS neben der Freiheit auch Gleichheit, indem er uns Alle zu Kindern GotteS machte und uns die Schlüssel in die Hand gab, um als Erben in das himmlische Reich eingehen zu können; er brachte die Gleichberechtigung Aller vor der ewigen Mujcstät Gottes, und die Last, die Allen aufgelegt wird, so sie eingehen wollen in das Reich, ist für Alle gleich, ist das Kreuz. — lind indem wir Alle zu Kindern desselben VaterS wurden, sind wir auch Alle Bruder in Christo Jesu geworden und haben Alle, Große und Kleine, Reiche und Arme, Alte und Junge, gleichen Antheil am ewigen? Leben, gleichen Zutritt zum Tische des Herrn, zur Kirche des Herrn;! Er, indem Er Sich uns fortwähreiw aufopfert und hingibt, ist unser! gemeinsames Gut. Und so hat uns jener März in der That die höchstes Freiheit und Gleichheit, die stärkste Verbrüderung und die reinste j Gütergemeinschaft gebracht! Und indem das Christenthum sich rasch, getragen durch die Tugenden und genährt durch das Martyiblut seiner Bekenner, über alle Läiwer und Völker hin verbreitete, ergoß eS sich wie ein himmlischer Lichtstrom über die Welt, vertrieb die Nacht des Heidenlhums, überwältigte die Finsterniß des Aberglaubens, schärfte den Verftanv, erleuchtete die Vernunft, veredelte das menschliche Wesen, bändigte die Leidenschaften, milderte rohch Sitte und Lebensart, förderte Wissenschaft und Kunst, adelte das mensch- ! liche Zusammensetzn, segnete daS menschliche Wirken, kurz, dieser mächtige! Lichtstrom überwältigte siegreich die Finsterniß, den Aberglauben, die Gei- steSknechtschaft, die Verdummung; es lehrte, den Feind lieben und Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten, eS lehrte die vollkommene Freiheit des menschlichen Geistes und Willens, so daß Gottes Allmacht ihn nicht brechen, sondern bloß Seine Gnade und Liebe ihn zu Sich anlocken will, — eS lehrte die Gleichheit Aller vor Gott und daß! vor Ihm kein Ansehen der Person sey; — eS stellte den König und den! Vertier gleich in der Kirche und im heiligen Kreis der Sacramente und Segnungen; kurz eS brachte und lehrte Licht, Freiheit, Gleichberechtigung. Weltkind der gegenwärtigen sinnverwirrten und gotteSflüchtigen Zeit, öffne Dein fieberkrankes Auge und sieh den Glanz und die Macht dieser Errungenschaften, welche schon da waren und den Erdball erfüllt und neugestaltet hatten, bevor Du nock im Mutterleibe so blind warst, als Du es nun geistiger Weise außer demselben bist! Wie, Du könntest! Licht, Fortschritt, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit haben und Dir! dabei den Himmel auf Erden bereiten und den ewigen Himmel ver-! dienen und Du haschest in wilder Hast und wcltblinder Gier nach einer! anderen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die Dich eben dem sicheren Verderben zuführt, da sie Dir, als armes, getäuschtes Geschlecht! Knechtschaft der Meinungen und Tyrannei der Bösen, allgemeines Elend und gänzliche Zerrissenheit bringt? Hättest Du, o thörichte Zeit, jene uralten Errungenschaften erkannt tz»d umfaßt, Du hättest der jetzigen nicht bedurft, jg Du wärest damit — verschont geblieben! Charwoche 1849. CaruS. Der Vorort des katholischen VereinS Deutschlands an die sämmtlichen Einzelvereine. Auf vaS nach Beschluß der ersten allgemeinen Versammlung (Vl. 4.) an Se. bischöflichen Gnaden den Hochwürdigsten Herrn apostolischen Vicar Laurent von Luremburg entsendete Schreiben haben Hochdiesclben den Vorort mit der unten stehenden Antwort beehrt. Leider ist noch nicht, wie damals die Versammlung meinte, die Rückkehr deS geliebten Oberhirten in seine Diöcese erfolgt, unv es haben ohne Zweifel die Verwirrungen in Rom auch die ersehnte Lösung dieser Angelegenheit verzögert. Die Mitglieder des katholischen Vereins Deutschlands werden mit Freude und Erbauung die belehrenden Worte deS Hochwürdigsten Herrn Bischofs lese» und nicht aufhören, Gott zu bitten, daß er den eifrigen Seelenhirtcn bald wieder seinen Gläubigen zurückfuhren möge. Mainz, den 4. März 1849. Der Vorsitzende: Lennig. Der Schriftführer Moser. * Euer Hochwürden haben im Namen und Auftrage der zu Mainz versammelten Abgeordneten der katholischen Vereine Deutschlands unterm 6. Oclober d. I. eine Zuschrift an mich erlassen, worin dieselben mir ihre Anerkennung auSsprechen für meine Verwaltung deS Apostolischen Vicaria- tes Luremburg, und ihre Theilnahme bezeigen, sowohl an meiner, durch falsche Anklagen unv grundlose Beschwerden der weltlichen Regierung beim heiligen Stuhle erwirkten Abberufung von dieser Verwaltung, als an der mir vom heiligen Vater zugefügten Rückkehr in meinen Sprengel. Als Gründer nämlich eines katholischen GcsammtvereinS, der eö sich zum Zwecke gesetzt hat, die Freiheit unserer heiligen Kirche allerwärts in Deutschland zu erringen unv zu wahren, haben die ehrcnwerthen Abgeordneten der einzelnen katholischen Vereine gemeint, auch dem Wirken, Kämpfen und Leiden eines der geringsten Kirchcnhirten an der südwestlichen Gränze dcS Vaterlandes ihre wohlwollende Aufmerksamkeit zuwenden zu sollen. Obwohl nun die geringen Dienste, welche ich der heiligen Kirche in meinem beschränkten Kreise unter mannichfaltigcn Hemmungen mit meinen schwachen Kräften habe leisten können, mich einer so ehrenvollen Beachtung noch nicht würdig gemacht haben, so kann ich doch nicht umhin, über diesen Beweis katholischer Glaubensthätigkeit meine dankbarste Freude zu äußern. Mit den Gläubigen des Luremburger Landes, die stets mit treuem Sinne zu ihrem Hirten gehalten, muß ich in jener offenen Kundgebung unserer Glaubens- und StammeSgenoffen einen kräftigen Beistand erkennen wider einen doppelten Feind, der in jenem deutschen Gränzgcbiete, wie in allen deutschen Landen und i» schier allen europäischen Staaten, Religion und VolkSthum gleich Kart anficht. Dieser Feind sind einerseits jene wirklichen oder künftigen StaatSdiener, die nicht zufrieden mit der Pflege der Gerechtigkeit und Sorge für die öffentliche Sicherheit, welche der Staatsmacht obliegen und zustehen, ihr auch die Ueberwachung deS Gottesdienstes, den Unterricht der Jugend, die ausschließliche Uebung der öffentlichen Wohlthätigkeit zuweisen und vorbehalten, obwohl Liese geistigen und sittlichen Bedürfnisse der Gesellschaft nur von einer mit göttlicher Sendung und Befähigung ausgestatteten Macht besorgt und befriedigt werden können; andererseits sind cS jene vorgeblichen Volksfreunde, die zwar für sich alle Willkür zum Bösen und Schlechten uiuer dem Namen der Freiheit gebieterisch fordern, unS aber die einzig wahre Freiheit, die zum Guten, die des christlichen Glaubens und Lebens, hartnäckig verweigern, obwohl diese Freiheit sich zu allem VolkSwohle keineswegs hinderlich, vielmehr nur förderlich ja durchaus erforderlich beweiset. Freilich sind jene Staalsbiencr und diese Volköfreunde in vielen Meinungen und Bestrebungen weit von einander entfernt, ja einander gerade entgegengesetzt: allein beide nur von irdischen Gesinnungen ausgehend und nur zeitliche Zwecke verfolgend, sind sie wider die Kirche Gottes und deren Ordnung und Wirksamkeit immer einverstanden und zusammenhaltend, und sowohl die schrankenloseste Ausgelassenheit wie die eingeschränkteste Gebundenheit im bürgerlichen Leben wollen für die Kirche nur Druck und Schmach, oder gar Tod und Verderben. Wären wir in Deutschland nicht auch schon w früh zu dieser schmerzlichen Erfahrung gelangt, sie hätte sich uns in diesen Wochen aufdrängen müssen von dem Mutterlande der Kirche her, wo der allgemeine Vater der Christenheit aus seinem Gottgcgründeten Sitze hinausgedrängt worden von seinen ehr- und treulosen Unterthanen, die für die ungezügelteste Freiheit und hoffähigste Volksthümlichkeit schwärmen, wie Er vor vierzig Jahren von dem übermüthigen und undankbaren Inhaber der schrankenlosesten Gewalt von eben diesem seinem Sitze weggeschleppt ward. Gott wird die frechen Empörer schlagen, wie er den stolzen Eroberer geschlagen hat. Wir Kinder der Kirche aber vermögen dem geschlossenen Reiche des Bösen, dem die Kinder dieser Welt angehören, nur in geschlossener Einigung zu widerstehen, und daS Jahr, wo die deutschen Katholiken, von den sich aufdrängenden Befreiern eben so schmählich verrathen, wie von den Dienern der zurückgedrängten Herren mißhandelt, die Nothwendigkeit einsahen, wie Ein Mann sich zu erheben und zusammen zu stehen, um ihr gutes Recht und heiliges Gut wider Willkür und Gewaltthat zu schützen, dieß Jahr wird hoffentlich der Anfang einer bessern Zeit und der wahren Freiheit für unS alle seyn. Doch nicht für uns allein, sondern auch für die Anderen. Die Völker ringen nach Freiheit, und Deutschland strebt nach Einheit; aber nur daS Heil kann befreien und nur die Wahrheit kann einigen, und Wahrheit und Heil sind nur da, wo Gott sie den Menschen hinterlegt hat, im Schooße Seiner Kirche. Ohne allgemeine Rückkehr zu dieser Kirche, ohne allgemeine Anerkennung ihrer Wahrheit und Annahme ihres Heiles, ist weder in Deutschland noch sonst wo in der Welt Freiheit und Wohlfahrt, ist weder unter den deutschen Stämmen, noch unter den Völkern deS Erdkreises Einheit und Friede möglich. Die Erkenntniß dieser Wahrheit und den Gebrauch dieses Heiles zu verbreiten und herzustellen, so weit sein Wirkungskreis reicht, daö ist die Aufgabe des katholischen NcreinS, der sich in diesem Jahre in unserm zerrissenen Vaterlande gebildet hat. Der, welcher den Sinn und Muth zu solchem Unternehmen verliehen, wird demselben auch seinen mächtigsten Schutz und Segen nicht versagen. Ist Er doch am heutigen Tage gekommen „aus der Höhe und hat uns heimgesucht, um zu erleuchten, die in Finsterniß und im Schatten deS Todes saßen, und zu leiten unsere Füße auf den Weg deS FriedenS." DaS ist mein Wunsch und mein Gebet, die ich nicht nachlassen will dem Herrn darzubringen, während ich Euer Hochwürden bitte, für Sie und die sämmtlichen verehrten Abgeordneten der katholischen Vereine Deutschlands und alle deren Mitglieder den Ausdruck meiner tiefen Hochachtung und warmen Ergebenheir zu empfangen. Aachen, Weihnachten 1848. 7 Johannes Theodor Laurcnt , Bischof». Chersoncs, Ap. Vic. v. Lur. An Seine Hochwürden Herrn Donieapitular Lennig, d. Z. Vorsitzender deS PiuS-VereinS zu Mainz, ersten Vororts der katholischen Vereine Deutschlands. Das Klerikalsenrinar in Strastbnrg. Unser Seminar ist an daS hohe Münster angebaut und bildet mit dem daranstoßendcn Lyceum ein ganzes Ouadrat von ungefähr 200 Fuß. DaS Seminar allein besteht auS einem Viereck, dessen eine Seite jedoch von einem mit einem Dach versehenen Holzlager eingeschlossen ist. Das Gebäude hat fünf Stockwerke. Im untern Stock ist die CapeUe, der Speisesaal, die Küche uiid die Hörsäle, welche alle mit Sandsteinen geplättet sind. Im zweiten Stock (ontresol) wohnen die Köche und deren Gehilfen. Daselbst sind auch einige Fremdenzimmer, so wie noch einige andere Zimmer, welche leer stehen. Im dritten Stock wohnen der Superior, einige -Professoren und wir 130 Seminaristen, die wir zur Winterszeit in zwei Studirsälen arbeiten. Den Sommer hindurch studirt Jeder auf seinem Zimmer. Im vierten Stock wohnen der Director,- zwei Professoren und 1 Seminaristen; im fünften Stock zwei Professoren und Seminaristen. Auch unter dem Dachstuhl wohnen Seminaristen. AuS dem ersten CurS haben j immer je zwei Seminaristen ein Zimmer, von dem zweiten, dritten und ! vierten CurS hat Jedweder ein Zimmer allein. Jeder Seminarist besorgt > sich sein Zimmer selbst und reinigt auch selber sein Schuhwerk. Wie man sich selber bedient, so hat man es. Unsere Capelle ist einfach, aber recht schön; Speisesaal und Studirsäle sind geräumig und angenehm. Die bau- ^ liche Einrichtung läßt kaum etwas zu wünschen übrig. Was die Lebens- und Hausordnung betrifft, so gibt jeden Morgen um fünf Uhr ein Seminarist mit der Glocke das Zeichen zum Aufstehen. Sogleich zündet dann einer der Hausbedienten auf den verschiedenen Zimmern die Lichter an und weckt Solche, die etwa den Ruf der Glocke überhört haben sollten. Um halb sechs Uhr schallt es zur Versammlung im Studirsaale, wo gemeinsames Morgengebet stattfindet. Dieses wird abwechselnd von einem Seminaristen gehalten. Nach dem Gebet, nämlich um Uhr hält der Director eine Homilie. Um 6 Uhr wohnen wir in der Capelle der heiligen Messe bei, welche der Superior liest. Nach der heiligen Messe ist Studium bis halb 8 Uhr. Hierauf gehl eS zum Frühstück, welches in einer Suppe besteht. Gleich nachher besorgt Jeder sein Zimmer. Von 8 bis 10 Uhr ist Dogmatik; von 10 bis 11^ Uhr Privakstudium. Um 11^/) Uhr ist Besuch des allcrheiligsten AltarS- saeramcntö, und um 12 Uhr Mittagessen. Während dem Mittagessen muß ein Seminarist predigen; nur zwei Mal wöchentlich wird vorgelesen. Dieses öftere Predigen macht es möglich, daß alle Seminaristen daran kommen; sonst wäre diese wichtige Uebung nicht genugsam bedacht. Bei Tische bedienen acht Seminansten, welche aus der Küche die Speisen holen, die übrigen. Nach Tische ist Freizeit bis halb 2 Uhr. Um halb 2 Uhr hat der erste Curs Choralgesang und die Uebrigcn Ceremoniendienst. Dieß dauert bis 2 Uhr. Um 2 Uhr wird die beim Mittagessen gehaltene Predigt kritisirt, welche Kritik sehr scharf und genau ist. Von halb 3 bis 4 Uhr sind je nach den Tagen verschiedene Vorlesungen. Von 4 bis 4'/z Uhr ist frei. Von halb 5 bis 6^ Uhr ist Privatstudium. Um vor 7 Uhr findet wieder Besuch deS allerheiligsten AltarssacrameutS statt. Um 7 Uhr ist Nachtessen, während welchem ein Seminarist die Lebensgeschichte des Heiligen vorn folgenden Tage von der Kanzel herab vorlieSl. Nach dem Nachtessen ist frei bis halb 9 Uhr, worauf das Nachtgcbet im Studir- saal gehalten wird. Hierbei werden auch die Puncte der am folgenden Tage zu haltenden Homilie angegeben. Um 9 Uhr geht Alles zu Bette. Dienstag und Donnerstag sind, es mag schönes oder schlechtes Wetter seyn, Spaziergänge von 2 bis 4 Uhr. Donnerstag Abends ist Aussetzung deS allerheiligsten AltarssacrameutS mit Segen, wobei die Litanei vorn allcrheiligsten Sakramente gesungen wird. Freitag Abends um halb 7 Uhr wird der Rosenkranz gebetet. Bei allen Andachtsübungen, bei allen gemeinschaftlichen Handlungen steht der Director an der Spitze; die Altardicnste und Tischgebete verrichtet ausschließlich der Superior. Vorstände und Professoren sind im Ganzen acht Personen, nämlich der Director und der Superior und sechs Professoren. Alle sind, sowohl in religiöser wie in wissenschaftlicher Hinsicht, ausgezeichnete Männer. Was sie lehren, das leben sie und was sie leben, das lehren sie. Der Hauptgrundsatz deS ganzen Seminars, der sich wie ein Goldfaden durch das ganze innere Leben zieht, ist die Nächstenliebe, durch welche die größte Ordnung, die herzlichste Freundlichkeit, kindliche Offenheit und männlicher Biedersinn herrscht. Ueberhaupt ist das ganze Leben völlig ungezwungen; man gehorsame! nicht aus Zwang deS Gesetzes, sondern auS Liebe.*) Seit meinem Hierseyn habe ich noch nicht daS mindeste Verletzende von Seiten der Vorstände gesehen oder gehört. Der Superior, Namens Specht ist einer der größten Dogmatiker Frankreichs; der Director, Namens Möchler, ist ein Herzguter Mann und von wahrhaft christlichem Geiste beseelt. Um eS kurz zu sagen: cS sind apostolische Männer, die gleichmäßig durch ihr Wort wie durch ihren Wandel daS Evangelium predigen. Die Seminaristen sind sehr religiös und gemüthlich. Sie sind nicht so, wie man die französischen Kleriker in Deutschland oft schildern hört, wo man von Manchen, die freilich weder Personen noch Zustände recht kennen, nicht selten das Urtheil vernehmen kann, als sey der französische KleruS nur äußerlich glatt und kirchlich streng, dabei aber kalt und gemüthloS. Diejenigen, welche den französischen Klerus so beurtheilen, schreiben dann dem deutschen KleruS gewöhnlich eine etwas zu hoch gegriffene Gemüthlichkeit zu, eine Gemüthlichkeit, welche jenes französische strenge Diesen Satz mögen sich besonders die Feinde unserer heiligen Kirche merken, welche immer von hierarchischer Tyrannei, von Gewissenszwang nnd blinder Psaffenknechtschaft schwadroniren. Wer den Geist erfaßt, dem sind diese Formen nicht nur keine Last, sondern eine wahre Erleichterung und gereichen zur Freurc. (Anmerkung des Einsenders.) - - - 55 Formenwesen entbehrlich mache und unter dem Volke gedeihlicher wirke. Aber daS sind doch wahrlich nicht bloß leere Formen, sondern eS ist ein herrlicher Geist darin verborgen; eben so ist unsere deutsche Gemüthlichkeit, welche sich nur gar zu leicht von gewissen strengen aber doch sehr heilsamen klerikalischen Formen diSpensirt, wähnend: es seyen das unwesentliche Außendinge, nicht immer eben die rechte. Das katholische Volk aller Länder, so fern es kirchlich gut gesinnt ist und die hohe Würde des Priestersrandes richtig schätzt, stellt allerdings an seine Priester hohe Forderungen und sieht es lieber, wenn der Geistliche mehr ein stilles und gegen sich selbst strenges Leben führt, als wenn er unter einer sogenannten Gemüthlichkeit halb verweltlicht. Also unsere Seminaristen, ,agte ich, sind wirklich recht gemüthlich. Streitsucht, Händel, Feindschaft, Parletzänke- reicn, politische Kannegießereien und hämische Sticheleien kennt man hier gar nicht. Daö macht das ganz Seminar zu einer FriedenSstätte, wo man gerne weilt. Die Moral wird hier gelebt. Alle acht Tage geht man zur heiligen Communion; viele empfangen die heilige Cvmmumon auch Donnerstags, Sanistags und Sonntags. An Sonn- und Feiertagen gehen wir inS Münster, wo wir im Chor das Amt singen und zwar in der sclnd von dem Domcapitel gehalten lieh zwei tragen Rauchfaß und Schiffchen, zwei tragen Kerzen, zwei sind Diacon und Subtiacon, und einer trägt daö Kreuz und einer steht am bischöflichen Stuhl. Vor dem Amte ist deutsche Predigt, gehalten von dem berühmten Muehc, welcher oft ganz erstalisch begeistert auf der Kanzel wird und wundersam predigt. Ich habe noch nie einen solchen Redner gehört. Dabei besitzt er eine liefe Demuth. Cr wurde schon zum Bischof gewählt, allein er nahm eS nicht an und behielt immer die Caplan- stelle am Münster. Er schlägt jede andere Stelle aus, sein Hab und Gut verschenkt er den Armen und lebt ganz einfach und arm. Seine Thaten sind rührend und hinreißend, recht würdig eines Dieners Christi. Dieser Mann ist schon alt, lehrt im Seminar Pastoral und ist auch Beichtvater daselbst. Die Geistlichkeit arbeitet hier überhaupt sehr fleißig, waS natürlich auf die künftigen Seelsorger auch nur einen sehr heilsamen Einfluß üben kann. (Katholik.) _ Gesetz aus. Hierüber entwickelte sich der Streit; das Ministerium hatte die äußerste Linke gegen sich und fand seine Stütze in der Vereinigung aller Gemäßigten, katholischer wie liberaler Farbe. ES siegte mit 77 Stimmen gegen 17; und als darauf über die JnspectionSkosten abgestimmt wurde, verwarfen 55 Stimmen gegen 25 den Antrag der Centralscction. Zum Schlüsse muß ich noch sagen, baß, nach dem Zeugnisse aller weltlichen Schulinspectvren, seit dem Jahre 1842, wo das Gesetz über die Elementarschulen eingeführt wurde, die geistlichen Jnspectoren nie zu irgend einer gegründeten Beschwerde Anlaß gegeben, während im Gegentheile ihre Mitwirkung überall zum Gedeihen der Schulen wesentlich beiträgt." Schweiz« Aus der östlichen Schweiz. Seit einigen Wochen wird i» den ihor, angethan mit unsern Chorhemden, ^ aufgehobenen Kostern des ThnrgauS öff iitliche Steigerung abge- Kirchensprache. Beiur Amt, das abwech- Hauö- und Küchengerälhe, Kupferstiche und Gemälde werden cnr n wird, dienen acht Seminaristen; näm- Meistbietenden losgeschlagen; auch sechs kleinere und größere Kirchen-- Orgeln erwarten ihre Liebhaber, nachdem bereits 1,0 Centner Kirchensilber verpackt worden sind. Die umwohnende Bevölkerung benimmt sich dabei auf sehr verschiedene Weise; die Katholiken sehen mit Ergebung zu, wie die erlegten Klöster ausgeweidet werden; was nützte sie protestiren und klagen? sie sind nun einmal der schwächere Theil. Auch Reformirte sehen mit Widerwillen auf Entheiligung der ehemaligen Gotteshäuser und schütteln nachdenklich den Kopf, während eS nebenher nicht an Leuten fehlt die in den öden Gängen und Zellen stöbern und ihre Brutalität an Thüren und Schlössern auslassen. Der Aargau hat mit seiner Klosteraufhebung nichts gewonnen, der Kanton kommt im Gegentheile mehr und mehr zurück. Nicht besser wird eS dem Thurgau ergehen; bis alle Verbindlichkeiten, welche die Klöster den umliegenden Gemeinden schuldig sind, ich will nur Pfarrpfründen anführen, erfüllt sind, bis der PensionSsondS für die Mitglieder der aufgehobenen Stifte, und die 200,000 Fl., welche den Katholiken zugesichert wurden, ausgeschieden sind, bleibt wenig mehr übrig, als bei einigen Stiften die Gebäude allein, bei den andern zu den Gebäuden noch ein schönes Aeral von Aeckern uud Wiesen. Und nur diese letzteren sind verkäuflich; denn wer möchte alte Gebäude kaufen mit Kreuzgängen und Zellen, aller Geräthe entblößt, seit ungefähr 10 Jahren in allen Theilen vernachlässigt? die anderen, mit denen sich ein größerer Güter- Complcv mit in Kauf geben läßt (eS sind aber nur drei), möchten vielleicht eher einen Liebhaber finden, wiewohl sich bei näherer Betrachtung Manches zeigen wird, waS einen reichen Mann, z. B. einen deutsche» Herrn von Adel, abschrecken kann. Mit einem derartigen Verkaufe sind aber die nächsten Dörfer nichts weniger als zufrieden; sie haben erwartet, daß die Klostergüter Jauchert für Jauchert und Stück für Stück verkauft würden, wobei jeder Bauer im Stillen schon ausgemacht hatte, welches Stück cr ankaufen werde, und auch schon mit den andern Liebhabern abkartete, wie man sich nicht unnütz steigern müsse, damit jeder um einen billigen Preis zu etwas komme. Nun sollen diese Hoffnungen zu Wasser werbe», und dem die Sache wieder gut gemacht worden durch die Versicherung des fallen alle arme Familien, die früher von den Stiften erhalten und Ministers im Senate, daß die Regierung, wenn der Cardinal als solcher! unterstützt wurden, den Gemeinden zur Last. Außerdem ist aber die allge- außergewöbnliche Ausgaben, z. B. eine Reise nach Rom, zu bestreiten '"eine Erwartung bitter getäuscht; seit Jahren rechnete man dem Volke vor, hätte, nickt ermangeln würde, eine besondere Summe hiefür zu beantragen.! für wie viele Millionen Klostergut, todtes Gut, vorhanden sey, wie durch Entschiedener trat der Parteigeist in der Frage von den Kosten der gelst-idie Säkularisation desselben das ganze Land beglückt werden könnte, und lichen Jnspection der Elementarschulen hervor. DaS Gesetzt stehe da, der große Wurf ist gelungen^, und das Volk gewinnt im Allge- nämlich über diesen Gegenstand ordnet weltliche und geistliche Jnspectoren' meinen nichts, die Steuern sind nicht gemindert, sondern erhöht, und die an, die periodisch die Schulen zu besichtigen und darüber zu berichten haben, ^^st^st^bäude werden Passivcapitalicn, die Steuern, welche die Klöster so Belgien. Brüssel, 23. Febr. Ein Korrespondent der A. Z. berichtet über die belgischen Kammerverhandlungen unter Andern«: „Auch die Frage von den Ersparnissen nahm während der Debatten über Las Budget des Innern eine Parteifarbe an, worauf schon die bedeutende Herabsetzung des Gehalts des CardinalserzbischofS hindeutete. Als vor einigen Jahren die Rede davon war, den Erzbischof von Mecheln zum Cardinal zu erheben, ging Rom auf diesen Vorschlag nur unter der Bedingung ein, daß dem neuen Kircheusürsten ein anständiges Auskommen gesichert werke. So wurde denn sein Gehalt auf 30,000 Franken festgesetzt. Indem man diesen nun auf 21,000 Franken herabgesetzt, hat man urr Grunde einen Eingriff in die frühere Vereinbarung mit Rom gethan; auch brachte der päpstliche Nuntius seine Einwendungen dagegen an geeigneter Stelle vor. Halb ist seit jedoch so, daß die Entscheidung immer bei der Regierung bleibt. Die Kosten der geistlichen Jnspectoren wurden bisher eben so gut vom Staate getragen wie die der weltlichen; die Centralsection hatte nun aber dießmal vorgeschlagen, diese Kosten vom Budget zu streichen. Es sollte dieses der erste Schritt zur Entfernung der geistlichen Jnspection seyn, die einer gewissen Partei, welche die Volksschule ganz der Religion entfremden möchte, schon lange ein Dorn im Auge ist. Ehe man hierüber zur Abstimmung kam, trug ein Glied dieser Partei darauf an, die Kammer möge vom Ministerium begehren, daß sehr bald eine Revision der organischen Gesetze über die höheren und die Elementarschulen vorgenommen und schleunigst ein Gesetz über die mittleren Schulen vorgelegt werbe. Was die höheren und mittleren Schulen betraf, ,o erklärte der Minister des In- Deutschland, nern, es sey schon Alles vorbereitet; in Beziehung auf die Elementarschulen Wien, im März. Die Memoranden der Bischöfe, Petitionen der aber hielt cr eine Revision deS Gesetzes in diesem Augenblicke nicht für Priester, Bitten der Gläubigen, Vorstellungen der Minister und das Rechts- nvlhwendig, ja nicht für rathsam, um dem Parteigeist keine neue Nahrung und VilligkeitSgefühI des edlen Monarchen in Oesterreich haben die Kirche zu geben, und sprach sich dabei auch im Allgemeinen für das bestehende, frei gemacht. Der 6. März 1849 ist für sie ein Tag der Erlösung gewor- reichlich unter verschiedenen Titeln und bei verschiedenen Anlässen entrichten mußten, haben ein Ende, und nun reibt sich das reformirte Volk die Augen aus und fängt an zu bedenken daß eS den Baum gefällt habe, um die Früchte zu ernten. Eine schlimmere Folge zeigt sich bereits; daS Volk betrachtet die verkauften Klosterwälter nicht als rechtliches Eigenthum und kapert in denselben; welchen Anspruch auf Unverletzlichkeit soll auch daS Eigenthum im Allgemeinen haben, wenn daS Corporations Eigenthum keine Sicherheit fand, trotz aller Bundes- und LandeSgesetze, trotz feierlicher Verträge, trotz seiner wohlthätigen Wirksamkeit? (Rh. V. H.) den von schweren und schimpflichen Banden. Sie wird nun ungchinten auSschreiten und unter und nach ihrer eigenen Reform an die Reform der socialen Zustände und an die Erfüllung ihrer hohen Misston gehen, und, wie dereinst am Abschluß der Heidcnzeil, ein neues Leben in die gealterte Welt bringen, den frischen und erfrischenden Glauben. Die herrlichsten Vorbereitungen werden bereits in verschiedenen H)ivcesen getrost fen. Ein Provincial-Concilium zu Salzburg, Diöcesan-Synoden in Salzburg, Olmütz und Brunn, eben so Pastoral- und Capitel-Konferenzen werden an vielen Orten angebahnt. Sehr rege und thätig arbeiten die Katholiken-Vereine und die von ihnen herausgegebenen Blätter zur Hebung der kirchlichen Gesinnung und Befestigung und Stärkung im katholischen Glauben. Nicht minder wirken zahlreiche Frauen-Vereine zur Linderung der materiellen Noth und zur Erziehung und Pflege verwahrloster Kinder und Armer. Es hat eine hohe Begeisterung Klerus und Volk überall ergriffen, wo die Bischöfe apostolischen Muth gezeigt und wo sie der Neuzeit Rechnung getragen haben. — Aber, ach! in Wien komnir man nicht dazu. Die Frechen der Kirche liegt wie ein unbehobener Schatz da, von dem bisher Niemand einen Nutzen hat. Der Kaiser hat sie freudig gegeben, und nur von den Bischöfen hängt cS ab, wie viel sie dcubvn wollen ,'n Anspruch nehmen. Wird nun aber auch in Wien ein Gebrauch davon gemacht werden? Wird und wie viel wiro man in Anspruch nehmen zum Besten der Kirche? Wo man ausgesprochen, man wolle beim Alten bleiben, wo man sagt, daß die Synoden gar nicht an der Zeit sind, wo mail die Zusammentretung der Würzburger Bischöfe eine Un. klughcit nennt, wo man die Staatskirche bis auf den letzten Augenblick zu loben und zu laben beflissen war, wo man über ihr Verenden trauert, wo man die Freiheit der Kirche als den furchtbarsten Schlag ins Angesicht betrachtet, wo man allen Jenen, bist. auch nur ein einziges Wort dafür fallen ließen, todtgram ist, wo man'der Hoffnung lebr, es werde noch eine Zeit kommen, in welcher man sich an den Slaatskirche-Majestäts- verbrechern rächen können wird, wozu man bereits die Proscriptionölisten verfaßt: da wird man von der Freiheit der Kirche gerade so viel in Anspruch nehmen und Gebrauch machen, als der unvernünftige Kranke von der bittern Arznei und der käfiggeborne Hauövogel von, offenen Fenster. (N S.) 4k AuS Oberösterreich, im März. Es gehörte bis auf die letzte Zeit zum guten Ton, über die armen Serben zu schmähen, und über die Croaten-Horden loSzuschimpfeff. Und warum? Haupisächlich darum, weil sie dem Kaiser die geschworene'Treue hielten, und Oesterreich bis auf den letzten Blutstropfen'vertheidigen wollten. Darum wurde an den Serben und Croaten kein gims Haar gelassen. Möge aber folgender Zug beweise», welch' ein Geist selbst mitten im Kampfe jene so gelästerten Männer beseelte. Möge man daraus beurtheilen, wo wahre Humanität und Civilisation zu finden sey, ob unter den Schaaren der Rvthmänller der Frei- hcitS- und Gleichheitswuth, oder unter den Kämpfern für Ehre, Religion, Gesetz, Ordnung, Fürst und Vaterland? An der Matzleinsdolfcr-Linie in Wien marschirten die Croaten in den Octobertagen herein, stiegen über die von der Mobil-Garde bereits verlassenen Barricaden hinweg, und rückten vorwärts. Die Garde hatte sich church die Nebengassen zerstreut. Nur ein Gardist wollte den Platz nicht verlassen. Da standen die tapfern Croaten dicht vor ihm. Erschrocken warf er daS Gewehr fort, fiel auf die Knie nieder und flehte um sein Leben. Heraus anS den Reihen trat ein junger Croaten-Officier und rief ihm mit barscher Stimme zu: „Unglücklicher! Wie können sie sich bewaffnet den k. k. Truppen nahen? Kennen sie die Gesetze nicht?" Der Gardist flehte aber fortan um Gnade, da er ein Weib mir acht Kindern habe. Der Offieier erwiderte: „Wenn Sie wahr gesprochen, will ich Ihnen das Leben lassen." Er folgte nun dem Gardisten in Begleitung mehrerer Croaten in dessen Wohnung, wo er seine große Familie in der traurigsten Lage fand. Nachdem der Offieier eine Zeit lang das Elend betrachtet, wendete er sich zu dem schuldbewußten Manne mit flammendem Blicke, und richtete an ihn folgende Worte: „Herr, Sie müssen von Sinnen gewesen seyn, als Sie sich als Familienvater den Rebellen verdingten, und was für ein Teufel blieö Ihnen die Idee ein, sich als Einzelner jetzt noch zur Wehre setzen zu wollen? Ich habe aber mein Wort gegeben, und werte es auch halten. Ihnen schenke ich das Leben nicht, aber dem Weibe und diesen acht Kindern schenke ich Ihr Leben!" Mit diesen Worten verließ der edle Krieger, ohne einen Dank abzuwarten, die Wohnung des vor Freude zitternden Gardisten. Man frage, ob wähl die Magyaren, die nur Freiheit, Humanität, Civilisation im Munde führen, und die Herren Radikalen aller Nationen, welche ihnen sie nachbrüllcn, unter so kritischen Umständen so gehandelt hätten, wie jener edle Croaten-Führer? Es thut Noth, solche Züge bekannt zu geben, damit, wer noch sehen kann, sehe, was hinter dem FreiheitSgeschreie stecke, welches der Mißbrauch der edlen Freiheit immerfort noch erhebt, und man Wahrheit von der schändlichen Heuchelei unterscheiden könne. (Keuh. Bl. a. T.) * Sk * AuS der Olmützer Erzdiöcese. Zu Troppau in Schlesien befindet sich bereits seil dem Jahre 1835 ein greiser erilirter Oberhirt, welcher den Muth halle, einige Jahre zuvor dem russischen Czar öffentlich zu erklären, daß ohne Aulvrisation deS heiligen Vaters in Rom in katholischen Disciplinar. Angelegenheiten, besonders in Betreff gemischter Eben, nichts geändert werden Dürfe, und ferner, daß es am ersprießlichsten wäre, im Königreiche Polen die katholischen Schulen den Jesuiten anzuvertrauen. Dadurch gerielh der Oberhirl in allerhöchst absolute Ungnade und wurde Dann bei gesuchter Veranlassung des Landes verwiesen. ES ist der hoch- würdigste Herr Bischof von Krakau, Karl Boromäus v. Skorkowsky. Zwar ist derselbe, nachdem Krakau österreichisch geworden, von weltlichen Stellen gefragt worden, ob er zu seinem bischöflichen Sitze zurückzukehren wünsche? Der hohe Greis soll jedoch entgegnen haben, er wolle mir in dem Falle dahin zurück sich begeben, wenn der heilige Vater in Rom dieß ihm auftragen werde. Er lebr ganz zurückgezogen, ein Muster der Frömmigkeit und Andacht. DaS Landvolk kommt häufig in die Stadt, um in der Minoritenkirche der heil. Messe beizuwohnen, welche der gvttinnige Bischof, wie ein Heiliger, überaus andächtig feierst. (A. K.) Türkei. In Konstantinopeh ist ein in französischer Sprache geschriebener Almanach, eine Statistik, erschienen, worin über die Bevölkerung deS türkische» Reiches, über die verschiedenen Nationen und das religiöse Bekenntniß derselben u. s. w. sehr genaue und wichtige Nachrichten enthalten sind. Nach Angabe des wohlunterrichteten Verfassers steigt die Seelenzahl in Konftantinopcl, mit Einschluß seiner Vorstädte, auf 797,000. Darunter befinden sich 52,000 Sklaven, nämlich 5000 deS männlichen und 47,000 deS weiblichen Geschlechtes; 205,000 nicht unirle und 17,000 unirte Armenier, 137,000 Griechen, 24,000 Juden und 14,000 Franken, unter weichem Namen alle Fremden, Franzosen, Oesterreicher, Russen, Dänen, Preußen, Holländer, Amerikaner n. s. w. begriffen werden. Nach Abzug der Sklaven berechnet sich die muselinännische Bevölkerung auf 348,000 Seelen, indeß daö Militär (unter ihm 68,000 Muselmänner) und die auswärtigen Handwerker und Arbeiter zusammen 123,000 zählen. WaS die der katholischen Kirche im Umfange des türkischen Reiches angehörenden Mitglieder betrifft, so stehen dieselben unter sechs Patriarchen und neun und fünfzig Erzbischöfen und Bischöfen, welche sich nach den verschiedenen Voiköftämmen in folgender Weise vertheilen: Lateiner: ein Patriarch zu Jerusalem und siebzehn Erzbischöfe und Bischöfe; unirte Armenier: ein Patriarch auf dem Berge Libanon und eilf Erzbischöfe und Bischöfe; Marvniten: ein Patriarch auf dem Berge Libanon und sieben Erz- bischöfe und Bischöfe; Chaldäer: ein Patriarch zu Moffnl und sieben Erzbischöfe und Bischöfe; unirte Griechen oder Melkiten: ein Patriarch zu DamaSkuS und neun Erzbischöfe und Bischöfe; unilte Syrier: ein Patriarch zu Aleppo und achr Erzbischöfe und Bischöfe. Die schismaiisch-griechische Kirche dagegen besitzt, die nicht unirten Armenier, die Jakobiten, die Kopten und Nestorianer mileingcrecknct, im Ganzen zweihundert vier und fünfzig Prälaten, darunter neun Patriarchen und zweihundert sechs und dreißig theils Erzbffchöfe, theils Erarchen, theils Bischöfe. Dieser großen Zahl der Kirchenfürsten einspricht übrigens nicht eine gleichmäßige deS christlichen Volkes im Orienr; jene ist nur eine geschichtliche Urkunde über die frühere Ausdehnung der Kirche, indem noch fortwährend auf den Nannn jener Städte, in welchen früher bischöfliche Stühle gegründet waren, die aber durch die Ausbreitung des Muhameda- niSmuS für daS Christenthum verloren gingen, Bischöfe geweiht werden. (Katholik.) -8 Aus Rom. Ein Proletarier wollte die Rolle eines ungeschlachten Republicauers übernehmen, und beabsichtigte dem Marmorstandbilde eines Papstes zur allgemeinen Belustigung die rothe Mütze auszusetzen. Unter dem Hohngeschrei und Beifallsrufen deS Pöbels kletterte er die colossale Statue hinan, erfaßte die Marmorhand, diese aber brach los — und er stürzte herab auf die Stufen und brach sich beide Füße. DaS machte den lärmenden Pöbel auf einen Augenblick nachdenkend, er verstummte und schlich sich davon. (Oest. Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. Preis I» Augsburg für stch allein (ohne A. Postzeitung) jährlich Ist. I»kr. Dur» dir Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht stch der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags- Beiblatt Augsburger Postzeitung. Für stch allein, ohn« die Augsburger Post« zeitung, find diese Blätter nur im Wege de» Buchhandel« zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur L fl. SOkr oder I Uhlr. Neunter Jahrgang. ^ 1S 14^ April L84S. Das schwarze MuttergotteSbilb. Legende von G. Vies. ") ^ M Erstarrt am MeereSufcr hingestreckt, Geschloffen seiner Augen ^üde Lieder, Vom azurblauen Himmel überdeckt, Ruht Ritter Kuno, jung und fromm und bieder. An seiner Seit' liegt Lanze, Schwert und Schild, Und auf der Brust — das Muttergottesbild. Am heil'gcn Grabe hatte er gelobt, Im Lande Ham'ö die Heiden zu bekehren. Und ob der Sturm wie Windsbraut grimmig tobt, Als er geschifft nach fernen, weiten Meeren, Ob grause Nacht den Horizont verhüllt. Er blickt voll Muth zum Muttergottesbild, Und immer wächst die riesige Gefahr, Schon hat der Blitz des Schiffes Mast getroffen, Dem grauen Bootsmann sträubet sich das Haar, Ihn füllt ein selig, unnennbares Hoffen. Beim Webgeschrei, das durch den Schiffsraum schrillt, Küßt gläubig er sein Muttergottesbild. Ein Ruck, ein Stoß, der nächste Augenblick Sieht rettungslos das morsche Schiff zerschellen, Die Mannschaft fluchend laut dem Mißgeschick, Fand ihren Tod in sturmgepeitschten Wellen. Nur Ritter Kuno sanft an'S Land gespült, Hält fest umrankt sein Muttergottcsbild. So liegt er lang. Und Träume wunderbar Erfüllen ihn mit nie geahnter Wonne; Von ihrem Thron' wie Sonnenlicht so klar, Senkt sich herab die himmlische Madonne; Ihr hold Gesicht so lieblich, sanft und mild. Glich Zug für Zug dem Muttcrgottesbild. Ein Flöten zart, wie der Cherubim Sang, Durchwogt die Lust in nie gehörten Weisen, Darunter Stimmen, die mit Zauberklang Die Hochgebenedeite heilig preisen; Und Kuno sieht von Ahnung tief erfüllt, Die Hehre nah'n dem Muttergottcsbild. Sie neigt ihr frommes, liebes Angesicht Auf das Gebild holdselig lächelnd nieder, Indeß sie sanft zum frommen Pilger spricht: „Du Gottgeweihter! Auf! Erwache wieder! Verfolge kühn was gläubig du gewillt. Dich schütz' und schirm' dein Muttergottcsbild. *1 Den Freunden katholischer Poesie können wir die angenehme Mittheilung machen, daß von Hrn. Vies, dessen Talent und Gesinnung Treffliches erwarten lassen, demnächst eine Sammlung von Poesien erscheinen wird, welche sich auf dem kirchlichen, politischen und socialen (lyrischen) Gebiete bewegen. D. R. Doch, daß der ChristuSglaubc Wurzel schlag', Im Herzen der Bewohner dieser Zone, Daß dir die Lehre leichter werden mag Von Gott dem Vater, heil'gcn Geist und Sohne, Daß jede Brust in Nächstenliebe schwillt: Nimm dieß geweihte Muttcrgottesbild." Sie reicht ihm dar, was liebreich sie verhieß, Und schwebt empor In jene cw'gcn Räume, Aus welchen sie herab zur Erd' sich ließ, Um zu beglücke» ihres Ritters Träume. Und ncugestärkt, belebt, fast stürmisch wild, Sucht Kuno »ach dem Muttcrgottesbild. Das lächelte, wie nie ein Auge sah, Dem Staunenden mit HimmclSruh entgegen, Das schwarze Haar umfloß die Gloria, Im schwarzen Antlitz thronte Fried und Segen, Die Lippe roth, von Liebreiz überfüllt, So lag vor ihm das Muttcrgottesbild. Und wunderbar! Wohin der Fnß ihn trägt^ Begrüßt mit freud'gcr gottergebner Miene Ihn alles Volk, das gläubig fromm bewegt Von ihm erfleht der Taufe heil'ge Sühne; Das Aug' voll Glut, dem Nachgicr sonst entquillt, Blickt kindlich auf zum MuttcrgotteSbil^ Verehrt, geliebt, wie nie ein weiser Mann, Kehrt Kuno heim vom fernen Mohrenlande, Und eingedenk, was die für ihn gethan, Die ihn beschirmt, sich nimmer von ihm wandte: Erbaute er ein Kirchlein Pracktersüllt, Dort prangt bis heut das schwarz' Liebsrauenbild. Promernoria über die kirchlichen Postulate der Katholiken Bayern-. Die Erwartungen uno gerechten Forderungen der Katholik?» Deutschlands, welche stch auf die durch die merkwürdigen Ereignisse deS JahreS >1848 allen Deutschen in AuSstcht gestellte bürgerliche und religiöse i Freiheit gründen, näher auseinander zu setzen, ist nach der hierüber von jdein dentschen Gcsammtepiskopat in der von Würzburg aus erlassenen > Denkschrift nicht nothwendig, und eS versteht sich von selbst, daß die acht s bayerischen Bischöfe, die jenes Memorandum mitunterzeichnet haben, die > darin ausgesprochenen Grundsätze in Zukunft zur Norm ihres Verfahrens ^ machen werden. Die Anwendung jener Grundsätze aber auf unsere kirchlichen Verhältnisse in Bayern ist eine dringend -gebotene Ergänzung der Denkschrift, die im Nachstehenden möglichst gedrängt versucht wird. Mehr als alle andern Katholiken Deutschlands konnten die katholischen Bayern sich berechtigt glauben, die Freiheit ihrer Kirche zu begehren. Denn während im übrigen Deutschland die kirchlichen Zustände entweder nur durch bloß auf die äußerliche Dotation und Con« *) Aus dem Katholik. struction der Landeskirche bezügliche Verträge mit dem heiligen Stuhl gesichert waren, oder aber, wie i» Oesterreich, als ein merkwürdiges Ge- misch zwischen altkatholischem Besitzstand und einer seit achtzig Jahren ein- gebrungenen kirchenfeindlichen Gesetzgebung erscheinen, besitzt die katholische Kirche BayernS ein förmliches Concordat des Staatsoberhauptes mit dem heiligen Stuhle, welches im Allgemeine» der Kirche alle ihr nach ihrem Wesen und ihrer dermal geltenden Gesetzgebung gebührenden Rechte und Freiheilen sichert, und im Besondern eine Reihe der letzter» namentlich wahrt, Leren Beeinträchtigung in Bayern nach den kirchenstürmerischen Vorgängen der Periode von 1800 — 1817 vorzüglich zu befürchten war. Durch dieses Concordat war also schon vor dreißig Jahren und vor allen Stürmen der Neuzeit den Katholiken Bayerns der vollste Anspruch auf kirchliche Freiheit gegeben, der sonach nicht erst aus revolutionären Schwingungen seine Berechtigung herzuleiten hat. Die Einwendung, daß das Concordat ja doch der Krone wichtige Zugeständnisse namentlich bezüglich deS Patronates hoher und niederer Kirchenpfrünben mache, Welche der neuerwachte Geist kirchlicher Freiheit kaum anerkennen werde, ist ohne Gewicht, indem das PatronatSrecht, wenn eS auf eine mit katholischen Grundsätzen verträgliche Weise geübr wird, das Princip jener Freiheit an und für sich nicht lädirt. Allein die durch daS Concordat gewährleistete Unabhängigkeit der Kirche auf ihrem Gebiete ist den Katholiken BayernS vor dreißig Jahren wie ein gelobtes Land von Ferne gezeigt, sie sind aber nie in'das volle und ungetrübte Besitzlhum ihres ErbeS eingeführt worden. Durch einen, um offen zu reden, einer loyalen Regierung nicht ziemenden und darum ihr selbst schädlichen Staatsstreich, der noch überdieß die Nachahmung uapoleonischer Willkür war, wurde mit der rechten Hand das Concordat dem heiligen Stuhl und den Katholiken zugestanden: die linke aber, die von jener Wohlthat natürlich nichts wissen durfte, gab das-sogenannte ReligionSedict und entwickelte darin im offenbarsten und eingestandenen Widerspruch mit dem Concordat eine Reihe von Staatsprincipien, durch welche allen jenen Bedrückungen der katholischen Kirche, die von 1800 — 1817 so planmäßig und ausgedehnt geübt worden waren, wie nirgends, die Hinterthür geöffnet wurde; daß diese durch daS ReligionSedict gegebene Gelegenheil abgeneigter Bestrebungen gegen die Kirche vielfach nicht benützt, oder daS üble Gesetz bezüglich mancher Dinge ziemlich schonend angewendet wurde, ist lediglich einzelnen, der Kirche wohlwollenden Persönlichkeiten, namentlich König Ludwig I. zu danken. Die Kirche Bayerns hat dieß Unrecht und die Beschränkung der ihr von Gott und Rechtswegen zustehenden Freiheit durch daS ReligionSedict Wiederum nicht erst im Jahre 1818 zu erkennen und fühlen und auf gesetzlichem Wege dagegen reclamiren gelernt. Nein! Seit dem ersten Landtage BayernS, wo mehrere geistliche Deputirte und besonders der hochsclige Erzbischof Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel den Eid auf die Verfassung nur mit ausdrücklicher Wahrung der kirchlichen Rechte ablegen zu können erklärten, bis zu dem Jahre 1847, wo die kirchlichen Rechte auf die verletzendste Weise angegriffen wurden, hat der bayerische Episkopat bei verschiedenen und vielfach sich darbietenden Anlässen theils in Actenftücken, dw nicht zur Kenntniß des PublicumS gekommen sind, theils in schon veröffentlichten Documenten gegen die Uebergriffe deS StaateS bezüglich deS PlacetS, der gemischten Ehen, der Religionsübertritte Minderjähriger, der Verkundung des göttlichen Wortes, der Erziehung und Prüfung deS Klerus, der Angelegenheiten der Klöster, der geistlichen Bruderschaften und Bündnisse, der Administration des KirchengutcS u. s. w. energisch protestirt, und so weit eS in seiner Macht lag, dem geschehenen Unrecht keine Folge gegeben. Eine Sammlung aller dieser Aktenstücke, welche zur Erreichung kirchlicher Freiheit hoffentlich praktisch nicht mehr nothwendig seyn wird, könnte der erstaunten Welt den Beweis liefern, wie in Bayern, in dem seit 1837 im AuSland so berühmten katholischen Bayern katholische Angelegenheiten behandelt wurden, und unter welche lburcaukratische Fesseln auch hier das kirchliche Leben gebannt war. Je gewisser eS nun ist, daß der Anspruch der katholischen Kirche BayernS auf volle Freiheit ihrer Entwickelung schon längst im geschriebenen und verfassungsmäßigen Rechte begründet, und der Kampf um dieselbe ein seit dreißig Jahren fortgesetzter ist, um so bestimmter und zuversichtlicher dürfen und müssen die Katholiken Bayerns in einem Zeitpuncte, wo jedem Staatsbürger und jeder auftauchenden Religionspartei alle nur erdenklichen Freiheiten und Rechte zugestanden werden, für die älteste Corporation, welcher Bayern seine Größe und seinen Wohlstand zu verdanken hat, für die katholische Kirche den ihr gebührenden Antheil reclamiren. Oder sollten die Katholiken BayernS hinter den katholischen Bewohnern des überwiegend protestantischen Preu- dem so eben ein wohlwollender König kirchliche Unabhängigkeit gewährleistet hat? Diese Forderungen der Katholiken lassen sich aber in die Worte zusammenfassen: Freie Entwickelung der katholischen Kirche auf der Basis des mit voller Loyalität und ohne alle wettern Hintergedanken seinem Buchstaben und Geiste nach zu erfüllenden ConcordateS und der von ihm zu Grund gelegten kanonischen Gesetzgebung, und Aufhebung des ReligionSedictS und aller sonstigen, die Freiheit der Kirche beschränkenden Staatsgesetze oder Administrativ-Verordnungen. ES kehrt hier die schon oben berührte Frage wieder, ob denn, nachdem Preußen auch die Patronatsrechte der Kirche zurückgeben will, die katholische Kirche BayernS bei dem der Krone durch das Concordat zugesicherten so ausgedehnten Patronatsrechte sich beruhigen könne. Die Antwort hierauf ist, daß der Episkopat, wie er einen Wortbruch gegen das Concordat von Seiten des StaateS bekämpfen müßte, so dem von der Kirche durch ihr Oberhaupt gegebenen Worte treu bleiben wird, so lange die gegenseitig gesetzten Bedingungen erfüllt werden. Die Entscheidung der Frage, ob kirchliche Rechte (denn dieß und nicht'ein politisches ist das Patronat), die vor dreißig Jahren einem katholischen, mit ausgedehnter souveräner Gewalt ausgerüsteten Monarchen zugestanden worden sind, noch unter dem Namen desselben von einem seiner religiösen Ueberzeugung fremden, in Zukunft möglicher Weise jüdischen Ministerium geübt werden können, steht der Competenz deS Oberhauptes der Kirche zu. So lange nicht durch den heiligen Stuhl auf dem Weg des Vertrages oder durch die allgemeine nationale Gesetzgebung Aenderungen des Rechtsbodens eintreten, wird man katholischer SeitS die Patronatsrechte ehren und anerkennen. Aber darauf wird man bestehen, daß das PatronatSrecht in kirchlichem Sinne geübt, und nicht zu einer Waffe gegen die Kirche umgewandelt, nicht zum Mittel der Schwächung deS unabhängigen kirchlichen Sinnes !m Klerus gebraucht, daß nicht einerseits »»kirchliche Tendenzen belohnt, andererseits Entschiedenheit deS Charakters zurückgesetzt werde. Die Bischöfe können und müssen fordern, daß dieses PatronatSrecht nach ihrem erholten Gutachten geübt und nicht die wichtigsten Stellen mit ihnen völlig unbekannten, manchmal gegen ihren Willen ihnen aufgedrängten Geistlichen besetzt werden; sie können und müssen verlangen, daß ihnen nicht länger ein Einfluß vorenthalten werde, den das protestantische Oberconsistorium seit lange genießt, und daß nicht länger gleichviel ob geistliche oder weltliche Referenten im Ministerium eine Instanz über ihnen bilden. Eine zweite Frage bezüglich deS ConcordateS muß hier zur Vermeidung von Mißverständnissen berührt werden. ES könnte nämlich vermuthet werden, als ob unter der vollen Ausführung desselben vor Allem die Dotation der Kirche in Grund und Boden oder auf sonstige stabile Art beabsichtigt werde. So wünschenSwerth dieß auch von dem Standpuncte kirchlicher Freiheit aus scheinen mag, so wird doch jeder Katholik diesen materiellen Anspruch dem hohem geistigen einstweilen unterordnen, und den AuStrag dieser Sache um so vertrauensvoller dem heiligen Stuhle überlassen, als die Schwierigkeiten für den Staat, nach ältern und neuesten Veräußerungen seines Grundbesitzes und seiner Grundrechte, noch solche Dotationen herzustellen, unverkennbar sind. Welches ist also, nach Beseitigung dieser Vorfragen, die Freiheit, welche auf Grund deS ConcordateS gefordert wird? Sie ist keine andere, als daß die bestehende Kirchengesetzgebung und daS volle kirchliche Leben in Bayern ungehindert geübt und entfaltet werden könne, wie dieß die eben so einfachen, als festen Gründ- und Ecksteine des ConcordateS (Art. I, XU, XVI, XVII, XVIII.) bezeichnen und garantiren. AlS Hemmnisse und Beschwerden dieser kirchlichen Autonomie und als Nickterfüllung der von Seiten deS Staates eingegangenen Verbindlichkeiten müssen aber vor Allem nachstehende Puncte beachtet werden. 1) Daß trotz des Art. V. deS ConcordateS in keiner Diöcese BayernS vom Staate gehörig dotirte Seminarien im Sinne deS Tridcn- tinums bestehen; d. h. Knabenseminarien mit höheren Klericalseminauen untrennbar verbunden, in welchen die ganze klericalische Erziehung von den ersten Rudimenten an bis zur Priesterweihe unter ausschließlicher Leitung deS Bischofes ertheilt wird, und in welcher sonach auch die nothwendigen Lehranstalten sich befinden müssen; daß daS freie VerwaltungSrecht deS Vermögens dieser Anstalten bis auf die neuesten Zeiten mehrfach beanstandet wird; daß die Bischöfe, die solche Anstalten durch eigene Opfer so wie durch Beisteuer deS Klerus und der Gläubigen gründen wollen, von der an mancherlei Bedingungen geknüpften StaatSgenehmigung beengt sind; daß man letztere zur Aufnahme von Kandidaten in die Knaben- oder Kleri» calseminarien fordert; daß man die Bischöfe in der Auswahl der Vorstände der Seminarien bevormunden wollte, und ihnen die Ernennung der Profes- > - -r-» ." 1 --"» ^ ' -.-TXT-? ^7»^k^.'--^^W7-.^:. -iZT^r. - 5S soren an den zu den Seminarien gehörigen niedern und Hähern Lehranstalten streitig macht; daß man ihnen endlich auf die Ernennung der Professoren der Theologie an der Universität keinerlei Einfluß gestattet. Nicht im Sinne desselben Artikels des ConcordateS ist eS ferner, daß die Regierung sich nicht bloß die ausschließliche Leitung der Schulen vorbehält, sondern auch durch ihre Organe (gleichviel ob geistlich oder weltlich) das Urtheil und die Verfügungen bezüglich des Religionsunterrichtes sich aneignet. 2) ES ist eine Verletzung des ConcordateS und der durch dasselbe gewährleisteten kirchlichen Freiheit, wenn der Staat durch eine einseitige, gegen Art. XVIll. (s. o.) deS ConcordateS verstoßende und offenbar irrige keinem anderen ReligionSbekenncr vorenthalten will, und daß sie jene, Interpretation dem Art. VII. den Sinn leihen will, als ob die Zahl der ^ geistigen Kampfvd-n sie mit den ibr gegenüberstehenden Parteien zu füh zu errichtenden Kloster von ihm zu bestimmen und zu beschränken sey, wäh^ren hat, nur 'siiit geistigen Waffen, nicht aber durch StaatSzwang und rend dieser Artikel lediglich den Zweck hatte, dem Staate zur geringer^ Privilegien zu entscheiden denkt. Da aber, wo sie sich mit andern Con- Sühne für daS große verschlungene Klostergut die Dotation einiger! fesstonen auf dem Gebete des äußerlichen Lebens berührt, wie z. B. bei Klöster zur Pflicht zu machen, ohne die kirchliche Freiheit der Errichtung ^ den Fragen über Simullanrecht u. s. w., ist, wie die Erfthrung gelehrt von Klöstern durch andere Mittel irgend hemmen zu wollen. ES ist eine hat, die Staatseinmischung von stetem Unsegen für beide Theile begleitet, Verletzung der kirchlichen Freiheit, die heute auf Grund des allgemein die sich wohl am besten befinden werden, wenn der geistliche Inhalt solcher gewährten Associationsrechtes gefordert werden muß, wenn der Staat, wie Fragen auf dem geistlichen Gebiete erledigt, daS bürgerliche Recht aber von dieß zur tiefsten Kränkung aller mit diesem Institute näher bekannten guten dem Nichts, nicht von der Administration entschieden wird. Katholiken bei der Kongregation der Redemptoristen geschehen ist, ohne gegenüber entschieden geltend gemacht worden sind, beruhen auf dem unter dem Vorwande der Gewissensfreiheit gegebenen, in der That aber die Hemmung jedes kirchlichen Lebens erzielenden ReligionSedict. Die Katholiken Bayerns müssen daher mit allen übrigen, wahre religiöse Freiheit wünschenden Angehörigen anderer Konfessionen, die gänzliche Abolition dieses neben dem Concordate durchaus nicht zu Recht bestehenden Gesetzes und aller daraus fließenden Verordnungen fordern; bis dieß nicht geschehen seyn wird, ist ein gedeihliches Verständniß von Staat und Kirche unmöglich. Schließlich muß zur Abwehr von Mißverständnissen noch bemerkt werden, Laß die Katholische Kirche alle jene Freiheiten, die sie selbst begehrt, jenen Recht und Untersuchung, ohne daS Gutachten der Bischöfe zu hören oder ihre Reclamationen zu achten, bestehende Klöster auflöst, Landeskinder, wenn sie ihrem Ordensgelübde treu bleiben wollen, in die Verbannung schickt, und wenn alles dieß nicht etwa auf vorliegende siaatsgefährliche Verbrechen, sondern auf daS dem Staate gar nicht zustehende Urtheil über die geistliche Wirksamkeit eines Ordens begründet wird. Es ist ein willkürlicher Eingriff in die Rechte der Kirche und in die Gewissensfreiheit der Einzelnen, wenn der Staat gegen die bestehenden kanonischen Gesetze, namentlich deS Conciliums von Trient, Verfügungen über Zeit, Dauer und Wesen der OrdenSgelübde erläßt und sich in die heiligsten Gewissensangelegenheiten einmischt. 3) Es ist eine offenbare Verletzung deS Art. VIII. deS ConcordateS, daß der Staat sich das oberste Verfügungsrecht über das Kirchengut arro- girt, nach seinem Gutdünken über kirchliche Einkünfte (Rentenüberschüsse) verfügt, die Erwerbung neuen Vermögens durch Amortisations- und sonstige Gesetze beschränkt, die Kirche, wie dieß durch das ohne Zustimmung des heiligen Stuhles erlassene Gesetz über Ablösung geschehen ist, aufs Empfindlichste in ihrem Vermögen verringert und den Bischöfen die ihnen durch kanonische Gesetze gesicherte oberste Leitung deö gesummten Kirchenvermögens ihrer Diöcesen vorenthält. 4) Es ist eine Beschränkung der durch Art. XI. des ConcordateS den Bischöfen gesicherten freien Cvllalionsrechte, daß ein von der Regierung ausgehender und von ihr geleiteter PfarrconcurS über die Befähigung zum Pfarramte entscheidet und die Bischöfe solchen, welche diesen ConcurS nicht gemacht haben, keine Pfründe verleihen sollen; ferner daß sich der Staat die Einweisung in die Pfründebezüge vorbehält. 5) ES ist eine große Verletzung der kirchlichen Freiheit und deS Art. XII. des ConcordateS, wenn der Versuch gemacht wurde, den weltlichen Einfluß selbst ik das Gramen pro geminsrio einzudrängen. Derselbe Artikel deS ConcordateS wurde und wird verletzt durch die Einmischung in die kanonischen Processe gegen Geistliche, durch die Zulassung des reeursus all prineipem und die Abhängigmachung der Wirksamkeit reingeistlicher Sentenzen von einer Staatsgenehmigung. Derselbe Art. XU. wird ferner verletzt durch die biö auf die neueste Zeit trotz aller Reclamationen des Episkopats fortgesetzte Festhaltung des PlacetS, welche freilich durch die Aufhebung der Censur factisch unmöglich wird. Endlich ist eS ein Eingriff in die kirchliche Freiheit und in die durch Artikel XU. garantirten Rechte der Bischöfe, wenn außerordentliche Andachten, geistliche Uebungen, Missionen, Wallfahrten, Bruderschaften und Bündnisse u. s. w. von einer Staatsgenehmigung abhängig gemacht werden, und wenn der Staat, welcher gezwungen wurde, politische Volksversammlungen, Associationen u. s. w. ungehindert geschehe» zu lassen, nur noch die katholische Kirche in der freien Entfaltung ihres religiösen Lebens auf die drückendste Weise hemmt. 6) Der Artikel XVI. des ConcordateS wird noch heute vielfach dadurch verletzt, daß eine Reihe aus älterer Zeit herrührender und dem Concordate geradezu widersprechender Verordnungen zur Grundlage neuer Mini- sierial- und RegierungScntschließungen gemacht werden. Alle hier aufgezählten und mancherlei andere, mehr auf'S Einzelne sich beziehende, seit dreißig Jahren tief empfundene Beschwerden der Katholiken, die, so weit sie zur Kenntniß deS heiligen Stuhles gekommen sind, auch von dort aus als Verletzungen des ConcordateS der Staat-regierung Adresse an Seine Heiligkeit Pin- LX. Der Münchener Hauptverein für constitutionclle Monarchie und religiöse Freiheit hat jüngst eine (von Hrn. Professor Ilr. Haneberg verfaßte) Adresse an Se. Heiligkeit beschlossen, welche in der Uebersetzung also lautet: „Heiltzer Vater! Die Leiden und Gefahren Eurer Päpstlichen Heiligkeit erfülleif die Katholiken BayernS mit Trauer und tiefem Schmerz. Wie sehr auch die Eile, womit sich die Verhängnisse in unsern Tagen drängen, unser Gefühl für alle andere Dinge abstumpfen mag, — die Schicksale, welche unsern geliebten Oberhirten berühren, rufen immer größere und bewegtere Theilnahme hervor. Wie bange wurde unS um die Freiheit und das Leben unseres innigst geliebten Oberhirten, als wir von dem wachsenden Undanke der mit so vieler Güte überhäuften Römer hörten; wie freuten wir unS, die geheiligte Person des Statthalters Christi in Sicherheit zu wissen, wie freudig schlug unS das Herz, als wir vernahmen, daß dem bayeruchen Gesandten durch die Vorsehung die Gnade zu Theil ward, bey Deiner Rettung die gläubige Liebe der Bayern zu dem heiligen Stuhle zu vertreten! Doch dürfen wir u»S noch immer nicht beruhigen; wissen wir ja, daß dem erhabenen Haupte der katholischen Kirche Sorgen der schwersten Art in die Fremde gefolgt sind. Welcker Kummer mag auf Ew. Päpstlichen Heiligkeit insbesondere um der Kirchen RomS willen lasten, und gerade jetzt um diese österliche Zeit! Sonst feierte der Hohepriester der katholischen Kirche auf dem Altare der uralten Basilika deS Laterans am grünen Donnerstage daS heiligste Opfer; Heuer ist eS anders. Die Gräber der Apostel sind vom kirchcnräuberischen Aufruhr umlärmt; Rom, sonst gleichsam nur Ein Gotteshaus, ist vom Gräuel der Verwüstung geschändet. O dürfte das Bayerland dem Statthalter Christi eine Zuflucht anbieten! Freilich, freilich sind wir selbst nicht ohne Kampf und Gefahr. Wohl blieben wir bisher von Krieg unv Aufruhr verschont; aber täglich ersehen wir, wie der christliche Glaube gelästert und verhöhnt wird. Wir möchten mit dem hl. Sänger (Ps. 119) sagen: „Wir wohnen neben Jenen, welche den Frieden hassen; mögen wir auch den Frieden suchen: sobald wir reden, führen sie ungerechten Krieg wider unS." Doch was immer kommen möge, wir verzagen nicht; wir vertrauen auf Gott und sind durch die starken Bande deS Glaubens und Gehorsams mit dir, heiliger Vater vereint, in welchem wir Seinen Stellvertreter verehren. Und täglich wollen wir durch inständiges Gebet für Dein Wohl dieses heilige Band immer mehr zu befestigen suchen. Das ist unser Trost, daS der feste Grund unserer Hoffnungen, daß wir unter Deiner Leitung Christo folgen dürfen, daß wir durch Dich zu jener Kirche gehören, welche von der Macht der Finsterniß zwar bekämpft, aber nicht überwunden werden kann. Daß wir nicht bloß dem Namen nach, sondern in Wahrheit und für den Himmel dieser Kirche angehören, dafür erflehen wir unS den apostolischen Segen. In tiefster Ehrfurcht Ew. Päpstlichen Heiligkeit gehorsamsten Söhne. (Folgen die Unterschriften.)" PiuSvereine. Köln, 6. März. Der Verein PiuS IX. zu Köln hat an alle zur Wahrung der Interessen der katholischen Kirche gestifteten Vereine Rheinlands und Westfalens folgende» so Schreiben erlassen: Bereits vor längerer Zeit wurde nicht nur hier, sondern auch von Mitgliedern katholischer Vereine in den Nachbarstädten mehrfach der Wunsch geäußert, daß die in Westfalen und der Rheinprovinz zur Wahrung der Interessen der katholischen Kirche gebilveten Vereine zu einem kräftigen Zusammenwirken in Verbindung treten, und daß zu diesem Behufe von Zeit zu Zeit Generalversammlungen dieser sämmtlichen Vereine stattfinden möchten. Da zugleich Köln als derjenige Ort bezeichnet wurde, der zur ersten Generalversammlung dieser Art am geeignetsten sey, so glaubt der hiesige Verein Pius IX. seiner Pflicht zu entsprechen, wenn er hiermit die Initiative ergreift und an die sämmtlichen übrigen genannten Vereine die bringende Bitte richtet, sich am 17., 18. unv 19. April dieses Jahres dahier bei einer gemeinsamen Berathung durch eine beliebige Anzahl ihrer Mitglieder zu belheiligen. AIS nothwendige Gegenstände dieser Berathung glauben wirbln Vorschlag bringen zu müssen: 1) Feststellung derjenigen organischen Einrichtungen, deren es bedarf, um das erwünschte Zusammenwirken der Vereine für die Zukunft zu erzielen; 2) Einigung über diejenigen politischen Fragen, welche für die Verhältnisse der katholischen Kirche von Bedeutung find, so wie übe? die Stellung, welche die Katholiken alö solche im Verhältnisse zu den gegenwärtig bestehenden politischen Parteien einzunehmen haben. Unter den politischen Fragen, welche für die Zukunft deS Katholicismus in Deutschland von Erheblichkeit sind, erkennen wir als die wichtigste diejenige, welche sich auf die zu erstrebende Einheit unseres Vaterlandes bezieht; 3) Berathung über die Wirksamkeit der katholischen Vereine auf socialem Gebiete, insbesondere über die Stiftung von Vereinen deS heiligen Vincenz von Paulo. Von einzelnen Mitglieder unseres VereinS ist beantragt worden, daß in derselben Generalversammlung berathen werden möge: 1) über eine von den Katholiken Rheinlands unv Westfalens zu leistende Beisteuer für den heiligen Vater, und 2) über dasjenige, was schon jetzt für die Stiftung einer katholischen Universität geschehen könne. Sonstige Anträge, welche von anderen Vereinen oder einzelnen Mitgliedern derselben beabsichtigt werben, bitten wir, zum Behufe der Feststellung des Programms, uns vor dem 14. April gefälligst mittheilen zu wollen. Wünschenswert!) scheint es uns, daß jeder eingeladene Verein wenigstens drei seiner Mitglieder hierher sende, um, falls es nöthig seyn sollte, daß die Versammlung sich in mehrere Sectionen theile, sich in jeder Sec- tion vertreten zu lassen. Köln 2. März 1849. Der Vorstand LeS VereinS Piuö IX. A. A. I. P. Bachen,, Vicepräsident. AuS dem Nassauischen, 4. April. Die Vereine für Erhaltung und Erringung religiöser Freiheit und zur Vertheidigung gegen die Angüsse der Feinde der katholischen Religion sprossen, wie man jetzt von allen Seiten unseres Landes vernimmt, üppig auf und mehret sich deren Zahl von Tag zu Tag, und gewiß würde deren Zahl jetzt schon weit größer seyn, wenn nicht anfänglich viele unserer Geistlichen auS Gemächlichkeit oder aus der ganz unrichtigen Ansicht, „die katholische Kirche bedürfe zu ihrem Schutze keiner besonderen Vereine," statt dieselben zu fördern, denselben oft geradezu entgegen getreten wären. Freilich hat der Herr seiner Kirche die Verheißung gegeben, daß ihr die Macht der Hölle nichts anhaben solle; darf darum aber der Katholik, vor allem aber der Verkünoiger des Evangeliums, die Hände in den Schovß legen, und dem lieben Gott^ eS überlassen, für seine Kirche zu sorgen? Nein, gewiß nicht. Der lieb? Gott wird seine Kirche schützen, wo es nöthig ist; er will aber auch, daß ^ deren Mitglieder mitwirken, selbst zu ihrem Seelenheils beitragen und nu? da, wo deren Kräfte nicht ausreichen, seinen Schutz in Anspruch nehmen sollen. Jeder gute Katholik, dem an seinem und seiner Kinder Seelenheils gelegen ist, hat gewiß schon lange gewünscht, daß seine Kinder in einer katholischen Schule, von in einem katholischen Seminar gebildeten Lehrer,? erzogen werden möchten. Wie viele Gemeinden haben aber ohne die^ Anregung von Seiten der katholischen Vereine daran gedacht, diese ihre Wünsche öffentlich kund zu geben? Während früher kaum zwanzig und etliche Petitionen vereinzelt an die Sländekammer gelangten, kommen nun auf Anregung der Vereine dieselben in Masse von allen Seiten deS Landes bei unserer Regierung und Ständekammer ein. Wird man hiernach noch ferner die Behauptung ausstellen können: „nicht das katholische Volk, sondern nur einige Jesuiten und ultramontane Geistlichen verlangten die Elementarschulen und Schullehrer-Seminarien nach den Konfessionen getrennt?" Ja, Aufgabe der katholischen Vereine ist eS, den Regierungen nachzuweisen, was das katholische Volk in religiöser Beziehung will, und nur dadurch werden wir eS erreichen, daß dieselben seinen gerechten Wünschen endlich entsprechen müssen. (Katholik.) j- Augsburg. Nachstehendes schöne Schreiben deS PiuSvereinS in Oitobeuren an den hiesigen Piusverein wird laut Beschluß deS letztem zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Der PiuSverein in Oitobeuren an den PiuSverein in Augsburg. Im höchsten Grade betrübend ist eS, in Zeiten, da jeder das süße Wort „Freiheit" im Munde führt, gerade auf Seite derjenigen, deren Mund von Lobpreisungen der Freiheit überquillt, Bestrebungen wahrnehmen zu müssen, die nur zu klar an den Tag legen, wie sie dieses Gut Freiheit nicht bloß für sich allein ansprechen und andern Gleichberechtigten entziehen, sondern tollkühn und geblendet von maaßloser Selbstsucht geradezu Knechtung aller jener, die ihren gottlosen, gesetz- und ordnungswidrigen Bestrebungen ferne sind, verlangen und somit den geheiligten Grundsatz: „Recht und Freiheit für Jedermann" schamlos und frech genug mit Füssen treten. Als eine solche betrübende, unwillenerregende Erscheinung betrachten und bezeichnen wir unter andern, auch das September-Votum des Pfälzer- Landratheö, nach welchem es als unabweisbare Nothwendigkeit erscheint, — von Errichtung neuer klösterlicher Institute gar nicht mehr zu sprechen — selbst die bereits bestehenden ohne Zögerung zu entfernen. Dieselben bestehen nach dem beliebten AuSdrucke des Pfälzer-Landrathes zum Aerger der Pfälzer — jener Minorität, die einer glaubenSverkommenen Zeit entwachsen, waS an ihr ist, redlich dazu beiträgt, Religion und Gottesfurcht unter den Menschen verschwinden zu machen, und um zu diesem Ziele zu gelangen, allem, was religiös-sittlicheS Leben zu wecken, zu befestigen und kräftig und lebensfrisch zu erhalten vermag, von vornehercin auS Grundsatz gram und groll ist — dieser Minorität — ja! ihr sind derlei Institute ein Stein des Anstosses, ein Dorn im Auge, ein Gegenstand des AergerS: nie und nimmer aber wird man uns glauben machen können, daß jene kirchlichen so nutz- und segenbringenden Institute der bei weitem überwiegenden Majorität, die fest an Religion, an Recht und Ordnung hält, wie sie anderseits dem wahren, zeitgemäßen, gesetzlichen Fortschritte huldiget, zum Aerger sind. Wir können das Votum des pfälzischen Landrathes nur als Gesinnung«-Ausdruck jener Partei bemitleiden und bedauern, die in ihrem unsinnigen Anstürmen gegen Gott und Göttliches, gegen Gesetz und Ordnung das große Wort führen, sich als überwiegende Majorität hinstellen, und im Namen des Volkes sprechen zu müssen glaubt, während doch dieses selbst die von der andern Seite trüglich vorgegebene Majorität in Wirklichkeit bildend, nichts weniger, als jene gottlosen Grundsätze billiget, vielmehr mit gerechtem Unmuthe auf dieses unsinnige Thun und Treiben Hinblick? Haben wir bisher in Hoffnung des Bessern geduldig und großmüthig geschwiegen, so können wir doch jetzt nicht mehr verkennen, daß eS bereits hohe Zeit ist, der Gefahr zu begegnen, durch wenige Schreier unsers guten Rechtes, unserer heiligsten Güter beraubt zu werden. Darum erheben wir unsere Stimme, unsere Gesinnung auSzusprechen und werden nicht ablassen zu rufen, bis eS uns gelingt, durch unsern Ruf um Recht und Gerechtigkeit die Stimme deö Unrechtes und der Gottlosigkeit zu übertönen. Darum wollen wir uns zusammenschaaren, einmüthig und brüderlich einander die Hand reichen, wir alle, die wir für Recht und Wahrheit, für Ordnung und gesetzliche Freiheit im Herzen erglühet sind, und so aufS innigste miteinander vereiniget den Religions- und Rechts-Verkehrern als RechlS- und ReligionS-Verehrer unS entgegenstellen. Auf welcher Seite die Majorität ist, wird der Erfolg unserer Messung weisen. Erwünscht ist eS uns, als erste Bethätigung unsers innigsten Anschlusses, dem zu Augsburg, der Hauptstadt unserer Diöcese bestehenden Piusoereine unsere volle Zustimmung zu seinem Sendschreiben an die katholischen Männer der bayerischen Pfalz kundzugeben unv die in demselben ausgesprochen Grundsätze ganz aus unserm Herzen gesprochen zu erklären. Oitobeuren, den 4. März 1849. (Folgen 85 Unterschriften.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kr einer. ' PreK In >ug»b«rg für fich allein (ohne A. Postzeitung)jLhrlich Ist. I»kr Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitu Neunter Jahrgang. 1 « N g. Kür fich allein, ohne die Augsburger Post- zeitung, find diese Blät- V ter nur im Wege de« Buchhandels zu be- ziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz ». s. w. jähr» Ich nur 1 fl. SOkr. oder I Thlr ^ril L84N. Peterspfenning. DaS sichtbare Oberhaupt der hl. Kirche ist in Noth und Bedrängniß! Diese Kunde hat in allen Theilen der Christenheit die Gefühle des teilnehmenden Schmerzes angeregt. Die heilige Flamme der Liebe, welche die Glieder mit dem Haupte verbindet, wird stärker und zahllose Gebete und Thränen steigen täglich als gottgefällige Opfer für daS Heil der Hirten und der Heerde zu dem Thron der Erbarmungen auf. Die Lämmer sehen ihren Hirten, die Kinder ihren heiligsten Vater mit seinen Rathgcbern, den Cardinälen, auf der Flucht, dem Mangel preisgegeben — und sieh! eS becifert sich ein christliches Volk nach dem andern, sich den süßen Trost zu bereiten, dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden zeitliche Hilfe zu leisten. Frankreich begann die Sammlungen unter dem Namen: Werk von St. Petri-Hellcr. Welche Gesinnungen die Geber der frommen Spenden beseelt, erhellet aus den vielen rührenden Aeußerungen und Zuschriften, mit denen sie ihre Gaben begleiteten; statt vieler stehe hier eine einzige, die des Volksvertreters GaSlonde. „Mit Schmerzen," schreibt er, „habe ich die letzten Vorgänge in Rom gesehen. ES ist mehr der Staatsmann, als der Christ, den sie in mir tief betrübt haben. Für daS Papstthum ist mir nicht bange; aber bange ist mir für die Freiheit Italiens. ES ist daS LooS LeS Papstthums, wie des Katholicismus, angegriffen und verkannt zu werden; untergehen kann eS nicht. Die Freiheit Italiens aber kann ihr Grab finden in den Ausschreitungen einer wilden und zügellosen Volkshetzerei. Der Glanz der Tiara schimmert zu Gaöta eben so hell, als in Mitten der Pracht des Vatikans. Und ist die Herrscherkrone auf der Stirne PiuS IX. zerbrochen, so hat der Kirchenfürst nie größer und erhabener dagestanden, als von dem Augenblicke an, wo er die feierliche Weihe deS Undankes und der Trübsal empfangen, und der Christenheit gezeigt hat, mit welcher inneren Heiterkeit und welcher Seelengröße er beide zu ertragen wisse." „Verzeichnen Sie doch meine kleine Gabe als ein Zeugniß für meinen politischen Glauben sowohl, als für mein christliches Bekenntniß. Hoffen wir auf bessere Tage, hoffen wir, daß eS dem, welcher so muthig die erste Hand legte an die vielersehnte Wiedergeburt RomS und Italiens, auch vergönnt sey, sie unterm Zujauchzen der Völker zu vollenden. Möchten die Römer bald zurückkommen von den Bethörungen ihres irre geleiteten PatriotiSmuS, und erkennen, daß für Italien Einheit und Freiheit nicht anders möglich sind, als mit dem Papstthum und durch daS Papstthum." Unter den vielen Beiträgen, die bereits theils dem Comite für religiöse Freiheit in Paris, theils dem päpstlichen Nuntius daselbst zugestellt worden sind, wollen wir nur erwähnen: von Cambrai die Summe von 17,000 Fr., von Straßburg 20,000 Fr., von Langres 10,000 Fr., von Grenoble 6000 Fr. Der Erzbischof von PariS hat auS seiner Erzdiöcese bereits die Summe von 60,000 Fr. übergeben. AuS allen Diöccsen Frankreichs gehen fortwährend bedeutende Summen ein. Die Sammlungen in England haben einen ähnlichen Erfolg. Bischof Wiseman hat so eben 30,000 Franken, die im Distrikt von London gesammelt sind, an den Cardinal-Staatssecretär nach Gaöta abgesandt. Zu Newcastle fand eine große Versammlung statt, bei welcher die anwesenden Geistlichen jeder 25 Franken unterzeichneten und den Beschluß faßten, in allen Pfarrsprcngeln Subscriptionen zu eröffnen. Irland, daS „arme" Irland hat bereits eine erste Sendung von 150,000 Franken abgehen lassen. Die Journale von Madrid melden, daß in ganz Spanien Vereine LeS St. Petri-Heller sich gebildet haben. Von Turin auS erfährt man gleichfalls, daß die sardinischen Bischöfe in allen Diöcescn die Bildung solcher Vereine bewerkstelligt haben. — Der Cardinal-Erzbischof von Neapel hat zu gleichem Zwecke an alle Bischöfe deS Königreichs ein Rundschreiben erlassen. Zunächst und unverzüglich soll durch Unterzeichnung von einmaligen Gaben den augenblicklich dringendsten Bedürfnissen des heil. Stuhles abgeholfen, später aber sollen regelmäßige monatliche Beiträge eingesammelt werden. — Auch in Deutschland haben die Sammlungen begonnen. Ein Bischof. (Wiener .stirchenzeituug,) In einer Zeit, wo eS sich um kirchliche Freiheit handelt, wird eS nicht überflüssig seyn, daS Leben jener Männer durchzuforschen, die im Verlaufe der Kirchengeschichte als Heroen gegen die Vcrknecbtung der Kirche gestritten, und im Kampfe Verfolgung und Elend, Verbannung und selbst den blutigen Tod nicht gescheut haben. Unter diesen Männern ist Thomas Decket, Erzbffchof von Cainerbury und heiliger Martyr. Sein ganzes Leben kann als ein wahrer Bischossspiegel gelten, jeder einzelne Zug auS demselben ist daS Gepräge eines großen Charakters. Sohn deS englischen Ritters Gilbert, und einer Prinzessin aus dem Orient, die Gilbe« als Gefangener am Hofe ihres Bakers kennen lernte, und die demselben, als er befreit war, nach London folgte, dort die heilige Taufe empfing, und mit ihm in den Bund der Ehe trat, — hat eS den Anschein, als ob schon bei Becket'S Geburt jener Anfing von Romantik anf die edle Ritterlichkeit hingedeutet, welche er in der Folge so gut mit der Frömmigkeit, Leu Pflichten und Tugenden des Bischofs in Einklang zu bringen wußie. AIS Erz- diacon des Metropoliten Theobald von Canterbury wurde er, fast noch ein Jüngling, zum Reichskanzler Heinrich II. ernannt, und wußte an einem üppigen Hofe, bei einem ungeheuern Einkommen, bei Verlockungen von allen Seiten seine Tugend zu bewahren. ES gibt keine wahrhafte, christliche Seelengröße ohne Demuth. Demuth ist der Grundbau der Tugend, in ihr ist auch der wahre Muth enthalten. Denn Demuth ist nicht Feigheit und Kriecherei, wenn es gilt der Wahrheit Zeugniß zu geben; — und Aufgeblasenheit und augenblickliches Beleidigtsey» gegenüber von Untergebenen. Der Prüfstein der Demuth ist nicht darin zu suchen, wie man sich gegen Vorgesetzte, gegen Machthaber, gegen solche, von denen man waS zu erwarten hat, oder in deren Gunst man verbleiben will, benimmt, der Prüfstein der Demuth ist das Benehmen gegen Untergeordnete, gegen Untergebene, gegen Arme, gegen Irrende. Suchen wir demnach, in welchen Tugenden der Muth, welchen Thomas im Kampf für die Freiheit der Kirche bewährte, begründet gewesen ist. Auf dem Wege nach seinem erzbischöflichen Sitze gab er dem einfachen Geistlichen Herbert, der mit ihm zog, folgenden Auftrag: „Ich wünsche, daß du mich heimlich von allem benachrichtest, was du von mir zu sagen weißt, und alle Fehler mir sagst, die in meinem Betragen zu bemerken sind;*) denn eS ist wahrhaft ein Dienst, den unS unsere Feinde erweisen, indem sie uns unterstützen dadurch, daß sie BöscS von uns sagen, um unS besser kennen zu lernen, damit wir mit größerer Sorgfalt über unsere Worte oder Handlungen wachen können. Ich wünsche also vorzüglich, daß du mir alle Fehler sagst, die du an mir zu bemerken glaubst, da zwei Personen klarer sehen, als eine einzige." So berichtet uns Abbe Robert in seiner Lebensgeschichte deö heiligen Thomas Decket. Da ihm als Kanzler wenig Zeit blieb die Wissenschaft zu pflegen, so suchte er nun als Bischof das Versäumte nachzuholen, er umgab sich mit gelehrten Theologen, unter denen Bosham obenan stand, hörte auf ihre Rathschläge und befolgte sie. Einst sagte er zu einem Freunde: „Wie glücklich wäre ich, wenn mir Gott die Gnade gäbe, mich von jedem Geschäfte und jeder Sorge zu befreien, damit ich in heiliger Ruhe nur *) Er hätte ja auch sagen können: „Sage mir ja nicht- Unangenehme-, denn das greift meine Nerven an." Wir sagten nicht umscnsi, die Demuth ist der Grundstein des Muthe-; wir können auch umgekehrt behaupten, Muth ist der Grundstein der Demuth; denn e- gehört der größte Muth dazu, demüthig zu seyn — der größte Muth: dir Wahrheit unter allen Umständen fich sagen zu lassen, um ihr dienen zu können. >s- M W I' 7 «2 darauf denken könnte, mich zu nähren an seinem göttlichen Wort. Wie nützlich und vortheilhafl wäre es mir, dadurch jene Zeit zu ersetzen, deren ich durch meine früherenWeschäflignngen in der Welt verlustig geworden bin." Um Decket in seinem Derhältniffe zu dem König zu würdigen, dürfen wir nur die Ungefaßte Charakteristik beiver anführen. Heinrich H. zeigte nach außen luEine feine Erziehung, eine würdevolle Haltung, er konnte sogar leutsM und scherzhaft seyn; „aber (erzählt Robert) diese blendende Außenseite verbarg ein Herz, welches sich zu den nichtSwürdig- sten Kunstgriffen erniedrigen und mit seiner eigenen Ehre und Wahrhaftigkeit spielen konnte. Nieniand Föchte seinen Behauptungen glauben, noch seinen Versprechungen tränen." Lingard berichtet, daß der Cardinal Vivian, nachdem er einst mit Heinrich eine Unterredung gehabt, sich also über ihn äußerte: „Nie sah ichMmand, der diesem Manne im Lügen gleich käme." Lingard selber sagt von ihm: „Er war eifersüchtig über jegliche Autorität, die nicht von ihm ausging, und seinem Willen dienstbar war. Er war stolz auf seine Günstlinge, die ihm alles zu verdanken halten, Widerspruch konnte er keinen vertragen. Wer seinem Gebote zu gehorchen zauderte, oder leinen Begierden zu widersprechen wagte, ward dem Berderben geweiht und mit der unversöhnlichsten Rache verfolgt u. s. w. Stolz, Jähzorn, Hinterlist und Falschheit waren die hervorstechenden Züge seines Charakters. Hingegen wird Thomas Decket von Robert kurz also geschildert: Biederkeit, Aufrichtigkeit, Freiheit, Selbstvcrläugnung, zärtliche Liebe zu den Arme», erklärter Beschützer der Kirche, unerschrockener Vertheidiger ihrer Unabhängigkeil und ihrer Güter, ihrer Immunitäten und ihrer Freiheit; siehe diese Eigenschaften strahlen mit großem Ruhme auf der cclen und großen Gestalt deS Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury und Prn maS von England. Wie ernst eS ihm gewesen ist, als er die oben angeführten Worte zu dem Priester Herbert sprach, das sehen wir in einem der denkwürdigsten Ereignisse seines Lebens bestätigt. AIS ihm bei der Bischofsversammlnng zu Clarendon die famosen 16 die kirchliche Freiheit verknechtendcn Artikel vorgelegt wurden, drohte der König ihn und die Bischöfe zu tödten, wenn sie nicht unterfertigen wollten. Da wird nun Thomas bestürmt von allen Seilen, um nachzugeb>n. Schrecken lag auf der Versammlung. Richard von HastingS, der Großprior der Tempelritter, die Grafen Cornwalt und Leicester, viele andere Große warfen sich dem Primaö zu Füßen, um ihn mit Thränen zur Nackigiebigkeit zu bewegen. Schon schwankte Thomas und fing an, seinen gerechten Widerstand aufzugeben. Aber die volle Entscheidung war noch nicht ausgesprochen. Wohl halte auch Thomas schon unterschrieben — aber nur mit der Bedingung, daß die Constitutionen die alten, im Königreiche üblichen seyen. AIs aber der König die Satzungen ausgearbeitet im Einzelnen vorlegte, und an Eitcsstatt von Thomas die Siegelring verlangte, da erkannte der Primas, daß er einen Verrath an der Kirche besiegeln würde. Er weigerte sich und bat sich Bedenkzeit anS. — Nun tritt jener Umstand ein, der uns den Bischof in seiner wahren Größe und Erhabenheit zeigt. Schon begann er auf dem Heimwege von Clarendon den verhängnißvollen Schlag zu erkennen, der gegen die Kirche geführt werden sollte. Die Einen seiner Begleiter, Hofschmeichlcr und Gunstjägcr lobten sein Thun und suchten ihn einzuschläfern, sie nannten ihn klug, daß er der Nothwendigkeit und der Zeiten Ungunst sich gefügt habe — und diese hörte er nicht; andere, aber wie sich denke» läßt, die geringere Zahl, doch vorn reinsten Eifer belebt, beschuldigten ihn des Verrathe« an den Interessen der Kirche. Der Erste, welcher mit dem Muthe der Wahrheit gegen ihn hervortrat, war eine sehr untergeordnete Persönlichkeit dem Rang und der Würde nach — es war sein Kreuzträger Eduard Grim,^) dieser machte dem Erzblschof lebhafte Vorwürfe, indem er sagte, daß er durch sein Versprechen diese schlechten Gebräuche beobachten zu wollen, einen Verrath an seinem Gewissen begangen, und der Nachwelt ein trauriges Beispiel gegeben habe, daß er sich mit den Dienern des SatanS gemeinschaftlich verbunden, um die kirchliche Freiheit zu zerstören. Was war nun die Folge dieses VorwurieS? Ein schwacher Apostel, ein kleiner Geist hätte solchen Vorwurf mit ewiger Ungnade, ja vielleicht sogar mit unversöhnlicher Verfolgung vergolten. Was aber hat Becket gethan? Beaulieu gibt uns die Antwort: „Dieser so beißende Vorwurf anS dem Munde eines seiner geringsten Kleriker, und dieser Eifer, der ihm übertrieben scheinen konnte, mißfiel ihm nicht. Er betrachtete nicht den, der so sprach, wer der sey, auch nicht sich selber und seine Würde, sondern glaubte vielmehr, daß seines Dieners Mund ihm GottcS Willen künde, er demüthigte sich, vernichtete sich in der Tiefe seines Herzens und ') Derselbe Grün war es, der die tödtlicbcn Schläge auf Beekcr'S Haupt mit ,euicr Hand auffing und verwundet wurde, der bis zum Tcdc bei seinem Meister aus- während die andern aus der biscl'östicken Begleitung aus Angst flohen oder sich versteckten. Grim, der dem Primas die bitterste Wahrheit sagte — stand auch mit seinem reden für denselben ein. Nicht so die Kriecher und Schmeichler. sprach in Thränen zerfließend: „Ich erkenne eS, mein Gott, daß ich gesün- diget habe; daö Verbrechen, das ich begangen, erfüllt mich mit Abscheu, und ich verdamme mich von jetzt an, mich deinem Altare zu nähern, dessen ich mich unwürdig gemacht. Du hast mich zum Wächter deiner Kirche aufgestellt, und ich unterjoche sie durch eine leichtsinnige Gefälligkeit. Ich habe durch ein Wort die ganze Frucht langer Arbeiten meiner Vorgänger zu Grunde gerichtet. Ich habe die Pforte deines Hauses den Gewaltigen der Erde geöffnet, und habe dein Heiligthum entheiligt, indem ich es den ! Profanationen der Menschen aussetzte. Du-hast mich, o mein Gott, mit !sehr großer Gerechtigkeit verlassen, da ich mich auS der Schule deS Welt- ! Heilandes zurückgezogen, aber um in Mitte des Hofes zur Regierung deiner ' Kirche erhoben zu werden. Ich will weinen und im Verborgenen bleiben, bis du mich besuchest von oben und mein Verbrechen in die Hände desjenigen zur Vermittlung stellst, welcher auf Erde der Stellvertreter deines s Sohnes Jesu Christi ist." (Schluß folgt.) Die falschen Propheten der Neuzeit. „Nach Calisornien!" erschallt von vielen Seiten der Aufruf. Erdenglück das Ziel des Feldzuges; Gold! Gold! die Losung. Doch nur Wenigen ist eS möglich, diesem Feldgeschrei auch Folge zu leisten; und manche, denen eS wohl möglich wäre, ziehen es vor, anstatt nach den Goldklumpen Californiens zu graben, nach jenen unschätzbaren Goldkörnern zu spüren, welche gotterleuchtete Männer in ihren Aussprüchen hinterlegt haben. Voll solcher Goldkörner himmlischer Weisheit sind die wenigen, aber inhaltschweren hinterlassenen Schriften deS unvergeßlichen G. W. Witt- mann, Bischofs von RegcnSburg. Ein gewichtiges Wort, das er als Seminariumsregens bei den Priestererercizien im Jahre 1828 sprach, möge hier seine Stelle finden, — um so mehr, da der heiligmäßige Mann nicht selten in ahnungsvollen Lichtblicken der Zukunft voraus eilte. Es sind, sprach er, in Deutschland, und man darf sagen, in dem ganzen cultivirten Europa drei falsche Propheten aufgestanden, die in den Gärten GotteS überall große Verwüstungen anrichten. 1. Der erste falsche Prophet hat sich bereits zum Gott der Welt creirt; ich meine den weltberühmten und überall angebeteten Lebensgenuß, dem Alt und Jung, Groß und Klein, Hoch und Nieder, Herr und Knecht, Mann und Weib, besonders Jünglinge und Mädchen Tempel, Ccipellen und Altäre bauen. Hoch stolzirend spricht er, dieser Lügen- geist: Es wundert mich selbst, wie mich die Menschen so gar in Ehren !halten, da ich sie doch arm und krank und siech mache, und ihnen am Ende znm Dank für ihre Anbetungen nichts als frühen und schmerzlichen Tod bringe, nachdem ich ihnen alle Güter deS LebenS: Gesundheit, Ehre, Religion, GewissenSruhe und häusliche Zufriedenheit geraubt habe! Sie, liebe Brüder, wissen wohl, daß wir keinen unschuldigen Genuß unschuldiger Freude verdammen; jede Erheiterung, jeder Ausdruck der Fröhlichkeit, selbst jede Lustbarkeit, wobei Maaß, Ziel und Gränze, Schain- haftigkeit und Ehrbarkeit präsidiren oder wenigstens Wache halten, gönnen wir dem muntern Geschlechte gern. Aber Genußsucht, besser Gennßwuth, ist etwas, das sich weder vor dem Urtheile der Vernunft, noch vordem Nichterstuble der Religion, ja nicht einmal vor der Tribune einer geordneten Staatspolizei wird rechtfertigen können. Dieser gesetz- und gränzenlose Lebensgenuß verschlingt in seinen unendlichen Abgrund alle Tugend, alle Ordnung, alle Achtung für Gott und das Göttliche mit dem Leben der tollen Genießer; und eS ist ein wahres Wort: „Wo sich dieser nicht mehr vcrlarvte, sondern mit offener Stirne auftretende Epikuräismus zur vorder» Thür des HauseS herein drängt, da muß der ChristianiSmuS zur Hintern Thür hinaus." 2. Der andere falsche Prophet ist Goliath der Zweite, daS große Lästermaul, das der christlichen Religion, der katholischen Kirche, dem Priesterthnme und allen frommen Kindern GotteS Hohn spricht; daS in so vielen Blättern des TageS, als wenn es ein Schutz- und Trutz- bündniß mit ihnen errichtet hätte, seinen Unsinn predigt, und im Grunde doch nur Geringachtung, Verachtung alles Heiligen, Gleichgiltigkeit gegen Religion und Ordnung herbeiführen kann. Von dem Philister sagt die Schrift, daß er 40 Tage nach einander Morgens und Abends auS seinem Lager hervortrat, und dem Volke Gottes, seinem gesalbten Könige und seinem Gott Hohn sprach, bis ihm der Hirtenknabe David, im Namen Gottes kommend, mit einem Kiesel auS seiner Schleuder die freche Stirne traf, und den Lästermund auf ewig schloß. Jeder Christ, mag er auch schwach und gering seyn wie David der Hirtenknabe, soll im Namen deS Herrn kommen, und ein zweiter David seyn gegen jeden Lästermund. «3 «3 3. Der dritte falsche Prophet ist der berüchtigte Weltkrämer, der mit seiner Schlechtwaare die Völker vergiftet, und die in Sammt und Seide verhüllten, und mit Brillanten und Perlen übersäeten Fesseln der Geistessklaverei unter der Firma „Mündigkeit und Freiheil" aller Welt feilbietet. Unsere Jünglinge stehen andächtig um das schimmernde Waarenlage des WeltkrämerS und seiner Gesellen umher, und handeln blindlings gegen Darangabe deS stillen, reinen, züchtigen Sinnes die vergoldeten Fesseln ein. Sprechend: „Wir sind frei!" tragen sie ihren Nacken schon höher, um das sanfte Joch der Gottesfurcht niio deS Respectes gegen Lehrer und Vorgesetzte abzuschütteln, daS Schwcrdrückente des rohen, groben, leidenschaftlichen, wilden Wesens sich aufhalsen zu lassen. Diese drei falschen Propheten treiben ihren Seelcnschacher unter der schönen Devise: „Der bessere Zeitgeist im Bunde mit seinen drei Repräsentanten." Gegen diese Lügengeistcr, gegen diese Widersacher der Religion, der Ordnung, der Gerechtigkeit auf den Kampfplatz zu treten, und sie mit dem Schwerte des göttlichen Wortes zu bestreiken, ist die Pflicht jedes beson neuen Mannes, jedes Christen, vorzüglich aber des Priesters und Bischofs, angesprochen und befriediget hat. Dieses kleine Land, daS jeden Zoll breit Es ist also eine wichtige Frage, die jeder von uns an sein innerstes Be-! Interessantes bietet, sollte eigentlich jedermann, der nur etwas Gelegenheit wußtseyn zu thun hat: Bist tu vollrüstig und Held genug, um ktincn Fuß! hat, kennen lernen. Der Kaufmann und Künstler, der Gelehrte und Land- breit Land dieser dreifachen Weltverführung zu überlassen — in deinem Hause, in deinem Wirkungskreise? Zwar werden sie dich bald als einen der Ordnung sich bewegend, daS Füllhorn seines Segens über uns ausschütten. Aber weil der beste Same keine gute Frucht bringt, wenn nicht das Erdreich gehörig gepflegt wird; so ergeht an jeden, der Kraft und guten Willen besitzt, der heilige Aufruf den Weg zu bereiten, damit die neue Zeit ihn nicht überrasche und er nicht rath- und thatloS die Waffen strecken müsse wenn ihr gewaltiger Hauch ihn berühret. Derlei Gedanken waren cS, die den Schreiber dieser Zeilen bewogen, die Gränzen seines österreichischen Vaterlandes auf einige Zeit zu überschreiten, um die neue Zeit mit ihren Früchten auch anderSwo kennen zu lernen. Ich übergebe diese Zeilen der Oeffentlichkeit, theils aufgefordert von wohlmeinenden Freunden, theils um den Lesern der Kirche,izeitung einen Wink zu geben, was in unseren kirchlichen Zuständen noch zu wünschen, zu ändern und zu bessern sey; muß aber gleich anfangs gestehen, daß ich durchaus keine gelehrte Reisebcschreibung liefere, sondern eben nur ein zwangloses, ganz subjeciiv aufgefaßtes Bild entwerfen will über jene Länder, die ick auf der Reise berühret. Ich wählte zuerst Belgien, weil eS mich unter allen am meisten Missionär des Aberglaubens, bald als einen Apostel der Finsterniß, und wie die unheilige Litanei ihrer Schimpfwörter weiter heißt, ausschrcien; aber gehe du im Namen des Herrn deines Weges ohne umzusehen, und ruhe in dem Schalten des Kreuzes auS; denn die Religion, zu der wir unö bekennen, ist die Religion deS Kreuzes, und keine andere. Hat der verewigte Wittmann mit dieser Schilderung seine Zeit im Auge gehabt, oder wohl gar im prophetischen Vorgefühle die unsrige gezeichnet? Ich glaube fast das Letztere. Daher will ich eine ernste Mahnung daran reihen, die er bei einer andern Gelegenheit an seine Priester- hauS Alumnen sprach. AIS er unter lautloser Stille, nur durch daS Schluchzen seiner tief gerührten Zuhörer öfter unterbrochen, ihnen in herzergreifenden Worten ihren hehren Beruf schilderte, setzte er mit bedeutsamen Nachdrucke bei: „O, meine Herren, machen Sie sich gefaßt — ick werde cS nicht mehr erleben, aber Sie erleben es noch — nicht bloß auf Verfolgungen all'v Art, sondern sogar auf das Martyrium müssen Sie gefaßt seyn. Merken Sie wohl: auch auf das Martyrium!" Und seinen horchen ^ mann wird eben so viel Stoff deö Lehrreichen vorfinden, wieder Theologe und Priester. Da sind großartige Handelshäuser, welche mit der ganzen Well in dirccter Verbindung stehen, da blühen Handel und Gewerbe, da ist Betriebsamkeit in Fabriken und kühnen Bauten, da rasseln die Räder, und sprühen die Dampfer und rauchen die Schornsteine, daß einem daS Herz dabei im Leibe lacht. Da sind keine unbeschäftigten Hände, denn der gefürchtete Stand deS Proletariates ist so viel als möglich beseitiget, und wohin daS Auge blickt, auf Häusern und öffentlichen Baute», auf Straßen und Bergen herrscht durckgehendS ein gewisser Tvpuö der Nettigkeit und des natürlichen Anstandes. Wie wohl thut es einem, wenn man das bewegte und lieblos zerrissene Deutschland verläßt, und in diese Gefilde kommt, über welchen der Engel des Friedens schwebt, und welche die Segnungen der Freiheit auf eine kluge und gesunde Weise sich zu Nutzen machen. Wenn man einen Belgier fragt, wie er zufrieden sey, so kann er nicht beredsam genug sein Glück schildern, er fühlt sich wie in einem irdischen Paradiese, und kann durchaus nicht begreifen, wie cS in anderen Ländern so toll und voll zugehen könne. Die liberale constitutio« nelle Verfassung, welche Belgien seit dem Jahre 1830 genießt, ist die den Scküle.., klangen diese Worte aus Witimanns Munde wie die eines Schöpferin seines GlückeS, und mit Liebe hängt er deßhalb an seinem Ne- gottcrfüllten Sehers, und sie haben sich dieselben wohl gemerkt. Aber auch! genten, jh,n als die beste Garantie für persönlichen Schutz und Austin Andenken deS gläubigen Volkes lebt die Ennnerung an Wittmann und! rechthaliung der Verfassung gilt, wie dieß ja auch die Ereignisse deö verfeme Worte noch lebhaft fort. Im Munde des Volkes heißt es wohl „der! flossenen Jahres bewiesen. Die Franzosen wollten die junge Republik nach heilige Bischof," und schon als er starb (1833), wollte Niemand für ihn! Belgien hinüberspielcn, und sie machten schändlich Fiasko; und als nach beten, sondern flehte ihn um seine Fürbitte an. Durchwandert der Reisende! dem Sturze Louis Philipps der König abdanken wollte, baten ihn die die weiten Hallen des herrlichen RegenSburger Domes, so findet er dort! Stände, auf seine», Posten zu verbleiben zum Wohle deS StaateS. nebst dem Grabmale des unvergeßlichen Sailer auch daS Denkmal Doch ich vergesse, daß ich ein kirchliches Neisebild geben wollte. ittmanns, an dem nicht selten viele Gläubige in den verschiedensten! - Darum versetzen wir unö in die erste belgische Stadt, die man von Aachen Herreisenb, berühret, NamenS Vcrviers. Weil die Locomotive gewechselt wurden, so hatten die Passagiere hinlänglich Zeit sich in dem weitläufigen, lururiös erbauten Bahnhöfe umzusehen, oder in den niedlichen Gärlchen, die diesen umgeben, zu späteren. AIS ich das letztere vorzog, fiel mir alsogleick eine große, majestätische Gestalt auf, die gemessenen Schrittes in schwarzen Strümpfen und Schuhen einhcrschritt. Es war ein Landpfarrer, der seinen Bruder zu besuchen hieher gekommen war. Ich sprach ihn an, und obwohl wir gegenseitig unö anfangs nur halb verstanden, indem er schlecht deutsch und ich nicht gut französisch sprach, so wurden wir roch bald recht vertraut, und nahmen in demselben Waggon unsere Plätze. Ich lernte im Verlaufe des Gespräches immer mehr seinen liebevollen und bescheidenen Charakter kennen, und die väterliche Theilnahme Ansprüche und höhere Forderungen ergingen an den. Diener des Staates Sätzen, mit der er von seiner Gemeinde sprach. Kurz ich vergaß in der Anliegen um seine Fürbitte kniecnd beten. Gesicht und Hände seiner Ab bildung sind schon ganz abgenützt von den unzähligen Küssen seiner andäch tigcn Verehrer. Eine gedrängte Geschichte seines musterreichen Lebens nebst seiner Abbildung ist bei Manz in RegenSburg 1844 in vierter Auflage erschienen. (Kath. Bl. a. Tirol.) Kirchliche Reisebilder. *) I. Belgien. Die neue Zeit, welche mit dem Frühlinge des vorigen Jahres erwachte, regte allwärts neue Ideen und frischeres Leben an, und neue freilich sind in Folge politischer Unerfahrenheit und Ungelenkigkeit so Landschaften, an denen wir voruberflogen, ich manch goldene Ideen in ihrem befruchtenden Keime ersticket worden, und d>e ^^merkung: Wenn alle ^i?>n si»s der Zwischen^ daS, was uns Glück, Heil und Segen hätte bringen können, ist uns unter dann belgisches Volk. bist du gluck ich zu p e>e - ^ s-gr solwer arti- der Hand zu Blut und verzehrendem Feuer geworren. Es liegt nicht mittönen stieg ein Studiosus von owen z , ^ ^ / Z dem Zwecke dieser Zeilen über die Ursachen des totalen Mißlingens, oder 9^' gebildeter junger Mann. ^ ^ ^ über die Mittel, mit welchen man die Pestbeulen der Zeit heilen könnender er neben uns Platz nahm und d.e Na nrl.chke.t m,t ^ Betrachtungen anzustellen. Genug, die Würfel einer neuen Zeit sind dem Landpfarrer nnterhielt. Auch ch ^. nämlich: den geworfen, und bitter täuschen würde sich derjenige, der da in naiver Be- "'/h^ als ähnliche LebenScarrieren un z chs l . Wissenschaft qnemlichkeit meinte, man könne mir nichts, dir nichts, zu den alten Fleisch- hohem GraduS, er m der juridisch ' ^ ^ -in Land alücklich ru topfen EgyptenS zurückkehren. Nein, daS neue Leben wird sich auch bei nehmen. Auch hier konnte rch ch „no es schmerzte mich »»-, WI- B ahn b,-ch-», und im G-i-I,- d-s und wm!"!« m» M da« du,fchl,°s- und ii-t-,»ch- i-d-u *) Aus der Wiener Kirchenztg. an gewissen deutschen Universitäten verglich. Schneller als ich dachte, hielt unser Train stille, und wir waren in Lütt ick. Herzlich war der Abschied von dem Landpfarrer, der mich mit Einladungen überschüttete, nachdem wir unS gegenseitig auS unseren Brevieren ein kleines Andenken gegeben harten. — Lüttich ist eine große Handelsstadt, bietet aber nur gegen den von Schiffen belebten Maaßfluß hin, den so — freundlichen Anblick belgischer Städte, sonst sind die Straßen winklig und thcilweise auch schmutzig. ES lebt und webt alles in dem Innern der Stadt und in das Gerassel der Wägen und Gewerke mischt sich daö vorn Thurme herab ertönende Glockenspiel. Mein Hauptaugenmerk war auf die Kirchen gerichtet, und ick machte mich daran, die Revue zu beginnen. Doch eS war Bormittag, und da mußte ich zu meinem freudigen Staunen hören, daß Fremden nur Nachmittags, wenn die Kirchen leer sind, die Besichtigung gestattet sey. Ich gab mich willig in daS Schicksal und schlenderte indeß in den Straßen herum, besichtigte den großartigen Justizpalast, wo ein Beamter mir mit ungemeiner Freundlichkeit ein Plafondgemälde, das das Glück Belgiens symbolisirte, erklärte. WaS mir bei dieser Häuserschau auffiel, war, daß oft ganz in der Nähe der katholischen Gotteshäuser Freimaurerlogen sich befanden, nichts zu sagen von den protestantischen und jüdischen Tempeln, welche sich in gleicher Unbefangenheit erheben. Nicht minder siel mir auf, daß die Geistlichen ohne Unterschied auch auf der Gasse ihre lange schwarze Kleidung mit dem Abbi- hute trugen, ja daß (Iwrribilo ciiotu!) Jesuiten und Redcmptoristen in ihrem Ordenöhabite gingen, ohne daß sie jemand beirrte. Da ich eben von Oesterreich kam, wo man auf diese Patres förmlich Treibjagden angestellt hatte, so glaubte ich anfangs zu träumen, und fragte einen Herrn, der mir eben unterkam, um gütigen Aufschluß. „O, meinte dieser, diese Herren können in unserem Lande ganz ungenirt leben und wirken; das Volk hat Vertrauen zu ihnen, und als vor ein paar Jahren in der Kammer der Antrag auf ihre Ausweisung gestellt wurde, widersetzten sich der protestantische König und das protestantische Ministerium, weil dieß ein Hohn der Freiheit seyn würde, und so blieben sie; ja man stellte ihnen die Militärmacht zu Diensten, falls sie in ihren Rechten sollten angegriffen werden, WaS aber bis jetzt noch nicht geschehen ist." Da sp tzte ich freilich die Ohren und bekam von der Freiheit andere Begriffe. Nachdenkend verfügte ich mich in eine Restauration, wo mir aber nichts recht munden wollte. — Nachmittags begann der Kirchenbesuch. Im Dome hatten sich eben die Canonici mit ihren hohen Baretten versammelt, und eS begann die BeSper, welche im Choral gemessen gesungen wurde. WaS mir in dem herrlichen GvtteShause abging, waren die Betstühle, welche wir in der Heimath so gewohnt sind. Die ganze Kirche steht frei da und kühn und majestätisch steigen die Pfeiler und Säulen empor, und verschlingen sich oben in zierliche Schiffchen. Diese Leere und Stille, die in allen nach französischer Manier eingerichteten Kirchen BelgienS herrscht, hat etwas eigenthümlich Ergreifendes und zur Andacht Stimmendes. Der Contrast gegen daS bewegte überfüllte Außenlcben ist zu auffallend. Die Sesseln, welche eigens zum Knien und Sitzen eingerichtet sind, befinden sich in einer Ecke der Kirche; wer einen gebraucht, bezahlet einen Sous. — Bon dem Dome weg richtete ich meine Schritte zur Kirche St. Martin, wo die Nonne Juliana der bekannten Offenbarungen gewürdiget wurde, in Folge deren man im Jahre 1246 in dieser Stadt die erste FronleichnamSprocession feierlich abgehalten. Ich besuchte noch andere Gotteshäuser, unter welchen sich durch Nettigkeit und neueren Geschmack das der Rcdemptoristen auszeichnet, mußte aber zu meinem nicht geringen Staunen bemerken, daß eigene Tafeln in den Pfeilern und Altären befestiget waren, auf welchen die Namen der Mitglieder dieser oder jener Bruderschaft ganz öffentlich verzeichnet waren; eS fanden sich auch viele van (Herr von) darunter. Eben so befremdeten mich die vielen gedruckten Annoncen, die an den Kir- chenthüren befestiget waren, und zu einer Masse von nenntägigen Andachten ihre Einladung machen. Wo nimmt denn der Belgier bei seinen Geschäften nur die Zeit dazu her? bei unS ist oft kaum an Sonntagen ein Viertclstündchen für den Geist zu erübrigen! Besonders waren eS Andachten zu Ehren Mariens. In den meisten Kirchen wird an größeren Festen für die seligste Jungfrau ein eigener Thron oft mitten in der Kirche, oder nahe am PreSbyterium cnichtet, auf dem sie reich ausgestattet prunket, und ein ganzer Wald von wohlriechenden Blumen und kleinen Bäumchcn umstellt ihn. Obwohl schon müde, wollte ich auch den PP. Jesuiten, die hier ein großes HauS haben, eine Visite machen, konnte sie aber trotz vielen Fragens nicht auffinden; die guten Patres werden sich indeß nicht gedacht haben, daß sie für einen constitutioncllcn Oesterreichs deS Jahres 4848 ein gesuchter Artikel wären. Eben so erging eS mir mit den äußerst thätigen Schulschwestern und den kröreg clo I'eools ellretisnne — ich mußte mich mit dem Lobe begnügen, das ich ihnen von allen Seiten spenden hörte. So liberal der Belgier in seinem öffentlichen bürgerlichen Leben ist, eben so genau kann er seyn, wenn eS die Prüfung deS Inneren gilt. Nirgends z. B. wird der fremde Priester so angelegentlich um seine bischöflichen Formaten u. dgl. gefragt, als eben hier. Dieß erfuhr ich in der alten Universitätsstadt Löwen, wo ich die heilige Messe crlebriren wollte. Ich wandte mich an den Geistlichen, den ich eben in der Sacristci traf, und zeigte ihm freiwillig meine Meßlicenz. Er nahm sie und laS sie wohl dreimal durch, stellte sogar die etwas auffallende Frage: on aver vous eouclier? und alS ich ihm daS Hotel cle Luecle nannte, schien er gar nicht befriedigt, wahrscheinlich, weil daselbst, wie ich später erfuhr, die neuverlodten Brautpaare ihr Absteigquartier zu nehmen pflegen. Indeß ertheilte er doch freundlich die Erlaubniß und traf selbst Anstalten, während ich meine kraoparstio verrichtete. Als ich damit fertig war, stellte ich mich zu den Paramenten, allein keine Hand wollte mir bei Anziehung derselben behilflich seyn. Dieß ist Gepflogenheit in ganz Belgien, der Priester muß sich selber an- und ausziehen, dafür hat er einen großen Spiegel in der Sacristei vor sich, daß er sieht, ob er seine Sache gut gemacht. (Fortsetzung folgt.) Die Charwoche in Köln. Köln, 9. April. Die Charwoche in der katholischen Kirche ist von wundervollen Eindrücken auf das fromme Gemüth: sie ist voller Poesie, malerisch schön und erhaben in ihren hervorstehenden Momenten; eine Charwoche in Köln liefert hiezu-die deutlichsten Belege. Der christlich classische Boden, die allwärtS in die Augen springende Denkmale einer altersgrauen Vorzeit, der vielartige Kreis antiker Tempel, der lebhafte Sinn der eigentlichen Kölner für kirchliche Feste: alles das vereinigt sich, um den eigenthümlichen Ton der Charwoche hier besonders scharf hervortreten zu lassen. Nach der Morgenfeier eröffnet um Mittag die sogenannte Römerfahrt, schmucklos und einfach, die heilige Woche; eö ist wohl kein HauS in Köln, daS nicht zu dieser Römerfahrt, die sich am GrünendonncrStage wiederholt, seine Person liefert; letztere, am Grüne ndonnerStage, scheint die beliebteste. Am späten Abend, nach eigens abgehaltenem Gottesdienste und Predigt in einer der neunzehn Kirchen, zieht die zahlreiche Procession durch die nächtlichen Straßen betend und singend, von Kirche zu Kirche, in oder vor der Kirche bestimmte Gebete verrichtend; außer und neben ihr zahlreiche einzelne Gruppen, die von gleichmäßigen Gefühlen belebt, sich zusammenfinden zu gemeinsamer Andacht. Dieß Wallen und Wandern von Kirche zu Kirche setzt sich auch am stillen Freitage fort, wo in jeglicher Kirche in eigener Weise das heilige Grab bereitet und von frommen Betern ohne Aufhören bis zum späten Abende umgeben ist. Bei der heurigen freundlichen Luft waren KölnS Straßen von früh bis spät mit frommen Pilgern gefüllt. — Das ist eben die schöne Eigenthümlichkeit des katholischen Glaubens, daß er sich in seinen Anhängern nach allen seinen Richtungen durchlebt und wie die Kirche als der unsterbliche Leib deS Herrn erscheint, so auch seine Lebeirs- und Leidensgeschichte fort und fort durchwandert. Deßhalb bedarf es bei dem Katholiken weniger deS anregenden Wortes; sein Cultus ist ihm fortlaufende Predigt, Belehrung, Ermahnung und Erbauung, eindringlicher und klarer für den schlichtesten seiner Bekenner, als alle Reden nur seyn mögen. So durchwandert der katholische Christ in stiller Enthaltung, in frommem Gebet und in anschaulichen Betrachtungen die heilige Woche, gleichsam mit dem Herrn den Kreuzweg machend, vom Triumphzuge am Palmsonntage bis zur trostlosen, schmerzvollen Grablegung. Und von gedoppelter Bedeutung wird ihm der erste Strahl der Ostersonne, das erste freudige Alleluja am Tage der Auferstehung! (Katholik.) PiuSverein e. Frankenthal, 18. März. Endlich ist auch hier der schon längst gewünschte PiuSverein inS Leben getreten, und zwar als Cantonalverein, welchem sich die Vereine in fünfzehn Gemeinden als Filialvereine angeschlossen haben. ES wäre übrigens schon früher ein PiuSverein bei unS zu Stande gekommen, wenn nicht den Freunden der kirchlichen und religiösen Freiheit die Erlangung eines VersammlungSlocaleS von der Intoleranz unmöglich gemacht worden wäre. Um so erfreulicher muß es darum erscheinen, daß sich ein Ehrenmann fand, der, begeistert für den schönen Zweck der PiuSvereine, ein Versammlungslocal eigens erbauen ließ und zwar so groß, daß 3 — 400 Menschen darin Platz finden, und so zweckmäßig eingerichtet, daß ein kleines Parlament in demselben seine Sitzungen halten könnte. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung)jährlich I G. I«kr. Dur-b die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Für sich allein, ohne die AugSburger Post» zeitung, sind diese Blätter nur in, Wege de« Buchhandels zu beziehen und koste» iir ganz Deutschland, der Schwel; u.s. w. jährlich nur 1 fl. Lst»kr. oder I Thlr. Neunter Jahrgang. M L8. 6. Mai L84N. Kirchliche Reisebilber. I. B e l g i e n. (Schluß.) In Antwerpen kam ich eben recht an, (es war an einem Samstage), um einer Procesfion, welche die Bruderschaft zum allerheiligsten AltarSsakrameute abhielt, beizuwohnen. In äußerst andächtiger Stellung folgten dem Baldachin schwarz gekleidete Herren mit brennenden Kerzen in den Händen, und eben so nobel gekleidete Damen. Ueberhaupt konnte ich mich innerlich nicht genug erfreuen über den heiligen Ernst und die Erbauung, welche ich auf allen Gesichtern laS. Freilich trug das Seinigc auch der colossal majestätische Dom bei, welcher mit seinen sieben Schiffen und 125'Säulen ein wahres Wunderwerk genannt werden muß. Ihr Feinde der katholischen Kirche kommet hieher, und besehet die Liebfrauenkirche mit ihren himmelanstrebenden Gewölben, mit ihren trefflichen Glasmalereien, mit den unerreichten Schnitzwerken, und urtheilet, ob diese Kirche nicht dadurch schon unsterblich sey, daß sie die heilige Kunst so gefördert und geschützt hat! Wer, der noch einen Sinn hat für die Meisterwerke eines Rubens und van Dyck, welche in diesem Tempel Gottes verewiget sind, muß sich nicht aufgefordert fühlen, eine Kirche anzubeten und zu verherrlichen, wtkche ihnen den Stoff und die heilige Begeisterung diesen auszuführen eingeflößt hat? — Mit einem seltenen Frieden deS Herzens verließ ich den gothischen Tempel und nachdem ich in der Jesuitenkirche (man schlage ein lateinisches Kreuz) die Menge ihrer Beichtkinder an einem gewöhnlichen Tage bewundert hatte, ging ich die Scheide entlang hinaus zu dem großen Hafen, in welchem bei 500 größere oder kleinere Kauffar- theischiffe vor Anker lagen. Es war Abend geworden, und die letzten Strahlen der Sonne spiegelten sich in den leicht bewegten Fluthen. Eine heilige SabbatSruhe, so wie ich sie in meinem Inneren fühlte, schwebte über der sonst so geräuschvollen Stätte, und doppelt schön und glücklich kam mir in diesem Augenblicke daS belgische Land vor, und nur der Gedanke an mein tief erschüttterleS Vaterland trübte mich in meiner Seligkeit. WaS soll ich endlich in Kürze noch von Brüssel, dieser niedlichen, heimischen Residenz erwähnen, um die gütigen Leser mit meinem Bilde nicht zu langweilen? ES war ein Sonntag, den ich hier verlebte, also ein Tag wo man die katholischen Belgier noch mehr kennen lernen und belauschen konnte;— aber ich fand mich in meinem schon gefaßten Urtheile nur bestätiget: der Belgier ist Katholik mit Leib und Seele. Als ein kleiner Beleg hiefür mag z. B. gelten, daß, trotzdem im ganzen Lande kein SonntagSgesetz eristirt, doch die ungemeine Mehrzahl der Kaufläden und Auslagen verschlossen war. — Als ich im St. Gudula Dome mich etwas umsah, und insbesondere die colossale sinnvolle Kanzel, „ein plastisch christliches Epos" näher betrachtete, that eS mir theils um die Leute, die ich in ihrer Andacht störte, theils um den Klosterbruder leid, der mich begleitete und über und über erröthete, als man ihn als Mitstörenden mit sonderbar fragender Miene zu messen schien. DaS ist die beste Polizei — der ordnungsliebende Volkssinn. So lebt das Volk Belgienö im Segen und Frieden dahin, und genießet die köstlichen Früchte der politischen und kirchlichen Freiheit. Mit dem Fürsten, der die freie Verfassung schützet und schirmet, lebt LaS Volk, wie jüngst jemand bemerkte, wie in einer glücklichen Ehe, cS kommt höchstens zum Schmollen zwischen beiden, aber desto inniger knüpft sie wieder die Versöhnung. Der Kirche gegenüber erkennt sich der Belgier als treuer Sohn der Kirche, und weder im Handel noch Wandel, weder in der hohen Kammer noch im Gotteshause verläugnet er seine warme katholische Ueberzeugung. Weil er die Freiheit versteht, und nicht zu einer Mißgeburt verzerrt, so beschrankt er keinen seiner Mitbürger in seinem Glaubenöbe- kenntniß, sondern läßt jeden gewähren, was ihm am besten dünkt. Belgien ist daS Land, wobin wir alle mit heiligem Wetteifer blicken sollte», und gleichwie die belgische Konstitution ein Modell geworden ist für die mcisteir neueren politischen Verfassungen, so möge auch der kirchliche Zustand Belgiens unö Katholiken ein Ideal seyn, daS bei der Neugestaltung unseres Vaterlandes unS vorschweben soll! Belgien ist das Land, wo wenig gesprochen, aber viel gethan wird! — Gebt unS belgische Bischöfe und Priester, die da Hand in Hand gehen, wenn cS gilt für das Heil der Seelen zu sorgen, die da kein Opfer scheuen, wenn eS die Liebe fordert — gebt unS Freiheit, so wie sie die Kirche BelgienS genießt, — und auch unser Vaterland wird wie ein Phönir aus der Asche erstehe», und WaS daS Jahr 1830 für Belgien war, das wird daS Jahr 1849 für Oesterreich seyn. Schließlich erlaube ich mir zu bemerken, daß mein erstes Reisebild zu wenig Schatten hat. Indeß abgesehen von dem herrlich heiteren Himmel, der die Aufnahme des Bildes begünstigte, und alle Schattirungen erblassen machte, glaube ich diesen Mangel bei den nächst folgenden zwei Bildern, welche Deutschland und die Schweiz darstellen werden, ersetzen zu können. Anton Kerschbaumer. Prophetische Stimmen der Neuzeit. j- WaS war das Traurigste für die Seherin Kassandra, als daß ihr der vorausgesagte Untergang ihrer Vaterstadt Troja von ihren eigenen Mitbürgern nicht geglaubt wurde? WaS schmerzte die Propheten des alten Bundes mehr, als Laß die Juden gleichsam mit freiwillig verbundenen Augen der Assyrischen Gefangenschaft entgegen gingen? Der Sohn GotteS selbst weinte bitterlich über das schöne Jerusalem, weil eS die Zeit der Heimsuchung nicht erkannte und so nach 37 Jahren eine Beute und ein AaS der römischen Adler würde. DaS Nämliche siel mir ein, als ich da» in Einsiedeln erschienene Büchlein gelesen hatte, daS den Titel führt: „Blicke in die Zukunft" oder Geschichte eines frommen und erleuchteten Priesters in den Jahren 1828 — 1830. Metrisch dargestellt von Doctor K...f..., Professor. Wer dasselbe liest, wird sich angetrieben fühlen, eS auch Andern vorzulesen oder mitzutheilen, die um Deutschlands und Europa'S Zukunft besorgt sind. Enthält eS auch keine Glaubensartikel, so ist eS doch geeignet, den abnehmenden Glauben an GotteS Weltregicrung, welche die Schicksale einzelner Menschen und ganzer Völker lenkt, wieder mehr zu befestigen, und die leichtsinnige Lebenslust, die nur den Thiermen- schen im Auge hat, auf ernste Bußgedanken hinzuleiten. Doch ich will hier nicht vorgreifen, sondern nach der Reihenfolge der Geschichte selbst den Inhalt deS Büchleins näher untersuchen. Im Eingänge erzählt der Priester, daß er vor dem Altare Gott um Erbarmung für die'sündige Menschheit angerufen habe. Sein Seelenlciden ergriff auch den Körper, der ermattet in Schlaf sinkt, während sein geistiges Auge in den Büchern der Zukunft laS, die sich in 15 Sonntagen aufblättern. Am ersten Sonntag sah der Erleuchtete ein wunverholdeS Knäblcin, dessen süßer Hauch ihm noch sagte: „Ich will erbarmen!" Aber plötzlich lag an deS KindeS Stelle ein Mann von dreißig Jahren, den er ebenfalls um Erbarmen anflehte. Weg war Mann und Kind, und eS tobt ein Sturmwind in dem Hause, so, daß die Thüre aus den Angeln fliegt. Durch die offene Thüre strömen dichte Menschenmassen, die zum Himmel deuteten auf ein Tuch, welches von den tiefsten Fernen deS Himmels herabgelassen wurde, und woraus Nebel, Rauch und Feuerflammcn stiegen. Plötzlich wickelt sich daS Tuch zusammen und wird ein Balken, an dessen beiden Enden ein Kronen- reif und eine Geißel GotteS hängen. Die Geißel sprüht Feuerfunken, und der Balken verwandelt sich in ein Schlachtschwert, das blutroth über Städte hing und Länder. Wer denkt hier nicht an daS Vstioinium Ickclininum» daß Deutschland werde von Rußland gezüchtiget werden? Der zweite > > Bei einer Präger Barricade. Sonntag führt unS in einen Krankensaal voll crdensarbner, schmerzver- zehrter Menschen, in vessen Mille ein Mann voll erhabener Würde sitzt. Der Priester bittet ihn um Erbarmen; aber sein Gebet wird mit „Nein" beschicken; denn die Zeii eines Gerichtes, der Tennesäuberung und eines neuen Reiches sey angekommen. Die in Buhe harren und den Glauben nicht verletzen, werden gesammelt werden wie die Küchlein der Henne. Eine Deutung dieses Gesichtes möchte vielleicht seyn: „Die Glaubensfrei- heil wird die Anhänger Jesu und seiner Kirche und die Abtrünnigen aus einander scheiden. Am dritten Sonntag sieht der Priester eine wohlriechende Blume, die aber, vom giftigen Thaue berührt, plötzlich verdorrt. Die dahinsterbenden Menschen im Hospitale, die schwarzen Leichenkarren und der Trauergesang: „Kisorero mei, Daus!" erinnern nur zu deutlich an die Wiener Herbstscenen, die sich noch blutiger wiederholen werten, wenn cö auf den NadicaliSmuS ankömmt. Der vierte Sonntag ist der einzige, der auch die Deutung deS Gesichtes enthält. Der vom Thurme sich losmachende Quaderstein stellt nämlich vor den Tod deS Papstes PiuS VIII. am 6. December 1830. Der Thurm wankt zwar, aber stürzen wird er nicht wegen der Fundamente. So wankt auch gegenwärtig Petri Schifflein, aber' sinken wird eS nicht, und der Namenönachfolger PiuS des Sechsten und Siebenten, der zwar gegenwärtig auch ihr Leidensgefährte ist, wird wieder nach Rom zurückkehren und der Vertheidiger kirchlicher Freiheit seyn. Am fünften Sonntag wird der Scher im Geiste versetzt nach Egyptcn, wo die ungestalteten Nilpferde lauschen auf Beute, und das Krokodil! den gelben Rachen spaltet. Lybiens Wüste und ArabienS Felseumassen uinstarren ihn, während er im breiten Strome schrecklich einsam und verlassen steht, und als er um einen AuSweg fragt, wird er auf die dornigen, alpcnvollen und unebenen Berge, auf Schlangen und Basilisken hingewiesen, über die er schreiten muß, um zum Leben zu gelangen. Da er wieder in die Heimath zurück kommt, sieht er seine Kirche zum Waarcnmagazine verwendet, und auf dem Gottesacker reihen sich frische Leichcnhügel und viele offene Gräber aneinander. Ein in schwarzes Gewand gehüllter Fremder begegnet ihm und durchbohrt ihn mit wildem Feuerauge. Hier sind die Verfolgungen des Gottes- und Menschen- FcindeS, deS Satans, die er durch seine Diener auf Erden über die Guten verhängt, meisterhaft gezeichnet. Die zerstörte Kirche und der leichenvollc Gottesacker verkünden den Umsturz deS Christenthums in Europa und den Kampf auf Leben und Tod, den ein Religionskrieg bringen wird. DaS Gesicht des sechsten SonntageS zeigt dem Priester den Markt dieser Welt, der plötzlich durch den Ueberfall wilder Thiere aufgehoben wird. Gegen den Anfall zweier Tiger setzt er sich mit dem Messer zur Wehre, das ihm aber nichts hilft, sondern seine Kniee retten ihn, mit denen er die Thüre deS Hauses zuhält. Durch demüthigeS Gebet und Fasten könnten manche Leiden, die uns drohen, wieder zurückgenommen oder wenigstens gemindert werden. Der siebente, achte und neunte Sonntag gibt an daö Aufhören alles Gottesdienstes auf die Dauer von „Einhundert sechse" (Tage, Wochen oder Monate?), deS Predigend und Beicht- hörenS. Die Kanzeln wanken, und die Beichtstühle werden vom Sturme in die Wüste fortgeblasen. DaS aus Europa wandernde Christenthum wird sich in einem andern Welttheile eine neue Heimatb suchen. Nach Bayern, auf welchem Lande der Himmel lange heiter strahlte, werden wir am zehnten Sonntage im Geiste mit dem Scher versetzt, auf das jetzt schwere Schlossen fallen. Der auf ein Tuch von groben Linnen verschüttete Wein, den zwei Priester in das Faß zurückgießen, mag wohl das viele Gute bedeuten, vaS man da noch antrifft, wenn man eS nur auch zu benützen wüßte, und nicht zu groß die Mühe wäre, die Gutdenkenden um sich zu schaaren. Hätte man weniger Mißtrauen und mehr Vertrauen auf die Kirche, so dürfte man nicht bei Kirchen- und Königöfeinden um Rath fragen. Die Kirche hat ältern und bessern Wein, als der brausende Most der Revolution es ist. Der eilfte Sonntag zeigt unö ein Lavaland ausgebrannter Städte und Fabriken, und weist uns auf die Jncu- rabcln von St. Franciscus, die wahrscheinlich gegen die Armuth Rath schaffen sollen. Ganz Europa ist am zwölften Sonntage ein Kriegslager gegen die Kirche auf einer Felsenfeste, an welcher der Ritter in schwarzer Rüstung nebst seinem Sireitrosse zerschellt. Die drei letzten Sonntage stellen unS vor die triumphirendc Kirche, wie sie nach vielen, langen und heißen Kämpfen voll göttlicher Würde und Erhabenheit dasteht. Ergriffen von der überirdischen Schönheit der Braut Jesu sinkt der Seher an den Tcmpclstufen nieder und ruft entzückt aus: „O wie herrlich ist die Wohnung meines Gottes auf der Erde!" DaS Gesagte wirb genügen, um daö Büchlein selbst zu lesen, von dem eS wohl auch heißen mag: „Wird eS wohl Glauben finden?" Seine bescheidene und ungekünstelte Darstellung und Sprache verdient wenigstens menschlichen Glauben. Göttliche Autorität maßt sich dasselbe nicht an. Die Spuren der Juniereiguisse voriges Jahrs verschwinden allmälig; bald dürften die Narben an der Stirne des Altstädter Brückenkopfes die einzigen Erinnerungszeichen bleiben, weil doch zu erwarten steht, daß die enthaupteten Heiligen und Engel auf der Brücke nicht lange im Zustand dieser traurigen Verstümmelung bleiben sollen. Die Mühlen, der Herd deS furchtbaren Brandes, zumal haben eine glänzende Metamorphose erfahren: anstatt der elenden Bretterbuden sind palastähnliche Häuser emporgestiegen, zum Theil von kühnen Wölbungen getragen, um den Wassern freien Durchzog zu lassen. Kaum ragt der Rumpf LeS ausgebrannten Wasscrthurms über die herrlichen Bauten hinweg, seines noch zweifelhaften LooseS harrend. Ein aus den UntcrsuchungSactcn gezogenes, eben erst in zweiter Auflage bei Sommer in Wien erschienenes Schriftchen weckte die alten Erinnerungen lebhafter, und Manches, was eine gewisse Partei mit Sorgfalt zu verwischen suchte, trat in unliebsamer Wirklichkeit an's Licht. ES wird die Zeit kommen, wo die ganze Tünche sich ablösen, und daS pansla- wische Bild sich in seinen deutlichen Umrissen zeigen wird. Ich schweifte mit einem guten Freunde im Gebiete dieser Reminiscenzen herum, als:wir auf einen Verfall kamen, welcher in den stürmischen Tagen seinen Eindruck nicht verfehlte, obschon daS Gemüth so vielfältig ergriffen war. Er verdient niedergeschrieben zu werden. Die streitenden Parteien wachten besonders darüber, daß den Gegnern kein Schießbedarf zugemittelt wurde. Aus diesem Grunde mußte es sich Mancher gefallen lassen, wenn er in ruhigen Augenblicken über die, die Lager abgränzenden Barricaden kletterte, eine strenge Taschendurch- suchung zu bestehen. Da erschien auch eine alte, häßliche Frauengestalt; ihr wilder, scheuer Blick, ihr ganzes unheimliches Wesen zog die Aufmerksamkeit deS wachsamen Proletariats besonders auf sich. Sie wurde angehalten, und da sie mit Gewalt durchdringen wollte, um desto genauer visitirt. Bald wurden unter wildem Geschrei Patronen auS ihrem Busen hervorgezogen. Ging es bei der Untersuchung schon heftig zu, so gerieth die rohe Masse bei der Entdeckung in eine wahre Höllenwuth, die sich auf'S Aeußerste steigerte, als sie hartnäckig daS Geständniß verweigerte, für wen sie die Munition getragen habe. Sie lag bereits auf dem Boden, man schleifte sie herum, und mißhandelte sie ferner mit Stößen und Fußtritten, ja man drohete ihr den Tod. Ueber die letzte Drohung brach sie in daS Gelächter einer Verzweifelten aus, indem sie rief: Ich will den Tod, daS Maaß meiner Sünden ist voll! Und wirklich stürzten dann, als hätten sie den Rathschluß der göttlichen Gerechtigkeit zu vollziehen, eine Rotte Weiber über sie, und erdrosselten sie auf die schauerlichste Weise. Die Leiche wurde über die Barricade geschlendert, denn man konnte ihren Anblick nicht ertragen. AIS man später die Gebliebenen sammelte, und großen- theilS in eine gemeinsame Grube bei dem Kloster EmauS senkte, war man dagegen, dieses AaS, wie man es nannte, zu ehrlichen Leichen zu legen, und man scharrte eS besonders ein. So läßt sich die schauerliche That nach den mitunter abweichenden Erzählungen der näher Gestandenen nacherzählen. Welches sind aber die Anfänge eines solchen Endes? Wir müssen weit zurückgehen, zurückgehen in eine Zeit, welche von vielen hoch gepriesen wird, in die achtziger Jahre, und in die nächstfolgenden Jahrzehente, wo die gestreuete Saar der Achtziger da am üppigsten wucherte. Unter den vielen Klöstern Böhmens zeichnete sich eines aus, von Söhnen deS heiligen FranciScuS bewohnet. An demselben ging wohl der Geist der Scculari- sirung schonend vorüber, aber auch nur um den Preis, daß dem frivolen Weltgeist, seinem Bruder, der damals, wie heut zu Tage, der Geist der Aufklärung hieß, freier Zutritt gestattet wurde. Nachdem er längere Zeit sich umgesehen hat, fand sich der Mann, dem er seine Weihe geben konnte, und man muß gestehen, daß dieser Vorsteher des HauseS den Zeitgeist auf eine Weise begriff, und ihn zu rcpräsentiren verstand, wie vielleicht wenige seines Gleichen. Mit dem zartesten Puder war täglich der nettfnsirte Kopf angehaucht, der geschmackvollste Anzug schmiegte sich an seine Glieder. Die geschliffensten französischen Manieren machten den Mann in den elegantesten Zirkeln unentbehrlich. Die ohne Widerrede erste Romanenbibliolhek, welche er zu schaffen verstand, bot seinem Geist reichliche Nahrung und Gelegenheit auf zeitgemäße Bildung in weiteren Kreisen, besonders bei dem zarten Geschlechte einzuwirken. Das Ausgezeichnetste aber waren die HauS- feste; die überstrahlten AehnlicheS weit und breit. Von Mittag bis in die sinkende Nacht fesselten immer sich erneuernde Gaumenreize über hundert Gäste an die üppigste Tafel, und war die Nacht da, suchte man Kühlung in den Gärten, wo die schönsten Harmonien durch die duftenden Büsche drangen; da überraschte die Heiteren die Frauenwelt, und daS Ganze krönte ein abgebranntes Feuerwerk. So rauschten einige Jahre vorüber, der Mann war ein wahrer Allerwelimann, ein Ideal, wie eS die schwunghafteste 71 Fantasie eines Aufgeklärten nur malen kann. Das kaeit? 70,000 fl. Schulden, und da der Weltmann einmal nicht bei Gelb war, ein Eingriff in die Armencasse, den ein Raubanfall decken sollte, bei dem aber sehr ungeschickt die Ofenkacheln anstatt gegen daS Zimmer, vvm Zimmer aus in den Ofen eingeschlagen wurden; dann »Amtsentsetzung, etwas Geistesverwirrung, Achselzucken der Tafelfrcunte, Verachtung von Andern, — und der Tod als willkommener Freund. Allein dringt in heilige Mauern dieser Geist, so beschränkt er sich nicht mit dem Verderben Einzelner. Nur wenige vom Geiste GotjeS durch drungene Priester widerstanden dem Reize des böstit Beispieles; lese seufzten bei den üppigen Tafeleien, und athmeten ihre Wehmuth in den heiligen Psalmodien auS, für welche die Andern keine Neigung mehr hallen. Am tiefsten griff das Verderben bei einem jungen talentvollen Mann, der sich endlich auch in die Reize einer jungen Stärkhändlerin verwickelte. Sein Betragen wurde von den ernsten Vätern gerüget. Dieses erregte in seinem leiten schaftlichen Herzen einen bittern Zorn, und da sie auch seinem Streben nach einem einträglichen HauSanue im Wege standen, so kam er auf den schrecklichen Gedanken, drei mit Gift zu todten. Ob dieser Gedanke ihm ursprünglich angehörte, oder von der erwähnten Person gegeben wurde, kann ich nicht angeben; aber erwiesen ist eS, daß beide zusammenwirkten. Nach kurzer Zeit waren die Drei — Leichen. Der Fall machte großes Aufsehen, aber man glaubte an einen unglücklichen Zufall. Die Bosheit hat t, jedoch ihren Zweck nur theilweise erreicht; denn die ersehnten Haus- ämter'wurden durch Andere beseht, welche man auS fremden Häusern herbei zog. Doch das Werk war schon einmal gelungen, man wagte eS ein zweiteömal. Die Wirkung war die nämliche; abermal zwei Leichen, und mehrere Soldaten, denen die guten Patres auS Barmherzigkeit ihre Suppe reichen ließen, erkrankten heftig. Nun schritt man zu ernstem Untersuchen; fand aber den vermeintlichen Grund der Vergiftung in dem prachtvollen Kupfergeschirr, welches der glänzenden Hospitalität wegen angeschafft worden war. Nach einiger Zeit überfielen aber wieder einen Greis, der «dermal vorgezogen war, bei Tisch Uebelkeiten; die Natur half sich schnell, und er war gerettet. Erst da kam man auf die Vermuthung, daß eine absichtliche Vergiftung im Spiele sey. Niemand wagte eS einen Verdacht auf ein Mitglied des Hauses zu werfen, bis ein Knabe seine Bemerkung mittheilte, wie er zweimal gesehen, daß der Pater N. ein Papier auS der Tasche nahm und ins obere Salzfaß geleert habe. Man fand dort noch Gift. Schnell folgte daS Geständniß, und die rechtliche Folge, daß er degradirt, mit der Complice auf die Schandbühne gestellt, aus besonderer Berücksichtigung zu 20 Jahren schwerem Kerker verurtheilt wurde. Nachdem er nach einigen Jahren zu entspringen wagte, wurde er im Augenblicke ergriffen, als er sich die Eisen abzuschlagen versuchte. Deßwegen wurde ihm dann der Spielberg zum Strafortc bestimmt. Dort war er bei sieben Jahre, als er Mehrere inS Einverständniß zog, und durch einen Canal mit ihnen entfloh. Auch da wurde er aufgegriffen, und sollte sein neues Vergehen auf der Bank büßen. Von derselben stand er nicht mehr auf. So schloß ein Leben, daS einst Gott geweiht war! Die Person, welche wir von der Barricade wegschleppen sahen, war die schöne Stärkhändlerin. — DaS sind die Früchte, wenn Klöster dem Zeitgeiste ihre Pforten öffnen, an denen er wieder so frech pocht; so kann man von Gott verlassen werden, wenn man ihn leichtsinnig verläßt. — Wer steht, der sehe zu, daß er nicht falle, und je höher Einer steht, desto tiefer kann er fallen. (Kalh. Bl. a. T.) Deutschland. * Wien, 27. April. Unsere Stadt hat jetzt die Ehre eine große Anzahl ehrwürdiger Bischöfe in ihrer Mitte zu haben. Bereits sind angekommen der Cardinal Schwarzenberg, Fürstbischof Diepenbrock und der seit letzten Sonntag inthronisirte Fürstbischof von Seckau: Rauscher. Ich nenne Ihnen diese drei würdevollen Persönlichkeiten namentlich, weil die öffentliche Meinung sie als die Hauptträger deö übermorgen beginnenden bischöflichen Congresses bezeichnet. Außerdem lese ich unter den Angekommenen die Erzbischöfe von Lemberg, Olmütz und Görz, die Bischöfe von Laibach, Gurk, Budweis, Königgrätz, Lejtmeritz, Trient, St. Pölten, Tarnow, Przemyöl u. s. w. Linz und Briren sind durch Domherren vertreten. — Die Sitzungen beginnen am Sonntag (29.) und werden wahrscheinlich von Minister Bach, da Stadion noch immer kränkelt, eröffnet werken. Noch kann ich Ihnen nichts Bestimmtes über daS SitzungSlocal schreiben, aber das stellt sich immer sicherer heraus, daß man die Zusammenkunft unserer Bischöfe kein Nationalconcilium, nicht einmal eine Synode nennen kann — die Bischöfe selber protestiren dagegen. Die Berathungen werden mehr inS Politische hinübcrspielen, und von einem k. Coniiiiissär geleitet (?) werden. Auf jeden Fall ist zu bedauern, daß die Bischöfe selber über die zu verhandelnden Gegenstände nicht ganz im Klaren sind; sie wissen nur durch das Ministerium LcS Innern, daß eS sich um zwei 8 der oktroyirten Verfassung handelt. Im Publicum geht das Gerücht, daß nach Beendigung dieser mehr politischen Debatten, die Bischöfe die schöne Gelegenheit benützen, und zu einer Synode im kirchlichen sinne und Geiste sich vereinigen werden. Gott gebe cö, es thut noth! Die Nachrichten anS llngarn sind noch immer nicht befriedigend, die Bangigkeit der Gemüther nimmt zu, und wird von der nie rastenden Um- sturzpartei für ihre Zwecke benützt. Von Wien ziehen schon mehrere Familien fort. Ich glaube aber, wir können hier gane ruhig sey». Wenn Oesterreich Wien nicht mehr schützen kann, .dann beginne auch ich an Oesterreich irre zu werden, so ungern ich'S.thue. Einige wollten schon den HH- Bischöfen das Prognostikon stelle», daß eö ihnen so wie einst der gesprengten Lrientersynode ergehen werde. Doch der Herr wird über nnö wachen. Eine größere Krisis als im Jahre 1848 kann nicht mehr über Oesterreich komme», und aus jener Krisis ist eS siegreich hervorgegangen. Daß einige unserer ministeriellen Blätter solch absonderliche Corrcspondenten in Bayern und Preußen bezahlen, wie letzthin Ihr Blatt mit vollem Rechte bemerkte, darf Niemand wundern, der weiss, daß unter den Augen des Ministeriums Leute arbeiten, die mit Kvffuth unter der Decke spielen, und offen triumphircn über die Fortschritte der Insurgenten.. Wir Oesterreichcr sind doch gutmüthige Leute! — Wien, 80. April. So eben komme ich vom Dome zu St. Stephan, in welchem heute um 9 Uhr das feierliche heil. Geislamt zur Eröffnung der ersten österreichischen Bischofssynode im neunzehnten Jahrhunderte gehalten ward. Der Fürst-Erzbischof von Wien als Senior celeburtc, Präsenz leistete Se. Eminenz Cardinal Schwarzenberg, welcher, in Mille deö versammelten hochw. Episkopates, durch seine imposante Gestalt und ehrfurchtgebietende Würde hervorragte. Ich zählte im Ganzen vierundzwanzig Bischöfe auS der österreichischen Monarchie, Ungarn ausgenommen, dessen Episkopat leider durch die noch immer obschwebenden politischen Wirrnisse an der Theilnahme gehindert ist. Bischof Ziegler von Linz und Galura von Briren, beide durch Altersschwäche gehindert, sandten Delegaten. Der Dom war in allen seinen Räumen festlich erleuchtet, und reichlich mit Blumen verziert, und erhöhte die Pracht und Majestät dcS katholischen Cultus, der sich heute im vollsten Glänze vor dem Auge des Gläubigen entfaltete. Man sah auch die anwesende Menge, die alle Räume erfüllte, sichtbar ergriffen von der Feier und Bedeutung deS Festes; denn der Katholik Oesterreichs weiß, daß eS nur gilt, die Kirche in der That auf ihren freieigenthümlichen, selbstständigcn Boden zu stelle», und sie zugleich in jenen Fragen, welche Kirche» und Staat gemeinschaftlich berühren, mit dem Staate in einen harmonischen Einklang zu bringen, der allein heil- und segenbringcnv seyn wird für Oesterreichs kirchliche und politische Zukunft. Man sah Viele auS wahrem HerzenSdrange zu Gott empvrflehen um die siebenfachen Gaben deS heiligen Geistes über die kirchlichen Oberhirten, welche aus den Händen des Eelebranten die heilige Eommunion empfingen, und durch die laute Abbetung der prokessio Trickentiim eidlich betheuerten, daß sie nicht Ein Jota von dem Glauben und den Rechten der Kirche vergeben werden. Mit Vertrauen blickt Klerus und Volk auf die muthigcn Vorkämpfer, auf einen Cardinal Schwarzenberg, Fürstbischof Diepenbrock von LreSia», welcher des österreichischen Antheils von Schlesien wegen zum österreichischen Episkopate gehört, Erzbischof Sommerau von Olmütz, den Episkopat PolenS und deS Küstenlandes. — Obwohl die Bischöfe durch Minister Stadion zu einer Berathung eingeladen wurden, haben sie dock beschlossen, vor der Berathung mit den Staatsbehörden, eine kirchliche Synode zu halten, und es beginnt sonach morgen die erste Sitzung derselben, deren Endresultate gewiß der Oeffenilichkeit nickt vorenthalten werden. — Möge das I'o Oaum Imickgmus zum Schlüsse auS tausend und aber tausend freudig bewegten Herzen zum Lobe GolteS und seiner Kirche erschallen, und Wien ein zweites Würz bürg seyn! » » AuS Oberbayern, 20. April. Ihre Nachbarin, die Allgemeine, hat ihren hohen Unwillen nicht verbergen können, daß man in Bayern für Se. Heiligkeit PiuS IX. sammelt und diese Sammlungen, wie eS den Anschein hat, so ergiebig ausfallen. Sie gesteht, daß sie keine Sorge habe um daS Auskommen Pius IX. und wir hätten ihr ras allerdings ohnehin zugetraut, danken ihr aber doch für das naive Geständniß. Ob aber für das Auskommen deS heiligen Vaters hinreichend gesorgt sey, oder die Allgemeine vor protestantischer Kurzsichtigkeit nicht recht gesehen, cas möge der Leser beurtheilen. Bekanntlich hat Se. Heiligkeit Ende November v. I. Rom in großer Dürftigkeit verlassen und in Gaäta unter dem Schutze deS KönigS von Neapel eine Zufluchtsstätte sich gesucht. 72 I^H L'.i U t^-' c^>. 5^ iKi K^! Der fromme König von Neapel hat sich nun allerdings mit großer Liebe und Freigebigkeit seines hohen GasteS angenommen unv ihm jegliche Hilfe und Erleichterung zukommen lassen: aber wir bitten zu bedenken, daß PiuS nicht allein nach Gavta gekommen, sondern die ganze Regierung des christlichen ErdkreiseS: fast alle Cardinäle, viele Erzbischöfe und Bischöfe, die verschiedenen Kongregationen der geistlichen Angelegenheiten, viele getreue, aber in ihrem Leben bedrohte Anhänger und Diener des Papstes haben sich um ihn vereiniget, und die Regierung der Kirche hat keine Unterbrechung erlitten. Wir bitten auch zu bedenken, daß nach wie vor die Unterhaltung der päpstlichen Nuntialurcn dem Papste zur Last fällt: so wie auch ohne päpstliche Unterstützung manche apostolische Vicariate und Missionen schwerlich fortbestehen könnten. Ohnehin haben die Missionen schon im letzten Jahre bedeutenden Schaden erlitten, da daö Einkommen der Propaganda geschmälert wurde, und Cardinal Fransoni erklären mußte, die Propaganda sey nicht mehr im Stande, die Reisekosten der Missionäre zu tragen. Die Allgemeine hat nicht Bange für die Person Piuö IX;; sie hätte mit derselben Wahrheit sagen dürfen, sie habe keine Besorgniß 1 o. kein Interesse für die katholische Kirche. Ich möchte aber fragen: wem kommt jetzt pflichtgemäß die Erhaltung des Papstes und seiner Regierung zu, nachdem er aus seinem Lande hinausgestoßen, seines Einkommens beraubt, selbst an seinem Privatvermögen — worunter auch die Geschenke deS türkischen Kaisers sind — bestohlen wurde? Etwa dem Könige von Neapel allein? Nein, Piuö IX. ist nicht etwa bloß ein Patriarch für das Königreich Neapel, er ist der Vater der Gläubigen, er ist der Bischof aller Bischöfe, er ist der Oberhirt deS ganzen ErdkreiseS, und darum ist jetzt die ganze katholische Christenheit aufgefordert und verpflichtet, ihren gemeinsamen Vater zu unterstützen. Früher hörte man sagen: der Papst bedarf keiner weltlichen Herrschaft, wenn nur für sein Auskommen gesorgt ist, jetzt, da er seiner Herrschaft beraubt ist, will man auch von den Sammlungen zu seinem Unterhalte nichts wissen. — Ein italienischer Priester schrieb uns kürzlich einen Brief voll des Jubels über die Siege der österreichischen Armee und kann jene tapfere Armee, „die so viele Strapazen aushalten müsse, um die göttliche Gerechtigkeit in Italien zu handhaben" nicht genug preisen. Sie seyen, sagt er, so geduldig und gesittet, daß sich OrdenSIeute an ihnen spiegeln dürften. Die Zustände im Römischen schildert er, wohl mit einiger den Italienern eigenen Uebertreibung, als schaudererregend. Die Priester und OrdenSIeute, sagt er, werden ohne Scheu gleichsam zur Unterhaltung todtgeschlagen und erschossen, die heiligen Gefäße aus der Kirche geraubt. Die Stimmung der Massen, die sich bisher meistens als indifferente Zuschauer benommen, wird namentlich in TvSkana und im Römischen immer günstiger für Oesterreich. Wie oft habe ich schon im vorigen Jahre in Rom hören müssen: Wenn nur Radetzky käme, wir wollten ihm die Hände küssen. Thatsache ist, daß man schon im vorigen Sommer in Fvrli einen kleinen Aufstand mit Barrikaden versuchte und dabei rief: Xbas8o io liiwrta glmsso lo coneossioiii, ab »880 il Llinmtero vivs I'Impgrstor, vivs lXu8tris. Die charakterlose Feigheit der heutigen Italiener ist allein Schuld, daß diese in der Mehrheit der Bevölkerung herrschende Gesinnung erst jetzt nach so großen Leiben durchbricht. Hätten die Guten in Italien Vereine gehabt, wie sie die Radikalen überall haven, das Bild Italiens wäre ein ganz anderes: aber nirgends gab eö Vereine, darum thun Vereine so noth. AuS Südtirol, Mitte April. Wenn man in den Zeitungen liest, wie es in der Welt hergeht, wie unser Papst hat flüchten müssen, wie der Bsschof Marilley von Lausanne in der Schweiz gleich einem Verbrecher auf dem Schub über die Gränze gebracht worden, weil er die Rechte der Kirche vertheidigte; wenn man hört, wie in Italien die Glocken von den Kirch- thürmcn herabgenommen worden, um Kanonen daraus zu gießen u. s. w-, so entsetzt man sich, denkt aber geschwind: Gottlob, bei unS können solche Dinge nicht passiren. Daß aber auch hier zu Lande nicht Alles in Ordnung sey, das beweiset der Versuch, den man von gewisser Seite in Bregen; und in Briren gemacht, die barmherzigen Schwestern zu enrfernen. Wenn so etwas in einer bischöflichen Stadt geschehen konnte, was ist erst anderwärts zu erwarten? Dieser Orden genießt der größten Achtung in dem republikanischen Frankreich. Von Italien hört man nicht, trotz der kirchlichen Störungen, daß etwas gegen denselben unternommen sey. Die Protestanten reden mit Ehrfurcht von ihm, und wünschten ähnliche Einrichtungen zu besitzen. In Klein-Asien nennt das gemeine Volk der Türken die Schwestern Engel, und betet sie beinahe an. Nirgends wird eine Klage laut. Nur in vem katholischen Deutschland, von München auö, br.->t ein Sturm gegen dieselben loS. WaS haben sie verbrochen? WaS ist die Ursache dieses LärmenS? Ist ver Orden in Frankreich, Italien, in der Türkei, in Amerika gut und nützlich, in Deutschland aber, wo er noch vor zwei Jahren ebenfalls allgemein beliebt und gesucht war, mit einem Male nicht mehr seinem Zwecke entsprechend? Ich begreife eS nicht. AuS welcher reinen Quelle die Ankläger desselben schöpfen, mit welch redlichen Waffen sie kämpfen, was die Veranlassung ihres Grimmes ist, das ahnet man aus der Fluth von Schandschristen, Zoten und Schmutzbildcrn, welche bort wie Spülwasser über die armen Schwestern auSgegossen wird. Es scheint, die kirchlichen Orden sind überhaupt Vielen verhaßt und im Wege, unv weil/sie ihnen ein Hinderniß sind, so erklären sie dieselben für nicht zeitgemäß/ Schade nur, daß, wie billig, auch Andern zu reden vergönnt ist, und sie nicht allein daö Wort führen. — Diesen und ähnlichen Bedrängnissen unserer Kirche im Süden von Europa gegenüber kann ich mit Freuden melden, wie sie im Norden, wo sie drei Jahrhunderte lang gleichsam im TodeSschlaf lag, wieder erwacht. In England ward noch unlängst der Dienst der heil. Messe nach dem Buchstaben der LandeSgesetze mit dem Tode bestraft, und jetzt erheben sich dort Hunderte von katholischen Kirchen und Capellen und viele Klöster. Auch in Norddeutschland ist in neuester Zeit der Wendepunct eingetreten. „In Hamburg, so wird mir geschrieben, wußte man früher kaum von Katholiken. Sie waren ganz untergegangen unter der Masse von Protestanten. Nun hat die Sache ein anderes Ansehen gewonnen, seit unsere dortige Gemeinde durch einen würdigen Seelsorger vertreten wird. Die Protestanten, welche ein religiöses Bedürfniß fühlen, wenden sich entschieden dem Katholicismus zu. (Übertritte zu demselben sind häufig, besonders unter Künstlern, Malern, Bildhauern, ja sogar unter Lehrern und Erziehern der Jugend. Der katholische Geistliche hält Wöchentliche Zusammenkünfte mit glaubenSbedürftigen Protestanten, um über religiöse Fragen zu sprechen, und Zweifel zu lösen. Pater Hugucs, auch ein Hamburger, früher Calvinist, nun Katholik und Liguorianer, der durch seine Uebersetzung der Werke deS heil. Liguori auS dem Italienischen inö Deutsche bekannt ist, besuchte vergangenen Sommer seine Vaterstadt, und hatte den Trost, daß in seiner Familie und außerhalb derselben viele und auch solche, welche ihn früher gemieden hatten, sich an ihn drängten, um seinen Unterricht zu genießen." ES scheint, man hat in Hamburg andere Begriffe von den Liguorianern als in Wien, und hält sie für Leute, mit denen sich'S reden läßt, und geberdet sich gegen sie nicht so wüthig, wie HanS Nordmann, der nun schon mehrere Male auf der Rückseite der AugS- burger Allgemeinen Zeitung mit fürchterlichem Zähncknirschen gegen die Liguorianer sich hören ließ, und cS sollte Einen Wunder nehmen, wenn jene unparteiische Allgemeine, die sich in lauterer Unschulv nie um konfessionellen Hader kümmert, ihn nicht bald auf'S neue auS irgend einer Spalte brüllen ließe. Also, um wieder auf Hamburg zu kommen, viele der Besseren und Gebildeten daselbst suchen mit Mühe und Schmerzen wieder zu gewinnen, was hier von Vielen alö Zopf unv alter Plunder bei Seite geworfen wird. Lassen wir unS nicht von den Protestanten beschämen. (Kaih. Bl. a. T.) R o rn Eö wird versichert, Mazzini habe in Rom darauf angetragen, daS Pantheon, bekanntlich jetzt christliche Kirche, von all dem christlichen Unrathe zu reinigen und in einen Tempel, nach Einigen deS Ruhmes, nach Andern der reinen Vernunft zu verwandeln. ES ist wahr, daß man bis jetzt sich noch enthalten hat, in diesen Sücken der ersten französischen Revolution nachzueifern. Aber wie wahnsinnige Ideen Loch auch schon in Rom auftauchen, beweist der Umstand, daß jetzt wirklich daran gedacht wird, den Protestantismus in Rom einzuführen; so lange noch Priester da seyen, behaupten dessen Verfechter, werde auS der Republik nichts werden. (Köln. Ztg.) Griechenland. Die GesetzeSkammer von Griechenland hat die Regierung zur Wiederherstellung der früher aufgehobenen Klöster ermächtigt. (Die Zahl der aufgehobenen Klöster beträgt 400, die der bestehenden 150.) Die Regierung verspricht sich von dieser Maaßregel eine bessere Bebauung der Ländereien, als sie, bisher in Pacht gegeben, betrieben wurde, und eine daraus entspringende größere Einnahme für den Staatsschatz, so wie eine Befriedigung der religiösen Wünsche eines großen Theils des Volkes. — In der Schweiz dagegen meinen gewisse StaalSkünstler, es se» am besten gehauöt, wenn man die kirchlichen Korporationen zerstöre, ihr Besitzthum in alle Winde zerstreue; — nach den religiösen Wünschen des Volkes wird ohnehin nicht gefragt. (WhrhtSfrd.) Verantwortlicher Redacteur; L. Schönchen. VerlagS-Jnhaberr F. C. Kremer. Preis in Augsburg für sich allein (ohne U. Postzeilung)jihrlich Ist. I»kr. Durch dir Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsbrrrger Postzeitung. Für sich allein, ohne die AugSburger Post, zeitung, find diese Blät« ter nur im Wege de» Buchhandels zu be- ziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jähr, lich nur L fl. »O kr. oder I Thlr Neunter' Jahrgang. ^ 1 « 1L. Mai 184S DaS Christenthum im Innern Afrikas. (Schluß.) Als wir Dieses geschrieben, erfuhren wir aus Egypten, daß AbbaS Pascha den Europäern den Handel im Senaar (mit welchem Lande die Gebiete von Darfur, Kordofan und von Sudan im engern Sinne*) in vielfach verschlungener Verbindung stehen) freigegeben, eine Concession, die, Wie wir nachwiesen, ganz dazu geeignet ist, Mittelafrika dem Christen- thume, das im Senaar bereits so laut an seine Pforten klopft, für immer zu öffnen, zumal auch in Folge der französischen Februarrevolution für die Missionäre in Algier jenes die Enkel des heiligen Ludwig in der. Achtung aller civilisirten Nationen so sehr herabsetzende Verbot Louis Philipps nicht mehr besteht und die Rcpublik Frankreich der Kirche faktisch weit mehr Freiheit gestattet, als die gestürzte Julivynastie. Werfen wir nun einen fernern Blick auf die Karte von Afrika, so finden wir südlich deS MondgebirgeS noch unermeßliche Länderstriche, die unS unter dem Collectivnamen Hochafrika noch viel unbekannter find, als Centralafrika. Hier hat die Kirche noch fast keinen Fußbreit Landes gewonnen, ein Umstand, der nur dazu dienen könnte, unsere. Verwunderung rege zu machen, wenn wir nicht wüßten, daß die. Küsten dieser Landstriche von Nationen occupirt werden/ die, obgleich christliche, doch ' bisher für die Ausbreitung der katholischen Kirche so gut als nichts gethan haben, wenn sie sich derselben nicht sogar widersetzten. ES besitzen auf den Ost- und Westküsten Afrikas die Portugiesen, Spanier, Engländer, Niederländer und Dänen größere oder kleinere Colonien oder Handelsniederlassungen und Factoreien; auch von den vereinigten Staaten Nordamerikas aus wurde eine Colonie freier Neger, Liberia, gegründet: allein von keiner dieser Colonien geschah Etwas, um dem Christenthums eine Bahn in daS Innere Hochafrika'S zu eröffnen. Die Niederländer, Dänen und selbst die Engländer eiferten in ihrem protestantischen Irrthume mehr oder weniger gegen die katholische Kirche und ihre Missionäre;**) die Franzosen aber haben, wie anderwärts, so auch in-Afrika, in Folge ihres frivolen JndifferentiSmuS, der Verbreitung der christlichen Religion mehr geschadet als genützt, und die Unterthanen Sr. katholischen Majestät von Spanien hatten ihr Augenmerk fast ausschließlich auf Amerika gerichtet, während sie die afrikanischen Colonien nur als bequeme EntrepotS für den von ibnen zu so grauenhafter Höhe gesteigerten Sklavenhandel betrachteten; jeder Schritt zur Ausbreitung bcö Christenthums mußte ja dazu beitragen, den Sklavenhandel in Afrika allmälig zu unterdrücken und eS lag deßhalb im Interesse der spanischen Regierung, die in Spanien und Amerika die katholische Kirche mit so eiserner Consequenz zu schützen trachtete, dieselbe unter dem glühenden Himmel deS unglückseligen Afrika zu keiner Blüthe kommen zu lasten. Gott hat diese Regierung dafür im Laufe der Zeiten mit schweren Prüfungen heimgesucht! Was nun endlich die Portugiesen betrifft, so haben diese unter den erwähnten Nationen noch am meisten für die Bekehrung der heidnischen Afrikaner gethan. Wenigstens gilt dieß von den Entdeckern der oft- und Westafrikanischen Küsten und Inseln. Der kühne Geist deS Jnfanten Heinrich deS Seefahrers war seit der Eroberung Ceuta'S im Jahre 1415 eben so rastlos bemüht in Afrika neue Entdeckungen zu machen, als in den entdeckten Landstrichen und Inseln daS Christenthum einzuführen, wozu er sich als Großmeister deS Christusordens ganz besonders verpflichtet fühlte. ') Sudan Im engern Sinne bildet bekanntlich das östlich an Nubien gränzende Negerreich Houssa, während Sudan im weiter» Sinne das ganze Centralafrika nördlich des MondgebirgeS bis zum altlantischen Ocean hinüber in sich begreift. **) Wer erinnert sich nicht jener vierzig brasilianischen Missionäre, welche auf der Höhe von Palma von den Niederländern unter Anführung SourriS so scheußlich ermordet wurden. So finden wir in den portugiesischen Colonien Afrikas noch heute die in jenen Zeiten errichteten BiSthümer von Angra auf. Terzeira, Funchal auf Madeira, St. Jago und St. Nicolo auf den Inseln des grünen Vorgebirges und St. Thomas an der Küste von Guinea. Das Biö-- thun. Ceuta wurde auch von den Portugiesen gegründet, allein nach den» Tode deö eben so frommen als unglücklichen KönigS Don Sebastian wurde Ceuta spanisch und das BiSthum von Madrid aus besetzt. Die Auffindung deS Seeweges nach Ostindiens, später die Entdeckung und Besitzergreifung von Brasilien lenkten bald die Aufmerksamkeit der Portugiese,» von Afrika ab, während der eben so unternehmende als für die Ausbreitung deö Christenthumes glühende Geist Heinrich des Seefahrers seine»» Landsleuten immer fremder und von kaufmännischer Habsucht und schnödem Eigennutze nur zu bald gänzlich verdrängt wurde. AIS nun noch im vorigen Jahrhunderte der schändliche Pombal die Gesellschaft Jesu in Portugal vernichtete, konnte von einer Verbreitung deS Christenthumes von den portugiesischen Colonial-Biöthümern auS in daS Innere Hochafrikas volle», dS keine Rede mehr seyn; da die Jesuiten schon seit einer laugen Reihe von Jahren die eigentlichen und einzigen Erhalter der christlichen Religion in» den portugiesischen Colonien gewesen waren. Ja eS konnte nicht fehlen, daß nach Entfernung dieser Ordenspriester aus Afrika die portugiesisch- ascikaÄjchc Kirche bei dem Mißbrauche dcr Vorrechte deS HvseS von Lissabon zu einem elenden Schattenbilde herabsank und sich, gleich der Kirche des Mutterlandes, in der neuesten Zeit sogar in einem faktischen Schisma befand, das zum Theil in diesen fernen, wenig bekannten Colonien zur Stunde sein Ende immer noch nicht gesunden hat. Weit schönere Früchte darf man sich Hagegen von jenen apostolischer» Vicariaten und Präfecturen versprechen, mit welchen Papst Gregor XVI. glorreichen Andenkens Hochafrika gleichsam umschlossen hat, so daß voi» allen Seiten her die christlichen Streiter wider daS Heidenthum verrücke»» können und dasselbe mit Gottes Hilfe sicherlich vernichten werden, besonders da eS Thatsache ist, daß dcr der Verbreitung deS Christenthumes so schädliche Islam daS Mondgebirge nicht zu überschreiten vermochte. So finden wir im Süden daS apostolische Vicariat deS CaplandeS, von wo aus die christlichen Missionäre sich mit den Stämmen der Hottentotten, BoSjemanS und Koffern in Verbindung setzen können und dieß zum Theil auch schon gethan haben. Im Westen stoßen wir auf die apostolische Prä- fectur von Congo, von wo auS den zahllosen Negerstämmen deS noch unerforschten Dembo-Plateaus das Christenthum gebracht werde, während das nördlicher gelegene Vicariat von Guinea die Neger landeinwärts der Körner-, Zahn- und Sklavenküste und in südlicher Richtung bis zu den» Reiche Leango hin in ChristuSbekenner umwandeln wird. Noch weiter nach Norden hin schließt sich daS jetzt in ein BiSthum verwandelte Vicariat vor» Senegambien an, welches durch die apostolische Präfectur von Marokko mit dem BiSthume Algier zusammenhängt, daS die oben angedeutete Afrika umschließende christliche Vorpostenkette auf dieser Seite schließt. Auf der Ostseite treffen wir die Präfectur von Habesch, die dem schor» besetzten Nubien und Egypten sich anreiht, aber bis jetzt leider noch bis zum Vicariate deS CaplandeS hinabreicht, so daß sich also zwischen dieser» christlichen Posten die einzige Lücke in der Besetzung der Küsten Afrikas durch die katholische Kirche vorfindet. Möchte auch diese recht bald geschlossen werden! Die Bedeutung der drei evangelischen Räthe in socialer Beziehung. I. Einst trat ein Jüngling zu Jesus heran und sprach: Guter Meister, waö muß ich thun, damit ich daS ewige Leben habe? Die Gebote Gottes, 74 er durfte es vor dem allsehenden Auge deS Herrn sagen, hatte er ron Jugend auf getreu erfüllt. Aber noch lebte in ihm ein ganz eigenthümliches Verlangen nach etwas Höherem, er fühlte sich zu einer größeren Vollkommenheit angetrieben; das war eS, waS ihm der gute Meister beuten sollte. JesuS aber sprach: Willst du vollkommen seyn, so gehe hin, verkaufe, waS du hast, und dann komme und folge mir nach! Unv ein ander Mal, als Er den Aposteln die Gesetze der Ehe erklärt hatte, so daß sie dem ehelosen Stande den Vorzug gaben, sprach Er: Es gibt Ehelose, die eS freiwillig geworden sind, um deS Himmelreiches willen. Wer eS fassen kann, der fasse eS. Und zum dritten Male, als die Apostel sich einst um den Vorrang stritten, sprach Er: Wer unter Euch der Erste seyn will, der soll der Letzte von Allen unv Aller Diener seyn. Diese drei Worte, so unansehnlich und so zufällig scheinend, gcspro- chen von Dem, der die Welt in seiner Hand trägt, sind durch alle christliche Jahrhunderte durchgeschlagen, und, zur gewaltigen Flamme in vielen Herzen entzündet, haben sie Völker gebildet, Staaten geschaffen, Jahrhunderte gelenkt, die Menschheit gerettet. Oder waren eö nicht die Armuth, die Jungfräulichkeit und die heroische Resignation, deren blutigem Siege LaS Heidcnthum zuletzt unterlag, — die anS dem Völkersturm Glauben und Wissenschaft gerettet, die die Wildnisse urbar gemacht, die noch wildern Völker mit dem Kreuze an Ordnung und Gesittung gewöhnt, die Könige und Unterthanen geleitet, in den großen Kämpfen des Mittelalters, wenn oft Anarchie oder Tyrannei Jahrhunderte erschütterten, die empörten Elemente an den ewigen Felsen der göttlichen Ordnung befestiget haben, — die der Kirche in den drangvollsten Augenblicken eine starke Wehr waren, und so die Bedingung der Entwickelung der Menschheit erhallen haben? An der Geschichte von achtzehn Jahrhunderten haben die drei Gelübde ein vollgewichtiges Zeugniß für ihre sociale Bedeutung; eS wäre lächerlich, zu läugncn, daß ihnen im Plane des Herrn der Geschichte eine ganz ungewöhnliche große Wirksamkeit angewiesen ist. Wem daö Geheimniß der Geschichte klar geworben, wer nicht mehr glaubt, daß der Menschengeist mit seinen Fort- und Rück- und Seitenschritten ihre Mitte ist, kann nicht daran zweifeln: die drei evangelischen Räthe haben die Bestimmung, die sociale Welt aufrecht zu erhallen. AIS Gott Wesen erschuf, die deS Bewußtseyns ihrer selbst und anderer Wesen fähig waren, konnte er keine andere Absicht habet?, als daß Er, das Wesen im eminenten Sinne, der Grund und AuSgangs- punct ihres Daseyns, auch eben so Grundlage und AuSgangSpunct ihrer ganzen Lcbenöthätigkeit sey. War die Ebenbildlichkeit GolteS der Vorzug der geistigen Natur, so mußte die Aufnahme des göttlichen Willens die Vollendung des geistigen Lebens seyn. Die göttliche Idee vom Menschen erforderte also nicht, daß ihm der Wille Gottes als objectives Gesetz vorschwebte, nach welchem er ängstlich und mühsam ringen und seine Schritte berechnen müßte, sondern derselbe muß lebendig in seinem Innern leben, muß die Seele seiner Seele seyn, muß so innig mit dem menschlichen Willen vereinigt werden', daß dieser nach jenem sich transfvrmirt, sich ihm, so viel es dem Geschöpfe möglich, verähnlicht, so daß zuletzt daS (geistige und Natur ) menschliche Leben von Gott getragen und gehalten war, ja, ohne Aufhebung der Freiheit, ganz im göttlichen Leben aufgegangen ist. Natürlich kann da die Freiheit keineswegs leiden, wenn jenes Leben in ihr herrschend wird. Vielmehr mag sie dann, von der Bleischwere der knechtischen Natur entlastet, in jenen reinen Höhen des göttlichen Lebens, von wann sie ja stammt und wo in ewigem Sonnen- glanze der Urfrciheit die höchste Seligkeit waltet, erst recht kräftig ihre Schwingen entfallen. So lange der Mensch, noch nicht zu der verhängnißvollen Entscheidung hingedrängt, in diesem Zustande lebte, wußte er Nichts von einem von Außen ihm gegenüberstehenden Gesetze; er trug daS Geheimniß deS göttlichen Willens in eigner Brust, und kannte kein anderes Leben, als! nach dem Zuge jener Macht, der seine Seele ganz ergeben war. Doch j als daö Unselige geschehen, alö sein Geist sich von jener nur freizwingen-^ den Macht in völligem Widerspruch losgerissen und den geheimnißvollen LcbcnSbund mit klarem Bewußtseyn aufgekündigt hatte, so konnte zwar auch dadurch die Nothwendigkeit der beständigen Gegenwart des göttlichen! Willens bei jenem wesenbewußtcn Geschöpfe, weil die Idee derselben, nicht aufhören; aber dieser Wille mußte den Charakter der Gesammtheit, der Aeußcrlichkeit in seiner Erscheinung an sich tragen, er mußte Gesetz werden, daS sich, wie früher der göttliche Wille mit dem doppelweseittlichen Ich in Verbindung gestanden, dem Menschen so auch nun geistig (Gewis-! sen) und körperlich (geschriebenes, gesprochenes Gesetz) entgegensetzte, so zwar, daß diese beiden Wege sich gegenseitig unterstützten und ergänzten.! Da aber durch jene Aufkündigung auch im Menschen selbst die Ordnung gewichen und der Geist dem Sklavenjoch des Körpers unterlegen war, so mußte sich dieß Mißverhältniß auch in der überwiegenden Kundgebung deS Gesetzes auf materiellem Wege zeigen, und der Geist auch die Demüthigung hinnehmen, daß der göttliche Wille mit ihm mehr mittelbar, durch die Natur, als unmittelbar verkehrte. DaS war das Gesetz vom Sinai. Dieser Zustand war nicht der Zweck der Menschen. Nichtsdestoweniger konnte auch Gott das Resultat der einmaligen freien That deS Menschen nicht aufheben. Wie aber, wenn er die ganze Menschheit durch ein wunderbar in sie geschaffenes Glied so mit sich verband, daß sie mit ihm, wie ein Geschlecht unter sich verbunden war, sofern nur ein Jeder auch geistig diese Gemeinschaft affirmirte? Dann war freilich der Wille Gottes im Geiste dcö Menschen wieder zu Recht gekommen und in dessen Lebensver- band überall aufgenommen, wo die gejchlechtliche Gemeinschaft mit jenem neugeschaffenen Gottmenschen auch geistig asfirmirt worden. Geschieht nun diese Affirmation, so ist „lebendiges Wasser" verheißen, die „leichte Bürde," das „sanfte Joch," dann ist das Gesetz wieder „in unsere Herzen geschrieben", unv wir sind nicht mehr „Knechte", sondern „Kinder und Erben GotteS". Geschieht die Affirmation nicht, so bleibt daS Gesetz immer ein Fremdes, ja Feindliches, wird zur Strafe. So lange die Gemeinschaft deS Geschlechtes dauert, kann die Affirmation geschehen; aber so lange auch kann sie (denn auch die Sünde ist durch das Geschlecht gekommen) wieder negirt werden, unv deßhalb ist der Wille Gottes auf Erden selbst Denen, die in ihn eingegangen, nicht nur inneres Lebenselement, sondern auch äußeres Gesetz. So trägt also der Christ den Willen GotteS wieder in eigner Brust, „die Liebe Christi drängt ihn," „die Gnade ist auSgegossen in sein Herz durch den heiligen Geist," „von Gott kommt sein Wollen und sein Vollbringen," — und zugleich steht ihm jener Wille GotteS als äußeres Gesetz gegenüber, so daß er, obgleich nicht mehr Knecht, sondern Kind GotteS, doch „sein Heil wirkt in Furcht unv Zittern". Nun ist das christliche Gesetz zwar, einem dornigen Zaun gleich, hinreichend, auf den Triften deS Heils zu bewahren und die wilden Thiere abzuwehren. Auch ist eS schon deßhalb ein Ansang der christlichen Vollkommenheit, weil geschrieben steht: „Ich bin den Weg deiner Gebote gelaufen: da hast du mein Herz erweitert." Aber wo in einer Seele der Wille GotteS, so viel eS die Erve zuläßt, herrschend geworden, welches Ziel kann da wohl die Vollkommenheit und Liebe haben? Miß die Liebe des unendlichen GotteS auS und dann sage eS mir! Welch' eine Ertövtung der Augenluft, Fleischeslust und Hoffart deS Lebens! Doch nein! welch' eine Geringschätzung alles BesitzeS alö Koth und Auskehricht, welch' ein Abscheu gegen alle Lüste der Erde, welch' eine Furcht vor dem eignen Willen — nur Gott Alles in Allem! Diese Vollkommenheit durch den innewohnenden Geist Gottes ist aber auf Erben nicht unverlierbar; denn noch besteht der Verband deS Geschlechtes und durch das Geschlecht die Sünde. — So müssen auch sie, diese Hügel und Berge auf der Trift des Heiles, mit einem Dorncnzaun, mit einem Gesetz umfriedigt werden; aber dieses Gesetz wird nicht von Gott gegeben, wie das andere, sondern von dem in Gott eingegangenen, in Gott erstarkten und in Gott freiwirkenden Willen. Denn Gott ist nicht mehr außer ihm, sondern in ihm. Und dieses selbst gegebene Gesetz höherer Vollkommenheit, dreifach nach unserer Beziehung zu uns selbst, den äußern Dingen und den Nebenmenschen, ist daS Gelübde. Gehen wir nun nach dieser nothwendigen Darstellung seines Wesens auf.seine Erscheinung in der Geschichte näher ein, so sind zuvörderst die drei ersten Jahrhunderte zu betrachten. Gewiß war in jener Zeit, da eine Sittenreinheit und GotteSliebe zur Taufe nöthig war, wie sie jetzt bei der letzten Oelung selten ist, das höchste Vorbild Jesus Christus, Er, der, obgleich der Reichste, der Seligste und der ewige König der Könige, doch der Aermste, der Mann der Schmerzen, und Aller Diener geworden ist. Doch damit nicht der Glanz der Gottheit von Seiner Nacheiferung abschreckte unv verwirrte, so hat auch dem schwachen Geschlechte Jene sich Ihm zur Seite gestellt, die da heißt „Mutter der schönen Liebe, Mutter der heiligen Hoffnung, Magd des Herrn." Man schaute nach der Sonne der Gerechtigkeit, nach dem Morgenstern hin — und dieser Blick war das Gelübde, ihnen in ihrer Vollkommenheit nachzustreben. Wie herrlich war sie da, die heilige Braut Christi, die Kirche, in der Jugendschöne heiliger Liebe und im Purpurschmuck deS Martyriums! Wie hätten damals ihre Kinder den Weg der Gelübde verfehlen können, wie „das Wort nicht fassen" sollen! Wie hätte» sie sich an die Erdengüter hängen können, die man ihnen entriß, an die Lüste der Welt, die sie verfolgte, an die Eitelkeit des Lebens, das ihnen sein Elend seine Oede und Erbärmlichkeit zu zeigen wetteiferte! Ihnen blieb Nichts, als der Herr; darum genossen sie, als genössen sie nicht, besaßen, als besäßen sie nicht, litten Verachtung und Gewaltthat, indem sie mit Entsagung den Blick auf die unverwelkliche Krone hefteten. 