Sonntags - DeiblM zur Augsburger Postzeitung. ' - - . ' l ^ ' ' ^ - Vierzehnter Jahrgang. l85ä. Augsburg. Verlag der B. Schmid'schen Buchhandlung. ' F. Kremer. Inhalt. Gedichte. An Radetzky in Freiburg 57. Das verwehte Kleeblatt 112. Der Büßer Dank 183. Die Sünder-Glocke zur Zeit der Mission 184. Die beiden Schwestern 282. Des Kindes Traum 393 Das letzte Ave 409. Gegrüßt seyst du Maria! 313. Habs- burg WimlSbach 273. Maria die Hilfe der Christen 225. Mariahilf bei Passau 249. Nachruf an die h-chw. Misstonäre 209. Possenhofrn und München 136. Nück.-rinnerung an Neuburgs Missionen 234. Ritter Harimann von Sicbeneichen 270. St. Theresia 321. Sancta Agatha 289. St. Paulla Romana 208. Vcr- kehrte Welt 232. Zur Vermählung Sr. Maj, des Kaisers Franz von Oesterreich 137. ! Hirtenbriefe und andere Äctenstücke. Allocution Sr. Heiligkeit Papst Pius IX. gehalten am 19. Dec. 1853 17. Breve über die Seligsprechung der ehrwürdigen Gcrmana Cousin 193. Hirtenbrief des Bischofs Arnold! von Trier 2H. Hirtenbrief des Bischofs von Würzburg 82. Größere Aufsähe vermischten Inhaltes. Adressen der kathol. Welt an den hochwürd. Hrn. Erzbischof von Freiburg 217. Die Akademie der Propaganda am 8. Jan. 1854 50. Die Aufgabe genialer Frauen in der christlichen Kirche 186. Das Ar- menwcscn vom kath. Standpuncte aus betrachtet 62. 69. 83. 123. Aus der neuesten Schrift des Bischofs von Mainz 217. Bilder aus Jerusalem mir und ohne Nahmen 4, 10. Bekehrungen im Jahre 1833 31. Die Beatification des ehrw. Dieners Gottes Andreas Bobola 33. Brief von Clemens Brentano an ein zwölfjähriges Mädchen 35. Die barmherzige» Schwestern i» Chinqen 47. Das Bild dcS Erz- blschofs von Freiburg 90. Das Blumen- fest in Genzano 211. Die Bedeutung der religiösen Frage in unserer Zeit 257. Bemerkungen aus Anlaß der Dcgmatisirung der unbefleckten Empfängniß Maria von Professor Franz CoSta -101. Christus ist geboren 1. Die Konversion deö l)r New- mann 41. Das Christenthum in Abissi- nien und der letzte Märtyrer daselbst aus Oesterreich 98. 109. Cemral-Afrika 172. Fürstbischof von Görz, Franz X. Luschiri 221. Die Concilien des erste» christl. Jahrhunderts 361. 369, 379. 388. 396. Die Concilien des zweiten christl. Jahrh. 404. Die Concilen des dritten christl. Jahrh. 411. Die Concilien des vierten christl. Jahrh. 413. 418. Döllinger u. Bunsen 6. 14. Von dem Glück — Fastenspeiscn zu essen 9. Der rechie Wegweiser ii» neuen Jahre 21. Der Dialog des Dcito und Zg- norante in römischen Kirchen 129. Die Frauen vom guten Hirte» in Ncudorf 48. Darmstädter Phantasten und der Segen über Hauslhicre 181. Der hl, Frannscus als Patron des Vereines gegen Thicrquälerei 52. Pater Fruzzim (Nekrol.) 185. Eine lehrreiche Geschichte im fünften Decennium des 19ten Jahrhunderts 44. Heinrich IV. von Frankreich und die Jesuiten 107. Die katholische Verdummung 73. Zur Geschichte der Benedicliner-Abtei Metten in Niederbayern 249. 260. 278. Der kaih. Götzendienst 92. Zur Kirchengcschichte Bosniens 145. 179. Die Königsgräber zu St. Denis 164. 169. 191. 197. Die katholische Universität in Dublin 321. Kirchen und kirchliche Bauwerke an den heiligen Stätten des Morgenlandes 330. 337. Vicrundscchzig Lehrsprüche aus dem Munde des bl. Philippus Neri 32. 39. Luschkin (Nekrolog) 177. 265. 274. Cardinal Luigi Lambruschini 195. Die auswärtigen Missionen 117. Missions- bcricht vom Jahre 1853. 234. 241. Dr. Newmann und dessen Bruder 30. Der NorbcrluSvercin 46. Zur orientali- schen Frage 137. Pilgerreise ins hl. Land 2 > 3. Der Prinz GemM in England als Theologe ZI8. Die abgelaufene Parla- mentSscssion in ihrer Stellung zu den katholischen Interessen 305. 3l3. Rudolph von Rodt über die Früchte seines Wirkens in Indien 58. 65. Der heil. Stuhl und das orientalische Schisma 201. Stoff zum Nachdenken 189. Kirchl chc Statistik des russische»Reichs 229. Die Schwestern der Armen 245. Der Tod Voltaires 282. 289. 297. 303. 316. 326. 332. 341, 348 353. Der VinceiuiuS-Verein 345. Der Verein zur Begleitung des all.rheilig- sten Niaticums in Rom 122. Mleinere Artikel und Nöthen. Antwort des Erzbischofs von Utrecht auf die Adresse der kalh. Generalversammlung 56. Der bekehrte Züchtling 149. Das Bibcl- geschätt 176. Das Collcg für auswärtige Misstonen in Druincondra bei Dublin 120. Gründung einer orientalisch-christlichen Gesellschaft 240. Elisabeth 210 Die Einweihung der Schncekoppen-Eapelle 2 38. Die Einführung des Ordens der barmherzigen Schwestern in das Krankenhaus zu Bambcrg 253. Etwas aus dem Capitel über christliche Lcbrnsanschauungen 255. Die Feier des 24. Aprils auf der Ricden- burg bei Vregcnz 158. Frauen zum guten Hirten 144. Die christliche Familie, wie sie war und wie sie ist 142. Die Fastenzeit in Paris 134. Die Freimaurerei 1 >5. 125. Giiechische Prophezeiungen 101. Zur Feier des St. Lconhardstages 377. Die Ziffern bedeuten Militärische Honneurs vor den barmherzigen Schwestern 415. Geständniß unv Einsicht 168. Gott und die Gebildete!, 293. Heldenmuth eines F.ldcaplans 366. Zur Frage über die unbefleckte Empfängniß Maria 374. Eine Jubelfeier in Ornbau 351. Aus der Jugend Papst Pius IX. 169. Die Kirche unv der Findling 61. Kirchendiscipli» 143. Die kathol. Kirche auf den Sandwichinseln 151. Luxemburger Zustände 156. Der Monat Maria 1367. Medicinisches über das Fastcn- gebot 263. Das neue Schulhaus zu Lib- nach 269. Der protestantische Missionär 279. Der Mohr und der Jude 63. Die Mission in Teisendorf 79 Eine Paralelle 220. Protesta.ttische Zustände in Amerika 140. Nandglosstn 215. Priesterrache 254. Tablomanic und Nekromantie 60. Trost am Grabe 56. Zur Tischrascrei 96. Zustände der Katholiken in Schweden 114. 126. 139. 147. Afrika 16. Amerika 16. Budweis 48. Burghausen 244. Aus Böhmen 197. Dublin 162. Frankreich 104. Dessau 168. Eschweüer 88. Gratz 112. Irland 174. Jerusalem 160. K>rchliche Notizen 236. 294. 303. 311. 318 327. 334. 343. 357. 368. 375. 381. 392. 399. 407. 415. Lenau 16. London 207. Nordamerika 200. 224. 248. Paris 176. Passau 95. Rom 37. 86. 105. 153. 162. 173. 206. 223. Schweiz 128. Spanien 284. Tclgte 216. Trieft 88. Ungarn 24. Vereinigte Staaten von Nordamerika 54. Wien 38. 64 , ie Seitenzahlen. , Vierzehnter Jahrgang. Sonntags⸗Beiblatt zur Augsburger Poſtzeitung. 1. Januar Nʳ· 1. 1854. Dieſes Blatt erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreis 10 fr., wofür es durch alle königl. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Chriſtus iſt geboren.*) — Es iſt ſehr unrecht vom Pfarrer, daß er da drüben in der Kirche immer ſo übel von den Dornen redet!— ſagte der Dornbuſch, der vor dem verfallenen Stallgemäuer der Schloßruine der Dorfkirche gegenüberſtand.— Es iſt ſehr unrecht von ihm, denn er kann ja z. B. nicht wiſſen, was es mit mir für eine Bewandtniß hat!— Auf dem Blutsacker bei Golgatha da ſtand vor bald 2000 Jahren mein Stammbaum, ein Kreuzdorn, aus deſſen Zweigen flochten ſie die Dornenkrone des Heilandes. Der Pfarrer drüben aber weiß nicht, daß ich von dieſem Kreuzdorn ſtamme, daß alle directen Abkommen desſelben rothe Blüthen treiben, in der Chriſtnacht blutige Thränen weinen, und daß wir Dornen uns ewig verjüngen wie Chriſti Lehre, denn wir ſind ja mit ihr verflochten! So ſprach der Dornbuſch. Und da fuhr der Wind in ſeine Zweige und ſchüttelte fie, daß Schnee von denſelben fiel. — Freilich, die Bewandtniß muß man kennen, ſagte der Dornbuſch. Es war nun aber eben Chriſtnacht, und Mitternacht nahte heran, und darum ſtellte der Dornbuſch ſeine frommen Betrachtungen an, die er indeß auch an andern Tagen hegen mochte, wenn es mit ſeiner Abkunft wirklich„die Bewandtniß“ hatte, deren er ſich rühmte. Inzwiſchen läutete man in der Kirche zur Chriſtmetten und der fromme Pfarrer ſchritt daher, um den Gottesdienſt zu halten. — Da geht er gleichgiltig an mir vorüber! — ſagte der Dornbuſch.— Natürlich: er kennt ja meine Bewandtniß nicht! Und die übrigen eilen auch alle an mir vorbei in die Kirchen, und wenn der Herr Gott nicht ins Verborgene ſchauen könnte, er würde ſeine Gläubigen an den Fußſpuren erkennen, die von den Häuſern in die Kirche führen. Aber er kennt ſie Alle, denn er leitet ja ihre Spuren.. Ich jedoch kenne Zwei im Dorfe, die nicht heute und nicht das ganze Jahr in die Kirche gehen, weil ſie gottlos ſind; es iſt der finſtere Schloßherr und der wilde Steffen, den der Erſtere geſtern aus ſeiner Hütte gejagt, weil er den Miethzins nicht bezahlt, und deſſen armes Weib mit ihren halbnackten Kindern nun hier in dem verfallenen Stalle liegt, vor dem ich Wache halte. — Ich muß mich doch einmal nach der armen Frau und dem kranken Kinde umſchauen!— ſagte der Dornbuſch und rankte ſeine Zweige, um in das zerbrochene Fenſter zu blicken. Aber es war dunkel drinnen und der Nachtwind ächzte an den feuchten Wänden und durch das offene Fenſter. — Ach Gott, das arme Weib iſt ſo gut und doch ſo elend! Hier in dem Stalle ſind Jammer und Zähneklappern heute die Chriſtbeſcheerung. Das iſt doch zu traurig! ſeufzte der Dornbuſch. — *) Mit einigen Aenderungen aus Hans von Wachenhauſens unter dem Titel:„In der Mondnacht“ kürzlich erſchienener Mährchenſammlung. 2 Und, drüben in der Kirche begann die Orgel mit den feierlichen Tönen. — Chriſtus iſt geboren! ſang die Gemeinde dazu von dem Chore und von den Bänken. — Chriſtus iſt geboren! rief auch der Wächter vom Thurme herab. Und der Dornbuſch hatte Recht. Drinnen in deu alten, verödeten Stalle lag ein armes Weib auf den Knieen und betete. Heiße Thränen rannen über ihre Wangen, krampfhaft hatte ſie die Hände gefaltet, ſtarr heflete ſie das Auge auf das Stroh, das ſich in der alten ſteinernen Krippe befand, denn in dieſer Krippe lag ihr Jüngſtgebornes, ein halbjähriges krankes Kind, zitternd vor Fieberfroſt und Kälte. Der Mond ſchien durch die Fenſteröffnung auf dieſe Gruppe, mitleidig ſielen ſeine Strahlen auf das kranke Kind; aber ſie konnten es nicht wärmen und die Mutterbruſt vermochte dieß auch nicht mehr, denn ſie war ja ſelbſt ſo eiſig. Und durch die Spalten des morſchen Daches, deſſen Lücken der Schnee bedeckte, fielen zu Hundertlauſenden die kleinen glitzernden Schneeſternchen herab und ſpielten in den Mondſtrahlen. Aber auch ſie leuchteten und wärmten doch nicht. Heiland der Erde, der Du in dieſer Nacht geboren wardſt, der Du lebteſt und ſtarbſt für uns Alle, der Du heute in einer Krippe lagſt, wie dieſes arme hilfloſe Geſchöpf, rette, o rette mein krankes Kind! — So betete das unglückliche Weib, und die kalten Händchen des Kindes ſtreckten ſich jammernd nach der Mutter aus. Ihre Kraft aber war gebrochen, ermattet ließ ſie die Stirne auf den eiſigen Rand der Steinkrippe ſinken, ihr Auge ſchloß ſich, ein tiefer Seufzer entrang ſich ihrer Bruſt. Tage und Nächte hindurch hatte ſie gewacht, Tage und Nächte des tiefſten Elendes hatte ſie verlebt; jetzt aber brach ſie zuſammen und der Schlummer erbarmte ſich ihres Jammers. — Du armes Weib, wo iſt dein Gatte? Du armes Kind, wo iſt dein Vater? — ſagte mitleidig der Dornbuſch draußen, ins Fenſter ſchauend. Ja, wo war der Gatte, wo war der Vater? — Der wilde Steffen, wie man ihn im Dorſe nannte, war, wie geſagt, geſtern Abend mit Weib und Kind aus ſeiner Hütte gejagt worden; er hatte bei ſeinen Nachbarn ein Obdach geſucht, die aber hatten von ihm nichts wiſſen wollen, denn ſie fürchteten ſich vor dem gottloſen Steffen, der nie gut gethan, wie ſie ſagten. Und ſo war er dann mit den Seinen in das verlaſſene Stallgemäuer gezogen. Dann aber waͤr er racheſchnaubend fortgeeilt und vergebens hatte ſein Weib, ein Unglück befürchtend, ihn zurückzuhalten geſucht. — Wo war der wilde Steffen? — Die Glocken läuteten, die Orgel tönte, die Gemeinde ſang fromme Lieder in der Kirche und der brave Pfarrer ſtand am Altare und ſang: „Ehre ſey Gott in der Höhe, und Friede den Menſchen auf Erden, die eines guten Willens ſind.“ Droben in dem alten Schloſſe aber in einem unheimlichen Gemache ſaß neben dem längſt erloſchenen Kamin ein Mann mit finſteren, abſtoßenden Geſichtszügen. Es war der Schloßherr, ein hartherziger Mann, den man fürchtete, ſo weit ſeine Gränzen reichten. Das Licht vor ihm auf dem Tiſche war tief herabgebrannt, ſein Antlitz war ſtarr und regungslos, ſein Auge geſchlofſen. Es ſchien, als ſchliefe er, aber er war ſo entſetzlich bleich. Und während nun unten in den Hofgebäuden die Dienerſchaft ſich tummelte, ſchlich ein Mann die Treppe hinauf und durch den finſtern Corridor. Leiſe öͤffnete er die Thüre des großen Gemaches, leiſe trat er herein und neben den Seffel, in welchem der Gutsherr ſchlummerte. Das Auge des Fremden leuchtete in wilder Gluth, ein Hohnlachen entſtellte ſeine verwitterten Züge. Einen Blick that er ſcheu im Zimmer umher. Ein Meſſer glänzte hoch in ſeiner Rechten, die Linke packte die Hand es ſchlafenden Gutsherrn. Das Meſſer zuckte — — — Chriſtus iſt geboren! ſang man in der Kirche drüben. Der wilde Steffen fuhr entſetzt zurück, die Hand des Gutsherrn war eiſig kalt; er hatte eine Leiche gefaßt. — Chriſtus iſt geboren! rief auch der Thürmer herab, denn der Gottesdienſt war zu Ende und die Gemeinde eilte nach Hauſe. ⸗ 3 Das Meſſer entſank Steffens Hand; noch einmal ſtarrte er die Leiche an; es war ihm, als ſchlage ſie ſtrafend das kalte Auge auf. Sein Antlitz mit beiden Händen verhüllend, ſtürzte Steffen fort. Niemand hatte ihn in das Haus ſchleichen ſehen, Niemand ſah ihn jetzt vor dern verödeten Stalle verweilen und durch das Fenſter ſtarren — Niemand außer dem Dornbuſch. Fürchterlich bleich ſchaute Steffen in das Innere des Stalles; dort ſah er ſein Weib knieen, eben ſo regungslos, wie die Leiche dort oben im Schloſſe, nur ſchöner; und mild und rein wie die Unſchuld das Kind in der Krippe. Da rannte Steffen fort, ſich ſelbſt unbewußt ſtürzte er durch die offene Kirchenthüre und ſank ohnmächtig an den Stufen des Altares nieder. Der Pfarrer aber ging ſo eben nach Hauſe. Er kam an dem Dornbuſch vorüber und ſah zwei kleine Knaben unter demſelben im Schnee ſitzen. Sie froren und bargen ihre rothen Händchen in den Lumpen. — Nimm ſie mit dir! — ſagte der Dornbuſch zum Pfarrer, es ſind die Kinder des wilden Steffen; ſie wagen ſich nicht hinein, aus Furcht, daß der Vater ſie ſchlage, weil ſie mit leeren Händen nach Hauſe kamen! — Nimm ſie mit Dir, denn ich kann ſie nicht erwärmen; ich bin ja ſelber arm und nackt! Wir wiſſen nicht, war es der Dornbuſch, oder das Herz des Pfarrers, das alſo ſprach; er aber nahm die Kinder mit ſich in ſein Haus. — So, nun habe ich doch eine Sorge weniger! ſagte der Dornbuſch zu ſich ſelbſt. — Jetzt zünden ſie hier — und da — und dort ſchon den Chriſtbaum an! Wie ſchade, daß ich dort nicht unter den Fenſtern ſtehe, denn hier in dem öden Stalle wirds nichts zu ſehen geben. Aber der Dornbuſch irrte, denn das Innere des Stalles erhellte ſich alsbald mit tauſendfachem Licht. Noch immer knieete das arme Weib mit geſchloſſenen Augen da, aber das kranke Kind, es wachte und ſtreckte lächelnd ſeine kleinen Arme aus, denn das Dach öffnete ſich und herabſchwebten, von einer Lichtwolke umgeben, zwei wunderliebliche Engel, von denen der eine einen kleinen Chriſtbaum mit unzähligen Lichtern, der andere aber köſtliche Geſchenke trug. Und es ward warm, in dem Stall und das Licht warf einen ſolchen Schein über die Straße, daß der Dornbuſch ſich verwunderte. Es iſt doch keine Hütte ſo ſchlecht, wo in dieſer Nacht nicht Chriſtus wäre! — ſagte er. Die Engel aber ſchwebten herab und während der eine den Chriſtbaum beſcheerte, trat der andere zu dem kranken Kinde und legte heilend ſeine Hand auf deſſen Bruſt. Dann ſchwebten ſie wieder hinauf und verſchwanden; in dem Stalle aber blieb es Licht. Inzwiſchen aber lag der wilde Steffen auf den kalten Altarſtufen. Endlich kam er jedoch wieder zum Bewuüßtſeyn. Er hob den Kopf vom Stein; er hatte ein wunderbares Geſicht im Traume gehabt, denn er hatte zwei liebliche Engel geſehen, die ſegnend ihm zur Seite traten; und jetzt eben noch, da er erwachte, ſah er ſie neben ſich ſtehen, er fühl‘e, wie jeder von den Engeln ſein warmes Händchen in die ſeinige legte und ſie ihn zur Kirche hinausführten. Steffen war es, als träumte er noch, als werde er im Schlafe von den beiden kleinen Engeln vor die Kirche und zu dem Stalle geführt, in welchem er ſein armes Weib, ſeine jammernden Kinder wußte. Willig ließ er ſich führen; als er aber unter ſein ödes Dach trat und er hier alles warm, licht und hell ſah, als er die Chriſtbeſcheerung gewahrte, da rieb er ſich die Augen, er ſtarrte auf die Engel hinab, die ihn hierher geführt und noch an ſeiner Seite ſtanden. Steffen erkannte, in ihnen ſeine beiden älteſten Knaben, feſtlich und ſchön gekleidet, wie er ſie nie geſehen. Noch immer glaubte er, es ſeh ein Traum. Er hob die beiden Kinder in ſeine Arme; er hielt und küßte ſie — — Nein, das konnte kein Traum ſeyn. — Chriſtus iſt geboren! — rief der Wächter vom Thurm herab. — Ja, ja, er iſt geboren, und auch in mir iſt er es! — rief Steffen aus und mit den beiden Knaben im Arme ſtürzte er zu ſeinem Weibe; er umſchlang ſie, drückte ſie an ſich und rief: Hanne, erwache, Chriſtus iſt ja geboren! 4 Und ſie ſchlug die Augen auf und ſchaute verwundert umher. — Wie iſt mir denn? — rief ſie. — Biſt du es wirklich, Steffen? — — Und dieſes Licht hier? — Iſt es denn wahr, was mir träumer? — Zwei Engel ſah ich kommen, ſie trugen einen Chriſtbaum und ſchöne Geſchenke, und der eine trat an die Krippe hier und legte heilend die Hand, auf meines Kindes Bruſt ! — — Ja, ja, es iſt wahr! Es lebt! — jauchzte ſie, nahm das lächelnde Kind aus der Krippe und drückte es an die Bruſt. —— Es iſt wahr, Steffen! — rief ſie, das Kind in ſeine Arme legend. — Der Heiland iſt gebören, er hat mir auch mein Kind nicht ſterben laſſen! Und während ſie Alle die Chriſtbeſcheerung anſtaunten, trat der Pfarrer hinter dem Chriſtbaum hervor, denn er war es, der durch zwei brave Kinder aus der Gemeinde die Weihnachtsbeſcheerung geſandt, er war es, der den wilden Steffen an den Stufen des Altars hatte hinſinken ſehen, er war es, der ſeine Knaben feſtlich gekleidet und ſie zu dem Vater in die Kirche geführt hatte. — Chriſtus iſt geboren, — ſagte der Pfarrer, — und Er will, daß er heute auch in der kleinſten Hütte nicht fehle. Wo er aber zum erſtenmal einkehrt, das iſt in Euerem Herzen, Steffen; wahrt ihn dort wohl, denn Ihr wiſſet, es iſt im Himmel mehr Freude über einen bekehrten Sünder, als über neunundneunzig Gerechte!— Und der Dornbuſch ſchaute noch immer ins Fenſter, es rauſchte vor Freuden in ſeinen Aeſten, und wie es der Kreuzdorn in jeder Chriſtnacht thut, trieben ſeine Zweige purpurrothe Augen, die weinten blutige Thränen in den Schnee. Am Morgen aber ging Steffen mil Weib und Kindern zur Kirche, und es mußte in der Zwiſchenzeit noch etwas weiteres zwiſchen ihnen und dem Pfarrer vorgegangen ſeyn, was in ihrem leiblichen wie in ihrem Seelenzuſtand eine Veränderung hervorbrachte; denn man ſah fie beide in beſcheidener aber anſtändiger Kleidung, in tiefer Andacht zum Tiſche des Herrn hintreten. Die Leute des Dorfes aber gingen in Feſtkleidern an dem Dornbuſch vorüber, und als ſie den Schnee unter ihm gleichſam init rothen Perlen beſtreut ſahen, riefen ſie: Seht nur, der Kreuzdorn hat in der Nacht rothe Blüthen getragen! — Ja, — antwortele der Kreuzdorn, — denn Chriſtus iſt ja geboren! Wir Dornen, wir wiſſen es, denn wir haben ihn ja im Tode gekrönt, und ihr Menſchen, ihr müßt es auch wiſſen, denn er ward ja für euch gekreuziget! Bilder aus Jeruſalem mit und ohne Rahmen. (November 1853.) Jeruſalem iſt die Stadt der Leiden, und der Herr hat mir auch meinen Antheil zugewogen; ich habe aber die Schaale bereits geleert, und darum finden Sie mich auch ſchon vor meiner Staffelei, bereit, einige Bilder aus Jeruſalem für Sie zu zeichnen. I. Eine Wunde am Fuße, die mir der Stich eines giftigen Inſektes vor ungefähr fünf Wochen zugezogen, hinderte mich während der genannten Friſt an weiteren Ausflügen; ich muß mich daher bei dem Entwurfe meiner Bilder zumeiſt auf den engern Bezirk der Stadt beſchränken. Aber auch in der Stadt bin ich dieſe Zeit nur wenig umhergekommen; denn, wie geſagt, ich habe mein Leidensſchälchen, und nebenbei auch etliche Medicinſchalen, leeren müſſen. Der Fremde, welcher die heilige Stadt zumal in den Monaten Auguſt, September und October beſucht und innerhalb ihrer Mauern längere Zeit verweilt, entgeht nicht leicht der Gefahr der Fieber, welche um dieſe Zeit herrſchend ſind und beren Charakter ſich meiſt von ziemlich hartnäckiger Natur erweist. Selbft die an das Klima ſchon mehr gewöhnten Franciscaner blieben nicht verſchont, und es zählte die Infirmerie verfloſſenen Monat (September) nicht weniger als 17 Patienten des Salvatorkloſters. „Si deye pagare“ iſt in dieſem Sinne hier zum Sprüchworte geworden, und auch ich habe meinen Tribut redlich bezahlt und den ſatalen Kampf mit dem gefährlichen Feinde beſtanden, wobei ich nicht umhin kann, der freundlichen Theilnahme und liebevollen Pflege dankbar zu gedenken, deren 5 ich mich von Seite der guten Väter Franciscaner erfreute. — Doch ſoll ich Ihnen einen fiebergeplagten Pilger auf dem Krankenbette malen? Dieß Bild wäre für ſeine Unbekannten gar wenig gedeihlich, und für ſeine Bekannten nicht ſonderlich erfreulich. Laſſen wir's alſo und verſetzen wir uns in die Zeit, da ihm das Fieber noch nicht die Kraſt geraubt, die ex in dem folgenden Bilde bei hellem Tage von Nöthen haben wird! II. Jeruſalem hat den Friedensfürſten an das Kreuz geſchlagen und ſein Wort verworfen; darum iſt auch der Friede von ihm gewichen und wir ſehen in jeder ſeiner ſpätern Perioden den Ausſpruch des Propheten erfüllt, der da klagt: Peccatum peccavit Jerusalem; propterea instabilis facta est! (Jerem. I, 8.) Dieſe Wahrnehmung ergibt ſich auch heut zu Tage im Kleinen wie im Großen. — Es war am Morgen des 27. Septembers, als ich, allein die Stadt durchwandernd, durch die enge und ſchmutzige Hareth el Mugharibeh zwiſchen Aäſern und Pharoafeigen gegen die Reſte der alten Tempelbrücke, welche Zion mit dem Morijah verband, mich wandte, und den Klageort der Juden, Chotel Maarabeh, beſuchte, wo ich am Fuße der alten Tempelmauer noch 10 Lagen der in glücklicheren Tagen auf einander gelegten großen Bauſteine zählte, und eine Weile in ſtiller Betrachtung verbrachte. Als ich wegging hetzten muhamedaniſche Kinder, die bis dahin ganz ruhig in meiner Nähe geſpielt, mir die Straßenhunde nach, die ich Mühe hatte mit Steinen zu verjagen, da ſie erſt wichen, bis ich einen an den Kopf getroffen, daß er heulend flüchtete. Ich mußte nnn, etwas zurückgehend und in ein zur Linken aufwärts führendes Gäßlein biegend, durch ein kleines offenes Thor etwa dem Gebiete der Moſchee zu nahe gekommen ſeyn — oder ſollte wohl ein anderer Grund, mein Talar vielleicht, Anlaß gegeben haben? ich weiß es nicht; kurz, es faßten mich plötzlich zwei Männer, einer am Arme, der andere an der Bruſt, und lärmten mir einige arabiſche Schmeichelreden eifernd und geſtikulirend in die Ohren, von denen ich aber leider nichts verſtand. Ich hoffte ganz einfach los zu kommen, indem ich die Gewalt des mächtigen Zauberſpruches: „Bakſchiſch“ (Geſchenk) verſuchte, aber ſie ließen nicht los, ſondern ſchrieen und zerrten an mir wie vor, und ich war nun auch wenig gewillt, durch Hervorziehen meiner Börſe deren Verluſt und obendrein vielleicht noch andere Unannehmlichkeiten zu riskiren ſondern verſuchte in Gottes Namen Gewalt gegen Gewalt, und es glückte. Ich machte durch eine raſche Bewegung meine Linke frei, wobei der ſchwarze Mughrabiner an einem Steine ſtrauchelte, und gewahrte nun meines Vortheils dem andern Gegner gegenüber, den ich durch einen kräftigen Stoß gegen die Wand rannte, — dann aber ſelber ſah, wie ich mit meinem leidenden Fuße möglichſt ſchnell auf dem fatalen Boden weiter kam. Als ich, unten angelangt, zurückſah, ob ſie mir etwa nachſetzten, rief der Eine vom Thorwege herab: „Bakſchiſch“! Originell genug! Ich entgegnete drohend: „Mafiſch“! (nichts dal) und ging, da ich ſah, daß ſie mich in Ruhe ließen, im gemeſſenen Triumphatorſchritte weiter. Es flogen mit aber zur guten Letzt ein paar Steine nach, die jedoch glücklicher Weiſe nicht trafen. Ich hatte mir indeß auf meiner Eilfahrt vom Thorwege herab den wunden Fuß angeſtoßen und neuerdings beſchädigt, was mir die Begegnung meines Dragomans doppelt willkommen machte, der, ſeine Verſpätung entſchuldigend, verſicherte, er habe mich ſchon dreiviertel Stunden auf dem Tags zuvor bedungenen Wege geſucht, und ſey, da er gerade hier angelangt und mich mit den beiden Türken erblickt, eben im Begriffe geweſen, mir zu helfen. (? )„Mafiſch!“ — — So was kann Einem jetzt bei hellem Tage in Jeruſalem paſſiren! Die Franciscaner gratulirten mir, daß ich ſo gut davongekommen, und erzählten mir eine Geſchichte, die ſich vor nicht gar langer Zeit hier zugetragen und der zufolge ein fränkiſch gekleideter Türke in der Nähe der großen Moſchee ähnlicher Weiſe von ein paar fanatiſchen Leuten angefallen und von Soldaten, die auf den Lärm herbeigeeilt waren, mit Säbelhieben zerſtückelt worden war. Schönen Dank für die Ehre und vielen Reſpekt vor derlei arabiſchen Gebräuchen! — Ich muß indeß wohl auch des Grundes gedenken, warum die Mohamedaner hier ſo fanatiſch das Gebiet ihrer großen Moſchee vor Beſuchen der „Ungläubigen“ 6 verwahren: ſelbe ſteht nämlich ihrer Anſicht zufolge dem Range nach der Moſchee von Mekka zunächſt. Der Moslem ſagt:„Syrien iſt das geſegnete Land, Paläſtina das heilige, die heilige Stadt die heilige der heiligen; der heiligſte Theil der Welt iſt Syrien, der heiligſte Theil von Syrien iſt Paläſtina, der heiligſte Theil von Paläſtina iſt die heilige Stadt (Jeruſalem), der heiligſte Theil der heiligen Stadt iſt der heilige Berg, der heiligſte Theil des heiligen Berges iſt die Moſchee, der heiligſte Theil der Moſchee iſt die Kapelle.“ Ueberdieß beſteht eine Tradition, der zufolge jeder Chriſt der Erfüllung der Bitte theilhaft werden ſolle, die er aus dieſer Moſchee zum Himmel ſchicke — und da läge denn natürlich die Bitte am nächſten, daß Gott die heilige Stadt den Türken emreißen und in die Hände der Chriſten geben wolle. Cotovicus ſagt:„Der Chriſt, welcher in ihr(der Moſchee) ergriffen wird, hat nur die Wahl, entweder ſeinen Glauben abzuſchwören, oder geſpießt, oder verbrannt zu werden;“ und die muhamedaniſchen Eiferer hier behaupten, der Sultan ſelbſt könne einem Nichtmuhamedaner wohl die Erlaubniß zum Hineingehen in die Moſchee ertheilen — aber nicht zum Hinausgehen! Deßungeachtet erhielt der Engländer Richardſon durch Omar Effendi, den er von einem Augenübel befreite, zum Danke die Erlaubniß des Beſuches der Moſchee, wie auch De Hayes, Ludwigs XIII. Geſandter, der aber keinen Gebrauch davon machte. Uebrigens ſcheint die einſtige Pietät für dieſen Tempel doch heut zu Tage ſchon bedeutend abgenommen zu haben, ſonſt wäre das Volk wohl kaum ſo gleichailtig geblieben, als der Paſcha vor etwa vierzehn Tagen einen Theil des Bleidaches dieſer Moſchee herunterreißen ließ, um den Räuber Abu Goſch mit Kugeln für die Gewehre ſeiner Leute zu verſehen! (Schluß folgt.) Döllinger und Bunſen. Bunſen's Werk über Hippolytus und Kalliſtus — das als eine herzerhebende Forſchung zu Gunſten des Proteſtantismus und zu Schädigung der katholiſchen Kirche vom Herrn Ritter Bunſen der deutſchen und engliſchen theologiſchen Gelehrtenwelt zugleich aufgehalſet wurde, indem es un deutſcher und engliſcher Sprache erfchien — hat in den meifſten deutſchen Blättern einen wahren Siegesjubel hervorgerufen. Es regnete Lob und Anerkennung; die „Augsburger Allgemeine“, welche bei derlei Lobſpielen nie zurückbleibt, gab ihren Trompeten- und Paukentuſch darein, und eine proteſtantiſche Fakultät, die von Bonn, beeilte ſich, dem Ritter von Bunſen auf ſäuberlich abgeſchabter Eſelshaut in Demuth das Ehrendiplom eines Doctors der Theologie zu überreichen. Die letztere Haut⸗Angelegenheit findet ihre politiſche Erklärung darin, daß Ritter von Bunſen als hochgeſtelſter preußiſcher Beamter zu Berlin eine bedeutende Stimme hat, und daß Bonn in Rheinpreußen liegt, und daß man zu Bonn von Berlin aus allerhand werden kann. Denn für das Bunſen'ſche Werk — als Machwerk, als theologiſche, kirchenhiſtoriſche Abhandlung, kann doch die Fakultät zu Bonn nicht in ſo blöder Unwiſſenheit befangen geweſen ſeyn — ein Doctordiplom herzugeben; das galt hier offenbar der großen Perſon und nicht der kleinen Sache, dem fehr ſtarken Mann und nicht dem ſehr ſchwachen Buche. Und doch allenthalben ein heilloſer Lärm und ein unbedingtes Lob, daß ſelbſt ſchwache Katholiken darüber verblüfft wurden. Da kam denn nun ein ordentlicher Theologe, ein Doctor der Theologie, der einer iſt, und nicht einer, der ein ſolcher heißt, der Stiftsprobſt und Profeſſor zu München J Döllinger heran und ſchrieb folgendes Werk: „Hippolytus und Kalliſtus, eder die römiſche Kirche in der erſten Hälſte des dritten Jahrhunderts. Mit Rückſicht auf die Schriften und Abhandlungen der ​​​​H. H. Bunſen, Wordsworth, Baur und Gieſeler. Von J. Döllinger, Regensburg. Manz, 1853.“ Nun nehmen aber wir die Lob- und Siegestrompete in die Hand, und zwar mit Recht, wir ſagen, daß im Fache kirchenhiſtoriſcher Kritik in Deutſchland ſchwerlich irgend wer ſeyn dürfte, der ſich an Schärfe des Geiſtes wie an Beſitz hiſto 7 riſcher und dogmen⸗hiſtoriſcher Wiſſenſchaft, wie ſie zu obiger Kritik erfordert wird — mit Döllinger meſſen wollte, und wir können hier bei dieſer Behauptung ſelbſt Herrn Ritter von Bunſen nicht den Gefallen thun, mit ihm eine Ausnahme zu machen. Die Schrift Döllingers iſt ein wahres Meiſterwerk— und wer nur halbwegs eine Freude an hiſtoriſcher Kritik hat und den die Sache überhaupt intereſſirt, der wird dieſelbe mit ſteigendem Intereſſe durchleſen. Bunſen iſt darin mit einer Leichtigkeit der Behandlung ſo kaffeemühlartig zerrieben durchgefallen, daß ſich vorausſetzen läßt, unter allen Doctoren der Theologie und allen Gelehrten deutſcher Zunge wird derſelbige Bunſen jener Mann ſeyn, deſſen Conſtitution Döllingers„Hippolytus und Kalliſtus“ am wenigſten zuſagen kann. Im Vorwort äußert ſich Döllinger über Bunſens Schrift:„Den Druck dieſer Schrift, zu deren Herausgabe ich unmittelbar nach dem Erſcheinen der Philoſophumena mich entſchloſſen, habe ich verzögert, bis das ſo lange vorher und ſo oft angekündigte Werk des Hrn. Geheimenraths Bunſen erſchienen ſeyn würde. Meine Hoffnung, durch ein ſo ausführliches, denſelben Gegenſtand behandelndes Werk irgendwie belehrt und gefördert zu werden, wurde nun zwar vollſtändig getäuſcht; denn die Unterſuchung über das, was mir die Hauptſache war, die Perſönlichkeit des Hippolytus und den hiſtoriſchen Gehalt ſeines Berichtes, iſt, wie ich bald ſah, in dem Werke des Herrn Bunſen in einer Weiſe geführt, die es mir unmöglich mächte, auch nur den geringſten Nutzen davon zu ziehen; wie denn dieſe hiſtoriſchen Fragen überhaupt bei ihm von untergeordneter Bedeutung ſind, während das Hauptintereſſe des Werkes für den Verfaſſer wie für das Publicum in jenen viel breiteren Partieen desſelben liegt, in denen er ſeiner lange gehegten Antipathie gegen die katholiſche Kirche, ihre Lehre und Verfafſung, ſo wie gegen die im Proteſtantismus noch enthaltenen altkirchlichen Reſte Worte geliehen, und für Anpreiſung ſeiner auf dem Papier bereits fertigen „Kirche der Zukunft“, deren Aufrichtung in kürzeſter Friſt wirklich vor ſich gehen ſoll, ſich Raum und Gelegenheit geſchaffen hat. Ich habe daher nur zwei Abſchnitte aus dem erſten Bande des Bunſen'ſchen Werkes einner näher eingehenden Kritik unterworfen, überzeugt, daß die Leſer, die mir ſo weit gefolgt, eine fernere kritiſche Sichtung des von ihm angelegten Magazins nicht begehren würden. In der That liegt auch die Signatur des Buches für den Kundigen ſchon in der Aufnahme, die dasſelbe in beiden Ländern gefunden, und die in England eine ganz andere als in Deutſchland geweſen iſt; dort, wo man es wenigſtens mit einigen Grundwahrheiten des Chriſtenthums noch ernſthaft zu nehmen pflegt, hat die oöͤffeütliche Stimme ſich faſt nur in entrüſtetem Tadel vernehmen laſſen; nur das „Weſtminſter Review“ (April, 1853) nebſt ein paar verwandten Organen hat dem Verfaſſer eine Huldigung geſpendet, die in den Augen des religiös⸗geſinnten Englands die Bedeutung der ſchärfſten Verdammung hat. In Deutſchland dagegen haben, dem bekannten Chärakter unſerer Tagespreſſe entſprechend, alle Blätter des großen Marktes, wie von Einem Winde bewegt, frohen Beifall gerauſcht, und nur die ſpeciell theologiſchen haben dieſem Frohlocken einige Tropfen des Widerſpruchs über Einzelnes beigemiſcht.“ Eine eigentlich längere ſtreng⸗​wiſſenſchaftliche Beſprechung dieſes Buches gehört in eine theologiſche Zeitſchrift — wir können uns hier nur auf Andeutungen einlaſſen. Döllinger hat die von Vielen ſchon beſprochene Sache mit allem Ernſt und aller wiſſenſchaftlichen Tiefe behandelt — Bunſen wird, wie ſchon früher erwähnt, nur ſo nebenbei mitgenommen und ihm auf die ſchlagendſte Weiſe durch die unumſtößlichſten Gründe ein ſolches Gewebe von Irrthümern, eine ſolche Menge von gänzlich aus der Luft gegriffenen Behauptungen, ſo plumper Mißverſtändniſſe nachgewieſen, daß die theologiſche Facultät von Bonn ihr voreilig hinausgeworfenes Diplom von Rechtswegen zurückfordern, ſich eines unrichtigen Urtheils für ſchuldig erklären, oder Herrn von Bunſen auffordern ſollte, eine andere Abhandlung zu ſchreiben als die preisgekrönte, welche im Grunde nichts beweist, als die Oberflächlichkeit im Wiſſen und größtmögliche Seichtigkeit im Urtheil, wie ſie nur bei einem modernen Dilettanten in der Theologie gefunden werden kann. — Ueber die ſehr verwickelte Geſchichte von 8 Hippolytus und Kalliſtus iſt noch durch keine Schrift ſo viel Licht verbreitet worden, wie durch die Döllingers. Was euthält ſie dabe für großartige Aufſchlüſſe über das Leben der Chriſten unter den heidniſchen Römern; über die ehelichen Verhältniſſe derſelben, über die Suburbanbiſchöfe u. ſ. w. u. ſ. w., die für jeden Theologen vom höchſten Intereſſe ſind, was für tiefe pſychologiſche Bemerkungen, von denen wir umeinige kurze anführen wollen. So z. B.: „Wäre Kalliſtus, wie Hippolyt ihn ſchildert, ein Schmeichler und Augendiener des Biſchofs und zwar eines eigennützigen und habgierigen Biſchofs geweſen, ſo iſt es ganz undenkbar, daß ihn nach dem Tode dieſes Biſchofs freie Wahl, alſo die gute Meinung des Volkes, die Gunſt und Achtung des Presbyteriums auf den Beichtſtuhl erhoben hätte. Welche Mittel konnte er denn in Bewegung ſetzen? Beſtechung? er war arm, und die Zahl der zu Beſtechenden wäre jedenfalls viel zu groß geweſen. Verwendung mächtiger Gönner? die Mächtigen waren damals heidniſch, und Hippolyt hätte Derartiges, wäre es vorgekommen, nicht verſchwiegen. Die Wahlen geſchahen nicht durch Wenige und insgeheim, ſondern durch Viele und offen. Aber Hippolyt hat doch Kalliſtus ſo beſchrieben, und Hippolyt war ein frommer, alſo wohl auch ein wahrheitsliebender Mann? Ja, er hat geſagt, was ihm zugetragen wurde; und wenn Parkteigeiſt mit perſönlicher Erbitterung, wie hier, zuſammenwirkt, dann wird die Leichtgläubigkeit, auch bei Frommen, gar bald der Wahrheitsliebe Meiſter.“ (Schluß folgt.) Paläſtina. Vor Kurzem kam der Dominicaner Onuvrius Burateewich in einem von 78 Jahren als Pilger nach Jeruſalem. Er gehört durch ſeine Geburt einer der vornehmſten Familien von Podolien an​​​. Im Jahre 1796 wurde er vom Monſignor Dembowski, Biſchof von Kaminíec zum Subdiacon geweihet, und mußte gleich nachher die Kanzel beſteigen, und die katholiſchen Polen auffordern, ihrem Glauben getreu zu bleiben, denn die Kaiſerin Katharina II. von Rußland wandte alle Mittel an, um ſie zum Abfall von der Kirche zu vermögen. Kaum hatte er ſeine Aurede geendigt, als man ihn gefangen nahm, in Ketten legte, auf eine Kibilke ſetzte und nach Tobolsk an die Gränzen von Sibirien brachte. Hier wurde er ſofort ins Gefängniß geworfen. Einige Tage nachher ließ ihn der Gouverneur rufen, verſprach ihm die Gnade der Kaiſerin, Ehrenbezeugungen und ein Bisthum, wenn er zur ruſſiſch⸗ſchismatiſchen Religion übertreten wollte, er weigerte ſich aben. Da wurde der Henker berufen und der Bekenner des Glaubens mit der Knute beſtraft. Dieſelbe Strafe wurde noch zweimal, je nach Verlauf von fünf Wochen, an ihm vollzogen. Dann wurde er auf ewig nach Sibirien verbannt. Buratewich lebte in Sibirien ſeit ſiebenzehn Jahren, als er fieberkrank wurde. In dieſem Fieber machte er das Gelübde, er wolle nach dem heiligen Grabe pilgern,wenn Gott ihm Geſundheit und Freiheit wiedergäbe. Er ward wieder geſund, und bald nachher wurde er im November 1813 mit Andern vom Kaiſer Alexander begnadigt. So kam Buratewich nach Europa zurück. Im folgenden Jahre traf er in Savona in Italien mit dem Cardinal Rudnay, Erzbiſchof von Gran und Primas von Ungarn zuſammen. Dieſer nahm ihn mit ſich. Seit ſeiner Befreiung waren nun ſieben und dreißig Jahre verfloſſen, als er in der Nacht eine Stimme zu vernehmen glaubte, welche ihm ſagte: Woiſt dein Gelübde? Er hatte ſein Gelübde ganz vergeſſen. Er ging nun nach Rom, ſein Ordensgeneral ließ ihn zum Prieſter weihen und erlaubte ihm nach Jeruſalem zu pilgern. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags⸗Inhaber: F. C. Kremer Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojhtitung. 8. Januar S. 1854. Dieses Glatt erschetnt r?gelmaßia alle Gonntaae. Der ^ldjähriste Aiivnii.il^nljvrkis 40 kr., wnnir e« durch alle köm'al. baver. Poüümter und alle Nuchhanvluvai'» l,,,on^n v>e,t>en k>,o». Von dem Glücke — Fastenfpeisen zu essen. Ein sauberes G^'ick! wird man aufrufen. Ein Glück, dem Jedermann gern auS dem Wege geht! Wie soll das ein Glück seyn, kräftige Fleischbrühen, sufli e Lendenstücke, Wildpasteten und pikante Ragouts l-nb?rül,it zu l.issen, um mit Küm- melsnppe und Eierspeisen, mit Linsen und „Abschredl" vorlieb z» nehm.»? Ja) vor den edlen Fischen da haben wir schon Respect, aber die kann man zu allen Zeiten „andächtig" genießen. — Ware e5 ein Glück, wird ein Neberkluger einwenden, wie könnte eS denn zugleich ein Verdienst seyn? — Ein Cchrifikundiger wiro sich also vernehmen lassen! Nicht daS, waS in den Mund eiugeht, verunreiniget u. s, w. ES thut mir leid, aber ich kann ungeachtet dieser dem Nainrleben, der L.gik und der Schrift entnommenen weisen Betrachtungen, um welche bei uus in en^en und weiten Kreisen „mit Grazie die Rcdnerlippe spielt" von meinem wunderlichen Terte kein Tüpfelchen ablassen. Ich will damit nicht bl.ß andeuten, raß jeoeS der Pflicht gebrachte Opfer sich selber lohnt: das versteht sich ohnehin; ich bediene mich vielmehr dieser Werte hier in einem specielleren Sinne. Od mit Recht, darüber mögen die Leser urtheilen, die Fastenden und die Nochnichtfastenden. — Im Voi beigehen gesagt, eS wäre interessant zu wissen, wie Viele in die eine und wie Viele m die andere Classe gehören, doch leider schweigt die Statistik über diesen Punct gänzlich. DaS kirchliche Fastengebot ist namentlich in großem Städten einer allgemeinen Mißachtung anheim gesallen. Auf den Speisekarten der Mehizahl der Hotels und Gasthöfe glänzen die Fastenspeisen nur durch ihre — Abwesenheit. (Diese Reoewen- duug gehört ursprünglich dem römischen Geschichtschrnder Tncitus an, der von den Schmansereicn der allen Germanen anch Einiges zn erzählen wußte.) Findet man aber in den wenigsten Wntbshäusern am Freitag Fasten^erichte, wie sollte man sie erst an Quatember- und Vigilientagcn aiurcffeu? Die Köche haben ja so vollanf zu thun; wie könnten sie noch Zeit erübrigen, im Kalender dem fatalen f nachzuspüren? Geht es doch den „Künstlern" vom Fache in vornehmen Häusern, auch bei Hoden und höchsten Staatsbeamlen um kein Haar besser; denn auch sie werden durch „Geschäfts- überbürdung" von derlei Kalenderstudien abschalten! Indessen geschieht es denn doch zuweilen, daß ein „Fremder" F>istensp,isen begehrt. Dann begibt sich in der Regel Folgendes. An dem Tische, wo das unh.im- liche Wort ausgesprochen wird, verbreitet sich eine peinliche Siuumnng, der Faden deS Gesprächs bricht ab, das Lächeln schwinvel, die Stirnen wer'cn ernst, und in den Blicken, d e sich auf den Fremdling richten, würde selbst L.waicr schwerlich eine Spur von Wchlllxllen herausfinden. Der Kellner schaut verdutzt, denkt wohl auch mit Stolz daran, daß er über derlei Thorheiten hinweg sey. Fällt aber das verhängnißvolle Wort aus dem Munde eines Einheimischen, 10 eines sogenannten „Stammgastes", der sich bisher an kein Fastengebot gehalten hat, dann ist das Befremden der überraschten Tischgenossen noch deutlicher wahrzunehmen, nnd eö kleidet sich nach dem Grade der Bildung in verschiedene Formen. Der Thermometer sinkt plötzlich um ein paar Grade, die Behandlung wird kühler, das Gespräch wird an Andere gerichtet, und der Abtrünnige kann sicher seyn, daß man ihn an diesem Tage mit dem Anglimmen der Cigarren verschonen werde. — Hält er beharrlich auö, ohne sich viel in Erörterungen einzulassen, so gibt sich die Sache wohl aumälig; man verzeih! ihm endlich die unbequeme Mahnung, und wenn er sonst Achtung verdient, so wird sie ihm jetzt vielleicht in höherem Maaße zu Theil, versteht sich ganz in der Stille. Lassen Sie uns nun sehen, waS in dem Gemüthe dieses Mannes vorging. Er hat sich viele Jahre hindurch um die katholische Kirche, der er doch äußerlich angehört, gar nicht bekümmert; er stand ihr vielleicht feindselig gegenüber, und würde vormals gegen die Frömmler und Ultramontanen Fr^nt gemacht haben: denn mir den Elementen der modernen Bildung hatte er auch ihren Unglauben cingesogen; ja er würde denjenigen verlacht baben, der ihm eine totale Sinnesänderung in Aussicht gestellt hätte. — Und dennoch — auch für ihn ist der Tag des Heils gekommen! Die göttliche Gnade hat einen Funken in sein Herz geworfen, und diesen Funken, er hat ihn nicht gleich, wie leider so Viele zu thun pflegen, störrisch hinauögeschleu- dert. Eigene und sremoe Schicksale, Leiden, Umgang und Beispiel, Nachdenken und Sludien haben diesen Funken gei-ährt ftnd angefacht, nnd so ist der Mann endlich nach vielem Schwanken und Wanken nicht ohne Mühsal und Kampf zur Erkenntniß der Wahrheit gelangt. Seine Umgebungen sind indessen die nämlichen geblieben, allein er betrachtet sie nun mit andern 5>ugen, Die Witze und Spöttereien, die er sonst belächelte, findet er nun abgeschmackt und frevelhaft; Einwendungen und Argumente, die ihm vormals imponirten, dünken ihm jetzt feicht und schaal, ja er sieht in ihnen meistens nur eine Frucht grober Umvissenheit, In seinem Unmuthe würde er sich gern von Freunden uno Bekannten zurückziehen, glücklicherweise gestalten ihm dieß seine Verhältnisse nicht, und so wird er denn endlich auch über die Bitterkeit Herr, die sich anfänglich gegen Andersdenkende einzuschleichen pflegt. Aber Einen Schritt hat er noch vor sich, einen unabweislichcn, nämlich daö offene, freie, unumwundene Bekenntniß seiner katholischen Ueberzeugung! Er zögert lang, zu lang — er faßt Entschlüsse und vertagt ihre Ausführung, der Stachel des Gewissens wird indessen immer fühlbarer — im Streite mit schnöder Menschenfurcht; die göttliche Gnade ist vielleicht auf dem Puncts sich für immer von ihm zurückzuziehen: da faßt er endlich wie man zu sagen pflegt sein Herz mit beiden Händen — und öffentlich unterwirft er sich dem — Kirchengebot! Und am Abend dieses entschnvenden TageS im stillen Kämmerlein rnsr er auS: Gott sey in Ewigkeit gepriesen! ich habe überwunden, nnd in meinem Innern fühl' ich eine Kraft, eine Zuversicht, einen Frieden, wie ich noch nie empfunden! — Mit Rührung denkt er nach Jahren noch an die Stunde zurück, wo ihm das Glück zu Theil wurde, zum erstenmale — Fastcnspeisen zu genießen. Finden Einige meiner geneigten Leser (von der Classe der Nicht-Observanten) auch jetzt noch die Ueberschrift dieser Zeilen paradox? Nun dann haben Sie ja ein sicheres Mittel die Wahrheit zu erproben; dieß Mittel heißt: eigene Erfahrung! (Oesterr. Volksfr.) Bilder auS Jerusalem mit und ohne Rahmen. (Schluß.) . Seit die Besatzung Jerusalems auf des Sultans Befehl nach der türkischen Haupistadl abgezogen ist, haben wir hier manch interessante Dinge erlebt, die wohl «tner Zeichnung werth sind. Dahin gehört fürs Erste schon der Abmarsch der Truppen tt » selbst, dessen zufälliger Zeuge ich am Vormittage des 19. Septembers geworden bin. ES waren ihrer etwa 4(1(1 Mann; voraus abschwitzte sich der Commandant, ein zweiter Sultan Wampum, auf seinem gehäbigen Schimmel, in der Linken deö Rosses Zügel, in der Rechten den unentbehrlichen Tschibuck (türkische Pfeife mit langem Rohre), ihm folgten drei Mohren, deren jeder eine mäßig aroße grüne Fahne trug, dann die Tambours uud Hornisten mir ihren messingenen Ohrenbrechwerkzeugen, Hinter ihnen marschirte in leiblicher Ordnung die Truppe, die meist aus großen, zum Theil auch kräftigen Leuten bestand, doch in ziemlich verwahrlostem Zustande war. Ihr Anzug bestand aus weißen Hosen und Zwilchleibchen mit rothen Kusschlägen und nach europäischem Schnitte. Ihre Gewehre waren wie die unseres Militärs, jedoch mit Steinschlössern versehen, und fehlten die Tragriemen an den Schnallen. Ein Soldat trug in seinem Musquetenlaufe eine kleine Weiße, goldgestickte Fahne; alle aber hatten neben den blanken, sckeivenlosen Bajonetten ihren Tschibuck an der Seite befestigt. Viele Mnhamedaner begleiteten den Zng und ihre Segenswünsche lanteten auf „Sieg und Ausrottung oder Austreibung der Christen", weßhalb man hier stetö irgend einen Gewaltstreich zumal gegen die Griechen befürchtete. Die Marschroute führte zunächst nach Jaffa Es verlautete mdeß, daß die Beduinen einen Ueberfall der Truppe beabsichtigten, um sich ihrer Bagage zu bemächtigen, und deßhalb vermied der Befehlshaber das gefährliche Gebiet. Er gerieth aber auf seinem Umwege noch in eine zweite Verlegenheit, da seine Mannschaft sehr viele Lust zum AuSreißen zeigte, der er dadurch nur zum Theile steuerte, daß er berittene Leute aufbot, die, neben dem Zuge reitend, selben zusammenhalten sollten! — Jerusalem war also, die wenigen Artilleristen in der Citadelle abgerechnet, ohne militärischen Schutz; auf die Vorstellungen der Consnln aber improvisirte der Pascha, eine in jeder Beziehung höchst schwache Personalität, für die das Wort Machthaber durchaus Impertinenz wäre, eine Art Sichcrheitswache, welche jedoch in weit üblerem Rufe stand, als die Beduinen selbst, nnd den sie auch gehörigermaßen rechtfertigte. Mindestens schrieb man die vielen nächtlichen Diebereien und gewaltsamen Einbrüche, von denen jeder neue Morgen ^erzählte, dem Jndustriesinn dieser Leute zu, die ja,, nachdem sie mit Sonnenuntergang die Thore geschlossen, die ganze Nacht über Herren ihrer Zeit seyn konnten. Auch den Beduinen schwoll der Kamm, und man besorgte mit Fug und Recht, daß sie heute oder morgen die Stadt überrumpeln und brandschatzen möchten. Vor den Thoren wurden die Karavanen geplündert, uud die Stille der Nacht ward in der Stadt durch häufige Schüsse unterbrochen, welche die in ihren Häusern Bedrohten mit den Dieben uud Räubern gewechselt. Nicht einmal das Kirchengut war sicher, nnd die Franciscaner mußten das Silbergeräthe aus der Geißelungscapelle in das festungsartige Salvatorklostcr flüchten, darin auch ich eine Zelle bewohne. Erst als die Frechheit eines Veduinen-Scheiks erkläne, Lacham wolle mit seinen Leuten kommen, den Kopf des Pascha sich zu holen (weil dieser bei 40 Reiter der irregulären Truppe abgesandt, dem Beduinenkn>>ge zwischen Lacham uud Abu Gösch in St. Johann ein Ende zu machen) konnte die Furcht diesen vermögen, Soldaten aus Damascus uud Aleppo zu rcquiriren, deren ein Theil nun auch bereits eingetroffen ist. Was that aber der Pascha noch vor Ankunft der ersehnten Truppen aus Furcht vor Lacham? Er verband sich mit dem Räuber Abu Gösch und forderte ihn aus, Lacham zu bekriegen, wozu er ihm Pulver und Blei (vom Dache der großen Moschee) auslieferte, ja selbst Kanonen aus der Citadelle wollte er ihm geben, was aber glücklicher Weise dnrck das energische Einschreiten deS französischen Consuls verhindert ward. Wäre dieß nicht geschehen, würde Abu Gösch mit seinem zahlreichen Anhang wohl kaum crmangelt haben, bei nächster Gelegenheit sich dieser Kanonen a!ö eines Schlüssels zu Jerusalems Thoren zu bedienen. Sie staunen vielleicht über diese Nachrichten? Auch ick staunte; aber man versicherte mich, daß eS vor der Regierung Ibrahim Paschas von Egypten hier stets so zugegangen sey! Und Sie werden nicht minder staunen, wenn ich Ihnen sagen muß, daß es in diesen Gegenden nichts desto weniger Leute, Europäer, Franken gibt, welche von der köstlichen Freiheit dieser Länder nicht genug LobeS 12 zu sagen und Aufhebens zu machen wissen! Natürlich sind die Jahre ihrer Einwanderung in daS türkische Reich meist LeidniSjahre für europäische Staaten gewesen, in denen sie nicht versäuntt, auf poliiischem Gebiete ihre perfide FrecheirSrolle zu spielen. — Tieß ein Bild Jerusalems, der Stadt deS Friedens, l?vl) Jahre nach dem Tode deS Erlösers, der da war der FriedcnSfürst! Wohl kann Jerusalem mit JeremiaS anch heut zu Tage noch rufen: „Oeciit mo Oomii>u5 in nwnum, 60 cius rion potero 5urgort> !^ >K. Während ich diesrö schreib? kömmt mir die Nachricht zu, daß der Krieg zwischen den Beduinen neuerdmaS anSg brocken ist und die Gebend deö sonst so friedlichen Bethlehem sich zum Schauplatze erlesen hat. 350 Berittene lagerten in dem Slädtcken Da'idS und zwangen die erwerböfleißigen Bethiehemitaner, sie mit einem Anfwande v n mehreren tausend Piastern zu verpflegen. Man. spricht von acht im Kampfe Gebliebenen So traurig diese Vedninenkämpfe an und für sich sind, dankt es ihnen doch Jerusalem, daß ihm in dieser Zeit nickt auch von der Seite größeres UnKeil widc'f.chren ist. — Auch Ramleh, d.ssen muhamcdaniiche Beiwlkrrnng ihres ^anitiomuS wegen berüchtigt ist, war i> jüngster Zeit der Schauplatz rluliger Kämpfe zwischen den FcllahS (Ackerbauern) und Beduinen, die sich ihrer Ernie bemächtigen wollten. E^ erübiigr mir eben noch etwas Zeit vor Abganz der Post, die ich zum Entwürfe eiuiger Skizzen verwenden will: IV. Sie shen eine Dame, welche a"f einem allerliebsten Eselein eben die Hareth en Nassaiah enilang ritet; vom Saitelknopfe hängt em wohlgesülller Sack herab, v rmnthlick Proviant für die Reise Aber eine Dame allein und auf so un- sicher.n Weg n! Wer ist wohl diese Milchige? — Pst! Ein Bornbergihendcr löSt das Rä hscl Er ist ein armer Kaibolik und denlt si b vielleicht eben, wie viel bequemer es wohl seyn möge, auf dem Esel zu reiten, als die bl.'