75 Ihr ganzes Leben war ein Gelübde. Fragst du, waS dieses Leben füi^ Früchte gebracht? Es hat die Sklaverei vernichtet, deS WeibcS Würde; hergestellt, ven heidnischen Staat als solchen gestürzt, Las Panier der Frei,! heil der Religion, der Nationalität, der Person in die ganze Welt siegreich! hinausgetragen. Doch diese heroische Zeit endete mit der politischen Anerkennung deS Christenthums, aber die Gelübde nicht. Sind sie ja doch das Herz, das Palladium desselben. Die wilden Völker zogen über die versänke römische Well hin, der morsche Koloß krachte zusammen; die rohen Horden aber-) die sich auf den Trümmern tummelten, ungeduldig, ihren Beruf zu einer bessern Ordnung der Dinge zu erfüllen, harrten einer mütterlichen Bildnerin, die sie alle mit gleicher Liebe umfassen und zur gleichen Mündigkeit und Selbstständigkeit im christlichen VölkerhauSyalt erziehen sollte. Und es begann von der immergrünen, heiligen Insel der Kirche aus auch eine Wanderung, nicht zerstörend, verheerend, sonvern von Frieden und Segen begleitet. Es waren die Jünger des heiligen Benedict, welche die Barbaren mit Einsetzung ihres Lebens in ihren Wäldern aufsuchten, ihnen die Kunde von einem gerechten und unendlich liebreichen Gott brachten, sie von den blutbespritzten Götzen Hinwegrissen, und die Wildmß ihres Landes, wie ihrer Herzen lichteten, befruchteten, belebten. Da regte sich mit einem Male eine mächtiges Treiben und Wirken in immer weiteren Kreisen um die stillen Wohnstätten der Mönche. Uralte Eichen, deren dunkle Schatten die Schlupfwinkel von Bären und Elennthieren gewesen, sanken unter den Streichen ihrer Aerte, wallende Saaten breiteten sich über die sonst mit Gestrüpp und undurchdringlichem Tnckicht bedeckten Thäler aus, in deren Mute Meiereien, Höfe, Dörfer, Städte sich an des KtvsterS heilige Mauern, wie die Kinder an das Kleid der Mutter, anschmiegten. Da wohnten gesegnete Familien und kosteten zum ersten Mal das Glück der Civilisation und segneten die Hände der Mönche, die ihnen dieselbe gebracht. War das nicht so recht das Bild deS christlichen Lebens: In der Mitte, gleichsam im Herzen, die Männer, die Frauen der Gelübde, und um sie her die zu erziehenden Geschlechter! Auch die Staaten begannen sich zu bilden; die Männer der Gelübde verfaßten Karls deS Großen Capitularien, leiteten die Könige zum Heil der Völker, senkten den Samen der Wissenschaft, die durch sie gerettet war, den Samen jeglicher Tugend in die strebsamen Geister ein, kurz sie waren die Schutzengel, die Väter der europäischen Menschheit. Nun begannen die großen Bewegungen deö eigentlichen Mittelalters, voran der Niesenstreit, das Papstthum gegen maaßlose Fürstengewalt, die die Kirche knechten wollte, um dann dle wehr- und rettungslosen Völker in die Fesseln orientalischer Sklaverei schlagen zu können. Waren es nicht auch hier die Männer der Gelübde, die sich den Ränken und Gewaltthaten der Fürsten und ihrer Knechte entgegenstellten, ein Bollwerk der Freiheit der Kirche und der Völker? Wenn es gegenwärtig den Völkern wenigstens nicht an dem Bewußtseyn ihrer Rechte und der Kraft, sie zu behaupten,*) fehlt, so haben sie dieß den Männern der Gelübde und ihren damaligen Anstrengungen zu danken. Eine andere Bewegung deS MittclaltcrS waren die Kreuzzüge. Seitdem das kleinstädtische Wesen der neuern GeschichtSbehandlung zu langweilen beginnt, begreift man allmälig, welchen ungeheuern Anstoß dieselben der geistigen Entwickelung Enropa's geben mußten, wie ohne diese große Strömung nach dem Orient die ungeschlachte Naturkraft der Völker dem Geiste nie Unterthan geworden wäre, und der Geist nie jene wundersamen, manchfaltigen Blüthen getrieben hätte, welche selbst eine Zeit, wie -die unserige, nur anstaunen kann. Es wäre überflüssig, die Wohlthaten der Kreuzzügc speciell von ihrer socialen Seite darzustellen; auch würde dadurch der innige Zusammenhang und das Großartige der mittelalterlichen Verhältnisse nur leiden. Wir können kühn behaupten, wäre unsere Zeit für einen solchen Gedanken zu begeistern, — er enthielte die Rettung der Gesellschaft und den Samen deS Glücks auf Jahrhunderte hinaus. Da^ malS aber waren die Männer der Gelübde die Träger, die Verbreiter,! die Vollender des großen Gedanken. Bei ihnen fand auch derjenige ein stilles Asyl, der sich, von der sturmbewcgten Well verfolgt, getäuscht ober auch nie getäuscht, nach Schutz und Ruhe sehnte. Bet ihnen fand jede Wunde Heilung oder Linderung, jede Noth Hilfe oder Trost. Von dem Grimm der Verzweiflung an allem Göttlichen und Menschlichen, von der socialen Zerrissenheit unserer Tage wußte man Nichts. Aber wie kam denn das? fragt man vielleicht. Ja freilich, wenn man meint, eS verstehe sich von selbst, daß Jeder so viel besitzt, genießt und regiert, als er eben kann oder auch nicht kann, dann bleibt die Zerrüttung der Gesellschaft ein unauflösliches Räthsel, sie scheint dann eben dazu bestimmt zu seyn. Dann *) Lb sie auch noch die Weisheit bewahren, ihre Kraft und ihre Stechte zu gebrauchen, ist natürlich eine andere Frage. gibt cö nur Commissionen, Vorschläge, Worte zur Hebung der Noth und es gibt am Ende keine anderen öffentlichen WohlthätigkeitSanstalten, alö Kasernen, Zuchthäuser, Narrenhäuser, Pfandhäuser, Enlbindungöhäuscr und andere Häuser. Daß aber der Uebervölkerung nur durch das Verzichten Vieler aus die Ehe gesteuert werden kann, will, obgleich eS so klar ist, alS 2X2—4, der hochweiscn Gegenwart nicht einleuchten, daß die Verarmung mir gehoben werden kann, wenn Viele dem Eigenlhume zn Gunsten der Armen entsagen und arm werden wolle», um die Armuth und Almosen mit dem Armen zu theilen, — daß der Geist des Gehorsams, die Achtung vor der Autorität, ohne die noch keine Gesellschaft bestanden, nur hergestellt werden kann, wenn Viele Angesichts der Welt sich freiwillig einem Obern untergeben und ihren Eigenwillen Gott zum Opfer bringen, — das Alles kann offenbar eine Zeit, die an Einsicht in das Wesen der Gesellschaft tief unter dem „finstern- Milielalter steht, nicht erkennen. Die Reformation, die eben Nichts war, als die Verwerfung der Geheimnisse deS Christenthums, mußte natürlich die Gelübde eben so unmittelbar über Bord werfen, als das Christenthum sie hervorgebracht; ihre Früchte, die sie nun, abgelebt, zurückläßt, sind eben die Geißeln unserer Zeit. Werden sie Europa in rasendem Kampfe zeifleischen und aufreiben? Wird Gott seine Hand zurückziehen, und sie den Kommenden ein Denkmal vollenden lassen, daß noch kein Volk ungestraft sich vom Geiste deö Christenthums lossagt? Nein, Las wird Er nicht. Groß ist das Elend und der sociale Verfall, groß, wie in der ganzen Vergangenheit zusammengenommen; aber größer noch ist die Macht, der Reichthum der Kirche, denn in ihrem unverwüstlichen Heiligthum birgt sie die Garantie der Gesellschaft, die Gelübde. Der große Kirchenbann, ausgesprochen über den Priester Joseph Aigner. Valentin, durch göttliche Erbarmung und deö heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Regens bürg. Um noch größere Uebel und Aergernisse von der Kirche Gottes und den Unserer Obhut anvertrauten Gläubigen abzuwenden, sehen Wir U»S mit tief bekümmertem Herzen genöthigel, gegen einen Priester Unserer Diöcese, üachde,m alle Belehrungen, Ermahnungen und Bitten vergeblich gewesen, Gebrauch zu machen von der Lurch unsern Herrn unv Heiland JesuS Christus seinen Aposteln und ihren Nachfolgern (Match. 18, 15—18) übertragenen Gewalt, zu strafen und von der Gemeinschaft der Kirche auszuschließen. Im Laufe des Jahres 1848 erschien unter dem Namen Tbeoror Trautmann in zwanglosen Blättern eine Schrift mit dem Titel: Rü ckkehr zum apostolischen Christenthum, welche offen darauf hinzielt, LaS ganze positive Christenthum zu untergraben und zu stürzen. Denn eS werden darin die Grundfesten der christlichen Religion, daS Geheimniß der allerheilig- sten Dreieinigkeit, die Gottheit Jesu Christi und des heiligen Geistes, die Erbsünde, die Erlösung und daher auch alle Mysterien des Heiles, daS Opfer deö neuen BundeS und die Sacramcnte, so wie die Auferstehung der Leiber mit dürren Worten geiäugncl und bestritten, nichts davon zu sagen, daß sie damit beginnt, die ganze heilige Kirche, die bereits durch achtzehn Jahrhunderte alle Stürme siegreich überstanden, und welcher der Beistand deS heiligen Geistes verheißen ist bis zum Ende der Welt, darzustellen als in die größten Irrthümer verfallen. Bald nach dem Erscheinen der ersten Hefte dieser Schrift verbreitete sich daS Gerücht, daS auch in öffentliche Blätter überging, der wahre Verfasser der unchristlichen „zwanglosen Blätter" sey Hr. Joseph Aigner, (seil dem 13. November 1835 Stadtpfarrer und Sladtvccan zu Amberg). Wir durften nun Kraft Unseres Oberhinenamtes nicht säumen, über den Grund ober Ungrund dieses Gerüchtes Uns volle Gewißheit zu verschaffen, und beauftragten daher unter dem 2. Dezember 1848 den Herrn Decan, sich binnen gewisser Frist persönlich vor Uns zu stellen, oder wenn er der Verfasser genannter Schrift nicht sey, eine Gegenerklärung bei der oberhirt- lichen Stelle einzureichen und sie zugleich in öffentliche Blätter einrücken zu lassen. Wie groß war Unser Schmerz, alS derselbe in einer Zuschrift an Unser Ordinariat vom 10. December sich als wirklichen Verfasser der zwanglosen Blätter mit dem Beifügen erklärte: „er sey von der Wahrheit ihres Inhaltes so innig überzeugt, daß er um Alles nicht davon abstehen könne!" Ja, wie groß war Unser Schmerz, daß ein Priester Unsers BiSthumS, den die heilige Kirche so lange in ihrem Schooße getragen, eben diese Kirche so schnöde verrathen und den Gläubigen so großes Aergerniß geben könne! Wir haben sofort den Herrn Decan Aigner, der in seinem Schreiben vom 10. Dec. zugleich seine Pfarrei resignirte, unter dem 14. Dec. zu UnS beschieden, um ihn wo möglich von seinen Irrwegen zurückzurufen, 76 -«4> I. ^ . > Anstatt diesem Auftrage zu entsprechen, erklärte er, einen Widerruf veröffentlichen zu wollen, welcher auch in einem Blatte (Augöb. Postzeitung, außerord. Beilage vom 10. Dec.) erschien. Da dieser sogenannte Widerruf sich nur in eitlen Ausflüchten erging, so konnten Wir UnS damit nicht begnügen. Wir erließen daher an den resignirten Herrn Decan den kategorischen Auftrag, persönlich vor UnS zu erscheinen; zugleich wurde ihm die Feier der hl. Messe und die Ausübung der priesterlichen Funktionen untersagt (unter dem 2. Jan. 1849). Am 6. Jan. erschien derselbe vor UnS, und nach längerer Unterredung, bei welcher ihm auch unverholen gelassen wurde, daß er, falls er nicht förmlichen Widerruf leisten sollte, aus der katholischen Kirche ausgeschlossen werben müßte, erbat er sich zur Abgabe seiner Erklärung, ob er den Inhalt der zwanglosen Blätter widerrufen könne oder nicht, einen Termin von 10—12 Tagen, der ihm gewährt wurde. Auf sein Ansuchen vom 10. Januar wurde ihm dieser Termm noch um 14 Tage verlängert. Endlich unter dem 10. Febr. erklärte er sich, „er könne Wahrheit und an dem gesunden Sinn des Volkes und seiner Fürsten, welche die unheilschwangern Geschenke, so aus beiden Lagern bittend zugleich und drohend ihnen geboten wurden, mit überwiegender Mehrheit entschieden zurückgewiesen haben. So entstand die unnatürlichste aller Coa- litionen, die weithin im Umkreise und auch in unsern beiden Schwesterprovinzen nicht minder rührig ist, als sie sich dort in der Paulskirche thätig gezeigt hat. Nachdem sie dort eigenmächtig daS Reich getheilt und die eine Hälfte desselben preisgegeben, werden vielseitig schon auch hier in Rheinland und Westfalen Stimmen laut, welche unsern König, Friedrich Wilhelm IV., verpflichten wollen, die ihm dargebotene Schattenkaiserkrone über dcö Reiches andere Hälfte anzunehmen und welche vereint mit jenen frivolen Kaisermachern über jeden ächten Patrioten, der in diese Zerstückelung und Herabwürdigung Deutschland nicht einwilligen mag, als über einen Feind der Ordnung, des CesitzeS, der Freiheit und nationalen Größe des Vaterlandes ihr Anathem auSsprechen. Gegen den gemeinsamen cr..r— -r>» : ---- -.' -- — nicht widerrufen; er unterwerfe sich aber in Allem dem Glauben der Kirche INemo nill -- und opfere also seine individuelle Ueberzeugung der höhern Autorität derselben;' wähnen sie fty eö en 5?'^ 2si erst der "Sieg errungen so' " ..N.^t verbaten, sanvern die Nnrtn nnne'! ne7 Verbündet-N z.?e,ttledi: kS mögen jedoch diese seine Blätter nicht verboten, sondern die darin angeregten Reformen in Erwägung gezogen werden." Da Wir Uns bei einer solchen Erklärung nicht beruhigen konnten, so forderten Wir den resignirten Herrn Decan Aigner unter dem 16. Febr. zum dritten und letzten Male zu einem bestimmten Widerrufe auf, widrigen Falls Wir nicht länger säumen dürsten, die Ercommunication nunmehr wirklich über ihn zu verhängen. Nachdem ihm wegen Krankheit gesetzte Termin von 8 Tagen wieder verlängert worden, sprach er sich unter dem 17. März aus: „er könne den Inhalt seiner Schriften nicht widerrufen, seine Ueberzeugung stehe zu fest;« zugleich erklärte er seinen freien AuStritt aus der katholischen Kirche. Und noch einmal erfüllten Wir seine, dieser Erklärung schließlich beigefügte Bitte eine Nachschrift abzuwarten, ehe Wir daS Unheil über ihn fällen wollten. 'Diese Nachschrift erschien unter dem 25. März, und war des Inhalts, man möge ihn aus der katholischen Kirche ausschließen, hierbei jedoch mit möglichster Schonung zu Werke gehen. Im Hinblicke nun, 1) daß der Priester und ehemalige Stadtpfarrer und Stadtdecan zu Amberg, Hr. Jos. Aigner, durch seine in den zwanglosen Blättern mir dem Titel: „Rückkehr zum apostolischen Christenthum" öffentlich behaupteten und vertheidigten Irrlehren verfallen sey den Analhemalismen Welche die allgemeinen Kirchenversammlungen zu Nicäa (335), Konstantinopel (381), Ephesuö (43l), Chalcedon (451), besonders aber der hl. Kirchen-, rath von Trient ausgesprochen haben; im Hinblicke, 2) daß derselbe trotz Unserer Belehrungen und der dreimal wiederholten canonischen Ermahnungen sammt Androhung der kirchlichen Strafen hartnäckig bei seinen Irrthümern verharret sey; im Hinblicke, 3) daß derselbe in der Kirche GotteS großes Aergerniß gegeben habe, besonders auch durch die so anstößige und völlig ungegründelc Behauptung, in jeder Diöcese würde die Hälfte der Geistlichen seiner Meinung beipflichten; im Hinblicke, 4) daß derselbe selbst seinen AuStritt auS der kathosischcn Kirche erklärt habe; im Hinblicke endlich 5) auf die kirchlichen Satzungen o. 7. 8. 9. 13. X. (5. 7.) cw lureretiew o. 49. X. (5. 39.) lle sentontia sLeommuniLstionis, sprechen Wir, nachdem alle Mittel der Milde erfolglos geblieben, hiemit über den genannten Priester als einen hartnäckigen Jrrlehrer den großen Kirchenbann aus mit allen seinen gesetzlichen Folgen; Wir entsetzen ihn seiner geistlichen Würde erklären ihn verlustig aller Rechte und Privilegien des geistlichen Standes' und schließen ihn von der Gemeinschaft der Gläubigen aus — im Namen deS NaterS, des SvhneS und des heiligen Geistes. Amen. Zugleich verbieten Wir allen Gläubigen Unsers BiSthums gemäß o. 4 X. (5. 7.) cko lmeretiois die von dem aus der Kirchengemeinschast ausgeschlossenen Priester Joseph Aigner herausgegebenen zwanglosen Blätter zu lesen, zu kaufen oder zu behalten, ermähnen sie dagegen, kür diesen Unglücklichen dringend zu Gott zu flehen, damit er zu seiner Mutter, der hl. Kirche zurückkehren möge, ehe er erscheinen muß vor dem Richterstuhle Jesu Christi'! Gegeben zu RegenSburg den 13. April 1849. 4 Valentin, Bischof. ^ Joseph Lipf, bischöfl. Secretär. Aufruf an alle katholischen Gemeinden, insbesondere an alle katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen. WaS bereits über das Jahr hinaus verwerfliche Sondergelüste und anarchische Bestrebungen gegen Deutschland gesündigt haben, ist bekannt. Wir wissen, wie eS bisher zu Schanden geworden an der Macht der gen. Dieß das Geheimniß ihre Verbindung; daher die Uebereinstimmung ihrer Forderungen. Währeno es aus der demokratisch-konstitutionellen Volksversammlung auf dem JohanniSberge zu Elberfelv zu unS herüberhallt: „DaS würtlembergische Volk ist uns mit edlem Beispiele vorangegangen! Sollten die preußischen Stämme zurückbleiben, wenn eS die Einheit und Freiheit deS deutschen Vaterlandes gilt?" erklärt der Kölner Bürgerverein: „Daß daS gegenwärtige preußische Ministerium nicht nur sich unfähig bewiesen, die deutsche Frage zu einer gedeihlichen Lösung zu bringen, sondern sich sogar dem laut ausgesprochen Willen deS preußischen Volkes feindlich entgegengesetzt hat; daß eine solche Lösung nur in der sofortigen Annahme der von der deutschen Nationalversammlung beschlossenen Verfassung und der auf dieser beruhenden Oberhauptswürve zu finden ist." Er beschließt gleichzeitig: „Diese Erklärung dem Gemeinveralhe von Köln mitzutheilen, mit vem Ersuchen, sich ihr anzuschließen und durch eine Adresse oder in sonst geeigneter Weise dieselbe Sr. Majestät dem Könige überreichen zu lassen," und ferner: „den Gemcinderath in Köln aufzufordern, sämmtliche Gemeinderäthe der Provinz einzuladen, in kürzester Frist Abgeordnete nach Köln zu schicken, um ihre Uebereinstimmung mit den obigen Beschlüssen zu erklären, eventualiter Schritte zu deren Verwirklichung zu thun." Wenn so die verschiedenartigsten Parteien sich die Hand bieten und mit den heiligsten Interessen deS Volkes unverantwortlich spielen, dann ist daS Vaterland wirklich in Gefahr! Dann thut eS Noth, daß alle guten und braven Bürger sich zusammenraffen zur Wehr gegen den gefährlichsten aller Feinde, nämlich gegen den innern Feind! Der Vorstand des VereineS PiuS IX. zu Köln, zur Zeit geschäftS-- führender Verein der katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen, hat eS daher für seines Pflicht gehalten: 1) sämmtliche katholische Gemeinden, insbesondere alle katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen, einzuladen, eine offene Erklärung abzufassen und zu veröffentlichen in dem VereinS-Organe, der „Rheinischen VolkS-Halle," darüber: daß eS nicht Wille deS preußischen Volkes sey, daß dem Könige und der Regierung Gewalt angethan werde, wie solche König und Regierung von Württemberg erlitten haben; daß eS eine große Lüge sey, zu behaupten, die erfolgte Ablehnung der Oberhaupts-Würde über Deutschland stehe dem laut ausgesprochenen Willen deS preußischen Volkes feindlich entgegen; ' daß vielmehr unser König, Friedrich Wilhelm IV., durch Ablehnung der OberhauptS-Würde sich um daS deutsche Vaterland hoch verdient gemacht habe; 2) sämmtliche katholische Gemeinden der Rheinprovinz dringend aufzufordern, für die Einheit und Freiheit deS gesammten deutschen Vaterlandes kräftig in die Schranken zu treten und gegen Beschlüsse, welche denselben zuwider dort voraussichtlich in Vorschlag gebracht werben, entschieden Protest zu erheben. Köln, den 1. Mai 1849. Der Vorstand des VereineS PiuS IX. Für denselben: Der Schriftführer: Der stellvertretende Präsident: C.J. Schwitz. I. P. Bachem. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kreiner. Preis in Augsburg für fich allein (ohne A. P°stzeitung)jLhr«ch Ist. ISkr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags -Beiblatt zur Äugsbuvger Poftzeitung. Für fich allein, ohne die AugSburger Postzeitung, sind diese Blätter nur im Wege des Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u..s. w. jährlich nur 1 fl. A«» kr. oder I Lhlr. Mirrrtee Jahrgang L« SV. Mai L84S. Reform im Klerus. *) Alles lebt und webt, alles drängt und treibt sich, die Pforte einer neuen Zukunft läßt sich nicht mehr verriegeln. Von einem Jeden heischt die Zeit, daß er sich selber klar werde, daß er seinen Standpunkt erfasse und behaupte mit der Kraft deS Geistes und deS Willens, daß er bereit sey ein Opfer zu bringen, wenn eS zum Besten der Gesammtheit ist. Bei uns in Oesterreich geht leider dieses Bewußtwerden nicht so schnell von Statten, als man Anfangs zu hoffen Ursache hatte. Schnell war wohl daS Erwachen und freundlich lachten uns die Strahlen der neuen Sonne an; allein, nach dem ersten Schrei der Bewunderung wurden die Glieder schlaff, uiid wie griesgrämige Kinder rieben wir uns die Augen. Es bewährte sich das alte, aber wahre Wort deS DichterS: Ingenium longo rubigine laemim torpet. Schreiber dieser Zeilen hatte die Gelegenheit die freundlichen Glückwünsche von Seite des katholischen AuSlandeS zu hören zu dem neu erwachten kirchlichen Leben in Oesterreich, aber in neuester Zeit zu seiner tiefen Betrübuiß auch mehrere Briefe zu lesen, in welchen daS langsame, todte, faule, schlaffe Regen in unserem Vaterlande gerügt und bedauert wurde. Wem ein katholisches Herz im Leibe schlägt, muß fich bei diesem Umstände doch die Frage auswerfen: Wo liegt die Schuld? Wer ist Ursache, daß wir in unserem kirchlichen Leben seit den Märztagen vorigen Jahres nicht viel weiter gekommen sind? daß die erhobene Stimme Einzelner verhallte, wie der Schall in der Luft? Sollen wir noch länger insbesondere von unsern katholischen Brüdern in Deutschland, die unS Gruß auf Gruß zusenden, uns schelten und bemitleiden lassen? Wie kann eS besser werden? Wenn ein Organismus krank ist, so treffe man Vorsorge zur Ausscheidung deS KrankheitSstoffeS, sonst werden auch noch gesunde Theile von ihm angegriffen, und die letzten Dinge sind schlechter als die ersten. Hätte man im löten Jahrhundert die erwachende Zeit mehr erkannt, und nicht mit Gewalt die freien Flügel deS Geistes zu binden gesucht, hätte man der Zeit ein zeitliches Opfer gebracht, so manch' trübe Ereignisse wären vermieden worden, und die unselige Spaltung wäre auch in der Gegenwart nicht die üppig wuchernde Ursache deS sich stets mehr zerklüftenden Deutschlands. Wäre man der sogenannten Reformation durch zeitgemäße Reformen von Seite der Kirche entgegengekommen (daS 'l'riäentiuum kam schon zu spät), die Kirche und das Christenthum würden freundlicher blühen, als eS jetzt der Fall ist. Ein schlechter Historiker, der sich die Vergangenheit nicht zu Nutzen macht. In unserer Zeit ist die geschichtliche Basis die einzig mögliche; man mag sie durch philosophisches Gepränge und sprudelnde Ideen zu deSavouiren suchen, aber sie bleibt, und auf ihr ruht die Gegenwart, so gut wie die Zukunft. Darum lernen wir von der Vergangenheit. Ein ähnlicher Kampf wie im löten Jahrhundert ist im 19ten Jahrhundert zu kämpfen. Dort galt eS die Autorität der Kirche, hier gilt eS die Autorität des Christenthums. Dort hat die Kirche eine Wunde erhalten, weil die Wächter derselben zu arglvS und traumselig waren, hier?? — — Der Schreiber dieser Zeilen glaubt sich hinlänglich gerechtfertigt, wenn er diesen Gegenstand hier anregt, und seinen geistlichen Mitbrüdern zum tieferen Erwägen an'S Herz legt. ES ist heut zu Tage Pflicht eines Jeden, dem der Herr daS Wort gegeben hat, seine Stimme zu erheben, und das wffs sein Inneres bewegt, auszusprechen, ohne nach rechts oder links zu schauen. ES gilt die Sache, nicht Personen, und jeder muß Bausteine Herbeitragen zum neuen Bauwerk, und Muth und Kraft und Opferwillig- keit zeigen, sonst wird eine unselige Zukunft unser Andenken verfluchen. Wer auS kleinlichen Rücksichten hinter dem Berge hält, und sich noch die Augen reibt, und sich klug und weise dünkend, alles seinen alten Schlepp, gang fortgehen läßt: der ist ein Verräiher am Staate, an der Kirche, am Priesterihum, am Volke! — DaS will ich nicht seyn, darum spreche ick. Und auf die Frage, wie kann eS besser werden? antwortet mir die Geschlchter durch Reform. Was ist Reform? Wie weit soll sie reichen? Von wem soll sie ausgehen? WaS soll alles reformirt werben? Diese Fragen möge eine anderer beantworten. Ich habe mir eine Einzelreform zum Gegenstand der Besprechung gewählt, nämlich die Reform im Klerus. Sie thut vor allen noth. Wie der Hirt, so die Heerde. ES ist meine und Vieler Ueberzeugung, daß eS in kirchlicher Hinsicht nicht so übel stände, wenn im Klerus selber mehr priesterlicher Sinn und katholisches Leben sich regte. Man klagt und weint und schilt und straspredigt. — Aber waS ist'S damit? „Kehre zuerst vor deiner Thüre", ruft man bei unS häufig dem Priester zu. Und mit Recht. Wie soll sich katholisches Leben zeigen, wenn eS nicht geweckt, gefördert, gehoben wird? Wie kann man Liebe und Vertrauen zum Klerus heischen, wenn man beideS in dem aufkeimenden Herzen gewaltsam enöctel? Ich bin hier nicht zum Richter bestellt, aber weh thut eS einem, wenn man solche Urtheile von Ausländern und sogar von Andersgläubigen hören muß. Frei will ich darum sprechen, frei und unge- ^wunoey^w.ie eS mir im Herzen lebt. Ein Schurke, der seine Ueberzeugung heuchelt, ein Schwackkopf, der in jetziger Zeit der Kraft und Mannbarkeit seine Worte überzuckert. Die katholische Kirche hat daS Eigenthümliche, daß ihre Hierarchie ein completteS Ganze, einen Organismus bildet. Leidet Ein Glied, so leiden alle Glieder, und wird daS Meer deS kirchlichen Lebens von Einem Sturm bewegt, so bewegen sich alle Wellen, und bespülen die Ufer. ES ließe sich dieses Bild vom obersten Gipfel der Hierarchie an bis zu unterst durchführen. Aber ich schweige hier von Rom, und halte mich zunächst an den Episkopat Oesterreichs. — Ein Mann der Gegenwart hat eaS schwere Wort gesprochen: „Oesterreich hat wohl Bischöfe, aber keinen Episkopat." WaS soll daS? Ja wir haben keinen Episkopat; ist auch keine unserer Diöcesen im weiten Vaterland verwaiset geblieben, so haben doch die StaalSgesetze jedes gemeinsame Streben bisher zu verhindern gesucht. Viele unserer Bischöfe standen eben in dieser Vereinzelung dem eigentlich kirchlichen Leben ferne, der äußere Pomp, der sie umgab, entfremdete ihnen die Herzen deS Volkes, und da sie nur äußerst selten mit diesem in Berührung traten, so konnte auch von Liebe und Zutrauen nicht viel die Rede seyn; denn Liebe und Zutrauen braucht auch Erkenntniß. Unsere Bischöfe weihten Priester und filmten die Kleinen, aber selten ertönte auS ihrem Munde das Wort GolteS, daS doch dem Ganzen die eigentliche Würze, und Salbung verleiht. DaS Wort eines Bischofes lebt fort in einer Gemeinde. In allen Gauen Deutschlands findet man in jedem gut katholischen Hause die erlassenen Hirtenbriefe, und jeder Bischof ergreift mit Freude die Gelegenheit, an seine Schäflein einige Worte der Warnung, der Ermahnung und Ermunterung, deS Trostes und der Liebe zu sprechen. Bei uns scheint man davon nichts zu wissen. Wir erhalten wohl alljährliche Fastenmandate, aber sehr käste und eines gleicht dem andern, als ob das Jahr 1830 dieselbe Zeit wäre wie 1849. *) Und so haben wir leider hie und da im Bischöfe nach MöhlerS treffendem Worte nicht immer die Person gewordene Liebe der Gläubigen gefunden. — Gilt dieß dem Volke gegegenüber, so gilt dieß noch mehr dem Klerus gegenüber. Ich will gestehen, daß dieser Unwille sich oft rauh und hart, manchmal sogar unpriesterlich Luft gemacht hat (der Bischof bleibt ein Apostel); aber läugnen kann man nicht, daß unselige Zustände Stoff und Veranlassung dazu an die Hand gegeben. DaS bisherige Verhältniß der Bischöfe zu dem niederen Klerus war kein apostolisch-väterliches, ') Aus der Wiener Kirchenzeitung. j ') Der Herr Älersaffer hat offenbar hier nur einige Diöcesen im Auge. D. R. ' " V" '. V' " 7 . 7 78 -7. 1 i. ' "!' k . ' I«/ eS war zu geschraubt, steif, weltlich. Die Bischöfe waren von einem Nimbus umgeben, vor Lein der einfache Priester schon in den Amichambre erzitterte. Die Thüre deS Bischofs soll jedem Priester mil Leichligkut offen stehen, und mit freudig offenem Herzen muß er sich derselben nahen können Nichts entehrt daS Audienzzimmer eines Bischofs mehr, alö Heuchelei und kriechende Verstellung, und leider wurden diese großgezogen durch manche Bischöfe selber. Wohl schwört der Priester an, Lage ,einer Ordinalion seinem Bischöfe Gehorsam, allein dieser Gehorsam ist kein sklavischer, er soll ein kindlicher seyn. Nicht Furcht, sondern Liebe soll die Peison des Oberhirten erwecken, und der B>,chof und das Presbyieral sollen zusammenstimmen, wie die Saiten zu Cylher, nach dem schönen Aussprache deS heiligen JgnaliuS. Einst waren die Bischöfe Churfürsten und Landesherren, und das hat nickt gut gethan. Es schein, fast, als ob der weltliche Schimmer die kirchliche Würde paralisiren möchte. Auch jetzt ist der Für- stentitel gar manchen zum Aergernisse geworden. In einer Zeit, wo daS Schlagwort „Gleichheit" auf eines Jeden Munde liegt, wo der Kaiser von seiner Höhe herabgestiegen ist, und der Adel so gewaltige Opfer gebracht hat, thut eS noth, daß auch die Bischöfe sich mehr dem Volke anialgamiren, sich zum niederen Klerus herablassen, und der Gegenwart Opfer bringen, um die Zukunft nicht zu verlieren. DaS heischt mir stehen verantworten. War bei uns eine Regsamkeit und Thätigkeit, wie sie allenthalben sich in ganz Deutschland kund gegeben hat, besonders seitdem Kölner Ereignisse im Jahre 1d37? Wir thaten, was unS der Loclox eivilis sagte, schrieden unsere Tauf- und Slerbeprotokolle voll, gingen wohl auch in die Schule, wo wir nichts zu besorgen hallen, und hielten unsere Predigten, wo uns ohnehin Niemand euvaS einreden duifte, denn die katholische Kirche war ja die LlaatSkirche. Ueberoieß waren wir besonders seit einigen Decennien gespalten in solche, die mehr der aScetischcn Seite huldigten, und in solche, die dieses peihorreöcirten. Regte sich irgend ein Priester und wollte er etwas Zeitgemäßes einführen, so fiel man über ihn her, und schall ihn einen Sonderling, Neuerer, einen gefährlichen Menschen. Galt er etwas bei Anderen und war sein weltlicher oder geistlicher Einfluß nicht unbedeutend, so war deS Neides und der kleinlichen Eifersucht kein Ende. Die brüderliche Liebe und Einigkeit war auS unseren Herzen gewichen, und das Band, daS unS näher hätte rücken können, daS «and der Conferenzen und Synoden, es war unS von oben her abgeschnitten. Wir kamen höchstens zu weltlichen Unterhaltungen oder bei Schul- prüfungen oder JnstallalioiiSlafeln zusammen, aber diese Rendezvous waren zu kirchlichen Besprechungen nicht geeignet. So stand jeder für sich da, sich selber überlassen, während doch nur Einigkeit Kraft verleiht. Einen der, drohender, strafender Stimme die Zeit. Die Bischöfe müssen die! Pfeil bricht man leicht entzwei, ein Bündel von Pfeilen widersteht. Auf Gegenwart erfassen, und nicht das Auge verschließen gegen die Erscheinun-! daS Paulinische: „Wenn nur Christus gtprebiget wird, möge es auf diese gen derselben. Wer mit dem Rücken am Rande eines Abgrundes steht, i oder jene Weise geschehen," hatte man ganz und gar vergessen. Dxsmpla und meint dieser eristire nicht für ihn, der täuscht sich. Sie dürfen nicht sunt ockioss. — Soll ich noch von, Beichtstühle sprechen? Im katholischen vergessen, daß sie auf dem Niveau einer neuen Zeit, nicht auf dem vor Bayern und am Rheine sind aste Wochen die Beichtstühle umlagert und sechzig Jahren stehen. Einen objectiven Slandpunct müssen sie vor allem bei uns?? Ich meinte, das Herz zerspringt mir im Leibe, als ich einmal zu gewinnen suchen, um von diesem auö die kirchlichen Verhältnisse dem hörte, wie man Beichtleute auf rauhe Weise anfuhr, ihüen die Kirchen Staate und dem Klerus gegenüber zu ordnen. Möge man sich nicht ent schuldigen, daß die Wunden und Bedürfnisse der Zeit den ergrauten Hirten nicht bekannt seyen; eS gibt ja Mittel diese Bekanntschaft zu machen, und die Kirche gibt sie selber an in dem Institute der Synoden. Da ist der lhüre vor der Nase versperrte, und geistlickerseitS über solchen Ultramon- tanismus spottete. Ich frage, wirb'S so besser werden? Christus ging den Schäflein nach, und wir, seine Jünger und Nachfolger, stossen sie von uns! Sie verlangen daS Brod des Lebens, und eS ist Niemand, der es Bischof in Mitte seiner Schäflein, da hört er ihre Stimme, und sie hören! ihnen breche! Es wäre traurig , wenn eS so weit kommen müßte, daß die die seine, da läßt sich rathen, helfen, urtheilen und entscheiden. „Wo zwei! Laien die Lehrmeister der Priester werden, und fast scheint es, als ob wir versammelt sind im Namen des Herrn, da ist er mitten unter ihnen;" um bei diesem Puncte angelangt! wie viel mehr muß dieß von den Concilien gelten, ^ck liegis exomplum Ist in dieser Hinsicht ei totus oompvnitur ordis — das möge sich jeder Kirchenobere ins Herz hinein schreiben, und darnach sprechen und handeln. Den Bischöfen zunächst stehen die Capitel (tlanonioi ostlieärslos). ES ist dieß ein schönes, und wenn eS im kirchlichen Geiste lebt, auch dieser Hinsicht eine innere Reform für den Klerus heilige Pflicht, so ist eben so eine äußere Reform im Klerus eine schreiende Forderung der Gegenwart. Zwangsgesetze bilden keinen tüchtigen Klerus, auch hier muß Liebe und Vertrauen herrschen. Wie ich daher schon oben bemerkte, das Verhältniß deS niederen Klerus zu dem höheren muß ein nützliches Institut. Es hätte bis jetzt die Ausgabe gehabt, ein Surrogat! freundlicheres, intimeres, ich möchte sagen brüderlicheres werben, als eS der Diöcesansynoden zu bilden; ob es derselben überall entsprochen hat,! bisher der Fall war. DaS Piotectionswesen, dieses Gift für die Kirche, will ich hier untersuchen. In manchen Diöcesen spielten die Capitel eine! muß fallen. Die standesgemäße Subsistenz jedes orvinirten Priesters zu zu untergeordnete Rolle, als daß ein energisches Eingreifen und Einsprechen von dieser Seite her zu erwarten gewesen wäre. ES waren Sinekuren, oder wurden eS, wenn sie es nicht schon waren, und dadurch die Zielscheibe deS ravicaleu Sportes. Die Cauonici sollten der Beirath deS Bischofes seyn, waren aber oft wenig praktisch vertraut mit den Bedürfnissen der Diöcese. Eigentlich stände, nach Analogie der Praxis in Deutschland, dem Capitel das Recht der BischofSwahl zu — ein heilig, furchtbares Recht. Die neuere Zeit dürfte damit nicht einverstanden seyn. „Eher Ministerbischöfe, als Capitelbischöfe," hörte ich mit eigenen Ohren Jemanden ausrufen. — Wag nun? Reform thut noth. Die Kanonici, welche auf den Leuchter gestellt sind, um anderen zu leuchten, müssen wirklich ausgezeichnet seyn durch priesterlichen Lebenswandel, gereifte Erfahrung, erprobte Kenntnisse, bewiesenen Muth und vor allem durch kirchliche Ge sichern, ist schreiendes Bedürfniß und heiliges Recht, indem in unserem Vaterland« die gläubigen Vorfahren hinreichend dafür gesorgt haben. Die Bischöfe werben mit aller Energie dafür einstehen, denn auf ihnen lastet die Verantwortlichkeit. — Daß auch in den häuslichen Verhältnissen, besonders auf dem Lande, vieles zu wünschen übrig bleibt, weiß Jeder, der etwas herumgekommen ist. Nur Zansinn bewegt mich zum Schweigen. Nach meiner Meinung werden die DecanatSconferenzen die beste Censur für derlei Uebelstände seun. — Die lästigen Schreibereien, welche den Klerus mehr zu einem Bureaukraten machten, und ihm nicht einmal Zeit ließen, seinen seclsorglichen Pflichten genau nachzukommen, haben mehr ober weniger aufgehört. ES läßt sich nun erwarten, daß die dadurch frei gewordene Zeit auch vom Kler-.s zum Besten der Kirche benützt werden wiro. Wenn man im AuSlanbe einen Landgeistlichen besucht, so liegen die neuesten Erschei- sinnung. Ohne diese geben sie kein gutes Beispiel, denn daS rothe Collar nungen der Literatur auf seinem Studientische, und er weiß über politische allein jagt heut zu Tage Niemand mehr Schrecken ein. Dle Achtung muß und sociale Zustände so schön und treffend zu sprechen, baß man billig aus dem Inneren stammen. Und waS sollen Leute ohne kirchliche Gesin- darüber staunen muß. Und wenn man seine Schriften, die auf dem Pulte nung für eine Garantie geben für die Wahl eines kirchlich-gesinnten Bi- herumliegen, näher durchsieht, so sind eS Skizzen zu Aufsätzen für diese schofeS? Man blicke nur nach Mainz hin nnd die neueste BischofSwahl. over jene Zeitschrift, ober wohl gar zu einem selbständigen Werke, das er Einige zweideutig gesinnte Wahlmänner haben durch ihr unglückseliges zu bearbeiten den ehrenden Auftrag erhielt. Sollte die dem Klerus erübri- Botum Klerus und Volk in zwei Parteien gespalten, und während die genbe Zeit nicht auch bei unS auf ähnliche Weise benützt werben können? Gegner der Kirche sich darüber die Hände reiben, geht die eigene katholck j— Möchten wir doch von unseren Gegnern lernen! Wie rührig sind sie sche Gesinnung indessen zu Grunde. Nein, Männer deS Geistes und Her-^ mit der Feder! Unbärtige Knaben besudeln mit derselben ehrwürdige Grei- zenS, der inneren Kraft und That sollen unsere Capitel ergänzen, dann senhäupler, und wir entfchulbigen unS und sagen: wir haben kein Geschick werden Volk und Klerus mit Vertrauen zu ihnen Hinaufblicken, und sie dazu, eS mangelr die Zeit u. s. w., wie die schalen Ausreden alle heißen ehren als nächste Umgebung ihres Oberhirten. Solche werden die Zeit und Gelegenheit, welche ihnen zur ferneren Ausbildung geboten ist, nicht unbenützt lassen, sie werden in Tugend und Wissenschaft Perlen der Diöcese seyn, würdig höher zu stehen auf dem Leuchter der Kirche. Wie steht eS mir dem niederen Klerus in Oesterreich? Brüder im Weingarten des Herrn! verhehlen wir es unS nicht, und klopfen wir reuig an die Brust, und sprechen wir: inea culpa. Ja mea culps, einen großen Theil des Fluches, der unsere Zeit getroffen hat, haben wir zu mögen. Wer Gutes thun kann, und eS nicht thut, dem lst eS Sünde. Ein grünes Zweiglein, das die Blüthe und Frucht einer besseren Zukunft in sich birgt, sind die geistlichen Bilcnngsanstalten, die Seminarien. O wenn man doch die hohe Bedeutung derselben in der Jetztzeit recht erfaßte I Welch' ungeheure Verantwortung haben deren Leiter und Führer! Die Zeit macht große Anforderungen an den jungen Priester, und weiß er diesen nicht zu entsprechen, so ist sein Wirken null und nichtig. ES ist ohnehin schon gang und gäbe geworden, den Priester, wie eine Art 79 Paria, über die Achsel anzusehen, als einen Menschen, der nicht mehr in> die Zeit laugt. An unS ist eS, diesem Vvrunheile entgegenzuarbeitend Soll aber dieses möglich seyn, so muß im Seminare schon der Grund dazu gelegt werten. 'Man hat geglaubt, es wäre besser, wenn die Theologen außer dem Seminare stunren, was Einiges für sich, aber Vieles gegen sich hat. Die sogenannte Weitläufigkeit gewinnt man auch nicht immer, wenn man im Struoel einer größeren Stadt lebt, dazu gehören! günstige Verhältnisse; wohl aber bleibt viel weltlicher Taud hängen, den^ man nicht so leicht und schnell abstreifen kann. Ich glaube eine schlichtes unverdorbene Persönlichkeit gewinnt leichter daö Herz, als eine mit allen! Lächerlichkeiten der Einkeile gesättigte Ueberschwänglichkeit. Die Soldaten halten gerne Rast vor dem Schlachttag; solch' eine Rast sind die Seminarjahre für den jungen Soldaten der Kirche. Freilich gebe ich gerne zu, daß die Einrichtungen unserer Seminare! geändert werden müssen — Reform thut noth. Ich habe mehrere Seminare! Deutschlands besucht. In einigen glaubte ich mich in ein Mönchsklosters verseht; alles war so ruhig und abgeregelt, ich glaubte lauter AloisiuS-' gesichter zu sehen. Ich muß gestehen — eS erbaute mich; aber eS befrie- ! digte mich nicht. Ascese allein genügt nicht für unsere Tage, genügt insbesondere nicht für den Klerus Oesterreichs. So sehr die Ascese zu schätzen! und theilweise unentbehrlich ist, so sehr glaube ich thut sie der Entwicklung junger Kräfte Eintrag; wenigstens habe ich selber Leute kennen gelernt,! die sich an jedem Strohhalme todt zu fallen schienen. Damit ist aber nichts geholfen. Ernstgesinnte wenden sich, als von etwas Krankhaftem, ab, Leichtsinnige spotten darüber. In anderen Seminarien wieder glaubte ich mich in Mitte von Kremnitzer Bergleuten, so trotzig und bärtig waren sie. DaS erbaute mich weder, noch befriedigte eS mich. — Die Wahrheit liegt in der Mitte. Die jungen Theologen sollen lieber mit Vertrauen behandelt werden, als mit mönchischer Strenge. Bei letzterer gehl leicht das Selbstgefühl und die eigene Willenskraft verloren. Die Seminare sollen aber selbststänvige Leute und keine Treibhauspflanzen liefern. Ein Punct, der in den geistlichen Bildungsanstalten besondere Beachtung verdient, ist die wissenschaftliche Bildung. Die theologischen Disciplinen wurden bisher mehr eingeleiert, als studirt. Man lernte die vorgeschriebenen Bücher, weil eS so seyn mußte, um ein Zeugniß zu bekommen, aber nicht aus Liebe. Daher auch die Erscheinung, daß mit dem AuStritt aus dem Alumnate gar wenige mehr ihre theologischen Studien fortsetzen und erweitern, sondern höchstens für den weiland Josephinischcn PfarrconcurS die alten Scripta auS dem Staube hervorgezogen. Dieß dürfte wohl von sich selbst anders werden, wenn die Pfarrconcurse in der vorn Trienterconcile vorgeschriebenen Weise abgehalten würben, wozu, so hoffen wir, die neuere Praxis der freien Kirche hinzuneigen scheint. Diese Behandlung der Theologie genügt nickt mehr; das scholastische Element hat sich überlebt, und mit Autoritätsprincipien fährt man nicht weit in einer Zeit, wo fatalistische Gnosis und paittheistischeS Hcibenlhum kühner als je ihr Haupt erheben. „Nun, so spricht ein gelehrter Mann der Gegenwart,*) nun, wo die Welt mit ihrem gehäuften Wissen prunkt, wo eine Unzahl neuerer, wechselnder Philosophcngebilde auftaucht, jetzss wo wie lauernde Feinde, ein grober, materialistischer Skepticismus, der starre, giftige JndifferentismuS und eine entnervende, jede ethische und gläubige Kraft töbtende Sentimentalität um sich greift, jetzt thut eS wahrhaftig noth, daß die Kirche den P hi lo sop h en m a n te l um ihre Lenden schlage, und lehrend und wissenschaftlich auftrete. Gift kann nur durch Gegengift geheilt werden, nicht wenn ich dem Vergifteten mit dem «inschmeichelnsten Tone zurufe: Mein Lieber, werden sie doch gütigst wieder ein gesundes Kind, daö an schlichter Hausmannskost, an Obst und Früchten Gedeihen findet." — Diese Worte bedürfen keines EommentarS, höchstens möchte ich deren Gewicht noch erhöhen durch das Wort eines anderen gleich tief Gelehrten der Neuzeit, der spricht: „Die Wissenschaft muß zum Gottesdienste werden." Nehmen wir nun schließlich die oben gestellte Frage: Wie kann eS besser werden? noch einmal auf, so werden wir antworten müssen: durch Reform im Klerus. Von Oben bis Unten gibtS zu reformiren, in egpito tzt M6mbr,8. Bischöfe, Capitel, Professoren, Seelsorger, kurz alle, deren Antheil der Herr geworden ist (Psalm 15) müssen die Zeit erfassen und rhr Opfer bringen, wenn, ich wiederhole eS, die Zukunft unS nicht verloren seyn soll. Es herrscht im Volke noch so viel guter, katholischer Sinn, der nur geweckt zu werden braucht, um die freudigsten Blüthen und Früchte zu bringen. Möchten wir alle wirken, so lange eS Zeit is, und wo das Brachfeld noch nicht durch die Saat des Unkrautes völlig verdorben wurde! Ein großer Act hat begonnen. Die Bischöfe des österreichischen Vaterlandes traten in Wien zusammen, um sich über kirchliche Angelegenheiten zu berathen. Wer erfaßt die Tragweite dieses Ereignisses, und wer vermag im Voraus zu bestimmen, in wie ferne unsere Bischöfe die schwierige Aufgabe nicht so im Sinne deS SiaaleS, als vielmehr im Sinne der Kirche lösen werben? Hoffe» wir! Möchten, um Goiieü willen, die Oberinnen einer neu sich gestaltenden Zeit die Augen nicht abkehren, sondern das Gute derselben in den äußeren Organismus der Kirche aufnehmen, und dem Bösen mit Energie entgegen ireien! Möchten sie nicht vergessen, daß jede gioße Katastrophe ihre Opfer heischt, und möchte» sie nicht säumen, solche Opfer zu bringen auS Liebe zur Kirche, zum Volke, zum Staate, zur Gegenwart. Vor allem andern möchie» sie Hand anlc gen an das, was vor allem andern noch lhut — an die Reform im Klerus! Sollte Jemand diese Sprache nicht gerne hören, und den Schreiber dieser Zeilen naseweise schelte», so halle ich daö alle Sprichwort vor Augen: Wer nicht hören will, muß suhlen, und die Schlußworte des NebeljungenliebeS: „Mit allem Zaudern und Zagen fort, Die Zeit braucht ein cniseliiedcn Wert! Und es ist Pflicht eines Jeden, Dem die Wahrheit im Herzen lebt, Daß er die Hand znm Schwur eihebt, Im Dienste des Herr» zn renn." A. K.er. *) Dr. Hock: Cholorodea. Der zufriedene Arme. Gar sonderbar hat der liebe Gott auf dieser Welt seine Güter ausgetheilt. Wcihrend dem Eine» Alles im Uebcrfluß zugefallen ist, hat der Andere oft kaum so viel, daß er kümmerlich sein Leben fristen kann. Der größte Theil der menschlichen Gesellschaft gehört wohl der bienencen Classe an, und muß sich in saurem Schweiße sein Brod verdienen. Aber oft ist selbst daS kaum möglich, wenn nämlich die Gelegenheit und die Kräfte dazu mangeln, oder daS Alter hereinbricht und zur Arbeit untauglich macht. Da offenbart sich dann erst recht eine schreiende Disharmonie, ein schneidender Zwiespalt im Leben, und vergebens sieht sich die menschliche Vernunft nach einem Mittel um, denselben auszugleichen, und die mit Noth und Elend kämpfende Volksmasse zu trösten und ihr Elend zu lindern. Alle ihre Vorschläge, Erfindungen und Einrichlnngen vermögen nicht dem Uebelstande abzuhelfen; im Gegentheile sind gar manche nur dazu geeignet daS Elend noch größer zu machen, die Unzufriedenheit zu vermehren, und aus Dürftigen, Arbeitslosen und Armen oft noch Verbrecher zu stempeln. Die traurigen Erfahrungen unserer Tage zeigen dieses zur Genüge, und werden eS noch sichtbarer -eigen, wenn die verkehrten Wege, den mensch- lichen Nothständen nach Möglichkeit abzuhelfen, nicht mit andern vertauscht werden, die besser znm Ziele führen. Nur die Religion allein, und zwar die katholische, nur die Auesichl auf ein anderes, besseres Leben und der Gebrauch der Mittel, die die heilige Kucke anbietet, vermögen den Men- schen in seinem mühsamen Tagwerk zu irösten und zu stärken, vermögen den Annen und Nolhleidenden zu erheitern, und Zufriedenheit und Gott- vertrauen in sein Herz einzuflößen, daß Neid und Mißgunst oder böSwil- lige bittere Gedanken darin »in meiinehr Platz finden. Einen Beleg hiesür mögen die folgenden Zeilen liefern. I In der Pfangemeinde R. lebte vor wenigen Jahren noch ein alter ! unverheiraiheter Mann, von dem man recht eigentlich sagen durfte, er ! habe nicht so viel, wohin er sein Haupt legen könnte. AuS einem Hoch- ! theile Tirols entsprossen, hatte er sich nach einem vielbewcgtei, Leben daselbst ^ eine Stätte ausgesucht, wo er gute Gelegenheit hätte der Andacht obzuliegen, durch Arbeit sich Las Notdürftigste zu verdienen, und endlich ein Ruheplätzchen zu finden für seine irdische Hülle, wenn der Herr käme um seine Seele abzufordern. DaS Wenige, waS er von seinen Eltern ererbt hatte, überließ er schon in jünger» Jahren großmüthig seiner verheiratheten ! dürftigen Schwester, und begnügte sich mit dem, waö seine Hände erwa» ! den, oder was ihm sonst der Herr beschied. So lange er noch rüstig an ! Kräften war, arbeitete er fleißig, und nahm jedes Anerbieten gern an, s wodurch er sich auf rechtmäßige Weise etwas verdienen konnte. Hatte er s dann ein kleines Ersparniß zurückgelegt, so besucht! er hie und da seine Anverwandten, um ihnen davon etwas mitzutheilen, ober er pilgerte zu irgend einem Gnadenbild in der Nähe oder in der Ferne, um daselbst dem ! Dränge seines Herzens zu genügen, und für sich und Andere Gnaden vom ! Herrn zu erflehen. Als aber die Tage des Alters heranrückten und die ! Leibeskräfte zu schwinden begannen, versiegten die Quellen deS Verdienstes 'immer mehr, und der gute Mann fest) sich oft wochenlang genöthigt, ohne "Ä-A 80 Erwerb mit dem Wenigsten sich zu begnügen, ließ ihn die Heiterkeit und Zufriedenheit nie. In kindlicher Einfalt und christlicher Ergebenheit freute er sich über jede, auch die geringste Gabe GÜtleS, und genoß sie mit Dank gegen den Vater, von dem alles Gute kommt. Halte er keine Arbeit, so er,chien er desto häufiger in der Kirche, Aber dessenungeachtet »er- > thun. Elisabeth und Vincenz von Paul und Johannes von Gott und ihr andern edlen und liebreichen und großen Seelen alle, was sind gegen euch und eure Werke die vielgepriesenen, eitlen, von der Welt bewunderten Thaten sogenannter großer Menschen? Ihr unglücklichen Urheber des Unglücks, die ihr nur geboren zu seyn und warf seine Sorgen, wenn etwa solche aufstiegen, auf den-Herrn, fest!scheint, um die Saat des Verderbens auszustreuen, Verführer jeder Art, vertrauend auf seine Hilfe zur Zeit der Noth. Dieses Leben betrachtete er stets als eine Pilgerschaft zu einem bessern, ewigen; und daher gab er oft zur Antwort, wenn er gefragt wurde, wie eS gehe, — es gehe recht gut, denn cS gehe ja stets dem Himmel zu.' Darum hing er auch sein Herz an nichts, was sonst die Menschen fesselt, und die größten Entbehrungen kamen ihm ganz leicht vor. Vier Jahre lang schlief er selten in «mein Bette; sein Lager war ein Körnbehälter oder eine Ofenbank im Hause christlicher und gutmüthiger Leute, wo er sich meistens aufhielt. Wenn er gar nichts mehr zu essen hatte, so sagte er lächelnd: Heute müsse er wieder einen Fasttag anstellen, und so wartete er geduldig, bis ihm jemand eine Suppe oder sonst etwas anbot; denn ansprechen Niemand; oder er ging mit seinem Sacke auS um Schnecken zu suchen, die er sich dann zubereitete. Im Symmer setzte er sich oft und gern an die Sonne, las in einem Buche oder betete, bis ihn manchmal der Schlummer überwältigte; oder er begab sich auf den Friedhof und kniete vor dem Missionskreuze, zu dem er besondere Verehrung trug, nieder. Zeigte sich ihm dann wieder irgend ein Geschäft, das er noch verrichten konnte, so war er dazu bereitwrllig, um sich sein tägliches Brod selbst verdienen zu können. Dabei unterließ er nie eine gute Meinung zu machen, und sehr oft empfing er die heil. Sakramente, um ja immer im Stande der Gnade zu bleiben. So verflossen diesem Manne, der allgemein geachtet war, und von dem wohl Manche logten, daß sie mit ihm sterben, aber nicht mit ihm leben möchten, seine alten Tage. Am Ende schickte ihm der Herr noch eine langwierige Krankheit, die Wassersucht; doch er ertrug auch diese mit fröhlichem Herzen. Hatte er ja die zuversichtliche Hoffnung, in Bälde die Freuden eines bessern Lebens zu genießen. Auf seinen Stab sich stützend, als ihn die stark angeschwollenen Füße nimmer tragen wollten, schleppte er sich täglich noch mühsam in daö HauS Gottes, bis seine Sterbstunde herankam. Zwei Tage vor seinem Tode ließ er sich auf vieles Zureden inS Krankenhaus des Ortes führen, und verschied dann, mit den heiligen Sterbsacramenten versehen, ruhig und sanft in einem Lehnsessel, den er dem Bette vorzog. Sein letzter Wunsch war, man möchte ihn am Fuße jenes Kreuzes begraben, vor dem er im Leben so oft gebetet hatte. Er wurde ihm auch gewährt, und so ruht dieser Arme in Christo am KreuzcSstamme, der Quelle des HeilcS für die Menschheit. Möchte sein Beispiel die Bedrängten und Nothleidenden lehren auS der Armuth eine Tugend zu machen, und sich vertrauend in GotteS Vaterarme zu werfen; viele Klagen würden dann verstummen, und Freude und Zufriedenheit in ihr Herz einkehren. (Kath. Bl. a. Tirol.) Er zog umher und that Gutes. (Apost. Gksch. 10, 38) Ja, so mochte ich durchs Leben gehen, Gutes übend und nur Gutes, mit einem Herzen voll Liebe und unermüdeter Geduld und unbestcglicher Sanstmuth und Milde Allen Gutes thuend, auS reinster Absicht, um Gottes willen, auch dem ärgsten Feinde. So zog die ewige Liebe in Menschengestalt umher, JesuS Christus unser Gott und Herr, der da gesagt: „Ich bin nicht gekommen mich bedienen zu lassen, sondern zu dienen." Sein Leben war ein Umherziehen, ein Gehen durch die Welt, indeß unter jedem seiner Tritte eine Wohlthat sproßte für Arme und Leidende, und seine Hände ringsum den reichsten Samen des Guten ausstreuten. Wer kann je genug seine Freundlichkeit, sein inniges Erbarme», sein liefeS Mitleid, seine göttliche Huld gegen die Hilfsbedürftigen alle betrachten? Mit welcher Schonung heilte dieser Arzt! Mit welcher Güte nahm er die Sünder auf, und befreiie sie von ihrer Last, und gab ihnen die Ruhe des Himmels, den Frieden der Seele wieder! „Er H»g umher und that Gutes", und nur Gutes, auch seinen Todfeinden Verzeihung erflehend am Kreuze, an daS sie ihn geschlagen, und während sie seiner höhnten. Bedenke, welch ein schönes Leben, still und sanft in geräuschloser Tugend durch die Welt zu ziehen, von ihr unbeachtet Gutes zu spenden, wo und wie du kannst, zu schönen und zu helfen und zu retten, mit einem Auge voll Liebe, einem Herzen voll Güte, mit dem süßen Bewußtseyn, Jemand eine Freude gemacht zu haben! Ich denke an so viele Heilige, deren Leben auch so ein Wandeln war durch die Welt unter lauter Wohl- Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. die ihr zu Unglauben, zu Lastern, zu Revolutionen aufreizt, und ringsum Feuerbrände schleudert, und Familien, Städte, Länder in Elend und Jammer stürzt: o daß euch ein Llcht des Himmels aufginge und ihr erkenntet, um wie viel schöner und edler und beseligender es ist, Gutes thuend durchs Leben zu gehen! Betrachter doch: wer Freude und Lust hat, BöseS zu thun, ist Kind und Genosse deßjenigen, den wir den Bösen nennen. GotteSähnlich aber ist, wer umhergeht und Gutes thut. Bedenke ferner; für jeden Menschen kommt eine Zeit, wo man von ihm sagen wird „Er war", er ist nicht mehr. Was willst du nun, daß man von dir sagen soll, wenn du auS der Welt geschieden bist? Soll auf wollte er! deinem Grabe eine Schanrsäule stehen mit der Inschrift: „Er ^that BöseS", oder „er that NichtS"? Willst du noch nach dem Tode forlsünvigen durch die Folgen deiner bösen Werke, die hier dein Leben ausmachten? Oder willst du nicht lieber, daß man dir weinend und dankend nachsage: „Er ging umher und that GuteS"? Willst du nicht lieber auch nach deinem Weggehen noch Gutes thun durch die Folgen deS Guten, daö du ausgesäet? Betrachte wieder, wie du jenseits wirst aufgenommen werden, wenn du hier herumgezogen und Gutes gethan! Du erwachst dann nicht mit leeren Händen, du findest im Buche deS Lebens aufgezeichnet jede gute That und jeden guten Willen, Gutes zu thun, und jeden Wunsch zu helfen, auch wo du in der That nicht konntest. Wenn dann der Richter sagen wird: „Du guter und getreuer Knecht, geh' ein in die Freude deines Herrn!", wenn die reichen Garben deiner Thaten belohnend um dich stehen, wenn dir die verdiente Krone entgegenstrahlt: bedenke, waS daS seyn wird für dich! Welch ein überströmendes Gefühl von Seligkeit und Wonne, wodurch jede Arbeit und Mühe und LiebeSthat überschwenglich belohnt wird! Jst'S a^o nicht der Mühe werth, Gutes zu thun? Darum „lasset uns Gutes thH^und nicht ermüden; denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir mcht ermüden." (Gal. 6, 9.) „Da wir Zeit haben, lasset uns Gutes thun Allen!" (Ebend. 10, 10.) Ja, „werbet nicht müde, Gutes zu thun!" (2. Thess. 3, 13) Ach, eS ermüden ja auch jene Unseligen nicht, die BöseS thun! Wie arbeiten und sorgen und wühlen sie nicht, um in ruchloser Freude ja recht viel Unheil zu stiften, und stehen dann mit teuflischer Lust da, dem Brande zuschauend, den sie geschürt, zuschauend dem Strome deS Verderbens, den sie losgelassen, den wüthenden Bestien, die sie zum Würgen freigegeben! Gegenüber den nimnzerruhenden Unheilstiftern lasset uns um GotteSwillen Gutes thun, retten, waS zu retten ist, wehren, wo sich wehren läßt, helfen, wo die Noth ruft! Lasset, o ihr Guten, unö alle so leben, daß man jedem nach seinem Hinscheiden nachrufen kann: Nun ist die Menschheit wieder um einen guten Menschen ärmer;, denn der da hingegangen, „zog umher und that Gutes!" (Katholische Blätter auS Tirol.) Kirchliche Mittheilungen. Koblenz, 1. Mai. Die. auS Belgien hieher gezogenen Redempto- risten wirken zu allgemeiner Zufriedenheit, und selbst von solcher Seite, wo naturgemäß eine Abneigung gegen OrdenSgeistliche vorausgesetzt werden könnte, wird ihrem reinen und unermüdeten Wirken Anerkennung gezollt. Man geht schon mit dem Gedanken um, ein eigenes Kloster hier zu errichten, welches gerade in unserer Diöcese von großem Vortheile seyn müßte, da wir auf der einen Seite Mangel an Priestern, und auf der andern auch so viele arme Gemeinden besitzen, welche nicht im Stande sind, einen eigenen Seelsorger zu ernähren, unv denen durch geistliche Msssionen und auf andere Weise durch Klostergeistliche leicht auSgeholken werden könnte. Ungeachtet der bedrängten Zeit und der auch hier tief umwühlenden politischen Wirren dürfte dieser Gedanke reichen Anklang finden und auf Verwirklichung nicht lange warten müssen. Herr Pfarrer Clemens wendet dieser Angelegenheit große Aufmerksamkeit zu. — WaS die in Aussicht gegebene Diöcesan-Synode angeht, so sind die gespannten Erwartungen etwaS heräb- gcstimmt. Unsere Reformers fangen an, zu wittern, daß die Diöcesansy- node sie nur fester in der KirchenviSciplin einengen und manchen bisherigen Freiheiten (oder Zügellosigkeiten) ein Ende machen werde; die Träume geistlicher Parlamente und Redekämpfe fangen an zu schwinden und die wirklichen und wahren Vorstellungen von dieser kirchlichen Institution mehr und mehr sich geltend zu machen. (Katholik.) Verlags -Inhaber: F. C. Kremer. Preis in Augsburg für ffch allein (ohne A. Postzeitung)jährlich Ist. ISkr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Poftzeitung. Für flch allein, ohne die Augsburger Postzeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehe» und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur L fl. LOkr. oder I Thlr Neunter Jahrgang. M 21. SV. Mai L84S. Daß Werk -er Sühmnrg. Rede vor dem Seelenamte für weiland Se. Excellenz deS k. k. Kriegsministers und FeldzeugmeisterS Theodor Grafen Baillet de Latour. Gehalten in der Pfarrkirche am Hof am 28. März 1849 von Dr. I. E. Veith. „Bis zum Tode streite für die Gerechtigkeit, und Gott wird streiten für dich," jEccl. 4, 33.) Wenn der Starke und Gewaffnete den Vorhof bewacht, so ist alles was er sein nennt, in Sicherheit. Kommt aber ein Stärkerer über ihn, so entreißt dieser ihm die Waffen und theilt die Beute auS. Diese Worte find so bekannt als ihre Deutung. Der Stärkere, der über den Starken gekommen, ihn gerichtet und hinausgestoßen, ist der Gerechte, Wahrhafte und Treue, der Gotteö Heiligkeit auf Erden verherrlicht hat. Wie erkämpfte er diesen Sieg'über Sünde und Tod? Durch seine Hingabe an den göttlichen Willen. Er überwand, indem er sich überwinden ließ; er brach den Stachel des Todes, indem er freiwillig den Tod auf sich nahm; sein Leiden war die Löhnung der Welt, sein Untergang der Aufgang der Wahrheit und des Lebens. Dafür, daß er seiner Herrlichkeit >ich entäußert, t^e) KnechtSgeftalt angenommen, und gehorsam worden nicht nur bis zum Tobe, sondern bis zum Sklavenlobe des Kreuzes, dafür hat Gott ihn erhöht, und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. Dieß sind die Worte, die in der PassionS- und Charwoche gleichsam die Parole der Kirche und der Gläubigen bilden. Die erhabene und wch- muthvolle Feier, die uns hier versammelt, darf unS wohl veranlassen, sie noch anderweitig anzuwenden. Lange genug haben wir mit Schmerz vor Augen gesehen, wie der Starke Gewaffnere den Borhof des glorreichen BölkerhAuseS bewachte, welches das HauS Oesterreich genannt wird. Wir haben seine Waffen kennen gelernt, womit er die Gemüther theils einschüchterte, theils bethörte, daß sie jauchzend unter seine blutige Fahne sich schaarten. ES ist aber ein Stärkerer über ihn gekommen, der seine Waffen zerbrach, und die Beute ihm auS den Zähnen riß. Er stritt für die Gerechtigkeit bis in den Tod, und Gott übernahm den Streit für ihn. Er siegte, indem er besiegt warb; er richtete daS wankende Gebäude wieder auf, indem er fiel; getreu seinem Gott, seinem Gewissen, seinem Kaiser und Baterlanbe, ist er gehorsam worden bis zum Tode, und zwar bis zum schimpflichen Tobe am Laterncnpfahl; dafür aber hat Gott ihn der- Herrlicht, also daß der Name Theodor Baillet de Latour im österreichischen Heere und Volke, unter allen christlichen Nationen, und in der Weltgeschichte leuchtet mit unverlöschlichem Glänze. Wie geschah es jedoch, baß er gerade durch seinen Tod die Mächte des Unheils bezwäng? Wie hat er dadurch, daß er dämonischem Grimm zum Opfer fiel, die Wiederkehr der gesetzlichen Freiheit vermittelt? Zar Auskunft darüber genügt ein einziges Wort, daS Siegel der Weltordnung bei allen heidnischen Völkern und noch mehr bei den Christen: daS Wort Sühnung oder Erpiation, über welches wir in dreifacher Beziehung uns verständigen wollen, und zwar nach seiner irdischen, nach seiner himmlischen Bedeutung und in seiner Anwendung auf die Zustände unserer Gegenwart. Die irdische oder rein dießseitige Bedeutung liegt unS nahe genug in der jüngsten Geschichte unserer Kaiserstadt. In diesem vielgerühmten Sitze der Treuherzigkeit und deS behaglichen Lebens war schon seit manchen Zähren Vieles faul geworden, und wo das AaS ist, versammeln fich die Geier. Bon hier aus, so war eS längst beschlossen, sollte der österreichische Kaiserstaat zertrümmert, die Fürstenhäuser Europas gestürzt, die neuen fabelhaften Reiche eines Mazzini, Ledru-Rollin, Kossuch, Hecker und MieroölavSky auf Schutt und Blut erbaut, daS Christenthum und die Kirche sammt aller Herrschaft göttlicher' Gesetze vernichtet werben. Der Wissenden und Eingeweihten waren wenige, der Getäuschten viele, fanati- sche Werkzeuge fanden sich. in- hinlänglicher Zahl; die Bestechung floß auS reicher Quelle, die Blendwerke waren zauberisch. Auf den Wegen des Verderbens geht eö rasch, mit der beschleunigten Geschwindigkeit deS Falles; so war in wenigen Monaten die Bethörung und Zerrüttung allgemein geworben, und es erfüllte sich der AuSspruch des berühmten Bayard, des Ritters ohne Furcht und Tadel: daß nichts gefährlicher sey, als Kühnheit und Macht mit der Unwissenheit im Bunde. In Mitten dieser tollkühnen Unwissenheit, umgeben von einer oft bis zur Berserker-Wuth aufgereizten Menge, und gegenüber einer Volksvertretung, in welcher die heillose Richtung überwiegend geworden, stand wie ein Fels in der Brandung, in unerschrockener Ruhe und heiterer Festigkeit, der Mann, von dem der Held von Custozza und Novara feierlich bezeugt: daß er ihm vor Allen seine herrlichen Siege verdanke.*-) Als ein Vater des Heereö, als ein Hort deS Thrones, als Vorfechter der Freiheit und des Gesetzes war er rastlos mit der schweren Aufgabe beschäftigt, die Mittel vorzubereiten, durch die allein cS möglich war, um im Osten und Süden so wie im Centrum deS Reiches dem Recht und der Ordnung den Sieg zu erringen. Die Führer und Handlanger der Zerstörung hatten dieß auch bald erlauert; die Klapperschlangen und Vipern der Tageblätter sprudelten gegen ihn ihr schärfstes Gift; die Worthelden der Linken erhoben gegen ihn ihr Wolfögeheul; immer drohender zog der Sturm heran. Stand eS nicht bei ihm, dem angeblichen Volköwillen zu weichen, seinen Rücktritt zu erklären, ober wohl gar, nach dem Rathe der Feigheit, mit den Wölfen zu heulen? Aber mit derselben Tapferkeit, womit der Krieger, der den Oberbefehl führt, überall wo eö darauf ankommt, an der Spitze seines HeereS in die offene Schlacht zieht, stand und stritt auch der greise Feldherr auf seinem sogenannten FrievenSposten, bis die Zeit deS Frevels hereinbrach, ähnlich jener, die der Herr alö die Stunde der Böswilligen, als die Macht der Finsterniß bezeichnet hat. Um daS schändliche JudaSgeld von dreißig Sil- berlingen verkauft,**) von Gleißnern zugleich geschützt und verrathen, von Pöbelhaufen überfallen, die Stiegen herabgeschleppt, hin und her gestoßen, an den Haaren gezerrt, mit einem Schmiedehammer aufs ehrwürdige Haupt geschlagen, mit Spießen und Bajonttten durchbohrt, und an einem Eisengitter gedrosselt, ward er endlich auf den Platz hinaus geschleift, mit kannibalischem Höhne beschimpft, erhöht, und gemißhandelt; und mußte bann noch zahlreichen, mit dem Ehrcnrocke der Nationalgarde verkleideten Irokesen, EhiguitoS und Botukuden zur Zielscheibe dienen, an der sie als Schützen sich erprobten. Aber kaum war die lärmende Gräuelthat vollbracht, als schon die Schmach, die Furcht und der Schrecken mit bleiernen Schwingen über die Stadt sich lagerten; so daß wir gesehen haben, wie von Zeit zu Zeit Massen von vielen Tausenden, die um den Schauplatz deS Frevels sich gesammelt, in einem Nu auSeinanderstoben, bloß weil daS Geflüster sich verbreitete: man habe von ferne her den Wirbel einer Trommel vernommen. ES ist wohl für alle verhängnißvolle Zeiten gesagt: „Wer gerecht ist, rechtfertige sich noch mehr, und wer schadet, schade noch ferner, und wer schmutzig ist, werde noch schmutziger" (Offenb. 22, 11.) damit daS Maaß i Nach eigenen Worten des Herrn F. M. Nadetzky an daS Kriegsncknisteriuni: „Es sey hier vor Allem dankbar gefeiert der Name meines gemordete» Waffenbruders, ! des biedern Kriegsministers F. Z. M. Grafen Latour, der mir, wie Keiner , eine treue i Stütze war, der mir so edel half, die meinem Kaiser und Herrn hinterlistig geraubten Länder wieder unter seinen Scepter zurück zu führen rr." Mitgetheilt im III. Abschnitte der Kriegsbegebenheiten bei der kaiserl. österr. Armee in Italien. Mailand 1848. **) Das Biutgclo, das Einer jener Mörder empsangcn, betrug in der That 30fl. sich erfülle. Und so schien zwar damals der Unfug erst recht anzugehen. I Kaiser, und fanden daS volle Bewußtseyn ihrer Stellung wieder. Wie Wie aus einem siedenden Hexenkessel schäumte die Hefe dcS Pöbels herauf, i ehedem Rudolph, Herzog von Schwaben, der dem Kaiser Heinrich IV. um das arme bethörte Bürgcrthum zu übeifluthcn; dieses rohe Volk wurde > abtrünnig geworden, die Hand, die im Gefechte bei Merseburg ihm abge- von heuchlerischen Gesetzgebern geliebkost, von deutschen Afterweisen durch!hauen worden, mit der Linken in die Hohe hob und ausrief: dieß ist die prunkende Reden aufgebläht, und von ruchlosen Sechen und Schlachtizen meineige Hand, mit der ick meinem Kaiser und Herrn die Treue geschwo- zu einer kriegerischen Rotte geordnet. Aber ein Schrei deS Entsetzens unsren! so sind jetzt alle Soldaten der Armee von der Ueberzeugung durch- LcS Abscheues war bereits durch das ganze Heer gedrungen, das in seinem drungen, daß eS unendlich besser sey, die rechte Hand, ja das Leben zu obersten Lenker und Fürsorger, in dem hochverdienten General sich aufs verlieren als die geheiligte Ehre. Und waS kann größer und wichtiger schmerzlichste beleidigt und verhöhnt sah. Ueber die Werkführer der Anar- seyn in diesem Augenblick, wo eS gegen den Ruin deS Bürgerthums, gegen chie war daS Gericht besiegelt; die Rächer und Ordnunggebieter rückten chaS Geschäft, „daS im Finstern schleicht," gegen die brütenden Mächte der von allen Seiten heran, gefübrt von großmüthigen Feldherren, die, bei Zerstörung fast keine andere Schutzwehr gibt, als die moralische Kraft deS all ihrer bewundernSwerthen Langmut!) und Milde, von schöngeistigen Heeres? Flüchtlingenden Beinamen der.„Schrecklichen" hinnehmen mußten. Genug: In der That ist Niemand gründlicher mit dieser Wahrheit bekannt, in demselben Augenblicke, da der edle Graf unter den Streichen der Mör- als das Natterngezüchte der VolkSbeglücker; daher sie auch kein Mittel der sein irdisches Leben verhauchte, war Thron und Vaterland schon ge-^ unversucht ließen, um die Krieger auf Abwege zu verlocken, und mit dem rettet. Nachdem er für die Gerechtigkeit gestritten bis zum Tode, führte Netze ihrer ecklen Vertraulichkeit zu umgarnen. Diesen tückischen Unfug von jetzt an Gott den Streit für ihn. - - nannten sie Fraternisiren; dahin zielten auch ihre Feste der Verbrüderung. Denn darin eben beruht daS. Wesen der Erpiation, daß sie im Kreise Fraternität ist eine schöne und himmlische Tugend, die auch der Apostelsürst dcS irdischen Lebens nicht abgeschlossen ist, sondern in ein.unendlich höhe- empfiehlt, aber nicht schlechthin und ohne Beisatz. Denn seine Vorschrift res Gebiet hinauf reicht. Die göttliche WeltrMrung offenbart sich dadurch,' lautet: „Die Brüderlichkeit sollt ihr lieben, Gott sollt ihr fürchten, den daß sie der menschlichen Willensfreiheit ihren Spielraum und Tummelplatz König sollt ihr ehren." (1. Petr. 2 , 17 /) Soll eine Verbrüderung rühm- überläßt, bis mitten im zügellosen Trcihen eine^roße und edle That her- lich und heilsam seyn, so muß sie von jeder Richtung sich fern halten, die vorleuchtet; bis ein Gerechter bis zum Tode sich gdlreu erwiesen, und die- dem Gesetze Gottes und dem heiligen Rechte des Kaisers widerspricht. seS Opfer dann die Bethvrlen auS,.ihren Trälnnen weckt, die Irregeführten Und so führt unS dieser Gedanke zur dritten Beziehung der Erpiation: zu zur Besinnung bringt, so daß sie aus freiem Entschlüsse der Wahrheit und ihrer Anwendung auf unser öffentliches Leben. Warum soll nicht die herz- dcm Rechte wieder sich zuwenden. Wir werden nicht mit der Vorsehung lichste Freundschaft und Eintracht bestehen zwischen dem Soldaten und hadern, daß sie diese Wege erwählt, daß sie gleichsam müßig zusieht, bis ^Bürger? Gehören sie nicht einem und demselben Vaterlande, ehren und ein solches Opfer gefallen, und daS Leben deS Gerechten nicht beschützt, lieben sie nicht einen und den nämlichen konstitutionellen Kaiser, den Trä- Wer würde den Arzt, den Seelsorger achten, der, um seine leibliche Wohl- ger der Majestät? Geht nicht der Krieger auS dem Schooße des Volkes fahrt keiner Gefahr auszusetzen, vom Felde der Ehre, oder vom Kranken-hervor, und kehrt er nicht, wenn seine Dienstzeit vollendet, in dasselbe lager sich fern hielte? Je heldenmüthiger daö Opfer, desto besser ist es! zurück? Ist das Heer nicht das Bollwerk der heimischen Sicherheit, der verwahrt und aufgehoben; denn „die Seelen der Gerechten sind in Gottes Ruhm und die Ehre des Reiches? Oder sollten etwa die Völker Oester- Hand; die Augen der Thörichten sahen nur ihren Tod; sie selbst aber sind Deichs nicht stolz seyn dürfen auf so tapfere, humane, hochgebildete Feld- im Frieden." (Weish. 3, 1.) - Herren wie Radetzky-, Windischgrätz, Jellachich, Weiden, d'Äspre, Wall- Wir können hier an einen Mann auS ritterlicher Vorzeit unS erinnern: an Robert, Herzog der Normandie, den rüstigen Kämpfer gegen die Sarazenen. Als er sterbenskrank auf eine Sänfte sich legen ließ, um aus Bithynien (Kleinasien) nach Jerusalem getragen zu -werden, näherten sich ihm einige normännische Barone, die im Begriffe waren, nach der Heimath zu ziehen, und fragten: was befiehlst du, daß wir deiiml Völkern von dir moden, Schlick, Schwarzenberg, Heß, Schönhals und noch viele Andere? Sind diese ^Heroen nicht die Retter dcS Mittelstandes, deS BürgerthumS, des Sandmanns und seines Grundbesitzes? Und sollen nicht Alle freudig und einmüthig sich jchaaren um ihren trefflichen, ernsten, vom strengsten Pflichtgefühl beseelten, jugendlichen Kaiser? DaS Seelenamt, daS wir Heute für den Frieden deS Verewigten ausrichten? Der Herzog zeigte auf die Männer, .die bereit"standen, seine feiern, gibt von dieser Gesinnung Zeugniß. Es ist durch ehrenhafte patrio Sänfte zu tragen; lauter stämmige, athleusche Leute, aber von äußerst Mische Bürger veranstaltet,*) und die ausgezeichnetsten Tonkünstler aus häßlichem, abschreckendem und verwildertem Aussehen; dann sprach er, im!dem Civilstande haben freudig Hand und Stimme dazu dargeboten- Ob Gefühle seines nahen TodeS: Sagt meinen Normanen, daß ihr eS mit angesehen habt, wie der Herzog Robert von den Teufeln in den Himmel getragen wurde! — AehnlichcS können auch rpir von dem hochherzigen der Hingeschiedene Geist des biedern Streiters schon inS Reich der Herrlichkeit aufgenommen, ob er im Gegentheile der Erpiation noch bedürfe, die durch Vermittlung deS hochheiligen Opfers und unserer FKbitte ihm Grafen Lalour erzählen: wir haben zugesehen, wie er von Dämonen in Zugewendet wird, ist unS unbekannt; jedenfalls aber hat diese Feier die Menschengestalt in die himmlische Seligkeit gefökddrt wurde. Und wir sind Mebenbestimmung: ein Fest aufrichtiger Sühne und Versöhnung zu werden berechtigt zu dieser Zuversicht; denn er starb, , wie noch seine letzten Worte zwischen dem gesummten Krieger- und Bürgerstande. Möge die Gnade es bekräftigen, nicht bloß den Tod eines Helden, den keine Furcht erschüt- GotteS immer mächtiger die Widerstehenden bewegen, daß sie die Eitelkeit tert, sondern den Tod des Gerechten, ja eines Märtyrers; er fiel als Kämpfer und Zeuge für Wahrheit und Recht, für Gesetz und Sitte, oder, wie sein erhabener Freund Radetzky von ihm rühmt: als Muster und Vorbild edler Treue. Es ist aber die Verheißung deS Herrn: „Sey getreu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone deS Lebens reichen!" (Offenb. 2, 10.) Aber noch ein anderer Lohn ward ihm gewährt: die Frucht deS rei- und falsche Scham überwinden, und in die Reihen derjenigen eintreten, die für die wahrhafte Freiheit, für Recht und Ordnung einstehen. Möge eS den vereinten Kräften der Rechtlichen gelingen, wieder herzustellen, waS die Belialssöhne mit vereinten Kräften verwüstet haben! So viel aber ist sicher und gewiß: „Jede Bestechung und Ungerechtigkeit wird vertilgt werden, die Treue hingegen wird ewiglich bestehen. Trübsal und Angst über die Seele eines Jeglichen, der Böses thut; Herrchen Segens, den sein Opfer der irdischen Welt gebracht. Dieser Segen j lichkeit, Ehre und Friede Allen, die das Gute wirken." (Eccl. 40/ 12. gab sich gleich anfangs kund im Siege deS Lichtes. Diejenigen, die nurMöm. 2, 10.) Und wird nicht endlich daS Leben aller Menschen einem der Täuschung unterlegen, erschauderten, wie einst die Männer auf Gol-!KrigSdienste gleich geachtet? Ist eS nicht einem Jeden geboten: für die "" Gerechtigkeit zu streiten bis in den Tod? So mögen wir vom Apostel unö ermähnen lassen, daß wir als ehrenhafte Kämpfer uns erproben, die Treue bewahrend und ein gutes Gewissen, damit wir in jeder Drangsal und im letzten Augenblicke vertrauensvoll rufen können: Meine Stärke und mein Ruhm ist der Herr; und er ist mir zum Heile geworden! (1. Tim. 1, 18. Pfl 117, 14.) gotha, schlugen an ihr Herz und kehrten um. Viele der edleren Glieder der Legion und Nationalgardc entfernten sich für immer von dem jacobini- schen Gräuel. Sie hatten endlich das Scheusal der rothen socialen Republik erkannt; sie fühlten, baß all daS Gerede von Selbsthilfe und souveränem Volkswillen nur Trug sey, daß kein sophistischer Seifenschaum, er komme nun aus der Reitschule oder der Paulskirche, diese Makel zu tilgen vermöge, und besannen sich neuerdings auf die ewigen, von Gott gesetzten Grundlagen der geselligen Ordnung und Gesittung. Während dieß in der bürgerlichen Welt geschah, zeigte sich mächtiger noch die SegenSwirkung in allen Rangstufen und Reihen dcS HeereS. Der Verein für religiöse Freiheit in Frankreich an die Mitglieder des katholischen Vereines Deutschlands. In den Anrüchigen, Rostigen, Zweideutigen erwachte daS PflichttU, „ . das Schreiben, welches d-r katholische Verein Deutschlands bei Ehrgefühl mit neuer Kraft, um nie mehr einzuschlummern; die Jrregcführ-! denkwürdigen Versam mlung im October deS vorigen JahreS zu Mainz ^"'^W"nke"de>r kehrten von ganzem Herzen zu ihrer Standeöpflicht, Namentlich und vorzüglich durch den. als Herausgeber des „constituti-n-lleu Haus- zurück, suhlten sich begeistert für ihren einzig rechtmäßigen Oberherrn, den^Jörgel" in weiten Kreisen berühmten Herrn Rechnungsrath I. B. Weis. 83 an die ^8sooistion catlloliguo pour >3 libertö religieu56 in Paris zu versenden beschloß, ist von dort unterm 9. März d. I. nachfolgende Ant« Wort erfolgt: Hochgeehrte Herren und GlaubenSbrüder! Wir haben mit Freude die Adresse empfangen, mit welcher Sie uns bei Ihrer jüngst in Mainz gehaltenen Generalversammlung beehrt haben, und wir hätten gewünscht, Ihnen rascher die Freude und Erkenntlichkeit ausdrücken zu können, welche sie in unö erregt hat. Geschaart um den heiligen Stuhl, welcher jederzeit das Heiligthum der sittlichen Welt, der Herd aller Wahrheit auf Erden ist, und welcher hin- überragt über den Undank und daS Unglück in der Ehrfurcht der Nationen, trösten wir den erhabenen und hochherzigen Hohenpriester, welcher ihn ziert, durch den Anblick unserer brüderlichen Einigung. Und cS sollen selbst Jene, welche die Reinheit unseres Glaubens und die Aufrichtigkeit unserer Bestrebungen verkennen, nicht bloß von den Christen der Gegenwart sagen, wie von den Christen der Urkirche: Seht, wie sie sich lieben! sondern auch: Inmitten der Umstürze dieses schmählichen und verhängnißvollen Jahres, Sehet, wie sie glaubenl Sehet, wie sie hoffen auf Gott, auf die Kirche, welches mit der Knechtung der katholischen Kantone der Schweiz begonnen auf die Zukunft! und mit der Verbannung Pms IX. ge,chlofsen, stieg ein neues Licht für Genehmige» Sie, meine Herren, die Versicherung der Gefühle voll« uns auf, ein unverhoffter Trost ward unS gewährt. Die Emancipation kommener Sympathie und unwandelbarer Anhänglichkeit, mit welchen wir der katholischen Kirche in Deutschland hat wieder einmal der Well den freudig unS nennen Ihre hochachtungSvolleu Brüder im Glauben. Beweis geliefert, daß Gott seine Gläubigen nur erniedrigt, um sie zu. Der Präsident deS Ausschusses: Eh. v. Montalembcrt. Der erhöhen, und daß menschliche Weisheit an irgend einer Stelle^Nicepräsident: Vatimesnil. Der Schriftführer: Heinrich v. Riancey. zu kurz kommt. Die Bedrängnisse der Kirche in Ihrem Vaterlande hatten schon seit - langer Zeit unsere Sympathieen erregt. Wir seufzten über diese tiefe Knechtschaft, in welche der unsinnige Druck der Menschen und das Unheil Ans einem Wanberbuche. der Zeiten sie gestoßen. Aber welche Quelle der Hoffnung finden wir nicht Bon I)e Alban Stnl, fortan in der Bildung eines solchen Vereins, wie deö Ihrigen, in dieser i hochherzigen Begeisterung, welche die Katholiken Deutschlands in einer Zeit, wo alle staatlichen Institutionen entnervt oder. entehrt erscheinen, drängt, das Recht der VereinSbildung zu benützen, um. die Rechte, die Würde, die Unabhängigkeit der Kirche zu fordern und um durch ihren Muth die Widerherstellung ihrer alten Glorie vorzubereiten! Sie haben, meine Herren, sonach eingesehen: der Irrthum hat keine anderen Kräfte, als die Frechheit seiner Stützen und die Schwäche der Freunde der Wahrheit. Wir, die wir die Wahrheit lieben, lernen ihr dienen, ohne an ihrem Triumph zu zweifeln. Die Wahrheit entbehrt nicht der Waffen, sie entbehrt nur der Krieger. Zu Constanz ging eS auf den See. Gegen Abend erschloß sich eine ganz wunderbare Schönheit der Fernsicht. Der See und der Himmel hatten die TirolerIlpen zwischen sich genommen, und hatten sie mtt Hilfe deS abendländischen Septembersoiinenscheines sich selber assimilirt, daß sie gebaut schienen auS weißem Wasser, blauem Himmel und lichtem Schein. ES war so schön, so unsäglich schön, wie kaum der schönste Traum die Seele umschwärmt; cS schien der Himmel einen Augenblick sich herabgesenkt zu haben, und da zu ruhen, voll Silber und Luftäther und unendlicher Zartheit; die Natur schien ein süßes Kind geworden zu seyn, und holdseligst zu lächeln. — Du schöner Gott, der Du dieß schaffst und unS zeigst, Allerdings jollcn wir durch friedliche Bemühungen, durch eine strenge denn nicht Deine schöne Natur selbst, wie die Königin Saba, gegen Ehrfurcht vor der Gesetzlichkeit, laugiam zu unserem geheiligten Ziel getan-aufstehe» und sagen: warum seyd ihr so zwieträchtig und häßlich, da gen, ohne irgend etwas von jenen aufrührerischen und anarchischen Wüh-^H ^ so schön und mild bin, und ihr dvch einen unsterblichen Geist in lereicn zu eiulehnen, von denen minder heilige Strebungen einen Gebrauch tragt - den' ihr der Wahrheit nicht ausschließen wollet, machen, welcher zu ihrer ttnehre ausfällt. /r-, .. Ich blieb in Landet über Nacht und fuhr morgens um 4 Uhr mit Die Rechte der Obrigkeit, immer geheiligt in den Augen der Christen,! Stellwagen ab. Es saßen zwei Mannspersonen darin, das Gespräch muffen eö mehr als je in unsern Tagen, in diesen Zeiten allgemeiner^^ algtzcckd angezettelt. Der eine war ein Mensch von 24 bis 20 Jah- Verirrung und zügellosen Hochmuths seyn. Allein unsere Unterwürfigkeit welcher früher in einer Fabrik zu Innsbruck gearbeitet hatte, als unter die Gesetze, unsere gerechte Demuth vor den von Gott geordneten HirnA oebürtig. ^ laö manche katholische Bücher, kam Gewalten, schwächt in Nichts die kräftige Hingebung unserer Seelen an GejsUjckM in Umgang, und wurde endlich katholich. Später wurde die Rechte der Wahrheit. Es bedarf bei der Eriinguug dieser Rechte einer ^ von Geistlichen aufgefordert und unterstützt, daß er jetzt bei den Jesui- Ctandhaftigkeit und eines Eifers, welche der Verein Pflegt, und welche ohne ihn vergehen. Wenn jede Eiuung eine Kraft ist, so ist sie cS vor Allem dann, wenn Glaube, Liebe und Hoffnung die Einung bilden. Sie haben es begriffen, meine Herren, indem Sie zusammentraten von der Nordsee bis an die Alpen, von Ungarn bis an den Rhein, alö eine Legion freiwilliger Vertheidiger der Religion und der Freiheit. Sie ten studirt, um Priester zu werden; er ist aber erst in der vierten Classe. Er redete viel von der Vortrefflichkeit der Jesuiten und wie daS arg sey, daß die Geistlichen im Badischen, wie er schon gehört habe, — lange Hosen tragen. Ich erzählte ihm hernach von dem vortrefflichen Stande deS Christenthums in Westfalen, Und von der großen Verkommenheit in Frankreich, während sich Loch hier die Priester höchst orthodox tragen und anerkennen willig, daß die Katholiken Frankreichs Ihnen den Weg gezeigt; nicht, eS müsse sonach auf die Hosen nicht ankommen. — Von Zürich aber wir müssen unsererseits es bekennen, Laß Sie mit dem ersten Schutt. er mir, daß die Schullehrer Straußianer seyen, und selbst den uns ganz weit hinter sich gelassen. Fortan erübrigt unS Nichts, als Sie! Schulkindern absichtlich den Unglauben an die Gottheit Christi lehren; auch nachzuahmen und zu beneiden. ' seyen die Kirchen am Sonntag fast leer. UebrigenS wollen Sie, indem Sie unS mit Beziehungen beehren, Der andere war ein Landrichter, noch ein junger Mann, welcher Leren ganzen Werth wir erkennen, Ihre Sendung und die unsrige erwei- s^e Frau abholen wollte. Er war religiös und gläubiger Katholik, hatte lern. Sie erkennen es, für den Glauben besteht keine Gränzmarke und die Kirche ist daS gemeinsame Vaterland der Seelen. Sie wollen, daß Ihr Verein, erwachsen unter dem Schirm der Kirche, etwas von ihrer weltumspannenden Größe annehmen soll. Wir theilen Ihre Gesinnungen. Ein Tag wird kommen — und möge es ein naher seyn — wo von allen Enden der katholischen Welt Brüder im Glauben zu einem allgemeinen Congreß zum Zweck der Vertheidigung der religiösen Freiheit zusammentreten werten, welche in allen Landen dieselben Gefahren läuft, und sich nur durch dieselbe Wirksamkeit retten kann. Wenn dieser Tag kommen wird, dann wird es nicht mehr weit bis zu jenem noch schönern seyn, wo wir werden obgesiegt haben, und wo die Religion, frei, geeinigt und verehret, ihr Segenswaltcn wird entwickeln können, wo JesuS Christus, als ewiger Zeuge so vieler Wechsel, als ewiger Vergüter so vieler Fehle, wird angenommen seyn von allen Völkern als ihr Heil, von allen Regierungen als ihre Stütze, von der ganzen Welt als ihr geistiger Herrscher. Harren wir fest entgegen diesem herrlichen Tag! Die Hoffnung, vor Allem inmitten dieser Tage der Niedergeschlagenheit und Verwirrung, die Hoffnung stehr den Christen wohl an. Sie war immer für sie die Hälfte deö Siegs. Aber die Einigung allein kann so wünschenSwerthe Geschicke erzielen. selbst als Vorstecknadel ein goldenes Crucifir, aber durchaus nicht bigott. ES machte ihm, wie es schien, Freude, mir recht viel von österreichischen Verhältnissen zu erzählen; ich durfte nur einen Gegenstand anfangen, so sprach er darüber ausführlich fort und ich brauchte nur zuzuhören, wie man an einer Spieluhr daS gewünschte Stück bloß durch einmaliges Drücken beginnen und vollenden macht. Unter andern erzählte er: In Vorarlberg ist die gewöhnliche Nahrung der Bauern: Kaffee ohne Zucker, wozu aber kein Brod, sondern gesottene oder mehr noch geröstete Kartoffeln gegessen wrrden. Da speise man im Tag einige Male. Im italienischen Tirol hingegen esse man ausgelassenen Butter oder anderes Fett, nicht selten ohne Brod und AlleS; nur werde rother Wein dazu getrunken, welcher nähre, und wovon der Mann im Tag etwa eine Maaß trinke. Er sey dort in den Buschwirthschaften so wohlfeil, Laß man den Seidel um zwei Kreuzer, selbst um Einen trinke. Im Unterinnthal sey eS in geschlechtlicher Beziehung schlimm. Am wenigsten kämen derlei Vergehungen im italienischen Tirol vor, die Geistlichen seyen sehr wachsam und eifrig entgegen; übrigens sey auch der Menschenschlag im italienischen Tirol viel unansehnlicher als im Deutschen; dafür verführten sie beim Reden ein desto Ursprünglich nicht für die Veröffentlichung geschrieben. D. R. 84 lauteres und hitzigeres Geschrei. — In den höchsten Alpen seyen Dörflein, wo die Leute von Viehzucht leben; manchmal schneien sie ganz ein; in einem vorigen Winter, wo der Schnee lang und tief über den Häusern dort gelegen seyn, habe ein Pfarrer einen Gang zur Kirche unrer dem Schnee gemacht, allmälig alle Kirchenstühle geholt und verbrannt, und zuletzt auch seine Kuh geschlachtet und gegessen, weil ihm Holz und Nahrung ausgegangen waren. Allmälig wurde eö Heller und wir konnten wegen der fortwährenden Steige auSsteigen und gehen. Die Gegend ist groß unv schon; Fels und frisches Wasser geben Farbe und Leben. Als eS höher ging, sah ich ein Mädchen von etwa 11 oder 12 Jahren auf einem kleinen, zweirävrigen Wäglein mit Anstrengung und ziemlich rasch den Berg hinaufziehen. Das gezogene Mädchen schien ernstlich kiank, und hatte wahrscheinlich zur Stärkung einen halben Seidel rothen Wein in der Hand. Ich vermuthe, daß das arme Kind zum Arzt gefahren worden sey, oder waS noch trauriger wäre und wegen des eigenen BaueS der Fuhre und der offenbaren Geübtheit der größeren Schwester nicht unwahrscheinlich ist, daß eS lahm oder auszehrend ist, und so zuweilen zu Bekannten geführt wird. Hier dient Gesundheit und Kraft der Krankheit und Schwäche — und das scheint im Himmel und auf Erden, im Geistigen und Materiellen so seyn zu sollen; der Schutzengel geht dem Kinde und Sünder nach; und wer sich im Bedientseyn behagt, wo eS anders seyn könnte, der behagt sich in der Schwäche und Nichtigkeit. WaS aber die Fuhrwerke betrifft, so sah ich ganz eigenthümliche, z. B> eine Frau am Wagen und als Vorspann eine Kuh, dann einen Mann angespannt und vorne daran einen Esel; eS ist nur bis es der Blick verdaut hat zur Gewöhnung, dann macht es kein Ausstößen mehr. Weiter oben am Adlerberg kam eS allmälig an den Stationen, etwa wie man die spanischen Herbergen beschreibt, alles mögliche Volk unter einander familiär, oben darauf aber die Fuhrleute. Endlich kamen wir nach Stuben, daS Hospice des AdlerbergeS. DaS erste war die große Hausflur; eS hing eine srischgeschossene Gemse da. Wir bekamen, eS war Quatcmbermitlwoch, lauter Fastenspeisen und in namhafter Mannigfaltigkeit; und so ist es recht, daß der Wirth seinen Glauben und die Treue seiner Kirche höher häll, als daS Gelüst deS GastcS und die paar Kreuzer seines Beutels. DaS ist Charakter, katholischer Charakter, wie ihn vielleicht nur Tirol zeigt. Ich sah auf dem Tische eine kleine Broschüre liegen, abgegriffen.und umgeschlagen, so daß nur daS Innere zu seyen war; es fiel mir von selbst ein es werde eine Kalendcrschrift von mir seyn. Als ich nachsah, war eS so. Tausende wären vielleicht darüber höchlichst geschmeichelt und entzückt gewesen, mir hauchte sich nur leise und vorübergehend eine kleine Freude über die Seele hin, wie ein geringer Windstoß Abends über die ruhige See geringe Wellen kräuselt. Warum sollte ich eS mir auch als Verdienst anrechnen, wenn eS Gott beliebte, gerade mich als Feder und Dinte zu brauchen, um vielen Christen einen Brief und Mahnschreiber zuzuwenden? Da siel eS mir dann auch ein, welche Bedeutung oder vielmehr Unbedeutendheit eS mit dem Namen habe, wenn Jemand ein namhaftes Werk producirt hat. DaS Volk fragt in der Regel bei der vortrefflichsten Schrift, von welcher eS ganz erbaut ist, selten oder nie nach dem Verfasser; und fragt mit Recht nicht darnach. Denn ist eS etwas Herrliches, so ist eS nickt Menschengemächt, sondern von Gott gegeben, und eS tragt seine Herrlichkeit in sich und auS Gott. Wer wird auch die Wurzel und den Grund und Mist aufgraben wollen, wenn er einen herrlichen Baum sieht, um zu sehen, woraus er Saft gesogen hat — man schaut lieber ihn an und denkt eher noch an den schönen Himmel, unter dem'er gediehen ist. Man weiß kaum, wer die ewige Jliade geschrieben hat, wer die herrlichsten Münster gebaut hat, und die größten Maler verschmähten eS, ihre Namen auf ihre Meisterstücke zu schreiben; sie wollten nicht ihre Namen geben, sondern ihr Product. (W.K.Z.) Kirchliche Mittheilungen. Wien, 9. Mai. Die versammelten Bischöfe des KaiserstaatcS haben eine eben so wichtige als schwierige Aufgabe zu lösen. Der JvsephiniSmuS und die Bureaukratie haben die Kirche so umsponnen und umwickelt, daß der Kirche selber Gefahr zugehen kann, wenn man sich daran macht, sie von der Schlingpflanze loszubriugen. Besonders schlimm sieht eS um daS Materielle der Kirche, um ihr Vermögen, auS. Jetzt, wo man der Kirche die freie Verwaltung ihres Vermögens zurückgeben sollte, rückt man erst damit heraus, daß sehr wenig vorhanden sev, während man allgemein glaubte, daß der Religionsfonv hinlänglich kräftig sey. Man halte nie offen aufgezeigt, wie groß daS Capital sey, auch hatte Niemand Einsicht verlangt, wie man mit demselben gebahre. Jetzt erst wird offenkundig, daß dasselbe kür die zwei großen Diäresen Wien und St. Pickten, jede mit fast 500 Pfarreien und circa 1400 Priestern, nur 11 Mill. betrage unv zwar in StaalSpapieren, die so zweibeinigen Werthes sind, und deren viele noch dazu erst ihrer Verlosung entgegenharren müssen, bis sie ihren Nenuwerlh erreichen. Für die nicht verlosten hatte zwar der vormärzliche Finanzminister Kübeck der Kirche bereirS verloste Obligationen gegeben; doch wird der Kirche die freie Verwaltung ihres Vermögens zurückgegeben unv fordert dann der Staat auch seine verlosten Obligationen wieder, so kann die Kirche mit ihren unnerloSten nicht einmal die ganz gewöhnlichen Bedürfnisse decken, weil sie von diesen letztem Papieren statt 5"/g C.-M.; nur 2'°/2o in W. W. bezieht, mithin Eins von Hundert, denn daS Verhältniß der Conventioiismünze zur Wiener Währung ist gleich 1 zu 2'/?. Eben so schwierig wird es bei der Ehegesetzgebung seyn, Staat und Kirche in Einklang zu bringen. Nicht einmal Dispensengesuche wurden gerne gesehen. Am schwierigsten aber wird das Verhältniß von Kirche und Schule zu behandeln seyn. Die letzte will in der Mehrzahl ihrer Vertreter Emancipation, während doch die Mehrzahl dieser Mehrzahl diesen Zustand kaum kennt. Denn unsere Sckullehrer in Oesterreich wissen wohl lesen, schreiben, rechnen und etwa noch Musik und Singen zu lehren, weiter hinaus aher geht die Fähigkeit nur bei äußerst und außerordentlich Wenigen. Woher sollte sie auch kommen? Ein paar Jahre Praxis bei einem eben so gebildeten Schullehrer, bei welchem der Lehramtscandidat häufig zugleich Stiefelputzer unv KindSwärter ist, und ein Lehrcurs von einem halben Jahre an einer pädagogischen Vorbereitungsschule ist die ganze Bildung, die bisher ein Schullehrer in Oesterreich empfing. Sind nun solche Leute reif für das, was sie wünschen? Kann, soll, darf man unter solchen Umständen die Schule emancipiren? Liegt eS nicht im Interesse der Schule und ihrer Repräsentanten selber, daß ihr unv ihnen die Kirche eine Mutter und Führen« sey? — Ein ergötzlicher Fall kam bezüglich dieser Angelegenheit erst kürzlich vor. Im Viertel Untcr-ManhartS- bergc hatten die Schullehrer wiederholt um Emancipirung von der Kirche und Befreiung vom Drucke der Geistlichkeit peiitionirt unv sogar die Gemeinden zur Hilfe aufgerufen. Vornehmlich hatte Lehrer R ... zu S .... sich als einen der Begeistertsten für diese Freiheit geberdei und bethätigt. Da erledigte sich der Schuldienst zu E.. bei Wien, der ziemlich einträglich ist und Hrn. R. annehmbar schien. FlugS begab er sich zum geistlichen Patrone, um sein Gesuch zu überreichen, und um Berücksichtigung desselben zu bitten, was im Falle der Möglichkeit der geistliche Patron auch versprach. Die Gemeinde zu E. aber, die den Hrn. R. als einen unge- berdigen Schreier und schlechten Pflichterfüller kannte, protestirte beim geistlichen Patrone gegen Hrn. R. und der Patron machte ihm sonach dieses zu wissen. Da wurde aber von Seiten des Hrn. R. auf daS Kräftigste remonstrirt, daß die Gemeinden in Schulangelegenheitcn nichts darein zu reden haben, daß ja die Geistlichen die Leiter der Schulen seyen. „Ja, Hr. R-," entgegnete ihm der Patron, „früher konnten wir für den einen oder andern würdigen Lehrer recht leicht etwas thun; nun aber sind von den Herren Lehrern selber die Gemeinden aufgerufen worden, und haben nun diese gegen den einen oder andern der Herrn Lehrer eine Einwendung zu machen, so liegt eS nicht mehr in unserer Macht, sie zu umgehen." Und der Hr. R. mußte unverrichteter Sache abziehen. (Rh. V. H.) PiuSvereine. Frankfurt, im April. Hofrath vr. Büß hat hier eine neue Zeitschrift für die katholischeil Vereine gegründet, „der katholische Ver- einSbote für daS deutsche Reich." Dieses Blatt soll enthalten: 1. Die Besprechung der Aufgaben der katholischen Vereine Deutschlands, sowohl der bleibenden, als der nach den Wendungen der Zeit wechselnden, der allgemeinen und der örtlichen; 2. Kunde von den Leistungen deS Gesammt- vereinö und der einzelnen Landes- und OrtSvereine; 3. Nachrichten über die Verbreitung der katholischen Vereine; 4. Mittheilungen über die Leistungen der katholischen Vereine in andern europäischen Staaten; 5. Anträge auf Aenderungen der Satzungen; 6. Warnungen über unzulässige Strebungen katholischer Vereine; 7. Aufruf zu öffentlichen Kundgebungen und Handlungen der Vereine; 8. Aufforderungen zur Uebung christlicher Mildthätigkeit für leidende Glaubenöbrüder; und wird wöchentlich zweimal erscheinen. (Mimst. SonntagSbl.) Verantwortlicher Redacteur; L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Posizeitung)jährlich L fl. I S kr. Dur» die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsbrrrger Postzeitung. Für sich allein, ohne die AugSburger Post- zeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandel« zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, den Schweiz u. s. w. jährlich nur L fl. S«kr. oder I Thlr Neunter Jahrgang. IV? 22. L. Juni L84S. Ueber die zeitliche Herrschaft -es Papstes. Von I. Czerrn ak. I. Frechheit, Unwissenheit und Gedankenlosigkeit machen sich bereits seit geraumer Zeit auf daS Glänzendste breit in Bekämpfung der weltlichen Oberhoheit deS Papstes. Selbst sonst aufrichtige Katholiken betrüben sich darüber, ohne weiter viel Aergerniß zu nehmen an den verschrobensten, gang und gäbe gewordenen Aeußerungen. Andererseits gibt eS wieder Leute, die alles, waS geschehen ist, vorausgesehen haben wollen, und sich sofort über nichts, waS eben geschieht, wundern; diese nun meinen, daß daS Unglück und die gegenwärtige Erniedrigung deS päpstlichen Stuhles nur der Vordergrund einer herrlichen Perspektive sey, „in welcher die socialen Umwandlungen Eurcpa'S, ja der ganzen Welt sich entwickeln dürften," und wenn auch diese Neuerungen scheinbar der Kirche Gefahr drohen, so wissen sie doch, oder glauben sie vielmehr zu wissen, daß dieser Fortschritt (!) unfehlbar zur Ehre GotteS und zum Heile aller Seelen führen werde. Die verhängnißvolle Verwirrung der Geister erstreckt sich also auf obigen Punct, der uns zur Vorlage dient. Wie Sturmwinde die Wipfel der Bäume hin- und herschütteln und endlich knicken, so erschüttern Revolutionen den Geist deö Menschen; die Stärksten vermögen oft dem heftigen. Andrängen derselben nicht Stand zu hallen, und die Folge deS gewaltigen ZusammenstoßenS ist eine seltsame Verwirrung aller Begriffe und jeder auch auf den besten Grund gebauten Ueberzeugung. ES wird daher nicht unnütz seyn, wenn wir daS Wesen und die wahre Grundlage der weltlichen Herrschaft deS Papstes inS Gedächtniß rufen, und ungeachtet der religiösen und politischen Aufregung der Gegen wart, die Absichten der Vorsehung in der zeitlichen Oberherrlichkeit deS Papstes nach Möglichkeit zu ergründen suchen. Alle Werke Gottes tragen daS Gepräge der Größe, und zugleich der staunenswerthesten Einfachheit an sich, unv unstreitig vollführte der Sohn GotteS ein solches einfaches, und dabei doch so großes Werk, als Er einen armen Sterblichen zum obersten Haupte seiner unversehrbaren Kirche einsetzte. ES war dieß eine der wunderbarsten Darlegungen der Macht Christi, als Er zu diesem geringen Menschen, zu diesem am galiläischcn Meere aufgelesenen Sandkorn sagte: „Du bist Petrus, d. i. ein Fels, und auf diesen Fels werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." Welches Eingehen in die menschlichen Bedürfnisse, welche ergreifende Vertraulichkeit liegt in diesen Worten, und zugleich welch' eine Aeußerung der göttlichen Vorsorge? Unwillkürlich erinnern wir unS hier an den AuSfpruch Fenelon'S: „DaS Wort eines aufrichtigen Menschen sagt, wie etwas ist; aber das allmächtige Wort des SohneS GotteS erfüllt, waS er sagt." Und gestehen wir es nur, dieser Mann, den Gott gesetzt, und in dem Er eine seiner größten Ideen in der Zeit verwirklicht hat, dieser Mann ist nicht bloß Gegenstand unsers Glaubens und unserer Liebe, er ist auch Gegenstand der unerschöpflichsten Bewunderung unsers Geistes. „Nie und nimmer," sagt ein neuerer katholischer Schriftsteller, „werde ich den Ein- druck vergessen, den ich empfand, als ich daS erste Mal zu Rom, unter der prunkenden Dachung von S. Maggiore den Statthalter Jesu Christi vor meinen Augen erscheinen sah! Dieser also der Papst? sagte ich mir; dieser der Nachfolger Petri, das Oberhaupt der ganzen Kirche! dieser der Mittelpunct LeS Glaubens und der katholischen Einheit! dieser die Fackel deS Lichtes und der Wahrheit, angezündet'um die Welt zu erleuchten! dieser gebrechliche Mensch die unverrückbare Grundlage deS göttlichen Bauwerkes, an dem die Mächte der Finsterniß umsonst ihre Stärke erproben! dieser der Eckstein, welcher der Stadt GotteS hier auf Erden Halt und Dauer gibt? dieses daS Haupt, aus dem die glorwüroigen Erinnerungen der Vergangenheit, alle Hoffnungen der Gegenwart und einer fortdauernden Zukunft ruhen! dieser der Fürst unter den Priestern, der Vater der Vätcr, der Erbe der Apostel, größer als Abraham durch sein Patriarchat, größer als Melchisedek in seiner Priesterwürbe, größer als MvseS in all' seiner Macht, größer als Samuel mit all' seiner Richlergewalt, — mit einem Worte, dieser der Hirt der Hirten, der Führer der Führer, der Schlüssel der katholischen Kirche! die unzerstörbare Festung der Gemeinschaft der Kinder GotteS!" Und dieses Wunder dauert nun durch mehr als 18 Jahrhunderte, ein sprechender Beweis, daß cS daS Werk einer unendlichen Macht, daS Werk GotteS sey, von Ihm zu einem ewigen Zwecke gesetzt, und bestimmt zu dauern für alle Zeiten! Fragen wir unS nun, welcher Mittel, welcher Werkzeuge sich Gott zur Vollfübrung seines Werkes und zur Erhaltung desselben auf alle Jahrhunderte hindurch bediene? Die Antwort ist kurz und bündig: Er erhält und beschützt eS und führt cS zu seinem Endzwecke, wie Er alles Uebrige von Ihm Geschaffene erhält und schützt, durch die Kraft deS Menschen, unter seinem (GotteS) mächtigen Beistand. Die Idee, daS Werk ist von Gott — das Werkzeug ist genommen von der Erde — dieß das Geheimniß der göttlichen Oekonomie. Zwei große, unmittelbar von Gott kommende Werke treten vor unser Auge, die Schöpfung und die Erlösung; beide gehen von Ihm aus, aber die Geschöpfe sind cS, durch die Er sie fortführt. In der Familie, der gesetzmäßigen und geheiligten Gemeinschaft Eines Mannes und Einer Frau. vollendet er die Schöpfung. Im christlichen Priesterthume mit seinem Oberhaupte, dem römischen Papste, alö Lehrer, Bewahrer und AuSspender der wahren Lehre, der Sittlichkeit und des evangelischen Cultus verewigt er die Lehre, das Opfer und die Wohlthaten der Erlösung. Menschen aber sind cS, und nicht überirdische Geister, die Gott mit diesem Priesterthume und mit dieser Macht bekleidet hat. Menschliche, einfache, dem Anscheine nach gemeine und natürliche Mittel sind eS, nicht aber Wunder, wodurch Er dieses sein Werk vollführt. Denn nicht immer und überall bedient sich die Vorsehung der Wunder; sondern sie hat das Gesetz gegeben, und dieses bringt die Wirkungen hervor, die eS hervorbringen soll. Wollte Gott seine Thätigkeit nicht anders äußern, als durch stete AuSnahmhandlungen von seinen eigenen Gesetzen, dann würden wir schwerlich dieses Gleichgewicht und diese schöne Ruhe in der Weltordnung bemerken, welche Augustinus „den Frieden der Werke GotteS, den Frieden der Welt" nennt. Und betrachten wir die geringfügigen, ganz gemeinen Mittel, diese intirnm, stulta, eontemptibilig, wie PauluS schreibt, und deren sich die Vorsehung bedient, so haben wir ohnedem ein immerwährendes Wunder vor Augen. In diesem Sinne ist die Kirche durch ein blutiges Wunder, daS durch drei Jahrhunderte gedauert hat, befestigt worden. Im Gegensatze zu allen menschlichen Gewohnheiten sollte sie ihr Königthum mit dem Martyrlhume beginnen. Durch drei Jahrhunderte nun, schwebend gleichsam zwischen Himmel und Erde, ohne menschliche Stütze, gekrönt mit der Tiara deS ApostolatS, der Bruderliebe und deS OpsergeisteS sandte die römische Kirche ihre ersten Päpste hin zum blutigen Bekenntnisse, und nicht Einer weigerte sich, seinem Amte und der Würde seines Stuhles dieses Zeugniß zu bringen. Nachdem aber Gott Lurch diese lange und schreckliche Erfahrung der Welt gezeigt hat, daß seine Kirche weder Furcht kenne, noch menschliche Stütze bedarf, führte er diese auf einen andern Weg, und wollte, daß sie aus seinen Händen die Herrschaft empfange, und zwar eine irdische Oberherrlichkeit, gleichsam als eine zeitliche Bürgschaft ihrer äußern Sicherheit mitten in den Stürmen der Erde. Er wollte, daß dieses menschliche Mittel zur ! Vollendung und Verewigung seines göttlichen Werkes diene, und zwar .nicht erst seil der Zeit Karls deS Großen, sondern gewissermassen schon seit !Constantin. Unstreitig bedürfen wir als Schüler des Evangeliums und ><-- >. ,H- 86 Kinder der Kirche keineswegs diese zeitliche Feststellung des päpstlichen! stehe, gehört hätten. Sogleich packte ich mein Reisegeräth zusammen, und Stuhles, um an die römisch katholisch apostolische Kirche zu glauben. Und setzte mich auf den mitgebrachten Schlitten, mit dem kaS kanadische Pferdwenn die Römer, dieses Volk, von den Aposteln Peler und Paul so sehrlchen schnell wie ein Vogel dahinflog. Allein plötzlich erhob sich ein furcht- geliebt, in ihrer gegenwärtigen Anarchie auch von, Glauben abfallen wür-! barer Sturmwind und ein Schneegestöber, das die Bahn ganz unsichtbar den waS Gott verhüte, so würde dennoch der Nachfolger Petrt, obgleich i machke. Unter donnerndem Krachen stürzten reck'tS und links riesenanige Bischof von Rom, i» psrtilms iulilleliuin das Oberhaupt der ganzen Kirche! Bäume nieder. Noch gräßlicher als selbst der Wind heulte aber ein Mann, bleiben, lind mag er die Meere durchschiffen, und, daS Evangelium in! dem wir begegneten, und dem so eben ein entwurzelter Baum daS Paar der einen Hand, die kirchliche Konstitution in der andern, in einer Statt Ochsen erschlagen hatte, das an seinem Schlitten gespannt war. Nicht oder einer Wüste der andern Hemisphäre sich niederlassen: mit Ihm wird ohne Schauer sahen wir mit eigenen Augen das gräuliche Speklakel, und Lie Kirche wandern, landen, und sich niederlassen, und wir werden nicht setzten, nachdem wir diese Barrikade glücklich passirt, unsere Reise trotz der aufhören, mit dem heiligen AmbrosiuS zu rufen: Ubi Petrus il>i eoclesis. auch uns drohenden gleichen Gefahr fort „Weil ich Sie, Pater, zu füh- Wie die Sonne, unbeweglich am Firmamente befestigt — so kann auch dieser Mann seine» Platz auf der Erde zu wechseln scheinen; aber unerschütterlich auf seiner göttlichen Grundlage, wird er immer die ganze Erde überstrahlen, die Augen der ganzen sittlichen Welt weLdin auf ihn gerichtet seyn, und er wird mit dcnu^ nantastbarsten Rechte sagen können: „Rom ist nicht mehr in Rom, eS ^Wdort, wo ich bin!" Sehen wir nun, was Europa, was Italien, waS Rom seyn würde ohne ihn. ES sind dieß Fragen, deren Wichtigkeit fast durchaus verkannt wird, und über deren religiöses und sociales JnterGss man mit dem stoi- schestcn Glcichmuthe hinauszusehen pflegt. Fürwahr, oft muß man erschrecken über daS, waS man da sagen hört; zwar ist eS nicht die römisch- ren habe," sagte mein Führer, „fürchte ich nicht daS Geringste. Gott ist gut und hält die Bäume, und wenn sie auch fallen, so fallen sie gewiß nicht auf unS." Und wirklich so geschah eS auch, obwohl ich am Rückwege auf einer Strecke von kaum 30 Schritten 12 der stärksten Bäume zählte, die der Orkan niedergestürzt hatte. Aber nun gingen wir einer neuen Gefahr entgegen. ES war schon später Abend, als ich im Schnee eine Menge Spuren von Fußtritten wilder Thiere bemerkte. Auf meine Frage, waS dieses zu bedeuten habe, entdeckte mir mein Fuhrmann nicht ohne sichtliche Angst, daß vor einigen Tagen sich in dieser Gegend ein Rudel von nahe an 200 Wölfen gezeigt habe. Zwei dieser hungrigen Bestien hätten erst unlängst eine Frau zerrissen, die ihrer Nachbarin einen katholische Kirche, für die wir erschrecken; die römisch katholische Kirche ist ^ Besuch gemacht. Der Mann, der ihr entgegen ging, traf die Wölfe noch ja alt geworden in Kämpfen; nichts verletzt sie; Verfolgungen, Verrath,! bei ihrem Raub; doch eS war schon zu spät. Ein andermal ging eine Drohungen und Neuerungen, alles um sie herum sinkt in den Staub, und ! Mutter mit ihren 2 kleinen Knaben aus. Da stürzte ein Bär daher, und »„erschüttert blickt sie herab auf die Wogen, die an ihrem Fuße sich brechen,! packte einen derselben. Zum Glücke hatte die Mutter eine Art bei sich, und auch dieser neue Kampf wird für sie nur eine Glorie mehr seyn. und schlug so wacker auf die Bestie, daß sie dieselbe erlegte. Mit solchen Aber wir erschrecken um der Seelen willen, die verloren gehen, um der Blindheit der Geisternder Selbstsucht, der Vorspiegelungen, und des Dünkels gewisser Leute wegen, die kein größeres Vergnügen kennen, asS die eben nicht kurzweiligen Geschichtchen unterhielt mich mein Führer noch länger. Doch uns begegnete weder Bär noch Wolf, und so langten wir glücklich bei dem Ziele unserer Reise, einer kleinen niedern Hütte an, die zeitliche Macht deS Papstes vernichtet zu sehen. Sie geben sich alle Mühe, statt deS Daches bloß mit einigen darüber gelegten Brettern gedeckt war. wie wir Anfangs sagten, in dieser Vernichtung eine Verjüngung der Kirche,! Mein Erscheinen erweckte unter den Leuten, welche diese Hütte bewohnten, einen Fortschritt in derselben zu sehen. Einen Kult, der an den nöthigsten! eine Freude, als wenn der Himmel sich auf die Erde niedergelassen hätte. Bedürfnissen Mangel leidet, Gefäße von GlaS und Holz, die Priester al^ Schnell wurde der Tisch gedeckt, und als die Speisen aufgetragen waren, Bettler, den Statthalter Christi als einen Mann, der nicht weiß, wohin hieß eS: „Jetzt machen Sie sich glücklich!" Dieß ist die gewöhnliche For- er sein Haupt legen soll, und in die alte Nacht der Katakomben zurück zukehren genöthigt ist — daS sind Dinge, die ihnen vor allen andern Herr lich scheinen, und die das Herz dieser erhabenen Forlschrittsmänner vor Freude zittern machen. Wir aber sind so frei, mit Hintansetzung dieser mei, guten Appetit zu wünschen. Und ich fand mich wirklich auch recht glücklich bei meiner frugalen Mahlzeit, da wir während der ganzen Reise nirgends einkehren konnten, um unsern Hunger zu stillen. Die Nacht war grimmig kalt, und da die vier Wände der Wohnung nur aus dicken über- Erhabenheit einer weit gemeinern Ansicht zu seyn; wenn wir auch freudig! einandergelegten Bäumen bestunden, zwischen welchen man inS Freie hin- bekennen, daß ein Kreuz von Holz die Welt erlöSt hat, und immer fort aussehen, und der Wind hereinsausen konnte, stand ich schlotternd vor erlösen wird, so glauben wir doch, daß eS der Kirche nicht zukommen kann, Kälte von meinem Lager auf, unv lief, in meinen Mantel gehüllt, außer sich 15 Jahrhunderte zurück zu versetzen, und gleichsam von vorne wieder der Hütte eine ziemliche Strecke auf und ab, um mich einigermaaßen zu anzufangen, sondern daß sie vielmehr den Weg zu gehen, und zu verfolgen erwärmen. Am Morgen dann ging daS MissionSgeschäfl an. Ich hörte hat, auf den Gott sie gewiesen, unv daß sie ihren, ihr von der Vorsehung geschenkten, zeitlichen Besitz zu erhalten trachten muß, um ihren geistigen Besitz zu vollenden. Wir glauben, daß eS in Rücksicht auf die Werke GotteS von unS weiser gethan ist, die Absichten, die er dabei haben konnte, zu erforschen, und in Demuth unS darnach zu richten, als unsere Hirn- gespinnste, so glänzend sie auch aussehen mögen, ihm als eine Norm vorschreiben, und seine Weisheit nach unserer Einsicht modeln zu wollen. Dieß gilt besonders da, wo eS sich um die Interessen der Kirche handelt, weil nirgends romantische Blendwerke von größerer Gefahr seyn können, in aller Kälte dasitzend Beicht bis nach 12 Uhr, las dann Messe, und theilte die heilige Kommunion aus. Abends war Religionsunterricht. Die drei folgenden Tage war eS eben -so. Gegen 30 Personen hatten auS Mangel eines Priesters 7 bis 10 Jahre nicht mehr gebeichtet. Nebst einem alten 60jährigen Manne unv einem 17jährigen Jüngling taufte ich auch mehrere Kinder von 2 bis 3 Jahren. Der letzten Predigt am Sonntag wohnten so viele Menschen bei, daß ein großer Theil außerhalb deS Hauses herumstehend sie anhören mußte. Wie dringend baten mich alle, in zwei Monaten wieder zu kommen! Als ich nach eingenommenem Mittag- alS eben hier, und wir glauben fest, daß in der ausgesprochenen Absicht mahl meinen Altar-Apparat zusammenpackte, stürzte ein Haufe wilder In GotteS die Gewissensfreiheit der katholischen Wahrheit vorsorglich mit der dianer mit so gräßlichem Geschrei in die Hütte herein, daß ich im ersten Freiheit und zeitlichen Unabhängigkeit des heiligen Stuhles vereinigt bei- Augenblicke glaubte, nun habe mein letztes Stündlein geschlagen. Mit sammen liegen. Und eben diese letztere ist es, welche von dem republica- dem Crucifir in der erhobenen Hand trat ich unter sie, wie ein anderer Nischen Frankreich, dem protestantischen England, wie von dem katholischen Johann Kapistran einst unter die Türken. Mit gellender Stimme riefen sie Spanien in den jüngsten Tagen anerkannt und proclamirt wurde. Der mir in ihrer Sprache einige Worte zu, die mir einer auS ihnen, der eng- schiSmatische Selbstherrscher aller Neusten huldigte dieser Wahrheit in der lisch verstand, dolmetschte. Sie riefen, sagte er, „Schwarzrock! Schwarz- Person Gregors deS Sechzehnten, und selbst die Pforte schickt heut zu Tage rock! ein Priester deS großen Geistes." Zwei derselben drückten ihre Freude Gesandte an den päpstlichen Stuhl. Was sollen wir jenen Vermessenen! über meine Gegenwart durch Zeichen auS, und ließen durch den Dolmetsch Weiter erwidern, welche die von der Vorsehung durch heilige Rechte an mir sagen, sie seyen Katholiken (alle übrigen waren Methodisten) und den Papst übertragene, und durch die Huldigungen fast der ganzen Erde hätten zu Hause auch zwei Schwarzröcke, ob ich sie kenne? ES sind ohne anerkannte zeitliche Oberherrlichkeit deS römischen Stuhles anzutasten wagen? Zweifel unsere Patres auf der großen Manitoulin-Insel am Huron-See. (W. K. Z.) Mission Sbericht. New-Germany (in Kanada), 26. März 1849. Eines Morgens saß ich eben am warmen Ofen, als ein mir unbekannter Mann eintrat, und mich bat, ihm in ein 28 (englische) Meilen entferntes, von 300 irländischen Katholiken bewohntes Township (DistrictS Region) zu folgen, die glücklicher Weise von meiner Ankunft, und daß ich englisch ver- AUe diese Indianer, bet 40 an der Zahl, trugen weißwollene Kozen, die bis an die Knie reichten, hölzerne Sandalien, und um die Mitte deS Leibes einen farbigen Gürtel. Sie verlangten nur Brod und PoiotoeS (Getränk), waS ihnen auch willig gereicht wurde. Am Rückwege mußte ich bei einer in Mitte deS Waldes auf halbem Wege von meinem Wohnsitze gelegenen Hütte vorüber, bei der eS mich schon am Hinwege wie mit Gewalt hineinzuziehen geschienen hatte. Auch dießmal fuhr ich vorüber, um daS Pferd nicht in der Kälte dastehen zu lassen. Doch eS befiel mich plötzlich eine mir unerklärbare Unruhe; ich wurde ganz blaß, und verlangte 87 auSzusteigen. Geraden Weges der Hütte zugehend näherte ich mich dem Feuerherde unter dem Vorwande, mich ein wenig wärmen zu wollen, weil ich vor Kälte ganz erstarrt wäre. „Das ist gewiß ein römisch katholischer Priester" flüsterten sich zwei die Köpfe zusammensteckende Personen zu. Als ich eS bejahte, richtete sich in einem unfern davon stehenden Kette «in dritter Kopf eines alten Mannes in die Höhe. ES war ein dem Tode naher Kranker. Er konnte kaum mehr reden, weinte aber die hellen Thränen, als ich zu ihm hintrat. Er habe schon lange zu Gott geseufzt, sagte er, und eg bereut, in dieß Land gekommen zu seyn, wo es so wenige Priester gebe. Ich hörte seine Beicht an, ertheilte ihm die heil. Kommunion (wir nehmen gewöhnlich einige consecrirte Hostien auf unsere MissionS- reisen mit) und die letzte Oelung. Am andern Tag war er, wie ich nachher erfuhr, bereits gestorben. Wie wunderbar ist der Herr in den Wegen seiner Vorsehung! Einen ähnlichen noch auffallenderen Vorfall hatte ich schon früher einmal gehabt. ' Endlich heimgekehrt ruht man von allen Strapazen aus, und zieht nach ein paar Tagen auf ein neues zu Feld. An Arbeit fehlt eS hier nicht. Deutsche Katholiken, in Gemeinden gesammelt, gibt eS bloß im brittischen Oberkanada, und diese sind unserer Obsorge übergeben. Ganz aus Deutschen bestehend sind nur zwei derselben, wovon jede beiläufig 1000 Seelen zählt. Dann gibt es aber noch drei andere mit Jilänvern und Franzosen gemischte. In Allem mögen bei -1000 deutsche Katholiken sich hier befinden, mit 5 Kirchen und andern Missionsplätzen, wo man auS Mangel an Capellen in elenden Hütten den Gottesdienst hält. Eine der schönsten Kirchen werben wir hier in New-Germany bekommen, die selbst in Innsbruck sich gut auSnehmen würde. Sie ist ganz von Steinen gebaut (was hier eine Seltenheit ist), hat 8 große Fenster, einen geräumigen Chor und hübschen Thurm, der nach amerikanischer Bauart, durch die Emporkirche aufsteigend, 75 Fuß sich erhebt. An Geld haben wir hiezu nicht mehr als 900 Thaler verwendet, während sie anderswo auf 3000 Thaler zu stehen gekommen wäre. Allein Holz und Steine lieferten die Leute umsonst, und alles, alt und jung, sogar Weiber und Kinder waren thätig beim Baue. Die 900 Thaler wurden bloß durch freiwillige Beiträge in einem Jahre zusammengebracht. Sie hat zwar noch keinen Fußboden, und die Mauern sind von innen und außen nicht verputzt; indessen wird schon seit dem ersten Adventsonntage regelmäßig darin Gottesdienst gehalten, und ich sah schon Leute, die 9 und 10 Stunden weit entfernt zu demselben herbeikamen. Von dieser Kirche und ihrem Patron, dem heiligen Bonifacius, hoffen wir Heil und Segen für alle deutschen Katholiken in Kanada, daß recht viele verirrte und verwahrloste Kinder unserer heil. Kirche hieher pilgern mögen, und ausgesöhnt mit der allerbesten Mutter in treuer Liede bei ihr verharren. Unterdessen flehen wir zum Herrn mit den Worten des 79. Psalmes: „Gott der Heerschaaren, wende dich zu unS: schau vom Himmel und steh, und suche diesen Weinberg heim, den deine Rechte gepflanzt hat, und baue ihn aus!" In unserer zweiten Residenz, in Wilmot, 9 Stunden von hier, wo zwei ParreS von unS mit einem Bruder sind, hatten wir unlängst eine schöne Feierlichkeit — eine Glockenweihe! Die Glocken, die zusammen 130 Tbaler kosteten, und wovon die eine 3, die andere 2 Zentner wiegt, wurden noch an demselben Sonntage aufgezogen und geläutet. O! wie viele weinten vor Freude, daß sie das Glück erlebt, wieder einmal festlichen Glocken- klang zu hören! Unsere Wirksamkeit ist aber nicht auf diese zwei Orte beschränkt. DaS Land ist in Districte oder TownshipS getheilt. Vier solche Town- syips mit den angränzenden Orten, wo kein Priester hinkommt, sind unS zur Besorgung übergeben. Jenes, wo ich bin, hat 8000 Bewohner, wovon beiläufig 1500 Katholiken sind. In den zwei angränzenden Town- stzipS, wohin ich alle 6 oder 8 Wochen fahre, ist bis jetzt weder Capelle noch Schule. Ich möchte gern beides bauen. ES ist aber hier kein Geld, ja in manchen Häusern kein Kreuzer zu finden. Alles geschieht hier auf Credit und gegen Umtausch anderer Artikel. Die meisten Einwohner sind blutarme Jrländer. Indessen sind die- Priester bei ihnen gut versorgt und in großer Verehrung. In allen Schulen wird, deutsch und englisch gelehrt. Hier in New-Germany sind 120 und oft mehr Kinder in der Schule. In einem Jahre lernen sie lesen, schreiben, rechnen, etwas Geographie und Geschichte, deutsch und englisch. Sind sie einmal zur österlichen Commu- rtion gegangen, besuchen sie die Schule nicht mehr; denn sie sind zu Hause unentbehrlich, und man hätte auch nicht Platz für sie. Wir haben unser Häuschen hier nun recht wohnlich eingerichtet, und für unsern Lebensunterhalt ist vollkommen gesorgt. Die Leute bringen unS alle Viktualien in reichlicher Menge. MelasseS (das die Stelle dcS HonigS vertritt und auS den Zuckeibäumen bereitet wird) ist im Ueberfluß vorhanden, und steht dreimal deS TageS in allen Haushaltungen auf dem Tische. Butter und Milch ist hier viel süßer und bester als in Europa; Hühner, wilde und zahme Tauben, Fische und Schwciuflcisch gibt eS genug. Beinahe alle 20 Schritte sprudelt aus lebendiger Quelle srischeS und gesundes Wasser empor. Es ist unser Neudeuischlanv der gesundeste Ort in Oberkanada. Von 1000 Seele» starb, so lauge ich hier bin — über ein halbes Jahr — ein einziger 80jähriger Mann. Sogar eine Zeitung fehlt hie und da nickt; doch für die Zeitung fehlt die Zeit. Am Ostersonntag werde ich in einem kleinen Städtchen 12 Meilen von hier englisch und deutsch predigen, und dann in einem andern nicht weit davon gelegenen Städtchen französisch und englisch. — Diesen Winter fuhr ich zweimal nach Hamilton, und einmal nach Toronto. DaS sind schöne und große Städte. Ich beneide sie aber um ihre stattlichen Häuser nicht. Anfangs ersckrack ich zwar über unser ärmliches und winziges Blockhäuschen, in welchem Kücke und Refektorium ganz identisch und unter der Erde angebracht ist. Nachdem ich aber öfter in den elenden Hütten der Jrländer, auf schlechtem Lager, aller Kälte des kanadischen Winters preisgegeben zugebracht hatte, finde ich, daß unser Wohnhaus ein wahrer Palast ist, worin sich'S recht gemüthlich wohnen läßt, während das Feuer den ganzen Tag und bis in die späte Nacht im kleinen eisernen Ofen brennt. „I,,8i guickum ogenteg, multos gutem UoeupIolantoZ." DaS tröstet und versüßt die Arbeit! Ich erhalte so eben zwei Briefe vom Generalvicar zu Toronto, worin er mich dringend bittet, i» eine 100 Meilen von hier befindliche Misston zu gehen. Sie hat einen Umkreis wie ein paar Kreise von Tirol, und ich hätte nur von einem Ort zum andern herum zu reiten, um die österlichen Beichten aufzunehmen. Allein ich kann unsere deutsche Mission nicht auf so lange Zeit aufgeben. — Einer unserer Väler, P. Lacking, Superior in New-Uork, erhielt vor Kurzem ein päpstliches Breve, worin er von Sr. Heiligkeit zum Bischof von Toronto ernannt wird. Ob er eS annimmt, weiß ich noch nicht. Der Erzbischof von Baltimore hat den heiligen Vater eingeladen dem römisch katholischen Concil im Mai d. I. beizuwohnen, und die ganze katholische Bevölkerung der vereinigten Staaten (anderthalb Millionen) und Protestanten von allen Benennungen freuen sich schon dem gefeierten Papst PiuS IX. einen herzlichen Willkomm entgegen zu rufen. Doch, er »st ja noch in Europa? Eines unserer Blätter sagt: „Wir dürfen behaupten, daß in der ganzen christlichen Welt hier allein der Papst sich vollkommener geistlicher und kirchlicher Freiheit erfreuen könnte." Wir empfehlen unsere ganze Mission in da« heilige Gebet! P. Iohann Holzer 8. 1. (K. Bl. a. T.) DaS christliche Verein-wesen in Botzen. *) Der WohlthätigkeitSsinn und praktische Verstand der Botzcner haben sich, wie zu allen Zeiten, so auch unter den Wirren und gewaltigen Anforderungen der Gegenwart glänzend bewährt. Davon gibt, neben so vielen nützlichen Anstalten aus der Vorzeit, das glänzende Resultat* der von Herrn I)r. Gaffer veranstalteten Sammlung zur Errichtung eines ObergymnasiumS Zeugniß. Davon geben namentlich auch Zeugniß die von dem geistlichen Hrn. Kukstatscher errichteten Mädchenschulen, nämlich die Näh- und Strickschule und die unter Mitwirkung edler Damen und Bürgerinnen jüngst i»S Leben getretene blühende Kleinkinderbewahranstalt. Unermeßlich ist der Segen, den diese Anstalten bereits gestiftet haben. Nicht nur sind eine Menge Töchter armer Eltern dem Beitel und den damit verbundenen Lastern entrissen und zu braven und geschickten Dienstboten und Hausfrauen herangebildet worden, sondern auch auf manche Eltern dieser sonst verwahrlosten Geschöpfe hat deren Erfolg heilsam zurückgewirkt. Sie haben sich an dem Beispiele ihrer Kinder erbaut und gebessert. Wetteifernd mit den edlen Frauen sind nun auch die Männer zusammengetreten, ihrer 250 an der Zahl, um den armen Knaben eine ähnliche Sorgfalt zuzuwenden. Diese Knaben werden durch den Verein mit Kleidung, Speise und den Schulbedürfnisien versehen, zum Schulbesuche angehalten, bei braven Bürgern und Bauern als Lehrlinge untergebracht und in der Lehre überwacht. Diese Nacheiferung der Männer hat nun den Eifer der Frauen zu neuen Fortschritten entflammt und in ihnen den äußerst heilsamen, vortrefflichen Gedanken angeregt, einen eigenen Verein zu Gunsten der erwachsenen, auS der Schule und auS der Pflege deS ersten Vereines auStretenden armen Mädchen zu stiften. An diesen ist unendlich viel Gutes zu thun. Im gefährlichsten Alter treten sie, der Aussicht und Leitung gewohnt, in das gesellige Leben über, wo tausenderlei Gefahren und Lockungen ihrer harren. Sie dagegen in Schutz zu nehmen, bei braven Hausfrauen in Dienste zu bringen, in allen nützlichen Kenntnissen und Fähigkeiten weiter zu bilden und ihnen in ihrem moralischen Wandel die *) Aus dem Tiroler Wochenblatt. Stütze eines veredelnden Umganges und der erhebenden Aufsicht aus anständige Versorgung oder Unterkunft für alle Zukunft zu gewähren, ist der Zweck dieses neuen, eben im Entstehen begriffenen VercineS. Wir wünschen ihm alles mögliche Gedeihen, Ermunterung und Unterstützung von Seite der geistlichen und weltlichen Behörden. „Den Armen wird die frohe Botschaft verkündet," sprach unser Herr zu den Jüngern des Johannes, als diese ihn fragte», ob er der verheißene MesfiaS fty. Die Erfüllung dieses göitlichen Wortes bleibt fort und fort die eindringlichste Predigt deS wahren Glaubens und die sicherste Schutzwaffe gegen die Gefahren deS CommuniSmuS und jeder Revolution. Hätte man dieß nicht so sehr vergessen, wir stünden heute nicht da, wo wir stehen. Kölner Dombaufest. Köln, 22. Mai. Allgemeines Festgeläute verkündete gestern Abend der Stadt die heutige Jahresfeier der Stiftung deS Eentral-DombauvereinS, dessen Wirken für das große, heilige Werk deutschen FrommstnnS und deutscher Kunst sein achtes Jahr beginnt. Wolle Gott, es sey ein segensreiches des Vaterlandes, wie dem Werke selbst, in dem wir daS hohe Symbol der Einigkeit deS deutschen Vaterlandes seiner Vollendung entgegenführen! Mit feierlichen Klängen begrüßten diesen Morgen früh die Glocken aller Kirchen den Festtag. Uni acht Uhr riefen die Domglocken die Freunde und Förderer des ewigen BaueS in seine Hallen, um des Himmels Segen für dessen Fortgang zu erflehen. Der Vorstand deS Central-DombauvereinS, die übrigen Vereine mit ihren Bannern und viele Mitglieder deS allgemei nen Dombau VereinS wohnten dem Hochamte bei, bei welchem auch der Herr Erzbischof zugegen war. Nach dem Schlüsse deS Gottesdienstes ordnete sich der Festzug, welchen ein Musik-CorpS und alle Werkleute der Dombau-Hülte mit den Jnsignicn ihrer Gewerke eröffneten. Dann folgte daS VereinS Banner, an welches sich der Central Vorstand, die auSwär- tigcn Depulirten, ein auS hiesigen Gesang-Vereinen gebildetes Sänger- Chor, die Mitglieder deS Central-BereineS und die übrigen Vereine anschlössen, begleitet von verschiedenen Bannern und Fahnen. Der Zug bewegte sich die Hochstraße entlang, Oben MarSpforten herunter, nach dem Gürzenich-Saale. Als sich hier die Theilnehnicr geordnet, der Vorstand auf der westlichen Estrade Platz genommen, wurde die Feier mit dem Liede: „Laßt Gesanges Jubel", eröffnet. Hierauf hielt der Präsident des Vereines, Hr. Justizrath Esser II., eine Ansprache an die Versammlung, mit herzlicher Wärme die heilige Wichtigkeit deö Werkes, dem unser Streben gilt, hervorhebend. Der VercinS-Secretär, Hr. Pfarrverwalter Thift sen, erstattete dann den Jahresbericht, und der Dombaumeister, Hr. Regierung-- und Baurath Zwirner, einen ausführlichen Baubericht, worauf zu der Wahl von den zehn nach dem Statut ausgeschiedenen Mitgliedern deS Vorstandes geschritten wurde. Ein großes Vocal- und Jnstrumental- Cyncert, unter der Leitung der königl. Musik-Directoren H. Dorn und F. Weber, an dem sich alle unsere musicalischen Kräfte mit der größten Bereitwilligkeit betheiligt, wird die Feier des TageS schließen. Sey er dem Werke ein segensreicher, an daS sich für daS gesammte deutsche Vaterland so ernste Hoffnungen und Wünsche knüpfen! (Köln. Ztg.) Jerusalem. AuS Konstantinopel schreibt ein Correspondent deS „Univers" unterm 25. April, daß die Lage der Katholiken in Jerusalem nichts weniger als beneidenSwerlh sey, daß sie viel von der Unduldsamkeit und dem Scctenhaß der Griechen zu leiden haben, und daß dem zufolge der leiten! nische Patriarch mit dem Gedanken umgehe, seinen Sitz zu verlegen, um! wenigstens den täglichen Neckereien deS schismatischen Patriarchen, gegen die er weder bei dem Pascha noch bei dem französischen Consul hinreichenden kräftigen Schutz finden könne, auszuweichen. Der englisch-preußische Protestantismus daselbst hat.diese Angriffe nicht auszuhalten; dessen ungeachtet will cö mit ihm nicht recht voran: die Armenier haben ihre Neu- giede befriedigt und kümmern sich nicht mehr um die neue Lehre und deren Verkünder. Einen Übeln Streich hat diesen und ihrer Sache, welche sie vertreten, ein Mitglied der englisch preußisch-evangelischen Mission gespielt durch Unterschlagung einer sehr bedeutenden Summe Geldes, welche für die Kirche, für daS Hospital und die Schule bestimmt war. Der Schuldige ist vor Gericht gezogen, und hat dieser Vorfall die herzliche Eintracht zwischen dem preußischen und englischen Consul bedeutend abgekühlt. In Konstantinopel dagegen haben die Katholiken den Verein des heil. Vincenz von Paul gegründet, welchem von Tag zu Tag mehr Mitglieder und Wohlthäter beitreten, so daß dessen Wirksamkeit in Linderung des leiblichen und geistigen Elendes der Armen jetzt schon die herrlichsten Früchte bringt. PiuSvereine. Trier, 14. Mai. Ich beeile mich, Ihnen die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß der hiesige PiuSverein, in Verbindung mit dem hier bestehenden Handwerkerverein, eine Handwerker-Bild ungöan st alt gegründet, deren Protectorat der Hochwürdigste Herr mit Freuden übernommen hat, da diese Anstalt, als eine katholische, unS einen tüchtigen Handwerkerstand heranzubilden verspricht. Auch ist der Verein des heiligen Vincenz von Paulo gegründet worden und hat, so viel man bis jetzt noch sagen kann, einen ziemlich günstigen Fortgang. Derselbe beabsichtiget, wie ich höre, eine Vereinigung zu bewerkstelligen mit dem schon längere Zeit hier bestehenden Elisabeihen-Vereine und wird sich wohl in dieser Angelegenheit an den Mainzer Vorstand wenden, um von dort Näheres zu erfahren, was ihm vielleicht als Richtschnur bei seinem Vorhaben dienen könnte. (Katholik.) * » Augsburg, 24. Mai. In der gestrigen Versammlung deS hiesigen PiuS-Vereines erstatteten die HH. Schönchen und Dr. ZinSler Bericht über die allgemeine Versammlung deS katholischen VereinS Deutschlands, welche am 9., 10. und 11. d. MtS. in Breslau abgehalten worden ist. Beide Herrn sprachen wiederholt auS, daß diese Versammlung einen unbeschreiblich tiefen Eindruck auf sie gemacht habe. Unter nicht günstigen Aussichten seyen die Abgeordneten in BreSlau angekommen. Die Einen über Leipzig und DreSden reisend hätten müssen Zeugen seyn von gewaltsamer Auflehnung gegen Gesetz und Ordnung, von Rebellion, Barricaden u. s. w.; die Andern, durch die katholischen Länder Bayern und Oesterreich ziehend, um sich an dem katholischen Leben dieser deutschen Bruder zu erbauen, hätten gefunden, daß ein sehr großer Theil katholischer Christen eben nur so lange katholisch zu seyn scheine, als er sich in der Kirche befinde und im Gebetbuche blättere. Traurige Erscheinungen! Dazu kam dann noch der Belagerungszustand in Breslau. der eS zweifelhaft erscheinen ließ, ob die Versammlung überhaupt in Breslau öffentlich stattfinden könne. Dieß, so wie manches Andere sey nicht geeignet gewesen, sie in freudige Stimmung zu versetzen. Ueberreichen Ersatz dafür aber boten die Verhandlungen selbst. Da seyen Alle nur von einem Geiste beseelt, Alle von einem Gedanken durchdrungen gewesen, und jeder habe denselben in der ihm eigenthümlichen Weise möglichst kräftig und mächtig auSzusprechen gesucht und verstanden. Es wurden Berichte erstattet über die segensreiche Wirksamkeit der Vereine in den verschiedenen Gauen Deutschlands. Derselbe bestehe bereits in 30 Diöcesen (ganz Deutschland zählt mit Gnesen und Posen, Culm und Ermeland 42); in der Provinz Schlesien allein bestehen über 100 Filial-Vereine. Besonders rührend sey die Schilderung deS religiösen Eifers der Katholiken in der Mark Brandenburg und in Pommern gewesen. Diese bekommen oft Jahre lang keinen Priester zu sehen, hätten keine Kirchen, und dennoch seyen sie an Bekenntniß und That, in Leben und Sitten die treuesten Söhne der Kirche. Von den gefaßten Beschlüssen wollen wir nur zwei erwähnen. Es wurde beschlossen, daS Verhältniß der Schule zur Kirche als eine Preisfrage aufzustellen, zu deren Lösung öffentlich einzuladen mit dem Bemerken, daß die Arbeiten bis Anfangs September an den Vorort BreSlau einzusenden seyen und von einer bei der nächsten allgemeinen Versammlung zu wählenden Commission geprüft würden. Ein anderer Beschluß lautete dahin, daß auch christliche Frauen und Jungfrauen in abgesonderten Räumen, z. B. auf Galerien, als hörende — aber nicht als mitberathende und mitstimmende Mitglieder den Versammlungen beywohnen können. Zu diesem Beschlusse gab ein Vortrug deS Ver- einSabgeorcneten, Metzgermeister Falk auS Mainz Veranlassung. Derselbe hob nämlich in kräftiger Sprache hervor, wie alles Recenhallen von Kanzeln und Bühnen herab den gewünschten Erfolg nicht haben werde, wenn nicht die christlichen Frauen und Jungfrauen durch ihr Beispiel, durch ihren religiösen Sinn und Eifer in der Familie fortwährende Prediger seyen. Um sie zu diesem ihrem erhabenen Berufe zu begeistern, dürfte eS angemessen seyn, sie zum Beitritt als hörende Mitglieder cinzuladcu. Wirklich waren auch dießmal in Breölau die sehr geräumigen Galerien von Damen gedrängt besetzt. Die beiden Berichterstatter führten noch viele Einzelnheiten an, und schloffen mit der Bemerkung, daß in BreSIau ihre Glaubensfreudigkeit gehoben, ihr katholischer Muth gestärkt worden sey. (Lechbote.) Verantwortlicher Redacteur; L. Schöncheu Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung)jährlich Ist. ILkr Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags-Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Für sich allein, ohne die Augsburger Post» zeitung, find diese BlSt« ter nur Im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten ia ganz Deutschland, de, Schweiz u. s. w. jährlich nur L ft. SO k,. oder I Lhlr. Neunter Jahrgang. M 23 Juni 184S. Bischof Marilley vor dem heiligen Vater. DaS „SonntagSblatt von Münster" enthält über die Reise deö Bischofs von Lausanne nach Gaöta und seinen dortigen Empfang beim heiligen Vater folgende interessante Nachrichten: Der Bischof Marilley hatte aus seiner Wanderung zum heil. Vater am 23. April den Hafen von Civitavecchia verlassen, um sich von dort nach Neapel und weiter nach dem 18 LieueS entfernten Gaöta, dem Ziele seiner Reise zu begeben. Weil in Gaöta Niemand' Ausnahme findet, der nicht gewisse Beglaubigungsschreiben vorzeigen kann, mußte er den 24. zu Neapel wegen Beisckaffung derselben zubringen, und eilte dann am folgenden Tage auf der Eisenbahn bis Capua und von da mit einem Privat- gefähr nach dem Städtchen Mola, das nur anderthalb LieueS von Gaöta selbst entfernt ist. Er suchte sich hier ein Unterkommen, weil es wegen der Menge von Fremden äußerst schwer hält zu Gaöta ein solches zu finden. Sp nahe seinem Ziele — er konnte Gaöta und den königl. Palast, der die Zufluchtsstätte deS verbannten Statthalters Christi ist, deutlich sehen — vergaß er alle seine frühern Leiden, und wurde nach der Aussage seines Begleiters in eine heitere, freudige Stimmung versetzt. Am nächsten Morgen setzte er mittelst eines Fahrzeuges über die äußerste Spitze deö Meerbusens, der Mola von Gaöta trennt, begab sich sogleich nach der Landung zu dem königlichen, nunmehr päpstlichen Palast, und ließ durch den französischen Gesandten Herrn Harcourt um Audienz bei «einer Heiligkeit bitten, die ihm auch sofort gewährt wurde. Nach der üblichen Sitte geht in solchen Fällen dem Fußkuß ein dreimaliger Kniefall vorher. Dem Bischof Marilley blieb keine Zeit dieser Sitte nachzukommen; denn als er kaum eingetreten und niedergekniet war, eilte der heilige Vater von der Estrade, wo er die Fremden empfängt, ihm entgegen, hob ihn freundlich auf, und verlangte, daß er neben ihm Platz nehme. Die Unterhaltung drehte sich natürlich zunächst um die Ereignisse, welche den Papst und Bischof von ihren Sitzen verbannt haben. Bei der Erwähnung der Bedrängnisse, die der heilige Vater ausgestanden, und der mannigfachen Leiden, die ihn auch jetzt noch umgeben, zeigte derselbe eine wahrhaft himmlische Ruhe und Heiterkeit. Verläugnung, Selbstaufopferung und Gottvertrauen ist in allen seinen Zügen ausgeprägt. Als die Maaßregeln zur Sprache kamen, welche gegenwärtig die katholischen Mächte zu seiner Wiedereinsetzung auf den Stuhl Petri ergriffen haben, konnte er seine Befürchtung nicht unterdrücken, daß Rom ehestens der Schauplatz gräßlicher Ereignisse seyn werde, und sprach bei dieser Gelegenheit ein Wort aus, welches so ganz die edle Gesinnung seines großen Herzens kund gibt. „O könnte ich doch," so sprach er, „nach Rom hinüberfliegen, um wenigstens Blutvergießen zu verhindern." Der Papst, in. gewisser Hinsicht unempfindlich gegen seine eigenen Bedrängnisse, fühlt um so lebhafter die Leiben aller Katholiken, seiner Kinder. Das zeigte sich auch in der großen Theilnahme, die er dem Bischof von Lausanne bewies. Als dieser ihm nach Erzählung seiner Kämpfe und Verfolgungen die Gründe seines Verfahrens darlegen wollte, unterbrach er ihn mit den Worten: „Nein, mein Lieber (mio csro), Sie bedürfen keiner Rechtfertigung; denn ich habe an der Reinheit Ihrer Absichten und der Gerechtigkeit Ihrer Maaßregeln niemals gezweifelt." Der Papst hatte später die Gewogenheit selbst dem Bischof eine zweite Audienz auf den folgenden Tag anzubieten, damit er alSdann, so lange er wollte, fich mit ihm unterhalten könnte. Diese Audienz, bei welcher der Papst sich gleichfalls voll Güte und Theilnahme gegen den Bischof bewies, fand am 27. April Statt, und war für den Letzten, eine neue Quelle der Tröstung und Ermuthigung. Auf den Bischof, so wie auf seinen Begleiter machte die äußere Erscheinung deö Papstes den tiefen Eindruck, von dem Alle reden, die je in seine Nähe kommen. Alle Porträrö des Papstes, schreibt ! dieser Begleiter, sind mehr oder weniger ungetreu, und geben nur den deinen oder andern seiner Züge wieder. Seine Gestalt ist, abgesehen von ihrer natürlichen Anmuth und Schönheit, der lebendige AuSdruck der Gottesfurcht, Milde, Güte und Würde, und seine Physiognomie läßt unwillkürlich auf den hohen Adel einer noch schönern Seele schließen. Am Mittag »ach der zweiten Audienz besuchte der Bischof einige Cardinälc, die in Gaöta und Umgegend einen Zufluchtsort gesucht haben. AIS er in Begleitung eines dieser Cardinäle nach Mola zu seinem Gasi- hause heimkehrte, fand er die Straßen des Städtchens, welche wie die von Gaöta sehr eng sind, mit neapolitanischen Truppe» angefüllt, die nach Rom zogen, um an der Intervention zu Gunsten deS Papstes Theil zu nehmen. Ohne daß er sich dessen versah, stand er mit einem Mal, nur um zwei Schritte entfernt, beim König und der Königin von Neapel, die von zahlreichen Soldaten umgeben waren. Der Cardinal stellte ohne Umstände den Bischof dem KönigSpaar vor; der König richtete an den Bischof einige wohlwollende Worte, und dieser wünschte dem König im Namen der Schweizer Katholiken Glück zu seinem Unternehmen für den gemeinschaftlichen Vater der Gläubigen. In diesem Augenblicke ging ein Priester mit dem heiligen Sakrament vorüber, der einem Kranke» die hl. Wegzehrung gebracht hatte. Eine fromme zu Rom herrschende Sitte verlangt, daß i,r einem solchen Falle die Cardinäle selbst den Baldachin tragen und da- heilige Sakrament bis zu der Kirche begleiten. Der Cardinal kam sofort diesem frommen Gebrauche nach. Der Priester gab dem König und der Königin beim Vorübergehen den Segen mit dem hochwürd. Gute; Beide empfingen ihn auf den Knien liegend mit einer Ehrfurcht, die nur ein lebendiger Glaube einflößen kann, begleiteten den Priester bis zur Kirche, und empfingen dort, demüihig auf dem Pflaster sich niederkniend, eine zweite Bcdiction. Das Volk aus den Straßen erbauete bei dieser Gelegenheit den deutschen Bischof durch die Beweise seines lebendigen Glaubens und seiner »«geheuchelten Frömmigkeit. Ueber die zeitliche Herrschaft deS Papste-. II. Ist unser Glaube an die Versprechungen, die Gott seiner Kirche gemacht hat, ein aufrichtiger und lebendiger, so wird er auch durch keine irdischen Ereignisse wankend gemacht werden können. Unser Vertiauen auf das Schifflein Petri wird nicht beirrt werden durch die Fluchen, die eS hin- und Herwerfen. Und wenn auch der unsichtbare Steuermann bisweilen während deö Sturmes zu schlafen scheint, fest steht der Glaube der demüthigen Waller in dem geheimnißvvllen Schiffe. Der Hinblick auf die heilige römische Kirche, diese theure und verehrungSwürdige, Jahrhunderte hindurch mit den schrecklichsten Stürmen kämpfende Mutter lehrt unS mit lauter Stimme die Macht preisen, von der sie allein ihre wahre Kraft erhält. Augenblickliche Drangsale dienen nur dazu, die göttliche Stütze, auf welche die Kirche ihre ewige Dauer gründet, um so deutlicher vor unsere Blicke hinzustellen. — Wir sagten früher, daß die Gewissensfreiheit und die Unabhängigkeit der katholischen Wahrheit in der dargelegten Absicht GotteS vorsorglich mit der Freiheit und zeitlichen Unabhängigkeit deS päpstlichen Stuhles vereinigt seyen. Sowohl die Sicherheit der Kirche, als unsere eigene fordert, daß der Papst frei und unabhängig sey. — Diese Unabhängigkeit muß eine ober herrliche seyn; der Papst muß frei seyn, und auch als solcher erscheinen, der Papst muß frei und unabhängig seyn von Innen wie nach Außen. Dieses edle Haupt, gekrönt mit der geheiligten Tiara, darf nie und nimmer sich beugen unter das Joch einer fremden Herrschaft. Der Papst ist unser Vater und König durch den Glauben und unser Gewissen; seine Freiheit ist also auch die unsere, und nie kann irgend ein Theil der großen katholischen Familie, dieser durch das Opfer am Kreuze erkauften unb durch daö Blut Christi zur glorreichen Freiheit der Kinder Gottes wieder gewonnenen Kirche zugeben, daß der erhabenste Träger des göttlichen Gesetzes, der oberste Leiter der Gewissen, der Beherrscher der Seelen unwürdig gefesselt und gefangen gehalten werde. Jedes Gewissen, jede Seele müßte darunter leiden, der Glaube, das Sittcngesetz, unsere heiligsten Interessen würden zugleich mit ihm in Bande gelegt. — Trefflich sagt Monialembert: „Die Freiheit deS Papstes ist Bedingung sine g>ia noir der katholischen Religionsfreiheit, denn wenn der Papst, unser oberster Richter, das Tribunal letzter Instanz, das lebendige Organ des katholischen GesetzeS und Glaubens nicht frei ist, wie können Wir eS seyn? Wir haben somit daS Recht von der öffentlichen Gewalt zu verlangen, daß sie unsere persönliche Freiheit in Bezug auf die Religion, zugleich mit der Freiheit dessen, der für unS die lebendige Religion ist, gewährleiste." Von diesen, Gesichtspuncte aus ist die zeitliche Oberherrlichkeit deS Papstes eine nicht bloß italische Stiftung, sondern sie ist eine europäische, «ine allgemeine, mit einem Worte eine katholische. Rom ist daö gemeinschaftliche Vaterland aller Christen; alle sind Bürger NomS, jeder Katholik ist Römer. Nnd nur dieser einzigen Ursache ist eS zuzuschreiben, daß gegenwärtig die ganze Welt über die dem Papste angethane Gewalt schmerzlich bewegt ist, und daß alle katholischen Nationen in der Tiefe ihres Herzens Verletzt sind. Damit aber die Freiheit deS Papstes eine wahre und gesicherte sey, muß sie eine ob er herrliche seyn. Der Papst kann nicht wuerthan irgend eines Monarchen seyn, er bedarf einer unabhängigen Oberherrlichkeit. Diese Wahrheit erkennen selbst jene an, welche die zeitliche Herrschaft des päpstlichen Stuhles von jeher ungünstig ansahen, und bei denen bedauernS- werthe Vorurthcile die ursprüngliche Reinheit deS Glaubens verdunkelt haben. Wie viele Geständnisse von Protestanten könnten wir hier anführen! hören wir nur Einen: „Die Stellung deS Papstes muß der Stellung jener ebenbürtig seyn, welche auf der Erde herrschen; konsequent kann also keiner das Recht haben, über ihn zn gebieten." Gewichtige Stimmen sagten, und wir können es nur wiederholen: „Die Patriarchen von Constantinopel, niedrige Spielzeuge arianischer, mono- theletischer und bilderstürmender Kaiser geben uns ein abstoßendes Bild von dem, was in Folge der Jahrhunderte auS den Päpsten, diesen unwandelbaren Säulen der Wabrheit, hätte werden können, wenn Gott nicht durch ein fortwährendes Wunder sie bewahrt, oder vielmehr aus dem Schatze seiner Weisheit und Macht nicht daS einfache und kräftige Mittel genommen hätte, die Sicherheit der Kirche durch eine unabhängige Oberherrlichkeit zu befestigen." Und wenn auch gefangen, die Wahrheit bleibt immer Wahrheit. Der heilige Johannes ChrysostomuS, der goldene Mund deS Orientö, sagt: „DaS Wort GotteS ist wie ein Sonnenstrahl, nichts kann ihn binden." Die Wahrheit wird Gebieterin bleiben im Vaiican, wie in den Mamer- tinischen Gefängnissen. Petrus ist frei auch in Fesseln, König auch in der Verbannung. Wenn ein Wunder der Kirche Noth thut, so wird Gott eS wirken; bis jetzt aber wollte er noch nicht, daß es das einzige Unterpfand deS der Kirche und den Gläubigen verheißenen FriedenS sey. Aber eS genügt nicht, daß der Papst vor seinem innern Forum frei sey; seine Freiheit muß in die Augen fallen; er muß auch als frei erscheinen, man muß wissen und glauben, daß er eS ist, es darf hierüber weder ein Zweifel, noch ein Verdacht aufkommen. Wenn er in seinem Innern! vollkommen frei wäre, und dabei doch äußerlich irgend einem Herrscher,! z. B. dem Kaiser von Oesterreich oder Rußland untergeben wäre, so könn-! tcn wir unS darüber nur betrüben, denn er würde uns nicht hinlänglich! frei erscheinen. Ein natürliches Mißtrauen würde bei Vielen, vielleicht ohne ihr Wissen, den schuldigen Gehorsam und die Achtung gegen ihn ver--! minder». Seine Handlungen, sein Wille, seine Verordnungen, fein Wort,! seine geheiligte Person müssen immer über jeden Einfluß erhaben seyn, über allen Eigennutz, über alle Leidenschaften. Diese übernatürliche, im Oberhaupte der Kirche pcrsonificirle Gewalt ist zum Wohle Aller eingesetzt/ sie darf somit nie erbärmlichen Privatintercssen oder verderblichen Leidenschaften schmeicheln, sie ist der unbeugsame Feind aller selbstsüchtigen Re/ Zungen. Ehre und Pflicht verlangen sonach von dem kirchlichen Oberhaupte, daß er weder verdächtig sey, noch eS scheine; denn Niemand auf her ganzen Erde soll jemals daS Ansehen, die Aufrichtigkeit und vollkommene Unabhängigkeit deS Papstes in Zweifel ziehen. Einem solchen Zweifel aber wären wir leicht zugänglich, wenn er unter irgend ein Joch, unter was immer für einen Druck sich beugen müßte, und wir dürften dann keine Anstrengung, kein Opfer scheuen, sein Ansehen dieser Gefahr zu entreißen; zur Bestätigung deS Gesagten berufen wir uns auf daS Beispiel und das Wort des gegenwärtigen römischen Oberhirten, auf dem die bangen Blicke der ganzen Welt ruhen, und der feierlichst gegen die ihm in Nom angethane Gewalt protestirte mit den Worten: „Einer der Hauptbeweggründe, die Uns zur Entfernung von Rom bewogen haben, ist die Nothwendigkeit der vollen Freiheit, deren Wir in der Ausübung der höchsten Gewalt deS heiligen Stuhles bedürfen, und von welcher Freiheit die katholische Welt mit Grund voraussetzen könnte, !daß sie zu Rom unter den gegenwärtigen Umständen nicht in Unsern Händen sey." Wie sich die Kirche über alle Sonderinteressen erhebt, so auch über alle nationale Eifersucht. Nach der Auflösung des römischen Reiches zerfiel die Christenheit in eine große Anzahl von einander unabhängiger Staaten; die einen waren klein und schwach, die andern groß und stark. Aber die kleinen und schwachen müssen eben so wie die großen und starken ver vollkommensten Unparteilichkeit des gemeinschaftlichen VaterS sicher seyn, unb daS Vertrauen haben, daß er nicht die einen auf Unkosten der andern begünstige. Man weiß, welches traurige Ungemach und welche schmerzliche ^ Folgen die allzugroße Abhängigkeit der Päpste zu Avignon von den fran- ^ zösischen Königen nach' sich zog. — Wir werden in einem der folgenden Blätter sehen, daß der Papst frei und unabhängig seyn muß nach Außen und von Junen, womit wir unsern Gegenstand schließen wollen. Vorher aber dürften einige Bemerkungen hier ihren Platz finden. Wir beobachten mit nicht geringem Schmerz die traurige Leichtigkeit, mit der man den Feinden deS Katholicismus, in der eiteln Hoffnung, sie zum Schweigen zu bringen, die nützlichsten und rühmlichsten Vorrechte der Kirche als Beute überläßt. Glaube man ja nicht, daß sie die Kirche mehr ach- ! ten werden, wenn wir diese vor die Welt hinstellen als ein nacktes Symbol, beraubt aller ihrer uralten Rechte. Aber diese sind ja kein Dogma, sagt man. — Freilich ist die zeitliche Oberherrlichkeit deS Papstes kein Dogma, aber ist sie nicht eine zeitliche Folge seiner geistigen Herrschaft? und wenn sie auch nicht identifieirt werden kann mit der Wahrheit des Katholicismus, ist sie deßwegen weniger innig verbunden mit der Sicherheit, der Freiheit und der Größe deS Katholicismus? Ist die Wahrheit allein Alles, und Sicherheit, Freiheit und Größe der Wahrheit, sind diese Nichts? Die Tempel, Kathedralen und Heiligthümer sind auch nicht die Religion selbst, werden wir aber darum abermals dieselben den Jconoclasten, Revolutionären und Progression preisgeben, unter dem Vorwande, daß man das heilige Opfer immerhin im Schatten der Wälder und in Felsenklüften darbringen könne? Katholiken! ist daS die Glut und der Eifer für unsern Glauben? Wir glauben, daß ^ eS nur zwei Auswege gibt, die den Papst zur allein würdigen Unabhängigkeit führen können, die Geschichte nennt sie den Vatican und die Ma- mertinischen Gefängnisse, die Glorie deS MarterthumS, oder die freie, unabhängige und oderherrliche Herrscherwürde! Eine merkwürdige Prophezeiung. Im Jahre 1838 ist bei Gelegenheit der Cölnergeschichte ein Buch erschienen unter dem Titel: „Stimme aus Berlin an die Rheinländer und Westfalen von Joöl Jacoby." Wer jetzt die Schrift durchlieSt, wird staunen über den prophetischen Geist, mit dem sie geschrieben wurde. Jacoby war damals noch Jude, im Herzen aber gewiß schon gläubiger Katholik — er ließ sich in der Folge, wie sich auS seinen Schriften deutlich ersehen läßt, in der innigsten katholischen Ueberzeugung taufen. Wenn wir den Schluß dieser „Stimme" lesen, so dünkt eS unS, als hörten wir einen der alten heiligen Seher jenes Volkes sprechen, auö dem der Verfasser abstammt. Wir lassen denselben, weil er uns beachtenswerth genug dünkt, hier wörtlich folgen: „Ein DämmrungSbild, ein ahnungsvoller Geistertraum taucht dort auf. Was webet schicksalschwer über die Nationen, was droht und naht so ungeheuer? — Europäisch Blut, wie wirst du tränken daS Gcfild, wie wirst du fließen bis an daS Meer. — Du Heller Rhein — du hörst noch dunkle Sagen, du grüner Rhein — du treibst noch rothe Wellen! Ihr Mächtigen, wie werdet Ihr gebeugt, Ihr Völker, wie werdet Ihr gemäht! — DaS ist nicht eine Wetterwolke, die dort dräut an dem Horizont; daS ist schon eine Ahnung von dem Weltgericht. Aufgeregt sind die Tiefen, aufgewühlt sind die Gräber, und auch die Todten senden ihre Boten zu diesem Kampf. Seht — wie sie kommen, wie sie schleichen, die Gespenster und die Schatten, die alten Heiden und die alten Juden, die bleichen Götter und Dämonen, und mischen ihren Ruf und mischen ihren Reigen in Europas Nothgeschrei, in Europas Geisterschlacht. Sie, die von der Kirche Bezwungenen, sie, die bei dem Kreuze Begrabenen, S1 sie schweben auf, sie schweben nieder, zu rächen ihre Schmach, zu brechen das Kreuz, zu beugen die Kirche. ES hat der Abgrund geöffnet sein Revier, und waS vermodert, was bewältigt war nach langen Kämpfen, — hervor auS der schauerlichen Tiefe schleppt eS körperlos den Schatten und ruft und grinset: Nieder mit dem Kreuz! Nieder mit der Kirche! — Und die Todten hüllen sich in neue, bunte Kleiver, setzen die rothe Mütze anf das verweste Heidenhaupt, singen in jungen, frechen Liedern den alten Judengrimm, schwingen mit der Knochenhand die scharfe Lanze, und über den Markt und über die geschäftige Gasse, heulend, höhnend, fratzenamg. wälzt sich nach dem Heiligthum der Gespensterspuck. Sinnverwirrend kosen seine Lieder, und eS locken seine Fahnen, locken geistbethörend unsre Jugend. Da erfaßt die Lebenden der Taumel, und toll, mit bacchantisch-wüstem Schauder, stürzen sie sich in den Todtenreigen, und eS tönt der Chor: Nieder mit dem Kreuz! — Nieder mit der Kirche! — Eine weite, weite Wüste von Gräbern allüberall. Blut, Blut und Wieder Blut. Zerbrochen, zertreten wird jegliches Werk und jegliche Gewalt.— Auch du, Weltsacrament der Kirche, du unwandelbares, du von Anfang an znadenvoll vorbereitetes? — Kraft deS geoffenbarten Wortes überragst, überwältigst, verklärest du die nahende Zerstörung, und mit Mutterarmen umfängst, erhebst du wieder das gesühnte, das reuevolle, daS im geläuterten Glauben gereinigte Geschlecht. — Ihr aber, edle Geister, edle Fürsten, schützet, schirmet das Kleinod; mit todeömuthigem Eifer bewahret, bewachet daS einzige Pfand einer glorreichen Zukunft. Und wer da rüttelt den Kirchenbau, ver hat verfehmt die frevelhafte Hand. Der Bau soll bleiben trotzig und unwandelbar, da alles Irdische versinkt und stürzt. Und ist des Baumes Krone auch entblättert und verwelkt: — die Wurzel sollen Frevler nicht betasten mit dem mörderischen Arm. Den Wipfel magst du peitschen, wüthiger Sturm: und beugst du ihn, — der neue Frühling bringt uns neues Laubgewind. Denn eS welkt und stirbt und verjünget sich wieder das zeitliche, wechselnde, wandelnde Grün. Jedoch — hat des GifteS leisester Hauch die Wurzel erst erfaßt, da bricht, da siecht, da stürzt der ganze Stamm. Bei der Wurzel haltet ernste GeisteSwacht, die Wurzel schirme treu der GlaubenSernst. O großer Kampf — zu streiten für des Lebens Kern und Stern; o süßer Tod, zu sterben für deS Lebens Herrlichkeit! Du Schlange dieser Welt, du schändlich Jakobinerhaupt — glaubst du, weil du benaget hast manch morschen Knabenbau. manch zeitlich Regiment — so sey der Kirche ewiger Dom, so sey der Kirche felsenstarke Säule auch preisgegeben deinem giftigen Zahn und dem verfluchten Wesen? Komm' an, du Ungethüm! — Die Völker stehen da mit nackter Brust, zu schirmen ihres HeiligthumS Asyl, zu wahren ihrer Kirche Sacrament. TodeSmuthig soll ein Wald von Schwertern dich empfangen. — Die Stein chen hast du leicht zermalmt: — beim Felsen wirst du bersten!" — Beschlüsse der zweiten Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands. -j- BreSlau, 30. Mai. Unter dem Vorsitz deS LegationS-Rathes Dr. Lieber wurden von der zweiten in BreSlau zusammengetretenen Ge neralversammlung deS katholischen Vereins Deutschlands folgende Beschlüsse gefaßt: I. Commission (Formales) unter dem Vorsitz v. Secr. Nadbyl, nebst 6 Mitgliedern. Zwischen §. 3 und 4 der Geschäftsordnung (s. die amtlich herausgegebenen Verhandlungen der ersten Generalversammlung) wird eingeschaltet: die Generalversammlung wird durch eine Vorversammlung der schon anwesenden Deputirten eingeleitet. In 8- 7 der Geschäftsordnung wird anstatt „die Legitimationen leitet der Vorsitzende rc." heißen: „der Vorstand des Versammlungsortes prüft die Legitimationen der Abgeordneten." Ferner: der Vorstand und AuSschuß deS Versammlungsortes wählt aus sich höchstens 25 Abgeordnete dieses Vereins. Jeder Abgeordnete hat volles Stimmrecht. In materiellen Fragen sind ?/z der abstimmenden Abgeordneten nöthig, bei formalen Fragen entscheidet die absolute Majorität. Die Veränderungen in der Geschäftsordnung sind nur provisorisch. ES wird von nun an nur Eine Generalversammlung deS Jahres gehalten, und zwar im September, welche auch in diesem Jahre noch stattfinden soll. Dagegen soll jede Provinz gehalten seyn, wenigstens eine Provinzialversammlung jährlich zu halten, und davon vier Wochen vorher dem Vororte Kenntniß geben. Ferner: die Besorgung der geistlichen Bedürfnisse der nach Amerika auswandernden Katholiken wird dem Ludwigs- und Leopold-Vereine dringend empfohlen. Gründung eines Vereinsorgans bleibt offene Frage. Ferner: die Provinzialvereüie restiluiren dem Vororte die gehabten AuSlagen, jedoch so, daß von einer Cnilralcass.' keine Rede. Ein Memorandum an alle Kaiholiken Deutschlands über die wahre Freiheit und die Stellung der Katholiken zu ihr wird entworfen. Alle Einzelnvereine mit genauester Zahl der Mitglieder werden zusammengestellt, und dann als Anhang den Verhandlungen beigefügt. Frauen werden als hörende Mitglieder in den Verein ausgenommen. Die heilige Mutter GolleS wird als Schutzpalronin des Vereinö erwählt. Nur über Hauptfragen wird Discussion gestattet, über die übrigen wird stillschweigend hinweggegangen. II. Commission (Inneres.) Vorsitzender Härtung. Rcf. Pell- dram (Ps. u. Erzpr. in Warmbronn). Corref. Pf. Hin,ioben. Der katholische Verein Deutschlands, in Anerkennung des Grundsatzes der Unterrichts- und ErziehungS - Freiheit, erklärt, sich anschließend an den Ausspruch der hochwürdigsten Episkopalversamnilung in Würzburg: die katholische Familie hat die Pflicht, ihre Kinder katholisch zu erziehen. Die Erfüllung dieser Pflicht nicht zu verkümmern ist der Staat vermöge der Unterrichts- und Religionsfreiheit verbunden. Hierauf sich stützend spricht der katholische Verein Deutschlands auü: mit allen rechtlichen Mitteln, durch häufige Besprechungen der UnterrichtSsrage in den Versammlungen und durch Verbreitung zweckmäßiger Schriften dahin wirken zu wollen, daß daS Recht der Familie auf die Erziehung ihrer Kinder zur Anerkennung gebracht werde, so wie durch alle rechtlichen Mittel dahin zu streben, daß die katholischen Schulen in ihrer Reinheit erhalten, da, wo eS nöthig, neue gegründet, und daß die katholischen Schulstiftungcn ihrem Zweck nicht entzogen und die vielleicht ihrem Stiftungszwccke entfremdeten wieder zurückgegeben werden müssen. Ferner fordern die Katholiken vom Staat und den bürgerlichen Gemeinden, daß aus den Steuern, welche sie zahlen helfen, resp. aus dem StaatS- und Gemeinde-Vermögen nicht bloß «katholische, sondern auch katholische Schulen für sie nach Verhältniß und Bedürfniß dotirt und errichtet werden. Der Präsident wird eine Adresse an daS hochw. Episkopat fertigen, die die Anerkennung für die Auösprüche der Schulangelcgcnheit u. s. w. enthalten soll. ES wird eine Preisfrage gestellt: die möglichst beste Broschüre über Unterrichtsfreiheit, deren Beurtheilung eine Commission in nächster Generalversammlung vornehmen wird. Der Preis ist der Preis der Ehre. Die Versammlung wird daS Episkopat Deutschlands in den von ihm zu treffenden Maaßregeln zur Herstellung einer katholischen Universität kräftigst unterstützen. Von Schriften, welche Lebensfragen der katholische» Sache in entschieden zweckmäßiger Weise behandeln, wird eine entsprechende Quantität aeguirirt und verbreitet, zugleich wird der Vorort die Ccntralvereine auffordern, Flugschriften u. s. w. möglichst zahlreich im Sinne der Kirche und deS Vereins zu verfassen und möglichst wohlfeil zu verbreiten. Durch Verzeichnisse guter katholischer Bücher werde allmälig ein vollständiger Catalog der populären katholischen Literatur zu Stande gebracht, deren strenge Prüfung der Vorort übernimmt. III. Commission (sociale Frage). Vorsitzender Lor. v. Ketteler. Zur Wiederherstellung und Förderung einer christlichen Armenpflege hat das Wirken des VincenzvereinS in neuester Zeit sich als daS verdienstlichste Mittel bewährt. Daher wird den katholischen Vereinen die Errichtung von Vincenz v. Paul Vereinen dringend empfohlen. Auf Grund und Anweisung der Statuten deS genannten Vereinö soll zunächst die Linderung der leiblichen und geistigen Noth der Armen erzielt werken. Außerdem sollen nach Bedürfniß und Möglichkeit errichtet werden: ») Kleinkindcr- bewahranstalten, b) geeignete Unterrichtsanstalten für Lehrlinge und Gesellen, o) Lehr- und Sprechlocale für Lehrlinge, Gesellen und Meister an Sonntagen und Feierabenden, cl) Volksbibliotheken, e) Frauenvereine zur Pflege der Kranken Armen. Der Anschluß an den Pariser Verein unmittelbar wird den Einzelnvereinen frei gegeben. Der Verein solle sich bei der Errichtung eines Denkmals für Joseph v. GörreS bctheiligen. Die Vereinsmitglieder mögen sich nach Kräften bei den Missionö- vereinen bctheiligen. Ort der nächsten Generalversammlung im September ist Wien, im Behinderungsfalle eventuell RegenSburg. IV. Commission. (AeußereS.) Vorsitzender Domcapit. Baltzer. Die korporative Betheiligung in rein politischen Fragen und Ten- denzen bleibt von den Vereinen ganz ausgeschlossen, und es muß jevem VereinSmitgliede überlassen bleiben, welche polnische Änsicht er zu der seinen macht. Die Veriammlung warnt daher die Cinzelnoereme, auf unstatthafte Weise die politischen Fragen in den Kreis ihrer Wirksamkeit zu ziehen, und in Bezug hierauf verweist sie auf 8 7 u. 10 der Statuten. ' CS bleibt dem Vororte überlassen, die Verbindung des katholischen Vereinö Deutschlands um außerdeut>chen Brudern ii» geeigneter Weise fort- zusetzen und zu erweitern. Es werde eine populäre Schrift über daS katholische VereinSwesen in Deutschland bald möglichst verfaßt. Diese Schuft wirb in zwei Abheilungen zerfallen, deren erste Belehrung der Mitglieder, deren zweite eln Sporn für außerhalb dcö Vereins Stehende seyn soll. Diese Schuft i>l eine Preisfrage, die dem Vororte zur Prüfung eingesendet wird. Preis ist der Preis der Ehre. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die katholischen Vereine zur Wiedererweckung dcö religiösen Sinnes, der die Verherrlichung der Kirche besonders im Cult zum Zwecke hat, mitwirken sollen. BrcSlau wirb znm zeitigen Vororie envühlt; Präsiceiu dic. Wirk, und zur Erweiterung des Vororlövvlstauces werden die Herren: Canon. Pros. Dr. Baltzer, Curat. Lic. Welz, Gymnasiallehrer Dr. Baucke uud Semmar- director Licent. Baucke ernannt. Die Versammlung entsendet eine Deputation zum Danke an die Oberbchö-den, daß sie r», ^'laaeulngSznstanve die Abhaltung der Generalversammlung gestaltet haben. , ^ Präsident Dr. Lieder wird das von ihm zu verfassende Schreiben Lll S Episkopat auch selbst anöfertigeu. AIS Commission zu Herausgabe der Verhandlungen werden ernannt: Can. Baltzer, Lic. Wick, Secrei. Nacbyl unv die nreslauer Mitglieder deö Secretariatö: llr. Baucke, Sem. Dir. Baucke, Curat. Gomille. Die Beiträge an cen Vorort werden brovi nmnu bei der Generalversammlung von den Repräsentanten der Vereine mitgebracht. 6 Thlr. auf jeden Centralverein bestimmt. Der Termin zur Abgabe der PreiSschriftcn wird in den katholischen Blättern inserirt. Anträge zur nächsten Generalversammlung müssen einige Tage früher an den Vorort eingesendet werden. Liese Aiuräge muffen classisicirr und bereits gedruckt den ankommenden Abgeordneten überreicht werden. Doch dürfen die eingeh nten Anträge nur von den Ceiilralyereinen, schon wohl- geprüft, eingesandt werden. Anträge, die nur Provincial- und Local-Interessen berühren, werden von der Debatte ausgeschlossen, und nur dann vorgebracht, wenn sie sich zur speciellen Verwendung deö katholischen Vereins Deriischlandö eignen. In Ermanglung eines Gesammiorganö sollen die Cenlralvere>ne den einzelnen Filialvereineu alle in den Zweck deö LereinS einschlagenden Schriften und Schreiben des Vorortes treulich mittheilen. PiuSvereive. Schwabm ü ncken, 30. Mai. Gestern hielt der hiesige PiuSvcrein eine öffentliche Generalversammlung, zu welcher sich auf ergangene Einladung auch circa 24 Miiglicbcr deS Augöburger, und 12 Mnglieber deö LandSbergcr PiuSvcreineS eingesundeu hallen. Der eigeiullchen Versammlung voran ging ein feierlicher Gottesdienst, um den Segen deS Himmels für die VereinSbcstrebungen zu erflehen. In einer trefflich ausgearbeiteten Kanzelredc (die auf in der Versammlung gestelltes Ansuchen dem Drucke übergeben werden wird) begründete Hr. Pfarrer Helmer sein Thema: „Die Katholiken sollen und können den Bestrebungen der Feinde deS christlichen Glaubens mi Nachdruck und Eifolg entgegenwirken." Hierauf celebrirte Hr. Pfarrer Strichele das heilige Meßopfer, unter weichem ein vollstimmigrr kräftiger VolkSgesang Ohr und Herz erfreute. In der unmittelbar darnach abgehaltenen sehr zahlreich besuchten Versammlung referirtcn zuerst Hr. v. Brentano, dann Hr. llr. ZinSler Einiges über die allgemeine Versammlung des katholischen LereineS in Breslau bei welcher sie alS Abgeordnete deö AugSdurger PuiSvereins zugegen waren; dann richtete Hr. llr. P. Wittmann einige herzliche Worie an die Versammelten, worauf der Vorsitzende deö Lancsberger PiuSvereineS das Wert ergriff, in ausführlicher Rede die Nothwendigkeit der Bildung von PiuS- vcreincn und ih.cS kräftigen Zusammenwirkens darlegte, und der Schwie» Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. rigkeiten und Intriguen erinnerte, gegen welche man bei Gründung deS PiuSvereineS in Landsberg zu kämpfen gehabt habe. Deßungeachtet sey derselbe erstarkt und zähle sammt seinen Zweigvereinen in den benachbarten Ortschaften bereits 1140 Mitglieder. Der Redner sprach auch den Gedanken aus, daß die katholische Kirche keine Stammesunterschiede kenne, und daß sich Altbayern und Schwaben treuherzig die Bruderhand reichen, um mit allen rechtlichen Mitteln die Freiheit der katholischen Kirche zu erringen, welchen Gedanken besonders der Vorstand des Schwabmünchener PiuSvereineS zum Schlüsse nochmal kräftig hervorhob, nachdem zuvor noch Hr. Director Birker und Hr. Lehrer Lorenz aus Augsburg einige passende Bemerkungen gemacht hatten. Alles ging in größter Ruhe und schönster Ordnung ohne die mindeste Störung vor sich, und dauerte beinahe 6 Stunden; denn unmittelbar nach dem Gottesdienste, der um 8 Uhr begann, begab man sich in das VersammlungSlocale, welches man erst um ^2 Uhr wieder verließ. (Lechbote.) » » « Elsendorf, 29. Mai. Gestern war auf der ehemaligen Eremitage St. Anton große Versammlung deS PiuSvereineS. Auf den Kirchthürmen »er umliegenden Orte flatterten weißblaue Fahnen und an der Gränze deS FestplatzeS waren drei große Flaggen aufgerichtet: eine deutsche, eine bayerische und eine Friedenssahne (weiß mit einem rothen Kreuze). Ein Altar, die Rednerbühne und der ganze Platz prangten von Blumen und frischem Grün. Schaaren von Andächtigen kamen in Processionen mit Fahnen heran. Herr Pfarrer Eberhard predigte über den Glauben. Dann war Hochamt. Nach einer Pause wurde die Versammlung von dem Vorstands deS PiuövereinS eröffnet. Es traten vier Redner auf, die über die ReichS- verfassung, Grundrechte und andere politische Tagesfragen sprachen. Der letzte war Pfarrer Eberhard, dessen Rede der Glanzpunct der Versammlung war. Er verbreitete sich über die wahre Demokratie vorn edlen, christlichen Standpuncte aus. Vielen standen Thränen in den Augen, viele jubelten und riefen Beifall zu. Die Zahl der Anwesenden wurde auf 6000 geschätzt. (Bayer. VolkSbl.) Nn die treuen Bayern im Gebirg. *) Hinauf in Eure Berge, wo Gottes Odem weht. Wo fest, wie seine Felsen, des Volkes Treue steht, Dringt jetzt in Sturmes Nöthen zu Euch des Königs Wort, Zu Euch, Ihr wackern Männer, Ihr Baycrn'S Schutz und Hort! Die eidvergcß'nen Buben, dort unten an dem Rhein, Die wollen jetzt die Herrscher von uns Altbayern seyn. Was sagt Ihr dazu, GcbirgSleut'? Faßt Euch nicht Zornes Gluth? Erwacht in Eueren Herzen jetzt nicht der Vater Muth? Ihr Schützen von den Bergen, den Stutzen von der Wand! DaS Aug' dem Feind entgegen, die Waffe nehmt zur Hand! Ihr Männer aus den Thälern, jetzt heißt es Aufgeschaut! Denn Eurer alten Treue ist Bayern'S Heil vertraut! Ihr seyd die ächten Söhne von jener heil'gcn Schaa», Die einst auf ScndlingS Höhen treu bis zum Tode war. Balv heißt's, wie Jene zu kämpfen wohl einen wackern Streit! Für Vaterland und König! — Ihr Männer seyd bereit! Der Teufel fand wackre Gesellen wohl an der Pfälzer Brüt, Sie schwingen die rothe Fahne und lechzen nach Mord und Blut. Blau weiß ist unser Banner, dem sind wir treu bis zum Tod! Mit uns sind Gott und die Heil'gcn! — da hat es keine Noth! Wir kämpfen für die Treue, für Könlg und Vaterland! Drum Männer, nicht gesäumct, den Stutzen nehmt zur Hand! Und sollten wir auch fallen im heil'gcn Ehrenstrcit, Die Heil'gcn uns zu empfangen, sind droben dann bereit. Schon länger als ein Jahrhundert ruhn SendlingS Helden im Grab, Und rollen auch noch Jahrtausend inS Meer der Zeiten hinab, Ihr Name wird niemals sterben, gepriesen in Ewigkeit! — Drum zeigt, daß Ihr wie die Väter, altbaycr'sche Helden seyd! *) Bei einer der jüngsten Volksversammlungen im bayerischen Gebirg vertheilt. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Drei« in Aug-burg für sich allein (ohne A. Pofizeitung)jLhrlich L fl. I S kr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Für sich allein, ohne die Augsburger Post« zeitung, find diese Blät« ter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jähr« lich nur L fl. Sv kr. oder I Thlr Neunter Jahrgang. I V. Juni L84S. Aufruf an die deutschen Katholiken. Von Dr. Büß') Katholiken des deutschen Reichs! Unser Elend stammt schon lang her. Jenes hohe Reich, wie eS Kirche und Staat an Weihnachten des Jahres 800 im freien Bund Papst Leo IH. und Karl der Große gestiftet, das unter die Einheit der Nation die freien Stämme in frischer Eigenthümlichkeit geeint, und die von beiden getragene Herrschaft der Welt gebracht, das der Nation nach innen den Frieden, nach außen die leitende Geltung in der Menschheit gegeben — eS leuchtete stets nur kurze Zeit in unserer Geschichte. — Nach kurzem Glan, trat immer eS in längere Nacht zurück — der Nation nur eine stolze Erinnerung, eine kühne Hoffnung. Und immer schwächlicher ist eS geworden, bis in den Wechselstreit der Kaisermacht und der Landeshoheit und andere daran sich hängende Zerwürfnisse deö Glaubens Spaltung zerrüttend eingefahren und daS Reich inS Grab gelegt. Was das deutsche Volk noch an Kraft gerettet, der 30jährige Krieg hatte eS aufgezehrt; in dem westfälischen Frieden hatte die Nation durch die Hingabe ihrer Weltgeltung und ihres Stolzes eine falsche Ruhe, nur einen Scheinfrieden erschachert, und von dieser Zeit an hin und her geschleudert zwischen feindlicher Verwüstung und heimischem Selbstverderb in jener seuchenarligen Atome yingeiränkelt, welche alle Kraft der Selbstentwicklung, alles Mannhafte bis zum Grunde ausgezehrt. Von da an hatte sie jene Schwäche^ beschlagen, welche schon vor dem Kampf am Siege gezweifelt, und jene Schaam, welche stets daS Bewußtseyn der Schuld ist. Das Vaterland lebte und zuckte nur noch in Stücken fort, und verwüstend wirthschaftete jene Kleinstaaterei, welche alles nationale Große nicht einmal begreift,'viel weniger thut. AUeS Gemeinsame zerbröckelte in jene philisterhafte Pedan- terei, welche »ach der einen Seite Hoffart, nach der andern KnechlSsinn zeigt. Wahrhaft wie ein Rcttuiigöfieber ist die französische Revolution in dieses deutsche Elend Herabgefahren und hat die in Winkeln herumliegenden Kräfte der Nation zum Widerstand herausgefordert. Aber Verrath und Hoheitsgelüste der Reichsfürsten senkten im Jahr 1806 daS deutsche Reich inS Grab, und erst die Mißhandlung durch den fremden Eroberer rief die Nation zur Schaam und zur Erinnerung. Da zuckle wieder deutsche Kraft und deutsches Leben; kaum waren aber die Schlachtenhekatomben am Altar deS Vaterlandes gefallen und daS Kreuz des Friedens auf den Schlachtfeldern wieder aufgerichtet, da hat das alte Elend von vorn wieder angefangen. Dem Feind, den die Deutschen kaum bezwungen; haben sie eS nachgemacht. Die absolutistische Wirthschaft deS französischen JmpcrialiSmuS, vo^ dem sie feig hingeknieet, haben die Einen in ihrer Verwaltung zwerghaft^ fortgeführt, die andern holten über'm Rhein den modischen Constitutiona-> liSmuS, um ohne Blick auf nationale Noth und Sitte ihn dem Volk als; Mummenschanz aufzuhängen. ! Niemand hat die Freiheit auS deS Volkes herrlichem Eigenwesen ausgeschöpft; so sind wir über ein Vierteljahrhundert im Joch der fremdländischen Formelrepräscntatiou fortgegangen; verworrener ist es immer in dem Staat geworden, und theurer und leerer auch und wüster in den Köpfen: das öffentliche Leben war voll Mißtrauens, WirrsalS und Künst- lichkeit; die Parteien vertobten sich in den Formen, spaltungSsüchtig, lügenhaft und elend. So ist der Kernguß deS alten nationalen Reichs in bröcklichte Geschiebe zergangen. DaS nationale Gewissen war verstummt: große Ge- sammtüberzeugungen fehlten, wie sie früher als Standarten ganze Stände ') Aus seinem in Frankfurt erscheinenden: Katholischen Vereinsboten. durch Jahrhunderte hin geleitet. Mit dem Genie,'»glauben erstarb auch der Gemeinsinn und die dadurch allein zu befeuernde Hingebung an daS Gemeinwesen. So elendiglich war aber der kernige Felsenflötz, der sich über deS Reichs weite Lande hingegossen, zertrümmert, weil die Kirche, die ihm Kilt und Bindung vorweg gewesen, entzwei gegangen, und diese Spaltung sich in endlos vielen, weiten Trennungen wicdcrgcbärend durch daS ganze vielfache Leben der Nation sich soit- und durchgesetzt. Alle die spaltigen Meinungen und Interessen hatten früher sich in einem der Nation angeeigneten höheren Positiven ausgeglichen. Jetzt war aber Alles frei geworden, der Staat war von. Reich, der Glaube, die Sitte, die Schule von der Kirche abgelöst: Alles ging auS einander, die Nation am weitesten. Der Staat hat seine Ablösung von. Reiche und den Kitzel seiner Landeshoheit zuerst und schwer gebüßt. — Nachdem er den Menschen von der Autorität der Kirche losgebunden, um ihn allein in Beschlag zu nehmen, hat dieser ihm angethan, was selbst der Staat früher an der Kirche verschuldet; der Einzelne als Einzelner wollte herrschen, nur der aus dem Willen der Einzelnen zusammengeblasene Gesammtwille sollte gelten; und weil er durch die zerstörten Stände nicht mehr zu einem Ge- sammtauSspruch sich einigen konnte, so setzte ,er sich in die repräsentativen Kammern nieder, und regierte selbst, statt des Volkes Rechte und Interessen gegen die Regierungen zu wahren. So waren die Regierungen zur levren Lewiamkeit herabgesunkcu: sie waren in dem Karren der wechselnden Kammermehrheiten scheinbar duldend fortgegangen, die sie aber oft genug überlistet. Start zu herrschen, hatten sie gedient. DaS hätte sich noch Dulten lassen, hätten nur die Mehrheiten die Freiheiten, Rechte, Anliegen deS Volkes selbst vertreten. Allein die Repräsentation war gefälscht: nicht Die Stände waren waren vertreten, sondern die Meinungen und diese nicht alle: Advocaten, Professoren unv derlei Leute besetzten die Kammern, aber nicht das Volk. DaS Ganze war eitles Parteigetrieb. Die eine Partei trieb die andere von, Ruder und regierte dann wie die andere fort: daS Beamtenunwesen rieb niederdrückend jede nationale Regung auf. Und wie jetzt Standschaft und Regierung einander überlisteten, beide von der stets dichter wuchernden Bureaukratie betrogen, so logen Bundestag und Landesregierungen einander unv beide die Nation wetteifernd an. DaS AuSland halte seine Freude unv seinen Hohn an uns. Dieser Zustand war unerträglich, aber zum Glück bis zur Wurzel faul. Jeder Verständige sah nahen daS Gericht. — Da schlug im Hornung vorigen Jahres der Blitz der richtenden Revolution in die organisirte Korruption Frankreichs, nicht plötzlich: — eine Verschwörung hatte den großem Theil deS Erdtheilö unterwühlt, auch Deutschland. — Die Regierungen waren gewarnt worden; sie waren blind geblieben. Kaum war die Republik über dem überraschten Frankreich errichtet, so schlug die Lohe über den Rhein. — Die alten Liberalen stellten bereit sich zusammen; Heppenheim, Heidelberg, daS Vorparlament sahen Revolutionäre in Glanzhandschuhen. Da offenbarte sich die Erbärmlichkeit der Regierungen; faul !hiS inS Herz zeigte sich dieser ganze gouvernementale Quark; faul bis inS ^Herz zeigte sich der Wust politischer Parteien, feig, schwächlich feig zeigte !sich das Büraerthum und im Volk eine Grundsatzlosigkeit, eine Verwahrlosung, eine Verwilderung, welche schlimm für die Bildung und Sittlichkeit zeugte, die ganz Europa uns willig zuerkannt. — Da trat an daS Licht >daö namenlose Elend, welches Alle verschuldet; die Knechtschaft und die !Muthlosigkeit der Kirche, die VolkSentfremdetheit des StaatS, die Selbstsucht der Parteien, die Entwurzeltheit der Sitte, der UeberzeugungSverrath der Schule, allum die Entmannung des öffentlichen Lebens. — Und alle i Schuldigen haben schon ihre Strafe. Alle die politischen Windmacher, ! welche der März 1848 auf die Höhe gewühlt, sie sind zurückgesunken ,n den Staub; der März 1849 hat sie gerichtet. — WaS die Verschwörung zur Bewegung deS vorigen JahreS gethan, das hat ihre reine Fluth getrübt und ist untergesunken; nur das Volk hat die Märzerhebung rein und gewissenhaft aufgenommen. Groß war der Jammer im Anfang und groß ist der Jammer in der Gegenwart und doch ist größer der Gewinn der Umwälzung. Die Wiedereroberung der Selbstbewegung des Volks und Jedermanns im Volk ist ein Gut, daS zehn Revolutionen werth ist. Wir haben eS, und keine Gewalt soll eS uns wieder rauben. Die Nation hat sich fühlen gelernt, und sie wird alle Jene niederwerfen, die sie verkleinern. — WaS gesund ist in dem Volk, daS darf jetzt frei sich regen, Jedes zeigen seine Macht und seinen Werth. Jede Kraft hat Raum und Recht. DaS ist viel, daS ist unendlich viel. Jetzt steigen aus der Brust der Nation, nicht mehr beklemmt durch den Alp der Bureaukratie, die eigenen Wünsche, nicht die angelogenen, die eigenen Anliegen und die eige. neu Kräfte. Am hurtigsten wollten jene Strebungen in daS Feld der Freiheit stürzen, welche die Unnatur des bisherigen StaatS am engsten niedcrgefes- sclt hatte, und welche am heißesten in der Brust deS Volks geruht. — Für diesen Glauben stellte daS katholische Volk zuerst die junge Freiheit in daS Feld. — In allen Gauen Deutschlands sammelte sich daS katholische Volk in Vereine für Freiheit der Kirche und des Unterrichts; in den wechselndsten Formen, reich, wie deutsches Leben, zogen diese Einungen ihr Band über die deutsche Erde, bald mit engerem, bald mit weiterem Ziele. Aber wie die Nation auS ihren neuer Freiheit sich erfreuenden Stämmen zur Einheit sich sehnte, die ihr zur Stunde noch nicht geworden, so sehnten sich die katholischen Vereine zu ihrer Einheit. Der Verein von Mainz, der älteste, erwarb dieß Verdienst. (Folgt nun eine Aufzählung der Ver- einSsatzungen.) _ Freiheit ein trauriges Beispiel. Wohl kenne ich eine Aufgabe für die PiuSvereine, die ihrer wahrhaft würdig und ihr Andenken im Segen erhalten müßte, und ich will sie hier auch aussprechen, selbst auf die Gefahr hin, mich einer scharfen Kritik auszusetzen: die PiuSvereine, als ! getreue Kinder der katholischen Kirche, müssen, wie diese, über den politi- ! schen Parteien stehen. Ist das einmal den PiuSvereinen möglich geworden, so sollen sie weiter gehen, sie sollen Hand anlegen, um die sich alle Tage ! zwischen den Parteien immer mehr kundgebende Spaltung so viel als möglich aufzuheben, die immer gähnender und weiter werdende Kluft auszufüllen, die immer weiter gehenden Ertreme zu versöhnen. Könnten die PiuSvereine das bewerkstelligen, so retteten sie Deutschland vom Bürgerkriege, vielleicht vom Untergänge. Aber welch' riesenmäßige Anstrengung, ! welch' ungeheure Arbeit, welche Opfermuthigkeit, welche Leidenschaftslosigkeit dazu gehört, um solches auch nur im Geringsten verwirklichen zu können, kann und darf ich mir nicht verhehlen. Aber, wenn wir bedenken, wie daS Christenthum die ganze Welt unterworfen, wie zwölf schlichte Fischer den Grundstein zur Cultivirung der ganzen Menschheit gelegt, wie namentlich bettelnde Mönche aus dem deutschen Urwald einen blühenden Garten gemacht haben, wie sollten wir da noch zweifeln, daß, wenn der Herr mit u»S seyn wird, nicht auch wir dieses Vorhaben zu erreichen im Stande wären. Unmöglich ist eS nicht — die Annahme der Unmöglichkeit dieses Projektes straft die christliche Geschichte Lügen — aber zuvörderst gehört der Muth dazu, an'S Werk zu gehen und wenn wir Muth haben, ist kein Hinderniß unübersteiglich. (Neue Sion.) Die PiuSvereine. München, 10. Juni. Die PiuSvereine sind namentlich deßhalb inS Daseyn getreten, um die Freiheit der Kirche durchzusetzen. Genau betrachtet, ist jetzt schon der Zweck ihrer Existenz ein halb, vielleicht ein ganz politischer. Es mag seyn, daß man diese Politik unter der Rubrik Kirchenpolitik begreift, gewiß aber ist, daß von anderer Seite, als von kirchlicher» die Freigebung der Kirche auch als eine ganz in das Gebiet staatlicher Politik eingreifende Sache betrachtet wurde. Wenn aber schon der Zweck ihrer Existenz ein politischer Zweck ist, so wird man die PiuSvereine nicht mit einem Streich vom politischen Gebiete rein weg in daS kirchliche versetzen können. Sollte aber nur Kirchenpolitik im Bereiche der Aufgabe der PiuSvereine liegen, so befürchte ich, es möchte die Theilnahme von Seite der Laien an diesen Vereinen sehr gering werden. Abgesehen davon, daß die meisten Laien vom kirchlich-politischen Interesse wenig verstehen, würden sie auch gegen dasselbe als eine ihnen und ihrer Sphäre größtentheilS fremde Sache ganz gleichgiltig bleiben. Will aber der PiuS- verein zu einer bloß kirchlichen Bruderschaft zusammenschwinden, so müßte ich seine Existenz als eine überflüssige bezeichnen, denn Bruderschaften gibt «S ohnehin genug. Ober soll der PiuSvercin nur für so eine Art Con- ferenz unter den Klerikern und vielleicht einigen verständigen Laien gelten, um sich über die neuesten kirchlichen Tagesfragen gegenseitig aufzuklären? Dann scheint er aber wieder überflüssig, denn solche Konferenzen finden ohnehin statt und wer nicht Gelegenheit hat, solche zu besuchen, der halte sich an eine kirchliche Zeitschrift, wo er alle diese TageSfragen besprochen und nach allen Seiten hin beleuchtet finden wirb. Es bleibt demnach nur eine Aufgabe mehr den PiuSvereinen übrig und diese ist die Bekämpfung der geistlichen Bureaukratie. Aber wie will der Piusverein hier je zu einem erfreulichen Ziele kommen, wenn die Stützen und Träger, die Begünstiger und Protektoren, die Urheber und Erhalter dieser geistlichen Bureaukratie, die doch die höchsten Aemter im Kirchenregimente bekleiden, sich nicht an daS Streben dieser PiuSvereine kehren wollen? Wir sehen also Wohl, die Politik aus dem Kreise der PiuSvereine ganz verbannen zu wollen, ist eine todtgeborne Anstrengung und heißt die PiuSvereine vernichten. Sie können nie ganz von Politik abstrahiren, weil, wie wir gesehen haben, schon der Zweck ihrer Existenz ein mehr oder minder politischer ist. Aus der „Unabhängigkeit der Kirche vom Staate" allein müssen sich eine Unzahl neuer politischer Fragen ableiten, die, will der PiuSvercin konsequent seyn und nicht den Zweck seiner Existenz vergessen, von ihm^ nicht Übergängen werden können. Zwar ist eS ganz klar, daß der PiuS- ^ den Todesstoß zu geben, nicht, wenn er wirklich sich auch aufs politische Gebiet hinaus verirrt, eine einseitige und ausschließliche Politik einschlagen dürfe; die da z. B. zum blinden Verfechter der Monarchie und zum ungerechten Lästerer der Demokratie sich hergäbe. Wohin das fuhrt, davon haben wir in München an unserm halb religiösen, halb politischen Verein für konstitutionelle Monarchie und religiöse Die AuSwanberungsfrage, eine Angelegenheit der katholischen Vereine Deutschlands. Bei dem jüngsthin zu Köln abgehaltenen Congresse der katholischen Vereine Rheinlands und Westfalens wurde von Herrn Maler Fr. Baudri der Antrag gestellt: „Der katholische Verein Deutschlands möge die Uebersiedelung auS den bedrängten Theilen deS Vaterlandes nach den untern Donauländern (zunächst nach Ungarn) mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln auszuführen suchen." — Dieser Antrag wurde mit ungetheiltem Beifalle aufgenommen, aber die Beschlußfassung darüber der allgemeinen Versammlung des katholischen Vereinö Deutschlands in Breslau überwiesen. Der Herr Antragsteller hatte die Güte, zu diesem Zwecke seine Motion in nachfolgenden Zeilen näher zu begründen. „Die Satzungen deS katholischen Vereines Deutschlands enthalten u. A. folgende Bestimmungen: II. 8- 7: „Der Verein stellt sich die Aufgabe: ci. zur Hebung der herrschenden socialen Mißverhältnisse und Uebelstände nach Kräften beizutragen." Und 8 8.: „Zur Erreichung seiner Zwecke wird der Verein sich aller gesetzlichen Mittel bedienen, namentlich deS freien Ver- sammlungs- und Vereins-RechleS, deS PetitionS-Rechtes und des Rechtes der freien Rede und der freien Presse; wie er auch durch Verbreitung gu- ! ter Schriften und Bücher der geistigen und durch Ausbildung und Förderung aller Werke der christlichen Nächstenliebe der leiblichen Noth deö Volkes zn steuern sich bemühen wird." In diesen beiden Paragraphen ist jene Thätigkeit deS VereineS unzweideutig bezeichnet, in deren Bericht der obige Antrag Rheinlands und West- phalenö fällt, und bedarf eS wegen dieser klaren Bestimmung keines weigern Beweises, daß der Antrag zur Berathung und Beschlußnahme deö ^katholischen VereinS Deutschlands geeignet ist. Sein Umfang könnte allerdings von manchen Seiten Bedenken erregen, die aber vor der Betrachtung schwinden müssen, daß der Umfang der Thätigkeit eines, durch so viele Vereine ganz Deutschland umfassenden Vereines nothwendig ein sehr weiter und mächtiger seyn muß, wenn er den Anforderungen entsprechen soll, welche aus allen Theilen des Vaterlandes, auS allen Schichten der Bevölkerung an ihn gestellt werden. WaS dem einzelnen Menschen und selbst dem engern Vereine nicht möglich ist, das darf immerhin die gesammte Kraft aller Vereine des Volkes versuchen, und keine Aufgabe darf ihr zu schwer erscheinen, wenn in ihrer Lösung daS wahre Wohl deS Ganzen gefördert und dem Einzelnen Besserung oder Erleichterung verschafft wird. Wenn außerdem in der Lösung solcher Aufgaben der Verein an Kraft und Ausdehnung gewinnt und seine Thätigkeit dadurch auch nach anderen Richtungen hin wesentlich unterstützt wird, dann ist eS Pflicht desselben, sich eines StrebenS zu bemächtigen, daS von den segensreichsten Folgen werden kann. Zur richtigen und vollen Würdigung der AuswanderungSfrage sind vornämlich drei Beziehungen in'S Auge zu fassen: s; 1) die Politische, 2) die Sociale und 3) die Kirchliche (Religiöse). Wenn gleich der katholische Verein Deutschlands kein politischer Verein im gewöhnlichen Sinne des Wortes genannt werden kann, so darf ihm doch vor Allem die politische Gestaltung Deutschlands nicht gleichgül- die Länder im Osten, welche die Donau durchströmt, öde und unbewohnt und der fruchtbarste Boden, der viele Millionen reichlich ernähren könnte, liegt dort fast unbenutzt. Alles, waS die menschliche Gesellschaft an Naturprodukten bedarf, liefert dort die Erde in reicher Fülle, allein eS fehlt an Händen, um diesen Schatz zu heben. Leider gestatteten bis jetzt die politischen Zustände cS nicht, eine Ausgleichung jener Mißverhältnisse der ,jg seun, da dieselbe auf seine Wirksamkeit, ja auf seine Eristenz vom un- Bevölkerung durchzuführen; jetzt aber, da das ganze deutsche Volk zur mittelbarsten Einfluß ist. Deßhalb wird er bei all seinen Fragen die po>! Einheit sich erhebt und die Schranken gefallen sind, welche Oesterreich von Mische Seite nicht unberücksichtigt lassen und bei der vorliegenden eS nicht uns trennte, müssen wir die günstige Zeit nicht vorübereilen lassen, ohne verkennen, daß ihre glückliche Lösung für Deutschlands politische Macht ^unsere Zukunft auf der weitesten und kräftigsten Unterlage zu gestalten, und Größe von bedeutendem Einflüsse ist. Eine Kräftigung des deutschen ^ Lohnen einerseits die Niederlassungen alle Opfer, welche sie kosten, durch Elementes im Osten und seine innigere und kräftigere Verbindung mit den ^ die Kräftigung und Vergrößerung Deutschlands, so lohnen sie andererseits übrigen Theilen kann erst Deutschland wieder zu jener Höhe erheben, auf dieselben durch die neuen Märkte, welche sie dem deutschen Gewerbcfleiße welcher eS ehedem gestanden und zu welcher eS im Herzen Europa'S beru- schaffen. Nicht nur ihr Bedarf, sondern auch der Bedarf der östlichen fen ist. — ! Nachbarstämme wird von Deutschland aus am Leichtesten befriedigt werden Näher als die politische Seite steht dem Vereine die sociale, die können; die Naturproducte dieser Landstriche dagegen, besonders die Früchte, auch bei Weitem die überwiegende in der Frage ist. > würden in Zukunft den wirklichen Mangel im Westen stets ausgleichen Die Uebel, welche an dem Marke deS Volkes zehren und die Noth ! und dadurch ein Schwanken der Preise verhüten können, wie cS von Zeit und das Elend mit jedem Tage steigern, sind bereits zu solcher Größen zu Zeit gerade die arbeitende Classe so furchtbar heimsucht. Aus diese angewachsen, daß sie nicht mehr verkannt werden können. Sie alle mit-! Weise nur wirken die Auswanderungen fortgesetzt wohlthätig auf'S Miteinander erzeugen ein neues Uebel, die Auswanderung, und treten an den tcrland zurück und bieten diesem reichen Ersatz für die Verluste, welche Tag, gleichwie ein KrankheitSstoff im Körper Lurch mancherlei Entleerungen! dasselbe durch den Abgang von Geld- und Arbeitskräfte erleidet. auf der Oberfläche sich zeigt. Je nachdem diese sind, können sie dem Kör per zur Entkräftung oder zur Genesung dienen, und Aufgabe des ArzteS ist es, dieses Letztere möglichst herbeizuführen. So wie die Auswanderungen in Deutschland bis jetzt stattgefunden, können sie nur verderblich auf all unsere Verhältnisse einwirken. Anfangs sahen wir meistens Solche auswandern, die in übervölkerten, unfruchtbaren Gegenden dem Mangel Preis gegeben waren; jetzt aber ergreift die AuS- wanderungSlust meistens kräftige, arbeitsfähige Männer, die noch Mittel besitzen, um sich ein Eigenthum zu erwerben, oder deren Fähigkeiten sie zu sehr brauchbaren Gliedern der Gesellschaft machen. Die Unzahl der Ar- beits- und Mittellosen in den Städten und auf dem Lande bleibt dort, wo die Gemeinden sie unterstützen müssen, und vermehrt nicht nur die öffentli, chen Lasten, sondern liefert fort und fort allen revolutionären Bewegungen dienstbare Streiter. So wird einerseits die Zahl der zu öffentlichen Lasten BeitragSfähigen sehr vermindert und der Mittelstand fast ganz vernichtet, andererseits durch Vermehrung des Proletariates der sichere Bestand der Gesellschaft immer mehr gefährdet, ohne daß die Ausgewanderten mit dem Mutterlande in eine, auf dasselbe wohlthätig zurückwirkende Verbindung treten. Soll aber die Auswanderung dem Vaterlande zum Heile gereichen und selbst daS LooS der Auswanderer ein minder zufälliges, ein ihren Erwartungen entsprechendes seyn, so muß durch dieselbe 1) den Gemeinden eine Erleichterung werden; 2) das Vaterland an Kraft im Innern und nach Außen gewinnen; und 3) der Auswanderer nicht mehr einem blinden Geschicke oder gar der Habsucht Anderer Preis gegeben werden. Alles dieses läßt sich vereint erreichen, wenn durch Ansiedelungen in den untern Donaugegenden allen AuSwanderungSlustigcn eine sichere Zufluchtsstätte geöffnet wird. (Schluß folgt.) Ueber die zeitliche Herrschaft de- Papste-. m. Thiers sagt in seiner Geschichte deS ConsulateS und des Kaiserrei- cheS: „Die Einsetzung deS Papstes, der die Einheit deS Glaubens aufrecht erhält, kann man nur eine bewunderungswürdige nennen. Man wirft ihm vor, daß er ein auswärtiger Herrscher sey. Danken wir Gott dafür, daß er ein solcher ist. Der Papst ist fern von Paris, und das ist gut; er ist auch weder in Madrid, noch in Wien, und darum lassen wir uns seine geistige Autorität gefallen; dasselbe wird man mit Grund zu Wien und Madrid sagen. Glaubt man etwa, daß die Spanier, oder die zu Wien seine Entscheioungen annehmen würden, wenn er zu Paris wäre? Wir können unS daher nur glücklich preisen, daß er im eigenen Lande wohnt, und nicht in dem eines Nebenbuhlers u. s. w." Obwohl wir den bald darauf folgenden Aeußerungen keineswegs beistimmen können, so verrathen obige Worte doch gewiß einen hervorragenden Geist, welcher sich mit Leichtigkeit, wenn er nur will, über die Vorurtheile seiner Zeit erheben kann. Frei und unabhängig muß der Papst seyn, aber nicht bloß nach Außen, wie wir gezeigt haben, und wie auch Thiers behauptet; sondern er muß auch frei seyn von Innen. Als den Vater aller Gläubigen und den König der großen Familie der Kinder GotteS, setzte ihn die Vorsehung auch zum Vater und König eines erwählten Volkes, einer bevorrechteten Stadt ein. Ohne Zweifel muß ihm das Wohl ihrer Bewohner am Herzen liegen; er wird ihnen daher auch im rechten Maaße die Wohlthaten einer weisen Freiheit, und einer geordneten und väterlichen Regierung schenken; und fürwahr, der Die Übersiedelungen aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands unsterbliche PiuS IX. konnte, als er seinen Fuß aus ein fremdes Ufer in die untern Donaugegenden, zunächst nach Ungarn, können nicht zu den setzte, feierlich seine drei Millionen Unterthanen, ja die ganze Welt zu eigentlichen Auswanderungen gezählt werden, da die Donauländer deS! Zeugen anrufe», daß er freiwillig für das wahre Glück und die Frci- Lsterreichischcn Kaiserstaates Deutschland angehören und von vielen Deut-iheit seines Volkes mehr gethan habe, als irgend ein Regent von Europa, scheu bereits bewohnt sind; außerdem aber durch zahlreiche Ansiedelungen Wenn aber mit der Freiheit Ordnung herrschen muß, wenn ein Normal- für Deutschland ganz und so bleibend gewonnen werden, daß sie endlich zustand und die freie Ausübung der rechtmäßigen Gewalt überall erfor- innerhalb der deutschen Gränzen fallen. Der mächtige Donaustrom bildet derlich sind zum Glücke und zur Sicherheit der Völker, wenn die Achtung daS unauflösliche Band und den lebendigsten Verbindungsweg zwischen der bestehenden Autorität daS Gesetz deS öffentlichen FriedenS und der Anker jenem neuern und dem ältern Theile des Vaterlandes, und bald würden!deS bürgerlichen Rechtes ist: dann kann man auch in Wahrheit sagen, Schienenwege und Straßen den Verkehr so beleben, daß jede Spur einer daß die heiligsten Interessen der ganzen christlichen Welt, die Aufrechter- Trennung sich verwischte, die uns seither von der untern Donau abge- Haltung deS europäischen Gleichgewichtes verlange, daß die zeitliche Herr- schnitten. Wird auf diesem Wege die deutsche Gränze den Donaumündun- schaft des Oberhauptes der ganzen katholischen Welt unabhängig und frei gen näher gerückt, so kann es nicht fehlen, daß wir bald unS deS ganzen vom Ische innerer Factionen, wie vom Einflüsse fremder Mächte seyn müsse. Stromes bis ins Meer be.mächtigen und es verhüten, daß der nordische Offenbar würde die Sicherheit der Kirche auf daS Tiefste erschüttert Nachbar eine unserer Hauptadern unterbinde und dadurch unsere ganze werden, wenn der Papst sich im eigenen Lande müßte Gewalt anthun Leben-thätigkeit lähme. Gerade von den Fortschritten, die Deutschland im lassen, wenn er unter den Willen der rohen Masse, und die tollkühnen Osten macht, hängt seine Zukunft ab, und diese Zukunft auf eine fried- Anmaßungen einer wühlerischen und tyrannischen Partei sich beugen müßte, liche Weise groß und mächtig gestalten zu helfen, ist eine der schönsten Alle christlichen Staaten müßten zugleich mit Ihm verletzt seyn, da sie Ausgaben, die der Verein sich auf politischem Gebiete stellen kann. nicht zugeben können, daß der Papst unter einer andern Autorität stehe, Deutschland trägt besonders in seinen Fabrikcistricten und in man- als seiner eigenen. In dem Augenblicke, wo eine siegende Emeute,.den chen Gebirgsgegenden eine so große Bevölkerung, daß sie in keinem Ver-,Dolch in der blutigen Faust, den Erben des geheiligten Pontificateö und hältnisse zu seinem Boden und dem Ertrage desselben steht; dagegen sindlder Herrschaft, welche die Vorsehung seit 14 Jahrhunderten an jene geknüpft hatte, in seiner Wohnung belagerte, nachdem sie seinen Minister ermordet, sein HauS dem Brande preiszugeben, und seine treuesten Diener niederzumetzeln gedroht, und ihm sein Leben nur um den Preis einer erzwungenen Abbication und der Verschleuderung der unveräußerlichsten Rechte schenken zu wollen, beschlossen hatte: in demselben Augenblicke handelte eS sich nicht bloß um die Regierung der päpstlichen Staaten, sondern um die Sicherheit, die Würde und die Freiheit der gestimmten Kirche. Mehr als irgendwo, muß gerade zu Rom, wie PiuS IX. eS wollte, eine wahre oberherrliche Unabhängigkeil stattfinden, vereinigt mit einer edlen und weisen Verwaltung zum Wohle und zu einer vernünftigen Freiheit des Volkes, sie muß stattfinden nicht bloß um der erhabensten und allgemeinsten Interessen wegen, die dort vertreten werden, sondern auch um der göttlichen Beziehungen willen, die nur von Gottlosigkeit und Unvernunft verkannt werden können; sie muß stattfinden, weil die katholische Welt in ihrem Vater und Oberhaupte geachtet werden soll. Hurter sagt in seiner Geschichte Jnnocenz III. *): „Sicherheit des Landes und der Stadt, von welcher auö daS Oberhaupt der Kirche diese in allen Ländern ordnen, leiten, erhalten soll, bleibt immer das erste Er- forderniß, um die vielartigen Obliegenheiten so hoher Stellung wahrnehmen zu können. Wie könnte er über den mannigfach verschlungenen Verhältnissen schweben, den zahllosen Angelegenheiten aller Kirchen und kirchlichen Personen Rath, Beistanv, Entscheidung gewähren, für die Erweiterung deS GlaubcnSreicheS sorgen, unv jede wider dasselbe sich crhebmde Arglist zu Nichte machen, frei zu Königen und Völkern sprechen, und schlichten, schirmen, warnen, strafen, wenn er in dem eigenen Hause nicht Ruhe fände, und Ränke der Böswilligen, Gewalt der Frechen ihn nöthigten, den sonst die Welt umfassenden Blick auf jenes zu beschränken, unv Erhaltung und Freiheit zu erkämpfen, oder flüchtig Schutz bei andern zu suche,,?« — Und der unerschrockene, unglückliche Rosfi sagte kurz vor seinem Tode: „Die Unabhängigkeit des Papstes als Oberherr steht unter der gemeinschaftlichen Garantie aller Katholiken. Rom mit seinen, Lurch die Schätze der ganzen Welt erbauten Denkmälern, Rom, der Miitelpunct unv das Haupt deS Katholicismus gehört vielmehr den Christen an, als den Römern. Seht euch wohl vor; wir werden die Christenheit nicht ihres HanpteS berauben lassen, noch auch den Papst, wenn er je Rom verließe, wieder zurückführe», daß er euch um ein Asyl bitte, welches ihr euch mit seiner Freiheit gern theuer möchtet bezahlen lassen!" Alles dieß führt uns zu einer Bemerkung, die wir bisher nicht berührt haben, die wir aber nicht übergehen können. Der Papst muß frei und unabhängig seyn nach Außen, wie von Innen, aber von Innen, um eS auch nach Außen seyn zu können; er muß, um in immerwährender Eintracht mit allen christlichen Nationen zu leben, mitten in ihren Streitigkeiten eine versöhnende Neutralität bewahren, und unter allen Umständen der wahre Friedcnöfürst seyn, wie dieß dem göttlichen Charakter, den er repräscnlirt, zukommt; er muß immer im Stande seyn, die reinen und friedlichen Hände zu erheben, um den Geist der Eintracht und deS Friedens für die christlichen Fürsten und Völker von Oben zu erflehen. „Die Erde," sagt der heilige AugustinuS, „ist oft bewegt durch Kriege, wie daS Meer durch den Sturm. Auch das Menschengeschlecht hat seine Stürme; der Himmel trübt sich, und alles scheint bisweilen im Wirbel eines allgemeinen KriegeS dahingerissen; wenigstens eS doch wenigstens nur Ein Volk gibt, daS sich diesem Wirbel zu entziehen weiß, nur Eine Stadt, auS welcher der Friede zu kommen vermöchte." Römer, hört diese Worte, beklagt euch nicht über daS große und rühmliche Vorrecht, daS euch der Sitz des Pontifer gibt, weil eS euch von der traurigen Nothwendigkeit des KriegeS befreit, und eS euch eine friedliche, ehrenvolle und immer unabhängige Neutralität sichert in Mitte aller christlichen Nationen. *) Band II Buch 13. **! „Es liegt im Jnicrcffc des Menschengeschlechtes, sagt Voltaire in seinem: Versuch einer allgemeinen Geschul te, daß es einen Zaum gebe, den die Fürsten scheuen, und der das Lebe» der Böller sichert; dieser Zügel, wir meinen die Religion, hätte durch allgemeine Uebcecinkunft i» die Hände der Päpste gelegt werden können, und diese, welche sich in wclllichc Slreiligkeilen nicht zu mischen hätten, als um den Friede» herzustellen, die Könige,i und Völkern ihre Pflichten doihaltc», ihnen Gesetzübertretungen verweisen, und für die ärgsten Verbrechen die Ercommunication in Anwendung hätten bringe» können, diese'hätte man immerhin als Stellvertreter Gottes auf Erden ansehen mögen." Leibnitz schreibt i» einem seiner Briefe: „Ich wäre der Ansicht, daß man in Rom ein Tribunal errichten solle, um die Zwistigkeitcn der Fürsten beizulegen, und daß man den Papst zu dessen Präsidenten einsetze, so wie er wirklich zu Zeiten die Stelle eines Richters unter den christlichen Fürsten einnahm. Es ist ja erlaubt, Luftschlösser zu bauen, warum sollten wir einen Einfall verwerfen, der nnS daS goldene Zeitalter zurückführen könnte?" Erinnern wir uns schließlich noch eines Gespräches zwischen Napoleon und dem Obern von Saint-Sulpice, dem greisen Emery, in Gegenwart der in den Tuilerien versammelten Bischöfe. „Ich bestreike nicht die geistliche Macht des Papstes," sagte Napoleon, „da er sie von Christus erhalten hat; aber Christus hat ihm nicht auch die zeitliche gegeben; diese hat er von Karl dem Großen, und ich, Nachfolger Karl deS Großen bin eS, der sie ihm wieder nehmen wird, weil er sie nicht zu gebrauchen weiß, und sie ihn verhindert, seinen geistlichen Verrichtungen nachzukommen. Was denken Sie davon, M. Emery?" „ES gefällt Ihnen oft, Sire, auS Bossuct zu citiren," sagte der unerschrockene Priester, „ich will dasselbe thun. Er sagt: „Wir wissen, daß die römischen Päpste eben so rechtmäßig als irgend Jemand auf der Erde Güter, Rechte, und eine Oberherrlichkeit besitzen. Wir wissen ferner, daß diese Besitzungen, in so fern sie Gott geweiht sind, auch geheiligt sind, und daß man, ohne ruchloS zu seyn, nicht Hand an sie legen kann. Der apostolische Stuhl besitzt die Oberherrlichkeit über die Stavt und den Staat von Rom, damit er frei und sicher und in Frieden seine geistige Macht ausüben könne. Und dieß ist nicht bloß ein Glück für den römischen Stuhl, sondern für die ganze Kirche, und wir wollen unsere heißesten Wünsche vereinigen, daß dieser geheiligte Prinzipal in jeder Hinsicht unangetastet und gesichert bleibe." Die Fronleichnamsfeier in Wien. Wien, 7. Juni. Daß Oesterreich seinen Charakter als katholische Macht bewahre, zeigte die prachtvolle so eben abgehaltene FronleichnamS- Procession, welche in ihrem altherkömmlichen Pompe einen eben so erfreulichen als erbaulichen Anblick gewährte. ES war eine Huldigung, dem Herrn deS Himmels und der Erde dargebracht von den Fürsten der Erde, verherrlicht durch Alles, was die Erde an Schätzen bietet znm Dienste deS Allerhöchsten. Außer allem dem, waS man anderwärts bei dieser Gelegenheit auch sieht, erschien dabei der ganze Hofstaat in seinen verschiedenen Abstufungen. Nach den Rittern deS golvenen Vließes und dem Domcapitel von St. Stephan folgten sodann unmittelbar vor dem höchsten Gute die hier anwesenden Herren Erzbischöfe und Bischöfe im kirchlichen Ornate (Plnviale), zu beiden Seiten begleitet von ihren Jnfelträgern. ES war ein erhebender Anblick, etwa 30 Bischöfe (einige waren durch Unpäßlichkeit verhindert) vor dem hochwürdigsten Gute cinherwandcln zu sehen. Die Reihe der Bischöfe schloß der Cardinal Fürsterzbischof von Salzburg, begleitet vom päpstlichen Nuntius. Der Fürsterzbnchof von Wien trug daS hochwürdigstc Gut unter dem Baldachin. Ihm folgte zunächst Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph, in frischer Jugendblüte alle Herzen gewinnend; sodann die Prinzen deS kaiserlichen Hauses. Diese waren: der Erzherzog Franz Karl, Vater deS regierenden Kaisers, die beiden Brüder Seiner Majestät, und der Erzherzog Joseph, Sohn deS verstorbenen Palatins. Es war ein erbaulicher Anblick, wenn beim Segen so viele Bischöfe den Platz an der rechten Seite deS Kaisers knieend füllten, der Kaiser selbst in tiefer Ehrfurcht vor dem Altrr kniete, und mit allen Zeichen wahrer Andacht den Herrn der Heerschaaren anbetete. Gewiß, wo so viele fromme Wünsche vereint zum Himmel aufsteigen, wird der Segen des Allmächtigen zu dem großen Werk der Wiederherstellung unserer vielfach zerrütteten Zustände nicht fehlen, und wir dürfen mit Vertrauen der Zukunft Oesterreichs cntgegenblicken, wenn auch zur Stunde noch dunkle Wolken den Horizont bedecken. — Als der Kaiser nach beendigter Procession auS der Kirche von St. Stephan heraus trat, wurde er von dem überaus zahlreich versammelten Volke mit ungeheurem Jubel und fast endlosem Vivatrufcn begrüßt. Die Berathungen der hier versammelten Bischöfe werden, wie verlautet, noch etwa 10, höchstens 14 Tage dauern. Der Bischof von Trieft wird wegen anhaltender Uupäßlichkeit auf Andringen dcS Arztes morgen nach Hause abreisen. Gestern ist der hochwürdigste Bischof von Agram, Haulik, hier angekommen; man sagt, er werbe auch an den Berathungen der Bischöfe Theil nehmen, wie der hochwürdigste Bischof von Fünfkirchen, der schon seit dem Anfang derselben den Sitzungen beiwohnt. Der letztgenannte Bischof hat durch die gegen Oesterreich kämpfenden Magyaren sehr große Verluste an zeitlichem Gute erlitten, die er mit bewunderns- werthem Gieichmuthe trägt. Sein Begleirer sagte mir gestern mit Bezug darauf in lateinischer Sprache die schönen Worte: „Der Herr hat eS gegeben, der Herr hat es genommen: der Herr kann eS wieder geben, und will er daS nicht, so wird es zu unserm Heile besser seyn." (K. Bl. a. T.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung)jährlich L fl. IL kr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- ritung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Für sich allein, ohne die Augsburger Post« zeitiing, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten I» ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur L fl. SOkr. oder I Thlr Neuntel' Jahrgang ^ 2S «4. Juni L84». Der Vorort deS katholischen VereineS Deutschlands a n die sämmtlichen Einzelvereine. Schon der erste Vorort des katholischen VereineS Deutschlands zu Mainz brachte am 3. März d. I ein kurzes Billigungsschreiben unserer VereinSsache von unserm heil. Vater PiuS IX. — Herr Dr. Büß, welcher als Präsident der ersten Generalversammlung die Zuschrift an den heiligen Vater mit der Schilderung unserer Zwecke und der Bitte um den apostolischen Segen verfaßt, hat nun eine ausführlichere Antwort von Sr. Hei- ligkeit empfangen und dem Vorort abschriftlich übersendet, welche wir zu veröffentlichen uns beeilen. Wir hoffen, die Mahnungen unseres heiligen Vaters werden von allen katholischen Vereinen wie ein heiliges Gesetz befolgt werden. BreSlau, den 24. Mai 1819. Der Vorsitzende: Lic. Wick. Der Schriftführer: Dr. Dinter. * PiuS H Geliebter Sohn, Gruß und apostolischen Segen! Was Wir in Unserm Briefe an den Capitular-Vicar der Kirche zu Mainz unter dem 10. deS vorigen Monats Februar schon kundgegeben, dasselbe, geliebter Sohn, bekräftigen Wir wiederholt und gern in diesem Schreiben: daß UnS nämlich der von Dir und andern trefflichen Männern Deutschlands gefaßte Plan zur starkmüihigen und eifrigen Vertheidigung der Sache GoiteS und der Kirche zumal bei der so großen Umwälzung der Dinge und Zeiten zum Wohlgefallen gereiche. Denn die schwerste Betrübniß zehrt an Unserm Leben Tag und Nacht, wenn die der katholischen Sache drohenden Gefahren Unserm Geist vorschweben, besonders im Hinblick auf jene zügellose Frechheit, welche ungestraft so weit hin herrscht, und vermöge welcher die Kinder deS Verderbens durch ihre giftigen Schriften unheilschwangere Lehren zu verbreiten und den schändlichsten Irrthümern Eingang zu verschaffen bemüht sind, um die Gläubigen vom katholischen Glauben und der Befolgung der göttlichen und kirchlichen Gebote abzuführen und sie dem der ges.tzlichen Gewalt schuldigen Gehorsam zu entfremden. Als Wir daher den Brief vom 6. Ociober v. I. empfingen und Kenntniß nahmen von-den Gesinnungen der Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands, welchen nach Deiner Versicherung nichts anderes am Herzen liegt, als unter der Obhut deS heiligen Stuhles die Sache der heiligen Religion und ihre Rechte mit Freimulh zu schützen und zu verfechten, so konnten Wir nickt umhin, aus Eurem Eifer und Eurer Sorgfalt Trost zu schöpfen und Euer aller Bemühungen zu diesem herrlichen Zweck lobend anzuerkennen. Doch möget Ihr in dieser äußerst gefahrvollen Zeit vor Allem dafür Sorge tragen, daß Ihr die Richtschnur, welche Ihr selbst in Eurem Schreiben in so trefflichen Worten bezeichnet, um jeden Preis festhaltet, nämlich daß Ihr jeglichen Verdacht politischen Treibens mit Abscheu abweisend durch Eure Bestrebungen an Tag leget, wie Eure Frömmigkeit - und Eure Sorgfalt beschaffen und von welchem Eifer Ihr erglüht zur Erlangung und zum Schutz der Freiheit der Kirche, der einzig wahren Braut deS unbefleckten Lammes Jesu Christi, welche er mit seinem eigenen Blut sich erkauft hat. Währenv Ihr ferner darauf hinarbeitet, daß Gott gegeben werde, waS GotteS ist, saßt auch, wie sich'S ohnehin für katholische Männer ziemt, den andern Satz des göttlichen GcboteS inS Auge und zeigt Euch beständig bereit, dem Kaiser zu geben, waS deS Kaisers ist. Wir hegen die festeste Hoffnung, cS werde Euch mit der Gnade GotteS, von welchem aller Schutz und Schirm zu erwarten, glücklich nach Wunsch gelinge», daS zu erreichen, waS Ihr zu seines heiligen NamenS größerer Ehre und zum Gedeihen unserer heiligsten Religion nach Eurem so evlen UnS abgelegten Bekenntnisse sucht. WaS nun zum zweiten Dein Schreiben vom 1. Februar betrifft, so suhlen wir UnS, geliebter Sohn, gedrungen zu der Antwort, Du mögest fortfahren den allmächtigen Gott auf alle Weise zu bitten und zu beschwöre», damit die Tage unserer bittersten Bedrängr.iß abgekürzt werden. Gott selbst wollen wir mit beständigen Seufzern und häufigen Gebeten angehen, er wolle nicht die ihm und seiner heiligen Kirche zugefügten Unbilden (Beleidigungen) einst durch allgemeines Ungemach sühnen, und wollen in Anbetung der unersorschlichen Rathschlüfse dessen, der dieses zuläßt, erwarten, daß er sein Angesicht wende auf sein verwüstetes Heiligthum. Unterdessen ertheilen Wir zum Zeugniß Unseres Wohlwollens gegen Dich und jene katholischen Vereine und zum Unterpfand deS himmlischen Schutzes, Dir geliebter Sohn und jenen irr innigster Theilnahme Unseres väterlichen Herzens den apostolischen Segen. Gegeben zu Gaöta am 27. März 1849. Im dritten Jahre Unseres OberhirtenamteS. PiuS 1'. k. IX. Anrede, mit welcher die vom PiuSverein in Oberschneiving best Straubing in Nied erbayern am Pfingstdienstag, den 29. Mai 1819 berufene Volksversammlung eröffnet wurde. (Gesprochen von einem Laien.) Herzliche Liebe, freundlichsten Gruß, Verehrte Mitbürger, liebe Freunde und Bruder allgesammt! . Friede und treu inniges Zusammenhalten in guten und schlimmen Tagen unter Allen, die den festen Willen haben, zu stehen bei GotteS Gebot, bei Christi unseres Herrn heiliger Lehre, bei Recht und Gerechtigkeit, bei Treue und Gehorsam gegen Gesetz und König, und gegen jegliche von Gott verordnete Obrigkeit! Aufrichtiges Wohlwollen auch Allen, die nicht mit unS, die nicht guten, die verkehrten Willens sind, deren Anschläge wider unö sind! Fern sey jeglicher Haß, fern jegliche Leidenschaft gegen irgend Einen von denen, die unsere Brüter sind Lurch die Erschaffung, durch die auch für sie vollbrachte Erlösung, durch den auch für sie in diesen herrlichen Tagen herabgesandten göttlichen Geist der Heiligkeit. Und hätten sie auch den Geist GotteS nicht empfangen, und hätten Ihn von sich gewiesen, und hätten dem Heiligen Geiste — eS ist erschrecklich zu sagen — geflucht, so sey daS Gericht bei Gott; bei unS aber sey Barmherzigkeit und Liebe, und bis zum letzten Lebenshauche nur daS eine, kräftige Streben, auch die verirrten und falschen Brüter wieder zu gewinnen, unv mit unS zu vereinigen. DaS ist das wahre Streben nach jener Einigung, nach jener Kräftigung unseres lieben Vaterlandes, nach jener Einheit und Kraft, von welcher in unsern Tagen so manches edle Herz erfüllet ist, und von welcher jeglicher Mund überfließet. Nach diesem freundbrüderlichen und christlichen Gruß an unser gesamm- teS gottgesegneteS Bayerland, und an das gesammte große deutsche Vaterland, bitte ich Euch, Verehrte Freunde unv Brüder, mir nur aus eine kurze Weile das Wort zu gönnen, und mir mit Wohlwollen, und besonders mit Nachsicht, deren tch bedürftig bin, zuzuhören. Mehr als driithalbtausend Jahre sind eS, da schaute ein von Got* G l.S8 erleuchteter heiliger Seher weit hinaus in die Zukunft, Leiliaer Beaeisterung: irurgo, illuiniimro, ^oru-alvin; und da rief er in heiliger Begeisterung: 8urgo, illuininaro, Uoru»alvin; guis venit lumon tuuiu ot gluria Uoimiri 8Uj leuchte, Jerusalem; denn eS i st gekommen dein Licht, und der Glanz des Herrn ist über dich aufgegangen!" Und, setzt Jsaias hinzu: Ht Llinbulubuut gonto8 ln lulnino tuo, „und Böller werden wan- deln in deinem Lichte;" und dann sagl er noch weiter: k.uva in cir- «nilu 0 LN >08 tuu8 ot viele: omin.-8 i8li ooiigrogaU 8unt, vouoruut Ubi: ,Heb' auf ringsum deine Augen, und schaue; Alle diese von Tage zu Tage mehr und mehr verwirrt und verschlechtert, und nur haben sich versammelt, und sind zu dir gekommen!" Fürwahr,, darum ist Alles, was zur Heilung und Besserung derselben versucht und liebe Freunde und Bruder, wenn es an irgend einer Stelle in heiligen gethan worden ist, und noch wird, und nur darum sind alle zur Erleich- odcr weltlichen Büchern und Schriften einen Spruch gibt, der zu unserm leimig deö materiellen Nothstandes «„gerathenen und angewandten Mittel heutigen Feste paßt, so ist es der eben vernommene Spruch aus JsaiaS bis heule erfolglos geblieben, und nur darum finden wir unS in allen dem Propheten: und wenn auch jener Spruch zunächst sich beziehet aus die unsern zeitlichen Veryälinissen heute gleichsam auf die äußerste Spitze ge- Erscheinung deS Heilandes und auf Seine Verherrlichung unter den Völ-^ trieben und an den Rand eines entsetzlichen Abgrundes gedrängt, weil, und Zeitlichkeit, d. i. Staat, Gesellschaft und Haus, von einander reißen. Und das, liebe Freunde, das ist, nach den ergiebigen Vorarbeiten deS vorigen JahrhunderS, durch die von Gott getrennte Wissenschaft der gottlosen Philosophen, der Freimauerer und Jlluminaten, der vermeintlich auf. geklärten Plostssoren, Jugendlehlcr und Schulmeister, auch, und das verschweige ich nicht, vieler verweltlichten Priester, in unserm Jahrhundert gelungen; unsere zeitlichen Verhältnisse sind von dem Christenlhume losgerissen; und darum, uno nur darum haben sich dieselben seit 50 Jahren hebet auf ringsum euere Augen, und schauet! Schauet die unermeßliche Wirkungen deS nun einmal in unserer Welt überall vorhandenen Bösen Menge, deren Zahl Viele, viele Tausende ist: sie Alle haben sich versam-^nicht zu widerstehen vermögen. Ich sage eS, und bin davon innigst über- melt, sie Alle sind gekommen, vor allen Dingen durch ihre Gegenwart zu zeugt, und die Weltgeschichte hat eS mich im Verlaufe ihrer Jahrtausende bekennen, daß sie bei Gott dem Vater, bei Jesu Christo und bei dem heiligen Geiste halten, leben und sterben wollen; zu bekennen, daß ihre Ehre ist im Namen Christi, und ihr Ruhm im siegreichen Kreuze; zu bekennen, baß sie unbekümmert um Hohn und Spott der Widersacher, unrer dem Panier des Kreuzes siegen oder sterben wollen: und Keiner von ihnen ist, der nicht freudig und frohbegeistert einstimme m den Jubelruf: „Gelobt sey Jesus Christus!"*) . Ueber alles Erwarten herrlich habt ihr eingestimmt in den Jubelruf zum Preise Christi! Ist darum nicht diese Versammlung eine wahrhafte..Erscheinung Seiner Herrlichkeit? Wohlan denn. so erhebe dich, du mit feierlichst begrüßte christliche Ver- sammlung, erhebe dich, uno leuchte; denn hier ist dir dein Licht gekommen, und der Glanz Gottes ist über dich aufgegangen! Du feierst hier ein Herr- licheS Pfingstfest, und gibst Zeugniß von der allmächtigen Kraft des Gei- fieö, der über dich auSgegossen wurde: du feierst auch das Pfingstfest, das Fest der Erstlinge des allen Bundes: denn diese Versammlung ist die klar erkennen lassen, so lange nicht wieder die Staatsbürger Christen, und die menschliche Gesellschaft christlich, und die Familien Pflanzschulen deS Christenthums sind, so lange nicht Staat, Gesellschaft und Familie, Jegliches innerhalb deS Kreises seiner Wirksamkeit das Christenthum frei und unbeirrt walten, und sich selbst durch baS Christenthum gestalten und von dem Christenthum durchdringen läßt, so lange kann in Staat, Gesellschaft und Familie der Geist der Ordnung nicht zurückkehren, und eS kann nicht Ruhe und Friede werden; und, daß ich mich wieder eines BildeS bediene, das Schiff unserer Zeitlichkeit wird von dem Sturme der wild auslosenden Wogen verschlungen werden, wenn wir eS noch länger verschmähen sollten, den Nothanker auszuwerfen, und unser nothleibendeS Schiff an den Anker der Erbarmung, wie die Seeleute sprechen, anzuhängen, daS heißt, wenn wir nicht bald, bald die Rettung dort suchen, wo allein sie zu finden ist, nämlich in der Rückkehr zu unserm so leichtsinnig verlassenen Christenthume. Seht, liebe Freunde, darum habe ich, ein weltlicher Redner, einen erste, sie ist das Opfer der Erstlinge in diesen reich gesegneten Fluren, l christlichen Rebeton vor euch angestimmt, und Jeder, der eS gut meint mit Ja, Ja, daS Volk deiner Brüder, nahe und fern, muß wandeln in der-!der Menschheit, und Jeder, der Erbarmen trägt mit den schweren Drang- nein Lichte, und die Fürsten der Finsterniß werden weichen: denn, so sang!salen, welche unsere Gesellschaft betroffen haben, Jeder, der da helfen in diesen Tage» die Kirche, und so wird sie noch einmal singen: „Wenn!möchte, Noth und Elend unserer Zeit zu lindern, der kann gewiß nichts sich der Herr erhebt, so werden zerstreuet Seine Feinde, Besseres thun, als für sich selbst und vor Anderen, und bei jeglicher Grund eS fliehen vor Sein ein Ange sichte die, so Ihn h assen!"! legenheit in die christliche Rede einzustimmen, und durch die That und Aber, liebe Freunde und Brüder, ihr wundert euch vielleicht, und!durch selbsteigeneS christliches Handeln und Wirken zu beweisen, daß seine christlichen Worte und Mahnungen nicht bloß leere Reden sind. Und damit ich nun auch an einem Beispiele recht praktisch und deut. lich zeige, wie all unser politisches Streben, getrennt von Religion und Christenthum, nicht nur eitel und fruchtlos ist, sondern gerade zum Gegentheile des erstrebten Gutes hinführt, so will ich bei dem allgemeinen Lo- fraget mich: Wozu alle diese deine frommen, geistlichen Reben, da wir von dir, dem Laien und Weltmanne, vielmehr weltliche, politische, unsere bürgerlichen und geselligen Verhältnisse berührende Reden zu vernehmen hofften? Die Religion gehört in die Kirche, und um sie zu verkündigen, haben wir unsere Priester. So rede denn du von dem, was deine Sache ist, und greife nicht mit ungeweihter Hand nach dem Heiligthume deS, sungSworte unseres Jahrhunderts,'und zumeist unserer sturmbewegten Tage, Priesters! Liebe Freunde, solche und noch viel andere Einreden müßte ich ^-stehen bleiben. Freiheit, Freiheit! daS ist daS Zauberwort, daS die mir wohl fürerst gefallen lassen, wenn Ihr sie erheben wolltet. Fern von! Welt nach allen vier Winden hin in die gewaltigste Aufregung bringt, daS mir sey eS, mit unheiliger Hand daS Heiligthum zu entweihen, oder mitj selbst die Besonnensten unter unS gleichsam zu einem rasenden Veitstänze frecher Anmaßung mich einzudrängen in daS Allerheiligste, ohne dazu beru-^zu verhexen vermag. Und die Freiheit, daS ist etwas so Schönes, so fen zu seyn gleich Aaron! Aber, merket auf und erkennet mit mir, was Liebliches, so der menschlichen Natur Angemessenes, daß der nicht werth ^ ^ ' ' ' könnte. Freiheit Freiheit kann die - , ., . „ , . > die hohe Würde zwar nicht nur im Allgemeinen auf einer sogenannt christlichen Sittenlehre > ihrer ewigen Bestimmung erreichen. DaS Heidenthum erkannte keine Frei- ohne Glauben und Gottesdienst und Kirche, sondern auf dem ganzen unzer-^heit deS menschlichen Gesetzes, und dieß brauche ich nicht erst zu beweisen: theilten, geoffenbarten, positiven Christenthume mit seiner ganzen Glau-! das Christenthum aber ist gekommen, und hat die Menschheit frei gemacht; LenS- und Sittenlehre, mit seiner Kirche und seinem Gottesdienste. Und! dieses beweise ich ebenfalls nicht: wer eS nicht weiß, daß die Menschheit Liese Grundlage deS Christenthums ist für den Bau unserer Staaten, un-! durch den Sieg des Christenthums befreit, und nach und nach im Ver- serer Gesellschaft und unserer Familie etwas so absolut Wesentliches, daß ^ lause der christlichen Wiedergeburt durch die Kirche in die volle Freiheit mit dem Schwinden des christlichen Unterbaues daS ganze Staats-, gesellige und Familicngebäude nothwenig in Trümmer zerfallen muß. DaS aber ist der große, entsetzliche, auf unserm Jahrhundert lastende Fluch, eingesetzt worden ist, wer dieß nicht weiß, der mag eS aus der Geschichte lernen, oder einstweilen glauben, oder — auch nicht glauben. Diese . , .... ... , . . __ Freiheit aber stand im Christenthum unzertrennlich verbunden mit der Ge- Laß daö unausgesetzte Streben desselben dahin geht, den Staat, die Ge-^sctzmäßigkeit: „Freiheil und Gesetzmäßigkeit" das ist der durchaus sellschaft und das Haus von jener christlichen Grundlage zu verrücken, christliche Wahlspruch unseres Allerdurchlauchtigsten KönigeS. Keine Frei- unv für dieselben einen anderen, angeblich selbstständigcn Unterbau aus!hrit ohne Gesetzmäßigkeit; denn Gesetzlosigkeit, oder schrankenlose sogenannte ihnen selbst herauSzubauen und unterzuschieben. Man will Christenthum Freiheit ist Willkür jedes Einzelnen, d. i. unvermeidliche Knechtschaft Aller. Darum entstand und bestand und blühete die Freiheit im Christenthum von mehr als 5000 Versau,' vermöge deS strengen und freiwilligen Gehorsams gegen die Gebote Gottes und gegen die Gesetze der von Gott verordneten weltlichen, wie geistlichen. Obrigkeit. DaS Christenthum wieß einen Jeden, weß Geschlechtes, Stau- ') Bei dicscn Worten brach die unermeßliche Menge von mehr als 5000 Bersam- mkllcnnilt entblößtem Haupte in den dreimaligen Jubcirus aus: „Gelobt sey Jesus Christus!" ' SS deS und Alters er war, zu seinen Pflichten an, und durch die willige Erfüllung der Pflichten des Einen waren die Rechte des Andern, und in der Gesetzmäßigkeil Aller die Freiheit Aller sicher und geborgen. Die Feinde deS Christenthums begriffen dieses Wechselverhältniß nicht, oder Wollten es nicht begreifen. In Frankreich, ihr wißt eS, wurde im vorigen Jahrhundert das Christenthum in großen Massen deS Volkes nach und nach aufgelöst; in der ersten französischen Revolution wurde es zu Grabe getragen; selbst der liebe Gott wurde abgesetzt, und die befreite menschliche Vernunft in einem sauberen sehr handgreiflichen Abbilde als Göttin auf den Altar gehoben. Die Freiheit aber, für welche sich die Massen erhoben hatten, die Freiheit, ihr wißt es auch, wurde eine furchtbar grausame Hyäne, welche sich in dem Blutstrome von hunderltausenden unschuldig erwürgter Scklacht- opfer gütlich that. Wie war daS gekommen? So war es gekommen: man hatte die Freiheit losgerissen von der christliche» Gesetzmäßigkeit; da stürzten Thron und Altar, und auf ihren Trümmern erhob sich die Schreckens? Herrschaft schrankenloser Willkür zur erbarmungslosen Knechtung Aller. Und schauen wir etwas weiter herüber in die Begebnisse unserer Tage! Hat die Befeindung deö Christenthums und der Kirche in der Schweiz die Sache der Freiheit gefördert? Unsinn oder Lüge, oder beides zugleich wäre cS, solches zu behaupten: Zwingherrschaft des RadicaliSmuS, Unterdrückung deS eigentlichen Volkes durch die rohe Gewalt der augenblicklichen Macht. Haber, Raub, Gewaltthat an Leib und Seele, allgemeine Unsicherheit, das sind die Zustände der Schweiz. Ist das Freiheit? Und was wir von den Feinden der Pfaffen und Jesuiten, wie jetzt der Sprachgebrauch ist, in Wien, in Turin, in Florenz, in Rom, in Frankfurt, und noch hier und dort erfahren haben, wie sie LichnowSky, Auerswald, Latour und Rossi ermordeten, wie sie die armen Schildwachen auf ihren Posten mit verrätherischer Schießbaumwolle unversehendS und unbemerkt niederstreckten, wie sie sengten und brennten, und gewaltig thaten in allem Uebermuthe deS frechen Wortes und ihres ruchlosen Werkes: ich frage euch, liebe Freunde, ist das Freiheit? Und wenn im Namen der Freiheit die Priester und die.christliche Geistlichkeit aus der Schule ausgewiesen werden, wenn freisinnige Schullehrer, wie sie in Hünseld und noch hier und da zu Rathe saßen, LoSreißung der Schule von der Kirche verlangten, und dadurch euern armen Kindern Schulen ohne Religion und Erziehung, ohne Christenthum, zu euer Aller Schrecken in Aussicht gestellt wurden; so frage ich abermals: Ist das Freiheit? Und wenn Julius Fröbel, einer der Abgeordneten zur Nationalversammlung in Frankfurt, den Glauben an das Daseyn Gottes und an die Unsterblichkeit der Seele und die Fortdauer nach diesem Leben abgeschafft wissen will, wenn nach seinem Willen die Ehe aufgehoben und freier, gemischter und durchaus unbeschränkter Verkehr der Geschlechter eingeführt, dabei auch kein Eigenthum deö Einzelnen und besonders kein Erbrecht gestattet seyn soll; so frage ich, um euch nicht weiter zu ermüden, zum letzten Male, ist daS Freiheit? Und nun, liebe Freunde, überlasse ich es euch selbst, die zehn Gebote Gottes der Reihe nach durchzugehen, und dann werdet ihr, ohne sonderliche Mühe und Anstrengung eueres Verstandes, erkennen und begreifen, daß jegliches Gebot, wenn es gehalten wird, mittels der Gesetzmäßigkeit die wahre Freiheit fördert, und daß jegliche Uebertrctung irgend eines der Gebote, vermöge der Nngesetzmäßigkeit, die Freiheit bedrohet, und in letzter Folge zerstören muß. Oder meinet ihr, wenn das erste und daS zweite Gebot aufgehoben wären, und wir nicht mehr an Einen Gott glaubten, auf Ihn hofften, Ihn über Alles lieben und anbeten, und Seinen Namen über Alles heilig halten müßten, glaubt ihr, dann würde Freiheit seyn, oder seyn können in der Welt? Schaut nach Rom, wo im Jahr .1527 daS gegen die sogenannte heilige Liga und gegen die beklagenswerthe Politik des Papstes Clemens VII. siegende bourbonische Kriegsherr sich nach der Erstürmung Roms in wildem Uebermuthe überstürzte, und die christlichen Heiligthümer entweihte, und GotteS und Seines heiligen Na- menS vergessen, hatte in schrankenloser sogenannter Freiheit; schauet nur, welch eine furchtbare Schreckensherrschaft dort von der entfesselten Ruch- losigkeit sieben Monate lang geführt wurde. Und in HildeSheim, wo im Jahre 1513 zuerst die Schneider, und sodann, deren Beispiel folgend, die übrigen Handwerker das Bild des Kreuztragenden Heilandes der Reihe nach auf die verschiedenen Zunflhäuser brachten, und unter den entsetzlichsten Gotteslästerungen verhöhnten, und den betrübten Heiland spottend zur Theilnahme an ihrer wilden Ausschweifung einluden; Freunde, wir wissen es, zu jener Zeit war in Hildesheim Niemand frei, als nur die schmutzige, verliederlichte Rotte der Gottlosen. Und als zu Münster in Westfalen, jener altkatholischen, getreuen Stadt, jenem köstlichen Edelsteine in dem Geschmeide der Braut des Herrn, der Vaterstadt der erlauchten Brüder Clemens August und Caspar Mar Droste zu Vischering, als in Münster i. I. 1535 der König der Wiedertäufer Johann Bockhold, der Schneider von Leiden, mit seinen vierzehn Weibern, seine ruchlose königliche Herrschaft über sein himmlisches Reich bis auf die äußerste Spitze trüb, wir wissen eS, wie da in dem Reiche der Freiheit daS Blut von Freund und Feind je nach des Befreiers königlichem Willen in Srrömcn floß. Ich schweige von Frankreich und von den Dlutgräueln, welche im Namen der von den drei ersten Geboten GolteS enthobenen Freiheit verübt wurden. Und wie, mein Freund, der du, wie ich, und wie wir alle arbeiten mußt, ist nicht daS drille Gebot von der geheiliglen Ruhe deS SabbateS ein Gesetz zum Schutze deiner Freiheit? Erreiche das dritte Gebet aus, so knechtest du Jahr auS Jahr ein, und du bist der elendeste Sclave, magst du für dich, oder für andere arbeite», und deine eigene verblendete Selbstsucht, oder die Härte erbarmungelvser Dienst-, ArbettS« und Fabrikherren wird dich nie mehr von deiner Sclavenketle loslassen. Und streiche daS vierte Gebot, so werden dich deine Kinder, wen» du ihnerr im Wege stehst, auS dem Hause werfen, und dich sehr praktisch belehren, waS die Freiheit ohne GolteS Gebot ist Und in dem fünften, dem sechsten und dem siebenten Gebote, da findest, du deinen Schutz und deine Sicherheit gegen Gefährdung deS Lebens und der Gesundheit des LeibeS wie der Seele, gegen Entwürdigung deiner selbst und deS Abbildes Gottes in dir durch das Häßlichste, daS dick zum Thiere erniedrigen würbe: ja auch dein Eigensinn ist dir gesichert gegen die Gewaltthat derer, die dazu eiir ungerechtes Gelüste verspüren möchten. Und damit selbst nicht böse Lust gehegt werde nach Dingen, die zu thun oder zu besitzen verboten sind, und die wachsende Lust nicht unversehendS zur That überspringe, darum ist im neunten und zehnten Gebote selbst jegliche ungerechte Lust verboten, auf daß du ganz sicher und frei seyn könntest unter dem Schirme einer treuen Gesetzmäßigkeit. Endlich, damit nicht daS Gift der Verleumdung und die Kunst der Hölle, d. i. die Lüge, dir schade, so verbleiet daS achte Gebot daS falsche Zeugniß, und mit demselben jegliche Lüge und ungerechte, unwahre Rede wider den Nächsten. Kurz, lösche die zehn Gebote aus und vernichte ihre, zu strenger Gesetzmäßigkeit verbindende Kraft, so bist augenblicklich mit zehnmal zehn Sklavenketten gebunden, und jeglicher Freiheit bar und ledig. Wohlan, liebe Freunde und Brüder, so stehet bei den Geboten GotteS, bei Christo und Seiner Kirche, wo diese Gebote, und i» denselben die christliche Gesetzmäßigkeit, die.Grundlage so wie die Richtschnur für alle zeitlichen Verhältnisse sind. So bleiben wir treu vereint in der Gesinnung, in welcher wir heute zusammen gekommen sind, und wirken also mit vereinter Kraft, und stehen, leben und sterben mit Gott, für unsern lieben König, und für unser theureS Vaterland! Die AuswanLerungsfrage, eine Angelegenheit der katholischen Vereine Deutschlands. (Schluß.) Sind die Gründe, welche auf politischem und socialem Gebiete dem Vereine die Uebersiedclungen nach den untern Donaugegenden als eine seiner lohnendsten Aufgaben nahe legen, sehr in die Augen springend, so sind eS die religiösen Interessen nicht minder, welche einerseits die vollste Berücksichtigung verdienen. Der Verein ist zwar kein kirchlicher, d. h. kein Verein, der sich die Belebung LeS kirchlichen Sinnes hauptsächlich zur Aufgabe gestellt, oder für die Kirche einen wettern Boden zu gewinnen den «Beruf hat; allein er ist ein katholischer, d. h. seine Mitglieder gehören ^ in jeder Beziehung der katholischen Kirche an und sagt deßhalb daS Statut j 8- 12 cl: „Der Verein fühlt sich als Glied deö gesammten Körpers der ! Kirche und empfindet die Freude und den Schmerz jedes andern Gliedes. ! Er wird deßhalb bei großen, die Kirche und ihre Anliegen ergreifenden i Ereignissen, in welchem Theile der Erde sie stattfinden, seine Sympathien « an den Tag legen und die gerechte Sache mit Rath und That in brüderlicher Liebe unterstützen." 'ÄZenn daher irgendwo die Interessen der katholischen Kirche die Aufmerksamkeit deS VercineS auf sich ziehen, so ist eS vorzugsweise Ungarn, ^ wohin derselbe sieb durch Rath und That zu wenden hat. Nicht nur , daß «dieses Land ein seltenes Gemisch von Religionen und Konfessionen in sich birgt, ist dort auch, wie fast in keinem andern Lande, durch den Jndiffe- rentiSmuS unter dem Adel und dem Bürgerstande und durch die furchtbare materielle und geistige Knechtschaft deS Bauernstandes, verbunden mit einer Verkommenheit des Klerus, der erst in jüngster Zeit durch würdige Bischöfe Einhalt gethan worden, das katholische Leben entsetzlich untergraben und der wohlthätige Einfluß der Kirche fast ganz vernichtet worden. Noch steht zwar äußerlich dort die katholische Kirche auf der alten politischen Grundlage, und ist dieselbe im Besitze von unermeßlichen Gütern und ! Stiftungen; allein daS politische Gebäude, auf welches ihr Besitz gegrün-- det worden, ist morsch, eS wird bald zusammenbrechen unter den anstürmenden Wogen der Revolution, und diese wird nicht nur das verschlingen, waS die Kirche immerhin entbehren kann, sondern auch daS innerste Heilig- thum nicht schonen, wie fie im Laufe weniger Jahrzehnte eS fast in allen Ländern bewiesen. Wenn da, im Angesichle solcher fast unabwendbaren Gefahren, der katholische Verein nicht den Beruf in sich fühlt, der katholischen Kirche und in ihr seinen bedrohten Brüvern hilfreiche Hand zu reichen, und zu wahren und zu retten, waS beschützt oder erhalten werden kann, da findet er diesen Beruf auch nirgendwo. Es kaun und darf unS Katholiken Deutschlands schon um unserer selbst willen nicht gleichgiltig seyn, wie die sachlichen Verhältnisse an der untern Donau sich gestalten, denn sie hängen fast unmittelbar mit den unsrigen zusammen, und das erst so recht, wenn die politischen Gränzen fallen, welche dort gegen unS bisher bestanden haben. Besser aber vermögen wir die Interessen der katholischen Kirche dort nicht zu wahren, als indem wir durch Gründung ächt- katholischer Gemeinden dem kirchlichen Leben feste Anhaltspuncte schaffen, von denen auS dasselbe am ehesten reinigend und belebend auf die ältern Gemeinden einwirken kann. So würde der katholische Verein auf den drei Hauptgebieten der heutigen Gesellschaft, dem politischen, dem socialen und dem kirchlichen sich einen Wirkungskreis schaffen, der in seiner Anlage und in seinem Umfange Alles überbietet, waS bisher auf dem Wege der freien Association erreicht worden; allein er nur in seiner, auf katholischem Boden ruhenden Grundlage und in seiner tausendfältigen, daS ganze deutsche Volk und Land umfassenden Gliederung ist einer solchen Aufgabe gewachsen. Nimmt er dieselbe auf, so reiht er sich den segensreichen Institutionen, die fast in allen Jahrhunderten dem Boden der katholischen Kirche entsprossen, würdig an und die Erfolge seines Streben« werden nicht im politischen Strudel verschwinden, sondern sich bleibend einprägen in jene Gestaltungen, die auS den gegenwärtigen Kämpfen und Bewegungen hervorgehen. Unterliegt eS keinem Zweifel, daß die Uedersiedelung von Deutschen auS übervölkerten Distrikten in die untern Donauländer eine würdige Aufgabe deS katholischen VereineS ist, so fragt es sich zunächst, wie dieselbe auszuführen wäre. Daß jede Gemeinde vor Allem ein Interesse hat, sich der Mittellosen zu entledigen, ist keine Frage, und würde der Verein nothwendig gegen diese insbesondere seine Theilnahme richten, ohne gerade zu versäumen, auch Bemittelte für dle Uedersiedelung zu gewinnen. Der Umschwung in den gewerblichen Verhältnissen, in dem Gemeinde- und Armenwesen:c. ist in unserer Zeit ein so gewaltiger, daß durch ihn die Zahl der UnterstützungS- bedürftigen inS Unendliche sich gesteigert und kaum auf einem andern Wege, als auf dem der Uebersiedelung, eine durchgreifende Heilung erreicht werden kann. DaS drückende Uebergewicht deS Geldcapitales und die übermäßig gesteigerte Arbeiterbevölkerung sind nicht auf dem einfachen Wege der Reform in Einklang zu bringen und muß zunächst der Arbeitskraft weiterer Raum gewonnen werden. DaS furchtbare Elend der Arbeiter- bevölkerung, daS ganze Proletariat entsteht (materiell) größtentheilS dadurch, daß der Arbeiter weder ein Stückchen Erve, noch eine Hütte besitzt, um die nothwendigste Nahrung und daS unentbehrliche Obdach sich zu sichern, und daß sein Lohn in der Regel ein zu karger und unbeständiger ist. Die unzureichende und verderbliche Einrichtung deS ArmenwesenS, dem brodlose Arbeiter stets anheimfallen, wirft diesen alsbald in den furchtbaren Schlund deS PauperiSmuS, auS welchem sich wenige zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft wieder erheben. Die materielle Noth überliefert den bis zur Verzweiflung Gesunkenen allzuleicht dem geistigen Verderben, und darf eS nicht wundern, daß Jrreligiösität, Siltenlosigkeit und Verderben auf eine schaudererregende Weise überhand nehmen. Diesen allgemein herrschenden Uebeln der Gesellschaft ist, wie bemerkt, erst dann mir Erfolg entgegenzuwirken, wenn für die Thätigkeit deS Einzelnen mehr Raum und wo möglich ein eigenes Lcsitzlhum gewonnen wird; waö wieder für uns nur durch Auswanderungen zu erreichen wäre — ein Heilmittel, zu welchem gegenwärtig sich Tausende fast instiiictarti'g hindrängen. Indem also der Verein diesen Drang zur Besserung der gesellschaftlichen Zustände zu regeln versucht, verdient er vorzüglich die kräftigste Unterstützung der Gemeinte» und aller Derer, die zum allgemeinen Wohle etwas beizutragen vermögen. Wie bei allen, in daS ganze Leben deS Volkes tiefeingrcifenden Unterneh mungen, so hängt anch hier vieles von der Art und Weise ab, wie der Verein diese Angelegenheit in die Hand nimmt. DaS ganze Unternehmen ist ein zu großartiges und sind die Verhältnisse weder hier noch in den Donauländern zu wenig demselben entsprechend geregelt, um alsbald dasselbe mit aller Kraft aufnehmen und durchführen zu können. Der erste Schritt deS VereineS in dieser Unternehmurg wäre: die Bildung eines Comitä's in jedem Vereine, der sich dem katholischen Vereine einverleibt und von dem der Verein deS Vorortes (oder eines andern durch besondere Verhältnisse dazu etwa mehr geeigneten) daS CentralcomitS bildete. Diese Comitä's empfingen zunächst die Aufgabe: 1) in ihrem Bereiche eine tabellarische Liste derjenigen anzufertigen, die sich zur Uebersiedelung entschließen und in diese Liste alle Bemerkungen (besonders über Vermögens- und Berufsverhältnisse) aufzunehmen, die für die Uebersiedelung von Bedeutung sind. 2) Freiwillige Beiträge in Geld und brauchbaren Gegenständen für unbemittelte Uebeisiedeler zu erwerben. DaS Centralcomilä würde außerdem sich mit dem österreichischen Ministerium in Verbindung setzen, um alle jene Erkundigungen einzuziehen (über die verfügbaren Landstriche, die Bedingungen ihrer Uebergabe rc. rc.), deren eS von dorther bedarf. Nach Ablauf einer gewissen Frist senden die Vereine ihre Verzeichnisse der zur Uebersiedelung Entschlossenen an daS Centralcomilü ein, so daß dieses auS denselben eine Uebersicht der Zahl und der Verhältnisse der bis dahin angemeldeten Uebersiedler erhielte. Im Besitze dieses ersten Resultates der Tkätigkeit wäre das Centralcomitä in Stand gesetzt, die weitem Schritte anzuordnen und zu thun und, je nach dem ermittelten Bedürfnisse, durch sachkundige Agenten Plätze zu Niederlassungen aufzusuchen. Die Comltü'S würden dagegen mit den Gemeindevorständen in nähere Verbindung treten und, je nach der Zahl der unbemittelten Uebersiedeler, von ihnen Kostenbeiträge erwirken. Wo diese, so wie die freiwilligen Beiträge, nicht ausreichen für die Kosten und die Ausrüstungen der Uebersiedelung, da müßte durch den CentralauSschuß aus Staatsfonds der einzelnen Länder, oder aus der ReichScaffe ein Zuschuß nachgesucht werden; wie überhaupt nichts versäumt werden darf, um möglichst reiche Beisteuern zu erzielen. Eine weitere Aufgabe des Centralcomitä'S wäre eS nun, die aufgezeichneten Uebersiedeler je nach ihrem Berufe rc. (mit möglichster Berücksichtigung ihrer Wünsche) zu gruppiren, so daß jede Niederlaff ing in Zahl und Verhältniß diejenigen geistigen und materiellen Kräfte erhalte, deren sie zu ihrem Gedeihen bedarf. Ist auf diesem Wege eine Niederlassung vollständig zusammengestellt und ausgerüstet, so würde sie durch Vermittelung deS VereineS, unter besonderer Mitwirkung der auf dem Wege liegenden Einzelvereine, an den Ort ihrer Bestimmung gebracht und unter Leitung eines vom Centralcomitä dazu Erwählten geordnet und dann einer eigenen, auS ihr gewählten Verwaltung, nach der für sie geltenden Gemeindeverfassung, übergeben. Jede solche Niederlassung oder Gemeinde bildet alsdann ein Glied deS großen katholischen VereineS und bleibt mit diesem in der innigsten Verbindung. Dieß wäre in den wesentlichsten Grundzügen die Art der Betheiligung deS katholischen Vereines an der Uebersiedelung in die untern Donau- länver; eS wird genügen, um die Bedeutung und die Ausführbarkeit für den katholischen Verein zu prüfen und bedarf eS hier dicserhalb keiner weiter» Ausführung. Möge die Versammlung der katholischen Vereine dieses hohe Werk mit jenem Gottverlrauen und jener E-nmüthigkeit erfassen, deren dasselbe bedarf, wenn es der Kirche, dem Vaterlande, der Gemeinde und jedem Betheiligten zum Heile gereichen und dem Vereine selbst einen Einfluß .verschaffen soll, der in dem Herzen deS Volkes wurzelt und dasselbe nach allen Richtungen hin segensreich durchdringl! Köln, am 1. Mai 18ä9. Fr. Baudri. Deu tschland. Wien, 20. Juni. Vergangenen Sonntag wurde die hohe Versammlung der österreichischen Bischöfe geschlossen. Sie hielten, gerade wie am Tage der Eröffnung, einen feierlichen Einzug in die Ste- phanSkirche und wohnten dem Hochamte bei, bann begaben sie sich zur Schlußsitzung in den fürsterzbischöfllchen Palast. Bereits haben die meisten derselben Wren verlassen. Am l. Juli wird fast in allen Diöccsen die Veröffentlichung der feierlichen Ansprache an daö Volk und die Geistlichkeit erfolgen, welche die frommen Oberhirlen beschlossen haben. Auch an daS Ministerium sind ihre Anträge bereits ergangen, nun ist eS an diesem seine Versprechungen zu erfüllen und durch Genehmigung der bischöflichen Anträge der Kirche die Freiheit in der That zu gewähren, ohne welche fie nicht gedeihen kann. (Oest. Volksfreund.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- nementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2V kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer« den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2t> kr. Neunter' Jahr-gang. ^ 28 . 1. Juli 184». Erwiderung der hohen Versammlung der österreichischen Bischöse auf die Vertrauensadresse des Wiener Katholikenvereins. An den Wiener Katholikenverein für Glauben, Freiheit und Gesittung. Die versammelten Bischöfe haben in der Zuschrift deS Wiener Katholikenvereins mit Freuden den Ausdruck des frommen Muthes und der treuen kirchlichen Gesinnung gefunden, welche den Verein beseelen, und einen Beweis deS Vertrauens und der Theilnahme, die derselbe der Versammlung widmet. Sie erkennen in den katholischen Vereinen ein sehr wichtiges und heilsames Mittel zur Förderung und Befestigung deö religiösen und kirchlichen Sinnes in einer Zeit, welche die Vereine mit dem wirksamsten Erfolge für andere oft entgegensetzte Zwecke benützt, und sie erwarten von diesen Vereinen die gesegnetesten Erfolge, wenn sich dieselben innerhalb der Schranken halten, welche durch die Lehre und Verfassung der katholischen Kirche für jede Bewegung auf kirchlichem Gebiete gesetzt sind, und wenn sie auch die Bethätigung der katholischen Liebe im wirklichen Leben (durch Ausbildung der Wohlthätigkeitsvereine) anstreben. Mögen die katholischen Vereine in Oesterreich in diesem Geiste zahlreich und kräftig emporblühen! Der bischöfliche Beistand wird ihnen nicht fehlen. Wir müssen auch mit Rührung der frommen Gebete gedenken, welche für den gesegneten Erfolg unserer Berathungen, nach den Versicherungen der Adresse, von vielen Gläubigen täglich dargebracht wurden. Wir haben einen hohen Werth darauf gelegt, und wir selbst erflehen von dem Gotte alles Trostes, daß er den Segen erfülle und bekräftige, den wir hiemit über alle Mitglieder des VereineS aus der Fülle des Herzens auSsprechen. Wien, den 17. Juni 1849. Im Namen der versammelten Bischöfe: Friedrich, Cardinal und Fürsterzbischof. Die katholischen Vereine. *) ES thut Noth, diesen hochwichtigen Gegenstand immer wieder aufs Neue zur Sprache zu bringen, da die VereinSsache noch nicht so allgemein und mit jener Energie betrieben wird, wie sie eS verdient und wie unsere Zeitverhällniffe eS erheischen. Den kirchlich Gesinnten kann über die Zweckmäßigkeit der katholischen Vereine auch nicht mehr der leiseste Zweifel entstehen, nachdem das Oberhaupt der heiligen Kirche, unser glorreicher Papst Pius IX., dieselben gutgeheißen, nachdem die in Würzburg versammelt gewesenen Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands sie gebilliget und von da an die allermeisten Oberhirten in besondern Ausschreiben oder in ihren Pastoralbriefen sie dringend empfohlen haben. Für die Vereine stehet und spricht also die höchste Autorität. Die Ansicht der Indifferenten, der Gleichgiltigen ist von keinem Belange; denn wie sie vor der neuen Zeit, die mit dem letzten Jahre angebrochen ist, um daS Wohl und Wehe der Kirche sich blutwenig gekümmert, ja, wie sie gerade durch ihre Theilnahmlosigkeit einen guten Theil dieses Wehes, der unerquicklichen, traurigen Zustände mit herbeigeführt und dauernd gemacht haben, so liegt ihnen auch jetzt daS Schicksal der Kirche, ob sie mit Wunden bedeckt, ob sie sieggekrönt aus dem Kampfe hervorgehen wird, wenig am Herzen; sie haben höhere und andere Sorgen — wie sie ihre materiellen Interessen sichern und ihren irdischen Besitz .) Aus dem Katholik. sich unvermindert erhalten. Die Bitterkeit aber, womit die Feinde des Christenthums, der Kirche und aller socialen Ordnung die katholischen Vereine angreifen, der Höhn, der bei dem unscheinbaren Entstehen derselben um ihre Lippen spielte, der Aerger über daS unvermuthet schnelle Wachsthum, die grundlose Verdächtigung, daß durch sie der Reaction in die Hände gearbeitet werde — all dieß sind bündige Zeugnisse dafür, daß die Vereine ihre Aufgabe erfüllen, daß durch sie manche und viele Elemente gerettet worden sind, die auf eine andere Weise den Gefahren, dem Verderben nicht entrissen werden konnten. Der Wunsch und daS Streben, die Freiheit der Kirche, deS Unterrichtes und der Erziehung mit vereinten Kräften zu erringen, hat zunächst die katholischen Vereine inS Leben gerufen; die Stimme von vielen Mil« lionen Katholiken Deutschlands konnte, durfte nicht überhört werden; ihren Forderungen wurde, wenn auch nicht im größtmöglichen Maaße, Rechnung getragen, die Freiheiten und Rechte der Kirche sind anerkannt — aber von da bis zur wirklichen Durchführung im Leben ist noch ein großer, ein mühevoller Schritt. Wohl haben diesen zunächst die Bischöfe zu thun, wie sie denn auch nach gemeinsamer Berathung schon jetzt, mit Vorsicht zwar, aber auch mit Entschiedenheit die neue Bahn betreten haben; ihnen vor Allem liegt ob, strenge Wache zu halten, daß von den anerkannten Rechten und Freiheiten der Kirche nicht die eine oder daS andere unter der Hand wieder entzogen oder durch allerlei Wendungen und Maaßnahmen wirkungslos oder gar unnütz gemacht werde; aber in Diesem Wächte.ramte werden sie um so unermüdlicher, in dem Voranschreiten um so entschiedener seyn, wenn sie wissen, daß die glaubenStreuen, die eisrigen und begeisterten Katholiken geschaart hinter und neben ihnen stehen, bereit, jede rechtmäßige Forderung mit ihrem ganzen Gewichte zu unterstützen und durch pflichttreue Ausübung der als Staatsbürger ihnen zustehenden Rechte und Befugnisse, wie z. B. durch Petitionen, deren Gewährung oder Zugeständ- niß zu erwirken. Ohne Vereine werden großartige Adressen, denen Regierungen und Kammern Beachtung schenken müssen, nie zu Stande kommen, durch sie aber aus die schnellste und leichteste Weise. DaS Schul- und UnterrichtSwesen, von der geringsten Dorfschule bis hinauf zu den „Burgen der Wissenschaft," den Universitäten, liegt, wie viel auch seit Jahren darüber geredet, geschrieben, Vorschläge gemacht und Beschlüsse gefaßt worden, noch gar sehr im Argen; nicht die geringste Abhilfe der schreiendsten Mißstände, denen wir vielleicht den größten Theil der Verwirrung, der entzügelten Leidenschaften, der Frivolität, der sittlichen und religiösen Verkommenheit, verbunden mit einer entsetzlichen Anmaaßung unter der Jugend verdanken, hat bis jetzt stattgefunden; wie die Unter- richtSfreiheit erlangt, durch welche Mittel sie geschützt und gehandhabt werde, welcher Antheil an den Schulen dem Staate, welcher der Kirche zufallen soll, darüber sind sich noch die Allerwenigsten klar; der Gedanke an Schulbrüder und Schulschwestern, überhaupt an religiöse Genossenschaften, ohne welche die Freiheit deS Unterrichtes und der Erziehung nie zur vollen und lebenskräftigen Ausführung gelangen kann, liegt zur Zeit noch den Allermeisten so fern, daß selbst viele der Besseren darin eine schwere Versündigung an dem Geiste der Zeit und an seinen Forderungen erblicken. Unterdessen gehet daS Streben und Bemühen, die Schule noch mehr zu entchristlichen, als dieß wirklich schon mit ihr der Fall ist, unaufhaltsam seinen Gang; die verderblichen Ansichten und Grundsätze greifen immer tiefer und weiter um sich, und zuletzt wird der Boden so vollständig unterwühlt, daß nur mit vieler Mühe und nach hartem Kampfe ein einiger- maaßen wohnlicher Bau darauf errichtet werden kann. Denn daß der seitherige vom Grunde, vom Fundamente bis zur Spitze hinaus ein schlechter und dem Einstürze naher sey, darin stimmen Freunde wie Feinde deS Christenthums miteinander überein, wie sie auch in der Ansicht nicht voneinander abweichen, daß jener Partei, der deS Umsturzes oder der der gesetz- 102 lichen Ordnung und Freiheit, die Zukunft angehöre, welche deS Unterrichts und der Erziehung der Jugend sich bemächtiget. Gerade in der Schulftage haben die katholischen Vereine eine sehr hohe, nach unserm Dafürhalten noch nicht genug erkannte oder dargelegte Wichtigkeit. Dem katholischen Volke fehlt noch durchweg die rechte und tiefe Einsicht in die Mangel und Gebrechen deS seitherigen Schulsystems und in den tiefsten Grund derselben. Eine Aufklärung darüber, eine Enthüllung der Absichten, Pläne, Mittel und Wege der Gegner deS, nur allein durch die Kirche zu pflegenden christlichen Elementes und Geistes in der Schule, die gebührende Zurechtweisung der Verdächtigungen, welche von Seiten der modernen, aufgeklärten, emancipationssüchtigen VolkSschuliehrer und ihrer Freunde wider die Kirche »nv deren Ansprüche, die zunächst darauf sich gründen, daß sie die einzige und rechtmäßige Mutter der Schule ist, ausgestreut werden — all dieß ist nur in Vereinen möglich, wie auch andere Gegenstände von der allergrößten Wichtigkeit, wie z. B. die socialen und politisch-kirchlichen Frage», die Vorfrage» bei Wahlen n. s. w. nur in denselben mit der nothwendigen Gründlichkeit besprochen und behandelt werden können. Endlich ein dritter Punct ist die Hebung und Pflege deS kirchlichen Lebens, welche mit dem VereinSwesen auf daS Engste zusammenhängt. Dieß ergibt sich schon einfach aus der Thatsache, daß an manchen Orten aus vorhandene» Bruderschaften die katholischen oder PiuS-Vereine sich gebildet, und diese dann jenen wiederum neue Lebenskraft und Jugend- frische zugetragen haben, an andern dagegen die Vereine jetzt schon die Mutter kirchlicher Verbrüderungen geworden sind, und allerwärtS das Bedürfniß und Verlangen nach solchen geweckt haben. Die Frier kirchlicher Feste hat durch die Gesammttheilnahme der Mitglieder eines VereinS einen bedeutenden Aufschwung genommen: bei Processtonen und andern ähnlichen Aeußerungen deS kirchlichen Geistes gibt sich größere Andacht, sckönere Ordnung kund, als vordem der Fall war, und, wie Schreiber dieses schon mehrfach wahrzunehmen Gelegenheit hatte, wirkt ein Verein nach dieser Seite hin weckend und belebend nicht nur auf den Ort selbst, an dem er bestehet, sondern selbst auf eine ganze Umgegend. Damit haben wir nichts Neues, und selbst nicht einmal etwas Vollständiges gesagt; wir wollten auch nur, nach dem Scipionischen AuSspruche: eaotorum oenseo, von Neuem anregen, damit in den bestehenden Vereinen die Thätigkeit erhalten, und da, wo solche noch nicht vorhanden, zur Gründung ungesäumt geschritten werden möge. Der Beginn ist nicht so schwer, wie Manche in ihrer Aengstlichkeit glauben mögen — und mit dem Anfange ist schon das Allermeiste gethan. Kirchliche Reisebilder. *) II» Deutschland. Mit wehmüthigem Gefühle greife ich zur Feder, um mit schwachen Zügen das kirchliche Bild Deutschlands zu zeichnen. Wenn ich an die Tage denke, wo ich heiteren Sinnes die üppigen Fluren BayernS, die romtliitischen Ufer deS Rheines, und all die lachenden Gauen und gewerb- reichen Stätte durchwanderte, und damit den jetzigen Zustand vergleiche, da weht eS mich kalt an, und ein undeutscher Zug — die Melancholie — umspielt meine Züge. So wechseln die Dinge auf Erden. Im verflossenen August blickte man in Deutschland wie von einer ruhigen Warte auf daS tief zerrissene und gcwilterschwangcre Oesterreich herein; jetzt, wo noch kein Jahr verflossen, werfen wir Oesterreicher den Blick über unsere schwarzgelben Schranken hinaus, und betrachten daS grollend über Deuschland sich zusammenziehende Wolkenmcer mit bangem Gefühle, obwohl die Warte, auf der wir solche Betrachtungen anstellen, gerade keine ruhige und gefahrlose zu nennen ist. Wohin wird das noch führen? so frägt pochend das besorgte Herz. Sollte eS möglich seyn, daß daS neu erwachte Streben für Realisirung der edelsten Güter der Menschheit mit dem Falle Deutschlands zusammentreffe? Soll daö Morgengold der Freiheit zugleich die blutige Abendröthe für ein Volk seyn, das selbst in seinem rohesten Naturzustände eine Frcya zur Gottheit hatte? Soll dieses Volk, das bisher wie eine Leuchte den Völkern Enropa'S in Wissenschaft und Cultur voranging, zum Schleppträger eines fremden Herrn sich herabwürdigen, oder unfähig, ein einig Reich zu bilden, seine edelsten Kräfte versplittern, und zum Spotte der Welt sich geberden? Nein, nein, daS wird es nicht, denn deutsches Blut ist edel, tapfer, herzlich, aufrichtig, fromm und gotteSfürchtig, und nur jene Leute, die in ihrer feigen Brust Hochverrath brüten gegen König und Vaterland, und daS gutmüthige Volk aufreizen, um eS am Narrenseile zu führen, schänden den deutschen Stamm, denn sie basten daS Licht ') Aus der Wiener Kirchcnzeitung. und die offene Ehrlichkeit. Diese möge man anfeinden und meinethalben mit Spott und Hohn abfertigen, aber über eine ganze Nation wolle man nicht so leicht den Stab brechen, noch dazu über eine solche, welche so tolerant gegen alle andern Nationen sich bezeiget, wie dieß die deutsche thut. Ich habe in meinem ersten Reisebilde (Belgien) vorhergesagt, daß die zwei nachfolgenden mehr Schatten enthalten werden. Der Anfang mit dem wehmüthigen Eingänge ist gemacht, und ich werde nochmal auf daS darin Gesagte zurückkommen. Für jetzt möge sich die Stirne glätten und das Auge freundlich erheitern, denn der gewaltige Donausturm, welcher daS Dampfschiff sammt seinen Passagieren außer Engelhardszell ans Gestade trieb und beinahe an einem hervorragenden Felsen stranden ließ, ist vorüber, und ein lieblicher Regenbogen umschlingt die Berge der beiderseitigen Ufer. Ich will die gütigen Leser nicht mit Landschaftsschilderungen oder Ortsbeschreibungen behelligen, sonst könnte ich über so manche Gruppe interessante Details liefern, aber sie gehören nicht zu einem kirchlichen Reisebilde. Darum schweige ich auch über die majestätische Lage von Passau, dem alten bischöflichen Sitze, welcher einst weit und breit hin das Centrum christlicher Bildung und Sitte war, gleich den drei Wässern, welche die Mauern dieser Stadt bespülen, und im Angeflehte derselben sich brüderlich mengen und mischen. Auch an der berühmten Walhalla, die ich an einem so herrlichen Abende wie später den Hafen zu Antwerpen sah, fahre ich vorüber und lande in Regensburg. Ein gelehrter Historiker sagt von den alten Städten Deutschlands, sie stehen da wie versteinerte Capitel auS der Geschichte einer großen Vergangenheit. Diese Worte gelten besonders von Regensburg. Jeder Thurm, jede Kirche, ja fast jedes HauS weiset hin auf die große Rolle, welche einst diese Stadt auf politischem und kirchlichem Gebiete zu spielen hatte. Reichstage und Synoden, Krönungen und Friedensschlüsse, sie wurden hier gepflogen. Lange stand ich in stummer Bewunderung vor der Hauptfacade deS gothischen DomeS, welche von den letzten Abendstrahlen beleuchtet einen doppelt liefen Eindruck auf mich machte; ich wenigstens muß aufrichtig gestehen, daß selbst der Kölnerdom für den ersten Augenblick mich bei weitem leerer ließ. TagS darauf las ich an einem der ungemein lieblichen Seitenaltäre deS Domes die heilige Messe, und besah dann daS Innere desselben. Ist das eine Majestät und Herrlichkeit, eine ergreifende Einfachheit, die das Herz erschüttert! Man fühlt die Nähe Gottes und vergißt nicht, daß man in einem Tempel ist. O möchte doch auch unser St. StephanSdom in Wien solch glückliche Restauration erfahren, möchte sich ein kunstverständiger Mäcen daran machen, und daS ehrwürdige Gebäude seines heterogenen Schmuckes entledigen — so dachte ich mir im Stillen. An dem Grabe deS heiligen Wolfgang und St. Emeram bin ich lange Zeit sinnend gestanden. Was wirkten jene Männer, und was wirken wir? Jene Zeit, in der sie wirkten, gilt für barbarisch, und wir dünken uns weise und im Zenith der Cultur! Wo sinkt die Wagschaale?? Ich war theilweise froh, als ich inS Freie kam, und von den Terrassen der leider unvollendeten Thürme Hinausschauen konnte auf die üppigen Saaten und die stolz dahin wogenden Fluchen der Donau. Die Erde ist so schön und die Menschen verleiden sich selber das Daseyn! Die andern Merkwürdigkeiten übergehe ich, und ziehe eS vor, in einem Gcsammtüber- blicke dem gütigen Leser zunächst die kirchlichen Zustände BayernS vorzuführen, wie sie sich auf meiner Wanderschaft mir aufgedrängt haben. Ich wiederhole es, eS ist ein subjectives Urtheil, das ich fälle. Was zunächst den religiösen Sinn deS Volkes betrifft, so ist dieser in Bayern bereits ein charakteristisches Kennzeichen geworden. Das Landvolk geht gerne zur Kirche und hängt meistentheilS mit Ehrfurcht und Vertrauen an seinen Seelsorgern. Auch in Städten sind die Kirchen stark besucht, besonders fiel mir dieß in München und Augsburg auf, so wie ich überhaupt letzterer Stadt eine Lobrede über ihre solide katholische Haltung zu spenden gesonnen wäre. Man merkt den Leuten an, daß sie wirklich beten, und nicht bloß die Hände falten und die Lippen bewegen, es ist ein Gebet vom Herzen heraus, mit aller Frische, der innigen Ueberzeugung. Wenn öftere Kommunionen, GebetSvereine u. dgl. ein Abzeichen deS Ultramon- tanismuS sind, so sind die Mehrzahl der Bayern Ultramontanen. Gott- lob! Auch der gewöhnliche Bürger lieSt nebst dem politischen Blatte gerne ein religiöses, und folgt mit Aufmerksamkeit der Entfaltung deS katholischen Lebens in anderen Ländern. Ich bin mit ganz ordinären Leuten zusammengetroffen, die sich über kirchliche Ereignisse, und insbesondere religiöse Controversfragen sehr bündig auszudrücken wußten. Gegen die königliche Familie trägt der Bayer eine kindliche Pietät, wie ich mich dessen selber zu überzeugen Gelegenheit hatte; (über das Verhältniß mit der weiland spanischen Tänzerin spricht er schonend und entschuldigend). Den Protestanten gegenüber fand ich die Katholiken tolerant und gefällig, nirgends horte ich beleidigende Ausdrücke, wohl aber schien eS mir, als ob in den gemischten Städten die Leute viel belesener und gebildeter wären. Doch 103 muß ich auch den Protestanten, so weit ich sie in Bayern kennen lernte,'Volksversammlungen riß immer derjenige die Entscheidung an sich, der als ein ehrenvolles Zeugniß ausstellen; sie sind selbstständige Leute, Lie mit sich! der Freigebigste sich erwies oder dem souveränen Pöbel die glänzendsten abgeschlossen haben, sie haben so zu sagen, elwas fireS, auf das sie bauen, j Vortheile auf fremde Kosten in Aussicht zu stellen wußte. So waren stäte im Contraste mit den zerfahrenen Protestanten deS preußischen Norden.! Plünderungen und Bedrückungen, sowohl im Innern als nach Außen, die Besonders sprachen mich einige der theologischen HH. Professoren auf der nothwendige Folge der Volksherrschaft, die wahre LcbcnSbedingimg jener protestantischen Facultät Erlangen an, deren Vorlesungen ich besuchte?gepriesenen Freistaaten des Alterthums. Die Armen plünderten die Reichen; Diese trugen daS Gepräge der Gelehrtheit, und die jungen Theologen die Reichen hielten sich schadlos aus Kosten der bezwungenen Völker deS schienen mit Interesse dem öfter tiefes Nachdenken erheischenden Vortrage! Auslandeö; blieb der Zufluß an Beute und Brandschatzungcn von der im Nachschreibe» zu folgen. Ein Professor, den wir in seiner Wohnung i Fremde auS, so zerfleischten sich die Factivncn der Armen und der Reichen besuchten, und der vieles mit unS sprach über Günther, Veilh und Ehr^ unter einander. Die nothwendige Hinterlage des Ganzen bildete die Scia- lich, reichte unS beim Abschiede die Hand und sprach dieselbe drückend:! verei; denn nur dadurch, daß Sclaven die Felder bebauten und die Ge- »Junge Freunde, wirken wir alle zusammen, eS ist ja Ein hohes Ziel, werbe betrieben, konnten die Bürger überhaupt solche Muße gewinnen, der nach dem wir streben." Mich rührten seine Worte, und ich habe lange!Politik zu pflege», und die Reichen so viel Reichthümer aufhäufen, um über sie nachgedacht. Ja eS ist Ein hohes Ziel, nach dem wir alle stre?der unersättlichen Begierde des allgewaltigen Pöbels stets neue Nahrung ben; möchten wir es bald erreichen auf dem Wege der Sitte und Wissen- zu bieten. Daß auf diesem Wege Athen und Rom, nachdem einmal die schaft, und einander verzeihend und vergessend brüderlich die Hände reichen! Demokratie zur vollen Geltung gelangt war, schnell und unrettbar in eine Eine andere Eigenthümlichkeit des bayerischen Volkes ist auch die, daß eS gräßliche Sittcnlosigkeit und Verwirrung gcriethen, wird Jeder begreifen, seine Landeöfarbe sehr in Ehren hält, so deutsch es auch gesinnt ist. Bei Wären nicht die beständigen Kriege gewesen, und hätte nicht die Disciplin der vorwiegend deutschthümlichen HuldigungSfeier deS Erzherzog Rcichsver- im Heere der Korruption der bürgerlichen Gesellschaft einigermaaßen die tveserS, der ich in Wurzburg beiwohnte, waren unter den Standarten Wagschaale gehalten, sie hätten nicht drei Menschcnalter lang den verhce- und Fähnleins, welche ausnehmend schön die Häuser zierten, mehr blau- renden Leidenschaften widerstehen können, die sich unablässig durchwüblten. weiße, als schwarz-roth-goldene. Nicht minder gefiel mir die religiöse Deutung der Landeöfarbe», welche ganz dem bayerischen Volkscharakter entspricht: „Blau — gern zum Himmel schau'! Weiß — der Tugend dich befleiß'!" Oesterreich? ? Welche 'Deutung hatte gleichzeitig daS Schwarzgelb in (Fortsetzung folgt.) Der Krieg der Armen gegen die Reichen. *) Der Krieg der Armen gegen die Reichen war der eigentliche Krebsschaden aller sogenannten freien Staaten der vorchristlichen Zeit. Die Reichen hängten den Armen den Drodkorb möglichst hoch, forderten für geringen Lohn erdrückende Dienste, für unentbehrliche Vorschüsse oder Darlehen unerschwingliche Zinsen, und drängten ihre Schuldner mit unerbittlicher Strenge, nicht nur in Gefangenschaft und Knechtschaft, sondern im eigentlichsten Sinne deö Wortes bis auf'S Blut. Die Armen dagegen verschworen sich wider die Reichen, ertrotzten durch ihre Ueberzahl erzwungene VolkSver- Nachlässe oder völlige Tilgung der Schuldtitel, rissen in den sammlungen die Entscheidung der Staatsangelegenheiten gewaltsam an sich und gebrauchten die Macht der Gesetzgebung und der Aemterverthcilung,! Reichen allen anderen bereitet wurde, aber hier geschah eS durch so furcht die auf diese Weise in ihren Händen lag, um bald neue Vcrtheilungen von! bar gewaltsame und naturwidrige Mittel, daß man fast sagen möchte, daS Ein einziger von den freien Staaten des Alterthums machte von diesem unseligen Zustande, in welchem Reiche und Arme sich wechselseitig bald verfolgten, bald corrumpirten und stets nur auf Kosten unschuldiger Dritten sich mit einander vertrugen, eine Ausnahme, und das war der mosaischc Staat der Juden. Doch auch hier konnte nur durch eine gewaltsame Unterbrechung deS natürlichen Laufes der Dinge dem gefährlichen Gegensatze, in welchen die heidnische Gesellschaft auseinander ging, vorgebeugt werden. DaS hiezu dienende Institut war daS Jubeljahr d. h. die im dritten Buche MosiS Kap. 25 enthaltene Vorschrift, daß jedesmal nach Verlauf von 7 mal 7 Jahren ein Jahr der Ruhe und der Wiederherstellung gefeiert werde, wo alles mittlerweile von den rechtmäßigen Erben veräußerte Grundeigenthum wieder an seinen ursprünglichen Besitzer und jeder Jsraelit, der unter seinen Brudern in Knechtschaft gerathen war, wieder zur Freiheit zurückkehren solle. Alle in der Zwischenzeit vorfallenden Verkäufe von Grundstücken und Menschen sollten rücksichtlich deS PreiseS nach Verhältniß der bis zum nächsten Jubeljahr zu erwartenden Nutzungen bemessen werden. Diese Bestimmung konnte jedoch, was wenigstens die Grundstücke anbelangt, »ach den Zeiten deS EsdraS oder der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft nicht mehr in Ausübung gebracht werden. Unter den heidnischen Staaten hat zwar auch einer, nämlich Sparta, dem Verderben zu entgehen gesucht, das durch den Gegensatz von Armen und Grund und Boden, bald ergiebige Geldspenden aus dem Säckel der Reichen zu erzwingen oder irgend andere Gaben und Vortheile von diesen zu erpressen. Vergebens setzte die Faction der Reichen diesem Vordringen ihrer Gegner bald List und bald Gewalt entgegen. Sie mußte fort und Heilmittel sey ärger als daS Uebel selbst gewesen. Denn die Spartaner wurden dadurch zum herzlosesten und selbstsüchtigsten aller griechische» Völker und daS Elend der Heloten, die ihnen als Knechte daS Land bauen und alle Dienste verrichten mußten, ist sprüchwörtlich geworden zur Bezeich- fort capituliren und der Gegenpartei fast überall das Feld räumen. Um nung der härtesten und entwürdigendsten Knechtschaft, sich die Gunst des Volkes, d. h. des besitzlosen Hausens zu sichern, muß-^ Stellen wir aber diese Erfahrungen der alten Zeit zusammen mit ten die Reichen sich in allerlei kostspieligen Erfindungen erschöpfen, den denen der neuesten, wie sie unS geworden sind, seitdem die Regierungen Armen nicht bloß Nahrung, sondern auch Vergnügungen und Genüsse aller! von den Grundsätzen des Christenthums sich entfernt und den Lehren der Art zu verschaffen. So entstanden Theater, öffentliche Bäder und Spa-! Nationalökonomen mehr geglaubt und vertraut haben, als den Vorschriften zicrgängc, prachtvolle Bauten für die öffentlichen Versammlungen, rcgel-'der katholischen Kirche; so werden wir unausweichlich zu dem Schlüsse mäßige Vertheilungen von Brod und Wein u. dgl. zum Besten deS Volkes, geführt, daß der Gegensatz und-der Krieg zwischen Armen und Reichen, Erlahmte darin der Eifer der Reichen, so gab es Aufstände, blutige Scenen, in der Natur der Dinge gegründet, und unvermeidlich, uns, wofern wir kanem et Liroonses (Brod und Spiele) schrie daS Volk in Rom und um! nicht das praktische Christenthum wieder zur Grundlage diesen Preis, aber auch nur um diesen war von ihm Alles zu erlangen.! unserer Politik und unseres ganzen socialen Lebens machen, In Athen brachte das Volk d. h. der freie Pöbel der Stadt cs so weit, nur die Wahl läßt zwischen einem starren, eisernen DespotiSmuö oder einer, daß eS, für seine Stimmgebung in den Volks- und Gerichtsversammlungen bezahlt, förmlich von der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte ohne alle andere Arbeit leben konnte. Jeder Bürger, der einer Volksversammlung beiwohnte, oder einen Tag zu Gericht saß, erhielt dafür drei Obolen,! ungefähr dreizehn Kreuzer, und um die Gelegenheiten zu so bequemem Er-! werd möglichst zu vervielfältigen, waren zehn verschiedene Gerichte, jedes! mit einer anderen Competenz und mit 500 Bürgern.besetzt, in Athen eingeführt. So schlenderte der freie Athenienser als privilegirter Faullenzer j von der Bürgerversammlung ins Gericht, von diesem wieder in die Ver-> sammlung, um nichts anderes bekümmert, als an beiden Orten seine Stimme möglichst rheuer zu verwerthen. Denn daß der freie Mann nicht mit dem bescheidenen Lohne von 13 kr. in der Länge sich begnügen konnte, leuchtet ein, daher waren bei den Gerichten alle Sachen käuflich, und in den ') Aus dem Tiroler Wochenblatt. in ihren Folgen ärger, als jeder DespotiSmuS verheerenden und den Menschen herabwürdigenden Zuchtlosigkeit und Korruption. Der katholische Schullehrerverein in Bayern an den AugSburger Piusverein. Katholische Männer deS AugSburger PiuSvereinS! Christliche Freunde und Brüder! Entschuldiget vorerst, daß wir unS erlauben, in vertraulicher Sprache zu Euch zu reden. Da wir insgesammt katholische Männer sind, und als solche in brüderlichem Verhältnisse zu einander stehen, so glaubten wir ! der Euch schuldigen Hochachtung und Verehrung, die wir Euch vollkom-- s- >41 v! . e men im Innersten des Herzens zollen, nichts zu vergeben auch bei Anwen. duna der Vertrauenssprache. Mit inniger Freude haben wir, Mitglieder deS katholischen Schul- lehrervereinS in Bayern, Eure in der AugSburger Postzeitung vom 12. d. enthaltene Erklärung über Euer Verhältniß zu dem Stanve der VolkS- Schullehrer gelesen. Ihr. sprechet darin den edlen Entschluß auS, dem moralische Erziehung derselben, indem sie die Ansprüche der Religion vor Allem gewahrt wissen wollen. Somit ist die gerechteste Hoffnung vorhanden, daß fortan Kirche, Schule und Elternhaus liebevoll einander in die Hände arbeiten, harmo- nisch bei dem EngclSgesckäfte der Erziehung zusammenwirken werden. Arbeiten aber diese drei Kräfte in heiliger Eintracht, mit gemeinsamer An- vielfach bedrängten Stande der Schullehrer, den Erziehern der christlichen! strengung zusammen, wirken die heilige christliche Kirche, eine christliche Jugend, durch all Euern Einfluß und auf allen gesetzlichen Wegen auS Schule und eine christliche häusliche Erziehung einheitlich zusammen — seiner bedrängten Lage möglichst aufzuhelfen, und dahin zu wirken, daß! sollte da nicht auch eine christliche Jugend gebildet werden? Sollten diese die Lehrer ein anständiges Auskommen erhallen, daß für ihre Wittwen und! drei Kräfte, welche die Jugend ganz in ihren Händen haben, nicht im Waisen Vorsorge getroffen, daß ihre berufsmäßige Bildung erleichtert und Stande seyn, bei eifriger Pflichterfüllung die zarte Menschenpflanzung auch befördert und ihre staatliche Stellung in geeigneter Weise verbessert werbe. -^ --- ..... - - Wir können unsere Dankgefühle gegen Euch, edle Männer, für die in erwähnter Erklärung ausgesprochene Gesinnung nicht in unsern Herzen verschließen, wir fühlen unS gedrungen, Euch dieselben hiemit auszudrücken, Euch unsern aufrichtigen, herzlichen, tiefgefühlten Dank zu sagen für Eure Theilnahme an unserm leider bisher häufig sehr bedauerlichen Schicksale; für daS in Liebe gegebene Versprechen, nichts zu unterlassen, waS zur Verbesserung unserer Lage dienlich -seyn kann. » Von dem wirksamsten Erfolge werden die zur Aufbesserung seiner materiellen Zustände etwa noch nothwendigen Schritte des LehrerstanveS seyn, wenn Ihr, christliche Männer und Brüver, wenn das katholische Volk dieselben durch seinen mächtigen Einfluß unterstützt. Wir sehen daher bei bervon Euch unS zugesagten Hilfeleistung einer baldigen bessern, erfreulichern Zukunft entgegen. Unsererseits dagegen werden wir nicht versäuickn, so viel in unsern Kräften steht, zum wahren Besten, zur Gründung des zeitlichen und ewigen Wohles der heranwachsenden unS zur Bildung und Erziehung anvertrauten Jugend wirksam zu seyn. Hiezu, zur Grundlage deS Menschenwohles rechnen wir »b« wre Ihr, verehrtest« Brüver, als erstes Erforverniß eine wahrhaft christliche Gesinnung, welche in den Kindern anzustreben wir deßhalb stets als die wichtigste Aufgabe unsers AmteS ansehen werden. Da Ihr aber, und zwar gehörig zu beschützen vor den Feinden deS Heils, vor der bösen Welt und ihren Aergernissen? O gewiß. Bei einheitlichem Wirken, bei thatkräftigem Zusammenhalten der Priester, Lehrer und Eltern wird und muß mit Gottes Segen eine bessere Zukunft reifen, und den Piusvereinen wird daS Verdienst zukommen, in so weit es Menschen zugeschrieben werden kann, das Vaterland gerettet zu haben. Jedem Unbefangenen leuchtet ein, daß der Verfall desselben von der herrschenden Irreligiosität, von dem schauerlich um sich greifenden Unglauben, von der tiefen Versunkenheit in Laster aller Art herrühre. In dieser Zeit der Gefahr der Auflösung aller Ordnung, alles Bestehenden, der Unterdrückung alles Höhern und Bessern, da die Schlechtigkeit sich bereits kühn und mit Macht erhoben und all ihren Gegnern den Untergang geschworen hatte; in dieser Zeit der Scheidung, da alles Halde aufhört, Jeder sich bestimmt erklären und entweder auf die rechte oder linke Seite treten muß — erhoben sich die Piusvereine als der Kern deS katholischen Volkes, die sich entschieden für die Wahrheit auSsprechen. Ihre Hauptbestrebungen: Freiheit der Kirche von äußerm Drucke, Verschönerung derselben durch Vervollkommnung ihrer Glieder und Nach- haltigkeit des erstrebten Guten durch eine verbesserte, im Sinne deS Christenthums zu handhabende Jugendbildung — sind ganz geeignet, die Kirche in ihrer Reinheit herzustellen, daS Christenthum in seiner lebenSfrischen mit vollem Rechte, die Kirche als jene Anstalt erkennet, die von Gott Gestalt wieder hervorzurufen, und ihm den Triumph über Irrthum und .. .. . ... —- — ri, t,i>!^».- Unglauben, über Welt nnv Hölle zu verschaffen, so daß selbst die Feinde der Kirche, wenn sie aufrichtig seyn wollen, sich gestehen und sagen müssen: Seht, dieß ist die wahre Kirche! Ganz richtig hat daher jener katholische Mann gesprochen, da er die Entstehung der PiuSvereine ein Ereigniß, eine in ihren Folgen äußerst wichtige, großartige Begebenheit nannte. Darum rufen wir Mitglieder des katholischen Schullehrervereins dem Piusvereine Augsburgs so wie dem allgemeinen von ganz Deutschland begeistert ein dreimaliges Hoch zu, mit dem innigen Wnnschc, daß er die hohe ihm gestellte Aufgabe glücklich löse. Mit ausgezeichneter Verehrung empfiehlt sich Den Männern des AugSburger Piusvereins Augsburg, den 19. Juni 1849. Der katholische Schullehrerverein in Bayern. In dessen Namen der AuSschuß: Zeheter, Präsect und Lehrer am königl. Schullehrer- scminar in Erchstädt. Taver Betz, Schullehrer und Cantor in Landsberg. Joseph Stöckl, Schullehrer und Cantor in Landsberg. Honorius Lorenz, Schullehrer in Augsburg. eingesetzt worden, die Menschen ihrer Bestimmung gemäß zu bilden; da Ihr in den Priestern, den geweihten Dienern der Kirche, die Abgesandten Gottes ehret, die beauftragt sind, dieses Geschäft der Bildung und Einigung an allen Menschen, allen Gläubigen jeden Alters, «tandeö und Geschlechtes zu besorgen ; da Ihr also, und mit Euch gewiß auch alle wahr- haft katholischen Fami^nväter, die Bildung und Erziehung Eurer Kinder, in so weit Ihr dieselbe selbst zu besorgen gehindert seyd, der heil. Kirche und deren Dienern, den Priestern, mit vollem Zutrauen und aus wahrem HerzcnSdrange überlasset, so können und wollen wir, als die Mitarbeiter der Priester beim EcziehungSgeschäfte der christlichen Jugend, auch nur in diesem Sinne, in innigem Anschlüsse an die Diener der Kirche in unserm Berufe wirken. Wir werden dieß aber nicht bloß deßhalb thun, weil Ihr als Väter der von unS zu bildenden Kinder es so wollet; sondern auch auS eigenem Antriebe, in der festen Ueberzeugung, daß ein gemeinschafl- l icheS Zusammenwirken der Priester und Schullehrer für eine gedeihliche Jngendbildung durchaus nothwendig sey. Wir sind ferner der unumstößlichen Ueberzeugung, daß nur bei kirchlicher Leitung deS SchulerziehungSwesenS unter zweckmäßiger Belheilung erfahrener tüchtiger Schulmänner die Aufrechthaltung deS wichtigsten, des religiös-moralischen Princips, in demselben garanlirk sey, und schon deßhalb verwerfen wir jeden Trennungsversuch, jede Emancipation der Schule von der Kirche. Der katholische Schullehrerverein BäyernS nimmt also dankbar an, Piusvereine. Köln, 11. Juni. Der Domvicar Kolping, welcher seit einem Vier- waS Ihr, hochverehrte Brücer, in Eurer Erklärung den Lehrern anbietet, i teljahre hier angestellt ist, wirkt in schöner Weise für die socialen Zustände i,,i^ trimmt iinli »nr, in driL mnä ^ini i^Nt'N ! dpi* iRl'strslpn knt k-rpitä oi,,or» f»l « «^ ^ ^ i .. und stimmt freudig und vollkommen ein in Las, was Ihr von ihnen ver-cher Gesellen. Derselbe hat bereits einen Gesellenverein hier gegrün- langet; kann aber bei Gelegenheit dieses Dankschreibens nicht verbergen,! bet, dessen erste Anfänge zwar klein und bescheiden, aber sicher vielver- caß auS genannter Erklärung ihm noch eine dritte Perle gar lieblich ent-! sprechend sind. Die schönen Erfolge deS GesellenvereinS, den Kolping in gegen schimmere, nämlich: die kräftige Mitwirkung der häuslichen Erzie-! Elberfelv begründet hat, und seine gesunden, auS dem Leben geschöpften hung mit den Bemühungen der Kirche und Schule. ^Ansichten über die fragliche Angelegenheit, welche er bei der Generalver- Der größere Theil der PiuSvereins Mitglieder besteht auS Familien-> sammlung der PiuSvereine im April und anderwärts oft entwickelte, väter». Liegt nun nicht schon in dem Umstände, daß sich diese einem! lassen unS daS Beste hoffen. (Katholik.) Vereine einverleibt haben, der eine möglichst vollkommene Ausprägung deS Christenthums in seinen Mitgliedern zur Aufgabe sich gestellt hat, ein triftiger Grund, von denselben auch eine Kindererziehung im Sinne deS Christenthums zu erwarten? Diese erfreuliche Hoffnung wird aber noch mehr gesteigert, ja zur Gewißheit gestempelt durch den Inhalt mehrgevachter Erklärung, in welcher sie das lebhafteste Interesse auSsprechen nicht nur für die Bildung der Jugend überhaupt, indem sie sich deS LehrerstanveS so kräftig anzunehmen entschlossen sind; sondern insbesondere für eine religiös- Dusseldorf, 10. Juni. Der Piusverein hat hier einen zahlreichen'Anhang gefunden. Daß unter den Mitgliedern deS Vereins die Scheu vor der Politik groß ist, ist nicht zu verwundern. Die hiesigen Zustände zeigen nur zu deutlich die Abgründe, welche die Politik der Religion droht, und alle Ruhigdenkenven werden dahin einverstanden seyn, daß kirchliche Vereine in den reinpolitischen Fragen (wo diese die kirchliche Freiheit betreffen, find sie schon kirchlich) leicht ihr Grab finden. (Kath.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abou- nementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeilung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt» wie bei >enr Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Hleuntep Jahr-gang. ^ 27 . 8. Juli 184S. De.r Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe. Am 1. Juli wurde der Hirtenbrief verkündet, welchen die in Wien versammelten hochwürdigsten Bischöfe an die Gläubigen ihrer Diäresen erlassen haben. Nach dem österreichischen Volksfreuud ist folgendes der wesemliche Inhalt: Der Hirtenbrief schildert, wie die Bischöfe, ihr wichtiges Werk mit Gott beginnend, am 30. April, am Feste der heiligen Katharina, in der altehrwürdigen St. Stephanskirche um den Altar des Herrn sich geschaart, den Leib deS Herrn empfangen, im Vereine mit den Gläubigen den Beistand dcS heiligen Geistes herabgefleht und als Zeugniß ihrer kirchlichen Gesinnung so wie alö Leitstern ihrer Berathungen das katholische Glau- benSbekenntniß einmüthig und feierlich vor Gott und der Welt abgelegt haben. Sie haben sich dann an den apostolischen Stuhl gewandt, um dem heiligen Vater, Christi geistlichem Stellvertreter, ihren Gehorsam, ihre innige Ehrerbietung unv treue Ergebenheit zu bezeugen und seinen Segen für ihr Werk zu erbitten, und auch dem Kaiser haben sie den Zoll ihrer Ehrerbietung und den Dank für ihre Zusammenberufung dargebracht, in dieser ein Zeugniß seiner redlichen Absicht, der Kirche gerecht zu werden, erblickend. Bei ihren Berathungen gingen sie nicht davon auS, nach der thörichten Anmaaßung unserer Tage eine neue Kirche zu gründen, sondern was sie wollten war, die von Christo gestiftete, durch sein Blut erworbene, vom heiligen Geist durchwehet« und bis anS Ende der Tage geleitete Kirche von den Hindernissen ihrer freien Entwicklung zu befreien. Daö Ergebniß der Berathungen wird, sobald eS zur Reife gediehen, in den einzelnen Diöcesen anf dem kirchlich vorgezeichncten Wege inS Leben eingeführt werden, aber vorläufig ergeht an die Gläubigen und an die Priester ein Wort der Ermahnung, der Belehrung und des Trostes. Der Hirtenbrief zählt die Gräuel unserer Zeit auf. Nicht bloße stnnenberauschte Gottvergefsenheit und stumpfe Gottlosigkeit, die zu allen Zeiten in der Welt geherrscht, sondern die sich selbstbewußte Feindschaft gegen Gott und Krieg gegen ihn und seine Gesalbten, ist jetzt die Losung. Der Grund deS Uebels ist aber auch jetzt die alte Fünfsinnen- Weisheit, die sich ein Paradies auf Erden träumt, ohne auf Krankheit, Elend, Noth, den Tod und das Gericht, die Allmacht und die Gerechtigkeit GotteS zu denken. ES gibt aber auch feinere Verlockungen, unter diesen steht die Nationalität oben an. Man vergißt, daß nur die Gliederung der Mensch heit in Nationen das Werk GotteS ist; ihre Zerfallen heil und Trennung und die Verschiedenheit ihrer Sprachen sind nur in Folge deS AbfalleS von Gott, deS Heiventhums entstanden. Das Christenthum hat die Einheit wieder hergestellt. Nach ihm sind wir Eines göttlichen Geschlechtes, geeinigt durch Liebe. Die Liebe aber kennt keine Gränzen, ihre Beschränkung auf einige wenige Stammverwandte wäre heidnische Selbstsucht. Auch von Trennung der Schule von der Kirche wird gesprochen. Das wäre aber ein Auseinanderreißen deS LeibeS und der Seele, der Erde und deS Himmels, deS ErlöserS und der Kleinen, die er zu sich kommen hieß. Man glaube dem Geschrei nicht, daß die Kirche die Wissenschaft nicht ehre. Nein, sie achtet LaS wahre, daS ächte Wissen, denn sie weiß, es gebe nur Einen Urquell der Wahrheit; der Gott der Offenbarung ist auch der Schöpfer der Geister- und Körperwelt. Sie kann getrost zur Wissenschaft sprechen: „Du forschest in der Natur, im Geist und in der Geschichte, weil du glaubst, die Räthsel deS Lebens darin zu finden; forsche recht und forsche tief, und du wirst seine ewige Kraft und Gottheit darin erkennen, den Einklang zwischen dem geoffenbarten Worte unv dem geschaffenen Werke. Ich aber darf daS mir anvertraute heilige Pfand nicht modeln lassen nach deinen noch täglich wechselnden Funden; schreite du rüstig und besonnen fort, ich erwarte dich freudig am Ziele, so du eS erreichst." ' Die mächtigste Lvckstimme der Verführung ist aber der Ruf nach Freiheit. Ein edleS Gut in ächtem Sinne und der Kirche GotteS von jeher theuer, denn wer hat schmerzlicher als sie im Verlaufe ihres 1800- jährigcn Bestandes den Druck ungerechter Tyrannei empfunden. Man denke aber gerade an die 300jährigen Christenversolgungen, und wie die Kirche sich während derselben benommen. Sie hat gesiegt, weil sie, GotteS heiliger Weltregierung vertrauend, nicht sich selbst mit Gewalt Recht verschafft, sondern Art und Stunde der Befreiung Gott überlassen hat. In diesem Glauben, daß Gott die Welt regiere, wurzelt die Grundlehre der katholischen Kirche vom Gehorsam deS Christen gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit. Die Kirche bat unter ihren Heiligen Märtyrer und nicht Empörer. Sie beginnt das BesreiungSwerk von innen, denn sie weiß, daß ein Knecht der Sünd'e kein wahrhaft freier Mann seyn kann. Darum gilt in diesem, wie in so vielem anderen der Spruch: Suchet zuerst dar Reich GotteS und seine Gerechtigkeit, und eS wird euch dieses alles hinzugegeben werden. Darum weg mit der Gleich giltigkeit in religiösen Dingen! Wer bürgt dafür, daß der Herr nicht den undankbaren Acker, auf dem sein Wort kaum mehr eine fruchtbare Stelle findet und der Distel und Dornen trägt, brach liegen lasse und sein Reich vckn unS nehme, um eS einem fernen Volke zu geben, das die Früchte desselben hervorbringt; steht doch daS fürchterliche Strafgericht warnend vor unö, daS der Herr über daS christliche Asien verhängt hat. DaS Himmelreich leidet Gewalt, nur die Starken und Entschiedenen ziehen eS an sich und lassen eS sich nicht entreißen. Und was man im Einzelnen nicht vermag, daö erstrebe man im heiligen Bunde mit Gleichgesinnten, damit, wenn die Bösen sich schaaren zum Angriff und Umsturz, auch die Guten zur Abwehr, zur Vertheidigung der Wahrheit, deS Rechts und der Ordnung zusammenstehen. Nun wendet sich die Rede an die einzelnen Stände und Volksclassen, an die Höchstgestellten, die Gewalthaber und Volksvertreter, an die Eltern, HauSväter, Lehrer und Vorsteher, an die Angesehenern und Reichen, an die Landbewohner, daß sie daS allkatholische Brodkorn, welches ihre Väter in guten und bösen Tagen gespeiset hat zum ewigen Leben, nickt für den Windhafer einer ungläubigen Lehre hingeben, an die Armen, daß sie Gott vertrauen und ihm die Strafe für die Härte oder Unbilde, die sie etwa erleiden, anheimstellen, an die Krieger deS Heeres, die in einer wildauf- gährenden Zeit daS eiserne Richtscheit LeS GesetzeS und der Ordnung mit ^ starker Faust handhaben, Laß sie ihr Gewissen blank wie ihre Waffen erhalten, an die christlichen Mütter, auf deren Schooß die Hoffnung der Zukunft ruht, daß sie daS junge Geschlecht mit der Milch deS Christenthums auS frommem gläubigem Herzen tränken. Für jeden Stand haben hie frommen Hirten ein besonderes, freundliches, tiefergreifendes Wort der ! Lehre und Ermahnung. Den Priestern ist eine eigene Ansprache verheißen. ^ Endlich verkünden die Bischöfe, daß sie unter sich ein Bündniß katholischer Liebe, Eintracht, Treue ausgerichtet haben, um vereint für Gott und lein Reich und die ihnen anvertrauten Völker zu wirken, zu beten, zu leben >und zu sterben, wie Gott eS will, zur Erfüllung dieses Vorsatzes werde ihnen das Gebet und daS Vertrauen der Gläubigen, um daS sie bitten, behilflich seyn. DaS Schreiben schließt mit den Worten: Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sey mit euch allen. Amen! 11)6 Der Dorort deS katholischen VereineS Deutschlands a n die sämmtlichen Einzelvereine. Seine Fürstbischöflicken Gnaden, der Hvchwürdigste Fürst-Bischof v. Lavant haben höchst ihre Billigung deS katholischen VereineS Deutschlands in folgendem Schreiben ausgesprochen, welches wir zur Kenntniß bringen. Breslau, den 25. Mai 18-19. Der Vorsitzende: Lic. Wick. Der Schriftführer: Dr. Dinier. * Hochgeehrter Borstand deS lobwürdigen katholischen VereineS! Mit vielen Freuden ergreife ich die Gelegenheit meiner Anwesenheit am altehrwürdigcn Sitze deS heiligen RnpcrluS zu Salzburg, um dem zur Ehre Gottes und zum Glänze der heiligen katholischen Küche erwachten katholischen PiuSvcreine meinen aufrichtigen Gruß zu senden und meine Freude auszudrücken über den frischen edlen Zweig, der aus dem kraft- vollen Baume unserer heiligen Kirche eben zu einer Zeit entsprossen, in welcher der gewaltige Sturm so viele dürrgewordene Zweige hinwcggeweht hat. Wir haben Ursache Gott dafür zu preisen und sind verpflichtet für den Verein den Segen von Oben zu erflehen, nachdem ja alles Gute vom Vater deS Lichtes kommt, und von seinem Sohne, der auch dem katholischen Vereine die trostreiche Verheißung gab: „Sind zwei oder drei in meinem Namen versammelt, so bin ich mitten unter ihnen." Ich habe die Satzungen deS VereineS geprüft, und die in sehr werther Zuschrift vom 6. Oktober 1848 dargelegte Gesinnung erprobt, und kann nur den Geist der Erleuchtung, der Stärke und deS guten Rathes bitten, daß er mit seiner Gnade den Verein beseele und leite, damit dieser katholische Verein immer eine feste Schutzmauer gegen die Stürme einer unö feindlichen Zeit — nie aber ein Stein deS Anstoßes für die Kirche GotteS werde. Obgleich nur ein kleiner Theil meiner Heerde deutsche Zunge spricht, so darf ich es doch nicht unterlassen, meinen theuern Schäflein ohne Unterschied der Nation eine katholische Association anzuempfehlen, die sich deS Beifalls unseres allgemeinen heiligen VaterS PiuS IX. erfreuet, und nicht nur dessen hochgeehrten Namen trägt, sondern, wie zu hoffen, auch immer in seinem apostolischen Geiste wirken wird. Lasset uns also, Hochverehrte, desto enger an einander schließen, je häufiger die Lücken werden, die ein feindlicher Zeitgeist in unsern Reihen macht; lasset unS aber auch nie vergessen, daß dieser Verein nur an der Mutterbrust unserer heiligen katholischen Kirche gedeihen und sich deS Segens von Oben erfreuen kann. Genehmigen auch, Hochgeehrter VercinS Vorstand, meinen Dank für die freundliche Begrüßung, mit der Versicherung, daß die Förderung dieses VereineS, in so lange sich derselbe auf kirchlichem Boden bewegt, im Geiste der heiligen katholischen Lehre handelt, ein besonderer Gegenstand meiner oberhirtlichen Sorge seyn werde, der ich mit Achtung und Liebe bin Salzburg am 17. April 1849. deS lobwürdigen katholischen VereineS treuer Diener in Christo Anton Martin, Fürst-Bischof von Lavant. I. B. Hirscher über die Freiheit. In dem badischcn Lande, wo jüngst im Namen der Freiheit und der Volkösouveränctät ein Haufen wilder Abenteurer die Herrschaft führte und Gut und Blut deS Volkes in einem ziel- und hoffnungslosen Kampfe vergeudete, ist im Anfange dieses Jahres eine kleine Schrift von dem bekannten und vielfach verkannten Professor Hirscher „über die socialen Zustände der Gegenwart und die Kirche" erschienen, aus der wir folgende beherzigenswerte Stellen auSheben zu sollen glauben. Die Masse denkt sich unter Freiheit die Entledigung von Allem, was hemmt und drückt; also Emancipation von Gott, von Gewissen, von Kirche, von Polizei, von oncrosen Verpflichtungen. Aber ist das Freiheit? Wenn Jeder thun mag, waö ihn gelüstet, waS schützt dann den Schwächeren vor dem Gelüsten deS Stärkeren? Ist dann nicht das Belieben deS Mäch- tigeren für den Geringeren Gesetz? Mag der gewaltige nicht jeden Mitmenschen seiner Raubsucht, seinem Hasse, seiner Fleischeslust, seiner Herrsch» sucht rc. opfern? ES ist also die Freiheit, wie sie in den Köpfen der Massen spuckt, in ihrer Verwirklichung nichts anderes, als die schrecklichste Tyrannei und wildeste Willkürherrschaft. Gott! wie müßte eS in der Welt aussehen, wenn alle Leidenschaften des Menschen Freiheit hätten. Den richtigen Begriff von der Freiheit gibt das Christenthum. Es versteht unter derselben die Herrschaft deS Geistes über Fleisch und Welt. Ihm zu Folge ist nur der Sünder ein Unfreier, weil geknechtet von seinen Leidenschaften. Wer frei ist in dem Sinne, daß er außer dem Bereich der bürgerlichen Gesetze steht, dabei aber von seinen Leidenschaften beherrscht wird, der ist frei, aber frei zur vollsten Unfreiheit, d. h. zur ungebundenen, von keinem äußeren Gesetze gezügelten Hingegebenheit in die Sklaverei seiner Gelüste. Dasselbe Christenthum, welches unS den wahren Begriff der Freiheit gibt, lehrt uns auch den wahren und einzigen Weg zur äußern oder bürgerlichen Freiheit. Die wahre und gesunde äußere Freiheit ist, nach seiner Anschauungsweise, die Frucht der inneren. In dem Maaße, in welchem der ! Mensch innerlich frei, d. h. seiner Selbstsucht Herr wird, kann und soll !ihn LaS äußere Gesetz frei geben, denn in dem Maaße ist er sich selbst Gesetz, und bedarf der äußeren Bindung nicht. DaS bürgerliche ZwangS- !gesetz ist lediglich für die sittlich Unfreien, für die Thiere, die den recht- ilichen Bestand der Gesellschaft in ihrer Selbstsucht zerfleischen würden, !wenn sie nicht durch daS äußere Gesetz gezügelt wären. Je wilder daS Thier nach Freiheit schreit, d. h. sich entfesselt sehen will, desto weniger ist eS der Freiheit fähig. Ja, gelänge eS ihm, die Schranken des zügeln- !den GesetzeS auf kurze Zeit zu brechen, so würde eine solche Herrschaft der Brutalität entstehen, daß Alles nach einem Tyrannen schrie, welcher !daS Thier wieder in Bande lege. Würde daher begriffen, wie alle bürgerliche Freiheit die sittliche Freiheit voraussetzt, und ohne innere, d. i. sittliche Freiheit die äußere nichts seyn könne, als Entfesselung der brutalen Willkür, so würde man sich von dem derzeitigen FreiheilSgeschrei mit Entsetzen abwenden, und alle Gutgesinnten würden zusammenhalten, daß daS Menschen-Thier nicht entfesselt werde. ES liegt darum Alles daran, die christliche Ansicht von der Freiheit und dem Wege zu ihr wieder allgemein zur Geltung zu bringen und damit die Prediger der Afterfreiheit in der öffentlichen Meinung zu vernichten. WaS verheißen die Männer deS Umsturzes dem Volke? WaS erwartet dieses von ihnen? Bekanntlich: Freiheit für Alle; Wohlstand für Alle; Bildung für Alle. Laßt unS diese Verheißungen und Erwartungen näher inS Auge fassen! ! „Freiheit für Alle." — ES ist hiermit die äußere oder bürgerliche Freiheit gemeint. — Wer ist bürgerlich frei? Der, welcher Herr ist seines ! Thuns und LassenS, mit der einzigen Beschränkung, die StaatSgesellschaft, !die Gemeinde, die Familie und den Einzelnen nicht widerrechtlich zu verletzen. Man kann auch sagen: frei ist Der, welcher in Entwicklung, Thätigkeit, Besitz und Genuß keiner andern, als der rechtlichen d. h. aus der ! Gleichberechtigung aller Anderen fließenden Beschränkung unterworfen ist. ^Nun, waren wir bisher nicht frei, v. h. waren wir in der Entwickelung und dem Gebrauch unserer Kräfte, im Erwerb und Genusse willkürlichen oder widerrechtlichen d. i. solchen Beschränkungen unterworfen, welche weder durch die Rechtsansprüche der Gesammtheit oder der Einzelnen geboten, noch durch die Rücksicht auf die Wohlfahrt der einen und andern gerechtfertigt sind? ES ist nicht zu läugnen, daß der sogenannte Polizeistaat seine Präventivmaaßregeln vielfach über Gebühr, wohl selbst willkürlich ausgedehnt, überhaupt daS öffentliche Leben und seine Bewegung in einer Weise bevermundet hat, welche jedem Volke, welches zu einer gewissen Stufe !der Entwickelung gelangt ist, gerade so unerträglich wird, als dem zum Jüngling oder Mann herangewachsenen Sohne die Behandlung deS VaterS, welcher ihn noch immer wie einen Knaben gängelt. Im Ganzen aber hat eS doch keineswegs an Freiheit gemangelt. Der junge Mann z. B., nachdem er die allgemeine Schulbildung erhalten, wandte sich dem Berufe, z. B. !dcm Handwerke zu, zu welchem er eben Lust hatte; er wählte sich jenen Meister, der ihm gefiel; er ging in der Folge auf die Wanderschaft, »vorhin er wollte; er nahm Arbeit und zog wieder weiter, wo und wann eS ihm gut dünkte; er kehrte in seine Heimath zurück und gründete ein eigene- ^ Hauswesen, wie eS ihm an der Zeit schien; er handthierte und gewerbte, und Niemand durste ihn verletzen. So jeder Andere. Aber auch aus dem Gebiete der geistigen Thätigkeit fehlte eS nicht an Freiheit. Wie wenig der Polizeistaat die Bewegung dcr Geister, ob er auch theilweise Versuche machte, zu bannen vermochte, beweisen deutlich genug die Ideen, welche trotz aller ernstlichen oder scheinbaren Hemmnisse ein Gemeinbekenntniß unserer Nation geworden sind. Ja die Hemmnisse sind, wenigstens hier und dort, offenbar Reizmittel dcr Bewegung unter den Geistern geworden: wie denn überhaupt Hemmnisse sehr oft nicht sowohl Beeinträchtigungen, als vielmehr Anregungen der Selbständigkeit find. Da nun aber zur Zeit der Polizeistaat und seine Bevormundung aufgehört hat, sonach nicht bloß die 107 frühere, sondern die ganze, die unverkümmerte Freiheit gewährt ist, was muß stell jetzt daS Volk unter der Freiheit, welche erst noch kommen und der Antheil Aller werden soll, denken? Offenbar nichts anderes, als die Entfernung aller Schranken, durch die sich der Egoismus und die Leidenschaft noch gehemmt sieht. Freiheit wird so viel heißen, als thun dürfen, was man will. Der Arbeiter wird sich frei denken, wenn er eine Stellung einnehmen kann neben dem Arbeitgebendcn: der Schuldner wird sich frei fühlen, wenn er nicht mehr gerichtlich zur Zahlung angehalten werden darf; der sünvenlüsterne Mensch wird unter Freiheit die Antiquirung der alten Sittengesetze, und die Aushebung der häuslichen Ordnung und Zucht verstehen; der Rohe wird damit daS Recht meinen, an Jedem, welcher ihm in den Weg tritt, die Faust zu versuchen. Allein nun haben wir nicht die Freiheit, sondern die Widersetzlichkeit, die Zügellosigkeit, die Willkür, die brutale Gewalt, die Unterdrückung und Knechtung deS Schwächeren durch den Stärkeren. Ja, die Freiheit, welche sich nicht unter daS Gesetz und seine Ordnung beugt, ist ungezügelte, maaßlose Willkür; und^ weh' Dem, welcher in ihre Hände fällt. Diese Freiheit ist wesentlich Despotie: sie spannt Alles, was sie erreichen kann, an ihren Wagen, und wenn es nicht ziehen will, treibt sie eS mit Peitschenhieben vor sich her. Sehen wir auf Die hin, die da vor Kurzem Freiheit ausriefen für Alle. Ihr Auftreten war Gewaltthat. Sie fragten nicht, Wer ihre Ueberzeugung theile, und mit ihnen ziehen wolle; sie befahlen den Zuzug unter Bedrohung mit Gefängniß und Tod. Kirchliche Reisebilber. (Fortsetzung.) Man lernt eS begreifen, wie das kirchliche Leben in Bayern sich mehr und mehr heben konnte, wenn man die Bischöfe kennt, welche die einzelnen Diöcesen leiten. Ich hatte nur die Ehre zwei bayerischen Bischöfen mich vorstellen zu können, zu Bamberg und Würzburg, und ich mußte ein Land glücklich preisen, daS solch würdige Oberhirten zieren.? Diese apostolische Einfachheit, diese schlichte und vertrauenerweckende Freund-! llichkeit, diese zarte, unwillkürlich aus allen Worten hervorleuchtende Fröm-! migkeit muß aller Herzen gewinnen, und die Schäflein heranziehen mift dem sanften Zuge gläubiger Liebe. BayernS Episkopat, so wie ich ihn aus öffentlichen Blättern und mündlichen Urtheilen, die ich entgegen nahm, kenne, steht jehrenvoll da im deutschen Baterlande, und die Würzburger- Synode war an ihrem entsprechenden Platze. ES sind meistentheilS jüngere Kräfte, welche den Hirtcnstab mit starker Hand zu führen vermögen, mitunter Schüler deS unsterblichen Bischofs Sailer, dem überhaupt Bayern Vielen Dank schuldet, was kirchliches Leben und religiöse Wissenschaft anbelangt. Dafür hängt auch das Volk, ich möchte sagen, mit Andacht und Verehrung an seinen Oberhirten, und ich war tief ergriffen, als ich in RegenSburg vor dem Grabmale deS frommen Bischofs Wittmann mehrere Personen knieen, weinen, und die kalten Hände des Monumentes küssen sah. Das Volk hat ein gut Gedächtniß für wahrhaft Gutes, und es fehlt oft nur daran, daß der schlummernde Sinn für das Gute in selbem geweckt und gepflegt wird. Eine solch kindliche Verehrung eines Bischofes ist in Oesterreich selten, denn wir haben manche unserer Bischöfe mehr fürchten, als lieben gelernt. — Würdig stehen den Bischöfen die Domcapitel an der Seite, welche wahre Muster der Gelehrsamkeit und Frömmigkeit bergen! Man braucht nur an die Namen: Benkert, Allioli, Windischmann, Mätzler, Zarbl, Schmid und den noch vor wenigen Jahren die alte RatiSbona zierenden Dicpenbrock zu erinnern. So ist eS recht, der Veirath deS Bischofes soll eine coroua surea seyn, und durch Würde und inneren Gehalt daS Ansehen desselben erhöhen und der guten Sache durch Wort und That Vorschub leisten, äcl regis exsmplsr totus componitur orbw — gilt auch hier. Der jüngere und mindere Klerus? klammert sich an die erprobte Stütze, und hegt Vertrauen zur kirchlichen ^ Behörde. Mir ist ein so tolles und volles Schimpfen über geistliche Behörden, wie eS bei uns in Oesterreich manchmal getroffen wird, in Bayern nicht vorgekommen. Wer trägt die Schuld daran? UebrigenS muß man, ^ was daS äußere geistliche Leben anbelangt, daS östliche Bayern von dem! westlichen unterscheiden. Der rheinpfälzische Geistliche bewegt sich in der^ Regel leichter, die öffentliche Kritik hat ihm keine so engen Gränzen gezogen, wie allenfalls seinem Mitbruder im Frankenlande, so wie meines Wissens die Jgnatianischen Erercitien häufiger an dem Lech und der Jsar sich vorfinden, als an den blauen Fluchen keö Rheines. Dort herrscht so zu sagen, mehr klösterlicher Geist, hier mehr weitläufiger und geselliger. BieleS mag dazu die Nähe Frankreichs und daS Zusammcnwohnen mit einer überwiegenden Anzahl von Protestanten beitragen. DaS wissenschaftliche Element findet wohl seine gebührende Stellung in den Seminarien, natürlich in verschiedenen Diöcesen verschieden, allein die Mehrzahl der in Bayern erscheinenden Bücher beweiset, daß die asketische Bildung die mehr gepflogene ist. DaS ist gut und billig, und ich wünschte vom Herzen, vaß jene Zeit sich wiederholen möge, in der die Bernarde großen Einfluß übten auf Generationen hinaus, und zwar durch die Tiefe deS Gcfühle- und die überwältigende Macht ihres sutenreinen Charakters. Aber ich halte dafür, daß unsere Zeit noch höhere Ansprüche macht an den jungen Streiter der Kirche. Mag sey», daß wir durch die Macht eines guten Beispieles die bereits katholischen Gläubigen uns erhalten, aber das ist nicht genug, wir jollen auch andere, die nicht zu nnS schwöre», anziehen und hereinführen in den wahren Schafstall Christi. Dazu gehört aber die Klugheit der Schlange eben so gut, als die Einfalt der Taube. In so ferne hat eS mir sehr wohl gethan in Würzbnrg einen Priester zu treffen, der über speculative Theologie tiefsinnige Studien gemacht hatte, obwohl sein Beruf ihn zunächst nicht auf den Katheder führte. Um das kirchliche Bild Bayerns, so weit eS mit so wenigen Pinsel, strichen möglich ist, zu vervollständigen, kann ich über die religiöse Kunst, die in diesem Lande neu erwacht ist, nicht schweigen. Durch die freigebige Huld König Ludwigs ist München zum deutschen Athen gewor- den, und eine Unzahl von Fremden, die jäbrlich seine Schätze besuchen, verlassen befriedigt diese der Kunst geheiligten Mauern. Die wunderherr- liche gothische Ankirche, daS colossale Prachtdenkmal der Bonifaciuskirche, die Ludwigs- und Hofkirche allein sind werth, daß man nach München reiset. Schon oben habe ich die kunstvolle Restauration des alten Domes zu RegenSburg erwähnt; ich habe hier nur noch den B am berge rdom, diesen seltsamen Mischling von byzantinischer und gothischer Baukunst nachzutragen, und auf den Dom nach Speyer hinzuweisen, der in Schmuck und Ehre, in Gold und Farbenzier neu zu prangen beginnt, — eine kaiserliche Pracht, wie sie den Todten gebührt, die daselbst ruhen. DaS „steinerne Räthsel" scheint sich zu lösen, und das „riesige Gedicht" verstanden zu werden, denn wie eS in MolitorS Domliedern heißt: „Wa- frech zerstört der Wälsche Mit Schwert und FciirrSgluth, Auf« Neue will e« bauen De« Deutschen frommer Muth." (Fortsetzung folgt.) Prag. Prag, im Mai. ES gibt Momente, wo daS Innere deS Menschen offener vor dem Auge des Beobachters daliegt; es gibt solche Momente auch bei Völkern. DaS Fest Leg heiligen Johannes von Nepomuk war ein solcher Moment. Deutlich war eS da zu schauen, welche Mächte im Reiche der Gemüther walten; jede derselben kämpft nach ihrer Art, jede ringet nach der Oberhand. Wie wird sich die Religion bewähren? Man sah mit Spannung dem Feste entgegen. Viel wurde gethan, um das religiöse Leben herab zu stimmen; viel wirkte daS Aergerniß zum Verderben, welches von Thoren und von Schwachen kommt; daS öffentliche Bekenntniß deS Glaubens schien von einer Partei verpönt; dazu kam noch der Umstand, daß auf daS Fest die Stadt Prag und ein bedeutender Umkreis in Belagerungszustand erklärt werden muhte, und daß sich in Folge dessen weithin die schauerlichsten Gerüchte verbreiteten: und dennoch sah man von allen Seiten die Fähnlein einher flattern, und dennoch vernahm man die weichen slawischen Weisen auf allen Wegen, unterbrochen von kräftigem deutschen Gesang. ES ist nicht zu läugnen, die Pilgerschaar war nicht so zahlreich wie wir sie in ruhigern Tagen sahen; eS fehlte jene Heiterkeit und Frische, welche diese Andacht sonst auszuzeichnen pflegte; aber wie daS Fest war, gab eS einen überzeugenden Beweis, daß viel religiöser Sinn in dem Volke wohne, der sich nach Weckung sehnt, und der gehörig geweckt und geleitet kräftig genug ist, um allem Uebel zu begegnen. Wir sehen darum mit großen Erwartungen hin auf die Versammlung unserer Väter in Wien, und harren mit Sehnsucht deS Augenblickes, wo unS ein Führer gegeben seyn wird. Jetzt ist der Drache mit dem rothen Kamm wiever mit fester Faust niedergeworfen; aber wie er sich ringelt und windet, ist zu ersehen, daß er nicht verenden wird; — ihn muß die Macht deS Kreuzes bannen. Zur Erhöhung deS Festes trug unsere gütigste Kaiserin Anna ein Großes bei, indem sie der heil. Märterin und Landespatronin Lud» milla einen Altar bauen ließ, welcher zum Feste enthüllt wurde. Die todt dahin gesunkene HI. Blutzeugin ist ein Meisterstück der Skulptur; der vaterländische Künstler Mar hat eS auS kararischem Marmor geschaffen. Ein sinnreicheres Denkmal hätte die hohe Frau im Dome nicht hinterlassen können; denn eS drückt Ihre eigene Hingebung für die Religion eben so . > i -, c W 108 aus, wie eS zeigt, was Sie dem Volke ist, eine wahre Ludmilla, d> h. eine Geliebte des Volkes. Der KriegSzustand wirkte auch auf den Katholikenverein hemmend ein; daher unterblieb die Versammlung am JohanniSfest, bei welcher man auch Mitglieder fremder Vereine erwartete. (Kath. Bl. a. T.) PiuSvereine. Mainz, 21. Juni. Die auf den 20. d. M. in AuSstcht genommene, in Wiesbaden abzuhaltende Versammlung der katholischen (PiuS-) Vereine aus der oberrheinischen Kirchenprvvinz konnte der Zeitverhältnisse wegen, namentlich da Baden und Württemberg Abgeordnete zu senden außer Stand waren, nicht in der Weise stallfinden, wie die BreSlauer allgemeine Versammlung über die allenthalben zu veranstalteten Provinziell-Versammlungen Beschluß gefaßt har. Da aber doch wegen der am 19. d. M. vollzogenen feierlichen Einweihung der neuen Kirche in Wiesbaden eine so ansehnliche Zahl von Mitgliedern katholischer Vereine aus der Diöcese Mainz und Limburg versammelt waren, daß man mit Nutzen von Dingen reden konnte, die für die katholische Vereine im Allgemeinen von Wichtigkeit sind, so wurde, nach einigen einleitenden Worten der Vorsitzenden des Wiesbadener BonifaciuS- und des Mainzer PiuS-VereinS, der Geheime LegationS-Rath Lieber, bekannter noch inner dem Namen: „der praklische Jurist" durch Acclamation auf den Präsidentenstuhl berufen, und sprach derselbe, nachdem er für die Ehre und Auszeichnung, die er, wie er bemerkte, gerne einem Andern, einem Würdigern, zugewendet hätte, unter Anderm: „ES ist ein überwältigendes Gefühl, in dem wir Alle hier versammelt sind. Versammelt hat uns daö Fest der Einweihung der katho- liichen Kirche Wiesbadens. Fragen wir unö: Wer baut katholische Kirchen? Wer hat die katholische Kirche WieöbadenS, ein in allen Beziehungen gelungenes Werk, gebaut? so ist die Antwort hierauf: Es ist der Geist der Kirche. Um unS her sehen wir die Gebäude der Menschen zerfallen, und in uns Allen lebt wohl die Ueberzeugung, daß die der europäischen Menschheit nöthige Restauration, die wiederaufbauende, nur von der Kirche ausgehen kann. Soll die Gesellschaft regenerirt werden, ich weiß, in jeder Brust von Ihnen lebt die Ueberzeugung: eg kann nur geschehen durch den schöpferischen LebenSquell, den unsere Kirche auch zu andern Zeiten schon über die Welt ausgeströmt hat. Dieß ist die Aufgabe der Kirche; sie hat ibr zu allen Zeiten entsprochen, sie wird ihr auch jetzt noch entsprechen. Alle anderen Arzneien, nehme man sie, woher man wolle, und wären sie die bestgemeinten, meine treuen lieben Genossen, sie würden nicktS helfen, — daS haben wir erfahren; sie könnten nur unzureichende Palliative seyn. Die Königreiche, die sich noch einer Macht bewußt sind, sie können die Revolutionäre züchtigen, und besitzen sie neben der Macht auch etwas Großmuth, so können sie ihnen großmüthig verzeihen; aber sie läutern, verklären, versöhnen, daS ist der irdischen Macht nicht gegeben. (Bravo!) Diese Aufgabe, eS ist die Aufgabe der Kircke^ Aber auch wohlverstanden, wenn die Kirche in dieser Zeit die Hand bieten möchte auch nur zu einem Schatten von Concessionen weiter, sie würde hingeworfen werden zu den bereits zerriebenen Institutionen, die früher dem Liberalismus und der Revolution Concessionen in Beziehung auf das Princip gemacht haben. Deßhalb ertönt jetzt von allen Seiten, vom Aufgang bis zum Niedergang, der gewaltige Ruf nach Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit der Kirche. Dieser Ruf, meine treuen Genossen, dieser Ruf ist es ja, der so viele wackere Männer in allen Gauen Deutschlands in den katholischen Vereinen zusammen geführt hat. Ich könnte und möchte mich gerne eine Weile darüber verbreiten, wie wir die Freiheit der Kirche zu verstehen haben, und wie wir sie verwirklicht zu sehen wünschen mögen, aber heute langt unsere Zeit nicht dazu. Ich möchte nur an Eins erinnern, daß wenn, wie ich in BreSlau mich deS Ausdrucks bediente, die katholischen Vereine die von dem Herrn berufenen Heeressäulen des Glaubens im Laienstande in dieser Zeit sind, daß wir dann Alle von der Ueberzeugung durchdrungen setzn müssen, daß, so wie ein Heer nichts taugt, so lange nicht jeder einzelne Recrut ein Lurcherer- cirter ist, so auch wir es im Verein, ehe wir mit andern Dingen uns mehr beschäftigen, erst zur allgemeinen Ueberzeugung in jedem einzelnen VercinS- gliede zu bringen haben, daß jeder an sich anfange vorerst daS Ebenbild GottcS in sich herzustellen, wenigstens zu erstreben und so durch Fortbildung auf diesem Fundamente sorge, daß er ein tüchtiger Soldat in diesem Heere werde. Wir baben auch deßhalb in BreSlau vorzugsweise uns damit beschäftigt, was in den Vereinen zu geschehen habe, welche Wirksamkeit die Vereine zu ergreifen haben, um eben die Wirkung des katholischen Bewußtseyns im Volke zu Pflegen und zu hegen. Diese Aufgabe ist und bleibt die nächste der katholischen Vereine." Gerne möchte ich den Lesern Ihres Blattes Näheres mittheilen über den ausführlichen Bericht, welchen Dr. Heinrich aus Mainz von dem abgestattet, waS in BreSlau verhandelt und beschlossen wurde, über den Vertrag des Herrn Dr. Colombel aus Hadamar, der besonders auseinandersetzte, wie die katholischen Vereine die wahren Bedürfnisse des Volkes ins Auge zu fassen haben, über die herzliche Ansprache des Herrn HosrathS Leyendecker, welche die christliche Erziehung und Bildung der Kinder vom zartesten Alter an zum Gegenstände hatte, so wie überhaupt über alle Reben und Vortrüge, welche in dieser Versammlung gehalten und mit allgemeinem Beifalle aufgenommen worden sind, wohl daS sicherste Zeichen, daß sie auch ihre Wirkung nicht verfehlen werden; aber ich beschränke mich, mit Rücksicht auf den Raum ihres Blattes, auf diese kurze Mittheilung, der ich nur noch beifüge, daß auch der Hochwürdigste Bischof von Limburg vor seiner Abreise nach Eltville der Versammlung über eine Stunde beigewohnt und sie bei seinem Weggehen dringend ermähnt hat, treu und eifrig auf der seither verfolgten Bahn fortzuwandeln. (Kath.) « Vom RHeine, 29. Juni. ES möchte in der That fast den An- schein gewinnen, als wollte der Katholik für die Unwandelbarkeit und Stetigkeit im Glauben sich gleichsam in nichtkirchlichen Dingen durch desto größere Wandelbarkeit unv Entzweiung entschädigen. Wenigstens suchen wir unter uns Katholiken in Letzterem vergebens jene Einigkeit und Festigkeit, welche in dem Festhalten an unserer Religion und Kirche unS auszeichnet. ES ist allerdings der alte Wahlspruch: Einigkeit im Nothwendigen, Freiheit im Unwesentlichen und Zweifelhaften, aber Liebe in Allem. Dieses freie AuSeinandergehen in zweifelhaften oder nicht kirchlich festgesetzten Meinungen zeigte sich lebhaft auf der in Mitte deS MonatS April in Köln zusammengetretenen Provincial - Versammlung der' PiuSvereine, wo besonders die Frage: „ob und wie weit diese Vereine an politischen Fragen sich betheiligen sollten" erörtert wurde unv die ausgezeichnetsten Persönlichkeiten katholischer Gesinnung verschiedene Behauptungen vertraten. Wer die betreffenden Verhandlungen gelesen, wird sich überzeugt haben, daß dabei im Nothwendigen Einheit, im Unwesentlichen^ volle Freiheit, in Allem aber Liede vorgewaltet. Das Ergebniß war auch ein Resultat voller Freiheit: daß es den. einzelnen Vereinen freistehe, auch mit rein politischen Fragen sich zu beschäftigen. Die historisch-politi- sehen Blätter haben sich in gewohnter einsichtiger Art über diese Verhandlungen ausgesprochen und den ausgezeichneten Vortrügen der verschiedenen Parteien volle Gerechtigkeit wieverfahren lassen. Angesichts dieser Sachlage macht nun einen höchst unangenehmen Eindruck daS Verfahren des jetzigen VorortS BreSlau dem Kölner oder Rheinischen PiuSvereine gegenüber. Der Kölner Piusverein (und mit ihm mehrere der bedeutendsten im Rheinland und Westfalen) hatten dem edlen Reichsverweser eine Dankadresse votirt für sein festes Auftreten und Ausharren in der Sache Deutschlands. Daß der NeichSverweser diesen Dank von leiten aller Vaterlandsfreunde verdient, wird keiner bezweifeln; ob eS aber zeitgemäß, ob es im Ganzen förderlich für die Sache der Kirche gewesen, daß katholische Vereine einen solchen Dank votirten, ist eine Frage, die wenigstens noch für und gegen besprochen werden kann. Und obschon wir eS unsererseits gewünscht hätten, daß in dieser ohnehin aufgeregten, durch Brudcrkümpfe so unglücklichen Zeit diese Adresse unterblieben wäre, so hatten doch die PiuSvereine daS Recht, darüber zu verhandeln und diesen Beschluß zu fassen, und, wie sich nicht läugnen läßt, dafür eben so gute Gründe, wie früher für den belobten DankeSauSspruch an unsern König, daß er die papierne Kaiserkrone nicht angenommen. Daß der katholische Vorort eine andere Ansicht hat, dazu hat derselbe ebenfalls daS Recht. Ader anstatt diese abweichende Ansicht dem Rheinischen Piusverein in brüderlicher Liebe mitzutheilen, gibt derselbe eine öffentliche mißbilligende Erklärung ab, welche sich auf eine Eiklärung teö heiligen Vaterö stützt, der übrigens nur vor politischen Umtrieben (motus civiles) warnt, legt also offen vor aller Welt in schonungsloser Weise einen unerquicklichen Zwiespalt bloß! Und waS in der ganzen Sache das Schlimmste war, was der Mißbilligung deS Vororts, wohl ohne dessen Absicht, den Stachel feindseliger Opposition verlieh, war der Umstand, daß diese Erklärung durch die „Kölner Zeitung," durch daS Blatt also dem Publicum bekannt gemacht wurde, welches im ganzen Rheinland und Westfalen als kirchenfeindlich und katholischer Gesinnung und Gesittung höchst gefährlich bekannt ist, während die „Rheinische Volkshalle" als Organ der Katholiken auf dem PiuStage in Köln und in BreSlau selbst warm empfohlen wurde. (Katholik.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. Virrtcljähriger Abon- ncmenISpreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr,, ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Posizeilung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buch« Handel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich I st. 20 kr. Neunter Jahrgang. M 28 . 15. Juli 184k». Die österreichischen Bischöfe an die Geistlichkeit. Die zu Wien versammelten Erzbischöfe und Bischöfe Oesterreichs haben außer dem schon besprochenen Hirtenbriefe an die Gläubigen ihrer Diöcesen auch ein besonderes Schreiben an die ehrwürdige Geistlichkeit ihrer Kirchensprengel erlassen. Es ist noch umfangreicher als jener, und wir müssen uns daher ebenfalls darauf beschränken, hier bloß seinen wesentlichen Inhalt und die bedeutungsvollsten Stellen wiederzugeben. ES wird auf die Strafgerichte un alten Testamente, auf den Verfall des römischen Weltreiches und den Untergang der Kirche in Asien als eben so viele Beweise deS LooseS hingewiesen, welches der Völker harrt, die als ungetreue Verwalter des Schatzes der göttlichen Offenbarung sich erweisen. Auch in unseren Zeiten hatte dieselbe Ursache denselben Erfolg. Man hatte Eisenbahnen und Dampfmaschinen, man wußte den Laus der Gestirne zu berechnen und die Pflanzen in ihre Bestandtheile aufzulösen, und man glaubte darum in unverständigem Stolze des Herrn nicht mehr nöthig zu haben; da brach das Jahr 1Ü48 herein und zeigte das Ungenügende der Grundlagen, auf denen die neuere Bildung und der neuere Staat sich aufgebaut hatte. Nun erkannten „die weisen Staatsmänner", welche der Kaiser an die Spitze der Geschäfte gestellt hat, daß eS nicht genüge, den AuSbruch deö Sturmes gewaltsam gebändigt zu haben, sondern daß man die Mächte des Geistes aufrufen müsse, die Ursachen, die ihnhervorgelockt, zu bannen, darum — „erschienen die Gesetze vom 4. März dieses JahreS." Die Bischöfe haben in den Tagen der Umwälzung, als Hohn und Drohung wider das Heiligthum anstürmte, nicht geschwiegen, und sie haben an die damaligen Letter des Staates ihre Mahnungen, Bitten und Vorstellungen gerichtet und für die Braut Christi die Freiheil verlangt, ihre göttliche Sendung ohne Hinderniß zu erfüllen, endlich hat das Gesetz vom 4. März der katholischen Kirche die Freiheit gewährt, ihre Angelegenheiten selbstständig zu verwalten, und dadurch die vielfachen Hemmnisse beseitigt, „welche in Oesterreich seit 70 Jahren die Entfaltung ihrer heilbringenden Wirksamkeit beirrten." Um diese Bestimmung der Grundrechte inS Leben einzuführen und aufS Einzelne anzuwenden, hatten „mehrere auS ihnen" bereits Vorbereitungen zu einer Versammlung der Bischöfe getroffen gehabt, als die dießfällige Einladung der Regierung erfolgte, der sie dankbar Folge leisteten. Bei ihren Verhandlungen ist ihnen stets die Wichtigkeit derselben, „die in die Geschicke der katholischen Kirche in Oesterreich lies eingreifen und über die heiligsten Interessen weit verbreiteter Länder das LooS der Entscheidung werfen" können, vorgeschwebt. Sie haben ihre Erklärungen, Wünsche und Vorstellungen der Regierung bereits übergeben, und erwarten von deren „Weisheit und Gerechtigkeit," das freudige Ergebniß der Berathungen bald verkünden zu können; inzwischen theilen sie den Priestern die Grundsätze mit, von denen sie sich leiten ließen: Man spricht viel von Fortschritt; es ist auch die Pflicht des Einzelnen, wie der gesammren Kirche, in Erkennung und Befolgung des Willens GolteS immer vorzuschreiten. Die Kirche insbesondere benützt „jedes probehältige Ergebniß der Erfahrung, jeden wirklichen Gewinn der Wissenschaft um die Lehre deS Heiles den Herzen tiefer einzuprägen, die Geheimnisse GolteS in immer weiteren Kreisen fruchtbringend zu machen, dem Irrthume zu steuern, die Lüge zu entlarven, der Leidenschaft zu gebieten und die AuSerwählten, welche sich ihrem besonderen Dienste gewidmet haben," für ihren hohen Beruf würdig auszubilden. Darum suchten die Bischöfe zuerst die Hindernisse deS ForlschrittS in der Kirche zu beseitigen. „In den Zeiten, welche den Tagen des Umsturzes vorangingen, haue die katholische Kirche in Oesterreich manchen Grund zu gerechter Beschwerde. Jede Regung ihres Lebens war von den Fäden zahlloser Verordnungen umschnürt; dem Verkehre mit dem heiligen Stuhle stellten sich fast unübc» steigliche Hindernisse entgegen; der Bischof durfte an seine Gemeinden ohne Einwilligung der Behörden kein Wort der Ermahnung richten; die mächtige Hilfe der Presse zur Belebung und Läuterung der Gesinnung anzurufen, wurde den Vertretern der Kirche beinahe unmöglich gemacht, denn über die einflußreichsten Fragen war jede Erörterung, in welchem Sinne sie immer mochte geführt werden, schlechthin verboten; die weltliche Gesetzgebung streckte über alles, waö in die äußere Erscheinung trat, ihre gebieterische Hand auS, sie unternahm cS sogar, den Gottesdienst bis inS Kleinste herab zu bestimmen, und stellte in Ehesachen sich zu dem Kirchen- gesetze in schneidenden Gegensatz." Manche dieser Bestimmungen wurden allerdings seit langem nicht befolgt, andere sehr milde gehandhabt; allein die Gesetze waren in Kraft und wurden manchmal ganz unerwartet in vollster Strenge wieder angewendet. Hier den ursprünglichen RechtSzu- stand wieder herzustellen und daS Kirchengesetz in Oesterreich zur vollen lebendigen Geltung zu bringen, war eine der wesentlichsten Bemühungen der Bischöfe. In so fern einige der Anordnungen der Staatsgewalt an und für sich zweckmäßig sind, sollen sie auf das kirchliche Gebiet verpflanzt und ihnen die kirchliche Weihe verschafft werden, auch sind die Bischöfe weit entfernt, die Rechte anzutasten, welche der katholische Monarch, als ein ausgezeichneter Sohn der Kirche, in der Kirche erworben hat. — (Daß hier auf den PfarrcvncurS und die Ernennung der Bischöfe von Seile des Kaisers angespielt sey, durfte Niemanden entgehen.) Die eigenthümlichen Zustände unserer Gesittung und vorherrschenden GcisteSrichtung verlangen besondere Vorkehrungen; auch diese wurden von den Bischöfen in Erwägung gezogen. Ueber die besonderen Bedürfnisse einzelner Kirchcnprovinzen wirb auf Prvvincialconcilien berathen werben, und auch Diöcesansynoden scheinen in der Absicht vieler Bischöfe zu liegen; denn es wird mit einem gewissen Nachdrucke hervorgehoben, daß die Bischöfe sich auch an die Priester wenden werden, um ihre Wünsche zu hören und die Ergebnisse ihrer Erfahrung und Hirtenklugheit zu benutzen. — „Sollten in der Anwendung und Näherbestimmung mancher Kirchengesetze sich Abänderungen als nothwendig darstellen, so werben die Bischöfe ihre Bitten und Anträge an dem Stuhle deS heiligen Petrus voll Ehrfurcht niederlegen, und dort, wo die Einheit deö PriefterlhumS wurzelt, die Genehmigung und Bekräftigung ihrer Beschlüsse suchen." Was die Bischöfe weder wollten noch konnten, war eine Abänderung der ewigen unwandelbaren und heilkräftigen Wahrheiten unseres hl. Glaubens oder der von Gott eingesetzten und umschriebenen Kirchengewalt. Darum konnten sie auch jener Forderung nicht genügen, daß sie, „wenn nicht geradezu ihrer Amtsgewalt entsagen, doch die Ausübung derselben an Bedingungen knüpfen sollen, unter welchen eine Kirchenregierung unmöglich ist!" ES ist hier offenbar jene unverständige Ansicht gemeint, j welche die konstitutionelle NegierungSform mit einer „gesetzgebenden" Ver- jsammlung und dieser „verantwortlichen" Ministern in die Verwaltung der ! einzelnen Diöcesen einführen will. ! ES wird nun auf die Besprechung der verschiedenen kirchenfeindlicheir j Gesinnungen übergegangen, auf jene deS unbedingten Fortschrittes, der seinen Haß gegen Kirche und Staat offen bekennt, und auf jene deS gedankenlosen, halben, der jenem in die Hände arbeitet, „der mit der Hyäne ikoSt, welche schon den Rachen aufthul, ihn zu verschlingen, und der daS ^Holz herbeiträgt, um das eigene HauS in Brand zu stecken, und daS alle» ),n Namen der Aufklärung und deS Abscheues vor aller Verdammung." >Es wird der falschen politischen Freiheit, der Zuchtlosigkeit der Jugend, und der falschen Nationalität erwähnt, und mit Hiiiweisung auf die rastlose ^ Thätigkeit der Apostel deS UmsturzeS ein ernstes Wort der Ermahnung an die Priester gerichtet, Laß sie, „welchen der Sohn GolteS daS Seelenheil seiner Erlösten anvertraut, die er in das Innerste seines HeiligthumS ein- 11V geführt und mit der Macht des PriesterthumS begabt hat, gleiche Thätigkeit, gleiche Entschlossenheit entwickeln, um der Wahrheit vie Pfade zu ebnen, den Irrthum zu verscheuchen, die Seele zu retten." Hier ist vor allein die Reinigkeit eines christlichen Wandels und die Kraft jenes Eifers erforderlich, welcher „seinen LebenShauch aus dem Wehen heiligen Geistes schöpft." DaS Schreiben endet mit dem Gebete, daß der Herr der Heer- schaaren einen Blick der Erbarmung aus diese Lande sende, welchen er in Namen sie verherrlichen, dessen Willen sie vollziehen wollten; die Größe des deutschen Reiches suchten sie in Gott und durch Gott. DaS war der Grundgedanke, der daS deutsche Kaiserreich belebte und heiligte, erhielt und erhöhte; ohne diese tiefreligiöse Grundlage wäre eS niemals zu jener hohen Stellung gelangt, die es beinahe durch ein Jahrtausend in der Völkergeschichte behauptete, die es dann erst verlor, als der lebendige, religiöse Geist nicht mehr in diesem Reiche herrschte. Diesen Werth der Religion erkannten wohl die deutschen Kaiser, und in der Hebung derselben sahen Christo, seinem eingebornen Sohn, Licht und Gnade geschenkt hat, daß er sie die Hauptaufgabe ihres kaiserlichen Wirkens. Besonders ausgezeichnet sie nicht vor seine», Angesichts verwerfe, daß er den Verirrten die Engel Lurch dieses erhabene Streben ist jedoch jener Kaiser Deutschlands, den der Liebe und Demuth sende, damit sie die Last der Begierden, welche sie die Christenheit jetzt unter den seligen Himmelsfürstcn verehrt, der heilige zur Erde beugt, von sich werfen und zum Himmel aufblicken, für den sie Heinrich. Was er für die Beförderung der Religion gewirkt, daS bezeu- geschaffen sind. „Dann wird auch ein Hauch Deines FriedenS zu uns gen nicht bloß die Bücher der Geschichte, daS hat Gott aufgezeichnet in nieverwehen, und vereint um Deinen heiligen Altar werden wir Dich prei-seinem Buche ewiger Vergeltung. sen, i» Glauben und Hoffnung, bis wir eingehen in daS selige Reich deöi Heinrich war selbst, was einem würdigen Fürsten vor Allem Noth SchauenS. Amen." tthut, in seiner heiligen Religion festgegründet, ihre heilsamen Grundsätze - ^ hatte er schon von Jugend auf in sein Herz aufgenommen, und dadurch war schon eine spatere segenvolle Regierung verbürgt. Als ihn nach dem Ueber die Nothwendigkeit der Religion zum Gedeihen Tode des Kaisers Otto III. die Wahl der deutschen Fürsten auf den Kai- eineS Staate-. *) ! serlhron erhob, ging ihm schon der Ruf der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit, I. Wollen wir erkennen, wie nothwendig die Religion sey einem Staate zum glücklichen Bestände, Religion auf dem Throne wie beim Volke, so brauchen wir uns nur deutlich zu machen, waö denn eigentlich Religion sey. Diese ist nichts Anderes, als das Band, welches die Geschöpfe an den Schöpfer knüpft; eS ist jene Unterordnung der Geschöpfe unter ihren Schöpfer, mögen sie dieselbe auch nicht anerkennen, oder gar sich dagegen sträuben. „Gott hat unS erschaffen, sagt darum David, und er hat uns für sich erschaffen" (Ps. 99, 3.). Während nun die übrigen Geschöpfe unbewußt und unfreiwillig ihrem Schöpfer untergeordnet bleiben, soll der Mensch, mit Vernunft und Willensfreiheit begabt, seine Abhängigkeit von Gott erkennen und auS freiem Willen stets der Bestimmung treu bleiben, die ihm von seinem Schöpfer geworben ist. Er soll Gott als seinen Herrn!chem Ende Gott ihn so hoch erhoben; die Kenntniß des ganzen Umfanges erkennen, Ihn anbeten, Ihm dienen, in Allem gehorsam seinen Willen seiner Pflichten ließ er sich stets angelegen seyn, und im Gefühl der Un- der Sanftmuth und Mäßigung voraus; groß war deßhalb das Vertrauen, welches Deutschland auf seinen neuen, weisen und frommen Beherrscher setzte, und er entsprach vollkommen dem hohen Begriffe, den man sich von ihm gemacht hatte, durch die weise Verwaltung seiner Staaten wie auch durch jenen Glanz aller christlichen, königlichen und kriegerischen Tugenden, die man so selten vereinigt findet. Heinrich besaß die erste Tugend deS Christen, die auch den Fürsten auf dem Throne ziert: er war von Herzen demüthig; er wußte wohl, daß nur Gott eö ist, der dem Fürsten Ansehen und Würde, Macht und Gewalt verleihet, daß vor Ihm, dem Unendlichen und Allmächtigen, jede irdische Größe verschwindet; im Glänze kaiserlicher Herrlichkeit vergaß es Heinrich nicht, daß er einst wieder vom Thron herab inS Grab steigen und dem Weltenherrscher genaue Rechnung von seiner Regierung werbe ablegen müssen. Nie verlor er auö dem Auge, zu wel- zulänglichkeit menschlicher Kräfte zur Erfüllung so hoher Anforderungen wendete er sich im Gebete zu Gott, und bat Ihn um Weisheit, durch welche allein vie Fürsten mit Glück und Segen ihre Völker leiten können. erfüllen und dadurch ewiges Heil und ewige Seligkeit finden. Dieses ist der ganze Inbegriff der Religion. Allein nicht jede Religion ist die wahre, nicht in jeder erkennt und beobachtet der Mensch wahrhaft seine Abhängigkeit von Gott. Wie eS nur! Unablässig betrachtete er daS göttliche Gesetz, um durch daS eigene Beispiel Einen Gott gibt, so gibt eS auch nur Eine wahre Religion, es ist die eines demüthigen Gehorsams gegen GotteS Gebote seinen Völkern zur Tu- Religion Jesu Christi. Er hat uns erst recht Gott, seinen unv unsern gend voranzuleuchten. Vater, kennen gelehrt, Er hat unS den Willen unsers GotteS vollkommen! Diese aufrichtige Demuth vor Gott bewahrte unsern heiligen Kaiser und klar verkündigt, hat unS die Beobachtung desselben eindringlich anS vor jenem Fehler, dessen sich der Mensch nicht leicht erwehren kann, wenn Herz gelegl und unS gezeigt, wie die gehorsame Erfüllung deS göttlichen Macht und Gewalt in seine Hände gelegt sind, nämlich vor der Willkür. Willens unsere einzige und wahre Lebenöbestimmung jey, wie wir nur da durch wahrhaft glücklich und selig werben können. JesuS hat uns durch sein eigenes Beispiel gelehrt, wie unser ganzes Leben Gott geweiht seyn, Ihm gehören solle, wie wir in Allem nur unsers Schöpfers Ehre in Obacht nehmen, stets seine Gebote vor Augen haben unv nach ihnen unser chon von Jugend auf halte Heinrich angefangen, in der schwersten Tugend der christlichen Religion, in der Selbstverläugnung sich zu üben, ohne welche es dem Menschen unmöglich ist, mit steter Treue seinem Gott zu dienen. Er hatte sein Fleisch dem Geiste, seinen Geist aber Gott untergeordnet, so daß er niemals seinen Eigenwillen, sondern stets den Willen Leben regeln sollen. Nur der Mensch, der, wie es die Religion Jesu Gottes zu erfüllen trachtete; niemals gebrauchte er seine Macht dazu, um lehrt, stets an seinen Gott sich hält, der wird seine Bestimmung hieniedcn seine Leidenschaften zu befriedigen, und wie sehr er diese zu beherrschen erreichen und sein Ziel nicht verfehlen; wer hingegen Gott auS den Augen verstand, bezeugt unS folgende Begebenheit. Er belagerte einst im süd- verliert, wer all sein Thun und Lassen nicht auf Ihn bezieht, nicht nach lichen Italien eine aufrührerische Stadt; da dieselbe einen ungemein hart- Eeinem Willen ordnet, der fällt dem Irrthum und der Thorheit, der näckigen und erbitterten Widerstand leistete, so schwur der Kaiser in der Sünde und dem Verderben anheim. Gersten Aufwallung seines Zornes, nach Einnahme der Stadt ihre Untreue So wenig nun der einzelne Mensch ohne solche religiöse Weihe seines blutig zu rächen. Bald darnach mußten die Belagerten sich dem Kaiser Lebens sein Heil und Glück finden kann, eben so wenig mag ein Staatt ergeben, zitternd erwarteten sie die strengste Strafe für ihre Empörung; gedeihen, wenn nicht Haupt und Glieder desselben von wahrer Religion als sich aber die Thore öffneten und eine Schaar Kinder, das Bild deS durchdrungen sind. Der Staat besteht ja nur auS einer größern Anzahl Gekreuzigten an der Spitze, flehend dem Kaiser entgcgenzog, da überwand von Menschen, die sich verbunden haben, um gemeinschaftlich nach wahrem der christliche Herrscher seinen Unmuth und ließ die Empörer in keiner Glück zu ringen. Wie aber der Mensch nur dadurch glücklich werden kann, daß er gehorsam und eifrig seinem Gott anhängt, so kann auch ein Staat nur glücklich bestehen, wenn der Regent desselben, wie der Unterthan, ihre wechselseitigen Pflichten aus Gehorsam gegen Gott erfüllen — wenn Beide wahre Religion haben. Wir blicken jetzt so gerne auf daS Weise seine Rache fühlen. So verstand eS der mächtigste Herrscher der Welt, sich selbst zu beherrschen — die Religion vom Kreuze hatte ihn dieß gelehrt. Einen Thron aber, dessen Herrscher wahre Gottesfurcht im Herzen trägt, wird auch zu jeder Zeit unversehrte Gerechtigkeit umgeben. Bei ehemalige deutsche Kaiserreich zurück, und weiden uns mit Lust an der jeder Entscheidung hatte Heinrich, der Richter eines großen Volkes, daS Größe und dem Ruhm desselben. Aber haben wir denn auch schon erkannt,! Gesetz, die Wahrheit und daS Gericht deS Herrn vor Augen; nicht die was seine Größe und seinen Ruhm begründet hat? DaS war die Religion,! Person sah er an, sondern die Gerechtigkeit der Sache, dieser suchte er von welcher Beide, der Kaiser wie daS Volk, auf daS Lebendigste beseelt stets den Sieg zu erleichtern, und nichts schmerzte ihn so tief, als irgend waren; Beide strebten darnach, daS Reich GotteS auf Erden zu verbreiten Jemanden, wenn auch ohne sein Wissen, Unrecht gethan zu haben. Er und zu erhöhen, Beide erkannten Gott als ihren höchsten Herrn, dessen *) Kanzclrcdc auf das Fest des h. Kaisers Heinrich H. (15. Juli), aus der Phi- lothea, mit Weglaffung der Einleitung. hatte sich gegen den heiligen Heribert, Erzbischof von Köln, aus Mangel an gehöriger Kunde einnehmen lassen, allein er hatte nicht sobald die Ursache desselben erfahren, als er selbst zu ihm ging, ihn um Verzeihung bat, unv nicht eher sich beruhigte, als bis ihn der Oberhirte versicherte, 111 er habe ihm aufrichtig vergeben. AIS wahrer Anbeter Jesu, als treuer Diener seiner heiligen Religion wollte sich aber Heinrich nicht bloß gerecht gegen seine Unterthanen bezeigen, er lieble sie auch als Christ mit christlicher Nächstenliebe. StetS war er darauf bedacht, sein Volk nicht mit großer» Abgaben, als nöthig war, zu belasten; Kriege mit andern Völkern suchte er, ein stets sieggekrönter Held, so viel als möglich zu vermeiden, denn er wollte daS Blut der Menschen, seiner Bruder, schonen; besonders aber unterstützte er in hoher Freigebigkeit die Armen, unterdrückte sorgfältig die Mißbräuche und Unordnungen, beugte den Ungerechtigkeiten vor, sicherte das Volk gegen Bedrückungen und steuerte jeder Noth, so viel nur immer in seinen Kräften lag. Man hätte meinen sollen, baß er auf Erden keine andere Erben hinterlassen wollte, alö die Nolhleiden- den; wo er hinkam, schüttete er reiche Almosen in ihren Schooß und verbreitete allenthalben den Ruhm seiner Milde und Liebe. Wie groß, wie verehrungswürdig steht dieser Kaiser vor unS da, geschmückt mit Regententugenden, wie wir solche nur an dem Muster eines christlichen Fürsten suchen dürfen: mit Gottesfurcht und Selbstbeherrschung, mit Gerechtigkeit und Weisheit, mit Kraft und Liebe! Und welchem Stamme sahen wir diese herrlichen Blüthen fürstlicher Tugenden entwachsen? Dem heiligen, fruchtbaren Stamme wahrer, lebendiger Religiösität. In christlicher Treue und Liebe seinem Gott ganz ergeben, verlor Heinrich Ihn als sein höchstes Gut auch auf der obersten Spitze irdischer Macht nicht aus den Augen, und dafür schenkte ihm Gott Gnade, daß er sein Volk mit Weisheit und mit Glück regierte. Doch zum wahren Heile eines SlaateS genügt es nicht, daß die Religion bloß auf dem Throne herrsche; auch inS Volk muß sie tief und lebendig eingedrungen seyn, damit ein gotteSfürchtigeS Volk vereint mit seinem frommen Fürsten dahin strebe, daß der Name des Herrn geheiligt werde, daß Gottes Reich zu ihnen komme, daß der Wille deS Herrn geschehe wie im Himmel, so auch auf Erben. Der Weisheit des hl. Kaisers Heinrich war^dieß nicht verborger geblieben, daher sein Bemühen, wahre Religiosität bei seinem Volke zu verbreiten und zu beleben. Ein Brief von BaldegamaS. Die socialen und politischen Bewegungen der Neuzeit haben zu verschiedenen historischen, philosophischen und religiösen Forschungen Anlaß gegeben. Ueber daö zur modernen Frage geworbene Verhältniß der Religion zur Civilisation hat sich unlängst der spanische Gelehrte Marquis Don» so Valdegamas, gegenwärtig Gesandter zu Berlin, in einem Briefe an den französischen Pair Montalemdert ausgesprochen. Wie wahr und treffend vom katholischen Standpuncte auS in diesem Briefe „über die große Erinnerung und große Hoffnung," zwischen welchen beiden der Mensch steht, geurlheili wird, hierüber mögen die Leser entscheiden, denen wir einige Stellen im AuSzuge mittheilen. „Die Bestimmung der Menschheit ist ein tiefes Geheimniß. Ueber dieses Geheimniß erhallen wir einen zweifachen Aufschluß. Katholicismus und Philosophie sind bamir einverstanden, die Menschheit müsse dahin streben : vollkommene Civilisation zu erreichen. Aber die Civilisation, welche der Katholicismus im Sinne hat, ist himmelweit verschieden von dem, was die Philosophie '*) unter Civilisation versteht. Vereinigen lasten sich beide Ansichten nicht. Man muß entweder zu der einen ober zu der andern sich entschließen. Eklektisch zu Werke gehen, das heißt mit den Grundsätzen der einen und u»it den Folgerungen der andern einverstanden seyn, solch ein Verfahren wäre rnit den Dcnkgesetzen nicht vereinbar. Es gründet sich aber die katholische Civilisation auf die Ansicht, baß die menschliche Vernunft die Wahrheit weder finden noch erkennen kann rein auS sich selbst, doch kann sie dieselbe sehen und erkennen, wenn sie ihr gezeigt wird. Der menschliche Wille kann ferner das Gute nicht wollen und nicht vollbringen auS sich selbst, doch kann er eö wollen und vollbringen, wenn ihm dabei geholfen wird, diese Hilfe erlangt er aber nur, wenn er sich einem höhern Willen unterwirft. Es kann also die menschliche Vernunft die Wahrheit nur sehen, wenn eine untrügliche Auctoriläl sie ihr zeigt. ES kann der menschliche Wille das Gute nur wollen, wenn er eingeschränkt ist durch die Furcht vor Gott. Sobald die Vernunft sich von der Kirche, der Wille sich von Gott emancipirl, dann regiert der Irrthum und die Schlechtigkeit ohne Damm in der Welt und zwar um so mehr, als Vernunft und Wille durch die Sünde geschwächt sind. — Die moderne philosophische Civilisation hingegen geht von der Ansicht aus, daß daS Wesen des Menschen vollkommen sey. ES könne die Vernunft des Menschen die Wahr- *) Laldcgamas meint hier natürlich nur die falsche, die vom Christenthum ganz absehende, die eben herrschende pantheistische Philosophie. D. R. heit erkennen rein aus sich selbst. Es könne der Wille zum Guten sich entschließen und es vollbringen, wie cS ihm gefällt. ES komme die sich selbst überlassene Vernunft zur Wahrheit, der sich selbst überlassene Wille komme zur Ausübung deS Guten. Würde die Vernunft nie gehindert in ihrem Streben nach Erkenntniß und würbe der Wille nie gehindert in seiner Thätigkeit, so gäbe eS nichts „BöscS" auf der Erde. Je freier daher die Vernunft wäre von den Banden und je freier der Wille, desto vollkommener wäre der Mensch. Daher wäre cvnsequent die Menschheit am vollkommensten, wenn sie Gott nicht anerkennt, sondern dieses göttliche Band verwirft, ferner wenn sie die Regierung nicht anerkennt, sondern dieses bürgerliche Band zerreißt, dann wenn sie daö Eigenthum nicht anerkennt, sondern dieses sociale Band zerstört, endlich wenn sie die Familie nicht anerkennt, sondern gegen diese häuslichen Bande sich sträubt. Wer mit diesen Folgerungen nicht einverstanden ist, der kennt die moderne philosophische Civilisation nicht an. Wer aber die philosophische Civilisation nicht anerkennt, und eö auch nicht mit dem Katholicismus hält, der geht in eine Wüste von Irrthum. — Gehen wir nun von der theoretischen Frage zur praktischen über, nämlich zu der Frage: Welche von beiden Civilisationen wird im Laufe der Zeit den Sieg davon tragen? Ganz gewiß die philosophische. Damals, als der Gerechte seinen Leiden entgegen ging, kamen dre Engel-Legionen nicht vom Himmel, um sich seiner anzunehmen. Warum sollten sie heut zu Tage, da nicht ein Gotlmeusch an das Kreuz geschlagen wird, sondern da ein Mensch den andern kreuzigt, sich bewogen finden, hinabzusteigen? Warum seilten sie heut zu Tage Herabkommen, da unser Gewissen uns zuruft, daß in dem großen Trauerspiele Niemand ihre Dazwischenkunsl verdient; nicht diejenigen verdienen sie, welche daS Opfer seyn werden, und nicht jene, welche die Henker sind. Hienieden siegt gewöhnlich endlich das Schlechte über daS Gute. Den Sieg über daS Schlechte hat sich, so zu sagen, Gott selbst vorbehalten. Was zeigt die Sündflulh an? Den natürlichen Sieg deS Schlechten, und den übernatürlichen Sieg GolteS. Was ist ersichtlich beim Tode deS Heilandes? Der natürliche Sieg des Schlechten, und der übernatürliche Sieg GotteS. Am Ende der Welt, sagt die Schrift, wird der Antichrist herrschen und dann folgt das Gericht. Was wird sich bestätigen bei dieser Katastrophe? Der natürliche Triumph deS Schlechten über daS Gute und der übernatürliche Triumph Gottes über daS Schlechte. — Freilich könnte man mir entgegnen: „Wenn dem so ist, so hören wir aus zu streiten für daö Gute." Nein! Der Streit ist für uns Katholiken eine Pflicht und nickt eine Spcculation. Danken wir Gott, daß er unS zum Kampfe angewiesen hat. Die Weise betreffend, in welcher dieser Kampf geführt werden soll, meine ich, es sey zumal die Presse zu benützen. Zeitschriften müssen dazu dienen die Wahrheit zu verbreiten und zu vertheidige». Eben in bewegter Zeit sind die Menschen geneigt zur Belehrung, daher eben jetzt auch der gewöhnliche Mann zum Lesen seine Zuflucht nimmt. So verderblich Revolutionen auch seyn mögen, daS Eule haben sie doch, daß sie im Glauben befestigen und den Glauben in ein schönes Helles Licht setzen. — Dieser Brief, aus welchem die voranstehenden Citate genommen sind, wurde vor einigen Wochen zu Berlin geschrieben. Durch die Uebersctzung verliert die Diction an Schönheit und Kraft. Wünschenswert!) aber wäre es, wenn auch in unserm Vaterlande intelligente, überzeugte, katholische Männer, Juristen zumal und Aerzte, sich entschließen möchten, die Journale zu benützen, um ihre Ansichten über die TageSfragen öffentlich kund zu geben. Kirchliche Neisebilder. (Fortsetzung.) Wenn man daS Herz Deutschlands durchzieht, so muß eS ein kirch, lich gesinntes Gemüth unangenehm berühren, daß man bald bei Protestanten, bald bei Katholiken Nachtherberge nehmen muß, und eS wird einem bei Erwägung dieses MißstandeS leichter begreiflich, wie Deutschland vergebens nach Frieden und Einigkeit hascht. So lange die Divergenzen sich um Dinge drehen, die in daS innerste Heiligthum deS Menschen eingreifen, um Glauben und religiöse Ueberzeugung, so lange wird weder ein Natio- nalconvent, noch eine octroyirte preußische Verfassung Deutschland einig machen, und eS wird sich das kaustische Wort eines Dichters bewähren, der da fingt: O Deutschland, Deutschland, Du bist bei Gott, Von Innen zerrissen, nach Außen ein Spott. 