ß n Füße auf den Steinen wund zu >.chen. Tie Tame sieht ihn an und hält; er blickt sie glcit-fallS an, und sie — h>>t ihn veruanden! Sie öffnet ihren Sack, langt in seine gihcimnißvolle Tiefe, und reicht dem armen Wanderer eine milde Gabe? Nein! — eine ganz nett gebundene' Bibel d,r ehrer>w>rlhcn Londoner MissiouSgesellschafi! WaS kiimnieri sie der vcrweSliche Leichnam des Mcnschcn? Die arme Seele ist ja mehr der Pflege werth! Und die Buchdruck, r iu L^iwon sind wohl auch dieser M inung Aber wer ist nun uuscre Dain»? D>r beih.ilie Glückliche, der sein Geschenk in die Druckerei der Franciöcaner bringt, um eS gegen ein laihoicheS Büch ein umzutauschen, meint, eS sey die Gobat, englisch - preußi che Bischöfin zu Jerusalem. — Den lZifer muß man loben! V. Ich bin gerade in dem T.'scken Hanse auf Besuch. Miß C. wird gemel- delt, irilt ein, und bemüht sich, mir Deutschen französisch und mit Franzosen deutsch zu reden. Ihr Spleen hat sie zur Missionänn gemacht. Sie pnckie ihr bescheidenes Vermögen in England zusammen und wanderte nach Jerusalem — die Jüdinnen zu belehren. DaS Mittel ist sehr specula iv : sie ertheilt nämlich den lernbegierigen Jüdinnen Unt,rrickt iu weiblichen Handarbeiten gegen baare Bezahlung, d. h. sie muß befahlen, sonst kommen ihr die Schülerinnen nicht! und da wird nun genäht und gestickt, und zwisckcudrein auch an der Bibel geflickt, — daß Gott erbarme! Vt. Tie Leser Ihrer Zeitung erinmrn sich vielleicht eines Aufsatzes über „daS Minuiranlenwescn", den Sie brachten; hier ein Beilrag aus Jerusalem: Sie treten in die Saivaivrlirche, die nichts zu wünschen übrig läßt, als daß sie für daS Bedüriniß der hiesigen katholischen Bevölkerung etwas länger und etwas breiter und end ich auch noch etwas höher wäre (am Willen und selbst iheilweise an den Mitteln aufzubauen, fehlt eS hier eben so wenig, alö in dem Convente von «Zypern, wo die Schlangen durch die Risse der Decke in die Zellen der Franciöcaner fielen — aber eS gibt Hmnriusse ganz eigeiur Art!) — also, Sie trct.n in die FranciScanerkircke; ein Priester schreit.t eben, von einem Frater begleitet zum Altare. Der Frater knicet hin und will miinstrircn; da eilen aber schon eiliche von den anwesenden Gläubigen herbei, sechsjährige Knaben, Jünglinge, wie Greise, die ordentlich um die Gunst 13 eifern, dem Priester beim Altare dienen zu dürfen. Der Frater räumt Einem seine Stelle ein, und dieser ministrirt nun wahrhaft mit Andacht, Würde und Anstand. Ist die Messe vollendet, löscht er die Lichter anS, nimmt daS Missale und die Känn- chen, und gchi dem Priester voraus in die Sakristei, wo er sein: „Prosit ps6rö'" sprüht, ohne an eine Bezahlung für die Zulassung zu dem heiligen Dienste zu denken; höchstens, daß cr des Priesters Segen sich erbittet. -Dieß ist um so mehr erfreulich, ais der Araber sonst meist nur dem Motiv des Geldes folgt. — Bei unS ist daS nun freilich ganz anders. VII. Es wird Sie auch überraschen, wenn ich Ihnen sage, daß man hier weder eine Zunft dcrvcchselnd dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und seine sterblichen U.berreste ans ihre Schultern zu laden, und mnß gestehen, ich schämte mich fast in jenem Momente der europäischen Sitte, die daS Amt der Liebe zu einer Er« wcrböquellc gemacht. Was mir daoei besonders ausfiel, war, daß sich diese Araber, die doch sonjl auch selbst die kleinste Sache nicht ohne großes Geschrei verrichten, bei diesem frommen Wettstreite mir Ausland und ernster Ruhe benahmen. Der Weg führte am Jaffathore und der DavidSburg vorbei vor das SionSihor hinaus. Alö wir bum S>. J.ck^ skloster vorüber kaineu, sah ich einen bejahrten armenischen Mönch unter dem Portale, dessen Lipp,n mir im Gebete iür unsern Verliorbeuen sich zu bewegen jchiene». Am Goneoacker auf ein B.r^e Siou hielt der Zug vor dem Grabe dicht an ccr St.idlniauer, uuv ee> w rd>n d>e g>, brä,iä!l>chen G.be>e und Segnungen vollzogen, deieu Schlnv die Äbsingung cinig.r Psalmen bildete. Während dieses Gejanges uahie em F>alcr der Leiche, zog das Batrinch >on dem osseuen Sarge, und nähte die Kaputze über dem Angesichre deS Vrrblichen.n zusammen. Darauf ward die Leiche aus dem Sarge gehoben und mit Stricken in das Gras gesenkt, welches kaum über drei Schuh lief und so schmal war, daß eS eben geraüe den Körper aufzunehmen genügte. Die bei Oeffnung deS Grabes zu Tage geförderten Todtengebeine — ich zählte barunter fünf Schädel — sorgfällig in ein Körbchen gelegt, wurden nun wieder zu den Füßen der Leiche in daS Grab gethan und fünf Minuten später war auch schon das ganze Grab mit Erde ausgefüllt uuv überdeckt, eine Arbeit, wobei einige der anwesenden Araber den Spaten deS GräbtrS mit ihren bloßen Händen unterstützten. VIII. Ein Lb,rösterreicher sieht voll Angst zn, und verwundert sich, wie der Pascha zugeben kann, daß man die Todten so nahe bei der Stadt und nur drei Schuh lief unter der Erde begräbt. Er meint man sollte sie auSgraben und alle Friedhöfe verlegen; aber der Gedanke an die Ausführung macht ihm abermals bang, so, daß cr in seiner Verlegenheit daS Heimweh kriegt. IX. Machen Sie sich nichts daraus, wenn ich Sie vom Reiche der Todten nun noch einmal zurück in daS der Lebendigen führe: man liebt eS ja in Bildersammlungen Gegensätze als Seitenftiicke aneinander zu reihen! Ich habe vor ein paar Tagen einer TrauuugSfeier beigewohnt, welche gegen 7 Uhr Abends in der Kirche des Salvatorklosters vollzogen wurde, und die vielleicht manches bietet, daS Gegenstand Ihres Interesses seyn dürfte. Braut und Bräutigam saßen auf einer Bank vor einem Altare mit dem Bilde der heiligen Jungfrau. Die Braut war in einen dichten rothen Schleier gehüllt, so daß ihre Gestalt ein völliges Räthsel blieb; ich sah nur, daß sie klein war; als sie aber die Hände aus den Falten ihres Schleiers wand, nm den Trauring in Empfang zu nehmen, war ich 14 nicht wenig erstaunt, denn ich glaubte eine Kinderhand zu sehen — und im Grunde tauschte ich mich nicht! — Man hat hier über daS heiratsfähige Alter nicht dieselben Begriffe, wie im Abendlande, Mit dem zwölften Lebensjahre ist ein Mädchen meist schon verheiraihet, und Ehemänner gibt eS, die kaum noch fünfzehn Jahre zählen. Bei den Lateinern tritt dieser Uebelstand jedoch bei weitem nicht so grell her» vor, als bei den Mohamedanern und vorzugsweise bei den Juden. Erinnern wir uns nur z. V. der Verbindung Mohameds mit Aischa, der neunjährigen Tochter Abn BelerS. (Verlobt war sie schon im sechsten Jahre.) Mit vollstem Fug und Recht sieht Tobler in den frühen Hcirathen der Juden einen wahren Krebsschaden für Israel. Oft sah ich, sa^t er, mit dem größten Unwillen Ai nnbärtiges knabenhaftes Jnvelein als Ehemännlcin oder ein kindisches Mädchen als Ehesräulein, Man denke sich ein Kinderpaar im Ehestande, um gegen eine solche Unsitte mit Entrüstung erfüllt zu werde»! — ES gehört mit zu den Verdiensten der Väter FranciScaner. daß diesem Uebelstande unter den Bekennen: deS katholischen Glaubens möglichst gesteuert worden ist, und sie sind eben daran, auch den Unfug einer acht- und vier- zehwägig/n Hochzcitsfeier abzuschaffen, der hier selbst unter den Lateinern Sitte, zugleich aber Ursache deö RuinS mancher Eheleute in den ersten Tagen ihrer Verbindung ist, da er sie in Schulden verwickelt, die sie später nimmer zahlen können. Döllinger und Bunsen. (Schluß.) Wie fern aber die deutsche und besonders die protestantische Wissenschaft von aller Tiefe nnd Gerechtigkeit im Urtheil ist, geht daraus hervor, daß Bnnsens Werk in Deutschland allgemein gepriesen wurde, während eS englische von Anglikanern herausgegebene Zeilungen als ein miserables Machwerk darstellten. Das muß man den Engländern lassen, die spießbürgerliche höchst verächtliche Lileraturkotterie, wie sie in Deutschland herrscht und leider die ganze öffentliche Meinung (eigentlich Albernheit) beherrscht — kennt man in England nicht und eine so ausschließliche Herrschaft, deren alte verrnmpclte Baßgeige in Deutschland noch immer die „Allgemeine Zeitung" ist, könnte in England auch gar nicht aufkommen. So berichtet Döllinger S. 332: „Der Christian Remembrnncer bezeichnet die ganze Darstellung der Theologie deö Hippolytischen Zeitalters bei H. Bunsen als Eine Reihe von Entstellungen; er bemerkt, man ihm nie bezüglich irgend einer Thatsache trauen dürfe; daß er in seinen Aphorismen ein in christliche Terminologie gehülltes System des Naturalismus ausstclle. Diesen Eindruck müssen Herrn iduufenS Aeußerungen in England allerdings machen, wenn er B. geradezu sagt: „die menschliche Seele sey ein Theil des Selbstbewußtseyns Gottes ,'or aller endlichen Eristenz;" wenn er die Vorstellung, daß die Offenbarung ein äußerlicher historischer Act sey, für eine falsche, eben so unhaltbare als «»philosophische und uuvernüuflige erklärt, und beisetzt: „Diese irrthümliche Vorstellung ward daonrch noch verwirrender, daß sie für die Offenbarung deS göttlichen Willens und Wesens sich etwas Höheres als den menschlichen Geist ausmachte u. s. w." Worauf denn Herr Äiiuscn den wahren Begriff der Offenbarung diesem falschen, der sie als eine geschichtliche Thatsache, ein wirkliches persönliches Eingreifen GvtteS in die Geschichte der Menschheit nimmt, cnlgegenstcllt: „Die Offenbarung fft eine Offenbarung Gottes im Menschengeiste, und wird nur so dargestellt, als ob Gott selber in menschlicher Rede zum Menschen spräche. — Sie hat zwei Faktoren, welche bei ihrer Entstehung zusammenwirken; der eine ist der unendliche Faktor oder die unmiitelbare Offenbarung der ewigen Wahrheit an den Geist durch die Kraft, welche dieser G'ist besitzt, sie wahrzunehmen; denn menschliche Wahrnehmung ist das Korrelativ göttlicher Manifestation. — Dieser unendliche Faktor ist, wie sich versteht, nicht geschichtlich, er wohnt jeder einzelnen Seele in, nur mit unermeßlicher Verschiedenheit deS 15 Grades.---Der zweite Faktor ist der endliche oder äußerliche; dieß Mittel göttlicher Offenbarung ist zuerst ein allgemeines, das Universum oder die Natur; in eiuem speciellere!! Sinne aber ist eS eine historische Manifestation göttlicher Wahrheit durch daS Leben »nd die Lehre höherer menschlicher Seelen (os Iiiguer min<1s -zincmZ men) — ausgezeichneter Individuen, die etwas von der ewigen Wahrheit ihren Brüdern mittheilen u. s. w." — Aus dieser Anklage deS zu London erscheinenden „Christian Remembrcmcer" stellt sich heraus, daß Bunsen weiter nichts ist als ein ganj gewöhnlicher Rationalist wie z. B. Rc-nge, nur daß Vnnsen sich durch gelehrte Fetzen eine Ruf in der Clique — und ein Docwrdiplom der Theologie erworben. Zuletzt legt Bunsen dem Hippolytus zur Captivation der englischen Benevolenz eine Schntzrede iu den Mund, die ein wahrhaftes Meisterstück von Lächerlichkeit genannt werden kann, Döliingcr berichtet hierüber S 336 und 337: „In dieser Schutzrede, welche Herr Bunsen Hippolytus in London am 13, August 1851 halten läßt, überschüttet der alte Presbyter zuerst die Engländer mir Lobeserhebungen ihrer Macht und Herrlichkeit, die sie vor Allem ihrem ProtestanliSmuS verdankten, versichert sie dann, er sey wirklich Bischof von Portus Romanns geocsen, habe dort ein stetS geliebtes Weib, Chloe, gehabt, die Schwester eines Salristans des SerapiS-Tempels zu Por- tuS, Namens Heron, die aber bald am Fieber gestorben sey, bald daranf sey ihm auch sein geliebter Sohn Auteros, der im Hause des Bischofs KallistuS, wohin er ihn mit einer Botschaft geschickt, gleichfalls das Fieber bekommen, dnrch den Tod entrissen worden; hierauf theilt er den Engländern, um ihnen Vertrauen einzuflößen, mit, daß er bezüglich der Bibel ächt protestantisch gesinnt ley; aber das Buch Daniel freilich sey unächt und erst unter Antiochus gesichtet, nn) der zweite Brief Petri sey gleichfalls eine Fiktion; sofort erschreckt er sie noch mehr durch die Versicherung, wie ihr Glaube au die Inspiration der heiligen Schrift ein häretischer Wahn sey. Er erklärt ihnen dann weiter, daß die Nicänische Lehre vom Sohne GotteS uuphilosophisch und uubiblisch sey; in der kirchlichen Jnrarncuionölchre und dem SIthanasianischen Symbolum findet er die Ursache, warum Muhamed und seine Anhänger die christliche Religion in der halben Welt ausgerottet hatten; demnach sey es denn auch mit der Triuität, wie sie bisher iu England geglaubt worden, nichts; von der Tanfe der Kinder habe man zu seiner Zeit noch nichts gewußt', und das, was jetzt unter diesem Namen geschehe, sey gar keine Taufe; und nachdem er die englische Siaatskirche dergestalt mit dem Stäbe Wehe heimgesucht, kehrt er am Schlüsse wieder den Srab Sanft hervor, das heißt, er fallt nun über die katholische Kirche her, schüttet über diese Mutter alleS Verderbens in Phrasen, die er wörtlich auS den Reden der HH. Rouge und Dow int entlehnt zu haben schein?, das ganze Füllhorn seines GrimmeS ans, kündigt ihr ihren unvermeidlichen, vollständigen und sehr nahen Untergang an, und scheidet von den Engländern mir der tröstenden Versicherung: vor der großen, mit Riesenschritten herannahenden zweiten Reformation und ihrem göttlichen Lichtglanze würden die Apostel der Finsterniß — die katholischen Bischöse und Theologen — in ihr Nichts versinken. — Der Leser begreift, daß es hienach einer wcitern Auseinandersetzung mit Herrn Bunsen und seinen vier Bänden nicht bedarf." — Auch führt Z. öllinger einige Stücklein von Uebersetzungskünsten deS Herrn Bunsen an, die einem Schüler, der sich derselben schuldig machte, in früherer Zeit, in der noch Ehrenftrafen eristinen, eine Setzung aus die Schandbank zn Wege gebracht hätten. Nur ein kleines Beispiel. Die Ermahnung des heiligen Jznatius im Briefe an Polykarp: „Fliehe die bösen Künste, ja crwähue sie nicht einmal in öffentlicher Rede", übersetzt Bunsen wie folgt: „Fliehe gefallsüchtige Weiber (Koketten), habe vielmehr Umgang mit älteren Frauen." Aus diesem wenigen geht hervor, wie gut der Herr Verfasser gcihan, daß er seine Zeit und die Schärfe seiner historischen Kritik zur grüuviicheu Untersuchung der Geschichte von HippolytnS und KallistuS angewendet und den Ritter Bunsen nur so nebenbei aus dem von Bonn ihm verliehenen Sattel ans den Boden herabgcstreift hat. Wir Katholiken sollen aber dem Herrn Professor Döllinger besonvers für seine Arbeit dankverpflichtet seyn, denn eS liegt ein großes doppeltes Verdienst darin — 16 einmal der Werth der wissenschaftlichen Forschung und dann die Bloslegunq des großen protestantischen, besonders durch Kirchenfeindlichkeit renommirten Phänomens, Bunsen genannt, an welchem trotz dem vielen Geschrei erbärmlich wenig Wolle befunden ward. L e n a u. Emma Niendors (Frau von Sukow in Stuttgart) gab ein Buch über den Dichter heraus unter dem Titel: ,.Lenau in Schwaben aus dem letzten Jahrzchent seines LebeuS." Während der Zeit seines beginnenden Wahnsinns sagte er einmal in einem lichten Augenblicke zu Venrauten: „Gott ist sehr gut, daß er mich durch die Natur bestrafen läßt, und nicht durch daS Gesetz, denn ich habe gegen beides gefehlt, ich habe daö Talent noch über das Sitteugesetz gestellt, und daS ist doch das höchste. Sagen Sie daS a-uch Ihr — sie hat daS Sittengesetz auch nicht genug erhoben." Wir meinen diese Worte für die merkwürdigsten Worte Lenau'S zu halten. Es liegt in ihnen ein Glaube uud ein Bekenntniß. Die letzten Worte treffen eine verbnrathete Frau in Wien, mit welcher Lenan zwölf Jahre lang Umgang gepflogen, und die zum Theil wenigstens die Katastrophe im Leben deS Dichters herbeiführen half. Lenan verliebte und verlebte sich zu Frankfurt — seine Brant war ein unschuldiges Mädchen — er ging noch Mal nach Wien (wie Emma Niendors erzählt), um von dem Weib sn'ner Sünde Abschied zn nehmen, uud diese sprach in einer rachegierigen, dämonischen Prophezeiung zu ihm, zu dem ohndieß schon in seinem ganzen Geistes- und Nervenleben Zerrütteten die Worle: „EineS von uns muß wahnsinnig werden." — — Daß nun Lcuau sich selber angeklagt: er habe sein Talent und sein Leben über daS Sitteugesetz gestillt — und Gott noch gut nennt, daß er ihn durch die Naiur und nicht durch daS Gesetz bestrafen läßt — hat eine Bedeutung im Geistesleben des DichierS, die nicht genug gewürdigt werecn kaun, und zu Nutz und Frommen der Ungläubigen sollten die obigen Worte Lenaus mit ein paar Bemerkungen dazu in allen kaiholischen Journalen verbreitet werden, (W. K.-Z>) - Amerika Während die aus Neu-Granada und Ecuador vertriebenen Jesuiten nach Guatemala und Mcriko gehen, sind andere nach der Insel Cuba berufen. Am 12. Oct., dem Geburtstage der Königin von Spanien, hcu der General - Capitän mit großer Feierlichkeil zu Havanna den Grundstein zu einem Kollegium der Jesuiten gelegt, nachdem ihn der Bijchof eingesegnet hatte. Zu dieser religiösen Feier halte sich eine große Menge Volkes versammelt. Die Regierung zu Madrid sncht so die Fehler ihrer Vorgänger zn verbessern und sür eine christliche Erziehung der Jugend zu sorgen. Afrika. Nach einem Briefe vom Cap der gnten Hoffnung haben sich mehr als zweitausend Kaffern zur laihvlischen Kirche bekehrt und sich in der Nähe der englischen Residenzen niedergelassen, (»ine Abt eilunz der Kasfern am Orangcfluß treibt Handel. Gegen Enve des Moncus August ubersui?>en sie dem kaiholischen Bischof in der Kapstadt ein Geschenk, in Vieh, Llrauß>evern nud irockiieu Früchten lcstehcnd. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Vierzehnter Jahrgang. So ttntags-Beiblatt zur Augsburger PoKzeitung. 15. Januar M"'- 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Ab»nnementsvre>> Til kr., wofür es Knrch olle kvmgl. baver. Pniiämter vnd all« Buchhandlungen bezogen werden kann Allocution Sr Heiligkeit Papst PiuS SX., gehalten in dem geheimen Consiftorinm am 19. December 1853. Ehrwürdige Brüder! Von dem erhabenen apostolischen Stuhle anS, wie von einer Burg und Zinne des katholischen Glaubens, haben Unsere Vorgänger, die römischen Päpste, gemäß der ihnen von Gott gegebenen Gewalt, die ganze Kirche zu leiten, auch der morgenländischen Kirche ihre väterliche Obsorge zugewandt und nichts unterlassen, waS zu ihrer Beschützung und Unterstützung gereichen konnte. Welchen Fleiß und welche Sorgfalt und welche Mühe sie darauf verwendet, um zu bewirken, daß diejenigen, welche von den Völkern des Morgenlandes durch ein trauriges Schisma von der römischen Kirche getrennt sink», sich dieser wieder willig anschlössen und mit dem höchsten Hirten auf Erden, dem römischen Papste, wie Glieder mit dem Haupte sich vereinigten, das brauchen Wir, ehrwürdige Brüder, nicht weitläufig auseinander zu setzen; denn eS ist ench wohl bekannt und durch zahllose geschichtliche Dokumente bezeugt. Diesen herrlichen Beispielen väterlicher Obsorge nacheifernd, haben Wir bereits im zweiten Jahre Unseres Pontificats an alle Morgenländer ein apostolisches Schreiben erlassen, worin Wir sie eindringlich und liebevoll ermahnt haben, znr Gemeinschaft dieses heiligen Stuhles zurückzukehren und sich fest an ihn anzuschließen, und Wir haben die Nothwendigkeit dieses Anschlusses durch viele triftige Gründe bewiesen, deren Wahrheit einleuchtend ist, waS auch mehrere schismalische Bischöfe in einer Schrift dagegen vorzubringen gewagt haben, worin sie das Gift ihrer eingewurzelten Bitterkeit gegen den apostolischen Stuhl ausgegossen haben. Diese Schrift werden Wir, um die Irrthümer uud die Hartnäckigkeit der Schismatiker zu widerlegen, beantworten lassen; mittlerweile aber werden Wir nicht aufhören, für ihrer aller Heil den himmlischen Vater des Lichtes zu bitten und anzuflehen, iuvem Wir nicht von der christlichen Liebe ablassen, welche geduldig und gütig ist. Von dem Geiste dieser Liebe gleich Unö beseelt, haben Unsere Vorfahren die heiligen Gebräuche, welche die morgenländische Kirche anwendet, und von welchen sie erkannten, daß sie dem vrthoooren Glauben nicht wioersprecheu, nicht nur nicht verworfen, sondern geglaubt, daß dieselben, als durch das Alter ihres Ursprungs empfohlen und als großen Theils von den heiligen Vätern ausgegangen, zu bewahren und beizubehalten seyen; ja, sie haben sogar durch weise Konstitutionen bestimmt, daß eS niemand erlaubt seyn solle, die morgenländischen Riten ohne Erlaubniß des Papstes zu verlassen. Sie wußten nämlich Wohl, daß die'unbefleckte Braut Christi mit einer wunderbaren, die Einheit nicht beeinträchtigenden Mannigfaltigkeit geziert ist, daß die Kirche, durch keine Ländcrgränzen beschränkt, alle Völker, Nationen und Stämme umschließt, welche durch die Einheit und Uebereinstimmung des Glaubens verbunden sind, wenn sie auch verschieden sind in Sitten, Sprachen und heiligen Gebränchen, 18 welche jedoch die Mutter und Lehrerin Aller, die römische Kirche gutheißen muß. Dieses wohl erkennend, hat Unser Vorgänger GregoriuS XVI. glorreichen Andenkens den Walachen von griechisch-katholischem RituS in Siebenbürgen seine oberhirtliche Wachsamkeit und Sorge zugewandt, und um sie aufzurichten und zu trösten und im katholischen Glauben zu bestärken, für sie eine besondere kirchliche Hierarchie von griechischem Ritus zu gründen gestrebt; was aber, durch die Zeitumstände und andere Schwierigkeiten verhindert, dieser Unser Vorgänger in der gewünschten Weise nicht hat ausführen können, das haben Wir, ehrwürdige Brüder, zur besondern Freude Unseres Herzens großentheils vollbringen können. Zuerst, wie billig, danken Wir dafür dein Vater der Erbarmungen, durch dessen himmlische Hilfe es UnS gegeben ist, ein Werk zu vollbringen, von dem Wir hoffen, daß eS zur Förderung der katholischen Religion und zum großen geistigen Nutzen jenes Volkes gereichen werde. Gebührendes Lob spenden Wir demnächst Unserm geliebtesten Sohne in Christo, Franz Joseph, dem Kaiser von Oesterreich und apostolischen Könige von Ungarn und Böhmen, der UnS nicht allein darum gebeten, sondern auch Eifer, Sorgfalt und Mühe und Alles überhaupt an den Tag gelegt hat, was von einem frommen und für die Beförderung des Glaubens eifrigen Fürsten zu erwarten war. Wir dürfen aber auch nicht ohne Lobspruch übergehen den Erzbischof von Gran, welcher zur Förderung dieser so heilsamen und zur Erhaltung der katholischen Einheit so nützlichen Angelegenheit nach Kräften mitgewirkt hat. Nachdem wir darum die Ansicht einiger auS eurem Kollegium, ehrwürdige Brüder, vernommen haben, denen Wir eine so wichtige Angelegenheit zur genauen Prüfung übertragen haben, haben Wir auf ihren Rath zwei Bisthümer griechisch-katholischen RituS errichtet, Lugos im Temeswarer Banat und Armenopolis in Siebenbürgen, als Suffraganbisthümer der Kirche von FogaraS, welche schon früher einen bischöflichen Sitz gehabt und iu der letzten Zeit von Uns den Titel Alba Julia erhalten hat und welche Wir zu einem Erzbisthnm erhoben haben. Wir haben diesem Erzbisthume außer den beiden neu errichteten Bisthümern auch noch das früher unter dem Erzbischof von Gran stehende BiSthum Groß-Waradei'n als Sussraganbisthum untergeordnet. Wir bezweifeln nicht, ehrwürdige Brüder, daß nach Errichtung dieser neuen Kirchenprovinz von Fogaras und Alba Julia das den katholischen Glauben bekennende Volk der Walachen und Siebenbürgen, durch die neue Wohlthat des apostolischen Stuhles gerührt, enger mit demselben werde verbunden werden, und daß dieser Theil der Heerde des Herrn, nachdem die Zahl der Hirten vermehrt ist nnd wenn dieselben pflichtmäßig wachen und Unsere Sorgfalt hinzutritt, die Wir nie unterlassen werden, sicherer und geschlitzter seyn werde gegen die List nnd den Trug der Schismatiker, welche keine Gelegenheit vorübergehen lassen, die Gläubigen von der Gemeinschaft dieses heiligen Stuhles loszureißen und in den Abgrund deS ewigen Verderbens zu stürzen. Möge Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, verleihen, daß die, welche in die Irrthümer der Schismatiker verstrickt sind, von dem Lichte der himmlischen Gnade erlcuchiet, in den Schooß und die Arme der katholischen Kirche zurückkehren, daß sie Alle in der Einheit des Glaubens zusammentreffen und daß wir alle Ein Leib seyen in Christo, die Einheit bewahrend im Bande des Friedens. DaS wünschen Wir von Herzen gemäß Unserm innigen Verlangen nach dem Heile der Seelen, uns Wir bitten den Herrn, der allein Wunderbares wirkt, daß er das begonnene Werk durch seine Kraft vollende. Ehrwürdige Brüder, nicht wenig hat zum Troste Unserer Seele ferner das beigetragen, was Wir mit göttlicher Hilfe im Staate Guatimala in Amerika zum Heile der Religion zum leisten vermocht haben. Es hatte nämlich kaum Unser geliebter Sohn, der ausgezeichnete und ehrenwerthe Mann, Raphael Carrera, Präsident jenes Staates, Uns ersuchen lassen, daß Wir Unsern Geist auch der Ordnung in den Angelegenheilen jener Kirche zuwenden mögen, als Wir auch schon von Unserm geliebten Sohne Jakob, der heiligen römischen Kirche Diacon, Cardinal Antonelli, der UnS in den StaatSgeschäften zur Seite steht, verlangten, daß er mit dem ebenfalls geliebten Sohne, dem Vertreter des Staates Guatimala am heil. Stuhle, Ferdinand 19 Lorenzana, die Ausführung dieser hochwichtigen Angelegenheit übernehme. Dem gemäß wurde am 7. Oktober v. I, eine Convention zwischen ihnen eröffnet, welche Wir der besondern Congregation Unserer ehrwürdigen Brüder und eurem Kollegium zur reislichen Erwägung vorlegten. Von dem, was in jener Convention zur Zier und zum Frommen der katholischen Kirche festgestellt wurde, glauben Wir, daß ihr es bereits aus Unserm apostolischen Schreiben vom August l. I. wisset, in welchem wir alle einzelnen Puncte der erwähnten Convention aufzählten und mit Unserer apostolischen Autorität bekräftigten. Wir haben es für nöthig erachtet, euch das Gesagte mitzutheilen, damit Wir euch, ehrwürdige Brüder, die ihr an Unsern täglichen Sorgen Theil nehmet, auch Unserer Freude theilhaftig machen, so oft sich etwas znr Verherrlichung deS göttlichen Namens und zur Verbreitung des wahren Glaubens in beglückender Weise ergeben hat. Unsere Freudigkeit wird aber auss Aeußerste durch die überaus herbeu Uebel getrübt, von denen, wie UnS berichtet wurde, die allerheiligste Religion in einigen nördlichen Reichen heimgesucht wird. Wir wollen hier mir eines erwähnen und können es nicht mit Stillschweigen übergehe», daß, als die Regieruug desselben Staates Unserm und deS apostolischen Stuhles am kaiserlichen Wiener Hofe Nuntius eröffnet hatte, sie werde ihre Beschwerden vor diesen selben Stuhl dringen, sie doch dieß wever gethan, noch abgelassen hat, die Kirche zu quälen, sie hat sogar die geweihten Priester, welche sich weigerten, von ihren Amtspflichten abzuweichen, theils mit Geldstrafen belegt, theils in Bande geworfen. In diesen Widerwärtigkeiten hat sich die unbesiegte Geisteskraft und Festigkeil deS gesammten Klerus sowohl, als der hochw. Bischöfe und vorzugsweise des den Andern mit dem Beispiel vorangehenden Erzbischoss von Freibnrg in wunderbarer Weise glänzend beurkundet. Fest an dem Vorsatze haltend, dem Kaiser zu geben was deS Kaisers ist, und Gott waS GottcS ist, hat er sich durch Drohungen nicht erschüttern, durch die Furcht vor Gefahren nicht abschrecken lassen, die Rechte der Kirche und die Obliegenheiten seines HirtenamteS tapfern Muthes zu wahren. Indem Wir diese ausgezeichnete Standhaftigkeit in Ausrechthaltung der Sache der Kirche mit gebührendem Lobe rühmen, ermähnen Wir den ehrwürdigen Bruder, den Erzbischof von Frciburg und die Gefährten seiner Tapferkeit, den Muth nicht sinken zu lassen, sondern sich in der Kraft des Herrn zu stärken, der seiner Kirche verheißen hat, zu jeder Zeit gegenwärtig zu seyn uud der denen, die für die gute Sache kämpfen, Krone und Palme vorbehält. WaS übrigens die Kirche mit dem Apostel der Völker von jener gelehrt hat, daß nämlich höher gestellten Gewalten Gehorsam gezollt werden müsse, daS lehren und daran halten auch Wir uud mit Uns die katholischen Bischöse; wird aber etwas anbefohlen, was gegen die götllichen Gesetze und die geheiligten Rechte der Kirche verstößt, die ihr von ihrem göttlichen Stifter überliefert wurden, dann muß Gott mehr gehorcht werden als den Menschen, wie der Apostel schon durch sn'u Beispiel bekräftigt hat und wie auch Wir es mit den geheiligten Hirten der Kirche lehren und einschärfen. Ehrwürdige Brüder, das Gesagte ist ungemein herbe und belästigt die Sorge Unseres Geistes im höchlten Grade; nicht mindere Bcangstignng verursachen Uns aber die Verhältnisse der Kirche in Ostindien. Ihr wisset sehr gut, daß Unsere Vorgänger und auch Wir, indem Wir dem von ihnen gegebenen Beispiele nachfolgten, je nach den Zeitverhältnissen durch geheiligte Bischöfe und apostolische Vicare und durch evangelische Arbeiter für die hirtliche Leiiung der Gläubigen sorgten. Es standen aber verderbte Menschen ans, die ihren Nutzen und nicht den Nutzen Jesu Christi suchten und unter den nichtigsten Verwänden bemüht waren, Unvorsichtige irre zu führen und die katholische Bevölkerung von der Unterwürfigkeit unter die gesetzlichen Hirten abzuziehen. Sobald dieß zu Unserer Kenntniß gelangt war, wendeten Wir väterliche Ermahnungen an, widerlegten die nichtigen Beweisgründe, mit denen Jene ihren Zwiespalt zu vertheidigen suchten und ließen nicht ab, die Störer der katholischen Einheit von ihrem ruchlosen Raihschluß abzuschrecken. Als Wir erkannten, daß sie hartnäckig in ihrem Vorhaben verharrten, daß das Uebel täglich mehr um sich greife, versuchten Wir durch abermalige apostolische Schreiben, sie zu bessern Gesinnungen zurück zu bringen; Wir erklärten 20 auch, daß Wir die vorzüglichsten Förderer des Schismas, wenn sie sich nicht innerhalb einer gewissen Zeit eines Besser» besännen, mit dem Schwerte der apostolische» Autorität vom Leibe der Kirche abschneiden und sie fortan als gänzlich abgeschieden von der Gemeinschaft mit den Gläubigen betrachten wurden. Hierdurch haben Wir das Gnte erreicht, daß ein nicht unbedeutender Theil der christlichen Bevölkerung den Trug der Ausständigen anerkannte und sich wieder der Autorität der gesetzmäßigen Bischöfe und dem Glauben zuwendcle. Mögen jedoch Jene, die noch in dem schmählichen Zwiespalt verharren, namentlich die durch irgend eine Würbe ausgezeichnet sind, auf Unsere Stimme hören, möge es Unö gegönnt seyn, jene verirrte Heerde in den einzigen Echafstall zurückzuführen, außerhalb dessen das Heil nirge-idö gefunden werben kann. Es wird 'sich jedoch, ehrwürdige Brüder, eine andere Gelegenheit ergeben, ausführlicher hierüber zu euch zu spreche», da ihr einsehet, daß dieß eine hochwichtige Angelegenheit ist, in welcher es sich um das Heil der Seelen handelt und welche daher sehr viel Ueberlegung, Berathung uud Sorgfalt erheischt. Mittlerweile versichern Wir, daß Wir nie hinter Unsern Amtspflichten zurück bleiben und Alles eifrig vollführen werden, weiß Wir, nach Anrufung des Beistandes der göttlichen Weisheit zur Abwendung der Seuche des um sich greifenden Schismas und zur Zurückführuug der Völker znr katholischen Einheit für zweckdienlich uud heilsam anerkennen werde». Ein weilerer Beweggrund deS Schmerzes erwuchs 'Uns auS dem unglücklichen Änsgang der geheiligten Mission, welche der ehrwürdige Bruder Vinceuz, Bischof von Arkadiopolis, kraft Unserer Autorität an den Beherrscher von Hayti ans der gleichnamigen amerikanischen Insel überuomnien hatte. Wir vermögen nicht leicht zu schildern, mit welchem religiösen Eifer der erwähnte Bischof den ihm gewordenen Auftrag zu erfüllen bemuht war; da jedoch dem besagten Fürsten nnd seiner Regierung eine falsche Ansicht von der Kirche Christi und den geheiligten, so sehr zum Besten der Seelen unternommenen Expeditionen innewohnt und da ferner ein großer Theil dcö dortigen Klerus es nur mit widerstrebendem Gemüthe erlrug, zu strengerer, dem geheiligten Amte geziemender Zucht zurück gerufen zu werden, so war jener vortreffliche Bischof, bedauernd, daß seine Bemühuugeu gänzlich vergeblich gewesen uud nachdem er von Unö die Erlaubniß dazu erhalten halte, genöthigt, den Staub von seinen Füßen zu schütteln und jene Gegend zn verlassen. Der Religion werden serner sehr bedeutende und nie genug beklagte Nachtheile von einigen Geistlichen zugefügt, welche allzuleicht aus ihre« Diöcesen entlassen wurden und sich lodann nach einigen Gegenden Amerikas begaben, wo sie wegen deS Bedürfnisses der geheiliglen Priesterdienste gewöhnlich leicht ohne Bcurkunvnng des Wissens uud vcr Rechlschassenheil aufgenommen zn werde» pflege» und dann ganz andern Dingen nachstreben, als der Leitung der Menschen zum wahren Glauben. Endlich, ehrwürdige Brüder, glauben Wir euch in der heutige» Versammlung noch mittheilen zu müssen, daß die Seitens der piemontesischen Regierung über ReligionSangelegenheiten begönne»?» Verhandlungen noch unterbrochen sind und in der Schwebe sich befinden, so daß eS unnütz erscheinen könnte, daß Wir Unserm geliebten Sohne, den, zur Vollführung dieser Verhandlungen bestimmten Cardinal, Vollmachte» gegeben haben. Ans diesem Grnnde haben Wir auch Unsern geliebten Sohn, den Cardinal, welcher den öffentlichen EtaatSgeschäften vorsteht, beauftragt, jene Regierung zu befragen, was denn eigentlich ihre Absichten nach so langem Schweigen seyen. Wir haben nämlich gerechlen Sinnes die UnS von jener Regierung vorgelegen Bitten bezüglich der Verrinzcrung der Feste i» dem gesammten Reiche des durchlauchtigsten Königs von Sardinien entgegen genommen und sie auch bewilligt und zwar nicht nur, um die Noth jeuer Armen z» erleichtern, die von ihrer Hände Arbeit zn leben genöthigt sind, jondern auch um ei» Beispiel der Langmnth zu geben, damit jene subalpinische Regierung um so mehr angeregt werde, wieder gut zu machen, wo.S sie gegen den apostolischen Stuhl und gegen die verletzten und zu Grunde gerichtete» Rechte der Kirche i» jenem Reiche mir Unrecht gcihan hat. Wenn nun auch das von Uns Erwartete sich nicht verwirklicht hat, so wird es Uns doch gewiß nicht reue», bis cm 2t die Gränzen der Milde und Langmuth gegangen zu seyn. So viel wollen Wir jedoch erklärt wissen, daß Wir keine Art von Forderung annehmen werden, die Wir der Würde und den Rechten dcS apostolischen Stuhles und dem Gewinne der Religion nicht zusagend finden. Ihr seht, ehrwürdige Brüder, daß von Tag zu Tag zur Aufregung der Kirche neue Stürme entstehen und wüthen, UnS, die Wir am Steuerruder scheu, liegt das Streben ob, mit eurer Mithilfe der Wuth der Wmde Trotz zu bieten. Fahrt fort, wie ihr bis jetzt gelhau, iu den Arbeiten auf so schwierigem und gefährliämn Wege, Beistand zu leisten. Soll Unser Strebeil aber, gedeihen, so müssen Wir die Hilfe desjenigen anrufen, welcher dem Meere nnd >den Winden gebeut. Möge er sich durch gemeinsames Flehen erbitte» lassen uud die ersehnte Ruhe gewähren, möge er gnädig wollen, daß die nach fortwährenden Stürmen ruhende Kirche den sichern Hafen erreiche. Der rechte Wegweiser im neuen Jahr. In vielen Marktflecken uud Dörfer» besteht der Gebrauch, daß der Nachtwächter iu der Nenjahrönacht bei allen Häusern berumgeht, vaS neue Jahr ansingt und seine Sprüche hersagt. Nun so wünsche ich auch Dir, lieber Leser, ei» gutes, glückseliges neues Jahr, uud uicht mir das, sondern auch eine glückselige Ewigkeit. Aber mit dem Wünschen ist die Sache noch nicht abgethan, sondern es fragt sich noch: waS muß ich denn thun, daß ich dieselbe auch wirklich erreiche? Viele glauben dieselbe auf einem Wege zu erlangen, wo sie durchaus nie dazu kommen. Ich will nun jetzt Dein Wegweiser seyn, und Dir zuerst zeigen, welche Wege Du uicht gehen sollst. Erstens sollst Du nicht gehen den Thier weg. Sieh, das Thier ißt und trinkt, legt sich nieder und veroaur, uud so geht's von einem Tag zum andern. Das Thier ist eben nur für die Erde geschaffen, und seine höchste Seligkeit ist der Genuß, Da gibt es nun auch viele Meuscheu, welche im Essen, Trinken, Wollust und Bequemlichkeit ebeu thuu, was der Leib vermag, ja leider noch mehr. DaS ist freilich gar sonderbar, wenn der Mensch, dieses stolze Geschöpf, deu schmutzige» Weg deS Thieres wandelt. Daß das Borstenthier in der Pfütze nud Kolhlache sich wälzt, uud daran seine Freude hat, das wird Niemanden ärgern, und kein Mensch hall sich dawider auf. Aber daß der Mensch, dieses so vornchme Geschöpf nnd Ebenbild Gottes, oft in den Straßen hcrumwackett, wie wcun er Quecksilber im Hirn hätte, das ist mehr als abscheulich, ja mehr als thierisch. — Ich habe einmal einen altdeutschen schwank gelesen. Darin heißt es: Gott Bater und der heilige Pcirnö seyen einmal zu einem Schmied gekommen und haben ihm erlaubt, daß er sich drei Gnaden ansbitte. Da sprach nun der Schmied unter andern auch diesen aus: „daß, waö er immer in sein Käppchen l'!''eiu^ünsche, auch darin seyn müsse." Wie nun die Zeit kam, wo er die Reise in die Ewigkeit antrat, da ging er zum Himmelsthore uuo bat den Pförtner St, PetruS um Einlaß, Petrus aber sagte: Das kann nicht seyn, dn paßt nicht hierher. Da ersuchte er den Petrus, er möchte ilnn doch wenigstens sein Käppchen in den Himmel hineinwerfen lassen, DaS gab Petru ! zu; aber kaum war eS darin, so wünschte sich der Schmied in sein Käppchen hinein, und im Nu saß er im Himmel d'riu. Nicht wahr, so etwas ließest Du dir auch gefallen? Aber so geht es dort nicht; da hilft keine List uud keiu Beirug; den» Gott kennt Dich durch und durch. Es geschieht in der Regel, daß die Sckuaps- und Bier- nnd Weinsänser plötzlich eines nnverschencn Todes abfahren, Waö glaubst Du mm, wenn Einer so hinüberzieht in die andere Welt, St. PeirnS werde ihn einlassen? — Also aus dem Wege der Geimßsncht uud Wollust geht's zum Himmel uicht. Kein Säufer und Fresser, deren Gott, wie St. Paulus sagt, der Bauch ist, d. h. die ihrem Leibe göttliche Ehre erweisen, indem sie auf jeden seiner unmäßigeu Winke folgen, dagegen aber GotteS Gebot außer Acht lassen, ja gerade das Gegentheil thun, was Er befiehlt — die 22 können in'S Himmelreich nicht kommen, sagt derselbe Apostel. Und eben so nicht die Unreinen, die Unzüchtigen nnd Ehebrecher. Oder wie dürfte sich ein solcher neben den heiligen Aloisius im Himmel hinstellen, der mehrere Jahre bei der Königin von Spanien Edelknabe war, aber ein so reines Herz hatte, nnd in diesem Puncte so vvrsichlig war, daß er während seines Aufenthaltes am spanischen Hofe die Königin niemals anschaute und immer mit gesenktem Blicke einherging, so daß er nachher nicht einmal sagen konnte, wie die Königin aussah? — Oder wie dürste sich ein frecbeS, unverschämtes Frauenzimmer auch nur einfalle» lassen, dereinst neben jenen lilienreinen Jungfrauen sitzen zu dürfen, die sich lieber die Zunge abbissen und dem Wüstlinge in'S Gesicht spieen, als ihrer Unschnle- Gewalt anthun ließen? Nein! Da wären alle Heiligen nnd Märtyrer Thoren gewesen, wenn sie viele Jahre sich Gewalt anthaten und wider ihre bösen Leidenschaften stritten und kämpften, — wenn man ans eine leichtere Manier und trotz allen möglichen Sünden inS Himmelreich gelangen könnte. Du darfst also nicht nachahmen das Thier, welches seinen brennenden Begierden freien Lauf läßt, eben weil cö ein Thier ist. Aber was das Essen und Trinken anbelangt, da will ich Dir daS Thier als Muster anempfehlen. Sieh, daS Thier ißt und trinkt nur, bis es satt ist; eS rührt auch nichts Schädliches an, davor warnt es schon sein natürlicher Instinkt. Darum bleibt es in frischer, freier Natur immer gesund und wohl, weil es sich des Guten nicht zu viel thut. Aber den Menschen befallen wegen seiner Unmäßigkeit nicht nur manche Krankheiten und Katzenjammer, sondern auch in der Seele nagt es wie ein Wurm. Also nicht einmal eine zeitliche, dauernde Se!igkeit kannst Du auf diesem Wege erlangen. Ja, je mehr der Mensch ißt nnd trinkt nnd sich gütlich ihnt, desto weniger ist er damit zufrieden; wenn er ganze Fässer voll hinunterschluckt, so ist das mir ein Tropfen Wasser auf einen heißen Backstein. Höre noch! wenn Du nur zum Genusse ans dieser Welt wärest, dann hätte Dir Gott nicht einen geraden, aufwärts zum Himmel gerichteten Leib, nicht Verstand, Vernunft und eine unsterbliche Seele gegeben, sondern Haare wie dem Roß nnd dem Ochs und dem Esel, vder Borsten und einen Rüssel znm Wühlen in der Erde wie einem andern schmutzigen Thier. Ich will Dir noch einen andern falschen Weg beschreiben, aus dem man ebenfalls nicht zur Seligkeit gelangen kann. Viele streben nämlich nach Ruhm, Ehre, Ansehen und Reichthum. Viele kennen nämlich kein höheres Glück, als wenn sie Gemeindcrath, Bürgermeister, Deputirtcr, Minister, König oder Kaiser werden könnten, — oder wenn sie nur einen Teich voll Kronenlhaler hätten. Dagegen sage ich: einmal geschieht es nur selten, daß Einer etwas HoheS wird. Und wenn er das auch erreicht hat, wornach ihn so sehr gelüstet, ist er dann wahrhaft glücklich? Nein! DaS will ich Dir in einigen Erempeln nachweisen. Lange schon vor Christi Geburt lebte ein gewaltiger König, Alexander der Große hieß er. Der hatte ungeheure Eroberungen gemacht, und doch weinte er wie ein kleines Kind, weil er nicht die ganze Welt erobern konnte. Dieser König war also bei all' seinem Reichthum und all' seiner Pracht nicht glücklich. Zuletzt wurde er noch vergiftet und seine Feldherren theilten dann daS große Reich unter sich. So hat also jeder Reiche und Vornehme seine Neider, nnd lachende Erben warten täglich auf seinen Tod. — Napoleon hatte sich vom gemeinen Soldaten zum Kaiser emporgeschwungen. Ganz Europa zitterte damals vor ihm, denn er vertheilte die Königreiche nach Belieben und zerstörte Alles mit Gewalt, was seinen ehrgeizigen Plänen im Wege stand. Aber wie ist es ihm ergangen? Er stürzte herab von seinem Throne und wurde auf einer einsamen Felseninsel als Gesangener bewachr, und starb verlassen von Allen. — Kaiser Carl V., der vor dreihundert Jahren lebte, besaß die schönsten und reichsten Länder, er war Herr über zwei Welttheile. Es war sprichwörtlich: „daß die Sonne in seinem Reiche nie untergehe." Und doch fühlte er sich nicht glücklich. Da legte er nun seine Regentschaft nieder, entsagte allen seinen Reichthümern und begab sich in ein Kloster. Hier beschäftigte er sich mit Verfertigung von Uhren; aber weil er nicht machen konnte, daß nur zwei 23 Uhren immer gleichmäßig mit einander gingen, so war er auch hier unzufrieden. Sieh' also, mein lieber Leser! es ist eine Täuschung, wennDn glaubst, Reichthum, Ehre, Ansehen und Macht mache Dich glücklich; oder wenn Du glaubst, in diesem oder jenem Staude wärest du zufriedener. Ja und wenn Du auch die ganze Welt gewinnest, aber an Deiner Seele Schaden leidest, was dann? — Zum heiligen Philippuö Neri kam einst ei» Jüngling, dem die Eltern erlaubt hatte», daß er studiren dürfe. Der Jüngling erzählte ihm das in voller Freude. PhilippuS höric ihm gelassen zu und fragte nun am Ende: Und was dann? Der Jüngling erwiderte: Nun dann werde ich Advokat, Und was dann? fragte Philippuö abermals. Dauu werde ich mir schon Ehre, Ansehe» und Geld verschaffen; und dann kann ich in Kutschen fahren, hcirnthen und vergnügt und fröhlich leben. Ganz kalt fragte der Heilige weiter: Und was dann? Der Jüngling bedach-e sich, sein Gesicht wurde ernst, denn es kam ihm der Gedanke an Tod und Grab und Ewigkeit. Und so ist schon Manchem seine Hoffnung und sein Traum zu Wasser geworden. Ach! magst Du auch noch so springen und ringen nach dem schimmernden Plunder der Welt, das bringt Dir doch kein Glück und keinen dauernden Frieden. Aber, wirst Du nun fragen, welches ist der rechte Weg? Das wird Dir der am besten zeigen können, der denselben schon gegangen ist. Wenn Du eine Reise antrete» willst, dann erkundigst Du dich bei dem, der schon einmal dort gewesen ist, wo Du hin willst. Nun, so muß mcm's auch machen mit dem rechten Weg zu einer glückseligen Ewigkeit Es ist aber vor 1854 Jahren ein kleines armes Kind zu Bethlehem ans die Welt gekommeu, welches heute bei seiner Beschneiduug Jesus genannt wurde. Dieses Kind war Gottes Sohn; er kam vom Himmel und ist wieder, nachdem er nnS den rechten Weg zum Himmel gclehret, dorthin zurückgegangen. Nun höre, waS dieser JesuS sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Lebe». Niemand kommt zum Vater, als durch Mich. — Wer glaubt und getauft ist, wird selig werden." An Jesus also müssen wir fest glaube», auf ihn müssen wir unsere Hoffnung setzen, Ihn müssen wir lieben und aus Liebe seine Gebote befolgen, dann ko'imen wir nicht fehl gehen. Er sagt zwar, daß der Weg, den Er uns führen will, rauh, dvrnicht nnd schmal ist, voll Selbstverläugnung und Kreuzigung, Aber Er ist uns mit seinem Beispiele vorangegangen, und er ruft u»S hinwiederum zu: „Kommet Alle zn mir, die ihr mühselig uud beladen seyd, ich will euch erquicken." Also ihm nach, liebe Christenseele! Schon viele Hunderte uud Tausende sind diesen Weg gegangen. Damit sie aber leichter gehen konnten, nahmen sie nur das Nothwendigste mit. Hab' und Gut haben viele ganz zurückgelassen. So hat z B. Sanct Wendelin, der ein königlicher Prinz war, seinen Thron verlassen und sich sein Brod vor den Thüren erbettelt, nur um das arme Leben Jesu recht nachzuahmen. Dafür aber hat er einen herrlichen Thron im Himmel erhalten. Ahmen wir die Heiligen Gottes nach. Ich will aber damit nicht sagen: daß Du all' dein Hab' und Gut verlassen und betteln gehen sollst, nein! das kannst Du Alles behalten; aber das sage ich Dir: Hänge nur Dein Herz nicht an die Welt und das Irdische, wie ein heiralhSsüchligeS Mädel Alles ihrem Herzallerliebsten anhängt und dafür zuletzt oft nichts hat als Armuth, Spott und Schande. Schau, der liebe Jesus sagt: „Wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz." Hast Du also Gott zu Deinem Schatz und Liebhaber erwählt, so wirst Du auch uach dem Tode zu ihm kommen; hast Du aber Deine Schätze in der Welt, so wird eben Deine Seele an diesen hängen bleiben. Vergiß also nie, daß Du nur Verwalter aller zeitlichen Güter bist und Alles zurücklassen mußt. Jn'ö Grab bekommst Du höchstens ein alteS Hemd; keinen Heller kannst Du mitnehmen. Sey also kein Narr und mach's ja nicht wie jene fünf thörichten Jungfrauen, die zu faul und leichtsinnig waren, daß sie sich zur rechten Zeit mit Oel versahen und dann zu spät kamen und nicht mehr in den Hochzeitssaal eingelassen wurden. — Vergiß es nicht und denke oft daran in diesem neuen Jahre. Kein Name ist uns gegeben im Himmel und auf Erden, wodurch wir selig werden könnten, als der Name Jesus. An diesen Wegweiser halte Dich und sprich mit mir: „Der Erde Luft und Freuden, 24 — Pracht, Ehr' und Herrlichkeit — Will ich für immer meiden, — Ist Alles Eitelkeit. Die Seligkeit aber, die unö JesnS bereitet hat, ist unbeschreiblich groß. Höre! wenn alle Sterne deS Himmels lauter schnelle Schreiber, der ganze Himmel ein großer Bogen Papier wäre, daö Meer lauter Tinre und die Blätter aller Bäume lauter Schreibfedern wären, so würden doch alle diese Schreiber weder Kräfte, noch Hände, noch Tinte, noch Federn, noch Papier genug haben, um Euch nur den tausendsten Theil der himmlischen Freude und Seligkeit recht ^u beschreiben. Ja, ja, die Frommeu haben recht, wenn sie sagen: „Der Himmel ist Alles, Alles werth." Nun darnm gehe standhaft bis an Dein Ende jenen Weg, den unS derjenige gelehret und durch sein Beispiel gezeigt, dem wir auch im neuen Jahre zuruseu wollen: Gelobt sey Jesus Christus in Ewigkeit. (Oesterr.Volksfr.) Ungarn Tcmeswar, im Dec. Der von dem hochwürdigsten Fürstbischof von Lavaut, Anton Martin Slomschek gcgrüuderc Gebetsverein zur Bekehrung der schiSmatischcn Griechen unter An-usnng der heiligen Cyrill und Methud gewinnt immer mehr an Ausbreitung und läßt unö die segcnSvollsten Früchte hoffen. Nach dem letzten amtlichen Ausweis leben im Temescher Banal und in der serbischen Wojwodschafr 614,577 römisch Katholische, 11,612 griechisch Katholische, 679,556 Schismatiker, 50,911 Augoburger Confession, 26,127 Helvec. Cousessivn und 16,214 Indem Sie sehen auS diesem Ausweis, daß die Nichtuuirieu die zahlreichsten, die griechisch Unirtcn jedoch an Zahl die schwächsten sind. Eö wäre auffallend, daß nicht schon früher Uebertriite zur Union hier stattfanden, wcun man nicht wüßte, daß für die religiösen Bedürfnisse der Unirten nicht am besten gesorgt war. Als nun Seine k. k. apostolische Majestät für die im Baust zerftteut lebenden Unirteu die Errichtung eineö Bischofssitzes zn Lugos genehmigten, hat diese allerhöchste Entschließung gleich einem elektrischen Fnuken auf die Schismatiker gewirkt und schaarcuweise erfolgten die Uebertritte vom Schisma zur Union. Ganze Gemeinden wünschen in die alte Mutterkirche wieder aufgenommen zu werden. Es haben jedoch die Convertiten mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach den bestehenden Gesetzen gehört die Kirche der Nichtunirten in einer Gemeinde auch für den Fall noch immer den Schismatikern, wenn auch der mindere Theil, ja wenn auch nnr einige Familien im SchiSma zurückbleiben. Die Konvertiten haben demnach in vielen Orien kein Gotteshaus. Bei ihrem Eifer und Ausdauer versammeln sie sich nun in einem Privathauö oder in einer vorfindigen Capelle. Die im Bannt lebenden grieck. Unirten gehören, da der Bischofssitz in Lugos noch nicht besetzt ist, zur Großwaroeiuer Diöcese, wo ein unirter Bischof wohnt. Die weite Ausdehnung deS BiöthumS uuo vielseitigen Geschäfte erlaubten eö jedoch dem Bischof nicht, die zerstreuten Gläubigen zn besuchen. Unaussprechlich war darum die Freude dieser Gläubigen, als der hochw. römisch-katholische Bischof von Csanab, Aler an der Csajaghi, bei einer im heurigen Sommer im Bannt unternommenen Bisiialiousreise auch mehrere uuirte Gemeinden besuchte und sie zur Sündhaftigkeit und Ausdauer ermunterte. Die für den Bischofssitz bestimmte Stadt LugoS liegt im Krassoer Comitat und zählt 1885 römisch Katholische, 725 griechisch Unirte, 15,620 Schismatiker, 123 Augsb. und 86 Helv. Confession, endlich 383 Indem Dieß ist nun ein wahres Quodlibet von Konfessionen in einer Pfarre. Diese konfessionelle Verschiedenheit findet man jedoch nicht in Lugos allein, sondern im ganzen Bannt. (Salzb. K.-Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Svnntags-Beiblatt zur Augslmrger poKMung. 22. Januar M ^t. 1854. _ Dieses Blstt erscheint r?ge!mäßist alle Sonntage. Der halbjährige Abminementspreii fr., wofür es durch alle köm'ql. bayer. Vostümter und alle Buchhaudlunaen bezogen weiden lau? Hirtenbrief des Bischofs von Trier übel die ewige Anbetung deö allerheiiigsten SacramentS. Wilhelm Ärnoldii durch Gottes Erbarmung und die Gnade des heiligen apostolischen Stuhles Bischof von Trier. Der hochwürdigen Geistlichkeit und den Gläubigen Unserer Diöcese Gluß und Scgm im Herrn! Ein Jahrhundert ist beinahe verflossen, seit der in Gott ruhende Erzbischof Johann Philipp die ewige Anbetung deS allerheiligstcn Sacramentes in dem damaligen Erzbisthume Trier in der Weise angeordnet har, daß durch den ganzen Kreislauf deS Jahres in den Tagesstunden die verschiedenen Pfarrgcmeinden, in den nächtlichen Stunden aber die zahlreichen klösterlichen Genossenschaften vor dem Allerheiiigsten abwechselnd erscheinen sollten ; so daß zu allen Stunden und ohne Unterlaß der Herr in dem wunderbaren Sacramente angebetet und gepriesen würde. Die ewige Anbetung sollte ein feierliches und nie verstnmnicndeS Bekenntniß des Glaubens an die wirklile und wesentliche Gegenwart Jesu Christi im Altarssacra- menle seyn, eine ununterbrochene Huldigung > der göttlichen Majestät dargebracht, zum Ersähe für alle Entehrung, für den Undank, die Treulosigkeit und Gleichgiltigkeit von Seite der Gläubigen und der Ungläubigen. Diese Tag und Nacht ertönenden Lobgesänge sollten ein ireueö Abbild seyn und eine Nachahmung jener Anbetung und jener heiligen Loblieder, die dem Allerhöchsten ohne Unterlaß dargebracht werden von allen Engeln und heiligen Geistern deS Himmels. Diese heilige Uebung hat das christliche Bolk durch alle Stürme der Zeit, durch alle Wechsel der Ereignisse größtcntheilS bis auf diesen Tag treu bewahrt und cS hac richtig gefühlt und begriffen, daß dieses die eigentlichen Stunden der Weihe und des Segens für die ganze Psarrgemeinve seyen, und mit hoher Frende können wir Vielen es nachrühmen, daß sie durch großen Eiser und innige Andacht, durch frommen Empfang der hh. Scuramenle diesen Tag würdig und festlich zn feiern wissen. Möge dieser Eifer und diese Andacht, wie ein heiliges Feuer, überall hin sich verbreiten und alle Herzen zur Liebe Jesu Christi entzünden I Indeß ist seit dem Anfange des laufenden Jahrhunderts durch Aushebung der Klöster die nächtliche Anbetung ganz unterblieben, und durch mehrfache Abgränzung der alten Diöcesen sind viele Pfarreien uusereS BiSthumS ausgeschieden und benachbarten Diöcesen zugetheilt; andere und in bedeutender Anzahl sind ans angränzenden Diöcesen der unsngen einverleibt worden; auch haben mehrere Pfarreien, die nur kürzere Zeit abgetrennt, wieder mit der Mutterkirche vereinigt wurden, den Tag der 26 ewigen Anbetung abgeändert und auf den folgenden Sonntag verlegt; so daß der schöne Gedanke, der dieser Andacht zu Grunde liegt, seine Bedeutung und seinen Ausdruck im Leben verloren hat. Seit vielen Jahren ist deshalb der Wunsch lebhaft geäußert worden, eS möchte diese herrliche Einrichtnng so hergestellt werden, daß jede Psarrgemeinde unabänderlich an dem für dieselbe festgesetzten Tage die ewige Anbetung feiere, und daß auch den zahlreichen Pfarreien, in welchen dieselbe bisher nicht eingeführt ist, dasselbe Glück wie den andern zu Theil werde. Diesem frommen Wunsche beeilen Wir uns hiemit zu entsprechen, indem Wir für jede Pfarrei Unseres BislhumS einen besondern Tag zur ewigen Anbetung festsetzen und zur Stellvertretung des nächtlichen Gebetes anordnen, daß diese feierliche Anbetung an jedem Tage des Jahres in je zwei Kirchen staltfinden soll, auf daß alle Gläubige des BiSthumS ohne Ausnahme sich vereinigen znr Anbetung, zum Lob und Preis deö Herrn, der uns so liebreich einladet: Kommet zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. (Matth. 