112 Am meisten überwältigten mich derlei trübe Gedanken zu Frankfurt; — doch die werven den umflorten Hintergrund meines ReisebildeS abgeben. Für jetzt soll eS noch ziemlich heiter bleiben und freundlich, so freundlich und heiler die Rheinufer sind. ES ist ein ergreifender Anblick — das alte Moguntinum, bespült von den bläulichen Fluchen des Allvater Rheines. Ernst und kosende Romantik reichen sich hier die Hände. Die Charakteristik deS Rheinländers ist bald beisammen; der Grundzug seines Lebens ist Religion, alles andere reihl sich um diese Grundanschauung, wie die einzelnen Atome um den krystallnen Körper. Seine Ueberzeugung ist warm und innig, eS glicht Las Auge und schlägt höher das Herz, wenn der Mund sich öffnet zum Lobe des Herrn. Die Kirchen sind noch mehr besucht, als in Bayern, und das Verhältniß zu den Seelsorgern, hier Pastoren genannl, ist ein kindlich vertrauendes. Die Geistlichen haben in ihrem Aeußeren etwas sehr Ehrwürdiges. Die Svutanelle, die sie in der Regel tragen, kleidet gut und priesterlich. Gegen Fremde ist man am Rhein besonders artig und zuvorkommend, eö sind mehr poiirle Sitten, die einen ästhetisch guten Eindruck und die romanlische Rhcinfahrt doppelt unvergeßlich machen. Ich will keine Rainen nennen, sonst würbe ich von Mainz angefangen über Koblenz und Bonn bis Eöln hinab einen Calalvg verfertigen müssen. Vielleicht kommen einigen der so gefälligen Herren diese Zeilen zur Hand, sie mögen ihnen ein schwacher Dolmetsch meiner dankbaren Gesinnung seyn. Zwei Erscheinungen, die ich am Rhein traf, find zu wichtig, als daß ich sie übergehen könnte. Ich meine das Kölner- dombaufcst unv die PiuSvereine. DaS Kölnerdvm Laufest war eine großartige Demonstration der katholischen Gläubigen, eS war ein Triumph- fest für die Kunst und Leren heilige Pflegerin, die Kirche. Der alte Dom prangte in jugendlicher Frische, und so unbefriedigend der erste Eindruck war, als ich ihn eine Woche früher mit Gerüsten umklammert, und von, Schütte entstellt fand, so herrlich und majestätisch stand er jetzt vor meinem stalincnden Auge. Welche Kühnheit des Gewölbes, welch colossale Dimensionen, welch herrlicher Schmelz der allen und neuern Glasmalerei! Wahrlich dieß Denkmal allein wird ewig Kunde geben von der einstigen Größe deS deutschen Volkes, eö ist ein würdiges Symbol der erst zu vollendenden deutschen Einheit. Die pompösen Fackelzüge, Processionen u. s. w. übergehe ich, und will nur erwähnen, Laß ich mit eigener Lebensgefahr den Erzbischof Getssel am Altare sah, umrungen von den anderen erzbischöflichcn Gästen, und im weiten Chöre den Erzherzog-NeichS- verweser und den lorgnetlirenden König von Preußen, unv all die Depu. tirten der deutschen Nationalversammlung. ES war ein hartes Opfer, das ich dem Dombauseste brachte; denn eö gab nur Schaugcnüffe, keine geistigen, man war zu bewegt und zerstreut, und Schaugepränge sättigen bald. Darum verließ ich schon am dritten Tage des Festes die „heilige" Lolviiis, froh einer doppelten Lebensgefahr, ceS Erdrückens im Dome, und der zufälligen Steinigung bei der Ankunft veö preußischen KönigS in Düsseldorf glücklich einkommen zu seyn. Roch ein schöneres Monument hat sich der neuaufblühende Katholicismus in den PinS vereinen gesetzt. Die großartige Idee, welche diesen Vereinen zu Grunde liegt, besteht darin, daß die Laien für die Rechte der katholischen Kirche einstehen, und mir Wort und Schrift für die Freiheit derselben kämpfen. Wenn ganz Deutschland einmal von diesen Vereinen durchzogen ist, dann wird man Las Gute, LaS sie stiften, erst erfassen können; denn die Macht der Association ist die mächtigste Macht der Gegenwart. Zur soliden Association gehört aber eine solide Basis, und in dieser Hinsicht stehen die PiuSvereine auf der solidesten, und tragen daher in sich selber die Bürgschaft der inneren Kraft und bleibenden Wirksamkeit. Der Anstoß dazu wurde meines Wissens ui Mainz gegeben, und das feierlich ausgesprochene Wort fand freudigen Nachklang in den übrigen Provinzen. Ich besuchte zwei solche Vereine, zu Mainz und zu Burl- scheib bei Aachen, und die Stunden, die ich daselbst verlebte, gehören zu den genußvollsten meiner Reise. Wo noch so kräftiger Sinn für Recht unv Gesetz, so viel Liebe zur Kirche im Volke lebr, da ist noch nicht zu verzweifeln, und wenn man an verschiedenen Orten meint, daS deutsche Volk habe sich überlebt, so möge man die heilige Willenskraft, die noch im Kern LeS katholischen Volkes liegt, nicht übersehen. Ein Baum kann kranke Auswüchse haben, wenn man aber diese vom Stamme schneidet, so wird der Baum noch viel schöner blühen. So stelle ich mir daS künftige Geschick Deutschlands vor. Entweder überwuchert daS Unkraut den gesunden Baum, oder man entfernt von ihm daS erstere. Die PiuSvereine haben nach meiner Ansicht als Hauptaufgabe, die gesunde Kraft im Stamme deS deutschen Volkes zu erhalten; wenn auch sie Deutschland keinen höheren Impuls verleihen, dann verzweifle ich, denn dann hat Deutschland aufgehört katholisch zu seyn, und in sporadischer Zerrissenheit werden sich Völker und Fürsten, Städte und Länder trennen, und ArndtS Geist wird, ein verhexter Genius, die Lüfte durchziehen und ächzen: Wo ist deS Deutschen Vaterland? Die Art und Weise, wie die Versammlungen gepflogen werden, beweist, daß man am Rhein viel mehr parlamentarischen Takt kennt, als bei unS im neuerwachten Oesterreich. Der Präsident, wo möglich ein Laie, handhabt mit Geschick die Glocke, und die einfachsten Bürger hielten freie Vortrüge über religiöS-sociale Tagesfragen. WaS mir alö Fremden besonders wohl that, war die herzliche Freundlichkeit mit der man mich und meine Neisecollegen aufnahm, ich fühlte mich so heimisch in diesen Vereinen, waren eS ja nicht bloß deutsche, sondern waS noch mehr verwandt macht, katholische Brüder, die mir traulich die Hand reichten. ES drängte mich zum Worte, das man mir gerne zugestand, und waS mir die überwältigende Macht deö Augenblicks eingab, erhielt den freundlichsten Beifall. Anfangs nahm ich etwas Anstoß, daß (in Burtscheid) die Veisammlungen beim vollen Glase stattfanden, — allein der Rheinländer vergißt auch beim Glase nicht, waS dem Katholiken zieme, und die nüchterne Heiterkeit steht ihm sehr wohl an. In Oesterreich dürfte diese Praxis nicht räthlich seyn. An den PiuSverein schließt sich der con- stitutionell-mvnarchische Verein in München an, den wir gleichfalls besuchten. Als Curiosum davon erwähne ich nur, daß man, als wir von einem Mitgliede eingeführt um das Wort baten, dasselbe wohl zugesagt erhielten, aber nicht an Mann bringen konnten, weil die Sitzung früher geschlossen ward. Man schien den jungen Gästen aus Wien nicht völlig zu trauen, weil erst vor einigen Tagen verkappte Jünger der Wiener-Aula für eine fälschlich den Münchnern von letzterer verehrte Fahne sich hatten fetiren lassen, bis der vorsichtige Bürgermeister ihnen daS Handwerk legte. Ich kann diese bescheiden ausholende Höflichkeit dem Münchnervereine, obwohl sie mir anfangs wehe that, nicht übel nehmen; denn in einer wirren Zeit ist Vorsicht und Klugheit absolute Nothwendigkeit. Wir nahmen Abschied und schwiegen; jetzt aber kann ich mir'S nicht versagen, dieses Erlebniß wie einen satyrischen FaunuS in mein Reisebild hineinzumalen. (Schluß folgt.) A» Georg Herwegh. Wohin bist du, blitzschlcudcrndcr Poct, Mit deiner L eder blul'gem Zorn geflüchtet, Willst du dem „hcil'gcn" Kampfe dich entzich'n, Da Feindes Schwert die Neih'n-dev „Brüder" lichtet? Sangst du nicht einst in blutgetränktem Haffe: „Zum letzten Kampf der Frci.hcit eine Gasse;" Und da.die „FrcÜjeil" quillt aus. tausend Wunden, Bist spurlos du. wie ein Atoni^fferschwunden! Sich deines Fluches blut'gcs.Äöort erfüllt: „Reißt sie heraus die Kreuze aus der Erden, „Der Deutschen Zukunft klirrt in blankem Erz, ,Ja alle sollen blanke Schwerter werden!" Hast du nicht Jene nur als „Frei" gepriesen, Die sich die Freiheit in der Schlacht erkiesen; Und jetzt willst du als Sklave dich verkriechen, Nicht mit den Deinen fallen oder siegen? Wer peitschte je so frech und wuthentbrannt Die „Brüder" zu der „Freiheit letztem Kampfe." „Gebt mir ein Schwert" erscholl dein rasend Lied, „Daß ich die Freiheit aus der Erde stumpfe!" Und nun da tausend heiße Schwerter blinken Seh'n wir den Jüngling still von bannen hinken! Hervor aus deinem tbest, du rother Sänger, Zerschmett're deines „Volkes" stolze Dränger! Hast du doch einst mit lästerlichem Mund Selbst mit dem ew'gen Herrn des Alls gerechtet, Der „Ring um Ringe an die Kette füLt, „Die schonungslos die Völker drückt und knechtet:" Und jetzt, da in des Kampf's unset'gem Wirren Die längst gefluchtet, Kelten rollend klirren, Läßt du die Deinen in so bittern Tagen Allein die Wucht der schweren Kette tragen! O Schmach und Hohn dem feigen Lügenwort, Das mit dem Blut und Schwerte kokettirte, Und in erheuchelter Begeisterung Die stolz Bethörten kalt zur Schlachtbank führte: Wie willst du vor dem Richter einst bestehen, Wenn Tausende gen dich um Rache flehen, Die du mit deiner Lieder grauscm Schalle Gestürzet in des Orkus finstre Halle?! Tafrathshofer. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- nemkntSpreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeilung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeilung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. M 2S. SS. Juli L84S. >- König Max im Dome zu Negen-burg. RegenSburg, 9. Juli. Ehe Se. Majestät unser vielgeprüfter König von hier abreiste, besuchte er .den altehrwürdigen Dom, um eine heilige Messe anzuhören. Beim hohen Portale angelangt, reichte ihm Herr Domvecan Mengein das Weihwasser mit den Worten: „Empfangen Ew. Majestät burch dieses Zeichen Heil und Segen beim Emlritte in unsere allehrwürdige, alldeutsche Kathedrale. ES ist mir und allen Anwesenden nicht nur ein schönes Omen, daß Ew. Majestät gerade heute, am Jahrestage der Einweihung dieses erhabenen DomeS, hier erscheinen, sondern eS ist unS eine göttliche Fügung, daß Ew. Majestät an diesem Tage in diesem von Ew. Majestät königlichem Baker restaurirten GolleShause den christlichen Pflichten Genüge leisten. Viel wurde schon in diesem Dome für WittelSbach, für das liebe Vaterland, für Ew- Majestät, für Deutschland gebetet; aber heute werden alle Anwesenden in ihrem Dankgebete für die Wohlthaten des EhristenlhumS auch dessen gedenken, waö Ew. Majestät und Allerhöchst Ihre Ahnen dem Baterlande, der Kirche gethan. Unser Hohepriester wird dort am Altare mit dem Festgebele die Orstio pro rege et psce verbinden und ich selbst werde das heilige Meßopfer nach dem Wunsche Ew. königl. Majestät für das Heil BayernS und Deutschlands darbringen." Bei seinem Scheiden aus dem GolleShause entließ der hochwürdige Domdechant Se. Majestät mit den Worten: „Ew. kgl. Majestät haben den hier so zahlreich versammelten Bewohnern jedes Standes und Glaubens ein schönes Beispiel gegeben, eine große Freude gemacht. Schon viele Kirchweihsonntage sind in diesen heiligen Hallen seil ihrer Erbauung durch Bischof Leo gefeiert worden, aber kaum noch'.'einer, wie der heutige in Gegenwart eines KönigS aus dein Hifpse der WiltelSbacher, des burg- gräflichen Geschlechtes der alten Reichsstadt, da seil dem Falle Arnulf des Schyren am Ostenlhor bis zum Jahre 1809 RegenHurg nicht mehr dem engern Baterlande Bayern angehörte. Ew. MajeställHaben heute in diesem Dome mit Ihrem gläubigen Volke gewiß nicht umsonst gebetet — für Bayern, für Deutschlands Heil, für die Eintracht der deutschen Völker. Alle, die hier gebetet, freuen sich, Ew. Majestät als Ihrem angestammten LandeSvater anzugehören; aber alle wissen, daß nur in Gott und seinem Sohne Jesus Christus Einheit und Freiheit für Bayern, für Deutschland kommen könne." Hierauf erwiderte Se. Majestät: „Ich wünsche von gan zem Herzen, daß all das so seyn und werden möchte, aber )ch fürchte für das Vaterland." „Fürchten Ew. Majestät Nichts, entgegnete darauf der Herr Dvmdechant, Sie demüthigen sich vor Gott und beten zu Gott und mit Ew. Majestät betet ein gläubiges Volk. Es muß an Ew. Majestät, an einem Mar daS gesegnet werden, was Mar der Gute für Gott und Vaterland gethan, und sollten noch schwerere Prüfungen über das Vaterland kommen, die Bayern werden mit ihrem Gebete den Himmel stürmen um Heil und Segen für Ew. Majestät, für daS treue Bayern, für das annoch zerrissene deutsche Vaterland." (N. Sion) Ueber die Nothwendigkeit der Religion zum Gedeihen eines Staate-. II. Alles ist eitel, dessen Grund und Ziel nicht Gott ist, sagt der fromme Stolberg. Nichts hat dauernden Werth, nichts gereicht dem Menschen zum wahren Heil und Nutzen, waS nicht geschieht aus Liebe zu Gott, in Gottesfurcht. Gott der Schöpfer hat es einmal so eingerichtet, daß sich in seiner Schöpfung Alles auf Ihn, als sein letztes Ziel beziehen soll; wenn diese Beziehung auf Gott außer Acht gelassen wird, wo immer etwas in seinem letzten Grunde nicht wegen Gott geschieht, da ist kein ! Bestand, kein Glück, kein Segen. WaS ich so im Allgemeinen gesagt jhabe, daS gilt auch im Einzelnen, daS gilt im Besondern von, Staate. Wenn nicht Gott als höchster Herr im Staate betrachtet wird, dem sich der Fürst wie daS Volk unterordnen, wo nicht sein heiliger Wille als höchstes Gesetz gilt, welches Beide als einzig entscheidende Norm stets vor Augen haben, wo nicht Religion, Gottesfurcht und Gctteöliebe gleichsam die Seele jeder Thätigkeit im Staate ist, — ein solcher Staat ohne Religion, beim Fürsten wie beim Volke, kann nicht wahrhaft gedeihen, nicht glücklich bestehen. Er mag vielleicht eine Zeit lang durch eine» gewissen äußern Wohlstand glänzen, allein innerlich ist er faul und morsch, und wird über kurz oder lang zusammenstürzen, „denn sein Ruhm und seine Stärke war nicht die Gottesfurcht» (Eccli. 10, 25.). Die Erlebnisse der jüngsten Zeit überheben mich weiterer Bemerkungen. Religion allein vermag es, den Gesetzen eines StaateS Geltung zu verschaffen. Wie sollten wobl Menschen, die der Stimme der Natur zum Hohn Gott unv sein Gesetz verachten, wie sollten diese durch die Gesetze der Völker und einzelner Staaten in Schranken gehalten werden? Daß bloße Furcht vor äußerer Gewalt oder Strafe einen Menschen zur steten und vollständigen Erfüllung deS Gesetzes bringen können, welcher Vernünftige möchte so etwas behaupten? Wird ein irreligiöser Mensch, dem noch dazu ein gewisser Grad von Schlauheit zur Seite steht, nicht viele Gesetze ungestraft zu umgehen wissen? Oder wird nicht wenigstens die Hoffnung, der Strafe sich entziehen zu können, anreizen zur Gesttzesvcrletzuiig? Die Religion dagegen flößt Ehrfurcht ein gegen das Oberhaupt LeS Staates, denn sie lehrt, daß eS mit Gewalt und^Azisehen vorn Höchsten selbst bekleidet sey; „ES ist keine Gewalt, als von Gott; die Obrigkeiten aber, die wirklich da sind, sind von Gott geordnet" j)Rom. 13, I.Z. Die Religion gebietet dem Menschen daS Gesetz nicht bloß deS Zornes wegen, d. h. auS Furcht vor der Strafe, sondern deS Gewissens wegen zu beobachten. Fordert aber der Staat von seinen Mitbürgern bloße» Gehorsam, muß er zu seinem gedeihlichen Bestände nicht noch mehr verlangen? Ein Staat, dessen Mitgliedern Vaterlandsliebe etwas Unbekanntes ist, ist eine Unmöglichkeit. Entscheidet aber selbst, geliebte Christen, wessen Vaterlandsliebe reiner, treuer und opferwilliger ist, Dessen, der sie nur zeigt auS eitler Ruhmbegierde, oder Deßjenigen, der hierin eine großartige Ausübung deS christlichen GeboteS der Nächstenliebe erkennt, eine Nachahmung Deßjenigen, der sein Leben gelassen für seine Brüder. Wo hat die Weltgeschichte ein ähnliches Beispiel von Vaterlandsliebe auszuweisen, wie jenes deS Judaö deS MacchabäerS, der voll deS religiösen Eifers für Gott und sein Volk sein Leben tausendfachem Tode aussetzte. Zu einem glücklichen Staate ist aber nicht bloß erforderlich Gehorsam gegen daS Oberhaupt und die Gesetze deS StaateS: eS gibt auch noch Pflichten, welche die Mitbürger gegen einander zu erfüllen, Rechte, die !sie gegenseitig zu achten haben, um in Ruhe und Frieden neben einander l zu wohnen. Auch dieses zu bewirken, ist allein möglich durch Religion. Sie befiehlt, um Gottes willen nicht bloß Jedem das Seine zu lassen und zu geben, sondern auch unsern Nebenmenschen in all ihren leiblichen und geistigen Bedürfnissen zu Hilfe zu kommen, und so zum Gesammtwohle nach Kräften beizutragen. Sie stärkt unS durch den Hinblick auf den Tag der Vergeltung, wo die unterdrückte Unschuld ihre Rechte wieder erlangen wird, auch Unrecht, da« wir abwehren könnten, zu ertragen um deS Friedens willen. Wenn unS die Religion nicht beständig auf Gott unv unser Gewissen zurückführte, so würden wir bald Sclaven unserer Leidenschaften seyn, und kein Laster würde unS zu schrecklich vorkommen, so bald wir unsern Vortheil dabei fänden oder eS ungestraft begehen konnten. ES wäre ^sicherer bei Löwen und Tiger leben, als mit Menschen, die jeden Zügel der Religion von sich geworfen haben. Diese Nothwendigkeit der Religion fühlten selbst heidnische Fürsten und Völker, weil sie in Ermanglung der 114 wahren eine irrige annahmen; freilich, weil eine solche Religion nicht in der Wahrheit ihren Band hatte, so konnte sie auch dem Staate, der ihr ergeben war, keinen Bestand sichern. Aber glücklich und ruhmvoll wird jeder christliche Staat bestehen, so lange Gottesfurcht und Religiosität im Bolke leben. WaS aber unser mit der Krone geschmückte Heilige zur Beförderung der Religion bei seinem Volke that, wer vermöchte dieses Alles zu erzäh-^ unwohl, und ich verließ die Diplomatenloge und sprach zu mir selber die Worte auS dem deutschen Hiob: „Ihr großen deutschen Geister, ^ Ihr kritisirt nicht schlecht, Ihr nennt einander Lumpen lind jeder von euch hat Recht." TagS darauf ging ich mit Selbstverläugnung nochmal in die PaulSlen? Er, der sein Volk, wie wir sahen, so wahrhaft liebte und glücklich z kirche hinein, aber ich wurde bis über die Ohren roth, als ich den öfter- machen wollte, wie hätte er auch DaS versäumen sollen, was allein das reichischen Deputirten Wieser (allgemein der Kirchenleerer genannt, weil, Glück eines Volkes, das Wohl eines StaateS begründen und erhalten kann? Oftmals hielt Heinrich Versammlungen der geistlichen nnd weltlichen Großen seines Reiches, wo er denselben die Sorge für daS zeitliche, besonders aber aber für das ewige Heil ihrer Untergebenen nachdrücklichst aus Herz legte; die trefflichsten Anordnungen wurden da getroffen, um die kirchlichen Satzungen mit besserem Erfolg zu handhaben. Die Gründung von sechs neuen Bisthümern war das Werk seines glühenden Eifers für die Beförderung der Rcligiösität im deutschen Volke. Oefter bereiste er seine ausgebreiteten Staaten in der Absicht, überall der Religion emporzuhelfen. Der Himmel segnete sichtbar sein aufrichtiges Bemühen; im Volke befestigte sich der Glaube, hob sich die Frömmigkeit, wuchs die Ge- wenn er zu reden beginnt, die Hälfte der Zuhörer den Saal verläßt), wie einen bankerotten Akteur auf der Rcdnerbühne sich geberden sah, und über Metternich und Sedlitzky in einer Weise schimpfen hörte, als ob er einen Artikel von Wienerstraßenblättern von anno 18-18 konterfeit hätte. ArmeS Oesterreich, so dachte ich mir, wie mußt du in den Augen reiner deutschen Milbrüder sinken, wenn man solche Leute als deine Repräsentanten ansehen muß! Um meiner melancholischen Gedanken loS zu werden, machte ich die Runde um die Stadt, aber der Böse trieb heute schon sein Spiel mit mir, er führte mich inS sogenannte EssighauS, wo Nonge seine Orgien feierte. Gegen die sonst in Frankfurt vorherrschende Nettigkeit und Eleganz sticht rechtigkeit, und dadurch auch daS Glück, die Stärke und der Ruhm dcS diese Kneipe sehr ab. Durch eine stinkende Kloake führt der abseitige Ein- Reiches. Es war ein GotteSreich geworden, zur Verherrlichung deS christ-!gang in einen mit Bäumen schwach bepflanzten Hofraum, in dem hölzerne lichen Namens, zur Erfüllung deS christlichen Gesetzes, groß unter allen,! Tische und Stühle ohne Ordnung herumstehen. Die Atmosphäre kam mir geachtet von allen Völkern der damals bekannten Erde; denn er war mit Gott und so war Gott mit ihm. Diese glorreichen Zeiten des deutschen Reiches, wie gerne wünschten wir sie unS zurück! Doch warum mit nutzloser, unthätiger Sehnsucht diese längst entschwundenen Zeiten zurückrufen, ist ja nicht an ein gewisses Jahrhundert das Glück eines Volkes gebunden, dieses ist durch die sittliche und religiöse Beschaffenheit der Menschen bedingt. Wollen wir glücklichere und ruhmvollere Tage schauen, dann lasset uns streben, bessere, sittlichere und frommere Menschen zu werden. Und diese Besserung, diese Umkehr zur Religion und Tugend beginne jeder bei sich selbst! WaS nützt es, wenn Jeder immer nur die andern zur Besserung auffordert, wenn Keiner diese Erneuerung an sich selbst inS Werk setzen will? Da muß eS nothwendiger Weise immer beim Alten bleiben! Schließen wir unS wieder an an unsern göttlichen Heiland, von dem der Welt alles Heil, von dem allein auch unserm Baterlande Heil werden kann. Nehmen wir seine heilige Religion wieder auf in unsere Herzen, richten wir nach ihrem Glauben und Gesetze treulich unser Leben ein. Daß auch in dem Herzen unserer Mitmenschen die Religion feste Wurzel fasse, sey der Gegenstand unsers herzlichen Flehens, wenn wir beten: Geheiligt werde dein Name, zukomme dein Reich, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden! Beten wir besonders für unsere Regenten, Gott möge ihnen Weisheit und Gottesfurcht einflößen, auf daß sie ihren Völkern Führer zum Glücke und Heile werden. Und Gott wird auch dieses Gebet erhören, wenn wir nur solcher Fürsten nach dem Herzen Gottes werth sind. Meine Christen, wenn so die Religion, wie zur Zeit des heiligen Kaisers Heinrich im deutschen Volke blüht, dann wird auch die Glorie deS deutschen Reiches wiederkehren, denn Gott selbst wird es erhöhen und verherrlichen. Heiliger Heinrich, sprich am Throne Gottes für dein Volk, damit Er eS bald heimsuche in seiner Gnade. Amen. Kirchliche Reisebilder. (Schluß.) Am trübsten war ich in Frankfurt gestimmt. Mit ungemeinen drückend vor, — und ich war froh, als ich die moralische Mistjauche hinter mir hatte. Es trieb mich fort von Frankfurt, und eine Droschke brachte mich in die Spielhöllen nach Homburg — leer und trostlos kehrte ich zurück. Der Schlaf floh von meinen Augen, und ängstliche Gewitterschwüle hatte sich auf die Brust gelagert. Einige Tage später hatte ich das Vergnügen Herrn Rouge persönlich kennen zu lernen, er fuhr von LudwigShafen nach Neustadt in der Pfalz in MissionSangelegenheiten (?), wozu sieben eommi8 vo^sgeurs auf dem Bahnhöfe ihm ihre Glückwünsche darbrachten. Rührend! Wir fuhren längere Zeit auf demselben Train zusammen, bis die Straßen sich trennten. Wer in Ronge etwas Apostolisches findet, muß — ein Deutschkatholik setzn. Um mein Bild nicht zu überladen, will ich nur in Eile erwähnen, daß Freiburg mit dem Perlenkranz seiner theologischen Professoren mir einigermaaßen die trüben Erinnerungen vergessen machte. Männer, wie Hirscher, Staudenmaier, Maier, Stolz, Büß u. s. w. muß man sprechen hören, um für kirchliche Wissenschaft entflammt zu werden. Die freundliche Aufnahme in Freiburg wird mir unvergeßlich bleiben. In gotteSdienstlichen Anordnungen erinnert hier vieles an Oesterreich, wie auch überhaupt die Breisgauer gerne vom österreichischen Kaiserhause sprechen. UebrigeuS ist eS sonderbar, daß im Großherzogthum Baden bei der sehr liberalen Verfassung die katholische Kirche dennoch geknechtet ist. Diese Knechtung von Seite deS StaateS und die Nachwehen deS josephinischen JntifferentismuS scheinen die Hauptgründe zu seyn, warum im Badischen großer Priestermangel ist, so zwar, daß an Sonntagen mehrere Geistliche biniren (zwei heil. Messen lesen) müssen, um den Bedürfnissen der Gläubigen zu genügen. So z. B. überhob ich im Konstanzerdom die dort angestellten Geistlichen, indem ich daS Hochamt sang. Daß unter den badtscben Katholiken viele Lauheit, und unter den älteren Geistlichen ein großer „LiberaliSmuS" herrscht, ist bekannt. Die Zeit hat die Früchte gereift. DaS Schlachtfeld im vorjährigen Freischaarenkampfe muß auf jeden Menschen einen traurigen druck machen. Wer kämpfte in selben, uud für was kämpfte man? „Wahrlich, spricht ein würdiger Kämpe der Zeit, wahrlich jeden, dem des Vaterlandes Wohl am Herzen liegt, muß dieses klägliche Affenspiel im Innersten seiner deutschen Seele mit gerechtem Zorn erfüllen. Auf eine unverantwortlichere Weise sind nie die hungernden Völker von den politischen Quack- Erwartungen betrat ich die alte Kaiserstadt, der eine so große Aufgabe in Kalbern und Marktschreiern mit Steinen, d. h. mit Phrasen und Formeln, neuester Zeit zu lösen beschieden war. Ich fühlte die hohe Wichtigkeit der! statt mit nährendem Brod abgespeist worden, als gerade gegenwärtig. Nationalversammlung und mein Herz schlug vernehmbarer, als ich die > Und nie haben die Deutschen sich ihrem eigenen wahren Geiste entfremdeter Paulskirche besuchte und die Reihen der Deputirten musterte. Ich sah z und als sklavischere Nachäffer des Auslandes, und aller seiner verderblichen Männer, vor deren Namen ick mein Haupt entblößte, und Männer, bei! Thorheiten, seiner Sünden und Verbrechen gezeigt, als in diesen unseren deren Erinnerung mich Ekel ergriff, an Einem Orte versammelt. Der Tagen, wo doch Alles von deutscher Einheit und Freiheit so voll ist." neckische Zufall führte mich gerade in eine der stürmischesten Sitzungen seit! Gegenwärtig, wo ich in der Erinnerung mein Reisebild skizzire, ist Baden dem Bestände des Parlamentes, in welcher über die Amnestiesragc verhandelt wurde. Ich hörte die Reden pro und contra, ich sah den ruhigen Hohn der Rechten und die funkensprühende Leidenschaft der Linken, — und verzweifelte daS Erstemal ernstlich an der Einheit Deutschlands. AIS aber vollends auf die renommirtc Rede Brentano's der Tumult losbrach, als die Galerien stampften und tobten, und der Glockenschall vergebens zur Besinnung mahnte, als die Deputirten wüthend ihre Sitze verließen, und auS dem Wonkampf ein Faustkampf sich zu entwickeln schien: da ward mir auf's Neue von Freischaaren heimgesucht, und rohe Gewalt und gebrand- markte Verbrecher halten die Zügel des Staates. Wohin soll das noch führen? Sollen wir Deutsche wirklich die Polen deS I9len Jahrhunderts werden? Soll sich die Prophetie Heine's erfüllen, die er vor 14 Jahren auSsprach: Man wird in Deutschland ein Schauspiel aufführen, neben dem die französische Revolution nur eine unschuldige Idylle ist? Deutschland war groß, so lange ein römischer Kaiser das Scepter führte, so lange die kirchlich fromme Treue, der Gotteöglaube und die 115 moralische Reinheit das deutsche Gemüth zierten. Der römische Kaiser muß wieder erstehen, und der christliche Sinn auf's Neue erwachen, sonst siecht das deutsche Volk dem Grabe zu, cS wird von einem kräftigeren Volke überflügelt und zu dessen Sclaven gemacht. Wohl ist der Römer in Frankfurt voll von den Bildnissen der römischen Kaiser, aber könnte nicht eine neue Reihe beginnen? Wohl ist das gegenwärtige Deutschland die Heimat des AntichristianiSmuS in seiner gründlichen und vollendeten Ausbildung, aber ist nicht gerade jetzt, wo der Protestantismus in sich selber zerfällt, der katholischen Kirche die schone und große Aufgabe gestellt, die diSpara- ten Elemente zu sammeln, Lebenskraft in die Familien zu bringen, geistige Freiheit zu fördern und brüderliche Liebe zu pflanzen, und dadurch die In tegrität Deutschlands zu retten? Zunächst stimme ich der Ansicht eines Correspondenten bei, der neulich in eine deutsche Zeitung schrieb: „Mit bangen Sorgen blicke ich hinaus in Deutschlands Zukunft. WaS wird dein LooS seyn, edle Jungfrau Germania? Wirst du die Braut oder vielmehr die Maitresse jener demokratischen Schwindler werden, wird von ihren Liebkosungen deine Blüthe schwinden, deine Jugend welken, wirst du wieder zurücksinken in deine alte Stumpfheit und Schläfrigkeit, wirst du einem neuen Zauberschlafe hingegeben werden, biö ein neuer Ritter, Gott weiß wann, erscheint, dich abermals zu wecken? DaS wolle Gott verbitten. Hoffen wir, daß die schönste, kräftigste und blühendste Tochter der Kirche, daß Deutschland noch gerettet werbe von dem Abgrund, an dem eS steht; hoffen wir, daß der gesunde Sinn, der tüchtige Kern der Mehrheit deö deutschen Volkes von unserm Vaterland diese Zerrissenheit im Innern, und diese Schwäche und Ohnmacht nach Außen abwenden wird, die daS schöne Italien so töctlich getroffen haben." .... diesen Worten schließe ich mein zweites Reisebild, dem bald das die Schweiz darstellend, folgen soll. Anton Kerschbaumer. Demokratische Vereine, diese Herde gottloser Bestrebungen, sollen daS von seinem Seligmachcr losgerissene Geschlecht beseligen? DaS heißt Drachenzähue säen, und daraus die Saal des Friedens und Glückes erwarten. Wiederum wollen sie ein Glück ohne Arbeit, ohne Anstrengung, ohne Fleiß und Ordnung, die Felder unbebaut liegen lassen und doch reiche Garbenfülle ernten? Warum sinnen die Völker auf Eitles? Sie mühen sich in unseliger Schwärmerei, auf dürren Sand, anf windige Systeme den Tempel deS GlückeS zu bancn, in der trostlosen Wüste deö Unglaubens und der Sittenlosigkeit LaS Paradies einer bloß irdischen Seligkeit zu pflanzen. dritte Mit und letzte, Ueber Völkerglück. *) Glossen zu biblischen Terten über diesen Gegenstand. I. „W«rum sinnen die Völker auf Eitles." Psalm 8, 1. Die großen Bewegungen unserer Zeit sind eine Wanderung der Völker, ihr Glück zu suchen. Wie nach der morgenländischen Sage Alexander der Große einst auSzog, die Quelle deS Lebens, der ewigen Jugend zu suchen, so ziehen in wilder Aufregung Nationen aus, das Glück der Nationalität zu erringen und so das Völkerglück zu begründen. Dem heißen Durste aber, der darnach jagte, bot sich bisher nur die tröst lose Luftspiegelung dar, die der armen, verschmachtenden Karavane in Orients Wüsten eine Sandfläche als erquickendes Wasser vormalt. Warum sinnen die Völker auf Eitles? Warum suchen sie ihr Glück, wie und wo eS nie und nimmer zu finden? „Sie haben den Herrn verlassen, die Quelle lebendigen Wasser ö." (Jerem. 17 , zZ.) „Die Quelle lebendigen Wassers haben sie verlassen, und sich Cisternen gegraben, die kein Wasser halten können." (Jerem. 2, 13.) DaS ist die Geschichte der modernen Völker und ihres Unglücks. Sie sind zum großen Theil abgefallen von Gott, vorn wahren lebendigen Glauben an ihn; die Gottesfurcht ist zu Grabe getragen, und mit ihr die Quelle wahren Glücks versiegt. Pan theiSmus und Emancipation deS Fleisches, CommuniSmuS und Revolution find die durchlöcherten Cysternen, in denen sie den Heiltrank der Beglückung zu finden wähnten. Wo ist das Volk, daS aus diesen Cysternen sein Glück geschöpft? Wo das Volk, dem der Abfall von Gott die Pforte ausschloß zu wahrer Beseligung? Wird nicht die schamloseste Lästerung gegen Gottes Wunderanstalt zur Beseligung der Völker, gegen die Religion des Sohnes GolteS, wie ein Gift zur Auflösung jeder Sittlichkeit unter daS Volk auSgegossen? Schriften, wie von Daumer und Nork, unv Feuerbach und Br. Bauer, geschleudert unter die Masse, unter die unerfahrne Jugend! Daneben weit aufgerissen die Thore der Lust, nieder mit den Schranken jeder Zucht, offen die Pforten regelloser Freiheit! Und auf solche Weise soll daS Völkerglück erblühen? „Ihr Menschenkinder, warum liebet ihr die Eitel kett und suchet die Lüge." (Psalm 4, 3.) Warum wähnt ihr, bethörte und verführte Völker, glücklich zu werden durch Abfall von Gott und feiner heiligen Offenbarung, glücklich zu werden ohne Gewissen und Sittlichkeit, ohne die Hoffnung auf Unsterblichkeit, ohne Hingabe an den Erlöser und sein Kreuz und die allein wahre Kirche? Kleine Ergebnisse großer Ereignisse. *) Die Manifestation. DaS Wort „Revolution" macht Anstalt, in PariS auS der Mode zu kommen; sollte daS nicht ein gutes Vorzeichen seyn für ganz Europa? Denn wie ehedem daS Heil von den Juden ausgegangen, so jetzt die Mode von den Franzosen, sammt der rothen Cravatte, an welcher man am 13. Juni einen „Professor deS BarrikadenbaueS" erkannt hat. Allein daS Vorzeichen will wenig bedeuten, da die Sache geblieben und nur der Name vei ändert worden ist. Die letzte Pariser Revolution, die der große Menschenfreund Ledru-Rollin im Einverständnisse mit seinen Cpicßgefährten in Rom, Debreczin, CarlSrnhe (und Gott weiß wo noch) angezettelt hat, wurde und wird, um die rothe Blutfahne weiß zu waschen, von den Theilnehmern eine bloße Manifestation, d. h. eine friedliche und harmlose Kundmachung des VolkSwillenS genannt. AIS diese Manifestation einer ungeheuern Volksmenge lärmend und wüthend durch die Straßen zog, konnten die Schreier cilf Leichcnconducte zählen, die an den AuSgängen der Seitengassen stehen bleiben, und das stundenlange Vorüberströmen der Masse abwarten mußten. DaS berühmte Wort: „lasset die Todten ihre Todten begraben" kam hier nicht zur Geltung; die vielen Tausende von geistig Todten füllten die Straßen so dicht, daß man die leiblich Todten nicht begraben konnte. Aber diese letztem waren als Opfer der Cholera gefallen; und wer Augen hat, um zu sehen, konnte und kann in dieser gehcimnißvollen Krankheit, gegenüber der Manifestation der Socialisten, eine Manifestation der göttlichen Vorsehung erkennen. Eine neue Religion. Die AuSruferinnen aus den Straßen von Wien würden, nach ihrer beliebten Formel, noch zum Ueberflusie hinzusetzen: „die wir erst gekriegt (bekommen) haben." Bei der neuen Religion, von der hier die Rede, wäre dieser Zusatz nicht bloß überflüssig, sondern auch falsch; denn eine sogenannte neue Religion besitzen wir leider schon seit langer Zeit. DaS hat jedoch den neuen Philister, seines NamcnS Leon Marie Pilatte, nicht gehindert, sich den Diener, Lehrer und Amtswalter der neuen Religion zu nennen, die vom Staate nicht besoldet sey. Angeklagt bei der Behörde, daß er öffentlich und regelmäßig wiederholte Versammlungen halte, bei welchen auch Frauen unv Kinder sich einsenden, berief er sich auf das dießsällige (im Juli 1848 erlassene) Gesetz, welches jedem religiösen Dienste (Cultus) die freie Uebung gestatte, also auch den Jüngern seiner neuen Religion nichts in den Weg legen könne. Dagegen war zunächst wenig einzuwenden. Allein die genaue Nachforschung ergab, daß die Versammlungen dcS neuen Heilslehrers durchaus mit keiner Rcli- gionSübung sich befaßten; weder von Beten und Singen, noch von Predigen und begeisterten, schwärmerischen Reden wurde hier je etwas vernommen, sondern man beschäftigte sich ausschließlich mit Verhandlungen, Beurtheilungen und wegwerfenden Kritiken über die sämmtlichen NeligionSfor- men, die dermalen in der Welt sich vorfinden. Der Meister Pilatte kam mit einer Geldbuße von 200 Francs durch. Wäre er ein deutscher Professor, ein Theolog der neuesten Schule, also ein Atheolog (ein Nicht» Gott-Lehrer) gewesen, so hätte er für die Darstellung seiner neuen Religion, die bloß eine Kritik und Läugnung aller Religion ist, eifrige Leser und darum auch ein ansehnliches Honorar erworben. Neue Heilige. Der 13. Juni ist in der großen Stadt Marseille der Tag, an welchem alljährlich eine feierliche katholische Procesfion abgehalten wird. Bei der dießjährigen Procesfion erregten zwei Fahnen ein großes und lärmendes Aufsehen. Die eine war mit dem Bilde des heiligen Ludwig und den altfranzöstschen Lilien geschmückt, die andere, die von einem Pavillon herabwehte, mit dem Bilde des — Ledru Rollin. Dort ein heil. König deS alten Frankreichs; hier daS Haupt der rothen und socialistischen Republicaner. Dort ein frommer Streiter für Christenthum und Kirche, hier der Vorfechter deS Unheils und der Unsitte, unter dem gleißenden Namen der reinen Humanität. Die städtischen Behörden, um der Aufre- 3 Aus den Hist. Blätter». *) Au« dem österreichischen Volksfreund. 116 gung zu steuern, befahlen sofort die Beseitigung beider Fahnen. Der Besitzer dcS Hauses, vor welchem die Fahne des heiligen Ludwig flalterie, gehorchte ohne Widerrede, wiewohl dieselbe seit vielen Jahren, bei jedem festlichen Zuge, diese Stelle einnahm, und von vielen Fahnen umgeben war, welche die Abbildungen anderer Heiligen zur Schau trugen. Die Jünger des Ledru Rollln ließen sich nicht stören. Der Baldachin, der baS AUerheiligste bedeckie, zog unter der Fahne des socialistischen Heiligen hin, der alles Roth im Kalender für sich allein in Anspruch nehmen möchte, und in demselben Augenblicke wurde unten im Hause neben dem ?sng6 lingua die Marseillaise angestimmt, dieses bekaniue revolutionäre Volkslied der Franzosen, das voriges Jahr auch bei uns die Runde gemacht har. Diese Demonstration (Gesinnungöäußerung) brachte übrigens keine weitere Störung hervor; die Procession ward friedlich zu Ende geführt, und dieß- mal wenigstens hat der Kampf des Socialismus gegen den Katholicismus dem letztem kein Haar gekrümmt. B. Einige Bemerkungen -es hvchw. P. Bonifaz Wimmer über das Concil in Baltimore am 8. Mai. „Ich war beim Concil, weil ich gua 1>rovineislis Lenaclielinorum einberufen wurde. ES war eine imposante Demonstration und Repräsentation. Anwesend waren 24 Bischöfe, 3 Generalvicare, die Snperioren der Sulpitianer, Lazaristen, Liguorianer, Benediktiner, Dominicaner, Augustiner, Jesuiten (3 Provinciale), 60 Priester aus allen Theilen der Union. Bei den Sessionen (am Morgen für die Bischöfe allein, Nachmittags für Bischöfe und Priester) ward nur englisch gesprochen, außer von uns Deutschen, die in lateinischer Sprache Lebaltirten. Es wurden 3 neue ErzbiS. thümer und sechs neue BlSthümer errichtet, darunter in Neumeriko mid Kalifornien, im nördlichen Wisconsin Vermont. Die immaeulata eoueeptio ward von den meisten Rednern tapfer vertheidiget, obwohl auch einige die j)ia opiuio patrocinirten, und zuletzt die Bitte um Erklärung derselben als Dogma beschlossen, wenigstens in der gemischten Session begutachtet. Verschiedene DiSciplinarpuncte, kirchliche und politische Fragen wurden erörtert. ES war ungemein interessant, dieses zu hören und diese Bekanntschaften zu machen rc." Ferner berichtet P. Bonifaz, daß er bereits 3 Plätze übernommen habe, nämlich außer Sr. Vincent, HartS-sleeping place und Newark, welche immer mit 2 Religiösen besetzt sind. Bereits hat er 13 arme deutsche Knaben zur Erziehung angenommen und bis Herbst werden noch 20 andere dazu kommen. So löset dieser rüstige Kämpfer für das Reich GotteS auf Erden seine Ausgabe, die er sich gesetzt hat. Mit welch unzähligen Hindernissen, Schwierigkeiten, Bedrängnissen rc. dieser Mann zu kämpfen, das laßt sich nur begreifen, wenn man die Verhältnisse kennt. Nur ein so felsenfester kein Hinderniß scheuender Religiös, wie P. Bonifaz, konnte mit der Gnade GotteS ein solches Resultat erzielen. Er ging mir 15 Lrüdern und Studenten allein nach Nordamerika, ohne noch gewiß zu wissen, wo er sich niederlassen sollte. Jetzt besitzt er ein neues Kloster, 8 Priester, 4 Theologen, 13 Studenten im Seminar, und 30 — 36 Brüver. DaS Alles ernährt er durch seiner Leute Arbeit, und hat dadurch den Benedictiner- Orcen ganz auf seinen Uranfang zurückversetzt, wo die Mönche und Blü der durch ihrer Hände Arbeit Wildnisse cultivirten, und ihr Brod selbst verdienten, dabei die Wissenschaften nicht vergaßen. So auch im Kloster St. Vincent in Pensylvanien. (N. Sion.) Frankreich. Wie die Religion allein im Stande ist, in den schweren Leiten, die Gott bisweilen zur Strafe und Besserung über unS kommen läßt, Hilfe, Linderung und Trost zu bringen, dazu liefert nachfolgende Schilderung einen neuen höchst erfreulichen Beitrag. In dem Departemente der Oise war es vorzugsweise eine Dorfgemeinde, in welcher die Cholera mit solcher Heftigkeit auslrat, baß mehr als die Hälfte der Einwohner davon ergriffen und bei hundertundsünfjlg Opfer durch den Tod weggerafft wurden. Der Anblick deS ungeheueren Elendes gab den Geistlichen und Laien den edlen Muth, mit Gefahr deS eigenen Lebens den Unglücklichen in jeglicher Weise beizuspringen. Selbst der hochwürdigste Bischof von BeauvaiS eilte herbei, um in dem Herzen des Volkes das Gottvertrauen und die kindliche Ergebung zu wecken und zu befestigen; der unermüdliche Pfarrer der Gemeinde wurde durch mehrere andere Priester, darunter namentlich durch den Su° perior des großen Seminars von BeauvaiS und durch zwei OrcenSgeist- liche kräftigst unterstützt, so daß mit Ausnahme von zweien, welche in wenigen Augenblicken der Heftigkeit der Seuche unterlagen, alle Sterbenden mit den heiligen Sakramenten versehen werden konnten; auch Mitglieder verschiedener religiösen Genossenschaften, wie namentlich „vom heiligen Joseph," „von der guten Hilfe" u. s. w. wetteiferten mit dem heldenmü- thigen Maire der Gemeinde, mit dem Präfecten, dem Unterpräsecten und den Aerzten rastlos Tag und Nacht in Anwendung der zweckmäßigsten Mittel zur Verpflegung der Kranken, zur Linderung der unbeschreiblichen Noth und, wenn möglich, zur kräftigen Abwehr deS Uebels. Besonders Ausgezeichnetes leisteten auch hier wie allerwärts Mitglieder deS Vereins vom heiligen Vincenz von Paul, indem sie auf die traurige Nachricht von den Verheerungen der Cholera in Pariö Alles zurückließen, um ihren unglücklichen leidenden Brüden, beizuspringen. Nachdem nun die Seuche fast gänzlich aufgehört, sind dann jene edlen Männer, welche den Geist dcS heiligen Vincenz in sich aufgenommen, unter ihnen der berühmte Arzt Belleti, nach Acy-en-Mulcien abgereist, um daselbst den gleichen Dienst j der christlichen Liebe zu versehen. Nach so schweren Heimsuchungen bedurfte !die Gemeinde Montataire eines solchen Trostes, den die Welt nicht geben kann, den wir nur bei Gott und in der Religion finden: eS fand eine mehrtägige allgemeine VolkSmission (rsti-aits göiwrals) statt, die mit einem feierlichen Todtenamte für alle Verstorbene eröffnet wurde. Jeden Tag feierte ein Priester in der gleichen Absicht das heilige Meßopfer, wobei besonders jene Familien, welche am schwersten und meisten gelitten hatten, mit einer wahrhaft ergreifenden Innigkeit und Andacht um den Altar sich drängten, auf welchem daö unblutige Opfer für die Ihrigen dargebracht wurde. An dem täglich zu verschiedenen Stunden ertheilten Unterrichte nahm die ganze Gemeinde Antheil und als Sonntags daraus die Feier geschlossen wurde, empfingen bei dreihundert Personen die heilige Commu- nion, welche auch an etwa zwanzig noch in der Genesung Begriffene in ihrer Wohnung gereicht wurde.. Am Abende desselben TageS begab sich die ganze Gemeinde in feierlicher Procession auf den Kirchhof, um noch einmal fromme Gebete für die Ruhe der Abgestorbenen zum Throne deS Allbarmherzigen hinaufzusenden. Wie mächtig der Eindruck gewesen, den namentlich die aufopfernde Liebe des Vincenz-Vereines auf die Gemeinde hervorgebracht, zeigt sich noch besonders darin, daß alsbald ein Zweigverein in der Gemeinde Montataire sich gebildet hat, der schon dreißig Mitglieder zählt unter dem Vorsitze deS würdigen Maire'S. Irland. Der heilige Vater, von Irlands Leiden gerührt, hat eine Summe von 40.000 Fr. dorthin geschickt, welche sofort unter die drei von der Hungerönoih am meisten betroffenen Grafschaften vertheilt wurde. Der Erzbischof von Tuam erhielt 20,000 Fr. für die Grafschaft Mayo; die Bischöfe von Cork und Galway jeder 10,000 Fr. für die Armen seiner Diöcese. Diese beiden Grafschaften sind die ärmsten ganz JrlandS. Pinsvereine. Fulda, 3. Jul. Am Schlüsse deS Jahres 1848 wurde in Kassel eine Oberschulcommission. gebildet und dieselbe mit der Leitung deS Schulwesens im ganzen Lande betraut. Die Katholiken KurhessenS fühlten sich lief gekränkt, als sie sahen, daß jene neue Behörde auch nicht einen Katholiken unter ihren Mitgliedern zählte. Es war dieß wieder einer jener Staatsstreiche, wie sie die kurhessische Regierung, die früher wenigstens an Katheltkenhaß der preußischen nichts nachgab, gegen einen so ansehnlichen Theil der Bevölkerung ihres Landes auszuführen pflegte. Der hiesige PiuS- verein erhob Protest gegen die oben erwähnte, höchst intolerante Maaßregel der Regierung und mit ihm protestirten unser Volksrath, der Stavt- raih zu Naumburg, zu Fritzlar und zu Neustadt in Oberhessen. Bis jetzt ist trotz dieser Protestalion keine Veränderung in dem Personale der Ober- schuicvmmission eingetreten, indessen haben hochgestellte Beamte versichert, der zeitige Pfarrer der katholischen Gemeinde zu Kassel werde in dieselbe eintreten. Aber, wie eS scheint, haben jene energischen Protestationen doch bereits ihre Wirkung gethan, indem zum Schulrefercnten bei der hiesigen Bezirksdireclion der Domcapitular und Stadtpfarrer Hohmann ernannt worden ist, und somit bet Besetzung einer höchst wichtigen Stelle, für die bereits mehrere Candidaten levioris notse bezeichnet wurden, den gerechten Wünschen der Katholiken Rechnung getragen worden zu seyn scheint. Ueberhaupt entfaltet der hiesige PiuSverein eine segensreiche Wirksamkeit und arbeitet besonders dem Einflüsse der schlechten Tagespreise nach Kräften entgegen. Deßhalb hat er auch eine Volksbibliothek zur Verbreitung guter Schriften und zu Förderung deS SiuneS für gute Lektüre begründet, die aus Geschenken von Vereinömitgliedern an Büchern, Broschüren und Zeitschriften ihren ersten erfreulichen Anfang nahm. (Sion.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. » Vierteljähriger Abon- nementsprcis ii^ Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr„ ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeituug werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich t fl. 20 kr. Munter Jahrgang. M 30 LS. Juli L84S. Winke zur Hebung der katholischen Presse. *) Insbesondere den katholischen (PiuS-) Vereinen Deutschlands zur Beachtung empfohlen. DaS Beste, was man in dieser sturmbewegten, unheilvollen Zeit thun kann, ist, daß man, unbekümmert um die Wirren ringsumher, rast loS an einer bessern Zukunft baue. Damit sind wohl Alle einverstanden; nicht aber in Absicht auf die Mittel und Wege, die zu einer bessern Zukunft führen sollen. ES ist indessen unnölhig, in die babylonische Begriffsverwirrung dieser Zeit näher einzugehen; alle Katholiken, welche es treu mit der Kirche meinen, wissen, daß für die Zukunft kein Heil, kein Friede, keine Freiheit, kein Glück zu erwarten ist, wenn der Aufbau einer von Jedermann so genannten bessern Zeit ohne Gott angefangen und ohne Gott fortgesetzt wird. In so fern wir jetzt an einem Wendepunct der Geschichte stehen und auf die abgelaufenen drei Jahrzehnte, als auf einen in sich abgeschlossenen Zeitabschnitt zurückblicken können, müssen wir hinsichtlich der Ereignisse, die uns fast jeder Tag vorführt, sagen: dieß sind die Früchte der bis dahin ausgestreuten Saat. Und welche Früchte sind es, die jetzt anS Tageslicht treten?' ES sind solche, von denen man kurzweg und füglich sagen kann: „Man hört nichts Gutes mehr!" Wenn dieses Wort auch nicht ausschließliche Geltung hat, indem zwischen den trostlosen wüsten Steppen doch auch manche Hoffnung verheißenden Keime empor- sprossen, so lehrt doch ein prüfender Blick auf die gegenwärtigen Verhältnisse Italiens, Frankreichs, Oesterreichs und Deutschlands, daß obiges Wort im Allgemeinen wahr ist. Das aufkeimende Gute erscheint den Blicken des Beobachters in einem auffallend kleinen Verhältnisse im Vergleich zu den vielen Umsturzbcstrebungcn und Gottlosigkeiten jeder Art, von denen unser armeS Vaterland fortwährend erschüttert und beängstiget wird. Wie ganz anders war es im Mittelalter! Vollkommen war freilich auch da nicht Alles, wie denn überhaupt kein menschliches Wirken und Zusammenwirken jemals einer ungetrübten Entwickelung, einer reinen Vollkommenheit sich erfreuen kann; aber eö war denn Loch im Allgemeinen genommen eine weit glücklichere Zeit. Da und weil daS Reich GotteS dem deutschen Reiche zu Grunde gelegt war, herrschten doch geordnete Verhältnisse; Recht und Gesetz, Treue und Manneswort standen in heiligem Ansehen; Einfachheit und Genügsamkeit lebte im Volke und die schweren Wunden der damaligen Zeit heilte schnell und milde die liebevolle Mutter Kirche, welche ihr herrliches, segensreiches Leben frei entfalten konnte zum Heile des Volkes, und welche gar manchen Großen der damaligen Zeit, der eine Zeit seines Lebens hindurch der Rohheit und Genußsucht verfallen gewesen war, als reuigen Sohn in ihre Arme zu schließen das Glück hatte. Heut zu Tage will man von Buße, von Rückkehr zu Gott nichts wissen, wie man überhaupt von der Religion wenig mehr wissen mag. „Die Zeit des Betens ist vorbei," sagen die, welche sich unberufener Weise zu Führern deS deutschen Volkes auswerfen, und mit dem schlecht verstandenen Sprüch- worte: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!" glaubt man jede höhere Richtung, jedes auf das Göttliche hinzielende Bestreben todt zu schlagen. Man sieht aber, wie weit es mit dieser von Gott entfremdeten Selbsthilfe gekommen ist; ich werde daher hier nicht vorzuführen haben, waS in Aller Munde lebt, waS zu Jedermanns Kunde gelangt ist und was man täglich sehen kann. Wenden wir uns also hinweg von den trüben Erscheinungen der Gegenwart, um unsere Blicke zu lenken auf Das, waS wahrhaft frommt, waS heilbringend in das Volk eindringt, was die verdorbenen Gesinnungen reinigt und erneuert und die Schwachen mit begeistertem Muthe zu erfüllen vermag. Unserer Aufgabe gemäß, die wir in der Uebrrschnft uns gestellt *) Aus dem Katholik. haben, wollen wir unsere Blicke jetzt einzig auf die Verhältnisse der Presse, näher: der katholischen Presse richten. Auch die Presse ist, neben andern wichtigen Anstalten zur Erziehung der Menschen, eine bedeutende Macht. Sie umfaßt alle Gebiete des Lebens und Wissens, und je nachdem ein guter oder schlechter Geist in ihr weht, wirkt sie segensreich oder sie vertilgt aus den Gemüthern die Keime der Gottesfurcht und Tugend und flößt ihnen, zumal wenn eS fein darauf angelegt ist, ganz allmälig daS Gift des Unglaubens und der Unsittlichkeit ein. Wer weiß cS nicht, welch unsägliches Unheil die aller Vernunft und Offenbarung spottenden Erzeugnisse der sogenannten freien Forschung im Volke angerichtet haben? Wer kennt nicht die gräuelvollcn Wirkungen der schändlichen Romane, der von aller Ruchlosigkeit erfüllten Zeitungen, Volkskalender und Flugblätter? Wir setzen mit gutem Rechte von denen, an die wir diese Worte richten, eine nähere Kenntniß der abscheulichen Zustände der deutschen Presse voraus, eine Kenntniß, die ihnen das nämliche Urtheil darüber abnöthigen wird, welches wir so eben ausgesprochen haben. WaS ist nun zu thun, um dem verderblichen Treiben der gottlosen und schmutzigen Presse entgegenzuwirken? Nichts Anderes ist zu thun, als daß man die katholische Presse da, wo sie schon ihre Organe hat, eifrigst fördert, und daß man da, wo noch kein Localorgan besteht, die OrtSverhältnisse aber ein solches dringend erheischen, ungesäumt ein solches gründet. Ich fasse also zunächst dtc periodisch erscheinenden Zeitungen, pplitischen wie religiösen, inS Auge; von der Beförderung einer gesunden Volksliteratur, überhaupt solcher litera- rischcn Probucte, welche in zwanglosen Heften oder Bändchen erscheinen, wird besonders noch gesprochen werden. I. Von der Förderung schon bestehender Blätter. .4. Die religiösen Blätter. — Man kann von den jetzt bestehenden religiösen Blättern wohl getrost behaupten, daß sie sich in guten Händen befinden, daS heißt: daß die Herausgeber derselben eben so wohl eine gute katholische Gesinnung haben, als auch die für die Herausgabe deS Blattes nöthige Geschicklichkeit besitzen. Allein auch der talentvollste und geschickteste Redacteur kann ein Blatt nicht allein schreiben, er bedarf der Unterstützung gleichgestnnter Freunde und Gönner. Und daS ist'S, woran eS fast überall fehlt. Die Herausgeber plagen sich um der guten Sache willen fast über ihre Kräfte*), geben sich alle mögliche Mühe, laden sich bedeutende Unkosten durch Porto und Anschaffung von HilfSblät- tcrn auf und arbeiten selbst sehr thätig an dem guten Unternehmen, während eine große Zahl von Geistlichen und gutgesinnten Laien müßig bleibt, einen ganz brauchbaren, oft recht schönen Stoff zur Verfügnng hat, aber auch nicht von fern daran denkt, durch Bearbeitung desselben ein so gemeinnütziges Werk zu unterstützen. Wie viele Geistliche und wissenschaftlich gebildete Laien gibt eS nicht, die entweder für daS reiche Gebiet der Zeitfragen, oder für wissenschaftliche Abhandlungen, oder für Kunstavfsätze (z> B. über Kirchenmusik, alterthümliche Malerei, Bildhauerei und Baukunst) oder für Reisebeschreibung oder Gegenwände deS innern Lebens (z> B. Erercitien), für literärhistorische Berichte, oder für das ErziehungS- und Unterrichtswesen u. s. w. nicht nur guten Stoff, sondern auch daS Geschick besitzen, solche Gegenstände klar und umfassend zum Nutzen vieler Mitmenschen darzustellen! So macht der Eine eine Reise nach Tyrol oder Italien oder England oder wohin eS nur immer seyn mag; er sammelt sich dabei Notizen, welche *) Daß sie es nicht auS Eigennutz, sondern wirklich um der guten Sache willen thun, beweist der Umstand, daß die Herausgeber solcher Blätter theils gar kein Honorar für ihre Bemühungen haben, theils ein so geringes, daß sie die Herausgabe des Blattes nicktt ausschließlich und allein zu ihrer Lebensaufgabe machen könne», sondern eS auch als ! Ncbengeschäft betrachten muffen. Es muß aber endlich einmal dahin kommen, daß unsere i Redactoren sich ganz ungestört ihren Blättern widmen können. Der Verf. 11Ä » viel Interessantes, Ermunterndes, Warnendes, überhaupt Lehrreiches enthalten; allein so etwas einzusenden in eine katholische Zeitschrist, die eS auch Andern mittheilen unv dadurch zu einem nützlichen Gemeingute machen würde, dazu versieht sich so ein Mann gar selten. Warum? Entweder aus Bequemlichkeit, was wohl meistens der Fall seyn wird, oder auS Vorurlhetten aller Art; äußerst selten dürfte Zeitmangel oder sonst ein beschwerlicher Umstand zum Hindernisse weroen. Ein Anderer macht in seinem geistlichen Berufe treffliche Erfahrungen im Religionsunterrichte oder im Schulwesen oder in der Krankenpflege; — allein dabei bleibt es auch. Unsere Zeitschriften vernehmen nichts von den günstigen Ergebnissen seiner Bemühungen, und so entgeht unsern katholischen Blättern mancher vortreffliche Stoff, der jedenfalls für die Wissenschaft interesftM, besonders aber geeignet wäre, der studirenden Jugend, so wie angehenden Seelsorgern und Lehrern eine gute Vorschule für das weite Feld der praktischen Thätigkeit zu seyn. Wer innern Trieb unv Lust hat, findet gewiß ein paar Mußestunden, in denen er solche Erfahrungen, Betrachtungen n. s. w. aufschreiben kann; und was die öfters verlautende Ausrede anbelangt: „ich bin nicht geübt im Anfertigen solcher Darstellungen, besitze keine Gewandtheit darin, um schnell und leicht so etwas zu liefern," so liegt die Oberflächlichkeit derselben klar am Tage. Was man in dieser Beziehung noch nicht hat, kann man sich erwerben, und wirklich würbe die Erfahrung lehren, daß eS nach einigen Versuchen schon gehen würde. ES bedarf übrigens auch gar nicht einmal so vieler Versuche, da ein Jeder durch die erworbene wissenschaftliche Bildung hinlänglich befähiget ist, um seine Gedanken und Erfahrungen verständlich niederzuschreiben. Ein Dritter wohnt in der Stadt oder auch auf dem Lande und ist Beobachter von Ereignissen und Zuständen, deren weitere Mittheilung für Viele ein großer Gewinn wäre oder doch einen sehr passenden Beitrag zur Charakteristik der Zeit (die ja solche Blätter auch liefern wollen) geben würde. Wie geschwind wäre darüber ein Corrcspondenzartikel entworfen. Aber so etwas erfordert ein wenig Zeit und eine kleine Mühe, und beide will man nicht daran wenden. Lieber läßt man ein katholisches Blatt, daS natürlich nur dann recht vielseitig segensreich wirken kann, wenn es von allen Seiten her eifrig mit Beiträgen unterstützt wird, Mangel leiben unv auS andern Blättern abdrucken, als daß man sich auf eine oder anderthalb Stunden hinsetzte und einen Beitrag zu dem katholischen Blatte lieferte. Man kümmert sich Nicht darum, ob die katholischen Blätter nach ihrem Inhalte arm oder reichhaltig sind; sie werden im Allgemeinen von nur gar Wenigen bestellt. Hält sich auch wirklich Einer gemeinschaftlich mit fünf oder sechs Andern eine solche Zeitschrift, so setzt er sich höchstens auf den hohen Stuhl vornehmer Kritik und mustert von da herab alle Artikel, die nicht ganz nach seinem Geschmack sind. DaS Bekritteln aber ist eine gar leichte und für Manchen selbst angenehme Sache. Man braucht nur ein klein wenig Schulweisheit zu besitzen; viel Urtheil gehört gar nicht dazu und Mühe kostet's ja auf keinen Fall, da man nicht daran Lenkt, eS besser zu machen, und so ist dieß Bekritteln denn eine höchst einfache, mühelose Sache. Ein Vierter endlich hätte Gelegenheit, manches Interessante auS dem Französischen zu übersetzen, z. B. Conferenzrcden, Abhandlungen, Missionöberichte u. s. w.; aber er thut es nicht; wohl wissend, daß die Presse eine große Macht ist, hat er aber keine Lust, die gute Presse zu unterstützen und zu fördern. Vergebens macht so ein lauer Freund der guten Sache die Wabrnebmung, welche Rührigkeit und Geschäftigkeit auf Seiten der schlechten Presse herrscht, er bleibt still und stumm unv tröstet sich höchstens damit, daß ja Andere schon schreiben werden. Hat die Bequemlichkeit oder das Vorurtheil sein Ehrgefühl in dieser Sache noch nicht ganz zu Boden gedrückt, so schläfert er.dasselbe doch mit dem matthcrzigen Flüstern einer falschen Demuth ein, indem er seinem Ehrgefühl etwa fol« gendeS prosaische Wiegenlied singt: .Wer wollte noch schreiben in dieser ohnehin so schreibseligen Zeit, die eine.solche Masse von Drucksachen zu Tage fördert, daß die ganze Welt davon überstrichet ist! Da ist Schweigen besser, als Schreiben; ja Schweigen ist eine Kunst!" — Hier unterbreche ich einen Augenblick das holde Wiegenlied und antworte: „Bei Solchen ist Schweigen ganz gewiß keine Kunst, die nur zu träge sind, um in den Schacht ihres Geistes hinabzuführen und dort die edlen Metalle, die Gott in sie gesenkt hat und über deren Verwendung er Rechenschaft fordern wird, an'S Licht zu fördern. Solchen Leuten fehlt eS auS lauter Demuth am Muthe." Weiter lautet die Entschuldigung: „Horaz spricht: noniim >>re- mstur in aiinuin! Also entweder etwas Tüchtiges oder lieber gar nichts!" Antwort: „ES verwehrt dir kein Mensch, etwas Tüchtiges zu schaffen und „nonuin premore in gnnurn," sofern eS etwas Wissenschaftliches oder sonst etwas Schwieriges in der Kunst gilt. Aber du mußt wenigstens etwas Tü^tigeS anfangen, sonst bringst du nichts fertig, als ein stilles Zeugniß deiner Arbeitsscheue." Weiter meinen Andere: „Man kann der guten Sache dienen, ohne daß man schreibt; die That ist die Hauptsache. Die Apostel haben auch nicht ins Schreiben ihre Hauptstärke gesetzt!" Darauf geb' ich zur Antwort: „Allerdings ist die That die Hauptsache. Es gibt aber für die Ausbreitung und Befestigung des Reiches GotteS so viel zu thun, daß das Wort: „That" nicht zur Bezeichnung ausreicht; — man muß sagen: „Thätigkeit," und dazu gehört doch gewiß auch daS Befördern der guten Presse durch Beiträge. WaS die Apostel betrifft, so haben sie freilich meist mündlich gelehrt; ich meine aber doch, eS komme uns sehr zu Gute, daß sie auch Evangelien und Episteln verfaßt und nicht wie Manche gedacht haben: „das Schreiben können Andere thun!" Man soll das Eine thun und daS Andere nicht lassen, oder anders ausgedrückt: äffe Wege müssen betreten werden, die zur Aufcrbauung, zum Schutze, zum Troste und zur Belehrung der Gläubigen führen, mag der Weg nun ein Weg'der That oder des mündlichen und schriftlichen Wortes seyn; Alles hat der eifrige Diener Gottes zur Förderung der Ehre seines Herrn fleißig zu benutzen. Und welche herrliche Vertheidigungsschriften deS Christenthums weisen nicht die erster« so wie auch die spätern Jahrhunderte auf! Heute noch segnen wir jene heiligen Männer, die solche Schriften verfaßten! Ja, ewig wird die heilSbegierige Menschheit sie segnen; denn ihre Werke reden und predigen jetzt statt ihrer und streuen fortwährend noch Samen für die Ewigkeit aus. Jede Zeit fordert ihre besondere Kampfesweise, und darnach bemißt ein eifriger Streiter Gottes seine Waffen. Er richtet sich um so mehr nach der KampfeSart seiner Zeit, als er den AuSspruch ch.es Erlösers: „die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder deS Lichtes," gerne recht beherzigen möchte. UebrlgenS ist eS mit der Aufforderung zur Unterstützung der katholischen Presse auch nicht so gemeint, als müsse der zum Schreiben Befähigte in allen Mußestunden hintcr'm Schreibtische sitzen und Aufsätze liefern; es soll geschehen nach Maaßgabe deS Stoffes, der Zeit und der Fähigkeiten, so daß von einem Solchen wenigstens alle vierzehn Tage, oder alle Monate, oder alle zwei Monate u. s. w. wenigstens Etwas, wenn auch scheinbar Kleines, für die kirchliche Presse geschieht. - (Fortsetzung folgt.) CharitaS, oder das Werk der heilige» Liebe. *) Eine geheimnißvvlle Kraft wohnt und weht im deutschen Worte: Liebe. So vielfach seine Bedeutungen sind, eine jede mahnt an einen höheren überirdischen Ursprung. Was den dreipersönlichen Gott in sich einigt, waS die Welt ins Daseyn rief, den Menschen schuf in seiner Herrlichkeit, den gefallenen wieder aufrichtete, erlöste und heiligte, ist die göttliche Liebe. Auch im Menschen, als dem Ebenbilde GotteS, wohnt die hehre CharitaS, die himmlische Liebe; aber nur eines der wechselnden Gefühle der Menschenbrust verdient diesen Namen. Die geheimnißvolle Naturkraft, welche die Sinnenwesen zur Einigung drängt, daß sie in neuen Wesen sich fortpflanzen und baß eines das andere nähre und pflege; sie ist die edle CharitaS, von der wir sprechen, nicht. Auch dann, wenn der Mensch sich als ein geistiges Wesen und den Mitmenschen als ein Wesen Seinesgleichen erfaßt, und vom Mitgefühl bewegt wird, für ihn als seinen Bruder zu sorgen, auch dieses Mitgefühl ist noch nicht die heilige CharitaS, sondern nur die allgemeine Menschenliebe (Philanthropie); eine Tugend, die selten reife und nährende Kernfrucht bringt, und die oft in weichliche Gefühle entartet, die dort die Hilfe versagen, wo sie am dringencsten wäre, nämlich dort, wo die Noth in ekelhafter, schauerlicher Gestalt auftritt. Die BildungS- und WehlthätigkeitSanstalten, welche als Ableger dieser philanthropischen Ansichten besonders in den letzten Jahrzehnten auftauchten, sind, kaum inS Leben getreteten, gar schnell wieder abgewelkt. Die CharitaS, die ächte christliche Liebe, ist etwas Höhere«, sie ist die Liebe deS geschaffenen, crlöSte», geheiligten Menschen zu seinem Schöpfer, Erlöser und Heiligmacker. Sie ist unbedingt und schrankenlos, allumfassend, starkmülhig, ausdauernd, wie der, auf den sie gerichtet ist. Die CharitaS betrachtet den Mitmenschen nicht mehr als ein vereinzeltes Wesen, unS werth wegen der Stammverwandlschafl oder der geistigen Aehnlichkeit mit unS, sondern als ein Kind GotteS, berufen gleich uns zur Gemeinschaft deS Herrn in ewiger Seligkeit, als erkauft durch daS Blut unseres Heilandes, und je versunkener der Bruder unS gegenübersteht, je abschreckender sein Elend uns entgegentritt, wir verehren, lieben in ihm daS Ebenbild GotteS, den Bruder deS Heilandes. Dieses Gefühl ist jene wunderbare, heilkräftige Liebe, welche die Apostel des Herrn hinauStrieb in die weite Welt, um daS Licht und die Gnade deS Evangeliums allen Völkern zu bringen, welche so viele Heilige lehrte, sich alles Vermögens, aller Bequemlichkeiten, ja oft der nöthigsten Mittel deS Lebens zu entäußern, *) AuS dem österreichischen Volkssrcund. 119 um Andern Hilfe zu schaffen, welche die zartesten weiblichen Wesen zur^ Pflege der ekelhaftesten Kranken bewog, welche ihre Märtyrer hin in die Kerker der Verbrecher, die Schlupfwinkel des Lasters und in die «Lklaven- behälter der Türken, wie in jene der amerikanischen Pflanzer sandte, unft zu helfen, wo nur irgenv zu helfen war. Sie ist immer jung, immer > stark, unerschöpflich in ihren Erfindungen, unermüdlich in Opfern und! Anstrengungen. Ihr sind aller Orten jene großen Anstalten zu danken, die! zum Troste und zum Heile der Menschheit vom Sturme der Zeiten unge-j brachen bis jetzt sich erhalten haben; Männer wie Benedict von NurpaZ Karl der Große, Leopold IV., Franciscus von Assist,. Johann von Malha,! Johann von Gott, Vincenz von Paul, und Frauen wie Elisabeth von Ungarn, FranciSca von Chantal, Eleonore von Oesterreich rc. haben durch die Kraft dieser heiligen Liebe sie inS Leben gerufen. Diese opsermüthige Liebe, sie ist auch jetzt in der Zeit der Gleich- giltigkeit unv Zerstörung nicht erstorbe». Wie einst der Geist GolteS schaffend schwebte über den Wassern, so daß in sechs Zeitfolgen die Welt ins Daseyn trat: also schwebt auch heute die himmlische Liebe zeugend und belebend über den verwirrten Wogen der m sich selbst zerfallenen christlichen Welt. Nicht das naturwüchsige JüngligSgefühl im Dichlerwort: „Diesen Kuß der ganzen Well!" ist eS, das den Fieberkranken Heil und Segen verbürgt, sondern der im gläubigen Herzen erstandene LiebeSruf der katholischen Vereine, der den Mann zum Manne, die Frau zu Frauen drängt, um mit vereinten Kräften die schönen Zwecke zu erreichen, zu denen die Kraft des Einzelnen nicht ausreicht. DaS ist der Ursprung, daS Wesen und das Ziel der in unserer Zeit so zahlreich und so kräftig ins Leben getretenen weltlichen katholischen Vereine, die in anderer Form dasselbe zu erreichen suchen, was in früherer Zeit die klösterlichen Vereine geleistet haben: Eigene Veredlung unv Heiligung Anderer in Liebeswerkcn. Vor allen geist. und fruchtreich wirkt auf diesem Felde der seit beiläufig einem Jahrzehend bestehende Vincentius-Verein, dessen Hauptsitz in PariS ist. Im Jahre 1833 führte die geheimnißvolle Kraft der heiligen Liebe acht Pariser Studenten zusammen, anfangs um wissenschaftliche Zwecke zu verfolgen, dann aber um ihren gefährdeten Glauben zu stärken und zu vertheidigen; und diese waren der Same jenes nun über fast ganz Europa, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Deutschland, die Türkei, sich verzweigenden, ja selbst nach Algier unv nach Merico sich erstreckenden Vereins. Dieser Vincentius-Verein sorgt in einzelnen Abtheilungen für Nahrung, Pflege unv Kleidung der Armen und Kranken. Die Mitglieder besuchen die Armen selbst, trösten und helfen liebevoll. Eine andere VereinSabtheilung sammelt verwahrloste Kinder zum sittlich religiösen Unterricht; bringt andere in die Lehre tüchtiger Meister, und tritt ihnen als leitender und berathender Beschützer bleibend zur Seite. Wieder eine andere Classe hat es sich zur Ausgabe gemacht, bereits inS Laster versunkene junge Leute in den Gefängnissen zu besuchen, zu unterrichten und zu bessern. Andere bemühen sich, arbeitslose Gesellen unterzubringen, und armen GewerbSIeuten Gcldvorschüffe zu machen und Werkzeuge zu verschaffen. Auch besondere kleine Privat-Sparcassen werten errichtet für Arme, welche nur wenige Pfennige zurücklegen können. Für Soldaten werben Lesezimmer und Büchersaminlungen angelegt, um für ihre nützliche, vorzüglich religiöse Bildung zu sorgen. Selbst jener Unglücklichen wirb nicht vergessen, welche in sogenannten „wilden Ehen" (Concubinaten) sich selbst unv ihre Kinder um Ehre, Vermögen, Frieden unv Seligkeit betrügen, und von einzelnen Abtheilungen deS Vereins wird eS ihnen möglich gemacht, in christliche Ehe zu treten, und ihre Kinder dergestalt als eheliche zu erklären (zu legitimirm). Seine Hingeschiedenen Pfleglinge begleitet der Verein noch zum Grabe und besorgt die Opfer des Gebers für sie. Und die Mittel zu so außerordentlichen Liebesgaben? Sie fließen aus vielen tausend Händen in freiwilligen Beiträgen und Geschenken, so daß sich im letzten Nechnungs-AuöweiS deS französischen Vereins von 1847 eine ausgelegte Summe von mehr als 300,000 fl. nachweist. Der Verein erstnckl sich über alle Stände, und zwar waren im Jahre 1842 unter 4000 Mitgliedern in 86 Abtheilungen, auS dem Abvocatenstande 676; Aerzte 157 ; Geijtliche 117; Militärpersonen 89; auS dem Lehrstande 153; auS dem Beamtenstand 127; Künstler 37; Kaufleute 223; von ihren Renten lebende Mitglieder 26 l; Schriftsteller 20, und sein Wirken ist so segensreich, daß Papst Gregor XVI. mit dankbarer Freude die reichsten Segnungen der Kirche über ihn ausgesprochen und PiuS IX. ihn neuerlichst mit den ermunterndsten Schreiben bestätiget hat. Auch bei unS in Oesterreich, in Wien, ist mitten unter den bösen Geistern, die uns verlockten und verwirrten, kaum daß die ersten Regungen deS freien VereinsrechteS sich zeigten, die heil. Charilaö sichtbar erschienen. ES entstand der Verein für Glauben, Freiheit und Gesittung, um diese > heiligsten Güter der Menschheit mitten auö dem Kampfe unserer Tage un-s versehn zu erretten. Belebung deS Glaubens durch die Freiheit deS geistigen Wirkens und Lebens, und Erneuerung der christliche» Liebe in allen Werken der Wohlthätigkeit — daS ist sein erhabenes Ziel. Bereits ist der eine Zweck möglichst erfüllt. Die bürgerliche Freiheit ist gewährt in der Verfassung, die uns der großmüthige Kaiser verliehen, und auch die Freiheit der Kirche ist verbürgt. Die edelste Aufgabe des KatholikenvereinS bleibt nur noch, nebst der Bewahrung und Förderung deS ächten Glaubens und der christlichen Wissenschaft, die Werke der heiligen Liebe. Und Erfreuliches hat er bis jetzt, wenn auch mit schwachen Kräften und unter mancherlei äußeren Hindernissen geleistet. Er hat gleich beim Entstehen im verflossenen Jahre durch seine mächtige Stimme viele Tausende vom Abfall zurückgerufen, viele Andere im Glauben befestiget. Er hat durch Gründung von Lese-Gesellschaften und Verbreitung von guten Schriften kräftig mitgewirkt zur bürgerlichen, wie zur religiös-sittlichen Aufklärung, und eS ist nur zu bedauern, daß er mißverständlich ebenfalls in den Bann deS Belagerungszustandes gethan wurde, und sein wohlthätiges Wirken plötzlich auf die Herausgabe deS österr. VolkSsreundcS sich beschränken mußte. Doch die Liebe, die da stärker ist als der Tod, war auch stark genug den Belagerungsstand zu überwinden; und so wurde auS dem Schovß deS gefesselten Katholckenvereinö seine lebenskräftige Tochter, der wohlthätige Fraucnverein geboren. Wie der VmcentiuSverein anderwärts, so hat unser Fraucnverein in bereits vierzehn Abtheilungen oder Bezirken in kaum sechs Monaten reichen Segen über die Hauptstadt ergossen. Tausenden hat er den nagenden Hunger gestillt, Tausenden ihre Blöße bedeckt. Wie viele Kranke hat er getröstet, gestärkt und erquickt! Wie vielen Kindern hat er den nothwendigen Unterricht möglich gemacht, und sie dem Verderben deS GasscnlebcnS entzogen. Wie viele Leidende hat er vor Verzweiflung gerettet und ihnen Glauben und Vertrauen auf Gott und die Menschheit wiedergegeben! Die hierüber erschienenen MonatSauSwcise geben nur ein schwaches Bild seines bisherigen Wirkens. Und ein Blick auf die uns verschwisterten Vereine, namentlich auf jene in so kurzer Zeit erstarkten und unS weit überholenden in Linz und Brünn, welchen Trost bietet er uns nicht! Im brausenden Sturm geboren, haben sie ihn zu überdauern verstanden, haben unterrichtende Journale inS Leben gerufen, Armenschulen gegründet, verschiedenewohlthätige Sammlungen eingeleitet, den Grund zum VincenliuSverein gelegt, FrauenwohlthäligkeitSvereine gebildet und sich lebenskräftig in zahlreichen Zweigvereincn über Oberösterreich und Mährcuverbreitet. Daß in diesen und andern katholischen Vereinen vorzüglich der geistige und geistliche Gewinn erstrebt wird, liegt auf der Hand, und kann man auch diesen geistigen Gewinn nicht mit Zahlen nachweisen, eben weil er geistig ist, so ist er doch unläugbar, und wird sich in nächster Zeit in den gebesserten Sitten, dem regeren Glauben, den würdigeren Wahlen herausstellen. Die Mitglieder selbst wissen eS wohl am besten, wie sehr das kurze katholische VcreinSIeben sie gehoben unv gestärkt hat. AuS dem französischen VincentiuSvcreiii sind im Jahre 1846 allein 60 Mitglieder in den geistlichen Stand getreten, und 12 in daS Ordensleben übergegangen. Es ist überhaupt beachtenöwerlh, daß so viele OrdenSgenosscnschaften ursprünglich Laienvereine gewesen sind, die das Bedürfniß der Zeit nach und nach in die höhern Kreise deS christlichen Lebens erhoben hat. Falls überhaupt daS Ordensleben Bedürfniß unserer Zeit ist, so werden gewiß auch aus den Vereinen der Jetztzeit die den Bedürfnissen der letzteren entsprechenden Orden hervorgehen. Doch waS auch immer in den Beschlüssen der Vorsehung liege, jetzt heißt eS sammeln, einigen, wirken, durch und für die Liebe. Darum auf, ihr Männer deS Volkes, zeigt euch als wahrhaft frei und gleichberechtigt, wetteifert mir Jedem im Glauben und in der Liebe! Ihr Mächtigen, Angesehenen, Reichen, ihr Männer der Wissenschaft, legt ab die falsche Scheu, vereinigt euch mit dem Geringen und Armen zum Bunde der Treue für Gott und seine Kirche! Ihr Seelsorger, niedrig und hoch, tretet voran in die ersten Reihen, wirket und leitet, Laß stets die rechten Bahnen eingehalten werten, und daß euch dasselbe Lob werde, LaS der VinccntiuS- Vcrein in dem Bericht für das Jahr 1842 der französischen Geistlichkeit ausgesprochen hat: „DaS innige Wohlwollen der ehrwürdigen Seelsorger, innerhalb deren Pfarrsprengel unsere Genossenschaften ihre Sitze haben, hat unserem unscheinbaren Werke nicht gefehlt, und deren wohlwollende Mitwirkung hat unsere geringen Kräfte crmuthigl, und unsere bescheidene Betheiligung am Apoftolat der Liebe gesegnet, als dessen Vorbilder und Lehrer jene Seelsorger selbst uns immer vorgeleuchtet haben." Aber in allem und jedem lebe die himmlische Eharitaö, die heilige Liebe. S. B r e l a u. Au« Scklesicn. Sie werden auS den Zeitungen erfahren haben, daß Professor Regenbrecht, erst Katholik, dann Rongeaner, dann keiner Confession angehvrig, gestorben ist. Bei ihm hat weder die Universität (denn er konnte für seine Vorlesungen kaum Zuhörer erhalten) noch die Wissenschaft (seine sänimtlichen Werke kosten 1 Sgr.) etwas verloren, aber für das kirchliche Interesse ist sein Tod von nicht geringer Wichtigkeit. AIS nämlich nach der materiellen Beraubung der katholischen Kirche Schlesiens der Staat auch gegen alle Verträge und gegen alles Recht den gel- stigen Raub an ihr beging, ihr durch Verschmelzung der Leopvldtna nul der protestantischen Universität Frankfurt die ihr zugehörige Bilbungsanslall zunehmen, wurden für die neue Universität und die einzelnen in verleiben begriffenen Facultäten Statuten und Reglements entworfen. In denen der katholisch theologischen Facultät wurde daS Kirchenrechl, wie dieß auch natürlich ist, zu den von und in ihr zu behandelnden Disciplinen gerechnet und bestimmt, daß, wenn für dasselbe kein eigentlicher ordentlicher Lehr- stuhl in der Facultät begründet werden sollte, die Stelle dieses Lehrers durch einen Professor des kanonischen Rechtes in der juristischen Facultät verireten werten und dieser an allen den Geschäften der theologischen Facultät Theil nehmen solle, welche diese Disciplin betreffen. Hieraus ergab sich von selbst, daß der oder einer der ordentlichen Professoren veS kanonischen Rechtes in der juristischen Facultät katholisch sehn mußte. Als katho- lischer Professor deS katholischen KirchenrechleS wurde nun ür. Regenbrechl von der StaatSrcgierung angestellt Zu keiner Zeit hat derjelbe feine ihm als solchem obliegenden Pflichten erfüllt, und die Folge davon waren die erheblichsten Nachtheile für die Diöccse. Zwar lasen Professor Dr. G-tzler und l)r. Grosch kanonisches Recht, aber sie konnten den Mangel eines ordentlichen Professors dieser Disciplin nicht ersetzen, und die Theologen, welche im kanonischen Rechte GraduS erwerben wollten, mußten sieb au andere Universitäten wenden. Daß nicht nach dezc Apostasie des Professors Regenbrecht die katholische Facultät und die bischöfliche Behörde Schritte thaten, um, auf die Statuten der Facultät gestützt, dessen Entfernung zu verlangen, ist ein Vorwarf, den sie nicht von sich abwälzen können. Nun, nach dem Tode deS Professors Regenbrecht, ist das Hinderniß gewichen Die juristische Facultät hat beim Ministerium aber varaus angeira- gcn, den kanonistischen Lehrstuhl einem ihrer außerordentlichen Profefioren, dem Professor Wasserschleben, einem Protestanten und eifrigen frühern Gön ner der Nongeaner, zu übertragen, dem katholischen Professor Dr. Gitzler aber den seit Unterholzner's Tobe unbesetzten zweiten Lehrpuhl deS römischen Rechtes, so daß daS katholische und kirchliche Interesse wiederum auf das Schnödeste verletzt und die vom Staate im Reglement der katholisch- theologischen Facultät eingegangene Verpflichtung nicht erfüllt worden wäre. Unter diesen Umständen hat sowohl die theologische Facultät als die bischöfliche Behörde sich genöthigt gesehen, bei dem Ministerium einzuschrcilen; Beide haben energisch die Berufung eines katholischen und katholisch gesinnten Mannes auf den Lehrsiuhl gefordert; wir wollen sehen, ob die Slaalö- regierung der Stimme der Gerechtigkeit Gehör geben wird. Möge Waffcr- schlcben Professor des protestantischen Kirchenrechtö werden, was wir sor- dern und mit Recht fordern, ist dann die Berufung eines Katholiken auf den Lehrstuhl deS katholisch-kanonischen Rechtes; wenig auch würde es nützen, wenn Professor Gitzler nebenbei die Verpflichtung, kanonisches Recht zu lesen, aufgegeben würde; das Reglement der katholisch-theologischen Facultät verpflichtet den Staat, entweder in derselben oder in der juristischen Facultät einen ordentlichen Lehrer deS kanonischen Rechtes anzustellen. Die Augen deS katholischen Theiles der Provinz sind auf diese Angelegenheit gerichtet; an ihr wird sich erproben, ob die StaatSregierung auch gegen die katholischen wissenschaftlichen Bedürfnisse Recht und Gerechtigkeit zu üben gewillt ist. (Rh. V.-H.) Wie«. Wien. Am 5. Juli hat wieder einmal eine Ausschußsitzung deS KatholikenvereinS stattgefunden. Der hauptsächliche Gegenstand der Berathung war die Beantwortung deS Schreibens deS VereineS in BreSlau, als deS gegenwärtigen Vorortes der Katholikenvereine Deutschlands, worin er um Mittheilung deS PcrsonalstandcS unsers VereinS bittet, und den Beschluß rer letzten allgemeinen Versammlung ankündct, die nächste Zusammenkunft im September d. I. hier in Wien zu halten. Jene Mittheilung, als auf Thatsachen beruhend, war natürlich kein Gegenstand der Erörterung *); allein um so lebhafter entspann sich die letztere über die *) Der Kathvlikenvcrein für Glauben, Freiheit und Gesittung in Wien, an dem Vcrhängnißvcllcii 15 Mai >848 gegründet, zählt in den Bezirken: innere Stadt, Lcvhvid- stadl, Landstraße, Mieden, Gnmvcndvrf, Sclwttenfcld, Altierckenfeld, Jcscphstadt, Alscr- vorstadt, LiäNenthal, Rcinderf, Hcrnals. mehr als 180» Mikgl eder; der ihm verbundene wohltätige Frauenrcicin hat in it Bezirken bei 900 Mitglieder. Außer Wien beziehen noch Zwcigvercinc in Würnih, Unterleobersdorf, Schöngrabcrn, Pocksiieß, Pil- hinsichts dieses Beschlusses zu ertheilende Erwiderung. Nach vielen Für- und Gegenreden, bei denen sich vorzüglich die Herren Schwarz, HäuSle, Hock, Bannert, Brunner, Buol, Gruscha, Mundigler, Pusch, und der nach langer gefährlicher Krankheit freudig wieder begrüßte Groß bethellig- !tcn, wurde endlich mit allen Stimmen gegen eine (jene LeS Herrn VereinS- j Präses, Consul Schwarz) beschlossen, dem Vororte zu schreiben, daß man j der Zusammenkunft in Wien mit Freuden entgegensehe und alles aufbieten werde, die entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen. Gleichzeitig solle i ein Gesuch an daS kk. Ministerium gerichtet und dasselbe mittelst einer : eigenen Eingabe und einer aus den Herren Knell, Bannert, Haubner, ! Mundigler, Putz (oder in dessen Verhinderung v. Patruban) bestehenden , Deputation dem hvchwürdigsten Herrn Fürsterzbischofe zur unterstützenden i Einbegleitung überreicht werden, worin daS Ministerium um Gestaltung ! jener Zusammenkunft so wie, zur Vorbereitung für dieselbe, einiger Plenar- Versammlungen des Wiener-Katholikenvereins gebeten wird. Die Gesuche selbst, wie sie in einigen späteren Besprechungen, an denen auch die bei jener Ausschußsitzung abwesenden Herren Bondi, Veith, Gschwandner und Bermann Theil nahmen, festgesetzt wurden, so wie ihr Erfolg werden später mitgetheilt werden. In die Ansicht des Herrn ConsulS Schwarz, jene Zusammenkunft dem Vororte gegenüber als während deS BelagerungS- standcs unthunlich darzustellen und sich die Gegenwart der deutschen Vereine für daS nächste Jahr zu erbitten, wurde ungeachtet dessen, waö für sie geltend gemacht wurde, aus dem Grunde nicht eingegangen, weil eS lieblos gegen unsere deutschen Brüdcr und feige wäre, jene für unS wie für sie so wichtige Zusammenkunft vorhinein abzulehnen, ohne zu ihrer Zustandebringung das Aeußerste versucht zu haben, und weil die Vorgänge in BreSlau wie in Berlin gezeigt hätten, daß bei der heilbringenden Richtung der Katholikenvereine selbst eine protestantische Regierung zu ihren Gunsten Ausnahmen vom Belagerungsstande gestatte. Es wurde im Laufe der Verhandlung auch der Nothwendigkeit erwähnt, daß außer Wien, auf dem flachen Lande und in den kleineren Städten, Katholikenvereine sich bilden, und dergestalt Glaube, wahre Freiheit und Gesittung in weiteren Kreisen sich befestige, und augenblicklich erboten sich mehrere Geistliche und Laien als Missionäre in diesem Sinne überall zu wirken, wo die OrtS- geistlichkeit sie rufe. (Oesterr. VolkSfr.) Aus den katholischen Missionen. In einem (in der N. Sion mitgetheilten) Briefe deS Missionärs Pater Dr. P. Lechncr O. 8. 8. <1.4. Carroltown Cambria Cosnty Pensylvania, den 2l. Mai 1849, lesen wir: „Da es allen Leuten in weit entfernten Familien nicht möglich ist, zur Kirche zu kommen, so hält man von Zeit zu Zeit in deren Häusern Messe. Da versammelt sich dann die ganze Nachbarschaft; es beichten oft 10 — 20 Personen; und die Familie, die auf solche Weise das Glück hat, Jesum sacramentalisch zu Gaste zu haben, muß zu einigem Ersatz ihn auch in seinen Gliedern gastiren. Bei solchen Meetings findet sich aus Neugierde auch hin und wieder ein Protestant ein, um den Vertrag des Priesters zu hören. AIS ich in der Pfarrei von einem Manne hörte, der nie in die Kirche ginge und nie beichte, besuchte ich ihn, und meldete ihm, daß ich kommen wollte, in seinem Hause Messe zu lesen. DaS wirkte besser, als Alles. Wenn Jesus in daS HauS kommt, dann bekehren sich auch Zöllner. WaS trifft man doch nicht Alles in Amerika? Eine Familie ist hier, deren Haupt seit 30 Jahren nicht gebeichtet, das Weib noch nicht getauft ist. Da der Mann zufälliger Weise zu mir kam, und im Gespräche dieß vorkam, meldete ich ihm sogleich, daß ich nächstens zu ihm in das Haus kommen würde, daS Weib zur Taufe zu bereden, da ja alle Kinder, 12 an der Zahl und schon groß gewachsen, getauft und gut erzogen waren. Die Thörichte sagte, es würde wohl besser seyn, dieß unterbleiben zu lassen, es würde nichts fruchten. Ich empfahl die Sache der Fürbitte deS unbefleckten Herzens Mariä, und ging in der gewissen Furcht, einen schweren Kampf bestehen zu müssen, in daS HauS. Doch sieh da, die ich als eine obstinate Heidenvettel erwartet hatte, antwortete mir auf meine Frage, ob sie denn nicht die heilige Taufe empfangen wolle, ganz bereitwillig: Ja. Und auf die Frage, ob sie auch überzeugt sey von der Wahrheit deS Christenthums, der katholischen Kirche, antwortete sie wieder: Ja. Wer habe sie überzeugt? Antwort: poormang Lsteelimm ancl otlwr doolcs. Nachdem sie Lurch Krankheit einige Wochen zu Hause zu bleiben genöthigt war, empfing sie vorgestern den 19. Mai das Sacramcnt der Wiedergeburt. Was sie schon lange gethan, ihren Mann zur Beicht zu bereden, wird sie vielleicht jetzt mit gesegneterem Erfolge thun." lichsdvrf, denen bei 400 Mitglieder bcigetreten sind. Die uns verbrüderten Vereine in Brünn, Linz, Krcmsniünsicr, Admvnt gehören als selbstständigc Gesell>chasten, die thcil- wcise wieder in vielen Ablegern sich ausgebreitet haben, nicht in unsern Pcrsonalstanv. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.- VcrlagS-Jnhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abcn- ncmciitspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Deiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer« den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang M 31. 5. August L84S. Der Censor in Nola. -j- Der römische Censor kam einmal nach Nola, einer Stadt Campa- nienS, um nach seinem 'Amte jene Gegend zu vifitiren. Weil eS aber Sommer und in jener Gegend sehr heiß war, ließ sich Niemand auf dem öffentlichen Platze sehen. Er sagte also seinem Gastfreunde, bei dem er eingekehrt war: „Freund, ich bin als Censor vom römischen Senate zur Visitation dieser Gegend abgeschickt; gehe also eilends hin und rufe alle Guten im Volke zusammen; denn ich habe ihnen im Namen der geheiligten Obrigkeit etwas zu sagen." Der Gastwirth ging zu den Gräbern der Todten, welche dort begraben lagen, und rief mit lauter Stimme: „Auf, ihr guten Männer, kommet mit mir; denn cS ruft euch der römische Censor." AIS der Censor Niemanden kommen sah, befahl er dem Gastwirthe, sie noch einmal herbeizurufen. Dieser kehrt wieder zu den Gräbern zurück und ruft: „Stellet euch ein, ihr guten Männer; denn eS ruft euch der römische Censor." Auf gleiche Weise und mit gleichen Worten wurden sie zum dritten Male gerufen. Als sie aber auch dieses Mal nicht erschienen, wurde der Censor unwillig und sprach: „Weil die guten Männer auf meinen Befehl nicht zu mir kommen wollen, so will ich zu ihnen kommen. Gehe also mit mir und zeige mir dieselben. Denn der verdient schwere Ahndung, welcher nicht hört auf den Befehl des Senales." Der arme Gastwirth nahm den Censor bei der Hand, führte ihn zu den Gräbern und rief: „Sehet, ihr guten Männer, der römische Censor ist da und will mit euch reden." Der Censor glühte auf vor Zorn und sprach: „WaS machst du da? Ich habe dich geschickt, die Lebendigen zu rufen, du aber rufest die Todten." Ihm enlgegnete der Gastfreund: „Wenn du klug bist, römischer Censor, so darf es dich nicht wundern, waS ich gethan habe; denn alle guten Männer dieser Gegend sind gestorben und unter diesen Monumenten begraben; denn durch ein gerechtes Urtheil Gottes ist eS geschehen, daß Diejenigen im Schooße der Erde ruhen, deren Umgang die Stadt nicht mehr werth war." Machen wir von dieser alten Erzählung eine Anwendung auf die neuen und neuesten Vorfälle unsers deutschen Vaterlandes, das bei allem Geschrei von Einigung niemals zerrissener war, so müssen wir mit trauriger Gemüthsstimmung sagen: „Ach, die Guten sind todt; denn sonst hätten die Bösen keine solche mächtige Oberhand!" Man hat mit dem Ungeheuer der Revolution geliebäugelt und dessen Blicke auf einen andern Gegenstand hingelenkt, vergessend, daß der Altar die Stütze deS Thrones ist. Jetzt scheint eS freilich, als sey man zu dieser Erkenntniß gekommen, allein so lange man die Kirche nicht völlig frei macht von dem Schnürleibe engherziger Bureaukratie und argwöhnischer Ueberwachung, so, daß sie ungehindert ihren göttlichen Beruf erfüllen und ihre Heilmittel anwenden kann, wird auch keine Hilfe ausreichend seyn gegen die sechs Hauptübel unserer Zeit, nämlich mißverstandenes Eigentumsrecht, falsch ausgelegte Freiheit, verirrte Bestimmung, Entheiligung der Ehe, Verwerfung jeder Autorität von Außen und endlich gegen den Lucifers-Stolz, der eine fürchterliche Demüthigung erfahren wird. Wer noch gutmüthig schläft im Grabe seiner Gleichgiltigkeit gegen diese sechs anrückenden Höllengeister, der wird von dem Posaunenschalle des Gerichtes aufgeweckt werden, daS jetzt über Deutschland hinschreitet. Darum sollen wir unS gegenseitig aufmuntern zum gemeinsamen Widerstände in Wort, Schrift und That gegen die Mächte der Finsterniß. Viele der Guten sind entschlafen im Herrn, ehe die Revolution ihre blutigen Fittige über Deutschland ausbreitete, und wir müssen sie deßhalb glücklich preisen. Aber eS schlafen auch jetzt noch nicht alle Guten, die es redlich meinen mit Gott und mit ihrer heiligen Kirche, mit dem Könige und mit dem Vaterlande. Wenn also ein höherer Censor kömmt, als der römische, und er seine Treuen prüfen will, so wollen wir denselben nicht auf die Gräber der Todten, sondern auf die Häuser der Lebendigen hinweisen, in denen noch nicht deutsches RcchtSgefühl, deutsche Zucht und Sitte völlig abgestorben ist. Ueber Völkerglück. *) Glossen zu biblischen Terten über diesen Gegenstand. II. „Von Babylons Wein tranken alle Völker, und darum taumelten sie." Irrem. 51, 7. ES ist eine Syrene, eine Hetäre, welche die Völker verführt und berauscht hat; ihr Bild die vom Propheten und später vom Seher auf PathmoS gezeichnete Babylon: sie ist daS moderne Heiden thum, im Bunde mit der Revolution. „Keine Unsterblichkeit, kein Jenseits, kein Gott, daS Christenthum weg, und dann werdet ihr glücklich seyn, frei eurer Lüste genießend", rief sie den Nationen zu, und reichte ihnen den Taumelkelch, und es tranken Massen daraus, um im Traume des Glückes sich zu wiegen. Trunkenheit also, sinnloser Taumel, LoSkettung der Bestien im Menschen, Zügellosigkeit und Unrecht sollen die Bande seyn, welche zum-Heil und Segen um die Völker sich schlingen? Diese sotten glücklich seyn auf dem Felde, worauf kein Tropfen Thau vom Himmel, kein Strahl höher» Lichtes und Trostes fällt, keine göttliche Stimme beruhigend ober den aufgeregten Wassern schwebt, sondern es wogt nur der Strom bestialischer Gelüste hindurch, siedend, verpestend, um seine Ufer der wüste Lärm sich wüthig bekämpfender Leidenschaften, daS tolle Geschrei zahlloser Taumelnder? Kann Trunkenheit und Taumel wahrhaft beglücken? Die verzehrende Glut nach Besitz und Genuß, daS Herumschwärmen im Rausche der Lust, die ewigen Erschütterungen revolutionärer Wühlereien, die wilde Jagd von Leidenschaften gehetzter Massen sollen Ruhe und Frieden gewähren, ohne die kein Glück je möglich? Wahnsinn und Raserei können nie glücklich machen. Von den Völkern, die also berauscht hintaumeln, gelten die Worte des PsalmS: „Ihr Weg wird finster und schlüpfrig seyn, und der Engel deS Herrn sie verfolgen." (Psalm 34, 6.) Von Babylons Weine, vom Becher der Lust, tranken und berauschten sich die alten Völker. Ihre Schriften und die Geschichte zeigen, wie wenig sie dadurch ihr Glück gefunden. Weht denn nicht durch die Werke der geistvollen Griechen und Römer eiu Hauch der Wehmuth, eine hoffnungslose Klage, eine stets unbefriedigte Sehnsucht, Furcht und Angst vor dem Tode ohne Etwas, daS seine Schrecken milderte? Nein, glücklich ist kein Volk, daS verblendet in ausgelassener Freude um einen Abgrund herumtanzt, der es zum ewigen Jammer aufnimmt. „Lasset uns essen und trinken; denn morgen sterben wir": diese Worte sind nicht die Aufschrift eines Thores, das zu wahrer Seligkeit einführt. So ist eS denn daS Unglück der Völker, daß sie trunken sind vom Weine Babylons, daß sie Gott und seine Lehre vergaßen, daß sie Christum lästern, daß sie emancipirt von jedem Gesetze taumeln, und immer dahin- taumeln möchten. ES ist daS Unglück der Völker, daß sie im Rausche die Wege GotteS, und der Tugend und deS Rechtes verlassen haben! Sie taumeln dem Verderben zu. ') Aus den Hiß. polit. Blätter«. . »»» »M ' 7 « 122 m. „Wisse und sieh, daß es übel und bitter ist, daß du den Herrn deinen Gott »erlassen und die Furcht vor ihm nimmer bei dir ist! Irrem. 2 , 19. Hätte ich eine Donnerstimme und stünde auf einer Anhöhe, unten an ihrem Fuße vor mir ein Volk versammelt, zerrissen von alten den Leiden der Zeit, goltcnlfremdct durch antichristliche Grundsätze, jedes Trostes bar, bar jeder Aussicht auf Besserung seiner Zustände, geknechtet von radicalen Despoten, der Armuth preisgegeben und dem Hunger; ich riefe mit weit- lönender Kraft und tiefem Mitleid und heiligzürnendem Eifer dem armen, unter der Uebel Last gebeugten Volke zu: „Wisse und steh, daß es übel und bitter ist u, s. w.! Du träumtest, wie dir erst recht die Sonne des Glückes aufgehen werde, wenn Glaube und Gottesfurcht, die der moderne Unglaube als düstere Nebel vormalte, auS deinem Leben schwinden würden. Sieh nun, wie bitter du dich täuschtest, wie unglücklich du geworden! Kann eS auch anders seyn? Frage nur die Geschichte! Wurde daS französische Volk dadurch glücklich, daß cS bei seiner ersten Revolution Gott vom Throne zu stürzen sich vermaß? Sind die Schweiz und Jialien jetzt glücklich, da sie vom gottlosen LiberaliSmuS sich zur Knechtung der katholischen Kirche und zur Revolution verleiten ließen? Und ist Deutschlands Zerrissenheit nicht größtcntheilS die bittere Frucht der Aussaat, welche der Unglaube und die Gotteslästerung mit vollen Händen ausgestreut?" Wie ist eS auch anders möglich, alö daß die Fluth des Unglücks einbricht, wenn die Dämme der Gottesfurcht gefallen? Kein Glück des Volkes ohne Barmherzigkeit von Seite der Besitzenden, ohne Arbeit und Geduld von Seite der Armen, ohne Achtung vor Gesetz und Sitte von beiden Seiten. Wo aber der Glaube an Gott und Christus, unsern Erlöser, wo der Glaube an eine ewige Vergeltung, wo der Glaube an Gottes allein wahre Heilanstalt, die katholische Kirche, zu Grabe getra- gen ist: da erheben sich Egoismus und Genußsucht bei den Besitzenden; daß sie der Armen im Volke vergessen; die Proletarier aber, der tröstenden Religion beraubt und fast nur mehr animalische Triebe kennend, müssen zu Neid und Haß und Raub erwachen. So stürmt dann ein Heer von Uebeln und bittern Leibern über daS unselige Volk ohne Gott und Gewissen, Wunden schlagend auf Wunden, und eS ist kein Arzt, der trösten und heilen könnte, weil daS verblendete den allein wahren Arzt von sich gestoßen, den einzig rechten Balsam deS Trostes, die himmlische Religion über Bord geworfen. War es ja schon bei den heidnischen Völkern so, daß mit dem Sinken der Religion, der Furcht auch vor nichtigen Göttern, daS Verderben einriß und die Sterne des GlückeS untergingen. Um wie viel mehr muß Verderben und Jammer einreißen, wenn das Licht deS Glaubens an den wahren Gott dem Dunkel deS Unglaubens gewichen! Weh also dem Volke, das den Herrn seinen Gott verlassen und bei dem keine Furcht mehr ist vor Ihm! ES wird eine Beute sich bekämpfender Leidenschaften und Laster, und stürzt ohne Halt in die Tiefe jeglichen Elends. Winke zur Hebung -er katholischen Presse. (Fortsetzung.) Die Hauptcinwendungen, die man gegen eine möglichst allgemeine Mitwirkung zur Förderung der katholischen Presse vorbringen könnte, möchten wohl in dem bereits Gesagten ihre Erledigung gefunden haben. Dennoch wollen wir übersichtlich in einigen Puncten noch den Nutzen nachweisen, den eine solche Mitwirkung bringt. 1) Bei dem heutigen Stande der Volksbildung ist das Lesen guter Schriften ein wesentliches, bei Vielen ein unerläßliches Bildungsmittel geworden. Daraus folgt, daß Diejenigen, welchen durch die Gnade Gottes Bildung zu Theil geworden ist, diese anwenden müssen, um nicht nur im engen Bezirke ihres Wirkungskreises, sondern auch in der Diöcese, im Vaterlande, ja in der ganzen Kirche in mancherlei Form und Fassung die göttliche Wahrheit immer mehr zur Geltung zu bringen, indem sie nach Kräften durch Lieferung von Aufsätzen über wichtige Gegenstände daS Ihrige dazu beitragen. Geschieht dieß, so werden jederzeit die wichtigsten Lebensfragen und Streitpuncte vom kirchlichen Standpuncte auS beleuchtet werden und das Volk (ich fasse eS hier in seiner Gesammtheit) wird der Verblendung nicht so gewissenlos überantwortet werden, als eS bisher an manchen Orten geschehen ist, wo man, trotz der vorhandenen Möglichkeit, ein kirchliches Blatt zu gründen oder ein schon bestehendes zu unterstützen und zu verbreiten, nicht dazu kam, weil philisterhafte Kleinigkeitskrämerei, lächerliche Eitelkeit und schlecht verhehlte Bequemlichkeit davon abhielt. Wie lange hat man eö katholischerseits unterlassen, die sociale Frage, die von den jetzt offen hervorgetretenen Umsturzmännern stets so stark ausgebeutet und wirklich geistreich bearbeitet wurde, in Behandlung zu nehmen? Es ist eine Schmach, daß man so lange müßig zugeschaut hat, daß man träge die Hände in den Schooß legte, bis die giftige Saat unS über den Kopf gewachsen ist. Will man sich mit der Censur entschuldigen? Gut, wir geben daS zu. Aber wie viel ist denn geschehen, seitdem die Preßfrei- heit kam? An manchen Orten hat man noch wenig Regsamkeit für die gute Sache auf dem Wege der Presse bemerkt. Die katholischen Blätter finden gar oft nur eine sehr schwache Verbreitung, und von schriftlichen Beiträgen ist eS kaum der Mühe werth zu reden. 2) Wie die rege Theilnahme an der kirchlichen Presse die rechte Erkenntniß in den Gläubigen vermehrt (eine Erkenntniß, die ihren besonderen Beziehungen nach oft nur durch die Presse und nicht durch das Lehrwort auf der Kanzel und im Religionsunterrichte befördert werden kann), also Andern nützt, so nützt sie dem Verfasser selbst sehr viel, indem durch solche Theilnahme LaS Gebiet seiner Erkenntnisse und Erfahrungen erweitert und sein Gemüth stets mehr und mehr von Eifer für Alles, was der Kirche frommt, erwärmt wird. Denn die Presse wirkt ja auf den Geist wie auf das Gemüth. Sich von der guten Presse gänzlich zurückziehen, heißt nichts Anderes, als sich vieler heilsamen Erfahrungen, vieler Belehrungen Anderer und Erbauung durch Andere berauben. Wer aber weiß, wie sehr dem Menschen die geistige Anregung Noth thut, der wird sich davon nickt zurückziehen, vielmehr dafür thun, waS ihm irgend möglich ist. Also: sowohl an Kenntnissen und Erfahrungen wird ein solcher Mitwirkender reicher, als auch reicher an innerem Leben. 3) Auch die formelle Bildung der Mitarbeiter an solchen Blättern wird durch die Mitwirkung befördert. Durch fortgesetztes Arbeiten erwirbt sich der Mitarbeiter allmälig eine solche Gewandtheit und Leichtigkeit der Darstellung und eine solche Genauigkeit und Schönheit des Ausdrucks, eine solche Umsicht und Sicherheit deS Entwurfs, daß man kaum weiß, wer hiebe! mehr gewinnt: der Verfasser solcher Aufsätze oder der Leser, für den er schreibt. 4) Ist der Mitarbeiter ein Geistlicher, so stiftet er, man kann sagen, einen doppelten Nutzen. Nicht nur für die katholische Lesewelt im Allgemeinen schreibt er; er kann seine Aufsätze über wichtige Zeitfragen u. s. w. auch sehr gut in seiner eigenen Pfarrei gebrauchen, indem er sie dem Einen oder Andern, dem damit ein Dienst zu leisten wäre, zum Lesen zukommen läßt. Beiläufig bemerkt, wirkt eine solche indirecte Belehrung bei Manchen nachhaltiger, als eine mündliche Unterredung, die nur gar zu leicht auf Nebenwege geleitet oder in Persönlichkeiten verstrickt wird. 5) Durch ein reges Zusammenwirken aller tüchtigen Kräfte in der Kirche erhalten wir nach und nach einen ganzen Reichthum guter Lectüre jeglicher Art, und die nachfolgende Generation wird sich dieses ScgenS noch zu erfreuen haben, nachdem bereits die Zeitgenossen der Verfasser einen wesentlichen Nutzen daraus gezogen haben. Die Beispiele sind nicht selten, wo ein in seinem Glauben wankend gewordener Katholik durch einen guten Aufsatz oder ein gutes Buch wiederum im Glauben befestigt ober ein der Kirche schon ziemlich fernstehender derselben wieder gewonnen wurde. Gottes Geist wirket, wo und wann er will, und so knüpft Er auch oft an solche Arbeiten einen unendlich reichen Segen für das Seelenheil Anderer. Mithin liegt hierin eine mächtige Aufforderung, seine Mußestunden zum Heil der Mitbrüder hinsichtlich des angegebenen Zweckes wohl zu benutzen. 6) Werden also die guten Blätter und Zeitschriften reichlicher unterstützt, so werden sie auch nützlicher und angenehmer und erwerben sich immer größere Leserkreise. Ist dieß der Fall, so wird auch eine solche Redaction in Stand gesetzt, Honorare zu geben, die der Verfasser zu seinem und Anderer Nutzen sehr wohl gebrauchen kann. ' Es gibt ja der UnlerstützungSzwecke so viele; sollte man denn nicht auch dahin wirken, daß die Erwerbsquellen der Unterstützungsmittel vermehrt würden? DaS möchte wohl Niemand verneinen. Während eines JahreS könnte Einer bei Benutzung einiger Mußestunden, also ohne daß sein Amt oder seine Gesundheit darunter litte, mehr erwerben, als eS aus den ersten Hinblick den Anschein haben möchte. Die Redactionen der jetzt bestehenden katholischen Blätter können in der Regel, weil ihr Unternehmen eben nicht genugsam gefördert wird, gar keine oder nur sehr geringe Honorare auswerfen. Ueberblickt man die so eben aufgeführten sechs Puncte, so liegt der zu erzielende Nutzen so klar am Tage, daß hoffentlich zu einer fernern Ausrede nach Art der im Anfang angedeuteten kein Weg mehr übrig bleibt. Wir kehren nun zu unserm engeren Thema zurück und stellen die Puncte auf, nach welchen die bestehenden religiösen Blätter gefördert werden können und sollen. Die Förderung solcher Blätter zerfällt naturgemäß in zwei Abtheilungen: in die Mitarbeiterschaft und in die Verbreitung deS Blattes, dem man seine Kräfte widmet. Zunächst also von der Mitarbeiterschast. Um Stoff zum Mitarbeiten an religiösen Blättern zu gewinnen, beachte man folgende Puncte: 123 1) Man lege sich einzelne Blätter zurecht oder mache sich geradezu ein Notizcnbüchlein, in welches man die guten und praktischen Gedanken, die Einem manchmal beim Studium oder beim Gebete oder auf einsamen Spaziergänger! oder in schlaflosen Nächten mit besonderer Klarheit vor den! Geist hintrclcn, aufzeichnet. Werden diese Gedanken auf diese Weise fest-! gehalten, so erhält man in kurzer Zeit ein Material, auS welchem sick/ ohne Mühe ein recht brauchbarer Aufsatz oder eine sehr gute Erzählung! ,i. s. w. ausarbeiten läßt. Man braucht auch oft nicht einmal ganzes Gedanken zu Papier zu bringen; wenn man nur gewisse Themata aufschreibt! und sie eine Zeit lang zum Gegenstände besonderen Nachdenkens macht, ^ wird sich ein erwünschtes Ergebniß finden. Der Verfasser des „Kalenders! für Zeit und Ewigkeit" hat dieß Verfahren schon seit langer Zeit einge-^ halten und sehr großen Nutzen darin gesunden. ! 2) Man halte sich noch ein zweites Heft, in welches man sich aller«! lei Notizen auS Zeitungen und Büchern verzeichnet. Die Erfahrung lehrt,! daß solche Notizen von großem Werthe sind, indem sich oft ganz uner-! warrct eine Gelegenheit zeigt, diese oder jene Notiz mit Erfolg anzuwenden. Besonders sollte den Erscheinungen und Zuständen der Zeit eine recht genaue Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sie für den Aufbau einer bessern Zukunft von der größten Wichtigkeit sind und der so nützliche Ueber- blick über einen dahingeschwundenen Zeitabschnitt nur dann gewonnen werden kann, wenn man aus dem Strudel dcS AlllagstreibenS die hervor-! ragenden Momente sammelt und mit Hilfe der Wtedervergegcnwärtigung seiner eigenen Beobachtungen in ein Bild zusammenstellt. Beim Tote des berühmten Geschichtschreibers Johann von Müller fand man in dessen Nachlaß eine ungeheuere Menge derartiger Notizen und Ercerpte vor, so daß man darüber staunen mußte, wie eö diesem Manne möglich geworden war, solchen Fleiß auf so viele Gegenstände zu verwenden. Wie sehr sie ihm zu Statten kamen, wie sehr sie ihm zur Beherrschung seines Stoffes verhal- fen, zeigt ein Blick in seine geistreichen Werke. 3) Wer Gelegenheit hat, in einer Buchhandlung regelmäßig jede Woche die ncuankommenden Erzeugnisse der Literatur durchzumustern, sollte dieß ja nicht versäumen; andernfalls sollte er sich wenigstens daS Wichtigste aus seinem Fache stets zur Einsicht kommen lassen. Eine solche fortwährende Beobachtung der Literatur führt unS nicht nur manches gute Buch jn die Hände, dessen Gebrauch uns fortan von größtem Nutzen wird; sie gibt uns auch ein Bild von den literarischen Bestrebungen unserer Zeit, eine Würdigung der neuesten Leistungen und gewährt viel Lehrreiches und Anregendes. 4 Ferner ist eS nothwendig, daß man sich einige inländische gute Zeitschriften unv Blätter hatte. Wären sie für Einen allein zu kostspielig, so findet man leicht zwei oder drei Gleichgesinnte, welche sich an dem Abonnement betheiligen. Durch daS fortgesetzte Lesen solcher Zeitschriften erwirbt man manchen guten Stoff zu eigenen Arbeiten, sey eö, daß man unvollständig Geliefertes vervollständigt, oder Unrichtiges berichtigt, oder sey eS, daß man Beiträge unv Ausschlüsse über manche der dort behandelten Materien zu geben sich veranlaßt findet. Jedenfalls ist die geistige Anregung,! die man daraus schöpft, hoch anzuschlagen. I 5) Da ausländische Schriften und Blätter, z. B. französische, oft! sehr guten Stoff enthalten, so sollre man auch auf solche sein Augenmerk! richten. Beim Ucbersetzcn solcher Aussätze hat man sich aber besonders zu! hüten (und dieß gilt namentlich den Anfängern), daß man sich nicht allzu! ängstlich an das Original halte. Ich will damit nicht sagen, daß man, seine eigene Phantasie ganz rücksichtslos hinzutreten lassen solle; ich meine vielmehr, man solle da, wo es darauf ankommt, getreu zu übersetzen,! unbeschadet deS deutschen Styls, der immer seine Rechte fordert, eS thun/ aber Reflexionen u. dgl., die den Kern des Aussatzes zu sehr mit Hülsen umgeben, entweder ganz weglassen oder doch durch ganz kurze Bemerkungen eigenen Nachdenkens ersetzen. So haben eS besonders die Franzosen rm Brauch, an einen an sich kurz zu behandelnden Gegenstand oft einen unendlichen Schwall geistreich scheinender Bemerkungen anzuschließen. Wi/ geistreich solche Zugabe aber auch oft erscheinen möge, sie behält, wenn sie ins Deutsche übertragen wird, von ihrem scheinbaren Zauber wenig! mehr übrig, weßhaib man so Etwas besser wegläßt und — was ich als Grundsatz aufstelle — das Original eher bearbeitet, als übersetzt. 6) Auch im Gespräche mir Freunden über diesen oder jenen wichtigen Gegcnlland erlangt man oft einen guten Stoss. Ein solches Gespräch kann nicht selten als Vorarbeit für die zu liefernde Arbeit gelten. Man muß nur nicht versäumen, sich nachher die Sache, wenigstens flüchtig, auf'S Papier zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Reifebilder. III. S ch'w « i z. Ein kirchliches Reisebild von der Schweiz zu entwerfen, hat seine Schwierigkeiten; denn Conlrastc sind ein Scaudal in einem Bilde, und an Conlrasten ist kein Land so reich als die Schweiz. UebrigenS will ich einen Versuch wagen. Ich habe drei Classen von Menschen hier getroffen: Ultraradicale, Sonderbündler, und solche, die zwischen beiden in der Mitte stehen, ich will sie Gemäßigte nennen. Sie werden uns als Staffage welker unten im Bilde begegnen. Jn einem äußerst romantischen Thale liegt die Stadt Basel. Eine Brücke über den Rhein, der mir nirgends so schön blau dünkte, als hier, verbindet die alte Stadt mit der neuen. Auf einer Anböhe steht das Uni- versitätSgebäudc, daS aber in seinem Innern sehr elendig aussieht — kein würdiges Asyl der Wissenschaft. ES that mir leid, daß eben keine theologischen Professoren lasen, Hagenbach und de Wette hätten mich sonst in- leressirt. Die Neugierde führte mich in daö städtische RathhauS hinein, wo ich mit einem höher gestellten Beamten zu sprechen kam, der zu meiner Freude und Verwunderung voll deS LobeS über Radctzky, und deS Tadels über daS Benehmen WienS war. DaS that einem österreichischen Herzen wohl im August dcS Jahres 1848, und doppelt wohl gegenüber einem republikanischen^Schweizer. Der alte Dom, in welchem einst die Vater des Concils zu Basel versammelt waren, und der revolutionären Reform, die endlich doch erfolgte, vorzubeugen suchten, ist gegenwärtig eine refor- mirtc Kirche, und um sie kurz zu beschreiben, ein Modell, wie eine Kirche nicht beschaffen seyn soll. Es wird einem zwischen den kahlen Wänden und den überfüllten schmutzigen Bänken bange, und man begreift, wie die Protestanten und Reformirlen so sehr der Naluranbetung daS Wort sprechen können. Jn der Natur ist daö Siegel der Allmacht abgedrückt, man fühlt die Nähe der Gottheit/diese reformirten Tempel aber sind eine Ironie auf ein Gotteshaus, eS sieht hier, und überhaupt in allen reformirten Kirchen auS, wie einst Professor Hefele bemerkte, als ob Mohamed Kirchen- revue gehalten hätte. Ein Besuch in der MissionSanstalt war lohnend. Solche Anstalten zeigen von einem rührigen Leben, und ich grüßte mit Achtung die jungen Leute, welche sich hier durch Studium vorbereiten, um einst fern von der Heimat vielleicht wilden Völkern daS Evangelium zu verkünden. Ich dachte unwillkürlich an die Propaganda zu Rom, die freilich viel großartiger dasteht, und jedenfalls das Vorbild für alle derlei Anstalten geworden ist. DaS Wort deS protestantischen Erlanger-ProfessorS: „Wir arbeiten alle für Einen großen Zweck," fiel mir hier wieder ein, aber — eS befriedigte nicht mein katholisches Herz. „Ein Hirt und Eine Heerde" — wann wird diese frohe Verheißung sich erfüllen?? Der freundliche Nector führte unS in den Garten zu einem auS Ostindien zurückgekehrten Missionär, der eben in einem Buche las, und sehr kränklich aussah — ich fühlte mich durch seine Ansprache geehrt. DaS kleine Museum ist in seinem ersten Entstehen, und bereichert sich von den Sendungen, welche hier gebildete Missionäre dann und wann an die Mutteraustalt gelangen lassen. An nett gebauten Villen und schmucken Gartenaulagen vorüber führt der Weg in die sogenannte Basellandschaft. Im Angesicht«: der prächtigen Landhäuser vergißt man, daß man im Lande deS CommuniSmuS ist; sogar bordirte Kutscher und Lakaien kommen einem auf dem Boden der Gleichheit entgegen! Ein näherer Fußsteig führte unS in die Nähe von Muttens, wo eben „daS Heil Deutschlands" rcsicirte, Hccker benamset. Wir waren kaum eine Viertelstunde davon entfernt, und dachten lebhaft an einen jungen Mann aus Baden, der längere Zeit auf der Eisenbahn unser Reisegefährte war, und sich einen Freund HcckerS nannte, den er zu besuchen Willens war. Sie mochten wohl eben in dem romantischen Schlosse daS republikanische Heil Deutschlands berathen haben. Prosit! Der junge Mann hatte Charakter und einen kräftigen Verstand, er war für Hecker begeistert, unv daß die Republik sein Ideal sey, verschwieg er keineswegs. Wenn derlei Gesinnte im Badischen viele sind, so läßt sich der hartnäckige Kampf, den daS Land gegenwärtig den ReichStruppen gegenüber aufgenommen hat, leicht begreifen. ES ist ein Kampf der Ueberzeugung, ein Kampf der Begeisterung für eine, wenn auch krankhafte Idee, ein Kampf der erbittertsten Leidenschaft, und darum auch mit dem zu hoffenden Siege der ReichStruppen bei weitem noch nicht ausgekämpft. Doch wir sind in der Schweiz, und wen, gerade um Kämpfe zu thun ist, der kann etwas an der Emmen brücke halten lassen, und sich die physische und moralische Niederlage der Radikalen im ersten Sonder- bundSkriege inS Gedächtniß rufen. ES mag ein harter Strauß gewesen seyn, denn daS Terrain war für beide Theile ein schwieriges. Gleichsam als wollte unS der Himmel im Vorhinein mit der dumpfen, trüben, niedergeschlagenen Stimmung der Sonderbunvökantone bekannt machen, so um- 124 florte sich immer mehr daS Firmament, und schwerfällige Wolken lagerten sich ringsum auf den Bergen, und unter kaltem GebirgSregen hielten wir unsern Einzug in Luzern. Luzern hat nicht den freundlichen Anstrich anderer Schweizerstadte, mag seyn, daß die alten FestungSmauern etwas Eintrag thun. Ich hielt noch Abends eine kleine Rundschau um die Stadt, die viele katholische Kirchen zählt. DaS Jesuitengymnasium und deren großartige Kirche ragen wie ein Fragezeichen in die Luft, als wollten sie mit einem Publicisten der Neuzeit sprechen: „Ein freies Land, wo man die Wahrheit knechtet!" Gar schön ist die ehemalige Chorherren-Kirche gelegen, die auf einem die Stadt und den See beherrschenden Hügel sich erhebt, umgeben von den Gräbern und Denkmälern vieler Jahrhunderte. Ich habe noch keinen poetischeren Friedhof gesehen. ES war bereits finster, als ich müde ins Hotel zurückkehrte, daS am Vierwaldstädtersee gelegen war. Ich starrte lange in die finstere Nacht hinaus, die nur zeitweilig von dem fahlen Monden- lichte erhellt ward und dann gespensterhafte Umrisse von Bergen und Wol. kcn schauen ließ. ES war so ruhig, daß ich Stundenweit daS Plätschern eines Dampfbootes wahrnahm, daS endlich auch dicht unter meinen Fenstern landete. Die Morgenstunden deS andern TageS benützte ich zu einem Besuche der Capucinerkirche, die in idyllischer Einsamkeit auf einem Berge gelegen ist, und feierte dort meinen Geburtstag. Die Patres sprachen deutsch und französisch, und sind sehr ehrwürdig. Die Klosterbibliothek ist gut geordnet, und scheint auch viel benützt zu werden, wenigstens war der Pater, der mich begleitete, in älterer und neuerer Literatur ziemlich bewandert. AIS ich den Rückweg antrat, hatten sich indessen die Nebel gehoben, der Regen hatte aufgehört und einige Strahlen der Sonne stahlen sich schüchtern hervor auS dem weißgrancn Gewölle. ES begegneten mir viele Kirchengeher, denn eS war ein Aposteltag, den gute Katholiken immer für einen halben Festtag halten. Darum waren auch die Kirchen voll und die Altäre festlich beleuchtet. Wenn man die Leerheit deS protestantischen Gottesdienstes einmal mitgemacht hat, so weiß man die Erhabenheit und Tiefe deS katholischen CultuS doppelt zu schätzen. Dieß fühlte ich besonders hier. Da eben ein großes Schützenfest abgehalten wurde, so lenkte ich meine Schritte zur Schießstätte, wo Gäste auS den meisten Kantonen versammelt waren. ES ist wahr, die Schweizerschützen verstehen daS Schwarze zu treffen, es war eine Freude ibnen zuzusehen. Es ward auch viel gejauchzt unv gejubelt, aber mir wollte eS nicht ganz natürlich und herzlich vorkommen, denn ich sah auch sehr ernste Gesichter. Und in der That, ist eS zu vermuthen, daß die durch Uebermacht bezwungenen Kantone so schnell all die Opfer, die sie an Blut und Gelb bringen mußten, vergessen, und wonnetrunken ihre schlachtcnmüden Hände in die bluttriefenden der brüderlichen Eidgenossen legen werden? Mag man auch hunvert- mal auf Fahnen und Scheiben die Worte: „Einigkeit und Bruderliebe" schreiben, so leben sie deßhalb noch nicht im Herzen. „Die Schweizernation hat seit einem Jahre schrecklich gealtert," schrieb im vorigen Sommer die allgemeine Zeitung. Ja wohl sie hat gealtert. Die alte Offenheit und Ehrlichkeit der Schweizer, die bisher sprichwörtlich gewesen, wird nun bald zur Ironie herabsinkcn, denn nichts entehrt eine Nation mehr als Meuchelmord und Ungerechtigkeit, ausgeübt unter dem Deckmantel der Freiheit. Die Wunde deS letzten KriegcS klafft noch weit, und harret der Bernarbung. Wo sich der Kampf aufs religiöse Feld hinüberspielt, da frißt er sich ein inS innerste Lebensmark, und erbt sich fort von Geschlecht zu Geschlecht. Leidet ja auch Deutschland jetzt noch an den Nachweisen einer doch Jahrhunderte schon sich durchwagenden religiösen Entzweiung. (Schluß folgt.) P i u s v e r e i n e. ! Köln, 23. Juli. AuS Veranlassung der Anwesenheit deS Herrn Hofrath Büß fand heute Abend eine außerordentliche Generalversammlung deS PiusvereinS statt, deren recht zahlreicher Besuch wiederum lebendiges ^ Zeugniß ablegte von der regen Betheiligung unserer Bevölkerung an der! großen Aufgabe, welche diese Vereine sich gestellt haben. Von der gegen-! wärtig so unglücklichen Lage deS deutschen Vaterlandes ausgehend, sagte ^ Herr Büß, die Hoffnungen, die man auf die Versammlung in der Pauls«! kirchc in so hohem Maaße gesetzt, seyen zwar allerorts bedeutend geschwächt,! ja fast ganz vernichtet; man solle aber nicht daran verzweifeln, sie endlich! doch noch in Erfüllung gehen zu sehen. Er sey der letzte gewesen, der die, Paulskirche verlassen, er glaube, daß die 150, welche von der Frankfurter! Versammlung der deutschen Sache treu geblieben, einzig berechtigt seyen,! daß eine neue ReichSversammlung zusammentreten und das begonnene Werk! vollenden werde; er hoffe auf die Gerechtigkeit Gottes, die eS nicht zulassen werde, daß eine Erhebung des Volkes, die so viel Blut gekostet, so viel edle und große Geister verschlungen habe, ohne Erfolg bleibe. WaS jetzt noch unmöglich sey, werde später kommen, eine Einheitsregierung müsse eintreten. Das abgewichene Jahr sey ein sehr aufgeregtes gewesen; auf die ungeheure Anspannung müsse eine Abspannung und Erschlaffung folgen.. Diese sey aber, wie bei der Nation, so leider auch bei den katholischen Vereinen, bei einigen wenigstens, eingetreten. Gründe dafür seyen zuerst die allzuraschen Hoffnungen, die man bei Gründung der Vereine gehegt, die aber bis jetzt nicht zur Verwirklichung gekommen, dann Spaltungen in den Vereinen selbst, namentlich in Betreff der Bethätigung an der Politik. Der Redner geht nun über auf den bekannten Beschluß deS VorortS der katholischen Vereine Deutschlands zu BrcSlau, den er beklagen müsse, 1. weil er auf falschem Grunde beruhe, und 2. wegen der Form einer Rüge, wozu der Vorort nicht berechtigt gewesen sey. Eben so unverzeihlich sey die Publication desselben durch eine kirchen- feindliche Zeitung. Wolle man die PinSvereine von aller Bethätigung bei der Politik ausschließen, so müßten sie unausbleiblich untergehen. ES sey Ließ aber nur ein bloßer Wortstreit, da stets der gesunde Sinn der VereinSmitglieder das rechte Maaß finden und nur solche politische TageSfragen behandeln werde, welche mit den Zwecken deS VereinS in Verbindung ständen, die Zweckmäßigkeit werde entscheiden. Herr Hofrath Büß kam nun auf das vielbesprochene Antwortschreiben deS heiligen VatcrS; die Ermahnung, von jeder Luspicio motu8 eivilis sich fern zu halten, stehe im genauesten Zusammenhange mit der in seinem Anschreiben enthaltenen Klage über den Aufruhr in Rom und sey nur hervorgerufen durch die Besorgniß deS heiligen Vaters, daß auch in Deutschland gleiche Unruhen entstehen möchten, und der Vorort habe daS Schreiben daher durchaus unrichtig aufgefaßt. Auf die PiuSvereine zurückkommend, beklagte Herr Büß nochmals, daß die Pflege derselben unmöglich sey, wenn alle politische Betheiligung ausgeschlossen würde: daS haben im Gegensatz zu den Pfälzischen, welche sogar mit eigenen Opfern für die gesetzlichen Gewalten in die Schranken getreten seyen, die badischen Vereine bewiesen, indem dort eben wegen der Nichttheilnahme der Vereine an der Regelung der politischen Bewegung die Revolution und Anarchie zur hellen Flamme emporgeschlagen sey. DaS Hauptunglück bestehe nur darin, daß zu viel gesprochen, aber zu wenig gehandelt werde; auf letzteres sey aber viel zu halten, es rufe die Nachahmung hervor, welche so wie Lehre die oberen, die unteren Schichten bessern müsse. Die Frage wegen einer rein- katholischen Universität fand darauf nochmals eine warme Vertheidigung. Herr Büß theilte mit, in Belgien eine solche besucht und die wissenschaftlichen Leistungen derselben höchst befriedigend gefunden zu haben; ausgezeichnet seyen die mit allen Vorlesungen verbundenen praktischen Anwendungen auf die Zeit. Ohne die freie Bewegung wie in Deutschland, sey sie auch frei von den deutschen Auswüchsen. Er werde den Antrag bei der Würzburger Versammlung sofort verfolgen. Auch die Mittel seyen leicht zu beschaffen: eine Auflage von 1 Kr. jährlich auf 20,000,000 bringe 300,000 Gulden, die capitalifirt für den Anfang schon genügen würden. Vorzugsweise aber müßten die katholischen Vereine bei dieser wichtigen Angelegenheit sich betheiligen, denen er die heilige Sache deßhalb nochmals dringend an'S Herz lege, znr allseitigen Besprechung und Geldsammlung. Wie eine solche Universität, die Alles auf Religion gründe, heilsam bessernd auf die oberen Schichten der Gesellschaft wirke, so seyen auf dem Lande die Schulbrüder, wie er sie in Belgien ebenfalls gesehen, leicht einführbar, um die untern Schichten zu belehren. Außerdem müsse die Presse fleißig wirken, und auS dem Grunde unterstützt statt gehemmt werden. Während die gute katholische Presse, am Rhein zumal, hart um ihre Existenz zrr ringen habe, bezahle und unterstütze man die schlechte kirchenfeindliche. DaS müsse aufhören, die katholischen Blätter müßten so viel als mö^ich unterstützt und gehoben werden. Dafür, daß daS Beispiel, waS die . ch- ahmung anrege, auf die unteren Schichten wirken müsse, führte Herr Büß wiederum aus Belgien an, Laß in Lüttich z. B. durch Bemühungen der Rckemptoriftcn unter den Waffenschmieden eine Bruderschaft gestiftet sey, durch deren segensreichen Einfluß dieß sonst so unbändige Volk ganz gesittet worden. Früher an der Spitze der Revolutionen, seyen sie nunmehr der beste Schirm gegen dieselben. Auch wir müßten die Arbeiter durch Beispiel heranziehen; daS sey der edelste Stoff für die Thätigkeit der katholischen Vereine, der auch nach der politischen Bewegung fortdauere. Herr Büß, dessen Vertrag die gespannteste Aufmerksamkeit unv den lebhaftesten Beifall der Versammlung fand, schloß nun mit dem Wunsche, die Vereine möchten nimmermehr verzweifeln und auch in ruhigen Zeiten in ihrer Thätigkeit nicht erschlaffen. (Rheinische Volkshalle.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F, C. Kremer. Vierteljähriger Abc»r- ncmciilsprcis im Be- ' reiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzcilung werden Bcstclluchgen angenommen. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blatter bezogen wer« den. Der Preis bclrägt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich l st. 20 kr. Munter Jahrgang. M A2. LS August L84S. Entscheidung des heiligen Vaters über die Diöcesan- synoden. Auf die Anzeige von der Versammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg ist auS Gaöta vom 17. Mai eine Antwort des heiligen VaterS erfolgt: Wie zu erwarten stand, spricht sich der heil. Vater sehr befriedigt über diese Versammlung (welche er co-reentuL //e>'brzioken§r'»' nennt) aus und legt die Ursache der so lange verzögerten Erwiderung darin, Laß er den versprochenen ausführlicheren Bericht über diese Versammlung erst habe abwarten wollen. Da dieser aber annoch nicht angelangt sey, so habe er die Antwort nicht länger hinausschieben wollen. „Nicht geringe Freude," so lautet daS Breve weiter, „habe sein Herz empfunden, da in jenem Schreiben (von der Abhaltung der Versammlung) wundervoll hervorleuchte der versammelten Bischöfe vortrefflicher Glaube und ihre Ergebenheit und Anhänglichkeit an die römische Kirche und an die Person des Nachfolgers Petri. Mit derselben Freude habe er sich von der aus den Verhandlungen her- vorgehenden großen Sorgfalt und BcrufStreue überzeugt, womit die bischöfliche Versammlung Rath gepflogen, waS in so argen und bewegten Zeit- verhältnissen für das Wohl der Gläubigen zu thun sey." Darauf geht der heilige Vater auf einzelne der gefaßten Beschlüsse ein. WaS in dem besagten Breve indessen von besonderer Wichtigkeit und von großem Interesse kür uns ist, daS ist die Erklärung des hl. VaterS bezüglich der Abhaltung der Diöcesansynoden, welche der Bischofstag zu Würzburg beschlossen hatte. Der heil. Vater äußert sich darüber folgenvermaaßen: „Die Zeilumstände seyen in manchen Diöcesen der Art, daß man allerdings fürchten müsse, die Berufung von Diöcesansynoden könne nicht ohne Gefahr statt haben. Vor- dersamft sey es ja den Bischöfen nicht unbekannt, Laß einige Geistliche in diesen bewegten Zeiten auS Neuerungssucht und um die bischöfliche Gewalt zu verkürzen, die Kirchenzucht zu untergraben und eine ungebundene Lebensweise für sich zu gewinnen, auf daö allerheftigste nach Diöcesansynoden verlangten, wodurch dann verderblichen Lehren Eingang verschafft, Entzweiungen hervorgerufen oder der Kirche verderbenbringende Neuerungen eingeführt und begünstigt werden sollten. Auch sey es eben so wenig unbekannt, daß eS in Deutschland nicht an Geistlichen fehle, welche, einer verderblichen und vom apostolischen Stuhle verdammten Lehrmeinung zugethan, auf den Diöcesansynoden sich eine entscheidende Stimme zuzuschreiben die Anmaaßung hätten, und welche diese Synoden längst nur in der Absicht wünschten, damit sie, nach Unterdrückung der dem eigenen Bischof zustehenden oberhirtlichen Gewalt, um so leichter sich die Wege dahin anbahnen und befestigen könnten, um die Rechte der kirchlichen Hierarchie zu vernichten, daö Gesetz des priesterlichen CölibatS aufzuheben, und um noch andere Dinge durchzusetzen, welche den heiligsten Grundsätzen der katholischen Religion und den Vorschriften der Kirchengesetze auf daS ärgerlichste widerstreiten. Der apostolische Stuhl habe es deßhalb nicht unterlassen, diesem verkehrten Treiben mit aller Sorgfalt entgegenzutreten, und darum an einzelne Bischöfe auch schon Zuschriften erlassen. Bei so gestalteter Sachlage erachteten eS Se. Heiligkeit für weit zweckmäßiger und heilsamer, daß die Erzbischöfe zuerst Pro- vincialjynodcn abhielten und mit den übrigen Bischöfen Rath pflegten und das festsetzten, waS sie zur Erhaltung der katholischen Religion und der Kirchenzucht, so wie zur Förderung des geistigen Wohles der Völker und der Diöcese, im Herrn mehr vortheilhaft finden möchten. ES würde Sr. Heiligkeit in der That sehr erfreulich seyn, die Verhandlungen solcher Provincialsynoden einzusehen, um alle Sorge und Macht darauf verwenden zu können, daß der Bischöfe Bemühungen und Beschlußnahme zur größern Ehre Gottes und zur Zierde und Wohlfahrt der betreffenden Kirchen und zum Heile der Seelen gereichen. Darnach aber würden Diöcesansynoden in weit nützlicherer Weise berufen werden können, indem jeder Bischof alsdann dasjenige mit seinem Klerus in Ausführung bringen könne, waS durch die Berathung mit den andern Bischöfen festgesetzt und durch daS Ansehen des apostolischen Stuhles bekräftigt worden sey." Kirchliche Reisebilber. (Schluß.) Die Sonne hatte viel zu streiten mit dem eigensinnigen Nebelmccre, und eS ließ sich nicht entscheiden, wer von beiden die Oberhand gewinnen würde. Wir zogen es deßhalb vor, längs den Ufern des Vierwaldstäeicr- sees, der mit ruhigem Stolze unS sein dunkles Grün hcraufwieS, den Weg nach Küßnacht einzuschlagen, um dem weltberühmten Rigi näher zu seyn. Allein bei der Unstättigkeit des Wetters wäre eS mehr als gewagt gewesen, die Expedition auf denselben zu unternehmen. Wir brachten- aüS Zcitersparniß daS Opfer, und entschlossen unS zu einer Wallfahrt nach Maria Einsiedeln. Durch die Tellschlucht und an der TellScapelle vorbei, führte unS der Weg in daS Gebiet des KantonS Zug hinüber. AIS ich auf dem Felsen stand, von dem, wie die Sage erzählt, Teil sein sicheres Geschoß auf Geßler gesendet, erinnerte ich mich an die Worte, die Tell gegen Ende der Schillcr'schen Dichtung ausruft: „Und die Schweiz ist frei." Ich versuchte einige Variationen über dieses Thema, aber eS wollte nicht gelingen, so disharmonisch klangen die Töne, ja zum vollen Miß-- skkorde schlugen sie um, und endigten mit der Molcadenz: „Und die Schweiz ist nicht frei." Die eigentliche Wallfahrt begann. Ein stark betretener Fußsteig e^l-aubt dem Fremdling ohne Führer die Expedition zu wagen. Durch ein anmuthigeS Thal hinauf schlängelt sich ver Pfad immer höher und höher, bald an lieblichen Baumgruppen, bald wieder an herabgerollten Felsen- trümmern vorüber, über Bächlein und stehende Wässer. Die Sonne stand nun im Zcnith, und sendete ihre heißen Strahlen auf unS herab. Je weiter wir gingen, desto mehr Leute begegneten unS, die alle, Heiterkeit auf dem Antlitze, mit dem schönen Gruße u»S grüßten: „Gelobt sey JesuS Christus!" Wir ließen unS mit den Meisten in ein kurzes Gespräch ein, und erfuhren, daß sie eben von Maria Einsiedeln zurückkehrten, wo eS heute, dem heiligen BariholomäuS zu Ehren, gar schön gewesen war. Alle gaben unS Grüße an die Mutter Gottes auf, und als wir ihnen dieselben getreulich zu entrichten versprachen, dankten sie doppelt freundlich, und einige sagten im Stillen zu einander: „DaS sind gewiß auch Sondcr-- bündler." AIS wir die höchste Spitze erklimmt hatten, sollten wir noch daS großartige Schauspiel eines Gewitters im Hochgebirge genießen. Schnell und unvermuthet war eS da. Wir saßen eben, etwas ausruhend, im Gasthause beisammen, als ferner Donner sich Vernehmen ließ. Als wir erstaunt zu den Fenstern eilten, sahen wir bereits in Sturmkolonnen die Wassermasse heranrücken mit einer Schnelligkeit, welche die deS Dampfe- weit übersteigt. Schon war die Hälfte des Rigi wie abgeschnitten, und auch von der gegenüberliegenden Bergstätte erhob sich ein langer Streifen des dichten WolkenkolosseS, der immer näher und näher rückte, bis endlich beide den Hintergrund deckten, und mit furchtbarem Gekrachc sich entluden. Groß ist der Herr und furchtbar, wenn er spricht im Rollen des Donner- und im Leuchten der Blitze! So schnell das Gewitter gekommen, so schnell war eS vorüber, und der Regenbogen, der die zwei riesigen Berge, die kurz vorher aufeinander so böse waren, friedlich umspannte, gab unS Muth und Zuversicht, daS Ziel unserer Wallfahrt noch heute zu erreichen. Die Luft war kühler geworden, und auch die Wege schlechter, um so fataler, als von nun an die Gegend immer öder pnd der Moorgrund immer weicher und schlüpfriger wurde. Auch der Tag begann sich bereits zu neigen, und wir waren noch einige Wegstunden vom Ziele. Allein so nahe dem Gnadenorte, verliert sich die Angst und Bangigkeit, und kräftig schritten wir fürbaß, so oft wir auch strauchelten aus dem mehr und mehr zum eigentlichen Bußwege sich gestaltenden Fußpfad. Es war finster, und fing zur Abwechslung wieder zu regnen an, kein HauS als Unterstand, keine Seele als Wegweiser zu erspähen, kaum daß man den Halbschimmer deS ausgetretenen Fußsteige- merkte. Doch gingS nochmal aufwärts, und auf 126 ein kahles Felsenplateau hinaus — und wir standen neben einem großen Bildniß des Gekreuzigten. Nun kann unser Reiseziel auch nicht mehr ferne seyn, dachte ich mir im Stillen, und richtig auS tiefer Tiefe glänzten Lichtlein herauf — eS war Maria Ei „siedeln. Wir vergaßen alle Beschwerde und Müdigkeit, und stimmten vor Freude, den Berg hinab- keuchend, einen lateinischen Psalter an. Es mochte zwischen 9 und 10 Uhr seyn, als wir an der Hauplfac.ade der Kirche standen. Weil wir sie noch offen fanden, traten wir ein, und brachten unsern ersten Gruß und die Grüße der Sonderbündler der „lieben Frau," unserer gemeinschaftlichen Mutter. ES macht einen erhebenden und beschämenden Eindruck, wenn man in so später Stunde bei dem einsam leuchtenden Lämpchen am „Gna- denaltare" noch einige fromme Seelen betend trifft. In aller Frühe waren Wir schon auf den Füßen, um unsere Andacht und dann am Gnadenaltare daS heilige Meßopfer zu verrichten. Wahrlich nicht um alle Schätze der Welt gäbe ich meinen katholischen Glauben hin, und wenn er mir gar nichts anderes lehrte, als die „Gemeinschaft der Heiligen." Der Katholik ist überall zu Hause, wo er einen katholischen Mitbruder trifft, und wenn auch fern von, Vaterland, ist er doch nahe den Seinen durch das Band heiliger Liebe, die am Altare ihren heiligsten Ausdruck findet. Welcher Trost liegt in der himmlischen Vereinigung der streitenden und triumphiren- den Kirche; welch innige Wonne und Seligkeit fühlt derjenige in sich, der «S versteht, in der rechten Weise die Mutter der Gnaden anzurufen! Und wer eö nicht versteht oder nicht verstehen will, der muß eS verstehen lernen, wenn er mit einem halbwegs christlichen Herzen die Schwelle eines durch Jahrhunderte geheiligten Gnadenortes betritt. ES wäre wirklich Jammerschade, wenn auch dieses Kloster, mit dessen Wirken die Bedeutung des OrteS steht und fällt, ein Opfer der radicalen Klosterplünderei werden sollte. Man scheint aber doch den Syn- derbündlern diesen Schmerz ersparen zu wollen, so wie eine mehr als radikale Blindheit und Verstocktheit dazu gehörte, um den guten Bestand der klösterlichen Schulen und den tief eingreifenden moralischen Einfluß deS Gnadenortes auf die weite Runde hin in Abrede zu stellen. Leider konnten wir, von der Zeit gedrängt, nicht länger verweilen, sondern mußten uns mit einer flüchtigen Ansicht des Stiftes und der Kirche begnügen. Die wenigen Patres, die ich sprach, fand ich ernst und gelehrt, die jungen Seminaristen heiter und offen. Ich verließ das keineswegs romantisch gelegene Maria Einsiedeln fn den Vormittagsstunden, um noch zu rechter Zeit in Rapperöwyl einzutreffen, und von da auS mit dem Dampfschiffe über den Zürichersee nach Zürich zu fahren. Ich mußte längere Zeit auf den eben herübersteuernden Dampfer warten, und hatte indeß Muße, die niedlichen Ufer zu betrachten. Macht der Vierwaldstädtersee einen schauerlich imposanten Eindruck ob der Bergklötze, die ihn umschließen, so ist der Zürichersee gerade daS Gegentheil. Nichts zu sehen von hohen Gipfeln und Gletschern, sanfte Hügel sind eS, die, geschmückt mit den herrlichsten Landhäusern und romantischen Ortschaften, ihn umsäumen — eine heilige Ruhe schwebt über demselben. Doch diese Ruhe sollte bald gestört werden. Wir mochten etwa anderthalb Stunden gefahren seyn, als ein heftiger Orkan sich erhob, der dichte Regentropfen und Schloffen mit Gewalt auf uns herabwarf. Es war nicht möglich am Verdecke zu bleiben, denn der Sturm ward immer wüthender, und die Räder des Dampfers hatten vollauf zu thun, um dem bedeutenden Schwanken des Schiffes Gegenhalt zu dielen, denn man sah es, wie die Wellen vom Ufer her sich einen gewaltigen Anlauf nahmen, und sich dann immer mehr sammelten, verstärkten und thürmten, und mit zorniger Wuth den schäumenden Gischt auf uns loswälzten. Zum Glück ließ der Orkan bald nach, und wir hatten nur wenig noch mit den brummenden und murrenden Wogen zu thun, ja der Seesturm hatte unS zu dem schönsten Weiter verholfcn, denn unter mildem Sonnenschein stiegen wir in Zürich anS Land. Zürich ist nach Bern der Hauptstapclplatz deö RadicaliSmus, oder mit einem Journale zu sprechen: „Der classische Boden, auf welchem die Trostlosigkeitsphilosophen den babylonischen Thurm der Völkerverwirrung aufbauen wollen, — das neutrale Gebiet, auf welchem Jung-Europa seine Tagsatzung hält, und den FelvzugSplan zur bürgerlichen und häuslichen Umwälzung Europa'S entwirft." Die Berufung des Christusläugners Strauß alö UniversttätSprofeffor dürfte wohl ein richtiger Barometer der Gesinnung dieser Stadt seyn. Wenn man übrigens nicht aus mannigfachen Schilderungen un^ den wuthschnaubenden ZeitungS- und Lügenblät- lern, die hier erscheinen, darauf aufmerksam gemacht würde, so möchte man schwören, daß hier lauter EngelSkinder beisammen lebten, so friedlich, einschmeichelnd, wahrhaft himmlisch ist hier die Natur. Mir hat nicht bald eine Stadt mit ihren Umgebungen so viele Vorliebe abgejagt, wie diese; und daö will viel sagen, da ich mit dem RadicaliSmuS keineswegs Bruderschaft zu trinken gesonnen bin. Aber so sind die Kontraste des Lebens! Mich wundert eS gar nicht, wenn die Pantheismen in dem All der Züricherumgegend die Gottheit entdecken und dafür schwärmen; ob sie sie aber auch in dem All der moorsumpfigen Maria Einsiedlerumgebung entdecken würden, zweifle ich, ich glaube schon deßhalb nicht, weil eS sondcr- bündliches All ist!! — Einen würdigen Beitrag für republicanischc Freiheit und evangelische Toleranz liefert der Umstand, daß in Zürich, wie mir als gewiß versichert ward, Niemand LaS Bürgerrecht erlangen kann, wenn er nicht der reformirlen Konfession angehört. Katholiken uno Lutheraner müssen Zwinglianer werden, wenn sie ein bürgerliches Gewerbe antreten wollen. ES klingt räthselhaft — aber eS ist wahr. *) Der Himmel bewahre uns vor einer solchen Freiheit und republicanischen Seligkeit! Eine ähnliche Schmach kann man, glaube ich, keinem absolutischen Staate deS 19tcn Jahrhunderts nachsagen, sie erinnert an die Sclavenemancipation. Weil ich aber eben von kirchlicher Toleranz spreche, so kann ich eine Scene nicht verschweigen. Als wir einst im Postwagen saßen, fragte unter andern einer meiner Kollegen sein Vis-a-vis: „Haben Sie auch die schöne katholische Kirche in Zürich gesehen?" und lobte sie ob ihrer Reinlichkeit und harmonischen Bauart, wie sie eS auch wirklich verdient. DaS Vis-s-vis aber erwiderte: „Ich bin'Protestant, und besuche als solcher katholische Kirchen und katholischen Cultus nicht." Mir that diese Abtrumpfung weh, weil sie eine brutale Verhöhnung der Kunst ist, die gerade in den katholischen Kirchen sich unsterbliche Denkmäler gesetzt hat. Ich scheute mich nicht, wo immer ich hin kam protestantische Tempel !zu besuchen, und habe auch einige Male «katholischem Gottesdienste beigewohnt— und doch getraue ich mir zu sagen: Ich bin Katholik. Ueber !daS Capitel „Toleranz" ließe sich überhaupt manches noch beifügen, wobei !die Wagschaale aus der katholischen Seite sinken würde, obwohl in manschen Gegenden katholisch und intolerant für synonym gehalten werden. Der ! schweizerische RadicaliSmus ist ein ärgerer Großinquisitor, als daS weiland. Dominicanertribunal unter Torquemada in Spanien. ! Die Rückreise von Zürich führte mich wieder nördlich gegen die deutsche Gränze hinauf, zu meiner Linken, als treue Begleiter, die im Sonnenlichte glitzernden Gletscher deS Berner Kantons. Daß ich den Rhein- fall bei Schaffhausen in Augenschein nahm, ist natürlich, er sollte mir die theilweise trüben Eindrücke der Schweiz etwas verwischen. Sein Anblick ist kostbar und kostspielig. In Schaffhausen selber sprach ich mehrere Leute, die sich an ihren früheren Pfarrer und AntisteS Hurter noch recht !gut erinnern. Man glaubt eS kaum, daß in einem so ländlich gelegenen ! Gebirgsstädtchen ein so großartiges Qucllenwerk, wie „Jnnocenz III." ist, ^hat entstehen können. Ein Bruder deS katholischen Hurter ist noch gegen- wärtig Pastor in Schaffhausen. — Der Kutscher, der mich nach Konstanz herausführte, erzählte mir Einiges von Louis Napoleon, Präsidenten der französischen Republik, der hier am Rheine längere Zeit eine sehr anmuthige Villa bewohnte. Hätte ich mein drittes Reisebild nicht „Schweiz" getauft, so wüßte ich noch Manches von Konstanz zu erzählen. Es mag unterbleiben. Aber Morsch ach am Bodensee muß ich wenigstens nennen, weil es zum Kan- !ton St. Gallen gehört, und ich dort einen ungemein lieblichen SonnlagS- j Nachmittag verlebte. Wir benützten nämlich die paar Stunden, während welcher das Dampfschiff vor Anker lag, und bestiegen den nächsten Berg, Mo schon vom Ufer auS ein romantisch gelegenes LaubhauS unsere Augen ? gefesselt hatte. Wir sprachen in demselben zu, und ließen uns ein Abend- mal bereiten, was in dem kleinen von Katholiken bewohnten Häuschen !viel Freude und Rührigkeit hervorbrachte. Da überdieß noch einige Schulmänner am Tische saßen, die über dieß und jenes deliberirten, so hatte der simprovisirte Besuch noch etwas Lehrreiches. Wir trennten unS schwer von diesem niedlichen Häuschen, denn einen schöneren Punct kann eS wohl nicht leicht am Bodensee geben. Zu unseren Füßen lag das lebendige Rorschach mit dem rauchenden Dampfer, links erspähte das Auge die Thürme von Konstanz und die sich ineinanderschlingenden Schweizergebirge; gerade vor uns lag deutsches Gebiet mit der stolz in die See hereinragen- den Festung Lindau; rechts endlich winkten unS die heimatlichen Triften entgegen, und der GebhardSberg bei Bregenz im Vorarlberg glänzte gar lieblich in den letzten Strahlen der Abendsonne. Es war ein schöner Abend, als ich an der Walhalla vorüberfuhr, und daS erstemal den eigentlichen Boden Deutschlands betrat; es war ein schöner Abend, alö ich im Hafen zu Antwerpen die hundert und hundert Schiffe mit ihren kosenden Wipfeln sah; aber es war der schönste Abend meiner Reise, als ich nach andert- halbmonatlicher Abwesenheit wieder die heimatlichen Gefilde schaute, und die Gränze Oesterreichs, meines Vaterlandes, betrat. Mit diesem Eindrucke will ich auch meine Reise bilder schließen. Sie sind nicht strengen Kritikern zur Beurtheilung vorgelegt, und gehören ') Jetzt nicht mehr. 127 nicht in eine Kunstausstellung, wie ich sie allenfalls zu Straßburg, Basel unv München sah. Sie sollen einfache HauSbilder seyn, an denen sich so manches katholische Herz Erheiterung, und vielleicht Belehrung holen mag. Dieß und nicht mehr hatte ich im Sinne. A. Procession, die sich von ferne her dem Oelberge nahet, bilden mit den Gruppen der ruhenden Türken und wandernden Beduinen einen anmuthigen Gegensatz, und bringen in die hehre Stille der Umgebung die wohllautend Kerschbaumer. harmonischen Töne des jetzigen Menschenlebens lnnein. Treu nach der Natur und ergötzlich für das Auge sind da die Trachten, die Stellungen, ist die gcsammte Physiognomie der verschiedenen Nationalitäten aufgefaßt. ! Der Schreiber dieser kurzen Anzeige war selbst in Jerusalem; er ist Eure tvohlferle und bequem R sg A ) ^ ^ oft an der Stätte gestanden, von welcher Herr Halbreitcr sein Bild aus« Jerusalem. «nahm. Die Freude, welche ihm daS Anschauen von LöfflerS Rundgcmäldc Eine solche bietet sich in diesem Augenblick in München dar, und sie! gewährte, kam der Freude eines wirklichen Wiedersehens nahe; eines ist eS werth, daß sie nicht bloß von den Bewohnern unserer Stadt, son-! Wiedersehens jener Gegend, nach der ein Zug deS Heimwehes ohne Auf- dern von vielen andern näher und ferner wohnenden benutzt werde, welche! hören bei Tage wie im Traum der Nächte ihn hinführt, je in ihrem Leben einmal daS Verlangen fühlten, jene Stätte mit ihren, Herr Halbleiter veröffentlichte schon vor mehreren Jahren sechzig eigenen Augen zu schauen, der an hehrer Bedeutung keine andere auf Erden naturgetreue Ansichten aus Jerusalem und Syrien in vier lithographirtcn gleichkommt. Ein edler trefflicher Künstler aus unserer Mitte, Hr. Ulrich!Blättern; ansetzt bietet er den Freunden solcher Darstellungen einen nach Halbleiter, der vor fünf Jahren daS heilige Land besuchte, hat eS sich größerem Maaßstab ausgeführten meisterhaft gelungenen Kupferstich deS dort zur ganz besondern Aufgabe gemacht, Jerusalem und seine Umgegend eben beschriebenen Panorama'S dar, welcher von einem erläuternden Tert mit möglichster Treue aufzufassen und in einer Zeichnung darzustellen, in vier Sprachen begleitet um 5 fl. zu haben ist. Der Standpunct, von welchem aus er sein Bild aufnahm, war der vor- theilhafteste von allen: er wählte sich dazu den mittleren Gipfel des Oel- bergeS, den alten niedren Thurm bei der AuffahrtScapelle, von welchem man die ganze heilige Stadt und daS Land weit umher überblicken kann. Die Gewissenhaftigkeit, mit welcher er sein Werk ausführte, ging so weit, daß er nicht nur die einzelnen Gebäude der Stadt, sondern die Fenster dcrj vr. G. H. v. Schubert, Hofr. und Pros. in München. Winke zur Hebung der katholischen Presse. (Fortsetzung.) WaS die Ausarbeitung deS Stoffes und die Versendung der Aufsätze in Fronte anstehenden Häuser ihrer Stellung und Zahl nach, daß er jedei^E^ so dürfte dabei Folgendes zu beachten seyn: Zinne der Stadtmauer, jeden Baum und Felsenblock, jede AuSzackung deS ^ ^it kleinen Aufsätzen macht man am besten den Anfang, weil fernen Gebirges beachtete und nachbildete. ES war in der That eine Arbeit im Schweiß deS Angesichtes; denn so heiß auch die Strahlen der Sonne brannten, so stark ihr Glanz daS Auge blendete, durfte dennoch der eifrige Künstler aus Furcht vor den herumstreifenden Beduinen sich keines Schirmes bedienen; der Thurm, auf dem er stand, wurde nicht selten vom Sturmwind der Wüste so stark erschüttert, daß sein morsches Gemäuer schwankte. Aber daS Werk. durch sein treffliches Gelingen, zeigte sich auch der daran gewendeten Mühe werth; man darf sagen, ein solches treu bis inS kleinste ausgeführtes Bild von Jerusalem, ein solches Panorama deS merkwürdigsten Theiles von Palästina, vom Oelberge auS, ist kaum noch anderSwo zu finden. Dem Schattenrisse der Halbreiter'schen Zeichnung hat nun ein anderer hochbegabter Künstler, August Löffler, das eigentliche Leben der Farben gegeben. Es ist ihm dieses in solcher meisterhafter Weise gelungen, daß der Eindruck, den der Anblick seines großartigen Rundgemäldes macht, in so wunderbar lebhafter Weise den Beschauer über Land und Meer dahin versetzt, in LaS Land seiner Jugendträume, als stünde er selbst leibhaft auf dem Oelberge. Der Künstler hat die Farben der Natur, er hat die Wirkung deS Sonnenlichtes und der Schatten so kräftig und zugleich so zart in seiner Hand, daß daS Bild, je länger man hineinblickt, desto mehr zu einem wirklichen Boden der Berge und deS Thales, zu einem Walde der Oelbäumc, zu einer aus festen Steinen gebauten Stadt wird. Majestätisch schon erhebt sich vor unsern Augen mit seinen prachtvollen Bauwer dabei die Geduld am wenigsten ermüdet. Hierzu eignen sich zunächst Correspondenzen und kleine Bilder aus dem Leben, Charakterzüge u. s. w. Wie Correspondenzen gehalten sevn sollen, lernt man schon aus den Blättern, die man sich hält; für letztere jedoch (Bilder auS dem Leben u. s. w.) ist es gut, wenn man sich erst gute Erzähler zu Mustern nimmt, z. B. Hebels Erzählungen deS Rheinländischen Hausfreundes, SilbertS legenden- artige Schriften u. s. w. sind treffliche Muster. Jede Woche sollte wenigstens Etwas, wenn auch nur wenig gearbeitet werden*); dann würde eS bald besser gehen und man könnte dann, wenn man Lust dazu hat, mit größeren Artikeln sich beschäftigen. Gute Muster zur Ausarbeitung solcher findet man in den bisherigen Jahrgängen deS Katholiken, der Neuen und Alten Sion, in WestermayerS Hausfreund, im Kölner PiuSblatt u. s. w. Sogleich mit einem größern Artikel anzufangen, ist nicht anzurathcn. 2) Hat man gesunden, daß man für einen bestimmten Zweig der Darstellung besondere Lust und Fähigkeit hat, so cultivire man diesen am meisten und beschäftige sich mit andern Artikeln mehr nur ausnahmsweise. ES ist natürlich besser, daß Einer nur Arbeiten von einer Art und zwar etwas Tüchtiges liefert, als Allerlei und dieses mittelmäßig. Hat man in seinem Wohnorte einige Freunde, die Lust und Fähigkeit zu solchen Arbeiten haben, so wähle man sich ein katholisches Blatt der eigenen oder benachbarten Diöcese auS, in welches man seine Arbeiten schickt. AlSLann vertheile man wo möglich die Arbeit nach den Neigungen und Talenten, so daß der Eine daS Correspondiren, der Andere die Ausarbeitung von Erlen der hehre Morija, die Stätte deS Salomonischen Tempels; weiter!^,, der dritte die Behandlung von Zeitfragen, der Vierte daS Ueber. hinanwärtS glänzt im Strahl der Sonne die Kirche des heiligen Grabes, !^n übernimmt u. s. w. Je besser diese Thätigkeit organisirt wird, und wre ein Fels, an dem sich die Wogen der Ereignisse einer langen mehr kommt eS der Zeitschrift, welcher man seine Kräfte widmet, zu Reche von Jahrhunderten brachen, ohne ihn zu verletzen, der HippikuS- 1 statten. Dieser Vorschlag ist nicht etwa bloß ersonnen, er hat sich durch thurm oder die Zionöburg. ES ist der Genuß eines Pilgrims, der von ^ Ausführung, durch die Erfahrung bereits als gut bewährt. Die Ar- einer der geweihten Stellen der hochgebauten Stadt, dieser Königm m^^en können vor dem Absenden gegenseitig zum Durchlescn und Beur- Wtttwenlrauer, zur andern wandelt, welcher hier dem Beschauer zu Theil ^ilen ausgetauscht werden. wird, wenn er zu seinen Füßen Gethsemane, im Walde der uralten Oel- ^ jst nicht gut, daß Einer mehrere Blätter zu gleicher Zeit bäume daS Thal Josaphat, durch das der Kidron seinen Lauf nahm, vor unterstütze, weil dadurch die Thätigkeit zu sehr zersplittert und die Blätter sich sieht, dann sein Auge erhebt und von dem goldnen Thore, von der ^cht gehörig unterstützt werden. Die verschiedenen Zeitschriften können ja Stalte, da Christus der Herr seinen Einzug der Palmen hielt, hinein in ^ gewünschten Vollständigkeit wegen das Wichtigste von einander auS- das Innere der Stadt blickt, wo sich ihm zur Rechten wie zur Linken die zuweise oder abdruckend entlehnen. Bloß im Falle, daß Mehrere sich zu Denkmale jener großen Ereignisse zeigen, bei denen die Erinnerung m ^nem kleinen Mitarbetler-Verein verbinden, wäre ein Unterstützen mehrerer seliger Stille feiert. Dort gegen Süden hin leuchtet der Spiegel deS todten Blätter zu billigen, wobei aber immer als Grundsatz gelten müßte, daß Meeres rm Schein der Sonne, und jenseits demselben erhebt sich das Ge. ^ Zeitschrift der eigenen Diöcese u. s. w., die man hauptsächlich unter- birge, von dessen Häuptern unS die heilige Geschichte den PiSga und den Nebo nennt; im Norden treten Ephraims Gebirge und die fernen Höhen von Samaria hervor. In der That, der Künstler hat die Weihe empfunden, welche auf der Natur dieses Landes ruht; waS er selber empfand, daS theilt sich jedem empfänglichen Beschauer seines BildeS mit. Noch ein anderer ausgezeichneter Künstler, der Historienmaler Ferdinand Piloty, hat der reichen Landschaft ihre lebenden Bewohner gegeben. Der Anblick der Pilger und einheimischen Christen, welche hier im Vorhof der Capelle die Feier deS HimmelfahrtStageS begehen oder dort im Schatten der Bäume und Zelte des schönen Festes sich erfreuen, die stützen sollte, die Hauptarbeiten zugewendet würden. WaS ich im bisher Gesagten vorgeschlagen habe, darf mir in Ausführung gebracht werden, und man wird sich von dem guten Erfolge bald überzeugen. Absichtlich bin ich bei Behandlung mancher Puncte so ziemlich inS Einzelne eingegangen, so daß eS hier und da scheinen könnte, als streife die Anleitung zuweilen an Kleinlichkeit; allein ich habe daS mit besonderer Rücksicht auf unsere Gelehrtenschulen gethan. An denselben wird ') Dieß sage ich ganz besonders in Hinsicht auf die eigene Ausbildung und Uebung der Mitarbeiter von Zeitschriften. meist den schriftlichen Arbeiten im Verhältniß zu ihrer Wichtigkeit nur allzu wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt, so daß Mancher die Prima- Classe verläßt, ohne sich eine genügende Fertigkeit im schriftlichen Gedan- kenauSdrucke erworben zu haben. Auch die Gegenstände zu Aufsäßen werden dort häufig unglücklich gewählt, so daß ein Abiturient in seinen Auf- satzheftcn wohl Allerlei über Perserkriege, römische Feldherren u. dgl. stehen hat, jedoch bei Behandlung von Fragen, die jedem Menschen sehr nahe liegen, ungemein ungeschickt sich zeigt. Und das Gymnasium sollte doch wohl eine Vorschule für das Leben seyn und nicht für die abgeschlossene Welt einer Gelehrtenstube! Was aber am meisten zu beklagen, daS ist der schauerlich indifferentistische Geist, der an den meisten Gymnasien Deutschlands herrscht. An gewissen Gymnasien wollte ich'ö, falls die Wahl deS Stoffes frei gegeben wird, keinem Schüler rathen, etwas über die Ausbreitung deS Christenthums oder die segensreiche Wirksamkeit der geistlichen Orden oder gar über eine Glaubenslehre u. s. w. zu schreiben. Seine Arbeit würde gewiß mit großer Mißbilligung aufgenommen und meist zurückgewiesen werden. So arg hat sich daS Heicenlhum bei uns einge- fressen, daß unsere Philologen das Christenthum fast nicht mehr ausstehen können. Mancher Professor der alten Sprachen ist im Stande, bei der Erklärung der Zerstörung von Troja (nach Virgil) oder deS Abschiedes HectorS von Andromache (nach Homer) vor tiefer Rührung eine Thräne zu vergießen, während er für die Leiden des Gekreuzigten kein Gefühl hat, der Kirche abgeneigt ist und durch Wort und Beispiel, statt ein Erzieher der Jugend zu seyn, ihr Verderber wird. Die vielen jungen Leute, die auf Universitäten zu Grunde gehen, verdanken ihr Verderben meist den indiffercntistischen und oft sogar mit kirchenfeindlichen Lehrern besetzten Gelehrtenschulen. Ach, ihr armen Eltern in Landstävtchen und auf Dörfern — wie schändlich werdet ihr oft um eure schönsten Hoffnungen betrogen, wenn ihr euere Kinder gut und fromm auf die Gymnasien schickt und sie als entartete Jünglinge, als ReligionSspöttcr wieder zurückerhaltet, da ihr doch in dem Glauben standet, euere Kinder seyen guten Händen anvertraut gewesen! Ist auch ein tüchtiger katholischer Religionölehrer am Gymnasium, so kann der nicht Alles gut erhalten und gut machen, wenn die andern Lehrer nichts taugen und ihm entgegenarbeiten. Ihr werdet euch auch nicht trösten können, wenn euer Sohn gute Zeugnisse seines Fleißes und seiner Geschicklichkeit mit nack Hause bringt, aber den heiligen Glauben dort verloren hat; den ihr wißt, waö eS heißen will: „WaS hülfe eS dem Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewänne, aber Schaden an seiner Seele litte?" Da eS an gar vielen Gymnasien so bestellt ist, wie ich eben gesagt habe, so darf man sich nicht wundern, wenn der akademischen Jugend und auch Solchen, die bereits im Amte stehen, daS Verfertigen schriftlicher Aufsätze in der angegebenen Richtung so ungeheuer schwer wird, und daß nachher nur wenige Lust haben, religiöse Gegenstände zu bearbeiten oder gar sich dem geistlichen Stande zu widmen. O Gott, wie viele schöne Hoffnungen gehen da zu Grunde! Und doch ist die Ernte so groß und der Arbeiter sind so wenige! Ich möchte daher sowohl den Gymnasiasten der obern Classen, als auch der akademischen Jugend dringend rathen, kleine Versammlungen oder Vereine zur Uebung in Aufsätzen über religiöse Gegenstände zu stiften und ihre Arbeiten von einem tüchtigen Manne, der in religiöser Beziehung Zutrauen verdient, etwa von einem Geistlichen, prüfen zu lassen. Da daS Ausarbeiten schriftlicher Aufgaben ein so wesentliches Bildungsmittel für Geist und Gemüth ist, so wird es, wenn es in den Dienst der Religion tritt, auch sehr viel dazu beitragen, dem Geiste und Gemüthe eine fromme Richtung zu geben und die Erinnerungen an so einen Verein werden immer zu den schönsten deS Lebens gehören. WaS ich so eben vorgeschlagen, ist wiederum auS dem Leben gegriffen, d. h. eS hat sich durch die Erfahrung als sehr heilsam bestätigt. Beherzigen wir eS nur, daß die Feder eine gewaltige Waffe ist und daß daS Reich Gottes auch sehr vieler solcher Streiter bedarf. Hat eine Unzahl unsittlicher und gottloser Menschen durch die Presse so viel Elend angerichtet, so müssen wir uns wahrhaftig zahlreich und wüthig aufmachen, auf diesem Gebiete den Feind zu verdränge». Wir haben nunmehr über die Verbreitung der religiösen Blätter zu sprechen. WaS darüber zu sagen ist, läßt sich in wenige Worte zusammenfassen. 1) Da religiöse Zeitschriften von wissenschaftlicher Haltung nicht die Bestimmung haben, unter allen Ständen verbreitet zu werden, so hat man auch nicht dahin zu streben. Aber darauf muß von nun an die Aufmerksamkeit Aller, welche die Macht der Presse zu würdigen wissen, gerichtet seyn, daß solche Zeitschriften künftighin mehr unter den Fachgenossen verbreitet werden. Man findet an manchen Orten einen Leseverein von zwanzig bis dreißig Geistlichen und Laien, die mehrere Zeitschriften halten, von jeder aber nur ein Eremplar. Dieses hat zwei Uebelstände. Erstens dauert die Circulation der Blätter zu lange, so daß Manches schon veraltet ist, wenn daS Heft einem der letzten Leser zu Handen kömmt. Zweitens können auf diese Weise die größeren Zeitschriften gar nicht bestehen. Eine größere Zeitschrift sollte nicht von zwanzig bis dreißig Männern, sondern nur von drei oder höchstens vier Lesern gemeinschaftlich gehalten werden. Die Kosten kommen dabei doch nicht zu hoch im Jahr, und für die eigene Weiterbildung so wie für die Förderung der guten Sache muß doch Etwas geschehen, wenn die vielen schönen Worte gewisser Leute, die eine gute Gesinnung bekunden, nicht bloßer Schein und Flimmer, sondern Aechtheit seyn sollen. Diesen Punct bitte ich, recht sehr zu beherzigen. Wir müssen unS durchaus und nöthigenfalls selbst mit Aufopferung dieser guten Sache annehmen, wenn Gott ihr Gedeihen geben soll. Will eS sich nicht von selbst machen, daß eine größere Zeitschrift nur von drei ober vier Theilhabern (statt von zwanzig bis dreißig) gehalten wird, so sollte eS ein eifriger Geistlicher, dem daS Aufblühen der katholischen Presse besonders am Herzen liegt, unternehmen, persönlich dahin zu wirken, sey eS durch Besuche bei seinen Mitbrüdern, sey eS durch Briefe, für den Fall, daß sie in einiger Entfernung auseinander wohnen, oder aber: eS könnte auch in den Capitels- oder Pastoral-Conferenzen u. s. w. förmlich ein deßfallsiger Antrag gestellt und Beschluß werden. Besser werden muß eö in dieser Beziehung und zwar bald, sonst steht zu befürchten, daß daS literarische Leben, um welches es ohnehin bei unS schlecht genug bestellt ist, in kurzer Zeit vollends entschlummern und wir, eines geistigen Weckers beraubt, der so nöthigen geistigen Anregung dann um so mehr entbehren müssen. 2) Religiöse Zeitschriften für das Volk (Sonntagsblätter), welche sich christliche Unterhaltung, Belehrung, Erbauung und Warnung zur Aufgabe gesetzt haben, müssen so stark verbreitet werden als nur möglich. Offenbar ist dafür an den meisten Orten viel zu wenig geschehen; man ließ den Zufall walten oder begnügte sich damit, eins oder zwei Exemplare anzubringen. Wenn ich bedenke, wie sehr solche SoninagSblätter oder religiöse VolkSblätter geeignet sind, einem Geistlichen sein Wirken in der Gemeinde zu erleichtern, daS göttliche Lehrwort zu vervielfältigen u. s. w., so muß ich erstaunen über die auffallende Gleichgiltigkeit und Nachlässigkeit, die hierin bei Vielen sich kunv gibt. Sollen solche VolkSblätter ordentlich wirken, so müssen sie in gehöriger Zahl verbreitet werden; dieses ist um so nothwendiger, als die im Lande zahlreich verbreiteten Zeitungen sich genug Mühe geben, daS Gift des Unglaubens und der Lasterhaftigkeit auszubreiten. Und mit welchem Rechte donnert denn wohl ein Geistlicher gegen die schlechten Blätter loS, wenn er nicht sich Mühe gibt und selbst, wenn nothwendig, kleine Opfer bringt, um ein besseres Blatt in der Gemeinde einzuführen? Ein solcher Eiferer könnte mir beinahe lächerlich vorkommen. Nein, hier muß ein regeres Leben erwachen, wenn die Verantwortlichkeit nicht noch größer werden soll. Die Zeiten sind vorüber, wo das Volk bloß seinen rechtgläubigen Kalender laS und sonst nichts; mit der Verbesserung der Schulen und der Beförderung der Lesekunst wuchs auch die Leselust, und wenn diese von der Zeit selbst herbeigeführt worden ist, so ist eS eine arge Gewissenlosigkeit, wenn dieser Leselust im Volke nicht die rechte Nahrung gegeben wird. Der Geistliche sollte also, mit Hilfe des Lehrers oder sonst eines gutgesinnten Laien seines OrtS, eS sich sehr ernst angelegen seyn lassen, ein solches SonntagSblatr recht zu verbreiten; er dürfte selbst-in Begleitung eines der vorhin Genannten im Orte umhergehen und für die Verbreitung deS BlatteS' wirken. Damit schadet er sich weder an seiner Würde, noch am guten Einvernehmen mit den Pfarrkindern; diese werden seinen guten Eifer vielmehr dankbar und freudig, wenn nicht sogleich, so doch später, anerkennen und werden sich von seinem Ansinnen nicht beschwert fühlen, wenn der Geistliche sagt, daß es Jeder nach seinen Kräften damit halten möge; so daß, wenn Einer allein daS Blatt nicht halten könnte, doch zwei, drei, vier oder fünf eS miteinander halten. Den Redactionen solcher Blätter aber ist bei dieser Gelegenheit nicht dringlich genug ans Herz zu legen, wie sie allen gelehrten Kram, Alles dem Volke Fernliegende, Unverständliche und alles Langweilige aus solchen Sonntagsblättern fernhalten müssen. Manche dieser Blätter nehmen noch gar keine Rücksicht oder doch viel zu wenig Rücksicht auf gute, christliche Erzählungen. Möchte doch dieser wichtige Zweig, der beliebter ist als alles Andere im Blatte, von jetzt an die verdiente Beachtung erhalten! (Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese BlLltcr bezogen werden. Der Preis belrägt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Neunter Jahrgang. M AA. 19. August 1849. Hirtenbrief des ErzbischofS von Freiburg. Freiburg. Heute Sonntag den 19. August wird in sämmtlichen Pfarrkirchen deö Landes ein Hirtenbrief vorgelesen und darauf ein feierliches Dankamt für den erfochtenen Sieg gehalten. Der Hirtenbrief enthält scharfe und ernste Worte bezüglich der jüngsten StaatSumwälzung, er saßt jene schweren Zeiten als Zeiten der Heimsuchung Gottes auf und schließt mit eindringlichen Ermahnungen an die Führer und Lenker deS Volkes, die von Gott gesetzt, an die Priester als Diener deS Herrn, und an die Lehrer, Eltern, Reiche und Arme, Städter und Landleute. Montags den 20. Aug. findet dann ein feierliches Seelen- opfer für die Gefallenen statt. Folgendes die Hauptstellen deS Hirtenbriefs: „Nachdem Gott glorreichen Sieg verliehen der gerechten Sache, die Regierung unseres vielgeliebten Großherzogs, des milden und gütigen Vaters deS Vaterlandes, wiederhergestellt, und die gesetzliche Obrigkeit zur Beruhigung und Friedigung deö Landes ihre Wirksamkeit begonnen, drängt eS Uns, in gegenwärtigem Sendschreiben einige Hirtenworte an Euch, geliebteste BiSthumSangehörige, zu richten. Eure Gemüther werden, so hoffen Wir, hinlänglich beruhigt seyn, um ein Wort deö FriedenS Christi zu vernehmen. „Vor Allem tritt im Hinblick auf die Noth und das Elend, welche durch den Aufruhr und den dadurch entzündeten Bürgerkrieg über Baden gekommen, das Beispiel unseres Heilandes Jesu Christi vor unsere Augen, der einstmals voll des innigsten Mitleids ausgerufen: „Mich jammert deS Volkes." Ja, Uns jammert deS Volkes, wenn Wir sehen, wie unser schönes, von Gott so reichlich gesegnetes Vaterland durch die Gräuel deS Aufruhrs und eines brudermörderischen KampfeS theilweise verwüstet, ent- kräftet, geschwächt ist; uns jammert deS Volkes, wenn wir Hinblicken auf die mit Blut gefallener Söhne des Vaterlandes getränkten Saatfelder, wenn wir gedenken der obdachlosen Familien, deren Hab und Gut und Wohnung eine Beute der Flammen geworden, wenn wir gedenken der Eltern, die da weinen und wehklagen über den Verlust geliebter Söhne, wenn wir gedenken der vielen Verstümmelten und Verwundeten; UnS jammert des Volkes, wenn wir Hinblicken auf den zerrütteten Staatshaushalt, und auf all' die Noth, und all' das Elend, das Euch, Geliebteste nur allzugut bekannt ist. Darum klagen wir: „Uns jammert deS Volkes." Um so bejammernSwerther ist aber diese Noth und dieses Elend, weil sie über das arme Vaterland gekommen in Folge eines Umsturzes hervorgerufen durch falsche Freunde des Volkes, „die mit süßen Worten und Schmeicheleien die Arglosen verführten," und die Fackel der Empörung unter die sonst so glücklichen, gewerbsfleißigen und ihres Wohlstandes sich freuenden Bewohner deS gottgesegneten Landes schleuderten. Ist es nicht höchst be- jammernSwerth, wenn die sieg- und ruhmgekrönten Fahnen unseres Vaterlandes verlassen werden von dessen Söhnen, getäuscht und verführt von Menschen, die „zum Deckmantel der Bosheit die Freiheit mißbrauchen, und Freiheit verheißen, da sie doch selbst Knechte deS Verderbens sind?" Ist es nicht höchst bejammernSwerth, wenn ein Theil deS badischcn Volkes sich hinreißen läßt zum Aufruhr und Empörung wider den angestammten Fürsten, der, die Güte und das Wohlwollen selbst, stets in guten wie in bösen Tagen als ein treuer Freund deS Volkes sich erwiesen, und der bei den Bestrebungen für Deutschlands Einheit, Größe und Macht so opferwillig vorangegangen? Ist eS nicht höchst bejammernSwerth, wenn Christen die schwere Sünde der Empörung wider den rechtmäßigen Fürsten und die gesetzliche Regierung begehen, da doch daS göttliche Wort so klar und so deutlich spricht: „Gebt dem Kaiser, waS deS Kaisers, Gott, waS GotteS ist, und „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt, denn eS gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott angeordnet. Wer sich demnach der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes, und die sich dieser widersetzen, ziehen sich selbst Verdammnis; zu. Es ist eure Pflicht, Unterthan zu seyn, nicht nur um der Strafe willen, sondern um deS Gewissens willen.... Gebet Jedem, was ihr schuldig seyd: Steuer wem Steuer, Zoll wem Zoll, Ehr- furcht wem Ehrfurcht, Ehre wem Ehre gebührt" .... Glaubet dabcr nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; prüfet, ob ihre Lehren und Ansichten mit der Lehre der .Kirche des lebendigen GotteS, die eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist," übereinstimmen oder nicht. Verkündigen sie ein anderes Evangelium als daö ist, welches Ihr empfangen, so glaubet ihnen nicht, auch wenn sie in Engelögestalt vor Euch erscheinen, und noch so sehr von Volkswohl und Volksbeglückung sprechen. „ES ist, Geliebte, nicht schwer, zn erkennen, ob der Geist GotteS, oder der Geist der Finsterniß die Männer, die als Volksbeglücker unter uns sich aufgeworfen, trieb und leitete. Wir dürfen unS nur erinnern an das Wort des Herrn: „der Teufel ist ein Lügner und der Vater der Lüge," und daß Er zu den Juden, welche der Wahrheit widerstanden und die Lüge mehr liebten, gesprochen: „Ihr habt den Teufel zum Vater und wollet nach den Gelüsten eures Valerö thun." Die Lüge ist also offenbar nach dem AuSspruch der ewigen Wahrheit deS Teufels Lust und That, und die sie lieben und sie gebrauchen, thun damit nicht GotteS Werk, sondern deS Teufels Werk. Welcher Ansicht nun auch Einer seyn möge in Bezug auf die beste StaatSverfassung und Regierung, so viel muß er zugeben, soll sie bestehen, soll sie für ein Werk PotteS gelten, mit der Lüge darf sie nicht beginnen. Vor Aller Augen liegt aber, daß unsere jüngste Staatg- umwälzung mit der Lüge begonnen hat, in Lüge fortgesetzt und von der Lüge bis zum schmählichen Ende begleitet wurde. Ja nicht bloß mit einfacher Lüge hat sie begonnen, sondern mit der gröbsten und furchtbarsten Art von Lügen, mit Verrath und Meineid. Lüge war's sofort, daß man den Aufstand für einen Kamps zu Gunsten der deutschen NeichSverfaffung ausgab, während man doch, um nur Eines anzuführen, das Vaterland Fremden preisgeben wollte. Lügen waren eS, wenn unser theurer Landesvater auf die schändlichste Art verleumdet, wenn er ein Tyrann, ein VolkS- und LandcSverräther geheißen wurde, während daS ganze Land nur von seiner Güte und Liebe zu erzählen weiß. Lüge war'S, wenn man Freiheit verhieß, während doch auf den Trümmern der gesetzlichen Ordnung nur eine Schreckensherrschaft errichtet ward, unter welcher nicht einmal ein Schatten von Rede- oder Prcßfreiheit übrig blieb. Lüge war's, wenn man dem Volke Wohlstand versprach, während man doch die schwersten Opfer von ihm heischte. Lüge war'S, daß man Bildung in Aussicht stellte, während Alles an Barbarei und Verwilderung mahnte. Lügen waren die Nachrichten über den Anschluß anderer Staaten. Lügen die beständigen SicgeSberichte. Lügen wurden verkündet, bis die Wahrheit fühlbar und greifbar vor Augen stand. Wenn eS nun gewiß ist, daß Trug, Meineid, Untreue, Verleumdung, kurz die Lüge in allen ihren Formen und Gestalten die Hauptrollen spielte in dieser StaatSumwälzung, so ist hier nicht GotteS Geist thätig gewesen; die Sache war vom Argen. Und klar ist eS, daß von Solchen, die vom Geiste der Lüge sich leiten ließen, kein Heil und Glück für das Volk zu hoffen. „Sammelt man denn Trauben von den Dornen, oder Feigen von den Disteln?" Alle die daher getreu geblieben ihrem Fürsten, tragen ein frohes Bewußtseyn in ihrem Herzen, wenn sie gleich auch verkosten müssen die Bitterkeit deS LeidenSkelcheS, welcher dem ganzen Lande gereicht wird. Wir alle müssen demüthig und ergeben uns beugen unter die züchtigende Hand deS Allerhöchsten, der die Stürme zugelassen; wir müssen anbeten den, der schlägt und wieder aufrichtet, der verwundet und wieder heilet, und dessen Barmherzigkeit weithin unsere Missethat übertrifft. 130 „Wie ist eS aber denn gekommen, daß so viele Menschen Knechte ihrer Leidenschaften und ihrer bösen Lust geworden? Höret, Geliebteste, die Antwort! Weil viele Den verlassen, der, wie Er den Seesturm darnieder- gelegt und besänftigt, so auch allein die Stürme LeS menschlichen HerzenS stillt, allein Kraft und Stärke verleiht, der dreifachen bösen Lust im Menschen, cer Hoffart, der Augen- und Fleischeslust siegreich zu widerstehen; weil sie Jesum Christum, den «Lohn GotteS und Heiland der Welt, verlassen. Der stets wachsende Abfall von JesuS Christus, Deinem HI. Evangelium und Seiner heil. Kirche mußte solche Erscheinungen hervorbringen, wie wir sie in den jüngsten Tagen gesehen! WaS zunächst die Mitarbeiterschast anbelangt, so erleichtert auch hier eine Organisation der Thätigkeiten die Sache; ja sie ist geradezu nothwendig. 1) Politische Blätter erfordern theils leitende Artikel, theils Korrespondenzen. Leitende Artikel in politische Blätter zu liefern ist nicht Jedermanns Sache, weil nicht Jeder die Kenntnisse besitzt, die dazu erforderlich sind. Wer solche Artikel liefern will, muß nicht nur tüchtige Geschichts- kenntnisse haben, sondern sich auch in nachstehenden Wissenschaften: Nationalökonomie, Gewcrbewcsen, Militärwissenschaft, Jurisprudenz, Geographie (besonders Statistik). Physik, Literatur u. s. w. umgesehen haben, da sich „Wo keine Erkenntniß GotteS, da ist auch keine Liebe Gottes und kein! kaum ein leitender Artikel für ein politisches Blatt liefern läßt, ohne daß tugendhafter'"' " ' " - -------- ........ .^ ^ ^--- - erkennt mung im . und der durch Seine Auferstehung jeden Zweifel an dem zukünftigen Leben ver rächtet, im Gegentheil Unsterblichkeit und ewiges Leben in das klarste Licht gestellt , abgefallen von Christus, verlieret dieS-eele so leicht den Glauben an die Unsterblichkeit und ein ewiges Leben, und nicht mehr strebt sie durch gottgefälligen Wandel jene Seligkeit zu erlangen, die noch kein Auge gesehen, noch kein Ohr gehört, noch in keines Menschen Herz gedrungen ist, sondern sie beschränkt ihre Bestimmung aus dieft-S Erdcnlebcn, auf die Theilnahme an den Genüssen desselben, hält die Lust eines TageS für Glückseligkeit, um sofort gleich dem Thiere der Vernichtung anheimzufallen. Gestehen wir eS, Geliebteste, gerabe diese gottlose und verruchte Lehre, daß der Mensch nur für diese Erde unv ihre Genüsse geboren sey, hat in unserer Zeit vieler Gemüther auf eine schauderhafte Weise sich bemächtigt, und sie trägt am meisten bei zum Lerderbniß unseres gesellschaftlichen Zustandes, zu den Noth- und Uebelständen, unter denen die Menschen heut zu Tage seufzen. „Geliebteste! diejenigen, Lie daS Gericht deS Herrn nicht fürchten, scheuen sich nicht, um ehrgeizige Plane durchzuführen, ein ganzes Volk inS Unglück und Verderben zu stürzen. Diejenigen, die keine Hoffnung auf ein ewiges Leben haben, allwo der gütige Gott „abwischen wird alle Thränen von den Augen, und wo nicht mehr seyn wird Trauer, noch Klage, noch Schmerz," wollen nicht im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod verdienen, und nicht die drückende Last der Arbeit fühlen, sondern begierig nach Sinnengenüssen, suchen sie abzuschütteln (nicht einmal vier Briefe hinter einander und dann einmal wieder ein und einer Kirchenzeitung gemacht werden. Doch solche leitende Artikel sind für ein politisches Blatt auch nicht streng erforderlich. Kommen solche nicht von auöwärtigen Mitarbeitern, so hat der Redacteur schon einige Männer seines Wohnorts an der Hand, welche sie nölhigenfallS liefern. Was aber dringend nothwendig, unerläßlich ist, daö sind Korrespondenzen aus den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes und deS Auslandes — und hieran fehlt eS unsern katholischen Zeitungen außerordentlich und zwar durch unsere eigene Schuld, weil wir nichts dafür thun. Hier muß jetzt geholfen werden und zwar in ganz ähnlicher Weise, wie eS vorhin bei den religiösen Blättern angegeben wurde, nämlich durch Organisation der Thätigkeit. Wo ein kenntnißreicher Mann, der allen den erforderlichen Beziehungen genügen könnte, fehlt, da müssen mehrere Männer diesen einen zu ersetzen und darzustellen suchen. Der Eine hat also über daS Gedeihen der Feldfrüchte und des Weines nebst den darüber sich gestaltenden Preisen zu berichten, ein anderer über Vorfälle in der Stadt oder auf dem Lande, ein dritter über Veränderungen im Schulwesen, ein fünfter über Kunstprocucte u. s. w. Eö kann auch Einer mehrere dieser Beziehungen übernehmen und so wären denn zur Unterstützung einer politischen Zeitung eigentlich nur wenige Personen an einem und demselben Ort erforderlich. Die Hauptsache ist, daß der Korrespondent regelmäßig schreibt daS Joch, das sie in diesen stört, voll Neid und Mißgunst werfen sie lüsterne Blicke auf daS Eigenthum des Besitzenden, werden am Ende Diebstahl, Raub und Mord für erlaubte Mittel halten, um sich den Weg zu den Freuven dieses irdischen Lebens zu bahnen, außer welchem sie nichts Höheres kennen. Diejenigen Besitzer aber, welche keinen Richter fürchten, der Rechenschaft verlangt über die Verwendung deS ihnen anvertrauten Gutes, werden dieses nur zu Sinnengenüssen und Lebensfreuden, oder zur Befriedigung ihrer Habsucht anwenden, Vierteljahr gar nichts) und daß er schnell berichtet, damit andere Blätter ihm nicht zuvor kommen, und daß er genau berichtet (keine Lügen oder grundlose Gerüchte) unv endlich daß er leserlich schreibt, damit der Bericht nicht wegen allzu argen Gekritzels und unverständlicher Abkürzungen muß weggeworfen werden. Da die Correspondenzbriefe an Redactionen nicht frankirt werden, so erwachsen dem Korrespondenten in dieser Hinsicht auch keine Kosten; bloß ein wenig Mühe kostet eS. Die Artikel nicht aber mit demselben der Noch und dem Elende der armen Bruder und müssen niemal »»nöthiger Weise ausgedehnt werden; so kurz als möglich Schwestern steuern wollen. So wird dieser Mangel des Glaubens an die Un- sind sie zu halten. Wie oft ein Correspondent schreiben soll, das hängt stcrblichkeit oder die Glcichgiltigkeit gegen die Bestimmung deS Menschen überall von seinem Stoffe und seinem Eifer ab. ES versteht sich auch, daß ein den verderblichsten Einfluß auf unsere gesellschaftlichen Zustände ausüben und) Korrespondent das Blatt, für welches er arbeitet, halten oder eS wenigstens hat sie schon ausgeübt. Für den, der die Gerichte GottcS nicht fürchtet, gibt eS durch andere Gelegenheit lesen muß, damit er sich mit seinen Arbeitern keine Schranke, kein Maaß und kein Ziel mehr. Die Gesetze erscheinen ihm nur als lästige Fesseln seiner entfesselten Leidenschaft. Alles, waS das menschliche Herz groß und edel macht, und was erhebt über die Trübsale dieser Welt, verschwindet; und dieses Streben, welches sich anfangs als Aufklärung und Bildung geberoct, endet mit fürchterlicher Verwilderung einer gänzlichen Barbarei und Auflösung aller Bande der menschlichen Gesellschaft. „Darum, Geliebteste, erkennet die Zeichen der Zeit und lasset die Tage der Heimsuckuing Gottes nicht spurlos an Euch vorübergehen. „Ja, erkennet Ihr Alle die Tage der Heimsuchung GotteS! Ihr vor Allen, die Ihr von Gott erwählet seyd als Führer und Lenker deS Volkes, erkennet eS darnach richte. Was ein Correspondent schreiben soll, muß man seiner Einsicht überlassen; hoffentlich wird er sich mit gar zu unbedeutenden Dingen nicht befassen, noch Solches melden, waS seinem Redacteur unnöthi- ger Weise Verlegenheiten bereiten könne. Da jetzt in allen bedeutenden Stävcen unseres Vaterlandes katholische (Pius ) Vereine bestehen, die sich ja auch die Förderung der guten Puffe angelegen seyn lassen wollen, so meine ich, könnte eS bei einigem guten Willen roch gar nicht schwer werden, die wenigen katholischen Zeitungen Deutschlands durch Originalcorre- spondenzen zu unterstützen. WaS das Frankfurter Journal und andere ichmutzblätter mit Hilfe ihrer Gesinnungsgenossen fertig bringen, daS tief in Eurer Seele, daß Euer Amt ein durch GotteS Gnade Euch verliehenes, sollten, dächte ich, doch auch die „Gutgesinnten" vollbringen können. Und und daß eS Eure heiligste Pflicht ist, eS nach dem Willen deS Herrn, dessen Stell-^ wenn noch vor wenigen Monaten die preußische Regierung den Versuch Vertreter Ihr seyd, zu handhaben. . machte, durch unentgeltliche Versendung einer in Berlin gegründeten litho- „Erkennct die Tage der Heimsuchung Gottes, Ihr, Priester und Diener! graphirten Korrespondenz*) ihre Gesinnungen und Grundsätze zu verbrei- deS Herrn! Gedenket, daß Ihr seyd daS Salz der Erde, daö Licht der Welt, daß ^ ten, sollte ich meinen, müsse auch unS etwas AehnlicheS möglich seyn, eö vorzüglich an Euch gelegen, ob Gutes erwachse auS den gegenwärtigen Trüb-^ wenn wir mir unserer guten Gesinnung nicht als Lügner und mit unserm salen, oder nicht, ob wieder wahrer lebendiger ChrisluSglaube und mit ihm hei- Eifer nicht als alberne Tröpfe dastehen wollen. Wir haben ja nicht eine lige Sitte und Bürgertugcnd unter den Bewohnern unseres Landes herrschend werden, oder nicht! Der Herr hat Euch gesetzt, daß Ihr gehet und Frucht bringet, und Eure Frucht bleibe." Winke zur Hebung der katholischen Presse. (Fortsetzung.) L. Die politischen Blätter. — Wie im Vorigen, so haben wir auch die Förderung politischer Blätter in zwei Abtheilungen zu sondern: in die Besorgung der Mitarbeiterschast-und in die Verbreitung deö Blattes. Unzahl katholischer Zeitungen zu unterstützen; wenn nur die Hauptorgane, z. B. das „Mainzer Journal," die „Rheinische Volkshalle" und die „AugSburger Postzeitung" u. s. w. tüchtig unterstützt werben, so können sich die kleineren Zeitungen durch Entlehnen der Artikel schon behelfen. Eö wäre also nothwendig, daß in jeder bedeutenderen Stadt Deutschlands, z. B. Wien, Prag, Augsburg, München, Frankfurt, Mainz, Berlin, BreSIau, Köln u. s. w. sich ein paar schreibkundige Männer zum Zwecke ') Dieselbe wurde verschiedenen Redactionen unentgeltlich zugeschickt; allein wohl nur wenige mögen Gebrauch davon gemacht haben, da sich die Regierung leider kein Vertrauen zu erwerben wußte. Der Verfasser. 131 deS CorrcspondirenS vereinigten. Da Einer nicht Alles zu thun braucht, sondern die Arbeit sich nach Fächern vertheilt, so wäre auch die Mühe nicht so groß, und der Zeitaufwand nicht bedeutend. Eine solche Bethe!- ligung an der Tagespresse muß jetzt aber endlich zu Stande kommen, wenn unsere zahllosen Gegner nicht ganz und gar die Oberhand erhalten sollen. Möchte dieser Aufsatz doch im Stande seyn, solche kleine Cvrrespondenz- Wereine überall inS Leben zu rufen! So viel in Betreff des Inlandes. 2) Was das Ausland betrifft, so haben manche katholische Handelshäuser ihre regelmäßige Korrespondenz mit Paris, Lyon, Brüssel, der Schweiz, London, Mailand, Livorno, Rom u. s. w., da wäre eS ja leicht zu machen, daß solche Herren die etwanigen Neuigkeiten ihres Briefwechsels den katholischen Zeitungen mittheilten und ihre Korrespondenten noch besonders ersuchten, ihnen jedesmal auch Etwas über die neuesten Ereignisse und Gestaltungen ihrer Länder und Aufemhaltorte zu berichten. Ist «S nicht eine Schmach, daß katholische Blätter z. B. ihre Nachrichten auS Rom meist der charakterlosen „Allgemeinen Zeitung" entnehmen müssen!*) Dieß muß und kann und soll aber anders werden. Unsere Redactionen müßten sich mit solchen Handelshäusern auf freundschafilbchen Fuß setzen. ES gibt aber auch sonstige Privatpersonen, welche Briefwechsel mit bedeutenden Städten deS Auslandes unterhalten oder doch Gelegenheit hätten, sich mit einem Freunde in diesen Städten in brieflichen Verkehr zu setzen. Diese sollten es thun; dieß käme unsern Zeitungen trefflich zu Statten, und was die Vermehrung deg Porto's betrifft, so würde die Redaction solche gewiß gern erstatten, da ja durch vermehrte Original Korrespondenzen das Blatt sich auch hebt. Genug deS guten Raths über die Mitarbeiterschaft an katholischen Zeitungen; wenn derselbe nur auch williges Gehör und bereitwillige Ausführung findet! WaS die Verbreitung katholischer Zeitungen betrifft, so bitte ich die Leser, nachfolgende Puncte in ruhige und ernste Erwägung zu ziehen. 1) Durch Nichts wird eine Zeitung so sehr gehoben und verbreitet, als durch viele Inserate. Man hätte schon manches schlechte Blatt stürzen können, wenn eS nicht so viele Anzeigen hätte. Gar häufig hörte man von guten Katholiken sagen: „Wir verabscheuen die Tendenz dieses oder jenes BlatteS; aber wir müssen es der Anzeigen wegen beibehalten." Und so lebt die schlechte, gemeine Tagespresse großentheils vom Gelde der Katholiken! Kann man sich einen größer» Unsinn, eine schmählichere Mattherzigkeit denken, als dieses Treiben? Doch statt unserm gerechten Unwillen vollen Lauf zu lassen, wollen wir Vorschläge machen, wie diesem Uebelstande abzuhelfen sey. Die gewöhnlichen, ordentlichen Mittel gegen die schlechte Presse sind längst erschöpft. Die Pfarrgcistlichkeit hat an allen Orten dagegen ihre Stimme erhoben — vergebens! die Bischöfe haben in ihren Hirrenbriesen dagegen gemahnt und selbst von der Kanzel herab gewarnt — vergebens! Die katholischen (Pius-) Vereine haben die Bekämpfung der schlechten Presse für nothwendig erklärt — waS ist aber geschehen? Man zeige mir eine einzige mannhafte und beharrliche That gegen das schmutzige Gewürm der falschen Aufklärung und der schlechten Presse, und ich will die Anklage der Maltherzigkeit und tiefste» Erbärmlichkeit zurücknehmen. Alle ordentlichen Mittel sind erschöpft. WaS ist zu thun? Man muß zu außerordentlichen Mitteln schreiten. Haben Ermahnungen nichts gefruchtet, so müssen jetzt Thaten helfen. Ich schlage folgendes Verfahren vor: Nehmen wir an, in einer Stadt von 16,000 katholischen Einwohnern beständen zwei Zeitungen, eine schlechte, welche aber alle oder doch die meisten Anzeigen hat, und eine katholische, welche keine oder nur sehr wenige Anzeigen hat und auch keine bekommt. Man wird hoffentlich annehmen dürfen, daß unter 16,000 katholischen Bürgern wenigstens 200 sich befinden, welche Eifer genug besitzen, zur Vertilgung eines gotteslästerlichen Blattes Hand zu bieten. Diese 200 Bürger (meist Kaufleute und Handwerker) verpflichten sich durch ihre Unterschrist: 1) daß sie keine einzige Anzeige mehr in die kirchenfeindliche Zeitung schicken werden; 2) daß sie ihre Anzeigen ausschließlich nur in die auf gleichem Platz bestehende katholische Zeitung senden und daß sie monatlich wenigstens eine Anzeige von beliebiger Länge in die katholische Zeitung einrücken lassen wollen; 3) daß sie von vierzehn Tagen zu vierzehn Tagen bei ihren Freunden und Bekannten in der Stadt und Umgegend dahin eifrigst wirken wollen, daß Jene ein Gleiches thun wie sie. 4) Die eingegangene Verpflichtung gilt für die Dauer eines JahreS. Ein solches Bündniß gegen die schlechte Presse wird seine guten Früchte tragen; eS werden jährlich allein durch die Mitglieder dieses Bündnisses 2400 bezahlte Anzeigen in das katholische Blatt kommen, ohne diejenigen Anzeigen zu rechnen, welche durch die Freunde der Mitglieder und durch Solche noch hinzukommen, die zwar der katholischen Zeitung nicht geneigt sind, aber einsehen, daß sie, um ihre Anzeigen genugsam zu verbreiten, dieselben doch auch in die karho-- ') Die Postzcitung hat seit längerer Zeit einen zuverlässigen Correfiondcntrn in Rcm. lische Zeitung einrücken lassen müssen. Kostspielig ist dieß Verfahren für die Mitglieder deS Bündnisses durchaus nicht. Nimmt man an, daß Einer monatlich für Anzeigen (die Zeile zu 1 '/^ Kreuzer oder 6 Pfennige gerechnet) 8 Kreuzer oder ungefähr zwei Silbergroschcn ausgibt, so macht daS im Jahr einen Gulden und 36 Kreuzer oder 24 Silbergroschcn — wahrlich ein sehr geringes Opfer, wenn eS die Vernichtung der Presse gilt. Ich würde mir diese kleine Beisteuer zu Gunsten der katholischen Presse gewiß gerne am Munde abiparen, wenn cö nicht anders ginge. Ja ja, ihr Freunde der guten Presse, ihr Gutgesinnten Alle, nur durch Opfer konnt ihr die -Lchandpresse stürzen! Nehmt diesen Vorschlag nur nicht mit Achselzucken oder Kvpfschütteln auf; dieser Vorschlag, so seltsam er euch jetzt auch noch vorkommen mag, ist durch und durch praktisch und wird sich alö wirksam bewähren. Sollte eS den Mitgliedern eines solchen Bündnisses an Stoff zu Anzeigen fehlen? Keineswegs. In einem Geschäfte kommt Allerlei vor, WaS sich zn Anzeigen eignet, und selbst der Privatmann dürfte mancherlei einzurücken haben, wenn er sich darnach umsehen will. Um die nöthige Anzahl von Mitgliedern zu einem solchen Bündnisse zusammen zu bringe», würden die katholischen (PiuS-) Vereine am besten sich verwenden; eine Aufgabe, die eines solchen VercincS würdig ist und ihm ein großes Verdienst erwerben wird. DaS Verfahren hierzu wäre höchst einfach. Etwa 20 bis 30 Mitglieder des PiuSvereinS würden sich versammeln und ausmachen, wo Jeder seine Unterschriften zu sammeln hat, Jeder übernimmt eine Straße, in welcher er Theilnehmer wirbt. Wären dann, nachdem dieses geschehen, noch Straßen übrig, so würden sich die 20 bis 30 PiusvereinSmitglieder von Neuem versammeln und die noch übrigen Straßen und Plätze zur Einsammlung von Unterschriften unter sich vertheilen. Gut wäre eS wohl, wenn nach vorläufiger Schließung der Unterschriftenliste sogleich eine Generalversammlung sämmtlicher Theilnehmer an dem gegen die schlechte Presse gerichteten Bündnisse gehalten würde. Bei dieser Gelegenheit könnte man ihnen die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit dieses Verfahrens dringend an'ö Herz legen, sie zu desto größerem Eifer anfeuern und ihnen auch manchen Wink ertheilen, wie hierbei am besten zu verfahren sey u. s. w. Gleichermaaßen müßte man auch die Gutsbesitzer und Geschäftsleute der umliegenden Ortschaften und Landschaft zur Betheiligung an diesem Unternehmen zu gewinnen suchen. Wir können nicht annehmen, daß es nicht noch genug gut katholische Geschäftsleute n. s. w. gebe, die einem solchen Vereine beitreten würden; aber die alte Gewohnheit, ihre Anzeigen in der schlechten Zeitung deS OrtS einrücken zu lassen, legt sich nicht sogleich ab, zumal wenn eS an einem Einheitspunct zu einem hier nothwendigen gemeinschaftlichen Handeln fehlt. Dieser EinheilSpunct würde durch einen solchen Verein gegeben werden. Ehe man diese Vorschläge als fromme Wünsche belächelt, führe man sie aus! Wenn nicht drei gescheiterte Versuche hinter unS liegen, haben wir nicht Ursache, davon abzustehen! So viel in Betreff der Anzeigen; eS ist bei einem politischen Blatte offenbar der wichtigste Punct. 2) Hat man bewerkstelligt, waS im Vorhergehenden angegeben wurde, so kann der PiuSverein deS OrtS noch ein Weiteres thun und durch seine Mitglieder allenthalben zur Abschaffung der schlechten Zeitungen ermähnen. Die Abschaffung wird dann leicht von Statten gehen, weil ein angenehmes und zugleich nach allen Seiten hin nützliches Organ aufgestellt worden ist. Er kann weiterhin auch dringend anempfehlen, diejenigen Wirthshäuser rc. nicht zu besuchen, wo nur Zeitungen von schlechter Gesinnung aufgelegt sind; er kann auch ein eigenes katholisches Casino gründen, in ^welches keiner aufgenommen wird, dessen kirchliche Gesinnung zweifelhaft ist. Wenn die Freimaurer, Lichlsreunde und Nongcancr sich das Vereiusrccht fin besagter Weise so eifrig zu Nutze machen, so dürfen wir wahrhaftig nicht zurückbleiben. Von unserm Thun wird es abhängen, ob die nach uns kommende Generation Segen oder Fluch über unS ausspricht, noch mehr: wie wir einst vor dem Richterstuhle GvtleS bestehen werden. Im Schweiße unseres Angesichts müssen wir nun einmal unser Brod essen, und so wollen wir uns denn auch keinen Schweiß verdrießen lassen, wo eS Gottes Ehre, unser eigenes Heil und das Heil unserer Mitmenschen in der Mitwelt und Nachwelt gibt. DaS Himmelreich leidet Gewalt und wer !cS gewinnen will, muß eS an sich reißen. DaS gilt nicht bloß vom innern ! Kampfe deS Menschen, eS gilt ganz gewiß auch vom Kampfe mit äußeren Hindernissen, und wenn GotleS reichster Segen sich noch nicht an unsern , katholischen Zeitungen gezeigt hat, so kommt eS wobl nur daher, weil wir Einser Werk so wenig zu Seiner Ehre und in Seinem heiligen Namen ^ beginnen und weil wir eS unS (als Gesammtheit genommen) so wenig I Anstrengung kosten lassen. Also hinweg mit dem armseligen Seufzen über j die Verwüstungen der schlechten Presse! Legen wir in GotleS Namen Hand an, und eS wird sicherlich gnr gehen; Gott wird sein eigenes Werk nicht verlassen, billig aber entzieht Er Seinen Segen allem verzagten, nach Halbheit aussehenden Beginnen. In Anbetracht unserer gewaltigen geifti- 132 gen und sonstigen Mittel kann unS Katholiken der Sieg gar nicht fehlen, wenn wir unS stark und muthig aufraffen. (Fortsetzung folgt.) Hunger und Durst — aber nicht nach der Gerechtigkeit. -j- „Ich sah einmal fünf Männer, und was konnte ich anders, als sie für wahnsinnig halten? Der Erste kauerte mit vollen Backen Meersand. Der Zweite stand an einem See und bemühte sich dessen abscheuliche und übelriechende Dünste einznathmen. Der Dritte lag vor einem Ofen, der heiß brannte, und freute sich, die glänzenden Feuerfunken mit offenem Munde aufnehmen zu können. Der Vierte saß auf der Zinne eines Tempels und zog die Luft in sich ein, und wenn sie ihm nicht stark schien, wedelte er mit einem Fächer, um sie heftiger zu bewegen, als wollte er allen Wind essen. Der Fünfte befand sich unten und verlachte die Andern, da er doch am meisten selbst das Auslachen verdiente; denn er saugte mit unglaublichem Eifer an seinem eigenen Fleische und hielt bald die Hände, bald die Arme, bald andere Körpertheile an seinen Mund. Ich hatte Mitleiden mit diesen Menschen und fragte einen Jeden um die Ursache seines Elends, und ich fand, daß alle fünf den fürchterlichsten Hunger hatten. Als ich ihre magern Angesichler betrachtete, erinnerte ich mich der Worte des klagenden Psalmiften: „„Ich bin getroffen wie Heu, und mein Herz ist dürre: denn ich vergesse mein Brod z'u essen."" „WaS nützen euch," rief ich auS, „diese Dinge? ES sind nicht die natürlichen Speisen und mehr geeignet, den Hunger zu erregen, als zu stillen. Denn das Br»d der Seele ist die Gerechtigkeit, und glücklich sind nur Jene zu preisen, die darnach Hunger haben: denn sie werden gcsättigct werden. Denn nach dem Bilde Gottes ist gemacht die vernünftige Seele, die zwar mit Allem sich befassen, aber niemals ganz zufrieden gestellt werden kann; denn sie ist fähig, Gott in sich aufzunehmen, und nichts wird ihr Verlangen ausfüllen, was weniger ist, als Gott." Dieses sonderbare Gleichniß erzählte der honigflicßenve Bernardus seinen Schülern am Schlüsse der Erklärung deS Evangeliums: „Siehe, wir haben Alles verlassen und sind dir nachgefolgt." Der altehrwürdige P. Mathias aber hat diese Parabel nach der Fülle ihres SinncS und seines frommen Herzens auf folgende sinnreiche Weise gedeutet, vie auch für unsere Zeit paßt mit ihrem Hunger und Durft — aber nicht nach der Gerechtigkeit. 1. Die Geizigen und Habsüchtigen kauen den Sand des Meeres, das ist, Geld und Gut, mit beiden Backen; aber sie werden davon so wenig satt, als wenn sie Sand essen würden. Geld und Gut nützen den Geizigen so wenig als der Sand, weil sie selbes nicht anwenden, um sich Freunde und Abvocaten für die Ewigkeit zu machen. Wenn man auch manchmal gleichwohl mit Recht über die Arroganz der Armuth klagt, so ist doch auch die Hartherzigkeit mancher Wohlhabenden eine Veranlassung zum Aufschrei deS Armen an Gott und Mitmenschen. In einem Dorfe, daS wohlbemittelte Einwohner hat, war im vorigen Sommer ein armer Leerhäuöler krank, der wegen verschuldeten AnwesenS weder Arzt noch Arznei bezahlen konnte. Der Pfarrer und der OrlSvorsteher stellten demselben ein ArmuthSzcugniß bei dem Arzte auS, und glaubten auf die Mildthätigkeit der Gemeinde rechnen zu dürfen. Aber wie bitter sah man sich bei der Armenrechnung getäuscht, als dieser Armcnposten nicht zur Bezahlung anerkannt wurde! Wer war aber der Hanptgegner deS armen Kränkelt? Ein reicher Mann, der gar leicht allein diesen Posten hätte be- streiten können. — Mit Schrecken dachte ich an die Worte deö heiligen ChrysostomuS, daß daS Almosengeben eine christliche Pflicht sey, da ja sonst die Unbarmherzigen nicht auf die linke Seite gestellt würden. Der hartherzige Reiche hat viele Feinde, während der wohlthätige vermögliche Mann an den Armen viele Freunde hat, die ihm auch in der ankern Welt noch durch ihr Gebet nützlich seyn können. 2. Die Unzüchtigen athmen den abscheulichsten Gestank aus dem Schwefelsce ihrer fleischlichen Lüste ein und auS; denn waS ist cS anders, woran sie sich erfreuen, als die schändlichste Lust, die des Menschen Seele und Leib beschmutzt, die man vor den Augen der Menschen und vor dem Angesichte der Sonne verbirgt, und die ein geschämiger Mund nicht gerne anSspricht? Doch unsere Tage haben eine solche Geschämigkeit bereits abgelegt, wie von Wien und Rastalt berichtet wurde, wo die Emancipation deS Fleisches ihre schändlichsten Triumphe feierte, so, daß man an der Schwelle von Sodoma und Gvmorrha zu stehen scheint, und Deutschland bald in die Fußstapfen deS alten Romö treten wird, daS immer mehr in Verfall geriet!), je zerrütteter, wollüstiger und treuloser der Ehestand gehalten wurde. Bereits ist es in manchen Städten und Ortschaften so weil gekommen, daß rechtschaffene Eltern für die Tugend ihrer Töchter zittern müssen, wenn sie dieselben in den Dienst geben, da eS oft gerade so viel ist, als würden sie selbe in einen Venustempel schicken. Ein Theil der Armuth kommt eben von diesem Laster her; denn ein weiser Mann sagt: „Man malt die Liebe bloß — dieß hat seine gute Bedeutung. Denn sie macht manchmal so unverschämt, kein Hemd zu dulden, und oft so arm, keines mehr zu haben." 3. Die Feuerfunken, die begierig auS dem brennenden Ofen aufgefangen und gleichsam verspeist werden, sind die glühenden Rache- und Mord-Gedanken deS Zornigen. Denn daS Herz des Zornigen gleicht einem Glutofen, auS dem wie Feuerfunken die gröbsten Beschimpfungen und gräulichsten Gotteslästerungen, die ausgesuchtesten Racheübungen und grausamsten Mordthaten herausfliegen und ganze Gegenden in Brand stecken. Der Dornbusch wäre gerne König gewesen, aber weil er eS nicht wurde, darum ging Feuer vom Dornbüsche auS und verzehrte im Zorne LibanonS Cedern, tiefsehende und rechtschaffene Männer Deutschlands, die ! sich das Gewissen vom Dornbüsche nicht wollten zerreißen lassen, aber auch I die Hütten Derjenigen, die den Dornbusch zum Könige machten, wie wir ^ in Baden und in der Rheinpsalz sehen. Der Zorn will mit Leichen gefüttert und mit Blut getränkt seyn, und die Zornwunden deS HerzenS erzeugen wieder andere Wunden, so, daß unser unglückliches Vaterland einem Manne voll Blut und Wunden gleicht, der keinen Wundarzt findet. 4. Auf der Zinne deö Tempels sitzen die Stolzen und Hoch wüthigen und fächeln sich selbst.Wind zu, wenn ihnen die Untenstehenden nicht genug schmeicheln. „Der Hochmuth derer, die dich hassen, steiget immer." Diese Worte deS königlichen Psalmensängers, die er an Gott richtete, richten auch den Hochmuth unserer Zeit, der sich vor Gott nicht mehr demüthigen, der die Wahrheit nicht anhören, der seinen armen Mitbruder nicht ansehen will. Vor lauter menschlichem Respect vergißt man den Respect vor Gott, vor lauter Complimenten und Schmeicheleien versteckt sich die Wahrheit, und der unverschulvete Arme klagt eS nicht vergeblich seinem Gott, wenn der Stolze aus besserm Lehm gemacht zu seyn glaubt und seinen Mitgeschaffenen und MiterlöSten verachtet. Von der Zinne des Tempels, den sich der menschliche Hochmuth gebaut hat, müssen wir Alle, der Eine mehr, der Andere weniger, herabstcigen in das Thal der Demuth, und der Abgrund unserer Sündhaftigkeit muß anrufen den Abgrund der göttlichen Barmherzigkeit, damit wieder Gottes Gnaden- sonne die verfinsterten Herzen und Köpfe erleuchte. Aber dazu ist vor Allem nothwendig, daß das Licht der göttlichen Gnadenanstalt auf Erden, nämlich der Einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche nicht unter den Schüssel moderner StaatSklugheit gestellt werde, sondern frei leuchte. Wenn der Staat der Stadt Gottes auf Erden die Hände bindet, so sind auch seine Hände gebunden. 5. Der weise König sagt im Buche deS Predigers: „Der Thor frißt sein Fleisch." Und der heilige Augustin vergleicht den Neid mit dem Roste am Eisen, der es verzehrt. Unter dem fünften Manne also, den BernardnS an seinem eigenen Leibe saugen, nagen und beißen sah, verstehen wir einen Menschen, dem daS bekannte Sprüchwort in den Mund gelegt wird: „Die Saat auf dem fremden Acker ist fruchtbarer, und die Kuh deS Nachbars hat ein größeres Euter." Zu dem Geize, der Unzucht, dem Zorne und Stolze gesillt sich in unserer Zeit noch der Neid und die Unzufriedenheit und richtet großes Verderben in der menschlichen Gesellschaft an. Der Bürger beneidet den Beamten, der Bauer den Bürger, und keiner von diesen will mehr in seinem Geleise bleiben, weßhalb eS geht wie auf der Eisenbahn, wenn der Wagenzug von den gelegten Schienen abweicht und in einen Abgrund stürzt. Kleiderpracht und Genußsucht sind zwei Hebel der Hölle, welche in vielen Familien den Himmel deS FriedenS und des häuslichen Glückes aufheben. Denn eben der Neid ist eS, der Keinem mehr einen Vorzug gönnen will, und die Unzufriedenheit mit seinem Stande erregt im Herzen deS Armen die Mißgunst gegen Den, der mehr hat. Die vielen Wirthshäuser, Märkte und Tänze haben der genußsüchtigen Jugend gleichsam zum Dornbüsche gedient, woran ihr Geld, ihre Ehre, ihre Gesundheit und der Gehorsam gegen die Eltern hängen geblieben ist, und ein großer Theil der Verantwortung vor dem göttlichen Richterstuhle über daS ausgebreitete Verderben unserer Zeit kommt auf Rechnung Derjenigen, die dem Volke nur zu viele Gelegenheiten zur sinnlichen Lust gaben und über daS „Pfaffengeschwätz" spotteten, und so treffen wir denn gar häufig die fünf Männer deS heiligen BernardnS an, die Hunger und Durst haben nach Geld und Gut, nach fleischlichen Genüssen, nach Rache und Blut, nach dem Rauchwerke eitler Ehre und nach den Besitzungen und Genüssen des Nächsten, aber nicht nach der Gerechtigkeit, weßhalb der Ausspruch der ewigen Wahrheit an unS erfüllt werden wird: „Die Gerechtigkeit erhöhet ein Volk: aber die Sünde machet elend die Völker." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.- Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2» kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abon- nenten der Postzcitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags-Peiblatt znr Augsburger Postzeit nng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, M bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. S6 August 184S. Der heilige GenefiuS, Märtyrer unter Diokletian. -i- 26. August 286. Schon wankt im tiefen Grunde das Gemäuer, Am Gibcl leckt der Flamme lichte Glut; Die Eule flattert ängstlich in den weiten Räumen, Die schon Jahrhunderte ein Obdach ihr gewährt. Und stimmt in ängstlichem Gekrächze Wehmüthig sich die Todtenklage an. Der Riesenbau, der als ein zweites Babel Im Uebermuth des Heideuthumes sich erhob. Weicht aus den Fugen und die stolzen Meister Vermessen sich umsonst den wankenden zu stützen — Der Tag des neuen Baues ist genaht! Des Sturmes allgewaltig Brausen, Der dort im Aufgang von den hehren Zinnen Der Sionsburg, die Welt durcheilend, sich erhoben, Zieht siegreich durch des Reiches weite Marken, Vernichtend der Tyrannen frevelnde Gewalt. — Da lebte dort in der Cäsarenstadt am Tiberstrande, Die schon so viel des Märtyrbluts getrunken, GenefiuS — ein Mann im Schooß des Lasters Auf dem Theater, dem er diente, groß erzogen. Laut schallte ihm des Volkes Freuderuf entgegen. Und von des Kaisers festlicher Tribüne Begrüßte ihn des Beifalls hoher Wink, Wenn er des Spottes rohe Geißel Mit frechem Hohn über die Christen schwang. Rom widerhallte eben von dem Jubelsange, Mit dem das siegeSstolze Heer Den Kaiser Diokletian empfangen, Der seines Armes ungebeugte Kraft Bis an der Perser ferne Gränzen hingetragen. GenesiuS, des Kaisers grimmen Haß durchschauend, Mit dem er der verhaßten Christensecte Vernichtung längst und Untergang geschworen, Beschließt, im Angesichtc des Tyrannen, Umrausckt vom Beifallssturm des Volkes Der Christen heilige Gebräuche Auf dem Theater zu verhöhnen. — Er legt, ein Kranker, hin sich auf das Lager, Das auf der Scene ihm bereitet war. Indeß mit heuchlerischer Miene mitleidsvoll Der Frevcllhat Genossen ihn umstanden. „Ich fühle mich so schwer," seufzt er bewegt, „Könnt ihr mir, Freunde, keine Linderung gewähren?" „„Wie mag das seyn, fragt ihn die lose Schaar, „„Willst du wohl auf die Hobelbank „„Wie ein Stück, Holz dich legen, „„Das von des Tischlers Hand geglättet wird? „„Da wirst du sicher leichter werden!"" Darob erschallt aus allen Räumen der Rotunde Des Pöbels gellendes Gelächter Und lauter Beifallssturm umbraust die Höhnenden — »Ihr Thoren, ruft GenesiuS, vom Lager sich erhebend, „Kennt ihr sie nicht, die ungläubige Secte »Der Christen, die mit leichtem Muthe „Jedweder Bürde Druck ertragen; „Die, um die Last des Körpers zu erleichtern, selbst den Nacken „Voll freudiger Begier dem Henker bieten! »Wohlan auch ich verlange jetzt ein Christ zu werden, „Um mir des Christen LooS dort zu erwerbe», „Wenn er einst naht ihr großer Tag des Lohnes." — Nun wurden zwei von den Gefährten, Vertraut mit der Verstellung falschen Künsten Zum Bette des GenesiuS gerufen: Der Eine mit des ChristenpricstcrS heiligem Gewände angethan, 'Der Andere als Erorcist ihm dienend. ,j„So sage denn, mein Sohn, hub heuchlerisch der Priester an, Warum hast du zu uns gesendet, „„Was ist der Dienst, den du von uns begehrst?""— Da plötzlich dringt — wer will dem Herrn gebieten? Der Strahl der Gnade in des Frevlers Herz; Des Truges Nacht entschwindet seinen Blicken, Er schaut begeistert hoh'rer Wahrheit strahlend Licht, Das Herz erglüht in himmlischem Entzücken, Süß wie der Blüthe Schmelz, die aus der Knospe bricht. Erneuert von der nberird'schen Flamme, Die plötzlich ihn, wie Paulus einst Hinflössen, Entgegnet er voll ernster, heil'gcr Würde: „Ich wünsche, daß die Last, die mit des Unheils Banden „Des Geistes Ange mir umschlungen, „Gehoben werde von der Gnade Christi." — Die Lästerer, erneuten Scherz in dieser Rede wähnend, Begoßen nun, der Christen Taufe zu vollziehen. Des Kranken Stirn mit reinigendem Wasser, Umhüllten ihn mit weißem Taufgewande Und um die Bosheit zu vollenden, Ward er von einer Kricgerschaar geleitet, In schallendem Gespötte vor den Kaiser hingeführt, Um da als Märtyrer verhört zu werden. — Doch nun erwählte sich, was innen ihn ergriffen. Als er der Taufe Reinigung begehrte: In HimmelSwonne leuchtete des Auges Feuer, Entzündet von der Gnade Wunderkraft, Und mit dem heitern Muthe eines Märtyrers, Der kühn dem nahen Sieg entgegen schreitet, Begann er, heiliger Begeiferung voll, Sich zu dem Volke und dem Kaiser wendend: „Vernimm, Gebieter, höret Alle, „Der Rede hcil'gcn Sinn, die ich verkünde! „Das tiefste Nachgefühl durchwühlte mir die Seele, „Wenn nur der Name „Christ" mir in die Ohren drang, „Und mit des Grimmes Lästerworten „Beschimpfte ich — ihr wißt es — Alle, „Die den verhaßte» Namen trugen. „Ihr wäret Zeuge, wie ich der verhaßten Secte, „Die übermüthig unsers Schwertes höhnet, „Kühn mit dem Pfeil des öffentlichen Spottes „Das Lebensmark durchbohrte; „Seit ich der Christen heiligen Gebräuchen „Mit unverdroß'ner Mühe nachgeforscht, „Um sie vor euch dann zu entehren: „Nun hört und staunet! „Sobald das Wasser mir die Stirne netzte, »Und meine Zunge es gelobt, daß ich in Wahrheit glaube. 134 „Was scherzend sie aus mir gefragt; „Da sah ich eine lichtumfloff'ne Hand . ,Auf meinen Scheilel segnend nicderschweben „Und holder Engel Lichtgestaltcn „Umschwebten mich, ein Buch in Händen haltend. „Was ich verübt seit dem unsel'gen Tage, „Da ich als Kind das Gilt der Sünde „In lüsterner Begier getrunken, bis auf diese Stunde, „Da ich vor euch des ChristcngottcS Lehre „Mit frevlem Ucbermuth gehöhnt: „Das lasen sie — die tiefsten Falten meiner Seele „Wie in des Spiegels Lichte frei enthüllend — „Mir aus dem schwarzen Buche vor. „Dann tauchten sie es ein in dieses Wasser, „Mit dem man eben mich begossen. „Und siehe — es. ward weißer als der Schnee! — „Und nun crhab'ner Kaiser und ihr alle, deren Lippen „Noch von dem Hohn des Christengcttcs beben, „Vernehmt aus meinem Munde jetzt die Botschaft: „Es ist in keinem Andern Heil und keines Andern Wink „Hält mit alimächt'gcm Arm den Erdcnkrcis in seinen Angeln, „Als nur des ChristcngottcS Stärke! „Wag sind die leblosen Gebilde all der Götter, „Die stummen Zeugen irdischen Zerfalls; „Es ist nur Einer der da lebt, und Leben spendet, „Er ist der Schöpfer, kein Geschöpf, wie eure Götter! „Entstammend aus des Himmels lichten Sphären, „Die »och kein sterblich Auge je geschaut, „Hat er das Licht vom Himmel nnS gebracht, „Des Truges NäÄst, die auf der Erde lag, verscheucht. „Was sind die Lchmgchäud^urer Weisen, „Die der Natur Gesetze zu ergründen wähnen? — „Ein eitel Menschenwerk >y«r in sich selbst getheilt. „Der Christengott allein erschließt „Dem Sterblichen den Born der Wahrheit; „Erguickt das dürstende Gemüth, „DaS auf der Pilgerfahrt sich zu erfrischen sehnt. „Darum bekenne laut mit mir, crhab'ner Kaiser, „Des einz'gen Gottes Macht und alhcS'Volk lobpreise seinen Namen!"— So sprach GenesiuS. — Ein tiefes Schweigen Hält die erstaunte Menge lang gefesselt, Wie von des Höhcrn Hand gehalten! Doch eö war nur die dumpfe Schwüle, Ein Bote des anstürmenden Orkans, Der um die zorncrglühtc Stirne dcS Tyrannen Verderben drohend sich zusammenzog; „Führt ihn hinweg, rief er mit wuthcntbrannter Stimme, „Der unsern Göttern Hohn zu sprechen wagt; „Laßt auf der Folterbank ihn inne,werden, „Wie ihre Rache auf der Ferse den ereilt, „Der ihrer Macht zu spotten sich erkühnt." — Umsonst sucht der Präscet Plautinus Den gottbcgeistcrtcn Bekcnncr Schlau mit der Worte trügerischem Netze zu umgarnen. Daß er den Göttern vor dem Volke Weihrauch zünde! — GenesiuS bleibt seiner Rede treu. Vergebens wühlt der Folter Schmerz in seinen Eingeweiden, Der Rache grauser Sinrm zerschellt in seinem Muth. Ja in der Pein der ausgesuchten Qualen, Mit denen sie den Leib des Märtyrers zerfleischt, Ruft er mit lauter Stimme zu dem Christengctte, lind preist sich glücklich, leidend ihm zu dienen. „Wie lange, seufzt er, hing des Irrthums Binde „Mir um des Lasters trügerischem Bilde; „Jetzt hab' ich Ihn erkannt, dem alle Crcaturcn „J»> Himmel und auf Erden freudig dienen, „Nichts soll mich mehr von seiner Liebe scheiden, „Mein Blut fließt freudig seiner Ehre." — Und sein Gebet — es ward erhört. Plautin verzweifelte, den Muth Des Märtyrers zu beugen, Der immer lauter Christi Namen pries. GenesiuS, der noch vor wcu'gcn Stunden Mit innerin Gram des Christcngolts gefrevelt, Beut freudig jetzt sein Haupt dem Schwerte hin, Der Himmelslchre Wahrheit zu besiegeln Und seines Frevels schwarze That zu sühnen. _ Tasrathshofer. Winke zur Hebung der katholischen Presse. (Fortsetzung.) II. Von der Gründung neuer Blätter. Ueber diesen Abschnitt sind im Ganzen wenige Bemerkungen zu machen. Wir brauchen nur besonders hervorzuheben, waS schon in der Einleitung dieses Aussatzes gesagt wurde, nämlich daß man nur da, wo die Ortö- Verhältnisse dringend ein besonderes Organ erfordern, eins gründen solle. Dieß gilt eben so wohl von religiösen Blättern, als von politischen, daher wir jene Unterscheidung hier ganz fallen lassen können. Es ist ein wahres Elend, wenn man so mit ansieht, wie so zu sagen jede unbedeutende Ortschaft ihr besonderes Blatt haben will. Dadurch werden die arbeitenden Kräfte ungeheuer zersplittert und das ist eS, waS unsern Blättern meist ein kümmerliches Bestehen bereitet. Zwei nahe bei einander liegende Städte oder gar eine und dieselbe Stadt haben nicht zwei besondere Zeitungen nothwendig; eben so ist eS für eine und dieselbe Diöcese (allenfalls auch für zwei aneinandergränzende kleinere Diöcesen) nicht nöthig, zwei religiöse Blätter zu gründen. Eins verdirbt dem andern die Wirksamkeit und keinS von Beiden kann recht gedeihen. Man vereinige sich dahin, nur ein Organ zu gründen und dieses dann durch Bestellungen und schriftliche Beiträge tüchtig in die Höhe zu bringen. Die Presse sollte nicht in den Dienst gemeiner Eitelkeit und Speculation gezogen werden. Muß aber irgendwo ein besonderes Blatt gegründet werden, so find folgende Puncte zu beobachten. 1) DaS Blatt muß bei seinem Auftreten einen ökonomischen Grund und Boden haben, d. h. eS müssen Gelder zur Bestreitung oder Deckung der im Anfange nöthigen AuSlagen vorhanden seyn, auch wenn man voraussehen kann, daß sich vaS Blatt in kurzer Zeit heben wird. Die möglichst weite Verbreitung deS ProspectuS, die Anstellung eines Redacteurs, die Gewinnung von Mitarbeitern, welche nicht alle in der Lage sind, unentgeltlich zu arbeiten, Portokosten u. s. w. erfordern Geld. Ohne allen Fonds anzufangen, ist gewagt und der Nachtheil drückt in der Regel Niemanden mehr, als den Buchdrucker, der sein baareS Geld immer nöthg hat. 2) Das Blatt muß eine bestimmte Tendenz haben und diese streng festhalten und in allen Artikeln konsequent (jedoch nicht verletzend im Aus- drucke) durchführen. Bei religiösen Blättern gibt sick die Tendenz von selbst; sie muß kirchlich seyn. Aber bei politischen Blättern ist man nicht an ein bestimmtes politisches Bekenntniß gebunden. Welcher Regierungsform (die auf Ordnung und Gerechtigkeit gegründet ist) man auch daS Wort rede, man kann dabei ein ganz guter Katholik seyn. Eine bestimmte Richtung muß man aber einschlagen; damit will ich sagen: man darf nicht auS sogenannter weiser Vorsicht nach Rechts und nach Links abwechselnd hinflankircn; man darf nicht heute oder morgen, oder gar in einer und derselben Nummer, der neumodischen Demokratie ein Kußhändchen zuwerfen, dann rechts wieder einen LiebeSblick auf monarchischen Absolutismus richten, dann wieder einmal zur Abwechslung einen sympathetischen Seufzer nach der constilutionellen Partei abdrücken und zuletzt auch noch die rothe Republik mit zarten Fingern anfassen. Eine solche Wirthschaft heißt man nicht mehr Tendenz; es ist Pfuscherei im höchsten Grade, bettelhafteS Zusammenflicken der verschiedenartigsten Principien; eS ist die deutsche Zerrissenheit in Miniatur gemalt, eö ist reine Krähwinkelei, die vor übermäßiger Zweckmäßigkeit läppisch wird, und anstatt eS nach allen Seiten hin recht zu machen, von allen Seiten Ohrfeigen bekommt; ein solches Blatt ist wie ein Papagenokleid — bunt an Gefieder, aber ohne Einheit, ohne Charaker, daher lächerlich und verächtlich; ein solches Blatt kann z Niemand brauchen, gerade weil eS Jedermann mundgerecht seyn soll; ein solches Blatt verderbt mehr als eick heftig radicaleS Blatt, weil eine sieben- farbige Tendenz die Leute ganz wirr macht, während sie durch die konsequenten Rohheiten eines radicalen Blattes vielleicht schnell zur Besinnung kommen; ein solches Blatt löst sich vor übergroßer Klugheit in lauter Dummheiten auf und erhält vom gesummten Publikum gar bald einen tödtlichen Fußtritt. ES gibt jedoch ein Stehen über den Parteien, welches keineswegs zu verwechseln ist mit jenem buntgemischten MeinungSsalat, wie ich ihn vorhin angedeutet habe. Ich meine jene Anschauung, die in der Religion ihre Wurzel und ihren Grund hat; eine Anschauung, welche Gott als den Erzieher deS Menschengeschlechts betrachtet und demgemäß die verschiedenen Schicksale und Führungen der Menschheit als höchst weise und heilsame, wenn auch uncrforschliche Wege des Allbarmherzigen und Allmächtigen ansieht. Demgemäß wird eine solche Richtung sich folgendermaaßeu kundgeben. Sie wird die rechtlich bestehende Obrigkeit, als eine von Gott 135 gesetzte oder doch mit Gottes Zulassung bestehende, achten und ihr in allen rechtmäßigen Forderungen die Pflicht deö Gehorsams zugestehen, bei unrechtmäßigen Berfiigungen aber anrathen, daß sich die Unterthanen mit allen ihnen gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln dagegen verwahren. Die Christen der Vorzeit waren eben so gute Christen unter Nero, Domi- tian u. s. w. wie unter Konstantin dem Großen; sie waren bessere Christen wie wir eS heut zu Tage sind, wo die politische Farbe oft hoher geschätzt wird, als daS eigene Seelenheil und daS Wohl der Kirche. Gelingt die eingelegte Verwahrung nach Wunsch, so ist eS gut; beharrt die Obrigkeit auf ihrer ungerechten Bahn, so ist es besser, Unrecht leiden, als Unrecht thun. Zur Empörung wird eine solche Tendenz weder dircct noch indireci anreizen. Eine Tendenz, die auf solcher Anschauung beruht, wird sich vor Allem der zahlreichen Lebensfragen bemächtigen, welche zur Aufstellung und Handhabung einer guten Verfassung erst den Grund legen sollen; also wird sie suchen, der geistigen und physischen Verarmung und Krankhaftigkeit abzuhelfen, überzeugt, daß unS auch die beste Verfassung nichts nützen kann, wenn die Leute, denen sie gegeben wird, nicht diejenigen sind, die an gehöriger Stelle gut zu befehlen und gut zu gehorchen verstehen. Kurzum: sie wird das Reich Gottes sammt seinem Tugendschmuck, ohne welchen keine wahre Freiheit, kein wahrer Friede Aller gedenkbar ist, nach allen Beziehungen hin aufzurichten suchen. Da aber die Besserung eines tiefgesunkenen, von Gott vielfach abgefallenen Volkes nur sehr langsam von Statten geht und inzwischen doch eine Verfassung gemeinsam aufgestellt werden muß, so wird sie die christliche Gerechtigkeit (nicht die lügnerische Gerechtigkeit der von Parteiwuth kochenden Factioncn) sich zum Maaßstab nehmen und nach dem Grundsätze: „WaS du willst, daß dir die Menschen thun sollen, das thue ihnen auch!" Freiheit für sich und Freiheit für Andere begehren. Es versteht sich da von selbst, daß solche Frankfurter Lahmheiten, wie die, welche sowohl „Redemptoristen" als auch „Liguorianer" auf ewig verbannt wissen wollte, bei ihr nicht vorkommen. Die Berichte, welche pon den Kriegsschauplätzen kommen und sonstige Nachrichten, werden von einem Blatte der eben vorgezeichneten Tendenz nicht durch eine gefärbte Brille, sondern sehr vorsichtig, rein objectiv — so weit sich der Kern der Wahrheit ermitteln läßt — betrachtet und den Lesern vorgeführt werden. Gegen Lügen und sonstige Schändlichkeiten, in welchem Partei-Heerlager sie auch vorkommen mögen, wird eS ernst und entschieden zu Felde ziehen. Durch eine solche Tendenz leistet man dem Volke wahrhaft einen Dienst; der Stimme eines solchen Blattes wird es ein williges Gehör leihen und selbst die verschiedenen Parteien werden es, sofern sie nicht total verblendet sind, achten müssen, da ein solches Blatt im Dienste der höchsten Macht steht und der Wellenschlag der empörten TagcSleidcnschaften in der That nur zu seinen Füßen plätschert und ihm nie bis an den Hals kommen kann. Natürlich kann so ein Blatt sein Daseyn nicht mit bloßer Handhabung des NothstifteS fristen; eS erfordert viel Arbeit und'muß um so eifriger unterstützt werden. In einer Zeit, wo man auS dem allein richtigen „prinoi- PÜ8 obgta" ein bornirtcs obsta" machen möchte, sind Blätter von solchem Geiste von besonderer Wichtigkeit, aber leider noch sehr selten. 3) DaS dritte Erforderniß ist ein tüchtiger Redacteur, welcher sowohl den Willen als auch die Fähigkeit hat, eine gute Tendenz durchzuführen, und der auch obendrein in schriftlichen Arbeiten geübt ist. Dieser Redacteur muß sich ganz und gar dem Blatte widmen können und darum eine sorgenfreie Existenz erhalten. Wird eine Redaction nur nebenbei betrieben, so kommt nichts dabei heraus. 4) Um dem Blatte wo möglich gleich Anfangs eine ordentliche Existenz zu schaffen, thut man gut, Subscriplionen aufzunehmen; dieser Weg ist an manchen Orten noch keineswegs abgenutzt. Betheiligung durch Actien dürfte auch nicht zu verwerfen seyn, zumal bei kleineren Blättern. Man wolle überhaupt nicht gleich hoch oben hinaus mit seinen Plänen; daher lasse man daS Blatt fortwährend in einem mäßigen Formate erschei- neu, nicht in einem übermäßig großen, wie eS in neuester Zeit an manchem Ort Sitte geworden zu seyn scheint. Die Güte eines Blattes wird nicht nach Quadratmeilen, sondern nach seinem innern Gehalt bemessen; rS ist genug, wenn es täglich erscheint. Wer kann und mag täglich so ungeheuer große Blätter lesen? Ein gutes Mittel, Abonnenten anzuziehen, ist die Beigabe von gutem UnterhallungSstoff, damit auch die Frauen etwas zu lesen haben. Die Frauen haben in den Familien oft eine wichtige Stimme, wenn es sich darum handelt, eine Zeitung an- oder abzuschaffen. Ist ein neues Blatt auf diese Weise zu Stande gekommen, so bleibt, nach dem waS im Vorhergehenden über die Förderung schon bestehender Blätter gesagt wurde, nichts weiter zu erörtern übrig. Wir gehen also über zur Besprechung derjenigen Volksliteratur, welche nicht zu den periodischen gehört, sondern in zwanglosen Heften oder einzelnen Bündchen erscheint. (Schluß folgt.) Ein vertraulicher Brief an einen «katholischen Freund. 4 Deine Hand, hochgelehrter Mann, die neulich so freigebig mir zu Ehren war, gibt mit heule die Feder in die Hand, um meinen Dank Dir abzustatten, den ich Dir schuldig bin. Ich bin mit meinem Begleiter in Eure Stadt gekommen, Dir unbekannt und anderer Religion, als der Deinigen. Wir bekennen unS zur Römischen, Ihr zur AugSburger. Du hast unS als Gäste in Dein HauS geführt, das sich durch Eleganz und geschmackvolle Einrichtung auszeichnet. Nicht genug. Auch die Denkmäler Euerer Stad( und die Werkstätten der Künstler hast Du mit größter Bereitwilligkeit den Gästen geöffnet und sogar das Honorar für uns bezahlt. Deine ganze Güte gegen die Fremdlinge war eine Dienstleistung für sie; eS ist also billig, daß sie Dir zum Heile gereiche. Um dieses habe ich für Dich täglich am Altare gebetet und werde darum beten, so oft ich an selbem stehe. Möge die himmlische Gottheit meine Wünsche für Dich erhören und Dich auf den Weg führen, auf dem Du sicher in die Ewigkeit wanderst. Bester Mann, verbinde mit meinen Bitten die Deinen, damit Du wünschest, waS Dir nützlich ist. Ein Gott, Ein Glaube! Wir halten unS an den alten, Du mit den Deinigen an den neuen. Wer von unS Beiden auf dem sicherern Weg wandle, wird die gesunde Vernunft eingeben. Alt sind unsere Gebräuche, alt unsere Gesetze, alt ist bei unS Alles, wenn Du zu forschen Dich nicht weigerst. Daß Du dieses in den Glaubensartikeln Euers Martinas nicht findest, habe ich in der letzten Rede gezeigt, die ich gehalten. Gewiß, Deine Religion benimmt Dir nicht alle Furcht, die unselige kann cS nicht, weil Du sie nicht annimmst. DaS beständige Herumdrehen im Zweifel macht Dein Leben bitter, aber »och bitterer dessen AuSgang. Damit Du diesen vermeidest, wähle daS Sichere! Wenn Deine Glaubensregel, die Du inne hast, kein verläßiger Führer zur Seligkeit ist, so bitte um Belehrung; bist Du aber belehrt, so verwirf die Belehrung nicht. BeideS gibt der Vater der Lichter dem, der in Wahrheit darum bittet. Zwischen zweifelhaften Fußpfaden muß man auf dem sichern gehen, obwohl er felsig und uneben ist. Im Fortgehen wird nach und nach der Reiseweg immer mehr geebnet, so, daß es nicht nur sicher, sondern sogar angenehm ist, Weiler zu wandern. Glaube so vielen Tausenden, welche mit Vergnügen den Weg passiren, welchen Du scheuest. Rechne unter diesen auf mich zuerst, der ^ir dieses ernstlich wünscht, weil er Dein Seelenheil will. Auf diesem, Wege würde ich wahrlich nicht gehen, wenn ich mich vor Irrthum fürchten müßte. Auch Du wirst daS nicht thun, da Du weise bist. Die furchtsame Hoffnung, welche Dir eine weichlichere Lehre vorstellt, darf Dich nicht von der strengern Lebensweise abwendig machen. Unumstößlich sey Dir der Grundsatz: „Hier Irren ist ewig Irren." Aber Du klagst, Laß zwei Berge Dir entgegen stehen, nämlich die zeitlichen Güter und der vertraute Umgang mit Gleichgesinnten. O Du unglücklicher Wanderer! Du stürzest Dich mit den Deinigen in eine Grnbe, während Du sicherer mit den Uebrigen inS Vaterland gehen könntest. Nicht darauf mußt Du schauen, mit wem, sondern wohin Du gehest. Wenn Du das Ende Beider betrachtest, so richte Dein Leben nach dem Gesetze Jener ein, deren Ausgang Du wünschest. Die zeitlichen Güter liebst Du zärtlicher, als cS geziemend und nützlich ist. Wenn man sie entbehren muß, so ist eö besser, sie zu entbehren, als den Himmel zu entbehren. Den Verlust derselben kann Dir Gottes Güte im gegenwärtigen Leben noch ersetzen, und wird es auch thun, wenn es Deinem Heile zuträglich ist. Anders sollst Du nicht wollen. Du wirst Oben reicher seyn, wenn Du Unten genügsam bist Ein großer Gewinn ist eS, um Erden- tand sich den Himmel zu erkaufen. Aber diese höhere Wahrheit schreckt den Furchtsamen, der noch nickt fähig ist, Höheres zu kosten. Wage eS nur einmal im Vertrauen auf Gott, und Du wirst können. Vor Einem hüte Dick! Verriegle nicht Dein Ohr dem Rufenden. Günstige Sterne mögen Dir leuchten, daß Du recht sehest und folgest. Dazu ruft Dich die heilige Wahrheit und daS Gewissen: daß Du eS thuest, Deine ehrenvolle Stellung, und dein gutes Herz läßt eS mich hoffen. Du weißt, bester Mann, daß man einmal fortwandcrn muß auS dieser Eitelkeit. Bereite also daS zu, waS Dich hier ruhig und dort selig macht. BeideS erflehe ich Dir auS vollstem Herzensgründe von Gott und verspreche Dir meine Beihilfe im Gebete. Lebe wohl! Bonaventura'S Parabeln. 4 Da ich einmal bei einem alten Pfarrherrn in der Seelsorge Aushilfe leistete, fand ich einen neuen, noch ungekannten Schatz in dem Buche: „Die Parabeln deS Vaters Bonaventura; ein vortreffliches HilfSbüchlein für Seelsorger, Lehrer und Eltern zur Versinnlichung christlicher Wahrheit 136 und Sittenlehre." Mit Genehmigung des hochwürdigsten Ordinariats RegenSbnrg. Sulzbach, in der I. F. v. Seidel'schen Buchhandlung. Zweite unveränderte Auflage. 1835. 1 fl. Dieser Bonaventura ist der Verfasser deS „betrachteten Evangeliums," und schon dieser Umstand ist hinreichend, die weitere Verbreitung dieser Parabeln zu empfehlen, die besonders zur Lectürc nach dem Religionsunterrichte in der SonntagSschnle geeignet sind, um daS Leben von der ernsthaften Seite kennen zu lernen. Rom. Rom, 1. Aug. Die Bischöfe Neapels und Siciliens haben das Ersuchen an den König beider Sicilien gestellt, er möchte möglichst bald die P. P. Jesuiten wieder in seine Staaten zurückberufen. Der König hat das Gesuch dem heiligen Vater vorgelegt. Vielleicht haben Sie in öffentlichen Blättern gelesen, daß letzthin der General der Augustiner-Mönche im Kloster Oasü c- lUaria dahier von der Militärregierung verhaftet, und öffentlich vom Militär durch den Corso geführt wurde. Man erzählte die verschiedensten Dinge als Ursache, und die Schadenfreude war sehr geschäftig dabei. Man habe Comprvmittirte dort versteckt gehabt, sagten die Einen; Andere: man habe dort Kirchen- schätze versteckt und angegeben, die Anarchisten hätten sie ihnen gestohlen; wieder Andere: französische Officiere hätten im Kloster um Wohnung nachgesucht, und seyen dort insultirt worden; ja die Mönche seyen sogar mit Dolchen ihnen zu Leibe gegangen u. dgl. m. Ich kann Ihnen aber aus sicherer Quelle sagen, daß an all' diesen angeführten Gründen kein Wort wahr ist, und folgendes die Ursache der Verhaftung war: General Oudinot hatte in seiner Proklamation befohlen, daß, während er mit den Truppen einziehe, alle Kirchen offen seyn müssen, damit nicht etwa revolutionäre Schaaren in denselben sich sammeln, und aus die Truppen schießen, wie eS z. B. in Livorno gegcgen unsere Truppen geschehen. Die Kirche Oosü e Naria blieb aber zu, und es mußte um so mehr auffallen, als diese Kirche am Corso steht, und eine Treppe von mehreren Stufen zum Portal führt. Der Ordensgeneral erklärte, daß es nur auS Vergessenheit in jenen Stunden der größten Bewegung und Aufregung, und nicht mit der geringsten Absicht geschehen sey, worauf er sogleich wieder in Freiheit gesetzt wurde. Ein Privatbrief, welchen ich letzthin aus dem Vaterlande erhalten, enthält unter Andern: auch folgende Stelle: „Wir lasen in den katholischen Blättern auS Tirol alle die Gräuelthaten, welche in Rom überhaupt, insbesondere aber an dem Klerus, den Kirchen und Klöstern verübt wurven, mit tiefem Schmerz! Wo sind nun jene vielen mißhandelten und vertriebenen Mönche und Nonnen? Werden sie wohl je wieder in ihre Klöster zurückkehren können? u. s. w." Dieselben Fragen dürfte vielleicht mancher der Leser dieser Blätter an sich selbst und Andere stellen, daher will ich sie, so weit ich'S vermag, auch in demselben Organ beantworten. Die Jesuiten, welche, wie in der Schweiz, in ganz Italien unv Oesterreich auch hier zuerst vertrieben wurden, sind die meisten nach Amerika, England und Frankreich gezogen. Manche sind als Weltpriester in Italien herum zerstreut. Mlt ihnen hat der Krieg gegen die Kirche begonnen. Nun sehen eS viele ein, welche damals vornehm over hochgelehrt lächelten, daß man so einfältig seyn konnte, der Auflösung, Vertreibung und Verfolgung dieser OrdenSmänncr eine so große Bedeutung beizulegen. AuS andern Orden wanderten viele von hier weg, und suchten in andern Ländern und Staaten bei ihren OrdenSbrüdcrn Unterkunft. Manche lebten als Welipriester, und als diese nun auch verfolgt wurden, weltlich gekleidet als Private bei Verwandten und Freunden. Mehrere wurden Opfer: Mancher unter Menchlerhand, Andere auf sonst gewaltsame Weise. Andere erlagen dem Kummer und den leiblichen Strapazen, wie Zeitungen der verschiedensten Farben genügend berichteten. Im gestrigen Oiorimlo äi Iloma ward angezeigt, daß die Dominicaner in sopra lUinerva ein feierliches Requiem für ihren grausam ermordeten Pfarrer abgehalten haben. Laicnbrüder traten in Dienste bei christlichen Familien. Nonnen drängle man auS 4 — 5 Klöstern verschiedener Orden in eines zusammen. Manche zogen das weltliche Kleid an, und suchten eine Herberge bei Verwandten und Bekannten. Manche zogen nach Neapel und nach Frankreich. Novizen wurden seit ein paar Jahren sowohl in Männer- als Fraucnordcn, wie sich unter solchen Umständen von selbst versteht, keine mehr aufgenommen. Alte, kränkelnde und gebrechliche Personen unterlagen diesen Verfolgungen, während sie in ruhigern Zeiten und ungestört in ihren Ordenshäusern vielleicht noch viele Jahre gelebt haben würden. So ist denn die Zahl der geistlichen OrdenSmitglieder um ein Bedeutendes vermindert worden. Den Nonnen sind hier in der Hauptstadt schon wieder ein paar Klöster zurückgegeben worden; in den Provinzen wird eS wahrscheinlich im Verhältnisse auch geschehen seyn. Dasselbe ist bei den Mönchen der Fall; die Zerstreuten oder in einzelne Klöster Zusammgedrängten kehren in ihr Eigenthum zurück, und theilen die Räume brüderlich mit den französischen Truppen. DaS NoviciathauS der Jesuiten, welches nach Vertreibung derselben den alten gebrechlichen, die nicht wegziehen konnten, als Asyl gelassen ward, obgleich sie während der Republik von einem Ort zum andern geschleppt wurden, ist den noch am Leben gebliebenen Gebrechlichen wieder zum Theil zurückgegeben worden; und, wie oben gesagt, wünschen die neapolitanischen und sicilianischen Bischöfe ihre Rückkunft inS Königreich Neapel. Daß aber die Zahl der Ordenspersonen beiderlei Geschlechts vermindert bleiben oder noch mehr vermindert werden wird, ist außer Zweifel; denn der Staat ist nun so verschuldet worden, daß, wenn der Papst nicht genöthigt wird Klostergüter zu verkaufen, sie doch so schwer besteuert werden, daß eS die Aufnahme von Novizen auf viele Jahre sehr erschweren oder gar unmöglich machen, und so manche Gemeinde nach und nach völlig aussterben muß. (K. Bl. a. T.) PirrSvereine. Aachen, 3. Aug. Die katholischen Vereine hier und anderwärts, welche mit Ausnahme deS Trierer PiuSvereines die Betheiligung an der Abgeordnetenwahl jedem Mitgliede freigelassen, ohne sich als Verein für daS eine oder andere auSzusprechen, haben ohne Zweifel dadurch daS Richtige getroffen, obschon sie mit der frühern thätigen Betheiligung an den Wahlen durch die Neutralität in Widerspruch geriethen. Die katholischen Vereine haben hierin dem Grundsätze, Politisches möglichst auS ihrem Bereiche auszuschließen, faktisch beigestimmt und einen Weg angedeutet, der wohl in alleweg von ihnen einzuschlagen seyn dürfte. DaS Gebiet der Wirksamkeit für die katholischen Vereine ist, auch abgesehen von der Politik, sehr ausgedehnt; und wenn sie auf diesem reinkirchlichen Gebiete (wozu allerdings auch die sogenannten socialen Fragen zu rechnen sind) mit Eifer und Opferwilligkeit in ächtkatholischem Geiste arbeiten, so werden sie gerade dadurch auch auf die politischen Zustände einen größer:: Einfluß gewinnen, als dieß anders der Fall seyn könnte. Die Pflege einer ächtkatholischcn Gesinnung und Gesittung ist daS kräftigste Schutzmittel gegen jede politische Entartung und Abirrung; dieß können katholische Vereine nicht genug im Auge behalten, um eineStheilS nicht politischen Parteiführern in die Hände zu fallen, und anderntheilS nicht der Sache der Kirche hemmend und hinderlich zu werden. Die Kirche selbst aber hat unS in ihrem Organismus ein sicheres Mittel in die Hand gegeben, um nicht von Dem abzuweichen, was sie will. ES ist der enge Anschluß an die kirchliche Hierarchie im Allgemeinen und die vertrauensvolle Verbinvung mit dem eigenen Oberhirten insbesondere. Die katholischen Vereine sollen nur DaS, waS die Bischöfe wollen und erstreben, unterstützen und fördern, so weit eS in ihren Kräften liegt, keineswegs aber in die bischöfliche Oberhirtenpflege eingreifen wollen. Die Bischöfe sind vom Herrn bestellt, die Kirche GotteS zu regieren, und waS nur auf den katholischen Namen oder besser auf daS katholische Wesen Anspruch macht, wird nimmer in daS Kirchenregiment übergreifen, noch weniger gegen dasselbe Opposition machen wollen. Man wähne nicht, daß dieß eine Beschränkung der katholischen Vereine seyn könne. Abgesehen, daß dadurch politische Fragen keineswegs ganz ausgeschlossen seyn sollen (wie ja selbst die Bischöfe oft zur Betheiligung an dei: Wahlen aufgefordert), gibt die Zeit gewiß Veranlassung in Fülle zum Wirken, und um so ausgedehntere Veranlassung, je freier die Kirche gestellt ist. Die Gründung kirchlicher Institute (versteht sich im Sinne der Diöcesan-Oberen), die Förderung katholischer Zwecke (der Missionen, der Presse, deS Cultus:c), die Mehrung und Ausbreitung katholischen Glaubens und LebenS: dieß und anderes bietet so reiche und ausgedehnte Wirkungskreise dar, daß eine Erschöpfung und Erledigung nicht so leicht eintreten kann. Und in allen diesen Puncten ist eS die Aufgabe der katholischen Vereine, den feindseligen in der Politik oder in der bürgerlichen Gesellschaft liegenden Elementen kräftig entgegen zu wirken und für unsern Episkopat eine eherne Mauer zu bilden zu Schutz und Trutz. (Kath.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen Verlags-Inhaber; F. C. Krem er. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 28 kr., ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzcitnug werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 28 kr. Neunter Jahrgang. s. September 1848. Rede gehalten bei der Eröffnung der Volksversammlung in Mering von A. Lindenbaur, Pfarrer und Kämmerer in Mering, H. Vorstand des Vereins für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit, am 15. Aug. 1849. VerehrungSwürdige Versammlung I Wir vollendeten so eben in den heiligen Räumen deS hiesigen Pfarr- gotteshauseS das Hauptfest eines religiösen VereinS — einer Bruderschaft, die sich eines 200jährigen Bestandes zu erfreuen hat. Nun sind wir hie- her gekommen, einen Verein für gleichfalls wichtige Zwecke durch Abhaltung einer Volksversammlung feierlich in sein Daseyn einzuführen. Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, die geehrte Versammlung zu begrüßen und willkommen zu heißen, dann ein einleitendes Wort zu sprechen über die Bedeutung und den Zweck deS VereinS. Um aber meiner Aufgabe genügend entsprechen zu können, möge es mir erlaubt seyn, etwas weiter auszuholen. In welchem Zeitmomente findet unsere Versammlung statt? In einem Momente, wie sie nur nach Jahrhunderten wiederzukehren pflegen; an einem Wendepuncte der Geschichte, wo die alte Ordnung in.Trümmern untergeht, und eine neue Weltperiode sich gebären will; in einer Zeit der Entscheidung, des Gerichtes, deS Schreckens, der Hoffnung, wo Alles, was nicht ewig ist, in Frage steht, wo wir, wie sonst fast niemals, in der allmächtigen Hand GotteS unS fühlen. Wer könnte dieß läugnen? Als im vorigen Jahre der Winter zu weichen und der FrühIingS- hauch zu wehen begann, wurde Europa von den SturmeSwehen einer Bewegung ergriffen, welche alle Stützen der gesellschaftlichen Ordnung erzittern machte. Alle Wünsche, gute wie böse, ungerechte wie gerechte, drangen ungestümm hervor gleich dem Gießbache, welchen der thauende Schnee geschwellt hat; alle Entwürfe, ausführbare wie unausführbare, verderbliche wie heilsame, glaubten ein Recht zu haben, in der Schnelle deS Augenblickes befriedigt zu werden. Ueber dem verworrenen Drängen und Treiben lächelte ein Stern der Hoffnung: denn manches Vermoderte sank in den Staub, dem es angehörte, nicht wenige Mißbräuche wurden abgestellt. Aber daS Glück wollte nicht kommen, und die Gerechtigkeit entfloh. Leidenschaft und Eigennutz traten mit verwegenem Trotz in den Vordergrund: die Freunde der Ordnung und des Friedens schmiegten trotz ihrer ungeheuern Mehrzahl sich schüchtern zur Seite. Frömmigkeit und Gottesfurcht wurden gehöhnt, Kirche und Geistlichkeit gelösten; die Zartheit deS Pflichtgefühls wurde als Sklavensinn und Albernheit ausgedeutet; Revolution, d. h. gewaltsame Umwälzung alles Bestehenden, ward als ein Recht der Menschheit gepriesen. Jeder Versuch, zu beschwichtigen und zu dämmen, wurde Tyrannei, Reaction, Verrath an der Freiheit gescholten, und den Herrschern, die Gott zu Schirmherren der Gerechtigkeit bestellt hat, sollte keine andere Rolle bleiben, als durch immer neue Zugeständnisse ihre eigenen Throne zu stürzen. Die Sturmglocken heulten, die Barricaden erhoben sich, der Meuchelmord schritt an sein finsteres Werk. Sachsen, Baden, Oesterreich im Kampfe mit Ungarn, Italien, die Weltstadt der Christenheit — Rom haben Mord und Brand, Leichenhügel und Trümmerhaufen der Verwüstung gesehen. Von unserm Vaterland Bayern ward nur die aufständische Pfalz mit diesen Gräueln heimgesucht. Betrachtungen dieser Art waren eS ohne Zweifel, die in unserm deutschen Vaterland Vereine zum Schutze der bestehenden Ordnung und zu ihrer gesetzlichen Fortbildung gegen gewaltsamen Umsturz hervorriefen. Auch in unserm Vaterland Bayern hat diese Betrachtung längst Jedem das Gefühl aufgedrungen, daß eS der Vereinigung aller guten und gesunden Kräfte, und der Verständigung und des Zusammenwirkens aller Edlen und Tüchtigen der Nation bedarf, um die heiligsten Güter der Menschheit durch die Sündfluth der Revolutionen in die neue Zeit zu retten; nnv diese Gesinnung war eS auch, welche die Männer beseelte, die in München im Monat Mai deS voriges Jahres zusammentraten, um den „Verein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit" zu gründen. Dieser Baum, der in der Residenzstadt BavernS so viele Wurzeln gegraben, hat mittlerweile in allen Provinzen vielversprechende Zweige getrieben. Ein solcher Zweig beginnt auch aufzublühen in unserm Landcapitel Bayrmünching, daS seine Dorfschaften in drei Landgerichte» hat: Friedberg, Bruck und LandSberg. Gemäß ihrer organischen Verbindung hat der Zweig gleiche Bestimmung wie der Baum, und gleichen Zweck. Der Zweck aber, den der Verein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit zu erreichen strebt, ist: Mit gemcinschastlichen Kräften dahin zu wirken, daß die Freiheiten, welche durch die königliche Proclama- tion vom 6. März vorigen Jahres bewilligt worden sind, einerseits nicht zum Umstürze mißbraucht, andererseits nicht zum Rückschritt beeinträchtiget werden. Der Verein wird daher streben, die Anhänglichkeit an daS angestammte KönigShauS zu befestigen, und daS gegenseitige Vertrauen zwischen Regierung und Volk in jeder Weise zu beleben und zu kräjffgen, und zu diesem Behufe an der Lösung der wichtigsten Fragen, von denen die Gegenwart bewegt wird, mitwirken. Wir sind seit lange im Besitze einer Verfassung, die alle Keime zu jeder heilsamen Verbesserung und Entwicklung auf friedlichem, gesetzlichem Wege enthält, wenn nur Jeder aus unserer Mitte mit Muth, mit Festigkeit und Thätigkeit seine Pflicht erfüllt. Ober soll unS etwa unsere Verfassung darum minder theuer seyn, weil wir sie nicht den Barricaden und vergossenem Bürgerblute, sondern dem freien Willen unsers KönigS Maximilian I. verdanken? Zwar glaubte der Hochmuth der ehemaligen Nationalversammlung von Frankfurt alle bestehenden Regierungen Deutschlands durch den Hauch ihres Mundes zerbrechen zu können, und befeindete auch unsere Verfassung. Aber die Weisheit und umsichtSvoll berechnende Klugheit unserer Regierung hat die Gefahren abgewendet. Am Frankfurter Parlament ist aber wahr geworden, was daS Sprüchwort sagt: „Hochmuth kommt vor dem Falle." Auch sollte die Welt inne werden, daß der Bestand und das Heil der menschlichen Gesellschaft nicht beruhe auf äußeren Gesetzen und StaatSfor- men, nicht auf einem künstlichen Mechanismus, nicht auf Künsten der Politik, nicht auf den Combinationen deS Handels und der Industrie, nicht auf materiellen Mitteln, nicht auf dem Gewebe egoistischer Interessen, auch nicht auf glänzender Intelligenz und umfassender Verstandesschärfe — sondern ganz und gar auf der Gesittung und dem Gewissen des Volkes, auf innerlicher Gerechtigkeit, auf versöhnender und helfender Liebe. Und diese Gesittung, dieses Gewissen, diese Gerechtigkeit, diese Versöhnung und Liebe, — ohne welche auf die Dauer auch die irdische Wohlfahrt nicht bestehen kann, — diese wurzelt allein in dem Christenthume, und schöpft nur auS ibm Wahrheit, Kraft und Leben. Wir haben deßwegen noch eine andere Verfassung, die in ihren wesentlichen Zügen göttlichen Rechtes ist, also unabänderlich, unwandelbar, über alle Zeitenstürme erhaben. Dieß ist die Verfassung der katholischen Kirche, die nach ihren Principien die festeste Stütze aller geselligen Ordnung ist. ES ist daher auch Hauptaufgabe deS VereinS, die derselben gebührenden Rechte zu wahren, die religiöse Freiheit der Kirche zu verlangen, zu behaupten, zu vertheidigen. Vom bayerischen Volke wissen wir zwar nach AuSweiS einer tausendjährigen Geschichte, daß eS mit seinen Fürsten Glück und Wohlstand genoß, so lange und weil beide der Kirche getreu geblieben, und daß ihre bürgerliche Freiheit segensvoll blühte und gedieh 138 im milden Lichte des Christenthums. Ich dürfte nur Namen nennen aus dem bayerischen Regenten-Geschlechte, wie einen Wilhelm den IV., den Standhaften, der gleichsam Blut unv Leben verpfändete für die katholische Kirche, oder seinen Sohn Albrecht den V., den Großmüthigen, den selbst die Vätcr dcS Concils von Trient die stärkste Schutzwehr der Religion und dcS heiligen Stuhles nannten; einen Wilhelm den V. den Frommen; den großen Churfürsten Marimilian I., der Bayern zu einer weltbedeutcnden Macht erhoben hat, und den die Geschichte den Retter deg Katholicismus in Deutschland im dreißigjährigen Kriege nennt: nur solche Namen darf ich nennen, um unS in Cnnnerung zu rufen, waS sie der Kirche, und waS sie ihrem Volke waren. Auch wären wir undankbar, wollten wir vergessen, daß unter König Ludwig!. Bayern sich zum ersten katholischen Staat in Deutschland und zum Rang einer eigentlichen Großmacht emporgeschwungen hat, und waS er für Kirche, Schule, Kunst und Wissenschaft gethan. Auch Marimilian II, dessen Wahlspruch Freiheit und Gesetzmäßigkeil ist, bauet sein und seines BolkeS Glück auf Religion und Kirche. Bon dieser Seile her wäre demnach für die religiöse Freiheit nichts zu fürchten, wenn eS nicht Diplomaten und Staatsmänner, Rathgeber und Volksvertreter gäbe, die, vom Geiste der Verneinung be- herrscht, etwas ganz anderes wollen. Haben wir ja doch die Worte vernommen, die ein bayerischer CultuSmiiuster in der Nationalversammlung zu Frankfurt auözusprechen wagte, indem er behauptete, vaß die Verfassung der Kirche einer radicalen Aenderung bedürfe, und von Grund auS umgestaltet werden müsse. Aber Dr. DöUinger und Dr. Sepp, diese ritterlichen Kämpfer für Kirche und ihre unantastbar heiligen Rechte, haben diesem unbefugten Reform-Projecranten eine wohlverdiente Lection gegeben, und eine totale Niederlage beigebracht. Eine ganz andere Sprache führt der gefeierte Staatöminister von der Pfordten, der am 24. Mai l. I. in der XII. öffentlichen Sitzung der Kammer der NeichSrälhc unter andern daS große Wort gesprochen: „Ich weiß nur Cine Hilfe bei diesem Zustande der Gegenwart, aber ich bin überzeugt, daß sie genügt. Jeder Einzelne halte fest an den ewigen Principien, auf denen der Staat ruht, auf welchen die Wohlfahrt des Ganzen, wie deS Einzelnen ruhen muß, an dem Rechte und der Achtung vor dem Gesetze; an der Achtung vor dem Sittengesctze, welches die tiefere Basis deS Rechtes ist, — vor der heiligen Ordnung der Dinge, die wir nicht gemacht haben, und die wir auch nicht zerbrechen können. Von öieser Achtung erfüllt thue Jeder, was seines Amtes ist, auf seinem Posten, und alle lassen sich leiten von der Liebe zum Vaterlande, von der Liebe zu unsern Brüdern, die daS höchste Gesetz ist. Wenn dieß die Gesinnung der Mehrheit wird, dann ist unS geholfen. In welcher Form, auf welchem Wege, das vermag ich noch nicht zu sagen, aber überzeugt bin ich, daß unS dann geholfen wird. „Dringt aber diese Gesinnung nicht durch, so-mögen die Räthe der Fürsten und die Fürsten selbst sinnen und thun waS sie wollen, und die Vertreter deS Volkes mögen rathen und beschließen waS sie wollen, eS wird Elend über Elend über das deutsche Volk hereinbrechen, und nach langen unabsehbaren Kämpfen wird die gewaltige Hand, die über den Menschen ist, die Ordnung wieder aufrichten, welche der Uebermuth der Menschen frevelnd vernichtet hat." Dieß ist auch meine feste Ueberzeugung. Ich schließe meine Rede mit einem Glcichniß. Ein Seeschiff eilet Monate lang durch die Weiten dcS MecreS, unter ihm der Abgrund der Fluchen, ober ihm die Stürme deS Himmels, neben ihm Klippen und Sanvbänke, und wohlbehalten kömmt es an daS ferne Ziel, weil der Schissöhauptmann und der Steuermann, der Bootsmann und der Matrose, was sie zu wissen brauchen, wissen, und mit unverdrossenem Eifer üben. Doch nehmen wir an, während die dunkel sich thürmenden Wolken schon den herannahenden Sturm verkünden, sprechen die Matrosen zum Capilän und zum Steuermann: Gleichheit ist LaS heiligste Menschenrecht: wir sehen nicht ein, warum eben du unS gebieten, und den strengsten Gehorsam fordern, warum eben du am Steuerruder dich breit machen und unserm Fahrzeuge den Weg vorschreiben sollst? Und darauf treiben sie beide von ihren Plätzen, ernennen einen Schiffsjungen zum Befehlshaber, stellen einen unwissenden Matrosen an's Steuerruder. Ohne Zweifel wird dieses Schiff daS losbrechende Ungewitter nicht bestehen, und bald alö ein unbehilflicher Wrak auf den schäumenden Wellen treiben. Eben so geht es im StaalSIeben. Jeder freie Mann ist berufen, an seinem Orte und nach seinen Kräften für die Wohlfahrt deS Ganzen zu wirken; doch nicht Jeder vermag die verwickelten Verhältnisse zu überblicken, von deren richtiger Beurtheilung daS Heil der Staaten abhängt, nicht Jeder ist befähigt in jeder Beziehung an der Uebung der Staatsgewalt Theil zu nehmen. Darum hat daS Volk seine Vertreter gewählt, die Hand in Hand mit der Regierung das Wohl' dcS Vaterlandes berathen. Im Vertrauen auf sie, wollen wir einer bessern Zukunft entgegen ^chen. Es ist nun aber Zeit, den sehr geehrten Herren Rednern, die nach )»ir aufzutreten die Güte haben, den Platz einzuräumen; nur behalte ich jmir die Ehre vor, auf des KönigS von Bayern Majestät ein Hoch auszubringen, und ich rufe mit begeisterter Seele: i Marimilian II. König von Bayern lebe hoch! Winke zur Hebung der katholischen Presse. ' (Schluß.) ^ III. Von der Förderung der übrigen Volksliteratur. ! Wenn man von der katholischen Presse im Allgemeinen redet, wie eS die Hauptüberschrift dieser Arbeit angibt, so müßte man eigentlich auch der Literatur der Wissenschaft gedenken; doch würde uns dieß hier zu weit führen. Dieser Gegenstand eignet sich besser für eine besondere Abhandlung von gehörigem Umfang, als für einen Aufsatz, ver in übersichtlicher Behandlung der katholischen Presse im Allgemeinen nur Winke zur Hebung derselben ertheilen will. Daher habe ich für diesen Abschnitt „die übrige Volksliteratur" zur Ueberschrift gewählt. Darunter verstehe ich: 1) die Kalender; 2) die UnterhaltungS- und BelehrungSliteratur, welche in Heften oder etwa in Bündchen erscheint; 3) die Flugschriften. Ueber jede dieser Gattungen soll noch im Einzelnen gehandelt werten. Die Kalender. Von dieser Gattung unterscheidet man sogleich zwei Arten: 1) die sogenannten Volkskalender, die in Quartformat erscheinen und in der Regel mit groben Holzschnitten versehen sind;— 2) die Jahrbücher oder Almanache, welche in Octav erscheinen, feiner ausgestattet und mehr für die Gebildeten deS Volks bestimmt sind. In Betreff der Volkskalender bringe ich folgende Vorschläge in Anregung und empfehle sie der Erwägung und Beherzigung aller derer, die durch Talent, Neigung, Beruf und Einfluß besondere Aufforderung haben, sich der katholischen Volksliteratur anzunehmen. 1) Für das gesammte katholische Deutschland nur einen Kalender, etwa nach Art deS Kalenders für Zeit und Ewigkeit, aufzustellen und diesen dann recht zu verbreiten, dazu würde ich nicht rathen. Ist so ein Kalender für eine gewisse Gegend oder für ein gewisses Land auch ganz vortrefflich gehalten, so paßt er doch für eine andere Gegend Deutschlands bei weitem weniger, vielleicht ganz und gar nicht. Für einen Kalender, der z. B. durch und durch nur Religionslehre enthält, wie eS namentlich die Fortsetzungen deS Kalenders für Zeit und Ewigkeit zu beabsichtigen scheinen, könnte ich gar nicht stimmen, weil dieß unmöglich daS Volk auf die Dauer dem Kalender wird geneigt machen. Die Leute sagen mit Recht: „Wir haben Christenlehre und Predigt und haben daheim den Katechismus, ein paar gute Gebetbücher und den Pater Gosfinö; — waS brauchen wir da noch einen Kalender, der über daS Kirchenjahr u. s. w. spricht? Wir haben dieß Alles schon in unserer nächsten Nähe eben so gut und vielleicht noch besser, als eS der Kalendermann abhandelt. Mit der Religion muß man auch glimpflich umgehen, darf nicht so viel Spässe, Witze und Derbheiten darein mengen, sonst versäumt der Leser über dem Lachen die Buße und der Kalender wird ganz seiner eigentlichen Bestimmung entfremdet." So ungefähr hört man die Leute reden und sie haben ganz recht, wenn sie auS einem Kalender nicht wollen ein ReligionSbuch gemacht sehen. Folgt denn nun daraus, daß etwa die Religion auS dxn Kalendern verschwinden solle? O keineswegs! Die Religion soll im Kalender herrschend seyn und bleiben, nur in anderer Weise. Ueber daS „Wie?" wird später gesprochen. Ich will hier nur geltend machen, daß eine jede Gegend ihren besondern Kalender haben muß. So muß z. B. die Schweiz, und in derselben sogar mancher einzelne Kanton, einen eigenen Kalender haben; eben so Schwaben, Altbayern, Franken, Hessen, Thüringen, Sachsen, Tirol u. s. w. Ein allgemeiner Kalender kann nicht auf die verschiedenen VolkS- Eigenthümlichkeiten und besonderen OrtSverhältnisse der einzelnen Länder Rücksicht nehmen und das müßte doch geschehen, wenn der Kalender gehörig verstanden, gehörig brauchbar werden soll. Man lasse sich es also angelegen seyn, für jeden besonderen Landstrich auch einen besonderen Kalender aufzustellen, unv trage dann dafür Sorge, daß er so viel als möglich verbreitet wird. Ich will besonders darauf aufmerksam machen, daß gutgesinnte Katholiken die Herausgabe eines Kalenders nicht jedwedem Verleger überlassen sollen. Mancher Verleger oder Drucker sieht nur auf seinen Gewinn, ohne der Religion Rechnung zu tragen, und stellt einen Kalender auf, der zwar manche platte Erzählungen, schlechte Witze und Anekdoten und abgedroschene, unhaltbare Belebrungen über Kartoffelkrankheit, Dünger, Wanzenvertilgung, Baumzucht u. s. w. enthält, aber weit entfernt ist, ein ordentlicher Kalender zu seyn. ES sollte sich in jeder Gegend eine Gesellschaft eifriger Katholiken bilden, welche sich die Ausarbeitung, AuS- 139 statiung und Verbreitung eines guten Kalenders zur Aufgabe sehte. In den einzelnen Kantonen der Schweiz haben sich schon seil Jahren die Sec- tionen der „gemeinnützigen Gesellschaft" die Herausgabe von Kalendern zur Aufgabe gesetzt und ihre Bemühungen wurden mit dem besten Erfolge gekrönt. Warum sollte daS bei uns nicht gehen? Warum sollten wir Katholiken allein nur so gewissenlos seyn, die Kalenberliteratur einem blinden Zufall und Ungefähr oder einer glaubenslosen Speculation zu überlassen? Laden wir unS denn dadurch nicht eine ungeheuere Verantwortlichkeit auf? Ich kann darauf nicht anders antworten, als „Ja!" Darum wolle man denn endlich auch hier einmal frisch anS Werk gehen! DaS Nähere wird in einem der folgenden Puncte besprochen werden. 2) Ueber die Einrichtung eines solchen VolkSkalenvers mache ich folgende Vorschläge. Da daS Volk selten zu einem richtigen Verständnisse der Zeit gelangt, in welcher es lebt — wenigstens kann eS eine solche Kenntniß nicht auS den bunt durcheinander gemischten hochtrabenden, einander oft widersprechenden und sehr häufig auch mit Parteihaß erfüllten Artikeln der Zeitungen schöpfen — so ist eS vor Allem wichtig, ihm diese Zeit in einem klaren, aber gedrängten Bilde vorzuführen, so zwar, daß der so eben erscheinende Kalender eine nach Monaten geordnete Uebersicht der Ereignisse des vorigen Jahres brächte. Diese Uebersicht müßte neben ihrer Klarheit und Vollständigkeit durchweg von einem innigen christlichen Geiste getragen und durchweht seyn und in einer gefälligen, munteren und Allen verständlichen Schreibart abgefaßt werden, wobei eS sich natürlich von selbst versteht, daß vor Allem der gelehrte Fremdwörterkram, welcher der Stolz unserer Zeitungen und die Pest der deutschen Sprache ist, wegbleiben müßte. Wo es der Gegenstand zuläßt und zu erfordern scheint, da herrsche eine muntere, mit gesundem Witz und Spott gewürzte Sprache; anderwärts aber herrsche auch wieder gewaltiger, erschütternder Ernst. Durch daS Ganze muß sich der herrliche Gedanke hinziehen, daß Gott, als Vater der Menschen, auch ihr Erzieher ist, und daß darnach auch alle Erlebnisse und Ereignisse im Menschenleben zu beurtheilen sind; eS muß dem Volke anS Herz gelegt werden, daß eS die Erziehungspläne GotteS, wie sie in dessen Fügungen und Schickungen hervortreten, verstehen lerne und darnach immer mehr sein Leben einrichte. Ich weiß eS aus verschiedenen Beispielen, daß eine solche Zeilübersicht, in Einrichtung, Geist und Sprache so gehalten, von allen Ständen LeS Volks ungemein gern gelesen wird und eine tiefe Wirkung hervorbringt. Ja man kann mit vollem Rechte sagen, daß ein Kalender, um einer so beschaffenen Zeitübersicht willen, gar nicht veraltet, immer noch nachverlangt und selbst nach zwanzig Jahren noch sehr gerne gelesen wird. Der Kalender dient dann an der Stelle der alten Chroniken und wird vom Volke, wegen deS hohen göttlichen Planes, der in demselben zur Anschauung vorgeführt wird, hoch in Ehren gehalten. Diese Zeit- Chronik würde also den Vordergrund einnehmen. Darauf würde dann eine gute Erzählung aus der alten oder neuesten Zeit folgen, und wenn sie nicht zu lang ist, würden daran noch einige kurze und merkwürdige daher wirksame Charaklerzüge u. s. w. aus dem Leben angeschlossen. Wenn über diesem Erzählungsstoffe auch nicht die Ueberschriflen stehen: „Vater unser" oder „viertes Gebot GotteS u. s. w.," so würde die Erzählung doch selbstredend nur von christlichem Geiste und Leben, ermunternd oder warnend, Kunde geben. Man würde um der schönen Hülle willen auch den heilsamen Kern der Erzählung liebgewinnen und so dürfte manche gute Lehre beim Volke einen bessern Boren finden, als wenn die Sache rein katechetisch u. s. w. angelegt worden wäre. Das dritte, was der Kalender zu bringen hätte, wären sogenannte Nützlichkeitsartikel, Recepte u. s. w. jeder Art, aber nicht als bequeme Lückenbüßer, sondern mit großer Sorgfalt ausgewählt. Dann kämen die Jahrmärkte, Post- und Dampfschiffcurse, Zinsiabellen, und zuletzt daö Einmaleins. Ein paar ordentliche Holzschnitte oder Lithographien dürften nicht fehlen. Würde dabei der Kalender auch gegen vier Bogen stark, so daß das Eremplar auf 14 Kreuzer oder 4 Sgr. zu stehen käme, — der Kalender würde um seiner Einrichtung und Haltung willen gerne gekauft werden. Laßt ihn auch meinetwegen 5 Sgr. kosten; ist er gut, so macht er sein Glück. Daß vorne der eigentliche Zeit- kalender mit Monat und Datum, sammt Bauernregeln und was noch dazu gehört, nicht fehlen darf, ist an sich klar. 3) Als Herausgeber eines solchen Kalenders wähle man einen Mann, dem eine populäre Schreibart und originelle Einfälle eigen, sind. Wollte ^ Jemand den Kalenderstyl nach diesem oder jenem Muster 'nachahmen, so! käme dadurch nur ein arges Pfuschwerk zu Stande. An jeder Stelle würde! die Papageyennatur sichtbar werben und unbefangene Leser würden sagen:! „Man sieht wohl, daß sich der Kalendermann alle mögliche Mühe gibt,! den VolkSrednerton anzuschlagen; aber gerade weil er sich solche Gewalt anthun muß, wird seine Sache ungenießbar und wäre ihm zu rathen, sich auf etwas Anderes zu verlegen." Der Kalender müßte ganz von einem und demselben Verfasser seyn, ausgenommen die landwirthschaftlichen und sonstigen gemeinnützigen Aufsätze, welche ohnehin einen ganz andren Charakter haben, als daS Vorhergehende und daher auch einen andern Vcr- fasser zulassen, ohne daß die Einheit deS Kalenders darunter leidet; daß der Kalender vor der Herausgabe der Prüfung einiger Sachverständigen unterliegen muß, mag sich von selbst verstehen. 4) Endlich ist noch über die Ausgabezeit deS Kalenders ein Wort zu sagen. Da man einen guten Volkskalender gerne so weit als möglich wirb verbreiten wollen, um auch durch einen starken Absatz einigen Vortheil zu ziehen, so kommt auf die Zeit der Herausgabe sehr viel an. Wenn manche Kalender erst im November versendet werden, so ist dieß offenbar zu spät, daher nachtheilig für den Absatz. Der Herausgeber muß dafür sorgen, daß der Kalender spätestens Ende August versendet wird. Der Einzelverkauf wird am besten den Buchhändlern und Buchbindern, und wo keine solchen sind, den Krämern übertragen. Ueber die Jahrbücher oder Almanache ist kurz Folgendes zu bemerken: 1) Vor Allem zeichne sich ein solches Buch durch Mannigfaltigkeit und Frische deS Stoffes auS. Ein lahmer, langwriligcr Styl ist hier eben so wenig zulässig, als im Bauernkalender. Die Erzählungen, Bilder u. s. w. dürfen nicht gewaltsamer Weise vom kirchlichen Gebiete herbeigeschleppt werden. Sollen eigentliche kirchliche Bilder und Scenen darin vorkomme», so müssen sie sich naturgemäß anS der Erzählung hervorfinden und dann nicht zu sehr gehäuft. Manche Herausgeber katholischer Jahrbücher oder Almanache meinen, sie thäten der guten Sache und den Lesern einen großen Gefallen, wenn sie bei jeder Gelegenbeit Mönche, Processionen, Kreuze, Capellcn u. s. w. aufmarschiren lassen. Darin besteht aber der katholische Gehalt einer Erzählung nicht, sondern in der treuen Auffassung der Wirklichkeit, die durch den religiösen Geist veredelt und auf höhere Bahnen hingewiesen wird, so daß der Leser, möchte ich sagen, mehr unbewußt den religiösen Kern der Erzählung in sich aufnimmt und nicht durch gesuchte Scenerie gewaltsam darauf hingestoßen wird, daß er eS hier mit einem katholischen Almanach zu thun habe. Die Gedichte, wie sie seither in solchen Büchern geliefert wurden, dürften entweder besser und kürzer seyn oder ganz weggelassen werden. Auch könnte auf die äußere Ausstattung mehr verwendet werden; eine gute Ausstattung ist nicht immer nothwendig theuer. Guter. Geschmack und Sorgfalt bringen viel zu Stande. Die Produkte der modernen Aufklärung bieten in Betreff der Ausstattung gute Muster dar. Zur Anfertigung schöner Zeichnungen für Erzählungen empfehle ich mit gutem Gewissen den talentvollen Maler G. A. Lasinöky zu Trier. *) 2) Wie sehr es zu wünschen ist, daß in solchen Almanachen Alles Originalarbeit, nicht Nachahmerei oder gar Nachschreiberei sey, bedarf wohl seiner besondern Auseinandersetzung. - 3) Was im vorigen über die Zeit der Herausgabe der Kalender gesagt wurde (Siehe Nr. 4.) gilt auch liier. - Wir haben unter dem Stande der Geistlichen, Professoren und Lehrer !sehr tüchtige Talente, diese sollten sich dieser Literatur mehr annehme». 'ES ist ungeheuer leicht, über schlechte Kalender loszuziehen; wäre eS nicht besser, selbst mit anzugreifen und so daS Schlechte durch Gediegenes zu verdrängen? I). Die UnterhaltungS- und BelehrungSliteratur. Sehen ^wir unS in diesem Gebiete um, so begegnen wir in der protestantischen Literatur einer Menge von Zeitschriften, welche viel Fleiß und Geschicklich- keit verrathen; auf katholischer Seite dagegen ist darin noch so viel wie Nichts geschehen. Kein Wunder also, wenn unsere katholischen Länder ! fortwährend mit solcher protestantischen Lectüre noch überschwemmt werden ^ind in Folge solcher Lectüre Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen und irrige - Grundsätze ungestört verbreitet werden. Allerdings hat sich der BorromäuS- verein ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er die Verbreitung guter Bücher beförderte und ein wahrhaft heilsamer Erfolg ist seitdem schon an vielen Orten sichtbar geworden. Unter den Bemühungen deS Borro- mäuövereins schätze ich auch die Gründung von OrlS-Lescbibliotheken sehr hoch; allein eS fehlt uns noch an guten Zeitschriften, die »ach der Arr der Stuttgarter Erheiterungen, der Pfennigmagazine, Spindlerö AuSland, Lewald's Europa oder nach Art der schweizerischen Unterhaltungsblättcr (z. B. die in St. Gallen und Bern) angenehme unv nützliche Unterhaltung gewährten. Professor Dr. Moritz zu Aschaffenburg hat einen Anfang damit gemacht durch Herausgabe seines „katholischen Erzählers;"*'*) aber er wurde in jeder Beziehung zu wenig unterstützt. Man kann daher auch an die zwei biS jetzt erschienenen Bändchen keinen strengen Maaßstab an- *) Zur Ausarbeitung solcher Zeichnungen muß man dem Künstler die ganze Erzählung im Manuscript schicken. Bloße Andeutung bestimmter Scenen, brieflich ihm zugesandt. kann nicht zum Ziel führen. Der Berfaffcr. ") Druck und Verlag von Florian Kupferberg in Mainz. 14 « legen. Wie wäre eS denn, wenn der BorromäuSverein und dazu noch die PiuSvereine Deutschlands dieses Unternehmen als ein gemeinschaftliches aufgriffen und durch literarische Originalbeiträge, so wie durch eifrige Verbreitung zur Blüthe zu bringen suchten? DaS könnte doch nicht so schwer halten, wenn sich so viele und so tüchtige Kräfte daran betheiligten?! Die Protestanten haben ihren „Kämpe" ihren „Harnisch" und Andere; — waS haben aber die Katholiken? Ich schlage daher vor, daß man dieser Zeitschrift, die bis jetzt in zwanglosen Heften erschien, allseitig aufhelfe in der vorhin gesagten Weise. Novellen, Erzählungen, Anekdoten, Biographien, Gedichte, Mittheilungen auS der Länder- und Völkerkunde, Reisebeschreibung, belehrende religiöse Aufsätze, Mittheilungen auS der Naturkunde u. s. w. würden ein recht gutes Werk bilden. Dem Hrn. Professor Moritz, der zur Herausgabe eines solchen Werkes gutes Geschick besitzt, würde man die Redaction des Werkes überlassen und ihn nur gehörig unterstützen. ES müßten aber wenigstens vier Bändchcn jährlich erscheinen und auch auf die Ausstattung müßte etwas mehr Sorge verwendet werden. Ordentliche Arbeiten würden wohl zu erzielen seyn durch Ausschreibung von Preisen. Da ja die Erzählungen u. s. w. nicht so lang zu seyn brauchen, so wären die Kosten leicht aufzubringen durch gemeinschaftliches Zusammenwirken. Wenn für eine Erzählung von sechs Druckbogen ein Preis von etwa 60 Thaler gesetzt würde und der Verfasser auch noch ein bestimmtes (von den Herausgebern festgesetztes) Honorar per Druckbogen erhielte, so meine ich, wäre daS eine Aufmunterung für manche unserer Schriftsteller, die nicht ohne Beachtung gelassen und nicht ohne guten Erfolg bleiben würde. ES brauchen übrigens auch nicht alle Arbeiten Anfangs honorirt werden, da ich nicht ohne Grund versichern kann, daß Viele, auS Freude, ein solches Unternehmen endlich auf katholischem Gebiete zu begrüßen, recht gerne freiwillig einige gute Beiträge liefern würden. Erstarkt nach und nach daS Werk, so daß Honorar gegeben werden kann, so wird dieß dem Unternehmen nur förderlich seyn; denn manches Talent hat mit Armuth zu kämpfen und dabei noch arme Eltern zu unterstützen, so daß cS lieber den mühsamen Weg der Privalstunden wählt, um sich Etwas zu erwerben, als den Weg der Presse. Würde vorläufig jährlich nur ein Preis oder deren zwei ausgeschrieben in die namhaftesten katholischen Blätter BayernS, Rheinlands u. s. w., so könnte sich die Sache, nebst dem daß auch die Verbreitung thätig betrieben würde, gehörig heben. Man muß dem guten Willen nur in der rechten, zweckmäßigen Weise entgegen kommen, und man wird die Erfahrung machen, daß wir nicht so arm sind, als wir aussehen. Ein würdiger Gegenstand allgemeiner Theilnahme im gesammten katholischen Deutschland wäre auch die Unterhaltung eines gemeinsamen Organs für Erziehung und Unterricht. Ich will die Sache hiemit ohne alle weitere Bemerkungen nur angedeutet haben. Sollte Ließ unsere Kräfte einstweilen noch übersteigen, so wären gewiß unsere kirchlichen Blätter, wie z. B. der „Katholik" crbötig, pädagogische Abhandlungen und Aufsätze aller Art aufzunehmen. Wir können ferner noch brauchen eine etwa in zwei mäßige Octav- bändchen zu fassende Geschichte des deutschen Volkes, recht klar und populär erzählt nach Art der Schweizergeschichte von Heinrich Zschokke; vielleicht auch mit einigen guten Holzschnitten geziert. Eben so eine solche Kirchen- geschickte für daö Volk. Und so gäbe eS der Unternehmungen noch mehr, die nach und nach ausgeführt werken könnten zum Segen der Mit- und Nachwelt; denn warum sollte nicht endlich auch daS Gute Lurch die Presse mehr um sich greifen, wenn die gottlose Aufklärung seit Jahren auf demselben Wege einen so ungeheuern Erfolg erzielt hat? Man denke nur an Rotteck'S Weltgeschichte, Zschokke'S Stunden der Andacht und Anderes dieser Art! Möchten diese Bemerkungen wenigstens das Gute stiften, daß die Sache angeregt und besprochen und endlich durchgeführt würde. Ich hoffe, dieß werde um so eher geschehen, als die schlimme Zeit denn doch gar Vielen unter unS die Augen geöffnet haben wird über daS, was Noth thut und w v'S Noth thut. U. Die Flugschriften. Diese haben die Bestimmung, in Zeiten, wo außerordentliche oder doch ungewöhnliche Ereignisse und Umstände ein treten, dem Volke schnell diejenigen Fragen, um die cS sich da eben handelt, klar zu erörtern. Gemeinsames Handeln ist auch hier, wie in andern litcrarischen Zweigen, sehr wichtig. Berührt in Deutschland eine Frage die katholische Kirche, so ist daS ganze katholische Deutschland daran be- theiligt, und warum sollte da nickt auch daS Bemühen und Zusammenwirken Aller eine und dieselbe Flugschrift, wenn sie volkSlhümlich abgefaßt ist, allseitig verbreitet werden? Der Central-Vorstand dcS PiuSvcreinö, dessen Vorort jetzt BreSlau ist, ist in den letzten Tagen in dieser Beziehung mit einem guten Beispiele vorangegangen und hat damit überhaupt eine Bahn eingeschlagen, auf welcher die katholische Presse in mehreren Hinsichten sehr befördert werden kann. Er hat nämlich zur Ausarbeitung von Flugschriften zwei Preisfragen ausgeschrieben: 1) Ueber daS Recht der ErziehungS- und Unterrichtsfreiheit für die Familie. 2) Ueber das Wesen der katholischen Vereine Deutschlands; zwei sehr praktische Fragen von höchster Wichtigkeit. Ich freue mich, daß mit diesem Verfahren schon der Anfang gemacht worden ist und denke, eS werde sich bald auch auf andere Literaturzweige erstrecken. Die Kosten zu solchen Preisaufgaben dürften um so leichter zu erschwingen seyn, als mancher reiche Katholik, der gerne für jeglichen kirchlichen Zweck etwas Namhaftes beiträgt, eine besonders reichliche Gabe zu den EinsammlungS- geldern legen würde. Haben wir in diesem Frühling der Beispiele mehrere gehabt, daß einzelne wohlhabende Katholiken für den heiligen Vater 300 ^ Thaler, 100 Thaler u. s. w. beisteuerten, so läßt sich hoffen, daß sie für seinen trefflichen litcrarischen Zweck, dessen Besorgung sie in guten Händen wissen, auch etwa 30 oder 40 Thaler geben werden. Wie nützlich die Flugschriften waren, haben wir zur Zeit der Rongeanischen Wirrsale gesehen und hatten nur zu beklagen, daß die Unkosten solcher Flugschriften ! nur zu sehr Einzelnen zur Last fielen, weil zu einer allgemeinen Verbreitung derselben (namentlich zu einer unentgeltlichen) bei Weitem nicht die nöthige Unterstützung und Mitwirkung geleistet wurde. Nun, waS damals ! nachlässig geschah, kann jetzt besser gemacht werden. Wir leben wiederum ^in einer Zeit, die von Irrthümern und Verkehrtheiten aller Art strotzt. Jetzt gilt eS, seinen oft durch schöne Worte ausgemalten Eifer durch entsprechendes Handeln zur Wahrheit, zur lebenvollen Wirklichkeit zu machen. Wohlan, wenn wir im Vertrauen auf den Beistand Gotteö, mit Gebet, rüstiger Kraft und Opferwilligkeit an's Werk gehen, so wird dieß der Boden werden, auf welchen der allbarmherzige Vater im Himmel Seinen reichlichen Segen herabgicßen wird. Täuschen wir uns nur nicht; weil wir so ins Irdische versunken, weil wir in allem Guten so entsetzlich lau und träge sind, darum kommen in dieser Zeit so schwere Leiten über unS. Kehren wir wieder zurück zur wahren Liebe Gottes und zur thätigen Nächstenliebe, so binden wir gleichsam die strafende Hand GotteS und bewegen Ihn, unö wieder gnädig zu seyn und Tage des FriedenS und Glückes zu schenken. Manche verschwenden ihre besten Geistes- und Gemüthskräfte, ja auch ihre Zeit, ihr Vermögen und ihre Gesundheit an daS Abdreschen politischer Fragen, von denen wir kein Heil zu erwarten haben. Unsere Wirksamkeit in Bezug auf Gestaltung staatlicher Verhältnisse ist äußerst gering; die Leitung dieser Angelegenheiten steht völlig in GotteS Hand. Er hat unS gezeigt, daß alle unsere Weisheit, vom hochgepriesenen Professor herab bis auf den bunten ungelehrten Abschaum der Parteien lauter Dummheit ist und die Verwirrung nur größer macht. ES kommt mir vor, als wären wir mit einem Thurmbau beschäftigt und wollten auS Versehen oder auS übergroßer Pfiffigkeit zuerst die Thurmspitze bauen, ehe nur noch ein Fundament steht. So kann es nicht gehen. Halten wir vorläufig die Freiheiten fest, die wir errungen haben und nehmen wir die zahllosen praktischen Lebensfragen in Angriff, zu welchen auch die Presse gehört, weil sie ein mächtiges Mittel ist, die zur Ausführung eines großen Werkes erforderliche Gesinnung vorzubereiten oder doch zur Reife, zur Einheit zu bringen. W ü r z b ir r g. AuS der Döcese Würz bürg. Die katholischen Vereine auf dem Lande, die im Anfange zu so glänzenden Hoffnungen berechtigten, sind dem Beispiele des VercinS in Würzburg gefolgt, und haben sich theils in Folge der fortwährenden Angriffe auf die persönliche Ehre jener Männer, die sich an die Spitze solcher Vereine stellten, theils in Folge der gewonnenen Ueberzeugung, daß dieselben von Oben nicht gerne gesehen würden trotz der Billigung Sr. Heiligkeit deS Papstes und der in Würzburg versammelten Bischöfe, großentheilS aufgelöst, wenigstens kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Einen traurigen Einfluß auf das kirchliche Leben übten die Märzvereine und die zahlreich abgehaltenen Volksversammlungen, auf denen als regelmäßiges Thema gemeine Schimpfereien und Verdächtigungen deS KleruS figurirte. Daher ist nicht zu verwundern, daß, wenn auch die Mehrheit des Volkes noch fest an seinem Glauben und seinen Geistlichen hält, doch Viele, welche solche Schmähungen fortwährend hören oder in Zeitungen lesen, dieselben zuletzt für wahr halten, und eine gewisse Scheue, ja Abneigung gegen die Geistlichen an den Tag legen. Selten sieht man solche Märzvereinler in der Kirche und leider haben sich bei diesen Vereinen auch Lehrer bctheiligt, die dann einen nachteiligen Einfluß auf daS Volk üben und fast immer Opposition gegen die Geistlichen bilden. (Sion.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abou- nemenispreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2V kr„ ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nickt-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich t st. 20 kr. Uountcr Jahrgang. M 8«. N. September 184N. Hermann von Lehnin. Der Lic. Theol. Beikirch hat ein merkwürdiges Buch herausgegeben unter dem Titel: Prophetenstimmen mit Erklärungen. Möglichst vollständige Sammlung aller Prophezeiungen aus alter und neuer Zeit, über die Gegenwart und Zukunft, mit Erklärung der dunklen Stellen. Ein Kalender für unsere verhängnißvolle Zeit. Mit dem Motto: „Verachtet die Weissagungen nicht. Prüfet aber alles und waS gut ist behaltet." I. Paulus an die Thess. 5, 20. 21. Paderborn bei Schöningh 1849. Das Werk enthält eine Sammlung von 35 der merkwürdigsten Prophetenstimmen älterer und neuerer Zeit, und zwar bis herab auf GörreS, der vor seinem Sterbetage am 26. Jänner 1847 noch von Ungarn sagte: „Ich sehe ein großes Leichenfeld," und über den Zustand der Völker: „Betet für die Völker, die nichts mehr sind," und über die Reiche: „Ich beklage den Untergang der Monarchien," und über das Verhältniß von Kirche und Staat: „ES ist zum Abschluß gekommen, der Staat regiert, die Kirche protestirt." Der Verfasser hat sich angelegen seyn lassen alle die Prophezeiungen mit schlagenden, kurzgefaßten Erläuterungen und Erklärungen zu versehen, und so dem in gedrängtem Raume vielumfaffen- den Buche einen eigenthümlichen Werth zu verleihen. Nachdem seit einigen Jahren die berühmte Prophezeiung deS Bruders Hermann von Lchnin in vielen Auflagen und Erklärungen erscheint — so daß die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Vorsage sich wendet, so wollen wir die 100 merkwürdigen Verse, in denen sie enthalten ist, mit BeikirchS kurzer Erklärung hier folgen lassen, um einerseits jene Leser, denen der Text noch unbekannt seyn sollte, damit bekannt zu machen, oder jene, die ihn bereits kennen, in Besitz desselben zu setzen, denn eben jetzt wäre die Zeit, wo die acht Schlußverse auf ihre Erfüllung warten. Hermann war ein im Rufe der Heiligkeit gestorbener Bruder des Cistercienser-KlosterS Lehnin in der Mark Brandenburg. Er lebte um daö Jahr 1270. Seine Weissagungen betreffen zuerst sein Kloster Chorin in der Uckermark. Da aber das Schicksal des Klosters aufs Innigste mit den Wechselfällen der regierenden Fürsten zusammenfällt, so bildet die Geschichte dieser Regenten den Hauptinhalt dieser Prophezeiung. Hermann sagt den Untergang deö Hauses ASkanicn voraus, schildert die hohcnzollernschen Regenten ganz bezeichnend, gibt Zeit und Umstände des Einbringens des Protestantismus an, und sagt diesem eine Dauer bis zum eilften Nach- - folger deS ersten lutherisch gewordenen Hohenzollern voraus. An das Abtreten dieses Hauses vom Schauplatze der Weltgeschichte knüpft er die Wiederherstellung deS deutschen Reiches und der allgemeinen, einigen Kirche. Dann tritt, nach dieser Prophezeiung, iil Uebereinstimmung mit Holzhäuser, eine herrliche Zeit für Staat und Kirche ein. Die Weissagung ist in 100 leonischen Versen geschrieben (b. h. in Herametern, die in der Mitte und am Ende einen Reim haben). Dieselbe VerSarr findet man auch in alten Inschriften des Klosters, ein Beweis, daß die Mönche von Lehnin mit dieser VerSart sehr vertraut waren. Nach einer allgemein geglaubten Sage soll die Handschrift von Lehnin nach Berlin gekommen seyn, und dort sorgfältig verborgen gehalten werden. (?) Sie wurde schon im Jahre 1723 von Professor Lilienthal in Königsberg nach einer alten Handschrift herausgegeben. Sie ist seit 100 Jahren oft angefochten und eben so oft vertheidigt worden. Ihre Hauptverlheidigung ist aber, daß ihre Angaben immer richtig eintrafen, und so Hermann sich als ein wahrer Prophet bewährte. Einzelne Erklärer haben auS Unverstand oder Uukenntniß der preußischen Geschichte die wunderlichsten Auslegungen gemacht. Wir wollen daher, damit ein jeder von der Wahrheit dieser Prophezeiung sich überzeugen kann, nach genauem Studium der preußischen Geschichte, so kurz und faßlich als möglich, den Text erklären, ohne ihm im Geringsten Gewalt anzuthun. Der Original Teil folgt nach einer guten Ausgabe zuerst; nachher die deutsche, möglichst wörtliche Uebersetzung mit den Erklärungen. Vati ei nimm 1rotri8 Ilurinouni sd cd I-u I, n i n. 4. Arme tibi «'um eura eono lotn lüturo, 2 . l)uou mild mcmstruvit Iluminus, ,;ui cunela cruavit. 3. Aam lieut iusigiii, siout sol, 8p!u»duo8 igi», 4. Ut, vitou, tuton, nuiic dugo8 devolom.i 5. Almudeutcjuu rite trouijudlou eommodo vitou, 6. '1umj>U8 urit tondcm, cpmd tu nun euniut um,dem, 7. Imo vix ulloi», 8ud Iiunu dixurc», imllom. 8. Ouoo tu limdovit gec>8, Imue tu 8un>puromovit, 9. tlac puruuntu puri8, neu motur omo>,iIi8 uri.8.k! 10. Ut nune oI»8(jUu nmro, prupimpiot llul>iÜ8 hurn, 11. ()uo 8tirps Ottouiü, i,o8trou ducu8 rugiui>i8 12. Nugno ruit tät«, nullu 8upur8titu „oto, 13. luiiucjuu eodu8 prinium, 8ed »cmdiim vuni.8 od imum. 14. lnterua clirm ougetur morellio »,oIi8: (miri8, minis) 15. Aon, doi»U8 Ottoiwiu liut 8peIu„co luommi, 16. cle urit uxtru8U8 vuro du 8ongui,iu s„8U8, 17- HtMudo purugrini vuiiiunt od eloudro (diorilii; 18- Oerl,eiec>8 1u8tci8 »>ox tollit 1'.ae8oric> 08tu.8, 19. 8ud porum tuto gouduliit moreln'o «cutc»; 20. kugoli8 rur8Ui» luo tendit od olturo uur8>i»i: 21- Aue dvmincm ver»8 Iioee turn, vidulut ut I,uro 5 . 22. Oumia turludmut reetore8, di»,»,o,;uu d-il,ui,t; 23- Aui>dit 08 divu8 vuxoln't undicpiu uivu8, 24. lioptolät elurum „u!Io disuriminu rurum, 25- Lt loeiunt i8ti, cjuud loetum U8t tum>»>ru <'I>ri8ti; 26- Korpora inultorui» veiuluntur uvnlro dueonii». 27- Au punitu8 du.8it tüii <;ui, muo morcluo, proumt, 28- Lx l,ui»d>8 8>irg,'8 I,i„j8 nuiiu i„el)tu H>irgi8, 29. Aueui>di8oeum, 30- LuilttjUV >Uj,08 „UU08, UVÜM8 j»-0UU(„'diu 8UU08. 31. Ilieo ti>,i vurum: tun 8tir>>8 lungouvo diuruiu. 32- Impuri>8 jiorv,8 ;>otrii8 dnminoliitur orv>8, 33- Uuliue j,ru8troti lüurmt, <;ui tunu. Iioimroti 34. Uil »08 vo8tol,a„t, I)»llii,i„8 rugliuru vutolmut. 35. 8nueudo»8 >mtr> tullit privilugi» lrutri, 36- Aue läeiut i,u8tun> „oii ju8tui», eruduru ju8tuni. 37. llusu 880 liullis VUNI8, 80 ,ti 8 (jiiu >,roeuIIi8, 38. ^lox Irotur 1orti8 8ueeudit tumporo mort,8. 39- 1^orti8 ut >»« ljuidei», 8ud vir vun>88u»U8 idum; 40. Hum eugitot montem vix 8emiduro potu8t s-untum. 41. Ln acuit un.8U8! 11i8uri v«8, o l.u1,nii>un8U8! 42. Ouid uurut srotru8, <;ui vidt ex8uiduru potre8! 43. ^Itur ol, I,ve uwrtu», 8eit ludiliuaru pur orten,, 44. 4>U8picium notm Iiie pruuhut su!ieiti»ti8, 45. <)uod dun, 8urvotur, i„gun8 surtuno porotur. 46. I1uju8 urunt not, conlorini 8vrtu I,uoti. 47 . Inlurut ot tri8tu,n jiotriuu tunu suuinino p68tem. 48- l'oemina 8urpu„tl8 tol,u eontrouto reee»ti8; 49 . Iloe u«I undunum durolut 8tumn,o vununum. 50. Lt „uiiu ,8 prodit, <;ui tu o I^ulmin „in,i8 «dit; 51. Dividit ut uultur, otliuu8, 8eortutur, odultur! 52. LueIu8,oin vo8tot, hono ruligi »80 8ul>lu,8tot. 53. Ite mou8 populus! protuetor U8t til>> nullu8, 54. Iloro donue vuniut, 1 IllIU! toilliio ,,II>0j>OIli IIi>'.08 III uriio, 8>>o ootoii 8»I>oIoii> l'ovol loriiiiiliiie ;,ioloi»: 4 tiiiuK olvmoi'ii»,, oortv liiiiio» 0880 suloruiii. loiom oovn i»»v lil, putiooto äoliovn: -lillo 80 ii 1 v 1 »imvis, ooju8 «lurotio I-rovi^; Alolo, j>oi- oilii In,», 8l!ll 1uil>iii>8 I'loin per iolom. k)oi>o lumo» in pl!j>18 Iiiulimlor ju88ili08 eju8, I» » 10 I 108 151» OOIOOlti j>»886 i>olnlo. ?»8l >>1,1,0111 I11>108 08l >>ii»00>»8 5liiro1iio»a1u8 logoiiio 1110 II 08 000 vivoro 8i>ii1 iim>1»8. Dom »iiiiiiim «roilil, iiii8oroii> >>ooii8 Io>»U8 ockil, 1^1 80 «>i»' 1 or 8ori»8 illomiiii mov lüln >>ro1orvu3. Hu ,10 voiiimil, i>u,I)U8 cko Iiurgi8 uoiiiiim Irilius. I<5> oio8«i'1 Iutu8 iimguo 8ul> >»inei,io 8lu1o8. 8oo„riiii8 j-«mli8 o.8l korliluoo irogo,iti8: 801 I ml juviiliil, >>ru«!o»liii guiiinlo ouimliil. <)»i 8>>00088or oril, >>ii1ri8 imuck V08ligiu leril. Onilo klillr68, InoI>I) 11 li 8 »00 >> 1 >n:ilv I>mlre8! Imllil i» Im» »oiiioo luoli rogi»ü»i8 011100 , IXil 8»,> 0,681 >>>.»>: V 0 I 0108 migialo oolooi! Ll jliool vvli»«4u8, 1ori8 t>UN88il1U8 ol i»1u8. Alov juvoni8 fromil, ckum »liigim >>uoi>>ori> goniil. 8ock Ij>U8 lurlmlui» >>» 108 l r 08 lrillg 0 r 0 8ln1uiu? Vovillui» limgol, 80,1 lall, orulloiii, plaogol. 4'Ii>i>1i>>U8 Iiiiio MI8III8, viliiiu vu!l oiodoro oIiiU8lris. 0»i 80 ,>uilur, >»ii,vo8 inüliilur >> 088 i,»u 8 rno8, IXon roliur iiiouli, »ou n«l8Uii1 iiumimi gonli. 11uju8 o>>o»i >>v1i1, ooil1ri>iiu8 Iiio 8>Iii 8lo1i1, Ll >>or,'1 in mul!8, duiu I»I8001 8MMMI >>rol'uncki8. IX. 11 U 8 lloroliil, guock IIOI 1 8j»6i'ii886l, Imiiodil: 80 ,1 >io>>uIu 8 1 i-i 8 li 8 lloliil 1oliii>on1iu8 i 8 ti 8 . ^liii» 8«>r1i8 miiiio vidoiilur luki venioe; L1 iiri,u'eii8 ii68oi1, cjuoll nova poloolia erteil, 't'smlom 8oe>>1ni goiil, ') iiilmiOom 8(:o>U8 iiuilol, morlo >ii»iic1mii. Ll s>c>8lol' giv^vm reoijiil, 6ioniia»iii rogom. Aliiooliiii oum4o5um ^o»i1u8 olilila muloimm, 1>>8» 8008 301 I 0 I fovoio, N6V Ullvonil ^iioilvl: 1^118011 l^oliiiiiii 8Ui'L;m>1 ei leelii (^oitiii, Ll veleri mooe (1Ieeu8 8j>Iei»1o8eet Iiooore, IXle Iuj >08 iioOili j»Io8 ii^idiiilur ovili. ^gorlsi.yuiiji folgt.) Die lateinische Sprache in der Kirche. **) Uiilcr den Fortkrungni, wclche Lic Ncucrcr in der Kirche, geistlichen unv welilichen Sinneeö, Hochgelehrte und Alltngeschreier, seit Jahren schon gestellt, nniuinhr aber, rreil die Zeilverhälinisse ihnen günstig scheinen, weil ste Lerbündete haben an den pclitischen und kirchlichen Ra- dicalen, an den Glanbene-gleichgilligeii, an den Glaubenslosen und an den Glanbenchassern, inu neuem llngeltüin wieder vorbringen, fehlet nie daö Verlangen nach Beseitigung cer luieimschen Lprache auS der ganzen Lirurgie. Wie immer ras Unstauhasle, um daö Glimpflichste zu sagen, dieses Begehrens mir überzeugenben Giüncen nachgewiesen seyn mag, die Männer, welche nun einmal um jeoen Preis Neuerungen wollen, da der alte Geist der Kirche zu ihren iieumousch aufgeklarten Hinsichten nicht paßt, möge eö selbst aus dem Wege eines förmlichen Schisma S geschehen, wiederholen uiierniüdcl ihre veralteten, längst verurlheillen Gründe, wenn auch in Schriften etwas glimpflicher uns zärter, als dieß vor Jahren auf dem Katheder geschehen ist vor Theologen, die, bald darauf in den Priester- stanv eintretend, die ganze Liturgie in der ihnen so verächtlich gemachten und wahrhaft verhöhnten lateinischen Sprache vornehmen mußten. *) Ein Eclcbrtcr, der dic Hcindsibrist in Berlin gesehen, versichert uns, es müsse nach den Zügen derselben ss reso gelesen werden (Zn gleicher Weise ist durch falsche Lesung rwn sanegeo-il der „i>l. Grat» cnistandcn, während zu lesen ist: das wahre Blut.) ") Wir cnlnchincn diesen kurzen, aber körnigen Aussatz dem vor Kurzem erschienenen Werke: „Katholisches Kirchcnlhnm, bchandeli in zwanzig Kanzcirevcii, mit besonderer, kritischer Wahrnehmung des sogenannten D c n l sei, ka 1 h 0 l i. i s 1» u s ; nebst einem An-! hange: Fresken a»S dem Krcnzgangc Bon Wilbclm Gärtner, Opcrar und Feiertags-! Prediger an der kaiscrl. königl. Wiener Universilätskirchc. Motto: b>on ksvoro, seä lichors. Wien ISIS. Verlag von Karl Gcrold." I Unter diesen Umständen dürfte eS manchem unserer Leser nicht unangenehm seyn, zu vernehmen, wie ein geistreicher Prediger diesen Gegenstand vor einem zahlreichen Publikum in der Wiener UniverstlätSkirche be, handelt hat. Nachdem er in Kürze erwähnt, wie die Sprache beim Gottes- oienste mit der katholischen Principiensrage gar nicht nothwendig zusammenhänge, da z. V. die unirten Griechen und die unirten Armenier nicht wie wir in der lateinischen, sondern in ihrer Nationalsprache den Gottesdienst verrichten und dennoch als ganz gute katholische Christen zur Kirche gehören, fährt er fort: Eine andere Frage ist eS: ob und in wie fern es rathsam und vom Heile seyn dürfte, hinfort in allen Ländern die betreffende Landessprache alS die gotteSdicnstliche einzusetzen? ES mag seyn, daß es für viele Menschen — wenn nicht schon für alle, — eine Periode des Alters gibt da man gar zu gern aufgelegt wäre, in der Welt aufzuräumen und zu refvrinireii) ich gestehe, daß eS für mich, da ich noch alle Tage mein Pensum zu machen halte, ein Lust gewesen wäre, der lateinischen Sprache i in der Kirche und noch in gar manchem Anderen, den Garaus zm machen, so zwar, Laß am Ende der ganze Gottesdienst aufgegangen wäre in der erbaulichen Strophe: „Der Celt', der Griech', der Hottcntot Verehren kindlich einen Gott." Da begegnete eS mir aber nachmals, daß ich von Kirche und Kir- chenthum mehr anzuhören bekam, als mir anfänglich lieb war; später hielt ich eS für eine Ehrensache, meinen Beruf und seinen Boden kennen zu lernen; allmälig kam mir die Kirche anders und ganz anders vor, als ich mir sie in der kindlichen Hoffarl jener Jahre, da der Mensch noch alle Tage ein paar Sacktücher braucht, gedacht halte; sie gefiel mir wohl gar, namentlich merkte ich, daß ihre Grundwerke, wie tief man ihnen auch nachgrabe, gar kein Ende nehmen wollen, sondern vielmehr durch alle Schichten der Zeit und Weltgeschichte zurückreichen bis in die Schöpfungö- tage hinein unv obend'rein wie aus einem Gusse seyen, und daß man sich in die ganze Weltgeschichte nicht hineinfinde, und der Wanderzug ihrer Völker ein Räthsel ohne „Woher?" und „Wohin?" wenn man nicht auf der Hochwane katholischer Umschau stehe; und eö begegnete mir, daß ich jetzt meine Lust und Freude habe, diese Kirche gegen ihre Gegner zu vertheidigen, wie man mir auch durch anonyme Briefe drohe, daß ich „bei der nächsten Gelegenheit werde krepiren" muffen. Darum, wenn gewisse Leute meinen, die Kirche, mit Putz und Stiel, wie eine Giftpflanze, leichter Mühe ausrotten zu können, so fällt mir ein ! eine klein winzige aber buchstäblich wahre Geschichte. In meiner Vater- j stakt hatte ein Schmid ein Stück Kette so eingeschmiedet in daö Pflaster, daß eS die Anstrengung keiner Menschenhand herausreißen konnte; und da machte eS dem drolligen Manne Spaß, wenn Jemand vorbeikam und die Kette, die ihm im Wege lag, meinte aufheben zu können. Eine solche Kette ist aber auch die lateinische Sprache in der Kirche. — Sie ist eine Kelle, die in die Vergangenheit zurückreicht, und zwar in eine Vergangenheit, die von den sieghaftesten Triumphen der Kirche über eine ganze (alle) Welt erzählt: sie ist eine Kette an der sich schon Millionen in den Him- i mel hinauf gegriffen haben; die lateinische Sprache der Kirche ferner, sie !jst, ja sie ist ja die Muttersprache der Kirche: als Kind hat die Kirche !in dieser Sprache geredet; die lateinische Sprache ist ferner eine „todte," und das macht, daß in dieser Sprache nicht mehr geflucht, nicht mehr gesündigt wird, daß Liese Sprache derzeit eine unentweih'te ist; die lateinische Sprache in der Kirche gibt dem Zöglinge des PriesterthumS den gold'nen Schlüssel zu dem Schatze alter, classischer Bildung in die Hand und macht, daß, wenn Studienpläne und UiuerrichtSwesen ihm bisher die neue Zeit verrannten, ihm doch die Retrospektive inS Alterthum geöffnet war. Die Gelehrten, die in Deutschland zusammengetreten sind, bereits stimmen sie für Beibehaltung der lateinischen Sprache als der UniversitätS- sprache; und wie, der Kirche, die mit ihr ganz anders innig verbunden ist, als die Schule, wollte man sie nehmen? Ferner: die Kirche als etwas, daS von Uebcrweltlichem herkommt, in UeberirdischcS ausgeht, hat ihr Geheimniß, ihre Mystik; einer solchen Beziehung entspricht ihre gesonderte, den Todten abgeborgte Sprache. Ferner: die Sprache der Menschen war, einst in der Urzeit, auf der ganzen Erde nur eine, eine einzige. Gründliche Sprachforscher, wie von Eichhofs, Ceyden, LepsiuS, Gulia» >noss, die beiden Schlegel, Schubert, Wilhelm von Humboldt, GörreS, wissen daS sehr gut; sie wissen, daß die bekannten 2000 Sprachen der Erde sich im Grunde ihrer Abstammung auf nur sechs Sprach- familien reduciren, unv diese sechs auf jene einzige Ur- und Muttersprache. ! Wer den Sündenfall der Stammeltern und, als Folge dessen, den Krebsgang der Menschheit durch lange Zeit hindurch recht versteht, und wer eben so versteht: wie die Kirche, wenn ich so sagen darf, abgesehen von der himmlisch hohen Aufgabe der Heiligung in ihrem Hohenpriester 143 Christus, auch ein Marschall „Vorwärts" für die rückwärts gegangene- Menschheit seyn und die Menschen wieder hinauf und zurück tragen sollte über die Stufen, über die sie, im Rückschritte nach abwäuö, hinab gcra- Der Papst an den Fürstbischof von BreSlan. BrcSlau, 30. Juli. Unser hochwürdigster Herr Fürstbischof hat then waren, der wird eS als ein bedeutungsvolles Zeichen, uno gleichsam schon vor längerer Zeit die erste Sendung der in unserer Diöcese für als einen Reflex jener einen Ursprache erkennen, daß die Kirche, alS^Se. Heiligkeit Papst Pius IX. gcsaniniellen Liebesgaben im Werthe von zugleich die Paralyse deS Sündenfalis und seiner Folgen, wieder nur von! 12,500 Gulden österreichisch an den heiligen Vater von Wien auS nach einer Sprache für Alle im Reiche GolleS wisse. > Gaoia abgehen lassen. Sc. Heiligkeit haben diese Summe sammt dem Be- Und dennoch, — merken Sie wohl auf, gibt cS noch einen andern gleiischreiben unseres hochwichtigsten Herrn Fürstbischof« erhallen und dar- Grund, der allein stark genug wäre, — die Einheit der golteödienft-! auf nachstehendes Dankschreiben an den hochwürdigsten Herrn Fürstbischof liehen Sprache für die ganze Kirche zu rechtfertigen: eingesendet. Da zeige ich denn hin auf unseren Reichstag. — Dort sitzen Mäu-> Papst Pius IX. Ehrwürdiger Bruder! Heil und ap »florier von verschiedenen Volksstämmen, zu berathen das Wohl des Vater- lischen Segen! Keine geringe Tröstung hat UnS Dein unter dem 5. landeS. WaS mußten sie aber zu allererst berathen? Nun wohl, eS war die Frage: welche Sprache ist ReichStagSsprache? Und welcher des jüngst verflossenen Monats Juni von Wien anS datirtcS Schreiben, das Wir neulich empfangen haben, bereitet. In allen Theilen offenbart Mäßigung und Vereinbarung bedurfte und bedarf es nicht in diesem Puncte nämlich dasselbe Deine ganz besondere Ergebenheit, Liebe und Ehrerbietung fort und fort? und wie ist das gesonderte Sprachoermögen nicht dennoch! gegen UnS, und den so herben Schmerz, von welchem Du, ehrwürdiger hie und da mindestens eine Schwierigkeit? Aber was ist die Völkernuschung ^ Bruder, sammt Deinem Klerus und dem gläubigen Volke ergriffen wurdest, der Monarchie gegen die der katholischen Kirche mit ihren eilfhunvert Bl> sobald nur der in so hohem Grade traurige Wechsel Unserer Verhältnisse schüfen und zweihundert Millionen Seelen? mit ihren Kirchktndern aller § dort kund geworden war. Die liebevolle Gabe aber, für deren Darbrin- Sprachen und aller Farben? !gung NamenS der Gläubigen Deiner Diöcese Du Sorge getragen, hat Wie soll dieses bunte Gemisch der Sprachen und Farben und Ratio-! Unser väterliches Herz mit nicht geringer Besorgnis, erfüllt, da in dieser nalitäten Grund für eine Kirchensprache seyn? Ich antworte: weil die!so großen Bediängniß der Welt- und Zeitereignisse die Gläubigen ihrer katholische eine ccntrale ist; well in ihr daS Princip der Einheit Liebe gegen UnS sich gar zu sehr überlassnd, dieß selbst nur mit einem Lebensprincip ist; wie nur ein Oberhaupt, so nur ein Glaube, ein!eigenen empfindlichen Nachtheil haben thun wolle». Indem Wir nun Dir Opfer, ein Gottesdienst in ihr; andererseits ist sie aber und will und solliund Jenen den größten Dank sagen, erwarten Wir von Deiner Frömmig- sie seyn für Alle; nicht für ein Landstädtchen, nicht für einen Club, nicht check, daß Du sammt ihnen es niemals unterlassen weidest, Ehrwürdiger für Winkel und Tischecken ist sie bestimmt, sie ist nicht die Kirche der Son- derung und Spaltung, nicht die Kirche nationaler Rivalitäten, auch nicht die Kirche von zwei oder drei Aufklärungöcommissären und „Compagnie," die da Actien auf den gesunden Menschenverstand ausgeben; auch mehr die Kirche von: „Meine Herren, was meinen Sie? Bleibt Artikel Eins stehen? Dulden wir unsern Herrgott noch eine Weile? Lassen wir unser Licht leuchten?" oder „WaS ist'S mit dem „„Gott"" und „„Vater,"" oder installiren wir den „„Weltgeist?"" Und was machen wir mit der unphilosophischen Canaille, die von „„Weltgeist"" und CvmmumSmuS nichts versteht?" Sie ist auch keine Kirche von und für Offenbach, keine Duodez-Sevez-Kirche, keine Kirche einiger weniger auSerwählter Frommen, oder Seher oder Besessener, die zu jeder Stunde eine Frage an den Weltgeist frei haben. Die Kirche ist eben die katholische, d. i. die Welt- und Universalkirche; und was ihr Oberhaupt an der Tiber spricht, muß der Priester in Wien und der an der Lina und der am Ohio verstehen; i,nd-der katholische Matrose muß die Messe, oder das Weihnachten, oder den Ostern- Gottesdienst, der in Bombay, oder am „gelben Meere," oder am „stillen Ocean" gefeiert wird, eben so gut verstehen und als den seinigen erkennen, wie den, Verba gefeiert wird in Hamburg oder Marseille; und wenn die Kirche ihren Reichstag, ihre allgemeine Kirchen- versammlung feiern will, so muß sie ihre ReichötagSjp-achc haben, die alle Abgeordneten der Kirche, auch die auS der Mandschurei verstehen. Sie sehen, es gibt mehr als einen guten Grund abzulehnen Laö Ansinnen: so vielerlei gottesdienstliche Sprachen in der Kirche einzuführen, als eS vielerlei Nationen Latin gibt. Und gleichwohl müßte man vielleicht in der Behandlung dieser Frage nicht allzu ängstlich seyn. Ich scheue mich nicht eS auSzusprcchen, daß es auch etwas werth ist, wenn der Priester und das gläubige Volk sich nicht nur einander verstehen, sondern dieses Verständniß bei solchen Momenten deS Gottesdienstes, die als Ansprache des Einen zu dem Anderen, oder als Wechselsprache erscheinen, auch wirklich ausgesprochen vorliegt; mit einem Worte: wenn, wie es in der Natur jedes anderen Gespräches liegt, das Kirchengespräch mit dem Gläubigen ein, beiden Theilen verständliches ist, also in der Seliger ist Gebe» als Empfangen. Zur Zeit, da der ehemalige Pair von Frankreich, Victor Hugo, noch ein berühmter Dichter war, redete er von der Tugend der Wohlthätigkeit eben so schwülstig und bilberhaft, wie von allen übrigen Gingen; er nannte sie eine Schwester LeS Gebetes und des Glaubens, er rühmte ihre süßcn Augen, als ob der Glaube, das Gebet, die Wohlthätigkeit lebendige Personen wären, die irgend einmal, da er eben beim Frühstück saß, ihm ihre Aufwartung gemacht hätten, um sich seiner Gunst zu empfehlen. Wir Anderen, die wir nichts als einfältige Christen sind, wissen ebenfalls von süßen und barmherzigen Augen zu reden; doch schreiben wir sie nicht der Wohlthätigkeit zu, sondern einer gütigen und erlauchten Wohlthärer in, die wir auch unsere Fürsprecherin nennen. Blumige Reden bringen keine Frucht, und leere Reden haben keinen Halt. Darum ist eS nicht befremdlich, Laß der geschraubte Dichter jetzt, wo er bei der Sprache der Gläubigen geführt wird. Ich meine also: das, waS Gesetzgebung mitreden soll, den Socialisten zu Gefallen seine Lobsprüche der Priester mit den Gläubigen oder zu den Gläubigen in der kirchlichen zurück nimmt, und von Wohlthätigkeit und milden Spende» nichts mehr Handlung spricht, möchte vielleicht in Gottes Namen in der Landessprache wissen will. Ihm liegt vor allem daran, alle Menschen recht selbstbewußt, gesprochen werden können; nie und nimmer aber Las, waS heilige Hand-,v. h. nach seinem verkehrten Verständniß, recht stolz zu machen. Darum lung und Sprache zwischen ihm und Gott allein ist. Und ich habe gesagt: erklärte er sich öffentlich gegen jede Art von Almosen; denn, so rief er: „vielleicht," weil daS eine Privatansicht ist, die ich wohl haben darf, in daS Almosen entwürdigt, es setzt den Menschen herab, eS erniedrigt der ich mich aber möglicher Weise irren könnte; weil ich ferner mir nicht ihn. Wen? den Geber oder den Empfänger? Darüber sprach cr sich nicht anmaaßcn darf, derlei anders als unmaaßgeblich zu meinen, da die Kirche jauS. ES ward ihm aber von Montalembert erwidert: „DaS Almosen so organisirt ist, daß jede Reform als solche, auch die kleinste, nicht gereicht sowohl dem zur Ehre, der cS gibt, als dem, der eS empfängN" anders als im verfassungsmäßigen Wege, d. i. im Wege der, der Kirche Wer versteht Liesen AuSspruch? Wer die Worte LeS Heilands begriffen Bruder, dem großen und allgüligcn Gott unaufhörliche und heiße Gebete darzubringen, damit Er seine heilige Kirche auS den so großen Stürmen, von denen sie gegenwärtig umhcrgeschlcudert wird, mit seiner allmächtigen Kraft herausreiße und sie mit den Siegen und Triumphen seiner Kinder ausschmücke und erhöhe. Wir sicher werben eö nie vergessen, in der Demuth Unseres Herzens von dem allbarmherzigen Gott zu erflehen, Laß Er die reichsten Gaben seiner Güte gnädig über Dich jederzeit ausschütte und Deine hirtcnamtlichen Sorgen segne, auf daß die Dir anvertrauten Gläubigen von Tag zu Tag sich mehr von der Sünde abwenden, daö Gute thun und auf dem Wege vorschreiten, der zum Leben führt. Endlich bekräftigen Wir Unser vorzüglichstes Wohlwollen gegen Dich durch den apostolischen Segen, welchen Wir auS dem Grunde deS Herzens Dir selbst, Ehrwürdiger Bruder, und allen Deiner Obsorge anvertrauten Geistlichen und gläubigen Laien liebreichst ertheilen. Gegeben zu Gcttcka den 5. Juli 1849. Unseres Oberhirtenamtcö im vierten Jahre, (gez.) PiuS PP. IX. An den ehrwürdigen Bruder Melchior, Bischof von BrcSlau, nach Wien. eigenthümlichen socialen Berathung von oben herab, — also auch nicht vom Bischof allein, unternommen werden darf. hat: daß Geben seliger sey, als Empfangen. Aber um Liese erhabenen Worte zu begreifen, ist nicht so sehr ein scharfsinniger Verstand erforderlich, als ein großmüthiges Herz. (Oesterr. Volköfrd.) Volksversammlung in Pfaffenhausen. Von der oberen Mindel, 30. Aug. Ihrem Wunsche gemäß folgt hiemit, wenn auch etwas spät, ein schlichter Bericht über die am 19. v. M. in Pfaffenhausen gehaltene Volksversammlung, welche vom dortigen PiuSverein veranstaltet wurde, und ein würdiges Seitenstück zu den in der Postzeitung bereits besprochenen bildete. Schon bei der am 15. v. M. in Pfaffenhausen gehaltenen consti- tutionell'monarchischen Volksversammlung hatte ein Mitglied des AugSburgcr PiuövereineS (Dr. P. Wittmann) nicht nur im konstitutionell- monarchischen, sondern vornemlich im kirchlichen Geiste zu den Schaaren des Volkes geredet, und die Gemüther für die große Sache des Pius- vereineS zu gewinnen und zu begeistern gesucht. So bildete die Versammlung am 15. gleichsam eine Vorbereitung für die auf den 19. anberaumte. Letztere schien übrigens von der Witterung nicht begünstigt. Denn in der Frühe um 5 Uhr war der ganze Himmel umwölkt, und eS regnete sogar eine Zeit lang heftig. Doch aUmälig heiterte sich der LuftkrciS auf, und in Bälde beglückte unS die Ankunft der Vorstandschaft deS PiusvereincS von Ottobeuren, und nach und nach die erfreuliche Theilnahme von 40 fremden geistlichen Herren von Nahe und Ferne. Um ^ auf 9 Uhr versammelte» sich die Mitglieder deS hiesigen PiuSvereincs auf dem Rathhause, die Geistlichen in der Pfarrwohnung. Nach 9 Uhr zogen dann beide Abtheilungen an einander geschlossen in die prächtige, außergewöhnlich große, festlich gezierte, von einer Menge Volkes angefüllte Pfarrkirche. Die Feier des Gottesdienstes begann mit einem andacht- und kraftvollen, von der Orgel begleiteten VolkSgesange: „Komm heiliger Geist rc." Herr Pfarrer Al. Klein Hans von Ober-Aurbach behandelte sofort in einer trefflichen Predigt den Zweck der PiuSvereine und die Mittel denselben zu erreichen, dann hielt der OrtSpsarrer Rott ein feierliches Amt mit einer sehr schönen Musik in ächt kirchlichem Style begleitet, und schloß mit l'o Ilouin Daucinmus. Nun sammelte sich daSVolk außer der Kirche auf dem großen Platze um und in dem innern Gottesacker, auf dessen Ringmauer eine Redner- bühne mit dem Bilde unsers schwer geprüften Heil-gen VaterS Pius IX. angebracht war. Dieselbe bestieg zuerst Pfarrer Rott, und sprach vom Staat und Kirche, ihren verschiedene», von Gott angewiesenen Zwecken, von Gott ihnen gegebenen Gewalten, wie jede für sich zur Erreichung ihres Endzweckes eine gesetzgebende, richterliche, für sich bestehende, unabhängige, von einander ganz verschiedene, in sich höchste Macht sey, die schwesterlich mit einander ihre von Gott angewiesenen Wege zur Förderung deö Wohles der Menschheit gehen sollen, ohne einander in ihren Rechten und Anordnungen zu beeinträchtigen. Nach ihm sprach Hr. Pfarrer Bach von Ried von der großen Gefahr in dieser unheilvollen Zeit unsern kaiholischcn Glauben zu verlieren, von der Nothwendigkeit deS ZusammenhaltenS in Gesinnung, Wort und That zum Besten unserer heiligen Küche, daß sie frei von weltlicher Knechtung ihre hohe Aufgabe erfüllen möge. Endlich trat noch Hr. Lehrer Hindelang auf, setzte die Statuten des PiuövereineS auseinander, dankte feierlich für die ruhige, schöne Haltung der zahlreichen Theilnchmenden und schloß mit einem allgemeinen Gebete für die Erhaltung und recht baldige Einsetzung unsers heil. VaterS jn all Seine Rechte und Besitzungen, ohne Vorbehalt. Getrost, gestärkt, wahrhaft ging nun daS Volk nach Hause. Das Pensionat zu Piehlenhofen. s RegcnSburg, 28. Aug. Der 23. August war einer jener Tage, der meinem Geiste Ecbeiterung und meinem Herzen süße Erquickung gewährte, er war der PrüfungSlag der Zöglinge in dem nur zwei Stunden von hier entfernten weiblichen ErziehungSinflilute der Salestancrinnen zu Piehlenhofen. Vor mehreren Jahren wohnte ich auf Zureden eines Freundes zum ersten Male dieser Prüfung bei, und ich konnte eS seit jener Zeit in keinem Jahre mehr unterlassen, an diesem Tage mich dort einzufinven. Wie angenehm ist nicht schon die Fahrt dahin! Morgens sechs Uhr verläßt man RegcnSburg, eilr durch daS herrlich an der Donau gelegene Winzer gegen Kneinng, fährt dann im Nabihale neben hohen Felsenwän- den nach dem schattigen Elterzhausen, verläßt da die Hauptstraße, um auf einem etwas vernachlässigten Vicinalwege zwischen waldbedcckten Felsengebirgen, durch welche der ruhige Nabfluß sich windet, eine ziemlich weite Strecke durchzumachen. Doch plötzlich erweitert sich das Thal, und bald erblickt man von ferne die von der Morgensonne vergoldeten schönen Thürme PiehlenhofenS mit der hohen Kirche und den stattlichen Klostergebäuden; nur noch eine kleine halbe Stunde, und man steht an der Pforte! Eine herrliche Lage fürwahr, hat dieses Kloster! Am Nabflusse gelegen, in einem wiesenreichen Thale, gegen Nord und Süd von Fels- und Waldgebirg begränzt, bietet es dem Freunde der Natur die schönsten Partien,, und scheint so ganz dazu gemacht zu seyn, jungen Mädchen Gesundheit und frohen Sinn zu bewahren. — Doch eS schlägt acht Uhr; die Klosterpsorte öffnet sich; die zahlreichen Gäste von Nah und Fern werden von den freundlichen Nonnen bewillkommt, und über die breiten, reinlichen und hellen Gänge in den schönen und geräumigen Prüfungssaal geleitet. Ein angenehm überraschender Anblick! Die Zöglinge sind hier aufgestellt, in einfachen weißen Kleidern, mit blauer Schärpe und weißblauem Halsbande, an dem ein silbernes Kreuz befestiget ist, alle blühenden Rosen°gleich, unbefangen und voll bescheidener, sittsamer Freundlichkeit; nichts Kopfhängerisches, nichts Finsteres ist an ihnen zu bemerken. Mit einem schönen, heiteren und mehrstimmigen Gesänge beginnen sie die Prüfung; diese umfaßt alle Gegenstände, welche Mädchen eine wahre und edle Bildung verschaffen können, nämlich: Religion, deutsche, französische und italienische Sprache, Mathematik, Geschichte und Geographie, Musik, Schönschreiben, weibliche Handarbeiten und Zeichnen. Die Schönschriften, Handarbeiten und Zeichnungen liegen zur Einsicht vor, und erregen ihrer Schönheit wegen den ungetheilten Beifall der Kenner. Bei der Prüfung selbst zeigt sich nur Wahrheit, nichts ist einstudirt, um bloß zu glänzen und Aufsehen zu machen. Ohne Buch, ganz frei stellen Lehrer und Lehrerinnen ihre Fragen, und die Zöglinge beantworten sie mit liebenswürdiger Unbefangenheit und Klarheit. Man ersucht einen der PrüfungSgäste um ein Thema zu einem Aufsätze für die größeren Zöglinge; man gewährt diesen eine Stunde zur Ausarbeitung, und ich gestehe, nie schönere und gediegenere Aufsätze als diese gelesen zu haben. Angenehme Ruhepuncte gewähren den Anwesenden die Zwischenprüfungen im Gesänge und auf dem Clavier, welche gleichfalls beweisen, daß auch in der Musik sehr viel geleistet wird. Zum Schlüsse lohnen schöne Preisebücher den Fleiß und daS gute Betragen der Zöglinge. Nun besucht man die Räume des Pensionats, die Lehr- und Arbeitszimmer, die Schlaffäle und den Speisesaal. AUeS großartig, geräumig und hellt Die breiten und langen Gänge geben den Zöglingen Gelegenheit zur körperlichen Bewegung, wenn ungünstige Witterung den Aufenthalt im Garten oder im Freien nicht gestattet. — Doch die sinkende Sonne mahnt zur Heimkehr. Welch' ein rührendes Schauspiel jetzt! Die Zöglinge nun daran, inö Vaterhaus zurückzukehren, können sich von ihren geliebten Lehrerinnen kaum trennen; jene wie diese zerfließen in Thränen; die kindliche Dankbarkeit der Einen liegt gleichsam mit der mütterlichen Liebe der Andern im Kampfe; die herzlichsten Ermahnungen von dieser, die besten Vorsätze von der anderen Seite! Endlich schließt sich die Pforte, und nach allen Richtungen eilen die Wagen mit den lieben Kindern dahin. — Ich stehe mit Piehlenhofen in keiner nähern Verbindung; allein ich habe hier viele Gelegenheit, daS Leben solcher Mädchen zu beobachten, welche in jenem Institute ihre Bildung erhallen haben, und ich überzeuge mich immer mehr von den segensreichen Früchten derselben, so daß ich den Wunsch nicht bergen kann, eS möchten alle Eltern, die ihren Töchtern eine höhere christliche und wissenschaftliche Bildung verschaffen wollen, dieselben jenem In- staute anvertrauen; sie sind da gewiß gut besorgt und aufgeboben. Die Kosten sind billig; so viel ich in Erfahrung gebracht habe, werden für die ^Verpflegung eines Zöglings 136 fl. berechnet nebst einigen Ersatzkosten für iBetl j^wenn dieses vom Institut gegeben wird), Wasch, Schreib- und ! Arbeitsmaterial und Clavierunterricht. Die Kost, bestehend in Frühstück, Mrtlagsefsen, Nachmillagöerfrischung und Abendtisch, ist gut, hinreichend und dem kindlichen Alter ganz anpassend. Für äußere Bildung und Anstand sorgt ein Tanzlehrer; ein geschickter Arzt für die Gesundheit der Zöglinge. Kurz: dieses Institut, dessen Wirksamkeit selbst die Königliche Regierung der Oberpfalz und Regensburg bereits ehrend anerkannt hat, darf mit Wahrheit allenthalben empfohlen werden. Ein Prüfungsgast. ergriffen für die gute Sache der Kirche,! Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2« kr„ ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeilung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Deiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel könne» diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Neunter Jahrgang. sU- 37. L 6 September L84N. Der Papst an den Bischof von Münster. Münster, 14. Aug. DaS Schreiben deS Papstes an unsern hoch. würdigsten Herrn Bischof, worin Se. Heiligkeit für die Liebesgaben dankt, vie ihm aus unserer Diöcese so bereitwillig und freigebig dargebracht worden sind, lautet: PiuS P. P. IX. Ehrwürdiger Bruder! Heil und Apostolischen Segen! AuS Deinem sehr freundlichen Schreiben vom 14. Mai entnehmen Wir, mit welch' tiefer Betrübniß Du, Ehrwürdiger Bruder, zugleich mit Deinem Klerus und dem gläubigen Bolle erfüllt worden bist wegen des sehr traurigen Umschwunges Unserer Angelegenheiten, und mit welchem Eifer dort ohne Unterlaß inbrünstige Gebete dem gütigen Gott für Unsere Erhaltung dargebracht werden. In Wahrheit, keinen geringen Trost haben Uns diese Aeußerungen der Tbeilnahme gewährt, da aus denselben klar hervorgeht, wie Du, ehrwürdiger Bruder, Dich durch Treue gegen die Kirche und durch kindliche Ehrfurcht und Liebe gegen Un« auszeichnest, und wie jene Geistlichkeit und daS gläubige Volk von dem Geiste der Religion und von kindlicher Ehrerbietung und Hochachtung gegen den Stellvertreter Christi durchdrungen sind. In der That kann bei der so großen Berdorbenhetl der Zeit und bei der Herrschaft ruchloser Menschen zur Beseitigung der Bitter- keit Unserer Schmerzen Nichts kräftiger wirken, als die Erkenntniß, wie gar Viele eS noch allenthalben gibt, welche unter Gottes Beistand den schlechten Rathschlägen feindseliger Menschen ihre Ohren verschließen, den trügerischen Irrlehren gegenüber in dem Bekenntnisse der katholischen Wahrheit standhaft beharren, dem Stuhle Petri fest anhangen und ihren Ruhm darin finden, dem Nachfolger deS Apostelfürsten, dem römischen Papste, Gehorsam und Ehrfurcht zu erweisen. Obschon Wir nun aber sehr dankbar sind für daS reichliche, fromme Geschenk, welches Du, Ehrwürdiger Bruder, und die Dir anvertrauten Gläubigen UnS zu senden bemüht waren; so können Wir UnS dennoch nicht verheimlichen, daß jene Freigebigkeit Unserm väterlichen Herzen zu nicht geringer Beängstigung gewesen ist, da wir nämlich fürchten, daß Ihr, indem Ihr Eurer Liebe gegen UnS zu viel nachgegeben, dieses nur zu Eurem großen Nachtheile gethan habt. Indem Wir nun sowohl Dir als den Dir anvertrauten Gläubigen den größten Dank sagen, zweifeln Wir nicht im Geringsten, daß Du zugleich mit den Gläubigen fortfahrest, Gott, der reich ist in seinen Erbarmungen, zu bitten und zu beschwören, daß er seine heilige Kirche aus den Stürmen, von welchen sie jetzt umhergetrieben wird, errette und sie durch die Siege seiner Söhne vermehre und verherrliche. Wir unterlassen nicht, den gütigsten Herrn demüthig zu bitten, daß er mit dem Retchthume seiner göttlichen Gnade Dir immer gnädig beistehen möge und daß er Deine Hirlensorgen und Arbeiten segne, damit die Deiner Wachsamkeit anvertrauten Gläubigen mit immer freudigerem Muthe auf dem Wege deS Herrn wandeln. Und als den Vorläufer dieses Schutzes von Oben und als Unterpfand Unseres besonderen Wohlwollens gegen Dich ertheilen Wir mit der innigsten Zuneigung deS Herzens Dir, Ehrwürdiger Bruder, und allen Geistlichen und weltlichen Gläubigen Deiner Kirche sehr gerne den Apostolischen Segen. Gegeben zu Gaöta, den 28. Juni im Jahre 1849. Im Dritten Unseres PontificateS. Volksversammlung in Göggingen. Augsburg, 10. Sept. Die gestern in Göggingen durch den dortigen Piusverein veranstaltete Volksversammlung war in der That eine „feierliche", wie sie in der Ankündigung bezeichnet worden. Die ganze Gemeinde wetteiferte gleichsam, der Versammlung den Charakter eines Volksfestes zu verleihen. Nach der musikalischcn VeSper setzte sich gegen 3 Uhr der Zug deS zahlreich versammelten Volkes von dem Kirchhofe aus in Bewegung. Die Spitze des Zuges bildete in langer Reihe die festlich gekleidete Sonn- und Werktags-Schuljugend, die Knaben mit blau-weißen Fähnchen, die Mädchen sämmtlich blumengeschmückt, ein Theil derselben (gegen 30) mit weißen Kleidern und blauen Bändern geziert, prächtige Blumenkränze und Blumenkörbchen - mit gutgewählten Sinnbildern paarweise tragend. Hierauf folgte das wohlgeübte Musikcorps der Gögginger freiwilligen Wehr- männerschaar, welches muntere Weisen spielte; sofort die vom rühmlichsten Eifer beseelten Vorstände deS Gögginger PiuSvereinS, Wagnermeister Eschenloher, Privatmann Maprschhofcr, Bauerngutsbesitzer Jäger mit ihrem geistlichen Führer dem unermüdlich thätigen Herrn Caplan AlopS Schurr, dem Stellvertreter deS leider durch Gebrechlichkeit zu seinem Leidwesen verhinderten hochwürbigen Herrn Pfarrers und ProdecanS Mayer. An der Seite dieser wackern Männer, denen sich der OrtSvorsteher und andere Mitglieder der Gemeindeverwaltung anreihten, gingen die freundlich geladenen Redner und die geistlichen Vorstände benachbarter PiuSvereine. An diese schlössen sich die Schaaren deS Volkes, welche von allen Seiten herbeigeströmt waren. Als der Zug die Stelle erreicht hatte, wo von der Landstraße rechts ein Seitenweg nach Wöllcnburg sich hinzieht, bog derselbe auf letzteren ein, und gelangte bald zu einer mit frischen Tannen- zweigen und Blumengewinden reichverzierten Ehrenpforte, in deren von Säulen getragenem Giebelfeld Denksprüche aus der hl. Schrift (II. Mos. 32, 26; Matlh. 16, 16 — 18; Offenb. Joh. 21, 6 — 7.) angebracht waren, und auf deren Spitze das Zeichen deS heiligen Kreuzes prangte. Die Pforte führte in einen, vom Besitzer anf'S Bereitwilligste überlassenen, sehr ausgedehnten Grasgarten, in dessen Hintergründe eine prächtige und geschmackvolle, mehr als zwanzig Schuh hohe Nednerbühnc errichtet war, die wie ihre Tragsäulen und ihr pyramidenförmiges Dach auS lauter grünen Tannenzweigen und Blumen zu bestehen schien, und von deren Gipfel herab ein hohes Kreuz mit der Inschrift: „In diesem Zeichen wirst du siegen" — dem Volke entgegenwinkte, und gleichsam in die Seele redete. Der große Raum deS Gartens füllte sich nicht ganz; aber in weiten, dichtgedrängten Bogen sammelten sich, während Böllerschüsse den Beginn deö Festes verkündeten, bald etwa Drei Tausend Menschen um die Rednerbühne. Nach kurzer Pause ließ sich ein schönes Musikstü xx vernehmen. Sobald dieses beendet war, bestieg der obengenannte hochw. Herr Caplan die Bühne, und hielt eine treffliche Einleitungsrede mit be sonderer Rücksicht auf den herrschenden Unglauben und die Sittenlosigkeit, diese Grundübel der Zeit, diese Quellen ihres Elends, deren kräftige Bekämpfung und Verstopfung heilige Aufgabe aller Wohlgesinnten, vornemlich auch Aufgabe deS PiuS Vereines. Die Lcbehochrufe für PiuS IX. und Maximilian II. , mit welchen der hochw. Redner seinen Vortrag angemessen beendete, wurden von dem Volke mit Begeisterung neunmal erwidert, während Trompeten schmetterten und Böller auf'S Neue krachten. Nachdem sofort wieder ein Musikstück gespielt war, hielt der hochw. Herr Pfarrer F. S. He im er von Kleinaitingen einen sehr ansprechenden Vortrag, in welchem er, mit sinniger Anknüpfung an daS Fest „Mariä Namen", dieses Fest der himmlischen Patronin deS PiuSvereineS, und gleichsam der Geburtstag deS VereineS im Gögginger Bezirk, in beredten Worten darlegte, von welch' günstiger Vorbedeutung für den Verein daS Gestirn deS TageS, Maria, der Stern deS MeereS, sey, der mit seinem milden, segensreichen Licht unS Leitstern seyn werde auf dem rechten Weg zum schönen Ziele. Musik füllte abermals die kleine Pause zwischen dieser und der folgenden Rede, welche letztere der hochw. Herr Caplan I. Geiger von Augsburg in sehr lebendiger Weise vortrug. Derselbe hatte ein sinnreiches Thema gewählt, die Worte Tell'Sr 146 . . . . als wir an dir Ecke jetzt gelangt, Beim kleinen Aren, da verhängt es Gott, Daß solch ein grausam mörd'risch Ungewitter GählingS herfürbrach aus des GotthardtS Schlündcn, Daß allen Ruderern daS Herz entsank, Und meinten Alle, elend zu ertrinken. Da Hort ich'S, wie der Diener einer sich Zum Landvogt wendet' und die Worte sprach: Ihr sehet eure Noth und uns're, Herr,, Und daß wir all' am Rand des Todes schweben — Die Freiheit des Volkes, Ja die soll gedeih'» Mit der Freiheit der Kirche, Der wir freudig uns weih'n. Die Mutter, die Tochter Im inn'gen Verein, Sie müssen ja Beide Uns gleich theuer seyn. Und ob auch gewaltig Die Feinde uns dräu'n. So dürfen wir doch nicht Die Uebermacht scheu'n; Die Uebermacht ist ja Nur nichtiger Schein, Denn was nicht aus Gott ist, Kann nichtig nur seyn. Die Steuerleute aber wissen sich Vor großer Furcht nicht Rath und sind des Fahren« Nicht wohl berichtet — Nun aber ist der Tell Gin starker Mann und weiß ein Schiff zu steuern. Wie, wenn wir sei» jetzt brauchten in der Noth? Da sprach der Vogt zu mir: Tell, wenn du dir'S Getrautest, uns zu helfen aziS dem Sturm, So möcht' ich dich der Bande wohl entled'gen. Ich aber sprach: Ja, Herr, mit Gottes Hilfe Getrau' ich mirs und helf knS wohl hiedannen. So ward ich meiner Bande los. Wohlan denn zur Fahne, Ihr Brüder herbei, Zur Fahne, ihr Männer, O schwöret ihr Treu'! — Und haltet die Treue, Wie Männer, bewährt, Dann seyd ihr in Wahrheit Der Freiheit auch werth! Allsiegreich dagegen Ist jener im Streit, Der sein Ringen und Kämpfen Dem Herrn hat geweiht: Dem Herrn und der Sache Des Herrn wird der Sieg Unfehlbar, und zög' auch Die Hölle zum Krieg. Dieses Thema wußte er trefflich zu benutzen, um zu zeigen, wie auch der Kirche, dieser Nothhelferin im Sturm, die Bande während des Sturmes gelockert worden seyen, wie aber leichtlich die alten Bande im StaatS- schiff für sie bereit liegen könnten, wenn sie nicht mit gesammelter Kraft, wie der Tell, den kühnen Sprung zur vollen Freiheit wage. Auf die drei geistlichen Redner folgte ein Bürger aus Augsburg, Dr. P. Wittmann. In volkSthümlicher Weise redete derselbe eine Stunde lang zu der Versammlung von der schimpflichen Unmacht und der herrlichen Macht deS katholischen Volkes, von den Gründen und Bedingungen jener und dieser. Mit besonderem Nachdruck hob er hervor, daß die Macht des katholischen Volkes auch darum so groß, weil eS keine schlechten Bundesgenossen beizie- hen, keine schlechten Waffen anwenden, weil eS nicht an die Leidenschaften, nicht an die Habgier, die Genußsucht, den Haß und die Ungerechtigkeit appelliren dürfe, sondern nur mit den Waffen deS Geistes, des Friedens, der Mäßigung, der vollen Gerechtigkeit, der wahren ungeheuchelten Liebe gegen Alle ohne Ausnahme, den Waffen der gesetzlichen Rechte und Freiheiten streiten müsse und allein zu streiten brauche, um den sicheren Sieg zum Heile Aller zu errringen. Schließlich faßte derselbe, obwohl durchaus kein Poet, die Hauptgedanken seiner Rede in folgenden Reimen zusammen, die auf dichterische Formvollendung nicht den mindesten Anspruch machen: Zur Fahne, ihr Brüder! — Wir schwören aufs Neu': Wir bleiben der Mutter Für immer getreu. Wir stehen der Theuren Mit Männermuth bei. Wir wollen nicht rasten: — Wir machen sie frei! Drum freudig zur Fahne, Ihr Brüder, herbei! — Wir schwören der Mutter: Wir bleiben ihr treu — Im Glück und im Unglück, In Noth und in Tod: — Sie führt uns zum Siege, Zur Glorie, zu Gott. i, - O folget der Fahne Mit männlichem Muth! ES gilt ja ein hohes Ein heiliges Gut. — Die Freiheit chcS Volkes, Die dann nur erblüht, Wenn'hie Seele des Herrschers Für die Himmlische glüht, Er gilt zu erringen Die Freiheit der Braut. Die Christus, der König, Sich selber getraut, Wenn im Geist der Beherrschten Die Himmlische lebt, Daß er bei'm Gedanken Des Unrechts schon bebt. Die Freiheit der Mutter, Die Er uns verlieh, Daß sie uns auf Erden Zum Himmel erzieh'. Die Freiheit des Volkes, Die dann nur besteht. Wenn das Volk auf der Felsburg Unwandelbar steht, Die Freiheit der Kirche; — Doch sie nicht allein: Mit ihr soll die Freiheit DeS Volkes gcdeih'n! Die Gott ihm gegründet, Auf daß es sey frei Von der Knechtschaft der Hölle, Von der Welt Tyrannei: — Die Freiheit des VolkcS Die Gott nur verleiht, Indem er die Herzen Der Könige weiht, Auf der FclSburg der Kirche, Deren Mahnruf zugleich Für den König und Alle Gesetz ist im Reich, Indem er die Herzen DeS Volkes befreit Von Nacht und von Schlacken, Und so sie crneu't. Deren Glaube die Selbstsucht In Allen bezwingt. Deren Liebe ein heiliges Band um sie schlingt. Sämmtliche Reden hatten bei dem Volke vollen Anklang und lauten Beifall gefunden, so daß einer der Redner sich gedrungen fühlte, aus bewegter Brust ein dreimaliges Hoch auszubringen auf den guten Geist, die Treue, die Ausdauer deS katholischen Landvolkes. Hiemit endete unter wiederholten Böllerschüssen (gegen halb 6 Uhr) die schöne, von sonnigem Himmel begünstigte Feier, bei welcher von Anfang bis zu Ende die musterhafteste Ordnung und Ruhe geherrscht hatte. In ähnlicher Weise, wie der Zug von der Kirche ausgegangen, bewegte er sich gegen dieselbe zurück. Auf dem Platze vor derselben trennte man sich in gehobener Gemüthsstimmung. Hatte besonders der kränzegeschmückte Zug der Schuljugend zur Verherrlichung deS Festes beigetragen, so gebührte dem hochachtbaren Herrn Lehrer B. Strobel und seinem Herrn Adstanten Stockhammer die rühmende Anerkennung, daß durch ihren Eifer der gute Wille der Eltern und Kinder geweckt und geleitet worden. Und war eS erfreulich, daß ein wackerer Jüngling, NamenS M. Kugelmann, sich unsägliche Mühe gegeben, um die vielen Kränze u. s. w. zu fertigen, zu welchen mehrere Gartenbesitzer, wie Herr Mayrschhofer u. a., indem sie ihre Gärten gleichsam ausplünderten, die Blumen lieferten: so war eS eine nicht nur hocherfreuliche, sondern denkwürdige Erscheinung, daß ein, einem andern Glaubenöbekenntnlß angehörender Gutsbesitzer, Herr Particulier E. Beck, nicht nur aufs Freigebigste Blumen schenkte, sondern auch seinem sehr geschickten Gärtner erlaubte, mehrere Tage lang an Errichtung der Pforte, Rednerbühne u. s. w. zu arbeiten, und daß er überhaupt auch bei dieser Gelegenheit die freundlichste Gesinnung gegen seine katholischen Mitbürger an den Tag legte. Ehre diesem Ehrenmanne! Mit solchen Männern wäre leicht ein unzerstörbarer FriedenSbund zu schließen, dessen Grundbestimmun- gen: die Gerechtigkeit, Billigkeit, die gegenseitige Achtung und die Alles ausgleichende Liebe! Schon diese einzige Erscheinungwürde hinreichen, in jedem empfänglichen Gemüthe eine wohlthuende Erinnerung an die schöne Gögginger Volksversammlung zu hinterlassen. Die ganze Haltung deS Volkes aber hat aufs Neue den Beweis geliefert, daß in demselben noch immer ein guter Kern vorhanden ist, welcher unter GotteS Beistand zu segensreicher Entfaltung gebracht werden kann, wenn Begeisterung, Thatkraft und Einmüthigkeit statt Gleichgiltigkeit, Lahmheit und eigenliebiger Selbstgenügsamkeit in allen Denjenigen herrschen und walten, die auf daS Volk einen heilsamen Einfluß auszuüben im Stande find. Möchten diese alle wohl bedenken, daß auch die Freiheit eine köstliche Gabe GotteS, ein Pfund ist, mit dem sie wuchern müssen zur Ehre Gottes, zum Heile Seines Volkes, weil sonst der Fluch sie treffen müßte, der dem faulen Knechte gebührt, und zwar in doppelter Weise, nicht bloß weil sie faul, sondern weil sie knechtisch, weil sie Sclaven wären! 147 o. r>» Hermann von Lehnt«. (Fortsetzung.) Weissagung des Bruder Hermann von Lehnin in möglichst genauer Uebersetzung nebst beigefügten Erklärungen der unverständlichen Stellen. I. DaS Kloster Lehnin und seine Schicksale unter den anhaltischen Fürsten. r 1. Sorgenvoll singe ich, Lehnin! dir heute deine künftigen Schicksale, 2. Die mir gezeigt hat der Herr, der alles erschaffen hat. 3. Denn obgleich du jetzt in ausgezeichnetem Glänze strahlst, wie die Sonne, 4. Und dein ganzes Leben Gott geweiht hinbringst; 5. Und obgleich du, wie stch's gebührt, Ueberfluß hast an allen Vortheilen eines ruhigen Lebens; 6. Wird eine Zeit kommen, die dich nicht mehr also steht 7. Ja sogar kaum noch sieht, und wenn ich eS recht sagen soll, gar nicht mehr sieht. 8. DaS Geschlecht, das dich gründete, hat dich immer geliebt, 9. Mit seinem Untergänge gehst du auch unter, und wirst keine geliebte Mutter mehr seyn. 10. Und jetzt ohne Verzug naht die traurige Stunde, 11. In welcher Otto'S Stamm, die Zierde unseres Landes, 12. In schwerer Schickung zu Grunde geht, und kein Sohn mehr übrig bleibt. 13. Da sinkst 1>u zurück, jedoch nicht ganz bis zum tiefsten Verfalle. DaS Kloster Lehnin, von Otto!, aus dem Geschlechte der ASkanier gegründet, blühte sehr, so lange dieser Stamm regierte. Es war eine geliebte Mutter, da von ihm zahlreiche Klöster ausgingen. Als aber 1320 mit Heinrich III. der aSkanische Mannsstamm ausstard, gerieth auch Lehnin in Verfall. II. Die Schicksale der Mark unter den bayerischen Fürsten. 14. Unterdessen wird die Mark von schweren Uebeln geä^stigt, 15. Denn daS HauS der Ottonen wird eine Löwenhöhle. 16. AuSgestoßen wird der vom ächten Blute Entsprossene. Die Herzöge von Pommern, von Mecklenburg, von Braunschweig, Anhalt, Kursachsen und Böhmen fielen über die Mark her, und schrecklich litt sie unter dem Streite dieser Fürsten. So wurde das Land Otto'S einer Löwengrube gleich, worin nur wilde Menschen hausten. Der Kaiser Ludwig der Bayer schloß sogar eigenmächtig die Herzöge von Sachsen, die als ächte Sprößlinge der anhaltischen Linie von Albrecht dem Bären abstammten, von der Erbfolge auS, und nahm daS Land für sich. 17. Wenn Fremdlinge kommen zu den Wohnungen ChorinS, 18. Wird des Kaisers Klugheit den höllischen Hochmuth heben. Unter den Fremdlingen sind Augustiner-Mönche zu verstehen, die aus Bayern gekommen, in Chorin wohnten, oder der falsche Waldemar, der sich zum Fürsten der Mark erheben ließ, und so als Fremdling über das Land herrschte. Kaiser Karl IV., der sich nachher die Mark aneignete, die bayerischen Fürsten verdrängend, bändigte mit Strenge die Raublust des AdelS und dessen Hochmuth. III. Die Schicksale der Mark unter den Fürsten aus dem Hause Luremburg. 19. Doch nur kurze Zeit wird sich freuen eines sichern Schildes die Mark. 20. Der königliche Löwe wendet anderswohin seinen Lauf. Karl IV., unter dem Ruhe und Frieden im Lande herrschte, regierte nur noch kurze Zeit, und gab bei seinem Tode 1378 die Mark Brandenburg an seinen Sohn SigiSmund. Dieser aber bekümmerte sich, zum Könige von Ungarn erhoben, wenig um sein Erbtheil. Er ließ eS durch Statthalter regieren, die den trotzigen Raubritter-Adel nicht bändigen konnten. Daher heißt es weiter: 21. DaS Land wird seinen wahren Herrn und Helden nicht sehen. 22. Die Statthalter werden alles verwirren und Schaden anrichten. 23. Der reiche Adel wird allweg die Bürger plagen, 24. Und wird ohne Unterschied die Geistlichkeit berauben. 25. Ja sie werden eS machen, wie eS zu Christi Zeiten geschah; 26. Gegen alle Sitte werden die Leiber verkauft. Die Raubritter Puttlitz, Quitzow, Rochow, der eiserne Dietrich rc. plünderten die reisenden Kaufleute, die Dörfer und Städte, selbst Kirchen und Klöster, wie auS einer alten Handschrift deS Klosters Lehnin erhellt, wo ein gewisser Johannes von Quitzow die Höfe deS Klosters ausgeraubt und die Leute in die Gefangenschaft geführt hatte, die er nur gegen ein großes Lösegeld und noch dazu gelähmt wieder herausgab. Der Abt mußte für sich 100 Schock Groschen bezahlen. IV. Die Schicksale der Mark unter den Fürsten auS dem Hause Hohenzollern. Friedrichl. Burggraf vou Rürnberg. 