11,28.) So tretet dann zu Ihm und laßt euck erleuchten, und nie wird euer Antlitz zu Schanden werden. (Psalm 23, 6.) Kostet selbst und sehet wie gut der Herr ist und wie glücklich der Mensch, der auf ihn vertraut. (Psalm 33, 9,) Allen, die Ihn in dem allerheiligsten Sacramente andächtig besuchen, ist Er ein Helfer in ihren Gefahren, ein Führer auf ihren Wegen, ein Ralhgeber in ihren Zweifeln, ein Licht in der Finsterniß, eine Stütze in der Schwachheit, ein Tröstir in ihren Leiben. „Welch' ein Glück ist es, welche reine Freude gewährt cS nicht, vertraulich mit JesuS reden zu können, da er wartet, um unser Gebet zu vernehmen und zu erhören! Welch' einen Trost gewährt eS nicht, Ihn um Verzeihung zu bitten, Ihm seine Bedürfnisse vortragen zu können, wie ein Freund dem Freunde, auf den er all sein Vertrauen setzt; vor Seinem Angeflehte Seine Gnade, Seine Liebe, Seinen Himmel erbitten zu können! Welche Seligkeit, Licbeöacte zn Dem erwecken zn können, der auf diesem Altare unser Fürsprecher ist beim ewigen Vater, der hier von Liebe zu uns embranm gegenwärtig ist! Denn Seine Liebe ist es, die Freude daran findet, verborgen, verkannt, ja oft verachtet bei uns zu bleiben." Möchte daher am Tage der ewigen Anbetung jede christ iche Seele dasselbe und in Wahrhiit auSsprechen" können, waS einst eine gottselige Fran, die den größten Theil ihres Lebens vor dem allerheiligsten Sacramente zugebracht, auf die Frage erwiderte, waö sie doch all die Zeit hindurch vor dem heiligen Sacramente ansänge. „Die ganze Ewigkeit," sprach sie. „die ganze Ewigkeit wollte ich hier verweilen. Ist denn nicht hier unser guter Gott? O großer und heiliger Gott! und ihr fragt mich noch, was ich vor ihm thue? Ich liebe Ihn! wer verdient mehr unsere Li.be als Er? Ich lobpreise Ihn: und wem gebührt Preis und Ehre mehr als Gott? Ich danke Ihm; von wem haben wir größere Wohlthaten empfangen als von Gott? Ich opfere mich Ihm auf; denn wem sollen wit unö selbst weihen mit Allem, waS wir haben, als jenem Gott, dem wir AlleS verdanken? Ich bitte Ihn; denn wer kann unS größere Gnaden verleihen, als Er, der Urheber der Gnade, der Herr des Weltalls? Waö lhnt der Arme vor der Thür des Reichen? WaS thut der Kranke vvr dem Arzte? Was thut ein Diirstenver in der Nähe der Quelle? Was thut ein Hungriger, der bei der vollen, reichen Tafel sitzt?" Gelobt und gepriesen sey das allerheiligste Sacrament! von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Gegeben zu Trier am Feste der heiligen Elisabeth 1853. _ 1- Wilhelm, Bischof. DaS öffentliche Confistortum zn Rom am 22. Der. 18S3. Rom, 26. Der. Vielen Lesern mag eS nicht unwillkommen seyn, eine schlichte Schilderung dieser Feierlichkeit zu lesen und sich dadurch eine bestimmte Vorstellung 27 von einem öffentlichen Konsistorium zu bilden. Die 8sls 0u Brüderlichkeit, diese milde Würde ohne alle Steifheit und Herbe. Der Cardinal Wiseman hatte trotz angeblicher Kränklichkeit ein vollkommen gesundes Aussehen. Seine Stirne trägt die Signatur der Genialität; Offenheit und Energie ist das Gepräge des etwas runden Gesichte?. Die Lebhaftigkeit deS Auges wird hinter der Brille nur hie uno da bemerkt. Er ist von großer starker Statur. — In der allernächsten Nähe konnte ich den Cardinal-Diacon Antonelli sehen, ein Mann, dem Aenßem nach etwa von achtnndvierzig Iahren, ein ziemlich hoher, schlanker Wuchs, ein laugeS, etwas bleiches, interessantes, geistreiches Gesicht mit rollenden Gluthaugen und seelen?oller Miene trotz der etwaö vortretenden Unterlippe, in den Bewegungen von entschiedenem Ausdrucke, jetzt Würde, jetzt Anmuth. Während die hohen Herren in behaglicher, selbst heilerer Stimmung sich unterhielten, saß der Cardinal aus dem Capucincrorven füll und in sich gekehrt, ein zart gebauter Greis mit grauem Barte, ein Musterbild von Gutmüthigkcit und Ernst, von Demuth und Geistessammlung. Die Thüre zur Linken deS Throneö öffnete sich; Prälaten und geistliche Hosherren traten heran, ?io IX. erschien — mit der Jnful aus dem Haupte, vom Pluviaie umwallt. Se. Hei igkeit ließ sich auf den Thron nieder. Würdevoller, imponirender Ernst herrschte in Haltung uno Antlitz. Die Cardinäle traten zum Küsse deS Ringes vor. In der Art, wie der heilige Vater die Hand hinreichte, und im Blicke, der diese Bewegung begleitete, wurde die Huld nn? Liebe bemerkbar. Nachdem die dreißig anwesenden Cardinäle diese Huldigung vollzogen hatten, wurde bezüglich einer Vcalification ein Document vorgelesen. Inzwischen begann die Einführung der zwei neuernannten Cardinä'e. Brunelli trat zuerst vor, ein Herr von etwa sechSuudfünfzig Jahren. Er küßte den Pantoffel, dann den Ring uud wurde von dem heiligen Vater mr.-nnt. Eben so der elwas jüngere, schlanke Cardinal Pecci, Bischof von Perugia. Jeder umarmte der Reihe nach sämmtliche Cardinäle und cS war rührend zu sehen, mit welcher »»egenseitigen Wärme und Liebe dieß geschah. Die unterbrochene Lesung wurde fortgesetzt, dauerte aber nur kurze Zeit. Jetzt kniete Brunelli vor dem heiligen Vater. Der rothe Cardinalhur wurde auf sei» Haupt gelegt, während der heilige Vater mit sonorer Stimme das Gebet sprach: ^ecips ruhrum hierum :c. :c. zum Sinnbilde heiliger Standhastigkeit usczue effusionem ssnßuinis. Sofort nahm Brunelli den Cardinalsitz ein, nnd nach ihm sein Genosse. Der heilige Vater ertheilte den Segen und zog sich mit Gefolge durch die Seiteuthüre zurück Gesaug ertönte und die Cardinäle wandelten auS dem Saale und quer durch den großen Königssaal in die Sirtiniiche Capelle, wo ein Danieder die Feierlichkeit beschloß. (Salzb. K.-Bl.) 28 Der Märtyrer Geronimo und die Entdeckung seiner NeberrefAe in Algier. „Am 27. v. M. — so berichtet der „Akhbar" — bemerkten die Artilleristen, welche den Wall der an der Straße gelegenen, unter dem Namen „Fort deS vingt - quatre - hcureS" in Algier bekannten Citadelle sprengten, beim Wegräumen des Schulteö eine Höhlung, in welcher Gebeine lagen. Sie setzten den Artillerichauptmann Snsüii, dcr die Sprengarbciten dirigirte, sogleich davon in Kenntniß. Es bedürfte feiner langen Untersuchung, nm zur Gewißheit zu gelangen, daß man hier endlich den Leib des Märtyrers Geronimo entdeckt habe, dessen rührende Geschichte von Herrn Berbrugger, KnstoS der Bibliothek nnd des Museums in Algier, im Jahre 1847 veröffentlicht worden ist. Man hatte zuerst nach vagen Anweisungen in den dem Meere zugewendeten Wällen suchen zu müssen geglaubt und war, da dort nichts vorgefunden wurde, bereits zur Ansicht gelangt, eS seyen diese kostbaren, mit so vieler Sorgfalt misgcsnchten Reste bei Anlegung nener Bauten, deren Spuren ersichtlich waren, verloren gegangen, als man so unerwartet zu der eben erwähnten Entdeckung gelangte. Eine zur Sprengung der innern Mauerschichten bestimmte Petarde hatte plötzlich den Raum eröffnet, in welchem Geroninro's Leid lag, ohne ihn jedoch im Mindesten zu beschädigen. Der Märtyrer wurde auf dem Gesichte liegend gefunden, mit aneinander gedrückten Beinen und hinter dem Rücken gekreuzten Armen; der Strick, mit dem seine Hände gebunden gewesen waren, klebte noch lhcilweise am Mörtel, eben so die noch recht gut erkennbaren Kleidungsstücke. Der ganze Körper hat sich in den Boden dergestalt, ehe er verweste, eingedrückt, daß sich sehr leicht ein genauer Gypsabguß der Gestalt des Märtyrers machen ließe. Gleich nachdem der hochwürdige Bischof von Algier, Monsignor Pavy, Kenntniß von dem Funde erhalten halte, begab er sich zu dessen Besichtigung an Ort und Stelle; Gleiches thaten noch an demselben Tage alle Mitglieder deS Algier'schen KleruS, der dortige Prüftet nnd viele angesehene Beamte, am folgenden Morgen der General- Gouvcrneuer Graf Randon mir seiner Familie, General (5habaud-Latour:c. Der vom „Akhb.'r" mitgetheilteil Legende deS MärtyrrrS entlehnen wir Nachstehendes: „Noch heut zu Tage erblickt man in Algier, oberhalb der Pforte des „Fort des vingt-quatre-heureö" eine arabische Inschrift aus dem Jahre 1569, der Zeit, in welcher dcr kalabresische Renegal Ali, damals Pascha von Algier und später Kapudcm- Pascha oeS Großhcrrn, diese Nerschanzungen aufführen ließ, um ailfälliges Landen an der Küste von Bab-el-Ued zu verhindern. Die nördliche Mauer dieses Bauwerkes ist ein bloßer Erdwall und schließt wahrscheinlich jetzt noch die sterbliche Hülle eines Christen ein, dem die Märtyrerpalme unter folgenden entsetzlichen Umständen zu Theil wurde. Bei einer Razzia, welche die spanische Garnison von Oran gegen ungehorsame Araber im Jahre 1538 unternahm, wurden mehrere Gefangene gemacht, unter denen sich auch «iu schöner Knabe befand, der dem Herkommen gemäß nebst der übrigen Beute verkauft wurde, damit der Erlös leichter vertheilt werden könne. Der General- viear und Liccnciat Juan Caro kaufte das Kind, uuterrichtele eS in der christlichen Religion, taufte eS und legte ihm den Namen Geronimo bei. Im Jahre 1542 würhete die Pest in Oran; fast alle Spanier hatten die Stadt verlassen, um im freien Felde unter Zelten zu weilen. Die wenigen, noch zurückge- blicbeuen Soldaten waren in Folge ihrer Angst vor der Seuche nicht so wachsam wie gewöhnlich. Einige arabische Gefangene benutzten diesen Umstand, ergriffen die Flucht, nahmen den kleinen, damals achtjährigen Geronimo mit sich und brachten ihn seinen Eltern zurück. In so zartem Alter und unter solchen Umständen war es wohl natürlich, daß 29 der neue Christ unter den Seinigen die religiösen Ideen wieder vergaß, die der ehrwürdige Juan Caro ihm beigebracht hatte und wieder ganz Muselmann wurde. Doch wurden die in das junge Herz gepflanzten Keime deS Christenthums nicht ganz erstickt und so geschah eS, daß Geronimo im Alter von fünfundzwanzig Jahren den Plan faßte, nach Oran zurückzukehren und sich dort neuerdings zum wahren Glauben zu bekennen. Der würdige Juan Caro nahm ihn freudigst auf und verheirathete ihn, um ihn in seinem frommen Gedanken noch mehr zu bestärken, im Jahre 1559 mit einer jungen Araderin, die ebenfalls Christin geworden war. Geronimo lebte nun zehn Jahre in Oran, wo er sich als Soldat eben so nützlich als eifrig bewährte. Im Mai 1569 war er mit neun andern Gefährten in einer Barke von Oran aufgebrochen, um ein am MeereSufcr liegendes arabisches Dorf zu überfallen. Schon näherten sie sich dem Ziele ihrer Reise, als sie bei Sonnenaufgang von zwei nach Tetuan gehörenden Brigantinen wahrgenommen und verfolgt wurden. Vergebens suchten sie zu entkommen; sie wurden gefangen, nach Algier geführt und als Sklaven verkauft. Geronimo fiel dem Pascha zu, demselben kalabrcsischen Renegaten, dessen wir bereits gedacht haben; er wurde in dessen Bazno abgeführt. Die Algierer, welche aus dem Verkauf der Sklaven vielen Nutzen zogen, wendeten stetS alle Alt von Lift und Schlauheit an, um über die Autecedentien ihrer Gefangenen inS Klare zu kommen und sie so mit größerem Vortheile ranzioniren zu können. In solcher Weise erfuhr man auch, daß Geronimo ursprünglich Museimaun gewesen war. Nun wurde das Acußerste aufgeboten, um ihn wieder der hl. Kirche abtrünnig zu machen. Alle MustiS, Kadis, MarabutS, alle Schriftgelehrtcn Algiers und seiner Umgebungen eilten ins Bagno, wo Geronimo in Ketten lag; sie wendeten aber Mühe und Beredsamkeit vergeblich an; Geronimo erklärte in energischer, enlschiedener Weise, er sey freiwillig und auS Ueberzeugung Kaiholik geworden und werde als solcher sterben. Die Ulemas nahmen sodann ihre Zuflucht zu Drohungen, die aber auch kein anderes Resultat herbeüührten. Alle muselmäunischen Schriftgelchrten begaben sich nun zu Ali Pascha, erzählten ihm das Vorgefallene und baren ihn, einen so sträflichen Eigensinn in exemplarischer, abschreckender Weise zu bestrafen. Ali ergriff diesen Anlaß, um seinen religiösen Eifer in eklatanter Weife zu bewähren; er verhieß sogleich Alles, was von ihm verlangt wurde. Der Pascha war damals (September 1569) mit dem Bau eines Fortö vor dem Stadtthore Bab-el-Ued beschäftigt, desselben Forts, daS gegenwärtig ohne bekannten Gründ als Fort des vingi-qualre-hcures bezeichnet wird; er nahm öster die Arbeiten in Augenschein und drängte die Werkleuie zu unausgesetzter Thätigkeit. EineS Tages besichtigte er in sehr nachdenklicher Weise die großen Kisten, in denen Thon und Erde zu Ma^.n geformt wurden; plötzlich rief er einen gewissen Michel von Navarra herbei, einen Christen, der an der Spitze der Manerarbeiten stand; er sagte zu ihm: Michel, lasse die große Kiste hier leer bis morgen; sie soll mit dem Leibe jenes Hundes ausgefüllt werden, der sich weigert, zum Glauben MahomedS zurückzukehren. Nach diesen Worten kehrte er wieder in seinen Palast zurück. Am Abeuee desselben Tciges sammelte Michel nach verrichteter Arbeit alle seine Untersklaven uno begab sich mit ihnen ins Bagno, wo er Geronimo von dem Vorgefallenen in Kenntniß setzte nnd ihn aufforderte, sich der Nothwendigkeit zu fügen. — Vor Allem sey Gott gepriesen! — rief der künftige Märtyrer aus. — Ich fürchte die entsetzlichen Todesqualen nicht, welche diese Ungläubigen mir bereiten und werbe mich durch Äugst vor denselben nickt vom wahren Glauben abwendig machen lassen. Möge der Herr mir nur meine Sünden verzeihen und meinen Geist in Gnaden aufnehmen! Von diesem Augenblicke an bereitete sich Geronimo auf das Bluizeugniß vor, 30 das er nächsten TageS abzulegen berufen war. Im Bagno war eine Capelle, unter den Sklaven befand sich ein Priester; dieser versah ihn mit den letzten Tröstungen der Religion, woraus er die Nackt im Gebete zubrachte. Am 18. September l569, schon am frühen Morgen, kamen vier Schergen des PaschaS, die nach Geronimo fragte»; als er sie kommen hörte, ging er ihnen auS der Capelle entgegen. Verräther, Hund, - riefen sie ihm entgegen, - warum willst du nicht wieder Muselmann werden? Der arme Sklave ließ sich ohne ein Wort zu erwidern von ihnen nach dem Fort führen; dort befand sich bereits Ali Pascha, begleitet von einer großen Anzahl Türken, Mauren und Renegaten, die sämmtlich sckon nach dem Blute dcS Christen lechzten. — Nun, Hund, — rief ihm Ali entgegen, — willst du zum JSlam zurückkehren? — Um keinen Preis, — lautete die Antwort; — ich bin Christ und werde eS bleiben. — Blicke auf diese Kiste. — heulte der wüthende Pascha; — in ihr lasse ich dich lebendig begraben. — Thu wie du willst, — enrgegnetc muthig der Märtyrer, — ich bin auf daS Schlimmste gefaßt und werde vom Glauben meines Herrn JesuS Christus nicht abfallen. Nun ließ ihm Ali Pascha die Ketten abnehmen, ihn an Händm und Füßen mit Stricken binden und in die Kiste werfen, Ein spanischer Renegat sprang mit Wuth auf den Leib deS armen Geronimo, verlangte nach Erde und einer Stampfe, welchem Bekehren sogleich willfahrt wurde. Nun begann der Elende auf den Unglücklichen l^Szustampfen und zu schlagen, ohne ihm jedoch eine einzige Klage, einen einzigen Schrei entreißen zn können. Bald war Geronimo unter dcu Erdschichten erstickt. Die Kiste wurde bis an den Nanv vollgkfüllt; der Märtyrer war für dreihundert Jahre in sein glorreiches Grab gelegt. Wild jauchzend kehrten die mordlustigcn Tiger in Menschengestalt, zufriedengestellt durch den Anblick der gräulichen Mordthat, im Gefolge Ali Paschas nach Algier zurück, der unwillkürlich ausrief: — Wahrlich ich hätte uicht geglaubt, daß dieser Christ so muthig zu sterben im Stande seyn würde. Mehr als einmal hatten die christlichen Sklaven daran gedacht, den Leib deS Märtyrers auS der Erdmauer zu nehmi,,.; einmal aber ließ die beständige Wachsamkeit d.r Türken die Sache als sehr schwierig erscheinen; dann bedachten sie anck daß sie unmöglich eine glorreichere Grabstätte für den Ermordeten finden konnten, alS den Ort, an dem er sein Leben für den Glauben geopfert h.i^e und der den Blicken der Türken, Renegaren und Christen fortwährend ausgesetzt blieb." vi Newman und dessen Bruder. Die beiden Brüder Johann und Franz Wilhelm Newman sind beide in ihrer Art hervorragende Männer, gleich talentvoll, gelehrt und entschieden. Beide wurden als Angiitancr erzogen; beide jühlien bald daS Ungenüguide und Unhaltbare deS englischen Protestantismus, und beide wünschten, Christen zu seyn, ohne aufzuhören, Protestanten zu seyn und ohne mit den Reformatoren zn brechen. Von da an gingen sie aber auseinander. Der ältere Bruder ist jetzt ein katholischer Priester und Supenor der englischen Oratorianer. Er ging davon auS, die wahre Bedeutung der Reformation liege in den Elementen der christlichen Wahrheit, die sie beibehalten; er griff diese auf, trennre sie von den negativen Grundsätzen, welche die Reformatoren vamil verbunden, und suchte sie in katholischem Sinne zu entwickeln und zu vervollständigen. Er wurde so der Begründer der traltarianischen oder puseytischen Partei, deren Zweck 31 ist, katholisch zu seyn, ohne römisch zu seyn. Er fand aber bald, daß er den Prot?» stanti'SniuS nickt im Sinne der katholischen Wahrheiten, die derselbe beibehalten hat, entwickeln könne, ohne sich an Rom anzuschließen, da nur in dessen Gemeinschaft die katholische Lehre in ihrer Einheit, Integrität und Vollständigkeit gefunden und festgehalten werden kann. — Der jüngere Bruder, jetzt Professor der Philosophie an der Londoner Universität, war von Anfang an ein ächterer Protestant. Er ging davon aus, das Wesen des Protestantismus liege nicht in dem, waS derselbe mit der Kirche gemeinsam s-sthalren will, sondern in den Grundsätzen und Ncgau'oncn, die er der Kirche entgegensetzt; er griff diese Grundsätze und Negationen, die ungläubigen Elemente des Protestantismus auf, suchte sie von den paptstischen Elementen, die er dabei noch festgehalten, zn trennen und in einem ächt protestantischen Sinne zu entwickeln und zu vervollständigen. Er fand aber bald, daß er dieses Ziel nicht erreichen könne, ohne die protestantische Verläugnuug der Anktorität der Kirche und die protestantische Verwerfung der Sacramentc nnd des Priesterihums bis zu ihren konsequenten Folgerungen durchzuführen, und daß er das nicht könne ohne alle äußere Offenbarung zu verwerfen, und seine eigene Natur als einzige Auctorität in religiösen Dingen und als einzige Offenbarung deS göttlichen Willens zn betrachten. — Beide scheinen Anfangs einen gleich reblichen Willen gehabt zu haben, und beide sind, wenn man die Prämissen betrachtet, von denen sie ausgingen, gleich logisch zu Werke gegangen und bei gleich unvermeidlichen Konsequenzen angekommen. Keiner von beiden sah sein Zicl voraus. Der ältere Bruder, entschlossen, aus jeden Fall ein Christ zn seyn, sah sich gcuötm'gt, zur katholischen Kirche zurückzukehren; der jüngere, entschlossen, aus jede» Fall ein Protestant zu seyn, sah sich genöthigt, alleS Christliche aufzugeben, und ein bloßer Naturalist zu werden. (Aus „Brownson's Quarterly Review", Boston und London, October 1853 ) Bekehrungen im Jahre 18S3. Im Januar ist die Mutter der Prinzessin Karola Wasa, die bereits im vorigen Jahre zur katholischen Kirche zurückgekehrt ist, zu Moravetz in Mähren dem Beispiele ihrer Tochter gefolgt. Sie ist eine Prinzessin von Baden, die Tochter von Carl Ludwig und Stephanie Beauharnais, seit dem Jahre 1844 von dem Prinzen Was« geschieden. — Ebenfalls im Januar wurde der Schriftsteller Beer zu Paris katbolisch. Im Anfange des Jahres fanden außerdem in England folgende Bekehrungen statt: Lord CharleS Tynne, Domherr von Canterbury und Pfarrer von Longbrivge, Schwiegersohn des protestantischen Bischofes von Bath und Wells, Bruder der Herzogin von Buccling, wurde katholisch und verzichtete damit auf ein jährliches Einkommen von 10,000 Thaler, welche seine geistlichen Stellen eintrugen. — Francis Wegg Prosscr, ein ausgezeichnetes Mitglied der Universität Orford, im Jahre 1847 Parlamentsmitglied, that denselben Schritt. — Ferner Frau Daymann, Frau eines anglikanischen Geistlichen. H. G. Bowden, dessen Vater schon seit einiger Zeit katholisch geworden, legte zu Gibraltar vor dem Gcneralvnar Nciuy das katholische Glaubensbekenntniß ab. Damit ist das letzte Glied einer angesehenen, großen Familie, die vor nicht langer Zeit noch ganz protestantisch war, katholisch geworden. Hope, einer der ausgezeichnetsten Nechtsgelehrten Londons, trat nebst seiner Gemahlin, einer Enkelin von Sir Walter Scott, zur katholischen Kirche über. — Den 29. Januar kehrte der Herr Geheimrcuh, Ritter Olszewöky ans Potritten in der Diöcese Ermeland, durch ein mehrjähriges Studium vorbereitet, in den Schooß der katholischen Kirche zurück. Am 8. März legte der protestantische Pfarrer Christfreund von Oberroßbach im Nassauischen zu Dillenburg daS katholische Glaubensbekenntnis) ab. Schon um Osten» deS vorigen JahrcS hatte er seiner Gemeinde «klärt, daß er die Wahrheit nur in der katholischen Kirche erblicke, und hatte darauf sein Pfarramt niedergelegt. Nur eins seiner Pfarrkindcr folgte ihm, nämlich der Müller Sorn, der zugleich mit ihm zu Dillenburg in die katholische Kirche aufgenommen wurde. Am 14. Juli legte die 32 Gräfin Hoogstraatcn Voerde, in der Fürstlich Salm-Salm'schen Schloßkapelle zu Anhalt daS katholische Glaubensbekenntnis) ab. Am 20. November Gsrörer, Professor an der Universität zu Frciburg. Vierundsechzig Lehrsprüche aus dem Munde des heil. PbiltppuS Nert. Der hl. Philipp Neri, ein Mann ausgezeichnet durch Wissenschaft und Heiligkeit, und sehr erfahren in der Seelenführnng, hat zu seiner Zeit Unglaubliches gewirkt. Gelegentlich gab er den Seinigen mehrere Lehren und Winke, die unö seine Freunde aufbewahrt haben. Einige von diesen folgen hier zum Nutzen der Leser veS Sonnlags- BeiblaticS. 1. Der hl. Philippuö wurde seit seiner frühesten Jugend vom Herrn vieler Gnaden gewürdigt, er hegte eine lebhafte Neigung sür das Geistliche und verschmähte alles das, was die Welt schätzt, wie die Liebe zu den Verwandten, die Erhöhung der Familie, die Vermehrung der Reichthümer so sehr, daß er seinem Oheim, der ihn zärtlich liebte und ihm zusprach, von seinem Vorhaben, sich ganz dem Dienste GotteS zu widmen, abzustehen, indem er ihn zum Erben aller seiner Güter, deren Werth sich auf 22 Millionen Scudi belicf, einsetzen zu wollen verhieß und ferner bemerkte, vaß mit ihm die Familie auSsterben und somit die ihm zu Theil gewordenen Wohlthaten fruchtlos bleiben würden, mit jener bescheidenen Kürze, die in derartigen Entschließ»»» gen erfordert wird, antwortete.- nie werde er der empfangenen Wohlthaten vergessen — übrigens lobe er mehr seine Zuneigung als seinen Rath. 2. Zu Rom bot sich dem hl. Philippns die erwünschte Gelegenheit dar, Gort nach seinem Verlangen zn dienen. Dort lag er den Wissenschaften ob und machte in denselben solche Fortschritte, daß er nicht nur zn seinem eigenen Nntzen hinreichend in ihnen bewandert war, sondern auch noch zum Frommen deS Nächsten damit wirken konnte. Aber jenes Wort des Apostels erwägend: „nicht mehr zn wissen, als Noth thut," ließ er jene Bestrebungen fahren, um sich ganz der Wissenschaft des Gekreuzigten zu weihen. Daher wählte er sich, mehr als früher der Einsamkeit und besonders deS Schweigens, deS GcbeteS und der FlcischeSabtövtnng beflissen, die Andachten Übung, zu den sieben Kirchen und Katakomben deö hl. Sebastian unter beständigem Gebete zu wallfahren; dabei wurde er von einer solchen Fülle himmlischen Trostes überströmt, daß er der brennenden Liebeöglnth nicht mehr mächlig, zn Gott auörief: „ES ist genug, o Herr, es ist genug!" Darum ist'S nicht zu verwundern, daß er voll vom Besitze seines Gottes, häufig sagte: „Dem, der Gott wahrhaft liebe, sey nichts beschwerlicher und lästiger «lS daS Leben," öfter jenes Wort wiederholend: Der wahre Diener Gottes erduldet daö Leben, ersehnt den Tov. 3. Niemals gestattete er den Scinigen. daß sie um des Studirens willen die gemeinsamen Uebungen, wie daS Gebet, die Ermahnnugcu (Anreden) Beichlhören und andere gewöhnliche Verrichtungen unterließen; er hielt sie keineswegs vom Stndiren ab, sondern schärfte ihnen nur ein, bei demselben ihr Augenmerk auf die Gegenstände hin» zulenkeu, welche ihrem Berufe (dem Orden) einsprächen, und nicht darauf bedacht zu seyn, daß sie unter den Ander» gelehrt schienen; der wahre Diener GotteS, sagte er, muß dahin streben, daß er wisse, nicht aber zu wissen scheine; er soll mehr durch Gebet als durch Studium in die Geheimnisse der hl. Schrift eindringen. Titel und Inhalt zum Jahrgang 18ZS wird mit der nächsten Nummer ausgegeben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag»-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beibßatt zur Augsburger Po Leitung. 29. Januar M- F. 1854. DicseS Blatt erscheint regelmäßig alle Bo»utage. Der >>^lt>jährige Atwnvei-lcittsprei« ?<> fr., wofür eS i^urch all? löniql. baper. Poilömtcr pud alle Bvckhaudlnr-a-?! be^>?s>cn w-rde» kc-nn. Dle Beatlficction des ehrw. Dieners GotteS Andreas Bobola. *) Andreas stammte aus der polnischen Adelsfamilie Bobola, die aus Böhmen entsprossen war und unter ihren Gliedern Männer zählte, welche im Kriege und in öffentlichen Aemtern des Königreichs Polen sich rühmlichst auszeichneten, Andreas ward im Jahre 1592 in Litihaue» im Palaiinat Sandomir gebore», zeichnete sich von Kindheit an durch.eine uiigemune Frömmigkeit aus und war während seiner ganzen Jugendzeit seinen Altersgenossen ein nachahmcnswürdiges Tiigendninster, Frühzeitig entsagte er allen glänzenden Aussichleu, welche die Welt ihm öffnete, und trat (nennzehn Jahre all) in den Orden der Gesellschaft Jcsn, der er sich im Jahre 1630 durch die gewöhnlichen Gelübde aus immer verband. Nachdem er die Priesterweihe einvfauaen Halle, widmete er sich eine Zeit lang dem Uineirichtc der Jünglinge in den Wissenschaften und der Unterweisung der Knaben in der christlichen Lehre; dabei unterli.ß er, von Seelcneifer durchglüht, niemals, das Wort GotteS zn verkündigen, und that dieß mit solchem Erfolge, daß er sehr Viele zur Buße bewegte. Drei Jahre lang widmete er sich ganz der Pflege und Unterstützung der von einer ansteckenden Senche Befallenen. So machte er sich würdig, von Gott zu noch höheren Dingen erwäl>!t zu werden. Um jene Zeit hatten die schiSmaiischen Griechen den polnischen Erzbischof Josaphal gelobtet, und versuchten nun Alles, um ihre Irrthümer unter den Gläubigen zu verbreiten. Damals wurden mehrere Kollegien der Gesellschaft Jesu zersiön und vierzig Söhne derselben geiödtet. Ans diesen Kampsplatz ward nun Andreas Bobola gesendet. Furchtlos ginz er den drohenden Gefahren entgegen, mit aller Kraft uud Aufopferung kämpfte er gegen die Bersührnng, die größten Mühsale uuv Widerwärtigkeiten ertrug er freudig, und gab endlich, unter den ausgesnchlesten Qualen sein Blnt vergießend, für Christus und das Wohl seiner Schase daö Leben hin. Am 16. Mai 1657 errang er die Marlyrerkronc. Die 8. LonZreAglio Kiluum sagt von ihm: tarn cruclxltz vix -rut n«z vix cruiclem in Irav Lacra ^un^regutionv riropositum l'uit üimüe Martyrium. — Andreas Bobola, war im Collegium von Pinsko, wo er mit seinen Mubriidcrn viele Jahre hindurch alle möglichen Bcr.uionen zu ertragen hatte. Die Schismaliker erspähten ibn, als er in Jcrnow zum Troste der dortigen Katholiken verweilte. Zwei Kosockenofficiere mit vielen Soldaten suchten ihn auf und irafen ihn anf dem Wege von Janow nach dem Dorfe Perelynda. Zuerst schlugen sie ihn auf die roheste Weise, banden ihn dann uiil.r sorlwährenden Mißhandlungen an ein Pferd und schleiften ihn ganz mit Blnt bedeckt nach Janow zu ihrem Hauptmaun, Dieser forderte von ihm gebieterisch, er solle der Gemeinschaft mit Nom entsagen; wüthend über seine beharrliche Weigerung ') Kath, Wochenschrift, 34 hieb er ihm mit dem ersten Säbelhieb beinahe die Hand ab, mit dem zweiten verwundete er ihn am Fuße; ein Soldat stieß ihm ein Auge auS. Dann schleiften sie ihn fort in den Laven eines Fleischers und brannten ihn mit angezündeten Fackeln, um ihn ordentlich zu braten, bis taö Fleisch flüssig würde; sie zogen ihm die Haut vom Kopfe und von den Handen ab, zur Verachtung der Tonsur und der pricstmichcn Weihe; sie fuhren dann fort, auf dem Nucken ihm die Haut abzuziehen, vergrößerten seine Wunden, schlugen dann Rohre zwischen die Nägel und daS Fleisch der Finger, sckni ten ihm die untere Nase und die Lippen ab, öffneten am Hinlerkopf eine große Wunde und nahmen dann die Zunge heraus. So ließen sie ihn mitten im Straßenk.th liegen, und da der Hauptmann nach einigen Stunden ihn noch nicht todt sah, machte er dem Leben seines Schlachtvpfers mit einem großen Säbelhieb ein Ende. Die genaue Beschreibung dieses grauenvollen Martyriums gibt P. Phil. Monaci in seiner Biographie deS sel. Märtyrers. Im Jahre 1739 gestattete die 8, LonZreggtio Kituum, daß der Proceß über daS Marterthum Bobola's eingeleitet werde; Benedict XIV. erließ 1755 das Decr.t, durch welches sein Martyrium und die e-iusa coustatiit wurde, und nachdem Gregor XVl. daS Wunder der Unverweslichkeit des Leibes dieses Mar yrers als bewiesen erklärt, und Pius IX. durch Dccrel vom 5. Mai 1853 auch die drei andern durch dessen Fürbitte erfolgten Wunder approbirt halte, erklärte der letztgenannte Papst am 24. Juni v. I. in der lateranensischen Basilika, daß man zur feierlichen Bealificalion schreiten könne. ES ist erklärlich, daß der russische Hof die Seligsprechung dieses Märtyrers höchst ungern sah, um so mehr, da bei den Polen der Name Bobola in hohem und ehrwürdigem Andenken steht und auf Grund einer ständigen Tradiiion an seine Eihe- bung zur Ehre der Altäre sich große Hoffnungen für die Bekehrung Rußlands knüpfen. Der Congregalion war eS äußerst schwer, aus Litlhauen authentische Berichte über verschiedene aus den Märtyrer bezügliche Umstände zu erhalten; denn die russische Regierung bot AllcS auf, um solches zu vcrhind.rn. Der Dominicaner-Prir zu St. Peiersburg und noch ein anderer Ordenopriester wurden vcrha-tct und —. man weiß nicht, wohin? — abgeführt, weil sie auf derlei Anfragen über einige das Marterthum deS P. Bobola betreffenden Thatsachen Aufschlüsse eilheilt hallen. Alle ihre Papiere wurden weggenommen. Auch heißt es, auf höheren Befehl seyen die Gebeine deS Märtyrers, die einen lieblichen Duft aushauchten, auS der Kirche, wo sie bisher mit größler Sorgfalt waren aufbewahrt worden, weggenommen und auf dem Kirchhofe, mit andern Geb.iuen vermocht, umhcrgestreui worden. Indessen wcuen alle Bemühungen der Schismatiker vergeblich: der Prvr.ß wurde nach den kanonischen Vorschriften zu Cude gesührt und der 30. Oktober 1853 zur Seligsprechung a> beraumt. Als der ersehnte Tag gekommen war, versammelten sich in der i aticanischen Basilika die Cardinälc, die Congregalion der Ri en mit ihren Consulloren, das Capitel und Seminar von Sr. Peter. Der General d.r Gesellschaft Jesu, P. Peter Beckr, trat vor den Caidinal Pa rizi, Vicarius Seiner Heiligkm (in Abwesenheit deS Cardinais LambruSchini, Präfecicn der Cvngregcition) und bat, demüihig nie?erknieend, um die Publication deS BealificalionS--Breve, welches auch sogleich laut abgelesen wurde. In diesem Augenblicke wurde daö Bild oeS Seligen enthüllt; man stimmte ° den Amirosianijchen Lobgesang an, es ertönte daö Geläute aller Glocken Roms und von der CngelSburg donnerte das Geschütz, Unmilteibar darauf begann die Messe, welche MonsitzNvr Pio Bighi, vom vaiicanischen Capilel, celebrirte. — Der heilige Vetter wohnt der BcatificailVnö - Verkündigung niemals bei, sondern begibt sich Nach- miliagS nach St. Peter. Da er damals den Quirinal bcwchnle, so war sein Besuch bei St. Peter feierlicher, als gewöhnlich; der Weg durch Rom w5 ^e5u I^sets gestivnsczue Ouoä 4 N v R 15 4 U K 0 K 0 I. ^ M ^6 omnem ssnetitstem eveetum I.sooril>u8 periculis in I^itnugnis ?ro sniirmrum 5slute per gnnos p. AI. XX. Lt i»u8tri m.irlz'rio Xr?. s>erkunetum Loelo transmiserit ^ovensilem. Bei dieser Gelegenheit bewies sich wieder die Klugheit und Umsicht deS päpstlichen Stuhles in glänzender Weise. Daß Bobola durch die gritchi chen Schismatiker in Rußland grausam gemauert worden, ist aller Welt bekannt; dennoch aber bot man Alles auf, damit bei Gelegenheit der feierlichen Kundgebungen, welche dem kirchlichen RttuS zufolge das Fest der Beatification oder der Kanouisati'on eines Dieners Gottes begleiten, Nichts vorfiele, wodurch der Kaiser von Rußland beleidigt oder auch mir dessen große Empfindlichkeit ver etzt werden könnte. Die lateinischen Inschriften, welche die Hauptmomenle aus dein Leben des neuen Seligen einhielte», womit die Thore und das Innere der vatikanischen Basilika geschmückt waren, sind vorher vom Sraa Ssecretariaie anfS Sorgfälligste geprüft worden. Dem Verfasser dieser Inschriften, dem als christlichen Archäologen weltbekannten P. Marchi aus der Gesellschaft Jesu, war aufgegeben worden, die Urheber deS vom P. Bobola erlittenen grausamen Martyriums nickt einmal mit Namen j,u nennen. P. Marchi dürfte sich daher wohl in einiger Vcrlegenbcit befanden haben; weder die Worie „Lclnsmstiei" noch jene „Kuteni 8eni5M!>tis riropugn-ltores", weder „Hgringtse" noch „8surc>mi>lge" durften in den Imchniten vorkommen. Mit derselben Behutsamkeit verfuhr man in vem „liiorniile cli Koma", worin die BeatificationSscier natürlich besprochen werden mußie. Der Redacteur batle dem Ccnsnramte einen Aufsatz präseniirt, in welchem von der gedachten Festlichkeit und natürlich auch vom Ltben und Martyrthum deS P. Bobola die Rede war; der Aufsatz wurde jedoch zurückgehalten, obgleich dessen Versasser, die Ansichten der Regierung richtig interpretirend, lie Ursachen jenes Martyriums nie bei ihren Namen genannt Halle. Erst nach langer und sorgfältiger Prüfung von Seilen deS StaatssecrelariatS selbst durfte der beireffcude Artikel, mit Hin- weglassung aller Momente, die auf den grausamen Tod deS seligen Bobola Bezug haben, veröffentlicht werden. Aus diesem Grnnde konnie die Biographie deS ausgezeichneten Dieners GotteS in dem Regierungsorgane nur unvollständig und verstümmelt «rschcinen, während bei andern Bcalificaiiouen in diesem Blatte eine kurze, aber vollständige Legenve der Heiligen gegeben wird. Brief von ElemenS Brentano an ein zwölfjähriges Mädchen. *) Mein liebes gutes Kind! In dem Hause zu H** bei Herrn N. N., wo du so viele Wohlthaten genießest, ist mir auch viel Liebes und Freunvliches erwiesen worden, und so haben wir denn *) Wir theilen hier einen Brief des Clemens Brentano, eine» großen, gelehrten nnd stemmen Mannes, an ein zwölfjähriges Mädchen, aus einer schwer geprüften Familie, mit, welchen er au« Dülmen schrieb, wo er sich damals bei der gottseligen Klosterfrau A. C. Emmerich aufhielt, und da« bekannte Buch „Betrachtungen des bittern Leidens« nach ihren Mittheilungen schrieb. 36 miteinander von denselben Händen Gutes genossen, Wenn aber zwei durstige Menschen ans derselben Quelle getrunken haben, ist es recht nnd billig, daß sie miteinander Gott dafür da»!en in ihrnn Gebete, Das wollen wir nun anch von gan,cm Herzen, und wenn du sitt deine Wohlthäter zu H"" betest, so denke nur immer, daß ich milbete, und wenn ich in der Ferne sür diese guten Menschen bete, will ich immer denken, baß du auch mübe'est Ich srene mich recht, das; wir so etwas GuteS haben, was wir zusammen lhnn können; denn ich bin dir gleich ?e,m Anfange an recht gut gewesen, ich bin allen stillen Kindern gut, weil sie der liebe Herr Jesus auch gern gehabt hat. Jetzt, mein lieber) Kind, nahet sich der heilige Christrag; da ist der liebe Herr JesuS. der u»S alle gelehrt, geliebt, geheilt, erlöst und für uns Alle gestorben ist, in einer armen Höhle von seiner armen Mutter Maria geboren worden. Das ist die schönste Zeit für die Kinder- erstens, weil da die Kinder der reichen Leute allerlei Gescheute erhalten» (über denen sie manchmal das liebe Christkind ganz vergessen); zweitens aber, weil da die armen Kinder, welchen ihre Eliern nichts geben können, sich recht sreuen können, daß sie gerade so arm sind, wie ihr armes Brüderchen, das Christkind. Ja, wenn sie nur denken: ich habe nichts, denn ich habe Alles dem lieben Jesu kind geschenkt, so ist es besser, als wenn sie viel reicher beschenkt worden wären, und der liebe JesnS wird eS ihnen reichlich belohnen, daß sie ihre Armuth so gern mir Ihm theilten, als Andere ihren Reichihum. Dn hast, mein liebes Kind, einen recht guren Jesus, er hat dir eine gute Mutter gegeben und fromme, wohllhärige Pslegällcrn, und hat dich dabei arm gemacht, damit du recht fühlen kannst, daß du Alles andern guten Menschen durch Jesum Christinn zu verdanken hast, und baß du reichlich bezahlen kannst, wenn du Jesu von ganzem Herzen dankest und für deine Freunde uud Wohlthäter betest. Sieh, mein liebeS Kinv, selbst für daS, was andern Menschen ein großes Unglück scheint, kann ein srommcS, gutes Kind danken, znm Beispiel, daß du ein so schweres Gehör hast, dafür kannst du auch Gort danken; denn so hörst du manch-S unnütze und böse Geschwätz nicht uud kannst iuumr still fort in Frieden uud Cinsamkn't mit deinem Herzen bei Jesu seyn, während er dir alle deine Geschäfte verrichten hilft. Wenn man innerlich nur gehorsam ist, kann mau das äußere S chör leicht en bchren, und wenn Gott mit dir spricht und dich trösten ider ermähnen will, so sagt dir es dein heiliger Schutzmgkl gleich ins Herz und braucht deiue Ohren gar nickt. Seh du nur innerlich immer voll Liebe zu JesuS und allen Menscken, bete für Alle, bete für jede Noch, die du erfährst, AUeS befehle Gott au, roaS dir leib thut, cS sey für dich ober Andere. Gib dich ganz in den Schutz der heiligen Mutler Gottes, die weiß am besten, was einem armen Kinde gut ist, und wird immer dich ihrem lieben Sohne empfehlen. Und wenn du für dich allein betest, so sage immer: O all ihr lieben Heiligen, ich grüße euch alle in dem süßen Herzen Jcsn, das ist ihnen der allerliebste Gruß, und sie werden dann alle freundlich auf dich herabsehen. Zum heiligen Segen von Priesterhaud habe immer ein herziges Verlangen, und wenn du einen geistlichen Herrn um seineu Segen schicklich bitten kannst, wenn es auch außer der Kirche ist, so versäume eS ja nicht, den Segen auf een Knieen zu empfangen und dich der Liebe und dem Vertrauen auf unsern lieben freundlichen Herrn Jesum, der unser Valer, unser Bruder, uuscr Alles ist, recht huzlich d.-.bci hinzu>;tbcu Ja, ein Segen ?on Priesterhaud ist auch viel mehr werth, als das liebste Geschenk; denn er kommt von Jesu Christo, dessen Gaben besser sind, als alleö Gold der Erde. Wenn du in die Sicwt oder sonst einen weitem Weg in Geschäften gehest, so schleiche immer vorher in die Capelle und bezeichne dich mir Weihwasser und beuge dich vor dem Altar uud mache daS Kreuz nnd denke: O du mein lieber Schutzengel, bewahre mich auf diesem Weg vor allem Uebel an Leib und Seele, mache, daß ich nichts BöseS sehe, und daß auch gar kciu unrechter Gedanke in mich kommt. Und sollte dir doch etwaö Unrechtes oder eine Sünde von andern Leuten vorkommen, so mache heimlich ein Kreuz aus die Brust und spreche: Herr JesuS, unter dein heiliges Kre»>, lasse nichts BöseS kommen. Für deinen Vater, der weil in ein fremdes Land gereist ist, bete zu Gott täglich von ganzem Herzen, 37 vaß er ihn auf guten Wegen führe, ihn in Frömmigkeit und der rechten Andacht erhallen und cinstcnS glückii^cr zu seinen Kindern zurückführen möge, als er sie verlassen hat. Und dabei nimm dir immer recht von Herzen vor, täglich besser zu werden, daß du auch ihm rechte Freude machen könnest, wenn er dich einmal wieder sieht. Für deine gute Mittler bete auch reckt von Herzen, daß der liebe JcsnS sie in ihren Betrübnissen trösten möge und sie recht viele Freude an idren Kindern erleben lasse. Für vcine Geschwister bete auch recht hcrzlich, daß sie recht gut und fromm werden, vas ist mehr, als alle Güter der Erve. Besonders bete für deinen lieben Bruder A, *) in M., daß Gott ihm zn seinem Studium seinen hei igen Geist reichlich senden möge, Damit er einmal ein recht frommer Priester Jesu wir» und dir einen recht kräftigen Segen geben kann. Ach, liebeö Kmd, mit welcher Lust wirst du bete», wenn du ihn einmal die heilige Messe lesen hörst! Wenn dn für die liebe N. N. Familie betest, so sage: O mein lieber Herr Jesus! Gib dem lieben Vattr Gesundheit und Freude und Trost in seinen vielen Geschäften unv gib der lieben Mutter Stärke und Ruhe und Vertrauen auf dich allein in allen ihren vielen Sorgen und gib allen den Kindern Segen, Liebe zn dir und allen Menschen; lieber Herr JesuS, schütze dieses HauS, weil hier die Ärmen anch geschützt werben. Unv dann, mein liebes Kind, ritte ich »ich, auch zuletzt für mich zu beten, dann sage: Liebster JesuS, ich bitte dich von Herzen für meinen guten Fr>und und auch für diejenige fromme Person, welche ihn zu dir, mein lieber JesuS, geführt h>rt. Herr, gib ihnen deinen Segen. Sieh, m>in Kind, das kannst du abwechselnd thun, bald für diesen, bald für jenen, bald für alle miteinander beten, aber thue eS immer mit Liebe und Glauben, daß Gott alle deine Gedanken sieht und deine Worte hört, unv daß er dein Beten an jedem Menschen segnen wirv, weil er ruchtS als Güte und Liebe ist. Nun noch zuletzt sage ich dir auch, daß ich dich Gott recht oft von ganzem Herzen empfehlen will, und daß cö mich sehr freur, wenn dieser Brief dir Vergnügen macht. Lebe wohl unv liebe Jesum und alte Menschen in ihm. — Düimen, den 1. December 1318. Dein guter Freund Clemens Brentano. Rom. Rom. Belannttt'ch hat der heiü'ge Vater vor z'!'ci Jahren eine besondere Commission ernannt, um die dogmalischen Beweise für die imrrmculitta ccmcerttio der Mutter Gottes zu prüfen, unv insb«sondcre zu untersuchen, in wie fern in den heilige» Schriften, der Tradition der Kirche und dem der erhabenen Gottesmutter in dieser Nückslch! bewiesenen Cultus sichere und über jeden Zweifel erhabene Stützpuncte gefunden werden, um diese Frage ex cittneelr-r «nisckcidcn ju können. Diese Prüsnngs- Commission ist ans den angesehensten römischen Theologen zusammengesetzt: Pater Pervnnc und P. Passaglia anö der Gesellschaft Jesu, P. Spada auö dem Dominicaucroidcn, P, Touini, Coiwcittuale, Msgr. L»ca Pacisici, Sccretär Sr. Hcili kett für die Brevcn an dir Fürsten, und P. Thein er a»S dem Orden deS heiligen Phil ppus Neri, unter dem Präsidium Sr. Eminenz deS CaidinalS Raphacl Fornari, Prafeclen der Eongregettion der Studien, Als Beispiel von der mufassen- den Thätigkeit dieser Commission möge Folgendes dienen: AIS man in Urfahrung gebracht, vaß in der Bibliothek von San Lazaro bei Venedig noch alle Handschriften armemschcr Väur, worin die betreffende F>age berührt weide, sich vorfänden, wurve sogleich P. Antonio Ballerini, Professor der Kircheiigeschichte im römischen Colle- gium, beauftragt, sich nach Venedig zn begeben und an Ort und Stelle diese alten Manustriple i>u Original zu untersuche». Die Commissi,n hat ihre Arbeiten so weit vollendet, daß sie i» b>n ersten Tagn» des Decembers dem heiligen Vater ihr Gutachten über die ihr r Prüfung »nlerbitilclc F age i» einer 200 Selten umfassenden und von P. Passaglia auSgcarbcilelen Denkschrift übergeben kvimle. *) Dieser ist jetzt Bischof. 38 Wien. Wien, 7. Jan. Wir haben gerade tüchtiges Thauwetter und eS scheint doch auch, als wollte eS ausihanen in der geistlos indifferenten Welt unserer Hauptstadt, denn man will in den Predigten der beid u PP. Kli'ukowström Leute gesehen haben, die sonst nicht oder böckst scl cn in der Kirche zu sehen sind, selbst Redacteure, wir wollen glautcn, nicht bloß um deS NniigkeitSblatteS willen. A"er so wie daS Thau« weiter um die jetzig? JahreSn Bekehrung und nicht b'oß znr oberflächlichen Ersüllnng der österliche,! Pflicht. Z dem sind auch dann die Beichtväter da und bereit die Beichte zu hören; denn das bleibt für Wien ein geheimes Unglück, daß ungeachtet vieler Predigten wenig gebeichtet wird, wenige zum Tische deS Herrn gehen, billiger Weise muß man ciugestehcn, daß eine M tnrsache dieses U belS in dem Mangel an Priestern, speciell an Klöstern liegt. Wollte in Wien jeder katholische Christ in seiner Pflicht und über die Pflicht hinaus nur ein wenig mehr aus Liebcöciicr im Empfange der heiligen Sacramcnle ihäiig sey», so genügte die Zahl und Kraf/ der Priester nicht bei den vielftiligen Anfortcrungn, die die Seelsor,!,e einer Hauptstadt an sie stellt. Nmende auS kleinere» Stadien I'cnischlanrS bat eS oft schon befremdet, daß in Wien nicht in jeder Pfarrkirche alle Nachmittage Beichte gesessen wird. Sie würden sich nicht mehr wundern, wenn sie wüßten, d.'ß der Psarrer als Kanzleimann der Seel- sor^e gänzlich einzigen wird, die Capläne aber mit Schule, Tauf- und Versehgäugen bis sp.iicn Äbeud sich müde arbeiten. So har denn auch hierin der Josephi'niömns durch Anfhebung der Klöster für daS sittliche Leben der Hauptstadt sehr stiefvätcrlich gesorgt, deuu die Katholiken, denen die G>l>gcnheit znr Beichte benommen ward, wurden endlich gleichgiltig gegen die S^cramenie, und gewölbten sich nach und »ach, durch die ncne Zeit illiümnirt, an die Moralpredigt ohne Beicht, d. i. an den Protestantismus, auS dem dau» der platte JudiffereniiSmuS hervwrwuchS mit seinem Grundsätze der Allcrweltöehrlichkeit. Die Ncv.'luiion von srmo >8ä8 hat endlich dem JosephinismuS die Krone ausgesetzt, indem sie nov von den wenigen Klöstern einige aufhob und die Beichtväter auS ihnen verjagte; war der Hirt geschlagen, so werden sich die Schale der Hecrde zerstreuen, ein Polk ohne Beichte ist bann unser, war aanz richtig von ihr kalknlirt. Soll demnach daS vierte Kircheugebot für alle Katholiken wieder erfüllbar seyn, soll wirklich der Empfang der heilig.» Sacramcute der Buße uud deS Altarcö bei uns wieder heimisch, und Wien dadurch sittlich wiedergebo-en w>rdeu: so möge unö die göitl'che Bori'hnng recht bald die vertriebnien Orden wicdcr geben, die den Arm des Priesters in der Pfarrscelsorge unterstützen und daS Werk der allseitigen Bekehrung ermöglichen. (Salzb. Kirchenbl.) 39 Bierundsechzig Lehrsprüche auö dem Munde deS heil. PhilippuS Nert. 4. Er sah es lieber, wenn die Priester die heilige Messe elwaS rasch als zu langsam lasen, b.ibei jedoch so viel Zelt gebrauchten, als die Würde einer solchen Handlung erheischt. Wenn er daher bei der heiligen Messe eine Abströmende Fülle der Andacht verspürte, so pflegte cr sie ermahnend zn sagen: „nicht hier wünschte ich dich, sondern in der Zelle," damir andeutend, daß man allerdings die heilige Messe mir Inbrunst feiern müsse, aber nicht bis znm Ueberdruß der Beiwohnenden, nachher könne man auf seinem Zimmer der Andacht freien Lauf lassen. 5. Sein Vertrauen, Gott werde seine OrdtiiSgesellschast erhalten, war so fest, daß er, wen,» auch alle sie hätten verlassen wollen, sich nicht im Geringsten würde geängstigt haben; sein Wahlipruch war: „Gort bedars der M.nschen mchl", und wenn Jemand auslral, so pflegte er zu sagen: „Gott ist mächtig, auS diesen Slcinen Kinder Abrahams zu erwecken." 6 Er leitete die Versammlung mit der größten Umsicht und K ngheit, so, daß er alle im heiligen Friede» und in der Eintracht erhielt. Es kann sich Niemand denken, pflegre er zn sagen, ivie schwer es sey, freie Wesen mir einander in Einigkeit zn erhalle» und dieß kann man nicht leicht durch ein anderes Mittel erreichen, als dadurch, daß man sich gütig erweist und sparsam im Befehlen; deshalb fügte er auch hinzu: Wer will, daß man ihm viel gehorche, der muß wenig befehlen. 7. Den, Ungehorsam war er so sehr feind, daß cr diejenigen, welche in irgend einem Siiicke e ne bedenrenr-e Widerspenstigkeit gezeigt, so orl auS dem Orden enifernt wissen wollte, wenn sie nicht schon selbst ihre Enliassnng bcgehne». Es stchr bei mir fe>r, sagre er, keine Menschen zu dulden, die jene kleinen Vorschriften, die ihnen gegeben woiden, nicht beobachten. 8. Damit sie desto mehr sich selbst und ihren Eigenwillen überwänden, bestand er, sobald er an ihnen ein Widerstrebe» remerkte oder eine Sucht sich zu en schnldigen, nur um so fester auf seinen Befehlen; ja cr verwies sic zu widerHollen Malen in einer nach ihrer Ansicht uiigelegene» Zeit und Stunde an die Geschäfte; und vaS alles thar der heilige Mann, weil ihm s^ sehr daran lag, daß seine geistlichen Söhne ihre Vernunft ablotete« und eimn demüthigen Geist hätten, damir sie nicht, wie er sagre, eine hehe Meinung von sich selbst hegien. 9. Ferner hieli er das für einen wesentlichen Punct in der L.itung eines Ordens, daß die Einlünfie mir großer Spmamkeir verausgabt würden, indem er sie, wie sie eS denn auch sind, Girier der Armen und Erbe Ehristi nanirre — und hierin war er so behutsam, daß cr dem Orden keine Kosten g-starere, die nicht mehr als nolhweudig warcn. — Bei dieser Gelcgenheir sühne er a», was Johannes CasfiannS von jenem Koch schreibt, der von seinen Vorgesehen scharf geradelt ward, w-.il er drei Zinsen verschleudert; und von dem heiligen Anronius, Erzdischof von Florenz, der bei der Kirchenlampe stuvirtc, um nichr, wie er sagle, das Vermögen der Armen zu vermindern. Und wenn ihm Jemand bcmcrtie, diese viengstlichkeil sey übcrlricden, so erwiderte cr: „Nehmet mir jenes Bedenken, daß eS Kirchen^ul sey, und dann lhut was ihr wollt." 10. Die Tugend deS Gehorsams lebrte PhilippuS durch Wort und Beispiel; so ließ er nie auch den lciiesten Wink seiner Oo.rn in Angelegenh-iren deS OivenS unberücksichligr, und war in dem, was täglich im Or»en besorgt werden mußie. mochte eS nun den öffenrlichen oder besondern Tiefst belrefscn, immer und überall am püncl- lichsten, und zwar in dem Grade, daß er, um Geschäfte willen ans Thor oder zum Messelcsen in die Sacristei, oder zum Beichihören in der Kirche gerufen, AUcS liegen ließ und augenblicklich gehoretue; für Alle und jeden Einzelne» kam er zu jeder Zeit, nicht mehr als einmal gerufeu, indem cr sag e: „besser sey eS, jenem Kültcr oder Thürhüter, v,n dem man gerufen werde, zu gehorchen, als in seiner Zelle »ri ren im Gebue zu verharren." Wenn ihm Jemand bemertte, man müsse doch dem Priester, 40 der die heilige Messe feiern wolle, wenigstens einige Zeit zur Vorbereitung gestatten, so erwiderte er: Vorbereitung sey freilich »ölhig, aber die wahre Vorbereitung eines guten Priesters sey, so zu leben, daß er zu jeder Stunde (waö das Gewissen anbelangt) Messe lesen und coininuniclrm könne. 11. In Bezug auf diese Tugend gab er noch viele andere Lehren, daß die« jenigcu neun,ich, welche aufrichtig wünschen, ans dem guten Wege Fortschritte zu machen, sich in Ällem in die H5»de ihrer Vorgesetzten übergeben; jene aber, die nicht unter dem Gehorsam lebten, sich aus freien Etücken einem gclehnen und klugen Beichtvater, dem sie als dem StellveUrct.r Goitcö selbst gehorchten, unterwerfen sollten, ihm alle ihre Anliegen, die sich irgendwie auf das Seelenheil beziehen oder beziehen könnten, ganz freiwillig und aufrichtig offenbarend; auch dürften sie nicht das Geringste ohne seinen vorher eingeholten Rath beschließen; wer ans diese Weise handle, fügte er hinzu, könne sicher seyn, daß er nichts thue, wovon er Gott selbst Rechenschaft ablegen müsse. 12. Deßwegen crinahnle er, nie ohne Ucberlegnng und Gebet zur Wahl eiueö Beichtvaters zu schreiten; den einmal gewählten aber solle man nur aus den dringend- sten Gründen verändern; denn der Teufel, so pflegte er zn sagen, strebt, wenn er nicht in schwere Sünden stürzen l^nn, auS allen Krägen dahin, Mißtrauen zwischen d.rs Beichtkind und den Beichtvater anzusäen, weil er auf diese Weise ailmälig und nnvermerll zum erwünschten Ziele gelaugt. 13. Ferner sagte er, der Gehor,am sey ein kurzer Weg, die Vollkommenheit so schnell als möglich zn erreichen, und schätzte den, der unter dem Gehorsam lebte, weit höher, als Jemanden, der ein gewöhnliches Leben sührte und auS freien Stücken eine (wenn anch ausgezeichnete) Buße übte; der Gehorsam endlich sey ein wahres Brandopfcr, d,,S wir Gott aus dem Altare uusereö Heizens darbringen. 14. Er fügte noch hinzn. der Meusch müsse sich Gewalt anihnn, daß er auch in kleinen Dingen, die von keinem Werthe zn seyn schienen, gehors.un sey; denn dadurch wcne ihm der Gehorsam in größcrn leichter. 15. Den Seinigen im O>dcn bemerkte er, daß sie Alles, sogar das Gebet für die gemeinsamen Uebungen verlassen müßten. G ö r z. Görz im Jänner. Der hochwürdigste Fnrsterzbischof Franz Xaver hat in einem Hirtcusel reiben vom 4. v. M. anläßlich deö im vorigen Jahre im Lande eingetretenen MißwachseS, der ein Noihjahr befürchten läßt, Woite des Trostes, der Ermahnung und Anregung an die Gläubigen gerichtet. Um von Gott die Al'wendnng der Rebeu- krankhei' und anderer die Felcsrückte seit einiger Zeit stark verwüstender Uebel zu erflehen, hat der hochwürdigste Obeihirt eine desondcre Andacht angeordnet, welche in einem angemessenen Gebete bei der heiligen Messe, uud in der Verrichtung eines laglichen Getcles mit dem Volke bestehen wird, ^iese Andacht wirf beim eisten Anbrechen des Frühlings beginnen und bis znr Vollendung der Ernte fortgesetzt werden, (Salzb. Kirchenbl.) Salzburg Salzburg, 16. Jan. Gestern, als am Feste des heiligsten Namen Jesu, feierte der hiesige kaiholische Gcselleuverein gemeinschasllich die heilige Commuuion. Dabei wurde von dem Festredner mit besonderem Nachdrucke hervorgehoben, daß der Verein nur auf Grundlage der innigen Lebensgemeinschaft mit EhristuS dauernden Bestand haben könne. Verantwortlicher Redacteur: L, Schöuchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger PoKMnng. 