27. Daß dir, meine Mark, nicht ganz ein Regent mangle, 28. Steigst du jetzt durch zwei Burgen berühmter auS der Niedrigkeit. Der Kaiser SigiSmund verkaufte die Mark an Friedrich, Burggrafen von Nürnberg, aus dem Hause Hohenzollern. Dieser dem niederen Adel angehörende Burggraf wurde nun Markgraf von Brandenburg, hatte also in seinem Titel zwei Burgen. 29. Du zündest die KriegSfackel an, während du prahlst in deinem Namen mit Frieden. 30. Während die Wölfe du mordest, schneidest du auch den Schafen zugleich die Brüste auf. » Obgleich Friedrich Friede reich hieß und war, so mußte er dennoch gegen den unbändigen Adel, der ihm nicht huldigen wollte, „und wenn eS ein ganzes Jahr hindurch Burggrafen regnete," einschreiten und die hungrigen „Wölfe" die Quitzow, Bredow, Jagow, Schu« lenburg, BiSmark, Holzeudorf, Knesebcck, Maltitz, Bardelcbe» rc^ zu Paaren treiben. Bei diesen Kämpfen, so wie nachher in den blutigen Hussiten-Kriegen litten seine Unterthanen, „die Schafe," nicht wenig. 31. -Ich sage in Wahrheit dir, dein Stamm von langer Dauer, 32. Wird geringe Herrschaft üben'uber vaterländische Fluren, 33. Bis die niedergeworfen sind, die damals hochgeehrt ä4. Die Städte verwüsteten, und die Herrscher zu regieren hinderten. " Der Prophet sagt diesem Hause eine längere Dauer voraus, und deutet auf die nothwendige Unterdrückung der Raubritter hin, die Friedrich die Herrschaft über das Land streitig machte». Er überwand sie alle und zerstörte ihre Burgen. Nach einer andern Erklärung wären diese Verse nicht auf die damalige Zeit zu beziehen, sondern auf die jetzige. Der Prophet hätte dann vorausgesagt: HauS Hohenzollern, du wirst zwar lange regieren, aber nie über große Strecken deS deutschen Vaterlandes (waS auch wirklich geschehen ist, da Preußen nur ein Drittel von Deutschland inne hat). Dein Name wird dauern, bis die Proletarier und RevolutionSniänner, die Hochgeehrten, niedergeworfen sind, die die Städte verwüsten und den Herrschern zu regieren verbieten, da sie selbst regieren wollen. Ist daS geschehen, dann ist daS HauS Hohenzollern am Ende seiner Geschichte angekommen. Auch diese Erklärung, die ganz auf unsere Zeit paßt, rechtfertigte den Frater Hermann als Propheten. F r i e d r i ch II. 35. Der nun dem Vater folgt, raubt dem Bruder seine Rechte; 36. Er wird aber nicht machen, daß ein ungerechtes TodeSbett für gerecht gehalten wird. Friedrich I. machte auf seinem TodeSbette nicht seinen ältesten Sohn Johannes, den er wenig liebte, sondern Friedrich, seinen zweiten Sohn, zum Regenten der Mark. ES war dieß aber gegen daS ReichSgrund- gesetz der goldenen Bulle, wonach der älteste Sohn stets dem Vater folgen mußte. Diese Anordnung war und blieb deßhalb ungerecht. Albrecht Achilles. 37. Dem durch verschiedene Kriege und Schicksalsstürme Matten 38. Folgt der tapfere Bruder um seines Todes Zeit, 39. Der zwar ein tapferer Held, doch auch zugleich sehr eitel; 40. Während er denkt den Berg zu ersteigen, kann er kaum die Brücke überschreiten. 41. Siehe! Er schärft sein Schwert! O ihr armen Bewohner von Lehnin! 42. WaS kümmern Brüdcr den, der die Väter ausrotten will! Friedrich II., voll Schmerz über den Verlust seines Sohnes, von Gewissensbissen gefoltert, unvermögend den Stürmen der Zeit Widerstand zu leisten, trat an seinen tapfern Bruder Albrecht Achilles die Regierung ab. Dieser war ein kriegerischer Herr; er liebte Pracht und prunkvolle Turniere, worin er seine Eitelkeit befriedigte. AIS er sich der Steuererhebung zum Türkenkriege in seinem Lande widersetzte, wurde er vom Papste Paul II. in den Bann gethan, und drohte mit einem Heere über die Alpenberge zu steigen, konnte aber nicht ein 148 mal die Fallbrücke überschreiten, die ihm die Mönche von Lehnin, als er in ihre Kirche wollte, vor der Nase in die Höhe zogen. Er warb darob sehr böse und hätte die Klosterbrüder gewiß eben so, wie die Väter (den Papst und die Bischöfe) bedroht, wenn sie nicht nachgegeben und ihn eingelassen hätten. (Fortsetzung folgt.) Brief eines Benedictiner-Bruders aus Amerika.*) St. Vincenz, 14. Mai 1848. Liebe Eltern, Bruder und Freunde! Gott zum Gruß! Mit der allergrößten Freude und herzlichsten Liebe, welche ich zu Euch trage, empfing ich nach abgesungener Vesper aus den Händen meines Hochwürdigften Herrn Pater Superiors Euern Brief und lese mit größter Begierde, waS Ihr mir schreibet. Aber ein Erstaunen entsetzte mich, als ich las, daß unsere liebe Schwester gestorben sey. Doch der Tod ist bei unS nicht so etwas Seltsames, weil bei uns weder Tag noch Stunde vergeht, ohne an denselben zu denken. Durch solche Beispiele kann man die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens betrachten, unv Ihr sehet, daß daS Stützen auf Menschen nichts sey, als nur ein Band, daS der Tod zertrennt. Liebe Eltern und Brüver, lasset Euch diesen Tod nicht zu schwer fallen; denn die Urtheile Gottes sind ganz anders, als die der Menschen. Der Herr hat sie aufgelöst von den Banden des Leibes. Es freut mich doch, daß sie der Herr nicht so schnell, sondern durch eine lange Krankheit und durch den Empfang der heiligen Sterbsacramente von dieser Well abgerufen habe. Sobalo wir ihren Todfall gelesen, ist im Convente befohlen worden, für sie zu beten. Auch die Priester schließen sie ein und gedenken ihrer im heiligen Meßopfer. Denn auch sie und Ihr alle seyv Anverwandte zum Orden des heiligen Vaters BenedictuS. Darum ist eS in diesen Fällen gut, wenn eS angezeigt wird, damit man für sie beten könne. Liebe Eltern, waS mich anbetrifft, bin ich gesund und erfreut in Gott und meinem Heilande Jesus Christus, dessen Diener ich geworden bin durch die heilige OrdenSprofeß, welche ich am Tage des heiligen Mathias bei einem feierlichen Amte vor der Gegenwart GolteS und Reliquien vieler Heiligen und in Gegenwart meiner Mitbrüder, 48 an der Zahl, mit 15 Brüdern abgelegt habe, um mich ganz Gott zu weihen. WaS ich von meinem Noviciat sagen kann, ist eine Zufriedenheit, die ich nicht genug auszudrücken vermag; denn die väterliche Liebe, welche mein Hochwürdiger Pater Superior zu mir und meinen lieben Mitbrüdern trägt, zeigte sich besonders darin, daß er mir während meiner NoviciatSzeit nicht einmal ein rauhes Wort gegeben, aber nicht wegen meines Gehorsams oder guten Betragens, sondern wegen seiner großen Nachsicht, die er gegen mich und meine Mitbrüder hat. DaS Gleiche kann ich von meinem Hochwürdigen Pater Prior sagen, welcher im vergangenen Sommer mit 16 Brüdern vorn Kloster Scheyern hier in unserm Kloster St. Vincenz angekommen ist, und der uns während der Zeit des NoviciatS als Novicen- meister den geistlichen Unterricht ertheilte. Ich kann in Wahrheit sagen, daß sein Wandel nicht irdisch, sondern im Himmel ist. Ich kann über alles Dieses meine Freude nicht genug ausdrücken. Auch heute haben wir eine besondere Freude gehabt; denn es ist eine erwachsene Methodistin getauft worden, wobei viele Protestanten und PreSbyterianer gegenwärtig gewesen sind, welche heilige Handlung unser gegenwärtiger Pater Superior mit aller Feierlichkeit vorgenommen hat. Auch ihre Eltern, wiewohl ihr anfangs der Vater den Tod gedroht, sind zu diesem Zwecke bereit. Bekehrungen sind, seil wir da sind, schon recht viele erfolgt. Ich kann es nicht unterlassen, Euch von unserer Kirche etwas zu sagen. Unsere Kirche ist ziemlich groß; sie hat zwei Hauptthore und inwendig zwei Gänge und 4 Reihen Stühle, wovon jede Reihe zwanzig an der Zahl hat, und jeder Stuhl faßt sechs bis sieben Menschen. ES befinden sich darin drei Altäre. Auf beiden Seiten hat sie sechs große Fensterstöcke und zwischen den zwei großen Thoren einen doppelten Fensterstock, welcher zugleich in die Kirche und auf den Chor leuchtet. Auf dem Chor haben wir unsere Plätze, wo auch die Orgel mit 8 Registern steht. Drei Brüdcr können die Violin spielen, drei die Orgel, zwei Klarinette blasen und Viele singen. Auch ich bin daran, *) Wir geben diesen uns freundlichst mitgetheilten Brief eines schlichten Bauernsohnes aus der Gegend von Eichstädt in seiner ursprünglichen Einfachheit. Die Red. ein Instrument zu lernen. Bis auf daS heilige Pfingstfest bekommen wir Horn, Trompeten und Paucken. Der Gottesdienst an den Festtagen wird bei unS gar schön gehalten. ES wird allzeit levitirt. Im vorigen Jahre haben wir am Fronleichnamsfeste die Procession in der Kirche gehalten, wobei wir Brüder daS Hochwürdigste Gut mit brennenden Wachskerzen begleitet haben, eben so in der Auferstehung unter schöner Chormustk. Am heiligen Ostertage sind so viele Protestanten in der Kirche gewesen, daß man sagen kann, sie haben den dritten Theil vom Volke ausgemacht. WaS die Protestanten betrifft, ist eS hier wie in Deutschland. Denn sie wissen nichts, als über die Katholiken zu schimpfen, und haben noch Niemanden bekehrt von den Ungläubigen, wohl aber viele Katholiken verkehrt. Die schlimmsten sind die PreSbyterianer, welche vor Kurzem eine schändliche Schrift in die Zeitung drucken ließen über die Klöster, worin das unselige genau bezeichnet ist; aber sie wurden sogar von einem Protestanten widerlegt. Die Preacher oder Prediger der Secten machen ihren Zuhörern vor, die katholischen Priester hätten alle Hörner auf, und man glaubt es ihnen, weil sie nichts Besseres hören, als über Katholiken zu lügen. Viele aber von ihnen überzeugten sich selbst, daß sie keine Wahrheit reden, und kamen vom Irr- zum Unglauben. Liebe Freunde, das Einzige, waS fehlt, ist, daß eS zu wenige katholische Missionäre gibt, welche ihnen die Wahrheit verkünden könnten. Wenden wir unS wieder nach St. Vincenz, um zu sehen, waS die Mönche thun. Um 3^ Uhr stehen wir auf und gehen in die Kirche zum Lobe GotteS, wozu uns der Gesang der Vögel und die holde Morgenluft aufmuntert. Nach dem Chorgebet werden die Zellen ausgekehrt und die Betten gemacht. Von 5 bis 6 Uhr ist Betrachtung, um 6 bis 6'/, Uhr die heilige Conventmesse. Dann geht man an die bestimmten Arbeiten. Um 10'/z Uhr wird mit der großen Glocke daS Zeichen gegeben, um bis in die Kirche zu kommen zum Capitel. Um 11 Uhr Mittagessen, nach demselben Anbetung in der Kirche. Von 1l^ bis 12^ Uhr ist Freizeit, zu welcher geredet werden darf, und die zum Singen lernen verwendet wird. Um 12^ Uhr wird der heilige Rosenkranz gebetet, nach welchem Jeder wieder an seine Geschäfte geht bis 5'/z Uhr, zu welcher Zeit geistliche Lesung gehalten wird. Um 6 Uhr ist daS Abendessen. Von 6'/z bis 7'/2 Uhr ist Freizeit, zu welcher wir meistens englische Stunde haben. Um 7'/z Uhr wird daS Ave Maria geläutet, dann geht man wieder in den Chor bis 8'/z Uhr. Um 9 Uhr geht man schlafen. Von 7'/2 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens muß das strengste Stillschweigen beobachtet werden. Auch unter der Arbeit darf nur daS Nothwendigste geredet werden. DaS ist unsere Tagöordnung. Wir machen eS wie die alten Mönche. Wir bauen die Felder und auch unser Kloster selbst. Im heurigen Jahre werden wir eine neue Scheuer bauen und auch einen Theil an unserm Hause. Wir haben schon Ziegel zu machen angefangen, auch die Hölzer sind schon geschlagen. WaS meine Geschäfte sind, habe ich die Ehre, nicht mehr Bäcker, sondern Wäscher zu seyn. Da werden wohl meine liebe Mutter und meine Schwägerin lachen, und werden sagen: „O gar waschen!" Ja, meine lieben Freunde, ich wasche vor Allem das, waS man zum Opfer der heil. Messe braucht, nämlich Altartücher, Alben, Corporalien, auch Chorröcke und Handtücher. Auch bereite ich noch daS Brod zum hl» Meßopfer. Daraus könnet Ihr schließen, daß wir nicht durch faullenzen, sondern durch Gebet und Arbeit unS den Himmel zu verdienen suchen. Nach den amerikanischen Gesetzen werden Sonn- und Festtage strenge gefeiert. ES darf an denselben weder gekauft noch verkauft werden. In Amerika ist jeder Gewissenhafte frei. Nur Diebe und Todtschlä- ger werden an den nächsten besten Baum aufgehenkt. Auch die Unzüchtigen werden für etwas Schlechtes angesehen. Seit unserer Ankunft.find in unserer Kirche gegen 80 Kinder getauft worden, unter denen kein uneheliches war. Die katholischen Prediger dürfen mit der nämlichen Freiheit wie die andern Secten predigen. Der Sonntag wird von den Katholiken meistens in der Kirche zugebracht. ES ist nicht wie in Deutschland, daß man inS BierhauS oder zum Kartenspiel geht. Dergleichen ist verboten. Mit amerikanischen Werkzeugen kann man noch so viel als mit deutschen arbeiten. Mit einer Dreschmaschine, die 4 Pferde ziehen, haben wir an Einem Tage 36 Schüssel Waizen gedroschen. Ich habe mich in diesem Schreiben viel zerstreut. Doch mit der Gnade GotteS werde ich mich wieder sammeln. Frater Franz. Verantwortlicher Redacteur: 8. Schönchen Verlags-Inhaber: F. C. Kr eurer. Vierteljähriger Abon- nementSpreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nichts Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Beiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können dies« Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Neuntel' Jahrgang. ^ A8. TL September L84S. Blume» auS dem Schriftgarten de- heiligen Bernardus^ Eingang. t Nicht anziehend, sondern vielmehr abstoßend sind die Blumen und Kräuter, welche der kalte Unglaube und die Sinnenlust, der ungebändigte Stolz und die kecke Absprechung über alles Göttliche und Heilige hervor- bringen. Schon ihre Namen deuten ihre Eigenschaften an. Der Klauen- baum verwundet das Erdreich des Familienlebens, die Adams nadel ritzt schon die zarte Kindheit, und die Bärenklau klammert sich an fremdem Eigenthume fest. Auf den rauhen und wilden Distel beeten der Irreligiosität und des JndifferentiSmu- wachsen der Nachtschatten oder die Sünden nächtlicher Finsterniß und der Wermuth bitterer Armuth, baS Schlangenkraut der Verführung und die Spitzkletten schlechter Gewohnheiten. Der Stachelmohn schläfert die Gewissensbisse der Sünder ein, und der Rattenfraß der Habsucht und des Neides frißt zuletzt sich selbst. Stechäpfel und ScorpionengraS vergiften alle Verhält- Nisse der menschlichen Gesellschaft, und die Nesselblumen nebst Giftlilien, Unform und Kämpfer eien umgarnen die unvorsichtige Jugend. Der SchwcinSrüssel thierischer Lust und daö TeufelSauge der fleischlichen Lüsternheit richtet großes Verderben im Garten der Unschuld an, und die Hausech el mit ihrem bocköartigen Geruch nebst dem weit verbreiteten Steinbrech brechen sich die Bahn überallhin. Endlich treffen wir noch im Höllengarten des SündenrevierS das Egel kraut und die Sauerwurz, die Zottenblume und den Hundszahn. Wer sollte gerne in einem solchen Garten lustwandeln? Aeußerst lieblich und tröstlich ist es daher, einen andern Garten zu haben, in dem der Bräutigam dcS Hohenliedes unter den Veilchen der Demuth, unter den Lilien der Reinigkeit und unter den Rosen der göttlichen Liebe die menschliche Seele weidet, wenn sie seinem Hirtenstabe folgt. In diesem Garten himmlischer Schönheit und Lust treffen wir auch eine emsige Biene an, welche anf den Kaiserkronen, Tulpen und Anemonen, auf den Königskerzen, Sammetblumen und Amaranth, auf dem Lack und Leberbalsam und auf den Glycinen honigsüße Früchte einsammelt. Diese Biene ist der heilige BernarduS, den Garten stellen seine Schriften vor, aus denen ich mit GotteS Gnadenbeistand in alphabetischer Ordnung eine kleine Blumenlese vornehmen will, die dem freundlichen Leser freundlich dargeboten, nicht aufgedrungen wird. 1. Absicht. ES ist gewiß, daß unser innerer Mensch durch die Uebungen der Tugenden von Tag zu Tag erneuert werde, da auch die Absicht, die zuerst von Erdensorgen gekrümmt war, allmälig von Unten nach Oben steigt: und die Neigung, weiche vorher vom fleischlichen Verlangen kränkelte, nach und nach zur geistigen Liebe erstarkt, und das Gedächtniß, vorher durch die Schändlichkeit der alten Werke beschmutzt, durch neue und gute Handlungen täglich weiß und heiter wird. In diesen Dreien besteht nämlich die innere Erneuerung, in der rechten Richtung der Absicht, in der Reinigkeit der Neigung und in der Erinnerung an die gute Handlungsweise, wodurch daS Gedächtniß in gutem Bewußtseyn glänzend wird. 2. A b t ö d t u n g. Bisweilen enthalte ich mich, aber meine Enthaltsamkeit ist eine Genugthuung für die Sünden, nicht ein Aberglaube für die Gottlosigkeit. Ich enthalte mich vom Weine, weil im Weine Geilheit ist: aber wenn ich krank bin, trinke ich ein wenig, nach dem Rathe Pauli. Ich enthalte mich von Fleischspeisen, damit sie nicht als zu nahrhaft zugleich dcS Fleisches Laster nähren. DaS Brod selbst will ich mit Mäßigkeit gerne. ßen, damit nicht cS den Leib beschwere, und er zum Gebete nicht aufstehen mag: und damit nicht auch mir der Prophet den Vorwurf mache: „daß ich mein Brod mit Sättigung gegessen." Aber auch mit einfachem Wasser werde ich nicht für gewöhnlich mick) anfüllen, damit nicht die Ausdehnung deS Leibeö bis zur Anreizung der*Prollust fortschreite. Wer kiug und nüchtern wandelt, dem ist Salz mit Hunger ein hinreichendes Gewürz. Wie zum Kreuze, so gehe zum Essen, d. i. nicht auS Gaumenlust, sondern aus Nothwendigkeit: der Hunger, nicht der Geschmack rufe den Appetit hervor. 3. A d v o c a t e n. Die Streitreden und Wortkämpfe der Advocaten tragen mehr zur Unterdrückung, als zur Auffindung der Wahrheit bei. Diese sind eS, welche ihre Zungen Lügen reden gelehrt haben: beredt gegen die Gerechtigkeit, erfahren in der Falschheit, weise, BöseS zu thun, mundfertig gegen die Wahrheit. Sie geben Unterricht denen, von denen sie unterrichtet werden sollten. Sie behaupten nicht daS Erfahrene, sondern daS Ihrige: sie untergraben die Einfachheit der Wahrheit und verbauen die Wege zum Gerichte. Nichts wird also ohne besondere Mühe die Wahrheit offenbar machen, als die kurze und unverfälschte Erzählung derselben. 4. Aergerniß. „SauluS, SauluS, warum verfolgst du mich?" Oder verfolgte der Christum nicht, der Christi Glieder auf Erden töttcte? Verfolgt haben Christum Jene, die seinen heiligsten Leib an daS Holz deS Kreuzes hefteten: und der sollte ihn nicht verfolgt haben, der gegen seinen Leib, der die Kirche ist, voll ungerechten Hasses wüthete? Wenn er endlich sein eigenes Blut als ErlösungSpreiS der Seelen hingegeben hat, scheint eS dir nicht, daß er von jenem eine schwerere Verfolgung ausstehe, der durch boshafte Anreizung, durch verderbliches Beispiel, durch die Gelegenheit deS Aergernisses Seelen von ihm abwendet, die er erlöSt hat, als von einem Juden, der jenes Blut vergossen hat? Erkennet, Gelicbtcste, und verabscheuet die Gesellschaften Jener, welche daS Heil der Seelen verhindern. ES ist ein fürchterlicher GotteSraub, der sogar die Uebelthat Jener zu übertreffen scheint, die an dem Herrn der Majestät ihre gotteSräuberischen Hände anlegten. ES schien die Zeit der Verfolgung aufgehört zu haben, aber, wie eS offenbar ist, hört die Verfolgung niemals auf für den Christen und auch für Christus. Und was noch schwerer ist, selbst jene verfolgen Christum, welche von ihm Christen genannt werden. Gott, deine Freunde und deine Nächsten sind gegen dich aufgestanden! Die Gesammtheit deS christlichen Volkes scheint sich verschworen zu haben gegen dich vom Kleinsten bis zum Größten; von der Fußsohle bis zum Scheitel ist keine Gesundheit: Gottlosigkeit ist ausgegangen von den Aeltesten uud Richtern, deinen Stellvertretern, welche dein Volk zu regieren scheinen. Jetzt kann man nicht mehr sagen: „Wie daS Volk, so cher Priester," weil auch das Volk nicht so ist wie der Priester. Ach, ach, Herr und Gott! Die Ersten in deiner Verfolgung sind jene, die in deiner Kirche die ersten Plätze einnehmen und die Herrschaft führen. Ihr bedauernSweriher Lebenswandel ist der Untergang deines bemitleidenSwürdigen Volkes. 5. Andacht. Wer den Samen guter Werke ausgestreut hat, der suche die Gnade der Andacht, damit die guten Werke durch den Eifer der Andacht und durch die Süßigkeit der GeisteSgnade gewürzt werden. Nämlich die Büß- werke und die Mühen der Enthaltsamkeit müssen durch die Gnade der Andacht fett gemacht werden. Denn wir sollen vorzüglich AlleS mit Freudigkeit thun. Wir beklagen uns, daß unö die Gnade fehle, aber vielleicht 150 kann sich die Gnade mit mehr Recht beklagen, daß ihr einige mangeln; denn die Gnade der Andacht, welche wir suchen, ist Herzenssache, so, daß sich derjenige dieses Geschenkes selbst beraubt, der eS verschmäht, demselben einen innern Wohnplatz anzuweisen. Hermann von' Lehnin. (Fortsetzung.) Johann Cicero. 43. Der nach diesem folgt, weiß den KriegSgolt durch Kunst zu täuschen. 44. Seinen Söhnen bereitet er eine glückliche AuSstcht in die Zukunft. 45. So lange dieß bewahrt wird, wird großes Glück erworben. 46. Seine Söhne werden durch gleiches Loos beglückt. Aus Albrecht Achilles folgte sein friedliebender Sohn Johann, der durch seine Beredsamkeit drei streitende Könige, Mathias von Ungarn, Kasimir von Polen und LadiSlauS von Böhmen, zum Frieden beredete, und so den KriegSgolt täuschte. Auch wußte er sonst durch seine Redefcrtigkeit seine Geldwünsche Hon den Landständen zu erreichen, und bekam daher den Namen Cicero. Durch seine Sparsamkeit, seine Friedensliebe, und dadurch, daß er seine Staaten sehr vergrößerte, eröffnete er seinen Nachkommen eine gute AuSstcht in die Zukunft. Seine beiden Söhne wurden Kurfürsten, hatten also ein gleich ehrenvolles LooS. Joachim ward Kurfürst von Brandenburg und Albert Kurfürst von Mainz. Joachim l. Nestor, der letzte katholische Fürst. 47. Jedoch eS wird ein Weib eine traurige Pest ins Vaterland einführen, 48. Ein Weib, von dem Gifte einer neuen Schlange contract gemacht. 49. Und dieses Gift wirb dauern bis zum eilften Stamme. Joachims Gemahlin, Elisabeth, eine Prinzessin von Dänemark, trat zur lutherischen Lehre über, und führte diese, die Hermann „eine traurige Pest" nennt, in Brandenburg ein. Nun schildert Frater Hermann in den bittersten Ausdrücken die traurige Kirchenspaltung und ihre noch traurigern Folgen; die bis in das eilsle Glied des hohenzollern- schen Hauses dauern sollen. Joachim II., der erste lutherisch gewordene Fürst. 50. Jetzt tritt der hervor, der dich, o Lehnin! übermäßig hasset. 51. Er theilt wie ein Messer, gottlos ist er, Hurer und Ehebrecher; 52. Er verwüstet die Kirche, die Güter der Kirche verkauft er. 53. Geh nur mein Volk! Du hast keinen Beschützer mehr, 54. Bis die Stunde kommen wird, wo die Herstellung geschieht. Joachim II. trat bald, gegen sein dem sterbenden Vater gegebenes Versprechen, zur lutherischen Lehre über, hauptsächlich beredet von seiner Mutter. Er führte einen ehebrecherischen Wandel, indem er sich ein ganzes Serail von Frauenzimmern hielt, und besonders mit einer Wittwe Ridow im verbotenen Umgänge lebte. Man hatte damals den beschönigenden Namen Galanterie noch nicht, und nannte solche Sünde plattmärkisch Hurerei und Ehebruch. Joachim zog nicht bloß Lehnin ein, woraus er die Mönche mit nur 20 — 30 Gulden Gna- dcngehalt forttrieb, sondern auch zahllose andere Klöster und die BiSlhümer Brandenburg, Havclberg und Lebus. Die Katholiken blieben nun in der Mark ganz ohne Beschützer, und waren und sind den Plackereien und Unterdrückungen ausgesetzt, bis die Zeit der Wiederherstellung dcS deutschen Reiches und der katholischen Kirche kommt, die vielleicht sehr nahe ist. Johannes Georg. 55. Der Sohn dieses sinnlosen Thoren billigt die Einrichtungen seines Vaters, 56. Ganz ungescheidt wird er doch den Ruf eines Frommen haben. 57. Er ist nicht strenge genug, und deßhalb heißt er der beste Herr. Joachims Sohn, Johann Georg, verfolgte die Bahn seines Vaters. Wie ein Ungescheibter verbrannte er das Bild des Papstes, duldete keine Reformirten im Lande, und hieß deßhalb „fromm." Er nahm die weibersüchtigen katholischen Mönche und Pfaffen mit großer Güte aus und hieß deßwegen der „beste Herr." 58. Diesem wird das Loos: einen aus seinem Geschlechte zu sehen, der ihm nicht gleich ist. 59. Im Trauerjahre läßt er sein Leben an einem.ehrbaren Orte. Johannes Georg sah noch seinen Enkel Johann SigiSmund, der seinem Großvater nicht gleich blieb, sondern von der lutherischen zur calvlni- schen Lehre übertrat. Er starb im Pestjahre 1598 in dem prachtvollen Schlosse Köln, nachdem er seinem Sohne dritter Ehe, Christian, die Neumark vermacht. Joachim Friedrich. 60. Der in der Stadt Geborne begehrt Herrscher zu werden deS Volkes. Der Sohn des Vorigen, Joachim Friedrich, verdrängte seinen Stiefbruder Christian aus der Neumark und wurde so Regent der ganzen brandenburgischen Lande. 61. In Hoffnung deS Uebrigen hegt er hier furchtsam seinen nachgewachsenen Erben. Da die brandenburgischen Länder immer durch Theilung zersplittert und die Macht des HauseS Hohenzollern dadurch sehr geschwächt wurde, führte er das Recht der Erstgeburt in den brandenburgischen Landen ein, so daß der Erstgeborne Kurfürst werden, alles besitzen und die jüngeren Prinzen mit Geld abgefunden werden sollten. So sorgte er, in der Hoffnung, die Vereinigung der übrigen Landestheile mit der Mark herbeizuführen, furchtsam für seinen Sprößling. 62. WaS er dunkel fürchtet, das wird sicher doch geschehen. Joachim fürchtete sehr, daß sein Sohn seine Religion verändern würde, und nöthigte ihn deßhalb, eine Erklärung zu unterschreiben, nie von der Lehre Luthers abzugehen. Doch geschah dieß dennoch, da Johann SigiSmuS zum Calvinismus übertrat. Auch fürchtete er die vorauszusehende Erb chaft der clevischen Länder, Eleve, Jülich und Berg mit andern Erbberechtigten theilen zu müssen, waS auch geschah, da der Pfalzgraf von Neuburg-Zweibrücken, Jülich und Berg, und Johann SigiSmund Eleve und die Mark erhielt. Johann SigiSmund. 63. Bald wird, mit Zulassung GotteS, die Gestalt der Dinge eine neue; 64. Er strotzet von tausend Mängeln, dessen Dauer kurz ist. 65. Vieles verwirrt er durch ein Edict, noch mehr durch einen Schlag; 66. WaS jedoch durch seine Befehle noch schlimmer wird, 67. DaS kann durch das Schicksal fürwahr zum Bessern gelenkt werden. Durch Johann SigiSmund änderten sich die Dinge in Brandenburg sehr. Um in seinem clevischen ErbschastSstreite seine reformirten Unterthanen an sich zu ziehen und sich die reformirten Holländer zu Freunden zu machen, wurde er selbst 1613 reformirt. Dieß ist die „Aenderung." Er hatte viele „Mängel;" er war jähzornig, ausschweifend und dem Trunke ergeben. Um die Unzufriedenheit über seinen Ucbcrtritt zum Calvinismus zu beschwichtigen, erließ er ein sehr strenges „Edict," worin den Predigern alle Schmähung gegen andere Konfessionen verboten wurde. Da es aber ein Haupttert aller lutherischen Predigten ist, auf andere zu schimpfen, wie die ReformationSpredigtcn bezeugen, so entstand eine große Aufregung und endlich ein Aufstand im Lande, besonders in Berlin, der nur mit Mühe unterdrückt wurde. DaS war das „Edict." Den „Schlag" aber gab er im Jähzorne zu Düsseldorf dem jungen Pfalzgrafen von Neuburg, der Ansprüche auf die clevischen Länder machte, wodurch jede friedliche Vereinigung zwischen beiden Fürsten unmöglich wurde. Je mehr „Befehle" er erließ, um so größer wurde die Aufregung, bis endlich gegen Ende seines Lebens durch Beilegung aller innern und äußern Streitigkeiten alles zum Bessern gelenkt ward. Auf Johann SigiSmund folgte Georg Wilhelm. 68. Der Sohn wird Markgraf nach dem Vater werden. (Dieß geschah.) 69. Durch seine Klugheit läßt er keinen ungerächt leben. Georg Wilhelm war wohlbewandert in der Klugheit, die die preußischen Pfiffe, ober die Kniftologie (Kniffemacherei) erfand. Er nahm sich einen katholischen Minister, von Schwarzenberg, um eS nicht mit dem Kaiser zu verderben, und sandte diesem 800 Mann zu Hilfe. Zu gleicher Zeit eilte er dem Könige von Schweden entgegen und stellte auch diesem einige tausend Mann Hilststruppcn zu Gebote. Als die Schweden geschlagen wurden, hielt er wieder zum Kaiser. So alle betrügend, rächte er sich an jedem. 70. Da er zu viel Vertrauen hegt, zerreißt der Wolf die beklagenswerte Heerde, 71. ES folgt der verderbte Diener bald dem Schicksale seines Herrn. Da der Kurfürst, als Protestant, zu den Schweden zu viel Vertrauen hegte, und sie in sein Land aufnahm, verwüsteten diese dasselbe, gleich Wölfen, auf'S Schrecklichste, und machten eS zu einer Einöde. Unter 151 dem verderbten Diener ist der Graf Schwarzenberg zu verstehen, der die Geißel Brandenburgs genannt, einige Monate nach Georg Wilhelms Tode starb (3. März 1641). Friedrich Wilhelm!. 1640 — 1688. 72. Darauf kommen, die sich von drei Burgen nennen. Jetzt folgt Friedrich Wilhelm!., der große Kurfürst genannt. Er erhielt im westfälischen Frieden Magdeburg, und fügte so das dritte Burg zu seinem Titel: Burggraf von Nürnberg, Markgraf von Brandenburg und Herzog von Magdeburg. 73. Stehe, unter dem großen Fürsten wachsen die Gränzen deS Landes. Während seiner langen Regierung erlangte er Preußen ganz, dann Halberstadt, Kamin und Minden. Er erhielt den Namen „der große Kurfürst." So hat also der Prophet wieder Recht. Und auch darin, daß die Tapferkeit dieses Fürsten seinem Volke Ruhe verschaffte, denn er schlug die Schweden bei Fehrbellin. Daher heißt es: 74. DeS Volkes Sicherheit beruht auf deS Regenten Tapferkeit. Friedrich III., der erste König von Preußen. 1688 — 1713. 75. Aber nichts nützet dieß, wenn die Klugheit kehlt. Nichts nützte die Tapferkeit deS großen Kurfürsten: denn sein Sohn,! von Eitelkeit und Prunksucht verleitet, erklärte sich selbst zum erstens Könige von Preußen, setzte sich die Krone auf und stiftete den schwär-! zen Adlerorden. Er unternahm etwas, was er besser gelassen hätte;! denn seine Unterthanen mußten die Zeche bezahlen, und Steuern über Steuern aufbringen. Für den ersten König von Preußen hat Bruder Hermann nur einen Vers. (Schluß folgt.) Die Freiheit der Kirche in Preußen. Während die Katholiken für die Freiheit der Kirche, für die Unabhängigkeit derselben vom eisernen Arme weltlicher Omnipotenz und die Ent- vormundung vom Beamtenthum schon Jahre lang vergeblich ihre Stimmen erhoben, endlich ihren gerechten und nothwendigen Forderungen, durch die Zeitumstände befürwortet, theilweise entsprochen worden ist, erheben sich die Protestanten und protestiren gegen die Freiheit der Kirche, gegen die Trennung derselben vom Staate. Es läßt sich nichts dagegen sagen, denn beide Forderungen sind in der Geschichte und der Natur einer jeden Konfession begründet. Der Protestantismus verdankt dem Staate seine Entstehung, seine Entwickelung, sein Gedeihen; der Katholicismus hingegen, älter als unsere moderne und morsche StaatSform, leitet seine Entstehung, seine Gegenwart und seine Zukunft auS höheren und unversiegbareren Quellen her. Während dieser von der weltlichen Macht geknechtet, in seinen natürlichsten Rechten bedrückt, sogar in der Ausübung seiner Pflichten gehindert wurde, wurde jenem zum eigenen Vortheile, der aus dem Nachtheile der andern Religionsgesellschaft erwuchs, unter die Arme gegriffen. Dem starken, kräftigen Manne wurde die Nahrung benommen, und dem aus unnatürlicher Doppelehe entstandenen Kinde von der Staatsamme dargereicht. So bildeten die Ueberbleibsel katholischer Dogmen den geistigen Schatz dcö Protestantismus, wozu ihm der Staat aus der Beraubung des katholischen KirchenschatzeS noch ein materielles Vermögen hinzuschuf. Würde der Prote-! stantiSmuS nun von der wohlthätigen Amme und Pflegerin verlassen, dann^ entstände allerdings die Frage, wovon er leben könnte, nachdem geistiges sowohl als materielles Vermögen aufgezehrt wäre. Die Furcht der Protestanten vor der Freiheit der Kirche erscheint daher gerechtfertigt, aber nicht minder das ernste Wort der Katholiken für die Freiheit und Unabhängig^ keit derselben von der weltlichen Staatsgewalt. Der Protestantismus ist! seiner Natur nach der irdischen Gewalt zugewiesen, und gleich den Epheu-! ranken bedarf er einer materiellen Stütze, woran er sich lehnen kann, um nicht auf der Erde sich herumschlingend von den Vorübergehenden zertreten zu werden. Der Katholicismus hingegen lebt von innen heraus, er bedarf keine weltliche Stütze, die ihm vielmehr höchst schädlich ist; denn daS Lebensprincip deS Katholicismus ist der Geist, derselbe unwandelbare Geist, in dem er gegründet wurde, 18 Jahrhunderte durchlebt hat, und bis zum Ende der Tage fortleben wird. WaS daher diesem nothwendig ist, ist jenem in demselben Verhältnisse nachtheilig und umgekehrt. Im Concreten, ist hier katholischcrseitS wohl zu berücksichtigen, daß unsere Staatsgewalt selbst dem Protestantismus angehört, und daher Freiheit der Kirche für die Katholiken der Anfang eines bessern Gedeihens, für die Protestanten der! nothwendige Anfang der Auslösung; für Beide aber, besonders aber für die letzte, eine Lebensfrage ist. Was nun den Protestationen Protestant!-! scherseitS, so wie den Forderungen katholischcrseitS für eine Rechnung getragen werten wird, muß sich bald entscheiden. DaS zögernde Verhalten der Regierung in Ausführung der betreffenden VerfassungSbestimmungen scheint dafür zu sprechen, Laß man höhern OrtS jene vorzüglich berücksichtigt. Andererseits könnte man Belege anführen, daß die Regierung die kirchliche Freiheit, welche die Verfassung »allen Religionsgesellschaften gewährleistet, in Bezug auf die katholische Kirche nicht verkümmern wird. Dafür sprechen zwei Verfügungen, welche daS CultuSministerium unlängst erlassen hat. Die eine bezieht sich auf die früher viel angefochtene Befugniß der Regierung, solche katholische Pfarrstellen, deren Patron deö PräsentationS- rechts für seine Person verlustig gegangen ist, zn ersetzen. DaS Ministerium erklärt, daß diese Besetzung fortan durch die geistlichen Oberen erfolgen könne. Durch elne zweite Verfügung ordnet der Minister an, daß die Einsammlung freiwilliger Beträge zur Bestreitung der kirchlichen Gcmein- debedürfnisse innerhalb einzelner katholischer Gemeinden künftig ohne Erlaubniß der weltlichen Behörden solle stattfinden dürfen. Allerdings schwache Belege; aber wir vertrauen der Gerechtigkeit der Regierung, daß sie ihr gegebenes Wort nicht breche, Laß ihre Versprechungen, daß der geschriebene Buchstabe Wahrheit werde. Fühlen sich einige Protestanten so schwach, daß sie glauben, ohne den weltlichen Arm, der sie wie ein unmündiges Kind am Gängelbande führt, nicht förteristiren zu können, dann verdienen sie auch nicht den Namen einer ReligionSgcsellschaft, und sind nicht werth, daß sie eristiren; diejenigen Protestanten aber, die zu ihrem Bekenntnisse Vertrauen hegen, oder nur daran glauben, werden auch Muth genug haben, ohne den Arm der weltlichen Gewalt frei inS Leben zu treten und mit den Katholiken Freiheit fordern, Freiheit und Unabhängigkeit von der Bevormundung weltlicher und verweltlichter Behörden. Jedenfalls werden die Katholiken von ihren gerechten Forderungen nicht abstehen, stets von Neuem mit Würde und Ergebung rufen: Gebt unS die Freiheit, damit ihr selbst frei werdet; und sollte e'in Staat macchiave llistisch und josephinisch genug seyn können, heut zu Tage, nachdem die Jugend in den Clubs, auf den Märkten, in den Gefängnissen den gänzlichen Bankerutt beweist, den er durch seine Erziehung gemacht hat, nachdem die allgemeine Entsittlichung, namentlich in Berlin, und die elende moralische Verkommenheit, die Unfähigkeit LeS Staates, die Functionen der Kirche auszuüben, oder zu regeln, auf die schlagendste Weise an den Tag gelegt hat; ja sollte ein Staat nach so traurigen Erfahrungen heut zu Tage eine ungerechte Hand an daS Heiligthum der Religion legen, dann mag er zum Voraus sich einen Grabstein bereiten, und hören, wie seine eigenen Maaßregeln ihm daS Miserere singen. Versammlung der PiuSverelne in Rottenburg. Rottenburg, 23. August. Der Einladung des hiesigen PiuS- vercineS zu einer Generalversammlung der verbrüderten Vereine in Würt« lcmberg wurde gestern durch die Ankunft zahlreicher Abgeordneten entsprochen. Dieselben begaben sich mit mehreren andern Männern, welche Antheil an der Sache nahmen, in geordnetem Zuge vom Seminarssaale auS in die Domkirche, wo unter Anwesenheit deS hvchwürdigsten Bischofs und DomcapitelS bei großer Betheiligung deS Volkes ein feierliches Hochamt gehalten wurde. Nach dem Gottesdienste eröffnete Herr RegenS Dr. Mast als Vorsitzender die Versammlung im Nathhauösaale; Mitglieder deS PiuS- vereinS wie andere Zuhörer von hier und der Umgegend hatten sich ein- gefundcn; Frauen nahmen von einem Nebenzimmer auS Antheil. Herr Mast, der die Verhandlungen mit sehr viel Umsicht leitete, erinnerte die Anwesenden in anziehender Rede an die Zwecke der katholischen Vereine und an die Veranlassung zur begonnenen Zusammenkunft; in letzter Hinsicht machte er auf den ausgesprochenen Wunsch der zweiten Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands aufmerksam. AIS Zwecke stellte er den Statuten gemäß auf: Unterstützung der kirchlichen Obern in Erringung der religiösen Freiheit; Wahrung der Stiftungen und Schul- fondS mit gehöriger Einwirkung auf daS Schul- und ErziehungSwescn; Betheiligung an der Armenpflege und Allem, was zur Hebung der socialen Ucbelstände beiträgt; Förderung der christlichen Bildung. Den Sinn hiesür von Neuem anzuregen, sich über Einzelnes zu verständigen und zu einigen, daS sey Aufgabe der Versammlung. Den öffentlichen Ansprachen sollten specielle Berathungen im Seininargebäude folgen. Die Redner, welche sofort auftraten (Stadtpsarrer Vogt aus Lud- wigSburg, O.J.R. Holzinger auS Ellwangen, Musterlehrer Weinmann auS Ebingen, Professor Allgayer auS Ehingen, ein Landmann, Fischer auS Bühlerzell, Pfarrer Reiching auS GroßeiSlingen) wußten jeder in seiner Weise daS Publicum zu fesseln. Noch manche, welche sprechen wollten, standen mit Rücksicht auf die Zeit davon ab. 15S Herr Vogt führte sehr beredt und überzeugend den Gedanken durch, daß der kirchlichen Freiheit in der jetzigen Zeit nicht von den Regierungen, wohl aber von Seite deS Volkes, ver falschen Freiheit, Gefahr drohe. Er verwies an die französische Revolution und an seinen Namensvetter, den ReichSregenten, welcher bei allen Phrasen über religiöse Freiheil von geweihten ReligionSbuben spreche, denen man zu Leibe gehen müsse, so wie auf da» wüthende Manifest der Scbweizevvemokraten. Er schloß mit einem Ausruf an die Bedenklichen, an die Trägen und Gleichgiltigen und mit dem namentlichen Wunsche, daß die Gebildeten, denen doch der Umsturz daS Meiste gefährde, sich mehr an der VereinSsache betheiligen mögen. Herr Holzinger, der gleichfalls den lebhaftesten Beifall erntete, verbreitete sich über die Aufgabe deS VereinS in sehr belehrender und ansprechender Weise, indem er die einschlägigen Puncte der Landes- und Reichsverfassung nebst Grundrechten erklärte lind nebenbei mit den Bestrebungen der Umsturzpartei verglich, wobei er nachwiest, daß diese gerade in den Hauptpunctcn mit der Reichsverfassung im Widerspruch stehen. Auch rein politische und sociale Gegenstände erklärte er. So fand es vielseitige Zustimmung, als er die Ursachen der allgemeinen, besonders der Gewerbs- noth entwickelnd dieselben in der Verwirklichung der demokratischen Gleichmacherei aufsuchte und an einzelnen Beispielen ins Licht setzte. Die Be- amten, sagte er z. B., welche, voil*den höhern abgesehen, nicht zu viel Gehalt hätten, sollen schmäler gehalten, und viermal höher als bisher besteuert werden. Das ist schon recht, aber dafür, werden sie auch ihre Röcke länger tragen und weniger Schneider brauchen. Herr Weinma^n kritisirte den Entwurf der OrganisationScommis' fion über das Schulwesens er setzte an ihm aus, daß er Trennung zwischen Schule und Kirche durchführen wolle, während doch kein Heil von der Erziehung zu erwarten sey, bis Schule und Kirche, Volksbildung und Religion im EinheitsverMlniß zu einander stehen. Herr Allgayer be> richtete vornemlich über den Ehinger PiuSocrein, und bemerkte dabei gelegentlich, daß hauptsächlich durch Behandlung einzelner geschichtlicher Materien Interesse für die VereinSzwecke erregt werde. Herr Reiching verbreitete sich, an die anwesenden Frauen gewendet, über ihre hohe Aufgabe, in welcher sie Schule und Kirche unterstützen müßten. Herr Fischer, ein schlichter Bauer, der mit einem ungewöhnlichen Gedanken- und Redeflüsse in körniger und frischer Weise über MannS- klöster sprach und ihre Zweckmäßigkeit auS ihrer Geschichte und den Bedürfnissen der Gegenwart darzuthun versuchte, gefiel sehr; seinen oft humoristischen Ausfällen antwortete eine allgemeine Heiterkeit. — Wir müssen unS mit diesen kurzen AuSzügen auf ein mageres Gerippe beschränken, das hinter der Wirklichkeit weit zurück fleht. Die besondern Berathungen der VereinSdcputirten im Seminar schlössen sich sofort an. Diesen wohnte auch ver Hvchwürdigste Bischof bei. Er versicherte die Versammlung seiner lebhaften Theilnahme, warnte sie aber auch vor dem möglichen Abwege, nach Art eines LandcSauSschusseS in daS Kirchenregiment einzugreifen und, wie ein Aufruf ihnen erst zuge- muthct habe, „gegen die Träger der geistlichen Bureaukratie" Partei zu nehmen. Die Worte deS Hochwürvigstcn Bischofs fanden ungetheiltc Beistimmung. Aus den Gegenständen, weiche speciell berathen wurden, bemerken wir: das Verhältniß zur Politik. Es wurde nach längerer Debatte anerkannt, daß der Verein keine politischen Zwecke verfolgen solle; müsse er sich aber an politischen TageSfragen betheiligen, was nicht abzuweisen sey, so sey eS Pflicht, den destructiven Tendenzen entgegenzutreten und die christlichen Grundsätze zur Geltung zu bringen. Auch das Verhältniß zur Schule, die Zustände der Presse, ferner die Nothwendigkeit von Bezirks- VereinS-Versammlungen, Bildung von VercinScassen, kamen zur Sprache. Als Ort der nächsten, in einem halben Jahre abzuhaltenden Zusammenkunft wurde Ehingen bestimmt. Ein frugales Mittagsmahl, bei welchem Toaste auf den heiligen Vater, den anwesenden Hochwürdigsten Bischof, die katholischen Vereine, den Freiherr» von Hornstein, Regens Dr. Mast, daö deutsche Reich und die Einheit mit Oesterreich gebracht wurden, unterbrach die Verhandlungen. Die Versammlung trennte sich in herzlicher Eintracht, nachdem sie dem würdigen Vorsitzenden durch ein dreimaliges Hoch ihren Dank bezeugt hatte. Die Goethe-Feier in Wien. *) „Die Goethe-Feier im VolkSsreunde besprochen!" Wie kommt Saul unter die Propheten? Was für ein Zusammenhang ist zwischen dem großen *) Aus dem österreichischen Vclksfreund. Anhänger deS Pantheismus (der heidnischen Lehre vom göttlichen Ein und AU) und unserm Katholikenvereine? Wir könnten darauf antworten, daß kein Ereigniß der Zeit unbeachtet an unS vorübergehen soll; und ein solches ist die mehr oder minder große Theilnahme der Mitlebenden an dem 100- jährigen Geburtsfeste eines großen Mannes! Wir könnten (und sollten vielleicht) unS geradezu auf den polemischen (streitfertigen) Standpunct stellen, und gegen die bedauernSwerthe Richtung, die so viele GcisteSwerke deS deutschen Dichterfürsten bezeichnen, eifern, und Colophonium-Blitze auf eine Zeit schleudern, welche die Abgötterei mit Kunst und Künstlern wieder einzuführen, und dadurch die Opferaltäre der modernen Göttin Politik veröden zu lassen droht. Ja wahrlich, waS könnten oder sollten wir noch alles? Wir können aber auch — und dieß steht unS vielleicht am besten an! auf daS Streben unseres Vereins für Glauben, Freiheit und Gesittung hinweisen; wir können dann die unbestreitbaren Verdienste, welche Goethe sich um die deutsche Gesittung in begeisterter Rede, in Beherrschung der Form und dcö Gedankens erworben bat, nicht unbeachtet lassen; wir können in den Tagen, wo Freiheit und Frechheit gleichbedeutend geworden, seine, von den Gegnern nur zu oft aristokratisch oder für- stendienerisch gescholtenen Gesinnungen für wahre Freiheit, die in Recht und Ordnung gegründet ist, nimmer vergessen; ja wir müssen unS freuen, wenn daS Andenken solcher Männer stets lebendig erhalten bleibt! Aber der Glaube? WaS diesen betrifft, so müssen wir daran entweder schweigend vorüber gehen, oder eS doppelt beklagen, daß ein Mann von solcher Geisteskraft so sehr daS Kind seiner Zeit war, um bis zur Pforte, „die zum Leben führt" zu gelangen, und dann — stehen zu bleiben. Ist dieß jedoch so ganz gewiß und ausgemacht? Wir glauben daS nicht; ja wir gehen weiter und meinen: der Mann, welcher die, allerdings etwaö con« fuse Lehre ausgesprochen: „Ein guter Mensch in seinem dunkeln Dränge Ist sich des rechten Weges wohl bewußt," der stand wohl sehnsuchtsvoll vor der verschlossenen Pforte, deren Schlüssel er noch aufzufinden gewußt hätte, sofern er nicht vielleicht zu spät dieser Sehnsucht Gehör gegeben. Weit entfernt, die mystische Bedeutung, welche Wilhelm v. Schütz in seinem „Goethe'S Faust und der Protestantismus" dieser großen Dichtung unterlegt, unbeschränkt anzunehmen, glauben doch auch wir das Streben nach den Formen der geoffenbarten Religion, welche sich im zweiten Theile zum Faust kundgeben, nicht ganz übersehen zu dürfen. — Und so mag unS denn Goethe'S Andenken als das eines Mannes theuer seyn, dessen Streben nach Humanität, Gesittung und wahrer Freiheit unS Vorbild seyn darf; dessen Glaubensrichtung unS aber zeigen soll, wie noth „daS Eine" thut: der Glaube an einen über- und außerweltlichen (objectiven) Gott und an eine Erlösung, wenn nicht alles menschliche Wissen und Schaffen in zweck- und fruchtlosen Naturgotteödienst untergehen soll. Und nun die Gedächtnißfeier selber? Nur andeuten wollen wir in unserm Blatte, daß sie nicht gelungen genannt werden darf, da ihre Glanzmomente sich mehr im Reiche der Ton- als der Dichterkunst bewegten; daß wir namentlich die Dichtung deS Prologes als verfehlt und den Vertrag der sinnigen „Legende" als gesucht naiv (kindliche Einfalt erkünstelnd) bezeichnen müssen; endlich daß die Darstellung der „Scene im Dome" unS wieder die große Klippe zeigte, an welcher eine theatralische Schaustellung kirchlicher Feierlichkeiten immer zu scheitern pflegt, und daß wir den Engel oder Genius der Schlußscene einen ganz verfehlten und kindischen Versuch nennen müssen. Vereinigte Staaten von Nordamerika. New-Uork, 15. Aug. Die Mäßigkeitssache nimmt in den vereinigten Staaten großen Fortgang. Der von Irland zum Besuche herübergekommen Mäßigkeitsapostel, Vater Matthew, hat einen überaus warmen und glänzenden Empfang bei unS gefunden. Tausende seiner hier sich aufhaltenden LandSIeute und der übrigen Einwohner der Hauptplätze im Osten der Union haben zu seiner Fahne geschworen; in Boston hat er fast sämmtlichen dort in großer Anzahl lebenden Jrländern den Eid abgenommen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- nemenlspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur ^ Augsburger Postzeitung. Auch durch den B»ch- handel können diese Blältcr bezogen werde». Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 fl. 20 kr. Neuntee Jahrgang X? SS AV. September L84A. Hermann von Lehnin. (Schluß.) Friedrich Wilhelm!. 1713 — 1740. 76. Der sein Nachfolger ist, geht nicht auf den Wegen deS Vaters. 77. Ihr Brüder betet nur, schont nicht ihr Mütter die Thränen! 78. Bei diesem trügt der Name, er ist nicht Vorbedeutung friedlicher Regierung. 79. Es ist nichts Gutes mehr! Zieht fort ihr alten Bewohner. — 80. Er liegt erblasset hier, von außen und innen zerschlagen. Auf den Wegen deS verschwenderischen Vaterö ging nicht der höchst geizige Sohn. Er war der größte Schätzesammler und der ärgste Wülhrich, unter dem, wie Voltaire sagt, die Türkei ein wahrer Freistaat gegen das damalige Preußen war. Seine größte Leidenschaft waren große Soldaten, die er überall werben und rauben ließ, wo- durch er vielen Müttern Thränen auspreßte. Seine Freude waren Soldaten, und daher sandte er allen Müttern, die in seinem Lande Knaben gebaren, ein rothe- Halstuch zu, zum Zeichen, daß die Jungen all^Soldaten werden''müßten. So hieß er Friedrich und war kein Friedereich. Viele Menschen, die In seinen Staaten wegen dieses RecrutenraubeS nicht mehr bleiben konnten, zogen nach Holland, Schlesien rc. Er starb an der Wassersucht, und sah auf seinem Paradebette so entstellt und zerschlagen aus, daß alle vor Entsetzen davon liefen. Er starb 1740, also 17 Jahre nach dem ersten Drucke dieser Prophezeiung. Friedrich II. 1740 - 1786. 81. Bald knirscht der Jüngling, während die hohe Gebärerin seufzt. Der Sobn desselben, Friedrich der Große, mit einem tüchtigen Heere von 80,000 Mann und einer vom geizigen Vater gefüllten Schatzkammer, knirschte vor KriegSlust, und fiel in Schlesien ein, während Maria Theresia, die Kaiserin, im Wochenbette lag und über diese Nachricht seufzte. 82. Doch wer kann den erregten Staat wieder zur Ruhe bringen? Dieser einmal begonnene Krieg dauerte viele Jahre. Der erste schlesische Krieg 1740 — 42. Der zweite 1744 — 45 und der siebenjährige Krieg 1756 - 63. 83. Er ergreift die Fahne, doch beklagen wird er hartes Mißgeschick. Der alte Fritz ergriff zwar die KriegeSfahne, aber oft wurde er im ^ harten Mißgeschick geschlagen, und verlor die Schlachten bei Kollin, KunerSdorf, Hochkirch, DreSden. 84. klantil)U8 Kino austris, vitam vult oreäoro cluustris. Während der Südwind von hierab weht, will er sein Leben dem Kloster anvertrauen. Hierüber hat das Leben deS alten Fritz selbst Aufschluß gegeben. AIS er von den Oesterreichern sehr bedrängt und von ungarischen Husaren einst hart verfolgt wurde, flüchtete er in ein Cisterzienser-Kloster, ließ sich vom Abte in Mönchökleidung stecken, ging mit inS Chor, und wurde von den ihn suchenden Oesterreichern nicht gefunden. Unter ! den X»8tri8 ist also nicht der Südwind zu verstehen, sondern die Oesterreicher. Wer konnte an solche AuSlegung denken? Und doch , stehen diese Worte 1723 schon gedruckt! So hat sich hierdurch die Herrmann'sche Weissagung als unzweifelhaft ächt gezeigt. Friedrich Wilhelm II. 85. Ou> soguitur, provos imitatur p688imu8 avc>8. Sein Nachfolger ahmt, als der schlechteste, die schlechten Ahnen nach- 86. Xon rokur menti, non >»ii8nnt mimina gonli. Er hat keine Geisteskraft, daS Volk ist ohne Gott. Dieser Fürst war in der .That der schlechteste von allen Hohenzollern, so wie schon Friedrich der Große, sein Oheim, vorausgesagt hatte. In Liederlichkeit, Leichtgläubigkeit, Maitressenwirthschaft, in der abscheulichsten Härte im RecrunrungSwesen floß sein ganzes Leben hin. Vom Hofe auS verbreitete sich die Sittenlosigkeit durch alle Stände, und Berlin war schon damals im höchsten Grade verdorben. Durch Wollust ward seine „Geisteskraft" ganz geschwächt; der Unglaube nahm in Folge der Sittenlosigkeit so überhakid, daß Wöllner, der Minister deS KönigS, 1788, da viele protestantische Geistliche geschworen hatten, an einem Tage zu predigen, daß di?Goltheit Jesu Ehristi ein leeres Hirngespenst sey, ein sehr strenges Edict dagegen erlasse» mußte. So trug die gepriesene Reformation schon jetzt ihre Früchte: daS Volk wurde seines Glaubens an „Gott" beraubt. 87. Luju8 opoin petit, eontrr>riu8 liie 8i'ki 8tetit. Wer dessen Hilfe sucht, der steht sich selber als Feind. Oesterreich suchte Preußens Hilfe gegen Frankreich nach. Preußen ge- ! währte sie, zog mit einer Armee nach Frankreich, ließ aber die Oesterreicher ganz im Stich, so daß diese, als die Preußerk sich zurückzogen, die ganze französische Armee auf den Hals bekamen, und schwer geschlagen wurden. So hatten die Oesterreicher durch seine Hilfe nur Unglück, und hatten am sogenannten Freunve „einen Feind." Nicht besser ging es StanitlauS von Polen, der sich auch auf die preußische, fest versprochene Hilfe verließ, die nicht kam, wodurch er seine Krone verlor. Eben so wollte Friedrich Wilhelm II. dem unglücklichen Ludwig XVI. zu Hilfe eilen, und brachte durch seinen unüberlegte» Kriegszug und seine stolzen Manifeste die Franzosen so in Wuth, daß sie den armen Ludwig tödteten. Wer also Hilfe bei ihm suchte, der that sich selber Feindschaft an. 88. Lt perlt in unclw, clum mweet 8umma prokunelw. Und er kommt im Wasser um, während er Hohes mit Niederm mischt. Nachdem so sein ganzes Leben ein Gemisch von Hohem und Niederm, starb er, von Ausschweifungen geschwächt, an der Brustwassersucht, und kam so in Wasser um. Ueriro in unäw heißt: an der Wassersucht sterben. Friedrich Wilhelm III. 89. Xatv8 llorelnt, lproc! non 8pera88ot, kolwlnt; Der Sohn wird blühen; waS er nicht gehofft, wird er besitzen. Friedrich Wilhelm III., Sohn deS Vorigen, verlor in Folge der unglücklichen Schlacht bei Jena seine meisten Länder, und Preußen ward ein ganz kleiner Staat. Wer hätte damals geglaubt, daß die Worte unsers Propheten in Erfüllung gingen? Und dennoch erlangte Preußen, nach Napoleons Sturz, waS eS nie gehofft hatte, da Friedrich Wilhelm Theile von Sachsen, ja sogar vom altfranzösischen Reiche erhielt. Und hatte er vorher nur über sechs Millionen Unterthanen geherrscht, so gebot er jetzt über 13 Millionen. 90. 8eti popnIu8 1ri8t>8 llekit temporiku8 i8ti8. Aber daS traurige Volk wird in jenen Zeiten weinen; 91. Nam 8ort>8 mirao vicientur lala voniro. Denn eines wunderbaren LooseS Schicksale scheinen zu kommen. Der französische Krieg brachte viele Thränen des (über solches Unglück trauernden) Volkes hervor; nicht minder seine, durch sokratische Lehrmethode der Bayonette eingeführte gewaltsame Union der Lutherischen und Reformirten. Endlich preßten die Angriffe, die er auf die katho- lische Kirche machte, die Gefangensetzung der Erzbischöfe, und die ZwangSgesetze über die gemischten Ehen, wonach die Kinder einer katholischen Mutter lmherisch werten mußten, viele Thränen treuer Katholiken und trauriger Mütter auS. Die Unionsgeschichte, die Bedrückung der Geistlichkeit, die ungerechten, auf Vermehrung des Protestantismus berechneten Ehegesetze, und die sich daraus entwickelnden Folgen waren gewiß „wunderbare Schicksale": diese sonderbaren Er- eiguifse waren für den frommen Propheten, der so etwas nie gesehen, gar wunderbar; darum sagt er ganz ängstlich „eines wunderbaren Looses Schicksale scheinen zu kommen." 92. IHt priuoeps no8cil, guock nova potontia crosoit. Und der Fürst weiß nicht, daß eine neue Macht wächst. Durch die Union hatte sich der König die Herzen seiner protestantischen Unterthanen entfremdet und die neue Macht der Gleichgiltig- keit in Religionssachen, und deS Mißtrauens gegen die Regierung, die gegen die Gewissen Gewalt brauchte, hervorgerufen. ES stand bei Protestanten der Wunsch auf, daß ihre Kirche unabhängig von, Staate seyn möchte. Durch die Gefangensetzung deS ErzbischofeS von Köln, und jenes von Posen, durch die ungerechten Ehegesetze hat der König die etwas lau gewordenen Katholiken erweckt, und eS entstand bei ihnen die neue Macht deS Eifers für die Religion, und der Abneigung gegen Preußen, die nur die katholische Lehre deS Gehorsams gegen die Obrigkeit in offene Flamme auSzubrechen verhindert. Dann schuf er durch Begünstigung der gott- läugnenden Hegel^schen StaatSphilosophie den Unglauben, und seine feindlichste Macht, das gottlose Schreibervolk, Liter atenproleta- riat. Durch die maaßlose Gewerbefreiheii und unbeschränkte HeirathS- Erlaubniß, wodurch die Menschen sich wie Sand vermehrten, bildete sich die arme, zahlreiche, hungernde Arbeiterclasse, das Proleta- riat, welches eine neue, nie gekannte Macht i»n Staate ward. Eden so schuf er durch die allzugroße Ausdehnung und Machtvollkommenheit deö Beamtenwesens die neue Macht der Bureaukratie, die daS Land mehr regierte, als der König, und wegen vielfacher Förmlichkeiten, Grobheit und Hochnäsigkeit (mit Ausnahme der wenigen braven Beamten, die jeder kennt) den Haß des Volkes auf den König wälzte, den man für alles verantwortlich machen wollte. So entstand die Macht der Demokratie und Revolution. Diese furchtbaren „neuen Mächte" wuchsen heran, ohne daß der König eS wußte; er war, gleich allen Fürsten, wie Holzhäuser oben schon sagte, mit Blindheit geschlagen, so daß er die kommenden Uebel nicht sah, und sich zum Kampfe nicht rüstete. Gott hat ihn noch zur rechten Zeit hinweggcnommen, und er erblickte die traurigen Früchte seiner Regierungsmaaßregeln nicht mehr. Aber er hat seinem braven, edlen Sohne eine Saat hinterlassen, deren traurige Ernte dieser jetzt sehen muß. Friedrich Wilhelm IV. 93. Hinlem SLöjilra goiil, gui ullinnis stominatis mit. Endlich führt den Scepter, der der Letzte seines Stammes seyn wird. Unser König ist von Joachim III., der zur lutherischen Lehre übertrat, der Ute in der Reihe der lutherischen Fürsten. Der 1. war Johann Georg, 2. Joachim Friedrich, 3. Johann SigiSmund, '4. Georg Wilhelm, 5. Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, 6. Friedrich I., 7. Friedrich Wilhelm I., 8. Friedrich II., 9. Friedrich Wilhelm II., 10. Friedrich Wilhelm Illl., 11. Friedrich Wilhelm IV. Mithin stimmt NerS 49 „Der Eilfle soll der Letzte seyn" mit VerS 93 „Endlich führt den Scepter, der der Letzte seines Stammes seyn wird. Da der König keine Erben erhielt, machte dieser Umstand früher schon diese Weissagung sehr wahrscheinlich. Manche meinen, diese Worte seyen darauf zu beziehen, daß der König katholisch und Kaiser von Deutschland würde. Ob daS eine ober daS andere stattfindet, ob eS auf längere Zeit, wcnn'ö geschieht, Bestand hat, wird die Folge ausweisen. 94. Israol iickanäum 8oelu8 rnnlot, morto piauckum. JSracl wagt eine That, die mit dem Tode gesühnt werden muß. Hier ist von einem scheußlichen, todcSwürrigcn Verbrechen die Rede. Viele haben diesen VerS auf den Mordversuch deS Bürgermeisters Tschcch bezogen, den man zum Juden machen wollte. Andere beziehen ihn auf die Ermordung eines Pater Thomas in Smyrna durch die Juden; waS hat aber Pater Thomas in Smyrna mit Preußen zu thun? Andere behaupten, die That Berlins im vorigen März sey gemeint. Wieder andere legen gar andere Worte in den Text, und lesen statt „l8raol," i8 rex, tiefer König, und wollen ihn eine scheußliche That begehen lassen. Bei dem milden und frommen Sinne unseres KönigS ist an so etwas gar nicht zu denken. Andere wollen unter JSracl das Volk im Allgemeinen verstehen; dafür hatte Hermann aber ganz andere Worte. Noch andere beziehen diesen VerS auf Pius IX. und die Schandthaten des Römervolkeö. Aber was hat Pius mit Preußen zu thun! So bleibt nichts übrig, als eine nähere Erklärung von der Zukunft zu erwarten. Wörtlich übersetzt hieße der VerS: DaS Judenvolk wagt eine entsetzliche That, die mit dem Tode gesühnt werden muß. Wollte man Israel nicht wörtlich nehmen, so ließe sich der Satz also umschreiben: DaS von Gott abgefallene Volk wagt eine entsetzliche That. 95. Lt pa8tor gregem recipit, Eormania regem. Und der Hirt erhält die Heerde wieder und Deutschland einen König. Dieser Vers weist ganz deutlich darauf hin, daß Deutschland wieder ganz zu einer Kirche zurückkehrend, einig unter einem Hirten, einig unter einem Könige seyn wird. Somit stimmt denn auch diese Prophezeiung mit der von Holzhäuser über den erleuchteten Papst, und den starken Monarchen überein, die von Gott ausersehcn sind, das einige römische Reich und die Herrlichkeit der Kirche zu begründen. 96. Die Mark, ihrer alten Leiden vergessend, 97. Nährt ihre Kinder, nicht mehr freut sich der Fremdling; 98. Die alten Gemäuer von Lehnin und Chorin erheben sich wieder, 99. Und nach alter Sitte glänzt die Geistlichkeit in hohen Ehren. 100. Kein grimmiger Wolf die edle Heerde mehr bedränget. So hätten wir denn durch die geschichtlichen Thatsachen die Wahrheit dieser Prophezeiung aufs Unläugbarste nachgewiesen. Mögen nun auch noch die letzten Verse zum Heile Deutschlands und der Religion in Erfüllung gehen. Unsere protestantischen Brüder müssen dieses, wenn sie auch nur einen Funken von Vaterlandsliebe haben, mit unS wünschen. Die mütterliche Kirche, die katholische, und der gemeinschaftliche Vater, das deutsche Reich, haben schon lange sehnsuchtsvoll ihre Arme nach denen ausgestreckt, die einst Mutter und Vater verließen, und sich im kalten Norden ein eig'neS Haus bau'ten. Gott lenke ihre Herzen und ihre Schritte in seiner großen Barmherzigkeit recht bald, damit wieder ein Hirt und eine Heerde sey. Blumen au- dem Schriftgarten de- heiligen Bernardus. (Fortsetzung.) 6. Andenken an Gott. Gleichwie kein Augenblick ist, in dem der Mensch der Güte und Barmherzigkeit Gottes sich nicht bedient oder dieselbe genießt: so soll auch kein Augenblick seyn, in dem er ihn nicht in seinem Gedächtniß gegenwärtig habe. Wo du dich immer befindest, wirf deine Gedanken auf Gott, oder denke in deiner Seele an etwas Heilsames. Zu dieser Betrachtung ist ein jeder Platz geeignet. 7. Anhänglichkeit. Wenn ein reicher Mann einem armen Weibe sagen würde: „Gehe hinein zu meinem Gastmahle; lasse aber daS Kind, daS du trägst, her- außen, weil eS weint und unö lästig wird," wird sie eS thun? Wird sie nicht lieber Hunger leiden, als allein mit dem Reichen speisen, während daS theure Pfand ausgeschlossen wäre? So wollte auch MoseS nicht eingeführt werden in die Freude seines Herrn„ wenn sein Volk ausgeschlossen bliebe, dem er mit Mutterzärtlichkeit anhing, obwohl eS unruhig und undankbar dafür war. Die eigene Pein hielt er für erträglicher, als die LoStrennung von seinem Volke. 8. Ankunft Christi. Damit du dem Herrn bei seiner Ankunft entgegen kommest, brauchst du, o Mensch, keine Meere zu durchschiffen, keine Wolken zu durchdringen, keine Alpen zu übersteigen. Nicht einen langen Weg brauchst du zu machen, sondern nur bis zu dir selbst ihm entgegen zu gehen; denn sein Wort ist !auf deiner Zunge und in deinem Herzen. Komme ihm nur entgegen in Reumuth des Herzens, im Bekenntniß des Mundes, damit du wenigstens aus der Mistgrube deines Sündenelendes kommest; denn eö wäre unwürdig für den Urheber der Reinigkeit, dort einzugehen. ^ Der Arzt kommt zu den Kranken, der Erlöser zu den Verkauften, der Weg zu den Irrenden, daö Leben zu den Todten. 155 9. A n m a s s u n g. Wenn du durch eine Thüre gehst, dessen obere Schwelle niedrig ist, so schadet cS nicht, wenn du dich auch noch so sehr bückest; aber schädlich ist eS, wenn du dich auch nur um einen Zwcrgfinger breit mehr strecktest, als eS daS Maaß der Thürschwelle gestattet, so, daß du dich anstoßest und deinen Kopf verletzest. Auf gleiche Weise ist auch für die Seele keine Demüthigung zu fürchten, wohl eine jede, auch die geringste Erhebung. Vergleiche dich daher, o Mensch, nicht mit Großem, nicht mit Geringern, nicht mit Einigen, nicht mit einem Einzigen! Gleichwie der Stolz die Mutter der Anmassung ist, so kommt auch die wahre Sanftmut!) nur aus der wahren Demuth. 10. Anschauung Gottes. Du hast die Sonne, die du täglich siehst, noch nie gesehen, wie sie ist, sondern nur, wie sie leuchtet, z. B. in der Luft, auf den Berg, an die Wand. Und auch daS könntest du nicht, wenn du nicht daS Auge hättest, welches durch seine natürliche Klarheit und Durchsichtigkeit dem himmlischen Lichte ähnlich ist. Wenn aber das Auge getrübt ist, wird cS sich hart dem Lichte nahen wegen einer Unähnlichkeit mit demselben. So kann auch nur der die Sonne der Gerechtigkeit schauen, den dieselbe erleuchtet, da er einige Aehnlichkeit mit ihr hat. Niemals aber wird er sie ganz schauen, wie sie ist, weil er ihr nicht vollkommen ähnlich ist. men, sind unS gewisse Zeichen und offenbare Hindcutungen gegeben, die in dem, der sie hat, bewirken, daß er nicht verzweifle an seinem Heile. Zu diesem gehört besonders daS Wort deS Herrn: „Wer ouö Gott ist, der höret Gottes Wort." 17. Barmherzigkeit Gottes. Wo die Menschwerdung GottcS bekannt ist, kann auch seine Barmherzigkeit nicht verborgen bleiben. Denn worin konnte er mehr seine Güte zeigen, als in der Annakme meines Fleisches? Meines, sage ich, nicht deS Adams, LaS er vor der Sünde hatte. WaS zeigt so sehr seine Barmherzigkeit, als daß er selbst unser Elend annahm? WaS ist wie diese Liebe so neu, als daß Gottes Wort lag auf dem Heu? WaS ist der Mensch, daß du seiner gedenkest? Hier merke der Mensch auf, wie groß Gottes Sorge um ihn sey; hieraus lerne er, was er von ihm denken und empfinden soll. Frage nicht, o Mensch, waö du leidest, sondern was Er gelitte». Je weniger er auS sich Lurch die Menschwerdung gemacht hat, desto größer zeigte sich deine Güte. Ouiwto pro mo vilior, tunto uülli clmrior! Je. geringer Du für mich, Desto lieber hab' ich Dich! 11. A n s e h e n. Je verehrnngswürdiger das Ansehen eines Lehrers ist, desto mehr fürchtet man seine Beleidigung, und desto verwerflicher ist die Uebertre- tung seines Gesetzes. So ist eS auch besser, Gott zu gehorchen als den Menschen: und unter diesen mehr den Lehrern, als den Schülern. Weiter ist eö besser, unsern Lehrern zu gehorchen, als fremden. Wem aber leichter zu gehorchen ist, dem fällt auch der Ungehorsam um so schwerer. 12. Arbeit. Wer Arbeit und Nutzen aussäet, wird Ehre und Ruhe einernten. ES ist eine verkehrte Ordnung, vor dem Verdienste den Lohn fordern, vor der Arbeit Speise genießen, da der Apostel sagt: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." Je schwerer die Arbeit ist, desto reichlicher wird der Lohn seyn. 13. Armut h. Das Eigenthum der Armen nicht den Armen geben, wird einem Sacrilegium gleich geachtet. Das Erbgut der Armen sind die Reichthümer der Kirchen, und mit sacrilegischer Grausamkeit wird den Armen entzogen, WaS die Diener und Verwalter deS Herrn, die aber nicht die Herren selbst sind, über den Bedarf der Nahrung und Kleidung nebmen. Denn Gott hat nicht angeordnet, daß diejenigen, welche dem Evangelium dienen, vom Evangelium sich vergnügen und prächtig kleiden, sondern daß sie davon leben: damit sie nämlich zufrieden seyen mit der Nahrung und Bedeckung des Leibes, nicht aber nach Gaumenlust und Zündstoff der Wollust und nach Eitelkeit trachten. 14. A r z t. Nicht immer heilt der Arzt mit Salbe allein, sondern auch mit Feuer und Eisen, womit er herausbrennt und schneidet Alles, was die Heilung durch Salbe verhindern könnte. So besorgt auch der himmlische Arzt, nämlich Gott, für eine solche Seele Versuchungen, er schickt ihr Leiden, um sie zu demüthigen, und ihre muthwillige Freude in heilsame Trauer zu verwandeln. 15. Auferstehung Christi. Am Holze des Kreuzes erlöste Christus am Freitage den Menschen. Am Samstag hielt er Sabbathruhe im Grabe. Am Sonntag erschien er als der Ucberwinder dcö Todes und als neuer Mensch. Tragen wir unser Kreuz und halten wir daran aus wie JesuS, dann werden wir sanft im Grabe ruhen, und am dritten Tage wird uns JesuS erwecken und unsern Leib seinem verklärten Leibe ähnlich machen. 16. A u s e r w ä h l u n g. Wer kann sagen: „Ich bin einer von den AuSerwählten? ich bin einer von den zum Leben Vorherbestimmten? ich bin auö der Zahl der Söhne?" ES ruft ihm ja die heilige Schrift entgegen: „Der Mensch weiß nicht, ob er der Liebe oder deS Hasses würdig sey." Eine Gewißheit haben wir allerdings nicht, aber eS tröstet unö daS Vertrauen der Hoffnung; damit wir durch die Angst dieses Zweifels nicht völlig umkom- Volksversammlung zu Mayhingen im RieS. Augsburg, im Scpt. Die Sonntag den 16. d. M. in Mayhingen gehaltene VollSversammlung gehört zu den erfreulichsten und bedculsamsten, welche bis jetzt von dem Piusvereine in der Diöcese Augsburg veranstaltet worden. Denn sie lieferte den Beweis, da>z auch im RieS — trotz allen Umtrieben der Nördlinger Wühlerpartei, trotz ihrem Schmierblatt, trotz ihren Wirthshaus- und Marktschreiereien an Schrannenlagen — der Geist deS katholischen Landvolkes im Allgemeinen ein guter geblieben ist, daß in demselben der Sinn für die Ordnung, für die gesetzmäßige Freiheit und den vernünftigen Fortschritt, insbesondere aber die Liebe zu seiner heiligen Kirche noch immer vorherrscht. Wäre dieß nicht der Fall, so würde der W allerstein - Fremdinger PiuSvercin schwerlich einen so schönen Aufschwung genommen, schwerlich eine so zahlreiche und ansehnliche Volksversammlung zu Stande gebracht haben. Wie viel der Piusverein zur Belebung dieses guten Geistes beigetragen, wollen wir nicht entscheide»; aber das glauben wir behaupten zu dürfen, daß, wie der PiuSvercin überhaupt, so insbesondere die von demselben veranstaltete Volksversammlung einen entschieden guten Einfluß geübt habe. Antheil an letzterer nahmen die Gemeinden Wallerstein, Frein dingen, Mayhingen, Marktoffingen und andere benachbarte, und zwar nicht nur auö Bayern, sondern auch auS dem angränzenden Württemberg, im Ganzen etwa achtzehn, wie wir auS der gleichen Anzahl von anwesenden Geistlichen schließen zu dürfen glaubten. Die Gesammt- zahl aller Theilnehmer belief sich auf ungefähr drei Tausend. Zum Versammlnngsplatze war ganz zweckmäßig der weit ausgedehnte GraSgar- ten deö ehemaligen MinoriienklosterS Mayhingen gewählt. In diesem feierlich stillen, im Hintergrund von grünen Hügeln bcgränztcn Raume schaarte sich daS Volk um eine einfache Rednerbühne, von welcher auS fünf Redner, zwei Geistliche und drei Laien, drei volle Stunden lang (3 — 6 Uhr) die mit gespannter Aufmerksamkeit und bereitwilliger Theilnahme zuhörende Versammlung über die große und heilige Sache deS PiusvcreineS zu belehren und für dieselbe zu begeistern suchten. Den Anfang machte der unermüdlich thätige Vorstand deS Wallcrsteincr Vereines, der hochw. Hr. Pfarrer I. M. Schlund, ein mit geistigen und natürlichen Mitteln trefflich ausgestalteter Redner. Mit großen Zügen schilderte derselbe die gegenwärtige Lage der Dinge, um zu zeigen, waS alle jene zu thun hätten, die eS gut und redlich meinten mit der Menschheit, mit sich selber. Einmüthigcs Zusammenhalten, Zusammenwirken in treuer Hingebung für Gott, König und Vaterland, für Glaube, Sitte, Gesetz und Ordnung, — daS müsse die Loosung seyn. Mit schneidender Schärfe widerlegte er nebenbei die Vorurtheile, welche gegen den PiuSvercin gehegt werden. Der zweite Redner war — man staune — ein Beamter, der fürstlich wallersteinische Bauinspector Hr. Broschek, ein kräftiger, stattlicher Mann, dessen liebenswürdige Persönlichkeit durch tiefe Religiosität und katholische Begeisterung alle empfänglichen Herzen wohlthuend anspricht. Derselbe wies in sehr gründlicher, gutausgearbeiteter Rede nach, daß Klerus und Volk Hand in Hand mit einander gehen und mit geeinter Macht dem Schlechten entgegenwirken und daS Rechte erstreben müssen. Insbesondere beleuchtete er auch die Anschuldigungen, welche von der BoS- lÄLLtÄÄL 156 > ! ' uv I.' i. hcit der Welt gegen die Geistlichen gewöhnlich vorgebracht werden, und würdigte dieselben ganz nach Gebühr. Nach diesem musterhaften Beamten, dem wir recht viele geistesverwandte StandeSgenosscn wünschen möchten, bestieg Hr. Fabricant C. A. von Brentano aus Augsburg die Bühne. Ein phantastereicher, enthusiastischer Redner, wie er ist, wußte er durch seinen feurigen Vorlrag über die Hauptpuncte deS PiusvereineS auch die Zuhörer, welche von den zwei früheren Rednern in ruhiger Klarheit vor- ncmlich belehrt worden waren, zu entflammen. Seine Toaste auf PiuS IX. und Mar H. fanden vollen Anklang und donnernden Widerhall. Stürmischer Beifall lohnte die fast übermäßige Anstrengung seiner Redekraft. Mit etwas weniger Feuer, aber mit gleichem Ernste und gleicher Eindringlichkeit sprach der hochw. Hr. Pfarrer I. Rathgeber von May. hingen über denselben Gegenstand, wie sein Vorgänger, aber in ganz eigenthümlicher, vervollständigender Weise. Auf diesen tüchtigen Redner folgte noch Hr. Dr. P. Wlltmann. Bürger von Augsburg, mit einem Vertrag über die drei Säße des Sprüchleins: „Jst'S wie es ist, sey'S, wie cS sey! — Besser ist'S nicht: — Gott steh' uns bei!" Diese benutzte er, um zu zeigen, daß der PiuSvcrein die Bewegung deS Jahres 1848 keineswegs schlechthin verdamme, vielmehr, so weit sie gut, d. h. so weit sie Schlechtes weggefegt und so weil sie Entfesselung der vorher gebundenen guten Kräfte, Rechte und Freiheiten mit sich gebracht und noch bringen könne, dankbar und freudig anerkenne; ob er gleich nicht verkenne, daß diese Bewegung ihren sündfluthlichen Charakter nur aus der höllischen Quelle der bösen Leidenschaften und schweren Verschuldungen in den hohen und niedern Kreisen geschöpft, und daß sie nur durch den himmlischen Einfluß deS Urquells alles Guten zum Guten habe gewendet werden können. Wenn aber der PiuSverein mit der Bewegung, so weit sie gut, in dem Grade zufrieden sey, daß er getrosten Muthes ausrufen könne: „Sey'S wie eS sey" —: so müsse er dennoch einsehen und gestehen: „Besser ist'S nicht." DaS komme daher, daß die Bauleute bis jetzt so ziemlich ohne Gott gebaut und demgemäß wenig Besseres zu Stande gebracht hätten, als Narrenthürme und Kartenhäuser, deren Einsturz jammervoll und lächerlich zugleich. ES sey also im höchsten Grade nothwendig, daS: „Gott steh' unS bei" — einmal recht ernstlich zu nehmen; und zwar müsse daS von Seiten deS Volkes geschehen, nachdem seine Weisen und Großen so vielfältig als Thoren sich erwiesen. Aber dieses große Wort: „Gott steh' uns bei" — fordere, daß auch das Volk zu Gott und seiner Kirche stehe mit all seinem Sinnen und Trachten; denn nur den Lebendigen stehe Gott bei, nicht den regungslosen Klötzen. DaS Volk müsse einmal bauen: mit Gott, aber auch mit entschiedener Thatkraft, mit Einmüthigkeit, mit Ausdauer, von Innen heraus, von der Familie, der Gemeinde aus, müsse alle seine Rechte und Freiheiten mit Gewissenhaftigkeit und heiliger Eifersucht gebrauchen, eine rüstige Bruderschaft von „freien Maurern" bilden, wie sie in aller Zeit sich gebildet, wenn eS galt, einen jener bewunderungswürdigen Dome zu erbauen. Dann werde, wenn auch, langsam, so doch allmälig ein neues, herrliches, dauerhaftes Gebäude sich. erheben: mit dem unvergleichlich schönen, alle Gutgewillten einladenden, ja gleichsam bezaubernden, lebendigen Dome der Kirche — der Tempel deS wahren VolkSstaateS, der Tempel der wahren Wohlfahrt deS Volkes. Diese Gedanken führte der Redner in einfacher, volkSthümlicher Art aus, den Ernst mit Heiterem mischend, und die Gemüther des Landvolks mit gemüthlichen Worten anregend. Um in diesen den feierlichen Eindruck, den sämmtliche Reden hervorbrachten, gleichsam zu concentnren, schloß derselbe mit den in der Gögginger Versammlung vorgetragenen Versen. Der laute Beifall und die wiederholten Lebehochrufe, welche von Seiten des Volkes nach dem Schlüsse der letzten Rede erfolgten, bewiesen deutlich, daß sämmtliche Redner die Herzen deS Volkes getroffen und mit dem Gefühle der Befriedigung erfüllt hatten. Die schöne Haltung, welche dasselbe während der ganzen Versammlung gezeigt, verdiente aber auch die vollste Anerkennung von Seiten der Leiter der Versammlung und von Seite der Redner, wie sie einer derselben mit einem freudigen Hoch auf den guten Geist, die Treue und Ausdauer des katholischen Landvolkes auSsprach. Nachdem dieses Hoch mit andern donnernd erwidert war, verlief sich daö Volk in größter Ruhe. AIS wir AugSburger nach kurzem Verweilen in der reichhaltigen Mayhinger Bibliothek und im Kreise unsrer Freunde am Abende nach Wallcrstein, den andern Morgen in die Heimath zurückfuhren, brachten wir nicht nur eine sehr angenehme Erinnerung mit, sondern die neubelebte Ueberzeugung, daß, wo immer die Geistlichen einmüthig dsr Mahnung PiuS IX. an den Klerus von Neapel folgen wollen: „Seyd die Führer des Volkes" — nicht nur der PiuSverein begründet, sondern sein großer Zweck — die Verwirklichung des Reiches Gottes und eben- damit die Wohlfahrt deS Volkes — unter Gottes gnädigem Beistand mit Macht gefördert werden könne. Aber „Virilius unitis" — muß der Wahlspruch seyn! Volksversammlung in Deußmauer. 4 AuS dem Nordgau, 23. Sept. Dort um Deußmauer schwebt heute ein rosiger Schimmer, schön, wie ihn noch selten ein Tag gesehen haben wird. Der starre Winter der Knechtschaft mit seinem kalten Schauer ! scheint Vorüber und eine heitere Sonne lächelt aus unbewölkiem Himmel ! und sendet ihre wärmenden Strahlen nieder, und von tausend und tausend ! Kehlen ergießt sich ein Lied, ein Jubel, als sey der Tod der Freiheit vom ! Leben verschlungen, als feierte die Freiheit, diese edle Tochter ihren Auserstehungsmorgen. Sie werden wissen, daß verwichenen Sonntag der Zweigverein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit in Deußmauer eine Volksversammlung hielt. Von nah und fern drängten sich alle Gutgesinnten herbei. Die Zweigvereine von ParSberg und Hohenburg kamen auf festlich geschmückten Wagen. Pfarrer Graf von Günching, dieser für alles Gute und Edle hochbegeisterte Mann, stellte seine Schuljugend, welche durch den melodischen Strom ihrer Jubellöne das Ohr ergötzte. Endlich erschienen die Festredner, die wie im Triumphzuge zur Tribüne begleitet wurden. Der VereinSvorstand uud praktische Arzt in Velburg Hr. Dr. Ring eröffnete die Versammlung, indem er in kurzen aber herzlichen Worten die Zuhörer bewillkommte und Sr. Majestät ein dreimaliges, donnerndes Hoch brächte. Nun bestieg Tischlermeister Kohl Haupt von RegenSburg die Tribüne. In festen, ernsten und entschiedenen Worten sagte er, wie wenig des Guten unS der Umschwung der Dinge gebracht hat, des Schlimmen aber sehr Vieles. Er ermunterte zur Ruhe und Ordnung, denn nur auf diesem Wege könne daS angestrebte Ziel erreicht werden. Niederreißen sey wohl leichter als Aufbauen. Hr. v. Sauer, Redacteur des Volksblattes, sprach im gemüthlichen, volksthümlichen Tone über die verschiedenen Vereine, und gab die Merkmale an, wodurch sich die guten von den schlechten unterscheiden. Eberhard, der letzte Redner, setzte der Sache die Krone auf. WaS soll ich sagen von diesem Wächter in JSrael, diesem gewaltigen Eiferer für die gute Sache! Mir war es, als hörte ich vom Rednerstuhle eine Posaune, welche wie ein gewaltigerAonner die Herzen erschüttert. Doch wie wäre eS möglich den ganzen Kranz der Vorzüge dieses Redners zu schildern! Zuerst sprach er von Politik. Mit hinreißender Beredsamkeit zeigte er, wie es eine Schmach für Deutschland, und insbesondere für Bayern sey, die Republik auf dem Leichenfelve von Millionen zu bauen; zeigte wie ein größeres Volk nur von einem Könige regiert werden könne, der mit eisernem Scepter das Laster niederhalte, dem alles mit sich reißenden Strome der Leidenschaften einen mächtigen Damm entgegensetze; wie unser Volk noch zu edel sey, als daß eS sich zum Taglöhnervolke stempeln lasse, wie Frankreich, durch Einführung der Republik; wie Bayern seinen Ruhm darein setze, von einer majestätischen Majestät regiert zu werden. Sodann warf er sich auf das religiöse Gebiet, sprach besonders von Kirchenfreiheit, als der Retterin aus dem gähnenden Abgrunde deS Verderbens, als dem kostbarsten Gute, welches unser edler König Mar unS - gewiß nicht vorenthalten werde. Auch er schloß mit einem donnernden Hoch auf unsern geliebten LandeSvater Mar. Herr Pfarrer Graf sprach noch seinen Dank auS für die große Theilnahme an diesem Feste und forderte die versammelte Menge auf, die Worte wohl im Herzen zu bewahren. Und so endete das Ganze mit einem nochmaligen Hoch auf König Mar und unsern heiligen Vater PiuS. So wäre denn Alles ruhig verlaufen. Aber daS Schreibervolk von einem benachbarten Landgerichte war auch zugegen, freilich nur wie Pharisäer, nicht um die Wahrheit zu hören und zu prüfen, sondern nur um etwas zu einer Anklage zu finden. Wer hat dir gerathen, in unser Eigenthum zu gehen? Warum jenes Toben und Wüthen, jenes Schimpfen und Lästern? Die Wahrheit könnet ihr nicht hören, darum wollt ihr euer» Geifer ausspritzen. Doch Dank dem Herrn, daß die gute Sache nicht zu Schanden wurde. Brüder haltet zusammen! ES thut noth! Brüder haltet zusammen! Seht wie sie einig sind, sie die Wenigen, wenn eS gilt, unS zu verderben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- nementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeilung werden Bestellungen angenommen. Sonntags-Peiblatt zur Augsburger Postzeilung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang V. Lctober L 81 S. Ein Lebensbild, oder Blick auf die von Hirscher vorgeschlagenen Diöcesansyuodxn. *) Nach einem langen faulen Frieden ist endlich der Kampf losgebrochen, der zur Entscheidung führen muß. Dieß wäre nun in sich kein beklagcnS- werthe« Ereigniss; denn, bestehet einmal keine innige geistige Verwandtschaft, so bleibt nur zu wünschen übrig, daß der vorhandene innere Zwiespalt offenkundig und dadurch eine Ausscheidung herbeigeführt werde. Können die durch zu lange Verzögerung gelinderer Heilmittel in den verschiedenen Theilen deS Körpers angesammelten Krankheitsstoffe nicht anders mehr überwunden werden, dann müssen sie zu einem Geschwüre sich bilden, dessen schleunigste Entfernung nur dem Organismus die vollkommene Gesundheit wieder bringen kann. Aber im höchsten Grade beklagenswert!) ist eS, wenn Männer, die nach ihrer Stellung dazu berufen und verpflichtet" sind, zur Heilung und dazu, daß die Krankheit nicht weiter um sich fresse und bis dahin gesunde Theile ergreife, auS allen Kräften mitzuwirken, diese Stellung und ihren dadurch bedingten Einfluß zur Verschlimmerung deö Zustandes verkehren, oder wenn sie als die einzigen und unfehlbaren Heil- und RcttungSmittel solche in Vorschlag bringen, die, weil dem innern Wesen und der- normalen Entwickelung deS Organismus geradezu entgegen, unfehlbar zum Verderben desselben auöschlagen müssen. Dieß scheint unS nun, je näher und allseitiger wir die Sache prüfen, mit der Hirscher'schen Schrift im höchsten Grade der Fall zu seyn, einer Schrift, die leicht, besonders bei den gegenwärtigen Zeitverhältnissen, in ihren Wirkungen unheilvoller werden könnte, als Anfangs auch der Umsichtigste zu berechnen im Stande war. Wohl ist Hirscher'n zu keiner Zeit seines Wirkens als öffentlicher Lehrer von allen seinen Schülern unge- theilter Beifall gezollt worden, und auch , heute noch stehet, Gott sey Dank, der weitaus größte Theil selbst des Klerus in Süodeutschland, von dem nördlichen gar nicht zu reden, nicht auf seiner Seite. Aber er zählt doch unter den Geistlichen viele und sehr rührige Anhänger, und darunter solche, die in ihren Forderungen weit über seine Resormvorschläge hinausgehen, und nur als Abschlagzahlung sich dieselben gefallen lassen, werden, in der festen Ueberzeugung, baß die Fluthcn der Revolution, ist sie einmal losgebrochen, weil über die von Hirscher gesteckten Gränzen hinausstürzen und gar Manches mit sich fortreißen werden, was er unverändert zu erhalten wünschte. Die Nichtigkeit dieser Berechnung ist durch die Vorgänge auf dem politischen Gebiete gewährleistet; denn auch hier wurden die Männer, welche die Freiheil deö deutschen Volkes aufrichtig gewollt und angestrebt, gar bald von der überstürzenden Strömung verschlungen und Andere traten an ihre Stelle, welche das Vaterland bis an den äußersten Rand deS AbgrundeS geschleppt haben. Dazu kömmt das große Ansehen, welches Hirscher bei den katholischen Laien genießt. Daß ihm dar wesentlichste Erfordernis zu einem ächten Reformator in der Kirche abgehet, wissen sie nicht, und können sie nicht beurtheilen; daS gerechte Mißtrauen, welches er durch eine seiner ersten Schriften, cke gcnuina missac notiono, gegen sich erweckt und da« Verwerfungsurtheil der Kirche ist ihnen unbekannt geblieben oder sie sind durch' die spätern wissenschaftlichen Arbeiten deS Mannes vollkommen mit ihm ausgesöhnt worden, so daß ein entschiedenes und kräftiges Entgegentreten leicht großes Mißvergnügen und lauten Tadel bei ihnen erwecken kann. In der That, unS banget aufrichtig bei diesem Gedanken, und im Hinblicke auf die Vorgänge deS sechzehnten Jahrhunderts gewahren wir mit Schaudern die Parole: sackn esk alca! Mit freudiger Haft ergriffen wir in dieser GemülhSstimmung daö „offene Sendschreiben über die kirchlichen Zustände der Gegenwart an Dr. I. B. von Hirscher, Domcapitular undj Professor der Theologie in Freiburg im BreiSgau, von Dr. Fr. X. Dieringer, Professor der Theologie in Bonn," welche« so eben im Verlag von Kirchheim und Schott erschienen ist. ES ist ein von Liebe und Dankbarkeit erfüllter Schüler, welcher seinem „geliebten Lehrer und Freund" ehrfurchtsvoll nahet und' seine Bedenken und seine Besorgnisse in gedrängtester Kürze vor ihm ausschüttet. WaS immer in dem Schriftchen Gutes und Billiges enthalten ist, findet Beifall und Anerkennung; aber auch auf daS Gefährliche, Irrige und Falsche, welches leider Jener an Zahl bei Weitem übertrifft, wird, oft nur in ganz kleinen aber körnigen Sätzen, hingewiesen, jedoch immer mit dem Schmerze und dem Zartgefühle eines ebenbürtigen SohneS, der dessen kein Hehl hat, daß er dem irrenden Lehrer für die „durch ihn ihm gewordene Anregung in den Universitätsjahren und für dessen spätere väterliche Freundschaft zu stetem ' Danke verpflichtet sey." Als die gelungenste Partie in dem kurzen „Sendschreiben" (cS enthält 30 SS.), das wir hiermit unsern Lesern zur größten Verbreitung anempfehlen, erscheint uns die Schilderung der neuen Diöcesansynode, wie Hirscher sie im Auge hat. Was der gelehrte Verfasser darüber niederschreibt, ist wirklich ein Lebensbild, daS er, als Mitglied des Frankfurter -Parlamentes, getreuer als irgend ein Anderer zu zeichnen im Stande war. Nachdem er Hirscher'S Aeußerung über das berühmte Buch BenedictXlV. ckc uznncl» ckioecessua gebührend zurechtgewiesen, fährt er fort: „Sie haben daher.wohlgethan, Ihren Vorschlag nicht auf daS beste, hende Recht zu gründen, sondern sich nach anderweitigen Stützen umzusehen, und ich muß gestehen, Sie haben Einzelheiten auS der Geschichte der, drei ersten christlichen Jahrhunderte mit vielem Geschicke verwendet. Es sind aber folgende Wahrheiten Ihrer Beachtung völlig entgangen: erstens, keine Diöcesan , keine Provincial-, und keine National - Synode ist befugt, auS eigener Machtvollkommenheit von den zu Recht bestehenden kirchlichen Vorschriften abzuweichen; auf die alte Praxis dürften Sie daher nur unter der Bedingung zurückgreifen, daß entweder die Gesammtkirche in ihrer Gesetzgebung die entiprechenden Aenderungen bewerkstelligt, oder aber daS Oberhaupt der Kirche Ihnen eine Dispense von dem allgemeinen Gesetz ertheilt hätte; zweitens, die alte Sprengelsynode hatte überall die Provinzialsynode zu ihrer Voraussetzung, so oft cS Angelegenheiten von allgemein kirchlicher Wichtigkeit galt, Sie hingegen wollen von Unten nach Oben schreiten und den Bischof durch die Sprengelsynode zum Mandatar seiner Heerde machen; drittens, der theilweise Verzicht deS Bischofs aus sein ausschließliches Entscheidungsrecht zu Gunsten seines PreSbyteriumS (die hörende und geleitete Kirche hat niemals mitentschieden) war nicht bloß durch den geringen Umfang deS Sprengels und den kirchlichen Eifer der Priesterschaft gefahrlos, sondern selbst motivirt durch daS Wechselverhältniß zwischen Bischof und Priester, gemäß dessen der Letztere nach anderer Seite hin in ungleich größerer Abhängigkeit stand — Pfarrer mit eigenem Pfarrrechte, einer eigenen Pfründe, mit selbstständiger Verwaltung der PredigtamteS, der Meßfeier, deS Beichtstuhles kennt bekanntlich das von Ihnen angerufene Zeitalter nicht; viertens, die kirchliche Verfassung war überhaupt erst in der Ausbildung begriffen und strebte festen Normen entgegen; wollten Sie z. B. von der Primatialgewalt nur so viel gelten lassen, als bis auf die Tage deS heiligen Cyprian factisch zur Anwendung gekommen, so würden sich Ihre Ansichten schwerlich mit der katholischen Lehre vereinbaren können. UebrigcnS ist eS Ihnen nicht einmal möglich, unter den gegebenen Verhältnissen Ihre Berufung auf die alte Uebung allseitig wahrzuhalten. Ich komme damit auf die practische Seite Ihres Vorschlages. ^ Nach der constanten Uebung der Kirche sind alle SeelsorgSgeistlichen -nicht allein synvdalberech tigt, sondern synodalpfl ich tig, und nur die Rücksicht auf daS Wohl LeS Ganzen kann und soll den Bischof vermögen, *) MS dem Katholik, 158 Einzelne von ihrer Pflicht zu entbinden, so wie auch diese auS derselben Rücksicht von ihrem Rechte abstehen können. Da die Synoden in der Regel nur drei Tage dauern, so ist eS in kleinen Sprengeln beinahe allen Geistlichen möglich, denselben beizuwohnen. Die von Ihnen beantragte Synove dürfte aber eben so viele Monate dauern, so daß in der günstigsten Zeit deS Jahres vielleicht die Hälfte Ihres Klerus daran Theil nehmen könnte unv müßte, also in runver Summe etwa 600 Priester. Wollen Sie billig seyn unv Ihre eigenen Grundsätze nicht über den Haufen werfen, so müssen Sie jeder kirchlichen Gemeinve einen Repräsentanten gönnen, und zwar müssen Sie eS die Stimmenmehrheit der Gemeindeglieder entscheiden lassen, welcher Laie sie auf der Synode vertreten solle. Die Majorität siegt, und die Minderheit muß sich fügen, und Sie, die Kirchen- obern, müssen eS sich gefallen lassen, wenn Ihnen aufgewühlte Gemeinden statt der so sehr perhorreScirten „Einseitigen" die ärgsten Schreier und frivolsten Gesellen auf den Hals schicken. So ist'S recht; denn in Ihrem auch auf daS kirchliche Gebiet überzupflanzenden Con st Nationalismus müssen alle Parteien vertreten seyn, und da entscheidet nicht die Wahrheit, sondern der Wille, und die Wahrheit muß sich nach der größer» Zahl der Einzelwillen richte». Sie werden also 600 gcborne und 700 gewählte Synodalmitglieder haben. Ich setze nun voraus, und daS will in Ihrem Lande sicher viel heißen, das ganze Bargeschäft wäre ruhig und ohne öffentliches Aergerniß abgelaufen, Pfarrer und Capläne hätten sich friedlich über Bleiben und Gehen vereinbart, die Laienabgeordneten wären der getreue Ausdruck der kirchlichen Meinungen und Bestrebungen deS Sprengels, der Erzbischof »erstünde sich zur Stellung eines unverantwortlichen Monarchen (Venen man übrigens das Bleiben auch sauer machen kann), und die Domherren wären die verantwortlichen Minister, wie sie denn auch häufig prätendiren, daß der Bischof nichts ohne sie thun solle und dürfe, und der Generalvicar wäre der Ministerpräsident: kennen Sie die Tausendkünstler, die eS übernehmen könnten, die Leitung einer solchen Versammlung zu vollziehen, nichts zu sagen von der Schwerfälligkeit und Unverständlichkeit der Debatte? Ich fahre fort, Günstiges vorauszusetzen. Der Bischof hält eS mit Rücksicht auf bestimmte Geister und um mögliche Scandale zu vermeiden — da ja keine dogmatischen Fragen erlediget werden sollen — für zweckdienlich, von der Ablegung deS tridentinischen Glaubensbekenntnisses Umgang zu nehmen. Die 1300 Synodalen sind beisammen. ES geht mit Leitung und Debatte leidlich. ES sind drei Parteien: Rechts die Ultra- montanen, meist auS jungen Priestern und „einseitigen," zum Theil vornehmen Laien, bei manchem Minister nicht zum Besten angeschrieben; Links die Radikalen vom reinsten Wasser unter den bekannten Führern, wenn sie nicht etwa wegen weltlicher „Mißgriffe" anderswo sich aufhalten; in der Mitte die schwankenden, die zu Zeilen so und anders sind, hier aber jedenfalls den AuSschlag geben. Eö kommt in Lebensfragen zur Abstimmung. Die Rechte siegt; die Linke erhitzt, sich und lärmt, fügt sich zum Schein und wartet bessere Zeiten ab, um die Sache abermals aufzunehmen; Lxnoclus guoguo ckioo- cosiinae HUto/anms Iu>l»-untur, und waS läßt sich bei fortgesetzter (hier gesetzmäßiger) Wühlerei nicht Alles ausrichten! Die Linke siegt; die Rechte hält den Beschluß für unkirchlich, folglich auch für ungiltig, weil mit Lehre und Verfassung der Gesammtkirche im Widerstreit liegend; Ruf: man muß sich der Mehrheit beugen; AuStritt der Entschiedensten; der Bischof tritt der Mehrheit bei, daS Schisma ist da; er verweigert den Beitritt und löst die Versammlung aus; die letzten Dinge sind schlimmer als die ersten. Die Mitte siegt durch Beitritt einer der beiden Frac- tionen, und man hat entweder halbe Maaßregeln wie bisher, oder eine der beiden entgegenstehenden Parteien tritt in bleibenden Widerspruch. Sie sehen, daß ich kein „Phantast" bin, sondern die Sache concret nehme. Und einen solchen kirchlichen Landtag sollten Sie in Baden aufführen wollen, in dieser Zeit der geistigen Aufregung, unter solchen Konstellationen der geistigen Strebungen? „Regung und Bewegung muß seyn," sagen Sie (S. 30.); ja die würden Sie haben, aber Erfolge keine andern als größere Erbitterung der Parteien und vielleicht oder wahrscheinlich ein Schisma. Sie haben freilich diese Ansicht nicht, sondern behaupten : „Der gute Geist muß doch wohl, auch wenn sein Gegensatz auftritt, den Sieg davon tragen (S. 28.)." DaS macht Ihrem Herzen Ehre; aber ich wünsche Ihnen nicht, daß Sie die bittere gegentheilige Erfahrung machen müssen. Der „gute Geist" ist nur da, wo man mit der Kirche sammelt, nicht aber wo man von Vornherein ihre Vorschriften als unzeitgemäß wegwirft, und zweifelhafte weltliche Institutionen in die Kirche einführt." Möchten diese letzten Worte doch überall und von Allen recht beherziget werden! Möchten Alle erkennen, waS uns,- was der Kirche zum Frieden dienet! Ohne das innigste und engste Anschließen an die Kirche, an ihren Geist, an ihre Institutionen werden wir eS nie zu einer gedeihlichen Pflege deS lebendigen Christenthums bringen. Wünsche eine- Seelsorgers zur Berücksichtigung bei der nächsten Provincialsynode in Bayern oder Oesterreich, zur Hebung der Moralität. t Nach dem Zeugnisse der Geschichte waren die ohne Gottesfurcht zügellos herrschenden Leidenschaften, genährt durch den Rationalismus, die Ursache deS Versalls der Staaten der alten Welt, so wie der Barbarei in den ersten christlichen Jahrhunderten in den Ländern, wo man von dem Glauben und der Uebung der Lehre Jesu abfiel. Daher Zoroaster, Ho- Hi, Orpheus, MinoS rc. den Staat auf positive Religion gründeten. Die jungen Alhenienser mußten im agraulischen Tempel den Eid ablegen: „Ich schwöre bis zu meinem letzten Athemzuge für daS Wohl der Religion und des Vaterlandes zu streiten, und werde immer dem Glauben meiner Väter anhängen." Der Römer Cato fürchtete die Einführung der Philosophie der Griechen in sein Vaterland bloß aus dem Grunde, weil er vorsah, daß, wenn die Römer durch den Rationalismus die Gottesfurcht verlassen und über alles streiten, sie mit dem Unglauben und der zügellosen Herrschaft der Leidenschaften endigen und dadurch den Staat auflösen würden. DaS Princip der protestantischen Religionsparteien, der Grundsatz der freien Selbstprüfung, der allen Leidenschaften freien, vernunftlosen Spielraum gestattet, zu dem sich im unsern Tagen auch so viele sogenannte gebildete Katholiken bekennen, ist unstreitig die Grund- Ursache deS im März v. I. herrschend gewordenen StrebenS unter dem Titel eines einigen Deutschlands nach zügelloser Freiheit, die als Gesetzlosigkeit nothwendig zur Barbarei führt. Diese Katholiken schließen sich zwar selbst von der katholischen Religion auS, die Deutschland einst zu einem so mächtigen, kraftvollen einigen Volk gemacht hat. DaS Beispiel der herrschenden Leidenschaften unserer Tage wirkt aber, weil von Oben, sehr verderblich auf da« noch gläubige Volk, so daß da- Streben der Provincial- und Synodalsynoden wohl zunächst auf möglichst kräftige Unterstützung der Moralität des Volkes wird gerichtet seyn müssen. Wie die ersten Christen als Tugendbund, durch die heilige Taufe dazu berufen und geheiligt, dem damaligen gesetzlosen Zustande mit siegreicher Kraft gemeinschaftlich entgegenstanden; so muß dieß auch jetzt gegen die beginnende Barbarei durch gründliche Bekehrung zu Gott geschehen, welche durch gotteSsürchtige Priester, und durch Anwendung der kräftigsten Mittel zur wirklichen Erneuerung deS TaufbundeS wird gefördert werben können. Nur Priester, die, bei den nöthigen Kenntnissen, als Folge wahrer Rückkehr zu Gott, an ihm und in göttlichen Dingen ihre grösste Freude finden, daher sich am liebsten damit beschäftigen, werden die Moralität deS Volkes am segenreichsten fördern. Damit nur wirklich zu Gott bekehrten Theologen die Priesterweihe ertheilt werden könne, wäre zu wünschen, daß besonders daS Studium der christlichen Moral von selbst, bekehrten Lehrern in der Weise der christlichen Moral vom Bischöfe Sailer auch zu diesem Zwecke benützt wurde. Die Bekehrung und Heiligung deS Volkes würde sehr gefördert werden durch jährliche öffentliche Erneuerung deS TaufbundeS auf oberhirt- lichen Befehl zur österlichen Zeit, und durch vollständigere Bestimmungen dreier Kirchengebote. Die Jnmoralität deS Volkes ist unstreitig Folge der Nichterneuerung deS TaufbundeS, da man, ohne öffentliche Erneuerung desselben, gewöhnlich zur Bekehrung zu Gott nicht bewogen wird. Um zum ernstlichen Nachdenken über die Tauspflichten veranlaßt zu werden, ist ein oberhirt- licher Befehl zur öffentlichen Erneuerung deS TaufbundeS nothwendig. Der Gedanke, vor der Ostercommunion allen unsittlichen Reden und Handlungen als Werken des SaianS selbst vor allen, die an diesem Tage zur Osterbeicht bestimmt sind, entsagen zu müssen, würde auf ähnliche Weise, wie die, welche als Erwachsene getauft werden, die als Kinder Getauften zum ernsten Nachdenken über die Tauspflichten und dadurch zur Buße bewegen, wozu auch die Furcht beitragen würde, im Falle der Nichtbefol- gung derselben getadelt zu werden, da man gewöhnlich die Menschen mehr als Gott fürchtet. Da die als Erwachsene Getauften in Amerika sich nicht mehr volltrinken, sich der Unzucht, der Dieberei rc. enthalten, würde eine ähnliche Erneuerung des TaufbundeS nicht solche Folgen haben? Würden dadurch die Taufe und Communion aufhören, mehr nur äußere Gebräuche zu seyn, durch die man, wie einst die auf die Beschneibung stolzen Juden, vergeblich ohne heiligen Wandel, den Himmel hofft, so würden durch solche Bekehrung die Christen wieder ein heiliger Bund wer* 159 den, von dem gesagt werden könnte: „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und Seele!" Apostelg. 4, 32., waS auch die Grundlage eines einst so einigen Deutschlandes war. Solche Christen auf dem Lande würden nur durch die Standespflichten sich in die bekannten drei Tugendbündnisse theilen. Sollen aber diese als Theile deS TaufbundeS betrachtet werden, so muß, da das Volk durch die Auctorität der obersten Kirchcnvorsteher geleitet wird, die zur Entstehung derselben nöthige Erneuerung deS TaufbundeS von dem Bischöfe befohlen, und müssen die Seelsorger als Vorsteher, und die Bünd- nisse als Befolgung deS TaufbundeS erklärt werden. Durch die Worte deS Apostels: „Habet keine Gemeinschaft mit Unzüchtigen, dem Trunke Ergebenen :c." 1. Kor. 5,9 — 11., sind offenbar die Tugendbündnisse befohlen. Die bloße oberhirtliche Genehmigung derselben verleitet daS Volk auf die irrige Meinung, als sey die Befolgung ihrer Satzungen auch in Bezug auf die christliche Pflichtenlehre etwa» zur Erlangung der Seligkeit nicht Wesentliches, sondern nur Gestattetes. ^ AuS demselben Grunde der kirchlichen Auctorität sollen, zur Förderung der Moralität, das erste, zweite und dritte Kirchengebot vollständiger ausgedrückt werden. Obgleich von Seelsorgern nicht unterlassen wird, dem Volke zu erklären, daß, wie der Sonntag, auch die von der Kirche gebotenen Feiertage heilig, zur Ehre Gottes und zum Seelenheil« zugebracht werden sollen; daß, um nicht dazu gehindert zu seyn, nicht nur die knechtliche Arbeit, sondern noch mehr die sündhaften und gefährlichen Weltvergnügen verboten sind; so werden doch an Sonn- und Feiertagen die meisten Todsünden begangen. Von dem nicht einseitig aufgeklärten Volke werden aber daS Fastengebot, und das Verbot knechtlicher Arbeit an Sonntagen fast ängstlich befolgt. Würde das Kirchengebot auch befehlen, daß an Sonn- und Feiertagen auch der Besuch der Tanzplätze, der vielstündigen Trinkgelage und Spiele, der Jahrmärkte rc. verboten seyen, so würden unstreitig auch diese Verbote der christlichen Pflichtenlehre befolgt werden, Ermahnungen der Seelsorger haben nicht die Kraft der Kirchengebote. Nach den alten Bußsatzungen mußte, wer an einem Sonntage tanzte, sich drei Jahre der Kirchenbuße unterwerfen, wie Bressanvido in seinen Katechesen erzählt. Die Geschichte lehrt, daß zur Zeit, als ohne Bekehrung Götzendiener wegen irdischer Vortheile sich taufen ließen, die Tanzmusik bei der Hochzeitfeier, die Trinkgelage und Freitänze an Sonntagen (mit der FastnachtSseier einst zum Götzendienste deS Bacchus gehörig) aus dem Heidenthume in daS Christenthum übergegangen find. Schon der heilige Gregor von Nazianz eiferte gegen einen Flötenspieler bei der Hochzeitfeier seines Freundes. Da gotteSfürchtige Eltern noch immer ihre Söhne und Töchter wegen der dabei statthabenden Aergernisse vom Besuche der Hochzeiten mit Tanzmusik ferne halten; so wäre zu wünschen, daß im fünften Kirchengebote bei der Hochzeitfeier die Tanzmusik verboten würde, als ganz ungeeignet zur Freude über den Empfang der Gnade eines heiligen SacramenteS. DaS Volk hält die Nichtbesolgung von Pflichtenlehre», die auch von der Kirche besonders geboten werden, noch immer für eine größere Sünde; daher die gewünschten Gebote und Verbote kräftige Tugendmittel seyn würden. Bluwen au- dem Schriftarten de- heiligen Vernarbn-. (Fortsetzung.) 18. B e g i e r l i ch k e i t. Die Begierlichkeit ist die Wurzel der Bosheit. Die Begierlichkeit kommt auS der Leere und Vergessenheit deS HerzenS. Denn die Seele bettelt anderswo, weil sie vergißt ihr Brod zu essen; sie hat ein heftiges Verlangen nach Irdischem, weil sie am wenigsten an Himmlisches denkt. 19. Beharrlichkeit. Bescheidenheit zeugt von einem weisen, Beharrlichkeit von einem tapfern Manne. 20. Beispiele. So lange du klein bist, und bis du vollkommener lernst, dich in GotteS Gegenwart zu denken, schaue dich um einen Erzieher um. Erwähle dir auf meinen Rath einen Menschen, dessen Beispiel so in deinem Herzen hafte, daß, so oft du an ihn denkest, du dich vor Ehrfurcht erhebest, und dich selbst ordnest und zusammen nehmest. Wenn du an ihn denkest, als wenn er gegenwärtig wäre, wird die Anhänglichkeit der gegenseitigen Liebe daS Fehlerhafte an dir verbessern. Ein großer Trost ist es im Leben, eine treue Seele zu haben, der du dein Herz eröffnen und die Geheimnisse desselben anvertrauen kannst. Liebe den uud folge ihm, der in der Traurigkeit mit dir leidet, im Unglücke dich aufrichtet, im Glücke sich mit dir freut. Glücklich eine solche Verbindung und eine solche Freundschaft; denn nichts ist schöner im menschlichen Leben, als sie. 21. Beistand GotteS. DaS Aufsteigen ist wahrlich schwer und die Bemühung vergeblich ohne GotteS Beistand. Wer also steht, wenn er nicht fallen will, der vertraue nicht sich, sondern stütze sich auf Gott. So ist eS, weder Aus- stehen zum Guten, noch Stehen im Guten können wir ohne Gott. Der du also stehst, gib Gott die Ehre, durch dessen Hand du ausrecht erhalten wirst. Nichts zeigt GotteS Allmacht deutlicher, als daß er diejenigen allmächtig macht, die auf ihn hoffen. Oder ist der nicht allmächtig, dem Alles möglich ist? So kann eine Seele, die nicht vermessen ist, sondern von Gott gestärkt wird, allerdings über sich herrschen, so, daß keine Ungerechtigkeit etwas gegen sie vermag. Keine Gewalt, keine List, kein Reiz kann den Stehenden umwerfen oder den Herrschenden unterwerfen. Vergeblich aber stützt sich der auf etwas, der sich nicht auf Gott stützt. 22. Bekehrung. Am Anfange unserer Bekehrung ist uns keine Tngend nothwendiger, als eine demüthige Einfalt und ein geschämiger Ernst. Die äußere Bekehrung allein ist keine Bekehrung. Sie hat nur die Form, nicht aber die Wahrheit einer Bekehrung. Während sie den Schein der Frömmigkeit hat, ist sie leer an Tugend. Die Engel freuen sich über die Bekehrung und Buße der Sünder. Da sie Durst haben nach dem Seelenheile der Menschen, sind die Thränen der Büßer ihr Wein, weil in denselben der Wohlgeruch deö Lebens, der Geschmack der Gnade, der Genuß der Verzeihung, die Lieblichkeit der Versöhnung, die Gesundheit der wiederkehrenden Unschuld, die Süßigkeit deS erheiterten Gewissens ist. 23. B e r ü h r u n g. Durch die Berührung wird das Feuer der wilden Lust auch bei geringer Gelegenheit aufgeregt, und wenn sie nicht auf der Stelle aufgegeben wird, bemächtiget sie sich deS ganzen LeibeS und steckt ihn in Brand. 24. Beschallung. Nichts ist angenehmer und nützlicher, als die Gnade der Beschauung. Je mehr du dich in der Betrachtung himmlischer Dinge unterhältst und in der Unterhaltung sie bewunderst, desto lieber wirst du dabei verweilen, desto fleißiger wirst du forschen, desto tiefer wirst du erleuchtet. Immer wirst du etwas finden, worüber du dich wundern und freuen wirst. Nirgends ist ein reichlicherer Stoff zur Bewunderung, nirgends eine nützlichere Ursache zur Freude. In diesen Dingen also verweile Leine Bewunderung und deine Freude. ES wird nicht nöthig seyn einen Gegenstand vor den andern zu suchen, oder mit den Gedanken von einem auf den andern zu schweifen: denn Gott erkennen ist die Fülle der Wissenschaft. 25. Bescheidenheit. Unerträglich ist der Eifer ohne Wissenschaft. Wo also großer Eifer ist, da ist Bescheidenheit vorzüglich nothwendig, welche die Liebe ordnet. Denn die Bescheidenheit setzt jede Tugend in Ordnung, und diese Ordnung gibt ihr Schönheit. Die Bescheidenheit ist also nicht so fast eine Tugend, als vielmehr die Lenkerin und Führerin der Tugenden, die Ordnerin der Affecte und die Lehrerin der Sitten. Nimm sie weg, und die Tugend wird zum Fehler. 26. Beschneidung. Weil die Gebrechlichkeit deS menschlichen Fleisches und die Schwäche deS kindlichen Alters die Beschneidung an den einzelnen Gliedern nicht aushalten könnte, hat eine höhere Anordnung mit gütiger Mäßigung dafür gesorgt, daß die Begierlichkeit vorzüglich an jenem Theile gezüchtiget werde, wo sie heftiger wüthete und gewaltthätiger Böses verübte. Denn unter allen Gliedern, welche dem Geiste widersprechen, ist jenes so widerspänstig, daß eS sich gegen alle Ueberlegung deS Willens erhebt. 27. Betrachtung. Vergeblich erhebt daS Auge deS HerzenS zur Anschauung GotteS, wer noch nicht in der Kunst, sich selbst zu kennen, erfahren ist. Denn zuerst mußt du daS Unsichtbare deines Geistes kennen lernen, ehe du geeignet bist, den unsichtbaren Gott zu schauen. Und wenn du dich selbst noch 160 nicht kennen gelernt hast, wage es nicht, daS zu erforschen, was über dir ist. Der vortrefflichste und erste Spiegel zur Anschauung GotteS ist eine verständige Seele, die sich selbst betrachtet. So lange Jemand fremde Fehler neugierig erforscht, wird er die eigenen nicht erkennen. 28. Betrübniß. ES ist eine Eigenschaft der Betrübten, daß sie eS für daS größte Glück halten, von den Lastern entledigt, und für die höchste Seligkeit, vom Elende frei zu werden. 29. B i s ch ö f e. Der heilige MartinuS, Cardinal-Priester, stand einst in Dacien einen GesandtschastSposten vor, und kehrte von demselben so arm zurück, Laß er, da ihm Geldmittel und Pferde mangelten, kaum nach Florenz kommen konnte. Dort schenkte ihm der Bischof des OrteS ein Pferd, auf welchem er nach Pisa ritt, wo wir uns damals aufhielten. TagS darauf, glaube ich, kam auch der Bischof von Florenz nach (denn er hatte einen Proceß mit einem Gegner, und der Gerichtstag war nahe) und fing an, die Hilfe seiner Freunde anzuflehen. Nachdem er einen nach dem andern gebeten hatte, kam er auch zu MartinuS. Denn er setzte um so größeres Ver- trauen auf ihn, da derselbe der frischen Wohlthat nicht leicht uneingedenk seyn konnte. Da sprach MartinuS: „Du hast mich getäuscht; denn ich wußte nicht, daß du einen Streithandel auszumachen habest. Nimm dein Pferd; eS steht im Stalle." Und zur selben Stunde leistete er Verzicht auf dasselbe. 30. B ö s e S. Das Böse ist immer von der Strafe begleitet. Wenn Jemand sein Herz noch so aufmerksam beobachtet, und wenn er in diesem Geschäfte auch viel Uebung und Erfahrung hat, so kann er doch nicht ganz genau unterscheiden daS angcborne und das eingesäete Böse. „Aber die Sünden, wer merket sie?" ES liegt auch nicht viel daran, zu wissen, woher daS Böse in unS komme, wenn wir nur wissen, daß es in unS sey. Wir sollen vielmehr wachen und beten, damit wir in selbes nicht einwilligen, eS mag wo immer her seyn. Ein böser Mensch wohnt niemals sicher bei sich, weil er bei einem bösen Menschen wohnt, und Niemand ist ihm lästiger, als er sich selbst. 31. B u ß e. So sehr Gott die Unverschämtheit des Sünders mißfällt, so sehr gefällt ihm die Schamröthc des Büßers. Wer wahrhaft seine Sünden bereut, der fürchtet sich nicht vor der Mühe der Buße, sondern er nimmt mit stillschweigendem Gewissen Alles an, waS ihm für die Schuld, die er haßt, aufgegeben wird. Der wahre Büßer befindet sich immer in Arbeit und Schmerz. Er bereut daS Vergangene, er arbeitet, um Zukünftiges zu verhüten. Denn wahre Buße ist eS, ohne Unterbrechung der Zeit seine Sünden zu bereuen. Er beweint daS Begangene, damit er nicht mehr BeweinenSwertheS begehe. Ein Spötter, nicht ein wahrer Büßer ist jener, der noch thut, wa« er beklagt. Wenn du also ein wahrer Büßer seyn willst, so stehe ab von der Sünde, und wolle nicht mehr sündigen: denn jene Buße ist eitel, welche die darauffolgende Schuld wieder befleckt. Die Keuschheit laust Gefahr bei'm Vergnügen, die Demuth im Reichthum, die Frömmigkeit in der Geschäftigkeit, die Wahrheit in vielen Reden, die Liebe in dieser bösen Welt. Fliehet auS der Mitte Babylons, fliehet und rettet eure Seelen. Fliehet in die Städte der Zuflucht, wo ihr über die begangenen Sünden Buße thun, in der Gegenwart Gnade erlangen und für die Zukunft vertrauensvoll auf Verherrlichung warten könnet. ES halte euch nicht zurück das Andenken an die Sünden; denn wo sie überschwänglich sind, da pflegt die Gnade noch über- schwänglicher zu seyn: nicht die Strenge der Buße; denn die Leiden dieser Zeit kommen nicht in Vergleich mit der nachgelassenen Schuld und mit 'der Gnade der gegenwärtigen Tröstung, noch mit der Herrlichkeit, die uns verheißen ist. Der französische Alerus. Nachdem derselbe von verschiedenen Seiten angeklagt wurde, daß er bei der Abdankung Louis Philipps so schnell den Mantel nach dem Winde gedreht, wird eS nicht uninteressant seyn, die glänzende und geistreiche Rechtfertigung zu hören, welche Ritter in der Vorrede zu seinen Vorlesungen geschrieben. Er sagt: „Man hat eS tadelnSwerth gefunden, Laß die französische Geistlichkeit nach der Februar-Revolution keine Sympathien für die vertriebenen Orleaniden an den Tag legte, sondern die Republik bereitwillig anerkannte. Die französische Geistlichkeit war den Bourbonen aufrichtig zugethan und treu, daher ihr zurückhaltendes Benehmen gegen Ludwig Philipp. In diesem aber sah sie nichts weiter als einen Usurpator, da sein Besitz sich weder auf daS Recht der Geburt, noch der Eroberung, noch der allgemeinen Volkswahl gründete. Auch seine religiöse Gesinnung war mehr als zweifelhaft, und seine Kuppelei in der spanischen Heirathsangelegenheit mußte daS sittliche Gefühl des Klerus empören. In der UnkerrichtSfrage aber war er dessen Gegner; für die Interessen deS Volks hatte er nichts gethan. ES galt, nachdem sein Thron gestürzt und er vertrieben war, daß die Geistlichkeit einen schnellen Entschluß faßte, um nicht der Partei deS CommunismuS einen Vorwand zu leihen, ihre Waffen gegen die Kirche zu kehren, und die allgemeine Unordnung zu verlängern. Die bereitwillige Anerkennung der Republik von Seiten der Kirche war die einzige Auskunft. Die improvisirte Regierung bekam dadurch einen ! Anhalt, den sie dankbar anerkennen mußte. Daß der Erzbischof Affre von PariS, von welchem die ersten kirchlichen Erlasse ausgingen, kein Feigling war, der nur seine Person retten wollte, sondern ein Mann, der für sein Vaterland sich aufzuopfern Muth besaß, dieß hat er später bewiesen. In so drangvollen Umständen, wie diejenigen nach der Februarrevolution waren, ist nichts verderblicher als halbe Maaßregeln. Nur Entschiedenheit kann retten. Diese Entschiedenheit bewies der Erzbischof und rettete Frankreich dadurch wahrscheinlich vor einer allgemeinen Auflösung. DaS verblendete Volk aber gewann die Ueberzeugung, daß die Kirche nicht zwischen ihm und seinem Idol von politischer Freiheit stehe, wodurch eS allein Rettung auS seinem Elende erwartete. Hätte Ludwig Philipp nur Einige seiner Millionen Franken verwendet, um dem schauderhaften Elende vieler unschuldigen Familien in Paris ein Ende zu machen, sey eS, daß er menschliche Wohnungen für sie baute, sey eS, daß er ihnen einen Herd in Afrika gründete, er hätte wenigstens ein dauerhaftes Andenken hinterlassen. Welche großartigen Denkmale-zum Besten der Menschheit haben die Könige und Fürsten deS Mittelalters geschaffen; prachtvolle Dome, ErziehungS- und Krankenanstalten, Klöster, meist Zufluchlstätten für Mädchen aus den gebildeten Ständen u. s. w. WaS ist auS diesen Anstalten geworden? Der Fiskus hat sie eingezogen, verkauft, verschenkt, oder sich selbst darin niedergelassen. Ja die Unterhaltung von Schulen unv Kirchen, für die jene Stiftungen sorgen mußten, fallen noch überdieß den Gemeinden zur Last, das tägliche Almosen aber, waS jene Anstalten spendeten, ist der Armuth meist verloren gegangen. Seitdem vie Völker ihre Fürsteir nur auS Geboten und Verboten kennen, und zwischen ihnen und ven Fürsten daS Heer der Beamten wie eine Wolke vor der Sonne steht, ist die Liebe und Ehrfurcht der Unterthanen erkaltet. Noch heute sind vie Jn- spectionSreisen Friedrich des Großen in Schlesien in gesegnetem Andenken. Wehe den Beamten, in deren Bezirk eine Hungerpest, wie voriges Jahr in Oberschlesien, erst nachdem sie Monate lang gewüthet, zu seiner Kenntniß gekommen wäre. Friedrichs Krücke war ein gefürchleter Zepter, aber nicht für die Unterthanen, sondern für die Behörden. Aber nicht nur, daß die Regierungen neuerer Zeit die alten wohlthätigen Institute aufgehoben, geschweige denn, daß sie selbst welche errichtet, so legten sie auch den Stiftungen von Privaten in der Regel unübersteigliche Hindernisse entgegen. Man denke an die projeclirte wohlthätige Stiftung auf Nonnenwerth. Die Kirche in Deutsch-Piekar würde wahrscheinlich heute noch nicht erbauet seyn, auf keinen Fall in so großartigem Styl, wenn eS von der Regierung in Oppeln allein abgehangen hätte. Ludwig Philipp hatte Verstand für daS Interesse seiner Dynastie, aber kein Herz für sein Volk, darum wandte eS ihm in der PrüfungSstunve den Rücken." Notiz. Im Dom zu Trier wurde eine neuntägige Andacht zur Abwendung der Cholera angeordnet. Fast in allen Pfarrkirchen (ich glaube in allen) wird täglich Beicht gesessen, und die Geistlichen haben auch wirklich im Beichtstuhl täglich viel zu thun. In der am härtesten heimgesuchten Pfarrei von St. Paulus zu Trier haben die übrigen Stadtgeistlichen bereitwillige Hilfe geleistet. Die so furchtbar auftretende Krankheit trägt heilsame Früchte; denn die in guten Tagen so oft vernachlässigte und verkannte Religion erlangt jetzt ihr volles heiliges Ansehen wieder, und Mancher bestellt jetzt seine GewissenSangelegenheiten, der ohne die drohende Zuchtruthe der Cholera vielleicht weder „Zeit" noch „Lust" dazu gehabt hätte. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kr eurer. Vierteljähriger Abon- nemcntspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 2» kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Auch durch den Buchhandel könne» diese Blatter bezogen werde». Der Preis betrügt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. 14- Oktober RW4S. Die -ritte Generalversammlung -er katholischen Vereine in Regen-burg. *) I RegenSburg, 2. Oct. Die dritte Generalversammlung deS katholischen VereineS Deutschlands ist nunmehr eröffnet und eS scheint, daß sie den in Mainz und Breslau abgehaltenen an Großartigkeit, an Zahl der Abgeordneten und an Wichtigkeit der Verhandlungen nicht nachstehen werde. Bei der gestern Abend abgehaltenen Vorversammlung im Reichssaale deS alten RathhauseS waren bei 200 Deputirte der Einzclvereine gegenwärtig, unter welchen zur größten Freude aller Anwesenden besonders der Katholikenvcrein in Linz stark vertreten ist. Alle anwesenden Deputirtcn nahmen, nachdem sie die nothwendigen Vorfragen schnell erledigt hatten, an der allgemeinen Versammlung deS Centralvereines von RegenSburg Abends um 7 Uhr Antheil und waren freudig überrascht beim Eintritts in die zu diesem Zwecke besonders eingerichtete St. Ulrichskirche ganz in der Nähe des prächtigen DomeS. Dieser Tempel, in welchem seit Jahren kein Gottesdienst mehr gehalten wird, ist^Mrch.die edle Freigebigkeit deS Hochwürdigsten Bischofs und durch den Kunstsinn. §sjies Mitgliedes des VereineS für die allgemeinen Versammlungen auf daS^psÄtpollste und zweckmäßigste eingerichtet. Die Rednerbühnc, der Sitz.dzKjPrsistdenlen und des Bureau's, so wie die Gallerien find mit Scharlach und . Sammet reichlich verziert;! Blumengewinde und Laubwerk durchziehen die ganze Kirche; die Büste deS heiligen Vaters PiuS IX. auf der einen und die deS KönigS von Bayern auf der andern Seite erheben sich majestätisch in einem Walde seltener Blumen und Ziersträucher, indessen das Kreuz deS ErlöserS und unter demselben das Bild der seligsten Gottenmuiter segnend und gnadeverheißend über dem Ganzen schwebt. Vor etwa 3000 Männern, Frauen und Jungfrauen eröffnete der Präsident deS RegenSburger Vereines in kurzen aber herzlichen Worten die Versammlung, worauf Stadtpfarrer Eberhard in einer tief ergreifenden und überzeugenden Rede nachwies, wie einzig und allein von der vollkomm- nen kirchlichen Freiheit auch die Erlangung der wahren, ächten Volksfrei- heit bedingt sey. Nachdem hierauf einer der Abgeordneten deS PiuSvereineS von Mainz über die Wirksamkeit deS dortigen VereineS gesprochen und darauf hingewiesen hatte, wie die katholischen Vereine leider noch nicht in der Lage sind, den WohlthätigkeitSzweck, die Werke der christlichen Nächstenliebe u. s. w. zu ihrer vorzüglichsten, geschweige denn zu ihrer ausschließlichen Aufgabe zu machen, da die kirchliche Freiheit, wenn gleich überall versprochen, noch nirgends zur Wirklichkeit, zum Leben geworden sey, »Deßhalb die Vereine nach wie vor mit Muth, mit Geduld und Ausdauer kämpfen und ringen und dazu durch daS Gebet der Einzelnen und der Gesammtheit sich stärken müssen — bestieg der edle Graf Jos. v. Stol- berg den Rednerstuhl und schilderte die Eindrücke, welche der Anblick Re- genSburgS, seiner alten Gebäude, seines Kirchhofes und deS ehrwürdigen Domes auf ihn gemacht. Auf dem Begräbnißplatze, wo die Gebeine so vieler Tausende ruhen, trat ihm mächtig ergreifend daS Bild des TodeS vor Augen — ein Sinnbild deS geistigen Schlafes, in welchem nur zu lange die Katholiken gefesselt waren. Aber daS allerheiligste Sacrament, der in demselben wahrhaft gegenwärtige Gott und Heiland verkündete ihm Auferstehung und Leben, dessen die Katholiken aber nur dann theilhaftig werden, wenn sie rein und untadelhaft, frei von Sünden in die innigste Lebensgemeinschaft mit ihrem Heilande treten, unwandelbar fest im Glauben an ihn, unerschütterlich in der Liebe und treuen Anhänglichkeit an unsere Mutter, die Kirche, opferwillig selbst bis zur Hingabe unseres Lebens die edlen Zwecke deS katholischen VereineS stets im Auge behalten und darunter besonders die Werke der christlichen Liebe in Ausübung bringen. . Nach ihm berichtete Domcapitular und Professor Dr. Baltzer aus ! BreSlau höchst Erfreuliches über die schlesischen Vereine und ermähnte in eindringender Weise, unverrückt fest zu halten in brüderlicher Liebe und Eintracht an den durch die beiden Generalversammlungen in Mainz und BreSlau aufgestellten Satzungen und Beschlüssen, weil nur dadurch, aber alSdann auch ganz zuverlässig, der endliche Sieg, wenn gleich nach großen Mühen und schweren Opfern, unS nicht fehlen werde. Der Präsident deS seitherigen Vororte», deS Centralvereines von BreSlan, Licentiat Dr. Wick, lenkte hierauf in einer überwältigenden Rede die Augen und Herzen der Anwesenden nach Rom, der Multerstadt der ganzen Christenheit. Er schilderte die Leiden, den tiefen Schmerz, die bitteren Verfolgungen deS heiligen Vaters, deS besten aller Fürsten, des glorreichen unter den großen Nachfolgern deö Apostelfürsten Petrus. Er erwähnte, wie die Feinde der Küche zu allen Zeiten und so auch in unseren Tagen vor Allem die giftigen Pfeile ihres Angriffes auf den ehrwürdigen Vater der gesammtrn Christenheit gerichtet, von der Ueberzeugung geleitet, daß, wenn das Haupt deS Leibes leide, blute und zur Unmacht herabgedrückt werde, auch die Glieder deS LeibeS bald absterben müßten. Darum sey eS nicht allein eine schöne Aufgabe, sondern eine heilige Pflicht der Vereine, den Verunglimpfungen der schlechten Presse, in welcher die Feinde des Christenthumes ihr Gift in ! überreichem Maaße ausspritzen, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, und durch belehrende Verträge in den VereinSvcrsammlungen und bei jeder sich darbietenden Gelegenheit eS hervorzuheben, was die ganze civilisirte Welt, was Europa und waS ganz vorzugsweise Deutschland dem apostolischen Stuhle zu Rom und den großen Päpsten, welche denselben geziert, zu verdanken habe. Daran reihte der mit vielen Beifallrufen oft unterbrochene Redner die Aufforderung zum unablässigen andächtigen Gebete, daß Gott in seiner unendlichen Güte der Christenheit verleihen möge, recht bald ein schönes Dankfest begehen zu können zur Feier der frohen Rückkehr deS heiligen VaterS in die Mauern der ewigen Stadt, in die Mitte eines Volkes, daS ihm mit Undank seine Liebe vergolten, daS sein väterliches Herz mit Bitterkeit gekränkt hat. Nach diesem ausgezeichneten Vortrage lenkte Obercaplan Ruland auS Berlin die Augen der Anwesenden auf Berlin, nicht um sie von Rom abzuwenden, sondern um nachzuweisen, wie die katholische Bevölkerung der Hauptstadt Preußens, namentlich die, welche dem Handwerker-, dem Arbeiter-, dem sogenannten niederen Stande angehört, in ihrer treuen Anhänglichkeit an die Kirche und an daS ehrwürdige Oberhaupt derselben, in ihrer lebendigen Begeisterung für alles Große und Edle, waS die Kirche schafft, schützt und pflegt, in der innigsten Ueberzeugung, daß nur in ihrem Schooße der Keim einer besseren Zukunft und die regenerircnde Lebenskraft der ganzen Menschheit ruhet — im Verhältnisse zu den geringen Mitteln und der Mühseligkeit deS Erwerbes derselben wahrhaft Slau- nenSwertheS, besonders in dem Werke der christlichen Liebe bis daher schon geleistet hat. Daran knüpfte er die Bitte, daß die bessergestellten, daß die wohlhabenden Katholiken Deutschlands den armen GlaubenSbrüdern in den dortigen Gegenden zu Hilfe kommen möchten; sey einem Jeden derselben auch ein einziger Kreuzer zu viel — dann bitte er im Namen seiner Com- mittenten wenigstens um ein Vater Unser und Gcgrüßet seyst du Maria! Zum Schlüsse sprach Herr Stadtpfarrer Frank auS Spalt darüber, wie die katholische Kirche die einzige und wahre Mutter aller Association, deS ganzen VcreinSwesenS sey; wie sie durch ihre Anstalten und Orden Alles, waS der CommuniSmus und Socialismus Wahres in sich enthalte, längst verwirklicht, aber auch den verderblichen Auswüchsen kräftig gewehrt habe, und schloß mit den ernsten Worten, daß wenn die Söhne und Kinder einer so reich begabten, von Gott gesetzten Mutter untergehen, eS lediglich durch ihre Schuld, durch ihre Trägheit und Feigheit geschehen ! könne. So schloß der zur Vorfeier bestimmte höchst genußreiche Abend und ') Berichte des Mainzer Journals, Dr. Riffel. 162 verbürgte schon diese erste Versammlung, daß der dritte Congreß des. katholischen Vereines Deutschlands nicht minder reich an großartiger Einwirkung auf die Einzelnen und auf die Gesammtheit seyn und eben so segensreich enden werde, als die zwei ersten Versammlungen in Mainz und BreSlau. Den ersten freien Augenblick werde ich dazu benutzen, weiteren Bericht abzustatten und bemerke für dieses Mal nur zum Schlüsse, daß die RegenS- burger Tagesblätter, nicht wie weilanv die radicale Mainzer Zeitung, diese Versammlung ignorirt, sondern dieselbe gleich deS anderen TageS besprochen haben; daö „Tagblatt," ein Blatt der Demokraten, in würdiger, männlich-ernster Weise, dagegen die früher von dem Hochwürdig- sten Herrn Bischof empfohlene „RegcnSburger Zeitung" mit der Gemeinheit eines ungezogenen Buben. De- Glaubens Boden. *) Erzählung auS den Papieren eines Seelsorgers. I. „Gar oft geschieht es, daß wir nicht wissen, waS wir vermögen; aber die Prüfung bringt zum Vorschein, waS wir sind." Diese Worte eines große» Meisters sind mir heute wieder einmal recht klar geworden. Die Ueberraschung deS Augenblicks, wie wenig fand sie mich vorbereitet! Auf den stillen Wegen der Seelsorge, unter den Armen und Kleinen, in deren Gemüth kein Zweifel den Eingang findet, ist eS, wenn schon mühsam, doch anmuthig zu wandeln; aber selbst auf diesen Gängen wird man zuweilen von eisigen Lüften angeweht, an welchen ein kränklicher Geist sich gar leicht verkältet. Ick suchte einen Arbeiter heim, der auf keinen irdischen Taglohn mehr rechnen konnte, und dem ich die Heilsmittel der Kirche schon früher gebracht. Mehr als einmal hatte ich hier die Großmuth und Güte eines angesehenen Arztes preisen gehört, der, so wie manchem andern dürftigen Kranken, auch diesem seine Sorgfalt widmete, und den die Familie als ihren großen Wohlthäter ehrte. Frau Ludmilla meinte, sie könnte ihn schier für einen Heiligen halten, wenn nicht der Umstand ihr einiges Bedenken machte, daß er ihrem HauSaltar mit den vielen auf GlaS gemalten Bildern keine Aufmerksamkeit schenke; die Kinder erzählten von ihm mit leuchtenden Augen. Wie groß war mein Verlangen, den edlen Mann persönlich kennen zu lernen! Als ich dießmal in das niedrige HauS eintrat, sah ich seinen Wagen vor der Thüre halten; mein Wunsch war erfüllt, er saß beim Lager deS Kranken. Ich sprach eine kurze Zeit mit der Mutter und den Kindern; der Arzt schien meiner Anwesenheit nicht zu achten. Um so öfter konnte ich, wie verstohlen, den Mann inS Auge fassen, der mir, wohl schon von lange her, genau bekannt schien. Endlich als er, um Abschied zu nehmen, sich erhob, wandte er wie zufällig seinen vollen Blick auch auf mich. Ich schrie auf, ich breitete meine Arme ihm entgegen. Blahomir, rief ich, sind Sie eS? oder träume ich nur? Lange konnte ich ihn nicht ansehen; sein gleichgiltig frostiger, ja verächtlicher Blick beschämte mich, oder schien mir wenigstens zu sagen: du bist im Irrthum, Menschenkind; eine Aehnlichkeit hat dich getäuscht; im klebrigen mag ich mit deinesgleichen nichts gemein haben; für mich bist du so viel als nicht da. In der That ward ich an meinem Urtheile irre, auch halte der Fremde ein viel zu gealtertes Aussehen, um der zu seyn, für den ich ihn gehalten. Gab ihm jedoch meine Anrede ein Recht, mir so wegwerfend zu begegnen? Noch wechselte er mit Mutter und Kindern einige freundliche Worte, und ging, ohne sich weiter um mich zu kümmern; und dieß Benehmen verstimmte mich dcrmaaßen, daß ich kaum die rechte Weise fand, um den Kranken, der täglich dem Tode entgegenharrte, zu erbauen und zu trösten. Die gute Frau Ludmilla mußte daS alles scharf genug bemerkt haben. Bester Herr Jvo, sagte sie zu mir: es gibt zweierlei Religionen in der Christenheit, eine für uns gemeine und dumme Leute, die andere für die Feinen, Gelehrten oder Vornehmen, die etwas AparteS haben. Ich meinerseits halte die unsre für bester, und möchte um keinen Preis in der Welt tauschen. Aber waS den Doctor anbelangt, so meine ich, daß sein Glauben wohl eine nachhaltige Cur nöthig hätte; eS ist mir jedoch nicht bange darum, denn Zeit und Weile sind ungleich, und wo so viel Barmherzigkeit und gute Werke vorhanden, da wird die Gnade Gottes auch nicht fern bleiben. Ja wohl, erwiderte ich; aber — und weiter sagte ich nichts, denn dieß Aber mahnte mich, daß mein Selbstgefühl gekränkt und mein Herz verbittert war. Die Beleidigung konnte oder mußte ich verzeihen; waS ich mir erlauben durfte, war der Versuch, über die Person deS vermeintlichen ehemaligen Freundes ins Reine zu kommen. Ludmilla hatte versprochen, von seinem nächsten Besuche mir gleich Nachricht zu senden, und dieß fand sich bald. Wie im Vorbeigehen und gelegentlich trat ich in die Krankenstube, wo mir von Seiten deS Arztes die nämliche Begegnung zu Theil ward. Allein je genauer ich .mir den Mann betrachtete, und seiner Stimme horchte, desto mehr ward ich meiner Sache gewiß; und so brachte ich eS endlich über mich, ihn anzureden. Herr, sprach ich, ihn fest anschauend; Sie sind dennoch Blahomir! Ich brauche eS nicht zu läugnen, erwiderte er; allein was folgt daraus? — Wenn Sie es sind, so müssen Sie mich kennen! — Warum nicht? Jedenfalls sind Sie ein Priester, und mit dieser Kaste habe ich nichts zu thun. Adieu. Hiemit ging er, und überließ mir die unangenehme Aufgabe, wie versteinert stehen zu bleiben, und ihm nachzuschauen. Wie arm und kraftlos fühlt sich der Mensch mit seinen besten Absichten, mit seiner innigsten Ueberzeugung, einem starren und unzugänglichen Gemüthe gegenüber! Selbst die Kinder machten große Augen, und auch ihre Mutter seufzte über dieß Benehmen. Sie meinte in ihrer Einfalt: wenn schon die verschiedenen Stände mit Kisten und Kasten verglichen würden, so sey ihr die Schublade, in welcher die Priester sich befinden, doch immer heilig und hochverehrt. Zeit und Weile sind ungleich, und so müsse man bald in der einen, bald in der andern, bald auch in Beiden Hilfe suchen, aber jedenfalls bleibe wahr, was geschrieben steht: der Leib ist mehr als die Speise, und die Seele ist mehr als der Leib! — Die wackere Frau ging aber noch weiter; sie hatte sich'S in den Kopf gesetzt, den Arzt auf andere Gedanken zu bringen. Dazu kam eS ihr ganz gelegen, daß wenig Tage nachher, wie sie von erster Hand, von einer Hand, welcher die Zügel anvertraut waren, nämlich vom Kutscher eS in Erfahrung gebracht, sein Geburtstag eintrat. Sie ließ das älteste Mädchen zur Krankenpflege daheim, putzte die andern Kinder aufs beste heraus, und zog mit ihnen in aller Frühe dreiviertel Stunden weit in das HauS deS ArzteS. Die Kinder durften ihren Spruch aufsagen, dann nahm Frau Ludmilla daS Wort. Gnädiger Herr, sagte sie: mir ist so leid um den hochwürdigen Herrn Jvo, der für meines Mannes unsterbliche arme Seele sorgt, wie Sie für seinen elendiglichen sterblichen Leib. DaS wäre auch ein Patient, dem Sie weh gethan haben, und dem Sie helfen könnten, wenn Sie ihn nicht so despeckirlich behandelten. Der Doctor lächelte ein wenig, und zwar (nach Ludmilla'S Bericht) ungefähr so, wie ein Sonnen- blick, der im Winter durch die gefrornen Fenster schielt; dann sprach er: dieß Capitel lasten wir auf sich beruhen. O ich weiß wohl, entgegnete Ludmilla, daß die heiligen Evangelien in verschiedene Capitel eingerheilt sind; allein gar viele darunter lehren von der Gottes- und Nächstenliebe, und daß alle Menschen als Brüder sich betrachten sollen. Gewiß, sagte der Doctor, aber wer am wenigsten von diesen hohen Lehren der Humanität begreift, daS sind eben die Priester. Aber ich will dich in deinem Glauben nicht irre machen. Hat keine Noth, erwiderte Ludmilla; gegen meinen Glauben werden Sie mit allen Ihren Recepten nichts ausrichten. Aber mit dem Herrn Jvo sollten Sie Loch eine Ausnahme machen. Einmal ist er ein Mann von aufrichtigem Herzen, und für'S andere: wer weiß, ob eS Ihnen nicht selber gut ist? Zeit und Weile sind ungleich! Mehr als daS, so setzte Ludmilla ihren Bericht fort, traute ich mir nicht zu reden, denn der Doctor ward ungeduldig, und rief: genug. Aber wir Frauen müssen nun einmal, außer im Kyrie eleison, daS letzte Wort haben. Ich blieb in der Thüre stehen; ich fragte kleinlaut: So darf ich ihm gar nichts Freundliches melden? Nun, waS er darauf erwiderte! Er war wie außer sich, und sein Blick war schrecklich; so erzürnt und verstört habe ich ihn nie gesehen! — Aber was erwiderte er denn eigentlich? — Der arme Mann! Ich hatte einst einen Freund, rief er, der mein Vertrauen betrogen, der mich unselig gemacht, der mir alles geraubt hat, was mein LebenSglück ausmachte. Jede Erinnerung an ihn empört mich; und dieser Priester, dieser Jvo — ist jenes Menschen leiblicher Bruder! — Ich crschrack über die Rede, und dießmal vergaß ich aufs letzte Wort. Zeit und Weile sind ungleich, dachte ich bei mir; nahm meine Kinder, und begab mich auf den Heimweg. (Fortsetzung folgt.) Blnme» au- dem Schriftgarten de- heiligen Bernardu-. (Fortsetzung.) 32. Danksagung. Nicht eine jede Danksagung ist Gott angenehm, außer die aus schamhaftem Herzen und reiner Einfalt kommt. AuS „schamhaftem" Herzen, sage ich wegen derjenigen, welche sich ihrer schlechten Handlungen rühmen und Gott dafür zu danken Pflegen, als wenn Gott sich über ihre böse *) Aus dem österreichischen Nelkssreuud. 163 Handlungsweise freue. Aus „reiner" Einfalt, sehe ich bei, wegen der Heuchler, welche Gott mit Worten loben, aber im Herzen zurückbehalten, was sie mit dem Munde gegeben haben. Jene schreiben Gott gottloser Weise ihre bösen Thaten, diese die Wohlthaten Gottes sich zu. 33. Demuth. Schäme dich, Asche, stolz zu seyn! Gott erniedrigt sich, und du erhöhest dich? Gott unterwirft sich den Menschen, und du willst über die Menschen herrschen und dich deinem Urheber vorziehen? So oft ich den Menschen vorzustehen verlange, streite ich mit Gott um den Vorrang. Kein Edelstein glänzt schöner am bischöflichen Ornate, als die Demuth. Ein guter Grund ist die Demuth, worauf man daS geistliche Gebäude setzen kann, damit eS wachse zum Tempel Gottes. Durch dieselbe besaßen Einige sogar die Thore der Feinde. Denn welche Tugend kann wie sie den Stolz der Teufel und die Tyrannei der Menschen bekriegen? Schlauen und hinterlistigen Menschen pflegt eS eigen zu seyn, Demuth zu heucheln, wenn sie etwas erlangen wollen. Von diesen sagt die heilige Schrift: „Ein anderer demüthigt sich schalkhaft, und sein Inneres ist voll List." Die Demuth ist eine Tugend, wodurch der Mensch sich selbst kennen und gering schätzen lernt. Die Demuth muß man fest halten, da sie die Wächten» der Reinigkeit und die Mutter der Geduld ist. Wahre Geduld kommt nur auS tiefer Demuth, ohne die jene weder erworben noch erhalten wird. Eine ehrenvolle Sache muß eS um die Demuth seyn, da sogar der Stolz sich mit dem Mantel der Demuth kleidet, damit er nicht gering geachtet werde. 34. Dreieinigkeit. Gleichwie in der Gottheit Dreieinigkeit in Personen, Einheit in der Wesenheit ist, so ist auch in der Verbindung Gottes und des Menschen Dreiheit in den Wesenheiten, Einheit in der Person. Und wie dort die Personen die Einheit nicht trennen, die Einheit aber die Dreiheit nicht aufhebt: so vermischt hier nicht die Person die Wesenheiten, noch heben die Wesenheiten der Person die Einheit auf. Jene höchste Dreieinigkeit hat uns diese Dreieinigkeit mitgetheilt, ein wunderbares, ein einziges Werk unter allen und über allen ihren Werken. Denn das Wort, die Seele und daS Fleisch kamen in Einer Person zusammen, und diese Drei sind Eins, und dieses Eine Drei, nicht durch Vermischung der Wesenheit, sondern durch Einheit der Person. 35. Ehrgeiz. Der Ehrgeiz ist ein feines Uebel, ein verborgenes Gift, eine versteckte Pest, ein Künstler in der List; die Mutter der Heuchelei, der Vater deS Neides, der Ursprung der Sünden, der Zunder der Laster, der Rost der Tugenden, die Motte der Heiligkeit, die Verblenderin der Herzen, und erzeugt auS den Heilsmitteln Krankheiten, aus der Arznei Schwäche. Welch großen Männern hat diese Pest den Fuß untergeschlagen und sie schändlich zu Boden geworfen, daß die Uebrigen, denen dieser verborgene Räuber nicht bekannt war, bei dem Falle erschracken! 36. Eifer. Zwar ist der Eifer ohne Wissenschaft immer weniger wirksam und weniger werth, meistens aber ist er sogar verderblich. Je feuriger also der Eifer und je heftiger der Geist ist, und je ausgebreiteter die Liebe, desto wachsamere Wissenschaft ist nöthig, welche den Eifer zügle, den Geist dämpfe, die Liebe ordne. 37. Einigkeit mit dem Nächsten. Die Einigkeit der Guten ist eine doppelte. Die eine rechtfertiget, die andere verherrlicht. Jene ist Verdienst, diese Belohnung. Die Einigkeit, welche gerecht macht, ist vorzüglich jetzt nothwendig. Denn sie ist die angenehme Zierde, von der der Psalmist fingt: „Wie gut und wie lieblich ist'S, wenn Brüder beisammen wohnen!" Dieß ist jene Einigkeit, welche der Apostel mit allem Fleiße zu beobachten befahl: „Seyd beflissen, Einigkeit deS Geistes zu erhalten durch das Band deS Friedens." 38. Einwilligung. Ein Anderes ist die freiwillige Beistimmung, und ein Anderes die natürliche Lust. Letztere haben wir mit den unvernünftigen Geschöpfen gemein, und diese vermag nicht dem Geiste beizustimmen, verhindert durch die Reizungen deS Fleisches. Indem uns diese mit den Thieren gemein ist, unterscheidet unS die freiwillige Beistimmung von denselben. Denn sie ist eine Eigenschaft der über sich freien Seele, die zwar angetrieben, aber nicht gezwungen werden kann. Diese freie Beistimmung ist Sache des Willens, nicht der Gewalt: sie versagt sich keinem und gibt sich keinem Dinge hin, außer auS Willen. Wenn sie gezwungen werden konnte, wäre sie der Gewalt unterworfen und nicht mehr freiwillig. Wo aber kein Wille ist, ist auch keine Beistimmung: wo aber Beistimmung, da ist Wille: weiter, wo Wille, da ist Freiheit. Und das ist nach meiner Meinung der „freie Wille." 39. Eitelkeit. Der eitle Ruhm fliegt leicht einher, dringt leicht ein: aber er versetzt keine leichte Wunde, und tödtct schnell. Ein eitles Herz bringt auch dem Körper daS Kennzeichen der Eitelkeit bei, und der äußere überflüssige Aufwand ist ein Zeichen der innern Eitelkeit. Brüder, Niemand unter euch wolle gerne gelobt werde» in diesem Leben: denn was du hier Lob annimmst, stiehlst du Gott, wenn du eS nicht auf ihn beziehst. Fäulniß und Staub, woher kommt denn dein Ruhm? 40. E l e n d. Kein Elend ist wahrer, als die falsche Freude. Alles, was daS gegenwärtige Leben betrifft, ist vom Elend ergriffen. Ich rathe dir. betrachte am meisten, was du seyest, nämlich ein Mensch, als der du geboren bist. Aber nicht nur darauf merke, als was du geboren bist, sondern auch, wie du geboren bist. Betrachte bloß den Nackten, weil du nackt auS dem Leibe deiner Mutter hervorgekommen bist. Wenn du betrachtest, waS du seyest, wird dir ein nackter, armer, elender und erbarmenswerther Mensch begegnen. „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt eine kurze Zeit, und wird mit vielem Elend erfüllt." Viel und vielfach ist daS Elend deS LeibeS und deS HerzenS, du magst schlafen oder wachen oder dich wo immer hin wenden. In der Sünde geboren, mit einem sterblichen Leibe, thörichten HerzenS, zum Tode verurthetlt, lerne dich kennen, o Mensch! 41. Engel. Sehr viele Dinge sind es, welche den Engeln an unS gefallen, wenn sie selbe vorfinden, besonders Nüchternheit, Keuschheit, freiwillige Armuth, häufige Seufzer nach dem Himmel, Gebet mit Thränen und Versammlung deS Geistes. Doch verlangen die Engel deS FriedenS von uns vor Allem Einigkeit und Frieden. Werden sie sich nicht am meisten über die freuen, welche auf Erden daS himmlische Jerusalem vorstellen? Dagegen beleidigt sie nichts mehr und fordert ihren Unwillen mehr heraus, als Uneinigkeit und Aergerniß. Wenn du die Bedienung der Engel wünschest, so fliehe weltlichen Trost, und leiste Widerstand den Versuchungen deS Teufels! 42. Enthaltsamkeit. DaS einzige Mittel, wenn die Enthaltsamkeit erschüttert wird und wankt, ist das Entgegenhalten der Geduld und die gänzliche Verneinung der Beistimmung, mag der Reiz der Sünde noch so sehr brennen. Jene Enthaltsamkeit hat kein Verdienst bei Gott, welche menschliches Lob sucht, weil die Enthaltsamkeit den häufigen und scharfen Pfeilen deS Versuchers nicht widerstehen kann, wenn sie nicht von der göttlichen Gnade beschützt wird. 43. Erkenntniß GotteS. „Ich will ihn beschirmen, weil er erkannt hat meinen Namen." Der kennt seinen Namen nicht, der ihn nicht ehrt wie den Vater und ihn nicht fürchtet als den Herrn. Seinen Namen kennt nicht, wer ihn eitel auSspricht: „Herr, Herr", und nicht thut, was er sagt. Seinen Namen kennt nicht, wer sich zu Eitelkeiten und falschen Thorheiten wendet. Jener erkannte seinen Namen, der da sprach: „ES ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden sollen." Wenn wir den Namen, der über unS angerufen worden ist, erkennen, werden wir auch Verlangen darnach haben, daß er in unS gcheiliget werde, nach der Lehre Jesu: „Vater unser, der du bist im Himmel! Gcheiliget werde dein Name." DaS ist die Frucht der Erkenntniß des göttlichen NamenS, der Ruf deS Gebetes und die Erhörung deö RufeS von Seite deS Erlösers. 44. Erlösung deö Menschen. Es geziemte sich, daß bei Wiederherstellung deö Heiles ein jedes Geschlecht vertreten war, da ja auch keines bei der Sünde abging. 1 . 45. Erinnerung. Du wirst erschaffen, geheilt und beseligt. Waö von diesem kommt, o Mensch von dir her? Du konntest dich nicht erschaffen, «eil du nicht warst, dich als Sünder nicht gerecht machen, als Todter dich nicht erwecken. WaS wir vom Ersten und Letzten sagen, ist offenbar. Aber auch daS Mittlere bezweifelt Niemand, außer wer Gottes Gerechtigkeit nicht kennt und die seinige an deren Stelle setzt. Wie kommt eS denn? Du erkennst die Macht deS Schaffenden, die Herrlichkeit des Rettenden, und die Gerechtigkeit deS Heilenden kennst du nicht? Wer ist aber derjenige, welcher GotteS Gerechtigkeit nicht anerkennt? Der sich selbst gerecht macht, der die Verdienste anderswoher sich anmaßt, als von der Gnade? Welche also wahrhaft weise sind, bekennen eine dreifache Gnadenwirkung in sich, erstens die Schöpfung, zweitens die Rechtfertigung, drittens die Vollendung. 46. Erscheinung Christi. Ehe die Menschheit GotteS erschien, war seine Güte verborgen. Seine Macht war erschienen in der Schöpfung der Dinge, seine WerS- heit in ihrer Leitung, aber seine Güte erschien am meisten in seiner Menschwerdung. 47. F al l. Der Mensch wohnte im Paradiese, und sein Aufenthalt war am Orte deS Vergnügens. Er empfand keine Last und keine Noth, gestärkt mit wohlriechenden Aepfeln, erquickt mit Blumen, gekrönt mit Ruhm und Ehre und gesetzt über alle Werke der Hände des Schöpfers. Mehr noch zeichnete ihn aber aus die Gottähnlichkeit, vermöge welcher er das Looö und die Gesellschaft mit dem Volke der Engel und mit dem ganzen himm- lischen Heere genoß. Aber er vertauschte GotteS Herrlichkeit mit der Aehn- lichkeit eines KalbeS, welches Heu frißt. Daher kommt eö, daß daS Brod der Engel gleichsam Heu geworden ist, gelegt in die Krippe und unS vorgesetzt alS Thieren. Die Speise deS Menschen wurde verwandelt in Speise des VicheS, nachdem der Mensch in ein Vieh verwandelt worden. O traurige und beweinenswerlhe Verwandlung, wodurch der Mensch, der Bewohner deS Paradieses, der Herr der Erve, der Bürger des Himmels, der Hausgenosse GotteS, der Bruder der seligen Geister, der Erbe himmlischer Tugenden, sich plötzlich verändert fand: und wegen seiner «schwäche brauchte er einen Stall, wegen seiner Thierähnlichkeit Heu und wegen seiner ungezähniten Wildheit daS Anbinden an die Krippe. Erkenne jedoch, o Ochs, deinen Herrn: erkenne ihn als Vieh, den du nicht als Mensch erkannt hast. Bete den im Stalle an, den du im Paradiese flohst. Ehre die Krippe desjenigen, dessen Herrschaft du verachtet hast: iß Heu, der du Engelbrod verschmäht hast. Aber, sagst du, was ist die Ursache dieser so tiefen Erniedrigung? „Weil der Mensch, der in Ehre war, eS nicht bedachte, ist er gleich geworben den unvernünftigen Thieren." 48. Fasten. also Denjenigen, der gesagt hat, daß eS eine Sünde gebe, die weder in diesem noch m dem zukünftigen Leben nachgelassen werde, fragen, warum er dieß gesagt habe, wenn keine Nachlassung für die Zukunft oder keine Reinigung von der Sünde stattfindet? Aber eS ist kein Wunder, wenn Diejenigen, welche die Kirche nicht anerkennen, über die Weihen der Kirche losziehen, ihre Anordnungen nicht annehmen, ihren Geboten nicht gehorchen. 50. Fehler. Der gute Wille in der Seele ist die Quelle alles Guten und die Mutter der Tugenden. So ist auch im Gegentheile der böse Wille die Quelle alles Dösen und der Laster. Daher muß der Hüter seiner Seele ! immer besorgt seyn in Hinsicht der Bewachung deS Willens. ! Gleichwie bei großer Arbeit und andauernder Anstrengung die Tugen- Iden zur Neigung und Gemüthsart werden, so gehen auch die geringsten j Fehler bei Gelegenheit zu großer Nachsicht in Gewohnheit über und wer« j den gleichsam natürlich. 51. Feind. Wir haben zwar viele Feinde, nämlich das Fleisch, und kein Feind ist uns näher, als dieser; die gegenwärtige böse Welt, von welcher wir rings umgeben sind; die Fürsten der Finsterniß, welche unsere Pfade umlagern. Aber wenn wir in jenem Hause wären, das nicht von Menschenhänden gemacht ist, nämlich im Himmel, wo kein Feind hinein und kein Freund heraus geht, so hätten wir nichts zu fürchten. Nun aber sind wir drei sehr bösen und heftigen Winden ausgesetzt, dem Fleische, der Welt und dem Satan, welche die Leuchte des Gewissens auöblasen wollen, indem sie in unsere Herzen böse Begierden einhauchen: diese machen unS oft so verwirrt, daß wir kaum erkennen, woher wir kommen oder wohin wir gehen. 52. Fesseln. Drei Bande find eö, mit denen wir an Gott gebunden werden, Stricke, hölzerne und eiserne Nägel und Leim. Mit einem Stricke ist an seinen Erlöser gebunden, wer bei Versuchungen sich tapfer die Schönheit der Tugend und seine Vorsätze inS Gedächtniß ruft. An diesem Stricke kann er sich zwar hallen, damit der Vorsatz nicht ganz zu Boden falle; aber dieß ist ein hartes, lästiges und gefährliches Band, welches stocken und schnell abreißen kann. Mit Nägeln wird an den Herrn der Majestät geheftet, wen die Furcht GotteS bindet, der zwar nicht erschrickt vor dem Angeflehte der Menschen, wohl aber bei dem Andenken an die ewigen Strafen. Und zwar fürchtet ein Solcher nicht so fast das Sündigen, als vielmehr das Brennen. Doch geht dieses Band stärker und tiefer ein, als daö erste, da ersteres wankt, während daS zweite den Vorsatz festhält. DaS dritte Bindungsmittel ist der Leim, das ist, die Liebe, wodurch die Seele so lieblich uno sicher an Gott gebunden wirb, als wäre sie Ein Geist mit ihm. Der durch den Leim der Liebe mit Gott verbundene Mensch be- nützt Alles, waS er thut, und waS ihm widerfährt, zu seinem Vortheile» Christi Fasten muß allen Christen gemein seyn. Sollen denn die Glieder nicht ihrem Haupte folgen? Wenn wir das Gute von diesem Oberhaupte angenommen haben, füllen wir nicht auch das Ueble ertragen? Oder wollen wir Trauriges verwerfen und nur Lustiges annehmen? Wenn dieß so ist, so beweisen wir uns dieses Oberhauptes unwürdig. Denn Alles, was er leidet, ist für unS. Wenn wir zu träge sind, an dem Werke unsers Heiles mit ihm zu arbeiten, wo werben wir denn sonst seine Beihelfer seyn? ES ist nichts Großes, wenn mit Christus fastet der Christ, der einst mit Christus am Tische seines himmlischen Vater sitzen soll. Nichts Großes ist eS, wenn daS Glied mit dem Haupte leidet, mit dem eS einst verherrlicht werben soll. Glücklich jenes Glied, daS dem Haupte anhängt in allen Stücken und dorthin ihm nachfolgt, wohin eS vorangeht. Wenn wir unö vom Erlaubten enthalten, wird unS das Unerlaubte, welches wir begangen haben, leichter verziehen. Das Gebet erlangt die Tugend des FastenS, und daS Fasten verdient die Gnade deS Gebetes. DaS Fasten stärkt daS Gebet, raS Gebet heiliget daS Fasten und stellt eö dem Herrn vor. Je wirksamer aber jenes ist, wenn eS geschieht, wie eS geschehen soll, desto hinterlistiger pflegt eS vom Gegner verhindert zu werden. 49. F e g f e u e r. Die Häretiker glauben nicht, daß ein Feuer der Reinigung nach dem Tode zu erwarten sey, sondern baß die Seele nach der Scheidung aus dem Leibe entweder zur Ruhe oder zur Verdammniß übergehe. Sie mögen 53. F e st. Drei Dinge müssen wir an den Festen der Heiligen genau beachten, die Hilfe deS Heiligen, sein Beispiel, unsere Beschämung. Seine Hilfe, weil Derjenige, der mächtig auf Erden war, im Himmel vor GotteS Angesicht noch mächtiger ist. Denn wenn er während seines ErdenlebcnS mit ven Sündern Mitleiden hatte und für sie betete, so wird er dieß jetzt um so mehr thun, je bester er unser Elend erkennt. Er bittet für unS den Vater, der in jenem himmlischen Vaterlande seine Liebe zu ihm nicht verändert, sondern vermehrt hat. Denn er ist deßwegen nicht gefühllos geworden, weil er leibenSunfähig ist: sondern er ist jetzt voll innigsten Mitleids, da er vor der Quelle der Barmherzigkeit steht. Wir müssen auch merken auf sein Beispiel, weil derselbe, während er auf Erden lebte, nicht recht- und links ablenkte, sondern den königlichen Weg einhielt. Schauen wir an die Demuth in seinen Werken, die Macht in seinen Worten, und dann werden wir sehen, wie er sowohl durch Wort als Beispiel unter den Menschen geleuchtet hat, welche Fußstapfen er unS hinterlassen, damit wir durch selbe und auf selben gehen. Aber mit noch aufmerksamerm Auge müssen wir betrachten unsere Beschämung, weil er ein Mensch war wie wir, den Versuchungen und Leiden unterworfen, aus dem nämlichen Lehm geschaffen wie wir. Warum glauben wir also, daß eS nicht nur schwer, fondern sogar unmöglich sey, seinen Fußstapfen zu folgen? So sollen wir also an den Festen der Heiligen unS freuen und unS selbst beschämen, freuen, weil wir Patrone vorausgeschickt haben, schämen, weil wir ihnen nicht nachfolgen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlagö-Jnhaberr F. C. Kremer. Vierteljähriger Abou- nemcntsprcis im Bereiche von ganz Bayern nur 2V kr„ ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abon- nenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 lr. Neunter Jahrgang. M 42. 21. Oktober 184S. Die Bäter de- siebenten Conciliums von Baltimore an die Herren Präsidenten und Directoren des Bureau'S des Nordens und Südens für Verbreitung des Glaubens. Baltimore, den 14. Mai 1849« Geehrte Herren! Die Vater deS siebenten Conciliums von Baltimore haben nun beschlossen, daß die Erkenntlichkeit der Kirche in den vereinigten Staaten für die zahlreichen Wohlthaten, welche sie durch Ihre edle Gesellschaft empfangen haben, durch einen feierlichen Act und durch den Mund eines unserer Brüder, der in der Nähe des heiligen Stuhles sich befindet, kundgegeben werde. Kaum find 3 Jahre verflossen seit der Vereinigung der Bischöfe dieser Provinz, die damals ihrer 23 waren, und nun fitzen wieder auf derselben Stelle 2 Erzbischöfe und 20 Bischöfe, und bedauern nur die Abwesenheit zweier anderer Prälaten, die durch die zu große Entfernung an der für den Katholicismus so segensreichen Vereinigung Theil zu nehmen gehindert waren. Die Zukunft der Kirche, welche anderswo sich überall mit einer geheimnißvollen Wolke zu umziehen scheint, die, wie vorher gesagt, Momente deS KampfeS, der Prüfungen und deS Sieges entfalten wird, diese Zukunft enthüllt sich unS mit Hoffnungen, Tröstungen und mit der Stärke einer noch jungen Kirche, die wie ein neuer Weinberg immer vergrößert, und die bald unter ihren Arbeitern 6 Erzbischöfe und 30 Bischöfe zählen wird. Außer dem weltlichen Klerus haben wir als Mitarbeiter noch neun religiöse Gesellschaften, köstliche Theile der streitenden Kirche, die nicht weniger die Hirten wie die Gläubigen erbauen, und deren Zweige sich von Tag zu Tag mehr ausbreiten. Auch unsere religiösen Gemeinden bieten einen erfreulichen Anblick dar. Spitäler, Aufenthaltsörter der Waisen, Armenschulen, Pensionate für die Wohlhabenden, Institute ohne Zahl blühen unter der Leitung Gott geweihter Jungfrauen auf, und nur ein Gedanke ist eS, der unS betrübt, nämlich nicht allen Kindern den Glauben und die Wohlthaten einer religiösen Erziehung angedeihen lassen zu können. Sie werden, meine Henen, leicht die Unermeßlichkeit unserer Bedürfnisse und die Größe unserer Verantwortlichkeit ermessen können, wenn Sie erfahren, daß die europäische und katholische Auswanderung dieses Jahr die Zahl von 250,000 Köpfen überstieg. Die Auswanderer find mit geringer Ausnahme meistens arm und aller Hilfe bar, sind durch HungerSnoth und Revolution nach Amerika getrieben worden, suchen hier eine Eristenz, die ihnen die alte Welt nicht mehr bieten konnte, und diese Armen bedürfen nun Kirchen, Geistliche, ihre Kinder brauchen Belehrung, geistiges und gar oft auch leibliches Brod. Bedenken Sie, meine Herren, daß durch die jährliche Zunahme der Katholiken wir auch jährlich für 300 Priester sorgen müssen, 300 Kirchen zu erbauen und 300 Schulen zu errichten haben. — Hier unsere Lage. Die am meisten begünstigt, und am festesten stehen, die genügen dem Geschrei und dem Bedürfnisse der Menge nicht, und diejenigen, welche erst im Entstehen sind, und welche nur eine schwache, zerstreute und arme Bevölkerung haben, haben noch eine zu wenig gesicherte Eristenz, und schmachten noch immer unter dem ' Druck der Armuth. ! Die Liebe zu Jesus Christus, meine Herren, drängt uns, Ihrem Schutz und Ihrem Eifer die Kirche, deren Hirten wir sind, anzuempfehlen. Welch wichtiger Theil im Weinberg des Herrn ist sie nicht! sie breitet sich! von den Ufern deS LorenzoftromeS bis zum stillen Ocean, von Canada^ bis nach Mexiko aus, sie theilt die Schicksale deS Volkes, wo sie bereits! tiefe Wurzel gefaßt hat, und bereits dient sie ihrer südlichen Schweflet zur Stütze, da die zahlreichen zwischen Amerika und China gelegenen Inseln i erst vor Kurzem unsere Missionen zu Hilfe gerufen haben. Eine andere Thatsache, die wohl Ihrer Weisheit und Ihrer Beachtung, werth ist, ist diese, daß wir nicht auf Sand bauen, sondern daß wir hier' daS Kreuz auf einem Felsen aufpflanzen, den nichts erschüttern kann, und mit jedem Schritte, mit dem wir weiter in den Wäldern vordringen, lassen wir einen unauslöschlichen Eindruck zurück. Wir würden, meine Herren, viel weitläufiger über diesen Gegenstand verhandeln, hätten wir nicht unseren Vorsprecher ohnehin beauftragt, Ihnen die Bedürfnisse zu erklären, Sie mit unserer Lage vertraut zu machen; und Ihnen die dankbaren Gefühle unseres Herzens auszudrücken, die am besten mit den Worten dcS>,.Apostels ausgedrückt werden können: „Wir haben eine große Freude in unsern Brüdern und einen großen Trost in ihrer Barmherzigkeit, denn sie haben die Liebe der Heiligen wieder ausleben und unter uns erstarken lassen." Empfangen Sie, meine Herren, mit unsern httzlichen Segnungen die Gefühle unserer tiefsten Ehrfurcht. Ihre ergebensten Diener und Brüder in Christo. Samuel, Erzbischof von Baltimore. Michl, Bischof von Mobile, Promotor. Johann Joseph, Bischof von Natchez, Promotor. Fr. L'Homme, Secretär deS Conciliums. An die Katholiken de- deutschen Reichs. Vorwort zum katholischen VereinSboten von Dr. Büß. Schon mit dem Ansang deS Aprils d. I. hatte ich die Herausgabe eines GesammtorganS für die sich mehrenden katholischen Vereine Deutschlands beschlossen und sofort begonnen. Ich habe in 4 Probenummern dieses Blattes, dem ich den Namen: Katholischer VereinS-Bote für daS deutsche Reich gegeben, „die Entstehung der katholischen Vereine, die Gründung deS katholischen VereinS Deutschlands, der erster» Aufgabe, Verbreitung und Entwickelung deS letztem Wirksamkeit, den Zweck des Blatts" dargestellt. DaS Blatt fand bei den Katholiken freundliche Aufnahme. Allein in der Zwischenzeit traten schon die Anzeichen der Stürme ein, welche sich bald in der deutschen Reichsversammlung, deren Mitglied ich war, erhoben, und sie, die Trägerin so schwerer Pflichten und so hoher Hoffnungen, ihrer thatsächlichen Selbstauslösung entgegen führten. Unter solchen Umständen durfte ich in der AuSstcht auf bevorstehende Störungen, auf meine unvermeidliche längere Abwesenheit auf Reisen u. A. nicht die Verantwortlichkeit und Herausgabe deS BlattS übernehmen. Ich beschloß, auf gelegenere Zeit zu warten: diese ist da, und noch größer daS Bedürfniß. Der katholischen Vereine sind immer mehr geworden; aber ihre innere Befestigung ist an mehreren Orten unvollkommen geblieben. Man redet in drängender Zeit zu viel und handelt zu wenig. In manche Vereine hat die politische Erschlaffung der Nation auch die Lähmung geworfen, in andere Vereine hat sich die politische Trennung der Bürger zersetzend hinein gezogen: anderSwo ließ man die Vereine aus angeblichem Mangel an Stoff der Verhandlung erschwachen. Hie und da hatten sich die Vereine auch eine zu schwerfällige Gliederung, zum Beispiel eine zu starke Besetzung deS Vorstands, gegeben. In einigen Vereinen find förmliche Spaltungen über Hauptfragen, zum Beispiel über die Betheiligung der Vereinc an der Politik, auSgebrochen. Auch in der Wirksamkeit deS deutschen GesammtvereinS vermißten Manche die praktisch fördernde Entwickelung. Störend wirkte auch an manchen Orten der Umstand, daß gerade die höhern Stände sich von dem Vereine fern hielten, und die allem Menschlichen anhaftende Unvollkommenheit, Eitelkeit, Aufsehen suchend oder verletzt, Beugung deS VereinS in den Dienst deS politischen Interesses eines Lands oder einer Provinz. Alles das kann den Kenner der Menschen und deS öffentlichen Lebens nicht überraschen. Ist doch das deutsche VereinSwesen erst in der Wiege. Sey man doch billig: die katholischen Vereine haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon wirkliche bedeutende Erfolgs Zu keiner Zeit drängte eS mehr, eine mächtige katholische öffentliche erzielt: sie haben die Freiheit der Kirche und des Unterrichts in der deut- Meinung zu gründen. Die Freiheit der Kirche und des Unterrichts besteht schen Reichsversammlung mit erringen helfen. Ihre Pflicht ist eS aber erst in einer nicht anerkannten ReichSverfassung: ihre praktische Ausführung jetzt, diese Freiheiten zu benutzen. Die lebendige praktische Regsamkeit dieser Vereine in Deutschland wird noch dadurch zunehmen, daß sich in andern europäischen Staaten, steht noch auö. Die Katholiken, mäßig und bescheiden, wie immer, wollten im Sturm der Umwälzung die Regierungen nicht drängen: inzwischen erhebt das kirchenseindliche Beamtenthum wieder sein Haupt und verweigert und selbst in Nordamerika, ähnliche Vereine bilden; für die Gründung die Vollziehung der öffentlichen Zusagen, dieses großen katholischen Bundes habe ich in Frankreich, Belgien, in der. Die Staatsgewalt wird den gerechten Anforderungen unseres Hoch- Schweiz, in England und in den Vereinigten Staaten Nordamerika's nicht würdigsten Episkopats nur dann gereckt werden, wenn sie als Verbündete ohne Erfolg Schritte gethan. Auf diesem Weg bildet sich in diesen Ver-^ desselben eine starke unüberwindliche öffentliche Meinung ersieht, einen aller katholischen Völker das Organ einer katholischen öffentlichen! Und in Sachen deS Reichs entscheidet, wenn sie nur will, die große Meinung der Welt, welche den Katholiken bei jedem Bedrängniß in irgend i katholische Mehrheit: in ihrer Hand ruht das Geschick Deutschlands und einem Staat zu Hilfe kommen wird, wenn dort die Regierung oder eine ^ folgewcise das Geschick der Welt. Partei die Rechte der Katholiken zu schädigen droht, und deren Auöspruch! Aber diese Mehrheit muß man wecken mit allen Rufen, die in der keine Macht zu widerstehen die Stirne hat. Diese Milwcrbung der Katholiken anderer Nationen wird dann auch die Katholiken Deutschlands spornen, in praktischen Arbeiten der Gesittung Brust einer großen edlen Nation wiederhatten. Viele reiche Kräfte haben in der Zeit der langen süßen Knechtschaft geruht: trefft ihr aber die Sehne deS Gewissens, dann rauschen hervor Mächte, die zu allen Zeiten die Größe mit den katholischen Vereinen anderer Völker um die Palme deö Sieges unserer Nation geschaffen und die auf der Unterlage mächtigerer materieller zu ringen. ! Mittel eine noch größere Zukunft zu schaffen fähig und bereit sind. Um aber so hohe und doch so einfache Ziele zu erreichen, bedarf eS der Sammlung der Katholiken in Deutschland, jetzt, wo vor dem Geiste Vieler, der Meisten, die Einheit des deutschen Reichs wieder einzusinken droht. Die Meisten verzweifeln schon an diesem einen deutschen Reich: ich nickt. Käme aber auch daS Reich deutscher Nation nicht, so wäre das in den katholischen Vereinen zu erbauende geistige Reich der Nation einstweilen ein Trost und ein fortlebender Aufruf zum Aufbau auch deS politischen ReichS: kommt aber dieses letztere, so wird eS nur gedeihen unter der Sonne deS religiösen GcistcrrcichS. Diesem Wiederaufbau der deutschen Nation in Kirche und Reich soll jeder Deutsche dienen, will auch ich in diesem Blatte dienen. In dieser Gesinnung und Hoffnung biete ich daS Blatt den Katholiken der ganzen deutschen Nation. ES soll enthalten: 1) Die Besprechung der Aufgaben der katholischen Vereine Deutschlands, sowohl der bleibenden, als der nach den Wendungen der Zeit wechselnden, der allgemeinen und der örtlichen; 2) Kunde von den Leistungen deS GesammtvereinS und der einzelnen Landes- und Ortövereinc; 3) Nachrichten über die Verbreitung der katholischen Vereine; 4) Mittheilungen über die Leistungen der katholischen Vereine in andern europäischen Staaten; 5) Anträge auf Aenderungen der Satzungen und ihre Begründung; 6) Warnungen über unzulässige Strebungcn katholischer Vereine; 7) Aufrufe zu öffentlichen Kundgebungen der Vereine; 8) Aufforderungen zur Uebung christlicher Mildthätigkeit für leidende Glaubenöbrüder. Auf diesem Weg gewinnen die Vereine einen der Regsamkeit und Jähhcit deS gegenwärtigen öffentlichen Lebens in Raschheit entsprechendes Band und Wechselleben. Für den amtlichen Verkehr ist schon gesorgt. Allein eben so wichtig als der amtliche Verkehr ist, weil vielfältiger und rascher, der außeramtliche. ES muß ein wahres Vereinöleben in rascher Mittheilung, gegenseitiger Belehrung, in ermuthigender Ansprache und selbst in wohlmeinender Warnung verlaufen. Die Ereignisse überraschen; nicht überall wartet die Gelegenheit zur Einsicht in den sich auf den Weg werfenden Fall: eine Aufhellung aus vcrlässiger Quelle thut Noth. Der VcrcinSbotc vermißt sich keineswegs, für die Vereine vorzugsweise leitend zu werden; sondern er tritt neben die schon bestehenden Vereinsblätter, zufrieden mit der Stellung, welche ihm daS Vertrauen der Katholiken einräumen wird. So soll daS Blatt der Träger eines großen katholischen Bunds im deutschen Reich seyn, für die Stärkung gemeinsamer Gesinnung, Hingebung, Treue und Liebe. Wir Katholiken wollen die Freiheit mit aufrichtigem Herzen, treuem Muthe; aber wir können sie ohne sittliche Grundlage nicht begreifen, wir wollen sie im Geist unserer Nation, treu den schönsten Tagen ihrer Ge schichte, ' ' . , Größe der Nation, in gegenseitiger Aufopferung für daS große gemeinsame Also nur Muth, und noch einmal Muth und wieder Muth! Frankfurt, 20. September 1849. Dr. Büß. Die -ritte Generalversammlung -er katholischen Vereine in RegenSburg. II. RegenSburg, 2. Oct. DaS feierliche Geläute der alten, herrlich in gothischem Style erbauten, aber leider nicht vollendeten Domkirche rief heute früh um 8 Uhr die Mitglieder deS katholischen VereineS Deutschlands zum Gottesdienste. Die Abgeordneten versammelten sich durch die bereits von Tausenden gefüllte Kirche auf ihren Ehrenplätzen im Chöre, und daS Hochamt, welchem der Hochwürdigste Bischof von RegenSburg mit seinem ganzen Domcapitel beiwohnte und bei welchem durch einen unsichtbaren, gleichsam überirdischen Sängerchor in wahrhaft künstlerischer Vollendung eine großartige musikalische Messe aufgeführt wurde, konnte nicht anders, als den tiefsten Eindruck auf alle Anwesenden machen und die katholischen Männer von nahe und fern zu dem wichtigen Werke, daS sie nun zu beginnen im Begriffe standen, weihen und im höchsten Grade begeistern. Aus dem Dome bewegte sich daraus der Zug der Abgeordneten in die festlich geschmückten schon überfüllten Räume der nahen St. Ulrichskirche zur ersten allgemeinen Versammlung. Nachdem der Präsident deS RegenSburger CentralvereineS in kurzer aber herzlicher Anrede die Abgeordneten begrüßt hatte, erklärte er die Versammlung für eröffnet. Zuerst bestieg der hiesige Pfarrer Eberhard, früher Hofprediger in München, die Rednerbühne und setzte in klarer, überzeugungSkräftiger Rede auseinander, wie eS ohne Freiheit der Kirche keine Freiheit deS Volkes gebe. Nach demselben erstattete Licentiat Dr. Wick, Präsident deS seitherigen Vorortes Breslau, Bericht über die Thätigkeit deS Vorortes und warnte die Vereine vor zwei gefährlichen Klippen, nämlich vor ungeeigneter Betheiligung an politischen TageSfragen und vor Mißkennung der Stellung der Vereine dem Episkopate gegenüber, mit dem Bemerken, daß die VereinSmitglieder in letzterer Beziehung als treue und folgsame Söhne der Bischöfe auf kirchlichem Gebiete nur daS und nur so viel zu thun berechtiget seyen, als die Nachfolger der Apostel, welche der heilige Geist gesetzt habe die Kirche Gottes zu regieren, ihnen anzeigten und überließen. — Herr Syndikus Schell aus Fulda vermeldete Grüße von dem Vereine in der ehrwürdigen Bonifacius-Stadt und von dem Wächter deS Grabes deS Apostels der Deutschen, dem Hochwürdigsten Bischöfe Christoph LaurentiuS Kött, und empfahl auf daS Wärmste und Dringendste, wenn die beabsichtigte katholische Universität Deutschlands inS Leben gerufen werde, möge vor allen anderen Städten Fulva, als woselbst bis zum Jahre 174 l eine Dom großartige katholische Lehranstalt bestanden, für diesen neuen Dom der in weiter Aussieht auf die Siege dieser Freiheit in der sittlichen! Wissenschaften der geeignetste Ort seyn. " ' ' ... , .. LegationSrath Dr. Lieber, der rühmlichst bekannte praktische Jurist, Vaterland. Erwähnte, nachdem er seines ehrenvollen Auftrages sich entledigt, herzliche Ich ersuche daher alle festen katholischen Männer um Mitarbeit, die, Grüße zu überbringen von dem Centralvereine in Hadamar und ganz katholischen Vereine um Mittheilung der über ihr Wirken berichtenden! besonders von dem Hochwürdigsten Bischof in Limburg, die hohen Verdienste, Blätter. Den Redactionen der DereinSblätter der einzelnen Vereine biete! welche im Jahre 1837 in dem ersten großen Kampfe für die kirchliche ich für diese den VereinSboten zum Tausch; die neu entstehenden Vereine! Freiheit, deren Verfechter der selige Erzbischof Clemens August von Köln ersuche ich um rasche Nachricht über ihre Bildung und Satzungen, alle gewesen, Bayern und daS ganze katholische Deutschland sich erworben habe. katholischen Seelen im weiten deutschen Vaterland um sittliche Unterstützung.! Sodann erwähnte er in treffender Weise, aber mit edler Sprache und 167 tiefer Gemüthlichkeit, welche Unwissenheit und Verwirrung in Sachen des Glaubens bei der sogenannten höheren Schichte der Gesellschaft herrsche, bei jener Schichte, welche auS dem Brockhaus'schen Conversationslerikon, als aus ihrem Evangelium, alle Weisheit schöpft, die keine anderen theologischen und politischen Vorlesungen hört, als die, welche jeder Commis voyageur an den TablcS d'Hote der großen Gasthöfe hält. Sodann erinnerte er, daß die katholischen Vereine, weil doch die Welt, wie sie nun einmal sey, gegenwärtig noch einen unauslöschlichen Haß wider die geistlichen Corporationen hege, in der Hand Gottes das Mittel zu seyn schienen zur Regeneration der tief zerrissenen und in religiöser und sittlicher Beziehung verkommenen Welt. Darum müßten aber auch die Mitglieder dieser Vereine die drei OrdenSgelübde in einem gewissen Sinne zu den ihrigen machen; sie müßten arm seyn im Geiste, um reich zu werden zur Linderung der Noth der Armen, keusch, nüchtern und gerecht, um nachzukommen der Forderung deS Heilandes: „Seyd vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist," gehorsam gegen die Gebote GotteS, gegen die Gesetze der Kirche und gegen die Anordnungen und Befehle der von Gott gesetzten geistlichen Oberhirten. Nach ihm entwickelte Dr. Merz auS München die seitherige Thätigkeit deS dortigen Vereines für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit, und suchte daran nachzuweisen, wie die Mitglieder dieses VereinS mit denen der katholischen oder PiuSvereine im Wesentlichen dieselben Zwecke verfolgen. — Herr Domvicar Hällmaier schilderte nach ihm die den Lesern Ihres Blattes wohlbekannten Leiden und Verfolgungen der katholischen Geistlichkeit in der bayerischen Rheinpfalz während der Tage deS dortigen verderblichen AufstandeS, indessen nach ihm der Lyceal-Profefsor Dr. Reischl aus Amberg in ächt gemüthlicher Weise erzählte, wie die dortigen Bergleute ihn zur Stiftung eines PiuSvereineS genöthigt und welche auffallende Anträge an die allgemeine Versammlung sie ihm mitgegeben haben: Er sollte nämlich bei derselben beantragen und kräftig unterstützen die Gründung einer katholischen Universität Deutschlands und das Zustandekommen eines großen katholischen TagblatteS. — Graf Joseph von Stolberg wieß in der einfachsten, aber eben deßhalb ergreifendsten Weise die Macht deS katholischen Glaubens an drei Ereignissen auS der jüngsten Zeit nach, die Sie aber Ihren Lesern am besten aus den in wenigen Tagen erscheinenden vollständigen Verhandlungen mittheilen werden. Zum Schlüsse, gegen halb 10 Uhr Abends, berichtete der Subregenö aus Rottenburg, Kollmann, über die noch gar unerfreulichen kirchlichen Zustände seines engeren Vaterlandes, als woselbst auch durch die Einführung der Grundrechte sich fast noch nicht das Kleinste gebessert habe. Doch hofft er von der Thätigkeit der Vereine, von der Unterstützung durch daS Gebet aller katholichen Herzen und von der Unerschütterlichkeit seines Hochwürdigsten Bischofs eine schönere Zukunft. * » « IN. Regensburg, 4. Oct. Am gestrigen Nachmittage constituirte sich die Versammlung und wählte auf Vorschlag des Herrn LegationSrathes Dr. Lieber von Camberg unter großem Jubel den Grafen Joseph von Stolberg zu ihrem Vorsitzenden. Der Vorschlag deS Herrn v. Brentano aus Augsburg, den k. k. Landrath Franz Ritter von Hart mann auS Linz zum Vicepräsidenten auszurufen, wurde mit gleichem ungetheilten Beifalle aufgenommen. Nachdem hierauf das Bureau, bestehend auS den Herren Prediger Bram auS RegenSburg, Caplan von Pflüg! auS Linz, Seminarinspcctor Poitsch aus Regensburg, Professor Dr. Riffel aus Mainz, Professor Dr. Ritter und Domprediger Ziegler, beide auS RegenSburg, gebildet und die Ernennung der vier Ausschüsse vollzogen war (den ersten Ausschuß, unter dem Vorsitze deS UniverfitätS-SerretärS Nadbyl aus Breslau, bildeten die Herren Dr. Ernst, Seminar-RegenS aus Eichstätt, Professor Horch! er aus RegenSburg, der Redacteur der ckath. Blätter aus Tirol, Kometer, Dr. Schwarz auS Böhmerkirchen rind PräceptoratSverweser Sträub auS Schwäbisch-Gmünd; den zweiten Ausschuß, unter dem Präsidium des Herrn LegationSrathes Lieber, die Herren Caplan Gräber aus Innsbruck, SubregenS Kollmann aus Rottenburg, Professor MicheliS, Abgeordneter für Münster, Syndtcus Schell auS Fulda und Seminarinspector Sterr; den dritten Ausschuß, ainter Leitung deS Herrn Licentiaten Wick auS BreSlau, die Herren Fabrikbesitzer v. Brentano aus Augsburg, Domvicar Hällmayer auö Speyer, Buchhändler Pustet, Vorsitzender deS RegenSburger PiuSvereineS, Obercaplan Ruland auS Berlin und Caplan Sirowy auS Steyr; den vierten Ausschuß, welchem Herr CanonicuS und Professor Dr. Baltzer aus BrcSlau prästdirte, die Herren Dr. Hanauer auS RegenSburg, Seminar-Jnspector Dr. Löhner aus Metten, Dr. Paulhuber auö Jngolstadt und geistlicher Rath Dr. Zehrt auS Heiligenstadt) berichtete Dr. Wick, daß zur Lösung der in Breslau gestellten Preisfragen drei Schristchen eingegangen seyen, eins über die Schulfrage und zwei über daS VereinSwesen und beantragte die Ernennung einer Commission, welche dieselben, mit Rücksicht auf daS Gutachten deS BreSlaucr Ausschusses, noch einmal prüfen sollte. Leider lautete am Schlüsse der Versammlung (Vormittags den 5. Oktober) der Bericht und Antrag der Commission dahin, daß diesen Schriften der Preis nicht zuerkannt werden könne, den Verfassern aber der Dank der Versammlung auSzusprechcn sey, mit dem Wunsche, sie möchten dieselben unter ihrem Namen dem Drucke übergeben. Die Frage, ob die Abgeordneten der Vereine für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit in Bayern den Versammlungen anwohnen und mitberathen könnten, wurde, nach längeren höchst interessanten Debatten, worin auf das Klarste ausgesprochen wurde, daß der Verein als solcher an politischen Fragen sich nicht bethciligen dürfe, vielmehr streng an den deßfallsigcn Beschlüssen festzuhalten sey, zur größten Freude aller Anwesenden mit „Ja" entschieden, wie denn auch später, auf Antrag des Herrn LegationSrathes Lieber, die ganze Versammlung sich erhob, um jenen Vereinen ihre dankende Anerkennung auSzusprechen für ihre seitherigen Bemühungen zur Erreichung jener Zwecke, welche die katholischen (PiuS-) Vereine als die ausschließlichen ihrer Bestrebungen sich vorgesteckt haben. Die Formalien bieten für die Leser Ihres Blattes wenig Anziehendes; daher bemerke ich darüber nur kurz, das die Anträge auf Permanenz oder im Ablehnungsfälle auf dreijährige Dauer deö Vorortes, auf Bildung eines Direktoriums, daS in vorkommenden Fällen zwischen dem Vororte und den Centralvereinen zu entscheiden hätte, so wie der weitere Antrag, daß der Präsident des Vorortes auch der nächsten allgemeinen Versammlung Vorsitzen sollte, abgewiesen, dagegen aber angenommen wurde, eS sollten in Zukunft die jährlichen allgemeinen Congresse wenn möglich im Monate September abgehalten, und die Legitimationen der Abgeordneten schon in der Lorvcrsammlung geprüft werden. Weitere Anträge lagen nicht vor, weßhalb zu denen des zweiten Ausschusses übergegangen wurde, welche zusammengenommen auf die Schulen, auf die Gründung einer katholischen Universität, auf die Missionen, auf Beförderung der guten und auf Unschädlichmachung der schlechten Presse und aus die Unterstützung der christlichen Kunst sich bezogen. Was für die Schulen zu thun sey, um die vorhandenen christlichen zu erhalten und die unchristlichen zu verdrängen oder durch in besserem Geiste zu gründende unschädlich zu machen, darüber waren auf der zweiten Generalversammlung in Breslau so umfassende und gründliche Verhandlungen gepflogen worden, daß eS genügte, auf dieselben hinzuweisen und die einzelnen Vereine zur Ausführung der gefaßten Beschlüsse dringend aufzufordern. Auch wurde in richtiger Anerkennung, daß der katholische Verein dem hochwürdigen Episkopate Deutschlands in Angelegenheit der Freiheit der Kirche und deS Unterrichtes nachzufolgen, nicht aber mit Rathschlägen vor- und an die Hand zu gehen habe, ein Antrag auf positive Bemühung deS VereineS zur Einführung der Schulbrüdcr und Schulschwestern zurückgewiesen, jedoch mit der bestimmtesten Erklärung, daß der Verein, sobald der Episkopat in dieser Beziehung über ein solches Bedürfniß sich ausgesprochen, alle Kräfte einsetzen werde zur Gründung solcher, unter Umständen höchst nützlicher und heilsamer Institute. Derselbe Gesichtspunct leitete die Abgeordneten bei der Verhandlung über die wiederholt in Antrag gebrachte Gründung einer katholischen Universität. Die Erhabenheit dieser Idee, so wie die Nothwendigkeit, sie von Zeit zu Zeit durch entsprechende Vorträge in den Versammlungen anzuregen und lebendig zu machen, anerkennend, waren doch Alle der Ansicht, daß von einer positiveren Thätigkeit zur Realisirung dieses Zweckes nicht die Rede seyn könne, ehe und bevor die Hochwürdigstcn Bischöfe Deutschlands darüber sich ausgesprochen und znr Bethätigung aufgefordert hätten. Als einen der wichtigsten und segensreichsten Beschlüsse erachte ich den über daS MissionSwesen gefaßten und unverzüglich, so viel an der Versammlung lag, im Leben ausgeführten. In Anerkennung deS höchst traurigen LooseS vieler tausend Katholiken, die in protestantischen Ländern, Provinzen, Städten und Dörfern zerstreut leben und oft Monate unt Jahre lang deS Trostes der Religion entbehren müssen, wurde der Antrag auf Gründung eines eigenen deutschen MissionSvereineS, unbeschadet des bestehenden allgemeinen, unter dem Namen: „BonifaciuS-Verein" mil unbeschreiblichem Jubel aufgenommen; alsbald fanden nicht unbedeutende Einzeichnungen momentaner und jährlicher Beiträge statt, Graf Joseph v. Stolberg erklärte sich bereit, auf den allgemeinen Wunsch der Versammlung, die Leitung dieser hochwichtigen Angelegenheit zu übernehmen, und so dürfen wir mit Zuversicht erwarten, daß der junge Verein, der alsbald nach dem Beschlusse eine That geworden ist, schon in der allernächsten Zeit die reichlichsten Früchte bringen werde. 168 De- Glauben- Bode». Erzählung aus den Papieren eines Seelsorgers. II. Der arme Kranke hatte seinen Leidensweg vollendet, und die Wittwe suchte ihr Hauswesen fortzuführen, so gut eS gehen wollte. Wenn Sorgen sie drückten, wenn Kinder übellaunig waren, wenn eS bald an Holz, bald an Mehl oder sonst etwas mangelte, hielt sie tapfer an ihr Trostwort: Zeit und Weile sind ungleich, aber Gott der Herr ist immer derselbe. Ihr Wohlthäter, der Arzt, vergaß ihrer nicht, er sendete ihr mancherlei Hausbedarf, und waS ihr noch lieber war, er gab ihr Arbeit; was ihr Awch, wie sie versicherte, daS liebste gewesen wäre, daS wollte sich nicht fügen. Sie wagte nicht mehr, meiner Person zu erwähnen, und noch weniger schien eS ihr rathsam, ihrem Bekehrungseifer freien Lauf zu lassen. „Dagegen beten wir für ihn jeden Abend und Morgen; und eS sollte mich Wunder nehmen, wenn daö Gebet meiner Kinder nicht erhört würde. Neulich vor Tagesanbruch wacht meine Große, die Marianka auf, sieht mich bei der Lampe sitzen und nähen. Mutter, sagte sie: Abends, während wir einschlafen, sitzest du da bis in die späte Nacht, und in aller Frühe fitzest du noch immer, und arbeitest für uns, und schläfst gar nie, und wir dummen Kinder können nicht wach bleiben und dir helfen. Und husch war sie wieder eingeschlafen. Nun, wer sollte eS ihnen nicht gönnen?" So vergingen Wochen und Monate, ohne daß, wenigstens in diesem Kreise, Zeit und Weile sonderlich ungleich wurden. Allein Ludmilla'S Wahlspruch mußte endlich doch wieder daö Feld behaupten. AIS sie des Morgens mit ihrem Einkaufskorbe ausging; erblickte sie eine dürftig, doch reinlich gekleidete, bleiche Fremde, die, ein junges Mädchen an der Hand führend, mit schwankendem Schritte ihr entgegen kam, unv die Lippen bewegte, ohne zu reden. Wo fehltS? fragte Ludmilla. — Ach, eigentlich an allem. Ich wollte mir eben ein Herz nehmen, und Sie anreden, ob Sie mir keine Wohnung wissen. Die bisherige wurde mir aufgekündigt; mein kleiner Koffer ist noch in fremden Händen. Ich habe durch Weißnähen mir fortzuhelfen gesucht, aber ein längeres Kranksehn brachte mich um Arbeit und Verdienst. Ich war einst etwas besseres gewohnt. — DaS merkt man wohl, erwiderte Ludmilla; aber Zeit und Weile find ungleich. Dabei ließ sie eS jedoch nicht bewenden; denn eS war ihre Sache nicht, sich lange zu besinnen. Bald nachher klopfte sie an meine Thüre. — Schon wieder etwas angerichtet, Herr Jvo. — WaS denn, Frau Ludmilla? — Ich habe an die Frage gedacht: „Wer ist denn mein Nächster?" Nun wer denn? Der erste lüfte, der mir auf den Fuß tritt? Nein, den mir der liebe Gott recommandirt und quer in den Weg schickt. Da ist denn eine feine, zarte, blaffe Frau bei mir im Hause, der ich nichts böseS nachsagen kann, weil Niemand sie kennt, und mit ihr ein schmuckes, gar junges Mägdlein, blond und goldhaarig wie ein Engel; denn die werden alle so gemalt, wiewohl es auch brünette geben kann, wer weiß daS? Meine Kinder sind brünett, und eben nicht die schlimmsten. Aber damit ich auch wieder zur Sache komme: da habe ich die Geschichte auf dem Halse. Ist mein Quartier so groß oder habe ich eS umsonst? Der heilige Erzengel Michael wird eS wissen, und der heilige Georg, denen man die Ehre angethan hat, sie dem Termin vorzusetzen. Nun, da müssen Sie auch ein wenig rathen und mithelfen, bester Herr Jvo. Ich überzeugte mich bald, daß die Wackere wohl gethan, da sie dem Zug ihres Herzens folgte; und als ich bei mir die vielgcquälten gutwilligen Leute musterte, bei deren Thüre ich zu Gunsten der Fremden und ihres auszulösenden KofferS anklopfen könnte, fiel mir der Arzt, oder wie ich ihn lieber nannte, Blahomir ein. Gerathener schien eS zwar, Ludmilla hingehen zu lassen; allein ich wollte diesen Anlaß zu einem letzten Versuche der Annäherung benützen. Ich setzte ihn von meiner Bitte schriftlich in Kenntniß; am nächsten Morgen trat ich in sein Vorzimmer, und ließ mich melden. Der Diener kam sehr bald zurück, brachte mir unter Siegel eine nicht geringe milde Gabe für die Hilfsbedürftige; im Uebrigen richtete er mir auS: sein Herr sey seit einigen Tagen unwohl, und könne Niemanden vorlassen. Von einem höflichen Leidwesen oder Bedauern war nicht die Rede. Dieser Trost war mir also genommen. Aber auch die arme Ludmilla sollte eines Trostes entbehren, und in der Schule der CharitaS eine Stufe weiter gehen; sie mußte auf die Befriedigung ihrer Neugierde verzichten. Johanna, so hieß die Fremde, war mit ihrer engen Dachkammer sehr zufrieden, zeigte sich stets gelassen, sanftmüthig und freundlich, sie nahm sich der Kinder an, denen sie allerhand schöne Kenntnisse und Fertigkeiten beibrachte, und die Kinder hatten an ihr und der neuen Gespielinn, die sich Marietta nannte, eine herzliche Freude. Doch über ihre LebenSgesckicke verlor sie kein Wort. Inzwischen nahm Ludmilla ihre Fantasie zu Hilfe, und da fand sie es bald heraus. Betrachtet ihre feinen Hände, Kinder, und ihre schönen Manieren. Jedenfalls ist die stille Frau so etwas, waS die Leute eine Aristokratin nennen, und mindestens eine Gräfin. Vielleicht haben die Sensen- und Dreschflegelmänner ihr Schloß angezündet, und sie vertrieben; jedoch wenn's gut geht, denn Zeit und Weil sind ungleich, wird daS prächtige Schloß wieder neu aufgebaut; dann, Kinder merkt eS euch, werdet ihr alle hinein ziehen, und ganz neue schöne Zeiten erleben! Aber um deßwillen sollt ihr euch nicht freundlich erweisen; daS wäre schmutzig, pfui doch! sondern thut ihr alles zu Liebe, rein weil es Gott so will. Habt ihr deßwegen weniger zu essen, seit das Kind mit dem aparten Namen euch die Kartoffeln schälen hilft? Aber Marietta, oder Marianka, daS geht am Ende auf eines hinaus. Doch außerdem, daß Ludmilla auf die vielen Anfragen der Nachbarinnen, Arbeitgeberinnen und Gehilfinnen keine Auskunft zu geben wußte, hatte sie noch ein anderes Leid. Ihre neue HauSgenossin wollte sich auf Unterredungen religiöser Art nicht einlassen. An der Frömmigkeit ihres Wandels wußte selbst Ludmilla, die in solchen Dingen etwas streng urtheilte, nichts auszusetzen; wohl aber an ihrer Schweigsamkeit und Zurückhaltung. Sie suchte sich dieß auS den gelegentlichen Aussagen der Marietta zu erklären, die sich erinnern konnte, daß sie mit ihrer Mutter durch vieler Herren Länder gereist, und in schönen Kutschen herumgefahren, wobei dann Ludmilla bemerkte, daß dergleichen bei einer Gräfin Kind oder Comtesse etwas Gewöhnliches sey. Um so mehr freute sie sich, als sie sah, daß der Kleinen die Kartoffeln trefflich schmeckten. Aber während Marietta zur rosigen Fülle der Gesundheit erblühte, erkrankte ihre Namensschwester Marianka. Ludmilla hatte ihre besten Hausmittel schon erschöpft, und war bekümmert, da begegnete sie dem Arzte, der sehr angegriffen aussah. Er ließ halten, rief sie heran, und als er ihre Sorge vernahm, nöthigte er sie, trotz alles Deprecirenö, gleich mit ihm nach ihrer Wohnung zu fahren. Er fand die Kranke schon im Umschwung zur Genesung, verordnete das Nöthige, und wollte eben wieder fort, als ein liebliches Kind an der halbgeöffneten Thüre erschien, und schüchtern sich entfernen wollte. Bleib' da, Marietta, riefen die Andern ihr zu. Marietta? fragte der Arzt: wer heißt so? — Pun die Kleine dort! Er war sehr bleich geworden; mit Mühe warf er sich auf einen Sessel, verhüllte sein Angesicht, und konnte doch seine Thränen nicht verbergen. — Wem gehört daS Kind? fragte er wieder. Einer armen Wittwe, erwiderte Ludmilla, die bei mir in der obern Kammer wohnt. Der Arzt ließ ihr die Muße nicht, ihren Bericht weiter auSzuspinnen, er eilte fort mit dem Versprechen, wieder zu kommen. Noch an demselben Abend erhielt ich ein Schreiben von ihm, worin er mich sehr dringend einlud, ihn sobald als möglich mit einem Besuche zu beehren. Ich staunte, ich traute meinen Augen nicht; eS war aber doch so; sein Diener, den ich schon gesehen, legte den Brief in meine Hände, und die Unterschrift lautete ganz leserlich: Ihr alter Freund Blahomir. (Fortsetzung folgt.) Augsburg. Augsburg, 14. Oct. Im Jesuitensaale hat unser Hundertpfund sein neuestes für eine Kirche bestelltes Altarbild (für eine deutsche Kirche auf Goldgrund gemalt) auf einige Tage freundlich ausgestellt. Christus, der Gekreuzigte, ist der Gegenstand. Zu seiner Rechten Maria, zur Linken Johannes. Der Kampf ist auSgestritten, die Züge des Todten gehen vom Schmerze zur Ruhe über, ein meisterhafter Ausdruck! Die Mutter deS Herrn blickt nach dem Herzen des SohneS mit jener Ergebung, die anbetet und abermals sagt: ich bin des Herrn Magd u. s. w. Wie rein, würdevoll und alles Sinnlichen bar find die Züge der Gottesmutter! Dagegen zittern im Auge des Johannes, daS sichtbar schwimmt, große Zähren. Dieses Auge blickt in das erloschene Auge des geliebten Herrn. Der sanfte Jüngling hat nicht den Schmerz völliger Ergebung; denn er steht nicht im ErlösungSwerke, wie Maria. Er deutet in stummem Schmerze mit beiden Händen auf den Todten am Kreuze. Diese Ideen springen auf den ersten Anblick Jedem inS Auge. So viele Beschauer auch daS edle Kunstwerk herbeizog — es brachte alle zur schweigenden, gewiß viele zur andächtigen Betrachtung. DaS halte ich für das schönste und lohnendste Urtheil, neben dem, daß, wenn man endlich sprechen hörte, der Eine der Darstellung deS ErlöserS, der Andere der der göttlichen Mutter, und ein Dritter der des Johannes denLorzug gab und wieder ein Vierter gar nicht zu entscheiden wagte, weil er mit sich nicht einig werden konnte. Daö aber mußte man bemerken, daß die Ausführung Hundertpfunds eine immer reinere wird. WaS sich aber am wohlthuendsten und erhebendsten auS Hundertpfunds religiösen Bildern herausfühlen läßt, ist der unläugbare Umstand, daß ihm so viel gegeben ist, weil er sich so innig in daS Heilige hineinlebt; daß er selber darin aufgeht und ihm so daS Herrlichste erst zugeht. DaS ist ein deutscher Maler, der betend malt und malend betet. (N. Sion.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur SO kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Werbt att zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buch- baudel können diese Blätter bezogen wer« den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Neunter Jahrgang. M 43. S8. Octobcr L84N Gruß und Dankschreiben *) der im siebenten Provincial-Concilium zu Baltimore in den vereinigten Staaten von Nordamerika versammelten Erzbischöfe, Bischöfe und Väter an Se. Ercellenz den Hochwürdigsten, Hochgebornen Herrn Fürsterzbischof in Wien, Präsidenten deS Leopoldinen-StiftungS-VereineS, so wie an die übrigen Mitleiter und Theilnehmer desselben in den k. k. österreichischen Erbstaaten. (Aus dem Lateinischen.) Eure Ercellenz! Die wohlthätigen und frommen Gaben, welche seit mehreren Jahren durch die Großmuth deS Leopoldinen-StiftungS-VereineS unter der weisen Leitung Euerer Ercellenz und der übrigen edelmüthigen Theilnehmer unS zum Anbaue und zur Befruchtung des neuen Weinberges deS Herrn in den nordamerikanischen Freistaaten zuflössen, — haben bereits große Hilfe und wesentliche Unterstützung unseren aufblühenden Kirchen gebracht, unH nicht wenig zu unserer Beruhigung und demjenigen Troste beigetragen, welchen wir jetzt und schon seit längerer Zeit zur großen Ehre GottcS und zum Heile der unserer oberhirtlichen Sorgfalt anvertrauten Seelen in, reichlichem Maaße schöpfen. Als in dem verflossenen Jahre nach dem unerforschlichen Rathschlufft Gottes die politischen Zeitereignisse beinahe alle Theile deS christlichen Erdbodens erschütterten und nicht minder auch daS Kaiftrthum Oesterreich betrafen, — befiel unS darum eine nicht geringe Furcht, daß sie auch auf die Verwaltung deS frommen Institutes Einfluß nehmen und dessen ergiebige Hilfsquellen zum großen Nachtheil unserer Missionen versiegen machen könnten. Wir versäumten daher nicht, im lebendigen Andenken an die vielen und so großen unS von daher schon zu Theil gewordenen Wohlthaten, den allmächtigen und barmherzigen Gott demüthigst und inständigst zu bitten, er möge jene wildtobenden Stürme besänftigen und dem allbewcgten Europa den so sehnlichst gewünschten Frieden mit allen seinen himmlischen Früchten verleihen, damit die christlichen Völker Deutschlands so wie an- derer Staaten wieder ein ruhiges Leben zu führen und dem Herrn unge- kümmert und unangefochten zu dienen im Stande wären. Wir hegen das Vertrauen, daß diese unsere Bitten nicht ganz ohne Erhörung blieben; denn obgleich die gewaltsamen und heftigen Staatcn- Zerwürfnisse noch nicht ganz beigelegt sind, hat doch zu unserem großen Troste und Aller Verwunderung die so preiSwürdige Leopoldincn-Gesellschaft zu wirken nicht aufgehört, und nach einem kurzen Zwischeuraum abermals ihee wohlthätigen Spenden fortzusetzen begonnen. ES ist fürwahr ein schö neS Zeichen und daS sicherste Unterpfand einer wahrhaft christlichen Liebe, so wie eines brennenden Eifers für die größere Ehre GotteS, daß unsere Brüder unter so vielfachen Bedrängnissen Unser und unserer Missionäre nicht vergaßen. Wir können daher nicht umhin, ihnen auch, als unseren Wohlthätern, den Tribut der hohen Achtung und innigen Verehrung zu zollen, sie mit den zartesten Banden der brüderlichen Liebe zu umfassen, ihre erduldeten widrigen Schicksale und Leiden als unsere eigenen zu beklagen, und ohne Aufhören die göttliche Barmherzigkeit um jedwede nöthige Hilfe für sie anzurufen. Zugleich sprechen wir zu unserer beiderseitigen Beruhigung die freudige Versicherung auS, daß unser heiligster Glaube in diesen Ländern immer mehr und mehr verbreitet und die wahre Kirche GottcS von Jahr zu Jahr befestiget werde. *) Eingelangt an Sc. Ercellenz den Hochwürdigsten, Hochgebornen Herrn Fürsterz- bischof Viycenz Eduard Milde in Wien, am 1. Juli 181S, durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Michael Portier von Mobile, welcher nach Beendigung des Concils behufs der Sanctionirung der daselbst gefaßten Beschlüsse und kirchlichen Anordnungen § nach Europa an den heiligen Stuhl gesandt worden war. Wir Alle, die wir unS zur Abhaltung dieses Conciliums versammelten, müssen einstimmig bezeugen, daß die göttliche Gnade schon große Dinge in den verschiedenen Provinzen unserer Freistaaten gewirket hat; allein, obgleich schon Vieles geschehen ist, so ist doch nicht zu längneii, daß noch MehrereS und noch so Manches zu vollbringen ist. ES sind z. B. in vielen Orten neue Kirchen zu bauen, Seminarien, Kollegien und Schulen zum Unterrichte und zur religiös»! Erziehung der Jugend, so wie selbst neue Diöcesen zu errichten, ältere zweckmäßiger zu bcgränzen und einzutheilen, Allen die gehörige Kräftigung und erforderlichen Subsistenz- mittel zu verschaffen. Uns stützend auf den Eifer, die Güte und Frömmigkeit des hoch- würdigsten, erlauchten und weisen Vorstandes, so wie der übrigen Leiter und Mitglieder der ausgezeichneten Leopoldinen-Societät hoffen und vertrauen wir daher, daß sie, wie bisher, so noch durch viele folgende Jahre, Wohlthäter unserer Diöcesen und willkommene Werkzeuge in der Hand der göttlichen Vorsicht zur Ausspcndung von Gutthaten für Uns seyn und bleiben werden! — Baltimore, den 13. Mai 1849. Samuel, Erzbischof von Baltimore. Michael, Bischof von Mobile, Promotor. Johann Joseph, Bischof von Natchez, Promotor. Fr. L'H omine, Secretär des Conciliums. Die dritte Generalversammlung der katholischen Vereine in NegenSbürg. IV. Gm linden am Traunsec, 10. Oct. Verzeihen Sie Ihrem Korrespondenten, daß er den Schluß seines Berichtes über die denkwürdige Versammlung der Abgeordneten deS katholischen Vereineö Deutschlands in Rcgensburg. erst heute, und in so weiter Ferne von seiner Heimath, vor sich den herrlichen See, ringS um sich die schon niit Schnee bedeckten öberösterreichischen Alpen, niederschreibt. In dein freundlichen Linz erübrigte ihm dazu keine Zeit, da der kurze Aufenthalt daselbst mit einem AuSfluge nach St. Magdalena, von wo man eine weite Aussicht über die herrliche Gegend genießt, und mit einer sehr zahlreich besuchten Versammlung deS katholischen VereineS, wobei außer den zwei Mainzer Abgeordneten zum RegenSbnrger Kongresse auch die Herren Professor Dr. Baitz er, Licentiat Wick, beide auS Brcslau, geistlicher Rath Dr. Zehrt, Gymnasialoberlehrer Durch ard und Scminarinspector Hü- benthal, letztere drei aus Heiligenstavt, anwesend waren, ausgefüllt wurde. In der berühmten Abtei KremSmünster, welche Hurter in seinem „Ausfluge nach Wien" so trefflich geschildert hat, gab eS so viel zu sehen, darunter namentlich die Sternwarte mit ihren bedeutenden Schätzen und daS Pensionat, zu hören und zu sprechen, daß beim besten Willen zum Schreiben keine Zeit herausgefunden werden konnte. So müssen denn Sie und Ihre Leser mit einem Schlußberichte sich begnügen, der nur deßhalb weniger zusammenhängend erscheint, weil Ihr Korrespondent von der Größe und Schönheit der Natur, die er heute gesehen und von der er jetzt noch allenthalben umgeben ist, sich ganz hingerissen und überwältigt fühlt. Unter den dem dritten AuSschusse, unter dem Vorsitze deS Hrn. Licen- tiaten Wick, übergebenen Anträgen befand sich der sehr wohlgemeinte, aber vielleicht nicht reiflich erwogene auf Einführung deS altehrwürdigen Institutes der Diaconen und Diaconissinnen. Da die Thätigkeit, welche Liesen beiden Ordnungen in der alten Kirche zugefallen, längst anderen geistlichen Körperschaften überwiesen ist, und der Verein in allem Derartigen nickt die Initiative zu ergreifen, sondern einfach den Bischöfen zu fol- 170 gen Hai, so wurde über diesen Antrag zur Tagesordnung übergegangen. Wegen deS wiederholten AntrageS auf Errichtung eines Denkmales für Jos. von GörreS wurde auf den deßfallsigen in BreSlau gefaßten Be- schluß hingewiesen, über daö Wie der Ausführung aber nichts Näheres festgesetzt, obgleich man allgemein erkannte, Laß ein Lehrstuhl für Geschichte auf der neu zu gründenden katholischen Universität daö würdigste Denkmal eines so ausgezeichneten Mannes seyn würde. Daß man mit dem Plane umgehe, in dein herrlichen Dome von Köln dem großen Kämpfer und Märtyrer für die Freiheit der Kirche, Clemens August von Drvstc- Vischering, ein Monument zu setzen, erfuhr die Versammlung zunächst auS einem deßfallstgen Antrage, daß die katholischen Vereine Deutschlands sich dabei betheiligen sollten. Wie sehr auch alle Anwesenden darin übereinstimmten, daß daS ganze Leben und Wirken jenes großen Mannes mit dem Hauptzwecke deS Vereineö in engster Beziehung stehe, wie eS auch die ganze Versammlung einstimmig unter Dank anerkannte, waS daö katholische Deutschland jenem edlen Kirchenfürsten verdanke; so war man doch der Ansicht, daß bei der gegenwärtigen geldklammen Zeit, wo ohnedieß für die Armen so große Opfer erheischt werden und je nach den Entscheidungen der einzelne» Regierungen und Kammern in der Schulfrage noch größere in Aussicht stehen, eine eigentliche Aufforderung an die PiuSvereine in diesem Betreffe nicht erlassen werden dürfe. Dagegen fand ein anderer Antrag, daß die katholischen (Plus-, Vincenz- u. s. w) Vereine der auf Realschulen und Gymnasien stuvircnden, von ihren Eltern entfernten Jugend sich annehmen, sie überwachen, in guten Häusern unterbringen sollten u. s. w., den lebhaftesten Beifall. Auch der Arbeiter und wie ihr LooS am leichtesten und einfachsten zu verbessern sey, wurde gedacht und darüber der Beschluß gefaßt, daß, nach dem Muster der in Belgien bereits bestehenden, Arbeiter-Sparcassen errichtet, brave Gesellen rechtschaffenen Meistern zur Arbeit empfohlen und jenen, wenn sie auf die Wanderschaft gehen, Cerlificate mitgegeben werden sollen. Wegen Anfertigung und Einführung eines recht brauchbar und populär gehaltenen allumfassenden Gebetbuches war auch ein Antrag ein- gegangen, der aber, als zum Ressort der Bischöfe gehörig, zurückgewiesen wurde. Eben so wenig glaubte die Versammlung, sich auf Empfehlung gewisser Blätter, z. B. der nunmehrigen Deutschen Volkshalle u. dgl. einlassen zu dürfen, da nicht selten nach derartiger Empfehlung der Geist jener Organe ein ganz anderer, ein verkehrter werde, wie dieß unter Anderen an der Rhein- und Mosel-Zeitung, an der von dem Hoch- würdigsten Bischof früher empfohlenen RegenSburger Zeitung u. a. m. sich sattsam erwiesen habe; dagegen wurde es als eine Pflicht aller Mitglieder der katholischen Vereine Deutschlands erklärt, der schlechten Presse in keiner Weise Vorschub und Unterstützung zu leisten, dagegen die gute nach Kräften zu fördern. WaS die sonstigen, zum Theile wichtigen Beschlüsse beirifft, so kann ich darüber um so unbedenklicher hinausgehen, als die Verhanvlungen und Reden, Lurch Stenographen nachgeschrieben, schon demnächst im Drucke erscheinen werden. Dann mclve ich Ihnen nur noch in Kürze, falls eS nicht schon in einem früheren Schreiben geschehen ist, daß Regenöburg als Vorort und Linz als Versammlungsort des vierten Congresseö deö katholischen VereincS Deutschlands im nächsten Jahre gewählt worden ist. Die allgemeinen Versammlungen, die erste Montag Abends um 7 Uhr, die zweite Dienstags Morgens um 9 Uhr, die dritte Mittwochs Abcnvs um 7 Uhr und die vierte Donnerstags Abends um 6 Uhr wurden in der St. UlrichSkirchc vor etwa vier bis sechstausend Menschen abgehalten. Besonders verdient dabei die dankbarste Erwähnung, Laß den drei letztgenannten der Hochwürdigste Herr Bischof von NegenSburg mit großer Theilnahme beigewohnt hat, wie denn auch die prachtvolle Herstellung der Kirche zu den erwähnten Zwecken lediglich sein Werk ist. DaS gemeinsame Mit- tagScfsen am zweiten VersainmluugStage war durch fröhliche Stimmung der Anwesenden und durch sinnige Toaste gewürzt; von der nach demselben veranstalteten Wasserfahrt zur Besichtigung der nahen Walhalla sind indessen die meisten unbefriedigt zurückgekehrt. So viel in Kürze und ohne inneren Zusammenhang über eine Versammlung, die den früheren in keiner Beziehung nachsteht, und darum auch nicht verfehlen wird, in Bayern so wie in Oesterreich die schönsten Früchte hervorzubringen. De- Glaubens Boden. Erzählung aus den Papieren eines Seelsorgers. III. Blahomir war so artig gewesen, mir einen Wagen zu senden. Ich fand ihn im Bette. Verzeihung, rief er mir entgegen, daß ich Sie zu mir bemühte, statt zu Ihnen zu kommen. Sie könnten mir wohl sagen: 'Arzt, hilf dir selber. Allein ich fühle in einer Weise mich angegriffen, ibie gerade Ihren Beistand mir nothwendig macht! — Diese Rede überraschte mich, und eS mag wohl etwas SeelsorgerischeS und Salbungsvolles ! auf meinem Angesichts zum Vorschein gekommen seyn; denn er nahm gleich wieder daS Wort und sprach: Sie dürfen mich nicht mißverstehen, als meinte ich damit Ihre priesterliche Hilfe. Wenn übrigens mein früheres Benehmen unartig gewesen, so kann ich eS nur damit entschuldigen, daß ich an Ihnen überhaupt nur den Priester sah, dessen Anblick mich empört und anwidert, besonders wenn ich eben hypochondrisch bin. Denn woran erinnert mich ein Mann dieses Berufes, auch wenn er schweigt? An einen zürnenden Gort, der alle Lebensfreude verpönt, an ein Dogma, das der Natur und Vernunft widerspricht, an eine Kirche, die alles, was außerhalb ihres Zwingers lebt, verurtheilt, an eine Armesünderlehre, die alle geistige Freiheit knechtet, und an noch vieles Andere, worüber ich mich nicht ausbreiten will; denn ich habe Wichtigeres auf dem Herzen. — Schönen Dank, erwiderte ich, für daS aufrichtige Bekenntniß. War dieß nicht schon eine Art von Beichte? — Keineswegs; ich verlange vielmehr ein Bekenntniß aus Ihrem Munde. Wissen Sie von Ihrem Bruder nichts, noch von anderen Dingen, die mich angehen? — Von Zvenko? Nicht daS Geringste. Meine ersten seelsorglichen Stationen waren fern im Gebirge mir angewiesen. Erst seit einem Jahre wurde ich in einen entlegenen Winkel der Hauptstadt berufen. In der Wohnung der friedlichen Armuth war es, wo ich zum erstenmale Sie wieder gesehen; ich von meiner Berufspflicht, Sie durch Ihre Philanthropie dahin geführt. — So haben wir uns dennoch auf demselben Boden zusammen gefunden? — Dem Anscheine nach allerdings. Allein die christliche Liebe steht auf dem Boden des Glaubens, die humanitarische auf dem der Vernunft oder der Natur, wie man zu sagen pflegt. Lassen wir jetzt, sprach der Arzt, diese Fragen ruhen, die sich um Ideales und Reales drehen, wiewohl ich weiß, daß ihr in eurer Fantasie auch das Ideale als ein Wirkliches betrachtet. Der Boden, auf welchen ich bisher nothdürftig meinen Frieden gebaut, ist gänzlich erschüttert. Ich sah gestern ein blühendes Kind; die Gestalt, der Name weckten die schmerzlichsten Erinnerungen. Ich sah mein Leben wieder in seiner ganzen trostlosen Verödung vor mir, und an diesem Elend ist allerdings der Unglaube schuld, nämlich der meiner Frau. Frauen sollen auf dem Standpunct der religiösen Anschauung bleiben, das ist ihr LebenSgebirt. Allein ich selber habe sie um den Himmel ihres naiven Glaubens gebracht, und so ihre sittliche Grundfeste gelockert; mein Unglück ist mein eigenes Werk. Mit der Erkenntniß, daß die Natur die Verkörperung der ewigen Vernunft ist, und die Welt nichts anders als der werdende Mensch, mit anderen Worten: daß der Weltgeist im Menschen, als dem vollendeten Sinnenwesen, zum Bewußtseyn und Denken aufleuchtet, freilich in envlicher Beschränkung, mit solchen Erkenntnissen, und von jeder Täuschung und kindischen Vorstellung entledigt, vermag nur der Mann durchs Leben zu schreiten, und dabei seiner sittlichen Ausgabe zu genügen. Das Gemüth des WeibeS kann in dieser Region der reinen Vernunft sich nicht bewegen, sie bedarf eines überwelt- lichen Gottes, den sie im menschlichen Bilde sich vorstellen kann, bedarf eines BeseligerS im Jenseits zum Ersatz für ihre irdischen Leiden, und einer himmlischen Trösterin, deren Hoheit ihr eigenes Leben verherrlicht. Wie Sie daS alles so schön wissen, erwiderte ich, und doch so über die Maaßen ungründlich! Man soll also daS angeblich schönere und schwächere Geschlecht in einer Täuschung belassen, die daS stärkere und häßlichere Geschlecht von sich wirft. Ich halte daS einmal für ungerecht, weil dem Weibe dieselbe geistig menschliche Würde zukommt, wie dem Manne, und weil das Weib überdieß zur Erzieherin und Bildnerin der Kindheit berufen ist. Warum sollte aber die Frau in der Täuschung fortträumen, daß sie als ein Geisteswesen unsterblich sey, und wohl gar in den Himmel eingehen werde, während ihr Mann aus diese Aussicht verzichtet, und mit der Spanne Zeit vorlieb nimmt, die sein ganzes Daseyn umfassen soll? In der allen Welt, und jetzt noch im Harem und im Urwald, war der Mann der herrschende Geist, daS Weib das sich schmückende und dienstbare Thier. In der neuesten gebildeten Welt verlangt man daS Gegentheil. Den Frauen wird gestattet, an einen Vater im Himmel und an ihre persönliche Fortdauer zu glauben, während der Mann sich bloß als eine geistig gesteigerte Thierseele und als ein Individuum betrachtet, daS hier auf Erden total sich auslebt und dann zu nichte wird. Und warum verlangt man, daß die Frau in dieser Sicherheit ihres Glaubens nicht gestört werde? Einzig aus eigennützigen Beweggründen. Denn hat man einmal ihre Seele von den religiösen Vorurtheilen geläutert und auSgeklärt, so wird sie auch die Ehe als eine Verbindung ansehen, die bloß auf der Anziehungskraft beruht, und die von selbst wieder sich löset, sobald die Verwandtschaft der Seelen durch ein neues Element gestört und aufgehoben wird. Blahomir war mit einem Satz auS dem Bette, fröstelte jedoch, und 171 legte sich wieder. Jvo, rief er: woher wissen Sie alles daS? — AuS dem neuen Weltevangelium, aus den Schriften Ihrer Weisen. — Das war nicht meine Frage. Woher wissen Sie um meine Geschicke? — Ich habe keine Kenntniß davon. — Er schwieg einige Augenblicke, dann fuhr er fort. Sie werven meine Mutter noch gekannt haben. Was diese fromme Frau mir ins Herz gepflanzt, wollte nie recht bis in die Wurzel verdorren. Unkraut verdirbt nicht, sagt Ihr Bruder Zdenko, und wendet das auf die religiösen Gedanken an, gegen die ein Mann von Geist unaufhörlich zu kämpfen habe. Airs meinen Reisen durch aller Herren Lande war er mein steter Begleiter. Sein ätzender Witz, seine schwärmerische Beredsamkeit, die überall herrschende Weltanschauung halfen mir stets zu Siege. Als ich jedoch, seit meiner Rückkehr, meine unglückliche Frau kennen lernte, als ich ihre Hand erwarb, als ihre geistige Schönheit, ihre heitere Güte, ihr freudiger Glaube mächtig auf mich wirkten, da ward ich in meinen bisherigen Ansichten so unsicher, daß ich Zdenko'S Zorn und Hohn gegen mich herausforderte. Ich sehe es schon kommen, sagre er oft: deine Frau wird dich zu einem Betbruder umstaltcn, sie wird dich dadurch vor aller Welt lächerlich machen, und wenn immer eine Cur dir gelingt, wird sie es nicht deiner Wissenschaft, sondern ver Gnade Gotteö zuschreiben, und so dein An-! sehen untergraben. Denn einen frommen Arzt hält man allgemein für einen ^ Esel. Er ging aber noch weiter; er wußte mir gegen einen unbescholtener^ Mann, den meine Frau zu ihrem GewisienSrath erkoren, daS Gift dew Eifersucht einzuflößen. Es dauerte nicht lange, so gingen wir gemeinsam anS Werk, die arme Frau aus ihrem innern Frieden an daS grelle Licht deS gemeinen Weltverstandes hinaus zu führen. Nach eurer alten Mythe wurde Eva von der Schlange belogen, um dann AoamS Verlocken» zu werden; in Meinem Paradiese ließ Adam von der Schlange sich bethören, um dann seine Frau zu verderben. Diese Schlange war Zdenko, und unsere Ueberredungen und schlau angelegten Künste gelangen nur zu gut. Bei der ausnehmenden Schönheit meiner Frau konnte eS ihr, seitdem wir die Zerstreuung ihr zum Bedürfniß gemacht, an Bewunderung nicht fehlen: die Eitelkeit verleitete sie, auch als geistreich glänzen zu wollen, sie gefiel sich darin, gelegentlich etwas emancipirt zu erscheinen. Da ich dabei überall gegen Zdenko im Schatten stand, so mußte ich die Hölle der Eifersucht in meiner Brust empfinden; und wenn ich ihr Vorwürfe machte, oder gar an Gott und sein Gesetz sie mahnte, lachte sie mich aus, und war sie damit nicht ganz in ihrem Rechte? — Ich will mich kurz fassen. Als ich einmal von einer längern CommissionSreise zurückkehrte, fand ich mein Haus verödet, meinen Namen beschimpft, mein Kind mir geraubt; die Mutter hatte eS mit sich genommen, und war mit ihrem VermögenSantheile dem tückischen Freunde gefolgt; Niemand wußte wohin. Damals brach meine Kraft, ich bin seit der Zeit nimmer lebensfroh geworden. Aber meine Nachforschungen blieben erfolglos. WaS mir heule im Hause der armen Wittwe begegnete, hat aus der stumpfen Ruhe mich aufgerüttelt. Marielta! Heiliger Gott, oder heilige Natur, oder Spiel deS Zufalls — sollte eS möglich seyn? Mensch, Freund, Priester, waS wissen Sie von Marietta'S Mutter, von der Frau, die dort wohnt? Ich sagte ihm, daß sie eine feine Bildung verrathe, aber auch einen tiefen Kummer, daß sie sehr zurückhaltend sey, die Einsamkeit und die Arbeit liebe; — mehr wußte ich nicht. Seine Unruhe ward immer größer. Er bat, er beschwor mich, genauere Erkundigungen einzuziehen, mich um das Vertrauen der Fremden zu bewerben, und ihm bald möglich, und sollte eS in der Nacht seyn, Nachricht zu bringen. Ich war selber erschüttert, und wünschte den Pferden deS Lohnkut- scherS Flügel. Als ich Ludmilla's Haus erreichte, gab eS allerhand Leute vor der Thüre, und die treffliche Frau stand ebenfalls draußen, um auf mich zu warten. Erschrecken Sie nicht, bester Herr Jvo, sagte sie: eS ist etwas vorgegangen, was Sie vielleicht im Traume nicht geahnt hätten; denn Zeit und Weile sind ungleich. Drinn in die Hausflur finden Sie «inen Kirchendiener auS Ihrer Pfarre und einen Mann von der städtischen Wache. Sie haben ein Menschen hergeführt, der sehr zerlumpt und elend aussieht , und der behauptet, er sey Ihr Bruder. Ich erschrack so heftig,! daß meine Knie schlotterten; ich trat in die Thüre. Jvo, rief eine hohle! Stimme mir entgegen: kennst du mich? Jakob, kennst du deinen Bruder Esau? — (Schluß folgt.) Volk-versammlung in Ottobeureu. i Von der Günz. (Unlieb verspätet.) Der 29. September, daS Fest deS heiligen Michael, war für Ottobeuren und seine Umgegend ein wahrer Ehren- und Freudentag. Dieser Tag war eS nämlich, den sich der Ottvbeurer PiuSverein auserkoren hatte, um in einer Volksversammlung offen und frei auszusprechen, waS er wolle und mit welchen Mitteln er sein heiliges Ziel zu erreichen strebe. Der Versammlung selbst ging eine gotteSdienstlicbe Feier in der durch ihre Schönheit und Geräumigkeit berühmten Pfarr- und Klosterkirche voran. Nachdem sich bereits frühen Morgens Schaaren von Menschen auS naher und ferner Umgebung, darunter auch eine Deputation deS PiuSvereincS in Pfaffenhausen unb mehrere Geistliche der Nachbarschaft, eingefundcn hatten, begann um halb 9 Uhr nach beendigtem PfarrgotteStienste der VercinSgoiteSdicnst, welchen Hr. Pfarrvicar Bucherer von Ollarzried, eines der lbätigsien und eifrigsten Mitglieder des PiuSvereineS, mit einer ergreifenden Predigt über treue Anhänglichkeit an die katholische Kirche eröffnete. Hierauf celebrirte der greise, ehrwürdige Decan und Pfarrer, Hr. Roll, von Pfaffenhausen daS Hochamt, bei welchem die von Hrn. Ehorregcnt und Lehrer Trieb in Ottobeuren trefflich geleitete Cbormusik die Anwesenden mit Andacht und Erbauung erfüllte. Nach Beendigung der kirchlichen Feier zog die große Schaar der in Andacht Versammelten hinaus in den freien, schönen und geräumigen äußeren Klosterhof, in dessen Mitte eine Tribüne für die Redner errichtet war. Vor einer Menschenmenge, welche die Zahl von 3000 eher zu überschreiten, als nur zu erreichen schien, trat nun zuerst Hr. P Honorat Krüll, Benedictiner und der Zeit Pfarrvicar in Ottobeuren, auf, um als I. Vorstand des dortigen PiuSvereineS die Versammlung zu eröffnen. In kurzen Worten schilderte er die Zwecke deS PiuS- vercineS überhaupt, wie noch den besonderen Zweck der von diesem und ähnlich gesinnten Vereinen gehaltenen Volksversammlungen und lud hierauf die einzelnen HH. Redner ein, das harrende Volk mit der Würze ihrer freundlichst zugesagten Vortrüge zu erquicken. Auf diese Einladung hin betrat nun als der erste Redner die Bühne der als Vertheidiger der Vereins- und damit katholischen Interessen, so wie als Redner in s, scheren Volksversammlungen rühmlichst bekannte Hr. Lyceal Professor M. Merkle auS Dilingen. Der Inhalt seiner Rede erging sich in der Bezeichnung der verschiedenen Gestaltungen des Unglaubens unserer Zeit und namentlich in Hinweisung auf die nahe Gefahr, wie dieser Unglaube durch die verführerischesten und künstlichsten Mittel auch den bisher noch guten Kern deS Volkes anzustecken droht. Die begeisternde, mit gutgewählter Humoristik durchflochtene Rede erntete den ungetheiltesten Beifall. Nachdem Herr Merkle die Bühne verlassen, betrat sie der bereits erwähnte siebenundsieb- zigjährige Decan und Pfarrer, Hr. Rott, aus Pfaffenhausen, dessen ehrwürdige äußere Erscheinung allein schon hinreichte, um die Herzen Aller für sich zu gewinnen. Dem besonders in neuester Zeit aufgetauchten Vorwürfe gegen die PiuSvereine, als ob diese daS friedliche Verhältniß zwischen Kirche und Staat zu stören beabsichtigten, entgegen zu wirken suchend, wies der verehrte Redner die Nothwendigkeit einheitlichen Wirkens beider Gewalten aus dem gleichen Ursprünge ihrer Macht von Gott, so wie auS dem Ziele ihres Wirkens nach, welches auf dieser Welt zwar verschiedentlich auf geistiges und leibliches Wohl der Menschheit ausgehend dennoch darin sich einiget, daß zuletzt beide Gewalten dem Menschen doch zu dem Einen zu verhelfen suche», seinen höchsten und letzten Zweck — ewige Glückseligkeit zu erreichen. Darum sey Friede zwischen beiden Gewalten, und Gehorsam dcö Menschen gegen dieselben nothwendig und darnach, und nach nichts anderem strebe der PiuSverein. Dem mit Aufmerksamkeit und Beifall gehörten greisen Redner folgte Hr. Melchior Pcrchkold, Präfect deS Schullehrer-SeminarS zu Lauingen. Mit voller Begeisterung, welche den seinem Fache, der Schule, mit Liebe zugethanen Bildner der künftigen Lehrer verrieth, besprach der Redner die Verhältnisse zwischen Kirche und Schule und wieg die Gefahren nach, in welche die christliche Schule käme, wenn sie von der Kirche getrennt werden sollte; — Gefahren, welche selbst jetzt, wo die Schule immerhin noch einigermassen, wenn auch locker, an der Kirche hängt, in allen Elassen der Unterrichts- und Bildungsanstalten, höherer und niederer Schulen, immer drohender zu werden beginnen. Wenn alle Zuhörer, so werden gewiß am meisten die anwesenden Eltern von dem Gewichte und der Wahrheit der gesprochenen Worte ergriffen worden seyn und vielleicht zum erstenmale recht erkannt haben, wo eS mit dem unvernünftigen Geschrei« nach Trennung der Schule von der Kirche hinaus wolle. Die Zeit war indessen über Mittag vorgerückt und rief zum Schlüsse. Demgemäß betrat nun der II. Vorstand deS Ottvbeurer PiuSvereineS, Hr. Pfarrvicar Krüll, noch einmal die Bühne, um seine Freude und seinen Dank gegen die nicht bloß zahlreiche, sondern auch so aufmerksame Versammlung, welche dadurch der unter dem Volke noch herrschenden gulen Gesinnung ein so glänzendes Zeugniß gegeben hatte, zu bezeugen. Sein Dank erstreckte sich aber auch auf jenen Mann, der durch seinen apostolischen Segen dem jungen Vereine die Bürgschaft langer und thatenretcher Existenz gegeben hatte, auf den vielgeprüften und kräftigen obersten Hirten der katholichen Kirche — PiuS IX., wie auf den vielgeliebten Landesvater Maximilian II., dessen kräftige Regierung und wahrhafte Unterthanenliebe daS Vaterland vor den Gräueln der Revolution und dem drohenden Um- ! .. 17S stürze aller Ordnung und alles Rechtes schützte und dadurch auch den PiuSvereinen ein erfolgreiches Wirken vor Allem möglich machte. Ihnen — deren Namen schon im Laufe der Vortrage herzliche und laute „Lebe hoch!" hervorriefen, — sollte aber der schönste Dank dadurch gezeigt werden, daß sich auf Anregung deS Schlußredners die ganze Versammlung in die anstoßende Kirche zurückbegab und hier, durch gegenseitige, sichtbare Andacht erbaut, vor ausgesetztem heiligem Ciborium die üblichen Kirchen- gebete für Papst und König und Erhaltung deS Friedens betete. Damit schloß würdig die vom schönsten Wetter begünstigte Versammlung, bei der sich Menschen auS allen Ständen, hohen und niederen, geistlichen wie weltlichen, so zahlreich eingefunden hatten und in ihren Erwartungen sich nicht getäuscht sahen. Der stille, mit heiliger Freude vermischte Ernst der Heimkehrenden sagte eö, daß sie die Bedeutung der Versammlung ergriffen haben und für Gott und König, Kirche und Vaterland zu leben und zu sterben entschlossen seyen. Gott segne die Früchte dieser schönen Versammlung! Blumen au- dem Schriftarten -e- heilige» Bernardus. (Fortsetzung.) 54. Fleisch. Liebe dein Fleisch, das dir zur Beihilfe gegeben und zum Mitgenusse der ewigen Seligkeit bereitet ist. UebrigenS soll die Seele daS Fleisch so lieben, daß sie nicht selbst in Fleisch übergehe, und ihr vom Herrn gesagt werde: „Mein Geist wird nicht im Menschen bleiben, weil er Fleisch ist." ES liebe die Seele ihr Fleisch, aber noch weit mehr erhalte sie sick selbst: eS liebe Adam seine Eva, aber nicht so liebe er sie, daß er ihrer Stimme mehr folge, als der Stimme GotteS. 55. Fortschritt. Unser Fortschritt besteht darin, daß wir niemals das Ziel erreicht zu haben glauben, sondern Laß wir uns nach dem ausstrecken, was vor unS ist, und unS unablässig für das Bessere bemühen, und so unsere Un- vollkommcnheit den Blicken der göttlichen Barmherzigkeit aussetzen. Je weiter sich Jemand von der Wahrheit entfernt glaubt, desto näher kommt er ihr. Die wahre Tugend kennt kein Ende, schließt sich nicht mit der Zeit. Und der Gerechte sagt niemals: „Es ist genug," sondern immer hat er Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, so daß, wenn er immer leben würde, er sich, so viel an ihm gelegen, immer mehr gerecht zu werden bemühen würde. Denn nicht auf ein Jahr over auf eine Zeit wie ein Taglöhner hat er sich dem Dienste GotteS hingegeben, sondern auf ewig. 56. Freiheit. Die Freiheit ist eine dreifache, nämlich von der Sünde, vom Elende, von der Nothwendigkeit. Die zuletzt gesetzte hat uns die Natur bei der Schöpfung gegeben. In der erster» werden wir erneuert von der Gnade, die mittlere ist unS aufgehoben im Vaterlande. Die erste soll also genannt werden Freiheit der Gnade, die zweite Freiheil des Lebens over der Glorie, die dritte Freiheit der Natur. Wir sind nämlich zu freiem Willen oder zur willkürlichen Freiheit alö edleS Geschöpf erschaffen für Gott. Die erste Freiheit hat an sich viel Tugend, die zweite viel Seligkeit, die dritte viel Ehre. Durch die erstere überwinden wir daS Fleisch, durch die zweite unterwerfen wir den Tod, durch die dritte übertreffen wir die Thiere. 57. Freude. An drei Dingen erfreuen sich die Auserwählten Gottes, nämlich an der Erinnerung deS geführten Lebenswandels, an dem Genusse der Rübe und an der Erwartung der kommenden Vollendung. Im Leben hat sie Gott getröstet, nach dem Tode führt er sie in ihre und bei der Vollendung in seine Ruhe ein. 58. Freun d. Niemand verdient mehr Zorn, als der Feind, der sich in einen Freund verstellt. 59. Friede. „Meine Ehre gebe ich keinem andern," spricht der Herr. WaS willst du uns denn geben, o Herr? „Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch," spricht der Herr. Er ist mir hinreichend, dankbar nehme ich an, waS du hinterlassest, und hinterlasse, was du zurückhältst. Frieden verlange ich, und weiter nichts. Wem reichst du nicht hin? Denn du bist unser Friede: dieses ist mir noth' wendig, dieses ist mir genug, ausgesöhnt zu seyn mit dir. ausgesöhnt zu seyn mit mir. Ich verzichte ganz auf die Ehre, und ich bin kein gottloser Räuber deiner Ehre. Dir, o Herr, dir bleibe ungeschmälert deine Ehre: mit mir steht eS gut, wenn ich den Frieden habe. 60. Frömmigkeit. So groß ist die Frucht der Frömmigkeit, so groß der Lohn der Gerechtigkeit, daß sie sogar von Gottlosen und Ungerechten verlangt werden. Denn auch der falsche Prophet Balaam sprach: „ES sterbe meine Seele den Tod der Gerechten, und mein E»de sey wie daS ihre!" Wer keine Frömmigkeit im Herzen hat, im Leben sie nicht zeigt, in der Einsamkeit sie nicht ausübt, der kann kein Einsamer, sondern nur ein Alleinmcnsch genannt werden. Die Einsamkeit ist für ihn keine Einsamkeit, sondern ein Verschluß und Kerker. Denn der ist wahrhaft allein, mit dem Gott nicht ist: der ist wahrhaft eingesperrt, der nicht frei in Gott ist. Die Einsamkeit ist keineswegs eine Eingeschlosscnheit aus Zwang, sondern eine Wohnung deS Friedens, und die verschlossene Thüre ist keift Schlupfwinkel, sondern Zurückgezogenheit. Denn mit wem Gott ist, der ist nie weniger allein, als wenn er allein ist. 61. Furcht. ES gibt eine doppelte Furcht, die gewöhnlich und Allen bekannt ist, die dritte ist weniger gewöhnlich und weniger bekannt. Die erste Furcht ist die, wir könnten gcpeiniget werden in der Hölle; die zweite, wir könnten ausgeschlossen werden von der Anschauung GotteS; die dritte Furcht erfüllt eine furchtsame Seele mit aller Sorgfalt, daß sie nicht von der Gnade verlassen werde. Zwar unterdrückt eine jede Furcht deS Herrn den Reiz der Sünde, wie Wasser Feuer auslöscht, diese aber am meisten, da sie bei einer jeden Versuchung sogleich widersteht, damit die Gnade nicht verloren gehe, und so der sich selbst überlassene Mensch nicht täglich vom Bösen ins Schlimmere, von der kleinen Gefahr in eine große Schuld gerathe, wie wir denn Viele sehen, welche im Schmutze leben und täglich noch schmutziger werden. Diese Furcht schmeichelt auch der Seele nicht, weder über geringere Bedeutsamkeit der Sünde, noch über die künftige Besserung. Denn durch dergleichen Schmeicheleien werden manchmal die ersten zwei Arten der Furcht verhindert. Ein hartes und verhärtetes Herz fürchtet weder Gott noch den Menschen. Wer immer die Furcht Gottes vor Augen hat, dessen Wege sind schift und alle seine Fußsteige friedereich. Wie der Anfang der Weisheit die Furcht des Herrn ist, so ist der Anfang einer jeder Sünde der Stolz. Und gleichwie auS Selbstkenntniß die Furcht GotteS und auS der Kenntniß GotteS die Liebe kommt, so geht im Gegentheile auS der Unkenntniß deiner selbst der Stolz und auS der Unkenntniß GotteS die Verzweiflung hervor. 62. Gebet. Niemand betet um etwas, außer was er glaubt und hofft. Gott will aber auch um daS gebeten werden, waS er verspricht. Und deßwegen vielleicht verspricht er vorher, waS er zu geben beschlossen, damit auS dem Versprechen die Andacht erweckt werde, und so ein andächtiges Gebet verdiene, waS er uns umsonst geben wollte. So nöthiget Gott, der alle Menschen selig haben will, zuerst unS selbst ab, WaS unS verdienstlich ist, und während er unS durch Gaben zuvorkommt, bewirkt er, daß sie ihm eS umsonst wieder geben, damit er es nicht umsonst gebe. Wolle dein Gebet nicht gering schätzen, weil eS der auch nicht gering schätzt, zu dem du betest, sondern dasselbe in sein Buch einschreiben läßt, bevor es aus deinem Munde geht. Gott ist ein Geist, und der muß im Geiste zu ihm rufen, dessen Ruf zu ihm gelangen will. Denn gleichwie Gott nicht wie ein Mensch auf daS Angesicht, sondern auf daS Herz deS Menschen sieht: so merken mehr auf die Stimme deS Herzens, als deS Leibes, die Ohren desjenigen, zu dem mit Recht gesagt wird: „Gott meines Herzens." Daher kommt eS, daß Moses, da er äußerlich schwieg, innerlich zum Herrn betete, und ihm Gott sagte: „WaS schreiest du zu mir?" Schwer ist für unS die Versuchung deS Feindes, aber noch weit schwerer ist das Gewicht deS Gebetes. Es verwundet unS seine Bosheit und Arglist, aber noch mehr quält ihn unsere Einfalt und Barmherzigkeit. Unsere Demuth erträgt er nicht, unsere Liebe brennt, unsere Sanftmuth und unser Gehorsam kreuziget ihn. Im Gebete ist Heilung der Wunden, eine Zuflucht in Nöthen, eine Ergänzung der Unvollkommenheiten, ein Heer von Fortschritten, kurz Alles, was dem Menschen nützlich, schicklich und nothwendig ist. Verantwortlicher Redacteur: 8. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- »ementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur SO kr„ ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzcitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel könne» diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Munter Jahrgang 4. November 1G4S. Staat und Kirche. Trennung oder Ehe? -j- Die Kirche besteht nicht bloß aus dem Klerus, sondern auch auS den Laien; der Staat nicht bloß aus den Beamten, sondern auch auS allen andern Ständen; guililmt ex populo gehört zum Staat. Nicht guilillet ex populo aber gehört deßhalb auch schon zur Kirche, da der Staar nicht bloß aus Mitgliedern der Kirche besteht; jedes Mitglied der Kirche aber ist zugleich Mitglied des Staates. Derselbe Christ im Staate hat die Aufgabe, sich für daS ewige Leben vorzubereiten, sich zu heiligen, und er hat die Aufgabe, seine Pflichten gegen die menschliche Gesellschaft im Staate zu erfüllen; derselbe Mensch hat also eine überirdische und eine irdische Aufgabe; obwohl nur Einer, dient er doch zweien Herren; daß dieß ausführbar, ja sogar löblich und Pflicht, hat unS die ewige Wahrheit selbst gelehrt: „gebet dem Kaiser, waS des Kaisers, und Gott, was Gottes ist." Daß der Christ, weil im Dienste GotteS und weil in kirchlichen Dingen der Kirche (irn engeren Sinn, denn im weiteren bildet er selbst die Kirche mit) Unterthan, sich deßhalb nicht vom Gehorsam gegen den Staat losgebunden erachten darf, lehret unS die heilige Schrift, indem sie uns ermähnt, „unterthänig zu seyn der von Gott gesetzten Obrigkeit." Der Christ im Staate (den er im weiteren Sinn selbst mit bildet) hat demnach Pflichten gegen den Staat im engeren Sinn, d. h. gegen Gesetz und Beamte. Der Christ muß wünschen und, so viel an ihm liegt, darnach streben, daß ras Gesetz ein christliches sey, daß die Beamten christlich seyen; unter Gleichgesinnten lebt sich'S weit besser, und Alles, waS gedeihen soll, gedeiht besser; ist Gesetz und Beamtenthum (Staat im engeren Sinn) christlich und ist eS auch daS Volk (Kirche im weiteren Sinn), so ist die conoorclia saooiclotii et imperii zur Wahrheit geworden und sie wird segenövoll wirken für den Staat und für die Kirche; überall und allzeit noch, wo sie gestört wurde, entstund Unheil für Staat und Kirche. DaS WünschenSwerthe und Ideal also ist Einigkeit zwischen Staat und Kirche, res nnnimaa croseunt, dweordia -naanmcre e/r7a- -ttrr/tt»-. Mehr als je tönt gerade in unserer Zeit an unser Ohr jene rührende und heilige Bitte unsers Herrn und Heilandes auS seinem himmlischen Abschicdögebete: „o seyd Eins, Eins, so wie auch ich und mein Vater im Himmel Eins sind!" — Also Ehe, keine Trennung! Wie kömmt aber gerade heut zu Tage, gerade jetzt, wo der Geist deS AntichristenthumS sich stolz und empörerisch aufbäumt, gerade jetzt, wo klar ist, daß Heilung der Gegenwart und Rettung der Zukunft nur im Christenthum, nur in seiner Crstarkung und Wiederverherrlichung ruht, wie kömmt gerade in solcher Zeit, wo Staat und Kirche gemeinsam den gemeinsamen Feind zu bekämpfen sich verbinden sollten, dieser Drang und Ruf nach Trennung dieser beiden Reiche, die einig seyn sollten, wie Mann und Weib, innig verbunden, wie Seele und Leib, da man doch weiß, daß, wo Mann und Weib getrennt sind, die Kinder darunter leiden, daß, wo Leib und Seele sich trennen, der Tod eintritt? Der Grund liegt darin, daß der Staat im engeren Sinn sich all- mälig zum modernen Heidcnlhum oder doch zur modernen Indifferenz zu neigen begonnen, daß er kühl geworden gegen die Kirche, weil in ihm selbst nicht mehr daS wahre, warme, kirchliche Leben ist; kurz, er hat nicht mehr Sinn und Herz für die Kirche so, wie sich'S gebührte, und das fühlt die Kirche im engeren und jene im weiteren Sinn schmerzlich, sie ringt und sehnt sich nach Aenderung zum Besseren. Wenn deS Mannes Liebe zum Weibe zu erkalten beginnt, ja, wenn er sie sogar zuweilen mißhandelt, wenn er in Gefahr steht, der Verwilderung zu verfallen, — wie, soll daS Weib gleich auf Trennung dringen? Wird der Mann, einmal getrennt, dann nicht der Verwilderung ganz verfallen und jede spätere Wiedervereinigung nur um so schwieriger seyn? Und werden nicht die Kinder bei dieser Trennung der Ehe ! ebenfalls unvermeidlich leiben? WaS thut die Kirche, wenn ein Ehegatte zu ihr mit dem Gesuch um Trennung von dem anderen tritt? Willigt sie rasch ein? Nein; sie wendet Alles auf, die Trennung zu verhüten, und nur da, wo sie nicht zu vermeiden ist, willigt sie in dieselbe mit schwe- rcm Herzen und bittet und ermähnt, sich ernstlich vorzubereiten zur Wiedervereinigung. Und wenn nun die Kirche aufträte und wollte Trennung vom Staat, oder der Staat, und wollte Trennung von der Kirche, was würde Der sagen, welcher das unsichtbare Haupt der Kirche ist und welcher im Moment der Einsetzung deS ewigen LicbeSmahles und Seines Ganges in den Tod für unS gefleht hat: „v seyd EiuSl"? Und wenn Kirche im engeren Sinn und Staat im engeren Sinn sich trennen, werden nicht die Kinder darunter leiden, nämlich daS Volk? Wenn auch die Mutter (die Kirche) die Kinder zu sich nehmen wollte, werden sie ihr alle folgen? Und wenn sie auch alle bei ihr blieben, sie haben doch keinen Vater mehr und müssen oft und in vielen Dingen deS Schutzes entbehren, den nur der Vater geben kann! Darum wäre cS löblicher, wenn Mann und Weib beisammen blieben, und einander stützten und ertrügen, und daß sie sich nur dann trennten, wenn kein anderes Mittel mehr übrig bleibt. Ist eS aber zwischen Staat und Kirche wirklich schon so weit gekommen und sollte der Riß zwischen ihnen nicht mehr geheilt werden können? Dieß bedarf vor Gott und der Welt der ernstesten, der gewissenhaftesten, der ruhigsten Erwägung, der umsichtigsten Betrachtung aller Folgen der Trennung; und hierüber möchten wir in diesen Blättern Stimmen vernehmen, viele, herzliche, besonnene, denn eS handelt sich um die wichtigste Frage deS Jahrtausendes! DeS Glaubens Boden. Erzählung auS den Papieren eines Seelsorgers. (Schluß.) Meines bedauernswerthen Bruders Erscheinen wäre allein schon hinreichend gewesen, mich auS meinem Frieden aufzustören, hätte cS auch unter minder verwickelten Umständen stattgefunden. Welch ein Widerspruch von Armseligkeit und Hochmuth, von Trotz und Erniedrigung! Du bist zwar ein Priester, sagte er, aber hoffentlich Loch noch ein Mensch. Ich habe mich zu dir geflüchtet, weil mir die Mutter Natur in ihrem blinden täppischen Treiben dich zum Bruder gegeben hat. Ich habe mich auf deine Ehrwürden berufen, damit man mich nicht wie einen Vagabunden behandelte. Du weißt, oder nein, du weißt es nicht, was der große Lessing sagte: „DaS zahme Pferd wird im Stalle gefüttert und muß dienen; das wilde in seiner Wüste ist frei, verkommt aber vor Hunger und Elend." Daß Zdenko offenbar im Fieber redete, daS zeigte die düstere Nöthe auf seinen hohlen Wangen. Ehe ich ihn beruhigen und in meine Wohnung bringen konnte, war schon ein neuer Zwischenfall eingetreten. Die Kinder, die ihre Neugierde zur offenen Stubenthür geführt, waren über die Schwelle geschlichen, und hatten sich unS ziemlich genähert, als Zdenko von ungefähr seinen Blick auf Marietta wendete. Marielta schrie auf, barg sich hinter den Gespielen, und weinte; ihre Mutter, die oben den Schrei vernommen, eilte ängstlich über die Wendeltreppe herab, um nach dem Kinde zu sehen; unten angelangt, blieb sie von Schreck getroffen stehen, sie hielt sich am Geländer, sie zitterte heftig, und selbst Zdenko schien seine Fassung verloren zu haben. Allein die Verwirrung sollte noch !höher steigen. Ein Wagen rollte rasch heran und hielt vor dem Hause. 174 ES war Blahomir. Er hatte die ängstliche Spannung nimmer ertragen mögen; bald nach meiner Entfernung hatte er mit Macht sich aufgerafft, um nicht van der bangen Erwartung gefoltert zu werden. Nun trat auch er in den engen Kreis, in welchem schon so viel herber Stoff sich angehäuft; sein starrer Blick haftete zuerst auf Zdenko, dann auf Johanna. Diese bedeckte ihr Angesicht mit den Händen, und sank dann ohnmächtig zu Boden; weinend kniete Marietta neben der todeSbleichen Mutter. Lud- milla suchte bald nach Kamillenthee, bald nach herzstärkenden Tropfen; sie lief ängstlich hin und wieder, und rang sogar einmal die Hände; ein Zeichen, daß sie für diesen Augenblick ihr Sprichwort vergessen. Der Knotenpunct, in welchen hier so verschiedene auseinander gerissene Lebensbahnen sich kreuzten, machte wohl eine baldige Entwirrung und Lösung nöthig; und wem anders sollte die Aufgabe zugedacht seyn, dieses Geschäft zu fördern, als mir? Und wie sollte ich, um nichts zu verderben, eS beginnen und bei wem? Alle diese Fragen zeigten sich überflüssig. Die Aufgabe war mir keineswegs zugedacht; ich mußte eben von neuem lernen, daß man nicht immer da nothwendig sey, wo man sich für nothwendig hält. Ich ward eiligst abgerufen, es galt einen Mann noch am Leben zu finden, den der Schlagfluß getroffen. Der Weg war weit, daS Geschäft nicht schnell abzuthun, und die Familie des Sterbenden, mit ihrem eigenen Schmerz beschäftigt, hatte keinen Sinn für die Leiden, die mich bedrängten. Als ich endlich, nach einer langen Stunde, wieder dem Hause der Wittwe zueilte, war diese die erste, die ich antraf; sie hatte eben draußen nach mir umgesehen. Wie geht'S? rief ich ihr entgegen. So gut als möglich, erwiederte sie. AlS Sie fort mußten, war mir wohl bange wie alles das sich wenden möge, allein ich vertraute der Trösterin der Betrübten, und dachte mir, es werde sich schon finden, denn Zeit und Weile sind ungleich. — Wo ist Zdenko? — Ja wo? Könnten Sie eS errathen? Da zeigt sichS, daß man über Niemanden urtheilen und richten darf, auch wenn er ein halber Heide ist, wie der Herr Blahomir. Erst wechselten die beiden einige französische oder griechische Worte, die ich recht gut verstehen konnte; denn Ihr Bruder war störrisch, und der Doctor großmüthig; gleich darauf half ich ihm, den elendigen Mann in den Wagen zu bringen; der Doctor gab dem Kutscher einige Aufträge, und ließ den Kranken in seine Wohnung führen. Darüber hat der ganze Himmel sich gefreut. — Und wo ist Blahomir? — Er sitzt drinnen in der Stube, hat die kleine Fremde auf dem Schooße sitzen, plaudert mit ihr, weint und lacht, alles durcheinander. Denn damit Sie eS nur wissen: daß Marietta eine Comtesse ist, darin habe ich mich geirrt; sie ist deS Doctors Töchtcrlein in allen Ehren. — Und die Mutter? — Ja diese möchten Sie besuchen, so erschöpft sie ist; sie wünscht eS sehnlichst, und Blahomir läßt ebenfalls darum ersuchen. Sie führte mich hinauf in die ärmliche Kammer, und entfernte sich. Schweigend näherte ich mich der Leidenden, die mit geschlossenen Augen dalag, mich aber doch erkannte. Ich kann nur wenig reden, sagte sie mir leiser Stimme, aber Gott ist mein Zeuge, daß Sie keine verstockte Sünderin vor sich sehen. Die himmlische Mutter der Menschen hat ihr Auge von mir nicht abgewendet. Ich habe meine Verblendung erkannt, meinen Frevel schmerzlich bereut, und die Gnavenmittel der Kirche längst wieder empfangen. Die Leiden, die ich dulde, sind gering gegen den Schmerz über meine Thorheit und die Schmach, die ich meinem edlen Gemahl zugefügt. Muß er jedoch selber eingestehen, daß er alles Erdenkliche gethan habe, um die Leuchte des heil. Glaubens in meinem Herzen auszulöschen, und dann meine Liebe zu ihm durch stetes Zürnen und Quälen zu ermüden, so mag er auch darauf achten, daß ich den Eid, ihm allein anzugehören, nicht gebrochen habe. Ich betheure vor meinem ewigen Richter, daß ich im Wesentlichen keiner Untreue mich schuldig gemacht. Ich schauderte zurück vor dem Abgrund, der mir sich aufthat; ich verließ den Verführer heimlich, in eiliger Flucht, all meinen Besitz in seinen Händen lassend. Und mußte ich seitdem mit meinem Kinde viel Elend erdulden, so habe ich eS nicht anders verdient. Nur Eines ist, waS ich sehnlichst wünsche: meines Gemahles Verzeihung. Wieder an seiner Seite zu wandeln, verlange ich nicht; ich bin dieser Ehre nicht würdig. Aber Marietta... möchte er mir nicht nehmen! — Sie verfiel in krampfhaftes Weinen und Schluchzen, ich aber wollte nicht zu viel »»zeitige Worte machen, und ging hinab in die Wohnstube. Blahomir sah ganz verändert auS; seine harten Züge waren in milder Wehmuth verklärt. Bringen Sie mir Nachricht? rief er mir entgegen. Wir gingen hinaus; ich theilte ihm mit, was ich gehört. Blahomir schwieg, aber er drückte mir die Hand, und seine Augen füllten sich mit Thränen. Es war spät geworden; meine Berufspflicht gebot mir, nach Hause zu gehen. Ich hatte mir in Gedanken schon die stille Kammer auSersehen und eingerichtet, worin ich meinen Bruder beherbergen wollte; ich hatte schon die Opfer der Geduld und Liebe vorbcrech» net, auf die ich mich gefaßt machen mußte; eS war anders gekommen, und eS sollte mir vielleicht die Gelegenheit genommen weiden, an dem schönen Werke mein Selbstbehagen zu nähren. Am nächsten Morgen stand ich vor Zdenko'S Lager. Der verstörte Mensch blickte mit seinem gewohnten hämischen Lächeln um sich. WaS für ein honetter Kerl, sprach er, bin ich wieder geworden! Ein schön möblirteS Zimmer, bequemes Bett, schneeweiße Wäsche mit den Merkzeichen meines erhabenen Feindes, des tugcndstolzen Blahomir, und ein Pfäfflein zu meiner Seite, das mein eigener Bruder ist! Willst du mir die Seele auS- segnen, dieses wunderliche unsichtbare Ungeheuer und Unding, diesen Funken, Rauch und Hauch? — Er fing furchtbar zu husten an, eine Masse schäumenden, übel aussehenden Blutes folgte nach. Ich reichte ihm die Arznei, die bereit stand, und etwelche gute Worte. Spotte nicht immer, Zdenko, sagte ich; du stehst vielleicht schon dicht an der Pforte eines neuen LebenözustandeS; läugne nicht Gott und Dich. — Da sey ruhig, du Knecht der Kirche. Gott ist der universelle Geist, der Weltgeist, und er allein ist mein wahrhaftes Ich und Selbst; denn in mir, ohne Ruhm zu melden, hat er sein endliches Bewußtseyn. — Ich kenne diese TeufelSlehre wohl; sie ist gerade das Gegentheil von dem, waS der heilige Glaube lehrt. — Behalte ihn für dich, Brüderlein; mir wirst du ihn nicht aufzwingen. Du kennst das norddeutsche Sprichwort: „Man kann einen Esel wohl in't Mater trieven, aber nicht twingen, dat he süpt." Was ist der Tod? Die Aufhebung deS endlichen Fürsichseyns, die Rückkehr des Einzelnen in daS AU. Für meine Seele hast du also nicht zu sorgen; für meinen faulen Leib kannst du wenig thun, denn du bist ein dienender Geistlicher, und folglich ein armer Teufel; auch ist dir das pathetische Biederherz Blahomir schon zuvorgekommen. Sage ihm, er möge mich mit seinen Visiten verschonen; eS sey dann, wenn ich gerade schlummere. Er will glühende Kohlen über mein Haupt sammeln; doch wird er mich nicht dahin bringen, daß ich in dummer thierischer Dankbarkeit, wie ein Pudel, wehmüthig zu ihm aufschaue und mich schäme. Der unglückliche Mensch wurde allmälig doch etwas zahmer. Da die Behörden über ihn Auskunft verlangten, mußte er eS dulden, daß Blahomir mit ihm sprach. Auch fing er an zu klagen, daß er „daS ab- stracte Denken" nimmer recht in seiner Macht habe. Hingegen ist eS als ein schöner Zug ihm nachzurühmen, daß er in Blahomir'S Gegenwart mit Eifer und Wärme Johanna's Unschuld und unverbrüchliche Treue bezeugte, und bei dem „allgegenwärtigen Weltgeist" beschwor. Einige Zeichen, die er, deS Redens unfähig, in seinen letzten Stunden gab, und der vielsagende innige Händedruck, womit er meine Mahnungen und Fragen beantwortete, berechtigten mich, ihm die letzte Oelung zu spenden. Ich fühlte mich getröstet. Ungleich größern Trost erlebte ich an Blahomir. Er hatte seiner Frau mit schonender Güte sich genähert; sein Entschluß war nach wenigen Tagen reif geworden; sie aber zögerte; sie wagte nicht, seinem Antrage zu folgen. Marietta gab den AuSschlag. Sie war der FriedenS- cngel, der um die Getrennten daS unlösbare Band wieder enger schlang, als je vorher. Der Vater wollte sie nicht missen, er mochte auch der Mutter sie nicht rauben; da schlug diese endlich in die treue Hand, die Blahomir ihr darbot, und vor Freuden weinend rief Ludmilla: sehen Sie nun, Herr Doctor, das hat die heilige Gottesmutter so gefügt, nicht die Allmulter Natur, wie Sie zu sagen pflegen. Johanna trat in ihre früheren Rechte ein, sie erblühte wieder in Schönheit und Lebensfülle. Ob auch der Glaube wieder aufblühte in Blalwmir'S Herzen? WaS durch falsche Weltweisheit zerstört worden, will durch ächtes und gründliches Denken wieder hergestellt werden. Ich redete wohl manchmal davon, wie der Boden des Glaubens, der nicht die Erscheinungen, sondern daS Wesen der Dinge betrachtet, eben so sehr in der Dcnkkrast als in der Willensfreiheit deS Geistes zu suchen sey, und wie der gute Wille, unter der Herrschaft deS Gewissens, die Vernunft für die Wahrheit befähige. Mehr aber als auf meine Worte vertraute ich auf das Werk der Vergeltung, das Johanna an ihm ausüben werde. Denn ich gedachte deS großen AuSsprucheS, daß der ungläubige Mann geheiligt wird durch das gläubige Weib, und so hinwiederum. Inzwischen verrieth Blahomir selbst, durch Benehmen und Rede, daß er in aller Stille mit einem Umbau seiner Denkweise beschäftigt war. Wie ich mir immer Gott, oder den ewigen Weltgrund denken mag, sagte er: die sogenannte „vernünftige Nothwendigkeit" kann mir nimmer genügen; jedenfalls muß ich an eine Vorsehung glauben. Welche eigenthümliche Fügung! Ein Zufall führt mich in Ludmilla'S Haus, dort widme ich meinen geringen Dienst, zu dem ich ohnehin verpflichtet bin, dem Hausvater, dessen Leben ich doch nicht erhalten kann; dafür rettet, pflegt und tröstet die arme Wittwe mein Weib und Kind, bewahrt sie für mich, wird meine größte Wohlthäterin. Und auch Sie, Freund Jvo, den ich so thöricht verachtete, mußten inS Mittel ") Ins Wasser treiben, aber nicht zwingen, das er sanft. 175 treten, damit Zdenko'ö Dazwischenkamt mein Glück und meinen Hausfrieden befestige. WaS geschah mit Ludmilla? Marietta hing mit so zärtlicher Liebe an ihrer Marianka und den übrigen Kindern, unv die Eltern waren ihr so sehr zu Dank verpflichtet, daß sie ihren Antrag nicht ablehnen konnte. Sie übersiedelten in ein schönes Landhaus, das lem Arzt gehörte, und wo Johanna wohnte; hier ward ihr die Aufsicht über die gesummte Wirthschaft anvertraut. Besseres konnte sie sich gar nicht wünschen. Und so sprach sie auch zuweilen zu den Ihrigen: Kinder, gedenkt der Dinge, die ich euch gesagt, als unsere Herrin mit Fräulein Marietta in unser dürftiges HauS kam. Ich sagte euch damals voraus, daß sie in ihr prächtiges Schloß wieder einziehen und Euch Alle mitnehmen werde. Nun, in der Hauptsache habe ich doch recht gesehen. Ihr seyd hier in einem schonen Landhause, könnt im Garten spazieren gehen, habt reinliche und nette Kleider, und Semmeln statt deS schwarzen Brodes; auch lernt ihr, wenn ihr fleißig seyd, viel gute und nützliche Dinge. Aber bleibet nur dankbar gegen Gott und eure Wohlthäter, und werdet mir nicht hoffärtig und träge. Wie eS heute euch geht, wisset ihr; waS morgen geschehen kann, wisset ihr nicht. Denn Zeit und Weile sind ungleich. Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen BernarduS. (Fortsetzung.) 63. Gebot. Sieben Hindernisse gibt eS, die uns vom Gehorsame gegen GotteS Gebote abhalten. Das erste Hinderniß ist der Bedarf unsers elenden Leibes, der Schlaf, Speise, Kleidung und AehnlicheS verlangt und uns dadurch ohne Zweifel häufig an geistlicher Uebung hindert. Zweitens hindern unö die Fehler deS Herzens, Leichtsinn, Verdacht, Ungeduld, Neid, Lobsucht und diesen ähnliche, welche wir täglich an unS erfahren. Als drittes und viertes Hinderniß nimm an Glück und Unglück dieser Welt. Denn gleichwie der Leib, der verweSlich ist, die Seele beschwert: so drückt der irdische Wohnort den Sinn darnieder, der an Vieles denkt. Das fünfte Hinderniß ist das schwerste und gefährlichste, nämlich unsere Unwissenheit. Denn in vielen Dingen sind wir ganz ungewiß, was wir thun sollen, so, daß wir nicht einmal, wie wir sollen, zu beten wissen. DaS sechste Hinderniß ist unser Widersacher, der wie ein brüllender Löwe herumgeht, suchend, wen er verschlinge. Und wenn wir auch von diesen sechs Widerwärtigkeiten befreit würden, möchte uns doch daö siebente Uebel nicht berühren, und uns keine Gefahr unter falschen Brüdern ergreifen! Wenn doch allein die bösen Geister uns anfallen würden mit ihren Versuchungen, und nicht auch böse Menschen unS schaden würden durch verderbliche Beispiele, durch gewaltsame Ueber- redungen, durch schmeichelhafte und ehrabschneiderische Worte und tausend andere Arten der Verführung! 64. Geburt Christi. Zweierlei Dinge betrachte ich in der Geburt deS Herrn, die nicht nur verschieden, sondern auch einander sehr unähnlich find. Denn der Knabe, welcher geboren wird, ist Gott, und die Mutter, von der er geboren wird, ist eine Jungfrau; und die Geburt selbst ist ohne Schmerz. 65. Geburt deS Menschen. Zu jenen eile ich, die durch den Tod deS LeibeS aus der Welt gingen. Wenn ich ihre Gräber betrachte, finde ich in denselben nichts, als Asche und Würmer, Gestank und Schrecken. WaS ich bin, das sind sie gewesen, und waS sie jetzt sind, werde ich seyn. WaS bin ich? Ein Mensch aus flüssiger Feuchtigkeit. Denn ich bin im Augenblicke der Em- pfängniß von menschlichem Samen empfangen. Dann ist der geronnene Schaum durch einiges Wachsthum Fleisch geworden. Darauf bin ich weinend und klagend dem Verbannungöorte dieser Welt übergeben worden: und siehe, nun sterbe ich voll Sünden und Abscheulichkeiten. 66. Gedanken. Wie der Gedanke an die Sünde entfärbt, die Begierde verwundet, so tödtet die Einwilligung die Seele ganz. Hüten wir unS also vor unnützen Gedanken, damit das Angesicht unserer Seele schön bleibe. Wenn aber doch manchmal ein schädlicher Gedanke in das Gemüth sich einschleicht, arbeiten wir mit aller Sorgsamkeit, den Schmutz schneller abzuwaschen und auszukratzen, ehe wir uns ganz beschmutzt sehen, indem wir mit dem Psal- misten rufen: „Besprenge mich mit Hyssop, so werde ich gerei- niget: wasche mich, so werde ich weisser, als der Schnee." Ein Geschäft der Teufel ist eS, böse Gedanken beizubringen, unser Geschäft, sie auszuweiden. Wie ein Abgrund nicht ausgeschöpft werden kann, so kann auch daS Herz des Menschen von seinen Gedanken nicht ausgeleert werden, sondern mit beständiger Regsamkeit treiben sie sich darin herum. „Ein großes Meer ist das Herz, daS ausbreitet seine Arme, daselbst ist Thiergewimmel ohne Zahl, Thiere, klein und groß." Denn gleichwie das Thiergewimmel im Verborgenen kriecht, und in Krümmungen und Windungen bald da bald dorthin kommt; so gehen u» Gewissen deS Menschen schädliche Gedanken ein und aus. Dieses kannte sehr wohl Jener, der da sagte: „Aller Menschen Herz ist böse und unerforsch lich: wer durchschaut eS?" Gleichwie eine mit Luft angefüllte Blase zerplatzt, so bricht auch ein mit eiteln Gedanken angefülltes Herz in starkes Gelächter aus. 67. G ed u l d. BeideS bist du mir, Herr Jesus, sowohl ein Spiegel im Leiden als auch der Lohn deS Leidenden. BeideS fordert zur Tapferkeit auf und entzündet dieselbe. Du lehrest meine Hände den Kampf deiner Tapferkeit: du krönest nach dem Siege mein Haupt mit der Gegenwart deiner Herrlichkeit. Wahre Geduld ist Leiden oder Thun gegen daS, was gelüstet, aber nicht gegen das, waS erlaubt ist. Ertrage Alles für Gott, der für dich Größeres ertragen hat! Wahre Geduld wird nicht erworben und bewahrt, außer durch tie- feste Demuth. Die Ungeduld ist daS Verderben der Seele. „Jene, welche die Anfechtungen in der Furcht deS Herrn nicht angenommen, sondern ihre Ungeduld und die Schande ihres Murrens vor den Herrn gebracht haben, die sind von dem Nerderber vertilget und von den Schlangen getödtet worden." 68. Gehet m n i ß. Drei Dinge sind verborgen, eine unerlaubte Handlung, eine hinterlistige Absicht und eine schaamlose Begierde. Eine schlechte That befleckt das Gedächtniß, eine hinterlistige Absicht den Verstand oder daS Gemüth, eine unverschämte Begierde den Willen. Gereiniget wird das Gedächtniß durch die Beicht, daS Gemüth durch Lesung, der Wille durch Gebet. 69. Gehorsam. Weder die Mühe einer guten Handlung, noch die Ruhe heiliger Betrachtung, noch auch die Thräne deS BüßerS können außer dem Gehorsam bei dem angenehm seyn, der einen solchen Gehorsam hatte, daß er lieber das Leben, als den Gehorsam verlieren wollte, „indem er gehorsam bis in den Tod." Der vollkommene Gehorsam kennt kein Verbot; er wird nicht eingeschränkt durch Gränzen, und ist nicht eingeengt durch Ablegung der Gelübde, sondern sein freigebiger Wille fliegt hinaus in die Breite der Liebe, und die Schwungkraft der Seele dehnt sich auS in unendliche Freiheit. Der Gehorsam, der den Vorgesetzten geleistet wird, wird Gott geleistet. WaS daher ein Mensch an der Stelle GotteS befiehlt, daS ist so anzusehen, als befehle es Gott, wenn eS anders nicht gewiß ist, daß eS ihm mißfalle. Denn waS ist für ein Unterschied, ob Gott durch sich oder durch seine Diener, ob er durch Engel oder Menschen unS seinen Willen kund gibt? 70. Der heilige Geist. Der Geist haßt den Schmutz, und wohnt nicht in einem Leibe, der den Sünden untergeben ist. Denn wem es eigen ist, die Sünden zu vertreiben, dem ist eS auch eigen, die Sünden zu hassen, und nicht in Einem Hause zugleich weilen Reinigkeit und Unreinigkeit. Wenn also Jemand den heiligen Geist empfangen hat durch die Heiligmachung, ohne die Niemand Gott anschauen wird, darf ein solcher eS wagen, vor seinem Angesichts zu erscheinen, als gewaschen und gereiniget, der zwar seine Hand-, lungen, nicht aber seine Gedanken bezähmt hat? Weil aber verkehrte und unreine Gedanken von Gott trennen, so muß man beten: „Ein reineö Herz erschaff in mir, o Gott, und den rechten Geist erneuere in meinem Innern. Verwirf mich nicht von deinem Angesichts, und deinen heiligen Geist nimm nicht von mirl" 71. Geist deS Menschen. Gleichwie die Seele in den Augen sieht, in den Ohren hört, mit der Nase riecht, mit dem Gaumen schmeckt, mit dem ganzen übrigen Kör- 17k per berührt: so wirkt Gott in verschiedenen Geistern Verschiedenes. So zeigt er sich z. B. in Einigen als die Liebe, in Ändern als die Weisheit, und wieder in Andern wirkt er Anderes; und bei einem Jeden macht sich der Geist zum Nutzen kennbar. 72. G e i st. Ein guter Besitz ist ein guter Geist. Ein guter und bescheidener Geist, ehe er redet, überlegt vorher, was er sage, an welchem Orte und zu welcher Zeit er eS sage. Daher geschrieben ist: „Ein weiser Mensch schweigt bis zur rechten Zeit." 73. G e i z. Der Geizige hat Hunger nach Zeitlichem wie ein Bettler, treu bewahrt er es wie ein Herr. Jener bettelt, indem er besitzt, dieser erhält eS, indem er es verschmäht. Der Geiz fährt mit einem vierräderigen Wagen; die Räder sind der Kleinmuth, die Unmenschlichkett, die Verachtung Gottes, die Vergessenheit dcS Todes. Die ziehenden Pferde sind Filzigkeit und Raubsucht, und diese leitet als Fuhrmann die Begierde nach Geld und Gut. Andere Lasier haben mehrere Diener. Der Geiz allein ist mit einem einzigen Diener zufrieden. 74. Gel ü b d e. Gleichwie eS denen, die etwas Größeres gelobten, nicht erlaubt ist, auf Kleineres Herabzugehen, daß sie nicht abtrünnig werden, so ist es nicht für Alle nützlich, vom Kleinern zum Großem überzugehen, damit sie nicht von der Hohe herabstürzen. 75. G e n u g t h u u n g. Demüthig und geschämig muß die Genugthuung seyn, wodurch die stolze Uebertretung verbessert werden soll. Eine würdige Genugthuung ist, das verübte Böse zu verbessern, und nicht zu wiederholen, was der Besserung bedurfte. 76. Genuß GotteS. „Ich muß schweigen, ich muß schweigen!" Nicht Allen wird an Einem Platze gegeben der Genuß der süßen und geheimnißvollen Gegenwart des Bräutigams, sondern wem eS vom Vater desselben bereitet ist. Denn nicht wir haben unS erwählt, sondern Er hat uns erwählt und uns gesetzt: und wohin einer von ihm gesetzt ist, da ist Er. Ein Weib fand ihren Platz zu den Füßen Jesu, eine andere bei seinem Haupte, Thomas in seiner Seite, Johannes an seiner Brust, Petrus im Schvoße des Vaters, Paulus im dritten Himmel Wer von unS kann genugsam unterscheiden diese Verschiedenheiten der Verdienste oder vielmehr der Belohnungen? 77« Gerechte. Gerecht ist, wer sich selbst am ersten beschuldigt: gerecht ist auch, wer aus dem Glauben lebt: gerecht ist ferner, wer ohne Furcht lebt. Der erste ist gut, weil er zum Leben geht, der zweite ist besser, weil er den Weg durchlauft, der dritte ist der beste, weil er sich schon dem Ziele des Lebens nähert. 78. Gerechtigkeit. Gleichwie die körperliche Sonne, obwohl sie gut und sehr nothwendig ist, durch ihre Hitze und durch ihren Glanz, wenn beide nicht gemildert werden, schwachen Köpfen und Augen schadet, dieses aber nicht Schuld der Sonne, sondern der Schwachheit ist, so verhält eS sich auch mit der Sonne der Gerechtigkeit, daher es auch heißt: „Wolle nicht gar zu gerecht seyn!" nicht, als wäre die Gerechtigkeit nicht gut, sondern weil wir schwach, muß die Gerechtigkeit durch Gnade gemildert werden, damit wir nicht etwa in Stolz und Unbedachtsamkeit verfallen. 79. Gericht GotteS. In dieser Verbannung ist Christus sanft und liebenswürdig, im Gerichte wird er gerecht und furchtbar, in seinem Reiche herrlich und "wunderbar seyn. Hier ist er der Lenker der Sitten, im Gerichte der Unterscheid er der Verdienste, in seinem Reiche der Auö theil er der Belohnungen. ES wird ein Tag kommen, an dem der Richter keinen Zeugen braucht, wo die Wahrheit die Absichten erforscht, wo die Untersuchung der Schuld in die Geheimnisse des Herzens dringt. Wo endlich jener göttliche Blick die verborgensten Schlupfwinkel der Gemüther aufspüren wird, wo bei jenem untergelegten Feuer der Sonne der Gerechtigkeit die Herzen der Menschen an den Tag geben werden, waS sie verbargen. Dort werden die Thäter und Beistimmer mit gleicher Strafe belegt werden. Dort haben die Diebe und Diebsgenossen einen gleichen Richterspruch zu erwarten. Dorr werden ein gleiches Gericht erfahren, welche zur Sünde anlocken und sich von reu Sündern verlocken ließen. Scheyern. Unter den vielen Instituten in unserm Vaterlande ist Eines, daS wenig bekannt ist, und doch mit Recht hervorgehoben zu werden verdient. Es ist daS Institut in Scheyern bei Pfaffenhofen an der Jlm.— Dort, wo einst daS Stammschloß der durch Waffenthaten in Bayern hoch berühmten Grafen von Schyren — der Ahnen unsers KönigShauseS — liegt auf einem von allen Hochstraßen abgelegenen Platze das Benedictiner-Kloster, welches König Ludwig 1838 stiftete, und daö nun seit 10 Jahren segensreich für die Bewohner der Umgegend wirkt. Mit diesem Kloster ist ein Knaben- Erziehungs-Jnstitut verbunden; wenn auch nur 3 lateinische Curse bestehen, so ist doch gerade die wissenschaftliche Grundlage eine Hauptsache, die in Scheyern gerühmt zu werden verdient. Referent hatte seinen Sohn im Institute und Gelegenheit, sich von dem innern Wesen deS Institutes hinreichend zu überzeugen. Nicht nur, daß der Unterricht in der lateinischen Sprache, so wie überhaupt in allen Gegenständen, die in den lateinischen Schulen gelehrt werden, ein gründlicher ist, sondern eS weht ein wahrhaft gotteSfürchtiger, ein religiöser Geist in diesem Institute; in allen wissenschaftlichen Fächern, wie in der ganzen Erziehungsweise überhaupt kann man dieß wahrnehmen, und es ist dieß ein großer Trost für die Eltern; denn nur diejenge Erziehung hat einen Werth, die auf einem wahrhaft christlichen Principe beruht. O wie schön ist der Bund, eine Art Bruderschaft, die in diesem Institute besteht, in welchem nur Zöglinge von erprobter Sittsamkeit aufgenommen werden können; dieser Bund ist eine Aufmunterung und Aneiferung für Jene, welche noch nicht Mitglieder sind, und eine Befestigung deS Guten bei Denjenigen, die bereits dem Bunde angehören. Aber bei all diesem sieht man nichts von Bigottem, Kopfhängerischem u. s. f. an den Zöglingen. Nicht nur, daß sie stets in ungezwungener Fröhlichkeit sich bewegen, wird auch die gehörige Rücksicht genommen aus äußere Haltung und Anstand; sie haben statt der anderswo eingeführten Turnübungen militärische Uebungen und Spiele, und zeichnen sich hierin auS, so wie in ihren Schauspielen, die sie von Zeit zu Zeit aufführen; ihre musicalischen Leistungen sind gleichfalls vorzüglich, und bei all dem die financiellen Ansprüche, die an die Eltern gemacht werden, außerordentlich bescheiden, so daß das Institut, wenigstens in Anbetracht seiner II. Abtheilung, in welcher sämmtliche Kosten nicht einmal die Summe von 100 fl. jährlich erreichen, fast als eine Wohl thätig keitS-Anstalt erscheint. ES ist aber auch ein WohlthätigkeitS-Jnstitut in geistiger Beziehung, daS einen tiefen Eindruck auf den Berichterstatter, — der noch obendrein mit Vor urtheilen eS betrachtete, ehe er es genau kennen gelernt hatte — machte. Unvergeßlich bleiben ihm die inhaltschweren Worte, die der würdige geistreiche Rector (P Ludwig) bei Gelegenheit der Preiseverthei- lung jüngst an die Zöglinge in öffentlicher Versammlung gesprochen; nachdem er die moralische Erziehung als einen Krieg, und zwar als einen Defensiv-Krieg gegen daS Böse, und einen Offensiv-Krieg für daö Gute dargestellt, und auf eine schöne Weise die militärischen Spiele der Zöglinge (in diesem Jahre 83 an der Zahl) eingeflochten hatte, schloß er mit den Worten: „Ihr möget die Studienbahn nun verlassen, oder hier, oder anderswo fortsetzen, vergesset nur nicht, daß Ihr den kostbaren Schatz Eurer einzigen Seele im unermüdlichen Kampfe zu vertheidigen habet gegen einen Feind, der seine Angriffe nickt sogleich mit dem groben Geschütze schwerer Vergehen, sondern mit dem Kleingewehrfeuer scheinbar unbedeutender Leichtfertigkeiten und Vernachlässigungen beginnt, und Euch, wenn auch langsam, doch um so sicherer in seine Gewalt bekommen wird, je sorgloser und schläfriger er Euch im Defensiv- Krieg gegen das Böse gemacht haben sollte. Ja stehet fest, rufe ich Euch nochmal mit dem großen Völkerlehrer zu, ergreifet GotteS Waffen, damit Ihr in dieser bösen Zeit Widerstand leisten, und in Allem Euch unverrückt aufrecht erhalten könnet." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer Vierteljähriger Abon« nemnltspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr„ ohne irgend einen weiteren Post - Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzcitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags - Peibtatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buch, Handel sönnen diese Blältcr bezogen werde». Der Preis beirägt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 2» kr. Neunter Jahrgang M 43. 1 L. November L84S. Allocution deS ErzbtschofeS von Paris bei Eröffnung des Concils. Ehrwürdige Vater und Collegen! Geliebte Mitarbeiter! Gott erhört in diesem Augenblicke einen unserer heißesten und langgcuährten Wünsche. Ewig sey er dafür gebenedeit; denn eS ist ja das erste Bedürfniß unsers von Freude und Hoffnung erfüllten Herzens, sich zu erheben zu dein Geber und Vollbringen alles Guten, und ihm zu danken, daß Seine Hand unö vereinigt hat zu dieser heiligen Versammlung. Bitten wir ihn, daß er Sein Werk auch vollende, dadurch, daß er, getreu seinem AuSspruche, unter uns verbleibe, und uns erleuchte mil Seinem Lichte, daß er uns den Geist der Weisheit und der Stärke gebe, damit für die Kirche sowohl als für die Gesellschaft, welche beide gegenwärtig von so fürchterlichen Stürmen aufgewühlt stnv, diese Versammlung zum Heile werde, eine Versammlung, die schon dann von der höchsten Bedeutung wäre, wenn sie gar nichts anders thun würde, als den ersten Schritt verzeichnen auf dem allen, jedoch heut zu Tage neuen Wege, auf den die Vorsehung uns hingewiesen hat. Ja, die Concilien sind es, die zugleich das Heil der Kirche wirken, und auf eine kräftige Weise beitragen zum Wohle der Gesellschaft. Man hat sich genug bemüht, Kirche und Staat einander feindlich gegenüber zu stellen, die wechselseitigen Beziehungen, durch die sie eng verbunden sind, zu läugnen, unv sie für völlig von einander unabhängig zu erklären; fruchtlose Mühe! man kommt allmälig doch zur Einsicht, daß die Gesellschaft in zeitlicher unv geistiger Hinsicht einer göttlichen Grundlage bedarf, und daß beide Gesellschaften, ähnlich zwei großen Bäumen, die zwar getrennt stehen, aber in den Wurzeln vereinigt sind, einen und denselben Boden, eine und dieselbe Triebkraft besitzen. Nur zu gut haben wir dieß erfahren. Menschliche Weisheit wollte für sich allein den Staat aufbauen. Wie rühmte sie sich der geistreichen Berechnungen, die sie entdeckt hatte! Mit Stolz wies sie hin auf ihre Armeen, ihre Befestigungswerke, auf den Fortschritt der Industrie unv den Ueberfluß an Reichthümern. Und in Einem Augenblicke waren alle die materiellen Kräfte dahin. Beim ersten Andränge deS Sturmes stürzte alles über den Haufen; und eS ist etwa nicht bloß Ein Reich, Eine gesellschaftliche Form zu Grunde gegangen — nein; sondern indem der Sturm die Grundfesten der Staaten bloßlegte, konnte man sehen, daß diese Grundfesten gänzlich unterminirt, und von einem völligen Einsturz, einer vollständigen Zcrbröcklung bedroht waren. — Die Lehre war eine strenge, aber sie fand zugängliche Gemüther. Herzen, die mit eisernen Banden an daö Irdische gekettet waren, kehrten zum Himmel zurück, und ähnlich dem Matrosen, der daran ist, von den Fluthen verschlungen zu werden, riefen sie Gott in ihrem Elende zu Hilfe, und vertrauten auf die Stärke Seines Armes, und den Beistand Seiner Religion. Die Religion ist also die Lebenskraft der menschlichen Gesellschaft. Die Religion nur gibt den Frieden, die Eintracht der Gemüther, die wahre Freiheit, die wahre Menschenwürde, Liebe und Nachsicht mit den Schwachen, Gedulv und Ergebung, ächten Opfergeist, und Linderung im Unglücke, sie verleiht den Gesetzen Wahrheit, den Oberen Gerechtigkeit, den Bürgern Achtung vor der Behörde; ohne sie gibt es nur eine Herrschaft der Selbstsucht und der glühendsten Leidenschaften: ohne sie herrschen nur Genußsucht und Verachtung der Geringeren in den Reichen, und Haß gegen diese in dem Herzen der Untergebenen, bürgerliche Zwiste, brudermörderische Kriege; wo die Religion verschwunden ist, dort ist kein menschliches Band, keine Achtung vor dem Gesetze, keine Ordnung — keine Gesellschaft mehr möglich. Nun ist eö die Kirche, welche daS Ganze der religiösen Gesellschaft ausmacht, ja sie selbst ist die inS Werk gesetzte göttliche Religion. Was die Kirche an Stärke verliert, um das vermindert sich auch der Einfluß der Religion. Die Kirche wiederherstellen in ihrer Disciplin und ihrer Sitte heißt also der Religion ihre ganze Stärke wieder geben, und zugleich an dem Wiederaufbau der Gesellschaft arbeiten. — Seit mehreren Jahrhunderten her haben die, welche an der Spitze der Völker standen, durch die kläglichste Unbesonnenheit geleitet, alle Kräfte aufgeboten, der Kirche Hindernisse in den Weg zu legen, ihren Bestand zu untergraben und ihren Einfluß aufzuheben; man weiß nun, wohin dieß alles geführt hat; möchte man doch diesen Grundsatz für immer aufgegeben haben. Man fürchtete die Kirche; mau suchte in ihr eine Theilung, somit Schwächung herbeizuführen; man löste sie so sehr als möglich von ihren Häuptern und trennte die Glieder eines vom andern; besonderen Schreck hatte man vor diesen Versammlungen, a»S denen sie neue Stärke schöpft, in welchen sie eingerissene Mißbräuche abstellt und ihre Disciplin kräftigt, unv durch den Eifer ihrer bewunvernSwerthcu Hierarchie fester knüpft die Bauve der Einheit. Gegenwärtige Versammlung ist ein sprechenveS Zeugniß, daß andere Zeiten gekommen siuv, unv von nun au mehr Weisheit walte in den Beschlüssen Jener, welchen rie Geschicke veS VatörlanveS anvertraut sind. Beweisen wir, ebrwürcige Väter unv geliebte Mitarbeiter, unsern Dank dafür dadurch, daß wir hier an dem Heile der Kirche arbeiten, und dabei zu gleicher Zeit daS Wohl der Gesellschaft zu beförvern streben. Einen wesentlichen Punct dürfen wir in diesem Concilium nie auS dem Auge verlieren — denn va eS unmöglich ist, alle unsere Uebel auf einmal zu heilen, so werdet Ihr alle Eure Aufmerksamkeit auf jenes gerichtet haben, welches daS allgemeinste unv gefährlichste ist. Ihr habt die Meinung ausgesprochen, daß dieses Uebel darin zu suchen sey, weil alle Achtung vor der Autorität aus den Gemüthern verschwunden ist; und wahrlich, dieses Uebel ist die Hauptkrankheit unserer Zeit. Die Gesellschaft löst sich allenthalben auf, weil mau an keine Autorität, kein Gesetz glaubt, und jene weder liebt, noch achtet. In der Kirche glaubt man wohl an sie, aber achtet man sie auch immer? Der Sturm deS Jahrhunderts ist auch über uns dahingegangen, und hat seinen verhängnißvollen Samen ausgesäet; nun sproßt das Unkraut auf dem Felve des HauSvaterS, und eö ist Zeit, dasselbe auszujäten, daß es den Acker nicht weiter verderbe. Glück für uns, daß Gott selbst der Stifter unserer Kirche, und Er, der Ewige, immer mit unS ist. Damit die Kirche stark und blühend sey, bedarf sie weiter nichts, als daß sie frei sey. Ihr seyd im Begriffe, ehrwürdige Väter und geliebte Collegen, hier wiever eng zu knüpfen die Bande der Ergebenheit, der Liebe, der Ehrfurcht, welche unS mit dem apostolischen Stuhle vereinigen. Dieser Stuhl hatte einen Augenblick, wir werden eS nie vergessen, für unsern geliebten Papst, der ihn gegenwärtig einnimmt, eine Aehnlichkeit mit einer Säule, an welcher Christus gegeißelt und bespiecn wurde; möchte doch der Ausdruck unserer Gefühle ihm zu einiger Linderung seines Schmerzes seyn. Die allumfassende Gewalt deS Oberhauptes der Kirche, als Ausfluß und Darstellung der Gewalt Jesu Christi, ist hier aus Erden die Grundlage und Wurzel aller geistigen Gewalt. Diese ist der erste Ring, an dem sich sofort die ganze Hierarchie anschließt; diese ist der Grundstein, ohne welchen das ganze Gebäude zusammenstürzen müßte. Ihr werdet in Zukunft, so viel an euch ist, beitragen zur regelmäßigen Wiederkehr dieser heiligen Versammlungen, deren lauge Unterbrechung so viele Uebel herbeigeführt hat. Die Concilien stellen die Kraft und die lebendige Einheit der Kirche dar; sie mahnen zur Achtung der älteren Gesetze, sie geben den neueren, deren Einführung den Bischöfen nöthig erscheint, mehr Kraft und Ansehen. Diese Decrete, an sich schon bindend, in so fern sie nicht gegen die allgemeinen Kirchengesetze und nicht gegen 178 die Vorrechte deS heil. Stuhles find, werden einen noch weit ehrwürdigeren Charakter annehmen, wenn sie niedergelegt zu den Füßen des höchsten Kirchen Oberhauptes, seine Bestätigung und seinen Segen erhalten haben. Die Wiedereinführung der Synoden ist eine Folge der Provincial- Concilien. Sie repräsentiren die Einheit der Diöccse. Die Gewalt der Bischöfe stützt sich in derselben auf die Eintracht der Herzen und auf eine heilige Gemeinschaft der Gedanken und Gefühle, die ihm Liebe und Achtung sichern. Im Schooße der Synode ist es, wo jeder Bischof nach den Vorschriften deS heiligen Concils von Trient seiner Diöccse die auf dem Provincialconcil gefaßten Beschlüsse ordnungsmäßig bekannt macht. Ihr werdet auch ohne Zweifel in dieser unserer ersten Versammlung einige zu erinnern haben, welche zu vergessen scheinen, daß daS RegierungS- amt in der Kirche den Bischöfen zukommt. Diese sind die Häupter deö Klerus und der Gläubigen. Die Capitel kommen ihnen zu Hilfe mit ihrem Gebete und ihrem Rathe. Die Pfarrer sind ihre Stellvertreter bei den einzelnen Heerden, welche durch die ganze Diöccse zerstreut sind. Die übrigen Priester sind ihre Kinder und zugleich ihre Bruder und Mitarbeiter. WaS gibt eS herrlicheres und dauerhaf tereS, als solch eine Constitution, die durch Ein Glied die Pfarre nut der ganzen übrigen Diöccse, die Diöccse mit der Metropole, die Metropole mir der Mutter und Königin aller Kirchen innigst vereint, und die auS dem höchsten Kirchenhaupte, den Bischöfen, den Priestern und den Gläubigen einen Körper bildet, der gleichsam nur Ein Herz und Einen Sinn hat! Irrthümer, welche die Grundlagen der Religion und der Gesellschaft berühren, werden die gerechte Strenge und Verdammung durch das Concilium erfahren. Einige dieser Irrthümer stürzen die Grundsätze der Ge rechtigkeit um, andere die der Liebe. Auch einige mystische Irrthümer, die sich in unsern Diöcesen Geltung verschaffen wollen, werden unsere Wachsamkeit in Anspruch nehmen. Die Eintracht der Geister und Herzen wird auch die äußere Einig keit herbeiführen, und diese findet ihre Vollendung im Glauben. Sie muß sich aber auch zeigen in den Gebräuchen und Ceremonien. Ihr werdet daher, ehrwürdige Brüder, dahin arbeiten, daß letztere durchgeführt werde, dadurch, daß ihr unsern Diöcesen allgemeine Vorschriften gebet, denen au» euerer Uebereinstimmung großes Ansehen erwachsen wird. Jede Autorität muß, wenn man sie achten soll, auch geregelt seyn. Willkür und Mißbrauch der Gewalt werden von dem Geiste und den Gesetzen der Kirche gleichmäßig verworfen. Wir werden in diesem Geiste und im Sinne dieser Institutionen mit unsern Urtheilen Billigkeit, mit unserer Amtöverwaltung Weisheit, und mit der Macht Mäßigung und Barmherzigkeit in Verbindung bringen. Wie ihr wißt, ehrwürdige und geliebte Mitbrüder, gereichte der Kirche die Wissenschaft ihrer Diener von jeher zu besonderem Glänze Heut zu Tage thut eS Noth, daß diese Wissenschaft kräftiger und ausgedehnter sey, denn je, vermöge der Verhältnisse, in denen wir leben. Wir stehen nicht mehr in jenen Tagen deS Glaubens, wo die Elemente der theologischen Wissenschaften dem Priester genügten, um seinem Charakter Achtung zu verschaffen. Die Entwicklung deS menschlichen Geistes in mancherlei Beziehungen, die Verbreitung gewisser zum Theile wahrer, zum Theile falscher Ansichten, ja die Natur der Angriffe selbst, welche der Un« glaube gegen die Religion richtet, machen die Nothwendigkeit gründlichen Wissens zur dringendsten. Ihr werdet vielleicht bemerken, baß hie und da die theologischen Studien einer Verbesserung bedürfen. Denn dadurch, daß wir Priester bilden, die eben so ausgezeichnet sind durch Frömmigkeit als durch Wissenschaft, sichern wir am besten die Heilkraft der Kirche, arbeiten wir für daS allgemeine Wohl, und thun daS, was in diesem Augenblicke Vielleicht wohl das Wichtigste ist. Die meisten Uebel für die Gesellschaft entspringen auS der schlechten Kindererziehung, der schlechten Erziehung in der Familie, und nur zu oft auch in der Schule. Wenden wir auch nach dieser Seite hin unsere Sorgfalt, und trachten wir dahin, daß ein religiöser Geist Familie und Schule immer mehr durchdringe. Welchen Dienst würden wir der Kirche und der Gesellschaft erweisen durch Gründung von Anstalten, in welchen die Jugend, vor Gefahren gesichert, in Frömmigkeit, ohne welche eS keine wahre Weisheit gibt, erzogen würde, durch Vermehrung der guten und gotieS- fürchtigen Lehrer, und durch Heranbilvung einer neuen Generation, die durchdrungen von dem Bewußtseyn und den Grundsätzen deS Glaubens, sich unterscheiden wird von den jetzigen Generationen ohne Glauben und ohne Ueberzeugung, deren schwankender Geist dem Andringen der verschiedensten Meinungen Preis gegeben ist, und mit denen man nie im Stande seyn wird, für den Ruhm der Kirche oder den Frieden der Welt etwas dauerhaftes zu stiften. DaS Ziel also, daS wir uns hier vorgesetzt haben, ehrwürdige Väter und geliebte Brüder, ist ein großes und heilbringendes. Um dieses zu erreichen, haben wir nichts versäumt, weder von dem, waö die heilige Kirche vorschreibt, noch von dem, was die Klugheit gebietet. Wir baden ausgezeichnete Männer in unsere Mitte berufen, deren Weisheit und Frömmigkeit sie unserm Vertrauen gleichmäßig empfehlen; tiefcenkende Theologen und Eanonisten sind bereit, uns in allen Fragen, die einige Schwierigkeit haben könnten, mit ihren Einsichten zu Hilfe zu kommen. UebrigenS vergessen wir nie, daß alle VorstchtSnahmen fruchtlos, alle unsere Hilfsmittel eitel seyn würden, wäre Gott nicht in unserer Mitte. Nein, meine ehrwürdigen Väter und geliebten Mitarbeiter, wir für uns allein vermögen nichts; aber wir vermögen Alles in dem, der" unsere Hoffnung und unsere Stärke ist; wenden wir uns während unserer Arbeiten unaufhörlich zu ihm. LXffnen wir unsere Herzen seinen Eingebungen, und so vereinigt mit Gott und einig unter uns selbst, werden wir die Hindernisse besiegen, welche sich uns in den Weg stellen, und welche die Erreichung dieses Gutes, das wir um der Ehre Gotteö und des Heiles unserer Brüder willen, anstreben, vereiteln könnten. Reisebetrachtungen. / Im Oct. 1849. ES ist eine vortreffliche, ganz naturgemäße Einrichtung, daß Lehrern und Schülern nach langen Mühen auch eine Zeit der Erholung geboten wird. Und diese Zeit der Ruhe ist, recht angewendet, durchaus kein Stillestehen im Gebiete der Tugend und deS Wissens; sie ist es vielmehr, welche die unentbehrliche Ergänzung herbeiführt. Es erwächst in der That für den Schüler, um nur von diesem zu sprechen, in und mit dieser Ferienzeit eine neue Aufgabe. Schule und Leben begegnen sich hier. Ein jegliches macht sich geltend, und eS braucht nicht erwähnt zu werden, von welchen verschiedenen Folgen eS seyn könne, wenn Schule und Leben sich friedlich begegnen, einander fördern und heben, und so die beabsichtigte Vollendung in dem jungen Menschen herbeizuführen sich anschicken, oder wenn sie einander bekämpfen, und vernichtenden Einfluß gegenseitig auszuüben streben. Die Schule nähre sich an dem Leben, das Leben finde ihr seine Regelung. Wer mühsam zu Fuß auf der Reise sich fortschleppt, oder in einem Eil- oder Stellwagen eine oder mehrere Nächte durchführen mußte, wird dem menschlichen Geiste für die staunenSwürdige Erfindung der Eisenbahn- fahrten Dank wissen. Vermittelst dieser Gelegenheit war ich nach Kauf- beuern gekommen, und halle dort im Bahnhöfe die Freude, einen mir von früher her werthen Freund zu treffen, der ebenfalls von Ferne kommend, mir die Absicht seiner Reise sogleich dahin erklärte, daß er bei der am folgenden Tage in Psorzen bei Kaufbeuern stattfindenden Primize als Diacon sich beiheiligen wolle, und da ich dem Primizirenden ebenfalls auS früherer Zeit nicht unbekannt war, so entschloß ich mich, an seinem Feste Theil zu nehmen. Ick unterlasse eS, die schonen Veranstaltungen zur Verherrlichung der Festseier hier zu erwähnen; mich drängt eS, auf die Hauptsache hinzudeuten. Eine große Anzahl von Christgläubigen hatte sich eingesunken, der Feier beizuwohnen. In dem Angeflehte Aller drückte sich sehnsüchtiges Erwarten der Feier, und bei der Dauer derselben andächtige, glaubenSvolle Hingabe an dieselbe auS. Wie horchten sie auf die Worte des frommen, begeisterten Redners! welche Seligkeit, welch' himmlischer Friede sprach sich in ihnen auS, alö daS heilige Opfer begann, und die Töne der Musik daS Herz zu andächtigen Gefühlen stimmten! o welche Freude für den Freund des Christenthums! tief wurzelt in diesen biedern Oberländern des SchwabenlandeS der Christusglaube; nicht leicht schließt sich eine Cbristenseele mit solcher Hingabe für Christi Wort auf, wie eS bei diesen Oberländern zu sehen ist, und wenn auch die Wühler in politischen Dingen manchmal hierlandcS leider! ein bereitwilliges Ohr fanden: die Reinheit ihres Glaubens zu trüben, wird ihnen nicht gelingen. DaS Volk erscheint bei solchen Primizfeierlichkciten in der That als geschmückte Braut; denn eS weiß, daß der neugeweihte Priester daS christliche Volk, die Kirche sich zur Braut gewählt, und somit Christum Jesum den unsichtbaren Bräutigam auf Erden darstellt. Zum großen Aerger mancher läßt sich auch hier sehen, daß daS Volk seine Priester, eben auf der oben berührten Vorstellung fortgehend, noch liebt; und läßt sich auch da und dort, nicht gerade selten, ein Tadel über Seelsorger vernehmen, so ist, abgesehen davon, daß er persönliche Eigenschaften eines Priesters betreffend hie und da gegründet seyn mag, derselbe, in so fern er auS dem Munde der Pfarr« kinder kommt, oft nicht so hoch anzuschlagen. Unter diesem Tadel ist die Liebe doch nicht erloschen, wie dieses gleichnißweise auch bei einander sehr geneigten Eheleuten öfters wahrzunehmen ist; und auch daraus erkannt werden kann, daß ein Fremder nicht leicht eben so tadelnd sich über den OriSgeistlichen auSlassen dürfte. Gegen Abhaltung von Primizen haben sich indeß schon viele Stimmen, und nebenbei sehr competente, erhoben. 17S Allein eine Unterscheidung wird die Sacke leicht anders erscheinen lassen. Die kirchliche Feier bleibe; das waS sich weltlicherscitS an dieselbe anschließt, und dem Primizianten seinen Frcudentag oft ganz verbittert, daS suche man wegzuräumen. Dieß sind bekanntlich die Einladungen, daS Gastmahl, daS Opfern u. dgl. Die kirchliche Feier aber hat entschiedenen Nutzen. Bei der oben angeregten günstigen Stimmung deS NolkS wirb daS Wort GolteS fruchtbringend in die Herzen eindringen, die Pracht deS GotteS- diensteS wird die Gemüther aufs neue ergreifen, anflammen und begeistern; der ganze Mensch wird ergriffen, und für das Höhere in Besitz genommen. ES kann dieß zwar bei jedem Gottesdienste auch geschehen, unv geschieht auch; aber der Hang deS menschlichen Herzens zum Außerordentlichen, und der Eindruck deS Letztem auf dasselbe, so wie die Anerkennung deS PriesterthumS, und die Freude, daß es sich wieder um ein Glied verstärkt habe, müssen eben nicht auS der Acht gelassen werden. Und wie mancher gemüth- und talentvolle Knabe, unter der Menge ungekannt und verborgen, hat an einem solchen Tage den großen Entschluß gefaßt, das nemliche glanzvolle Ziel anzustreben, und die Erfahrung hat eS bewiesen, daß Jünglinge und namentlich Jungfrauen von der Macht dieser Feier ergriffen, sich fest entschloßen, bis zum Eintritte in die Ehe rein und unbefleckt sich zu bewahren, oder wenn ihnen dieses Glück des Bewußtseyns entflohen, eS annäherungsweise mit allem Ernste wieder einzuholen. Die freundliche Bewirthung, die ich im Pfarrhofe zu Pforzeu und im Klosterinstitute zu Kaufbeuern erfahren, im Sinne behaltend, hatte ich mich früh von Kaufbeuern aus über die schönen Anhöhen der Gegend dem Dorfe Aytrang, dort einen Freund zu besuchen, zugewendet. Morgenruhe lag noch über der Stadt, aber auf den Bergen herum gegen Süden bewegte sich daS schönste Leben. Von nahe und ferne ertönte der Klang der Dorfglocken, zum Ave Maria Gebete einladend. Da und dort wurde auch zur Messe geläutet. Man sieht bei dem Glockenzeichen, daS die Wandlung deS SacramenteS verkündet, den Landmann sein Haupt entblößen, und betend stille stehen. Als ich weiter, durch ein Buchenwäldchen hin- wanbelte, begegneten mir zwei Betende. Ich zog vor ihnen meine Mütze ab. Lebhaft erinnerte ick mich an die Worte Stauden maierS in seinem „Geist des Christenthums": „deS Menscken größte That ist das Gebet." Ja daS Gebet ist Poesie. Die ganze Pracht der schönen Natur, die majestätische Sonne, daS Sehnen der blauen Berge, der klare Spiegel der Seen, die reichen Feloer und bunten Wiesen, die heiligen Schatten der Wälder, der muntere Sängerchor der Vögel, das trauliche Geläute von der weidenden Viehhcerde hertönend — kurz die in aller dieser Pracht hervortretende Sckönheit, Liebe und Macht Gottes hebt den Menschensinn hinan in eine Region, die noch ober jener blauen Feste sich findet, zu Gott: er betet. Höheres kann der Mensch nicht thun. Und dieser Aufschwung zu Gott, diese Poesie deö Lebens ist diesem Oberländervolke recht eigen. Ja ich möchte überhaupt eS sagen: das Volk im Allgemeinen ist poetisch, und der Dichter muß die poetische Seite deS Volkes vorkehren, zu ihm sprechen, sie demselben anschaulich machen, wenn er vom Volke als Dichter anerkannt seyn will. Hier wurde mir recht klar, was der Apostel an die Römer über die Natur sagt, daß sie ihr Haupt erhebe und der Verherrlichung der Kinder Gottes entgegenhalte. (Röm. 8, 19.) Ja wahrlich, wie das Menschenherz in der Feier deS Morgens sich zu Gott gehoben fühlt, und zwar zu Gott — nicht in jenem allgemeinen, verschwommenen Begriff, wie der Deismus sich Gott auf alle mögliche Weise denken mag — sondern zu Gott, wie er uns in Christo wieder an sich gezogen hat, und durch den Geist erleuchtet; wie daS Menschenherz auf diese Weise seine Herrlichkeit sich entgegensehnt. und sie im Abrisse schon vor sich liegen zu sehen glaubt; so kam mir die Natur vor, als lebe sie, als schließe sie sich voll SehnenS und Glaubens auf, um wie der Mensch und mit dem Menschen das Göttliche in sich hineinzuziehen und in ihm glückselig zu seyn. Der Apostel sagt weiter (v. 26.), daß die Natur der Leerheit unterworfen sey, er sagt, daß eben dieses sie bewegt zu seufzen und zu jammern (v. 22.); aber sie hat die Hoffnung der Befreiung, (v. 21.) Diese Leerheit, dieses Gefühl deS Ungenügenden, welche im Menschen und in der Natur eine Folge deS Abfallens von Gott sind, will die Natur (wie der Mensch) von sich werfen. Diese ihre Lage in dem Nichts preßt ihr Seufzen auS, und ihr Schmerz. Aber dieses Seufzen, dieser Schmerz ist kein ewiger; eS leuchtet die Hoffnung auf die Befreiung. Die Befreiung kommt aber von oben, von Gott in Christo, und dorthin erheben die Guten und mit ihnen die Natur ihr Haupt, und erwarten die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder GotteS. Diesen eben bezeichneten Charakter mutz die wahre Poesie haben; die falsche unserer Tage, die Poesie deS Weltschmerzes, krankhaften Gefühles und doch auch wieder deS Stolzes kommt zu keinem Ziele, zu keiner Rettung, und endet im Verderben, als dessen sichtbare Erscheinung so häufig die Selbstmorde mancher der neueren Dichter, oder ihr Wahnsinn sich zeigen. Sie fühlen auch ihre Leerheit, ihre Unge. nügendheit, daS Hilfsbedürftige in sich; auch sie seufzen: ein Schmerz geht durch alle ihre Gesänge; aber sie erheben das Haupt nicht nach oben, wo Rettung wäre; sie haben die Hoffnung von sich geworfen, dazu hat sie der Stolz der Brüder der Leerheit und deS Nichts verleitet. Sie sind nun im Zustande der Hoffnungö- und Nettungslosigkeit, im Verderben, im Tode. Unter diesen Gefühlen war ich endlich in dem 2 Stunden südlich von Kaufbeuern gelegenen Achtrang angekommen, und von dem dortigen Pfarrer, meinem Freunde, gut aufgenommen worden. ES herrscht in dem Orte und in der Umgegend ein sehr religiöser Sinn, und in politischer Beziehung sind die Bewohner meist sehr conservaliv; nicht eben, weil von der bekannten Seite auS keine Versuche gemacht worden, diese Gesinnung zu verdrängen, sondern weil die Bewohner gegen diese Versuche ihre richtige Ueberzeugung siegreich vertheidigten. Die „corrupte" Augsburger Abendzeitung, die Waibel'sche Kcmpterzeitung suchten sich überall einzudrängen, und die sorgsamen Väter und Pfleger dieser Erzeugnisse, Waibel und Con- sorten fanden sich auch da und dort in der Gegend ein, um in ihrem Sinne das Volk zu beihörcn. In EberSbach, an der Straße nach Kemp- ten gelegen, hielten sie Volksversammlung, und es gelang ihnen in diesem Orte etliche moralisch und ökonomisch AbgehanSte für sich zu gewinnen. Diese nun, etliche sechs, zugleich auch Anhänger der ronge'schen Maul« wurfSkirche, suchten durch allerhand Lug und Trug an einem Sonntage einige leicht Verleitbare zu einer Fahrt nach. Aytrang zu bewegen, wo auch im Sinne der Neuerer gesprochen und gelebt werden sollte. Sie fanden sich dort ein, brachten aber alsbald durch ihr Benehmen, ihre tollen Reden, und hauptsächlich auch weil sie wäbrend deS nachmittägigen Gottesdienstes nicht einmal von ihrem Treiben abließen, die dortigen Einwohner berge- stall gegen sich auf, daß sie froh seyn dursten, init heiler Haut davon gekommen zu seyn. Ich wandelte nun einsam Kempten zu. Einsam aber nicht allein. Denn jenes Wort eines alten RömerS: er sey nie weniger allein, als wenn er allein sey, fühlst du ganz, wenn du von der Natur umgeben, ihre Sprache verstehst, und sie als ein LiebeSwerk und als Offenbarung GotteS vor dir liegt. Der gläubige christliche Sinn der Oberländer zeigt sich dem Wanderer auch darin, daß in dieser Gegend sehr schöne Feldkreuze sich finden; wie dieß namentlich in der Pfarrei Thingen, der Fall ist; Christus am Kreuze ist vielfach wirklich kunstreich gemalt; in den Kirchen deS Oberlandes trifft man sehr schöne Gemälde, meistens auS der neuern Schule, welche aus diesen poetischen Gauen viele ihrer Zöglinge und Beförderer schöpft (Eberhard, Schraudolph u. a.). Wenn ich so einsam an der Straße fortwandle, und mir ein an der Seite stehendes Täfelchen den Unglücksfall eines MitbruderS meldet, stimmt dieß nicht zum Mitgefühl, welches sich im Geiste der Kircke im Gebete ausdrückt, und ist dieses nicht wiederum Gesellschaft, wenn ich hiedurch, wie die Kirche lehrt, in Verbindung mit den Abgestorbenen trete, da alle ein Leib, somit Sympathie sind? Bin ich allein, wenn ich nach einigen Sckritten weiter wieder daS Bild meines ErlöserS am Kreuze erblicke, der uns alle eint durch seinen Tod, der daS Haupt an dem Leibe ist. Da geht nun keine christliche Seele vorüber, ohne sich in daS Leiden deS Herrn zu empfehlen, und eS ist ein erhebendes Gefühl, sich noch an die verstorbenen Eltern zurück zu erinnern, von denen man diese fromme christliche Gesinnung erhalten. Ihr mit eurem kalten, geisteS- und gottlosen Geiste, ihr belächelt daS katholische Volk, und haltet eS tief unter euch, während eS gläubig sich erhebt zu der Lebenssonne — zu Gott, und ihr in der Verknöcherung und dem Froste eures thörichten Unglaubens untergeht. ES betet nicht da« Bild an; aber daS Bild erinnert ihn an seinen Heiland, den eS anbetet. Dahin hat eS der zerstörende Protestantismus, ungleich weiter aber der Calvinismus gebracht, daß er unter dem Vorgeben eine geläuterte Religion herzustellen, und den Menschen geradezu an das Wesen zu weisen, alle« an daS Höhere Erinnernde, alles Zeichen entfernte; damit hat er aber auch daS, woran LaS Bild erinnern sollte, dem Vermögen der Vorstellung entzogen. Sie errichten Statuen für verdienstvolle Männer, um daS Andenken an sie zu erhalten; und der Sohn GotteS, der uns alle durch seinen Tod wiedererwarb, wenn wir glauben, der soll dem Andenken der durch Ihn Erlösten entrückt werden? Dieß ist freilick der Plan der Hölle, und all' derer, die in ihrem Sinne wirken, daS Werk Christi zu zerstören. „Erwürget die Unverschämte", die Kirche nemlich und natürlich in ihr Christum, daS ist daS Werk Voltaires. Wer kennt nicht die Wuth Her- wegh'S: „Reißt die Kreuze auS der Erde, sagt er, und schmiedet Schwerter drauS " Der Jude Heine weiß die Menschen nicht genug zu bedauern, die vor dem bluttriefenden Todten knieen, und hofft, daß ein kommendes Geschlecht durch Aufgeben dieses Dienstes erst zur Glückseligkeit gelange. Am widerlichsten, weil am feigsten und verschlagensten ausgesprochen, hat unö UhlandS Aeußerung von einem todten Gott am Kreuze berührt. Hätten sie, um viele andere zu verschweigen, z. B. Magdalena, hätten sie einmal, diese aufgeklärt seyn wollenden, die Zelle des heiligen Thomas von Aq»in besuchen können, sie würden sich eines andern haben belehren lassen. Zu Füßen des Gekreuzigten studirte Thomas, und schrieb er seine Werke, und Niemand wird eS läugnen, daß sich Thomas zu diesen, den ersten dreien wenigstens, verhalte wie ein deutscher Dom zu einer unten -stehenden Kneipe, in welcher sich aufgehalten zu haben, nicht immer mit der Ruhe deS Gewissens zu vereinbaren seyn möchte. (Fortsetzung folgt.) Blumen au- dem Schriftgarten de- heiligen BernarduS. (Fortsetzung.) 80. Geringfügigkeit deS Menschen. DaS Fleisch ist nichts anders, als ein in gebrechliche Schönheit gekleideter Schaum. WaS eS aber immer sey, eS wird werden ein faulender Leichnam und eine Speise der Würmer. Denn wenn eS auch noch sehr gehegt wird, so ist eS doch Fleisch. Wenn du fleißig betrachtest, was durch Mund und Nase und durch die übrigen Oeffuungen deö Leibes herausgehe, hast du noch nie eine verächtlichere Schwiudgrube gesehen. Und wenn du die einzelnen elenden Zustünde desselben auszählen willst, wie eS mit Sünden beschwert^ durch Fehler verwirrt ist, von Begierden gekitzelt, von Widerwärtigkeiten abgemüht, von Täuschungen beschmutzt wird: so wirst du finden, daß eS immer geneigt ist zum Bösen und der Sünde anhängig, und so voll Schande und Schimpf sey. 81. Geschäftigkeit. „Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester mich allein dienen läßt?" Wer sollte glauben, daß im Hause, wo Christus aufgenommen wird, die Stimme deS Murrens gehört werde? Glücklich jenes HauS und selig jene Familie, wo Martha über Maria klagt. Denn für Maria ist eS ganz und gar unwürdig und unerlaubt, die Martha nachzuahmen. Oder wo lieSt man denn, daß Maria sich beklagte, „weil meine Schwester mich allein läßt in der GeschäftSlosigkeit?" ES sey ferne, eS sey ferne, daß, wer Gott dient, ein Verlangen habe nach dem geräuschvollen Leben der dienenden Brüder. Martha scheine sich nicht hinreichend und weniger geeignet, und wünsche, daß das, was sie verrichtet, Andern aufgelegt werde. Wem kein Amt anvertraut und keine Verwaltung übergeben ist, der mag allerdings mit Maria zu den Füßen Jesu oder gewiß mit LazaruS im engen Raume deS Grabes sitzen. 82. G e sch.l e ch t. So lange man diese Welt bestehen sieht, wo ein Geschlecht kommt und daS andere geht, geht den AuSerwählten kein Trost ab durch das Andenken an Gott, denen in der Gegenwart nicht vollständiger Genuß gewährt wird. Denn eS ist billig, daß denen, die das Gegenwärtige nicht erfreut, daS Andenken an die Zukunft bleibe, und daß jene, welche ihren Trost nicht in hinfälligen Dingen suchen, durch die Erinnerung an die Ewigkeit erfreut werben. Und „das ist daö Geschlecht, daS nach ihm verlanget, die da verlangen nach dem Angesichts deS GotteS Jacobs." 83. Geschrei der Armen. E« schreit der Mangel der Armen, eS schreien die Nackten, eS schreien die Hungerigen, sie klagen und sagen: „Was rhut das Gold am Zügel? Vertreibt vielleicht das Gold vom Zügel die Kälte? oder den Hunger? Während wir erbärmlich Hunger und Kälte leiden, was helfen so viele Wechselkleiber, die entweder an Stangen ausgespannt oder in Koffer eingepackt sind? Unser ist, was ihr verschwendet. Denn auch wir sind ein Gebilv GotteS, auch wir sind erlöst durch daö Blut Jesu Christi. Wir sind also eure Brüder. Sehet also, was eS sey, euere Augen zu weiden an dem j Antheile der Brüder. Euer Leben fließt im Uebcrflusse dahin. Unserer! Noth wird entzogen, was cuerer Eitelkeit geopfert wirb. Endlich kommen zwei Uebel aus Einer Wurzel deö Unrechts hervor, daß nämlich sowohl ihr eure Eitelkeiten verlieret, als auch wir durch eine Beraubung zu Grunde gehen. Euere Lastthiere sind mit Edelsteinen beschwert, während ihr unsern Füßen keine Schuhe machen lasset. Mit Ringen, Ketten,! Schellen und andern kostbaren Dingen sind sie behängen, während unser Leib kein Kleid hat. Aber es wird für unS der Vater der Waisen und der Beschützer der Wittwen einstehen und ihnen zurufen: „„Was ihr! Einem dieser Geringsten nicht gethan habt, daS habt ihr auch mir nicht gethan."" 84. Gesetz. Ein anderes ist das Gesetz, welches der Geist der Knechtschaft, um gefürchtet zu werben, bekanntmacht, und ein anderes das vom Geiste der Freiheit gegebene in Anmuth. Weber müssen die Söhne unter jenem stehen, noch leiden sie ohne dieses. Gut also und angenehm ist das Gesetz der Liebe, welches nicht nur gerne getragen wird, sondern auch die Gesetze der Knechte und Lohnarbeiter erträglich und leicht macht, indem sie zwar selbe nicht aufhebt, sondern zu ihrer Erfüllung beiträgt, indem sie jenes mäßiget, dieses ordnet, beide erleichtert. 85. G e st ä n d n i ß. Besser ist ein demüthige- Geständniß böser Handlungen, als stolze Ruhmsucht über gute Thaten. Weil gefährlicher ist ein täuschendes und stolzes Geständniß, als eine kecke und beharrliche Vertheidigung. Denn Viele, wenn sie offenkundigerer Dinge beschuldiget werden, weil sie wissen, daß, wenn sie sich vertheidigen würben, man ihnen nicht glauben würbe, erfinden einen feinern Grund zu ihrer Vertheidigung, indem sie listiger Weise sich mit einer Anklage zu verantworten suchen. Denn eS gibt Einige, die sich schalkhaft demüthigen, und deren Inneres voll List ist. VerdammenSwerthe Verstellung ist eS, die Sünde zu theilen, und an deren Oberfläche zu kratzen, aber innerlich sie nicht ausrotten. Denn die Beicht hat nur dann einen Nutzen, wenn sie im Munde wahr, im Herzen aufrichtig ist. Und wie Drei sind, die Zeugniß geben im Himmel, nämlich der Vater, der Sohn und der Geist, so sollen wir unserm Herzen und Mund die Priester als Zeugen beifügen, damit die ganze Sache aus dem Munde zweier oder dreier Zeugen beruhe. Alles wird in der Beicht gewaschen, daS Gewissen wird gereiniget, die Bitterkeit wird aufgehoben, die Sünde vertrieben, die Ruhe kehrt wieder, die Hoffnung lebt auf, die Seele erheitert sich: nach der Taufe ist unS kein anderes Heilmittel bereitet, als die Zufluchtsstätte der Beicht. ES sey also andächtig die Zerknirschung de'S Herzens, wahr daS Bekenntniß deS Mundes, vernünftig die Abtödtung deS Fleisches, schnell die Ausrottung der Sünden, freudig die Ausübung guter Werke. 86. Gewinn. O Ehrgeiz, du Kreuz der Ehrgeizigen, wie quälest du Alle, wie gefällst du Allen! Nichts kreuziget bitterer, nichts beunruhiget lästiger, und doch ist bei den bedauernSwerrhen Sterblichen nichts häufiger, als die Bemühungen desselben. Treibt nicht zu den Stufen deS apostolischen Thrones mehr der Ehrgeiz, als die Frömmigkeit? Erschallen nicht die Paläste von seiner Stimme? Schwitzt nicht nach den Gewinnsten desselben die ganze Kenntniß der Gesetze? Wiehert nicht nach seinen Geschenken mit unersättlicher Gier die ganze italische Raubsucht? 87. Gewissen. Ein schuldiges Gewissen ist gewissermaaßen eine Hölle und ein Kerker der Seele. O sicheres Leben, wo ein reines Gewissen ist! O sicheres Leben, sage ich, wo ohne Furcht der Tod erwartet wird, wo sogar die Schlachtbank der Seele, ein böses Gewissen, hinausgeschafft, und mit Süßigkeit und Andacht der Tod aufgenommen wird! Meine Sünden kann ich nicht verheimlichen, weil mein Gewissen bei mir ist, wohin ich immer gehen mag, welches mit sich trägt, was ich hineingelegt, entweder Gutes oder BöseS. ES bewahrt dem Lebenden auf, und gibt zurück dem Todten, waS eS zur Aufbewahrung übernahm. DaS Gewiss-n ist eine unzertrennliche Ehre oder Schande eines Jeden, je nach der Beschaffenheit des Anvertrauten. > Ein gutes Gewissen ist das Lob der Religion, ein Tempel SalomonS, !ein Acker deS Segens, ein Garten des Vergnügens, eine goldene Lagerstätte, die Freude der Engel, die Arche deS BunbeS, der Schatz deS KönigS, der Hos GotteS, die Wohnung deS heiligen Geistes, ein verschlossenes und versiegeltes Buch, welches am Gerichtstage geöffnet wird. Nichts ist angenehmer, nichts sicherer, nichts dauerhafter, als ein gutes Gewissen: !mag der Körper drücken, die Welt ziehen, der Teufel schrecken, so wird eS doch sicher seyn. Ein gutes Gewissen wird sicher seyn, wenn der Leib stirbt, sicher, wenn die Seele Gott vorgestellt, sicher, wenn sie mit dem Leibe l vor den fürchterlichen Richterstuhl deS gerechten Gerichteö gebracht wird. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönche n. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr„ ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags-Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich l fi. 20 kr. Neunter Jahrgang 46 18. November 184i-. Reisebetrachtrrngerr. (Fortsetzung.) Von da und dort auf meinem Wege tönte mir der Gesang der Feldarbeiter und Hirten — daS sogenannte Jodeln — entgegen. ES ist eine Freude, freudige Menschen zu sehen. Wenn der Chor der Vogel jubelt, wenn die Natur in erhabener Feier, die majestätischen Berge dem Allmächtigen ihre Anbetung zollen, warum soll der Mensch nicht beßgleichen thun, ja eS noch mehr thun, da er über alles dieses erhaben ist! Gesang ist erhöhte Seelenstimmung, und ist so conform dieser fortwährenden, hier sich darstellenden Erhabenheit der Natur; der FreiheitSstnn, aber der wahre, in Gott und der Natur, seinem Werk, drückt sich in diesem Jodeln recht kenntlich aus. Jetzt sah ich nun vor mir die schöne, weite Tiefung, in der die Stadt Kempten liegt. Unzählige Dörfer sieht man im Umkreise der ansteigenden Höhen, eine Menge von Seen blickt heiter dem Beschauer entgegen; südlich stehen ernst die ewigen Berge, die Berge Gottes, nach dem Ausdruck der Schrift. Wahrlich Berge GotteS; feste, unverwüstliche Denksäulen, die uns hinweisen auf die Größe und Ewigkeit GotteS, allem Schwachen und Vergänglichen der Erde gegenüber. ° Aus der Berge Himmelsbläue Hebt ein Sehnen sich empor, Das den Felsen ew'ger Treue Nie aus seinem Blick' verlor. Blick' mein Auge unverwendct Nach dem Port der Ewigkeit, Von dem Irrlicht nicht geblendet Dieser sumpsvcrlornen Zeit. Auf dem Wege von Kempten nach Lindau kam ich auch nach Jsny, in dessen Nähe das Schloß Trauchburg liegt. Da in Ihrer Zeitung die dort neu gegründete Schule schon öfters anempfohlen wurde, und an dem Tage meines DurchreisenS gerade die Prüfung abgehalten wurde, so hielt ich's für der Mühe werth, mich dorthin zu verfügen. DaS Schloß liegt sehr schön, die Schullocalitäten sind sehr heiter, und für die Gesundheit zweckmäßig; der Prüfungssaal war auf das Geschmackvollste geziert; an den Schülern, die mir 9 — 14 Jahre alt zu seyn schienen, war viel frisches, heiteres Leben geistig und körperlich zu bemerken; die Lehrer durchweg junge Männer voll Liebe zu der Jugend und ihrem Berufe; sehr viele Prüfungsgäste, namentlich Geistliche, die Herren von Zeil und WolfSegg, deren Gemahlinnen unverwandt den vorkommenden Gegenständen ihre Aufmerksamkeit widmeten, hatten sich dort eingefundcn. Die Zahl der während der dreivierteljährigen Existenz der Schule abgehandelten Gegenstände war sehr ausgedehnt, und somit auch hier dem gegenwärtigen Zeitgeiste Genüge geleistet. Während meiner dortigen Anwesenheit kam die Arithmetik und daS Griechische vor. In letzterem Gegenstände wurde auS einer Chre- stomatie, wenn ich mich nicht irre, aus WursterS, der Anfang von Pla- tons Phädon, oder über die Unsterblichkeit der Seele vorgenommen, und deutsch, so wie auch lateinisch übersetzt. Wie viele von diesen Knaben an dem Griechischen Theil nahmen, weiß ich nicht; der. aufgerufene mochte etwa 14 Jahre alt seyn. Dauerte nun sein griechischer Unterricht erst ^ Jahre, so konnte er unmöglich dieser Aufgabe gewachsen seyn, auch wenn er früher schon anderSwo sollte Unterricht genossen haben. Der Schüler lieferte allerdings die deutsche und lateinische Uebersctzung; aber wenn man die Formen, daS Grammatikalische und Syntaktische, die Wortbedeutung, den Sinn, daS Geschichtliche, daS Entsprechende der lateinischen Uebersctzung, daS heißt: warum dieser lateinische Ausdruck gewählt worden, näher urgirt hätte, so glaube ich, hätte er kaum die gehörige Grundlage gehabt, hierüber zu antworten. ES mag dieß nun allerdings eine Folge der dort eingehaltenen Methode seyn, von der man hoffen mag, schneller vorzuschreiten, und so den Tadel vieler zu beseitigen, daß man eS in den alten Sprachen trotz vieljährigcn Studiums nicht zur Fähigkeit, alle Klassiker flüchtig zu lesen und in diesen Sprachen sich leicht auszudrücken, bringe. Aber ich zweifle, ob auf dem Wege des NoreilenS dieser Zweck erreicht wird, und glaube, daß man: durch Gründlichkeit, allerdings nicht durch übertriebene, zur Gewandtheit' kommen müsse, wie dieß schon einer der Alten ausgedrückt hat; abgesehen davon, daß die alten Sprachen ein BildungSmittel der GeisteSvermögen seyn sollen, wie schon Schellcr die Sprachwissenschaft eine angewandte Logik nannte; und sollte eS auch der Fall seyn, daß Geschäftsmänner, Geistliche, Beamte, Aerzte rc. später die Fertigkeit in diesen Sprachen verlieren, wo haben sie denn daS Gepräge erhalten, welches sie so kenntlich von andern, die die alten Sprachen nicht betrieben, unterscheidet? Ist diese höhere Geistescultur, als Frucht der classischen Studien, nicht dankcns-werth? UebrigenS liegt dieß in Beziehung auf den griechischen Sprachunterricht hier Besprochene in der dort eingehaltenen Methode, die der, wie neuere Sprachen erlernt werden, gleich zu seyn scheint, und Niemand wäre mehr erfreut, auf diesem Wege vielleicht das Ziel näher gerückt zu sehen, als ich. -AaS ganze Fest schloß mit einem feierlichen Te deum laudamuS"in dem geschmackvollen Hofkirchlein. ES ist oben berührt worden', daß'die Forderung der Zeit dahin gehe, in Schulen eine größtmögliche Anzahl von Gegenständen vorzunehmen. Dieser Umstand hat kürzlich eine sehr geistreiche Besprechung in den hist.- politischen Blättern: „auö dem Leben eines früh Vollendeten" gefunden. Die ältern Anstalten, und namentlich die römischen sto propagmulv liste, prüften, waS die Schultern tragen können; den jetzigen ist eS mehr darum zu thun, recht Viel aufzuladen, um daS erstere unbekümmert. Die erster», sagen die hist.-polit. Blätter, prüfen die Beschaffenheit, Structur u. dgl. teö Schiffes, und bemessen danach den Ballast, die letztem sehen nur auf die Ladung, unbekümmert, ob daö Schiff dieselbe auch fassen und tragen könne, und unter der Last nicht breche oder sinke. Durch vielfältiges Scheinwissen will unsere Zeit prunken, unbekümmert, wie viel davon gründlich erfaßt sey; ihr Charakter ist Täuschung, um es nicht geradezu Lüge zu nennen. Damit zusammenhängend ist ihre centrifugale Richtung, ihr HinauSstrcben in die Erscheinungswelt, und ihre Abkehr von dem innern, reichen Wesen deS Menschengeistes, und dann von Gott. So weit nun die Zeit Realien, Naturgeschichte im Bereiche deS Wissens zu ihrer Parole gewählt, kämpft sie an gegen daS Menschliche — gegen seine Sprache, Geschichte, seine Vergangenheit also —; und würde dieses gelingen, so fiele dann die äußere und innere Offenbarung — die positive Offenbarung und daS Ebenbilkliche GotteS im Menschen —; somit würde Gott unS wieder in die Ferne gerückt, und der Zwiespalt der Natur mit Gott — wie nach dem Falle — wäre wieder da. Dieß ist der Kampf der Realien mit den classischen Wissenschaften, und so weit in der Sprache und Geschichte der Menschen sich Gott geoffenbart hat, — durch den Kampf mit Religion und Glauben. Es würde hier zu weit führen die Vorzüge der Wissenschaft deS Alterthums vorzuführen, und dadurch die Nothwendigkeit der letztem zu beweisen; ich mache nur darauf aufmerksam, daß daS Gelangen der Kenntniß deS Alterthums auf unsere Zeit — in seinen Schriften rc. — ein Wunder ist, und sonach der Wille GotteS sich deutlich ausspricht, daß er diese Schätze deS Alterthums aufbewahrt, benutzt, anerkannt und geschätzt wissen wollte. WaS wüßten wir ohne sie von der Leitung und Führung de- ^ Menschengeschlechtes, von der Abirrung der Heiden, und was sie in ihrem ^ Naturzustände außerhalb der positiven Offenbarung waren, über welches unS die heiligen Schriften und Väter, und in Beziehung auf daS letztere !auch die Schriften der Heiden belehren. Ich gehe nicht aus den etwaigen 182 Einwurf ein, daß all' dieses doch durch das mündliche LehramtAer Kirche gelehrt würde; ich sage nur, daß das Streben der falschen Zeitrichtung dahin geht, im Kampfe gegen das Alterthum vorzüglich auch vie Kirche zu stürzen. Welche Undankbarkeit liegt rarin, all' ras was die Menschheit bisher geleistet, was Gott an ihr gethan, der Vergessenheit überliefern zu wollen, und waö hast du für eine Versicherung, baß der Nachkomme veine Thaten und Leistungen wisse ober anerkenne, da du die Vorfahren vergissest, nur den Tag, an dem ru lebst, lobest, und den vorhergehenden nicht mebr anerkennst! Um nun aus das Alterthum im engern Sinne, das classische einzugehen, so ist allerdings über die Behandlung desselben, namentlich vom' christlichen Standpunkte auö, mit Recht schon öfters Tadel ausgesprochen worden. Viele Lehrer leben und schweben ganz im heidnischen Alterthume^ rind bringen diese ethnische Gesinnung auch den Schülern bei. Die Fol-! gen hievon sind unberechenbar schädlich, und. ein guter Theil der Elan- benSlostgkeit unserer Zeit hat hierin seinen Grund. Gott hat die Alters thumSkennlniß deßwegen auf unS kommen lassen, daß wir sehen, wie weil! im Elende der Men,ch ohne Gott gerälh/ wie er bei aller Kunst und Wissenschaft von Gott und seiner Bestimmung doch nichiö Genügendes weiß; aber auch deßwegen, daßMir^eNahren. wie in Folge dieser Unzulänglichkeit der Heide nach höherer Belehrung sich sehnte, und wir uns beschämt fühlen »lögen, wenn wir, vom Lichte umgeben, unsere Augen vor seinem Schimmer verschließen wdllen. Die äugend sehe es, unb sie erlebe «S an sich selbst, wie dK Mensch am glücklichsten ist im Vereine mit Gott, wie der Abfall in Unglück und Verderben stürzt, und nur bei Gott wieder Ruhe und Frieden zu finden ist. In diesem Geiste müssen die Klassiker gelesen werden, und wir glauben nicht, daß Herr Schöppner hierunter ein Ueberall Einmischen der ReligionSlehre finden werde. *) Der Geist ist es, der lebendig macht, der Buchstabe tobtet. Und warum soll denn das christliche Alterthum, in den Vätern und christlichen Dichtern, von den Schulen so ausgeschlossen seyn, wie bisher? Auch dem Hebräischen sollte mehr Aus- merksamkeit zugewendet werden, anstatt daß man von seiner Erlernung die Studierenden entbindet; ist denn nicht das Wort Gottes in dieser Sprache auf uns gekommen? In diesem Sinne vertheidige, ich die classischen Studien, nicht aber in jenem einseitig heidnische»; denn in-dieser Absicht hat Gott sie nicht auf unS kommen lassen, daß rpir an ihneikk Neuheiben werden sollten. Eben diese fehlerhafte Behandlun'g-Hat dir Strafe der Zeit verdient; denn ob« wohl letztere »„christlich ist, und^somit dieser schlechten Behandlungöweise der Klassiker Dank wissen sollte, so thut sie dieses doch nicht, sondern ihrem Charakter gemäß, der llndaük ist, verwirft sie ein bisheriges, ihr nicht mehr genug entsprechendes Hilfsmittel und umsaht ein anderes — den Naturalismus. Wie nun im Heidenthumd^ünb wer sich in selbes hineinlebt, die Menschheit voip Gott geirenntUvird, so löst sich im Naturalismus die Natur von der liutertpürfigkeit. gegen den Menschen ab; nicht anders also, und gerade wie wir es am Anfange unserer Geschichte sehen: da der Mensch Gott nicht mehr gehorchte, göttloS wurde, so machte auch die Natur sich ihrerseits loö von dem Menschen, und trat feindselig gegen ihn auf — Kampf dcS Naturalismus gegen den Humanismus. (Vergleiche Logt und andere Vorkämpfer diese -Richtung.) Nur daS Christenthum eint, und daher muß sich der Mensch an Gott, und die Natur an den Menschen anschließen. Im Geiste deö Christenthums, der positiven Offenbarung erscheint der Mensch und die Natur als zwei natürliche Offenbarungsweifen GottcS, und sonach alles Studiums und aller Aufmerksamkeit werth. So mochte in seiner bessern Zeit Salomo, so haben die Natur die Forscher des MittelalterS: Albert der Große rc>, in unserer Zeit Marcell de CerrcS, RingSseiS, Mützel u. a. aufgefaßt. WaS der Apostel Paulus von Christus in anderer Beziehung sagt, daß er die Scheidewand niederreiße und beides eine ^*), gilt auch hier. In Christo kehrt der Mensch zu Gott zurück, und die sich nach der Herrlichkeit der Kinder GolteS sehnende Natur im Menschen ebenfalls zu Gott. Ich darf mich enthalten, die hieraus entspringende Folgerung für daS Verhältniß der ReligionSlehre, der Humaniora und der Naturwissenschaften weiter anzuführen. Nur das erlaube ich mir zu bemerken, daß durch die Verwirklichung dieser Folgerungen das sich darstellen würbe, was unsere! ersten deutschen Dome so erhaben sinnbilden: Einigung der Natur (der^ Materie) und der Kunst (also deS Menschlichen) im Glauben (im Auf-' streben dieser Gebäude gegen den Himmel). , Ich war in Lindau angekommen und früh Morgens mit dem Dampf- ^ schiffe nach Rorschach gereist. ES ist etwas Prachtvolles, an einem schönen. Morgen über diesen See zu fahren. Weithin gleitet daS Auge über die' bläuliche Fluch; ringsum an den Ufern des SeeS erblickt es schone Landhäuser, Dörfer und kleine Städte. So fuhr nun daS Schiff hin über die Spiegelfläche deö SeeS, voll Ruhe. O möchte mein Leben in gleicher Weste durch das Zeitenmeer sich bewegen. Die Schweiz mit ihren Bergen blickte uns einladend entgegen, und in kurzer Zeit standen wir auf ihrem freundnachbarlichen Boden. Ohne mich lange in dem freundlichen Rorschach aufzuhalten, wanderte ich der Statt St. Gallen zu. Welch herrliche, zaubervolle Gegend! Diese Schweizer bewohnen ein paradiesisches Land. St. Gallen, Zürich, Baden, Basel, Städte die ich auf meiner Reise berührte, welch' herrliche Lage haben sie! welch' bezaubernde Umgegend! Und doch will eS dem Wanderer vorkommen, als seyen die meisten der Einwohner für diese Naturschönheiten unempfänglich, so daß also sich hier nach dieser Seite hin bestätigt, waö dem Menschengeschlechte im allgemeinen zum Vorwürfe gemacht werden kann: daß nemlich Naturschön- yeiten, die alle Tage sich zeigen, von dem Menschen nicht mehr geachtet werden. Die Pracht der Sonne, ihr Auf- und Niedergang, alle die gewöhnlichen Naturerscheinungen, wie wundervoll find sie! Aber weil der Mensch sie alle Tage sieht, so erkennt er kaum mehr etwas BeachtenS- werthes darin. Aber etwas Anderes läßt sich von dem Wanderer noch beachten, das ihn ungleich wehmüthiger stimmen möchte als die gerade erwähnte Erscheinung. Je mehr auf einem Lande die Schönheit dcS Himmels sich ausprägt, je mehr die Großartigkeit der Natur, diese hohen majestätischen Berge, Ströme und Seen den Menschen zum Höher» begeistern sollten, desto irdischer, sinnlicher, fleischlicher ist der Sinn und daS Streben der Bewohner. Ein drittes ferner läßt sich noch wahrnehmen: je glücklicher ausgestattet eine Gegend ist, desto unzufriedener ist die Bevölkerung. Es ist nicht nothwendig, daß ich auf alles ErwähnenSwerthe in Stadt und Umgegend eingehe, ich könnte eS auch nicht. Ein oder daS andere mag hier erwähnt werden. Die Stadt verdankt bekanntlich ihr Entstehen dem Kloster deS heiligen AbteS GalluS, der sich hier in einem Walde, der eine Besitzung deS Grasen Tatto war, mit seinem Freunde Mang niedergelassen hatte. (630 n. Chr.) Nach seinem Tode wurde unter Pipin von Heristall, und Wolfram, einem Urenkel deS Grasen Tatto, daS Kloster St. Gallen gebaut. Othmeyr, der erste Abt, gründete eine Schule, die noch bis ins lOte Jahrhundert die berühmteste Universität von Europa war, hier lehrten: Kero, Notker'Jso, Salomo u. a. Von einem freundlichen jungen Priester wurde mir die schöne Stiftskirche und die Bibliothek gezeigt. Die Kirche enthält schöne FreScomalereien von Moreto u. a. Am Eingang der Bibliothek steht die Aufschrift: (Heilmittel für den Geist). Wie wahr! Hieher sollen diejenigen, die in unserer Zeit immer von Errungenschaften sprechen, welche oft nur darin bestehen, baß sie Zerstörung alles Errungenen sind, hieher sollen sie kommen; hier oder überhaupt an jedem Orte der Art können sie sehen, was Errungenschaft ist. Die Bibliotheken enthalten in sich die Geisteswerke der hervorragendsten Menschen aller Zeiten: in ihnen ist zu finden, waS die Menschen seit ihrem Bestehen dachten, ersannen, ausführten. Durch die Jahrhunderte hin, im stillen Laufe der Geschichte, die in Gottes Hand ruht, bilden sich die Errungenschaften der Menschheit, aber nicht dadurch daß man mit der Vergangenheit bricht. Dieses heißt: alles bisher von Menschen geleistete als Nichts verwerfen, und nachdem diese Basis bei Seite geschoben, in der Luft sich festsetzen wollen; daher aber auch, wie wir eS in unsern Tagen gesehen, das Unhaltbare, und der baldige Sturz dieser Lustgebäude. Mit Gott und unter seinem Schutze muß man an dem fortbauen, waS anpere bisher unS überreicht und nicht vollendet haben. !>H ckominus aockisioaverit ckomum, in vanum lasiorant, gui ackiliognt eam. (k8»Im.) Außer andern Merkwürdigkeiten der Bibliothek wurden mir gezeigt: sogenannte 8oommata (Spottfiguren), welche Porträte der Reformatoren darstellen, umgekehrt aber eine Carikalur bilden; die Jnterlinearversionen deS Kero und Notker; eine deutsche Bibel vom Jahre 1464; eine ägyptische Mumie, ungefähr 2200 Jahre alt; Bruchstücke einer Handschrift VirgilS. ES findet sich dort auch ein sogenanntes Vooabulmium 8t. 6M; ein Wörterbuch, in dem die Schweizersprache für die Missionäre durch daö Latein erklärt wurde. (Schluß folgt.) ') Vgl. Gymnasialblättkr. 1. Jahrgang. 2tes Heft. ") Ephcs, H. 14. 1S. 16. Blumen au- dem Schriftgarten de- heiligen BernarduS. (Fortsetzung.) 88. Gewohnheit. ES ist eine schwere und allein der göttlichen Tugend mögliche Sache, daS einmal übernommene Joch der Sünde abzuschütteln: weil, wer eine Sünde begeht, ein Knecht der Sünde ist: und er kann nicht befreit werden, außer in starker Hand. Diese ist die große Barmherzigkeit, welche großen Sündern nothwendig, von welcher geschrieben steht: „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit, und nach der Menge deiner Erbarmnisse tilge meine Missethat." Die Gewohnheit ist eine schwere und gefährliche Kette, leichter aufzulösen, als zu brechen, so, daß hier seneS Sprichwort in Anwendung kommt, der Fleiß sey besser, als die Gewalt, und gleichwie Gewalt mit Gewalt vertrieben wird, und durch das Feuer des Geistes daS Feuer der Begierden ausgelöscht wird, so sollst du der Lift des Argen List entgegen setzen und der Gewohnheit Ueberlegung. Wenn du Reinigkeit deS Leibes mit Gewalt suchest und davon hoffest, eS werde dieselbe über die Gewohnheit siegen, so steht zu befürchlen, deine Arbeit möchte gefährlich werden, und eö könnte eher die Materie unterliegen, als die verweichlichte Gewohnheit, welche gleichsam eine zweite Natur ist. Mit dem Messer scharfer Reue muß die Wunde einer veralteten Gewohnheit ausgeschnitten werden. Wer den Regungen deö Fleisches nicht widersteht, und die Bewachung deS HerzenS vernachlässiget, der wird nach und nach so sehr von der Gewohnheit gebunden, daß er später, wenn er auch will, ihnen nicht mehr Widerstand leisten kann. 89. Glaube. Der lebendige und katholische Glaube ist ein Bild der Ewigkeit, und begreift in sich die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft als in einem sehr weiten Schooße, so, daß ihm nichts vorübergeht, nichts zu Grunde geht, nichts vorausgeht. So lange lebt Christus in unS, so lange der Glaube lebt. Aber wenn der Glaube gestorben ist, ist auch Christus gewiffermaaßen in uns gestorben. Weiter bezeugen das Leben deS Glaubens die Werke deS Glaubens, wie geschrieben steht: »Die Werke, welche der Vater mir gegeben, daß ich sie vollbringe, diese Werke, die ich thue, geben Zeugniß von mir." Von diesem Ausspruch weicht nicht ab jener, daß „der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst todt ist." Denn gleichwie wir daS Leben des Leibes auS seinen Bewegungen erkennen, so auch erkennen wir^ das Leben des Glaubens auö den guten Werken. Und zwar ist daS Leben deS Leibeö die Seele, durch die er bewegt wird und empfindet: daö Leben deS Glaubens aber ist die Liebe, weil er durch sie wirkt, wie du beim Apostel liesest: „Der Glaube, der durch die Liebe wirksam »ist." Wenn daher die Liebe erkaltet, so stirbt der Glaube, gleichwie der Leib stirbt, wenn die Seele auS selbem zieht. Wenn du also einen Menschen siehst, der unverdrossen in guten Werken und heiter im Eifer seines Wandels ist, zweifle nicht, daß der Glaube in ihm lebe, denn du hast die unumstößlichen Beweise seines Lebens. Der Tod des Glaubens ist die Trennung der Liebe. Der Glaube ist bewährt, wenn man glaubt, waS man nicht sieht. Waö ist es Großes, zu glauben, waS man -sieht, und waS für ein Lob verdient eS, wenn du deinen Augen Glauben schenkst? ^ „Ohne Glauben ist unmöglich, Gott zu gefallen." Wer Gott nicht gefällt, dem kann Gott auch nicht gefallen: denn wem Gott gefällt, der kann Gott nicht mißfallen. Wenn wir im Glauben wandeln, wandeln wir im Schatten Christi. Und gur ist der Schatten deS Glaubens, denn er mäßiget daS Licht dem erblindenden Auge, und bereitet daö Auge vor auf daS Licht. Glauben an Gott heißt auf Gott hoffen und Gott lieben. 90. Glorie, himmlische. Vom Stand und von der Vollendung der Kirche hängt daS Ende aller Dinge ab. Nimm diese weg, und vergeblich ist „daS Harren deS Geschöpfes auf die Offenbarung der Kinder GotteS." Nimm diese weg, und weder die Patriarchen noch die Propheten werden vollendet. Nimm diese weg, und selbst die Herrlichkeit der Engel wird sinken wegen der Unvollkommenheit ihrer Zahl, und die Stadt GotteS wird sich nicht freuen über ihre Unversehrtheit. Woher also wird der Plan GotteS, die Verborgenheit seines Willens und jeneö große Geheimniß erfüllt werden? Glaubst du, daß unser Gott das ganze Lob seiner Glorie haben werde, bis Jene kommen, die dir vor dem Angesichts der Engel lobsin- gen: »Wir freuen uns der Tage, da du uns gedemüthiget hast. Der Jahre, da wir Unglück sahen." Diese Art von Freude kannten die Himmel nicht, außer durch die Söhne der Kirche. Der freur sich niemals, der niemals traurig war. Gelegen kommt nach Traurigkeit Freude, nach der Arbeit die Ruhe, nach dem Schiffbruche der Hafen. Allen gefällt die Sicherheit, aber dem noch mehr, der sich gefürchtet hat. Angenehm ist Allen daS Licht, aber noch angenehmer dem, der auö der „Macht der Finsterniß" frei wird. Vom Tode zu», Leben übcrge- gangen zu seyn, verdoppelt die Wonne deS Lebens. Glücklich wird also die Kirche in ihrer Allheit, und all ihr Ruhm übertrifft die Ursachen der Freude, nicht nur für daS, was ihr schon geschah, sonder» auch dafür, waS ihr noch geschehen muß. 91. Glorie, vergängliche. Vergeblich bemüht sich um den Gipfel des Ruhmes, wer durch Tugend nicht hervorgeleuchtet hat. Den» der Ruhm ohne Tugend ist ein unverdienter, wird zu frühe angemaßt, mit Gefahr angenommen. Ist eS denn etwas so Großes, eitel zu leuchte», oder ein wenig zu brennen? . Brennen und Leuchten ist vollständig. ES gibt aber Einige, welche nicht deßhalb leuchten, weil sie brennen, sondern welche mehr brennen, damit sie leuchten. Verderblich ist die Sucht zu leuchten, denn viel besser ist daS Brennen. Denn wenn du so heftig nach dem Glänze trachtest, sorge, daß du seyest, waS du scheinen willst: und suche zuerst daS Feuer, und eS ist kein Zweifel, daß dir auch der Glanz beigegeben werde. Anders arbeitest du vergeblich, weil der Glanz ohne Feuer eitel ist. WaS rühmst du dich deiner Heiligkeit? Der heilige Geist ist es, der heilig macht. Was ohne Willen und Beislimmung unsers gcWchen VaterS geschieht, wird dem eitlen Ruhme, nicht dem Lohne zugerechnet. 92. G l ü ck. Wie selten ist immer fest gestanden, wie hat nachgelassen an Wachsamkeit über sich und an Zucht ein nur ein wenig Beglückter! WaS daS Feuer für daS Wachs, der Sonnenstrahl für Schnee und Eiö ist, das ist das Glück für die Unvorsichtigen. Weise war David, weiser noch Salomon; aber da ihnen das Glück zu sehr schmeichelte, ist der eine theilweise, der andere ein ganzer Thor geworden. Ein großer Mann, der in Unglück fällt, verliert nicht leicht die Weisheit, aber einen kleinen Geist verlacht das Glück, das ihn zuerst angelächelt. Leichter finden wir Menschen, die im Unglücke die Weisheit beibehielten, als-solche, die im Glücke sie nicht verloren. . 93. E l u ch s e l i g k e t t. Wie ein kleiner Wassertropfen, der vielem Weine beigemischt wird, ganz zu verkommen scheint', da er sowohl Geschmack als Farbe deS WeincS annimmt; und wie ein, in Feuer geworfenes und glühendes Eisen dem Feuer sehr ähnlich wird,'indem eS die frühere und eigene Form ablegt; unv gleichwie die vom Sonnenlichte durchströmte Luft in die nämliche Klarheit deS LichteS verwandelt wird, so, daß sie nicht sowohl erleuchtet, sondern vielmehr selbst Licht zu seyn scheint: so wird in der ewigen Glückseligkeit bei den Heiligen , alle menschliche Beschaffenheit auf eine gewisse unaussprechliche Weise von sich selbst zerfließen und ganz in GotteS Willen hingegossen werden. Denn wie wird sonst „Gott Alles in Allem" seyn, wenn im Menschen und vom Menschen etwas übrig bleibt? Bleiben wird zwar die Wesenheit, aber in anderer Form, in anderer Herrlichkeit, in anderer Macht. Welch ein Glanz, glaubet ihr, wird dann an den Seelen seyn, wenn daS Licht der Leiber den Glanz der Sonne hat? Dort wird keine Traurigkeit, keine Angst, dort wird keine Mühe, kein Tod, sondern dauerhafte unv ewige Gesundheit seyn. Dort erhebt sich keine Bosheit, kein Elend deS Fleisches, keine Krankheit, kein Bedürfniß: Dort ist kein Hunger, kein Durst, keine Kälte, keine Hitze, keine Mattigkeit deS FastenS, keine Versuchung deS Feindes, kein Wille zu sündigen, keine Möglichkeit zu fallen, sondern Freude und Jubel werden daS Ganze erfüllen, und die Menschen, in Gesellschaft der Engel, werden ohne alle Schwachheit deS Fleisches in beständigem FrühlingSalter leben. Dort ist Ruhe von Arbeiten, Friede vor Feinden, Annehmlichkeit wegen Neuheit, Sicherheit wegen der Ewigkeit, Süßigkeit und Lust an der Anschauung GotteS. Dort ist kein Fremdling, sondern Diejenigen, welche dorthin zu kommen verdienen, werden sicher bleiben im eigenen Vaterland, immer erfreut, immer gesättiget von der Anschauung GotteS. (Wer die Seligkeit so schildern kann, der muß schon auf Erden einen Vorgeschmack davon gehabt haben. Wie vergeht mir die Lust an der Welt und an der Sünde, wenn mir der heilige Bernard den Himmel beschreibt! Anmerk. d. UebersetzerS.) 94. Gnade. Nicht unpassend wird wahrlich die Gnade einem Schilde deS göttlichen Schutzes verglichen, der am obern Theile geräumig und weit ist, damit er Haupt und Schultern beschütze: im untern Theile aber enger, damit er weniger belästige, besonders weil die Schienbeine dünner sind, und nicht so leicht verwundet werden, dann weil es auch nicht so gefährlich ist, an diesen Körpertheilen verwundet zu werden. So gibt auch Christus seinen Soldaten zum Schutze des untern Theiles, d. i., deS Fleisches, Dünnheit und Mangel an zeitlichen Gütern, und er will haben, daß sie sich damit nicht beschweren, „zufrieden seyen, wenn sie Nahrung und Kleidung haben," wie der Apostel sagt: der obere Theil aber, nämlich der Geist, soll weit und breit angefüllt seyn mit der göttlichen Gnade. Gesellenvereirr zu Köln. In Elberfeld besteht seit drei Jahren mit sichtbarem Erfolge ein Gesellenverein, gegründet durch Herrn Kolping, früher Caplan in Elberfeld, jetzt Domvicar in Köln. Nun ist dieser Verein auch in Köln unter der Leitung seines ersten Urhebers eingerichtet. Nachdem im vorigen Sommer eine Anzahl junger Leute für das Unternehmen vo:bereitet worden war, ist mit dem Eintreten des Herbstes und der langen Abende nun daö Ganze völlig eingerichtet und zählt bereits nahe an zweihundert Mitglieder. Der Zweck dieses Vereines ist, wie damals ausgeführt wurde, Besserung der socialen Verhältnisse an dem Nachwüchse des Bürgerstandes, an den Handwerksgesellen. Ueber die ganze Sache werden wir ihrer Wichtigkeit wegen später noch näher reden. Hier wollen wir nur einige kurze Andeutungen geben. Der Verein ging zunächst auö der Frage hervor: Wie können dem Handwerksgesellen die für ihn bisher immer verlorenen Abende der Sonntage und Montage für sein Glück und seine Veredlung nützlich gemacht werden? An diesen Abenden ist im Hause des Meisters für den Gesellen gar kein Verbleib. Daher geräth er auf die Straße, inS Wirthshaus und leicht in alle Liederlichkeit. Hat er einmal so angefangen, dann hat er bald bei geringem Verdienst und großem Verzehr keinen ordentlichen Rock mehr am Leibe. Dann schämt er sich also Sonntags bei Tage auszugehen. Also wird Sonntags den Tag über auf der Werkstätte gehockt und gearbeitet, bis man beim Abenddunkel auch in schuftiger Kleidung nach irgend einer Kneipe oder Spelunke schleichen kann. Die Nacht und der Montag werden dann, so weit vaS Geld reicht, der Liederlichkeit geweiht. Der junge Mensch ist verloren, und er wird bald der Verführer Anderer. Und doch ist das gerade diejenige Classe, welche den Nachwuchs für den wichtigsten Hauptstamm deS Volkes bildet, und auf der die ganze Zukunft der socialen Verhältnisse beruht. — Diese beiden Abende des Sonntags und Montags nimmt nun der Gcsellenverein in Anspruch, indem in ihm eine Art von Casino für die Gesellen und ähnliche junge Leute sich bildet zur Erweiterung ihrer Kenntnisse, zum freundschafilichen Verkehr mit ihres Gleichen und zur heitern gesellschaftlichen Unterhaltung. Religion und Tugend, Arbeitsamkeit und Fleiß, Brüderlichkeit und Eintracht, Heiterkeit und Scherz, das sind die vier Motto, die im Saale an der Wand angeschrieben, den Geist des Vereines bezeichnen. Abends von 5 bis 10 Uhr ist den Mitgliedern daS Local geöffnet. Geistlicher und weltlicher Gesang, Lectüre, Vortrüge über nützliche Gegenstände, die den Gesellen zum guten Christen und tüchtigen Bürger machen, freundliche Unterhaltung, bisweilen auch scherzhafte Deklamationen, Spiele oder Aufführungen, daS bildet den Kreis der Abendunterhaltungen. Zugleich hat der Verein einen gemeinschaftlichen Gottesdienst und eine Krankencasse. Wir beschränken unö auf diese Andeutungen, die aber jedenfalls schon hinreichen werden, um allen Nachdenkenden die handgreifliche Nützlichkeit deö Unternehmens zu beweisen, und sie dafür zu interessiren. Das VereinSrecht. M ü nchen, 19. Oct. ... Für heute wollen wir unser Augenmerk auf daS Wirken deS gegenwärtigen Ministeriums im Innern deS Landes selber richten. Leider können wir demselben in dieser Hinsicht nicht das gleiche Lob spenden, wie in der deutschen Frage. Nicht daß wir die Männer angreifen wollten, als hätten sie schlechte Absichten, — dieß sey ferne von uns, — allein eö zeigt sich die gleiche Rathlosigkeit, die Mißgriffe jeder Art erzeugt, wie überall in der Gegenwart. Abgesehen von dem Preßgesetz- En^vurf, den bereits das vorige Ministerium schon in die Kammer brachte, und der jetzt wieder unverändert vorgelegt wurde, obwohl alle Parteien entschieden gegen ihn sind, ist daS VereinSrecht, wenn auch nicht durchs Gesetz, so doch durch die That aufgehoben. DaS Gesetz scheint fast noch enger alö LaS österreichische gehalten; auch hier sind alle Zweigvcreiue verboten, jede Verbindung derselben unter sich untersagt. Die PiuSvereine würden eine Unmöglichkeit werden, denn der §. 22 läßt die nicht politischen Vereine, welche zugleich politische Zwecke verfolgen, schließen und die Mitglieder bestrafen. Nun aber kann jedes Wirken der PiuSvereine für die Freiheit der Kirche und der Schule als ein politisches angesehen und gedeutet und somit gegen selbe verfahren werden. Aber abgesehen von Letzterem, so sind wir eben der Ueberzeugung, daß das freie VereinSrecht nicht ein bloßes leeres Spielzeug seyn darf, das die Regierungen den Völkern gewähren, um etwa ihre Ungeduld zu beschwichtigen. Die freie Vereinigung ist ein viel größeres bedeutenderes Agens in der Geschichte der Gegenwart, als die meisten Regierungen glauben möchten. Da wo alle Verhältnisse der Gesellschaft mehr oder weniger aufgelöst oder zersetzt sind, wie durchgängig in der Gegenwart, ist eS nicht bloß natürlich, daß in der allgemeinen Fusion die Gleichgesinnten sich zusammenthun, sondern wenn eine Besserung unserer Zustände eintreten soll, so kann sie nur auf diesem Grunde sich erheben. Denn wenn es wahr ist, daß eine Gesellschaft ihre wahre Kraft und ihren Bestand nur in der innern gleichartigen Gesinnung, im gemeinsamen Bewußtseyn hat, und nur in diesem die Kraft des Wirkens liegt, wenn es wahr ist, daß diese durch keine Gesetze, durch keine Polizei ersetzt werden können, so wird auch Niemand läugnen, daß nur dadurch, daß eine gleichartige bessere Gesinnung, ein gemeinsames Bewußtseyn, eine Ueberzeugung wieder hergestellt werde, dem Verderben der Gegenwart gewehrt werden könne. Dieß kann aber nur durch freie Vereinigung geschehen. Dieß freie VereinigvngSrecht darf aber nicht ein illusorisches, nichtssagendes seyn, wie die österreichische Verfassung und der gegenwärtige bayerische Entwurf es in Gnaden gewährt, sondern eS muß in seiner Wahrheit und Ganzheit gegeben werden. Ja, wir stehen nicht an, ihm den gleichen, wo nicht noch einen viel größeren Werth beizulegen, alö der freien Presse, denn in letzterer ist nur die Freiheit als geistiger Ausdruck, im freien VereinSrecht die Freiheit als Sache gewährt. Man wende nicht ein, durch das Verbot der Verbindung der Vereine unter sich, durch das Verbot der Filialvereine würde den Vereinen, die schlechte Zwecke und den Umsturz deS Bestehenden verfolgen, am sichersten entgegengewirkt. Mit Nichten! Die Umsturzmänner hatten und haben noch ihre geheimen Verbindungen church ganz Europa hin, und sie werden selbe auch in Zukunft trotz der factischen Aufhebung des VereinsrechtS huben. Ueberdieß, wie leicht ist die Bestimmung des GesetzcS nicht zu umgehen. Also nicht das Böse wird dadurch gehindert, sondern vielmehr daS Gute. DaS Gesetz trifft die besseren Vereine, nicht die schlechten! Denn die Mitglieder der besseren Vereine, welche fremd sind allen Umsturzplanen, werden allerdings dem Gesetze gehorsam seyn, aber indem sie ihre eigenthümliche Kraft und ihr warmes Leben verlieren, werden sie wenig mehr wirken können; dagegen viele, die hätten gewonnen werden können, den Gegnern in die Hände fallen, die sich durch daS Gesetz selbst nicht beirren lassen. Und auch ist eS größtentheils den Vereinen, ihrem gemeinsamen Wirken zu verdanken, daß Bayern nicht gleich Baden der Revoltüion verfallen ist, -so daß die Regierung durch das neue Gesetz sich selbst des bedeutendsten Hebels berauben würde. Und wahrlich, die Gefahr des' Umsturzes ist noch nicht im Mindesten beseitigt, ja sie ist viel intensiver noch denn früher, und unter dünner Decke lauert das Verderben des völligen VernichtimgSkampfeS des radicalisirten hohen und niedrigen Proletariats gegen alle gesellschaftliche Ordnung, gegen jeve Bildung, Wissenschaft und Religion. Jener Grundsatz deS modernen PolizeistaateS aber, jenes „elivicio et impora", daS Theilen und Brechen jeder selbststän- digen Macht, die daraus hervorgehende AlleSregiererei und daS Streben, AUeö auch inS Kleinste herab zu überwachen und äußerlich durch Gesetze biö zur homöopathischen Verdünnung herab selbst beherrschen zu wollen, wird die kommende Krise nicht nur nicht aufhalten, sondern vielmehr beschleunigen und fördern. Wenn aber bis dahin nicht eine andere Macht, die auf gemeinsamer Ueberzeugung und Gesinnung sich erhebt, sich gebildet hat, dann wehe der Gesellschaft, wehe Europa! Diese Macht kann sich aber nur bilden einerseits in ihrer materiellen Unterlage durch daS freie VereinSrecht, andererseits in ihrer geistigen Bildung durch die Freiheit der Kirche. Nur dadurch, wenn überhaupt noch daS ! Abendland gerettet wird, ist mit Gottes Beistand Rettung möglich vor ^dem nahenden Verderben, das freilich jetzt so viele schon beseitigt glauben, ^weil der eiserne Arm deS Militärs die ersten Vorkämpfer darnieder gewor- j fen. — Hoffentlich wird aber der neue Gesetzentwurf von der Kammer eine ganz andere Gestalt erhalten! (Tiroler Wochenbl.) Verantwortlicher Redacteur; L. Schönchen. Verlags-Inhaber; F. C. Krem er. Vierteljähriger Abonnementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr„ ohr! irgend einen weitere. Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags-Peiblatt zur Augsburger Poftzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Biältcr bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 fl. 20 kr. Urunter Jahrgang. tR- 4l7. 