'Iiot^ iüliktst NIIZ^ chl , z'!>i'i!^ , nr^f fizchslio^'.! 5. Februar- M- « 1854. Dieses Blatt erscheint cegelmäHig all^ ^o-rntage. Der hnwjährlge Abmmement-dreta lr., wvs»r e« durch «lle k5nigl. t'aher. Poftänlt?r und M,' Unchhaudluvs,?n l'szoffkn werd«« kmin Einfluß der Lectüre der heiligen Väter auf die Converfion des Dr. Newmann. „Seit meiner zartesten Kindheit," sagt der P. Newmann in einer seiner Konferenzen, „richtete die Lectüre der Kirchengeschichte von Milner all meine Gedanken auf die ersten Jahrhunderte der Kirche, und insbesondere auf die Väter dieser Zeit. Nie werde ich vergessen, und nie werde ich ihn meinein Gedächtniß entfliehen lassen, den riefen und angenehmen Eindruck, welchen die Brüder von St. AmbrvsiuS und St. Augustmus, wie dieser Schriftsteller sie mir zeichnete, auf meinen Geist machten. Der Hinblick auf diese Väter war seitdem für meine Einbildungskraft, ich muß eS gestchen, ein wahres Paradies, ein Ort der Wonne, nach welchem meine Gedanken sich allemal hiuverschten, wenn meine Beschäftigung dieses zuließ. Als ich ansing, ihre Werke mit Aufmerksamkeit und Methode zu studiren, da suchte ich sie zu anali- siren und ihre Lehren und Principien zusammenznstell-n. Nachdem ich sie so mit Sorgfalt studirt und bis ins Kleinste hinein klar gelegt hatte, und meine Arbeit nochmals überblickte, nahm ich wahr, daß ich nichts gelhan, daß ich durch diese Mühen sehr wenig gelernt hatte, und daß diese Väter, welche ich gelesen und die der Periode vor dem Concil von Nicäa angehorten, wenig von der Glaubenslehre enthielten. Ich urtheilte nach dem, wnS ich davon gelesen halte. Zu jeuer Zeit begriff ich die Ursache dieses Resultates noch nicht; später aber erschien sie mir in ihrer ganzen Klarheit. Ich hatte diese Väter mit den Ideen eines Protestanten gelesen; sie anali- sirt und zusammengestellt nach den EintheilungS-Principien, welche bei den Protestanten in Praxis sind; ich hatte in ihren Schriften protestantische Lehren und Gebräuche gesucht. Meine Rubriken waren: „Rechlfertigung durch den Glauben allein," „Heiligung," nnd andere dergleichen. WaS ich in den Vätern suchen sollte, wußte ich nicht; ich suchte das, was nicht darin war und profitirte nicht von dem, was sie enthielten; tappend irrte ich in der Dunkelheit umher und saud nichts. Indessen muß ich doch eine Sache von der größten Wichtigkeit bemerken: Durch diese Lectüre bekam ich einen sehr klaren Begriff von der göttlichen Einsetzung dcS Episkopats und dessen Atlributen, wodurch meine protestantischen Grundsätze sehr erschüttert wurden. Nach einigen Jahren mußte ich mich mit der Geschichte des Ariauismus beschäftigen, und begann ich das Studium der Vä-er aufö Neue. Ich laS sie mit der Defensiv von Bull, die mir als Schlüssel diente, in so fern als diese Schrift solches seyn konnte; aber ich erinnere mich nicht, daß ich zu dieser Zeit einen andern Gebrauch von den Vätern, bezüglich der Doctrin, gemacht habe. Ich hatte sie fast zu dem einzigen Zwecke studirt, nm die Controverse in Betreff der Person Jesu Christi kennen zu lernen; in einem Zeitraum von einigen Jahren widmete ich zwei Sommer der Prüfung dieser Controverse. Endlich fing ich an, die 42 Väter ohne Beihilfe eines Schriftstellers zu lesen, da kein anglikanischer Autor die Fragen, womit ich mich beschäftigte, auf eine so genaue und detaillirte Weise behandelt hatte. Als ick die Väter zum ersten Mal zur Hand nahm, las ich sie als Protestant, das zweite Mal ungefähr wie ein Anglikaner. jedoch halten meine frühern Theorien und Systeme durch diese Lesungen eine katholische Färbung erhalten. In dem ersten der genannten Sommer beschränkte ich mich bei meinen Studien nur auf die Glaubenslehre, ich schloß die Geschichte ganz auS, und so blieb ich in Bezug auf die Frage von der katholischen Kirche fast auf demselben Puncte, wo ich beim Beginn stand; im zweiten Sommer aber machte ich die Controverse der Monophysiten, so wie die Vorfälle und Arbeiten des Concils von Chalcedon im fünften Jahrhundert zum Gegenstand meiner Studien. In Folge dessen bemerkte ich, daß mein Glaube an die Solidität der Fundamentalgrundsätze des AnglikaniSmus ganz verschwunden, und an dessen Stelle ein Zweifel getreten war, der mich nie wieder verließ. Ich glaubte in der genannten Controverse, und in dem damit in Verbindung stehenden allgemeinen Concil eine klare Darstellung des gegenwärngen Zustandes des Christenthums zn sehen, und eine Erklärung der verschiedenen Parteien und Persönlichkeiten, welche zur Zeit der Reformation sowohl auf Seite der Katholiken wie der Protestanten figurirren. Während des Herbstes desselben Jcchreö las ich eine Schrift bezüglich des Schismas der Donatisten, welche meinem Geiste den durch die Geschichte der Monovhysiten empfangenen Eindruck tiefer einprägte; ich wurde ergriffen und geblendet von dem neuen Gesichtspuncle, unter welchem diese Thatsachen sich mir darstellten. Da ich meinem Urtheile nicht zu trauen wagte, so beschloß ich, um tie Frage noch besser zu ergründen, meinen Geist einige Zeit davon abzulenken, und ich kam erst wieder daraus zurück, als ich beabsichtigte, die Abhandlung des heiligen Athanasiuö über die Glaubenslehre zu übersetzen. Die arianische Controverse und das Concil von Nicäa nahm bei dieser Arbeit meine Aufmerksamkeit in Anspruch; klar stellte sich in dieser Geschichte meinem Geiste das dar, was ich anfangs nicht darin gesehen Halle, nämlich: dieselbe Erscheinung, welche ich schon in der Geschichte des heiligen Leo und der Monovhysiten wahrgenommen hatte. Wenn seit dieser Zeit mein Fortschreiten im Glanben an die katholische Kirche einige Unterbrechung erlitt, so geschah dieß nicht deßhalb, daß ich. irgendwie Vertrauen zum » Anglikauismus und seinen Glaubenslehren gehabt hätte, sondern Einwürfe eigenthümlicher Art, die zu widerlegen sich mir kein Mittel darbot, beschäftigten meinen Geist, und fürchtete ich, daß ich meine Illusion umgarnt hätte, da die Ansichten so vieler anderer Personen von den meinigen ganz verschieden waren." (Rhein. Krchbl.) Parallele»! in Baden. Bereits suchr die badische Regierung im Gefühle der Unbehaglichst nach NechlSgründcn, um ihre Gewaltstreiche gegen die katholische Kirche dadurch scheinbar zn rechtfertigen. Da es aber zwischen Recht und Unrecht, zwischen Sittlichkeit und unsittlichem Gebahren kein Mittelding gibt, so kann obiger Zweck nur dadurch theilweise erreicht werden, wenn man der urtheilölosen Menge durch Entstellung des thatsächlichen Sachverhaltes, und Verdrehung allgemein giltiger Rcchtsgrundsätze Sand in die Augen zu streuen sucht. So hat jüngst ein gewappneter Kämpfer im Solde der badischen Bureaukratie den Erzbischof von Freiburg durch die Zusammenstellung desselben mit den Koryphäen der deutschen Revolution in den Augen der Welt moralisch todtzuschlagen versucht. Wir wollen uns mm einen kurze» Vergleich zwischen der Handlungsweise des ErzbischofeS und seiner Verfolger erlauben, und dann ihr beiderseitiges Verhalten mit den Tendenzen der Umsturzpartei zusammenhalten, um daraus zu sehen, wer denn eigentlich unter die hohen Protektoren der Freischärlerei gezählt werden müsse. Woraus ging denn eigentlich das Streben Kossuth'S, Mazzini's, Brentano'S, Hecker'ö, Struve'S, Ronge's -c. ic. hinaus? Sie haben das historische 43 Recht ihrer Regierungen in Frage gestellt, die politische und sociale Verfassung ihres Landes aus eine ihren demokratischen Ideen entsprechende Weise umzumodeln tentirt. Hat nun auch der Freiburger Erzbischof dergleichen in seinem Vaterlande versucht? Mit Nichten! Er hat sich vielmehr bei allen seinen Protesten stets nur auf die Grundsätze der anerkannten badischen Verfassung berufen, und die durch dieselben garaiuirten, aber lange vorenthaltenen geistlichen Rechte der Kirche reklamirt. Einzig durch die Macht des gesetzmäßigen Protestes, durch passiven Widerstand und durch die Waffen deS GebeteS und der Bekennertreue suchte er zu seinem Ziele zu gelange». Was haben dagegen seine Dränger gethan? Sie haben durch ihre kirchcuvcrknechtenden Maaßregeln die tausendjährige Ordnung in der Verfassung der gesetzlich anerkannten katholischen Kirche mit roher Willkür umzustürzen gesucht, und zu dem Ende auch die Verfassung des eigenen Landes, und die allgemein giltigen Bestimmungen deS Vertragsrechtes grundsätzlich verl-tzt. Und als ihre Kanzlciherrlichkcit bei der Einführung und Fortführung deS poliiischen Kirchenregiments auf die bekannten Hinter- nisse stieß, und die omnipotenten Allesregierer daS svtliche VerdammungSnrtheil der Kirche und der gebildeten Welt vernahmen, gaben sie da der Stimme des Gewissens und Rechtes Gehör? Im Gegentheile! Gleich einer wohlgeschulten Freischärlerrolte suchten auch sie ihr Recht mit der Faust zu beweisen. Welch ein herrliches Beispiel sür die umsturzsüchtigen Massen! WaS will man den politischen Freibeuter» aniworten, wen» sie eines Morgens den von Gottes Gnade» Regierenden, zur Rechtferliguug ihrer Umsturzgelüste mit den gleichen Rechtö titeln entgegentreten?— Anch durch die Presse habeu die Führer der Umsturzpartei' daS Rechtsbewußtseyn im Volke irregeleitet und gelobtet; daS Ansehen der Obrigkeiten immer tiefer untergraben; die con- scrvcuiven Elemente der Gesellschaft mit List und Gewalt unterdrück!; und daS öffentliche Vertrauen erschüttert. Wann hat nnn der beleidigte Piiestergreiö sich je so etwas zu Schulden kommen lassen? Wo ist er je dem Ansehen seines Landesfürsten in seinen öffentlichen Erlassen nahe getreten? Hat er nicht in seinem herrlichen Hirtenbriefe ausdrücklich seine Achtung vor dem Ansehen seines LandeSsürsten ausgedrückt, und daS Volk zum Gehorsam gegen die Obrigkeit in allen bürgerlichen Angelegenheiten aufgefordert, und demselben selbst nach auSgebrocheuem Conflicte ein rnhigeS Verhalten zur Gewissenspflicht gemacht? Wie haben dagegen die hochtrabenden Kanzleiherren gehandelt? Sie haben die kirchlichgesiante Presse unterdrückt, daS freie Wort zum Sclaven der Bureaukratie erniedrigt, den Bischof und seinen pflichttreuen KleruS gelästert, die eidestreuen Priester wie gemeine Verbrecher behandelt, und vor dem Volke zu brandmarken versucht. Wer steht da auf Seite der Umsturzpartei, der Erzbischof oder daS Ministerium? Wie sollte daS Volk den geweihten Dienern der Kirche Zutrauen schenken, und von Ihnen um Gotteswillen der Obrigkeit gehorchen lernen, wenn eS dieselben von seinen Hänptern gerade um der Uebung dieses pflichtmäßigen Gehorsams willen wie gemeine Verbrecher behandelt sieht? Wodurch haben die Männer des Umsturzes die poetisch - sociale Krise der jüngsten Vergangenheit noch herbeigeführt? Sie haben dem Volke die Achtung vor der Heiligkeit deS EideS benommen, und dadurch den Verrath des KrieqerstandeS, der auö dem Volke größten- lheilS sich erneuert, am Fürsten und am Vaterlande vorbereitet. Hat nun etwa auch der edle Streiter für Gottes Sache sich je durch Verbreitung meineidiger Grundsätze oder durch politischen Treubruch an der Heiligkeit seines geleisteten EideS versündigt? Im Gegentheil! Er hat mit seinem standhaften KleruS den Sturm der Revolution muthig ausgehaltc», und nicht bloß selbst seinem Landesfürsten den Eid der Treue gehalten, sondern auch die Unterthanen selbst in der am meisten kritischen Lage zum pflichtmäßigen Gehorsam aufgefordert. Und gerade darum, weil er die Heiligkeit deS Eides in jedweden Verhältnissen gewahrt wissen wollte, brach ja die jüngste Verfolgung auf sein greises Haupt herein. Betrachten wir dagegen die Handlungsweise der badischen Bureaukratie in der Stunde der Prüfung. Ei» großer Theil jener Helden, welche jetzt gegen di'e eidestreuen Priester wüthen, hat in der Stunde der Gefahr seinen Amtöeid gebrochen. Und eine sich christlich nennende Regierung läßt einen über- 44 eifrigen StaatSauwalt in öffentlicher Gerichtssitzung die gröbsten Lästerungen gegen die Verbindlichkeit deS priesterliche» EideS aussprechen, ohne ihm rechtzeitig den unreinen Muud zu stopfen. Welche Zukunft steht aber den Fackelträgern der badensischen Aufklärung bevor, wenn daS so aufgelichtete und geschulte Volk anfängt, die Cousequen- zen auS den Grundsätzen zn ziehen, welche seine politischen Fuhrer über die Verbindlichkeit eines amtlich geleisteten Eides ohne Scheu kundgeben? Mit welchem Rechte kann die badische Regierung bei solchem Treiben noch gegen einen Meineidigen gerichtlich einschrutcn? Endlich haben die VolkSbeglücker, wo sie reussirtcn, die Justiz zur Unterdrückung der konservativen Elemente im Staate mißbraucht. Kann man einen solchen Mißbrauch der kirchlichen Gerichtsbarkeit auch dem Freiburger Bekennn zur Last lege»? Hat er etwa persönliche oder politische Feinde ero.mimunicirt, und nicht vielmehr verstockte Frevler an der Kirchenverfässung? Wie hat dagegen die badischc Bureaukratie die Wagschaalc der Themis gchandhcibt? Sie hat die radicaleu Wichte laufe» lassen, und richtet nun die Spitze des ihr von Gott anvertraute» Schwertes mit größter Willkür gegen treue Staatsbürger. Wo soll da das Volk i» seinem Rechtsgefühle gekräftigt werden, oder Vertrauen in eine Rechtspflege setzen, in welcher Laune uud Willkür die bestimmten Factoren sind? Es frägt sich nun, wer nach dem Gesagten den Wölfen in Menschengestalt, deren Geheul erst kurze Zeit verstummt ist, an die Seite gestellt zu werden verdiene, der kindlich fromme, aber thatkräftige Hohepriester, oder seine despotischen Verfolger. Die Antwort hat daS civili- sirte Europa mit Eclat einhellig ausgesprochen, wobei der Umstand nicht ohne Bedeutung ist, daß das badische Ministerium nur die rothe» Journale auf seiner Seite hat, während die konservativen Tagesblätter aller Konfessionen dem Muthe, den der" greise Erzbischof bei der Wahrung kirchlicher Rechte entwickelte, ihre volle Anerkennung zollen. Das sittliche Nechlsgefühl hat hierin ein nnzweifelhastes Urtheil gesprochen. Nur wäre zn wünschen, daß eine von den Großmächten deS katholischen'Denlschlands, welche bei den Vundeöangelegenheiten ein entscheidendes Wort zu sprechen haben, endlich den übermüthigen Federhelden im Badenserlande das konsularische Ouousczuo tsaclem? mit der gehörigen Energie zurufen möchte, um ihrem unmoralischen uud entsittlichenden Treiben noch rechtzeitig ein Ende zu machen. (W. K.-Z.) Eine lehrreiche Geschichte aus dem fünften Decennium des neunzehnten Jahrhunderts. Die seit drei Monaten schwebende Rechtssache betreffs der beabsichtigten Con- Version des fünfzehnjährigen Prinzen Carl zu Jscnburg-Virsteiu-Vüdingen ist nun vom Oberappellationsgerichte zu Cassel entschieden worden, in einer Weise, wie sie vorauszusehen war. Die Sache verhält sich so: Prinz Carl, der Sohn des vor zehn Jahren verstorbenen Prinzen Victor Alexander zn Jseuburg-Birfteiu-Büdingen, steht unter der Vormundschaft seiner Mutter, einer gebornen Prinzessin zu Löwenstcin-Wertheim-Rosen- berg, und seines Vatersbruders, des Fürsten zu Jsenburg-Birsteiu-Büdiugen, Chef deS Jsenburgischcn HauseS und klnderlos. In dem Ehevertrage des verstorbenen Prinzen war bestimmt worden, daß die Prinzen in der Confessuni deS Vaters, der reformirten nämlich, und die Prinzessinnen in dem katholischen Glauben, welchen die Mutler bekennt, erzogen werden sollten. Wirklich erhielt der Prinz bis nach vollendetem vierzehnten Lebensjahre von reformirten Theologen, deren Wahl allzeit mit Zustimmung des Onkels und Mitvormunds getroffen worden, den Religionsunterricht; er wurde während dieser Zeit weder durch die Mutter selbst, noch mit ihrem Wissen von sonst Jemand in der katholischen Kirchenlehre unterwiesen, wenn man nicht das Beispiel dieser uud der Prinzessinnen sür einen Religionsunterricht gelten lassen will. Nun aber erklärte der Prinz, nicht ferner resormir'cn Religionsunterricht nehmen, sondern im katholischen Glauben unterwiesen werden zu wollen. Die kurhessische Ge- 45 letzgebnng, welche (Verordnung vom 13. April 1853 § 4) die väterliche Bestimmung über die konfessionelle Erziehung ver Kinder nur bis zu dem vierzehnten Lebensjahre maßgebend seyn läßt, berechtigte ihn zu diesem Verlangen. Die Prinzessin Mutter, welche in der letzten Zcit mit ihren Kindern auf ihrem WiMvcnsitze zu Offenbach wohnte, benachrichtigte hievou den Oheim und Mitvormund, worauf dieser die Einschreituug des Obergerichtes zu Fulda als obervormundschaftliche Behörde veranlaßte, Darauf hin entzog daS Obergericht der Mutter das ihr gesetzlich und ehevcr- tragsgemaß zustehende Erzichuugsrccht, und «ab derselben aus, binnen acht Tagen bei 100 Thalern Strafe den Prinzen an den Oheim auszuliefern. Dieselbe reichte alsbald Beschwerde gegen diese Verfügung beim Oberappellaiiousgericht ein. Ihrer Beschwerde wurde indessen die SuSvensivkraft versagt und die Strafandrohung ans 500, dann 1000, zuletzt auf 1500 Thaler gesteigert. Unter solchen Umständen konnte die böhere Emfchcidung nicht abgewartet werden, und die Mutter ließ, nach Znrathe- ziehuug der geistlichen Obrigkeit, ihren Sohn dem Fürsten provisorisch zuführen. Dem Prinzen wurde (wie die „D. Vh/' berichtet) auf obervormundschaftliche Anordnuug in seinem neuen Wohnorte der Besuch des katholischen Gottesdienstes untersagt, und zwar unter der von seinem Onkel und Vormund, dem Fürsten, ausgesprochenen Drohung, daß er ihn mit Gewalt daran hindern und, wie der erste Beamte des Fürsten hinzufügte, mit Geusvarmen aus der Kirche holen lassen werde. Er war daher schon zwei Monate nicht in der Kirche gewesen, nachdem er einigemal vergeblich versucht halte, seine Forderung durchzusetzen. Am heiligen Christabend nun benutzte er einen unbewachten Augenblick, auö dem Schlosse zu entweichen, indem er die schriftliche Erklärung zurückließ, daß er am Tage dir Geburt unseres Herrn dem heiligen Meßopfer beiwohnen wolle. Er begab sich in der Nacht nach Offenbach zu Mutler uud Schwestern. Ich frage, ob. irgend ein Mensch, dcr auch nur entfernt nachzncmpfindeu versteht, was unter diesen Verhältnissen in der Seele eines lebhaften uud gemüthvolleu Jünglings vorgehen mußte, ihm daraus einen Vorwurf machen kann? Er ist von Mutter und 'Schwestern um seines religiösen Glaubens willen gewaltsam gelrennt, er ist zwei Monate hindurch ohne jede kirchliche Hilfe geblieben, nicht einmal ist ihm vergönnt gewesen, den heiligen Segen zu empfangen oder in der Gegenwart d?S' allerhciligsten SacramenteS zu beteu Der heilige Christtag kommt heran, der Tag, wo in allen Gotteshäusern der ganzen katholischen Welt die Geburt deS Heilands mit helliger Andacht gefeiert wird; er hat die feste Ueberzeiigung, daß, wenn Recht und Gesetz gälte», er mit Mutter uud Schwestern gemeinsam diesen Tag znr Ehre Gottcö verleben würde. Was soll er jetzt thun? Soll er den lieben Gott oder soll er die provisorische Verfügung des OvergerichteS zu Fulda höher respectiren? Daß die ob>r>'orm!!ndschaftliche Behörde zu Fnlda ihren Anordnungen Respect zu verschaffen such', finde ich eben so begreiflich, wie daß dem jnngm Prinzen der liebe Gott mehr gilt, als die Anordnungen deS Fmvaischen Obergerichts; aber daß ein ans verständigen Männern bestehendes Collegium durch seinen obervormundschaft- lichen Fanatismus ganz über die Schranken besonnener Mäßigung hinanSgeirieben werden könne, daS war mir bis dahin in riraxi nicht vorgekommen. Hör>n Sie. Die Fran Prinzessin erklärte sich gleich nach der Ankunft deö Prinzen auf geschehene Anfrage bereit, ihn nach Birstein zurückgehen zu lassen; dcr Prinz selbst hat niemals etwas Anderes gewollt, als nach den Feiertagen zurückgehen. Aber die gekränkte Würde der vbervormuiwschaftlichen Behörde findet keine SatiSfaciim darin, daß eine einfache und naiürliche Begebenheit auf eine den Verhältnissen entsprechende, eben so einfache Weise beendigt werde. Nein, sie requirüt das großherzogliche Landgericht in Offenbdch, den jungen Prinzen polizeilich nach Birstein trcmsportiren zu lassen. Zugleich wird das kurfürstliche Amtsgericht in Birstein committirt, die sämmtlichen Briefe des Prinzen um Beschlag zu belegen, um so dem jesuitlichen Complotc auf die Spur zu kommen, und verschiedene Personen in Birstein über ihre Mitwissenschaft an 46 diesem Capitalverbrechcn zu vernehmen, was denn auch geschehen ist, und zwar nachdem bereits der Auftnthalt des Prinzen bekannt war. In den letzten Tagen des verflossenen JahreS ist nun die höchstinstanzliche Entscheidung erfolgt: „In Erwägung, daß ... . in so fern eS sich vorliegend von der religiösen Erziehung des Mündels handelt, die Bestimmungen veS § 4 der Verordnung vom 13. April 1853 die Befugnisse des NaterS so wie der Vormünder, beziehungsweise der Obervormundschast, über das vierzehnte Lebensjahr hinaus nickt gänzlich beseitigt haben, indem aus dem Umstände, daß die väterliche Anordnung „„bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahre des Kindes ein- für allemal maßgebend"" bleiben, und dieselbe im Falle der mangelnden ausdrücklichen väterlichen Bestimmung bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahre in der Konfession des Vaters erfolgen soll, nur eine, anck von der Obervormundschast zu beobachtende Norm für die kirchliche Erziehung deS Mündels bis ,nm vollendeten vierzehnten Lebensjahre, keineswegs aber eine Beendigung aller vormundschaftlichen, beziehungsweise obervormundschafllicheu Befuguisse hinsichtlich der religiösen Erziehung des Mündels nach dem vollendeten vierzehnten Lebensjahre desselben sich mit Nothwendigkeit folgern läßt, eine solche Folge auch den Vorschriften des in dieser Beziehung nicht als aufgehoben zu betrachtenden Gesetzes vom 29, October 1348, wonach die Befugniß zum Wechsel des Glaubensbekenntnisses , . . erst mit zurückgelegtem achtzehnten Lebensjahre eintritt, widersprechen würde, indem eben aus dieser an ein späteres Älter geknüpften Befugniß erhellt, daß ledensallS bis zu diesem Lebensalter die religiöse Erziehung und mit ihr die deßfallstge Befugniß der Vormundschaft, beziehungsweise der Obervormundschaft, zu einer leitenden Einwirkung fortdauert, . . . wird die :c, Beschwerde als ungegründet zurückgewiesen" zc> Möge die göttliche Gnade den jugendlichen Bekeuner in seinen heiligen Entschlüssen kräftigen und in den ihm bevorstehenden schweren Kämpfen stärken, auf daß das Werk, welches sie in ihm begonnen hat, zu seinem Heile glücklich vollendet werde. . Der NorbertnSverein. Am 3. Februar vorigen JahreS, dem Todestage des heiligen Anscharins, dieser mächtigen Stütze des nordischen LiSlhumS, erwachte in einigen studirenden Jünglingen zu Munster iu Westfalen der Gedanke, unter dem Panier der Heiliger. Bonis^ciuS, Anscharizts und NorbenuS, der Zierden deS deutsche» Oberhirteuthumö, einen Verein zu gründen, und durch die Bande der Freundschaft und deS heiligen Glaubens in Liebe zu der Kirche und dem Vaterland stndirende Jünglinge zu einigen. Den Namen wählte» sie sich von dem eben so durch Abkunft, als durch gewählte Lebensaufgabe erlauchten Mann, der als Ordensstifter und als Erzbischof vou Magdeburg nicht mind-r über Frankreich als über Deutschland leuchtet — deS heiligen Norbert. Der Verein bemüht sich dnrch Entgegenkommen gegen ein lange g/ahnetes, tiefgefühltes Bedürfniß praktisch zu werden, indem er sich'S zur Aufgabe macht, eine Gefahr zu beseitigen, welche nach aller Erfahrung den edelsten Jünglingen am schlanksten und am beharrlichsten nachschleicht. Tritt nämlich ein sitlenrciner katholischer Jüngling in das akademische Leben ein, ist er damit der bindenden Form des Gymnasiums ledig geworden, so rauscht ihm der ganze Chor bebänderter Nichtswisser und Bierhelden entgegen, unter welchen schon so mancher bessere Kopf, so manches edlere Herz, durch Großmannssucht geblendet, nnv von WeltverbessernngSlust berückt, untergegangen ist. Dnrch Stolzircn und Reuommiren, durch Paradieren und Bierflorireu betäuben sie seine UeberlegungSkraft, schieben sie seine bessern Regungen bei Seite, und so wird aus dem braven Juugeu ein Fuchs, auö dem Fuchs durch die verschiedenen Abstufungen nur allzulcicht, indem der Scherz in den schauervollesten Ernst übergeht, ein 47 für Zeit und Ewigkeit verlorener Mensch, Das soll der Norbertusverein verhüten. Er will dem ins akademische Leben eintretenden Jüngling auch einen Chor entgegenführen, der ihn als den scinigen aufnehmen will, aber einen Chor pflichtgetrener, deö Lebenö Ernst erkennender, einem höhern Ziel entgegenstrebender Jünglinge, Dieselben sollen sich durch KindeStreue gegen ihre gemeinsame Mutter, die heilige Kirche, auszeichnen, in folgendem Gebet um die kirchliche Wiedervereinigung des gemeinsamen Vaterlandes zusammenfinden: „Heiliger Bonisacius! Heiliger SinSgariuS! Heiliger Norbert! große Helden Christi! feste Stützen des deutschen Bisthums! Ftehec an mit unS Jesum Christum, daS ciuzige Heil der Menschen, daß er sich erbarme über unser liebes deutsches Vaterland und wiederum seine Stämme im Schooß der heiligen Kirche zu einem — einigen — starken — christlichen Volk vereinige. DaS walte Gott! Amen!" Seit der kurzen Zeit seines Bestehens zählt der Verein schon über tausend Mitglieder, junge Leure, denen mehr oder minder die Zukunft anheimgegeben ist. Die Akademiker von Münster uud Paderborn, die Zöglinge der bischöflichen Seminarien beivcr Städte gehören beinahe insgesammt demselben an. Bereits hat er sich auch nach Breslau verpflanzt. In Münster befindet sich das Centralcomite desselben. Der hochwürdigste Herr Bischof von Münster hat das ihm vorgelegte Gebet genehmigt und eine Billigung des Vereines selbst ist bereits von dem hochwürdigsten Herrn Bischof von Fulda eingetroffen. Je mehr die Negierungen bloß daö Lehrwesen an den Universitäten inö Auge sassen, desto nothwendiger wird, desto erfreulicher ist es, daß durch den bessern Theil der stubirenden Jugend, durch ihr vereinigtes Zusammenwirken dasjenige supplirt wird, was die Vergangenheit noch zu würvigen wußte, die aimlich wirkende Gegenwart ihrer Aufmerksamkeit nicht mehr für werth erachtet. Weßhalb Glaubenstreue und kirchliches Bekenntniß, da ja gothische Grammatik studirl werden muß! (Oesterr. Volksfi.) Die barmherzigen Schwester»» in Ehingen. Ehingen. (Vom geistlichen Vorstand: Stadtpsarrcr Zimmerle.) ES bürste nicht ohne Interesse seyn, einen Verein, dessen allmäligcS Ausireten so-verschiedene Urtheile erzeugte, etwas näher kennen zu lernen. Es sind vier Jahre, daß fünf Jungfrauen dahier zusammeniraien, gelrieben vom Geiste Dessen, der jeden seiner Schritte mit Wohlthun bezeichnete, um gleich ihm sich der Pflege der Leidenden und Kranken zu widmen Nicht lange konnte solch wohlthätiges und uneigennütziges Wirken verborgen bleiben, als ihnen von Seite der städtischen Behörden Wuhnnng im Spital eingeräumt, und später gegen die Uebernahme der Küche und der Verpflegung der Hospitanten der Aufenthalt, so wie von Seite der Kirchenbehörde die Constituirung einer förmlichen kirchlichen Genossenschaft zugesichert wnrde. Dieser erweiterte Wirkungskreis brachte auch daS Bedürfniß einer vermehrten Schwesterzahl, die daher bis aus fünfzehn stieg. Innerhalb der Spita mauern waren eS, um nur vom letzten Jahr zu reden, außer etlich und vierzig Hospitalilen, die größtentheils des Alters oder sonstiger körperlicher und geistiger Gebrechen wegen Hilfe bedurften, sechzig Personen beiderlei Geschlechts, die bald auf der Reise erlegen, bald als Dienstboten in Privat- hänsern erkrankt, in den Spital gebracht, bei den barmherzigen Schwestern ihre Pfle- gerinnen fanden. War eS nun einerseits der Geist der Liebe und Sorgfalt, der sich in der Krankenpflege bcS Hauses, so war es andererseits hauptsächlich der der Umsicht und Ordnung, der sich im Haushalte selbst offenbarte. — Doch damic sollte ihre Hauptaufgabe noch nicht gelösc seyn, denn diese sollten sie finden in der Pflege der Kranken in den Häusern der Stadt, deren in diesem Jahre dreiundneunzig beiderlei Geschlechts ihre Hilse in Anspruch nahmen, wovon cinunvvierzig am Schleim- und Nervensieber, die meisten übrigen aber an beschwerlichen vst ekelhaften Uebeln dar- nicderlagen, und fünfundzwanzig davon nicht eher verlassen wurden, biö sie selbst das Zeitliche verließen. Und war eS so die barmherzige Schwester, die durch ihre uner- 48 müdete Sorgfalt und eine geregelte Krankenpflege schon den wohlthuendstcn Einfluß auf den Kranken selbst Lnßerie, war sie es, die sich den kleinsten Einzelnheiten des Hauses unterzog, gewöhnlich selbst die Stelle der Hausfrau und der Mutter der Kinder vertretend, so war namentlich sie eS, die nicht selten die nothwendigsten Lebensbedürfnisse aus den Händen der Wohlthäter sammelte und herbeilrug, so daß auf diese Weise 1206 Pom'onen Kost in Kianlenhäuser gebracht wurden. Dieß ist die Stellung deö Bundes, der sich in jüngster Zeic in unserer Stadt gebilvet, dieß sind die Früchte, in dere-r ungcthcilier Anerkennung sich der allseilige Wunsch ausspricht, eS möchte mit dem begonnenen Jahr endlich die förmliche Conftituirung des Mutterhauses dahier zu Stande kommen, damit von da a»S in Filialhäusern auch andern Orten gleicher Segen der Liebe zu Theil werden möge. Die Frauen vom guten Hirten in Neudorf. Der schon seit vielen Jahren so segensreich wirkende Orden „der Frauen vom guten Hirten" ist nun auch in die Wiener Erzdiocese verpflanzt. In Neudvrf bei Mövling erwarben sie das ehemalige erzbischöfliche Schloß, ein Gebäude mit zwei Stockwerken, und sechs Joch Garten und Feldgrund. Das Haus sammt Giundftückeu ist mit einer neun Schuh hohen Mauer umgeben. Im zweiten Stocke sind jetzt 32 weibliche Sträflinge untergebracht, welche aber bis 15(1 verwehrt werden. Stiege, Gang und Fenster sind mit Eisengitttrn gut verschlossen. Nebst den Schlafsälen befindet sich dort ein sehr großes ÄrbeitSlokale, wo 30(1 Arbeiterinnen beschädigt werden könnten. Im Winter werdm sie mit Nähen und Stricken, im Sommer auch mit Gartenarbeit beschäftigt Im ersten Stocke sind die Klosterfrauen, zu ebener Erde ist die Capelle, Küche, das Sprachzimmcr und Wohnungen für die Ausgehschweste-n. Es beftebt eine vollkommene Klausur. Die sechs Klosterirauen und zwei LaieuschwestcUl, welche jetzt in diesem Konvente sich befinden, sind zwar auS dem Mutteihause zu Äugerö, aber geborne Deutsche. Nächstens werden wieder einige Schwestern von dort erwartet. Hingegen sind rier Kandidatinnen ans Oesterreich, unier welchen eine Gräfin Evudeu- hofeu, nach Angcrö in Frankreich gegangen, um dort das Noviziat zu machen. Die Sträflinge, welche nnter der Obhut dieser Ordenöfrauen stehen, haben eine eigene Kleidung, 1>laue Kleider mit blauen Schürzen, roihgestreiftc Halstüchel und weiße Hauben. Die Seelsorge in dem Hause ist prvvisoris^. dem hochwürdigen P. Leopold Gusner auö dem Capuciuervrden übertragen. Die Frauen vom guten Hirten dürfen nach ihrer Ordensregel wöchentlich zweimal Fleisch essen. Da aber die Sträflinge, um dem Gesetze zu genügen, nnr einmal in der W-'che Fleischspeisen bekommen dürfen, so hat die ehrwürdige Ob-rin des Konvents sogleich angcordnei, daß auch sämmtliche Ordensschwestern nur eiumal wöchentlich Fleisch essen sollen. !Lic Sträflinge haben daher ganz gleiche Kost mit den OrdenS- fraueu. Eine solche freiwillige Entsagung um GoiteS und des Heiles des Nächsten willen muß selbst auf verhanete Herzen Eindruck machen, und sie für eine gründliche Besserung gewiuncu. (Oesterr. Volköfr.) ittnHW'Ojchi's >mmM',^Zst!H MkM-^NMMM» I^i>>>«5 >nu, 7i'5>t!iV»M 1'iMiv't. B u d w e i s. Gudweis, 22. Jan. Ein an den Klerus der Diöcese vom hochwürdigsten Herrn Gischos erlassenes Schreiben macht den Verschlag zur Begründung eines LiebeS> Vereines, dessen Zweck wäre, „durch gewisse bestimmte Änbachisübungen nicht nur die Gnade einer glückseligen Sterbestunde für fämmiliche Vereinsmilglicoer zu erflehen, sondern auch im Todesfälle eines Aereinsglieves die Seele desselben der göttlichen Barmherzigkeit zu empsehlen." In diesen Verein werden nur Priester der Budweiser Diöcese aufgenommen, nnd die Anzahl der BercinSmitglieber, die bis zum 19. März l. I. ihren Beitritt anmelden sollen, ist auf 300 festgesetzt. (Prag. Ztg.) ---------,--- Verantwortlicher Ncdattcnr: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Krcmcr. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger PostMtung. 12. Februar S^- 7.. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßist alle Sonntage. Der halbjährige Abonuement«prei« Tt> kr., wofür e« durch alle lonigl. bayer. Voi^äinter und alle Anchhaudlnngen bezogen werden k^uv. Die Akademie der Propaganda am 8. Januar 1834. Rom, 10. Jan. Zu den großartigsten Bildungsanstalten der Welt gehört unstreitig die Propaganda. Die Stiftung rührt zwar von Gregor XV. her, aus dem Jahre 16Z2; aber die Ausführung kam erst unter dem uachfolgeudcn Papste Urban VlII. zu Staude, weßhalb das Institut auch LoIIegium Hirlianum genannt wird. Die Oberleitung führt eine Cougregalivn, welche aus dreiundzwanzig Cardinälen besteht mit dem Präftcten an der Spitze und mit emem Präfecten der Oecouomie. Secrctär ist ein Prälat, der Sr. Heiligkeit wöchenilich Bericht erstattet; er steht in unmittelbarer fortwährender Verbindung mit den sogenannten Wnutali oder jenen Priestern, welche mit den Missionären in allen We.Itheilen correspoudireu. Die Milsiomire gehen a»6 der Bildungsanstalr hervor. Knaben mit zwölf Jahren werden schon aufgenommen — aus den verschiedensten Ländern, besonders aus solchen, wo keine höhern Schulen bestehen. Manche treten erst später ei». Auf die fünf Jahrgänge deS Gymnasiums folgen zwei Jahrgänge der philosophischen Studien und vier Jahrgänge Theologie. Gegenwärtig befinden sich 106 Alumnen an der Anstalt. Sie tragen einen schwarzen, offenen, rochgesütterten Talar. Ihre ConversatimiSsprache ist die iialieuische. BiS zum Jahre 18^8 lcüeten Jesuiten dir Schulen und daS Alumnat; Weltpriester traten an ihre dnrch den Stnrm der Revolution erledigten Stellen und haben sie jetzt noch innc. — Eine klare Vorstellung von der merkwürdigen Zusammensetzung dcö Alumnats gewährt besonders die öffentliche Akademie in der Octave deS EpiphaniafesteS. Die Weisen deS Morgenlan! es, diese Erstlinge deö HeidcnrhumS in der Anbetung Christi, werden als das Sinnbild der Bekehrung des HciocnihumS durch die ganze Octave in der Kirche 8. ^nelie-r clella Vallv gefeiert durch Hochämter in lateinischem und orientalischem Ritus und mit Predigten in italienischer, französischer, englischer und deutscher Sprache. Auch Protestamen finden sich zahlreich bei diesen Vorträgt» ein und sie hören vielleicht nie so unumwunden die Wahrheit, als an diesem Triumphseste der katholischen Kirche. Die erste der beiden den scheu Predigten hielt der Fürst Hohcnlohe, die letzte der vier englischen wild Se. Cmmenz der Cardinal Wiscman hallen. Im schönsten Cinklange mit dieser golteSnensllich-n Feier steht die Akademie der Propaganda. Die Capelie der Anstalt war mit rothen, boroir- ten Tapeten geschmückt, wie cS die römische Fcstsitte mit sich bringt. Den Hochaltar verhüllte eine Tapelenwand, die mit dem Bildnisse Sr. Heiligkeit t'io IX. geznrt war. Die Tribune deö Hochaltars besetzten in dichter Menge die Alumnen, Gäste füllten die Capeile; die ersten S tze nahmen der Cardinal Wiseman und der ehrwüidige Capuciner-Cardinal ein. Andere Carvinäle befanden sich in einem Oratorium. Gegen drei Uhr machte ein lateinifcher Prolog den Ansang. Der Redner, ein Korse, behauptete, die astronomischen Untersuchungen über den Stern der Magier seyen ein neuer 50 Beleg der schönen Uebereinstimmung der ächten Naturwissenschast und der Lehre der Offenbarung. Nun folgten meist poetische Vorträge, und zwar zuvörderst in asiatischen Sprachen. Ein Alumnus auS Dublin tcclamirte ein hebräisches Gedicht über den Spruch des heiligen Leo: „0 cooea (llerociis) stultae aemulationis impietas, czuae perturbancium putss ciivinum wo suroro eonsilium!" Zwei schlanke Alumnen auS Mossul sprachen all- und neu-chaldäisch, syrisch und arabisch; einer auS DamascuS sprach alt-armenisch, einer auS Konstantinopei neu-armenisch. Ein Giorgio de Crnz auS Nangoon im Virmancnreiche trug mit dein Motto: ,,^o pregoero per I» Lina!" ein chinesisches Gedicht vor — mit einer Gemüthlichkeit und einem Wohllaute über alle meine Erwartung. Die Einsilbigkeit der Wörter machte sich jedoch manchmal durch gesonderte Tonstöße genügend bunerkbar. Ein Georgier sprach über den kindlichen Glauben der Waisen des Morgenlandes; Giovanni Mac Jessey auS Bombai declamirte persische Verse; derselbe trug mit zwei College» auS Cork und Calcutla eine hinvostanische Ekloge vor. Der dreizehnte Vortrag war singalisch, der vierzehnte birmanisch, der fünfzehnte bengalisch, der sechzehnte türkisch. Von den Sprachen Europas waren vcrireicn: die alt-griechische, die neu-griechische, die laieinische, französische, italienische, portugiesische, illyrische, cellische, holländische, lappländische, deuische (auch der Schwcizcrviateli), die dänische Sprache, die russische, die englische (Versi Inglesi, Versione Irlimeleso, poesig Lco^eso), die schwedische, die ungarische, die romanische, rhalische, die walachische. Verzeihen Sie die Unordnung; die Aufzählung hielt sich mit geringer Ausnahme an die Reihenfolge der Vorträgt. — Sprachen von Afrika bildeten die dritte Abtheilung. Drei braune Egyptier trugen in kräftigem Tone eine koptische Ekloge vor. Ein vierter Egypiier, Antonio Raccrb von Nedi, gab eine Protc deS Thebenischen; der Abyssinicr Maria TeSfage von Adua sprach zuerst äthiopische Verse, dann vrosa ^msrioii. Der Spruch: „Lentes, czuue l'o non rwverunt, in^oeavunt Iv, et ponuli, cl 1'e eontugienl" wurve in der Sudansprache von einem Moh-en ausgeführt, dessen Schwärze die des Abyssi- nicrS noch weit übertraf. Zum Schlüsse traten noch sieben junge Eleven zugleich hervor, und jeder richtete an die Versammlung einen besondern Spruch des Dankes. Ein kleiner stämmiger Amerikaner von eiwa zwölf Jahren, mit rothen Wangen und röihlichen Haaren, erweckte durch die Frische des Voriragcö und durch den unbefangensten Frohsinn bei den Zuhörern allgemeine Heilerleir. Die gesammte Feier dauerte anderthalb Stunden. Unter allen diesen Sprachen tönten mir die äthiopische und indische am weichsten anS Ohr, so daß ich gerührt wurde, obgleich ich keine Sylbe verstand. — Die Aluiniien hielten ihren Tcrl in der Hand, und mehrere machten im Augenblicke veS Nothfalls davon einen flüchtigen Gebrauch. Vielleicht die allerbesten Dcclamaioren waren gerade die zwei Candidaten auS dem österreichischen Kaiserftaate: Giacomo Motter von Trient, der mit hinreißender Begeisterung in einer italienischen Ode die Hoffnungen der katholische» Kirche anösprach, und Franz Nichter von Hermannttaot, ver seiner Heimat und den Lieben daselbst ein Lebewohl zurief, welches in mir selbst ein Heimweh erweckte: aber eine hehre Stimme mahnte zum Op>cr der Trennung und das Glaubenöbanner sügie sich in seine Hand. In fernste Länder will er es tragen. Die Wogen dcö Meeres tosen empor; reißende Tdicre drohen in der Wüste; Dolche und Marterwerkzeuge erscheinen. Aber der jnnge Missionär blickt zum Himmel, schwingt daS Banner und cill in die Weite. Vlüiend sinkt er nach gesegnerei» Wirken zusammen. Die Seele wiro srei und schwebt in die wahre Heimat und findet dort die Lieben wieder. — Welche Gnade und welche Wonne ist eS, Katholik zu seyn! (Salzb, Kbl.) Die Kirchenstürme «nd ihre Folgen. Da die katholische Kirche als göttliche Anstalt zur Fortsetzung des ErlösurigSwerkeS Christi im Geschl.chie den weltlichen Staatsbehörden gegenüber eine beziehungsweise unabhängige Stellung in der menschlichen Gesellschaft einnimmt, welche sie, ohne 51 sich selbst aufzugeben, den oft wunderlichen Zumuthungen einer sich breit machenden StaatSweiShcit niemals zum Opfer bringen darf; so mußte eS im Laufe der Weltgeschichte wohl wieder zu den traurigsten Konflikten zwischen der geistlichen und weltlichen Regierung kommen, sobald die christlichen Grundsätze in einer Staatsverwaltung widerchrit-lichen politischen Maaßregeln gewichen waren, — Je nach der Verschiedenheit der Zcitverhältnisse und der Eigenihümlichkeit der geschichtlichen Beziehungen eines Volkes hat auch das Streben, die Kirche in das Joch deS StaatswagenS zu zwängen, eine verschiedene Färbung angenommen. In dem einstigen griechisch-morgenländischen Kaiserreiche richteten die gekrönten Erben der heidnischen Cäsaropapie bei ihren niederholten Angriffen auf die Selbstständigkeit der Kirche ihr Augenmerk vorzugsweise auf die Unterjochung deS römischen Stuhles,*) weil sie wohl erkannten, daß sich mich die Glieder nicht naturgemäß bewegen können, sobald daS Haupt in ftiner eigenthümlichen Wirksamkeit gehemmt ist. Und als dieß despotische Unternehmen nicht gelingen wollte, schritt man zur Schöpfung eines neuen Primates zu Konstantinopel, nachdem man sich zuvor von der Gemeinschaft mit Rom losgetrennt hatte; welcher Primat als politische Schöpfung sich dann auch seinem Urheber durch kirchliche Fügsamkeit dankbar bewies. Und weil diese kirchlichen Fesseln, in welche der DrSpotiSmns der griechischen Kaiser die mrrgenländische Kirche schlug, so Volks thu ml ich werden konnten, daß der Versuch zur Wiedervereinigung der morgenländischen Christenheit mit der abendländischen an der sittlichen Veri'unkenheit der ersteren scheiterte, so verfiel dieser abtrünnige Theil der Christenheit einem Gottesgerichte, welches die wilden Söhne MohamedS an demselben vollzogen. — Eine ähnliche Obmacht über die Kirche strebten auch einige deutsche Kaiser an, welche durch kirchliche Vermittlung die preisgegebene abendländische Kaiserwüide geerbt hatten, und nun zum Danke dafür die Kirche anfeindeten, als sie ernste Miene machte, sich in ihrer Selbstständigkeit und Würde als moralische Richtcrin der Nationen zn behaupte«. Doch war der Kampf der sränkisch-salischen und hohenstaufi cken Kaiser nicht so sehr gegen das Papstthum als solches, als vielmehr gegen einzelne hervorragende Persönlichkeiten, die dazumal den römischen Stuhl einnahmen, nnd deren Energie bei Wahrung wohlerworbener kirchlicher Rechte und bei der Durchführung kirchlicher Maaßregeln ihnen lästig war, gerichtet. Die Negation der göttlichen Einsetzung deS PapsttbumS blieb dem stürmischen ReformationSzeitalter vorbehalten. Der auf dasselbe folg.nde Kampf für und gegen die katholische Kirche spaltete anck Deutschland in zwei feindliche Parteien, deren offene und geheime Befchdung die Zerstörung der deutschen NeickScinheit vorbereitete. Doch erst dann wurde der organische ReichSverband vollständig gelöst, als ein geborner Schutzhe.r der Kirche, ein dcuischcr Kaiser, vom Jrrlichte der rationalistischen Aufklärung deS philosophischen Jahrhunderts geblendet, durch seine kirchenfcindlichen Verordnungen und Maaßregeln auch die noch treu gebliebenen Theile der kaihol. Kirche Deutschlands in moralische Fesseln schlug. Der Klageruf der leidenden Kirche war zugleich der Grabgesang der d utschen NeichSciuheit und Freiheit! Und obwohl man die bittere Erfahrung gemacht hatte, daß dem kirchlich-revolutionären Zeitalter der Reformationsepoche nnd AufklärungSpcriode die politisch-revolutionären Stürme der Neuzeit auf dem Fuße gefolgt waren, so dachte man doch in der politischen Rcst.uirati'onsepoche am Schlüsse der europäischen Freiheitskriege nicht daran, der schwergekränk-en Kirche Deutschlands Genugthuung zu leiste», und ihren wohli'egründeten Forderungen gerecht zu werde». Der in den achtziger Jahren deS verflossenen Jahrhunderts in Deutschland gegen die katholische Kirche begonnene, durch die Krieg?jahre unterbrochene, und vom französischen Usurpator fortgesetzte Kampf, wurde vielmehr nach wiederhergestelltem Frieden von den Regierungen der deutschen Groß- und Klein« staaten, welche die Erbschaft deö deutschen Reiches angetreten hatten, wiederum auf« Man denke z. B. nur an die barbarische Behandlung, welche Martin I. von Kaiser Con- sianz ll. erdulden mußte, weil er sich bei den inonothclctischcn Streitigkeiten nicht den launenhaften Einfällen dieses leidenschaftlichen Kaisers fügen wollte. A. d E, 52 genommen, und mit List und Gewalt fortgeführt, bis ein neues Gottesgericht ihr.cn ein gebieterisches Halt zurief. Während nun die Regierungen der deutschen Grcßstaaten, durch Erfahrungen klug gemacht, der Kirche gereckt zu werden anfangen, fchen wir die deutschen Kleinstaat«» einem pflichtgetrcnen Episkopat gegenüber die Consequenzen dc6 StaatSkirchciuhumS selbst auf Kosten der Ruhe und Ordnung ihrer Staaten ans die äußerste Spitze treiben. Zu schwach, den Kampf gegen das kirchliche Oberhaupt aufzunehmen, geht ihr ganzes Streben auf die Unterdrückung deS kirchlich-gesinnten KleruS ihrer Territorien. Und doch sind sie nur die Wurfschaufel in der Hand deS Herrn, der im Sturme der Verfolgung seine Tenne von der aufgehäuften Spreu reinigt. Jeder kirchliche Conflict mit einer kirchenseindlichen Staatsbehörde ist ja ein kategorisches Ultimatum, welckeS der göttliche Weltrcgent einem Volke zur letzten Enlscheidnng vorlegt. Stellt sich die öffentliche Meinung im Volke auf die Seite der Kirchenverknechter, so geht es seiner politischen »nd socialen Auflösung unaufhaltsam entgegen; widersteht eö dagegen der Versuchung zur Spaltung und Trennung, so wird sein Kern durch das neu erwachende kirchliche ^cbcn erfiischt und erneuert, so daß eS neu erstarkt durch seine sittliche Kraft jevem äuß rn und innern Feinde seines gesellschaftlichen LebeuS Trotz bieten kann. Das ist ein uraller Crfahrungssatz der Geschichte, dessen Wahrheit auch der Auö- gaug deS unheilvollen Conflictes in der oberrheinischen Kirchenprovinz neuerdings bestätigen wird. (W. K.-Z.) Der heilige FranciscuS als Patron deS Vereines gegen Thier- qualerei. Unter allen Heiligen hatte vielleicht keiner eine so innige und zarte Liebe zu allen Geschöpfen, aiö der große OrdcnSmann des Mittelalters, der heilige Franz von AM, Cr verachtete auch die Kleinsten und Geringgcachteisten nicht, sondern erinnerte sich ihres gemeinsamen Ursprungs; uuv nannte sie seine Brüder und Schwestern. Im Fri.dcn mit allen Wesen, gewissermaßen zur ersten UnschuldSzeit zurückgekehrt, floß sein Herz über von Liede, nicht allein für die Mcnschen, sondern auch sür alle Thiere, die weiden, die fliegen und die kriechen. Wo die Augen Anderer nur vergängliche Schönheit crblicklcu, eindeckte er mit höherer Scharfsicht die ewigen Beziehungen, weiche die sächliche Welt mit der siltlichcu Ordnung verknüpfen, und die Geheimnisse -der Nainr wie des Glaubens. Als Beleg hicfür wollen wir einige Züge aus dem Leben deS heiligen Franciöcuö zusammenstellen, und dadurch die Uebcrschrist dieser Zeilen rechtfertigen. Wir benützcn dabei das dem sei. Cardinal Diepenbrock gewidmete Buch: „J-aliens Franci^caner-Dichter im 43ten Jahrhunderts, von Ozanam." Manchmal lobte der Heilige stundenlang den Kn-stfleiß der Bienen, und ließ ihnen, selbst alles cnibehrcnd, im Winter Honig und Wein spenden, damit sie nicht vor Frcst umkämen. — Seinen Schülern stellie er als Mnster den Fleiß der Lerchen, die Unschuld der Turteltauben auf. — Nichts kam aber seiner Zättlichkeii sür die Läuim.r glcich, die ihn an die Demuth und die Sanfimuth deS Heilandes erinnerten. Die Legende erzählt, er habe, als er mit einem Ordensbruder in der Mark Ankona wandcrie, einen Menschen getroffen, der zwei kleine Lämmer an einem Stricke aufgehängt auf der Schulter trug. AIS er ihr Blöcken vernahm, wurde cr auf'ö Innigste davon gerührt, und näherte sich dem Manne, zu dem er sagte: „Warum quälst du die Lämmlein, indem du sie also gebunden und aufgehängt trägst?" Dieser antwortete ihm, cr brauche Geld, und trage sie auf den nächsten Markt, um sie den Metzgern zu verkaufen, die sie schlachten würden. Da ries der Heilige: „DaS wolle Gott verhüten, nimm lieber diesen Mantel, den ich umhabe, und schenke mir dafür diese Lämmer!" Dieß gefiel dem Andern sehr, er gab ihm die Lämmer, und nahm dafür den Mantel, der groß und viel wcrthvoller war, und den ein gläubiger Christ dem Heiligen am nämlichen Morgen wegen der großen Kälte erst verliehen hatte. Da 53 hielt nun FranclScuö die Lämmer in seinen Armen, ohne zu wissen, was er mit ihnen machen solle, gab sie aber, nachdem er darüber mit seinem Reisegefährten zn Rathe gegangen war, ihrem ersten Besitzer zurück, indem er ihm daö Versprechen abnahm, sie niemals zu verkaufen und ihnen kein Leid zuzufügen, sondern sie zu behalten, zu füttern und rechte Sorge für sie zu tragen. — Solche fast brüderliche Liebe zu den Geschöpfen erwarb aber mich mit Gewalt, früh oder spät, Gegenliebe, und die einfachen Erzählungen der Zeitgenossen bestä>izen cS, daß die Thiere den Heiligen umgaben, um ihn zu bewundern und ihm zn dienen, gleichsam als ob sie in dem abgemagerten und durch Fasten und Nacktwachen erschöpf-en Büßer von Assist, fast nicht mehr die irdische Gestalt, sondern nur noch daS Abbild GotteS erblickien. Die Hasen und die Fasanen flüchteten sich in die Falten seines GewandeS, und wenn er bei einer Trift vorbeigehend die Schafe nach seiner Gewohnheit mit dem Schwesternamen begrüßte, sollen sie ihre Häupter erhoben haben und ihm gefolgt seyn, indem sie ihre erstaunten Hirten verließen. Er selbst fand^, bereits längst den Genüssen der Menschen entfremdet, süßes Vergnügn an diesen Festen, welche ihm die Thiere deS Feldes bereiteten. — Eines Tages, da er durch das Thal von Spoleto schreitend, nahe bei Bevagna an einen Platz kam, wo sehr viele Vögel, besonders Sperlinge, Krähen und Tauben nisteten, verließ er, in seiner großen Liebe mich für die vcrnunstlosen Geschöpfe, auf kurze Zeit seine ans der Straße wandelnden Gefährten. Da sah er, wie er näher kam, daß die Vögel ihn erwarteten, und grüßte sie nach seiner Gewohnheit. Bewundernd, daß sie bei seinem Anblicke nicht davon geflogen waren, srente er sich innig, und bat sie demüthig, das Wort GotteS zu vernehmen. Er sprach zu ihnen: „Ihr Vog-lein, meine Brüder, ihr besonders müßt curcu Schöpser loben und ihn stets lieben, denn er hat euch Fevern gegeben, um euch zu decken, Flügel, um zu fliegen, und Alles, dessen ihr bedürftig scyv. Er hat euch unter allen Werken seiuer Hände besonders geadelt, und euch eure Wohnung in dem reinen Striche der Lust bereitet." Wie er selbst berichtet und seine Gefährten bestätigen, nahmen die Vögel bei liefen Worten jeder seine eigenthümliche Stellung an, und schlugen mit den Flügeln. Er aber ging mitten unter ihnen hin und her, und streifte sie dabei mit dem Saume seines Gewandes. Darnach aber segnere er sie, und gestattete ihnen, nachdem er daS Zeichen des KreujeS über sie gemacht hatte, davonniflicg/n, worauf er sich innerlich sehr gelrcstet wiever zu seinen Schülern begab. — Kurz vor seinem Tode hatte er noch die Freude, ein großes Festmahl zu geben, zu dem er die Thiere cinlnd. ES war am Wcihnachtstage in Grecio, daß er diesen Sieg der Einfalt, der Armuth und der Demuth feierte. Man halte in der Mitte eines Gehölzes einen Skall errichtet, und in diesem war Hen, ein Oeche'lcin und ein Eselein, während die Krippe als Altar diente. Die Franciscaner strömten aus vielen ihrer Klöster in der Nachbarschaft herbei, und sehr viele Umwohner wallten mit brennenden Fackeln, geistliche Lieder singend, von den Bergen herab. Diese Nacht, von der daS Licht der Well ausgegangen ist, sollte keine duiu.e seyn. Der heilige FrcmciscnS diente freudenvoll als Diaconus bei der heiligen Messe, und sang feierlich das Evangelium, Er predigte dann dem Volke von der Geburt Christi und der hohen Bestimmnng Bethlehems u, s, w. Seit diesem Tage ist eS, daß sich mit päpstlicher Gutheißung die schöne Sitte, erst in Jialien und dcwn auch in Deutschland nnd Nier-erlanv verbreitet hat, ans Weihnachten Krippen zu bauen, und an denselben bei dem vom Christkinde ausgehenden Lichtglanze zu opfern. — Wie Bonavcntura erzählt, sangen die Lerchen ans dem Dache deS Hauses, worin die Leiche des heiligen FranciScus lac>,> mit den Brüdern Trauerlieder. Ist daS zu wundern? Wohl mag es nicht an Solchen fehle», welche vornehm auf des Kindische herabsehen, was man vielleicht in dieser Freundschaft deS heiligen Franciscus für die Lämmer und die Tauben findet; allein derselbe Manu, der einfältig genug war, den Vögeln zu predigen, rief die Bürger auf den Märkten von Padua, Brescia, Cremona und Bologna zusammen, nnd sing seine Ne?en an sie mit dem Wunsche deS Friedens an; dann ermähnte er sie, die Feindschaften auszulöschen und Sühnverträge unter 84 einander zu schließen, und Viele umarmten sich, das bereits vergossene Blut verwünschend. So erscheint der heilige FranciscuS von S!ss>si als Orpheus dcS MittelalterS, die Wildheit der Thiere und die Härte der Menschen bändigend. — Wenn eS nun schon in unserm jetzigen Zeitalter einen Verein gegen Thicrquälerei geben muß, so könnte man ihm keinen bessern Patron wünschen, als den heiligen FranciScuS, Dadurch würde die Humaue Grundlage dcS Vereines in eine christliche verwandelt werden, und von dieser christlichen Gesiuuung ließe sich mehr Wirksamkeit erwarten, als von der Vcrihciluug preisgekrönter Traclätchen. Bilder und wahret das unschuldige Gemüth der Jugend — und die Thicrquälerei wird von selber aufhören. (Oest. Vfr.) Vereinigte Staaten von Nordamerika. In Cincinnati sand am Neujahrsfeste eine herrliche Fei>r statt. Es wurde nämlich, wie uns der „Wahrheitsfreund" berichtet, die heilige DreifaltigkeitSkirche an dem genannten Tage vom hochwürdigsten Herrn Erzbischof Purcell feierlich eingeweiht. Der päpstliche Nuntius hielt das Poutificalamr. Ihm assistirten der hochwürdigc Superior der FranciScaner von St. Bernhard als Erzpriester, P. Unterthiener, 0. 