2» November L848. Reisebetrachtungen. (Fortsetzung.) Eine lästige Eilwagenfahrt versetzte mich nach Zürich. Ein in der Bibliothek sich vorfindender Meilenstein auS der Zeit des Nerv« beweist, daß die Stadt nicht Tigurium, sondern Turicum hieß. In der Bibliothek fanden sich vor die Porträte der Reformatoren, eine deutsche Bibel vvm Jahre 1472, ferner ein griechisches alteö Testament (die Septuaginka), welches Zwingli benutzte, am Rande find hebräische Lesearten angebracht; am Ende deS BucheS verzeichnete er selbst GeburtSzeit und Namen seiner Kinder. Man sieht dort die Büsten berühmter Züricher Gelehrten, wie z. B. von Konrad Gessner, Schultheß, Hagenbach, Lavater, Pestalozzi, Salomo Gessner; ferner alle Antistites von Zwingli bis auf Heß. Es sind in Zürich auch interessante zoologische und mineralogische Sammlungen, römische, griechische und keltische Alterthümer rc. zu sehen. Inder Bibliothek finden sich altdeutsche Gemälde, welche einst in Kirchen aufgestellt, der Wuth der calvinistischen Bilderstürmer entkommen waren. Sie stellen die Einführe! deS Christenthums in Zürich und der Umgegend vor: Felix, Regula und ErpektantiuS, die am Züricher Münsterplatz enthauptet wurden und, wie die Sage meldet und das Gemälde vorstellt, die Köpfe eine Strecke weit trugen. Ein anderes Bild stellt den Schmid Eberhard vor, der den Pferden die Füße abhieb, um sie leichter beschlagen zu können. Neben ihm steht eine Here, die er im.Begriffe ist, zu bannen. Daö kirchliche Leben ist (bitter ist es, dieses auSsprechen zu müssen) in Zürich gänzlich erloschen. Ich kam an einem Sonntage in mehrere Kirchen, wo die Prediger vor einer unbeträchtlichen Anzahl von Zuhörern den Dienst deS Wortes versahen; wie z. B. in der Münsterkirche, wo sich trotz dem, daß die Pfarrei so groß ist, und noch dazu ein nationaler Bettag im Namen der Cantons-Obrigkeil stattfand, etwa fünfzig Personen, und diese zumeist dem weiblichen Geschlechte und zwar dem vorgerücktem angehörend, einfanden. Aber was mag auch"den Menschen in einen sol chen von vier Mauern umschlossenen Raum einladen! Alles 4st profan; nichts stehst ou, was dich einen christlichen Tempel hier vermuthen ließe. DaS Crucifix, das in lutherischen Kirchen noch zu sehen, ist hier nicht vorhanden. Und wie kalt, alles Übernatürlichen, alles-eigentlich Christlichen entleert, ist die Art dieser Prediger. So rächt sich der Abfall von der Kirche, in seinem Gefolge ist auck der von Christus; allerdings nicht gleich zu Anfang, aber erst später sich deutlich herausstellend. Einen wohlthuenden Eindruck macht auf den Beschauer die erst vor kurzem zur Vollendung gekommene katholische Kirche. Sie ist an das Universitätsgebäude angebaut, in schönem, gothischen Style. DaS Portal ist vortrefflich; innen finden sich schöne Gemälde von dem Maler Deschwand- ner aus Samen. Aus dem linken Seitenaltare: Christus am Oelberge; am rechten: Christi Himmelfahrt; der Künstler hat die Erniedrigung und glorreiche Erhöhung deS Heilandes meisterhaft dargestellt. So gedeiht die Kunst im Schooße der Kirche; der Geist des Christenthums verleiht ihr eine höhere, himmlische Poesie; einen Umschwung in das Ueberirdische. Und welche Predigt liegt in der Malerei, wie spricht ein christliches Gemälde zum fühlenden Christenherzen. Der Calvinismus muß auch hierin seine Verurtheilung erblicken. ES war gerade das Schutzengelfest, als ich mich in der katholischen Kirche einsand. Die ziemlich geräumige Kirche wußte kaum die Schaar der Andächtigen zu fassen. Nach der Predigt ward mir das Vergnügen, eine schöne, herzerhebende Kirchenmusik zu vernehmen. Bemerken muß ich, daß eS nicht gestattet wurde, einen Thurm und Glocken anzubringen, da nämlich das viele Läuten in der katholischen Kirche den Züricher Ohren lästig gewesen wäre. Aber zu Grunde liegt, daß die steten Schweizer die katholische Kirche in Zürich eben nur so dulden, unter der Bedingung, sich so wenig als möglich bemerkbar zu machen. Und so habe» sich die, welche für Alles Freiheit beanspruchen und haben, mir für die Kirche und das Christenthum nicht, auf die Stufe der Moslemin, gestellt, in deren Reich ebenfalls keine Glocke auf dem katholischen Gotteshanse ertönt. Vielleicht können wir aber für diese Gleichheit in dieser äußern Handlungsweise einen innern gemeinsamen Grund finden. Und sollte diesen nnS nicht das Wort Turicum (Zürich) an die Hand geben? Offenbar liegt in Turic(um) und Türk eine große Aehnlichkeit, welche eine Stammverwandtschalt der Züricher mit den Türken wahrscheinlich machen dürfte! Schade, daß die Geschichte unS diesen ErklärungSgrund verdirbt. Aber zu seinen Gunsten mag der Umstand sprechen, daß in dem durch eine Eisenbahn Zürich näher gerückten Städtchen Baden, ein oder mehrere dort erscheinende Züricher ihres zügellosen Benehmens wegen mit dem AuSdrucke: „dieß ist ein Züricher Türk, oder dieß sind Züricher Türken" bezeichnet wurden. Zürich und seine Umgegend ist ein irdisches Paradies. ES leben aber auch diese Züricher ganz und gar dieser Erde. Sie fühlen sich behaglich, und eine höhere Welt scheint sie nicht viel in Bewegung zu setzen. Ob aber an der crdhaften Richtung dieses Volkes nicht auch der Calvinismus seine gute Schuld trägt, der baS Band, das an eine höhere Welt knüpft, systematisch abgeschnitten! Der Name Zwingli kommt in Zürich noch oft vor; seine Nachkommenschaft ist eine sehr weit verzweigte, und gehört den »ermöglichen Classen an. Anderweitig aber ist auch dieser Stadt das Gepräge deS Stolzes, deS Trotzes, der Feindseligkeit, deS WeltsinneS, der in diesen und andern Reformatoren sich zu Tage brachte, auf eine merkwürdig auffallende Weise aufgedrückt. Während meines Aufenthaltes in Zürich hatte ich auch die Gelegenheit Flüchtlinge in größerer oder geringerer Anzahl da und dort zu treffen. DaS LooS dieser Leute würde Mitleid abnöthigen, wenn nicht anderseits ihr Trotz, ihre unverhohlen ausgesprochene Rachsucht gegen die Ver- anlasser ihrer unglücklichen Lage, und kurzweg ihre vielfach beurkundete Gottlosigkeit dasselbe ermäßigen oder gar zurückdrängen würde. Da wird diesem und jenem geflucht, in der Hoffnung auf Umschwung der Dinge allen Gegnern gräulicher Tod gedroht. Die Gastfreundschaft der Schweizer ist auch nicht so nachhaltig als man glaubt, und oft nur in großsprecherischen Worten bestehend, welch' letzteres überhaupt eine vielfach sich zeigende tadelhafte Eigenschaft der Schweizer ist. Gemeine Soldaten sind oft besser daran als Officiere, oder solche, die keine Handarbeit gewohnt sind. Gemeine Soldaten lassen sich als Taglöhner gebrauchen. Eine badische OsficierSfrau wußte auf folgende Weise sich mit ihrem Vermögen, das von den Preußen mit Beschlag belegt worden, zu ihrem Manne in die Schweiz zu flüchten. Die preußischen Wachtsoldaten hatte sie betrunken gemacht, und während ihres Schlafens ihr schon frühe eingepacktes Vermögen einem Fuhrmanne, der. nach Basel fuhr, übergeben; sie selbst auch war in dem Güterwagen als Waare verborgen. Geringere Schmuggeleien kommen öfter vor, z. B. daß badische Mädchen unter ihren Kleidern Waffen verstecken, und dieselben in die Schweiz zu bringen suchen. Anfangs gelang dieß, später nicht mehr. Eine Eisenbahn führt von Zürich nach Baden. Die Bäder find schon bei TacituS bekannt. (Hist. 1, 67.) Sie hießen: aguoe verbigenae oder tllermav llelvoticao. Auf einem Berge, durch dessen Fuß in einem kunstreichen Tunell die Eisenbahn geführt ist, steht eine Burgruine: der Stein zu Baden, im Mittelalter als fester Ort berühmt. Von hier war der Kaiser Albrecht an jenem verhängnißvollen Tage fortgegangen, an dem er an dem Orte, wo jetzt die Kirche (der Hochaltar) von KönigSfelden steht, ermordet wurde. Mein Weg führte mich weiter. Als ich in der Nähe von Windisch ein etwa 9jährigeS Mädchen über den Namm deS Orte« befragte, so bekam ich Auskunft mit der Nrbenbemerkung: „das ist a mal a großt Stadt gfi." 186 Windisch ist daS alte Vindoniffa, eine der größten und wichtigsten Städte HelvetknS, unv Hauptwaffenplatz der Römer gegen die Germanen. Im Jahre 511 wurde Vindonissa Sitz deS ersten Bischofes. Die Stadt war übrigens schon früher, so wie das in der Nähe von Basel einst gelegene Augusta Vauracorum (Bascl-Aeugst), großenlheilS von den Hunnen verwüstet worden. In dem Gebiete der ehemaligen Stadt Windisch liegt KönigSfelden. Hier wurde 1308 Kaiser Albrecht von seinem Neffen Herzog Johann ermorde«; an der Stelle wurde 1313 eine Kirche von der Kaiserin Elisabeth und Kenigin AgncS erbaue. Letztere nahm den Schleier und starb 50 Jahre nachher als Heilige. Ihre Zelle altdeutscher Bauart wird noch vorgezeigt. Außerdem befinden sich dort mehrere Antiquitäten auS der Römerzeil. In der Kirche sind schöne Glasmalereien; die Bildnisse der bei Sempach erschlagenen Ritter; hier ruhten die Gebeine mehrerer Glieder aus dem österreichischen Hache; sie sind indeß jetzt nach Oesterreich abgeführt worden. Im Aarthale sieht man die jetzt unbewohnten Burgen: Bruncck und Habsburg. Angenehm ist es für den Wanderer katholischer Konfession in dieser Gegend sehr schöne und große Feldkreuze auS Stein gehauen zu erblicken, auch da und dort ein Täfclchen, daS ein Unglück meldet, und worauf um ein Vater unser gefleht wird. Freundlich berührt es das christliche Herz, daS Ave Maria läuten zu hören, und früh Morgens von Thal und Berg her die Töne der zur heiligen Messe rufenden Glocke zu vernehmen, und die beiden Glocken - Absätze, welche die heilige Wandlung verkünden. Mir scheint jedesmal die ganze Natur an dem unblutigen Opfer Theil zu nehmen: voran der pflügende Landmann, mit ihm daS Pferd und daS waldige Gebirg, und der singende Vogel. So hängt die Natur mit dem Christenthum zusammen; ein Sehnen, ein Haupterheben wie eö der Apostel nennt, liegt in der Natur. ES ist weit gefehlt, daS Betrachten derselben schon als genügenden Gottesdienst anzusehen, eS ist dieß schlechtweg heidnische Verehrung der Natur, der Natur, die selbst im Gefühle ihrer Nichtigkeit nach dem Erlöser aufschaut. Christus ist über Allem. Alles ist seiner bedürftig; daS All' aber hinwiederum — die gesammte Natur — zeugt von der Allmacht, Güte und Barmherzigkeit GotteS: die Natur weckt und bestärkt daS in dir liegende Gottesbewußlseyn, die Idee von Gott. Der Glaube verklärt die Welt. Gehe an einem schönen Morgen durch die Felder, und stehe: eS glaubt die Natur, sie schließt sich glaubend aus. Es glaubt die Kunst; der Glaube gab dem Thurm die schwindelnde Höhe. Es muß der Mensch glauben. DaS ist seine höchste Vollendung. Nach oben muß alles streben. Aber es ist ein Unterschied, ob es selbst sich erhebt, oder ob eö einem höhern Wesen die Hand reicht, und ihm sich anschließend, in ihm sich zu ergänzen strebt. Der höchste Thurm ist in der Nähe der Berge ein Zwerg. DaS froschmäßige, glaubenslose Sichauf- blähen des Menschen findet sein Bild in dem babylonischen Thurm. Der Glaube aber strebt himmelan, wie die Berge. „Siehe ich mache alles neu," sagt der Geist Gottes und dieser Geist ist in der Kirche, dem Horte des Glaubens. Aber im Calvinismus ruht ein anderer Geist, nicht der deS Glaubens, sondern ein Geist egoistischer, in sich verknöcherter Selbstgenügsamkeit bei aller Affectation deS Glaubens. Bei aller Versicherung, die der Calvinismus machen mag, christlich zu seyn, konnte ich demselben doch nie wahres, inneres Christenthum abmerken. Man macht vielfältig den nämlichen Vorwarf der katholischen Kirche. Aber man irrt sich. Was bei jenem im Wesen liegt, und ihn somit unfähig macht, eine christliche Anstalt zu seyn, das liegt bei der katholischen Kirche nur darin, daß viele ihrer Angehörigen daS in ihr ruhende Christenthum — Christus mit seiner Erlösung — nicht recht in sich aufnehmen, und in sich wirken lassen. Christus, der Glaube an Christus ruht in der katholischen Kirche, und es ist eine Strafe der Seelen, daß sie, die den Glauben zu heben vorgaben, nun alles Glaubens ledig sind: sie waren letzteres aber auch schon bei ihrem Ursprünge, denn ein Auflehnen gegen die Kirche ist auch ein Auflehnen gegen den Glauben. Aber sie täuschten sich damit, daß sie einen Glauben an Christus für möglich hielten, ohne an die Kirche glauben zu müssen, da doch Christus das Haupt der Kirche ist, und sie durch sein Blut erwarb, und ein nicht Hören der Kirche als Heidenthum gilt. Ich kam auf meiner Reise auch durch die Städte Basel und Straßburg. ES würde an kein Ziel führen, die unendlich vielen Merkwürdigkeiten der erstgenannten weltberühmten Stadt aufzuführen*), den Blick LeS Wanderers zieht der Dom auf sich. Er wurde von Kaiser Heinrich II. von 1010—1019 im byzantinischen Style gebaut, nach dem Erdbeben (1356) im gothischen Style hergestellt und 1490 in seiner jetzigen Gestalt vollendet. An der Hand der Geschichte werden wir es inne, und die Kunstwerke jeder Art sagen eS uns vernehmlich: eine schöne Vergangenheit mag in dieser Stadt einst geweilt, die Kirche in ausnehmender Schönheit *) Vcrgl. Ebcl, Reiscbuck durch die Schweiz. Zürich 181 Z und Blüthenpracht sich hier entfaltet haben. „O daß du doch deine Heimsuchung erkannt hättest," möchte man auch dieser Stadt zurufen. Ihr Weltsinn, der nicht kennt, waS deS Geistes ist, warf sie den Neuerungen in die Hände. Aber ihr Vergleich mit Zürich in religiöser Hinsicht möckte sehr zu Gunsten Basels sich gestalten. Es zeigt sich in dieser Beziehung viel mehr guter Sinn, und ein milderes Wesen läßt sich nicht verkennen, !unv wie die rohe Gemüthsart Zwingli'S in seinen GeisteSkindern noch ersichtlich ist, so möchte das sanftere Wesen des OekolampadiuS an seinen Anhängern jetzt noch vernehmbar seyn. Wenn man durch den Kreuzgang wandert, gehl man vorbei an der Grabstätte des EraSmns von Rotterdam, und der deS OekolampadiuS. Hier ruhen sie diese Männer und mit ihnen eine merkwürdige, bewegte Vergangenheit. Aber bei der Lesung ihrer Namen geht ein Dämmern, und wohl auch mancher helle Schein über die Vergangenheit hin. DaS rückblickende Auge sieht ein gefährliches Wogen; oben auf den Wellen die hervorragenden Männer jener Zeit, wie sie entweder ihr Fahrzeug mühsam durch den Sturm retten, oder aber in demselben zu Grunde gehen. Der Sinn der damaligen Menschheit, den die heilige Schrift Fleisch nennt, welches gegen den Geist kämpft, und ihn nicht anerkennt, erhebt sich gegen die höhere Autorität, die durch die Kirche gehandhabt wird; er will sich selbst genügen, über sich in seinem Ueber- muthe nichts Höheres anerkennen. AuS den tosenden Wogen der aufgebrachten Zeit tönte dem Eva-Sinn der Menschen das Verführer-Wort entgegen: „ihr werdet erkennen, ihr werdet seyn wie die Götter." Der Mensch glaubt sein dunkelndes Irrlicht in sich als Licht; überall der Ruf: Licht, überall: Menschenwürde, Freiheit, gegenüber der Finsterniß und Knechtung im Papstthume. Und weil eS nach Verlauf deS Sturmes und der Gefahr viel leichter ist, sich ein Urtheil über die größere oder geringere Bedeutsamkeit von der Bewegung zu verschaffen, hinterher sich auch leichter sagen läßt, wie man sich hätte benehmen sollen, dann auch weil der Irrthum bei seinem ersten Auftreten oft sehr schön mit dem Raube, den er an der Wahrheit begangen, sich schmückt, ferner auch an die Wahrheit, die man bisher besaß, sich so manche Entstellung anheftete, die ihren klarleuchtenden Glanz dem Auge entzog; so ist eS erklärlich, daß bei dem Anfange der sogenannten ReformationS-Bewegung manche auch gutgesinnte und für die heilige Religion begeisterte Männer nicht die Beharrlichkeit und Ueber- zeugungS-Festigkeit an den Tag legten, die man von ihnen erwarten und wünschen würde. In dieser Lage war anfangs auch EraSmuS. Er hoffte von der neuen Bewegung, daß sie heilsam sich gestaltend, manches Fehlerhafte, waS sich durch menschliche Unvollkommenheit an die reine Braut deS Herrn, die ohne Makel und Runzel ist, angeschlossen hatte, beseitigen werde. Daher in jener stürmischen Zeit vieles Zweideutige, Hin- und Her- schwankenve in der kirchlichen Haltung deS EraSmuS. Als er aber daS Bodenlose, daS Gefährliche, in daS die Bewegung sich zu stürzen drohte, erkannt hatte, als er sah, baß sie bei aller scheinbaren Hebung des Chri- stuSglaubens ein Kampf gegen Christus sey, und in ihren Konsequenzen es erst recht werde, und auch als solcher sich zeigen müsse, so bemühte er sich, immer mehr von der Neuerung sich abzukehren. EraSmuS starb der Kirche getrdu, im Jahre 1536, den 12. Juli. Daß Ulrich von Hütten sein Feind war, gereicht dem EraSmuS zur Ehre. Der dem EraSmuS in leidenschaftsloser und bedächtiger Ruhe ähnliche OekolampadiuS, dessen die Grabschrift mit übersprudelndem Lobe gedenkt, hatte daS Unglück von dem Sturme der Bewegung der Kirche entrissen zu werden. Auch in ihm, der unter allen Reformatoren die meisten Sympathien für sich erregen möchte, hatte sich ein geheimer Stolz, Selbstgefälligkeit und Widersetzlichkeit gegen die Kirche gebildet. In der AbendmahlSlehre hatte er sich an Zwingli angeschlossen, daö Brod bloß als Symbol Christi betrachtend. Er starb bald, nachdem dieser sein Freund bei Kappel gefallen war. In der Gemäldegalerie finden sich viele Gemälde HolbeinS, unter andern auch der Todtentanz. Es ist in Basel eine eigene Kirche, auf deren Friedhof, um die Kirche her, früher ein Todtentanz dargestellt war. Ein Todtentanz I — was ist das Treiben und Jagen der Menschen anders, wenn eS nicht in Beziehung auf Gott und ein zukünftiges Leben eine Richtung und Regelung bekömmt. ES ist ein Kreislauf, und der ermüdete Mensch fällt von Schwindel betäubt in den Tod nieder. Und todt sind sie alle, denen Gott nicht daS ewige Leben ist, die sich vom LebenSquelle abgeschlossen — todt der Seele nach stürzen sie sich den Pforten entgegen, die sie in daS Bereich deS ewigen und doch n.e sterbenden TodeS aufnehmen. Aus der Universität hatte ich die schöne Gelegenheit ein Kirchen- geschichtS-Collegium bei dem Professor dieser Wissenschaft, Dr. Hagenbach, dem Verfasser der Kirchengeschichte deS 18ten und 19ten Jahrhunderts zu hören. Er sprach von dem Streite der Arminianer und Gomaristen, knüpfte dann einige interessante biographische Nachrichten über David Joris, genannt Brügge an. Dieser David Joris lebte längere Zeit aus einem Landgute in der Nähe BaselS, und suchte höchst verderbliche Lehren zu verbreiten, 187 die gar nichts anders enthielten, als gerade die der heutigen Communisten über Güter- und Weibergeineinschaft auch. Er verwarf die Ehe!*) Zugleich gab er sich als die dritte Person in der Gottheit, den heiligen Geist aus. Nachdem er schon einige Zeit begraben lag, wurden seine Gebeine herausgenommen und als die eines Ketzers verbrannt. Den Weg nach Slraßdurg machte ich auf der französischen Eisenbahn durch das Elsaß. ES ist widerlich zu hören und zu sehen, wie die Franzosen die Slationsorke, die durchweg deutschen Namen, in Sprache und Schrift zu entstellen suchen. StraßburgS Merkwürdigkeiten aufzuführen ist hier nicht der Ort und würde kein Ende finden, Es war am Feste Mariä Geburt, als ich dem prachtvollen Gottesdienste in dem Münster beiwohnte. Welche Masse der Gläubigen drängte sich herbei; welche Andacht war! unter ihnen sichtbar! wie hatten alle dem Worte deS Herrn ihre Herzen! erschlossen. So mochten sie einst dicht gedrängt dagestanden haben, gierig! auf GotteS Wort horchend, als Gcyler von Kaisersberg Prediger während! 30 Jahren im Münster gewesen. Er liegt in der Kirche begraben und zwei Distichen in lateinischer Sprache sagen ungefähr jolgendeS: Denn du vergießest die reichliche Thräne, du Stadt der Argcnten Fühlend den schmerzenden Schlag, den dir versetzte der Tvd — Gehler schläft an dem Ort, ob dem einst rufend erschollen Aus des begeisterten Mund Worte des ewigen Heils. macht, sind ferner auch Ursachen, die daS Ihrige zum Sturze Badens beitrugen. Ich reiste von Baden gen Württemberg über die rauhe Alp, die viele Naturschönheiten bietet, und da und dorr durch Schlvßruiucn geziert ist, meinem theuren Vaterland- Bayern zu. Zu Lauch hei»,, einem Städtchen unweit der bayerischen Gränze, nahm ich in einem Gasthanse daS Biltniß Rvngc's wahr, hängend zwischen jenen bekannten zwei Narren« bildern, auf denen der eine lacht, weil der andere weint, nnd der eine weint, weil der andere lacht. Der Wirth bcuicrkte mir, sie (dieses OrtcS Bewohner) brauchten Nonge nicht; eS gäbe derartige Thoren ohnedem genug, und sein Bild, daö ihm unlieb in die Hände gekommen, glaube er hier an der rechten Stelle angebracht zu haben. Die Eisenbahnfahrt förderte mich von Nördlingen nach München und somit nahe meinem Aufenthalte, Und so beneide ich nun die Schweizer und die Franzosen nicht um ihre Republiken und ihre Einheit — eine Einheit, die Länder eint und Herzen trennt. Ich dankte Gott ein Deutscher zu seyn, und Bayern anzugehören, wo die katholische Kirche — auch in unserer Zeit — noch viele treue Anhänger zählt. In der Martinskirche, die dem calvinistischen Cultus gewidmet ist, finden sich zwei einbalsamirte Leichname, der eines Edelmanns und ein anderer, der die Seele seiner Tochter einst barg. Der Eindruck, den die Leichname, die einst bei Lebzeiten in der üppigsten Pracht sich gezeigt haben mochten, machen, ist nicht sehr angenehm. So mochte auch einst Salomo dagelegen haben, und dem nämlichen Loose zu entgehen, kann unS keine Macht der Well gewähren. Hier vor diesen Leichnamen, die übrigens andere, wie sie kurz nach dem Abscheiden erscheinen, an Entstellung trotz deS BalsamirenS weit überbieten, wurde es mir begreiflich, wie der heil. Franz BorgiaS bei dem Anblicke der gräßlich entstellten Leiche der Kaiserin Jsabella, welche letztere bei ihren Lebzeiten von ausnehmender Schönheit gewesen, den Entschluß fassen konnte, dem Scheinglanze dieser Welt zu entsagen, und ganz dem Herrn in der Zurückgezogenheit sich zu weihen. Vermittelst der Eisenbahn war ich wieder in daS unglückliche Baden versetzt, und Rastalt, der Stätte deS Jammers vorbei, nach CarlSruhe gekommen. Die allerdings sehr regelgerecht gebaute Stadt macht wegen ihrer Einförmigkeit und modernen Stutzerei (der Bau fing 1715 den 17. Juni an) keinen günstigen Eindruck auf den Wanderer. An dieser Stadt kann man deutlich sehen, wie leer die Welt wäre, wenn die Vergangenheit nicht mehr unter unö lebte, und überall nur die Gegenwart in ihrer Armuth sich unsern Augen darböte. Die Bewohner der Stadt waren (Anfangs Sept.) ganz niedergedrückt. Die Stadt so wie daS Land schien mir einer Gegend vergleichbar, über die ein vernichtender Wettersturm hingegangen. Aber bei allem Zerbrochenseyn dieses Volkes findet man keine Reue, in so weit eS selber dieses Uebel mit herbeiführte, sondern eine im Innern sort- gährende, wüthende Rache, eine zusammengepreßte Wuth, die bei der leisesten Oeffnung und dem schwächsten Windzüge wieder neu aufzulodern droht. Aber erklärt mag man manches finden, wenn man die badische Regierung der verflossenen Zeit in ihrer Gliederung von oben bis zu unterst betrachtet. Die falsche, christus- und kirchenfeindliche Richtung war hier von der Regierung gefördert, antichristliche Lehre aus die Lehrstühle gebracht, allen zur Leitung des Volkes Berufenen auf diese Weise ein solcher Geist eingeprägt, der sich dann auch dem Volke mittheilte. Die Kirche und der gute Klerus wurde verfolgt; ein großer Theil des Klerus hatte in der Glanzperiode der Bureaukratie zum falschen Aufklärungswerke („ihr werdet erkennen") die Hand bereitwillig geboten. Wenn nun die Obrigkeit eines StaateS der höhern Ordnung den Gehorsam kündet, warum will sie sich beklagen, wenn ihre Untergebenen daö Beispiel zu ihrem Verderben nachahmen ? ES war früh Morgens, und von da und dort ertönte die Glocke, die zum Gottesdienste rief. Ich begegnete einem Metzgerjungen, der mir sagte, daß er wohl gern in die Kirche ginge, aber daS sey ihm Jahr auö Jahr ein nicht möglich, indem er gerade an Sonn- und Feiertagen den ganzen Vormittag Fleisch anzutragen habe. Aber er tröstete sich damit, daß man ja überall beten könne, überhaupt sey er auch anderweitig der Ueberzeugung, daß Gott eine bestimmte Gottesverehrung nicht wolle, eS sey gleich welcher Konfession man angehöre, wenn man nur recht handle. Die Nachbarschaft der Schweiz und Frankreichs, so wie die ungünstige Lage, welche ein kernhaftes Zusammenhalten eines Volkes unmöglich *) Er hatte auch das schon bei ältern Serien vorkommende: „Mißbrauchen des Fleisches" gelehrt. Blumen au- dem Schriftgarten be- heiligen BernarduS. (Fortsetzung.) 94. Gnade. Je mehr du wachsest in der Gnade, desto mehr erweitert sich dein Vertrauen. Ein Beweis des Stolzes ist der Entzug der Gnade. Ich habe in Wahrheit gelernt, daß nichts so wirksam sey, die Gnade zu verdienen, zu bewahren, wieder zu erlangen, als wenn du zu jeder Zeit vorbefunden wirst als einer, der nicht hochmüthig für sich weise ist, sondern sich fürchtet. Denn „glückselig der Mensch, der allzeit furchtsam ist." Fürchte also, wenn die Gnade dir lächelt, fürchte, wenn sie geht, fürchte, wenn sie wiederkehrt, und daS ist „immer furchtsam seyn." Glücklich bist du, wenn du dein Herz mit dieser dreifachen Furcht erfüllst, so, daß du fürchtest für die empfangene, für die Verlorne, für die wiedererlangte Gnade. Sey nicht langsam oder träge im Danke für die Gnade, und lerne für die einzelnen Gaben dankbar zu seyn. Betrachte fleißig, sage ich, was dir vorgesetzt wird, damit die Geschenke GotteS der schuldigen Danksagung nicht beraubt werden, nicht die großen, nicht die mittelmäßigen, nicht die kleinen. Endlich werden wir ermähnt: „Sammelt die übrig gebliebenen Stücklein, damit sie nicht zu Grunde gehen," d. i., auch die kleinsten Wohlthaten dürfen wir nicht vergessen. Geht etwa nicht zu Grunde, was man dem Undankbaren schenkt? der Undank ist ein Feind unserer Seele, der Verlust der Verdienste, die Zerstreuung der Tugenden, der Entgang der Wohlthaten, ein „brennender Wind," der die Quelle der Liebe, den Thau der Barmherzigkeit und die Zuflüsse der Gnade austrocknet. Eine dreifache Gnade erhalten wir von Gott, eine, wodurch wir bekehrt, eine andere, wodurch wir in Versuchungen gestärkt, und eine dritte, wodurch wir als bewährt belohnt werden. Die erste macht den Anfang, da sie unS ruft; die zweite bringt vorwärts, wodurch wir gerechtfertigt werden: die dritte endlich führt zum Ziele, wodurch wir verherrlichet werden. Die erste ist eine Gefälligkeit, die zweite Verdienst, die dritte Lohn. Von der ersten ist gesagt: „Von seiner Fülle haben wir alle empfangen." Von den übrigen zweien ist gesagt: „Gnade über Gnade," d. i. die Geschenke der ewigen Herrlichkeit für den Dienst LeS zeitlichen KampfeS. In wie weit das Reich der Gnade ausgebreitet wird, in so weit wird die Macht der Sünde eingeengt. 95. Gott. WaS ist Gott? In Bezug auf daS Weltall der Endzweck, in Bezug der AuSerwählung LaS Heil, in Bezug auf sich selbst: Er weiß eS. WaS ist Gott? Der allmächtige Wille, die wohlwollendste Macht, daS ewige Licht, die unveränderliche Vernunft, die höchste Glückseligkeit, der des Menschen Herz erschafft zur Theilnahme an ihm, der eS belebt zum Gefühle für ihn, der eS anregt zum Verlangen nach ihm, der eS erweitert zur Ausnahme von ihm, der eö erfüllt mit Glückseligkeit, umgibt zur Sicherheit. WaS ist Gott? Nicht weniger die Strafe der Verkehrten, als der Ruhm der Demüthigen. Denn er ist eine gewisse verständige Leitung der Gleichheit, unwandelbar und unbeugsam, die überallhin sich erstreckt, und durch die alle Verkehrtheit in Verwirrung kommt, wenn sie 188 auf selbe stößt. Wird also alles Furchtsame oder Verkehrte daran anstoßen und zerschmettert werden? Wehe dem Weltall, wenn eS jener Gleichheit entgegen wäre, die keine Nachgiebigkeit kennt! Denn er ist auch die Tapferkeit. WaS, sagst du, ist den Anschlägen so sehr widersprechend und entgegen, als immer und vergeblich sich bemühen, an ihn zu stoßen? Wehe den entgegengesetzten Anschlägen, die die Strafe ihrer Wegwendung von ihm davon tragen. WaS ist so strafbar, als immer wollen, was niemals seyn wird, und immer nicht wollen, was immer seyn wird? WaS ist so verdammlich, als ein Wille, der an diesen Zwang gebunden ist, zu wollen und nicht zu wollen, so, daß er zu Beidem so verkehrt als elend bewegt wird. In Ewigkeit wird er nicht erhalten, waS er will, und waS er nicht will, wird er nichts desto weniger in Ewigkeit aushalten müssen. Ganz billig ist eö also, daß der, welcher für das Nichts eingenommen ist, niemals zu etwas komme, was nach ihm erlaubt oder ihm gefällig wäre. („Der Thor spricht in seinem Herzen: „„ES ist kein Gott."" Gott braucht die Menschen nicht erst um Erlaubniß zu fragen, ob er seyn dürfe, und der menschliche Wille kann nichts ausrichten gegen den Willen Gottes. Wenn aber daS Geschöpf sich gegen den Schöpfer auflehnt, so gebraucht derselbe seine Macht, um zu zeigen, daß Er der Herr ist.) 96. G u n st. Wenn du durch Zeichen und Wunder leuchten wurdest, in deiner Hand geschehen sie, aber durch Gottes Macht. Oder eS schmeichelt dir die Volksgunst, weil du ein gutes und kühnes Wort vorgebracht hast? Aber Christus schenkte dir Weisheit und Rednergabe, und deine Zunge ist nichts anderes, als „die Feder eines Schreibers," und selbst diese hast du entlehnt erhalten. Alles Lob also über die Güter der viel- gestaltigen Gnade werde aus den Urheber und Geber alles LobenSwerthen bezogen I 97. Güte GotteS. ES gibt Einige, welche zwar die Beleidigung verzeihen und sich nicht rächen, aber doch eS manchmal vorwerfen. Andere gibt eS wieder, die zwar dazu schweigen, aber sie vergraben tief in ihr Herz den Groll. Von beiden ist keine eine vollständige Verzeihung. Weit gütiger als diese Menschen, ist die Natur Gottes. Er verzeiht gerne, er verzeiht vollkommen, so, daß, wo die Sünde überschwenglich, auch die Gnade über- schwänglich ist. Zeuge davon ist der Völkerlchrer Paulus, der mit Gottes Gnade mehr arbeitete, als alle Apostel. Zeuge davon ist Matthäus, der, von der Zollbank zum Apostel erwählt, der erste Evangelist deS Neuen Testamentes zu seyn gewürdiget wurde. Zeuge ist Petrus, dem nach dreimaliger Verläugnung der Ob'crhirtenstab über die ganze Kirche übergeben wurde. Zeugin endlich ist jene verschrieene Sünderin, welcher selbst am Anfange ihrer Bekehrung ein so großes Maaß von Liebe gegeben und später eine solche Vertraulichkeit gestaltet wurde. Wer hat Maria angeklagt, und mußte sie sich selbst verantworten? Wenn der Pharisäer murrt, Martha klagt, die Apostel sich ärgern, schweigt Maria, und Christus entschuldiget und lobt die Schweigende. Um wie viel gütiger und süßer die göttliche Milde, als die Menschen, ist, desto angenehmer ist sein Joch den übrigen Menschen. 98. Gut. BöseS wollen ist ein Fehler'deS WillenS: Gutes wollen ist ein Fortschritt desselben: hinreichend Gutes aber, waS wir wollen, ist dessen Vollkommenheit. Damit also unser Wollen, das wir vom freien Willen haben, vollkommen sey, bedürfen wir einer doppelten Gnaden nämlich weise zu seyn, was die Hinneigung deS Willens zum Guten ist: und auch vollständig zu können, waS die Bestärkung deS Willens im Guten ist. Weiter ist eS vollkommene Hinneigung zum Guten, wenn dem Willen nichts gelüstet, außer was anständig und erlaubt ist: vollkommene Befestigung aber im Guten, wenn dem Willen nichts abgeht, waS ihm beliebt. Dann erst wird der Wille vollkommen seyn, wenn er ganz gut und voll vom Guten ist. Er hat von seinem Entstehen an ein doppeltes Gut an sich, ein allgemeines bloß von der Schöpfung her, da er nämlich vom guten Gott nur gut geschaffen werden konnte, und ein besonderes von der Freiheit der Entscheidung, in der er nach dem Bilde desjenigen, der ihn erschuf, gemacht ist. Wenn zu diesen beiden Arten auch daS Dritte zum Schöpfer hinzukommt, so wild er nicht mit Unrecht für vollkommen gut gehalten. Denn er ist gut in seiner Allge, meinheit, besser in seiner Art, am besten in seiner Unterordnung. Unterordnung aber ist die allseitige Hinwendung des Willens zu Gott, freiwillig aus sich, ergeben und unterworfen. 99. Heiligkeit. Ein seltener Vogel auf Erden ist eS, entweder die Heiligkeit nicht zu verlieren, oder durch die Heiligkeit die Demuth nicht auszuschließen. Frankreich. Zu den von der Cholera am ärgsten mitgenommenen Ortschaften Frankreichs gehört die kleine Stadt NerondeS im Cher-Departement, wo die socialistische Brüderlichkeit unbehindert herrschte, begünstiget von einem Bürgermeister, welcher der eifrigste Apostel der socialen und demokratischen Republik ist. Der Bürgermeister war voll unerschrockenen Muthes und voll der Hingabe, so lange kein Cholerakrauker in seiner Gemeinde war; als aber die Krankheit daselbst eine gewisse Heftigkeit erreichte, verlor er mit einem Male den Kopf, und vergaß alle Grundsätze und Betheuerun- gen socialistischer Brüderlichkeit. Er machte bekannt, daß die Krankheit hauptsächlich wegen engen ZusammenwohnenS so sehr um sich greife, und forderte Alle, die eS könnten, auf, die Stadt zu verlassen. Er selbst beeilte sich, mit gutem Beispiele voranzugehen. Alle Beamten folgten demselben; der Apotheker, sämmtliche Bäcker und Metzger thaten deßgleichen, und eS blieben nur 500 Arme im Städtchen zurück, denen die Mittel fehlten, um dem guten Rathe ihres Bürgermeisters zu folgen. Nur Einer blieb bei ihnen, um die Sorge für die armen Kranken auf sich zu nehmen — der Pfarrer. Man hätte glauben sollen, daß Vie Unglücklichen, deren trauriges LooS ihn zurückhielt, mit dankbarster Ergebenheit zu ihm sich hingewandt hätten. Doch nein; — man hatte die Köpfe dieser Leute durch die socialistischen Lehren derart verdreht, und allen religiösen und kirchlichen Sinn dergestalt in ihnen vernichtet, daß sie erst nach reiflicher Ueberlegung sich seiner Pflege und Sorge anvertrauten, indem sie aus seiner jahrelang bewährten Nächstenliebe den Schluß zogen, er könne doch unmöglich ein Vergifter seyn, der im Dienste der Reaction stehe. Der eifrige Pfarrer fühlte sich balv durch die Anstrengungen bei Tag und Nacht völlig erschöpft, unv fürchtete, daß er unterliege, und so seiner armen Gemeinde die letzte Hilfe entzogen werde. Er wandte sich daher um Mitarbeiter in der Krankenpflege nach Bourges. Man schickte ihm von dorther einige christliche Schulbrüder. Allein bei ihrer Ankunft zu NerondeS verbreitete sich dort daS Gerücht, man müsse ihnen nicht trauen, sie seyen Helfershelfer der Reichen und der Reactionäre, und die Jünger der christlichen Liebe wurden ohne Weiteres von den Jüngern der socialistischen Brüderlichkeit mit Flintenschüssen zurückgejagt. Der Pfarrer verlor den Muth noch nicht. Er erinnerte sich, daß vor einigen Jahren ein Jesuit mit Beifall in seiner Gemeinde gepredigt, und die Liebe deS Volkes in hohem Maaße sich erworben hatte. An diesen schrieb er, verheimlichte ihm nicht die Gefahren, die ihm bevorstehen könnten, die Anstrengungen, die seiner harreten, und bat um seinen Beistand. Der Gebetene eilte sofort hin, in Begleitung eines jungen Mannes, der Mitglied deS VincenciuSvereinS zu BourgeS war. Sie wurden zu NerondeS ziemlich kalt empfangen; nach einigem Zaudern jedoch ließ man sich ihre Pflege und Hilfeleistungen gefallen. Der Minister de Fallour, der sich damals gerade zu NeriS aufhielt, hörte von dem fürchterlichen Elende, welches die Cholera zu NerondeS und in der Umgegend anrichte. Davon ergriffen bat er seinen Freund, den AbbS Girandin, ihn auf einem Besuche nach dem Städtchen zu begleiten, um sich von den dortigen Zuständen mit eigenen Augen zu überzeugen, und so weit möglich Abhilfe zu verschaffen. Kaum waren die beiden Herren bei dem Pfarrer eingekehrt, als ihnen angezeigt wurde, daß bewaffnete Leute sie aufsuchten, und tödten wollten, weil sie zu den Reichen und Aristokraten gehörten, und ohne Zweifel Gift bei sich führten. Fallour antwortete mit der ihm eigenen Entschlossenheit und Ruhe ganz freundlich: „Nun denn, wie könnte man einen schöneren Tod finden, als indem man Leidenden Trost und Hilfe bringt?" und fing an, mit seinem Begleiter von HauS zu HauS zu gehen, und ließ in jedem Hilfe, Trost und Beruhigung zurück. Sodann schrieb er dem Bürgermeister, er werde die an der Cholera erkrankten Arbeiter eines in der Nähe gelegenen Bauplatzes der Eisenbahngesellschaft besuchen, und hoffe ihn bei seiner Rückkehr zu NerondeS in Mitte seiner leidenden Administrirten zu sprechen. Der Bürgermeister wagte nicht, der Aufforderung de« Ministers zuwiderzuhandeln, und war zur bestimmten Zeit da; aber alle Versuche, ihn zum Bleiben in der Stadt zu bewegen, waren fruchtlos; zwei Stunden später verließ er dieselbe von Neuem. Verantwortlicher Redacteur: -.Schönchen BerlagS-Jnhaberr F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- nementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abon- nentcn der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peibtatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel löiiuen diese Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. Fürst v. HoherUohe. Bon der Sill, 22. Dec. An ihm hat die Kirche einen Glau- benShelven und einen gewaltigen Beter, die Fürsten haben an ihm einen treuen Freund, der ihnen die Wahrheit nicht verhehlte, die Völker haben an ihm eine liebende, mahnende, warnende Stimme, die leidende Menschheit hat an ihm ihren warmen Freund, ihre Stütze, ihre Hilfe verloren. Als solcher war der muthige Kämpfer allen Feinden der Kirche und der Menschheit ein Gegenstand des Hasses und der Verfolgung; darum sind sie froh, seiner loS geworden zu seyn. Aber er wird als verklärter Freund" Gottes noch thätiger und kräftiger wirken für daS wahre Wohl Alles, auch seiner Feinde, als er eS in seiner allumfassenden, gränzenlosen Liebe in diesem Leben gethan hat; und wenn alle seine Gegner spurlos und vergessen in vie Grube gesunken seyn werden, wird sein Andenken ruhmvoll und gesegnet unter den Völkern leben, fortwährend noch Gutes wirkend neben dem Fluche des Aergernisses, welches die Feinde des Glaubens auszusäen nicht müde werden. ES gibt zwar im Leben dieses Fürsten sehr viel, waS merkwürdig und wunderbar ist; waS aber gerade für ^diesen Moment seines Hinschei- denS sehr auffallend erscheint, ist der Schluß jener Leichenrede, welche der Fürst selbst am 28. November 1836*) zu VoSlau, wo er nun gestorben ist, und seine Ruhestätte gefunden hat, seiner frommen Mutter an ihrem Grabe gehalten hat. Diese Schlußworte lauten also: Und nun zpm Schlüsse eine Bitte an Sie, hochwürdiger Seelsorger dieser Pfarrgemeinde! Lassen Sie auch mir eine Ruhestätte neben der Gruft der theuern Mutter bereiten! VöSlau's Kirchhof sey von nun an für mich ein vielbedeutender Markstein für dieß vielleicht noch kurze Leben; er erinnere mich an jenen Spruch: „Für dich: bis hieher, und nicht weiter für dieses Leben!" — Klingt dieß nicht, als wenn der große Dulder gerade deßhalb so plötzlich aus unserer Mitte, wo er fern von der Heimat eine Zuflucht gefunden, dorthin eilen wollte, um diese Ahnung und sein eigenes Wort zu erfüllen? (Kath. Bl. a. T.) Die Ungleichheit der menschlichen Stellungen. **) (Theilweise nach einem Vortrage Lacordaire's.) Den Menschen unterscheidet vom Engel daS Bewußtseyn, daß und wo der Schuh ihn drückt. Dieser Schuh ist für gar Manche nur der alte Bundschuh der gemeinen Erdenpilger***); oder mit andern Worten: Vielen erscheint ihr niedriger Stand, oder überhaupt die Ungleichheit der menschlichen Stellungen als der Rad- und Hemmschuh ihres Glückes. Während der Eine reich ist und schwelgt, darbt der Andere und leidet mit den Seinen empfindlichen Mangel. Aber der Mensch forscht auch nach den Ursachen der Dinge; und dieß unterscheidet ihn von den Thieren. Es kann daher nicht befremven, wenn er, wie schon der alte Seher gethan (Irrem. 12.), nach dem Warum solcher Ungleichheit fragt. Die Erkennt- niß davon soll dann den praktischen Nutzen bringen, daß sie die Mittel und Wege zeigt, die Uebelstände aus dem Grunde zu curiren oder doch minder empfindlich zu machen. Eine Abhilfe ist aber um so nöthiger, als die Menschen, die zur wechselseitigen Liebe berufen sind, durch jene Un- *) Gedruckt bei den P. P. Mechitaristen zu Wien 1837. ") Aus dem österreichischen Volksfreund. *'*) Der Bundschuh war das Feldzeichen der Proletarier im löten Jahrhunderte, als Gegenstück zum Ritter-Stiefel. A8 T December Y ...e—> > gleichheit in unversöhnliche Parteien entzweit werden. Woher aber entsteht !die große Verschiedenheit ihrer Stellungen? Und wie ist derselben abzuhelfen? Anders wird hierüber der „»christliche, anders der religiös erleuchtete Geist sich auSsprechcn. ? Am grellsten tritt die Einseitigkeit deS Urtheils bei den Heiden hervor. Da sie die Einheit deS Menschengeschlechtes nicht kannten, und die Völker alS bloße Gebilde oder Gewächse deS Bodens betrachteten, auf dem dieselben heimisch waren, trennten sie die Menschen, wie die Gebiete, un- tviederbringlich von einander. Der Fremde galt ihnen als Feind, bloß rpeil er ein Fremder war. Diese Scheidung setzte sich in dem Innern der Völker selbst fort. So stehen bei den Jndiern oder Hindu die Kasten schroff und unversöhnlich einander gegenüber, weil nach ihrer Lehre die höheren auS den ediern Theilen", nämlich aus dem Haupte und der Brust deS Gottes Brahma, die niedern hingegen auS den minder edlen, nämlich den Füßen, entsprungen seyn sollen. Auch den gebildeteren Griechen und Römern war der Mensch nichts als ein Erzeugniß der Natur, welche sie als die Eine, allseitig thätige erkannten. Aber ungeachtet des von ihnen bewirkten Cultur Fortschrittes, ließ diese falsche Einheit die wahre nicht aufkommen. Nur eine gewisse Vereinfachung kam zu Stande: die Menschen zerfielen in Herren und Sclaven. Einer der größten heidnischen Denker erblickt, auf seinem befangenen Standpuncte, in dieser Unterscheidung sogar eine strenge Nothwendigkeit. Aber selbst in unsre Zeit ragt diese Befangenheit deS Denkens noch herein. Denn wie beschränkt ist nicht die Denkweise, die zwischen edlerem und unedlerem Blute unterscheidet, und die ächte Menschenwürde kaum erst beim Baron beginnen läßt? Anders lautet die Lehre des Christenthums. Kinder GotteS seyd ihr, ruft sie den Menschen zu, und daher gleich vor Gott. Der Natur nach aus Einem Stamme entsprossen, dem Geiste nach mit derselbe» sittlichen Anlage begabt, seyd ihr überdieß gleichgemacht durch die sühnende Kraft deS für Alle vergossenen Blutes deS ErlöserS. Von nun an, hat der Apostel gelehrt, gibt eS nicht Juden und Griechen, nicht Herren und Knechte mehr. Denn ihr seyd Alle Eins in Christo, d. h. weder die Verschiedenheit der nationalen Abstammung, noch jene der Stellungen, die ihr in der Gesellschaft einnehmt, kann mehr ein Grund seyn, euch zu trennen. AuS Einem Adam geboren, seyd ihr in Einem Christus wiedergeboren. Die trügerische Bosheit, die ein Affe der Wahrheit ist, hat sich dieser Lehre von der Gleichheit in ihrer Weise bemächtigt. Früherhin, etwa seit anderthalb hundert Jahren, hatte sie daS irdische Leben und Wohlergehen als die ganze Wirklichkeit und daS einzige Gut gepriesen. Nachdem sie das Evangelium verhöhnt, und dasselbe als trübsinnig, finster, übcrschwäng- lich und schwärmerisch in Verruf gebracht, sprach sie zu den Menschen: Naturwesen seyd ihr ganz und gar. Wie mag daher der volle Genuß der Natur euch verkümmert werden? oder wie darf man seinem eigenen Wesen feind seyn? Aller Genuß aber hängt von einer glücklichen Stellung und dem Reichthum ab; nach diesen also müsset ihr streben. Kein Wunder, daß den Menschenkindern diese Lehre gefiel. Aber einmal auf den Boden deS bloß thierischen Lebens gestellt, erging eS ihnen wie der übrigen Thier- welt; sie theilten sich in Fresser und Gefressene, in Keiler und Heuler. Mit räuberischen Händen rissen dte Mächtigen alles an sich, und vergaßen die Pflicht, die klaffenden Wunden ihrer Mitbrüder zu heilen. Nachdem so der Grund oder vielmehr der Abgrund für die Entwürdigung deS Menschen tief genug geworden, traten die Jrrlehrer neuerdings vor die Menge, aber jetzt als Wölfe im heiligen Gewände. Mit salbungsvoller Miene und im Tone deS Evangeliums riefen sie: Wahrlich, wahrlich sagen wir euch: alle Menschen sind gleich. Die Höhen müssen erniedrigt und die Thäler ausgefüllt werden. Daher muß Jedem, der da hat, genommen und dem gegeben werden, der Nichts hat. Alle haben daS Recht deö gleichen Besitzes. Es ist daher eure Pflicht, die gleichmäßige AuStheilung - - 190 deS Besitzes zu fordern. Und von jetzt an wurden zum Feldgeschrei der Massen die Worte: Theilung, Gesellschaftsverlrag, Gütergemeinschaft! Allein diese modernen Evangelisten haben vergessen, daß im wahrhaften Evangelium nebst der Gleichheit der Menschen auch die Verschiedenheit der Stellungen hervorgehoben wird. Dreierlei Sohn- oder Kindschaften sind es, welche das Christenthum unterscheiden lehrt. Dem Geiste nach bist du ein Kind GotteS, ein unmittelbares Geschöpf seiner Allmacht. Dem Leibe nach bist du bloß ein Werk der mittelbaren Schöpfung; von Adam und seiner Nachkommenschaft abstammend, und in dieser Beziehung bist du ein Sohn deS Menschen. Aber wie die Leiber von ihrem Ursprünge her gar verschieben orga- nisirt, so sind auch die Geister nicht gleich beschaffen. In den Einen waltet die Dcnkkrast, in den Andern die Willenskraft vor; die Anlagen und Fähigkeiten sind mannigfaltig; und daher die Ungleichheit der Menschen, und gewisse einzelne Vorzüge schon ursprünglich gegeben. Und welcher Mensch vermag seiner Länge eine Spanne hinzuzusetzen? Vor dieser Schranke wird daher, wie sehr er auch sich sträube, der Stolz des Menschen zurückweichen müssen. Die Betrachtung, daß diese Anorcnung ober Zulassung von dem allmächtigen und allweisen Herrn der Welt ausgehe, oder vollends die Ueberzeugung, daß sie von dem liebenden Vater der Menschen herkomme, wird den widerstrebenden Hochmuth zur Unterwürfigkeit bewegen, und endlich in freiwillige Ergebung umwandeln. Besonders entscheidend aber für die Stellung deS Menschen ist die dritte Art von Sohnschaft. Als Luo- wig XVIIl. von Frankreich sich einst von Generalen aus der Napoleonischen Schule umgeben sah, die sich von geringer Herkunft zu hohen Würden aufgeschwungen, sagte er in einer Anwandlung stolzen Selbstgefühls: «Ich gestehe Ihnen, meine Herren, daß ich sehr viel auf Ahnen halte." Auch ich, Majestät, versetzte einer der Generale; denn ich selber bin ein Ahne. Er wollte damit sagen: WaS du hast, ras bin ich. Du zählst bloß als ein Nachkomme, dessen Rang von seinen Vatern ausgeht; ich dagegen nehme meinen Ausgang ganz von mir selber. Welch ein wahres Wort! Die Sohnschaft, die von den Thaten und großen Werken sich herschreibt, ist die dritte und wichtigste. Dem Gegebenen tritt hier die Thatkraft, der Gebundenheit die Freiheit, der Schranke die Selbstbestimmung entgegen. DaS Mögliche mag immerhin versucht werden, wenn dabei nur dem Gewissen die Ehre gegeben wird! Hier «den greife jeder in sein Inneres, unv prüfe, was er verdient hat. Die Männer, die in unsrer Zeit ihre Thatkraft entfaltet, wie oft haben sie den Mahnruf deS Gewissens überhört, den geraden Gang verschmäht, der Leidenschaft und Eigensucht nachgegeben! Wie oft hat nicht die Güte GotteS die bösen Folgen ihrer Eigenmächtigkeit gehemmt oder hinausgeschoben! WaS Wunder, wenn bei fortgesetztem Widerstände der einfache Weg und die Klarheit des Gewissens verloren wirb, wenn Angst, Verdruß, Qual und Mißgeschick den Gottvergessenen befallen! Aber auch der Unschuldige ist den Leiden anheimgegeben, ohne daß diese Thatsache den Christen je aus der Fassung bringen soll. Wenn der Meister gelitten, darf der Schüler das gleiche LooS nicht von sich weisen. Sind wir nicht stolz auf die Zahl unsrer Märtyrer? Und dieser gerechte Stolz sollte in feigen Abfall sich verwandeln, weil die Reihe auch an unS gekommen, für den Glauben einzustehen und zu leiden? Allerdings stärkt den Christen nicht wenig der Blick in das Jenseits. Er weiß, daß dort die Verhüllungen ein Ende nehmen, das Verdienst als Verdienst, und die Nichtigkeit und Lüge als solche offenbar werden. Er weiß, daß die Prüfungen auf Erden dem Wetterleuchten gleichen, das spurlos verschwindet. Dieser Trost ist wahrlich kein leidiger. Aber ein Jeder in seiner Stellung, wie immer diese sich gestalte, hat auch hienieden einen erhabenen Beruf zu erfüllen. Jeder Christ soll ein Prophet, d. h. ein Verkünder der Wahrheit seyn, und zwar insbesondere der christlichen. Er soll ein König seyn, d. h. vor allem als «in Beherrscher seiner selbst, dann auch als ein vorleuchtender Leiter der Schwachen, der Unerfahrenen, und der seiner Aussicht Anvertrauten sich bewähren. Endlich soll jeder Christ seine priesterliche Stellung kennen, indem er anbetend, bittend und opferwillig, in Glaube, Hoffnung und Liebe ausharrt. Der Apostel ermähnt: Ein Jeglicher beharre in der Stellung, zu der er berufen ist. „Diese AizSdauer, wo sollte sie gewisser durchzuführen seyn, als dort, wo Liebe und Opfer, wo göttliche Erleuchtung und Stärkung das menschliche Gemeinwesen verklären? Man stelle sich einmal die Welt ohne die christliche Religion vor. Liegt sie jetzt schon jief genug im Argen, was wäre sie erst ohne jene! Findet jetzt schon der Einzelne wenig Erbarmen und Hilfe, wie erginge eS ihm erst, wenn daS Christenthum verschwände! Es ist natürlich, daß je wahrhaft christlicher der Staat sich einrichtet, desto mehr auch daS thätige Christenthum, die Werke der Nächstenliebe, in seiner Verfassung einen entsprechenden Ausdruck finden werden. Allein was vermögen äußerliche Anordnungen und Gesetze für sich zur Besserung der Zustände, wenn das Gewissen, daS RechtS- !gefühl, die Pflicht der Liebe nicht durch das Christenthum wachgerufen und lebendig erhalten werden! Die Irrlehre und die Lehre der Kirche unterscheiden sich durch die Worte: „Geh und komm." Jene sagt: Gehe so weit vor, als es dir beliebt und du nur immer kannst; denn recht ist alles waS du vermagst. Dein Gewissen sey das des Spartaners, dem nur daran gelegen war, daß er auf dem Diebstahle nicht ertappt werde. Die Kirche dagegen spricht: Komme zu deinem Vater und deinem Heilande, die dich rufen; ertrage das Geschick, daS sie dir bereiten, sey eS deS Ruhmes und Glückes, sey eS der Prüfung und der Mühen. Schon hier wirst du in deinem Innern einen mächtigen Trost finden, als den Vorboten der dereinstigcn Verklärung, in welcher daS Dornengeflechte sich zur Ehrenkrone verwandelt. Katholisches Leben,in Wien.*) „Wo find die lfterarischen Kräfte, die sich vereinen, um für die heilige Wahrheit einzustehen? Wo sind die katholischen Bürger, die um solche Unternehmungen sich kümmern, oder wenn sie inS Leben treten wol- len, sie mit einigen Opfern fundiren und unterstützen? Gute Nacht, katholisches Wien, du ehemalige Vormauer gegen den Islam!" — UnS freut diese kernige, aufrichtige Sprache des österreichischen VolkSsreundeS in einer seiner jüngsten Nummern; denn gerade dadurch bewährt er sich als aufrichtiger Freund des Volkes und macht seinem Namen Ehre, daß er sich getraut, dem Wiener die bittere Wahrheit ins Angesicht zu sagen, und wir rufen ihm zu: Nur muthig fort in diesem Tone; denn der Wiener erträgt die Wahrheit, und kann auch nur durch drastische Mittel aus seiner religiösen Apathie gerüttelt werden. Schnell und im Momente erglüht er für das Gute — doch facht man nicht fortwährend die Flamme der Begeisterung an, oder läßt man sich durch etwaige Hindernisse selber enlmuttflgen, so verglüht auch wieder im Momente daS Feuer. So steht eS zur Stunde in Wien mit der katholischen Begeisterung, welche im vorigen Jahre den Karholikenverein hervorgerufen. Mehr noch, als der Belagerungszustand und andere politische Eventualitäten haben leider! verschiedenartige Hemmnisse Hioco8 intra muros das katholische Leben im Keime erstickt. Tausende von Wienerbürgern standen im Frühlinge v. I. hinter jenem Theile deö Klerus, der es zuerst gewagt, seine Stimme öffentlich zu erheben für Gesetz und Freiheit in Kirche und Staat, der zuerst seine Mitbürger warme vor auöländistibcn Wühlereien! Diese Bürger sind nicht dagestanden mit Art und Schaufeln oder gefälltem Bajonette; sie sind dagestanden, die Hand wie MoseS zum Gebete erhoben, während Jvsue stritt. Weßhalb traten sie aber wieder unbemerkt ab vom katholischen Schauplatze? Weil sie mit Wehmuth erfahren mußten, daß diese Sprache deS Klerus ihm zum Vorwürfe gerechnet, und derselbe eines unkirchlichen Treibens angeklagt wurde in Tagen, in welchen jeder einzelne Priester für den katholischen Glauben freudig in Kampf und Tod zu gehen bereit war, in Tagen — sagen wir — in denen der Klerus das JudaSanboth eines Füster „den Bischof mit Hilfe der Legion zur Abdankung zu zwingen," mit Entrüstung zurückwies; wie auch anderen ähnlichen Anträgen, Venen vielleicht übelverstandencr Eifer zu Grunde liegen mochte, entschieden seine Zustimmung verweigerte. Ein einziger unglücklicher Priester der Wienerdiöcese fiel als beklagenSwerthes Opfer der pantheistisch-communisti- schen Demokratie anheim, während alle übrigen daS Schwert des Geistes ergriffen, und das Wort deS Glaubens nicht ferner gebunden glaubten in einer Zeit, in der daS Wort des frechsten Hohnes und Unglaubens frei auf den Straßen krächzte. Doch die Pflichterfüllung ward dem Klerus zur Schuld gerechnet, und während an andern Onen der Klerus ehrenvolle Anerkennung von Kirche und Staat empfing, ging WienS hartgeprüfte und wohlbewährte Geistlichkeit leer aus. Hätte man sich von Oben herab dieses echtkirchlichen Strebens unter Priestern und Laien zur rechte» Zeit in der rechten Weise mit aller Energie bemächtigt, wäre man ihnen Leitstern und Führer gewesen, so hätte Europa gewiß ein großartiges Schauspiel katholischen Muthes und Lebens im verflossenen Jahre erlebt, ja wir hätten vielleicht keinen Oktober 1848 zu betrauern! Allein der Zeitpunct ward verabsäumt, weder Wärme noch Kälte ward aus höheren Regionen dem katholischen Bürger fühlbar, und so sank die Sonne katholischen Lebens, die kaum in hoffnungsvoller Morgenröthe hervorgeblickt, hinter den Bergen wieder hinab; der Wienerbürger fiel wieder in Lethargie, bedauernd, daß man ihn zu leidigem Nichtsthun verunheilt, daß man die gespensterartig gefürchtete Theilnahme des Laien an kirchlichen Interessen lieber wieder vom bureaukratischen Regime, als vom gesunden Kern deS Bürgerthums vertreten wissen wollte. In diesem Umstände vornemlich liegt *) Schreiben an die Redaction der Wiener Kirchenzeitung. 191 die ticfeitenide Wunde im Katholicismus WienS zu Tage, die nicht eher vernarben wird, bis nicht ein entschiedenes Borangehen in der katholischen Sache den Muth der Bürgerschaft wieder neu belebt, so lange nicht ein großartiges politisches Tagblatt, gefördert von Allen, welchen noch Glaube, Sitte, Recht und Eigenthum dem nur mit Mühe niedergehaltenen Socialismus gegenüber heilig ist, die Interessen der Kirche im socialen wie politischen Leben mit Freimuth und Festigkeit vertritt; denn es ist hohe Zeit, daß die katholische Kirche, gegen die sich alle wie immer gefärbten Journale feindlich vereinigen, in der Ocffentlichkeit zur Macht werde, wie wir dieß in Frankreich bemerken. Weinerlicher OuietiSmuS ist eben so nichtSwürdig und verderbenbringend, als wilvanstürmender FanaliSmuS. — Vieles hätte freilich sülS katholische Leben und Wirken geschehen können, wenn Plenarversammlungcn deS Kalholikenvereins alle Bezirke hindurch gehalten worden wären. WienS katholische Bürgerschaft vermißte sie schmerzlich und wünschet sehnlichst deren Wiedereröffnung herbei. Manche Kraft wäre dem Vereine gewonnen und erhalten worden, die Plenarversammlung würde in so mancher ernsten Sache nicht mit Worten gespielt, sondern ein aufrichtiges, offenes Wort in die Wagjchaale gelegt haben. Als einziges Lebenszeichen des Vereines ist unS, außerdem trefflich redigirtcn Vereinsblatte, eine Vertrauens- und BeileidSaLressc bekannt, welche eine namhafte Anzahl von VereinSmitgliedern an den aus dem AuSschusse und der Redaction ausgeschiedenen Dr. Hock gerichtet, und in der vornemlich die Bitte enthalten ist, „sich auch fernerhin an der katholischen Sache mit gewohntem Freimuthe zu betheiligen." — Wie gerne würde es der Verein gesehen haben, wenn der für die Dauer des Belagerungszustandes bevollmächtigte AuSschuß zur Generalversammlung der katholischen Vereine nach Regensburg Abgeordnete auS seiner Mitte ge;andt, oder wenigstens ein enthusiastisches Begrüßungsschreiben übermittelt hätte! Vielleicht wäre uns nicht die tiefe Beschämung geworden, Linz den Rang als nächsten Vorort abtreten zu müssen! Wann wird denn endlich einmal das Wort unseres gefeierten Veith zur That werden: „Der Oesterreich«! ist im vollsten Sinne Deutscher, er ist aber auch Katholik; und der innige Anschluß der Katholiken in Oesterreich an jene in den übrigen Gebieten Deutschlands kann ihnen nicht andekZ^alS zur freudigen Erstarkung gereichen." (Siehe Aufwärts Nr. 7.)^/ Alles bisher Gesagte zusammengehalten, darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn das katholische Leben in Wien dem Ersterben nahe ist, und die Feinde der Kirche über die Ohnmacht und Halbheit im katholischen Heerlager jubeln. „Nur die katholische Macht wirb Europa retten!" Dieß ist die unüberwindliche Ueberzeugung, die unS Bürgern Veith in seinen Kanzelvorträgen seit Jahren eingeprägt. Dieß und nicht mehr wollte Ihnen, Herr Redacteur! ein Wienerbürger schreiben, einerseits um die Lahmheit seiner Mitbürger in Etwas zu entschuldigen, andererseits aber, um unsern deutschen Mitbrüdern durch ihr Organ zu sagen, daß unS, d. h. denjenigen, die einmal für die Wahrheit einzustehen sich entschieden haben, „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Stärke, weder Höhe noch Tiefe, noch irgend ein Geschöpf zu scheiden vermag von der gegenseitigen Liebe, die da ist in Christo Jesu!" (Röm. 8, 38.)' Die Schulmeister. (Von einem praktischen Schulmann.) Unter den Handlangern und Kärrnern der Revolution ist eS den Schulmeistern am übelsten ergangen. Mußten sie früher in der Komödie und dem Romane als Magister Zwack, als Wehmeier und Agesel figuriren, wurden sie von den Gelehrten über die Achsel angesehen und von dem Klerus unter dem Daumen gehalten — und zu Ersterem gaben nicht wenige von ihnen daS Muster, zu Letzterem zureichenden Grund —, so kommt nun noch der Schulmeister-Wühler und Freischärler hinzu, — zu den Gerüchlein der Geruch! Wer hat aber den Schulmeister dazu herangezogen? Wer hat ihn zum „Unbefriedigten", zum „Weltschmerzler" gestempelt? Die Art und Weise seiner Bildung, die dem Zeitgeist angehörte, welcher die jetzige Fäulniß erzeugt hat. Man sehe einmal nach, was die jungen Leute während ihrer zwei Jahre als Seminaristen erlernen sollen! Von dem Baume der Wissenschaften können nur einzelne Blätter gepflückt werden, und den Absud davon erhält dann der Schulknabe. So werden denn die Köpfe, statt aufgeklärt, verwirrt, die hergebrachte Denk- und Empfindungsweise zertrümmert, und damit alle Pietät entwurzelt; ohne Pietät aber gibt eS kein schönes Familien-, Gemeinde- und StaatSleben. Nur einige Belege. Wenn ein Knabe von 10 bis 14 Jahren dem Hausvater dreinreden will, so fertigt ihn dieser mit einem kurzen: „DaS verstehst du noch nicht" ab; derselbe Knabe aber erörtert in der Schule mit dem Lehrer die Landesverfassung und diScntirt mit ihm die beste StaatSform! Wohin muß DaS nothwendig führen? Was mürben Eltern dazu sagen, wenn sie sehen müßten, wie in einem Kreise von 40 — 80 Kindern sich eines anSzöge, und an seinem jungen Leibe zuerst Kopf, Rumpf und Glieder unterschiede, dann die Theile deS Kopses und Rumpfes, wie eS die siebente Rippe als die Gränze der Brust- und Bauchhöhle zeigte, und endlich erklärte, was sich in der Brust- und Bauchhöhle befindet? Nun, in der Schule geschieht Dieß; zwar zieht sich kein Kind aus, aber sie lesen oder hören die Beschreibung deS menschlichen LeibeS, und die Phantasie kann ja nicht anders, sie muß daS nackte Bild vor die Augen dcö Geistes stellen. So wird die sittliche Einfalt deS KindeS untergraben, nachdem man den einfältigen kindlichen Gehorsam, den Grundstein jeder Tugend, aus seinem Boren gewühlt hat. Der Inbegriff jedoch von allen Sünden der modernen Schule ist der Sprachunterricht, wie er nach irgend einer „Eprachdcuklehre" ertheilt wird. JnS Nähere darüber mag ich gar nicht eingehen, so wenig eS mir einfällt, die Unterschiede zwischen Mensch und Affe nachzuweisen; denn so ungefähr verhält sich diese Art, die Sprache zu behandeln, zu der cdeln Grammatik, die aber nicht in die Elementarschule gehört. Will man die nächste Generation vor dieser sündhaften Ueberreizung, dieser bis in daS Mark des Geistes abschwächenden Frühreife retten, so fange man damit an, wenigstens die zu Lehrern auf dem Lande, die zu Dorfschulmeistern bestimmten Jünglinge anders, d. h. zu ihrem Berufe zu erziehen. Ein Seminar dieser Art sey zugleich eine landwirthschaftliche Schule, denn der künftige Lehrer soll unter Bauern und als Vorbild der Bauern leben. Man dolire die Dorfschule, wo eS nur immer angeht, theilweise mit Land; zwei Jauchert wenigstens kann ein Lehrer anbauen, wenn man ihn nicht mit unverdautem WifsenSquark und unmöglichen und eben darum unsinnigen Anforderungen plagt. Eine Dorfschule ist eine sehr gute, wenn die Kinder in derselben mit Fertigkeit und Verständniß lesen, schreiben, rechnen, und die Kirchenlieder ordentlich singen lernen; wer für seine Kinder mehr will, findet die geeigneten Anstalten. Dann ist der Lehrer keine Abart von Professor mehr, sondern, waS er seyn soll, ein Meister in der Schule; er wird dann auch nicht den „Herrn" im Gegensatze zum Bauer spielen, denn Herrcnkleider paffen nicht zur Feldarbeit, wohl aber einem reinlichen und verständigen Bauersmann, oder wenn er lieber will, einem Landmann der besten Art gleichsehen. Jedenfalls wird er sich alsdann ökonomisch besser stellen, mehr Achtung genießen, segenSvoller wirken, und von Stolz, Neid und Unmuth weniger geplagt seyn. Au- Württemberg. * In Nr. 46. deS SonntagS-BeiblatteS zur AugSburger Postzeitung ist auch deS HerbsteramenS Erwähnung gethan, welches im verflossenen August im hiesigen Institute abgehalten wurde. Insbesondere ist auf daS Eramen im Griechischen Rücksicht genommen, in Betreff dessen in der an, geführten Stell« einige Bedenken erhoben werden. Da nun der Unterzeichnete im Institut zu Trauchburg das Griechische zu lehren hat, so erlaubt er sich einige Gegenbemerkungen dagegen, um so mehr, als jener Aufsatz dem allenfallsigen Mißverständnisse unterworfen seyn dürfte, als werde im genannten Institute in der griechischen Sprache eine bloß mechanische Fertigkeit erzielt und daS Geistbildende deS Sprachstudiums hintangesetzt. Im Uebrigen freut eS mich, daß der Verfasser jenes Artikels, welchen ich selbst gesprochen zu haben glaube, eS für der Mühe werth erachtet hat, unsere Leistungen zu berücksichtigen. Ich glaube, daß er alsbald mit mir einverstanden seyn wird, sobald er sich mit mir darüber verständigt hat, waS ein Eramen bezwecken soll. Die Zeit, welche bei einem JnstitutSeramen für die Behandlung eines einzelnen Gegenstandes bleibt, ist begreiflicher Weise wegen der Stenge der Gegenstände kurz zugemessen: und doch sollen die Schüler in ! jedem Fache Rechenschaft von ihren Leistungen geben; denn darum hält ;man ja ein Eramen! Wie muß also das Eramen gehalten werden, damit man sich von den Kenntnissen der Zöglinge überzeugen kann? Offenbar so, daß der Lehrer nicht viel spricht und salbadert, sondern ganz kurz ein Resultat verlangt. So habe ich eS gemacht. Hätte ich mehr Zeit dazu gehabt, so würde ich es vielleicht anders gemacht haben. Anstatt dir griechische Formenlehre paragraphenweise Herabsagen zu lassen, gebe ich einige deutsche Sätze, welche auS dem Deutschen inS Griechische übersetzt werden, und in welchen die Formenlehre sich schon angewendet findet. Da findet ein sachverständiger Zuhörer von selbst heraus, ob der aufgerufene Zögling die Fähigkeit hat, grammatische Formen (Aorist, Perfectrc.) oder auch syntaktische Regeln zu treffen oder nicht. ES kam mir darum, und Gegenden besonders des nördlichen Deutschland Kirchen erbaut, Pfar- die Bemerkung deS Verfassers jenes Artikels sonderbar vor, wenn er erzählt,! reicn gegründet und katholische Lehrer angestellt werden können. (Kath.) «in Schüler hätte den Anfang von Plato'S Phädon ins Deutsche und inSj Lateinische übersetzt, und dann beifügt: „der Schüler lieferte allerdings die deutsche und lateinische Uebeksctzung, aber wenn man die Formen, das Grammatikalische und Syntaktische, die Wortbedeutung, den Sinn, das Geschichtliche, daS Entsprechende der lateinischen Uebersetzung, d. h. warum dieser lateinische Ausdruck gewählt worden, näher urgirt hätte, hätte er kaum die gehörige Grundlage gehabt, hierüber zu antworten." Ein Theil dieser Behauptung ist unrichtig; denn wenn die Schüler auch Etwas auS dem Deutschen inS Griechische übersetzen müssen, und wenn sie dieß thun ohne asten Gebrauch einer Grammatik, oder eines LerikonS; so geben sie den Beweis, daß sie „die Formen, das Grammatikalische und (wenigstens theilweise) daS Syntaktische" verstehen. WaS aber weiter in dieser Behauptung verlangt wird, übersteigt großentheils den Gedankenkreis eines Knaben und die aufgestellte Forderung wäre eher an ein PräceptoratS- alS an ein Knabeneramen zu stellen. Wenn der Verfasser endlich meint, der griechische Sprachunterricht werde in Trauchburg nach einer Methode gelehrt, die der Lehrmethode der neuern Sprachen gleich sey, so hat er vollkommen Recht. Will er aber daraus den Schluß ableiten, als werde mehr auf Fertigkeit gesehen, als auf daS Gcistbildende deS Sprachstudiums; so hat er völlig Unrecht. Man muß vielmehr daS Eine thun und daS Andere nicht lassen. Daß auf Gewandtheit mehr gesehen werden muß, als früher darauf gesehen wurde, das sprechen ja unsere bedeutendsten Schulmänner und Grammatiker, wie Kühner, Franz u. A. aus, und es hieße wirklich nicht auf der Höhe der philologischen Bildung stehen, wenn die Gerechtigkeit dieser Forderung verkannt werden wollte. Trauchburg den 22. November 1649. Dr. Theobald Bischofberger. Quedlinburg. Zu Quedlinburg in Preußisch-Sachsen, einer der ältesten deutschen Städte, hat sich seit dem Jahre 1803 eine katholische Gemeinde gebildet, die aber, wie viele unserer armen verlassenen Glaubensbrüder im Norden Deutschlands, bisher nur zeitweise das Glück genießen konnte, daß ihr von einem der eigens dahin abgesendeten Priester das heilige Meßopfer dargebracht, die göttlichen Lehren verkündet und die heiligen Sacramente gespendet wurden. DaS Erste, woran die arme aber wackere und glau- benStreue Gemeinde dachte, war die Anstellung eines tüchtigen katholischen Lehrers, dem sie mit Vertrauen ihre Kinder zur Bildung und Erziehung übergeben könne. Mit großen Opfern und durch brüderliche Unterstützung der Katholiken in Rheinland und Westfalen gelang dieß seit dem Jahre 1844. Freilich waren Anfangs die Protestanten so unduldsam und ver- folgungssüchtig, daß sie dem Aufkommen dieser Schule alle Hindernisse in den Weg legten; bisweilen, wenn die städtischen Beamten gerade in übler Laune waren, wurden die katholischen Kinder sogar mit Gewalt ihrem Lehrer entrissen und in die protestantischen Schulen durch Polizeidiener geschleppt. Diese Plackereien haben nunmehr nicht allein aufgehört, sondern unter den 60 Schulkindern befinden sich gegenwärtig selbst 18 von ganz protestantischen Eltern, auf das ausdrückliche Verlangen der Letztem. Diese erklären nämlich, seit Jahren hätten sie in ihren Kirchen und auS dem Munde ihrer Prediger nichts mehr von Jesus Christus, dem Sohne GotteS, gehört; da aber der Glaube an denselben, an seine Gottheit und seinen ErlösungStod noch in der katholischen Kirche lebe und darin gepredigt werde, so wollten sie, daß ihre Kinder in diesem beseligenden Glauben erzogen würden. Unter solchen Umständen war die Anstellung eines eigenen Geistlichen dringendes Bedürfniß. Dieselbe erfolgte vor nunmehr einem Jahre; allein die äußern Verhältnisse der Quedlinburgs katholischen Gemeinde sind in so hohem Grade traurig, daß eine schleunige und ausreichende Hilfe noth thut. Abgesehen davon, daß fast Alles an Paramen- len, Gefäßen u. dgl. zur würdigen Feier des Gottesdienstes fehlt, muß dieser selbst in einer ehemaligen Bedientenstube deS Schlosses abgehalten werden, die aber, schon unpassend in sich, bei weitem nicht die 400 Seelen starke Gemeinde, geschweige denn die zahlreich sich herbeidrängenden Protestanten fassen kann. ES ist daher dringend zu wünschen, daß besonders die katholischen Vereine Deutschlands den in RegenSburg gegründeten BonifaciuSverein nach Kräften fördern und durch milde Beiträge die Mittel herbeischaffen, wodurch wie in Quedlinburg so in vielen andern Städten Luxemburg. Luremburg, 23. Nov. In diesen Tagen ist in der Kammer ein merkwürdiger Fall zur Entscheidung gekommen. Vor etwa zwei Jahren starb hier eine alte adelige Dame und bestimmte ihr HauS, 80 — 100,000 Fr. an Werth, tcstamentlich zur Wohnung deS apostolischen VicarS. Der Besitztitel war der Stadt vermacht. Die damals an der Spitze der Verwaltung stehende französische Freimaurerpartei suchte nun auS Haß gegen unseren würdigen Bischof die Absicht deS Vermächtnisses zu vereiteln und die Stadtregierung zn vermögen, die Erbschaft nicht anzunehmen, weil sie ^den ErbschaftSstempel und die Kosten der laufenden Reparaturen nicht über- ! nehmen könne. So zog sich die Sache zwei Jahre lang hin. Vorgestern nun beschloß die Kammer mit allen Stimmen gegen 2, daß die StaatScaffe die Reparaturkosten zu übernehmen habe und daß kein Stempel bezahlt werden solle. Für den Abschluß eines Concorvals, welches die Stellung unseres Bischofs in Zukunft vor ähnlichen Mißhandlungen, als er Seitens der gestürzten Regierungspartei erlitten hat, sichern würde, ist die Schenkung dieser schönen bischöflichen Wohnung eine bedeutende Erleichterung. Frankreich. AuS PariS wird in öffentlichen Blättern mitgetheilt, wie ein einfacher französischer Landpfarrer, während er andern Leuten daS Schönreden überläßt, die verführerischen Schlagworte der Neuzeit: „Bildung und Wohlstand für Alle" zu verwirklichen recht ernstlich bemühet ist. Diese Thätigkeit ist so einfach, so durch und durch praktisch und doch so reich an Segen, daß wir nicht umhin können, sie unsern Lesern zu schildern, mit dem aufrichtigen Wunsche, daß sie unter.den Geistlichen auf dem Lande recht viele Nachahmer finden möge. Der Abbs Väoey, Pfarrer in VaraigueS, einem kleinen Orte der Diöcese Perigueur, gründete vor einigen Jahren in seinem Hause eine Zufluchtsstätte für verwahrloste Kinder, und schämte sich nicht, bei dem Lehrer deS Ortes zuerst als Gehilfe in der Schule zu fungiren und, nach hinlänglich erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten, seine Prüfung als Schullehrer zu bestehen, wodurch er daS Recht und die Befugniß sich erwarb, seinen armen Kindern in der Religion, im Lesen, Schreiben und Rechnen Unterricht zu ertheilen. Dieß gelang vortrefflich; aber er genügte nicht dem Eifer des Pfarrers; er wollte auch die Zukunft der Kinder durch Anleitung zum Betrieb des Ackerbaues sichern und verwendete zu dieser löblichen Ausdehnung seines ersten Planes daS kleine Vermögen, welches er von seinem Vater ererbte. DaS HauS ist nunmehr gegründet, in welchem die Kinder wie zur Religiosität, so zur nützlichen Beschäftigung im Ackerbau angeleitet werden. Die obere Leitung deS ganzen Instituts liegt in der Hand des ehrwürdigen Abbä, der aber gleichzeitig darauf dachte, wie sein schönes Werk nicht nur Bestand auf lange Jahre hinaus, sondern auch größere Verbreitung finden könne. Zu diesem Ende bildet er junge eifrige und talentvolle Jünglinge als treue Mitarbeiter, und sollen dieselben später überall auf dem Lande Freischulen gründen und darin besonders die verlassenen armen Kinder wie in den nothwendigen Elementar- Gegenständen, so auch vorzüglich in dem Ackerbau unterrichten, und ihnen durch frühe Angewöhnung Liebe zur Arbeit und zu einer geregelten Beschäftigung einflößen. In daS zu VaraigueS gegründete HauS werden Kinder von 8 — 10 Jahren aufgenommen, und verlassen dasselbe erst in ihrem achtzehnten Lebensalter; aber ausgerüstet mit religiösem Sinne, mit hinreichenden Kenntnissen, gut gekleidet und mit einem kleinen Capital von wenigstens 100 Franken, welches daraus erwächst, daß jedem Kinde vom zwölften Jahre an zwanzig Centimes wöchentlich in einem eigenen Büchlein gut geschrieben und verzinst werden. Außerdem wird täglich ein Ehrenpreis vertheilt an dasjenige Kind, welches nach dem Urtheile der übrigen am fleißigsten gearbeitet hat.— Jeder, der Obiges liest, thue nach seinen Kräften und je nach den Verhältnissen daS Gleiche, und erwäge, daß Abbä Vsdey sein schönes Werk fast ohne alle Hilfsmittel inS Leben gerufen und fest begründet hat. Auch der heilige Vincenz von Paul, einer der größten Wohlthäter deS Menschengeschlechts, war arm an irdischen Gütern, aber reich an Gottvertrauen und an Eifer für vaS Wohl der unsterblichen Seelen seiner armen und unglücklichen Mitbrüder. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- nementspreis im Be- reiLe von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Ausschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Deiblatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können d!-se Blätter bezogen werden. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch^die Post, jährlich 1 st. !20 kr. Hlcuntcr Jahrgang ^ «S. s December L ten. Allerdings sind nun für diese zahlreiche», zerstreuten, katholischen Christen Missionen errichtet. Allein selbst diejenigen, die in dem Um- ! fange solcher Anstalten wohnen, sind nicht im Stande, ihre Kinder in die oft 10 Stunden weit entfernte katholische Schule zu schicken; die Uebrigen hingegen, welche außerhalb des Kreises dieser dürftigen Missionen sich befinden, entbehren nicht bloß für ihre Kinder, sondern auch für sich selbst jeder kirchlichen Hilfe. Zahlreiche katholische Kinder werden demnach in ihrem zartesten Alter in protestantische Schulen geschickt, wo sie ganz oder theilweise dem Protestantismus verfallen. „Ich kenne Missionen," schreibt ein Priester den historisch-politischen Blättern, „in deren auswärtigem Bezirke fünfzig, sechzig solche schulpflichtige Kinder, von katholischen Vä- tern erzeugt, umherlaufen ohne den Segen der Kirche; und unzerstörlich bleibt im katholischen Gemüth das Bewußtseyn dieses Segens, wenn auch nur ein Funke des Glaubens zurückgeblieben! Auch eine noch so lange Vereinzelung und Vereinsamung hat nicht alles Glaubensleben zu Grabe getragen! Es ist mancher Vater, auch manche Wittwe, sie nahen flehend dem Hirten: „„Helfen Sie, daß meinen Kindern daS beste Erbtheil werde, daß ich selig, ruhig sterben kann!"" Wie sehr daS thatsächliche Anschauen der protestantischen Leerheit und Zerrissenheit zum verstärkten Hervortreten eines solchen Wunsches beitrage, möge hiemit nur angedeutet seyn! „Je weiter nach Norden, desto apostolischer!" Bei solcher Gewißheit, daß hier der Same in ein gutes Erdreich fällt: welcher katholische Christ, der nur noch eine Spur von Liebe zn seinem Glauben und der Menschheit bewahrt hat, wird nicht Theilnahme für seine Brüder in Norddeutschland empfinden, und mit einem edlen Gefühle ausrufen: Es muß geholfen werden! Wessen Aufgabe ist es aber zunächst, dem Hilferuf zu antworten? Wäre dieß nicht die Aufgabe der bereits überall bestehenden katholischen Vereine im gesammten deutschen Bundesgebiet? Vor beinahe zwei Jahrhunderten war es Ferdinand Für- istenberg, Bischof von Paderborn, welcher daselbst jenen reichen herrlichen Fond hinterlegte, durch den noch jetzt die norddeutschen Missionen und Missionäre bestehen. WaS heut zu Tage aber die Reichen nicht mehr thun, daS vermag die Kraft Vieler, das vermögen Vereine, und zwar die katholischen Vereine Oesterreichs und Deutschlands! Die Vereine hätten vor Allem dafür zu sorgen, daß für einen bestimmten Bezirk in Norddeutschland an dem geeigneten Missionsorte „Missionshäuser" eingerichtet würden. Ohne diese Anstalten, wodurch die Kinder dem katholischen Glauben erhalten werden, können die gegenwärtigen Missionen ihren Zweck nicht erfüllen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber r F. C. Kremer. Vierteljähriger Abon- «ementspreis im Bereiche vou ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Buch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -DeiblaU zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen werden. Der Preis belrägk, wie bei dem Bezng durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. ^ so 16 . December 184 S. AuS der Versammlung der Bischöfe In Wien *) Der hochwürdigste Fürsterzbischof von Ollmütz glaubte in einem an den Secular- und RegularkleruS seiner Diöcese unter dem 24. October d. I. gerichteten Hirtenbriefe die Documente der bischöflichen Konferenz in Wien, in so weit dieß mit höheren Pflichten vereinbarlich ist, nicht vorenthalten zu dürfen. Er eröffnet dieselben mit einem Schreiben deS Car- dinalerzbischofeS von Salzburg an den heiligen Vater, und einem Rückschreiben des Letzteren an jenen. Wir lassen diese Documente in deutscher Uebersetzung hier folgen. An Se. Heiligkeit Papst PiuS H Heiliger Vater! Ich würde mich fürwahr deö VersäummsscS meiner Pflicht, der kindlichen Ehrfurcht und deS Gehorsams anschulcigen müssen, wenn ich nicht der hohen Kenntniß Seiner Heiligkeit mit der gebührenden Aufrichtigkeit Alles unterbreitete, waö in der gegenwärtigen schwierigen Lage der Dinge, wo auch in unserem Vaterlande Alles, wovon religiöse Wohlfahrt und kirchliches Heil abhängt, in Schwebe gestellt ist, die Pflicht unseres schwerverantwortlichen Amtes von unö Bischöfen zu veranlassen gebot. Der jüngst bei uns auch stattgefundene staatliche Umschwung hat so viele Hoffnungen und so viele Befürchtungen herausgeführt, daß er unS, die wir einst über das unserer Obsorge anverrraule Heil der Heerden Rechenschaft ablegen müssen, zur äußersten o^erhirtltchen Sorgfalt wachrief. Denn nach den mannigfachen Zeilbewegungen, welche einen großen Theil von Europa durchliefen, und auch von den Gränzen deö österreichischen KaiscrstaaleS nicht ferne blieben und die Kirche selbst nicht leichr verwundeten, begrüßen wir freudig das von unserem erlauchten Kaiser für Oesterreichs Lande gegebene Grundgesetz, welches einerseits den Stürmen und gewaltsamen Umsturzversuchen hoffentlich ein Ziel gesetzt, andererseits aber auch die katholische Sache von den Fesseln deS SkaatSschutzeS, von denen sie. bisher umfangen war, nun endlich zu befreien und der gerechten Freiheit wiederzugeben verspricht. Indem wir dergestalt das, waö längst schon unser Herz ersehnt, wag wir längst schon Lurch Bitten zu erreichen und durch Anforderungen zu erwirken, vergebens uns gemüht, durch das oberste StaatSgesetz nun beschlossen sehen, würden wir gerne Herz fassen, un- vollendS zu beruhigen, wenn nicht andererseits mit Recht zu befürchten stünde, daß den böswilligen Zcilbestrebungen zufolge jenes kaiserliche Statut, das des Guten und Günstigen für die Kirche Gottes so viel enthält, durch mißliebige Auslegung verkehrt werde und die alsdann zu erlassenden organischen Decrcte, denen die zu allgemeinen Grundzüge deS SlalutcS nach und nach zur Ausführung zu überantworten kommen, die kaum gc. schöpfte Hoffnung der kirchlichen Freiheit wieder neuerdings zu nichte machen. Diese Gefahr deS Augenblicks unsererseits von dem Leibe der Kirche abzuwehren, und sowohl durch die Sachlage selbst, als die Einrichtungen der Kirche gemahnt, in der Einigung die Stärke und Festigkeit zu suchen, erachteten wir vor Allem als zeitgemäß, uns zu versammeln, und unsere Berathungen gemeinschaftlich zu pflegen, indem wir die StaatSregierung indeß beschwören, derartige organische Decrete, durchweiche raS Verhältniß deS StaatcS zur Kirche im Einzelnen festgesetzte würde, nicht zu erlassen, ohne früher die kirchliche Autorität gehör: und in Berathung gezogen zu haben. Da dieß von selbst billig uiw gerecht erscheinen mußte, haben die obersten Leiter der Staatsgewalt die Bischöfe aus allen Friede genießenden s) Wie aus der Verwahrung des Schreibers an den heiligen Vater, so wie aus der! Rüchchrift des Papstes an die Bischöfe hervorgeht, hatte die Versammlung nicht den Charakter einer bischöflichen Synode. > Provinzen deS KaiscrstaateS nach Wien zusammenbcrufcn, und dieser Einladung zufolge haben wir uns beeilt, am dritten Sonntage nach dem Osterfeste in dieser Hauptstadt zusammenzutreten. Durch Stimmengebung zum Vorsitzenden in der Geschäftsordnung ! erwählt, erachte ich eS für meine Pflicht, Seine Heiligkeit über das Wesen dieser Versammlung mit gebührender Verehrung in Wissenschaft zu setzen und im Namen der versammelten Bischöfe da» Zeugniß abzulegen, daß eS nicht ihre Absicht sey, eine heilige Synode nach kirchlicher Anordnung zu feiern; sonst würden sie, vermöge ibrer tiefsten Ergebung, von der sie gegen den Stuhl deS heiligen Petrus beseelt sind, und deö schuldigen Gehorsams in Bezug auf die heiligen Canoncn, im Gewissen sich verpflichtet gefühlt haben, die apostolische Genehmigung für ihr Unternehmen vorhinein zu erwirken. Die angestellten Berathungen sind nur für präliminarisch zu halten, als hervorgerufen durch die Anfrage der Regierung, auf welche die Bischöfe zu antworten am gerathensten halten, wenn sie fußend auf der gewährten kirchlichen Freiheit, die katholischen Principien in gemeinschaftlicher Darlegung auSsprechen, und die unveräußerlichen Rechte der Kirche einstimmig für sie wieder zurückverlangen, damit nicht etwa zukünftigen und entschiedenen, durch die Autorität des apostolischen Stuhles zu schließenden Verträgen, eine vorschnelle StaatSgesetzgebung hindernd in den Weg trete. Aus solche Weise hoffen wir mit Zuversicht, der in der Gegenwart uns drängenden Pflicht Genüge zu leisten, und die Billigung deS heiligen Stuhle« zu erlangen. Daß Seine Heiligkeit daS so schwierige und mühevolle Werk, an welches wir geschritten, mit väterlichem Wohlwollen begleiten, und bis eS uns gestattet seyn wird, über den Erfolg umständlicher zu berichten, mit dem Thaue deS apostolischen Segens zu befruchten Sich würdigen möge, darum flehe ich inständigst im Namen der versammelten Bischöfe, der ich im tiefsten Gefühle der Ehrfurcht und deS GehoisamS, die heiligen Hände demüthigst küsscnv, ersterbe Eurer Heiligkeit Wien, den 25. Mai 1849. Friedrich, Cardinal nnv Fürsterzbischof. PiuS P. P. IX. Unserem Geliebten Sohne Heil und apostolischen Segen. Unlängst ist zu Uns daS Schreiben gelangt, welches Wir von Dir, Unser geliebter Sohn! am 25. Mai von Wien aus dalirt und auch im Namen der übrigen gegenwärtig dort weilenden ehrwürdigen Brüvcr nnv Bischöfe deS österreichischen KaiserstaateS geschrieben, und im innigsten Gefühle der Treue, Ehrfurcht und des Gehorsams gegen UnS und den Stuhl Petri verfaßt, sofort mit bereitwilligst entgegenkommendem Herzen in Empfang genommen haben. Denn eS fiel unS höchst angenehm auf, in jenem Schreiben wiederholt zu bemerken, daß Dir und eben jenen Vorstehern nichts wichtiger sey, als in so großer Zeitbewegung auS allen Kräften daS Heil der Gläubigen zu betreuen, und mit allem Eifer die Sache der katholischen Kirche zu verfechten und ihre Rechte und Freiheit aus den Fesseln der weltlichen Gewalt herauSzukämpfen. Daher rührte Deine und der übrigen Bischöfe mächtige Freude, als durch das von Unserem in Christo geliebtesten Sohne Franz Joseph, Kaiser von Oesterreich, apostolischen König von Ungarn und König von Böhmen, für die Länder seiner Oberherrlichkeit erlassene Grundgesetz die Hoffnung aufleuchtete, eS werde die Kirche von allen jenen Fesseln, mit denen sie bisher nach allen Seiten hin umstrickt gewesen, befreit, ihre sehnlichst gewünschte Freiheit wieder erlangen. Da Du aber. Unser geliebter Sohn, und die übrigen Bischöfe höchlichst befürchtet, eS möchte die Hoffnung zur Erlangung einer solchen kirchlichen Freiheit den böswilligen Zeitbestrebungen zufolge durch organische Decrcte, die etwa 0 ^ > > , c . 198 nach dem erwähnten Gesetze erlassen würden, abgeschnitten werden: so habet ihr eS für eure Pflicht gehalten, diese Gefahr abzuwenden, und die StaatSregierung dringendst zu beschworen, die kirchliche Autorität zu Rathe zu ziehen, bevor eben diese organischen Bestimmungen erlassen würden. Diese nur ganz gerechte Forderung bewirkte auch, daß die ersten Staatsbehörden die Bischöfe auS allen Friede genießenden Provinzen deS Kaiser- ihumeS einluden, in jener Stadt zusammenzukommen. Daher hattest Du, Unser geliebter Sohn, und die übrigen ehrwürdigen Grüder, Erzbtschöfc und Bischöfe, beschlossen, alsögleich in jene Hauptstadt insgesammt zueilen, nicht wohl deßhalb, um aus eben diesen verschiedenen Provinzen eine gerneinsame Synode zu feiern, die, wie jeder von euch sehr wohl weiß, ohne Unserer und deS apostolischen Stuhles Erlaubniß nie gehalten werden könnte,! sondern auf daß in einmüthiger Gesinnung, und mit vereintem Eifer und! Rathe, eure ganze Mühe und Sorgfalt auf die Behauptung und Vertheil digung der kirchlichen Rechte und auf die Beförderung des größeren Nutzens und Heiles der katholischen Sache auf dem Pfade der heiligen Canonen verwendet werde. Wir können wahrlich nicht umhin, diesen Deinen und ^ der übrigen ehrwürdigen Brüder Entschluß mit verdienter Lobeserhebung ^ zu begleite», und Wir sind überzeugt, daß Dir und ihnen nichts mehr am! Herzen liege, als daß AUcS nach der Norm des heiligen, kirchlichen Rech- rcS mir allem Eifer emsig vollführt werde. Wir hegen ferner die Hoffnung, cS werde eben Unser in Christo geliebter Sohn, euer erlauchter Fürst,! wohl wissend, wie sehr zum Schirme der Festigkeit seines Reiches, so wie der Rnhc und deS Glückes seiner Völker, die katholische Kirche und ihre unveränderliche Lehre beitrage — nicht nur nicht zulassen, daß durch organische Decrete etwas festgestellt werde, was den heiligen Rechten der Kirche zuwider ist, sondern Er werde auch, Unseren und euren höchst gerechten Wünschen und Anforderungen Folge gebend, dahin wirken, daß die Kirche selbst in allen seinen Gebieten ihre volle Freiheit erlange, und daß die ^ geweihten Vorstände unter Leitung und Autorität deS apostolischen Stuhles ^ gänzlich frei seyen in Verrichtung deS ihnen obliegenden AmteS. Doch! wohl schon von Dir selbst siehst Du ein, Unser geliebter Sohn, daß Unö nichts so erwünscht seyn werde, als alle Verhandlungen eurer Versammlung in Empfang zu nehmen, und zugleich zu erfahren, welches der Erfolg eurer Berathungen und Arbeiten gewesen sey. Indessen aber flehen Wir in Demuth Unseres Herzens dringend zum allmächtigen Gott und Herrn: Er wolle über Dich und die übrigen dort weilenden ehrwürdigen Brüder Seine Erbarmung vervielfältigen, und reichlich auSgicßen den Geist der Weisheit und LcS Verstandes, den Geist deS Rathes und der Stärke; Er wolle eure Mühen und Arbeiten zur größeren Ehre Seines heiligsten Namens und zum Frommen Seiner heiligen Kirche unterstützen, stärken und befestigen! AIS Wahrzeichen deS göttlichen Schutzes, und als Zeugniß Unseres besonderen Wohlwollens ertheilen Wir Dir, Unser geliebter Sohn, und den übrigen ehrwürdigen Brüder» in herzlichster Liebe huldvollst den apostolischen Segen. Gegeben zu Gavta den 9. Juli 1819. Im vierten Jahre Unsers PontificatS, PiuS P. P. IX. Die Stellung der Katholiken in Holland. (Aus dem „Luxemburger Wort.«) Es ist Zeit, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf den in seiner Art unerhörten Druck, welchen noch im neunzehnten Jahrhundert, in dieser Zeit deS Fortschrittes und der Aufklärung, nahezu anderthalb Millionen katholischer Niederländer seitens ihrer protestantischen Mitbürger zu erdulden haben, hingelenkt werde, und daß einem edlen Volke in der Errin- gung des Besten und Nothwendigsten, ohne dessen Besitz ein Volk nicht glücklich seyn kann, der religiösen Freiheit und Gleichberechtigung nämlich, ein thatkräftiger Beistand geleistet werde. Der Druck, der auf den niederländischen Katholiken lastet, ist ein gewaltsamer, und ist ein in seinem Ursprünge sowohl, als in seinem innersten Wesen unrechtmäßiger. DaS katholische Volk ist daS eigentliche Stammvolk der Niederlande; es ist aus seinem rechtmäßigen Besitze durch eine Revolution verdrängt, und ist nur durch eine gewaltsame Unterdrückung dritthalb hundert Jahre lang der Ausübung seines unveräußerlichen und unverlierbaren Rechtes beraubt worden. Die jetzigen Niederlande sind zuerst durch die Apostel der katholischen» Kirche auf friedlichem Wege zum Christenthums bekehrt. AuS freien Stücken haben die alten Bataver dir Altäre ihrer Götter verlassen, und haben sich dem von den christlichen Aposteln gepredigten beseligenden Glauben der katholischen Kirche angc- schloffen. Die katholische Kirche hat die rauhen Sitten dieses Volles all- mälig gemildert, hat Gotteshäuser und Klöster gegründet, und durch sie Wissenschaft, Ackerbau und Wohlstand im Lande verbreitet. AIS Kaiser Kart V. die Niederlande beherrschte, waren die Städte dieses Landes die wohlhabendsten und gewerbetreibendsten in Europa. Aber eben dieser Reichthum halle auch ein Wohlleben und eine Ueppigkeit der Sitten verbreitet, die den neuen Lehren Lulher'S und Calvin'S Eingang verschafften. Jedoch waren es vorzugsweise nur die großen Städte, m denen außer einer An- zahl ehrgeiziger und neuerungSsüchligcr Reichen eine Masse rohen und entsittlichten Volkes auS allen europäischen Ländern sich umherlrieb, in denen die Neuerungen Eingang fanden. Es bildeten sich in den Niederlanden die abenteuerlichsten Seelen, welche alle vorgaben, das ursprüngliche Christenthum wieder herstellen zu wollen, und viele der berüchtigsten Schwärmer, wie Johann v. Leyden u. a., sind von dort hervorgegangen. Aber der Kern der Bürgerschaft in den Städten und vor Allen das treue und unverdorbene Landvolk hielt an dem Glauben seiner Väter fest. Auch würde es der Neulehre, die so bald schon nach ihrer Entstehung sich in verschiedene Paneiungen zerspaltete, wohl nicht gelungen seyn, sich auf die Dauer hin in den Niederlanden zu behaupten, wenn nicht eine politische Verschwörung sich mit ihr verbunden hätte, und in Folge einer siegreich durchgeführten Revolution das treue katholische Volk in Druck und Abhängigkeit gerathen wäre. Der immer ncuerungSsüchtige Pöbel der großen Städte ward durch den ehrgeizigen Adel aufgewiegelt, und mit Hilfe fremder Schaarcn aus England und Frankreich die rechtmäßige königliche Gewalt gestürzt. Die Revolutionspartei erklärte sich für den reformirten Glauben und proclamirte die Republik. Nur die südlichen Provinzen der Niederlande, daS heutige Königreich Belgien nebst dem französischen ArtoiS und Flandern wurden dem katholischen Glauben erhalten, und die Revolution, welche daselbst bereits die schrecklichsten Gräuel angerichtet hatte, beugte sich, wie heut zu Tage in Italien und Wien vor Radetzky und Windischgrätz, so vor des tapfern Alba, Farnese und Spinola siegreichem Schwert, Lurcmburg hatte nie der Neulehre Eingang gestattet, und seine tapfern LandeSsöhne waren nichr die schlechtesten Krieger in Alba's und Spinola's Heer. Desto trauriger aber war daS LooS der katholischen Niederländer in der neu entstandenen Republik. Zwar bildeten sie die entschiedene Mehrzahl der Bevölkerung, aber sie hatten nicht die Revolution gemacht und begünstigt, darum wurden sie von den Männern der Revolution, die nun alle Macht in Händen hatten, auf daS Grausamste gemißhandelt. Man beschloß, die katholische Religion in Holland mit Stumpf und Stiel auszurotten. Rohe Pöbelhaufen drangen in die Kirchen ein und zerschlugen in einer vandalischen Weise die Heiligenbilder und kostbaren Gemälde. Die heiligen Gefäße wurden entweiht, sogar mit dem heiligsten Sacramentc empörende Frevel getrieben. Man beraubte die Katholiken aller ihrer Kirchen, ihrer Pfarrhäuser und ihres rechtlich erworbenen Kir- chenvcrmögenS, und gab alles dieses den Protestanten. Man vertrieb alle katholischen Lehrer auS den Schulen. Die Priester wurden geächtet und keinem Bischöfe gestaltet, daS Land zu betreten. Die Katholiken wurden jeder Anstellung für unfähig erklärt, und die Ausübung deS katholischen Gottesdienstes wurde als schwerstes Criminalverbrechen mit der Todesstrafe bedroht. Und doch waren die Katholiken der eigentliche Urstamm der Bevölkerung, und doch bildeten sie noch lange nach dem Siege der Revolution eine bedeutende Mehrzahl der Bewohner deS Landes. Diese gewaltsame Unterdrückung der Katholiken hat in Holland fortgedauert ungefähr bis zur Zeit der französischen Revolution. Nur durch die Gewalt der Umstände gezwungen, nicht durch eine mildere, tolerantere ! Gesinnung bewogen, sind die Protestanten in der Mißhandlung und Unterdrückung der Katholiken allmälig Schritt vor Schritt rückwärts gegangen, und selbst heut zu Tage kann ihnen eine Concession zu Gunsten ihrer katholischen Mitbürger nur mit Gewalt abgenöthigt werden. Aber dafür wird um so sicherer der Tag der Rechenschaft kommen, je hartnäckiger eine Abschlagszahlung für frühere Beraubung und Gewaltthat verweigert wird. !ES ist schon erwähnt worden, daß alle Kirchen deS Landes ohne alle Ausnahme den Katholiken gewaltthätig geraubt worden sind. Der herrliche Dom zu Utrecht, der nun zum Theile zerstört ist, war der alte katholische ! Mctropolitansitz. Im Dom zu Harlem, in der onclo Kerker zu Amsterdam, in den prächtigen Tempeln zu Schiedam, Gouda und Breda, in der St. Laurenzkirche zu Rotterdam u. s. w. wurde einst daS Opfer des neuen Bunde« dargebracht, und sie sind noch immer rechtmäßiges Eigenthum der Katholiken. Nur mit Gewalt sind die Katholiken daraus vertrieben; ihr Recht daran haben sie nicht aufgegeben, sie konnten eö nicht verlieren, und eS kommt die Zeit, wo sie eS reclamiren werden. Ja, man ging so weit, daß selbst in Gegenden, die ganz katholisch blieben, wie Nordbrabant, die Katholiken auS ihren sämmtlichen Kirchen vertrieben, und solche einer ^ Handvoll von Protestanten ausgeliefert wurden. In der fast ganz katholi- 199 scheu Stadt Herzogenbusch ward die herrliche Hauptkirche nebst den drei andern Pfarrkirchen einigen Hundert Protestanten überwiesen, die zum Höhne einer zahlreichen katholischen Bürgerschaft die Kirchen entweihten, Bilvcr und Grabmäler zerschlugen, und dann sich ihren Dienst darin einrichteten, wofür eine einzige Kapelle hingereicht hätte. Währenddeß flüchteten die armen Katholiken mit den hehren Geheimnissen ihres Glaubens in verborgene Schlupfwinkel; in Kellergewölben unv Dachstuben ward das heilige Opfer dargebracht, und nur unter Lebensgefahr konnten die Priester zu den Kranken gelangen, und ihnen den Trost der Religion spenden. Jeden Augenblick mußten die Orte, wo der Gottesdienst heimlich gefeiert wurde, verändert werden, damit nicht die immer wachsamen Späher das Geheimniß entdeckten, und die Schuldigen (!) zur Strafe zögen. Roch jetzt liegen zu Amsterdam und in den andern niederländischen Städten die katholischen Kirchen großentheilS so verborgen, daß man nach dem Aeußern zu urtheilen dort keine Gotteshäuser vermuthet. Zu Amsterdam wurde ein Priester, der über dem Lesen der heiligen Messe ergriffen war, auS dem Verstecke unter dem Dache hervorgezogen, und vom fanatischen Pöbel erhängt. Wer aber kennt nicht die Geschichte der Märtyrer von Gorkum? Hier war es nicht allein der rohe Haufe dcS Volkes, der diese heldenmüthigen Priester grausam zerfleischte, sondern selbst die höchsten Behörden des Landes betheiligten sich an dieser gräßlichen Mordthat; die Kirche aber feiert ihr Andenken gleich dem glorreichsten Märtyrer aus der Zeit der heidnischen Verfolgungen. Einbrechende Kriegsgefahr nöthigte die Holländer, mit den Katholiken etwas milder und nachsichtiger zu verfahren. Man spürte ihren verborgenen Versammlungsörtern nicht mehr nach. In Nordbrabant, wo die ganze Bevölkerung katholisch war, gestattete man ihnen, statt der geraubten prächtigen Tempel auf dem Lande kleine Kirchen zu bauen.» Dieselben durften aber keine Glasfenster haben, mußten mit Stroh gedeckt seyn, und dursten nur in weiten Zwischcnräumen errichtet werden. Man nannte sie Scheunekirchen. Aber diese Scheunekirchen waren doch der Heerd katholischer Andacht, und dort entflammte die Kraft des katholischen Glaubens die Gemüther der Unterdrückten mit dem Muthe der Entbehrung und der Standhastigkeit. In diesen Scheunekirchcn, und weil der enge Raum die Gläubigen nicht alle faßte, weit um sie herum, sammelten sich an Sonn- und Feier» tagen zu Tausenden die Gläubigen, und stellten, um den dürftigen Nothaltar versammelt, durch ihre Andacht, durch ihre Glaubenstreue und brüderliche Eintracht ein lebendiges Bild der ersten Christenheit in den Zeiten der Verfolgung und der Drangsal dar; während in den weiten Räumen der den rechtmäßigen Gemeinden geraubten Kirchen der reformirtc Prädicant eine Handvoll Neugläubiger um seine Kanzel versammelte, und den Sturz des Papstthums und den Beginn des wahren Christenthums mit ellenlangen Phrasen pries. Wenn ein katholisches Kind Unterricht genießen wollte, so mußte eS die protestantische Schule besuchen, und der Lehrer benutzte die schickliche Gelegenheit nach Kräften, alles, was Haß und Unwissenheit über den katholischen Glauben vorzubringen, vermochte, den katholischen Schülern und Schülerinnen vorzuhalten. Wollten Katholiken heirathen, so mußten sie sich vom reformirten Prädicanten copuliren lassen, sonst wurde ihre Ehe vom Staate als Concubinat betrachtet. Der resormirte Prädicant ließ eine solche Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen. War sonst auch die Kirche unbesucht und leer, bei den Copulationen von Katholiken war sie überfüllt. Dann mußten die Verlobten in einem abgesonderten Kirchenstuhle Platz nehmen, und mußten nun in Gegenwart einer im höchsten Grade entzückten Menge einen ganzen Regenguß von Verwünschungen und Verhöhnungen des katholischen Glaubens über sich ergehen lassen. Erst wenn dieses geschehen war, wurden sie auS ihrem Nothstall befreit, und der Prädicant nahm die Copulation vor. Die Katholiken wurden von allen Anstellungen ausgeschlossen; nur wenn Einer den Glauben seiner Väter verleugnete, ward er sehr schnell und mit großer Bevorzugung befördert. Daß bei einem solchen fast 200 Jahre lang fortgesetzten Drucke die Zahl der Katholiken abnehmen, und daß bald die Protestanten die Ueberzahl der Bevölkerung bilden mußten, ist leicht erklärlich. Ja, eS wollte gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts fast scheinen, als sollten die Katholiken allmälig ganz und gar unterliegen. (Fortsetzung folgt.) Der alte Heine in Paris. (Oesterr. Volksfreund.) Ueber diesen wohlbekannten deutschen Dichter, der sein großes poetisches Talent durch absichtliche „Verliederlichung" eben so zu Grunde richtete, wir sich selber, berichtet ein anderer deutscher Dichter, ebenfalls ein Apostel deö Unglaubens und des RadicaliSmuS, Alfred Meißner, in seinen „revolutionären Studien auS Paris" uiucr anderm folgendes: „Als Frau Heine mir zuerst von dieser religiösen (grübelnden) Richtung in Heine'S Gemüth erzählte, wollte ich nicht daran glauben. Er sah meine Verwunderung und lächelte wieder schmerzlich wie gewöhnlich. In der That, sagte er, es ist seit einiger Zeit eine religiöse Reaction bei mir eingetreten. Weiß Gott, ob daS mit der Morphins '*), ob mit den Kataplaömen zusammenhängt. ES ist so. Ich glaube wieder an einen persönlichen Gott! Dahin kommt man, wenn man krank ist, todtkrank und gebrochen!" Indem sich Heine gegen seinen jungen Freund dann noch mit politischen Witzen entschuldigt und bittet: „ihm kein Verbrechen daraus zu machen," sagt er zuletzt: „Mein Freund, hören Sie da eine große Wahrheit: Wo die Gesundheit aufhört, wo der gesunde Menschenverstand aufhört und wo daS Geld aufhört, da überall fängt das Christenthum an." Nun wird unser Blatt wohl schwerlich von Anhängern Heine'» gelesen oder beherzigt werden; auch werden unsere Leser hoffentlich an diesem kecken Spotte nur so viel Aergerniß nehmen, als eS derselbe verdient. Allein zwischen diesen Gefühlen von Nichtbeachtung und gerechtem Unwillen drangen sich uns doch unwillkürlich ein paar erfreuliche Betrachtungen auf, die wir nicht verschweigen zu dürfen glauben. Die eine ist die Anwendung der Verse, womit ein weltbekanntes Lied von Heine selber beginnt: „Eö ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu" — nämlich die, daß fast noch jeder sogenannte Freigeist, jeder Spötter, dem Ernste der letzten Stunde gegenüber, mehr ober weniger sein nic-a cul,,a zu beten versucht, ob auch der Fürst der Welt mit allen seinen Hecrschaaren (als da sind Leichtsinn, Spott, Witz, falsche Scham, Gewohnheit, Fröbel- Feuerbach'sche Weltweisheit u. dgl.) dagegen auftrete. Vergebens sucht der hinfällige Altmeister deö Unglaubens seinem Jünger, dem Sänger deS „ZiSka" die eigene religiöse Unistimmung zu verbergen oder zu beschönigen; sie ist eben Thatsache! Er denkt an einen persönlichen Gott, den er früher mit krankhaftem Witze geläugnet, und sein Bekenntniß, wiewohl in kläglichen Scherz verkleidet, gibt, ohne daß er es zu wissen oder zu beabsichtigen scheint, einer andern großen Wahrheit, nämlich jener des Evangeliums die Ehre! Wer kennt nicht die Worte des Gottmcnschen: „Ihr alle, die ihr duldet und mit Mühsal beladen seyd, kommt zu mir und ich will euch erquicken?" AIS er die Bedingungen verkündete, von denen daS Heil abhängt, sprach er: Selig sind die armen im Geiste, d. h. nicht die GeisteSarmcn, sondern die Demüthigen, die er auch die Kleinen nannte. Jeder, der sich um daS redliche Verständniß dieser Worte bemüht hat, wird dann wissen, welche Wahrheit in jenen Worten Heine'S liegt, da ihnen ja nur der Vorder- oder der Nachsatz fehlt. „Wo die Gesundheit aufhört, wo der gesunde Menschenverstand aufhört und wo das Geld aufhört, da überall sängt daS Christenthum an." WaS ist der eigentliche Sinn dieser Worte? Wo die Kraft und Fülle deS animalischen (thierischen) Lebens untergeht, wo der gemeine Weltverstand, der nur das Materielle und Sinnliche versteht, und alles Uebersinnliche verachtet, nichts mehr helfen kann, oder wo Körperkraft und Schlauheit von der dritten Weltmacht: dem Gelde, sich ganz verlassen finden, da tritt die heidnische Gesinnung und der Götzendienst in den Schatten, und der geistige Gedanke beginnt im Gewissen und im Verlangen nach der wahren Religion sich zu regen; weil das Gefühl deS Ver- lassenseynS von den irvischen Oelgötzen die Sehnsucht nach dem wahrhaften unendlichen, und daher persönlichen (wissenden und heiligen) Gotte hervorruft. Wer hingegen die rechte Gesundheit (im Glauben und in der Hoffnung) schon besitzt, wessen Menschenverstand wirklich gesund genug ist, um sowohl Irdisches als UebersinnlicheS zu verstehen, und seines geistig sittlichen Verhältnisses zu Gott und den Menschen sich bewußt zu bleiben; endlich wem das Geld weder daS höchste Gut noch daS höchste Mittel ist, so daß er, ob reich oder dürftig, jedenfalls auf Mäßigkeit und Entsagung sich einzurichten weiß — der findet sich eben schon mitten auf dem Wege deS Christenthums, und braucht nicht erst „anzufangen," sondern hat nur die Warnung zu beachten: „Wer da meint, daß erstehe, der sehe wohl zu, damit er nicht falle," und dann wieder von neuem ansangen müsse. Schlesien. Aus preußisch Schlesien. Am 7. und 8. November waren die Abgeordneten der katholischen Vereine Schlesiens in Neiffe versammelt. ») Morphine oder Morphium, an« dem Opium bereitet, als Mittel zur Milder»»» der Schmerzen; da« Wort ist von dem Namen abgeleitet, womit einst der Gott de» Schlafe« bezeichnet wurde. > - >. i ! t > , L«0 So allgemein der Geist der Ordnung und der Treue für das angestammte Herrscherhaus sich auSsprach, so aufgeregt war man über die Maaßregeln der ersten Kammer und des CultuSministerS gegen die Kirche. Unter Andern hielt der Graf Bernhard zu Stollberg folgende Rede, die wir (nur etwas abgekürzt) mittheilen: Meine Herren! Die Eingriffe der Staatsgewalten in die kirchliche Freiheit, und ein Ereigniß, welches die Entrüstung aller Katholiken Preußens hervorgerufen hat, veranlaßt mich, einige Worte hier zu sagen: Der Graf Montalembert zieht in seiner jüngst gehaltenen Rede den Abgeordneten Victor Hugo im Ramen seiner Wähler zur Rechenschaft, waS ihn berechtige, das Beklatschen der Linken sich zu erwerben. Ich wünsche, daß Se. Majestät unser König AehnlicheS mit seinem Kultusminister gethan haben möge. Hätte der Herr von Ladenberg, der als eingefleischter, antikatholischer Bureaukrat bekannt ist, als Privatmann, gleich andern Wühlern, unsere Bischöfe geschmäht, so könnten diese sich das zur Ehre rechnen, wir könnten darüber hinweggehen und Herr von Ladenberg möchte daS Bravo der schlechten Seite der Kammer hinnehmen. Ich rede von Wühlern. Ja, meine Herren, seit 40 Jahren und känger hat unsere Bureaukratie gewühlt, namentlich gegen die Kirche, und hat zumal durch die Mittel und BundcSgenosscnschaft, die sie nicht verschmähte, daS Ihrige beigetragen, nm das Sommerhalbjahr 1848 herbeizuführen, von dem jeder Patriot sich mit Ekel und Abscheu hinweggewendet. Dock, meine Herren, ich gehe zur Sache über. Die Denkschrift des Cultusmini. sterS, die daS Gepräge bureaukratischer Perfivie nicht verläugnen kann, hat die bischöfliche Denkschrift hervorgerufen, welche auf dem heiligen, unveräußerlichen und in ganz Deutschland geschichtlich und vertragsmäßig begründeten Rechte der katholischen Völker, auf den Satzungen der Kirche, den Beschlüssen der bischöflichen Versammlung zu Würzburg und der Autorität derer, die sie erlassen haben, begründet ist. Der Herr Minister hat durch seine Erklärung vor der ersten Kammer über diese Denkschrift dem katholischen Episkopate Preußens und Deutschlands, den sieben Millionen Katholiken Preußens und den 25 Millionen Katholiken Deutschlands Hohn gesprochen. Ich habe nie von unseren Kammermajoritäten Gerechtigkeit erwartet. Die größte Despotie ist die der Kopfmehrzahl. ES steht noch sehr dahin, ob wir nicht dem TerroriSmuS, unter dem alle positiven Be- kenntnisse in der Schweiz seufzen, in unserem Vaterlande entgegengehen. Bisher sind wir mit Ruthen geschlagen worden, radicale und doctrinäre Kammern ermöglichen eS den Ministern, uns mit Scorpiouen zu peitschen. Wenn ich daS confesstonelle Volkszahlenverhältniß in Preußen, die Schlaffheit vieler Katholiken und die Intriguen vieler Gegner erwäge, die uns entgegen ihre ekelhaften Begriffe von JesuitiSmuS, UltramontanismuS u. s. w. festzuhalten sich abmühen und, keine Mittel scheuend, uns aus den Wahlen zu entfernen, in ganz katholischen Gegenden hingegen durch die Gutmü- thigkcit der Katholiken die W ollen in ihre Hände zu bringen wissen; so überzeugt mich dieß mehr und mehr, daß nach menschlichen Ansichten in unseren jetzigen Zuständen kein Recht zu hoffen ist. Ich wiederhole es: Von den machthabenden Menschen hoffe ich wenig Recht, ich glaube vielmehr, daß wir aus BöseS gefaßt seyn dürfen; aber es ist unsere Pflicht, unS gegen die Eingriffe zu verwahren und feierlichst Erklärungen abzugeben, wenn wir zeigen, daß wir fest an unsern Bischöfen halten, uns in unsere kirchlichen Verhältnisse in keiner Weise von Außen eingreifen und unser Gewissen nicht durch Gesetze beirren lassen, die unseren kirchlichen Bestimmungen entgegen sind. Halten wir fest zusammen, halten wir fest an unseren Bischöfen und durch sie an der Kirche! Mag der Kampf dann entstehen gegen Radicalistcn, falsche Constitutionalisten, gegen Bureaukra- tisten oder gegen wen immer, tragen wir die über unS verhängten Widerwärtigkeiten, wie eS Christen ziemt; der Sieg bleibt zuletzt unS. Wenn nicht alle Zeichen trügen, so gehen wir einer Zukunft entgegen, wo auch hier die alte und doch ewig junge Braut des Herrn die Fürsten und Völker Europa'S, nachdem sie die Irr- und Drangsale deS AbfalleS durchge- litten haben, zu dem Fuße deS Kreuzes niedergestreckt sehen wird, so der Herr auf den Felsen Petrus gepflanzt hat. Auch ich erlaube mir jenes bedeutungsvolle Wort der erleuchteten Jungfrau in Niedcrborn unS inS Gedächtniß zu rufen, welches sie den Priestern und Gläubigen der Pfalz und als Kind der Kirche, die über die ganze Erde ihre Strahlen wirft, Allen zuruft, die im Kampfe stehen gegen die Macht des Umsturzes und Unglaubens, nämlich das Wort: „Muth! Muth! Muth." 1 Brief des hochseligen Gubregens (spätern Bischofs) Wittmann an einen in der Seelsorge arbeitenden Mitbruder. Gnade und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus dir geliebtester Bruder in Jesu! JesuS sey in uns, und mache uns zu seinen Dienern, und lasse unS alles für Ihn hingeben, und vereinige uns untereinander in Ihm selbst, hier, um mit einander zu beten, zu arbeiten und zu leiden, und dort vor Ihm, um miteinander in Ihm vollkommen und ewig Eins zu seyn. Liebster Bruder! könnten wir nur auch öfter einander sehen, und uns in Christus miteinander besprechen! Hoffentlich wird eS jährlich doch Einmal geschehen, und unterdessen sey die Mittheilung unserer Meditationen eine wechselseitige Offenbarung unserer Gemüther gegeneinander. Sollte eS dem Herrn gefallen, unS näher vielleicht in einer nämlichen Wohnung, oder im gemeinschaftlichen Arbeiten oder Leiden miteinander zu verbinden; so wollen wir dazu bereit seyn, und wollen Gott einstweilen darum bitten. Liebster Bruder! Könntest du einmal mit unS versammelt seyn, wo wir miteinander beten, lesen, reden: ich denke, eS würde dir auch wie mir vorkommen, daß Christus wahrhaftig in Mitte unser sey. ES sind lauter unschulvvolle, von Gott begnadigte, liebcnSwürvigste Brüder. Schreibe uns nur manchmal, aber als Brüder, ohne Titel und Complimente. Und wenn Gott deine Arbeiten segnet, in Fröhlichkeit oder in Thränen (vielleicht ist'S noch besser in Thränen), oder wenn du vorzüglich fromme Seelen kennen lernest: so schreibe uns davon, damit wir uns mit dir im Herrn erfreuen. Meditationen, denke ich, werden wir dir bald schicken. Eben sagt mir der liebe Job, daß er dir unsere Verbindungsart, und die Namen der Brüder noch nicht geschickt habe (ich glaubte, er habe eS schon gethan), er wirv eS aber ganz sicher die nächsten Tage thun. Ich umfange dich Geliebtester im Geiste Jesu: Er erfülle uns mit seinem Geiste. Bete für mich Deinen RegenSburg den 25. Febr. 1803. sündigen Bruder in Christus. Glosse. In einer altberühmtcn Akademie der Wissenschaften war jüngsthin die Rede von der Thatsache: daß während eines RegenS in der Regel eine geringere Wasscrmenge auf die Dächer fällt, als bei gleicher Raumfläche auf den Erdboden oder das Straßenpflaster. Je höher das Haus, desto größer dieser Unterschied. Auf die Frage, wie daS komme? ward erwidert: eS fallen zwar bei gleicher Raumfläche eben so viele Regentropfen auf daS Dach, als auf die Erde, allein die Tropfen, welche die Erde erreichen, vergrößern sich auf ihrem länger» Wege, indem sie von den Dämpfen der feuchten Luft profitiren, die sie an .sich ziehen oder einschicken und verdichten. Somit wäre die Sache erklärt. Allein damit ist eS doch nicht abgethan; denn andere Leute behaupten, daß eS dabei auf die Jahreszeit ankomme, und daß man nicht allein die Anziehung der Dünste von Seile der fallenden Tropfen, sondern umgekehrt auch die Verdünstung der letzteren in Rechnung bringen müsse, die in der heißen Jahreszeit so groß sey, daß eine größere Waff^mafse auf die Dächer fallen könne, als auf die Erde, wovon man ebenfalls Erempel hat. Man will daraus erklären, warum die Soldaten bei heftigen Regengüssen zu den großen Feuern ihrer Bivouak'S sich stückten, wo der aufsteigende heiße Luftstrom durch die Verdünstung, die er bewirkt, ihnen anstatt eines Regenschirmes dient. Solcher Widersprüche gibt es gar viele in der Welt, weil, wie eine geistvolle Frau bemerkt hat, alles was geschieht, mehr als eine Ursache hat, und wir meistens nur Eine wissen. Die Leute unten auf der Straße blicken neidisch zu denjenigen empor, die auf dem Altan oder Dache stehen; sie meinen: die dort oben bekommen den Regen und Segen von der ersten Hand, und viel reichlicher als wir, zu denen nur spärliche Tropfen gelangen. Allein, wenn alles genau erwogen, und Einnahme mit Ausgabe verglichen wird, ist der Mittelstand, der nicht hoch hinaus will, besser und sicherer versorgt, als die Wenigen in der Höhe, eS sey dann, daß aller Regen verdampft, und aller Erwerb der Bürger verschwindet, weil der Boden unter ihren Füßen brennt; und wehe den Völkern, die einen solchen Brand anzünden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber; F. C. Kremer. Vierteljähriger Abou- nementspreis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr„ ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. Sonntags -Peibtatt zur Augsburger Postzeitung. Auch durch den Buchhandel könne,> diese Blätter bezogen werde». Der Preis bclrägt. wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. ^ SL SL December Schreiben des Benediktiners Bonifaz Wimmer in St. Bincenz an einen Theologen in München. 8. Vineonr neor 4soungstoävn ^Vesimorelonil Lountz-, 4. 4uni 1849. Euer Wohlgcboren! Die Ueberbringerin Ihres so werthen BriefchenS traf ich mit ihren Gefährtinnen zu meiner großen Freude und Uederraschung in Baltimore den 14. Mai gerade den Tag zuvor, ehe ich vom Concilium weg wieder zur Heimreise mich schickte. Sie waren alle wohl und gingen voll Vertrauen und freudigen Muthes ihrer Bestimmung entgegen, obwohl ihnen längs deS Ohio und Missisippi die Cholera überall den Weg zu verlegen suchte. Der hochwürdigste Bischof von Dubugne erwies ihnen die Gnave, daß sie unter seinem Geleite bis St. LouiS reisen durften. Ihren Brief erhielt ich erst zu Hause, weil sie ihn von Nerv-Volk auö an mich geschickt hatten. Ich sehe daraus, daß Sie und noch mehrere Ihrer Freunde gesinnt seyen, Benebictiner zu werden, und einst hier an meiner und meiner Mit- brüder Seite für die heilige Kirche zu wirken. DaS freut mich ungemein, und wird auch Sie nie gereuen, wenn der Wille zur That wird. ES freut mich ungemein, sage ich. Meine Misston schien Anfangs vielen, auch meinen besten Freunden, etwas abenteuerliches; und wenn sie die Schwierigkeit der Sache selbst und mehr noch meine Persönlichkeit sich betrachteten, so mußten sie fast zu einer solchen Ansicht kommen. Ich kannte beide so gnt und bester, als Andere; ich sah aber darüber hinweg auf die Bedürfnisse der amerikanischen Kirche und die unendliche Güte Gottes, der in den Schwachen stark ist, und folgte, meiner redlichen Absicht eben so bewußt, als anderseits meiner Unwürdigkeit und Unfähigkeit, dem innern Dränge, und fand wohl die Schwierigkeiten, die mir begegnen mußten, aber bisher allzeit auch, durch eine wunderbare Fügung der göttlichen Vorsehung, die nothwendigen Mittel, sie zu überwinden und zu beseitigen, und ehe noch 3 Jahre verflossen, konnte ich schon 3 Niederlassungen unseres Ordens hier zu Lande begründen, die mit der Zeit von unge. meiner Wichtigkeit für die amerikanische Kirche werden müssen, wenn Gottes Segen ferner auf ihnen und der Geist deS heiligen Beneblet in ihnen waltet. Ihr Brief bestärkt mich in dieser Hoffnung, weil er eine Zunahme deS OrdenSpersonaleS an Zahl und Kraft und gutem Geiste in Aussieht stellt — und deßwegen, sagte ich, freut er mich ungemein. ES wird auch Sie nie gereuen, hier zu wirken und zwar als Bene- dictiner: Hier entscheidet sich das Schicksal der Welt und die Geschicke der , Kirche Gottes, und zwar schnelle. In Jahrzehnten wird da gethan, waS draußen in Jahrhunderten nicht geschah. Die ganze christliche Kirchenge- schichte, glaube ich, wir» sich in einem Jahrhunderte Lurch alle Phasen wiederholen, wenn auch in einer neuen Auflage, weil unter ganz neuen Verhältnissen: wir gewinnen oder verspielen Alles, je nachdem wir zur rechten Zeit, oder zu spät auf dem Kampfplätze erscheinen. Wie Deutsch land nichts von Amerika erhielt, weil eS zur Zeit der Entdeckung und Besetzung keine Colonisten sandte, so würde die Kirche ausgeschlossen oder im Keime erstickt, wenn sie keine Missionäre schickte, oder nicht Anstalt macht, daß die hier wirkenden immer ersetzt, vermehrt und allen Feinden gewachsen seyen. Nur wer keine Augen hat, oder damit nicht sehen will, kann dieß verkennen. Also Priester, brave, tüchtige Priester sind hier nothwendig — und sie sind nicht hier! Wohl sind ihrer ziemlich viele; aber die hier gebildeten sind meistens sehr mangelhaft gebildet, auS Mangel an Bil- dungSanstalten; und der andern sind wenige, und alle zusammen sind weit, weit zu wenige. Tausende von Alten gehen jährlich an die Sccten „nv mehr noch an die Freimaurer verloren; und ln noch größerer Gefahr suhl die Jugend! ES ist ein entsetzliches Foclum, daß bisher die katholisch, Religion selten im dritten Gliede noch in der Familie forterbt, und man berechnet 6,000,000 Apostalenü Trotz der ungeheueren Einwanderungen zählen wir nicht viel über 1,000,000, weil die Jugend immer verlor, n geht. Das ist zwar schlimmer noch unter den Irischen; aber schlimm genug auch unier den Deutschen. Und die Ursache ist nur der Mangel an Priestern; leicht könnten wir im entgegengesetzten Falle eben so vi.le Eonvertiien haben. Wer soll also nicht wünschen, hier als Priester zu wirken, wenn er so viele Verluste verhindern, so viele Eroberungen hoffen kann? Aber als Priester — allein, verlassen, ein aufgegebener Posten — waS kann er viel thun? Er kann wirken für die Seel n; was kann er aber wirken für die Priester, daß Priester nicht fehlen, laß sie sich mehren? Auf Tagreisc» weit hat er selbst keine» Priester, den er berathen, dem er beichten, bei dem er Trost und Aufmunterung sud en könnte! AIS Welipriester ist er in Gefahr, in der größten Gefahr, selbst zu verweltlichen, weil gänzlich dem Einflüsse der Well bloßgestcUt. Wissen doch selbst die Bischöfe nicht, wa« zu thun, um einen frischen Nachwill! S an Geistlichen zu bekommen: haben entweder feine Seminarien, oder keine Professoren', oder keine Zöglinge, oder überall zu wenig! Da müssen die geistlichen Orden tnS Mittel treten. Sie waren es allzeit, die Bekehrungen im Großen gemacht und erhalten haben. Fi r unsere Deutschen in den Städten sind eS auch vorzüglich die Redemptv- risten, die sich unschätzbare Verdienste erworben und erwerben. Aber auch sie können nichts thun für Heranbildung eines jungen Klerus — eö ist gegen ihre Ordensregeln; sie haben eS versucht — ohne Erfolg — und ein- für allemal aufgegeben. Sie nehmen nur Philosophen und Theologen an. Jesuiten erziehen vorzüglich nur für die hohe Welt; Lazaristen haben im Dienste der Bischöfe deren höhere Seminarien. Für Deutsche besteht gar nichts, gar nichts, und sie sind '/, oder ^ aller Katholiken! Hört das, ihr deutschen Jünglinge, ihr deutschen Theologen und Priester! unsere deutschen LantSIeule haben hier keine deutschen Priester, oder nur sehr wenige, und unsere deutschen Knaben, die Priester werden wollten, keine einzige Anstalt, wo sie studiern könnten, wo sie zu Priestern gebildet werden könnten, um ihre deutschen Brüder und Sckwe» stern im katholischen Glauben zu erhalten! Doch nein — sie haben eine, jetzt nur eine einzige, aber eine solche, worin auch der Arme, der ganz Arme, der nicht einmal Bücher und Kleiber mitbringen kann, zum Priester gebildet werden kann, und diese ist in St. Vincenz, wo 5 Bcnedictinev Priester und 36 Benedictiner- Brüder mit dem Schweiße ihrer Hände ein Seminar eröffnet haben, in dem Heuer 13 Knaben Unterricht und Unterhalt fanden, nachdem sie mit den Kreuzern, welche bayerische HauSväter und Dienstboten zum MissionS- verein beigesteuert, ein armes Klöstcrlcin erbaut und eingerichtet hatten! DaS ist daS erste und einzige deutsche und zugleich daS erste und einzige katholische Knabenscminar für katholische Priester in der neuen Welt, und Benebictiner sind eS, die eS eröffnet, die eS leiten, die eS mit GotteS Hilfe zu einem großen Kollegium, zur Metropole vieler ähnlicher Institute machen werden. Wer sollte nicht gerne ein Benebictiner werden, wäre eS auch nur, um an einer so nothwendigen Anstalt mitzuarbeiten? In welchem Vergleiche kann das Wirken, auch des gesegnetsten Missionärs stehen zu dem Wirken eines Lehrers an einer solchen Anstalt, auS der einstens Hirten für Tausende von sonst Verlornen, weil zerstreuten und hirtenlosen Schafen hervorgehen werden! 1 ^ 'V ') Neue Sion. 202 Hiermit, mein lieber junger Freund! habe lch Ihnen zugleich „die Wege gezeichnet, die Sie einstens im Lanve Ihrer Hoffnungen zu betreten haben." Unser Orden hat die Aufgabe: der amerikanischen unv zunächst zwar, aber nicht ausschließlich, der deutschen Kirche in Amerika (weil die Kathöli'cilät keinen Sprachunterschied kennet) zu dienen in der Verwendung für Erziehung armer Knaben, die Priester werden wollen und können, zum Priesterstanoc. Seelsorgc treiben wir auch nebenher, oder, nach Zeit und Umständen, auch als Hauptsache, an Plätzen nämlich, wo wir für unsere Hauptbestimmung nicht wirken können: aber vorzügliche Rücksicht muß immer der Priesterbildung getragen werden. ES versteht sich von selbst, daß wir, da wir als Benediciiner das leisten wollen, daS Benedictinerleben zur höchsten Aufgabe haben, und Erziehung und Seelsorge nur von der Wirksamkeit nach Außen zu verstehen sind. . . ^ Ein solches Wirken ist unserem Orden nicht fremd: biö uiS I3le Jahrhundert waren die Bcnedictiner Missionäre, und alle ihre Klöster Akademien: und so lange sie es waren, blühten sie; als sie aufhörten, es zu seyn, verloren sie ihre Bedeutung, Glanz und Zucht. Es ist nicht nur historisch unrichtig, den BenedicUnern als solchen, d. h. dem Orden die Befähigung und den Beruf zu solchem Wirken absprechen zu wollen, sondern eS ist dieß vielmehr dem Orden so angemessen, daß gegenwärtig nur er das leisten kann. Freilich brauchen wir dazu tüchtige Leute, aber doch weniger Gelehrte, als gute Bcnedictiner. ES wird daher gewiß sehr erwünscht seyn, wenn Sie und Ihre Freunde einst als gut gebildete Theologen zu uns herüber kommen; eS würde aber nicht minder erwünscht seyn, wenn Sie jetzt schen des katholischen Glaubens in diesen Gegenden gefürchtet werden. Da brachen die Zeiten der französischen Revolution an, welche auch die niederländische Republik erschütterte, und die Lage der Katholiken wesentlich veränderte. Im Jahre 1094 drangen die französischen Revolutionöheere biö zur nieveren MaaS vor, und besetzten Limburg und Nordbrabant. Sie nahmen in diesen Gegenden die den Katholiken geraubten Kirchen den Protestanten wieder ab, und gaben sie den rechtmäßigen Gemeinden zurück. In dieser Zeit kam auch die herrliche Hauptkirche zu Herzogenbusch wieder rn den Besitz der Katholiken. Daß die prächtige Haupikuche zu Lreca nicht wieder m Besitz genommen wurde, lag an dir Zaghaftigkeit der katholischen Gemeinde, welche Bedenken trug, eine K.rche, deren Vermögen durch schlechte Verwaltung der Protestanten zu Grunde gegangen, unv die außerdem noch mit bedeutenden Schulden belastet war, zu übernehmen. Jetzt besitzt mitten im katholischen Lande die winzige protestantische Gemeinde noch immer diesen prachtvollen Tempel, mit seinem mächtigen Thurme. Die Marmorgräber drinnen sind zerschlagen, später aber die Stucke wieder zusammengelegt, und daS Innere der Kirche ist durch geschmacklose Emporklrchen uno Gerüste gräulich entstellt. Als die Franzosen auch daö eigentliche Holland eroberten, konnten sie hier nicht in derselben Weise verfahren, wie ui Nordbrabant und Limburg, weil die große Mehrzahl der Bevölkerung daselbst protestantisch war. Auch hatten dieselben wedcx Zeit noch religiöses Interesse genug, um mit Kraft in die inneren Verhältnisse deS Lanreö zur Verbesserung der Lage der Katholiken einzugreifen. Die alten katholischen Kirchen blieben in den Händen der Protestanten, und die Zustände blieben für'S Erste im Allgemeinen dieselben schon hier wären, und, weil voll guten Willens und guten Geistes, gleich ävic vor der Occupation. Doch hörte der gesetzliche Druck auf, allmälig am inneren KIvsterbau thätig mitwirkten, durch Ihren Eifer den Eifer der-Pelanglen auch Katholiken zu Ansehen und Aemtern, und der so lange hiesigen Novizen belebten, stärkten, förderte». Auch lernt man Amerika niedergedrückte Geist der kaiholischen Bevölkerung athmete wieder freier auf. nur in Amerika kennen. Englisch lernt sich leicht. Daö Klima ist ziemlich!Eiuschieocn besser wurde es mit dem Jahre 1800, wo die sogenannte bata- wie daS bayerische. Der Tisch überall besser, alö in Deutschland gewöhn-> tusche Republik aufgehoben, und statt deren das Königreich Holland errich- lich nur bei unS schlechter, weil eS der Regel gemäß und eine Forderung tet wurde. Der erste König war Ludwig, Napoleons Bruder, ein Mann der natürlichen Armuth ist. Reiten muß jeccr Priester lernen — und eSivon milder, edler Gesinnung, dessen Andenken noch jetzt in Holland in ist keine Kunst. Bier hat man nur in großen Städten — man vergißt! dankbarer Erinnerung fortlebt. Jetzt war sogar der Hof katholisch, und eS leicht. Wir stehen ^4 Uhr Morgens auf und gehen um 9 Uhr Abends! wenn gleich die Katholiken nichts weniger als bevorzugt wurden, so erhol- zu Bette, nehmen kein Frühstück, um 11 Uhr ein frugales Mahl, aber ttn sie sich doch sichtbar von dem lange über sie verhängten, beispiellosen .zenug für den Hunger. Sonntag, Montag, Dienstag, Donnerstag essen wir Fleisch, die andern Tage Mehlspeisen; Abenvö (0 Uhr) tägllch Mehl Drucke. An vielen Orten, besonders in Oberysscl an der westfälischen Gränze, wo die Mehrzahl der Bewohner im katholischen Glauben erhalten ipcisen, außer an Sonn nnd Festtagen. Priester außer dem Kloster auf worden ävar, wurden ihnen manche früher gewaltsam entrissene Kirchen Reisen oder Mission hallen nur die Kirchenfasten. In der Fasten essen vir nur an Sonntagen Fleisch, auch die Laien sind Lurch daö Kir theilte bot an Abstinenz gebunden die ganze erste und letzte Fastenwoche und -.lle Mittwoche, Freitage und Samstage, und halten eS pünktlich. Den Ehor beten wir um 4, 0, 9, 12, 3, 7'/2 Uhr. Wenn eS noth thut, müssen auch die Studenten zuweilen den Brüdern in der Arbeit helfen und thun eS gern. Musik wird fleißig geübt. Alle sind gesund und sehen gut anS. DaS Gebäude, worin wir wohnen, kann 100 Mann zur Noth fasse»; eS wird in zwei Monaten fertig seyn. In Carrolstown (55 Meilen von hier) sind 2 Priester und 3 Brüter; und in Newark, 9 Meilen von New Merk, sind 2 mit 1 Bruder. Letzteres eignet sich besonders zu einem wiedergegeben. An andern Orten, wo solches nicht thunlich war, wurde der Neubau katholischer Kirchen gestattet, auch wohl manchmal vvm Staate selbst unterstützt. Von dieser Zeit begann wieder ein allmäligeS Steigen der katholischen Bevölkerung der Niederlande, LaS im beschleunigten Verhältnisse zunahm und zuletzt die Zahl der Katholiken auf ein Drittel der Gesammteiuwohner des Landes brachte. Aber zu früh wurde der König Ludwig dem Lande entrissen. Napoleon hob 18 lO das Königreich Holland auf, unv verleibte daö ganze Gebiet dem französischen Reiche ein. Sehr zu bedauern ist es, daß unter der Regierung Ludwigs keine Sorge dafür getragen wor, daß die kirchlichen Verhältnisse im Einverständnisse mit dem apostolischen Stuhle Institute. Unsere Gegend ist sehr schön und gut cultivirt. Obst mehr,! geordnet, und daß Bischofssitze errichtet wurden. Als daher 1813 die als in den besten Gegenden Deutschlands; aber kein Wein. In 3 Coun-! französische Macht gebrochen, und daö HauS Oranien - Nassau auf den kieö stehen die Deutichen unter unserer Seelsorge — Westmoreland, In-! niederländischen Thron erhoben wurde, schwebten die Katholiken in Gefahr, riana, Cambria; auch Gränzbezirle anderer. DaS sind in Kürze unsere nur als eine geduldete ReligionSpartei in daS Verhältniß alter Abhängig- Verhältnisse. Die Protestanten ehren uns, manche schmähen u»S auch, keil zurückversetzt zu werden. aber Niemand hindert oder beschädiget unS. Kommen Sie bald, dann Man betrachtete protestantischer SeitS Belgien als eine gute Beute, schen Sie'S besser. Gute Gedanken schnell ausgeführt! Doch wie Gott will! als ein Land, LaS durch seine Vereinigung mit Holland protestantisirt werden sollte, und dachte nicht im Entferntesten daran, daß auS einer Verbindung mit einem ganz katholischen Lande auch den holländischen Katholiken eine Kräftigung und Erleichterung ihrer Lage erwachsen müsse. Aber ^die Katholiken in Holland begriffen nicht ihre Stellung. Statt den Belgiern die Hand zu reichen, und, mit ihnen verbunden zu einer Seelenzahl gon 5 Millionen erwachsen, sich ohne Revolution im Staate eine freie, ehrenvolle Stellung zu erringen, verharrten sie in ihrer Apathie. Belgien .dagegen ging, waS freilich bei einer solchen Behandlung durch Holland Wie groß noch nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Zahl > selbst wohl zu erklären ist, den Weg der Revolution. Durch die Tren- Beruf fordert Aufopferung, und diese ist Liebe! Ihr F. Bonifaz Wimmer. Die Stellung der Katholiken in Holland. (Schluß.) der Katholiken in den Niederlanden war, läßt sich nicht genau angeben, da die Zählungen der Bevölkerung damals überhaupt noch so unvollkommen waren, und außerdem mit großer Parteilichkeit geschahen. Gewöhnlich gibt man ein Fünftel der Gesammtbevölkerung als katholisch an; vielleicht mag ihre Zahl doch wohl nahezu ein Viertel betragen haben. Auf nung BelgienS sind die Katholiken in Holland wieder auf sich selbst angewiesen, und dem Drucke einer protestantischen Ueberzahl preisgegeben. Zwar hat man ihnen seit dem Jahre 1830 nach und nach einige Brocken hingeworfen. Man bat in Nordbrabant einigen Klöstern die Aufnahme von Novizen gestattet, während in den übrigen Provinzen keine Klöster geduldet jeden Fall aber hatte durch einen anderthalbhundert Jahre lang sortgesetz-! werden. Man hat in Nordbrabant und Limburg apostolische Vicare teil Druck die katholische Bevölkerung beständig abgenommen, und ohne ^ ernannt, während in allen Hauptprovinzen kein Bischof und kein apostoli« eine besondere Hilfe der göttlichen Vorsehung mußte ein allmäligeS Erlv-j scher Vicar fungiren kann. Man gestattet ihnen, ihre Kirchen auszubauen, 203 und zwingt sie nicht mehr, ihre Versammlungsorte! zu verstecken. Aber, das Alles macht wenig aus, so lange das Wesentlichste fehlt. Holland ^ muß Bischöfe haben. Ohne Bischöfe gedeiht kein kräftiges, den Verhältnissen der Zeit gewachsenes Priesterthum; ohne Bischöfe ist rie Kirche voift Holland verwaiset, sie ist nicht eingewurzelt in den vaterländischen Boden. Die Kirche muß in Holland die Schulen wieder haben. Einige Knaben seminare und Seminaranstalten reichen nicht hin, den Betüisnifsen und Rechten der Kirche zu genüge». Die Niederlande besitzen 3 Universitäten; Wenigstens Eine muß katholisch werden. Die öffentliche» Gymnasien und Athenäen sind alle protestantisch, und werden doch vom Gelde dcS CtaatcS, also auch großen Theiles von dem Gelde der Katholiken unterhalten, das muß aufhören; 2 Fünftel der öffentlichen Anstalten müssen einen katholischen Charakter bekommen. Die Volksschule ist der Kirche entrissen, und ist wesentlich in den Händen der Protestanten. Wenn man sagt, die Schulen in Holland sind überhaupt nicht konfessionell, es wird auf das religiöse Bekenntniß des LehrerS gar keine Rücksicht genommen, so ist damit das, waS wir sagen wollten, nur bestätigt. WaS keine konfessionelle Farbe hat, ist eben dadurch schon der katholischen Kirche feindlich. Zudem hat man in Holland die Cvnfessionöschulen nur deßhalb aufgehoben, um die unabweisbaren Ansprüche der vielen ganz katholischen Gemeinden vereiteln zu können. Unter dem Vorwande, auf die Confesston dürft nicht gesehen werden, setzt man protestantische Lehrer in ganz katholische Gemeinden. Die Kirche muß ferner das freie AffociationS- und CorporationSrechl haben. Mit der vom Staate gegebenen Erlaubniß, in einigen Klöstern Novizen aufnehmen zu können, ist der Kirche wenig geholfen. Dann muß ferner die gränzenlose Parteilichkeit bei der Anstellung der Beamten aufhören. Die holländischen Zeitungen haben im vorigen Jahre die Listen aller niederländischen Beamten, hoher und niederer, mitgetheilt, und die Welt hat gestaunt. Ein solches Mißverhältniß ist mehr als Ungerechtigkeit; es ist eine wahre Verhöhnung, und die Katholiken in Holland müßten wahrlich keine Manneskraft und kein Ehrgefühl besitzen, wenn sie länger mit einer solchen Stellung sich begnügen wollten. Seit den Jahren 1806—10 gewahrte man, wie bemerkt, ein all- mäligeS Steigen der katholischen Bevölkerung, daS immer sichtbarer zunahm und bis auf den heutigen Tag beständig fortdauert. Dadurch ist das außerordentliche Mißverhältniß, welches 1750 — 80 zwischen beiden RcligioiiSparteicn stattfand, so ziemlich wieder ausgeglichen, und es läßt sich der Zeitpunct voraussehen, wo völlige Gleichheit eintreten wird. Man hat im AuSIande, wo man gewohnt war, die ganze Masse der Bevölkerung für protestantisch zu halten, gestaunt, als die ersten Zähluugen der einzelnen Provinzen veröffentlicht wurden. Nordbrabant und Limburg, die beiden südlichsten Provinzen, sind vorherrschend katholisch. -Die Protestanten machen in der einen den achten oder neunten, in der andern etwa den zwanzigsten Theil der Bevölkerung auS. In den mittleren Provinzen übersteigt die Zahl der Katholiken ein Drittel der Gesammibevötkerung und beträgt in Geltcrland und Utrecht zwei Fünstheile. Selbst in dem Herzen deö niederländischen Königreiches, in Nord- und Südholland, ist ein großer Theil der Stammbevölkerung katholisch und beläuft sich aus 300,000 Seelen. Rund um Leyden und um den Haag gibt es große Dorfsckasten, in denen nur vereinzelte Protestanten wohnen. In der Provinz Zeeland ist die Intoleranz und der Druck gegen die Katholiken wohl stäiker als irgend wo getrieben worden, und man hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, daö Auskommen von Gemeinden zu verhindern. Dennoch hat sich die Zahl der Katholiken vermehrt und ist durch die Verbindung mit Distrikten aus der flantern'schen Seite zu -40—50 000 Seelen gestiegen, so daß die Provinz heut zu Tage beinahe zum dritten Theile katholisch ist. Die drei nördlichsten Provinzen sind sehr überwiegend protestantisch und sichern dem Protestantismus noch für eine Zeit lang in den Niederlanden ein Uebergewicht. Dennoch kann man eigentlich nur die unbedeutende Provinz Drcnthe (67,000 Einwohner, darunter 5—6000 Katholiken) als protestantisch bezeichnen, während in Vricsland und Groningen die Anzahl der katholischen Gemeinden sehr bedeutend ist. Im Ganzen rechnet man jetzt in dem Königreiche der Niederlande über 1,200,000 Katholiken Wollte man Luremburg, welches freilich keinen Bestandtheil deS Königreiches ausmacht, hinzurechnen, so würde sich eine Zahl von 1,400,000 Katholiken ergeben. Daß bei einem solchen AuSsaugungssysteme die Katholiken noch nicht sammt und sonders an den Bettelstab gebracht sind, ist in dcr That zu verwundern. Andererseits aber flößt eS uns eine hohe Achtung vor der Gewissenhaftigkeit und GlaubenStreue der Katholiken ein, wenn wir sehen, daß sie so unerschütterlich an ihrer Religion festhalten, obwohl katholische Familien keine Hoffnung haben, daß ihre Söhne je zu einer StaatSanstel- lung gelangen. Die Katholiken haben aber recht daran gethan, daß sie sich endlich erhoben und ermannt haben. Sie haben gut gethan, daß sie den Druck, dem sie unterworfen sind, zur Kenntniß der civtlisirten Europa'S gebracht haben. Selbst in der Türkei besteht heut zu Tage nicht mehr ein solches System der Bedrückung gegen die Christen. Wenn auch nicht menschliches Gefühl, wenn auch nicht Christenthum und Toleranz die Regierung antreibt, von ihrem bisherigen Systeme abzulassen, so wird doch daS Schamgefühl sie zwingen, eine» andern Weg einzuschlagen. Mögen die Katholiken und ihre Vertreter in den Kammern ununterbrochen fortfahren mit ihre» Veröffentlichungen. Mögen sie ihren katholischen Brüdern im AuSlande die genauesten Details über die dortigen Zustände geben. Mögen sie aber auch von dem VcrcinSrechte, so sehr man eS ihnen auch verkümmern mag, den ausgedehntesten Gebrauch machen. Möge ein gemeinsamer Sinn sie alle durchkringen. Wo 1,200,000 Katholiken im vereinten Schrei deS Unwillens ihr gutes Recht fordern, wer wird eS wagen, eS ihnen noch lange zu verweigern? Vor Allem aber mögen sie sich enge zusammenschließen mit den Katholiken in Deutschland. In Deutschland wird der Kampf für die Freiheit der Kirche ausgefochten werden. Ein cngcr Anschluß an Deutschland wird den Katholiken in Holland eine große moralische Kraft verleihen, so wie die Trennung von Deutschland sie schwach gemacht, und sie der Knechtschaft überantwortet hat. Blumen au- den, Schriftgarten des heiligen Vernarbn-. (Fortsetzung.) 104. Himmelfahrt Christi. Da unser Herr JesuS Christus unS lchrcn wollte, wie wir in den Himmel auffahren sollen, lbat er selbst, waS er lehrte, und fuhr in den Himmel. Und weil er nicht auffahren konnte, wenn er nicht zuerst herab stieg: daö Herabsteigen aber oder das Auffahren die Einfachheit seiner Gottheit nicht gestattete, die nicht vermindert, nicht vermehrt oder verändert werden kann: nahm er in der Einigkeit seiner Person unsere Natur an, d. i., die menschliche, um hcrabzusteigcn und aufzufahren, und unS den Weg zu zeigen, auf dem auch wir auffahren sollten. Bleibend also-, waS er seiner Natur nach war, stieg er herab und fuhr hinauf wegen unS, indem er in unserer Natur „mächtig fortwirkte von einem Ende zum andern, und alles lieblich anordnete." Er stieg so weit herab, daß es sich nicht weiter herabznstcigcn geziemte, er fuhr so hoch auf, daß er nicht mehr höher konnte, und sein Herabsteigen bewirkte er mächtig, weil er die „Kraft" war: sein Hinauffahren ordnete er lieblich an, weil er die „Weisheit" war. ES gibt aber Stufen im Herabsteigen und Stufen im Auffahren. Im Herabsteigen ist die erste Stufe vom hohen Himmel bis zum Fleische, die zweite bis zum Kreuze, die dritte bis zum Tode. Siehe, wie tief er hinabstieg! Wir haben jetzt daS Herabsteigen gesehen, wollen wir auch daS Auffahren betrachten! Die erste Stufe desselben ist die Herrlichkeit der Auferstehung, die zweite die Gewalt deS RichteramteS, die dritte das Sitzen zur Rechten des Vaters. Vom Tode verdiente er die Auferstehung, vom Kreuze die Macht deS Richters, damit, weil er zu jenem ungerecht vcrurtheilt worden war, er von diesem daS gerechte Strafamt erhielte. Die Knechtsgestalt aber, d. t., daö Fleisch, in dem er gelitten hat, weckte er auf und erhob eS über alle Himmel, über alle Chöre dcr Engel bis zur Rechten des Vaters. WaS ist lieblicher, als diese Anordnung, wo der Tod verschlungen wird im Siege? wo die Schmach des Kreuzes verwandelt wird in Ruhm, wo sogar die Niedrigkeit dcS Fleisches von dieser Welt hinübcrgehl zum Vater. Nichts Höheres und Ehrenvolleres kann ausgesprochen oder auSgedacht werden, als diese Auffahrt. So ist der Herr durch daS Geheimniß seiner Menschwerdung herab und hinauf gestiegen, und hat unS ein Beispiel hinter lassen, damit wir seinen Fuß stapfen nachfolgen. Steigen wir herab auf den Weg der Demuth, und eS werde unS die erste Stufe zu derselben gelegt, d. i., dcr erste Schritt dazu: nicht herrschen wollen; der zweite: unterworfen seyn wollen; der dritte: in der Unterwerfung selbst alle zugefügten Unbilden gleichmüthig erdulden. Der Satan und der Mensch wollten beide verkehrt aufwärts steigen: dieser zur Erkenntniß, jener zur Macht, beide zum Stolze. Nicht so sollen wir auffahren wollen. Der erste Schritt beim Aufsteigen ist die Schuld losigkeit der Handlung, der zweite die Reinigkeit deS Herzens, der dritte die Frucht der Erbauung. Dieselben Stufen finden wir auf wundersame Weise in den obern Graden deS HerabstcigenS. Dort nämlich war der dritte Grad die Ertragung der Unbilden. Sie ist eS, welche den Lohn dieser Aufsteigung prüft, nämlich die Unschuld der Handlung. Dort war der zweite Grad die Geduld der Unterwerfung, und sie bewirkt die Reinigkeit deS Herzens, welche ist die zweite Stufe in der Auffahrt. Dazu haben wir als Lehrer die Vorgesetzten, damit wir daS Herz reinigen. Dort ist endlich der dritte Grad die Verachtung der Herrschaft, hier ist er die dritte Stufe die Frucht der Erbauung. Wer aber kein Verlangen zu herrschen hat, der steht mit Frucht den übrjgen zu Belehrenden vor. Wir behaupten, eS gebe vier Stufen der Himmelfahrt. Die erste geht zum Herzen, die zweite ist im Herzen, die dritte geht vom Herzen und die vierte über das Herz hinaus. Auf der ersten wird der Herr gefürchtet, auf der zweiten als Rath geber gehört, auf der dritten als Bräutigam verlangt, auf der vierten als Gott geschaut. 105. Himmelfahrt Maria. Die Menschen bewundern Maria, daß sie von der Erde zum Himmel aufgenommen wurde. Sie sollen vielmehr den armen Christus bewundern, dir aus der Fülle der himmlischen Herrlichkeit Herabstieg. Denn cS scheint eine weit größere Bewunderung zu verdienen, daß der Sohn Gott unter die Engel erniedrigt wurde, als daß die Mutter Gottes über die Engel erhöht wurde. 106. Hingabe an Gott. Lerne, o Christ, von CristuS, wie du Christen lieben sollst. Lerne lieben süß, lieben klug, lieben tapfer. Süß, damit wir nicht verlockt, klug, damit wir nicht getäuscht, tapfer, damit wir nicht unterjocht und von der Liebe des Herrn abwendig gemacht werken. Damit du von der Eitelkeit der Welt oder von den Lüsten deS Fleisches nicht verführt werdest, sey dir vor diesen süß die Weisheit Christi. Damit du nicht vom Wege abkommst durch den Geist der Lüge und deS Irrthums, leuchte dir die Wahrheit Christi. Und damit du durch Widerwärtigkeiten nicht ermüdet werdest, stärke dich die „Kraft GotteS," Christus. Deinen Eifer entzünde die Liebe, unterweise die Wissenschaft, stärke die Standhästig keit. Er sey feurig, er sey umsichtig, er sey unbesiegt. Er habe keine Laut gleit, er wisse zu unterscheiden, er kenne keine Furcht. Angenehm und süß sey deiner Zuneigung der Herr Jesus gegen die bösartigen jüßcn Reize des fleischlichen Lebens, und eine Süßigkeit überwinde die ankere, wie ein Nagel den andern treibt. Auch tapfer und standhaft sey deine Liebe, und sie weiche keiner Furcht, und unterliege keiner Anstrengung. Lasset unS also zärtlich, klug und stark lieben! Gott ist die Weisheit, und er will nicht nur zärtlich, sondern auch weise geliebt werden. Denn wenn du die Weisheit vernachlässigest, wird der Geist deS Irrthums gar leicht über deinen Eifer spalten können. Wahrhaft und eigentlich gehört allein der Seele jene Liebe zu, mit der sie etwas geistig liebt, z. B. Gott, Engel, Seelen; aber sie muß auch lieben die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Frömmigkeit, die Weis heit und andere Tugenden der Art. Denn wenn sie etwas nach dem Fleische liebt, oder vielmehr darnach verlangt, z. B. Speise, Kleidung, Herrschaft und anderlei fleischliche oder irdische Dinge, dann verdient sie mehr den Namen „Liebe des Fleisches," als der Seele. Der Beweggrund, Gott zu lieben, ist Gott, das Maaß, ihn zu lieben, ohne Maaß. AuS zweifacher Ursache, sage ich, muß Gott wegen seiner selbst geliebt werden, weil nichts billiger und nichts nützlicher ist, als ihn zu lieben. Denn viel hat er um unS verdient, ja er! hat sich unS ohne unsere Verdienste gegeben. Denn waS konnte er Besseres geben, als sich selbst? Wenn also gefragt wird um daS Verdienst GotteS, so ist eS ein vorzügliches, „weil er unS zuerst geliebt hat." Er verdient also unsere volle Gegenliebe, besonders wenn man bedenkt, wer unS geliebt, welche er geliebt hat, wie sehr er uns geliebt hat. Von einem Ungläubigen darf eS unS nicht so sehr wundern, wenn er Gott weniger liebt, den er auch weniger kennt. Doch auch ein solcher weiß, daß er sich demjenigen ganz schulde, den er als den Urheber seines ganzen DaseyuS erkennt. WaS soll also ich thun, der ich meinen Gott habe nicht nur als den unverdienten Geber meines Lebens, sondern überdieß auch als meinen reichsten Erlöser und ewigen Erhalter? ^ „Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, Herr, meine Veste, und meine Zuflucht, und mein Erretter, mein Gott, mein Helfer," und endlich mein Alles, waS nur immer wün schenSwerth und liebenswürdig ist, ich will dich lieben nach deiner Eingabe und nach meinem Maaße, daS zwar geringer ist, als cS^seyu sollte, aber doch unter meinem Können nicht zurückbleiben soll. Wenn ich auch dich nicht so viel lieben kann, als ich sollte, so kann ich doch nicht mehr dich lieben, als ich kann. Ich werde dich aber noch mehr lieben können, wenn du dich würdigest, mir mehr Können zu schenken, doch niemals werde ich dick, so lieben können, wie du eS verdienst. Nicht ohne Belohnung wird Gott geliebt, obschon er ohne Rücksicht auf Belohnung geliebt werden soll. Denn die wahre Liebe kann niemals leer seyn. Wahre Liebe ist mit sich selbst zufrieden, und sie hat als Belohnung daS. waS geliebt wird. Denn WaS du immer anders zu lieben scheinst, so liebst du gänzlich daS, wohin daS Ziel der Liebe dringt, nicht durch das es dringt. Wer nicht liebt, dem wird kein Lohn verheißen, dem Liebenden gebührt er, dem Ausharrenden wird er gegeben. Wenn wir Gott lieben, verlangt die Seele keine andere Belohnung außer Gott: wenn sie aber etwas anders verlangt, so ist eS gewiß, daß sie dieses Andere, nicht aber Gott liebt. Durch Schmeicheleien nicht abwendig gemacht, durch Täuschungen nicht verführt, und durch Unbilden nicht muthlos werden, das ist Lieben aus allen Kräften. Umschau. Unter den alten Griechen gab es nicht bloß große Künstler, sondern auch geschickte Wortverdreher oder Sophisten, die alles Unmögliche zu beweisen verstanden. So hat der Meister Chrysippos den Satz aufgestellt: Wenn du von einem Gegenstände redest, so geht dir dieser Gegenstand durch den Mund; wenn du also von einem Schubkarren redest, so geht dir der Schubkarre» durch den Mund." WaS kann klarer seyn? Man lernt daraus die Ursache, warum von denjenigen Dingen, von welchen am meisten gesprochen wird, oft am wenigsten g eschie ht. Sie sind eben durch den Mund gegangen. Und waS soll man, nach dieser Voraussetzung, von der deutschen Einheit halten? ES ist neuerdings von zwei großen Männern wieder geredet worden: Heinrich von Gagern, dem ehemaligen Präsidenten in der Paulskirche, und Professor GervinuS, dem ehemaligen Protektor der Deutschkatholiken. Sie feierten ihre Zusammenkunft am 5. d. in DeideSheim, um mit Ausschluß Oesterreichs den engern Bundcöstaat aufs neue zu besprechen. Sie verzehrten dabei zum Andenken Kaiser Carl's des Großen einen Kalbsbraten, weil dieser des großen Kaisers Lieblingsspeise war. Die böse Welt erzählt: der Braten sey sehr zähe und hart gewesen, und sie hätten ihn kaum hinunter gebracht; allein Gagern, der Mann deS kühnen Griffs, habe seinen Gast ermuntert zu einem küh, nen Schluck, und da sey eS mit Hilfe deS Deidesheimer Rebensaftes gelungen. In der That, da sie eben vom neuen Kaiser redeten, war eS wohl schwer, daß noch ein anderer Gegenstand durch den Mund gehen sollte. Glücklicher und glänzender ist beidcS: Essen und Reden, am 9. Dec. bei dem großen Bankett von Statten gegangen, welches in Paris durch Dupin, den Präsidenten der Nationalversammlung, dem Präsidenten der Republik zu Ehren veranstaltet wurde. Bei dem zweiten Feste, zum Jahrestage seiner Erwählung (10. Dec.) hielt der letztere eine gedrängte und gediegene Rede. Er sagte darin: daß der Sterbliche eine unwiderstehliche Kraft gewinnt, wenn er vor sich ein großes Ziel zu erreichen, und hinter sich eine große Sache zu vertheidigen sieht, nämlich daS Ziel der Befestigung der Religion, Moral und gesunden Politik, so wie die Sache der weisen und heiligen Freiheit, und des Wohlstandes der arbeitenden Classen. Die Rede fand den lebhaftesten Beifall. WaS würde jedoch unser Sophist ChrysippoS dazu sagen? „Wieder eine gute Sache und ein großes Ziel durch den Mund gegangen!" Inzwischen geht eS doch in Frankreich anders als in Deutschland. Dort ists mit dem bloßen Reden nicht abgethan; die Gerechtigkeit wird streng geübt. So ist daS revolutionäre Journal la keuplo („daS Volk") unterdrückt, fünf Redacteure desselben sind in Haft; zwei davon lebenslänglich; Einer von ihnen, Duchöne, war seit 8 Monaten in 12 Processen zusammen zu 29 Jahren Gefängniß und 59,400 Franken Geldbuße verur- theilt worden. In Deutschland wird die Gerechtigkeit mehr und mehr zum bloßen Geschreibe und Gerede. Der Sprachlehrer Grünhagen hatte zur Zeit deS Dresdner KampfeS geäußert: daS HauS Hohenzollern müsse zertrümmert werben, daS Reich Friedrich'S deS Großen werde durch seine elenden Nachfolger, von denen einer dümmer sey, als der andere, in ven Koth getreten. Die Frage an die Geschwornen: ob durch diese Worte die Ehrfurcht gegen daS jetzige Staatsoberhaupt verletzt sey? wurde verneint, und somit der Angeklagte freigesprochen. Das heißt doch wahrlich Kanüle schlucken! Aber ein Sprachlehrer muß eben viel reden, und Reden werden nicht als Thaten betrachtet. (Oest. V.-Fr.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. Vierteljähriger Abou- nementsprcis im Bereiche von ganz Bayern nur 20 kr., ohne irgend einen weiteren Post-Aufschlag. Auch von Nicht-Abonnenten der Postzeitung werden Bestellungen angenommen. onntags-Aeiblatt zur Augsburger Poftzeitung. Auch durch den Buchhandel können diese Blätter bezogen wer» den. Der Preis beträgt, wie bei dem Bezug durch die Post, jährlich 1 st. 20 kr. Neunter Jahrgang. M 32. A2D. December ^ Wer ist mein Nächster? Eine dürftige und hochbejahrte Wittwe, Namens Lctellier, hatte nach dem Tode ihres ManncS, eiiuS Arbeiters zu Dreur*), in einen Winkel der Bretagne, ihren Geburtsort, sich zurückgezogen. Hier harrte sie mit großer Sehnsucht dem Besuche ihres Enkels entgegen, der in der Linie diente, als des Einzigen, der von ihrer Familie übrig geblieben war, als sie im Juni d. I. ein Schreiben erhielt, worin er ihr meldete, Laß er zu Versailles, wo sein Regiment in Garnison lag, im Spital sich befinde. Sie wartete eine Woche um die andere; nachdem aber zwei Monate verflossen waren, binnen welchen von dem jungen Soldaten keine weitere Nachricht zu ihr gelangte, entschloß sich die arme, 82jährige Frau die Wanderung nach Versailles zu unternehmen, und so einen Weg zurückzulegen, der mehr als hundert französische Meilen beträgt. Gegen Ende des August war sie bei frühem Morgen in dem Dorfe Marolles angelangt; sie halte nun schon vier Fünftheile deS Weges vollende!, aber ihr Reisegeld war bis auf zwei Sous herabgeschmolzen. Sie klopfte an die Pforte einer Herberge, um etwas Suppe zu bekommen; da aber der Preis derselben, um den sie vorsichtig sich erkundigte, ihre ll.btttel überstieg, so war sie weise genug, „sich in die anerkannten Verhältnisse zu fügen;" sie blieb draußen auf einem Steine sitzen, und stillte ihren Hunger an einem Stück- lein trockenen Brodes. In diesem Augenblicke kam cer Steuer-Einnehmer deS Ortes vorüber; der Anblick des aiinen Mütterchens erweckle seDe Theilnahme, und nachdem sie auf seine Fragen Auskunft gegeben, nahm er sie mit in die Wohnung, ließ ihr eine Tafle Milchkaffe reichen, und schenkte ihr zwei Franken als Reisegeld. Einige Tage nachher, auf ihrer Rückkehr von Versailles, stellte sie dem Einnehmer wieder sich vor, um ihm zu danken, und Abschied zu nehmen; sie war sehr betrübt, denn sie halte ihren Enkel nimmer im Leben gefunden. Der edle Mann ward von herzlichem Mitleid bewegt; er trug der greisen Pilgern, an, einen Tag in seinem Hause auszuruhen, und als sie daselbst plötzlich unwohl sich fühlte, behielt und Pflegte er sie bis zu ihrer Wiederherstellung; worauf er ihr eine Summe von 40 Franken mit auf den Weg gab, die er in der Gemeinde für sie gesammelt. Kaum war die greise Frau in Drcur angelangt, als sie schon zu einem Notar sich begab, zu dem sie sprach: Ich besitze ein kleines HauS, und außerdem eine auf Grund und Boden versicherte JkihrcSrente von 00 Franken; da ich alle meine Anverwandten verloren habe, so wünsche ich, daß mein kleines Vermögen rißch meinem Tode dem Herrn B. Einnehmer zu MarolleS, anheimfalle. Wenige Minuten darauf war dieser letztere zum rechtmäßigen Erben der alten Mutter Letellier eingesetzt, die, nachdem sie dieses Zeugniß ihrer Dankbarkeit sicher gestellt, ohne Verzug auf den Heimweg sich begab. Wie jener Wohlthäter, den sie früher nie gekannt, sich ihr als Nächster bewährte, so wollte auch sie jetzt an ihm wie seine Nächste und Blutsverwandte handeln. (Oest. V -Fr.) Schreiben des Missionars Maximilian Gärtner in Nordamerika. Sac-Prairie, 25. Sept. DaS verehrte Schreiben vom 2. April lief eben ein, als am 11. Mai die Post unsern Brief bereits versendet hatte; wir verschoben die Antwort, weil unser hochwürdigster Herr Bischof Henny bereits Anzeige von seiner glücklichen Landung in New-Dort und baldigen Heimkehr gemacht hatte, in Hoffnung nähere Auskünfte über die dortige Heimat zu erhalten. Am Vorabende deS heiligen PfingstsefteS *) Wird gesprochen: Drö. (26. Mai) bewillkommte man den allvcrchrtcii Oberhirten wieder feierlich m seinem Sitze, und die folgende Woche schaarte sich schon derDiöcesan- Kleruö, so viel Ihunlich war, um ihn. Ausweichen, Wolljacke — gleich dem Lorv-Mayor in London — sitzend kam auch ich am Herz-Je,»feste in Milwaukie an, eilte zur neuen schönen Marien-Kirche der Deuische», hielt auf Einladung des Herrn Pfarrers Heiß das Hochamt i'.ü.i roelitu, und wohnte hierauf einer Versammlung der Katholiken bei, in welcher der Neubau einer zweiten deutschen Kirche — näher den, Hafen der Stadt — beschlossen wurde. Die nöthigen Mittel hiezu verschaffte eine Collecle unter Leitung deS hochwürdigcn Herrn Dr. Salzniann (auS Linz), dessen geistlicher Obsorge die neue Kirche untergestellt werde» soll. Der hochwürtigste Bischof erfreute mich deö andern Morgens mit vielen Beweisen seiner Gewogenheit, vorzüglich aber duich Bebändigung der vom Hvchwürvigeii Herrn CanvuikuS Tuilie in Bliren ihm für unsere Mission zugewiesenen reichen Spende von 600 fl. R. W., wofür wir unsern schuldigen Dank schon längst abgestattet haben am Altare Desjenigen, der derlei in seinem Namen und zu seiner Ehre gebrachte Opfergabe» hundertfältig zu vergelten weiß. Da die heurige Ernte nur zu den mittelmäßigen gehört, Hilfen-- früchte und Kartoffeln aber auS Mangel an Regen und in Felge eines am letzten Juli eingefallenen starken Frostes gänzlich mißrathen sind, begreift es sich leicht, wie jehr erwünscht ,,»S diese auswärtige Hilse gekommen ist, zumal von den hiesigen Gemeinden noch immer kein namhafter Beitrag beanspruch, werden kann. Die auswärtigen Stationen thun zwar ihr Möglichstes; allein die Reisekosten zehren jedesmal die Hälfte der von ihnen gespendeten Gaben auf. Aneikaunte Thatsache ist cö, daß kaum einer der hiesigen Diöcesan-Priefter so mühsame geistliche Dienste zu leisten hat, als bisher uns zu Theil geworden sind, und Laß wir also der Sache deS Herrn wohl nicht aus zeitlichem Jnter.esse diene». Nun zum rückständigen Missionöberichte! Während Mitbruder Ädalbert in den drei Biltlagen im hiesigen Seeftorgöbezllke die vorgeschriebenen Andachten hielt, rüstete ich mich zum Aueinarlche nach Madison, und kam am 15. Mai nach Jcffer- son, wo dießmal eine unverhoffte Freute meiner wartete. Eine deutsche Ealviiilstin hatte mir nämlich ihren entschiedenen Willen eröffnet, daS katholische Glaubensbekenntniß anzunehmen und öffentlich abzulegen. Die Gründe ihres Verlangens lagen, wft ich mich nach einer genauen mit ihr vorgenommenen Prüfung überzeugte, in offenbarer Gnade von oben, in aufmerksamer Anhörung meiner früher hier gehaltenen Predigten, im herzlichen Gebete, besonders zur Mutter des Herrn, in ernster Erwägung der Todes stunde, und in dem sehnlichen Wunsche ihre vorausgegangenen zwei Kinder dorr jenseits wieder zu finden. Nach ihrer Aussage trug hiezu eine Erscheinung, die sie nicht im Traume, sondern im ganz wachen Zustande gehabt haben wollte, vaS Meiste bei. Nachdem nämlich ihr erstes von mir katholisch getauftes Kind bereits vor einem Jahre gestorben, und sie mit dem zweiten der Entbindung nahe war, erschienen ihr vor ihrem Bette zwei Lichter, die nach kurzem hellen Glänze wieder verschwanden. Sie deutete dieß Phänomen alsogleich dahin, daß auch VaS zweite Kind ihr durch veu Tod würde entrissen werden. Und so geschah eö auch. Kaum hatte die ältere Schwester, eine erpichte Protestantin, das Kind in daS Bettchen gewickelt, mit der Versicherung, daß eS ganz wohl sey, erblickte die erschrockene Mutter in dessen Gestchtchen schon die Todtenbläffe, rief eiligst den Schwager, ihm die Nolhtaufe zu geben, und so wie eS diese empfangen, verschied eS. Den Schmerz der Mutter überwand der Trost, dort oben nun zwei Engel zu haben, die für sie beten würden. Natürlich knüpfte sich an dieses sonderbare Ereignis) das Verlangen nach gründlicherer Belehrung in der katholischen Religion, die ich ihr auch während meines Aufenthaltes zu ertheilen nicht unterließ. Am nächstfolgenden Sonntage sollte dir Ablegung deö Glaubensbekenntnisses feierlich » -'c > Ik >».. > 1 r lt 20b vorgenommen werden. Herzliche Theilnahme des katholischen Theiles der Bevölkerung, und begreifliche Neugier deS protestantischen hatten das möglichst gezierte Kirchlcin voll angeyn werben?! Verbannt von, Vcitcrlande deS Paradieses, werben sie gepeinigel werben in der ewigen Holle, werden niemals ein Licht sehen, niemals eine Erquickung erlangen/sondern Tausend der Tausende werden sie in der Hölle gepeiniget, niemals daraus befreit, wo der Peiniger nicht ermüdet, der Leidende nicht stirbt. Schreckliche Strafe der Hölle, wo die äußerste Finsterniß, wo kein Gcständniß, woraus für Niemand ein AuSgang ist! Wenn dich die Liebe Gottes vorn Bösen mcht abhalten kann, so schrecken dich wenigstens davon ab der Schrecken des Gerichtes, die Furcht vor der Hölle, die Stricke deS TvdeS, die Schmerzen des Feuers, der nagende Wurm, der stinkende Schwefel, die höllische Flamme und alle Uebel. O wie schlecht sind alle Schlechten gebettet! Sie sehen, um beschämt zu werden, und leben nicht, um nicht getröstet zu werden. Von wem werden sie gesehen? Von jedem Sehenden, so, daß nach der Menge der Schauenden ihre Beschämung groß ist. Und kein Auge von einer so großen Zahl der Sehenden ist ihnen lästiger, als das ihrige selbst. Sie haben nicht den Anblick- des Himmels und der Erde, den ihr finsteres Gewissen mehr fliehen will, als kann. Ich fürchte den nagenden Wurm und den lebendigen Tod. Ich fürchte, dem lebenden Tode und dem sterbenden Leben in die Hände zu fallen. Dieß ist der zweite Tob, welcher nie auf hört, sondern immer mordet. Jene Peinen und Qualen endiget kein Zeitraum, kann kein Geist hinlänglich begreifen. Wer dieß Alles, meine Brü- der, fürchtet, der hütet sich: wer cS vcrnachläßigct, der stürzt hinein. Die «HristlicHen Sehnlbrüder. DaS so allgemein gewordene Verlangen nach der Unentgelblichkeit deS Unterrichtes kann am besten befriediget werden durch die Einführung der Brüder der christlichen Schulen — gewöhnlich Schulbrüter gcnannt. Dieses Institut wurde von dem ehrwürdigen Johann Baptist Dr. von Salle, CanonicuS zu Rheimü, im Jahre 1680 gegründet, Ludwig XV. genehmigte es und durch die Bulle vom 26. Jän. 1725 wurde cS auch vom Papste gutgeheißen. AIS im Jahre 1792 alle , geistlichen Körperschaften in Frankreich unterdrückt wurden, durfte auch dieses Institut nicht mehr bestehen; allein seit 1804 kam cö wieder zum Vorschein und wurde sogar durch den Artikel 9 des Gesetzes vorn 17. März 1809 über die Organisation der Universität gesetzlich von der kaiserlichen Regierung anerkannt, von welcher Zeit an sich die christlichen Schulbrüder nicht bloß über ganz Frankreich, sondern auch über ganz Belgien und über einen großen Theil von Italien, ja selbst Amerika ausbreiteten. Ihre Aufgabe ist, die Jugend und vorzugsweise die Kinder der Armen und Handwerker unent gelblich christlich und bürgerlich zu erziehen; mit der Bedingung, daß ihnen von den Städten und Vereinen, die sie berufen, die zur Wohnung und zu den Schulen nothwendigen Räumlichkeiten gegeben nnd die zu ihrem Unterhalt erforderlichen, festbestimmten Geldbeträge gezahlt werden. Wie würde daher durch die Einführung der christlichen Schulbrüder in Wahrheit jenes allgemeine Verlangen nach der Unentgelblichkeit deS Unterrichtes realisirt werden! Und was das wichtigste ist, wie würde dadurch eine wahrhaft christliche Erziehung der Jugend wieder herbeigeführt und somit der Wahre Grund zur Verbesserung der socialen Zustände gelegt werden? In Koblenz fängt sich durch die unermüdliche Thätigkeit der beiden dortigen Pfarrer schon an ein Verein zur Berufung der christlichen Schulbrüder zu bilden. An Thcilnehmern wirb eS gewiß nicht fehlen; und wenn gleich eine Hauptschwicrigkeit in der Herbeischaffung der erforderliche« Mittel wegen der vielen anderweitigen Ansprüche, welche die herrschende Noth an die Vermögenderen stellt, bestehen wird, so ist nur zu bedenken, daß daS schnellste Mittel, der Noth abzuhelfen, nur in einer wahrhaft christlichen Erziehung gefunden werden kann, und auch diese Schwierigkeit wird'dann überwunden werden. Diaconissen und barmherzige Schwester». Von der Wupper, 6. Dec. Die asiatische GotteSgeißel, welche auch die protestantische Metropole deS Wupperthales nicht geschont, vielmehr eben so stark, als andere rheinische Städte heimgesucht hat, ist selbst von wohlthätigem Einflüsse auf die Werkthatigkeit der Protestanten gewesen; ist doch das Princip der „sols sielos" zu strohern und zu dürr, alö daß es in Menschenherzen, die nicht ganz von Gott verlassen nnd dem finstern Geiste verfallen sind, folgerechte Früchte bringen könnte. Der Versuch, nach dem Beispiele unserer barmherzigen Schwestern ebenfalls Schwestern der christlichen Liebe (also nicht der solo lickes) unter dem Namen „Diaconissen" heranzubilden, zeugt davon, daß man auf die Folgerichtigkeit der urprote- ftantischen Principien im Leben verzichten will und — muß. Diese Diaconissen sind hier wä rend der Herrschaft der asiatischen Seuche sehr thätig gewesen. Bei der Heftigkeit und schnellen Entwickelung der Krankheit war das Bedürfniß augenblicklicher unv rascher Hilfe sehr groß und daher die Anwesenheit dieser Krankenwärterinnen gewiß äußerst willkommen. Auch hat man über ihre Dienstferligkeit und Sorgfalt sich allmärtS rühmend ausgesprochen. Aber dennoch mußte der Unterschied zwischen diesen Kranken- wärlerinnen und zwischen den Ordensschwestern der katholischen Kirche jedem Kenner beider Institute gleich in die Augen springen. Die ersteren waren und sind nichts mehr unv nichts weniger als höchstens gute Krankenpflegerinnen, wie sie auch anderwärts, wo die barmherzigen Schwestern in katholischen Orten nicht ausreichten, genugsam unter der verdienstsuchcnden Bevöckerung sich fanden; solche Kran ken Wärterinnen konnte man z. L. auch in Eiberfeld (unter Katholiken und Protestanten), in Düsseldorf und Köln für Geld finden. Aber der den katholischen Instituten innewohnende OrdenSgeift, der Geist jener aufopfernden Demuth unv Selbstverläugnung, welcher der Welt durchaus abgestorben nur der hingebenden Liebe in Christo lebt, gibt den Dienstleistungen der Ordensschwestern einen himmlischen Anhauch, einen gehcimnißvollcn göttlichen Segen, den weder gesalbte Bibekerte noch auch gewanele Dienstleistungen ersetzen können. Der katholischen Gemeinde hat eS deßhalb eine große Entbehrung seyn müssen, daß sie hier weder ein eigenes Krankenhaus noch auch geistliche Krankenschwestern zur Verfügung haue, sondern auf die gewöhnlichen Hilfsleistungen beschränkt war, an denen eS die bürgerliche Verwaltung, so weit eS in ihren Kräften und in ihrer Einsicht lag, nicht fehlen ließ. Auch geschah von Seiten der Begüterten viel, um den armen Kranken in dieser rapiden Noth zu helfen. So hatte ein FabrikhauS auf eigene Kosten einen Arzt weither kommen lassen, um dessen mit dieser Krankheit vertrauten Obsorge die eigenen (sehr zahlreichen) Arbeiter zu überweisen. Wenn daher der oben ausgesprochene Vergleich zwischen den Krankenpflegerinnen deS Protestantismus unv den barmherzigen Schwestern der Kirche nicht zum Vortheil der erstem auSschlug, so soll damit den deßfallstgcn Leistungen der Protestanten kein Vorwurf, sondern im allgemeinen darauf aufmerksam gemacht werden, daß die'eigentliche christliche Krankenpflege nur eine vollkommene seyn könne, wenn der aufopfernde Geist der Demuth, welcher in der Religion Jesu uranfänglich lag und liegt und in ken geistlichen Orden fort und fort rein sich darstellt, sie begleitet und durchführt; und daß jene, welche die Diaconissen, welche sich als gute Krankenwärtcrinnen (abgesehen von den oft nicht verhehlten Pietistischen Unnatürlichkeiten) im Aufwarten der Kranken gezeigt, den katholischen Ordensschwestern gleichstellen möchten, letztere gar nicht gekannt haben müssen. Man braucht nur Solche, welche die barmherzigen Schwestern in Berlin beobachtet, zu fragen, und man wird finden, daß selbst Protestanten dort den himmelschreienden Unterschied kennen und zugeben. Um so mehr fühlen wir aber auch hier das Bedürfniß, ein solches Institut für unser Wupperthal, daS doch an 15,000 Katholiken zählt, zu erhalten; wie denn schon unter ähnlichen Verhältnissen in der meist von Protestanten bewohnten Stadt Hamm durch den rührigen katholischen Pfarrer Belmann daselbst ein solches Institut, ohne alle materielle Mittel, bloß im Vertrauen auf die Vorsehung, gegründet worden ist. Bereits regen sich auch hier unter dem Einfluß unserer Geistlichkeit die guten Katholiken, um zu ähnlichen Instituten die ersten Bausteine herbeizuschaffen; und Gott wird seinen Segen diesem frommen Beginnen gewiß nicht versagen, wie er denn auch die numerisch geringen geistlichen Kräfte (eS ist in Elberfeld ein Pfarrer mit drei Caplänen) in den Tagen der größten Noth, die besonders unter den in den ärmeren Classen zahlreichen Katholiken ihre raschen Opfer suchte, wunderbar gemehrt und gestärkt hat. (Kath.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaberr F. C. Kremer.