8. k°. von der St. JohanncSkirche, als Diacon, und der hochwürdige Herr Hengchold von der St. Philomenarkirche als Snbdiacon. Der hochwürdigste Erzbischof Purcell und der hochwürdigste Bischof von Samt Palais von VinzenneS waren im bischöflichen Ornate anwesend; Caplan des ErzbischofS war der hochwürdige Herr Hammer von der St. Marienkirche, uud Capian des Bischofs der hochwürdige Herr VoohrS, bisher Vorsteher im hiesigen St. AloysiuS-WaiseubauS. Ceremoiiienmeister war der hoch- würdige Herr LiierS von cer St. JosephSkirche. Ferner waren von den Herren Geistlichen anwesend: Hochwvrden Herr Kröger und Ritter von der heiligen Drei- saliiglcilökirche, Hochwnrten Herr Kühr von der Muttergotteskirche in Covington, Hochwürden Herr Hahn von der St. Pauluökirche, Hochwürden Herr DesalaerS von der St. Michaelskiiche, und Hochwürden Herr Elkmann von der St. Marienkirche. Die Festrede hielt (nach d.'in Evangelium) der hochwürvigste Gencralvicar Ferneding über den Tcrt Luc. 19: „Hente ist diesem Hanse Heil widerfahren." Es war «ine wahre Festrede, durch und durch vom kirchlichen Geiste und von kirchlicher Freude durchweht. Ehe der NuntiuS den apostolischen Segen ertheilte, hielt auch er eine kurze Anrede in deutscher Sprache, in welcher er unter Andern» sagte, daß er willens gewesen, früher von Eincinnati abzureisen, aber sich gern habe cnifbaltcn lassen, der Einweihung der wieder aufgebaute» erste» deutschen Kirche hiesiger Stadt beizuwohnen. Er freue sich, hier geblieben zu seyn, und eS gereiche seinem Herzen zu einer großen Freude und Tröstung, so viele gute deutsche Katholiken versammelt zu sehen und in ihrer Sprache anreden zu können. Die vielen großen und prachtvollen Kirchen der Stadt seyen das sicherste Zeugniß für den Glauben und die Opferwilliakeit für die Sache dcS Glaubens von Seile der Kaiholilen. Diese große und prachtvolle Kirche, welche so eben wieder zum Dienste des Allmächtigen eingeweiht worden, sey ein weiterer Beleg hiezu. Zwar sey die Kirche im Innern noch nicht vollendet und ermangle noch manchen Schmuckes, daS werde aber ÄlleS nachgeholt werden, wie man von den Denischcn EiminualiS gewohnt sey. Düse Kirche, wie sie jetzt dastehe, könne füglich als ein Bild für jeden Christen bezeichnet werden. Denn obgleich man im Verbände der wahren Kirche lebe, so gebe es doch immer im Innern des Christen — im lebendigen Tempel dcS heiligen Geistes, wie die Schrift den Christen nennt — noch manches auszubauen und auszuschmücken, ja daS ganze Leben hindurch, so lauge der lebendige Bau stehe, dürfe von der wcitcrn Ausschmückung nicht abgelassen werden. Dieser Schmuck bestehe in Uebung aller christlichen Tugenden. Hierauf folgte der bischöfliche Segen. Der hochwürdigste Erzbischof Purcell hielt dann auch noch eine Ansprache an das versammelte Auditorium, und machte beson- Zö derS auf die Verleumdungen aufmerksam, welche von Seite der Presse und eines Theiles des PublicumS gegen den apostolischen NnntiuS in diesem Lande verbreitet worden seyen und noch heule wiederholt würden. Es sey dieses die größte Schmach, welche der schuldige Theil der Presse und deS PublicumS auf sich geladen habe zc. Am Abend überreichte daS Baucomittee dem Herrn Nuntius eine Dankadresse, welche mit einem sehr schonen Gedicht begleitet war. S Gegenüber dem schmachvollen Treiben der italienischen Flüchtlinge und der Echmähblätter verdient daS Benehmen deS protestantischen PublicumS gegen den päpstlichen NnntiuS Monsignor Bcdini doppelte Aneikennnng Der Bürgermeister von New-N rk lud den Gesandten deS heiligen StubleS amtlich zur Besichtigung der öffentlichen Anstalten der Ciadt ein, eine Ehre, welche nur den auSgezeichuelsten Gästen widerfährt, und die Stadtbchörden halten hi'czu Wagen zur Verfügung gestellt. Am 10. November begann der NuniiuS vom Palaste des ErzbischofS von Ncw-Aork auö, der ihn begleitete, seine Rundfahrt unter zahlreicher Begleitung, die immer sich vermehrte, so daß zuletzt der Zug zwanzig Wagen zählre. Der Nuntius besuchte die Blinden- und Tanbstummen-Anstalt der Siadt, dann die zahlreichen WohllhätigkeitS- Anstalten auf den Inseln Raudalt, Ward und Blackwell. — Die beiden Prälaten stellten den zehn Gouverneurs und den Commissarien für die Einwanderer den Geistlichen vor, welcher mit der Seelsorge für die Katholiken auf den drei Inseln beauftragt ist, und empfahlen denselben ihrem Schutze In den Krankensälen richtete der NuutiuS wohlwollende Worte an die Krankenwärter, besonders an jene, welche ihm alö den Katholiken feindselig bezeichnet worden, und die sich durch diese Aufzeichnung geehrt nnd versöhnt fühlten. Auf der Insel Ward halten die Commissarien ein prachtvolles Gastmahl zu fünfzig Gedecken veranstaltet, wobei eö natürlich an Toasten und Reden nicht fehlte. Der Nuntius ergriff selbst mchrmal daö Won und wurde mit größter Aufmerksamkeit gehört. Besonders klalschle man Beifall, als er am Schlüsse der Danksagung für die Ausbringung seiner Gesundheit saate: „Da Sie Alle den Papst als den heiligen Vater bezeichnen, wollen wir hoffen, daß er cincö TageS Sie Alle seine Kinder nennen kann." Am merkwürdigsten aber ist der Besuch in Kaughuaweya, ciuer Niederlassung von bekehrten Mitten. Sie waren seit längerer Zeit mit ihrem Pfarrer, einem würdigen Priester, der schon eiuuuddrcißig Jahre unter ihnen arbeitet, im Zwist, uud alle Versuche zur Herstellung des Friedens waren bisher vergeblich. Tic Gegenwart deö päpstlichen NuutiuS stellte ihn her. Wir theilen ein Bruchstück auö der Rede mit, in welcher diese Gläubigen ihre Reue an den Tag legren und Besserung versprachen. „O Varer, sagten sie, deine Worte sind uuö lief ins Herz gedrungen; wir werden sie niemals vergessen, weil du vom großeil Valer kommst, dem wir alle Liebe uud Ehrfurcht schuldig sind. Wir sind fest einschlössen, deinen Ermahnungen zu folge», zweifle nicht daran. Du hast uns Liebe nnd Einigkeil mit unserm Hirten gepredigt, uns wir werden sie haben. Du darfst diese erfreuliche Nachricht dem großen Vater bringen, welchen wir Alle, obgleich in Weiler Ferne, alö Kinder verehren. Du wirst damit sein Herz trösten und wir werden unserm Worte treu sey». Du rufst uuS im Namen dessen, welcher der Vater von uns Allen ist, auf den gnten Psav zurück, und mir gehorchen. Wir werden niemals dieses schönen TageS und deiner Worte vergessen." Doch auch an feindseligen Demonstrationen durfte eS nicht gänzlich fehlen. Monsignor Bedini war nach Cincinnati gekommen, um dem Erzbischof Purcell einen Besuch abzustatten. Ein unter dem Namen Freimännergesellschast (societ^ c>l d'reemen) bestehender Club von Deutschen zog am 23. December, etwa fünfhundert Mann stark, voil seinem Versammlungslocale nach dem von dem Erzbischofe bewohnten Hause; eS wurden Drohungen laut, welche die persönliche Sicherheit deS NuutiuS gefährdet erscheinen ließen. Die Polizeimannschaft, deren WachthauS sich dem erzbischöflichen Hause gegenüber befindet, schritt gegen die Tumultuanlen ein. ES kam zu einem 56 förmlichen Gefechte; viele Schüsse fielen; die Tumultuanlen ergriffen endlich die Flucht, verfolgt von der Polizeimanuschaft, welche etwa sechzig derselben gefangen nahm; vierzehn der Unruhestifter wurden verwundet, einer getödtet. Antwort des Erzbischofs von Utrecht aus die Adresse der katholischen Generalversammlung. Die Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands, welche im September vorigen JahreS in Wien tagte, hat auch eine Adresse an daS hochwiirdige Episkopal Hollands volirt, um in derselben die lebhafteste Theilnahme für die Leiden rinn Kämpfe auszudrücken, welche die niederländischen Katholiken für die Rechte der heiligen Kirche mir so viel Muth und Ausdauer bestanden haben. Auf diese Adresse ist nun eiu Aniwortschreiben vom hochwürdigsten Herrn Erz- bischof von Utrecht, dem Metropoliten rer holländischen Kirchenprovinz, clei. Tilbnrg, den 3. Jänner 1854, eingelaufen. Der hochwürdigste Herr Erchischos sagt in diesem Antwortschreiben: „Die Errichtung der kirchlichen Hierarchie in Niederland ist ein hochwichtiges Ereignis), für welches man die göttliche Vorsehung nicht genn^ preisen kann. Nach mehr al' zwcihundcrtjährigen Kämpfen beginnen nun die religiösen Angelegenheiten dieses Landes, welche so lange auf verschiedene Weise verletzt waren, auf normaler Grundliige sich wieder hcrzusttllen, was bei dem so ausgezeichnet gläubigen Sinne dieses Volkes die besten Früchte hoffen läßt. Wie angenehm und tröstlich ist cö für mich, die unzweideutigsten Beweise von sein lebhaftesten Interesse zu sehen, welches die katholischen Brüder Deutschlands und Oesterr-ichs an den Wohlthaten nehmen, mit welchen der Himmel ihre Brüder in der Kircheuproviuz Niedcr- lanv begünstigte. Wir werden insgesammt, fest an den Mittelpunkt der Einheit uns anschließend, an diesen unverwüstlichen Felsen, dessen Grundfeste zu unterwühleu die Holle vergebens versucht, nicht aufhören, den ewigen Vater, von dem jede gute Gabe kommt, für die im verflossenen Jahre gütigst gespendeten Wohlthaten zu danken und unsere Bitten mir denjenigen unserer Brüder in Deutschland und Oesterreich zu vereinigen, damit alle Kinder der Kirche im Glauben verharren und der heiligen Fahne deö Kreuzes folgen, in welcher die Hoffnung unseres Heiles ruht." Trost am Grabe. Johanna von Orvietta, die damals im Orden des heiligen Dominicnö ein Muster vorzüglicher Heiligkeit wurde, besaß schon in ihrer frühesten Jugend einen sehr regen Geist unv gab oft so vernünftige Autworren, wie man sie nur vsn erwachsenen und iu der christlichen Vollkommenheit schon weit vorgeschrittenen Personen hätte erwarten können. Frühzeitig verlor das unglückliche Kind den geliebten Vatcr. Die trostlose Mutter nahm darum gar oft an Sonn- und Feiertagen das zarte Mädchen und führ e eS zum Grabe des uuver- gcßlichen VaierS, um da für seine unsterbliche Seele zu beten Einmal war die Mutter vor innerer Betrübniß ganz und gar außer sich und beklagte eS mit bittern Thränen, daß der Himmel so srühe schon ihrem Kinde den Vater nahm. Da ergreift Johanna die Hand der guten Muller und spricht: „Weißt du'nicht, Mutter! daß wir dort oben noch einen Varcr haben, den Himmelvaler, so gut und lieb? Hast du mich ja beten gelehrt: „Vater unser, der du bist iu den Himmeln!" — Diese einfache Bemerkung des frommen KindeS machle ans das niedergebeugte Mutterherz einen so gewaltigen Eindruck, daß die arme Willwe mit einem Blicke hnliger Freude zuerst gegen den Himmel und dann auf ihr Kind hinsah, dieses voll Liebe umarmte, ihre Thränen trocknete und künftighin nimmer murrte über die Fügungen der göttlichen Vorsehung. Die Zukunft bewies es aber auch, daß Johanna an G>)tl im Himmel einen gar sorgsamen nnd lieben Varer halte; denn unter dessen Gnade und Beistand wuchs sie zn einer herrlichen Blume heran im großen Garten Gottes. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Äerlagg-Inhaber: F. C. Kremer. ttil^Ä Illi Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMtung. 19. Februar 8. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig.alle Sonntage. Der halbjährige Abonuement«prei« 5tt kr., wofür «« durch alle königl. baper. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kaun. An Radetzky tu Fretburg. Greiser Held im großen Kirchenkampfe, Der im kleinen Baden wird geführt, Wie Radetzky in dem Pulverdampfe Stehst Dn fest, vom Feinde nicht beirrt. Um Dich sammelt sich mit Freudenmuthe Deiner Priester treuergeb'ne Schaar, Ist bereitet, selbst mit ihrem Blute Dich zu schützen, Vater, in Gefahr. Dieß erfreut die Seele in der Ferne, Wenn ich auch nicht unter ihnen bin, Und nach Freiburgs Hellem Silbcrsterne Ist gerichtet meiner Liebe Sinn. Frei soll werden Deiner Kirche Boden Von des Staates Obcrhcrrlichkeit, Die die Heivcnkaiser selbst, die todten, Nicht verlangten zur Vcrfolgungszeit. Eine Burg mit felsenfestem Thurme Bist Du deshalb in der Hirtcnstadt, Der nicht weicht dem Toben und dem Sturme, Den die Hölle heiß entzündet hat. Von St. Peters Kirchenfelsenzinne Schaut aus Dich der höchste Seclenhirt, Segnet Deinen Kampf, der zum Gewinne, Wie noch immer, für die Kirche wird. Rudolf von Rodt, weiland Missionär der Londoner Missionsgesellschaft, über die Früchte seines Wirkens in Indien. (Hist-p°l. Bl.) Die Debatten deö englischen Unterhauses über die indische Bill störte Lord Fitzgerald mit Vorlage einer Adresse, die nicht weniger als 600,000 katholische Ein- 68 ,»tt, wohner Indiens unterzeichnet und mit bittern Klagen angefüllt hatten. Im Heere der ostindischen Compagnie, sagten sie, dienten 16,000 Katholiken, und 107,855 Pfund 14 Schill. betrage die jährliche Ausgabe allein für die Staatskirche in Ostindien, während nicht mehr als 5496 Pfund auf die geistlichen Bedürfnisse der Katholiken verwendet würden, die doch eben so zahlreich seyen (oder zahlreicher, selbst wenn man Alleö für vollgiltig nimmt, was protestantischerseitS seit etwa zwanzig Jahren an „Namenchristen" und „Regierungschristen" zusammengerafft worden); ein Katholicismus ohne Priester sey nicht denkbar, darum darbten sich auch die katholischen Soldaten von ihrem spärlichen Solve Beisteuern zur Erhal>ung ihrer Geistlichen ab, uuv erst in der Schlacht von Moodkee sey einer ihrer RegimentScapläne gefallen, während er den Sterbenden das Viaticum gereicht; ein protestantischer Bischof in Indien beziehe 5500 Pfund jährlicher Besoldung, ein katholischer Bischof dagegen eine Susteuiation von — 240 Pfund u, f. w. Ob dabei einzelne Männer des englischen Parlaments eine Vergleichung angestellt haben mögen, einerseits dieser katholischen Armuth und Niedrigkeit mit dem seit Jahren unablässig vermehrten Auswaud politischeu, materiellen und geistigen Reichthums und Gewichts am protestantischen MissionSwerk in Ostindien, andererseiis zwischen dem fröhlichen Prospcriren jener äußerlich unscheinbaren Mission und der völligen Erfolglosigkeit dieser mit allem Glanz und Pomp der Weltmacht auftretenden Anstalten? Schwerlich! Denn in der Ocffentlichkeit ist die prahlende Lüge noch immer Herr über die verzweifelnden Berichte von der trostlosen Wirklichkeit. Um so mehr verdienen die ausführlichen Geständnisse unsere nähere Betrachtung, welche die vor Kurzem erschienene Biographie eines protestantischen ÄpostelS für Indien auS der neuesten Zeit seinen hinterlassenen Papieren entnommen und veröffentlicht hat. ^) Es ist der Berner Rudolf von Rvdt, ein ehrenhafter Charakter, der mit seiner Wahrheitsliebe und rechtschaffenen Geradheit schon zu Lebzeiten bei seinen MissionScollegen und Vorständen wenig Ehre eingelegt Hai. Bon Rodt war ein in den Bedrängnissen der protestantischen Religionsverwirrung, innerlich tief unglücklicher Mann. Schon in der Jugend sah er sich, im Bunde mit einem glcichgesinnten Bruder, seiner freien kirchlichen Stellung halber in lebhaftem Gegensatze zu einem strengen, mit voller Ueberzeugung der refvrmirten Landeskirche angehörenden Balcr. Nur „dem freundlichen, gläubigen Andringen" seitens einer mütterlichen Tante konnte der junge Mensch nicht widerstehen, und fühlte sich „gewissermaßen gezwungen, sein Herz Gott zn übergeben." Von der Berner Akademie begab er sich 1833 nach Genf, wo die neue, vom Staate und seiner Kirche unabhängige „theologische Schule" vor Kurzem eröffnet worden war. In der That konnte von einer christlichen Kirche des Genfer Staates damals eigentlich keine Rede mehr seyn; denil „aus Geuf war der alte Ernst calvinischen GlanbcnS längst, gewichen. Die anerkannte Landeskirche huldigte, bewußt und unbewußt, dem Sociuianismus; aus der andern Seite hatte die früher vom Bürgerrecht ganz ausgeschlossene katholische Bevölkerung sich außerordentlich vermehrt. Die Lehre von der Gottheit Christi dürfte nicht mehr gepredigt werden; die wenigen Geistlichen, die es dennoch thaten, mußten die Kanzel räumen und sich eine eigeue Gemeinde suchen" (Bvutcrweck S. 9). Unter diesen Verhältnissen entstand dann die „evangelische Gesellschaft", welche 1831 die oben erwähnte theologische Schule gründete, auf der unser mehr und mehr mit sich zerfallende Rodt religiöse Bernhignng zu finden hoffen mochte. Allein unterm 8. Mai 1833 schreibt er bereits an einen Veruer Freund: „Ich habe nun meinen Aufenthalt geändert, aber nicht meinen Charakter. Ich bin eben . derselbe kalte, gleichgiltige und phlegmatische Rudolf, den Dn in Bern gekannt hast, der Dich aber doch aufrichtig liebt und Dich oft hcrgewünscht hat; denn die Laterne, mit deren Hilse ich gleichgesinnte Freunde suche, ist noch immer angezündet und wird, wie ich fürchte, eS noch eine Zeit lang bleiben müssen. — Ich besitze indessen das Leben und Wirken Rudolfs Von Rodt, weiland Missionärs der Londoner MissivnSgescllschaft in Indien, von l)>, Karl Wilh. Bouterweck, Dircetor des Gymnasiums in Elbcrfclv. Elberfeld 1852. 59 Vorrecht, hier mit Brüdern bekannt zu seyn, die Liebe verdieneil, und mit denen ich allmälig vertrauter zu werden hoffe. Allein ich bedanre, daß ich bei ihnen Allen auf ein Hinderniß stoße, daß sie nämlich in ihren Ansichten von der Kirche verschiedener Meinung mit mir sind/' Schon früher durch den amerikanischen Missionär Abeel aufgefordert, entschloß sich Rodt auf das erneute Andringen des Missionärs GrorcS, der auS Bengalen nach Genf gekommen war, um Missionäre zn suchen, dem MisstonSwerke sich zu widmen, und, unter dem 23. Juli 1835 von dem „Comite der zur Evangelisation verbundenen Gemeinen in Genf, im Waadtlande, Neufchatel, Bern und Basel, als Prediger des Evangeliums, nach Indien ausgesendet", ging er nach London, schiffte sich zu Liverpool ein, und betrat den 11. April 1836 den indischen Boden. Er war zu London vorher in die Missivnödicnste der etablirtm Episkopalkirche Englands aufgenommen worden. Von der in Indien herrschenden religiösen Begriffsverwirrung, von der uner- schüttcrten Gewalt des krassen HeiventhumeS oder gottlosesten Materialismus, und der noch krassern Cyristenmacherei, ja, von dem gerade entgegengesetzten Erfolg der mis- sionarischm Thätigkeit, sollte Rodt schon bald nach seiner Ankunft die abschreckendsten Beweise erhalten! vie Eingeborenen waren offenbar durch ihr Psendochristenthum nur noch ausgearteter und sittenloser geworden. Schon gleich bei seinen ersten Besuchen von Hindu-Schulen machte er die traurigsten Erfahrungen. Einmal fragte er einen etwa zehnjährigen Knaben, der schon seit einiger Zeit Unterricht in der christlichen Religion empfangen hatte, was er von den Götzen halte, und der Kleine antwortete mit ernster, allkluger Miene und funkelnden Augen: „Es gibt nur einen Gott, daS ist ein allgemein verbreiteter Glaube (sie!); allein eS gibt viele Unlergottheitcn;" er nannte darauf mehrere. Solche und noch entmuthigcndere Borfälle mochten oft schwerer noch, als die „tiefe Einsamkeit", den jungen Missionär drücken. Und daß er überall dieselben Mißerfolge sah, bekennt er selbst in einem Briefe aus Calcutta, wohin er im Juni 1837 gereist war. „Für daS Evangelium", schreibt er, „geschieht hier viel, aber lange noch nicht genug. Die Arbeiten der Missionäre sind hier nicht sehr gesegnet, dein Anscheine nach, und das Feld, das sie bearbeiten, ist sehr harr. Jedoch findet sich hie und da ein junger Hindu, der Muth genug hat, seiner Kaste zu entsagen, d. i. von Vater, Mutler, Weib, Geschwistern nnd Allem, was ihm lieb ist, sich zu trennen, Verfolguugen und grausamer Behandlung sich auszusetzen und ans den Namen Christi sich raufen zn lassen. Doch bleiben nicht Älle ihrem Vekemituisse bis ans Ende treu. Die heidnischen Vvrurtheile nehmen aber in dieser Stadt von Jahr zu Jahr immer mehr ab. Viele Hindns haben ihre Religion ganz verlängnet, sind dadurch aber nicht besser geworden, da sie nun bloß Deisten oder Atheisten sind, und daher, weil sie Jesum nicht bekennen, haben sie auch weder Schmach noch Versolgnng zu leideu. Kenntnisse und europäische Bildung nehmen sehr über Hand, (sie!) Viele Hindus reden sehr geläufig englisch." Daß eS aber nicht bloß in der großen Weltstadt Calcutta — was man doch noch durch die gewöhnliche Korruption großer Städte im Nothfalle erklären und entschuldigen könnte — so schlecht stand, sagt uns ein weiterer Brief RvdtS von Suna- muky, wohin er zurückgekehrt war, uutcr dem 26. Nov. 1837 geschrieben: „Es ist nun schon mehr als ein Jahr, daß ich unter den Heiden das Evangelium predige, habe aber bis auf diese Stunde nicht die geringste Frncht meiner Arbeit gesehen. Ich wundere mich nicht darüber: denn ohne die besondere Gnade und Einwirkung Gottes" (M. die eben in der Erfolglosigkeit der Arbeit auch negativ sich auszusprechen Macht hat!) „kann auch nicht Eine Seele gerührt und zum Glauben an EhristnS gebracht werden. Jedesmal, wenn ich den armen Heiden von unserm Heilande rede, fühle ich tief die Schwachheit meiner Predigt und die Unzulänglichkeit meiner Beweise. Meine Person, als Europäer und als mit den Herrschern des Landes eng verbunden" (8ie!) „zwingt freilich die Eingebornen, mir mit Ehrerbietung zu begegnen: allein nach ihren Religionsbegriffen bin ich doch ein verächtlicher Mann, 60 ohne Kaste, ohne wahre Religion, ein Kuh- und Schweinefleischesser, ein Mletschtscha, d. i. ein Unreiner. Auch sagten sie mir einmal: „„AuS deinem Munde religiöse Gespräche anzuhören, ist unö Sünde/"' So wie meine Person, hat auch meine Predigt nichts Anziehendes für sie. Krischna ist ihr Erlöser, den sie leidenschaftlich lieben. — Dessen ungeachtet dürfen wir nicht müde werden. Gott hat sich bereits Zeit und Stunde ersehen, wo er über dieses unglückliche Land die Sonne der Gerechtigkeit wird aufgehen lassen Nur wenn ich auf mich selber sehe, will mir zuweilen der Muth entgehen. Ich liebe selber den Herrn so wenig; wie kann ich verlangen, daß Andere ihn lieben? Ich bin so kalt im Dienste meines Herrn, so leichtsinnig in der Erfüllung meines Amtes; wie ist eS möglich, daß er meine Arbeit segne. Solche Gefühle meiner Schuld und Untüchtigkeit, verbunden mit dem Gedanken an die völlige Fruchtlosigkeit meiner Arbeit drückten mich in diesem Jahre oft sehr darnieder, und meine gänzliche Einsamkeit macht meine Lage noch hoffnungsloser." ^Schluß folgt.) , Tablomanie,»nb Nekromantie. 5 Als vor Kurzem ein Landmann vom Tischrücken und Tischklopfen und dessen wundersamen Erscheinungen erzählen hörte, rief er auS: „Das muß vom Antichrist herkommen, der im Jahre 1853 geboren worden seyn soll!" Dieser Ausruf mag wohl anfangs lächerlich vorkommen. Allein wenn man bedenkt, was der Apostel Paulus im zweiten Brief an die Thessalonicher schreibt, so kann statt des Scherzes Ernst und Besorgniß eintreten. Nach den Worten des Apostels geschieht die Ankunft des Menschen der Sünde und des Sohnes des Verderbens gemäß der Wirkung des SatanS mit allerlei Kraft, Zeichen und falschen Wundern. Wenn man nun die außerordentlichen Phänomene des Tisch- RückenS- und Klopfens näher betrachtet, so möchte man annehmen, unsere Zeit versetze sich in das Gebiet der Zauberei oder d-S WeibeS mit dem Pythonsgeiste zu Endor, um sich dort den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele zu holen, der so ziemlich beseitiget wurde, weil ihr die Unsterblichkeit deö Leibes lieber wäre, den ja der Tod in seinen sinnlichen Genüssen so unangenehm stört. Von dieser Seite betrachtet, Härte die Zauberei, Wahrsagerei und Todtenbeschwörung noch etwas Gutes, wiewohl dieser Weg zur Kenntniß der Unsterblichkeit der Seele zu gelangen nicht der rechte ist, sondern der Glaube der Kirche. Aber wenn man auf der andern Seite liest, wie meisteng die zweierlei Geschlechter bei'm Tischrücken die Kette bilden, so kann man den Verdacht grober und feiner Sinnlichkeit nicht ganz ferne halten, wodurch der unreine Geist den Reiz der Wollust in die Herzen, besonvers junger Leute eingießt, und eS wird gewiß jeder Seelenführer die Jugend vor dem höllischen Verführer der Menschheit warnen, um sie vor dessen Schlingen zu bewahren. Folgende Erzählung deS gelehrten und frommen Jeremias Drerelius auS Augsburg, dessen Schriften von Katholiken und Protestanten gerne gelesen wurden, möchte hier nicht am unrechten Orte stehen, um besonders die Jugend vor verwegenem Spiele mit unbekannten Mächten und Gefahren zu warnen. Einem Jüngling träumte, er sey vom Rachen eines Löwen getödtet worden. Er steht auf, merkt nicht mehr auf den Traum und geht mit seinen Kameraden zur Kirche. Auf dem Vorplatze derselben sieht er einen steinernen Löwen mit offenem Nachen, der einer Säule zur Stütze diente. Hier erzählte er mit lachendem Munde den Genossen seinen Traum und sprach: „Sehet da, der ist jener Löwe, der mich heute Nacht zerriß" Mit diesen Worten steckre er die Hand in den Rachen und rief auS: Hier hast du deinen Feind, beiße mit deinen Zähnen, wenn du kannst!" Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so erhielt er eine tödtliche Wunde in diesem, wie er glaubte, unschädlichen Schlunde. Ein Skorpion nämlich war in dem untersten Theile des Rachen verborgen gewesen, der, als er die Hand fühlte, seinen Stachel gebrauchte und den jungen Spötter tödtcte. 61 Wer erinnert sich bei dieser Erzählung nicht an die Worte des Apostels Petrus- „Seyd nüchtern und wachet: denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, wen er verschlingen könne." Lasset euch nicht berauschen und einschläfern von der Wuth unserer Zeit, die Alles wissen möchte vom Orakel der Tische, nur das Eine nicht, waö am nothwendigsten zu wissen wäre. --- ! > > , ^ -'-t I'/lH mi^t-I 'isl.ii'"'^ 'N(N NMIÄ ?',chi>7ii:s>linu i'-liüR'(lilll Die Kirche und der Findling. „Lasset die Kleinen zu mir komme», denn ihrer ist daS Himmelreich!" Mit diesen Worten breitet der göttliche Heiland sein mildes Scepter auS über die Geringsten auf Erden, über die Kinder, die er aber zu den Größten im Himmelreiche bestimmt hat. Und fürwah?, es ist etwas Großes um diese Kleinsten! Im jugendlichen Alter stellt die kirchliche bildende Kunst die Engel deS Himmels dar, als wollte sie sagen, daß sie nur in der noch unentweihten Jugend des Menschen ein würdiges. Abbild des engelreinen Lebens der himmlischen Geister finden könne. Dem Kinde räumt die Kirche den Platz zunächst dem Presbyterium ein, als möchte sie zunächst nnr in den Kindern die Stellvertreter der am Throne Gottes betenden und lobsingenden Engel Goiteö erkennen. Der Name eines Kindes ist der Ehrenname des Christen, der zur Freiheit der Kinder Gottes durch die Taufe erhoben ward, ist der Ehrenname der Gläubigen, die der heilige Johannes mit dem rührenden Worte: Kindlein! anredet. Diese Würde und Auszeichnung eines KindeS, daS wohl durch die Geburt ein Kind des göttlichen Zornes, durch die Wiedergeburt im Wasser und heiligen Geiste aber ein Kind der Gnade geworden, macht uns auch die Schwere deS Aergernisses erklärlich, das der Heiland mit den Aergernißgebenden selbst in die Tiefe des MeereS versenkt wissen will, sie macht uns aber ferner die heilige Verantwortung aller ferer erklärlich, die von Christus die Kinder anvertraut erhalten haben zur geistigen, zur sutiicheu Pflege. Wer sind diese wohl anders, als die Eltern und Priester, ihre leiblichen und geistlichen Väter? Die Geburt deS Kindes in ihrem Schooßc gibt der Mutter ein natürliches Anrecht auf das Kind, legt ihr al'er auch'zugleich eine natürliche Pflicht auf, für dasselbe zu sorgen in geistlicher und leiblicher Hinsich'. Tritt dieses Recht, diese Pflicht nicht in ungleich höherem Grade in dem Augenblicke ein, in welchem die Kirche durch ihren Priester dem Kinde Mutter wird, in welchem sie im Sinubilve der Stola ihre schützende, segnende Hand über dasselbe breitet, um diese Hans nie mehr von ihm zurückzuziehen, sondern sie noch segnend auszustrecken über die Wiege des TodeS, daS Grab? Und wenn anch die leibliche Mutter vergessen könnte ihres eigenen KindeS, wenn sie auch gottvergessen genug wäre, daß eS ihr glcichgiltig seyn möchte, ob daS Kind an Seele und Leid gedeiht oder nicht, so kann d ch die freie Mntter, die Kirche, die obwohl die unfruchtbare, genannt, doch fruchtbarer ist als alle Mütter, des Kindes nicht vergessen, sie übt Mulierpflicht, indem sie daS verlassene Kind großsäugt mit der reinen Milch des unverfälschten, heiligen, katholischen GlanbenS. Ja, Gott sey Dank! müssen wir auSrnfen für die Kinder, Gott sey Dank, daß ihnen Gott in der katholischen Kirche eine so treue, zärtliche Pflegemutter gegebeu hatl Kindermord und Aussetzung des Kindes nach der Geburt, diese zwei Brandmale e-'nes jeden heivimchen Zeitalters, hat die katholische Kirche znerst durch ihren Criminal-Coder als himmelschreiende Verbrechen gelennzeichnet, noch lange bevor der Staat sich dazu dernsen fühlen konnte. Es sind unlängst in einer Plcnar-Versammlnng des Wiener-Severinus- vereins in warmer Rede die Schattenseiten der sogenannten Findelhäuser aufgedeckt und es ist hierbei bemerkt worden, daß durch Abschaffung oder möglichste Beschränkung dieser Anstalten dem Staate mehr gcnützt werden könne. Wir verkennen nicht die gewichtigen Gründe, die den Redner zu diesem Wunsche veranlaßten, allein wir möchten diese armen Geschöpfe, die das Perbrechen in die Well setzte, die in den Händen ihrer natürlichen Mütter oft mit derselben Unnatur behandelt würden, wie dieß bei jenen Leuten der Fall ist, denen sie jetzt in Pflege und Erziehung gegeben 62 werden, wir möchten die Findlinge den Händen wieder anvertraut sehen, denen sie einstens anvertraut waren, den Hände» der Kirche, den Händen einer religiösen Bruderschaft, eines OrdenS; denn man kann eS nicht oft und nicht laut genug nach allen Seiten hin rufen: Nur die katholische Kirche und Niemand außer ihr ist im Stande, die tief eiternden Geschwüre unserer socialen Gegenwart zu heilen. Keinen neuen Rath gebe ich hiermit, denn nichts Neues gibt es ja unter der Sonne. Die ersten Tenodochien, als Hospize für Arme, Waisen und Kinder unnatürlicher Eltern geschaffen, wer schuf sie denn anders als die katholische Kirche, die schon auf dem ersten Concil zu Nicäa Bestimmungen darüber erließ? Ein Priester in Mailand war es, der im Jahre 787 ein an die Kirche gränzendes HauS zn eben diesem Zwecke kaufte und unter die Leitung der Kirche stellte, wie sein schönes Epitaphium sagt: „Lanete, msmento, Oeus, i iu.i, n^n/.^c. Kath. Wochenschrift. ^ 63 Zündstoffe gleich, der alle gährendcn Elemente an sich zieht und zum lichten Brande führt. Die Zahl der erschienenen Gegenmittel und Verordnungen ist Legion, und die Armuth wächst mit jedem Tage, jenem biblischen Traume gleich, der die sieben mageren Kühe die fetten auffressen sah, ohne daß jene fetter wurden. Lüften wir den Schleier dieser „Geheimnisse des Volks"; wir stehen mit unserer Ansicht über die Grundursache des Uebels so wie über das Alles beherrschende Gegengift ziemlich allein. Eine gewisse Scheu hält ab, dem die Palme zuzuerkennen, dem man gewisser Ursachen halber nicht hold werden will. Wenn je die Arznei wegen des Arztes verworfen wurde, so fand dieses nur zu sehr bei unserem Gegenstande statt. Wenn auch unser Vorschlag wie die Stimme einer Cassandra verhallt, eS liegt zu sehr in unserm Interesse, unbeachtet des Jetzt, an einer neuen Zukunft zu arbeiten, als daß wir verkennen sollten, daß die Rolle der ausgetauchten Reformvorschläge in Bälde ausgespielt seyn werde. Der Standpunct, von dem aus allein die schwierige Ausgabe methodisch zu verfolgen und glücklich zu lösen, kann nicht der national-ökonomische seyn, da das Bedingte nie zum Princip erhoben werven darf; nicht der industrielle, wenn man nicht den Bau von Oben beginnen will; nicht der modern-philanthropische, der mit dem Urheber steht und fällt: es gilt hier nur der positive Standpunct des Glaubens. Hiernach erläutern sich erst die obschwebendcn Begriffe; Methode und Mittel sind nur Consequenzen, und dann erst haltbar. . . Von diesem unserm Standpuncte aus, wir möchten sagen, dem untrüglichen, Handell es sich nicht darum, der Armen sich zu entledigen; dieses wäre eitler Wahn (pguperes somper ücchetis vobiseum. ^lo-mn. 12, 3); auch nicht darum, eine scheinbare Zufriedenheit zu schaffen, wenn einmal durch Beschaffung neuer Erwerbsquellen ein gewisser Mechanismus zu Stande gebracht wäre; das wäre eben nur Schein: sondern durch Aufstellung einer Gegenkraft einen Zustand herbeizuführen, der eben so weit entfernt von schielender Lüsternheit nach oben, wie von einem kläglichen Verfall nach unten; einen Zustand, der nach Abgang deS materiellen ein geistiges Capital vcr.eiht, daS aus sich selbst eine glückliche diesseitige Existenz generirt und befähigt, auch das Höchste zu erreichen. Verklärend wirkt dann dieser Grundsatz auf verschicvene Abstufungen unv Mittel ein, wie diese theils die individuelle und locale Eigenthümlichkeit, theils die Anforderung der Zeit und der Umstände erheischen und vorhanden seyn müssen, um durch ein harmonisches Jneinanderwirken dem Uebelstande zu steuern. Dieß ist die allgemeine Lösung des räthselhaften Problems der Noth, wozu die nähere Entwicklung gegeben wird. Der Mohr und der Jude. In Shakcöpeare's zwei venetianischen Schauspielen: „Othello" und „der Kaufmann von Venedig" kommen zwei Charaktere vor, die beide Abkömmlinge eines Volksstammes sind, auf dem seit uralten Zeiten ein heiliger Fluch lastet. Bedeutsam ward Venedig als die Welt-Handelstadt, in welcher alle Gegensätze in Berührung kommen, zum Schauplatz gewählt. Mit Meisterzügen ist das Eigenthümliche einer jeden dieser Nationalitäten hervorgehoben, so wie das Eigenthümliche des Fluches, der sie traf. Beim Juden ist dieser Fluch unzertrennlich von der Religion desselben; so wie der Jude Christ wird, ist er, so fern eS auS Ueberzeugung geschah, von demselben befreit; denn das persönliche Bekenntniß sühnt vollständig, waS die Verläugnung, der Verrath und die Kreuzigung der Voräliern verbrach. Wird aber der Christushaß in dem Enkel fortgesetzt, dann ruht auch auf ihm die Schwere der Strafe. Darum mußte der Repräsentant des jüdischen Charakters bei Shakespeare ein erbitterter Christenfeind seyn. Moderne Kritiker haben Shakespeare einen unmenschlichen Judenhaß vor- L 64 geworfen, dem ist nicht so. Er mißbilligt die hartherzige Behandlung der Juden, die Folter der Angst, auf die Antonio gespannt wird, erscheint zum Theil als eine Strafe des Betragens, welches Shylok mit den Worten schildert: „Werther Herr, ihr spiet mich an, ihr mißhandeltet mich, nanntet mich Hund." Allein Shakespeare ist eben so wie er zu menschlich und christlich ist, um jener unwürdig feindseligen Handlungsweise gegen ein von Gott geschlagenes Volk beizustimmen, auch zu sehr Mensch und Christ, um das moderne Lied von der jeden Glaubensunterschied verwischenden Judeu- Emancipaticn zu singen, und sein scharfer menschlicher Blick durchschaut die unheilbringende Gewalt, durch welche der Unterdrückte den Unterdrücker unter das Joch bringen kann, die Gewalt des durch Wucher gehäuften Reichthums nämlich, welche die Freiheit des Christen um so mehr bedroht, je mehr er, wie Bassanio, einer weltlich leichtsinnigen Richtung ergeben ist. — Der Mohr hingegen ist ein Christ, und so lang seine Leidenschaft ihn N'cht überwältigt, der Edelste seines Stammes, tapfer, klug, bescheiden, Heldenhast und gefühlvoll. Aber daS Erbtheil deS alten Fluches wohnt als Versuchung in ihm, eS ist sein heißes, afrikanisches Blut, Wenn er Widerstand leistet, wird er srei seyn; im entgegengesetzten Falle gewinnt die urväterliche Verwünschung Macht über ihn. Nicht die Eifersucht ist der Anfang seiner Schuld; denn der Argloseste hätte, von der teuflischen Tücke eines Jago gestachelt, das Unheilvolle glauben müssen, Aber schon durch seine Verbindung mit DeSdemona fällt er mit freier Wahl der unseligen Schickung heim, indem er, gleich dem Urvater Cham, den Fluch seines Vaters auf sich ladet, da er heimlich das Mädchen znm Allare führt, von dem er weiß, daß er eS mit des VaterS Willen »ie als Weib besitzen dürfte, Dnrch diese unchristliche That ist der gebundene Heide wieder in ihm entfesselt und treibt ihn dahin, nicht nur den Verleumdungen deS Jago Glauben zu schenken, was unter solchen Umständen wohl auch ein Christ mit europäischem Blnte gethan hätte, sondern auch dahin, an der Schuldig-Geglaubten durch Mord Rache zu nehmen, was er auf dem christlichen Standpulicte nie gethan hätte. Und endlich treibt eS ihn in diesem thatsächlichen Nücksall inS Heidemhum dahin, die Schuld sühnen zu wollen durch Schuld, indem er sich selbst entleibt. So sehen wir einen Kerrlichen Helden, Schritt vor Schritt.durch freie Wahl in die ererbte Nacht zurückstürzen, aus welcher er durch das Licht des Christenthums schon einmal befreit hervorgegangeil war. (W. Kirchenz.) »nch'si'^ln 5 >5i 5lnH« ,lnW.mü^tn>yiÄ zlv?v!' Gran» Gran. DaS Innere der Metropolitankirche, an welchem bereits seit längerer Zeit gearbeitet wird, geht mit raschen Schritten seiner Vollendung entgegen. Um sich einen Begriff von den Malerarbeiten, welche unter der Leitung Ludwig Moralts aus München ausgeführt werden, zu machen, genügt es zu bemerken, daß das Deckengewölbe deS Sanctuariumö 4730 Quadratschuh mißt. Die Tischlerarbeiten werden von dem rühmlichst bekannten Wiener Leistler in einem dem Bauwerke entsprechenden künstlerischen Style angefertigt. Ueberhaupt ist die Graner Kirche daS großartigste Bauwerk, welches die Monarchie in der Neuzeit auszuweisen hat. »dito«- hzniz Z«lt.ItlIItI«!'»t!5 '<> "!>—' n>, i-'/ij i!,UI!il5!> ' jjl^'iU'l'L . .'>'»« W i e n. Wien. Nach ganz verläßlicher Mittheilung wird in Kürze ein frommer Wunsch verwirklicht, den viele Priester — so wie in der Wiener Erzdiöcese, so auch anderswo — lange schon in sich trugen, nämlich: die Einführung der Lazaristenc ongregation. Am 21, Jan. d. I. ist solche zwischen Sr. fürstl, Gnaden dem hochw. Hrn. Erzbischof von Wien nnd dem hochw. Hrn. Visitator der besagten Congregation aus Paris nach vorhergegangenen Verhandlungen definmv beschlossen worden. In Wien wird daS NoviziathauS errichtet und bereits haben die Unterhandlungen bezüglich einer anzukaufenden Realität begonnen. Nerautwortlichcr Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrgcr PostMung. 26. Februar A. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sontttage. Der halbjährige Abounementtpret» TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. PoKäuitrr und alle Buchhandlungen bezogen werde« kann. Rudolf von Rodt, weiland Missionär der Londoner Missionsgesellschaft, über die Früchte seines Wirkens in Indien. (Schluß.) Was war natürlicher als daß Rodt einen Ort . zu verlassen wünschte, an dem er sich vergeblich in Anstrengungen erschöpfte, und der ihm, trotz deS längern Aufenthaltes, ganz fremd geblieben war. „Als ich zum letztenmale", schreibt er am 17. Jan. 1338, „durch daö Dorf zog, blickte ich mit Stillschweigen von meinem hohen Sitze" (auf eiuem Elephanten) „auf die Hüttenreihen zu beiden Seiten hinunter. Kein Gefühl der Wehmuth, keine Neue stieg in mir auf; ich verließ keinen Freund, keinen Bruder, keine mir zugethane, keine das Wort Gottes liebende Seele. Mehr als ein Jahr lang halte ich das Dorf unzähligem«! besucht, kannte alle Häuser und Winkel in demselben; alle Leute, vom größten bis zum kleinsten, kannten mich, und dennoch blieb es mir ein fremdes, ich möchte fast sagen, von Feinden bewohntes. DaS Evangelium und den Namen Jesu haben sie oft gehört, aber nicht zu Herzen genommen; sie haben nur darüber gespottet. — In den Dienst der „Londoner MisstonSgesellschafl" getreten, welche, den Tendenzen der demokratisch-unionistischen Niederkirchenpartei huldigend, in strengem Gegensatz zu den Episkopalen steht, oder, wie Bouterweck sagt, „den persönlichen Ueberzeugungen ihrer Arbeiter möglichst Raum läßt, und in den Jndep end enten ihre Hauptvertreter hat," begab sich Rodt von Sunamuky nach Calcutta, und stand dort zunächst zu den Gemeinden in zwei benachbarten Dörfern in scelsorglichcm Verhältnisse. Aber auch jetzt sah er noch keine bessern Früchte der Misston, als bei seiner ersten Anwesenheit in Calcutta. „Unsere Christen," schreibt er den 15. Febr. 1842, „in RÄm-lkälchok und Gangri sind sehr arme, schwache, unwissende Lente, die man mit großer Geduld tragen muß." Nachdem er hierauf die Bedrückungen der armen Bauern durch die großen reichen Landeigenthümer hervorgehoben, fährt er fort: „Ein anderes sehr großes, wohl das größte Hinderniß, daS wir zu bekämpfen haben, sind die verschiedenen christlichen Secten, die sich neben uns angesiedelt haben, besonders die Missionäre der bischöflichen Kirche, die uns nicht als Prediger ansehen wollen, und uns sagen, wir hätten kein Recht, die Leute zu taufen, ihnen das Abendmahl zu geben und ihre Ehen einzusegnen. Und wenn wir irgend Einen um seiner schlechten Aufführung willen ausschließen, so laust er zu ihnen, und wird oft von ihnen ausgenommen." Mit Recht, freilich nicht in dem Sinne, wie wir meinen, nennt Rodt die Zersplitterung der Secten das größte Hinderniß eines gedeihlichen Fortganges der Missionen: dieß ist eben mit Anderm der in dem Protestantismus liegende Fluch, Secten eine Existenz zu geben, die ihn selbst am meisten gefährden und zerstören. Begreiflich ist demnach unter solchen und ähnlichen principiellen Hemmnissen, wenn Rodt am 66 7. Jan. 1843 schreiben konnte: „Ich habe dieses Jahr fünf oder sechs neue Glieder in die Gemeine aufgenommen." Wie tief er selbst dabei diese in der sectischen und individuellen Zersplitterung deS Protestantismus begründeten Schäden fühlte, spricht er bei einer andern Gelegenheit aus, indem er, von seinem „monarchischen" Verhältnisse zur Gemeinde redend, sich dahin äußert: „Die Verfassung der Gemeinen ist Nebensache, die Einheit der Gemeinen aber eine Hauptsache." Ja, die Einheit! Wie sollte sie sich aber auf protestantischem Boden, ohne daß man sich in seinen Principien ausgäbe, ermöglichen lassen? Dieselben traurigen Erfahrungen, wie an den beiden ersten Orten seiner Mis- stonSihätigkeit, begegneten Rodt auch aus einer Reise im nordöstlichen Bengalen, die er in Begleitung zweier Protestantismen Hindus machte, deren Tagebücher theilweise in das seinige aufgenommen sind. Der eine derselben berichtet über ihren Aufenthalt zu KriSnogor, wo ein deutscher Missionär, Namens Dürr, seit ungefähr zwanzig Jahren sich aufhielt, unter Ander», Folgendes: „Hierauf ging ich zu Herrn DürrS Hause. Vor demselben fand ich zehn bis zwanzig Christen, die unter einem Baume in der Bibel lasen. Ich setzte mich zu ihnen und fragte sie: Brüder, versteht Ihr das Evangelium, das Ihr leset? Sie antworteten: Freilich; wie könnten wir, wenn wir cS nicht verständen, Andere darin unterrichten? Ich: Brüder, was hat der Herr für unS gethan? Sie: Er kam ins Fleisch, uns zu erlösen. Ich: wie können wir Theil haben an der Erlösung, die er für uns erworben? Sie: Wenn wir seine Gebote halten, wenn wir die Sünde verlassen, wenn wir zu ihm beten. Ich: Reicht unsere Kraft hin, dieß zu thun? Sie: Allerdings; denn unser Herz steht unter unserer eigenen Aufsicht; wir können seine Neigungen und Begierden nach unserm eigenen Willen leiten; denn wir z. B. waren Hindus, jetzt aber haben wir unser Herz geneigt gemacht, die Religion Christi anzunehmen. Ich fragte weiter: Welches ist die wahre Religion? Sie: Das können wir, ohne vorherige Prüfung, nicht sagen. Ich entgegnete: Dann scheint eS, daß Ihr ohne vorherige Prüfung Christen geworden seyd? Sie sagten: Viele Dörfer sind christlich geworden; wir haben eS gemacht, wie sie. Ich fragte noch weiter; aber zuletzt wurden sie böse und sagten: Wir können nicht unser Lesen ausgeben und beständig mit Dir schwatzen." Nicht geförderter, sagt Bouterweck, scheinen auch diejenigen gewesen zu seyn, von welchen Rodt unterm 12. Nov. berichtet: „Um vier Uhr erreichten wir einen Ort, von wo der Wohnort des Herrn A. (eines Missionärs) nur eine Meile entfernt war. Ich gab daher Befehl, das Boot anzuhalten, und ging allein über Feld, ihm einen Besuch zu machen. Unterwegs mußte ich über eine., kleinen Fluß; eiu Mann zeigte mir die Furt. Er sagte mir, er sey ein Christ, und wieß auf mehrere andere Bauern hin, die im Felde arbeiteten und, wie er sagte, alle Christen wären. Ich fragte ihn: Warum seyd Ihr Christ geworden? Er antwortete ehrlich: DeS Geldes wegen. Ich: Wie Viele sind Christen geworden? Er: In diesem und in den benachbarten Dörfern bei hundert Familien. Ich fragte zum zweiten nnd zum dritten Male: Warum seyd Ihr Christ geworden? und erhielt immer dieselbe Antwort. Aus meinem Rückwege ging ich durch ein Dorf, dessen Bewohner sämmtlich, drei bis vier Häuser ausgenommen, Christen geworden waren. Ich rief einige herbei und fragte sie: Warum seyd Ihr Christen geworden? Sie antworteten: Weil wir glauben, daß daS Christenthum wahr ist! Was habt Ihr gewonnen und was werdet ihr künftig noch dadurch gewinnen, daß Ihr Christen geworden seyd? Anfangs antworteten sie nicht; dann sagte einer von ihnen: Wir werden den Himmel gewinnen- Als ich sie insgesammt fragte: Könnt Ihr lesen und schreiben? antworteten sie: Nein. Frage: Wer ist Christus? Antwort: Wir haben von Rischi (d. i. ein Heiliger) gehört; wir wissen aber nicht, wer er war und was er gethan hat. Frage: Habt Ihr von seinem Tode gehört? Antwort: Wir wissen nichts davon. Frage: Seyd Ihr getauft worden? Antwort: Nein; Niemand hier ist getauft worden, ausgenommen diejenigen, welche die zehn Gebote und den Glauben 67 wissen, — Ich ging weiter und traf einen alten Mann, der mir sogleich ungefragt sagte, er sey ein Christ, Ich fragte ihn: Warum seyd Ihr Christ geworden? Antwort: Weil Andere es geworden sind." Aehnlichc Erfahrungen, und insbesondere ein die fürchterlich entsittlichenden Folgen dieser Christenm^cherei recht prägnant charakterisirendeS Gesprach mit einem vagabundirenden Bettelmusicanten, der auch „Christ' geworden war, erzählt daS Tagebuch des andern Begleiters Rodts: „Frage: Ihr habt ein musicalischeS Instrument, macht Ihr vielleicht Musik und singt Lieder? Antwort: Ja; mit Hindus singe ich Hindulieder und mit Christen christliche Gesänge, Ich sagte: Zwei Herren zu dienen ist Sünde. Antwort: DaS läugne ich nicht. Ich: Ist eö recht, wissentlich zu sündigen? Antwort: Unser Batet Adam hat gesündigt, warum sollten wir nicht sündigen?" „Unier ähnlichen niederschlagenden Erfahrungen", fügt Bouterweck diesen Mittheilungen bei, „euchalten die Tagebücher auch einzelne Beispiele eines wirklichen Verlangens nach Belehrung, und mehr als einmal hatten die drei Prediger Gelegenheit, bei ihren Straßenpredigten die Aufmerksamkeir der versammelten Heiden und Muhamedcmer zu bewundern. Viele Tractate, auch ein paar Evangelien an zwei Brammen, wurden verlheilt; manchmal aber wurde das Anerbieten zurückgewiesen, oder die berei'S angenommenen Tractate zurückgegeben." —Fürwahr ein schlechter, armseliger Trost, nichts als ein paar einzelne Fälle, auS denen vielleicht eine aufrichtige Konversion werden dürfte, und ein bischen Aufmerksamkeit bei einer durch die Neuheit der Erscheinung ohnedem anziehenden Siraßenpredigt — als kümmerliche Beweise einigen Erfolges vorbringen zu können! So weni^ Rodt selbst sich über die Erfolglosigkeit des MissionSwerreS täuschte, so unangenehmen Eindruck scheint sein ungeschminktes und unbefangenes Urtheil in Genf und London gemacht zu haben, wo man eher dem Manne, als — der Sache die Mißerfolge zuzuschreiben geneigt war. „Meine Genfer Freunde", schreibt er unter dem 3l, März 1839, „schweifen völlig, und Wenger hat mir geschrieben, daß sie mit mir unzufrieden seyen, mich im Irrthum begriffen glauben. — Ich glaube, mein Irrthum besteht darin, daß ich ihnen das Werk in Indien dargestellt habe, wie es wirklich ist, ohne eS auSzumaleu oder zu verschönern ; daß ich Ihnen gesagt habe, wie so wenig von den Wirkungen des Geistes Gottes hier sichtbar, wie viele Jndier nm zeitlichen Gewinnes willen Christen werden, oder doch wenigstens um in der Welt befördert zu werden; wie in einer nur sehr geringen Anzahl wahre Frömmigkeit zu sehen ist. Wenn ich dieß AlleS gesagt habe, so muß ich es wiederholen und bestätigen. Wollte Gott, ich wäre im Irrthum!" Daß Rodt nicht im Irrthum war, noch die Zustände zu schwarz sah, bewieß der traurige Fortgang der Mission freilich täglich handgreiflicher; ihre Resultate in den folgenden Jahren waren nicht um daS Geringste erfreulicher, vielmehr noch niederschlagender. DaS „Reich Gottes" nehme in Indien seinen „stillen, langsamen Gang" — tröstet sich Rodt unterm 16. Dec, 1341 und 18, April 1842; doch a^r ist dieser Gang ihm selbst für seine Ungeduld wieder zu langsam; „denn wenige, sehr wenige Seelen bckchren sich, und unter denen, die sich zu Christo bekennen, sind viele Heuchler, Viele, deren Banch ihr Gott ist." Zuweilen scheint eS ihm, daS Reich GotteS gehe nicht bloß langsam und stille, eS gehe vielmehr rückwärts. „Zwei große Hindernisse", klagt er dann, „stehen ihm im Wege: die Secten und die Zwistigleiten, die daS Volk GotteS zertrennen und die Feinde zum Glauben verleiten, eS sey daS Reich Christi mit sich selber uneinS, und könne nicht bestehen (sie!) — und dann der Geiz und die Geldsucht der Hindus, die an dem Reichthum der englischen Christen nur zu leicht Nahrung findet, und sie in die fast unwiderstehliche Versuchung führt, derjenigen Partei sich anzuschließen, die die reichste ist und die meiste Unterstützung verspricht. Und einige unserer (falschen) Brüder sind niederträchtig genug, durch Geld die Glieder anderer Gemeinen anzulocken und zu verführen, und Viele haben sich verführen lassen," Begreiflich ist'S hiernach, wenn eS unter dem 16. Dec. 18-42 weiter heißt: .Die Kirche GotteS ist hier in keinem blühenden Znstande. Freilich ist die Zahl der ^ 68 Christen nicht unbedeutend. Ich glaube, sagen zu dürfen, daß in der Provinz Bengalen allein sich etwa 10,0 sätze, weil nicht zn widerlegen, verachtend hinweg; man statuire ein Amalgama der verschiedenen religiösen Ueberzeugungen, um den materiellen unv intellektuellen Reichthum einer gewissen besondern Classe der Bevölkerung durch das Ganze in Fluß zu bringen: und wir werven das Volk bald schreien hören: „Iranern et eircenses", wie in jenen Tagen, von denen ein trauernder Heide (Herxzc-z c!e iiu II, 8) sagt: „Omina scelerikus et viti'1'5 plens sunt"; wir werden graben in den Goldmincn Kaliforniens, und ein Ungeheuer auSgraden, das seine eigenen Kinder auffrißt. Eine Parallele aller Revolutionen, besonders der beim Ablauf deS achtzehnten Jahrhunderts und der jüngsten Jahre, die vorzüglich Revolutionen der Noth seyn wollten, könnte belehrend seyn. Da eine solche Theorie eine gottlose, ist sie dann eine wissenschastliche? Znm matten Leben herabgesunkeu, verrostet auch der aus beständigen Gebranch gewetzte Stahl; unmuthig wirft Der vaS Werkzeug ans der Hand, der sich der höhern Idee beraubt und zum Sclaven der Scholle verdammt sieht. Den Festtagen, deren es keineswegs zu viel sind, gehört eiu solcher Vorwurf nichr; sie athmen ein thatkräftigeres Lebe», als cin purer Materialist zu ahnen vermag. 5) „Dazu sind oic Festtage eingesetzt, daß sie als öffentliche, alle Jahre wiederkehrende Evan- gclisicn die Thaten Gottes in der ganzen Kirche verkündeten, in dem Andenken der Christen erneuerten und verewigten, und durch diese Erneuerung und Verewigung göttlicher Thaten den himmlischen Sinn derGläubigen weckten, offenbarten, belebten." F. M. Sailcr, Pastoraltheol, ll>, S. 194. 71 Ein gleiches LooS hat das viel gehöhnte und verfolgte Wallfahrten. Ohne hier in die Sache näher einzugchen, bemerken wir, daß diese christliche, im religiösen Leben tief wurzelnde Uebung keine Armuth erzeugen kann, da eS keine Züge von Wollüstigen zu Bädern oder VergniigungSorlen sind, sondern Bußgänge im Geiste der Abtödtung und unter der beständigen Cvntrole der Kirche, noch daß sie Armuth hervorgerufen haben, da die Geschichte ein Anderes lehrt. Wenn übrigens einmal der Stein gehoben gegen Das, waS hehr und heilig, so wird er geworfen, auch ohne zu wissen warum. Und eö ist das Merkwürdige, daß bei Ällem, was drückt, immer dasselbe als Grund angegeben wird, was mau haßt, die Religion; ist sie ja daS Centrum, um welches sich die Geschichte aller wesentlichen Fragen dreht; alles Uebrige steht in der Peripherie. Einige andere aufgeworfene Ursachen der Armuth übergehen wir als zu weit führend, und bemerken über den wahren Stand der Dinge Folgendes. Der alleinige und innerste Grund unserer allgemeiner werdenden Verarmung ist die Vernachläßigung der Religion, die Glaubenslosigkeil unserer Zeit. Wir müssen unsere Gegner bitten, nicht vor diesem Phantome zurückzuweichen, sonder» sich näher in den Streit einzulassen. DaS Gesetz, welches sowohl Antrieb zum Guten als Urtheil über Vernachläßigung desselben gewährt, kann kein wandelbares, zufälliges, menschliches, sondern muß von Gott selbst, der gut allein, seyn, also die von Ihm gegebene Offenbarung, der Glaube. Eben so muß eS ein oberstes Gesetz geben, das bei Befolgung desselben untrüglich lohnt und bei Vernachläßigung untrüglich straft, uud auch dieses kann nur das absolute seyn und, wie eö sich in Gott offenbarte, der Glaube. Dasjenige serner, was in Sache deS gemeinsamen Interesse für alle Zeiten, Umstände, Zustände und Personen den richtigen AuSschlag gewährt, muß der Menschlichkeit entrückt seyn, von höhern Regionen kommen, und auch daö ist der Glaube. Wenn endlich Principien-Fragen aufraucben, bei denn, der menschliche, endliche Geist sich erschöpft, so muß der absolute Geist sich maniscftiren nnd zu einem höchsten Principe daS Wandelbare, der zeitlichen Aenderung Unierworsene zurückführen, und das stellt sich dar im Glauben. Vor diesem göttlichen Forum kann kein Streit unerledigt bleiben, wie umgekehrt Nichts die wichtigen Fragen deö Geistes irrilirt, ohne auch dieses Gesetz, und zwar dieses zuerst, überschritten zu haben. Wir bitten nun, diese Principien auf die vorwürsige Frage anzuwenden. Armuth ist ein relativer Begriff; ihn kann also nur der Glaube aufhellen. Arm seyn ist im Allgemeinen Folge eines vorausgegangenen Fehlers; darüber spricht nur der Glaube das richtige Urtheil. Die Armuth setzt auch gerade in ihrer Verschuldung die Satzungen des für Alle richtenden, auch die dunkelsten Fragen entscheidenden Richters voraus; das ist kein anderer, als der Glaube. Während jede andere Ausfassung, als die angegebene, die Sache auf ein blcßcS Scheingefecht, weil der Basis entbehrend, hintreibt, greift die gläubige Behandlung derselben daS Uebel bei seinem eigentlichen Sitze, bei der Wurzel an, legt die Ursachen mit der einzig möglichen Klarheit auseinander, unv ist dann, im Besitze derselben, im Staude, Abhilfe zu gewähren. Durchschreiten wir nun im Lichte des Glaubens das Lager der Armuth; wie steht eS da um die wahre Conduite derselben? Wir sehen jene,Gotr abgestorbenen Herzen, wie ihr wüsteS Auge, bloß dem Genuß zugewendet, endlich wild fortbrület, wenn alle Quellen dazu versiegt sind; wir sehen jenen gemeinen Troß, die deutschen Sansculotten mit Freiheitshut und Heckerbart, die Alles, was hehr und heilig, mit Hohngelächter begleiten und keine andere Beschäftigung kennen, als jene von der Schrift bezeichnete (Erod. 32, 6): „das Volk saß, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um zu spielen"; wir sehen jene traurigen Gestalten, die herumlungern ohne Tendenz und, wenn ihre Lebensweise .,von der Hand znm Mund" stockt, der Schrecken und die Last ihrer Nachbarn werden; wir sehen jene Halbgebildeten, denen der Glaube nur eitle Form, wie sie unbegreiflich trotz aller sogenannten Mühe zurückgehen und dann, verkommen an Leib und Seele, der Anstoß ihrer Ge- 72 meinden werden; wir gewahren endlich jene alten Sünder, die dem Rufe deS guten Hirten nicht gefolgt, nach den schauderhaftesten Katastrophe» an den Bettelstab gekommen sind und nnn in ihren grauen Tagen Noth leiden. Bankerott an Seele und Leib gehen Hand in Hand. Die Fälle, wo „eine Tücke des Schicksals arg mitgespielt", find nichts als moderner Aufputz einer und derselben Sache. Wie dem Glauben das konservative Element inhärirt, so drückt der Gegensatz desselben seinen Vertretern das Siegel der Nichtigkeit aus. — Wir würden eS nicht wagen, ein so allgemeines und hartes Urtheil auszusprechen, allein neben der Thesis ist auch die Erfahrung für uns. Mag der AuSgang deS Uebels noch so verborgen, die Haltung seiner Träger noch so täuschend seyn, eS alterirt die Sache nicht. Wie vermöchten wir auch aus den verschiedenen Coustellationen dafür einen bestimmten Namen zu nennen, da wir hier auf das der Welt am meisten entzogene Gebiet angewiesen sind? Dann wohnt im Glauben ein anderes Element, welches der Noth den Keim benimmt oder dieselbe in ihrem Auftreten abwendet, die mittheilende Liebe. Sie ist die Erfüllung deS alten Gesetzes, gleichsam der Engel mit dem flammenden Schwerte zur Abwehr des Uebels. Der Glaube sieht in ihr seine schönste Frucht in Beziehung auf Gott und die Milbrüder. Da diese Liebe gütig (1. Cor. 13, 4. 5) ist und nicht das Ihre sucht, strebt sie dahin, jene Uebelstände auszugleichen, welche selbst auch die Schuld frevelhaft beigeführt. Wenn aber dieses Leben der Liebe erkaltet und zum Egoismus herabsinkt, dann ist eine besondere Quelle versiegt, die Gott der Noth zur Ausgleichung der Verschiedenheiten annäherungsweise, aber doch befriedigend angewiesen. Nun dürfen wir es uns aber nicht verhehlen, daß wir darüber schreienden Beweis haben. Nicht nur, daß unsere Zeit keine großen Anstalten treffen kann, welche der leidenden Menschheit zu Hilfe kommen, es ist auch vielseitig über die private Herzlosigkeit für Noth und Elend gerecht zu klagen. Jene weichen Herzen, die ein zartes Tonstück zu großen Zähren rühren könn, stoßen die Hand Dessen hart zurück, der um Bewahrung vor offener Schande fleht, und überlassen ihn seinem gänzlichen Verfalle; „es ist ja unschön für einen Gebildeten, weich zu seyn." Negativ knüpft sich daran daS verheerende Element in Sitten und Gebräuchen; denn entweder wird Golt oder Belial (2. Cor. 6, 15) gedient. Daher konnte ein tiefer Denker der neuesten Zeit zu dem Ausspruche kommen (Hift.-pol. BI. 1848 S. 691): „Unsere modernen Städte dürfen, in mancher Beziehung, namentlich hinsichtlich deS Lurus und der Sittenlosigkeit, mit den Städten der Römerwelt zur Zeit ihrer Entnervung und ihres Absterbens verglichen werden." „Die Städte unserer Zeit sind die Erzeugerinnen des Proletariats und eine beständig offene Freistätte des CommuniSmus." AuS dem Vorstehenden ziehen wir den Schluß, daß aus der GlaubenSlosigkeil das Uebel der Armuth entsprungen. Wir sagen: das Uebel der Armuth; denn dem in der christlichen Ascese erstarkten Herzen wird das Joch Jesu nicht bitter und seine Bürde nicht schwer, und bei allem Drucke der Entbehrungen findet sich in ihm ein Friede, den die Welt — und dieser göttliche Ausspruch steht hier in hervorragender Größe — den die Welt nicht geben kann. Statt der Schlaffheit deS Proletariers tritt da eine heilige Resignation ein, die im kärglichen Brode die Güte Gottes wieder erblickt und Labuug und Stärkung findet; dann aber mit dem unholden Geschicke ringt und es nicht selten in kurzer Zeit besiegt. Oft möchte daö Herz brechen, wenn man noch diese Reste des christlichen Heroismus wahrnimmt. *) Noch nie ist ein solcher Armer eise Last geworden. (Fortsetzung folgt.) *j „Irland .... hat niemals seinen Glauben vergessen. . . . Drei Jahrhunderte von Confiscationen, von Verfolgungen, von Hunger, von Entwürdigung sind über sein Haupt hingegangen, ohne es einzuschüchtern und zu beugen." Montalembert, die kath. Interessen im XIX. Jahrhundert. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen Verlags-Inhaber: F. »1m ,"'>^ 1,4 Zitt-iZ N'/«7ttU7(! »Om,«l mttzS/lu^i^.L l ln^ wt-^ ns^üuiws..ÄiK''!i. nzchMoci^j- Die »katholische Verdummung". s,m Zi^i ^'-!! tN)lZil(-s /»zchim, ,itt Alle Sünden, so schreibt das treffliche Frankfurter katholijche Kirchenblatt von Beda Weber über „ka hclische Verdummung", sind verzeihlich, nur die Dummheit nicht, hat Lenz irgendwo in seinen Schriften gesagt. Von dieser Wahrheit gehen unsere Gegner aus, wenn sie von der katholischen Religion behaupten, daß sie die Menschen verdumme, und hoffen dadurch ans dem kürzesten und sichersten Wege die katholische Kirche zn vernichten, denn die Lehre, auf welcher der Vorwnrf der Verdummung lastet, und das Volk, welches sich das Brandmal der Dummheit gefallen läßt, sind in der öffentlichen Meinung gerichtet ohne Gnade und Barmherzigkeit, die nur der Sünde, aber nie der Dummheit zu statten kommen können. Da die weltberühmten Zeitnngöblatter und Broschüren zu Frankfurt am Main den Vorwurf der Volksverdummung durch die katholische Religion und Kirche im abgelaufenen Jahre 1853 wenigstens jeden Monat einmal zur Beschimpfung ihrer katholischen Mitbürger vorgebracht haben und auch im Jahre 1854 denselben zu wiederholen soitfahren, so ist eS doch Zeit, dieser milbrüderlichen Christenliebe, dieser ächt-deutschen Toleranz, dem orthodoxen Russeuihum parallel, gegenüber, näher inS Auge zu schauen uud zu uutersucheu, ob der Vvrwurf der katholischen Volksverdummung wirklich wahr sey. Da begegnen wir zunächst der seltsamen Wahrnehmung, daß der Begriff der Dummheit im deutschen NeligionS- und Kirchenwesen noch nicht einmal feststeht. Wenn der bußfertige Katholik seine Sünden vor dem Priester beichtet, und das in unglücklicher Stunde gestohlene Gut zurückstellt, so nennt man das bei unS Katholiken christliche Weisheit, Gerechtigkeit, Buße. Anders denken die Barrikadenmänner, die Socialisten und Wildschützen des neunzehnten Jahrhnnderts, die bekanntlich von der katholischen Kirche sich gründlich emancipirt haben. Sie nennen unS Einfaltspinsel, Feinde der unveräußerlichen Mcuschcnrechle, nach denen jeder Mensch zum gleichen Genusse dieser Erdengüter berufen ist, folglich in den Mittein nicht wählerisch seyn darf, diesen Genuß zu erringe». Die Zurückstellung des fremden GnteS erscheint ihnen als Dummheit, welche von listigen Pfaffen ins Geschlecht der Menschen gepflanzt worden ist. Wenn der Kacholik den Samstag als letzten Tag der Woche mit Andacht daheim mit den Seinigen beschließt, um am kommenden Sonntagsmorgen mit fröhlicher Seele dem Gottesdienst beizuwohnen, so können sich andere, die der Katholicismus nie im miudesten beschwert hat, nicht genug über diese katholische Dummheit wundern, welche mit endemischer Wuth die honnettesten Bürger um die Saulcbern, Gänselebern und Hochheimerschoppen um zwöls Kreuzer zu bringen im Stande ist, Sie erscheint ihnen wahrhaft colossal, wenn sie bedenken, daß die Pfaffen im Hintergrunde stehen, und diese Dnmmheilen der Abtodtung uud Sparsamkeit mit menschenfreundlichem Ingrimm predigen und sanctioniren. So könnten wir noch unzäh- 74 lige andere Fälle anführen, wo die Feinde der katholischen Kirche Erscheinungen für Dummheiten ausschreien, die im Grunde nur Ergebnisse der höchsten christlichen Weisheit sind, ohne deren Daseyn das Christenthum selbst Werth und Wirkung verlieren würde. Treten wir von dieser vorläufigen Bemerkung in den Garten der Geschichte, so stehen hier Denksteine mit Buchstaben, die Jedermann lesen und den Vorwurf der katholischen Volksverdummung darnach bemessen kann. Wer hat denn die Dome in Deutschland, in Belgien und in den Niederlanden, in Italien und Spanien gebaut? Katholiken! und zwar zu einer Zeit, wo nach den evangelischen Vorwürfen die tiefste Nacht, die krasseste Unwissenheit, die üppigste Maienblüthe deS Aberglaubens und der Dummheit durch den Papiömus des Mittelalters die europäische Menschheit bedeckten. Könnt Ihr mir auch nur einen einzigen Dom von Bedeutung in Europa zeigen, den die Reformation, den die evangelische Weisheit gebaut Hai? Diese Riesenblumen himmlischer Weisheil haben also alle in Gemüthern gekeimt und sind aus Herzen zum ewigen Erstaunen der Weit in den Himmel gewachsen, die Ihr als verdummt von der katholischen Kirche darzustellen seil drei Jahrhunderten eifrig bemüht seyd? Und sie legen Zeugniß ab nicht blos von der Kunst, die Ihr nicht erreichen konntet und nie erreichen werdet, sondern noch weit mehr von der gemeinsamen Opferwilligkeit des katholischen Volkes, von seiner tiefen Andacht, die laut vor aller Well dem Heiland dient, vom schönsten Gemeinsinn, der Könige und Bettler im herrlichsten Palaste der Welt als gleichberechtigte Brüder ohne Ansehen der Person um den Gott des Altars zur Heiligung und Erfrischung versammelt. Die Gallerten von Rom, Florenz, Mailand, Paris, Brüssel, München, Dresden, Wien und Madrid mit ihrem staunenswerthen Reichthum von Geist, Schönheit, Andacht und HcilSlehre, nach denen noch jetzt alle Generationen ziehen, um sie zu bewundern und an ihnen sich menschlich auszubilden, ohne die das Leben leer, die Gelehrsamkeit schaal und das Evangelium ohne Commentar ist, verdanken ihre Meisterstücke fast ausschließlich der katholischen Kirche, welche vorzugsweise die Kraft hat, das Licht und die Klarheit himmlischer Wahrheilen in die Gemüther der Menschen auszuströmen und dieselben wieder in Meisterbildern zur Bewunderung und Entdummung der Menschen hervorgehen zu lassen, daß sie unangefochten und siegreich dastehen, bis das letzte Menschenherz auf Erden auSge- athmet hat. Macht es den Kcuholiken einmal nach! Und die Zeit, wo nach den protestantischen Geschichtschreibern der Druck katholischer Dummheit mit unerhörter Bosheit und Tyrannei als Weltplage über Verstand und Herz der Völker gekommen ist, und alles Große und Edle mit cimmerischer Finsterniß erstickt hat, die Zeit des Königs Philipp des Zweiten von Spanien, wo zeigt sie uns denn eigentlich die Beweise der Vervnmmung der katholischen Nationen, dieses ausschließliche Merkmal unserer Kirche, wenn wir den gewiegten Zeitungsschreibern zn Frankfurt am Main glauben wollen? Auf dem Gebiete des christlichen Lebens begegnen uns die heilige Theresia von Jesu, welche als innig-fromme geistreiche Frau Männern aller Konfessionen ehrwürdig ist, der heilige Petrus von Alcantara, welcher den ersten Beherrschern der Welt Rath ertheilt hat, ohne von seiner Demuth und strengen Abtöotung abzulassen, Johannes vom Kreuz, der als Dichter die Mitlebenden für Christus entzückt, für die Idee der Reform im Haupte uud in den Gliedern der Kirche gelebt und gelitten hat, dessen kühnstes Lied von der Liebe Christi uns noch jetzt von seinem Sterbebette auS erschütternd anweht. Und wer aus Liebe zur demschen Gründlichkeit diese Helden und Heldinnen des katholischen Lebens, diese goldenen Bilder aus dem Evangelium in Wort uns That, kurzweg unter daS alte Eisen wirft, kommt in nicht geringe Verlegenheit, wenn er zu gleicher Zeit mit diesen begeisterten Seelen deS katholischen Kirchenlebens die riesenhaften Dichtergestallen herantreten sieht, deren eine einzige groß genug ist, einer Nation ewigen Ruhm zu verleihen: Cervantes von mehr Geist und Witz als die deutsche Journalistik seit drei Jahrhunderten ins Feld gestellt hat; Calderon, der mit seinen Dramen im deutschen Volke, durch die romantische Dichterschule aufgeweckt, allge- 75 meinen Anklang gefunden und verdient hat; Camoens, der in seiner Lusiade das beste Heldengedicht geliefert, welches die Geschichte der neuern Zeit überhaupt kennt; alle drei welterfahren, aber selbst in ihren Dichterwerken strengkatholische Geister voll Demulh dem Heiland ergeben, voll Begeisterung für das heilige Kreuz, daS die Leidenschaft der alten und neuen Welt besiegt hat, voll zarter Rücksicht für Schämn und Sitte als Grundlagen aller gesellschaftlichen Ordnung auf Erden. Man sieht es diesen Männern nicht an, daß sie zur Zeit gelebt, wo nach den oratorischen Persuchen der deutschen Buchmachern die grausenvolle Inquisition alle reinen Menschenblüthen unterdrückt hat. Die Männer blicken so frisch und unverkümmert ins Leben, ungeachtet das Wohlbehagen deS Geldes und Besitzes nicht aus ihrer Seite war, sie entfalten eine so lichte kindlichreine Seele, daß man ihnen keinerlei Dummheit und Stumpfheit anmerkt. Und das Volk, Hoch und Gering, Geistlich und Weltlich, die ganze Nation hängt an ihnen wie der Bienenschwarm an der Honigblüthe. Es kann nicht verdummt gewesen seyn, weil es die weisesten und geistvollsten Führer auserlesen hcu. Und mitten unter diesen Dichterfürsten malt Murillo, der Göttliche, seine Heiligen und Bettelknaben, seine Madonna und seinen Johannes Baptist«, seine Melonenesser und Traubennäscher mit einer Wahrheit und Natürlichkeit, die uns noch jetzt nach dreihundert Jahren die Seele erfrischen. Diese Ultramontanen der Poesie und Knust, diese Jesuiten der Freude und Andacht in Spanien uud Portugal leben noch, trotz der englischen Uneigennützigkeit, trotz der französischen Revolution, trotz der Freimaurer und Bibelschwärzer. Das Volk hat die politische Kraft noch in seinem Innersten bewahrt. Laßt eS nur katholisch, laßt eS ultramontan seyn, dann färbt eS den Ebro und die Berge von Asturien mit Blut für seine Freiheit und Unabhängkeit. Todt ist es nur dann, wenn es seinen Katholicismus verliert und dadurch dumm wird. Dringt uusere Betrachtung von der spanischen Halbinsel hinüber nach Italien, so finden wir um die nämliche Zeit Papst Leo den Zehnten aus dem Throne der Apostelfürsten sitzen, dem man alle möglichen Vorwürfe eher machen kann, als den der Volksverdummung. Rafael von Urbiuo, Michel Angelo Buonarotti, Benevenuto Cellini und viele andere geistesmächtige Künstler standen unter seinem Schutze und verdanken zum Theil ihre Größe seiner Freigebigkeit und Kunstliebe. Die Gelehrten aller Völker fanden an ihm stets einen warmen Vertreter und Freund, wie es vielleicht nur einmal im deutschen Leben und im verjüngten Maaßstab zu Weimar dagewesen ist. Die berühmtesten Dichter der Italiener, Torquato Tasso und Ariofto, gehören der Hauptsache nach seinem Zeitalter an und erhielten ihren Dichterwerth anerkannt und verherrlicht vom Lorbeer der ewigen Rom, um sie den christlichen Völkern als Meister der Sprache und Poesie desto eindringlicher an'S Herz ju legen. Wir gestehen, wenn das der Weg zur Volksverdummung durch katholische Schleichwege ist, so muß man sich um so mehr wundern über die emsigen Begründer dieses Vorwurfs gegen die Katholiken, da sie doch von Morgens bis Abends in einem Athem, so weit er in dieser Zone reicht, von Aufklärung und Abklärung, von zeitgemäßer Bildung durch Kunst und Wissenschaft, von Intelligenz und Germanenthum reden, was sie retten und ausbreiten wollen. „DaS ist ja wälsch," schreien sie uns freilich beständig entgegen. Ich frage: Was war denn damals bei Euch deutsch? Der ReligionSzank, welcher die deutschen Kirchen verstümmelt, die Heiligenbilder ver- unehrt, die Mönche und Nonnen aus ihrem Eigenthum vertrieben hat? Die Selbstsucht, welche sich unter dem Verwände deS „reinen Evangeliums" mit dem Kircheu- und Klostergute bereichert und die Religion als Domäne der weltlichen Macht unterworfen hat? Die Menschenliebe, welche die Reformirten, weil sie von ihrem Auffassungsvermögen Gebrauch machten so gut wie Ihr, als Sakramentirer auS der Stadt hinausgewiesen nach Hanau und Bockenheim, und in Genf den Scheiterhaufen als letztes BekehrungSmiltel in Anwendung brachte, ohne dem Kaiser Sigmund zu Konstanz dasselbe Recht einzuräumen? Der Patriotismus, welcher die Schweden und Franzosen zu Bundesgenossen gegen Deutsche annahm und in diesem saubern Handel 76 die schönsten deutschen Länder auf immer an unsere Erbfeinde überlieferte? Der rohe Schimpf, der in den Schriften der Vormänner jener antinationalen Bewegung keine Ahnung von Urbanität mehr übrig ließ, welche sonst dem deutschen Gemüthe selten abhanden kommt? Daß in jener unseligen Zeit Knust und Wissenschaft zu Grunde ging, daß beim sogenannten Wiedererwachen derselben der Zopf seine Feste feierte, die Unnatur und Grimasse zur Herrschaft gelangten, darüber will ich nicht einmal ein Wort verlieren, eS war die fluchwürdige Folge der germauischeu Bundesgenossenschaft mit Deutschlands Erbfeinden, wo Bildung, Religion, Wissenschaft in dreißigjähriger Verwilderung unterging. Ist das Euer berühmtes Germanenihum, dann gebt Acht, daß nicht die nächsten Tage Euer Herz vom dummen Kopfe abfällt und zum Wäljch- lhum übergeht, weil cS der einzige Weg zur Menschlichkeit und Tugend ist, nach denen alle vernünftige Kreaturen bewußt und unbewußt und in der Regel ohne ihre Schuld seufzen. Freilich die deutsche Philosophie, welche berufen ist, die dumme Menschheit zu witzigen, ist nicht von der katholischen Kirche ausgegangen, sie hat vielmehr an ihr eine staudhafte Gegnerin gefunden. DaS hat man in Berlin, Jena und Königsberg übel vermerkt, und aus diesem Grund abermals den Vorwurf der Volksverdummung gegeu sie ausgesprochen. Als aber das philosophische Germcmenthum seine Aufgabe gründlich gelöst hatte, als der Gottmeusch JesuS Christus, die Unsterblichkeit der Seele, der Unterschied zwischen Gut und Böse deutschwisseuschaftlich beseitiget, als die Ewigkeil der Materie, die Emancipiruug des Fleisches, die Alleinherrschaft deS Sinnen- genusseS aus dem philosophischen Ledaei auSgekrochen waren, und die Proletarier deS 19teu Jahrhunl'ens die Weisheit norddeutscher Professoren allherrschend machen wollten mit dem Blödsinn und der Stupidität deS Lasters, daS frech genug war, über die Tugend regieren zu wollen: da freilich war es höchste Zeit, zn Frankfurt an dem Main schreiben und drucken zu lassen, daß die katholische Kirche ihre Anhänger verdumme- Wir sind weit entfernt, diesen Ausbund von Volksaufklärung, wie sie in Süddeutschlaud sogar beiden Bauern auf dem Laude grassirt, wie sie die Schuljugend zum Theil schon anerkennt uud übt, wie sie auf deu deutschen Hochschulen theilweise von Amlswegen gelernt wird, wie nameutlich die Frankfurter Zeitungen sie für Heidelberg vertheidigen, auf unsere Rechnuug herüberzunehmen. So dumm sind wir nickt. Der heilige Glaube uuserer Kirche hat uuö vorciuSprophezeit, vaß es mit dieser deutschen Philosophie so kommen werde, er ist uns jetzt um so lieber, weil er unS in Zeiten bitterer Noth unfehlbar warnend und siegreich zur Seite stand, uud deu Wahnsinn der GvtleSläugnung uuier jeder Form von den katholischen Gemeinden zurückwies. Ist diese uichtkatholische Volksverdummung sür jeden vernünftigen Menschen schon lehrreich genng, so erreicht die politische in unsern Tagen den höchsten Grad menschlicher Bornirthcit, deren wir uns um keine» Preis als aufrichtige Katholiken schuldig machen möchten. Wir meinen die Bramarbasiaden in den deutschen Landen Baden und Nassau. Den Kirchenconflict soll der Erzbischos von Freibnrg oder sein angeblicher Hintermann, der Bischof von Mainz, veranlaßt haben, das soll ein vernünftiger Mensch glauben, blos, weil die Korrespondenzen deS deutschen Frankfurter Journals, und die über allen Ausdruck geistvollen Ariikel der Mittelrheinischen Zeitung in Wiesbaden cS alle Tage zum Ekel und Ueberdrnß wiederholen, während jeve Gegenrede unterdrückt ist. Hält man die Welt wirklich für so stupid? Wir weuigsteus wollen uns aus diesen Quellen uud ihreu amtlichen Auctoritäten nickt um unsern gesunden Menschenverstand bringen. Es klingt wie ein Märchen auS Tauseud und eine Nacht, dieses unaussprechlich süße Jourualistcnlied vom Neckar und dem Neroberg, daß die Regierungen von Baden uud Nassau ganz ruhig ihren sogenannten gesetzlichen Weg gehen können, da ja alles Volk in Religionssachen mit denselben einig sey. Ja gerade so wenig wie im dreißigjährigen Kriege unter Mausfeld und Wallenftein, wo eS sich keineswegs um Regierung und Volk handelte, sondern um Katholiken und Protestanten. So verstehen jetzt die Journalisten in Baden und Nassau unter ihrem „Volk" die Protestanten von Baden und den oranischen Gehietstheilen, denen daS 77 Recht zustehen soll, die Katholiken an der Treisam und Lahn ans dem kurzen Wege der Gewalt in ihren heiligsten Interessen zn knechten und muudtodt zu machen. Wenn eS Euch gelingt, durch diese Rechnung Anhänger zu gewinnen, so wollen wir wenigstens nicht unter den Dupirten seyn. Solche Glaubensdummheit überlassen wir andern, weil wir wissen, daß das katholische Volk jener Gegenden unverbrüchlich zu den Bischöfen steht. Eure Katholiken, die auf der Seite der Unterdrücker stehen, müßt ihr mit schwerem Gelde besolden und werdet damit doch nicht weiter kommen, als so weit überhaupt in Revolutionszeiten die Untreue gegen geistliche und weltliche Obrigkeit reicht. Eure Beamten von Karlsruhe, Heidelberg »nd Mannheim, die euch mit ihrer Kaffeehausüberzeugung so hohen Muth geben, imponiren uns eben so wenig als die Pfarrerssöhne ans Dillenburg; wir haben sie im Jahre 1848 thcilweisc ans einer Seite gesehen, und in einem Tone gehört, daß nie ein Katholik vor solchen Bundesgenossen Ehrfurcht haben kann und darf, Bon solchen zweideutigen Kapacitäten und Herzeu lassen wir uns nicht verdummen und blind machen. Unsere Katholiken, auf die es allein ankommt, wohnen im badischen Oberland, in den Gründen von Ehrenbreitstein, Montabaur, Limbnrg, Camberg und auf den Steinkohlenlagern des Westerwaldes: da könnt ihr nachfragen, zu wem das katholische Volk in katholischen Angelegenheiten steht. Im Jahre 1843 konnten die Empörer und Wühler mit ihrer Treue gegen den Landesfürsten allein nicht fertig werden; dieses Volk läßt in GewtssenSsachen nur sich nicht mäckcln. Im Jahre 1854 wird eS mit seiner Treue für die Bischöfe, welche der heilige Geist gesetzt hat, die Kirche GolteS zu regieren, eben so wahr, so unbestechlich, so liebenswürdig seyn. Das regt Euer böseS Gewissen auf, das verleitet Euch zur täglichen wiederholten Jonrnallüge: „DaS Volk, das Volk ist für nnS gegen Christus und seine Kirche!" Mit Euch ist Niemand, außer Nonge, Hecker und wer das traurige LooS hat, in aller StaatSweiSheit und Menschenerfahrung ein Dummkopf zu seyn. Segeln wir aus diesen Binnenseen deutscher Verwässerung uud kleinstädiischer Kurzsicht iuö Volksleben von heute über, um auch da näher zu untersuchen, ob wirklich die katholische Religion ihre Bekcnner verdumme, so stellen wir nach dem Buche des berühmten Berliners Nicolai über Italien die italienische Nation als Beispiel kaiholischer Volksverdummung der norddeutschen intelligenten Bauernschast gegenüber, um aus diesem Contraste am schnellsten über die Frage klar zn werden. War Nicolai vielleicht ein abgedankter Hosralh oder GcMecapitän, so begreifen wir seine Milzsucht im schönen italienischen Lande beim kindlichsten Volke der Welt. Solche Leute labvriren an der Lungenröhrenschwindsucht oder am Rückenmark, das seinen Nervengeist verloren, oder am partiellen Wahnsinn und dergleichen Plagen des intelligenten Menschengeschlechtes. Da ist es kein Wnnoer, daß die Geruttd bricht, der Verstand ausgeht, das Blut zur Galle wird. Wir haben keine Lust, ein gleiches Experiment durchzumachen und die Natur der Läuse in unserm eigenen Pelze zu stuvireu. Klar und gerecht, wie eS uns Gott erschaffen, schauen wir Land und Leute an. Der Italiener ist der lebendige Abdruck seines sonnenglühenden Landes, lebhaft und empfindlich für alles Gute uud Schöne, namentlich ein geborener Kunstkenner, voll Einklang für alle harmonischen Töne des LicdeS und der Musik, dabei fromm und kirchlich gesinnt, sparsam, thätig mit Umsicht und nach Maaßgabe seiner natürlichen Anlagen, ausdauernd in Gefahr, Noth und Freundesliebe, voll innigen Sinnes fürs Familienleben, mit höchst uneigennütziger Brude» uud Schwestcrliebe, friedfertig und immer fröhlich, ein Sänger aus Natur- und Herzensdrang, Noch tausend andere Naturgaben der wälschcn Volksstämme könnten wir anführen, und alle Einsichtsvollen würden uns Recht geben. Alle beweisen, daß man die Dummheit beim Italiener nicht suchen darf, daß sie auf ihn am allerwenigsten zutreffend ist. Und doch ist er katho, lisch, ultramontan im strengsten Sinne des Wortes, mit der innigsten Anhänglichkeit an die Institutionen der Kirche. Stellt nun den norddeutschen Bauer, den Arbeitsmann der Städtchen und Dörfer, den Matrosen und andere Musterbilder an der Nord- und Ostsee mehr mit ihrer Branntweinpest, mit ihrem Tabackskauen, mit ihrem stups- ^ 78 den AlltagSweftn, mit ihrer Gleichgiltigkeit gegen Welt und Zeit dem muntern, aufgeweckten, liedervollen Italiener gegenüber und laßt euren eigenen Verstand, eure eigene bessere Einsicht wählen. Wir sind noch unergründlich gutmüthig, so voll Vertrauen auf eure deutsche Gerechtigkeit, daß wir euch das Endurtheil in die Hände geben. ES wird selbst im schlimmsten Fall dahin lauten: „Dumm ist der katholische Italiener nicht!" Und nach diesem Urtheile hoffen wir in Zukunft Eure Journalartikel abgefaßt zn lesen. Man kann dumm seyn in allen Consessionen und nur der Dummkopf wirft die Dummheit als Anklage auf den Katholicismus. So lange der Freitag bei euch ein Unglückstag ist, so lange die schwarze Farbe euern Trauungen bei zufälliger Begegnung böse Bedeutung hat, so lange die Zahlen 11 und 13 bei Tische Todeswürfel in euren Kreis schleudern, so lange Tische prophezeien und euch erschrecken, klopfet auf eure abergläubische Brust und thut Buße! In katholischen Ländern lacht man über solchen Aberglauben. Einer trage die Last des Andern, dann hat keiner dem andern viel vorzuwerfen. Gehabt euch wohl auf Wiedersehen! ms iuü Si-u knöitwN »,Ma',8 „t»S»MlK « 'iMnännM n?5'. bül »» '„»likiW«! M InM » wenn wir dann noch den gefährlichsten Feind im eigenen Innern tragen, in der gefallenen Ae>amönatnr; — gewiß haben wir da Ursache, zwar nicht zu verzagen, — der Christ verliert Muth und Vertrauen nicht, seine Hoffnung ist auf den Herrn gebaut, — aber Ursache haben wir und die allerwicht-gste Ursache, in der Demuth zu wandeln, uns selbst in heilige Zucht zu nehmen und alle Tage zum Herrn zu rufen, er möge uns und allen Menschen gnädig und barmherzig seyn. In noch hellerem Lichte wird diese Wahiheit sich unS zeigen, wenn wir die Zukunft ins Auge fassen. Der Weg des Menschen geht zur Ewigkeit, dort sollen wir Gott schauen, in ihm und mil ihm leben, und aus den Tiefen des göttlichen Wesens die Fälle des ewigen Lebens trinken. Daß wir aber glücklich dorthin gelangen, eö hängt dieß von zwei Willen ab, vom Willen Gottes und unserm Willen; nur daß der letzte dem ersten sich fugen muß. Gott will nun, daß alle Menschen selig werven, er gibt darum allen rie ausreichende Gnade; von Eette GvtteS also ist unser Seelenheil sicher gestellt. Der Herr aber will unS selig machen nicht ohne unS; er gibt, wessen wir zum Heile bedürfen, wir aber müssen aus freier, thätiger Selbstbestimmung mitwirken mil der Gnade; Feuer und Wasser, Leben und Tod ist uns vorgelegt und dann unS anheim gegeben, nach dem Einen oder dem Andern die Hand auszustrecken. Während also voll des Vertrauens und der Kcillgen Freude unser Auge sich zum Herrn erhebt, dem Gölte unseres Heiles, muß der Blick sich in tiefster Demuth senken und ein heiliger Schrecken unser Herz erfüllen, wenn wir auf unsere Schwäche schauen. Und was sollten wir auch von dieser nicht Alles fürchten? Sind ja doch alle Menschen zum Himmel berufen; sehen wir denn auch, daß alle dem Ruse folgen? Werden wir aber lreuer befunren werden? Ist nicht Christus für Alle gestorben und finden wir nicht dennoch, daß Viele des Herrn vergessen? Werden wir aber dankbarer die Gnade gebrauchen? „Breit ist die Straße, und groß ist das Thor, daö zum Verderben führt, und Viele sind, die da wandeln?" Sind nicht auch wir bisher uutcr den Vielen gewandelt? „Schmal ist der Weg und eng die Pforte, die zum Leben führt, und Wenige sind, die da wandeln?" Wird der Herr uns einst unter die Wenigen zählen? Noch wissen wir nicht, welches Urlheil die Gerichte des Herrn uns einst verkünden werden; still, schweigsam und unergriinolich steht dieses Geheimniß hinter dem Vorhange der Ewigkeit; aber gerade dieses liefe, geheimnißvolle Schweigen muß desto lauter und eindringlicher uns zum Herzen sprechen — von Demulh, Zerknirschung, Buße und Belehrung. Bist du nun, geliebter Christ! so glücklich gewesen, die Taufgnade zu bewahren, so wache und bele, auf daß du nicht in Versuchung fallest. Denn der Versucher ruht und rastet nicht, die Sünde steht vor der Thüre; und schon lag manche Unschuld in der Wiege — lächelnd und liebenswürdig; aber die Unschuld ist gefallen und die unglückliche Seele muß min die Peinen des Feuers leiden. — Fühlst du, mein Christ! dein Gewissen von schwerer Schuld belastet, dann säume nicht, noch heute, in dieser Stunde schon dich zu Gott zu wenden, wenn nicht jeder Glockenschlag dir neue Seelengefahr verkünden soll. Der Tod kömmt — zu welcher Stunde — ist unbekannt; — wehe! wenn das Gericht des Herrn dich unbereitet finden sollte! — Hast du aber für deine Vergehnugen aufrichtig Buße gethan und glaubst du also, mit dem vollen Vertrauen dich trösten zu dürfen, daß der Allbarmherzige dir vergeben hat, dann — wohl dir, glückliche Seele! wenn du in Demuth die Gnade zu bewahren dich bemühst. Käme aber je die traurige Stunde, wo du, eingewiegt in falschen Frieden, dein Herz der Täuschung öffnen könntest, als habest du fortan für dein Seeleuheil weitere Gefahren nicht mehr zu besorgen, gerade dann hättest du- von Neuem und ganz besonders zu fürchten, weil du dann der Mahnung des Apostels vergessen hättest, in Furcht und Zittern das Heil zu wirken. Wenn du also stehst, so sehe zu, daß du nicht wieder fällst; denn auch ergraute Büßer sind wieder gefallen. Lege daS Gewand der Buße an, um es nie wieder abzulegen, bis es deiner Leiche mit in das Grab gegeben wird. 85 So also predigt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die heilige Furcht deS Herrn; so fordert Erde und Himmel, Zeit und Ewigkeit uns auf, den Weg zu Gott in der Buße zu suchen. Leider! daß es Augen gibt, die nicht sehen, Ohren, die nicht hören, Herzen, die nickt verstehen wollen. Nun kommt, geliebteste Diöcesauen! mit eben dieser Predigt der Buße die Kirche Gottes unS entgegen, besonders in der herannahenden heiligen Zeit, in welcher der Heiland uns seine Wunden zeigt und die Geheimnisse seines Leivens und Sterbens uns zu betrachten gibt und in welcher wir nach dem Willen der Kirche durch Abbruch und Fasten, durch vermehrte Uebung im Gebete und in Werken christlicher Nächstenliebe und insbesondere durch wahre Buße und ernstliche Rückkehr zu Gott uns auf den Tisch des Herrn zum heiligen Osterfeste würdig bereiten sollen. Möge, was die heilige Kirche in mütterlicher Liebe fordert, in unS die Erwiederung deS willigsten Gehorsams und der kindlichsten Liebe finden; möge der Ernst der heiligen Fastenzeit tief in unsere Seelen dringen, auf daß wir, der Sünde in Wahrheit erstorben und auferstanden zu einem neuen Leben, am heiligen Osterfeste das Mahl der Liebe würdig feiern, Den empfangend verhüllt in BrodSgcstalt, den wir dort oben von Angesicht schauen. Um dieses zum Herrn in Demuth flehend, breiten Wir Unsere Hände über euch auS und ertheilen euch den bischöflichen Segen. Gegeben Würzburg am 10. Februar 1854. f Georg Anton, Bischof. , -' Das Armenwesen vom katholischen Etanbvuncte betrachtet. (Fortsetzung.) III Mittel gegen die Verarmung und Noth. Die Mittel, die man einschlägt, um der Noth zu steuern, sondern sich in zwei Classen, in solche, welche trotz alles Bemühens nur daS Unheil noch vermehren, und in solche, welche, obwohl die Heilung in sich tragend, bisher gar nicht oder vereinzelt aufirateu. Jene sind wieder doppelter Art, entweder schon ausgeübte oder nur angestrebte Methoden zur Abhilfe. Wir wollen sie einzeln darstellen. Wichtig ist's, den Stand der Armuth zu ermitteln. So gutgemeint auch eine Verordnung über Anmeldung, Vorrufung und collegialische Prüfung zu diesem Behufe anfänglich seyn mochte, so wird sie doch zu sehr von der Erfahrung widerlegt, als daß man dieses nicht öffentlich auSsprechen sollte. Ein Armer, der erst auf diesem Wege ermittelt seyn will, muß cmweder unverschämt oder zu verschämt werden, und eine Procedur der Art wäre dem Verfahren des Arztes nicht unähnlich, der hübsch daheim, im gemächlichen Zimmerlein seine Euren macht. Es ist von selbst klar, daß das Individuum, losgerissen von seinen Verhältnissen, die ins Auge fallen müssen, oft lügenhaften Aussagen oder, greller Uebertreibung hingegeben, von den günstigen oder ungünstigen Einflüssen deS Augenblickes abhängig, unmöglich einen richtigen Census bestehen kann. Alle Erinnerungen an die Amtsstube müssen weichen, wo man es mit der nackten Wirklichkeit zu thun hat. Es ist ferner gewöhnlich, auS dem vorhandenen Armenfonde oder durch Umlage die Unterstützungen zu leisten. „Es ist gefährlich, den Leu zu wecken", die großen Städte haben es bitter bereut, jede nur etwas weiter verzweigte Armenpflege fühlt es tief. Sobald der Conscribirte von einem Fonde, von wöchentlicher, monatlicher, jährlicher Unterstützung hört, sobald ihm bedeutet, „er sey aufgenommen," dann ist die Wurzel deS Proletariers in ihn gelegt; er ist bepfründet, hat sein Recht, hat gute Aussichten, waö braucht er mehr? Die Gemeinde muß ihn ja ernähren, im Weigerungsfalle kann er ihren Vorgesetzten zu Leibe rücken, sie der 86 Ungerechtigkeit bezüchtigen, verklagen! Er weiß sich durch Kunst und Verstellung Zeugnisse zu erwerben, damit wird er frech. Jetzt ist er jener Unhold, der die sogenannten Slrmen-Sitzungen nicht selten mit Insulten bestürmr, der in den Gerichten mit seinen Papieren eine nicht unbedeutende Rolle spielt; jetzt ist er jener Vollblut- Proletcm'er, der mit unterdrücktem Grimm auf eine günstige Gelegenheit lauert, seinen Rachedurst zu kühlen, und sey es selbst im Blnte der Revolution. Endlich kommt der Betheiligte, holt in bestimmten Raten sein jährliches Aver- sum, kümmert sich um den Geber nicht mehr, als um den nächsten besten Gerichtsdiener, und gehl wie er gekommen. So muß auch die letzte Reminiscenz eines Almosens fallen, und der Empfänger in seinem Rechte die Bestätigung erhalten. Ueber dieses Alles, wer sind die Vertheiler der Pfründe? Etwa Diaconen, wie zur Zeit der ersten Christen, oder der Seelsorger als solcher in Verbindung einiger Männer von Frömmigkeit und Erfahrung, oder ein besonderer Verein christlicher Liebe? Es ist ein Staatsorgan, in dem auch jede Zurückführung auf religiösen Stanbpuuct unmöglich geworden; ein Staatsorgan, dessen Vorstand, ohne eigene Besugniß, allen Nüancirungen der Controle ausgesetzt ist, ein Staatsorgan, daS beim besten Willen nimmermehr seiner hohen Aufgabe nachkommen kann. .Dazu ist ihm in der Conscquenz ein unfehlbar wirkendes Mittel entrissen, daS in vielen Fällen die einzige Zuflucht ist, die Hunger-Cur; eS ist sein Wirken, und wenn auch standhaft das Gegentheil behauptet werden wird, bloß negativ. Nach dieser Behandlung des ArmenwesenS erscheinen abändernde Vorschläge und suchen, obwohl sie aller Wissenschaftlichkeit und Haltbarkeit entbehren, als Engel der Rettung sich hinzustellen. So erblicken die Einen das Heil allein in der Arbeit und stoßen auch zitternde Greise und Mütterlein zu derselben fort; Andere entdecken den Hoffmingsstern in dem frisch belebten Handel und wollen möglichst viele Fabriken errichtet wissen; Andere wollen BeschäftigungS-Anstalten nach Art der Zuchthäuser, weil nur so beider Desiderien vollständig entsprochen werden könne; wieder Andere glauben, eS sey daS für die Speculation günstige jüdische Ferment gesetzlich zu begünstigen und möglichst zu verbreiten, und nach Niederreißunq dieser religiösen Scheidewand ein nenes Canaan herzustellen. Diese Vorschläge, wozu noch die Errichtung von Arbeiter-Vereinen, die Hebung des Credits u. s. f. zu zählen, ergehen sich alle in der süßen Hoffnung, daß ihnen um so sicherer der Erfolg sey, je ruhmreicher die Anfänge gekrönt nnd durch Nachweise erhärtet seyen. Dieser krankhaften Hoffnung können wir unmöglich beipflichten. Sie leidet an der falschen Voraussetzung, daß das subjective Element in jedem Falle nicht von so hoher Bedeutung sey und, Weil die Noth eine materielle, auch mit materiellen Mitteln ihr begegnet werden könne und müsse; sie läßt die Frage unerörtert, woher eS denn komme, daß Gegenden oder Individuen, für welche materiell Alles geschehen, dennoch mehr und mehr der Verkümmerung verfallen; sie übersieht die geschichtliche Argumentation, welche in dem Blühen und Sinken der Völker eine große Ursache unläugbar angibt; sie wird endlich mehr oder weniger von einem schlimmen Grundgedanken geleitet, den wir vor der Hand noch nicht näher bezeichnen wollen. (Schluß folgt.) Rom. Se. Heiligkeit Papst PiuS IX. hat an den hochwürdigsten Herrn Fürstbischos von BreSlau unterm 2. Januar ein apostolisches Schreiben erlassen, aus dem wir Folgendes hier mittheilen: ..Aus Deinem Briefe haben wir nicht ohne große Freude Deine kindliche Pietät und Ehrfurcht ersehen, in der Du UnS und diesem Stuhle Petri, dem Mittelpunkt der katholischen Einheit, fest anzuhängen versprochen hast. Bewahre auch fernerhin, Ehrwürdiger Bruder, diese Deine vortrefflichen, eines katholischen Bischofes würdigen 87 Gesinnungen und suche in jener umfangreichen Diöcese, die Dir von UnS anvertraut worden, alle Pflichten eines guten Hirten eifrig zu erfüllen. Und vor Allem verwende alle Deine Sorge, Wachsamkeit, Mühe und Klugheit darauf vorzüglich, daß das Pfand unseres heiligsten Glaubens vollständig und unversehrt bewahrt und das Recht, die Lehre und die Freikeit der katholischen Kirche unverletzt erhalten werde. Da eS Dir aber keineswegs verborgen ist, daß die Menschen zur Religion, zur Frömmigkeit und zum Gottesdienst wohl am meisten durch das Leben und Beispiel Derer angeregt werden, die dem göttlichen Dienst sich gewidmet haben, so biete alle Deine Sorgfalt und Wachsamkeit auf, daß die Geistlichen, alles dasjenige vermeivend, waS den Klerikern untersagt und für sie unschicklich ist, den Gläubigen ein Beispiel seyen im Wort, im Benehmen, in der Liebe, im Glauben, in der Keuschheit, daß sie die Pflichten ihres Amtes fleißig, verständig und heilig erfüllen, dem Gebete obliegen, die Studien der heiligen Wissenschaften mit Eifer und Fleiß betreiben, damit sie Diejenigen belehren können, die das Gesetz von ihrem Munde begehren und jene, die widersprechen, zurechtweisen. Und weil Du wohl weißt, wie wichtig eS in diesen Zeiten namentlich für die Kirche ist, geschickte Diener zu haben, die nur auS wohlgeleiteten Klerikern hervorgehen können, so lasse nichts unversucht, daß die jungen Kleriker schon von zartem Alter an durch die bewährtesten Lehrer im Seminar zur Frömmigkeit, zu aller Tugend und zum geistlichen Sinne herangebildet, in Studien und strenger, besonders kirchlicher Disciplin, fern von jeder Gefahr, jedweden Irrthums und profaner Neuerung, auf'S fleißigste eingeübt werden. Unterlasse nicht, mit dem größten Eifer und mit bischöflicher Sorge zu wachen, daß in jenen öffentlichen und privaten Lehranstalten, die Dir besonders unterworfen sind, die Methode der Studien und deS Unterrichtes der katholischen Lehre vollkommen entspreche. Denn Dn erkennest sehr wohl, welch' falsche, absurde, irrthümliche und verderbliche Meinungen, in den philosophischen Disciplinen namentlich, vorgebracht werden, die der göttlichen Offenbarung und der wahren Vernunft widerstreiten. Auch ist Dir nicht unbekannt, welch' verpestete und abscheuliche Bücher, mit Geschick geschrieben und voll von Hinterlist, verbreitet werden, durch welche die feindlichen Menschen die Geister und Gemächer Aller verkehren, die Sitten verderben, die Gläubigen vom katholischen Cultus abwendig machen, die Grundlagen der Religion und der bürgerlichen Gesellschaft erschüttern, und alle göttlichen und menschlichen Rechte gottlos und verbrecherisch zu vernichten suchen. Deshalb, Ehrwürdiger Bruder, laß eS, so viel an Dir ist, cm keiner Sorge und Klugheit fehlen, um die Ansrecknng dieser schrecklichen Pest von Deiner Diöcese fern zu halten und sowohl mündlich, als durch geeignete Schriften die Dir anvertrauten Gläubigen beständig zu ermähnen, damit sie im Bekenntniß der katholischen Wahrheit täglich mehr befestigt, unbeweglich verharren und sich niemals täuschen und in Irrthum führen lassen von den Erfindern der Lüge und den Anhängern verkehrter Glaubenssätze. Den Eifer der Pfarrer suche insbesondere anzufeuern, daß sie ihrem Amte fleißig uud gewissenhaft obliegend, niemals aufhören, das christliche ihnen anvertraute Volk durch Verkündigung des göttlichen Wortes und Aussvendung der Sacramente zu weiden und durch Einschärfung des göttlichen Gesetzes zu unterrichten, von den vergifteten Weiben abzuhalten und auf die heilsamen zu leiten und die Kinder in den Grundlehren des Glaubens mit großer Geduld zn unterweisen, und ihre zarten Geister und empfänglichen Herzen zur Tugend und zu jeder Disciplin frühzeitig anzuleiten. Und da Du ein Gesandter Christi bist, welcher kam, nm zu suchen und selig zu machen, was verloren war, so höre nicht auf, Ehrwürdiger Bruder, in aller Geduld und Belehrung, Deine bischöfliche Mühe darauf zu verwenden, daß jene, die elendiglich unwissend sind und irren, das Licht der Wahrheit erblicken und erkennen und auf den W.'g der Gerechtigkeit und in den einzigen Schafstall Christi zurückkehren. Bei den größten Bedrängnissen aber und Schwierigkeiten, die in diesen so ungünstigen Zeiten von dem bischöflichen Amte untrennbar sind, verliere nicht den Muth, sondern sey stark im Herrn und denke an jene unverwelkliche Krone der Herrlichkeit, die von dem ewigen Fürsten der Hirten den Ausdauernden 88 verheißen ist. Sey aber auch versichert, daß Wir sehr gern Alles thun werden, was Wir nur immer als zu Deinem und Deiner Heerde größerem Nutzen gereichend erkennen werden. Unterdessen flehen Wir zu Gott dem Allerhöchsten demüthig und inbrünstig, daß er in der Fülle seiner göttlichen Gnade Dir stets gnädig beistehen, und Deine Hirtensorgen segnen wolle, damit jener durch Deine Arbeit zu bestellende, mit Deinem Schweiß zu benetzende Theil seines Weinberges reichliche, erfreuliche Früchte der Gerechtigkeit von Tag zu Tag hervorbringe. Und als Unterpfand dieses höheren Schutzes und als Zeugniß Unserer Liebe zu Dir ertheilen Wir Dir selbst, Ehrwürdiger Bruder, und allen Klerikern und gläubigen Laien jener Deiner Kirche auö innerstem Herzensgrunde sehr gern den apostolischen Segen. Gegeben zu Rom bei St. Peter den 2. Januar 1854, im achten Jahre Unseres PontificateS. . PiuS?. ?. IX.« Eschweiler. Eschweiler, 27. Febr. Die von den hochwürdigen Jesuiten-VäternPottgeißer, von Waldburg-Zeil und Smeddinck hier abgehaltene fünfzehntägige Mission wurde am gestrigen Tage mit einem Kreuz-Umzüge beschlossen, wie einen großartigeren nnd rührenderen der hiesige Ort wohl nie gesehen hat. Musterhaft war die Ordnung und der Anstand, die bei diesem außerordentlichen Zusammenflusse von Menschen und überhaupt die ganze Missionszeit hindurch statt fand; denn nicht die geringste Klage über irgend eine Störung, geschweige ein Vergehen, ist während dieser ganzen Zeit laut geworden. Da die Kirche auch nickt den vierten Theil der Anwesenden hätte fassen können, so mußte Herr Pater Pottgeißer die Schlußpredigt auf offenem Marktplatze halten, und war es dabei höchst rührend und lies erschütternd zugleich, aus die Aufforderung deS gewaltigen Neduers, dessen Stimme weithin verständlich durch die Stadt erscholl, eine Menge von wenigstens zwölftcmsend Menschen ihr Tanfgelübde wie auS Einem Munde erneuern zu hören. Die Wirkungen dieser heiligen Mission sind für Eschweiler und seine ganze Umgebung höchst erfreulich uud beachtenswert!). Abgesehen von den speciell religiösen und sittlichen, um welche eö sich bei einer Mission zunächst handelt, dürften schon die socialen nicht hoch genug in Anschlag gebracht werden können, und glauben wir in dieser Hinsicht nicht zn viel zu sagen, wen» wir behaupten, daß in viele Herzen und Familien der Friede von Neuem eingekehrt, Hunderte in gegenseitigem Wohlwollen und Liebe sich näher gerückt, Tausende zn treuerer Erfüllung ihrer Standespflichten zurückgekehrt und die Laster ausgerottet werden sind, welche den Ruin der socialen Menschheit herbeiführen. Möchten die Missionen in diesem ihrem unschätzbaren Nutzen für Staat und Kirche allseitig erkannt und gehörig gewürdigt werden! Hierorts hat es daran nicht gemangelt, denn obgleich die hochwürdigen Väter sofort nach dem Schlüsse der Mission ihren Wanderstab ergriffen, nm von bannen zu ziehen, so gelang es ihnen dadurch jedoch nicht, sich aller Dankes-Aenßcrung Seitens der Gemeinde zu entziehen, und dürfte es nicht leicht einen rührenderen Abschiev gegeben haben, als den der hiesigen Gemeinde von den Herren Missionären und umgekehrt. - T r i e ft. Trieft, 16. Febr. Der vorgestern hier von Treffen bei Laibach eingetroffene Missionär, Mons. Friedrich Varaga, Bischof von Michigan in Nordamerika, begab sich gestern über Ancoua nach Rom, von wo er seine Rückreise nach Amerika wieder über Trieft nehmen wird. Dieser würdige Prälat wurde in Wien, Laibach und besonders in seinem Geburtsorte Treffen mit der größten Auszeichnung und Begeisterung empfangen. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-ZuHaber: F. C. Kreiner. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 19. März M K2 ' 1854. Dieses Blatt erscheint regslmäHia alle Sonntage. Der l,albjShrilie^Ab>'m.,'nientg>!rei.? kr., wofür e« durch alle köm'ql. bayer. Postämter und ülle Buchhcmdlunaen liezvnen werden ksnr. DaS Bild des Erzbischofs von Freiburg. Die in der Cottci'schen Buchhandlung erscheinende „Deutsche VierteljahrSschrift" enthält im ersten Hefte für 1854 eine höchst gediegene Monographie: „Der Kirchenstreit in Baden" betitelt; ja, wir stehen nicht an, zu sagen, daß damit sowohl in Fc>rm als Inhalt daS Beste über diese Angelegenheit geboten wird. Der Raum gestaltet uns leider nicht, auf die Einzelnheiten dieser Abhandlung, welche in besonders gründlicher Weise das Recht des Erzbischofs auch i» den posuiven staatsrechtlichen Verhältnissen nachweiset, weiter einzugehen; hingegen können wir uns n>M versagen, das achle, die Persönlichkeit des herrlichen Erzbischofs schildernde Capitel abzudrucken. Der Aufsatz lauiet also: Nach langer Krankheit starb der Erzbischof Jgnaz Demeter am 21. März 1842. Er hatte den Sitz des Mettopolilan fünf Jahre und zwei Monate inne gehabt, und diese ganze Zeit unter Vorstellungen, Bitten und Protestatiouen verlebt. Die Wahl des Nachfolgers wurde am 15. Juni 1342 vorgenommen. Der Großherzog Leopold hatte keinen Candidaten verworfen; er ordnete den damaligen Director der katholischen Kirchensection, Gcheimenrath Siegel, als Wahlcommissär nach Freiburg ab, und dieser mischte sich auf keine Weise in die Wahl. Sein Benehmen ist in jeder Beziehung ein ehrenhaftes gewesen; und so wurde Hermann von Vicari, Bischof von Macra, zum Erzbischof von Freiburg und Metropoliran der oberrheinischen Kirchenprovinz einstimmig erwählt. Hermann v. Vicari ist geboren am 13. Mai 1773 zu Aulendorf in Oberschwaben, wo sein Vater gräflich Königsegg'scher Oberamtmann war. Während er seine ersten Studien am Lyceum zu Coustanz machte, verlieh ihm das Dvmcapiiel ein Äanonikat am dortigen CollegiatsMe zu St. Johann. Am Jesuiiencollegium zu Augsburg studirte er Philosophie, und begab sich von dort nach Wien, um nach vem Willen seines Vaters sich dem Studium der Rechte zu widmen Von Wien im Jahre 1795 zurückgekehrt, führte ihn sein Vater in die praktischen Geschäfte ein, aber die Neigung zum Berufe deS Priesters bewog ihn, mehrere ehrenvolle Beamienstellcn auszuschlagen. Während dieser Jahre seiner juristischen Praris unterzog er sich den rigorosen Prüfungen in Dillingen, ans deren Grund er die Doctorwürde beider Rechte erhielt. Nach dem Tode seines Vaters verließ er den weltlichen Beruf, um sich ganz dem Studium der Theologie zu widmen; er wnrde am 1. October 1797 zum Priester geweiht, und zu gleicher Zeit in sein Kanonikat eingesetzt. Earl Theodor von Dal- berg ernannte ihn.im Jahre 1802 zum Assessor bei dem bischöflichen Regierungs- Collegium zu Constanz, und nach wenigen Tagen zum geistlichen Rath. In dieser Stelle zeigte er eine so vorzügliche GeschäftStüchtigkeir, daß ihn der ehemalige Fürstprimas v. Dalberg noch im Jahre 1816 mit dem Officialate der bischöflichen Eurie 9V betraute, in welcher Eigenschaft er bis zum Ende des alten Constanzer BiSthumS im Jahre 1827 thätig war. Bei der Stiftung deö Erzbisthums Freiburg wurde er als Generalvicar zum Domcapitel nach Freiburg berufen. Er führte die OrdinariatS- Direclion, wurde im Jahre 1830 jum Domdecan ernannt, den 8, April 1832 alö Bischof von Macra (in partibus) zum Weihbischose geweiht und als Vioarius in pon- tikealinus et svirituglivus xenerslis deö Erzbischofs von Freiburg aufgestellt. Er war BiSthumSvenveser nach dem Tode deS Erzbischofs Bernhard, so wie nach dem Ableben des Erzbischofs Jgnaz. Wie oben bemerkt, wurde er am 15. Juni 1842 als dessen Nachfolger gewählt, am 30. Januar 1843 präconisirt und am 26, März desselben JahreS mit dem Pallium bekleidet. Wer immer die Geschichte des Tages verfolgt, wer die Bedentung deS Kampfes der Kirche gegen die Staatsgewalt auffaßt und mit Interesse den Gang desselben beobachtet, der möchte wohl ein wahres Bild von der Persönlichkeit haben, aufweiche jetzt so viele Blicke gerichtet sind. Wir wollen eS versuchen,, eine Skizze zu solchem Bilde zu entwerfen. Denkt man sich den kühnen Metropolitan der oberrheinischen Kirchenprvvinz als eine jener imposanten kirchlichen Heldenfiguren, mit welchen die Kunst den heiligen BonifaciuS, die Heiligen Athanasius, AmbrosiuS oder Thomas Becket darstellt, so ist dir Vorstellung irrig. Der Erzbischof Hermann v. Vicari ist ein kleiner schmächtiger Mann, im hohen Alter noch lebhaft, beweglich, und körperlich so rüstig, daß er noch vor einigen Monaten, nur von seinem Leibdiener begleitet, eine Fußreise von mehreren Tagen ausgeführt hat, um einem ihm verwandten Knaben eine Freude zu machen. Er ist immer freundlich, heiter nnd liebt einen gutmüthigen Scherz. Er kommt jedem Menschen mit ungesnchter Freundlichkeit entgegen und seine übergroße Höflichkeit entspringt aus einem natürlichen Wohlwollen. Er ist an Verstand und Wissen gar vielen tüchtigen Männern überlegen, aber er weiß eö nicht, und seine innere Bescheidenheit erscheint als eine Demuth, welche mit seiner hohen Stellung in eigenthümlichem Gegensatz steht, und jeden sogenannten Wellmann in Verlegenheit bringt. Die Achtung, mit welcher er die Meinung Anderer anhört, und die Bescheidenheit, mit welcher er seine eigene ausspricht, hat schon Manchen getäuscht, der den starken Charakter deS Greisen nicht kannte. Der Erzbischof Hermann ist mit reinem Herzen geboren, und die Erfahrungen von achtzig Jahren haben diese Unschuld nicht zerstört. Er glaubt an die Menschen, liebt ohne Haß und mißtraut Niemanden, faßt die Verhältnisse des Lebens, die Verwickelungen deS menschlichen Verkehrs fast kindlich auf und beurtheilt das weltliche Streben nnd Verlangen mit naiver Einfachheit des unverdorbenen KindeS. Deßhalb ist auch sein Urlheil so unbefangen nnd so gesund. Er weiß von keiner Unduldsamktii, ihm ist der Gedanke unmöglich; und wenn er glaubt, daß nur in der katholischen Kirche das Heil der Seele zu finden sey, so kann er nur beten, daß die Gnade Gottes die Irrenden erleuchte, und inbrünstig danken, wenn eine Seele zu seiner Muiterkirche zurückkehrt. Von den vielen Protestanten, die mit ihm verkehrten, hat gewiß keiner den geringsten Unterschied der Behandlung erfahren; keinem aber konnte die Zartheil eingehen, welche ohne allen Schein jene Kleinigkeit vermied, die ihn unangenehm hätte berühren können; und diese Zartheit ist kein Ergebniß der Klugheit oder der LebenSgewandlheit, denn er ist sich ihrer gar nicht bewußt: sie entspringt seinem unend. liehen Wohlwollen. Daß es Menschen geben könne, die gar keinen Glauben haben, das wird der alte Mann nimmer begreifen. Mäßig, fast ohne Bedürfnisse, macht der Erzbischos keinen Aufwand; eine Kleinigkeit macht ihm Freuce! Er hat keine eigentliche Liebhaberei, wenn nicht für seinen Garten und sür seine Blumen, die ihm gar wenig kosten. Der größte Theil seines Einkommens gehört den Armen; er hat ihnen schon Stücke seines Silberzeuges gegeben, als er selbst kein Geld mehr hatte. Seine Wohlthätigkeit hat manche Familie dem stillen verborgenen Elende entrissen und manchem jungen Menschen eine ehrenhafte Existenz begründet. Das HauS des Erzbischofeö ist eine Zuflucht der Bedürftigen; 9t er selbst spendet dem Armen, ohne zu fragen, wer er sey und woher er komme; und naht sich ihm ein Kind, das keines Almosens bedarf, so gibt er ihm doch ein Bildchen. Der Erzbischof Hermann v. Vicari ist ein frommer Mann, seine Frömmigkeit ist ein tief inneres Bedürfniß seiner Seele, sein Glauben an die Offenbarung ist so lebendig als er unerschütterlich ist; in christlicher Demuth klagt er sich als einen sündigen Menschen an, und der einfache Pfarrer eines benachbarten Dorfes ist sein Beichtvater. Was über ihn kommt, er nimmt es als eine höhere Fügung und darum stört eS ihn nicht. Als er glaubte verhaftet zu werden, da hat er in heiterer Ruhe seine kleinen Bedürfnisse selbst zurecht gelegt, um sogleich bereit zu seyn, wenn man ihn rufe. Trifft ihn etwas recht Schmerzliches, so flüchtet er sich in seine HauS- capelle und bald kehrt er heiter und freundlich zurück; so that er, als er die Erlasse vom 7. November erhielt und darüber vielleicht den herbsten Schmerz seines ganzen Lebens empfand. Ganz anders erscheint dieser Greis, wenn er sich als Kirchenfürst zeigt. Kniet er in einfacher Chorkleidung betend an dem Altar, oder zieht er, angethan mit der Dalmatika, feierlich in seine Metropolitankirche ein, oder verwaltet erden Gottesdienst in der Pracht des erzbischöflichen Ornates, so ist- eine unglaubliche Würde in seinem Wesen, man erkennt den kleinen demüthigen Greisen nicht mehr, und wenn er feierlich den, Segen über seine Gemeinde spricht, so hört man keinen Athemzug, und wer nicht auf die Kniee fallen will, der muß es sich fest vornehmen Das hohe Kirchenamt ist ihm von Gott übertragen; bald wird er vor dem ewigen Richter stehen, um Rechenschaft abzulegen, wie er es verwaltet; dieser Gedanke verließ ihn niemals, er ist ihm gegenwärtig bei der kleinsten wie bei der größten seiner Handlungen. Der Erzbischof von Frciburg ist kein Mann des raschen Entschlusses, er überlebt lange, und niemals hat er eine bedeutende Handlung beschlossen, ohne daß dem Beschluß ein inbrünstiges Gebet voranging; hat er aber einmal in sich selber entschieden, so kann keine weltliche Rücksicht ihn anders bestimmen. Er war dem Großherzog Leopold mir inniger Liebe zugethan, aber er versagte das Traueramt, weil eS die Gesetze der Kirche verbieten. Er kennt die Verfassung der katholischen Kirche nach ihrer ganzen Entwickelung und in all ihren Einzelheiten. Er ist kein glänzender Geist, wie z. B. der gegenwär, tige Bischof von Mainz, aber er ist der beste Kanonist nnd der gewandteste Geschäftsmann in seinem Capitel, und selbst ein Talent wie Hirscher beugt sich vor ihm. Alles, was Manche von fremden Einwirkungen reden, ist grundfalsch; wo die Rechte der Kirche in Frage stehen, wo es die Verwaltung seines Amtes betrifft, da ist der achtzigjährige Greis so selbstständig, als irgend ein Mann; denn nach seinem Glauben ist er und er allein für das Heil der anvertrauten Seelen verantwortlich, die Gottes erbarmuugsvolle Fügung ihm anvertraut hat. Die Bischöfe seine' Provinz verehren ihn wie einen Heiligen, und er liebt sie wie seine Brüder; aber ihre Verehrung und seine Liebe würden ihn nicht abhalten, einen Fehler zu rügen, wenn je sein Amt es verlangte. Die Geistlichen seiner Diöcese behandelt er wie seine Söhne, er fordert keine äußere Unterwürfigkeit, keine demü« thigenve Formen, sie würden ihm unbehaglich seyn; sie verkehren frei und ungezwungen mit ihm, und er beurtheilt mild ihre meuschlichcn Schwächen. Wo aber ihr Beruf und ihre Stellung als Priester berührt wird, da begegnen sie dem Ernste des Bischofs; beides ist aber im Einklage, denn das Eine entspricht seiner christlichen Demuth und seinem natürlichen Wohlwollen, daS Andere dem festen Glauben an seine apostolische Sendung. Der Erzbischof straft ohne Rücksicht die Geistlichen, die ihm den Gehorsam verweigern, aber die in Freiburg verhafteten Priester hat er im Gefängniß besucht. Er wußte wohl, daß er abgewiesen werde, aber den gehorsamen Söhnen glaubte er dieses Zeichen der Liebe schuldig zu seyn. Die Welthändel versteht der Erzbischof von Vicari nicht; sie liegen ihm fern. Daß die Kirche die Menschen zu Gott zurückführen müsse, um die Schäden der Gesell- 92 schaft zu beilen; daß die Kirche ihre Rechte zunickerobern müsse, um die wahre Freiheit auf Erden zu gründen: das ist sein politischer Gedanke. Er liebt sein großes Vaterland und kennt dessen Geschichte; aber er ist der treueste Unterthan seines Landesherr». Im Sturm der Umwälzung hat er seinen Sitz nicht verlassen, unter dringenden Gefahren hat er den Rebelle» ihr Unrecht vorgehalten und das Volk zur Treue ermahnt. Niemals ist cS ihm in den Sinn gekommen, das Ansehen der weltlichen Gewalt zu schwächen; aber in seinem Glauben darf er dem Rechte der Kirche Nichts vergeben, er mnß es schützen und wahren znm Heil des Staates und zum eigenen Wohl des Regenten. DaS ist der Erzbischof von Freiburg, der jetzt den Kampf der Kirche gegen die bureaukratische Staatsallmacht führt. Der „katholische Götzendienst". Ein gewisser Poynder zu London schrieb ein Schmählibell gegen die katholische Kirche, die er deS Götzendienstes und HeidenthumeS bcschnldigte. Wiseman (noch ehe er Cardinal wurde) antwortete hierauf im Dublin Kevisw in einer so vernichtenden Weise, daß Poynder dadurch zum Schweigen gebracht wurde und die katholische Sache in England nur damit gewann. In dieser Widerlegung Poynders läßt Wiseman einen Heiden die Kirchen Londons besichtigen, und liefert dann folgende herrliche — den Gegenstand der Anklage auf den Ankläger und seine Sache zurückwerfende — Beschreibung der Paulskirche in London: „Ich würde ihn (den Heiden), nachdem das Eintrittsgeld gehörig bezahlt wäre, in die Kathedrale von St. Paul führen, und ihu bitten, er solle auf die Religion rathen, der sie angehöre. Würde nicht seine erste Frage seyn, gehört sie überhaupt einer Religion an? Ist dieß überhaupt ein Platz zum Gottesdienst? Kein Altar, keine Kanzel, keine Abbildung von einem Heiligen ist sichtbar; rein Punct, gegen den sich die Gläubigen wenden, als sey in ihm die Gegenwart Gottes concentrirt; kein Zeichen von eigenthümlicher Bestimmung, kein Betender oder auch nur ehrerbietiger Beschauer, keiner, der, wenn er die Schwelle übertritt, seinen Geist im Gebet vorbereitet, als nahe er Gott. Da sieht er Männer mit bedecktem Haupte, als wären sie ans offener Straße; sie gehen ab und zu, betrachten das Gebäude bloß als architektonisches Werk, und sind durch die Einpfählung von dem großen Schiffe getrennt; denn die Ehrfurcht vor demselben ist so gering, daß eS, wäre eS offen, ohne Scheu profanirt werden würde; Spott und Scherz, oder der Stand der Papiere, oder eine skandalöse Tagesneuigkeit kann allein ihre Neugierde befriedigen und bildet die Unterhaltung der verschiedenen Gruppen. Würde er einen einzigen Gegenstand bemerken, der ihm andeuten würde, daß er in einem für christlichen Gottesdienst bestimmten Raume stehe? Dürfte er nicht auS der Orgel schließen, es sey eine Halle für festliche Versammlungen? Dürften nicht die schimmeligen Fahnen, die um ihn wehen, ihn ans den Gedanken bringen, es sey die Curie, oder das Senatoreuhaus der Stadt? Bloß Ein Umstand kann ihn auf ein richtigeres Urtheil führen; es sieht nämlich wie ein Theil des Gebäudes, gerade wie seine eells, abgeschlossen, und dem Blicke uus dem Zutritte deS Profanen entzogen ist, und da er in der katholischen Kirche nichts derartiges gesehen hat, und es vollständig der Form- seiner Tempel entspricht, wird er sicherlich noch genauere Aehnlichkciten vermuthen. Während er aber so unentschlossen wäre, welcher Religion er Ansprüche ans den Besitz dieses Tempels geben soll, würde ich seine Aufmerksamkeit auf einen andern Punct richten, und ihn bitten, seinen Blick auf die Grabmäler und die tastbaren Denkmäler ringS um ihn zu richte», um ihm einigermaßen zu verstehen zu geben, welchem Gott hier gedient, uud wclche Tugenden gelehrt werden. Hier sieht er Sinnbilder in genügender Anzahl, — aber nicht da? Kreuz, oder die Taube, oder den Oelzweig, wie auf den alten Grabmälern, sondern die Trommel und Trompete, das Schwert und die Kanone. Wer sind nun diejenigen, deren Aufführung und deren Thaten für 93 würdig erachtet wurden, diesen Tempel zu schmücken? Männer, die mit dem Schwert in der Hand vorwärts stürzten, um die Nachfolgenden zum Kampfe zu ermuthigen, oder die untersanken, während sie das feindliche Verdeck enterten; Helden, wenn Sie wollen, Wohlthäter ihres Landes, aber sicherlich keine Männer, die zur Verherrlichung der Religion beigetragen. Von einem wird gesagt, er sey gefallen, wie eS sich gewiß ein Römer gewünscht hätte, nachdem er seines Feindes Schiff geentert hatte und so entweder eines vernichtete oder beide rettete; die Grabschrift eines Andern ist mit Worten gegeben, mit denen sein Befehlshaber berichtete; die eines Dritten mit den Worten des Beschlusses des Hauses der Gemeinen; nicht ein Wort von einer einzigen Tugend, eines Gedankens an Gott, einer Hoffnung auf den Himmel, nicht eine einzige Andeutung, daß er sich zu irgend einer Religion bekannt oder geglaubt habe. Und würde nicht der Heide sich freuen, einen Tempel gefunden zu haben, wo der Muth der dreihundert Fabier oder die Selbstopferung der Deciusse, oder die Tugenden der Scipionen so vollständig gelehrt und der Bewunderung und der Nachahmung der Menschen ausgestellt werden? Um wie viel größer würde diese Freude werden, wenn er die Sinnbilder, unter welchen diese Thaten oder ihre nähern Umstände ausgedrückt werden, näher betrachtete. See- und Flußgötter, mit ihren schlammigen Kronen und ausströmenden Gefäßen, der Ganges mit seinen Fischen und Kalabassen, die Themse mit den Genien ihrer Nebenflüsse, der Nil mit seinem Götzenbild? der Sphynr; die Siegesgöttin geflügelt und aufgegürtet wie bei den Alten, schlingt weltlichen Lorbeer um die Schläfe der Gefallenen, die Fama verkündet mit ihrer antiken Trompete ihre weltlichen Verdienste, Clio, die Tochter Apollo'S, erzählt ihre Geschichte; und außer diesen kommen noch neue Schöpfungen von Göttern und Göttinnen vor, der Aufruhr und die List, die Stärke und die Empfindsamkeit/Britannien, das wahre Abbild deS sich selbst anbetenden RomS, und bei einigen von diesen ist die Draperie so mangelhaft, daß sie mehr für einen alten heidnischen als für einen modernen Tempel passen würden. Diese Sammlung alter Gottheiten, die einzigen Bilder, die sein Auge belehren konnten, würden ihn gewiß zu der vollen Ueberzeugung bringen, entweder daß seine alte Religion, ihre Sinnbilder und ihre Sittenlehre nie verdrängt, oder daß sie erst wieder eingesetzt worden sey- ES würde umsonst seyn, ihm zu erklären, daß hinter jenem Gitter einmal wöchentlich wenig Zuhörern, und an den Werktagen den leeren Bänken ein heiliges Buch vorgelesen werde, welches lehre, seinen Götzendienst zu verabscheuen und Gott im Geiste anzubeten; und daß gelehrte Männer hier Predigten über die Gefahr deS Götzendienstes und eines symbolischen Gottesdienstes halten. Alles dieß würde, glaub' ich, ihn nur noch mehr veiwirren. Er würde sagen, wenn ?S euch nicht erlaubt ist, Bilder zu haben, oder sie in eurem Tempel aufzustellen, warum brecht ihr daS Gesetz bloß zu Gunsten von Kriegern und Flußgöttern? Wenn dieß euch erlaubt ist, warum werden die Christen von Rom angeschuldigt und verdammt, daß sie Bilder von Christus und seinen Hnligen aufstellen? Ich trage kein Bedenken, zu behaupten, daß er. wenn er so schlösse, wie Sie, und den Grundsätzen, nach welchen Sie urtheilen, folgte, wenn er eine Religion nach der Schaale und nicht nach dem Kerne, nach dem Leibe und nicht nach dem Geiste, nach den äußerlichen Formen und nicht nach dem Glauben, den sie ausdrücken, beurtheilte; und wenn er darauf bestände, gleich Ihnen seinen eigenen Eindrücken und Vorurtheilen mehr nachzugeben, als den Verwahrungen und Erklärungen derjenigen, gegen welche er streitet; ich trage kein Bedenken zu behaupten, daß er einen viel matteren Ausdruck deS christlichen Gedankens in der protestantischen, als in der katholischen Kirche sehen, daß er viel größere Denkmäler deS verworfenen Götzendienstes in der englischen als in der römischen Kathedrale finden würde. , 94 DaS Armenwesen vom katholischen Gtanbpunete betrachtet. III Mittel gegen die Verarmung und Noth. (Schluß, 1 Wir behaupten frei und werden eS erhärten, daß lediglich im Christenthum daS gesuchte Heilmittel gegen Verarmung und Noth enthalten sey. ES ist dieß nicht etwa bloß ethische Folge, sondern sogar principielle Tendenz. Gehen wir zu der allgemeinen Anschauung und dann zur besonderen. Wie daS Land der Verheißung, dieses von Milch und Honig fließende Land, mit seinen gesegneten Triften und fruchtbaren Feldern, mit seiner blühenden Küstenstrecke und dem unschätzbaren Libanon, wie dieses Nachbild des paradiesischen S-egenS entstand und fiel mit der Treue oder Gottlosigkeit der Kinder Israels, so in weiteren Kreisen bei den Kindern deS neuen GotteSrcichcS. Es steht fest im gläubigen Bewußtseyn und geschichtlich begründet, daß an GotteS Segen Alles ge,l,egen, und wie der Fluch GotteS auch die größten Reichthümer vernichte. (Psalm 111, 3: Klon» et clivitme in clomo ejus, prov. 3, 13: Omm8 enim tmmo, lsui oomeclit et Kirnt et viclet bonum cle Isdore suo; Koo clonum vei est.) Es drückt dieses die Schrift mit den Worten aus, welche sich zur untrüglichen Wcchrhm erheben (Pf. 36, 25): „Ich bin jung gewesen und bin alt geworden, und noch nie sah ich den Frommen verlassen, noch seine Kinder nach Brod gehen."' Näher ist diese auS dem Christenthum unmittelbar fließende zeitliche Wohlfahrt dahin zu erklären, -daß Gott für Solche gleichsam mit seiner Vorsehung einsteht. Darum that der Herr den göttlichen AuSspruch (Mth. 6, 33): „Suchet zuerst das Reich GotteS und seine Gerechtigkeit, und jenes Alles wird euch beigegeben werden." — „Solche unmittelbare Eingriffe der Vorsehung bestätigen aber ihre Fügung und Ordnung, die über alles menschliche Eigenthum im Allgemeinen waltet." (I. Th. Laurenr, die zeitlichen Segnungen des Christenthums.) ES berühren sich nämlich die Hauptconstitutive jedes Gedeihens eben so fördernd das Gute als ausschließend daS Verderbliche, und einigen sich zum Regenreichen Erfolg, GotteS Gnade und menschliche Freiheit. Daher ist dann auch das zerstörende Moment der Sünde, welches diese auf daS dießsemge Leben übertrügt, entrückt, größere oder kleinere Calamitäten sind, wo Gottes Friede weht, ferne gehalten, cS steigen Gebete zum Herrn empor im Vertrauen auf die Worte der ewigen Wahrheit: „Bittet, und so wird euch gegeben!" (Mth, 7, 7) — nnd der Herr erfüllet Alles mit seinem Segen. Vergeblich sieht sich die moderne Glücksthecne nach einem Rüstzeug um. das den -Feind erschlägt, dessen Eristenz und Einfluß sie statuirt, ohne zum siegreichen Schwert zu greifen. Denn wo Leidenschaften und Laster schweigen, welche wie ein gefräßiges Thier auch die größten Güter verschlingen; wo nicht mehr das beleidigte Sittengesetz seine Ueberlreter bis zur Verworfenheit in ein disharmonisches Leben abstößt; wo nicht mehr der Zerfall mit den allein haltbaren Principien fortreißt; wo nicht mehr d.sr Geist in die Fesseln der Sünde geschlagen und im freien Aufschwung zum wahren Glücke nicht mehr gehemmt ist: da war eS nur das Christenthum, der Maube, der diese Quellen zeitlicher Noth versiegen machte, und nicht ein wenn auch noch so hochgetrageneö politisches Glückssystem. Hier wirkt daS Geheimniß deS chra'jstlichen Sittengesetzes ein, d.iS auf dem Grundpfeiler der Entsagung und SÄlWvsrläugnliNH aufbaut und in dem Grade erhöht uud beglückt, als sich die Dsmuth in ifreiwilliger Erniedrigung vor Gott beugt. Jene dreifache Begierde der Genußsucht, der Habsucht und Ehrsucht, die Herrscher unserer Zeit, die auf eine Vergötterung des Creatürlichen hinausläuft, setzt gerade die größte Feindschaft zwischen diesem und dem Menschen, säet Fluch in die Furchen der so bebauten Erde, und vernichtet jedes Werk, dem sie als Motiv zu Grunde liegt. Wir möchten darum glauben, daß nicht nur negativ gegen die Hindernisse deS Aufblühens besserer Tage nichts auszurichten sey, sondern auch positiv keinerlei Art von Vorschriften nnd An- S5 ordimngen hiezu gegeben werden können, wenn man die Gränzen deS Christenthums überschritten. Wenn der Herr dieses Werk nicht baut, bauen die Bauleute vergebens. Es dürfte zugleich hieraus erhellen, daß, sobald daö Christenthum nicht als das allein normirende Princip verfolgt wird, die Civilisation einem lockenden Trugbild ähnlich ist, einem faulen Sumpft, mit täuschendem Grün überzogen, und daß dieselbe in dem Maaße retrograd den« Barbarismus zueilen muß, als die aus guter alter Zeit geretteten Trümmer im neuen Lichte aufgehen. Eö ist auch principielle Tendenz deS G.aubens, Verarmung und Noth zu heben; nicht nur, daß er, wie gezeigt, den Segen Gottes vom Himmel herabzieht, sondern auch, daß er den einmal stattfindenden Unterschied zwischen Arm nnd Reich möglichst aufzuheben bestrebt ist. Der Glaube lehrt, der Armen sich erbarmen. Entgegen dem Armen als gebornem Sklaven in der heionischen Welt sollte der Arme im Reiche Gotlcs vom Drucke freigestellt werden als Bruder in Christo. Es schuf das Christenthum den Mittelstand gegenüber den zwei Ständen deS Alterthums, der die Ausgleichung zwischen beiden werden sollte, wie der Untergang oder daS Schwächen desselben ein Kennzeichen der Abnahme oder des VerschwindenS deS Glaubens wäre. Während das Heidenthum die Armen als eine Last betrachtete, so daß ein römischer Kaiser sagen konnte: „>oi,is graveg sunt", und selbst bei einem ihrer größten Moralphilosophen (Senecs cle clem. I. 2, 4) zu lesen: „Alle Guten werven sich vor Barmherzigkett hüten und kein Weiser wird sich von Mitleid rühren lassen": erkennt das Christenthum die Unterstützung derselben als Pflicht und als Erforderniß zur ewigen Seligkeit; ein beständiger Anfrus, in dem der Herr mit dem Armen sich selbst identi- ficirt. In diesem Sinne schrieb der heil. Kirchenvater Petrus ChrisologuS (cle ^ejunici et eleem.): „Die Hand des Armen ist der Schatzkasten Christi, denn was der Arme annimmt, das empfängt Christus." Nur wo diese Principien herrschen, können wir uns die rechten Mittel gegen die eingerissene Verarmnng und Noth versprechen, und nicht vom Abklatsch eines verfeinerten Gefühlswesens, oder vom Absehen von der „nicht hierher gehörigen" Religion. Wir kommen nun der Lösung der Fr^ge näher, und werden in einem zweiten Artikel die sachdienlichen Mittel bezeichnen. P a s s a u. Passau, 7. März. Unser hochwürdigster Herr Bischof Heinrich behandelt in seinem dießjährigcn Hirtenbriefe bei Anlaß der heiligen Fastenzeit die hochwichlige Frage der Kindererziehung vom christlichen Standpuncle aus mit besonderer Berück» sichtigung auf die oft verkannte Wahrheit, „daß die Erziehung der Kinder keineswegs erst mit jenem Zeilpuncte beginne, in welchem die gesetzlichen Vorschriften die Eltern verpflichten, ihre Kinder in die Schule zu schicken, sondern daß die ersten Pflichten christlicher Erziehung von den Eltern schon lange zuvor mit aller Sorgfalt und Ge- wissenhafligkeit erfüllt werden müssen. Nachdem dieses Thema eben so gediegen als ausführlich behandelt und die dießfällizen irrigen Ansichten unv Vorkommnisse geschildert worden, äußert sich der hochwürvigste Herr Bischof in nach Oben und Unten höchst beherzigcnswerlher Weise dahin: „Wenn es mit uuserer heranwachsenden Jugend allenthalben so traurig aussieht; wenn mit Recht von allen Seiten die bittersten Klagen erhoben und die größten Befürchtungen für die Zukunft deßhalb ausgesprochen werden, so schiebe man doch ja nicht alle Schuld auf die Schulen und das jetzige Schulwesen, sondern suche vielmehr den Anfang dieser beklagenSwerthen Uebelstände in dem Mangel einer christlichen häuslichen Erziehung, ehe die Kinder in die Schule treten. Daö Verderbuiß unserer jetzigen Jugend geht in der Regel vom älterlichen Hause aus, die Kinder kommen meistens schon verdorben in die Schule. Was kann man aber mit einem Kinde in der Schule anfangen, das mit einem verkehrten und verdorbenen Herzen in dieselbe eintritt? Können die Lehrer, können die Priester, welche 96 die Kinder nur eine kurze Zeit in ihrer Nähe haben, welche keine väterliche Gewalt über sie besitzen, welche mit den Kindern nicht durch jene heiligen Bande deS Blules und der Abstammung verbunden find, die eine so große Macht über die Natur ausüben , welche überdies) aus natürlichen Gründen in so vielen Verhältnissen den Kindern nie so nahe stehen wie die leiblichen Eltern, — können die Lehrer und die Priester nun alles das gut machen, was die Eltern seit Jahren bei einem kleinen Kinde versäumt und verderbt haben? Die eifrigen Bemühungen der Lehrer und Priester werden die Ausartungen eines Kindes durch Belehrung zurückweisen, durch Strafen in Schranken halten, durch Aufsicht und Ueberwachung unschädlich, theilweise unmöglich machen können, aber eS wird nur sehr selten und nur unter besonderm Beistände der göttlichen Gnade möglich seyn, ein einmal verdorbenes Kind auch in seinem Innern, seinem Herzen, seiner Seele vollkommen zu bessern. Denn das Herz eines Kindes, das nicht von den zartesten Jahren an durch eine fromme christliche Erziehung im elterlichen Hause von Vater und Mutter geschützt, geleitet und entwickelt wird, kommt frühzeitig in einen Zustand von Kälte, Erstarrung und Verstocktheit für alles Gute. Die geistige Natur eines solchen Kindes verliert alle Kraft und allen Wachsthum, die Natur des Fleisches aber entwickelt sich mir der Macht und wird über alles Herr." Der Hirtenbrief schließt mit der wahren Behauptung, daß nur mit dem Eintreten einer besseren christlichen häuslichen Erziehung bessere Kinder — bessere Menschen — bessere Zeiten kommen werden. Gott gebe eS! - Zur Tischraserei. Wolfgang Menzel schreibt hierüber in seinem Literatur-Blatt: »ES hat sein GuteS, wenn das Böse offenbar wird. Die Schamlosigkeit, mit welcher seit Jahr- zehcnten der Unglaube hervorgetreten ist, hat zur Besinnung geführt und den christlichen Glauben, der überwunden werden sollte, neu gestärkt. Die Schamlosigkeit deS Aberglaubens wird gleichfalls zur Besinnung führen und dem wahren Glauben zu gute kommen. Nebenbei ist es erfreulich wahrzunehmen, wie trostlos sich das Treiben derer widerspricht und selbst vernichtet, die vom Glauben abgefallen sind. DaS Tischrücken ist in dieser Beziehung die solennste Protestation gegen die vor Kurzem noch auf allen Universitäten prädvminirende Hegel'sche Philosophie, denn man gibt auf den eigenen Verstand deS Menschen gar nichts mehr und holt sich Raths beim jetzt auf einmal allein weise gewordenen Holze. Der hochgepriesene Menschengeist, in dem Gott allein eristiren und sich selber zum Bewußtseyn kommen sollte, ist abgeschätzt und muß sich beugen vor dem Holze. Das erste beste Tischlein weiß jetzt mehr als alle Professoren der Philosophie zusammengenommen und Tausende würden jetzt lieber bei dem hölzernen Katheder Hegels fragen als bei ihm selber. Darin liegt eine tiefe Beschämung für alle Hofsänigen im Geiste. Der neue Aberglaube abcr kann, sofern er von vornherein alle Menschenweisheit aufgibt und nur der Sehnsucht nach einer Offenbarung von außenher folgt, wenn man nur erst der groben Täuschung und Verirning in Bezug aus sein Ziel inne wird, zum wahren Glauben zurückführen. Die Naivität, die an den Dämon im Holze glaubt, ist nicht so sündhaft, wie es die Selbstvergötterung der Hegelinge gewesen ist. Es ist nur Adams, nicht LuciserS Sünde. Sie will nur naschen, nicht Gott gleich seyn. Sie erkennt wenigstens an, daß eS außer dem Menschen etwas gibt, waS mächtiger und einsichtsvoller ist, als er selber, und wenn der Teufel diese Abergläubigen erst recht geäfft und in Angst gejagt haben wird, werden sie sich leichter zum wahren Glauben wenden, und wie MoseS sein Volk vor den Schlangen rettete durch die eherne Schlange, so werden sie von den dämonischen Tischen fliehen zum Holze des heiligen Kreuzes. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. E. Krcmer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger PostZeitung. 26. März ^ RS 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Aboauementsprei« kr., wofür e« durch alle köuial. baver. PoKämter uud alle Buchh-mdluiiqeu bezoqrn werden kanv. DaS Christenthum in Abyssinien und der letzte Märtyrer daselbst aus Oesterreich. *) I. Unter den Psalmen Davids ist unS auch daS freudige HuldigungSlied eines begeisterten Jsraeliten auf Salomo, da er die Regierung antrat, im 71. Psalme aufbewahrt. Aber so grcß auch Israels Erwartungen von Salomo'S Weisheit und Regententugenden seyn mochten, in diesem Fciergesange sind dennoch Erwartungen ausgesprochen, die wohl kein blos irdischer Friedensfürst oder Salomo erfüllen konnte. „Er wiid Recht sprechen den Armen im Volke, und helfen den Kindern der Dürf- ligkn, und demüthigen die Unterdrücker derselben. Er wird bleiicn, so lange Sonne und Mond währer, von Geschlecht zu Geschlecht, Er wird herabkonumn, wie der Regen auf eine Wiesenmatte, und wie der Thau die Erde befeuchict. Da wird in seinen Tagen die Gerechtigkeit und Fricdensfülle sprossen, bis daß der Mond vergeht. Von Meer zu Meer wird er herrschen, vom Fluß bis zu des Erdballs Gränzen. Die Aethiopier werden vor ihm sich niederwerfen, und obgleich früher seine Feinde, nun aus Gehorsam den Boden küssen. Die Könige von TarsiS und die Inseln werden Gaben bringen, Arabiens und Seba'S Fürsteil mit Geschenken huldigen: der Eide Herrscher alle ihn anbeten, ihm dienen alle Nationen; — und er wird der Gegen« stand ihres GebeteS immerdar, und ihrer täglichen Lol preisung seyn." In diesen Worten des gotlbegeistcrtcn Sängers schimmern freilich Hoffnungen, die erst in JesnS Christus, dem großen Salomo oder FricdenSfürsten für die Menschen, die eines guten Willens sind, festen Ankergrund fanden, deren volle Erfüllung aber erst jener auch von uns Katholiken ersehnten unv stets angcstreblen Zeit aufbehalten ist, wo Ein Hirt unv Eine Hecrde seyn wird. WaS die Aethiopier betrifft, die nach dieser Prophezeiung Christo dem Herrn huldigen sollten: so begegnet u»S schon in den Jahren 3-t und 35 nach Christi Geburt, als die jugendlich kräftige Kirche noch nicht lange ihre Aeste und Sprossen über Jerusalems Mauern hlnauSgeirieben hatte, ein Abgesandter derselben. In jenem Vor- sprunge HochasrilaS, den w.r Habcsch oder Abyisinien, die Allen aber Aelhiopien nennen, hallen sich lange vor Christi Geburt jüdische Ansiedlungen gebildet. Die vielen mit Engpässen versehenen Waldgebirge dieses Landes, welche stufenweise von schneebcrccklen Gipfeln bis ins liefere Nilland sich niedersenken, die dazwischen liegenden graö- und gerrcidcrcichen Hochebenen mit dreimaliger Ernte und milder und erquickender Alpenluft, die engen Thäler, von wasserreichen Flüssen durchströmt; die vier Tagereisen lange heiße dürre Salzstäche, welcher als Küsteusaum die östlichen Gränz- -) Ocstcrr. Volksfr. 98 gebirgc noch vom rothen Meere sondert, boten den so ferne von Sion sich niederlassenden Söhnen Israels gesicherte Wohnsitze. Selbst in unsern Tagen wohnen mitten in jenem Lande, in der gebirgigen Provinz Samen, zahlreiche Juden, hatten lange, bis 180», ihre eigenen Fürsten, und nähren sich, außer dem für sie unwiderstehlichen Handel, auch vom Baue der Häuser und Hütten. AuS jener Gegend nuu, die viel ausgedehnter ist als die österreichische Monarchie, kam um die Zeit der Steinigung des heiligen StcphanuS der Kämmerer der Königin Kandazeö nach Jerusalem, Jehova dort im Tempel anzubeten. Auf seiner Rückreise im Wagen den Propheten Jsaias, diesen Evangelisten des alten BunveS lesend, ward er durch GottcS wunderbare Fügung vom Diacon Philippus belehrt, bekehit und getauft, und zog dann seinen Weg fort zur fernen Heimal,mit Freuden. — Solches ist Alles lebendig und mit nnnachahmlichcr Anmuth geschildert im achten Kapitel der Apostelgeschichte zu lesen. Unsern Lesern wir!) der genauere Inhalt auch ohne die wohlfeile Großmulh einer martyriumssüchtigcn Miß Cnnniugham bekannt seyn. — Wir fügen nur noch bei, daß fromme Ueberlieferungen der christlichen Vorzeit erzählen, dieser äthiopische Hofdeamte habe den Samen dcS göttlichen Wortes sodann in seinem Vaterland ausgestreut, und später den heiligen Apostel Matthäus gastlich ausgenommen, als ihn die göttliche Vorsehung nach Aethiopien zur Previgt des Evangeliums rief. Wir überlassen eS einer hochmüthigen Kritik, diese und ähnliche Sagen chemisch zu zersetzen und zu verflüchtigen, und an dem bleibenden Reste nach ihrer Weise sich zu erbauen und zu erquicken. Wie cS der Pflanzung des Christenthums iu den nächsten Jahrhunderten daselbst erging, darüber fehlen uns die Nachrichten. Wissen wir doch in unsern Tagen, bei . so vielen Reisemitteln und so sehr gesteigerter Reiselust so wenig über jene Gegenden; was Wunder also, wenn in so früher Zeit Nacht und Dunkel über dasselbe sich vor den Auzcn der nördlichen Welt gelagert hat. Erst gegen das Jahr 327, iu den Zeiten des großen KirchenlchrcrS AthanasiuS, fällt wieder ein freundlicher Lichtstrahl der Kircheugcschichre auf das den Augen der christlichen Welt fast entschwundene äthiopische Gebiet. Obgleich das bisher Gesagte nur eine freilich sehr lose gezimmerte Brücke seyn soll, um zu einem Märtyrer auS Oesterreich zu gelangen, welcher in Sibyssinien für ChristnS sein Leben opferte, so wird, wie wir hoffen, der christliche Leser die Geduld nicht verlieren, wenn wir nuu auf der Brücke noch etwaö verweilen. Wie bekannt bieten sich ja die schönsten Aussichten sehr oft auf Brücken dar. — Im Anfange des vierten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung hatte Meropius, ein reicher und gelehrter Mann auS TyrnS, mit seinen zwei hoffnungsvoll hcranblühenden Neffen Frnmentius und EvesiuS eine wissenschaftliche Reise nach Persieu und Indien unternommen. Die beiden Knaben waren fromm und christlich erzogen, kundig der griechischen Sprache, und selbst auf den Reisen benutzte der Oheim die freie Zeit, sie noch weiter zu unterrichten. Auf der Rückreise aus Persien landete das Schiff an der abyssinischen Küste des rothen MeereS, um dort frisches Wasser einzunehmen. Mit!l>rwcile ging MeropiuS mir den Knaben und einem Theile der Reisegenossen ans Land. Sie entfernten sich von der übrigen Gesellschaft, und lagerten sich unter einem schattigen Baume, und weil sie körperlich so wohl sich fühlten, so lasen sie, den Geist zu erquicken, in einem Buche. Da fiel unerwartet ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel in ihren frohen Kreis, ein Tropfen bittern WermuthS füllte schnell den ganzen Becher ihrer reinen Lnst. Rohe räuberische Bewohner der Gegend stürzicu herbei und mordeten die Fremdlinge. Der beiven Knaben aber ward geschont, denn ihr junges Leben erregte selbst der Barbaren Mitleid oder Gewinnsucht. Sie käme» an den,Hof des Fürsten nach Auruma, der gerührt durch ihre schöne Gestalt, in welcher eine noch schönere Seele sich spiegelte, sie lieb gewann, und lur, vor seinem Tode ihnen die Freiheit schenkte. Dankbar blieb das Brüderpaar auf den Wunsch, der verwittwcien Königin noch einige Zeit im Lande, sie bei der Regierung, welche dieselbe statt ihres unmündigen SohueS führte, dmch Rath und That zu unterstützen Aber die Sehnsucht nach einer christlichen.Umgebung, 99 nach christlichem Gottesdienst, regte sich mehr und mehr im Herzen der beiden Brüder, denn entweder war in diese Gegend des weiten Aerhiopiens das Christenthum in der apostolischen Zeit nicht gedrungen, oder zu fern nnd abgerissen vom erwärmenden Mittelpunkte wieder erloschen. Ost und oft fragte FrnmcntiuS die fremden Kaufleute, welche bisweilen daö Land besuchten, ob sie Christen seyen. Wie groß war seine Freude, als ihm endlich einmal seine Frage bejaht wurde! Wie alte Freunde nahm er sie auf, und weinte Thränen der Rührung, als er nach christlicher Weise mit ihn?» beten konnte, nnd ersuchte sie beim Abschiede, ja bald und recht oft wieder zu kommen, denn seine Sor,-e werde es seyn, für den Ban eines christlichen Gotteshauses im Lande zu sorgen. — Als endlich der jurwe König volljährig geworden, verließen die Brüder daS Reich. EvesiuS, den die Liebe zum Vaterlande und seinen Verwandten zog. reiste nach Tyrus, wo er später zum Priester geweiht wurde, Frumentius aber ward durch Gottes Geist zu einem höhern Ziele getrieben. Ihm lag daö traurige Schicksal der Aethü'pier schwer am Herzen, die er in der Finsterniß des Heiventhumes hatte zurücklassen müssen; er wollte sie dem himmlischen Vaterlande gewinnen. Er wendete sich nach Alerandria in Egypten an den heiligen Alhanasius, schilderte ihm den Zustand AbyssinienS, und bat ihn, Vorsorge für die Bekehrung dieses Volkes zu treffen, das durch seine Lage nach Älerandria um geistliche Hilfe angewiesen sey. Aihanasiuö, gewohnt in wichtigen Angelegenheilen nicht blos seinem Ermessen zu folgen, sondern in wahrhast christlicher Demuth den Rath Vieler zn hören, versammelte seinen Klerus, und forderte HrumeittiuS auf, sein Anliegen vorzutragen. Als dieser nun voll Begeisterung schilderte, welch' reiche Ernte in Abyssinien zu machen sey, wenn ein vom Geiste Gottes beseelter Mann dort mit Macht und Kraft das Evangelium verkünden würde, da rief AthanasiuS, ihn mitten in seiner Rede unterbrechend, freudig aus: „Wo wäre ein Mann zu finden, auf dem so augenscheinlich GotteS Geist ruhte, wie aus dir, FrumcniiuS; nud wer in der Welt wäre geeigneter zu diesem großen, evangelischen Werke?" Und so ward denn Frumentius zum Bischöfe geweiht, und als Glaubenöbote nach Äelhiopien gesendet, wo er segensreich wie ein Apostel wirkte. Seil jenen Zeiten blieb bis in unsere Tage die abyssinische Kirche mit der von Ezvptcn in Verbindung. Leider daß sie, obgleich dem MohamedaniSmuS sieghast widerstehend, in Irrlehren und unstatthafte mosaische Gebräuche und Ansichten verstrickt wurde, welche dem Ausblühen eines wahrhast christlichen LebenS hemmend im Wege stehen. Mit der übrigen christlichen Welt ans weiter Entfernung nur durch eiu einziges schwaches Band, die Ernennung vcS Abnna ovcr obersten Geistlichen, welche durch den koptischen Patriarchen in Egypten geschieht, in Verbindung stehend, blieb daS christliche Abyssinien fast neun Jahrhunderte für Europa in Dunkel gehüllt. Da traten gegen Ende dcS löten Jahrhunderts die Portugiesen, und unter ibrem Schutze im löten Jahrhunderte die Jesuiten in nähere Berührung mit dem merkwürdigen Lande und Volke. Ihr eifriges Bestreben war cS, das Volk auS Aberglauben, Irrlehre und Unsittlichkeir zu befreien, und in enge Verbindung mit Rom zu bringen. Es kostete dem Orden viele Mühe, Schweiß, Drangsale und Blut. Schon schien der Sieg errungen, der Hof war zum katholischen Glauben bekehrt, die zweifache Natur in Christo überall verkündet, die Mönche und ihre Mißbräuche vom Hofe entfernt, ein Patriarch vom Papste ernannt: da brannte der Fanatismus dcS alten Irr- und Aberglaubens wieder auf, das Reich zitterte in seinen Grundfesten, das Blut von vielen Katholiken ward in einem grausamen Bürgerkriege vergossen, die Jesuiten selbst wurden verjagt oder getövtct (1632). Wohl ließen auch im 18ten Jahrhundert die römischen Päpste Abyssinien nicht ganz auS ihren Augen. Aber auch damals vermehrten ihre Versuche, dort den römisch-katholischen Glauben auszubreiten, nur die Zahl der Märtyrer. Dieß war auch unter Clemens XI. der Fall, im Jahre 1711. Liberatus Weis, ein Priester der damaligen österreichischen Provinz des FranciScancr- OrdenS, und apostolischer Präscct der katholischen Missionen in Abyssinien, starb damals mir zwei Ordensbrüdern daselbst den Martyrerlod. Pater TheodosiuS Wolf, ihr Ordens- und MissionSgenosse auö dem Kloster zu St. Pölten in Oesterreich, der 100 durcb dreizehn Jahre in jenen Gegenden wirkte, und viele Heiden und Muhamedaner zur Erkenntniß deS Evangeliums brachte, und der zu Lanzendorf bei Wien, nachdem er vier Weltrheile durchgewandert, und seine Kräfte erschöpft im Dienste des Herrn, reich an Verdiensten starb, hat in einem lateinischen Briefe den Martyrertod seiner oben erwähnten Miibrüder beschrieben. Da dieser Brief in weiteren Kreisen wohl weniger bekannt ist, als er eS um seines Gegenstandes willen verdiente, und die Blicke der Katholiken in unsern Tagen wieder mit srcmmer Begeisterung tief binab nach Afrika gerichtet sind, so dürste eine Uebersetzung und Mittheilung desselben nicht überflüssig seyn. (Schluß folgt.) Die Zeit der Fasten in Pari». Der Erzbischof von Paris hat in seinem dießjährigen Hirtenbriefe ein warnendes Wort in Bezug auf die „Ignoranz in ReligionSsachen" gesprochen, und verschiedene Mittel unv Wege angegeben, theils daS Uebel zu heben, theils seinen weiteren Fortschritt wenigstens zu h>mmen. Die Predigten fehlen übrigens in der Hauptstadt wahrlich nicht und daS Wort GotteS zählt hier würdige und zahlreiche Vertreter. Aber oft verfehlen die besten Mittel thre Wirkung, wenn nicht äußere günstige Umstände hinzukommen. Der Erzbischof sagt in seiner Anrede an die Gläubigen selbst: „Nirgends ist wohl für die Verkündigung des göttlichen Wortes treuer und reichlicher gesorgt, als in Paris. Dennoch glaube man >ja nicht, daß nichts mehr zu thun übrig bleibt. Und weil noch so viel Böses neben dem Guten, daß wir von Herzen anerkennen, besteht, so sollen wir alles Mögliche thun und kein Mittel unversucht lassen, eine noch größere Anzahl Zuhörer um unsere Kanzeln zu versammeln. Und sollte man nicht auch bis in jene dunkeln Winkel von Paris, wo so viele verirrte Seelen fern von der Sonne der Wahrheit leben und sterben, einen belebenden Strahl senden können?" .... Ti se Ausgabe versucht nun der Erzbischof zu lösen, indem er für die Dauer der Fastenzeit in allen Pfarrkirchen einen Religionsunterricht anordnet, der merbodi- schcr, vollständiger und umfassender als bis jetzr geschehen, die christkatholische Lehre verkündet, der zugleich bei den Halbunterrichteten die Kenntnisse ben'cktigt und erweitert und der endlich die ganz Indifferenten zum Nachdenken uud zur Bekehrung aufmuntert. So hat denn der Erzbischof außer den großen Cons.renzcn, die jährlich in Nvtre-Dame stattfinden, ähnliche Zusammenkünfte für jeden Sonntag Abend in den andern Hauptkirchen, so namentlich in St. Sulp'ce, in Ct. Eustache, in St. Mar« guerite und in St. G6nevieve, angeordnet. Bei Hofe hält der gewöhnliche Hosprediger des Kaisers, der Abbv Couriier, die Fastenpredigttn, uud nachdem am letzten Sonntage der Bischof von AdraS die Messe gelesen, begann der ebengeuanute Redner in Gegenwart beider Majestäten den CycluS seiner Voriräge mit einer Predigt über die erste der acht Seligkeiten: „Selig sind die Armen im Geiste, n. s. w", welche Aufgabe bei einem so besonder» Auditorium derselbe sehr gut gelöst hat. Der Abbö Comtier ist ein vonrcffiicher Redner, der trotz seiner hohen Gelehrsamkeit sehr einfach spricht. Seine ganze Ausdrucksweise ist unzezien unv klar und man hätte kaum eine bessere Wahl treff.n können für einen Vertreter der heiligen Wahrheiten eben an diesem Orte. — In Notre-Dame predigt der Pater Wir, der wirklich keinen leichten Stand hat, wenn man bedenkt, daß vor ihm Laccrdcure und Raviguan auf derselben Kanzel gepredigt haben. Teniroch weiß der Pater Mlir seine Aufgabe glücklich zu lösen und ein zahlreiches Auditorium, unter welchem man stets den Erzbischof selbst bemerkt, ist hier versammelt. Im vorigen Jahre hatte derselbe Redner sich die Bekämpfung der Irrthümer der sogenannten modernen Wellphilosophie zum Thema gewählt; dießmal spricht er über den Einfluß des Christenthums zur Hebung der großen socialen Uebel. Vorzugsweise wird er dabei daS materielle Elend der Zeit in'S Auge fassen. — Per berühmte Pater Ventura predigt in St. LouiS d'Anlin, 101 und man erstaunt immer wieder von Neuem, wenn man hier einen Fremden ein so vollendetes Französisch sprechen hört. Dabei entwickelt der Pater Ventura eine bewunderungswürdige Kenntniß sämmtlicher heiligen Schriften, und hat außerdem etwas ungemein Herzliches und GemüthvollcS in seinem Vortrage; nur manchmal dürften uns die allzu großen Gegensätze des Hochp'oe>i'chen und einer gar zu sehr au's Rauhe streiscnden Natürlichkeit befremden. — Der Abbe Combalot läßt sich in St. Thomas Aquin hören, ebenfalls ein ausgezeichneter Kauzelreduer. Ihm kommt namentlich eine langjährige Erfahrung zu statten, und bei seiner volkSthümiichen Redeweise übt er groven Einfluß ans die Massen. Zwei Tage der Woche hat er besonders zum Religionsunterrichte für Damen bestimmt, deren Lieblingsprediger er seit Langem ist. — In Ste. Elisabethe predigt der Abbe Coquercau, der trotz seiner überhäuften Geschäfte als erster Aumonicr der Flotte, seinen Zuhörern nicht untreu geworden ist. Dieser ist ein sehr lebendiger, anziehender Redner, er hat die Welt gesehen und alle Lebenslagen kennen gelernt; seine Vorträge, die stets eine sociale Tendenz zum Hintergrunde haben, sind von großem praktischem Nntzen, Er zählt eine außerordentliche Menge von Zuhörern. — In St. Roch finden wir den Abbe Desplace, ein seltenes, schönes Talent, in seinem kräftigen, ungeschminkten Styl oft an die Kanzelredner deS 17ten Jahrhunderts erinnernd. — Der Doyen von Ste. Genevieve, der Abbe DuqueSnay, seil Kurzem auch Professor an der Sorbonne, predigt in Ste. Marguerite; im ehemaligen Pantheon predigen die Capläne abwechselnd. Abbe Duqueönay gleicht vielfach dem Vorhergenannten; auch er ist eine kerngesunde, gerade Natur, der so recht spricht, wie'S ihm um'S Herz ist, und der zugleich sehr populär sich ausdrückt. Deßhalb ist ihm auch das volkreichste Quartier, der Faubourg St. Antoiue, zugewiesen. Man muß auch durchaus den Adbv Duquesnay häufiger hören, um ihn lieb zu gewinnen, weil er für den Neuling etwas Hartes und Abstoßendes hat. Wir erwähnen hier aber seiner mit besonderer Vorliebe, weil er es ist, der ans die Vorstellungen des Abbe Cuny eine der Seitencapellen in Ste. Genevivve für den regelmäßigen Gottesdienst der deutschen Mission bewilligt hat. Der letztgenannte Priester, der sich mit seltener Hingabe ganz den „armen Deutschen" in Paris widmet, hat denn auch schon seit mehreren Monaicn ein zahlreiches Auditorium um sich versammelt. — Wir schließen hier, da eS den Raum unseres Berichtes überschreiten würde, wollten wir alle übrige Priester erwähnen., die für die Fastenzeit Conferenzen und Vorträge angekündigt haben, und unter denen sich übrigens noch Redner ersten Ranges befinden, wie z, B. Pater Lavigne in St. Sulpice, Pater Corail für die auswärtigen Missionen u. s. w. Genug, wir sehen aus dem Obigen hinreichend, daß wenigstens von der obersten Kirchen- bchörve des ErzbislhumS Ällcs gethan ist, die diesjährige Fastenzeit zu einer segensreichen zu machen. (D. VolkSh ) Griechische Prophezeiungen. Wenn der Sturm kommt, wirbelt Staub auf. So haben auch die politischen Ereignisse, die sich gegenwärtig im Orient entwickeln, die Erinnerung an manche alte Sage und Prophezeiung wach gerufen, an die man sonst schwerlich gedacht hätte. Man erzählt von einem griechischen Mönche, der zur Zeit der Eroberung Konstan- tinopels prophezeit h-ibe, daß die Türken nach vierhundert Jahren dieses Vesitzthum wieder verlieren winden, und zwar, wie man später hinzugesetzt zu haben scheint, durch die blonden Söhne deö Nordens. Ziemlich das Gleiche erzählt man von dem damaligen Patriarchen von Konstantinopel. An dem Hauplaltar der Sophienkirche von MohamedS eiserner Streilkolbe niedergeschmettert, habe er sterbend seinem Mörder geflucht und dessen Reiche nach vierhunderljährigem Bestehen ein schmähliches Ende geweissagt. Diese Vorherverkündigungen, von den Russen zu rechter Zeit wieder aufgefrischt, haben die Runde durch fast alle Zeitungen gemacht. Nichtsdestoweniger müssen sie mit großem Mißtrauen aufgenommen werden. Der angebliche griechische Mönch ist eine durchaus verdächtige Person; denn seiner Prophezeiung geschieht von 102 keinem gleichzeitigen Schriftsteller Erwähnung. Eben so scheint das, waö von Moha- medS Ercessen in der Sophienkirche und dem Morde des Patriarchen erzählt wird, lediglich eine Erfindung des Hasses zu seyn. Mohamed II. war zu verständig, um für seine Person gegen christ iche Kirchen und christliche Priester zu wüthen. Im Gegentheil, seine eifersüchtige Achtung vor dem herrlichen Dom, der, in eine Moschee verwandelt, das Monument seines Ruhmes werden sollte, war so groß, daß er beim ersten Betreten desselbrn einen eifrigen Muselmann, der den marmornen Fußboden ausbrach, mit seinem Säbel nachdrücklich daran erinnerte, wie er zwar Beute und Gefangene den Soldaten bewilligt, öffentliche und Privatgebäude aber dem Fürsten vorbehalten habe. Und als er bald nach der Einnahme der Stadt die Wahl und Einsetzung eines Patriarchen vornahm^ vernachläßigte er dabei keine der Ehrenbezeugungen, die in dem Ceremonie!! deS ehemaligen byzantinischen HofS vorgeschrieben waren. Auf seinem Thron sitzend, übergab der Sultan dem Gennadios den BischofS- oder Hirtenstab, daS Symbol seiner geistlichen Würde, begleitete ihn dann bis anS Thor des Serails, machte ihm ein reichgeschmücktes Pferd zum Geschenk, und befahl den Wksireu und Bässen, ihn in den zu seinem Aufenthalt bestimmten Palast zu fuhren. Wir erwähnen dieß nur beiläufig, um anzudeuten, wie wenig die Erzählung, die den Eroberer Konstantinopels in der Sophienkirche herumwüthen und den Patriarchen am Altar niederschlagen läßt, mit den Thatsachen der Geschichte sowohl als mit Moha- medS Charakter und Politik übereinstimmt. Ist aber die Ermordung des Patriarchen ein Märchen, so fällt natürlich auch die dem Sterbenden zugeschriebene Prophezeiung in Nichts zusammen Man geht gewiß wenig fehl, wenn man beide Weissagungen, sowohl die deS Mönchs als die des Patriarchen, für leere'Erfindungen einer spätern Zeit erklärt. — Damit so!! indeß nicht gesagt seyn, daß es unter den Griechen wirklich keine Prophezeiungen über das endliche Schicksal des Reichs und der Hauptstadt gegeben habe. Im Gegentheil, wenn wir byzantinische Chronisten durchblättern, so finden wir deren genug verzeichnet; aber sie fallen meist in frühere Perioden. Eine der merkwürdigsten ist unstreitig die, welche NiketaS ChoniateS spax. 4!3—4Z3), der zu Anfang deS 13ten Jahrhunderts schrieb, und der ungenannte Schriftsteller cle ^ntiquitst. On5l., der um das Jahr 1100 lebte und mit dem unS Banduri (Imper. Orient, lom. I. p. 19!8) bekanntmacht, mittheilen. Dieselben erzählen nämlich, daß auf dem Forum deS Taurus eine eherne Reiterstatue gestanden habe, die aus Antio- chien dahin gebracht und von der es ungewiß gewesen sey, ob sie den Bellerophon oder den Josua habe vorstellen sollen. Auf diesem Denkmal nun (das, beiläufig gesagt, später von den Lateinern eingeschmolzen wurde) habe sich eine geheime Inschrift befunden, die eine Prophezeiung enthalten habe deS Inhalts: daß die Russen (o«, in den letzten Tagen Herren von Konstanti'nopel werden sollten. Diese Weissagung, vor achthundert Jahren ausgesprochen, zu einer Zeit, wo Europa die Russen kaum dem Namen nach kannte, und von zwei ziemlich gleichzeitigen Schriftstellern verbürgt, die wir heute noch besitzen, könnte allerdings überraschen, wenn man nicht die Geschichtsperiode in Betracht zöge, in der dieselbe entstanden ist. Es war die Zeit der Scezüge, welche die Russen oder Waräger (Zc^c^/m) gegen Konstantinopel unternahmen. Die Geschichte meldet von vier solchen Zügen. Der erste wurde von dem Fürsten von Kiew 865, der zweite von Okp 904, der dritte von Igor, RurikS Sohn, 941, der vierte »ud letzte von Jaroslaw, JgorS Enkel, 1043 unternommen. Zwar gelang cS den nordischen Barbaren nicht, die seste Hauptstadt deS byzantinischen Reichs einzunehmen; aber sie jagten doch den Griechen bedeutende Angst ein, und diese Angst gebar offenbar obige Prophezeiung. Die Griechen waren nämlich, wie bekannt, ein eben so wundersüchtigeS und leichtgläubiges, als ein phantasiereiches Volk. Was sie hofften uud fürchtete», dachten sie nicht in Abstraktionen, sondern in Bildern, bekleidete» es mit den bunten Farben der Einbildungskraft und gäbe» ihm den Anstrich des Wunderbaren und Gcheimnißvollen. Aus dieser Eigenthümlichkeit deS griechisch-byzantinischen BolköcharakterS flössen die zahlreiche» Legenden, Wuudergeschichten und Prophezeiungen, deren jedes Jahrhundert, jeder wichtigere Abschnitt im Staatsleben neue 103 hervorbrachte. Im neunten, zehnten und eilften Säcnlnm waren eS, wie gesagt, die Russen, die durch ihre wiederholten Seezüge den Griechen die Besorgnis) einflößten, daß es den verwegenen Abenteurern am Ende doch gelingen dürfte, das sinkende Reich über den Haufen zu warfen. Ihrer Gewohnheit gemäß kleideten sie diese Befürchtung in die Form einer Weissagung. Später verschwand die Furcht vor den Russen. Neue Feinde traten in den Vordergrund, und damit änderten sich auch die Vorherverkündigungen der Seher, Je nachdem Konstantinopel von den Normannen, Lateinern, Bulgaren oder Türken bedrängt wurde, tönte auch die Prophetenstimme anders. Im Gefühl der eigenen Schwäche, gegenüber der rohen Kraft der anstürmenden Feinde, schrieben die Griechen bald dem einen, bald dem andern Volk den zukünftigen Unier- gang deS Reichs zu. Als eine merkwürdige Fügung deS Zufalls dürfte eS aber immerhiu erscheinen, daß nach einem Kreislauf von beinahe tausend Jahren eö jetzt abermals die Russen sind, welche Konstantinopel zittern machen, freilich nicht mehr daö christliche Konstantinopel der Griechen, sondern die Metropole eines islamitischen, aus Asien eingedrungenen ErobererstammeS, der das Griechenreich vernichtete. — Auö der Menge von Prophezeiungen, welche in den verschiedenen Zeitaltern die Phantasie der Griechen beschäftigen, wollen wir beispielsweise nur zwei auSheben, von denen die eine erfüllt worden, die andere unerfüllt geblieben ist. Um die Mitte des 12ten Jahrhunderts hatte eine Malronc einen Traum oder vielmehr ein prophetisches Gesicht, «sie sah auf dem Forum des Taurus ein zahlreiches Heer versammelt und auf der Theodosischen Säule (einem 147 Fuß hohen Pfeiler von weißem Marmor) einen Mann sitzen, der die Hände zusammenschlug uns laut aufschrie. Die Sache scheint damals Aufsehen gemacht zu haben und unter dem Volk bekannt worden zn seyn; denn der Dichter Tzctzes nimmt ausdrücklich Notiz davon (Lliilias IX, 277). Fünfzig Jahre später, 1204, nachdem die Lateiner Konstnnlinopel zum zweitenmal erstürmt halten, wurde der Usurpator Aleriö MurzuphluS, aus dem Hanse Dukas, der Mörder der Kaiser Jsaak AugeluS und AlcriS Angelus, von dieser Säule herabgestürzt und auf dem Pflaster zerschmettert. Dabei war nicht nur das abendländische Heer, sondern auch eine zahllose Menge von Griechen anwesend, welche letztere allgemein in dem schrecklichen Schauspiel die Erfüllung jener alten Prophezeiung erblickten. Denkbar ist es freilich, daß die lateinischen Kriegsfürsten von der alten Sage vernommen und mit Rücksicht daraus vaS entsetzliche Sirasuriheil über den Usurpator ausgesprochen hatten! Ein zweites Beispiel ist folgendes: Zur Zeit der Türkengesahr entstand die Prophezeiung, daß die Türken zwar eines Tages in die Stadt eindringen, aber die Christen nur bis aus den Platz vor der Sophienkirche verfolgen würden. Dort werde am Fuß der Säule Konstantins ein armer Mann sitzen, Zn diesem werde ein Engel treten und ihm ein Schwert in die Hand geben, mit den Worten: „Nimm dieses Schwert und räche daö Volk deS Herrn!" Auf diese belebenden Worte hin würden die Türken sogleich die Flucht ergreifen und von den siegenden Griechen aus dem Abendland uud ganz Anatvlien bis an Persiens Gränzen gejagt werden. AIS die Türken nun wirklich mir stürmender Hand in Konsteintinopel eindrangen, waren, wie DukaS (Kap. 39) berichtet, Tausende von leichtgläubigen Christe» sowohl in der Sophienkirchc, als auf dem Platze vor derselben versammelt, um die Erfüllung dieser Weissagung mit anzusehen. Aber eS erschien weder Mann, noch Engel, und die En täuschten mußten sich gefallen lassen, Gefangene der wilden Sieger zu werden. — Endlich müssen wir noch einer Prophezeiung gedenken, welche Bezug auf die Türken hat, nnd ebenfalls von einem byzantinischen Schriftsteller berichtet wird. Cedrcnuö sagt nämlich (tom. II, p. 79!): Umer den Türken gehe die Sage: eS sey vom Schicksal bestimmt", daß der Stamm der Türken von der nämlichen Mucht vernichtel werde, womit Alexander von Macedonicn die Perser vernichtet habe. (^e^-ero ?"ot^xol? ^o^vi,', e»^ TreTr^co^e^ov x«rtt0r»«s/^>'«t T^ov^xc-)»' ^e^os ^?rö r^e,' lotcr^S 6^«^!^', ö?rottt? o M«xi6c-^ ^/^v^c^os x^cov //x^c7«i>'.) Daß den Türken die Geschichte JSkander Tulkaruain (so nennen sie Alexander den Großen) bekannt war, kann nicht befremden; sie hatten sie, wenn auch mit manchem Märchen 104 verbrämt, von den Arabern erfahren. Die Länder, welche Philipps Sohn beherrschte, als cr den Perserzug antrat — Makedonien, Thränen und Thessalien — sind freilich noch in den Händen der Türken selbst. Gingen sie aber einmal verloren, dann könnte die Prophezeiung wohl Recht haben, daß derjenige, der in ihren Besitz gelangt wäre, bald auch Konstantinopel nehmen und der Macht der Türken in Europa ein Ende machen würde. Und in diesem Augenblicke erhaltm wir die Kunde von den Gährun- gen, Bewegungen und Ausständen in Thessalien und Macedonien, einer Fortsetzung der griechischen Kämpfe, welche die Pfone in acht Jahren nicht zu bewältigen vermochte. (A. Z.) Frankreich. Paris, 15. März. Wir können unö nicht versagen, den solgendcn Zug acht christlicher Nächstenliebe unsern Lesern mitzutheilen. Seit einigen Jahren bereits sieht man zu Anfang jedes Monates einen Herrn die verschiedenen Hospitäler von Paris besuchen, der seine Aufmerksamkeit vorzugsweise den dort verpflegten kranken Kindern zuwendet. Von den bereits in Genesung begriffenen wählt dieser Herr alsdann stelS zwanzig bis sünfundzwanzig aus und nimmt sie mit in die Provinz. Dieser Menschenfreund ist der Marquis de la Rochefoucauld, ein Sprößling deö alten bekannten Geschlechtes, der ans seinem Schlosse La Röche-Gnyon eine zahlreiche Kindercolonie gegründet hat. Die Kleinen, Knalen und Mädchen, werden hier verpflegt und erzogen. Drei barmherzige Schwester», mit dem nöthigen Hilfspersonal, stehen dem ganzen Werke vor. Die Kinder führen das beste und glücklichste Leben, das sich denken läßt. Sie werden in allem Nöthigen, in Rücksicht auf ihren künftigen LebenS- beruf, unlerrichlet; der würdige Pfarrer des OrleS nimmt hieran den thäligsten Antheil. An Seele wie an Körper auf diese Weise geueseu, werden sie später entlassen, um andern Zöglingen Platz zu machen- Schon seit einigen Jahren wirkte der Mar- qniS im Stillen uud hat so über dreihundert Kinder alljährlich einem gewissen Elende enirissm und brauchbare, fromme Arbeiter aller Art aus ihnen gebildet. Erst in neue- stcr Zeit wurde dieß Unternehmen zufällig bekannter und erregie daS verdiente Aufsehen. Um so größer ist daö Verdienst dieses Menschenfreundes, da das Vermögen desselben keineswegs f> bedeutend ist, um ohne bedeutende Geldopfer sein Werk fortzuführen. Jetzt aber, wo es bekannt geworden, beeilt sich Mancher, den Marquis zu unterstützen; man sendet ihm aus allen Gegenden Frankreichs zahlreiche Beiträge, oft mit Hast und Besorgnis!, als hätte man ein altes Vergessen gur zu machen. Der Stadtralh von Paris hat kürzlich eine bedeutende Summe geschickt, der Kultusminister und mehrere Bischöfe desgleichen; daö Ministerium deS Innern hat dem Marquis sogar einen großen Credit eröffnet. In ganz jüngster Zcic erzählte man der Kaiserin die Sache, die sich sogleich lebhaft dafür interessirte. Tief gerührt von den mitgetheilten Details über die kleine Eoionie soll sie anSgernsen haben: Auch ich will dazu beirragen; wie viel soll ich wohl hinschicken? Man erwiderte ihr: tausend Franken würben eine schöne Gabe seyn. Nein, entgegnete die hohe Frau, das Werk ist zu herrlich; ich gebe viertausend, uud alljährlich eine gleiche Summe. Dadurch ist nun dem Marquis ein weit größerer Wirkungskreis eröffnet, und schon in diesem Monat hat derselbe mehr als fünfzig Kinder abgeholt. Weniger für den Ehrenmann, der, anspruchslos und bescheiden, nicht nach dem lauten Lobe der Well verlangt, erzählen wir die ganze Geschichie, als vielmehr für das übrige Publicum, das sich hier auf'S Neue überzeugen kann, wie viel ein Einzelner im Guten vermag, wenn ihn Nächstenliebe und Gottverlraucn beseelen. Hier könnte man doch wirklich auerufen: Gehet hin und thut desgleichen! — Wir verdanken einem der AumonierS deS Kaisers, dem würdigen Abb6 Mullois, diese Mittheilung. (D. V.-H.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augsburger post.mtnng. 2. April 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei» HO kr., wofür e« durch alle lönigl. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezog?» werden kaun. Rom, 7. März, Das Kollegium all'Anima beherbergt gegenwärtig einen interessanten Gast, den rühmlich bekannten Missionär Baraga, Bischof und apostolischen Vicar in Nord-Michigan. Er reiste nach seiner Consecration Hieher, um vor dem Stuhle Petn seine Huldigung darzubringen. Er hatte bereits zwei Audienzen bei dem heiligen Vater. Se. Heiligkeit nahm mit lebhaftem Interesse die Bücher ent- gegen, welche der Verfasser offerirte: Die erste Grammatik und das erste Wörterbuch der Jndianersprache deS von ihm bekehrten und seelsvrglich geleiteten Stammes. Diese Sprache hat keinen Laut, dem der Buchstabe r entspricht. Die Zcirwörtcr gruppiren sich in neun Conjugationen. Baraga rühmt die durchgreifende Regelmäßigkeit und den Wohllaut, obgleich diese Indianer ohne Musik, sogar ohne Gesang waren, als er sie kennen lernte. Von den Ueberlieferungen der heiligen Geschichte hatten sie nur geringe Reste: den Glauben an den guten Geist und die Annahme eines bösen Geistes; das Opfer von Thiere», welches sie jedoch dem bösen Geiste darbrachten wie dem guten, den sie den großen Geist nennen; endlich die Sage, in uralten Zeiten habe der große Geist seinem eifrigsten Verehrer geoffenbart, eine Alles bedeckende Ueber- schwemmnng werde hereinbrechen; er solle sich ein großes Floß banen und Thiere um sich sammeln, um sich und diese zu reiten; und so sey eS geschehen. Rührend ist die Anhänglichkeit, welche der hochwürdigste Bischof Baraga für seine Indianer im Herzen trägt: er sehnt sich, selbst in der Mitte aller Merkwürdigkeit und Erbauungen Roms zu den amerikanischen Urwäldern zurück. Wahrlich, Baraga ist ganz Missionär. Er sucht nichts anderes, und denkt beinahe nichts anderes. Er erinnert in der That an die GlaubenSbolen dcr ersten christlichen Zeiten: Dieser lebhaste Glaube, diese liebenswürdige Offenheit, diese zarte Demuth, dieses eifrige Gebet, diese Sanstmnih und Geduld, diese evangelische Irmnlh, diese Tranlichkeit und Väterlichkeit in der Verkündigung deS göttlichen Wortes. V!m vorigen Sonnrage hatte nämlich der hochwürdigste Bischof die Güte, die deutsche Predigt zu halteu. Morgen gedenkt er die Rückreise nach Denischland anzutreten. — Am 23. Februar waren sännutliche Seelsorger und Fastenprediger Roms durch gedruck-e Karten deS Cardinal - Vicarialeö zum heiligen Vater beschiedcn. Beiläufig hundert Pricstir kamen zusammen. Der hochwürdi,,ste VicegerenS Er Eminenz dtS l^ardinalvicars nahm das Glaubenöbekenntniß ab: alle knieten im Halbkreise nm ihn und sprachen die weitläufigen Bekenntnisse nach, die ein vor ihnen knnenver Priester vvriaS. Hierauf trat Jeder zum hochwürdigsten ViccgerenS, kniete nieder, legie die Hand auf ras vorgchaldnc Evaugelienbuch und sprach die Gelvbniß- formel. Die Verjammluug folgte dem VicegercnS in den Audienzsaal, der übrigens nur ein Zimmer von mittlerer Ausdehnung ist, mit dem Throne im Hintergründe. Se. Heiligkeit ertheilte ankommend den heilig.» Segen und bestieg den Thron. Vermuthlich wegen des blendenden Lichtes wurden die Fensterladen zugelehut und die Rom. 106 Priester standen in einem Dunkel, welches an Finsterniß gränzte. Der heilige Vater hielt min eine Predigt, welche eine Viertelstunde lang dauerte, ausgehend von den Worten dcS ersten Briefes an die Thessalonicher C. 5, V. 14: „Wir bitten euch, Brüder, weiset zurück die Unruhigen, tröstet die Kleinmüthigen, stehet den Schwachen bei, habet Geduld mit Allen." Jede dieser Ermahnungen wurde kurz entwickelt und zwar mit besonderer Beziehung für die Seelsorger. Der heilige Vater gab unter Anderem die merkwürdige Lehre, der Seelsorger solle zur gehörigen Verwaltung seines AmIeS mit Niemanden so anhaltend verkehren, als mit Christus selbst; der Heiland werde dann belehren, stärken, helfen. Se, Heiligkeit wandte sich im zweiten Theile zu den Predigern und ergoß ue-ch den nimmer versiegenden Echuurz über die Mißbräuche, welche in der Zeit der Umwälzung auf heiligen Slälten vielfach zum Vorschein kamen: statt das Wort GotleS zu verkündigen, hätten manche nur heidnischen Redeprunk zur Schau gestellt; statt an den schmalen Weg und an die enge Pforie zu erinnern, sey der Eingang in den Himmel als eine Leichligkcit erklärt worden u. s. w. Diese Klage gehe nicht auö der Besorgniß hervor, daß auch nur Einer der Anwesenden etwas AehnlicheS sich zu Schulden kommen lasse, sondern sie wolle nur dazu dienen, um den guten Eifer noch mehr zu bekräftigen. DaS horchende Ohr sey zwar für den Prediger beseligend, aber leider findet das Wort GolteS in unsern Zeiten bei Unzähligen eine schlechte Ausnahme. Die Prediger sollen nicht müde und nicht mulh- loS werden. Dem Worte seyen aber Gebet und Beispiel die mächtigsten Stützen. Der feierliche Segen war der Schluß. Jeder wurde zum Fußkusse zugelassen. Se. Heiligkeit wandelte segnend in das Cabinet. Eine Vorbereitung, Einsegnung und Weihe dieser Art kann nur die heilsamsten und nachhaltigsten Eindrücke in den Herzen hinterlassen. DaS Wesentliche der Handlung ist aliherkömmliche Ueblichkeit; aber die Erweiterung der Ansprache zu einer förmliche Rede rührt von Sr. gegenwärtig regierenden Heiligkeit her. Von der besondern Gabe des heiligen VaierS, das Wort Gottes zu verkündigen, hörte ich neulich auö dem Munde eines OrdenSgencrals einen beweiskräftigen Fall. Als nämlich Se. Heiligkeit noch Bischof zu Jmola war, geschah eS, daß der Festprediger, von einem Unwohlseyn befallen, abbrechen und abtreten mußte. Se. Eminenz der Cardinal und Bischof erhob sich während der allgemeinen Verwirrung vom Sitze, bestieg die Kanzel und setzte die Predigt in einer Weise fort, als hätte er sie selbst begonnen und sorgfällig einstürmt. — Eben wird mir von dem Herrn Caplan der Anima, der dem hochwürdigsten Bischof Baraga als Führer zu dienen die Ehre hat, noch ein Vorfall erzählt, den ich Ihren Lesern nicht vorenthalten darf. Eardinal Wiseman ging dem MijsiouSbischofe, der sich demülhig nahte, mit lebhafter Freude cntc-egen und sagte: „O mein liebster Bischof Baraga, seyen Sie mir herzlich willkommen! Obgleich wir uns zum ersten Male sehen, sind Sie mir doch ein alter Bekannter. Ich habe Ihre Milsionsberichte und anderweitigen Nachrichten über Ihr gesegnetes Wirken mit Theilnahme gesammelt und einmal in einer öffentlichen Rede in England davon Gebrauch gemacht: ich habe nämlich die Missionen der Angolaner mil Ihrer Mission verglichen, jenen Reichthum der Ausstattung »>it Ihrer Armulh und cie Sterilität der Erfolge auf jener Seite mit Ihren Früchten: und ich habe daraus die Wahrheit gefolgert, daß jene nur ein mcnichliches Unternehmen gegen den Willen Gottes betreiben, während Sie in Ihrer Einsamkeit und Enibehrnng — Goit zum Begleiter unv Heiser bei Ihnen haben." — Baraga ist dieher nur Bischof in parti>>u8, obgleich er seinen eigenen diocesanarligen Wirkuugs- krciS hat mit alle» bischöflichen Vollmachten: der hei ige Vater hat nun den Aufriag gegeben, die kanonische Verhandlung einzuleiten, wodurch Ober-Michigan znm Bis- thum erklärt werden soll. Diese Erklärung war bisher nur aus dem Grunde unterblieben, weil der Ort für die Residenz nicht namhaft gemacht werden konnte. Obgleich übrigens der eifrige Missionsbischof mit vielem Troste Rom veiläßt, so bleibt er doch rücksichtlich der Geldmittel lediglich auf die Leopoldinen-Stiftung angewiesen und an sonstige Hilse in Oesterreich unv Deutschland. (Salzb. Kirchenbl.) 107 Heinrich IV. von Frankreich und die Jesuiten. Heinrich IV., der Stifter der bourbonischen Linie in Frankreich (1589—1610 f), gehörte zu jenen Männern, die nach dem stereotypen Ausdrucke moderner Geschichte- machcr ihrer Zeit weit vorausgeeilt waren, weil sie es mit dem alten Kirchenwesen nicht mehr so genau nahmen, und es schon längst weg hatten, daß jede Religion selig mache, sie heiße wie immer. Was Heinrich IV. der Politik wegen opferte, davon sey jetzt keine Rede, aber daß in seinen Augen die katholische Kirche und ihre Institutionen wenig mehr als Menschenwerk war. haben unS seine Biographen hinterlassen. Und dennoch unterlag auch sein stolzer Geist dem Drucke der Wahrheit, und zollte einem Orden seine Verehrung, der durch und durch kirchlich ist. Damit unS aber nicht eingewendet werden möge, eS seyen diese Aeußerungen das Resultat seiner gewöhnlichen Politik, so geben wir die Rede, die er an die Deputt'rten deS Parlamentes, daS ihn von der Restauration des Jesuitenordens abhalten wollte, im Jahre 1593 hielt, in folgenden Zeilen wieder: Nachdem Heinrich im Allgemeinen von seiner absoluten Macht dem Parlamente gegenüber gesprochen, fahrt er, auf den fraglichen Gegenstand selbst kommend, fort: Ist es der Name „Jesuit", der euern Eifer erregt, so müßt ihr ciucb mit jenen hadern, welchen sich den Namen H, H. Dreifaltigkeit: Iö8 peres äs Is 1rinit6 (ein Orden), beigelegt haben; und wenn ihr glaubt, daß ihr eben so gut wie sie ^ur Gesellschaft Jesu gekört, *) so möchte ich euch wohl fragen, ob denn eure Töchser eben so gut zu den Gilles visu in Paris gehören, wie die Nonnen, die diesen Namen führen. Ich für meinen Theil würde eben so gerne und noch lieber Jesuit heißen, als Hugenot. Wenn ein Theil der übrigen Geistlichen diesem Orden ebenfalls abgeneigt ist, so mag dieses wohl daher kommen, weil von jeher die Unwissenheit der Wissenschaft nickt hold war. Ueberhaupt habe ich gefunden, daß, sobald ich mich wegen Zurückberusung der Jesuiten etwas deutlicher erklärte, zwei Gattungen Menschen sich diesem Gedanken am stärksten widersetzten: die Huge- noten, und alle wegen schlechter Aufführung und Sitten berüchtigte katholische Geistliche; aber eben dieses war es gerade, was mir nur noch eine größere Liebe und Achtung für die Jesuiten einflößte. — Hat die LorKonns (Universität), wie ihr sagt, sich gegen die Jesuiten erklärt, so hat sie eS hierin eben so wie ihr gemacht, sie hat nämlich über die Jesuiten geurtheilt, bevor sie dieselben noch kannte. Hatte blos Eifersucht die Glieder der alten 8ori>onns zu Jesuirenfeinden gemacht, so hat die neue M'ist bei denselben studirt, und preiset sich nun glücklich, solche Lehrer gefunden zu haben; hätte endlich der Orden bis jetzt noch nicht festen Fuß gefaßt, so danke ich Gott, daß er mir die Ehre vorbehalten hat, ihm (dem Orden) eine Garantie zu geben; so werden sie jetzt kraft meines EdicteS in Frankreich leben, und so wie meine Vorfahren den Orden blos geduldet hatten, so ist es jetzt mein Wille, denselben fest und dauerhaft in meinem Reiche zu gründen." „Ihr sagt, daß die Universität sich mit den Jesuiten nicht vertragen könne; davon jedoch war die Ursache: Entweder daß sie gelehrtere Leute waren, und daher Alles sich zu ihren Lehrstühlen hindrängte, während die Lehrsäle der hohen Schule leer blieben, oder auch, weil sie bis jetzt der Universität noch nicht einverleibt waren; dieses wird aber nun geschehen, und ich bin überzeugt, daß, wenn ich eS befehle, sie sich dieser Einverleibung nicht weigern werden. Ihr bemerkt, daß die gelehrtesten Männer in eucrm Parlamente nicht bei ihnen studirt haben; ja! wenn die ältesten auch die gelehrtesten sind, so mag dieses wahr seyn, denn jene studirten zu einer Zeit, wo man noch keine Jesuiten in Frankreich kannte. Aber ich weiß, daß nicht alle Glieder eures Parlamentes eurer Meinung beipflichten; wenn man aber bei den Jesuiten nicht mehr lernt, als anderswo, woher kam eS denn, daß selbst, während die Jesuiten aus Frankreich vertrieben waren, alle andern Lehranstalten dennoch von *) Man hatte nämlich dem Jesuitenorden gleich bei seiner Gründung das Recht streitig gemacht, sich nach dem H, H, Namen „Jesu" nennen zu dürfen, und es als Particularismus verschrien. Auch die Gesandten hatten unter ihre Anklagepuncte diesen ausgenommen, 108 Niemand besucht waren, und man lieber nach Twray ging, und die Jesuiten im Auslande aufsuchte, nur um ihreö Uuicriichtes nicht entehren zu müssen? Sie ziehen (sagt ihr) alle guten Kopfe an sich, und wählen die besten für ihren Orben; aber eben dieß gibt ihnen einen Anspruch mehr ans meine Ächtung. — Fändet ihr im Jesuitenoiden unwissende Professoren und schlechte Prediger, so konntet ihr ihn verachten; und jetzt, wo ihr lanler treffliche Leute unler ihnen findet, wollt ihr ihnen das zum Verbrechen machen." „WaS die Güter und Reichthümer betrissr, welche, wie ihr sagt, die Jesuiten besessen haben sollen, so ist dieses eine große Lüge und Verleumdung; Niemand kann eö besser wissen, als ich, da ihre Güter meinen Domänen einverleibt winden; wo es sich zeigte, daß man in Vourges und Lyon kanm sieben bis acht Lehrer hat besolden können, während doch vorher nennunddreißig bis vierzig Jesuiten dort lebten." „Eben so ungerecht ist es, sie Aufrührer zn nennen, weil sie auf Seite der Ligue. *) Dieses lag im Geist der damaligen Zeit. Die Jesuiten waren gelänscht worden, wie es andere auch waren, haben aber nachher den Irrthum erkannt, und eingesehen, daß Alles, was man ihnen von meinen Gesinnungen gesagt, falsch und grundlos sey? Zudem bin ich anch noch ül'erzeu>,t, daß bei ihnen weniger der böse Wille als bei Andern war. Sie suchen, sagt ihr, sich auf jede Art in Städte anzuschleichen; nun gut — Andere machen eS eben so, und ich selbst suchte in mein Königreich zu kommen, auf welche Art ich nur immev konnte. Man muß jedoch gestchen, daß die Jesuiten mit ihrer Geduld, Klugheit und ausgezeichneten Frümmig- keit Alles zn Stande bringen, und daß ihre givße Anhänglichkeit an ihre mlen Statuten und Einrichtungen, an welchen auch nicht das geringste geändert rverd>n darf, dem Orden wirklich eine sehr lange Dauer verspricht. Ihr Gelübee dcs Gehorsams gegen den Papst kann für sie keine stärkere verbindliche Kraft baden, als der Eid der Treue, den sie mir schwören. UebrigenS kennt man dieses, dem Papste Gehorsam Versprechende Gelübde der Jesuiten nicht recht, oder vielmehr mau har es aus bo'>em Willen nicht kennen wollen, und vorsätzlich s^ viel als niögl ch entstellt. Diejes Gelübde heischt nicht einen ans alle Gegeustäude sich beziehenden unbedingten Gehorsam, sondern es erstreckt sich auf Misstonen; und der an den päpstlichen Stuhl sie bindend- Gehorsam verpflichtet dieselben nnr, überall und in die entfernt, sten Länder unbedingt hinzugehen, sobald sie der Papst dorthin schick.n würde, das Evange ium zu predigen; auch waren cS in der That die Jesuiten ganz allein, deren sich Gott aiö seiner Werkzeuge bediente, um den Jndiern das Christen hnm zu verkündigen." „Rücksichilich ihrer Meinung vom päpstlichen Stuhle ist mir nicht unbekannt, daß sie gegen denselben eine tiefe Ehrfurcht haben; diese Ehrfurcht gegen den heiligen Vater theile ich mit ihnen. Indessen ist eS von Ench sehr sonderbar, daß ihr kein Wort davon sagt, daß man erst vor Kurzem in Rom alle Schriften des Jesuiten Bellarmin in B>schlag nehmen wollte, weil er in denselben der päpstlichen Gerichtsbarkeit wiit engere Schranken setzte, als die übrigen Theologen bisher gethan; eben so wenig macht ihr eine Erwähnung davon, daß erst unlängst die Jesuiten den Satz aufstellten: daß der Papst an der Spitze der Kirche zwar unfehlbar sey, aber dennoch Clemens (der damalige Papst) sich wie jeder Andere irren lönne. (In Sachen, die den Glauben nicht betreffen) Auf jeden Fall bin ich gewiß, daß sie wenigstens dieß- falls nicht mehr lehren, als die übrigen Alle; und wollte man hierüber einen Proceß anhängen, so müßte man ihn gegen die ganze katholische Kirche führen." „WaS die Lehren betrifft, die man ihnen znm Vorwurf macht, nämlich daß ihre Grundsätze dahin gingen, die Geistlichkeit dem Gehorsam gegen den Regenten zu entziehen, ja sogar den Königemvrd als erlaubt darzustellen, so muß man sich vor Allem bemühen, früher ihre Grundsätze genau kennen zu lernen, und darauf Acht geben, ob dieselben wirklich der Art sind, wie ihnen nachgesagt wird. WaS mich noch glauben . ^ , , *) Bevor Heinrich IV. vom Protestantismus zur katholischen Kirche übertrat, hatten die Katholiken gegen ihn, der sich um den Thron bewarb, einen Bund, die .Ligue", geschlossen. 109 macht, dciß an allem Dem nichts sey, nnd daß eS ihnen nur boshafter Weise aufgebürdet w rd, ist: daß, nachdem man ihnen länger als dreißig Jahre den Unterricht der Jugend in Frankreich überlassen hatte, und binnen dieser Zeit wenigstens mehr als fünfzigiausend Personen aus allen Classen der Staatsbürger bei ihnen studirt, nachher noch mit ihnen gelebt und häufigen Umgang gepflogen halten, es doch von allen diesen leinen einzigen gibt, welcher behauptet, daß er sie jemals eine solche Sprache führen oder etwas ihr sehnliches Uhren gebort hätte. Ja was noch mehr ist, eS gibt SiaatS- minister, welche bei ihnen studirt und schon unter ihnen gelebt haben; warum wendet man sich denn nicht an diese, um über die Lebens- und Lehrart der Jesuiten Eikun« dignugen einzuziehen? Eö ist ja zu vermuchen, daß sie so viel Böses als möglich von ihnen sagen würden, wäre es auch nur um sich zu entschuldigen, daß sie nicht in den Orden derselben getreten sind. Ich weiß sehr Wohl, daß man solche Männer schon bc ragt hat, aber nichts anderes hat herausbringen können, als daß in der That ihre Sitten von allem Tadel völlig frei sind." Die Jesuit»n sind in Frankreich geboren, folglich meine natürlichen Unterthanen, gegen die ich keinen Verdacht haben und keinen Einflüsterungen Ranm geben will. Ich habe schon ungleich schwierigere Sachen durchgeführt, überlaßt dir selben also mir ganz allein, und bekümmert euch blos um daS, was ich euch sage und befehle." So weit Heinrich IV. — Wir überlassen eS dem Leser zu untersuchen, wie groß die Harmonie zwischen der Denk- nnd SinneSweise Heinrichs und diesen Worten gewesen seyn mag; wir verweisen bK>s auf den Inhalt dieses so ehrenvollen und bündigen Zeugiusses, das uns ganz die Jesuiten von Heute bezeichnet, obwohl eS Männern gilt, die schon vor mehr als zweihundert Jahren über die Breiter dieser Welt gegangen sind. Mag die Rede auch mit Heinrichs Junerm nicht übereingestimmt haben i^waS erst deö Beweises bedan), so steht sie doch da als ein Denkmal ciiuö Ordens, das man ihm setzte zweihuudcrt Jahre früher, ehe ihn die Gewalt erdrückte; als ein Aciuistück, d. S lauter als Marmorsäulen und Epitaphien von vergangener Größe spricht In jedem Falle ist die Wahrheit dieses Zeugnisses verbürgt; denn angenommen, es war kalte berechnende Politik, was Heinrich obige Worte in Mund legte, wie durfte er eS denn wagen, wenn ibm an Erreichung seines Zweckes gelegen war, seinen Gegnern und Anklägern dcS Ordens mir Gründen zu antworten, die nicht hallbar, nicht dem Boden -er Wahrheit entwachsen wären? Wie hätten diese eine Vertheidigung anfgeiiommen, die aus erdichieien Verdiensten beruhte? Halten Fürsten späterer Zeit den Verleumdern und Anschulvigern deö JesuiienordcnS auf gleiche Weise geantwortet, sa wäre viele Ungerech igkeii verhütet, und der Welt ein Verbrechen erspart worden, dessen Folgen so unermeßlich waren, daß man si>benzig Jahre (von 1780—1d5v) bedurfie, um dieselben in ihrer ganzen Ausdehnung kennen zu lernen. (Ocst. Nolksfr.) Da» Christenthum in Abyssinten und der letzte Märtyrer daselbst aus Oesterreich. (Schluß.) - II. Pater TheodosiuS Wolf stattet über den Martyrertov seiner Ordensbrüder in Abyssinien an den Provincial Bruno Premier folgenden Bericht ab. H ochzn ehrender Pater Provincial! Kindliche Verehrung, und die enge Verbindung, in welcher ich mit dem hoch- würdigen Pater LiberatuS, seligen Angedenkens, stand, bestimmen mich die Feder zu ergreisen, um das wohl grausame, aber dennoch nicht traurig, sondern glorreich zu nennende Schauspiel zu schildern, welches daS dem katholischen Glauben noch immer feindlich gesinnte Aethiopien in diesem Jahre wieder c>N' drei Priestern des Seraphischen Ordens gegeben hat. Wie bekannt, wurden im Jahre 1704 von unserm heil. Vater 110 Papst Clemens XI., sehr viele apostolische Missionäre nach Aethiopien (Habyssinien) gesendet, dort das Evangelium Jesu Christi zu predigen. Man suchte auf verschiedene Weise daselbst Eingang zu gewinnen, aber die cmgränzenden barbarischen Völkerschaften wußten es immer zu Verbindern, bis Pr. P. LiberatuS Weis, apostolischer Präfcct, ein Zöglina der österreichischen Provinz, mit seinen Gefährten, P. Michael von Zerbe und P. Samuel von Biumo, im Jahre 1711 die Reise durch das rothe Meer versuchte. Nachdem sie bis zum folgenden Jahre außerordentlich große Gefahren zu Land und Wasser bestanden hatten, beiraten sie glücklich die Hauptstadt (Aethio- piens) Gondar. LiberatuS begab sich ohne Zögerung zum Könige, dessen Name in unserer Sprache „der Gereckte" hieß, und legte ihm in geheimer Audienz die Ursache seiner Ankunft dar. Der König nahm ihn auch sehr liebevoll und günstig aus, versprach ihm sowohl Sicherheit als auch seinen besondern Beistand, jedoch verbot er ihnen das öffentliche Predigen deS katholischen Glaubens, denn er fürchtete daS Volk, welches sehr zum Aufruhr geneigt war. Er ermähnte sie, Eile mit Weile einzuhalten, denn, setzte er bei: Gott hat ja auch die Welt nicht, wie eS in seiner Macht stand, in Einem Augenblicke, sondern in einem Zeiträume von sechs Tagen erschaffen. Während nun die Missionäre in Gondar verweilten, nahm offenbar mit jedem Tage des Königs Neigung zu ihnen zu, denn er schätzte sie so sehr, daß er mit wahrhaft königlicher Freigebigkeit ihre Lage zu verbessern suchte, indem er ihnen Besitzungen und jährliche Einkünfte antrug. Die Missionäre lehnten aber diese Geschenke standhaft ab, indem sie erklärten, solches wäre gegen ihren apostolischen S'and, und gegen die heiligste Armuth, welche sie nach ihrer Ordensregel angelobt. Der König bewunderte diese uneigennützige Gesinnung, lobte sie insgeheim und öffentlich, und schwur sogar, er werde sie nicht blos mit seinem königlichen Ansehen, sondern auch mir seinem Blute vertheidigen. Bisher blieben die Patres unangefochten. Sie hatten im Stillen schon Einige zum Glauben bekehrt, die größten Hindernisse schienen mit Hilfe des Königs überwunden. Aber dennoch gestaltete sich bald die Lage ungünstig: der Krieg der Hölle gegen den Himmel will nie ein Ende nehmen. Einige niederträchtige und verdorbene Menschen, vom Vater deS NeideS, dem Teufel, getrieben, streute» den Samen der Zwietracht auS, indem sie durch schlechte Reden und Predigten daS Volk verkehrten. Man redete den einheimischen Mönchen, welche eine sehr große Gewalt haben, und den Hochgestellten des Reiches ein, diese Missionäre seyen die größten Feinde der Marienvcrehrung, sie bereiten'das ungesäuerte Brod, welches beim heiligen Meßopfer consecrirt werden soll, aus dem Marke eines HnndeS und dem Gehirne eines Schweines, in Kurzem werde sicher das ganze Königreich von diesen Ungläubigen in Verwirrung gemacht werden, da der König ihnen in Allem folge; ja, n'enn die Zahl ihrer Glaubensanhänger sich noch vermehre, so werden sie selbst die Herrschaft an sich reißen. Diese und andere ähnliche läppische Lügen streute man geschäftig aus, und schmiedete schon Pläne den König zu vertreiben. DaS ohnehin r^he Volk bemächtigte sich mit warmem Eifer dieser Angelegenheit, und fing Aufruhr zu erregen an. AIs der König davon Nachricht erhielt, wollte er für die Sicherheit und das Leben der Missionäre Vorsorge treffen. Er befahl ihnen, unter starker Bedeckung in eine entfernlere Gegend sich zu begeben, indem er sie wieder zurückrufen werde, wenn der thörichte Ungestüm deS Volkes sich gelegt haben würde. Aber der gottlose Pöbel war damit nicht zufrieden, ja die Abwesenheit der Missionäre, anstatt die Gemüther der Bösen zu besänftigen, erbitterte sie nur noch mehr. Im Anfstcmde wurde auch eine Verschwörung angezettelt, und dem Könige, wie die Rede aing, Gift beigebracht. Es ergriff ihn plötzlich in Folge dessen eine erschreckliche Lähmung, so daß sein Körper ihm j-den Dienst versagte, und er als untauglich der Regierung entsetzr, und durch seine Hausgenossen schmählich vom Hofe entfernt wurde. Inzwischen ward ein Jüngling mit Namen David zum Könige ausgerufen. Dieser gab auS Furcht dem Wüihenben Begehren des Volkes nach, rief die abwesenden Missionäre am 27. Febr. 1716 nach Gondar zurück, und ließ sie dort, mit Ketten beladen, in einen Kerker werfen. Am 2. März stellte er sie cssentlich vor eine Versammlung, der Großen des 11t Reiches, und ließ die Frage an sie stellen, wer sie wären, und weßwegen sie in dieses Land gekommen? Die Missionäre antworteten, sie seyen katholische Priester, und von dem Papste, dem allgemeinen Hirten der Kirche, abgesendet, um die Em- gebernen dieses Landes im wahren Glauben zu unterrichten, ihre Seelen auS der Finsterniß zu befreien, und zur ewigen Seligkeit Hinzuletten. „Also haltet ihr unS für keine Christen?" fragte der König. Die Missionäre versetzten: „Ihr seyd wohl dem Namen nach Christen, aber keineswegs in der That " Der König, dadurch heftig aufgebracht, schleuderte über sie daS Todcsurtheil, während sie sich bereitwillig darboten, standhaft für den kaiholischcn Glauben daS Leben zu opfern. Von großer Verwunderung ergriffen, standen Alle umher und staunien den Muth und die Geringschätzung des LebenS an, welche diese fremden Priester an den Tag legten, so daß der König selbst etwas nachdenkend wurde, sich freundlicher als zuvor an sie wendete, sie einlud, sich der Landesreligion anzuschließen, ihnen Sicherheit und Leben versprach, wenn sie sich den herrschenden religiösen Gebrauchen fügen, den heiligen DioSkurus verehren, in Christo nur Eine Na>ur bekennen, an den Sacramenien Antheil nehmen würeen u. s. w. — Aber die Missionäre verachteten mit erhabener Standhafrigkeit daS vergängliche Leben, und wollten lieber sterben, als ihrem Glauben unireu werden. Hierauf ward befohlen, die Missionäre wieder in den Kerker zu führen, und man pflog inzwischen abgesonderte Berathungen. Der König, obgleich er sich nun als Feind des katholischen Glaubens zeigte, war doch in früherer Zeit gegen diese Priester milder gesinnt gewesen, und sprach auch jetzt die Meinung auS, man solle die Missionäre auS dem Königreiche vertreiben; die einheimischen Mönche hingegen verlangten, man solle sie mit dem Tode bestrafen, uud so wurden sie denn am 3. März mit auf den Rücken gebunoenen Händen aus den Platz oder daS Kampffeld geführt. Dort wurden sie der Kleider beraubt, wechselten noch miteinander einige Worte, umarmten und küßten sich. Indem sie ihren Geist im demülhigen Gebete Gott empfahlen, sanken sie auf ihre Kniee nieder, um die hefiigen Sieinwürfe auszunehmen. Sogleich sprang ein frevelhafter einheimischer Priester, der mit dem Scheine der Religiosität seine Boöheit verdeckte, aus der Volksmenge hervor, und schrie auS vollem Halse: „Wer nicht fünf Steine auf Diese hier wirft, der sey verflucht, ercommunicirl und ein Feind der Jungfrau Maria I" Er seltst warf den ersten Stein, und ihm folgte die ganze Volksmenge, wohl bei zehn- taujend Menschen, und so wurden die Missionäre in kurzer Zeit unter einem Hügel von Sreinen begraben. — Es war wohl mein Wunsch Theil zu nehmen an ihrem Siegeskampfe, da mich die brüderliche Liebe mit ihnen so enge verband; aber Gott hat es anders gefügt, da ich wegen übler Witterung mit drei anderen Priestern hier zurück gehalten bin, und in Ungewißheit über unser künftiges Schicksal schwebe, bis uns die heilige Kongregation zur Verbreitung deS Glaubens von Rom Antwort gesendet haben wird. Unterdessen konnte ich dieses Wenige der Wahrheit gemäß mittheilen. Mehreres, so Gott will, behalte ich der Zukunft vor. Mocca, im glücklichen Arabien, am 20. Juni 1716. Fr. TheodosiuS Wolf, apostol. Missionär. Düß der Bericht über den Mcmyrtod seiner Mitbrüoer, deren Andenken diese Zeilen in der Erinnerung der Katholiken wieder anfsrischcn wollen. Zum Schlüsse sey die Bemerkung beigefugt, daß im Jahre 1833 ein abyssinischcr Füm, Namens Jtsa Tecla Gorgis, sich an den Papst Gregor XVl. um Priester gewendet habe. ES wurden solche dahingesendet, und Abyssinien wieder in die Zahl der apostolischen Piäfcc-uren aufgenommen. Wohl ist die Zahl der Katholiken jetzt dort noch klein, im Jahre 1843 ein halbes Tausend ruucr vielleicht vier ein halb Millionen irrgläubiger abyssinischcr Christen. Aber gewiß hat die göttliche Vorsehung so viele Funken deS Christenthumes unter der Asche in diesem sonst so gesegneten Lande nicht umsonst sorgsam und wunderbar erhallen. DaS Blut der Märtyrer, welches dort so reichlich geflossen, wird wie in den ersten Jahrhunderten noch reichliche Früchte bringen. Es weht GotteS Geist, wo er will, und bei dieses Geistes Wehen kann früher oder 112 später auS den Funken eine Flamme sich entzünden, welche in deS innern Afrikas Finsternisse, wo Knoblecher und seine Genossen so mühsam daS Kreuz pflanzen, himmlisches Licht verbreiten wird. G r a tz. Am zweiten Fastensonntag wurde die Mission beschlossen, welche die PP. Karineliten durch fünf Tage in der Strafanstalt in der Karlau hielten. Der hochw. Scminar- director Vüchinger hielt das hl, Amt, während welchem die Sträflinge recht andäch'ig das deutsche Amllicd sangen, speiöte diese nach der heil. Communion ab und hielt am Schlüsse eine Anrede an sie, worin er sie zum Danke dafür ausforderte, daß nun JcsuS voll Liede in ihre Herzen eingekehrt sey, auch erwähnte, daß der hochw. Fürstbischof gar sehr gewünscht, selbst ihnen daS Brod des Lebens zu reichen, wenn Hochderselbe nicht durch Krankheil daran gehindert worden wäre. Zu erwähnen ist noch, daß alle katholischen Sträflinge, waS sonst nicht immer der Fall war, bei der Mission sich betheiligten, und die Meisten verlangten, eine Generalbeichl abzulegen. (K. Wfv.) ' ' , . .-ibnosnM .I Kirchenz.) Die Freimaurerei. Die „Hengstenberg'sche Evangelische Kirchenzeitung" enthält in Nr. 19, 2t), 21 und 22 einen Artikel gegen die „Freimaurerei,* welcher wegen der freimüthigen und offenen Besprechung dieses Gegenstandes alle Anerkennung verdient. Nachdem eS längst bekannt ist, was man ,,ka tholisch er seits" über diesen „Geheimbund" denkt, wird eS für unsere Leser nicht ohne Interesse seyn, auch eine protestantische Stimme in dieser Angelegenheit zu hören. Der Artikel in der Evangel. Kirchenzeitung geht davon auS, daß nach den Auszügen aus den Verzeichnissen der drei Berliner Haupt' logen allein in Preußen dem Freimaurerorden mehrere hundert protestantische Prediger als Mitglieder angehören. Wenn aber nun dieser Orden eine nacktheilige Wirkung auf seine Mitglieder ausübe, so sey eS allein in Rücksicht auf diese Prediger eine heilige Pflicht, den Schaden auszudecken und könnten davon keinerlei Rücksichten und selbst nicht eine hohe Protection zurückhalten. Wenn in Deutschland Katholiken und Protestanten gegenseitig ihre Lehre sich widerlegen dürsten, dann möchte man doch auch von der Freimaurerei sagen dürfen: „Das ist, so viel man aus ihren Schriften entnehmen kann, ihr Zweck :c. DaS vierte Gebot, so heilig eS sey, habe doch seine Gränzen." Nach diesen einleitenden Bemerkungen wird an die Sache selbst gegangen und als erster Satz an die Spitze gestellt: „Die Grundlage deS FreimaurerwesenS ist der Deismus, die Antipathie gegen das sveci« 1!S fisch Christlicht." Sey dieß erst dargethan, dann brauche man nicht weiter zu beweisen, daß der Eintritt in die Loge nicht zuläßig sey, eben so wenig, als man nach den Worten Leo'S erst zu beweisen brauche, „daß Ratten keine gute Schlaf« kameraden seyen." Der Beweis für jene de istische resp, panthe istische Richtung deS Ordens wird nunmehr nach den vollgiltigsten Zeugnissen geführt uud hervorgehoben, wie planmäßig das specifisch Christliche und Kirchliche fern gehalten wird. Am Ende der Beweisführung heißt eS: „Die Grundlage der Freimaurerei ist die Läugnung des christlichen Gottes (Deismus resp. Pantheismus), die Aushebung deS Unterschiedes von Natur und Gnade, die Verschmähung aller Ga, den, welche Christus durch sein Leiden und Sterben uns erworben hat, das Zerrbild der christlichen Nächstenliebe, welche in ihrer wahren Gestalt nur iimerhalb der Kirche vorhanden ist. Der Mangel an jedem tieferen religiösen Gehalt wird auch durch die Symbolik deS Ordens außer Zweifel gestellt. Von dem, was Christus für uns gethan und uns geschenkt hat, findet sich in ihr nichts abgebildet, alleS kommt auf bloße Moral hinaus, und zwar auf eine solche Moral, in der die sogenannten theologischen, die specifisch - christlichen Tugenden völlig fehlen. „Die maurerischen Mysterien — so werden wir in einer auS der Mitte deS Ordens selbst hervorgegangenen Schrift belehrt *) — bezielen die Erheiterung deS Geistes, Erhaltung der Harmonie und die Bildung deS Herzens. Die Allegorie der Gesellschaft selbst ist sinnreich und unterhaltend. Man nimmt sich vor, einen Tempel auszubauen, und dieß ist der Tempel der Tugend. Die Werkzeuge zu diesem Bau find Symbole der Architektur deS Herzens. DaS Winkelmaaß, der Triangel und der Zirkel bilden die Billigkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit vor. DaS Licht ist eine Anspielung auf die Tugend. Der Mensch, ehe er zur Arbeit an diesem erhabenen Tempel zugelassen wird, das ist, ehe er die Bahn der Tugend betritt, ist ein Unglücklicher, der im Finstern wandelt; will er in diesen Tempel zugelassen werden, so muß er sich vorher von seinen Lastern reinigen, und deßhalb hinreichende Proben seiner Beständigkeit und seines guten Willens ablegen. Die Handschuhe und der weiße Schurz, womit man einen ncugeweihten Bruder bekleidet, stellen die Reinigkeit der Sitten vor. Die Maurer erkennen keinen andern Unterschied, als den die Tugend gibt. Geburt, Rang und GlückSgüter werden waagerecht gesetzt, sobald man den ersten Grad ertheilt. DaS ganze Geheimniß der Maurerei besteht in einem symbolischen Unterricht, daß nur die Moral wahre Wissenschaft, und wahre Tugend nur die gesellige sey." Man wird dem Prediger am neuen israelitischen Tempel in Hamburg, Gotthold Salomon, Mitglied der Loge zur aufgehenden Morgenröthe im Osten zu Frankfurt am Main, Ehrenmitglied der Loge zum silbernen Einhorn in Nicnburg, nicht Unrecht geben können, wenn er diejenige»^ die den christlichen Charakter der Maurerei behaupten, fragt**): „Warum findet sich in dem ganzen maurerischcn Ritual auch keine Spur von einem kirchlichen Christenthum? Warum wird der Name Christus nicht ein einziges Mal genannt, weder im Eide, noch im Gebete, daS bei geöffneter Loge oder bei der Tafelloge verrichtet wird? Warum ist in der Freimaurerei kein christliches Symbol? Warum Zirkel, Winkelmaaß, Waage? Warum nicht daS Kreuz? Warum statt „Weisheit, Stärke und Schönheit" nicht die christliche Drei: „Glaube, Liebe, Hoffnung?" Die Verwandtschaft deS OrvenS mit dem englischen Deismus legt sich auch in seiner Symbolik zu Tage. Man vergleiche nur Aeußerungen wie die deS Verfassers der „betrachteten Auferstehung Jesu,***) die Vernunft sey seine einzige Regel, seine Absicht sey, die Würde der Tugend der Welt vor Augen zu legen und die Hochachtung gegen Weisheit und Wahrheil wieder in den Schwung zu bringen, die durch den Glauben verdrängt sey: die Menschen müßten erkennen, daß sie sich aus nichts in Ansehung ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Glückseligkeit zu verlassen hätten, als auf ihre eigeue Tugend *) Freimaurerblbl. l. St. Berlin »773, S. tN8 ff. vgl. die neuesten ReliqionSb. S. 3t4. **) Eckcrt. S. 2S6, »**) zz^ Leland, Abriß der vornehmsten deistischcn Schriften Th. 1. S. ötv. 117 und auf die Liebe zur Weisheit und Wahrheit," Nicht einmal deistische Gottesfurcht wird man dem Freimaurerorden zusprechen können. Sein Gott hat das bloße Zusehen. Ob er ist oder nicht ist, hat auf die Moralität keinen Einfluß. Dem erhabenen Ziele der Tugend streben die Brüder auf eigene Hand nach. Sie bedürfen dazn keiner andern Kraft, als der eigenen, deren wahre Beschaffenheit sie in der dem natürlichen Menschen eigenen Verblendung verkennen. Eben so auch die wahre Beschaffenheit deö Zieles. Sie meinen, eS sey genug, die Hände rein zu halten, die „böse Lust und Neigung" lassen sie fortwuchern, sie ist einmal die Mitgabe der menschlichen Natur. Der dem natürlichen Menschen eigene Mangel an Furcht Gottes, an Vertrauen gegen ihn, macht ihnen keine Sorge. Die Tugenden, die sich auf das Verhältniß zu Gott beziehen, haben sie gestrichen. Die Gebote der ersten Tafel sind für sie nicht vorhanden. Gott ist ihnen viel zu sehr ein unbestimmtes Etwas, als daß man ihm verpflichtet seyn könnte." (Schluß folgt, > Die auswärtige» Missionen. I Vereinigte Staaten. Eine kurze und klare Uebersicht der Gesammtlagc gibt ein Brief des hoch-' würdigen Pater de Smet aus St. Louis vom 6. Februar 1853, dem wir Folgendes entnehmen: Die Gesellschaft Jesu schreitet hier langsam vorwärts, aber der Fortschritt ist ein stetiger; sie besitzt schon siebzehn Kollegien, und diese Zahl würd- sich sehr schnell verdoppeln, wenn wir das zu diesen Instituten nothwendige Personal hätten. Anfragen, Vorschläge, mitunter sehr annehmbare, kommen an imS von den Bischösen aus allen Theilen der Union, sogar aus Neu-Meriko und Kalifornien, und Herr Bischof Lamy hat uns so eben einen Drängbrief gesandt, ihm zu Hilfe zu kommen; er hat in seiner ganzen Diöcese weder Schule noch Colleg, und er zählt kaum z ^ ölf Priester, um ungefähr 100,000 Katholiken von denen 10,000 bekehrte Indianer sind, die Sacramenie zu spenden. Die Anzahl der Katholiken in den Vereinigten Staaten beläuft sich auf ungefähr 4,000,000; und jedes Jahr bringt unS aus Europa 10.000 — 20.000 katholische Einwanderer, so daß sich ihre Anzahl in dem Maaße vermehrt, als die Schiffsahrt leichter, schneller und minder kostspielig wird. Um diese Millionen von Gläubigen zu leiten, zählt man ungefähr 1400 Kloster- und Weltpriester. Der Beruf zum Pricster- stand ist bisher bei den Amerikanern noch immer sehr selten, und genügt weitaus nicht, den täglich wachsenden Bedürfnissen zu entsprechen. — Nach d-n statistischen Notizen, die wir durch die beiden ausgezeichneten Prälaten, Herrn Brüte und England erhalten haben, erlitten bereits mehrere Millionen Katholiken und vorzüglich ihre Nachkommen, in Beziehung auf Religion in Amerika Schiffbrnch, welch großes Unglück rein dem Prieftermangel zugeschrieben werden muß. So wie nur ein eifriger Geistlicher sich irgendwo niederläßt und seine Kirche baut, so bildet sich auch schnell um das HauS deS Herrn eine schöne Christengemeinde, und man findet gegenwärtig in Amerika eine sehr große Anzahl, Kongregationen, die eben so eifrig sind, als die besten Psarrgcmeinden von Europa. Hier in der Stadt St. LoniS zählt man schon zwölf Kirchen und ^ine gut- Anzahl Klöster. In der Kirche des heiligen Franz Xaver, die mit unserer Universität vereinigt ist, beläuft sich die Zahl der Communionen jedes Jahr auf dreißig- bis vierzigtauscnd. Auch Bekehrungen vom Protestantismus sind sehr häufig. Nicht minder im Aufblühen sind die benedictinischen Klöster begriffen. Zu -Lin- cenneS in Jndiana, dem Sitze eines BisthumS, haben sich die Patres Ulrich Christen und Beda Connor aus Einsiedeln niedergelassen. Sie schildern die Bewohner deS 118 Landes als ein gutes, einfaches, offenes Volk; noch »»verpestet von Sittenverderbniß, empfänglich für religiöse Belehrung. Dieses Land stehe an einem kritischen Zeitpunct, der auf lange hinaus entscheiden dürfte: um so dringender sey daS Bedürfniß katholischer Entwicklung. ViucenneS, am WabeSh gelegen, wird als eine schone Stadt bezeichnet; sie hat zwei katholische Airchen und zwei Waisenhäuser. DaS Land stellt den pflegenden Händen noch eben so mühevolle Arbeit in Aussicht, wie daS Volk einer günstigen Pflege bedarf. Ein Kloster, daS zum Erercitien- und MissionShnuse, zu einem Mittelpuncte der seelsorglichen Aushilfe und Jugenderziehung dienen sollte, hofft man nach dem Wunsche deS Herrn Bischofs errichten zu können. Im mächtigsten Emporstreben aber erscheint die Benedictiner-Kolonie deS Herrn Pater Supcrior, Bonifaz Wimmer, in St. Vincent, Staat Pensylvanien, Grafschaft Westmoreland, wie dessen ausführlicher Bericht an die Centraldirection deS Ludwig- MissionSvereineS in München darthut. Bis zum 5. Juni deS JahreS 1852 zählte er fünfzehn Priester, wovon aber Herr PlaciduS Düt! gestorben ist, sechzehn ki-stre-s clerici — nech dem Tode deS Frater Gallus Urban noch fünfzehn, und zweiundfünfzig Laienbrüder, die sich derart in alle Professionen theilen, daß das Kloster einer weiblichen Hilfe nur für Strick- und ähnliche Arbeiten benöthigt ist. Dazu kamen noch fünfzig Studenten, von denen mir der vierte Theil ein mäßiges Kostgeld entrichtete. Das Klosterpersonal war auf vier Plätze vertheilt, t) St. Viucent. Hier ist ein Knabenseminar, wo die deutschen und die englisch Redenden m beiden Sprachen sich gegenseitig unterrichten. St. Vincent versieht folgende Filiale: Greensburg, Leganier, Johnstowe, Jefferson, Sumit, Hollydaysburg und Altona. Der zweite Platz ist St. Benedicr in Carroltown, Grafschaft Cambria am Alleghany-Gebirge, 55 Meilen von St. Vincent nordöstlich, nahe den Quellen deS SuSquehannah. Hieher gehören die Gemeinden Glonkondel, Loretto, Clarafield, Frencbville, Cooper-Settlement. Die dritte Station, 80 Meilen weiter nördlich ist St. Maria, eine Gemeinde von 400 Familien, meistens Bayern, deren religiöser Eiser gelobt wird; von hier auS wird die deutsche Niederlassung in Williamsville versehen. Mitten zwischen S. Maria und St. Vincent liegt die vierte, jüngste und schwierigste Ansiedlung — Jndiana, die an pecuniären Opfern noch mehr als daS Brachland von St. Maria erfordert, dagegen aber durch ihren sittlichen Zustand weniger befriedigt. Daß eine unermüdliche Ausdauer, daß ein gränzenloses Gottvertrauen in diesen Verhältnissen erfordert ist, ergibt daS doppelte Mißverhältniß der geringen Geldkräste und bei weitem noch nicht zureichenden Personenzahl zu der nöthigen Ausdehnung über weit entlegene Puncte und zu dem Aufwande, den jede bleibende Niederlassung erfordert. Daher fehlt eS auch an Schulden nicht, die zwar bald zn decken wären, wenn nicht immer neue Bedürfnisse der Bevölkerung auch neue Hilfsquellen erforderten. II. Ober-Canada. AuS Toronto in Ober-Canada berichtet Pater Holzer 8. ^. über die Lage der Deutsche» in der Diaspora, in Guelph und Neu-Germany. In jenem Districte hatte auch Pater Fruzzini (in Würzburg seit der Mission in gesegnetem Angedenken) seine Gesundheit dem apostolischen Amte geopfert. Nach Guelph sollen die barmherzigen Schwestern berufen und ibrcr Leitung ein Orphauasylum unterstellt werden. „Zwar," — sagt Pater Holzer — „hier in Canada ist fast jedes Kind ein verlassenes Waisenkind, denn wir haben so wenige katholische Schulen " — „ES ist in unserer Guelph- Missivn auch ein Schottländer, Namens Mac Naughton, ein vortrefflicher Mann mit einer braven Familie; dieser hat einen Bruder im schottischen Colleg zu RegenS. bürg. Sehr viele Familien von dem übcrvölkcrtui Neu-Germany wandern nach der Guelph-Mission auS, und so werden wir sie alle in ein Townschip sammeln und eine deutsche Gemeinde bilden. Auch katholische Indianer gibt es in der Mission, mit denen man mittelst Dolmetschern verkehren mußte.'' 119 Zum Schlüsse stehe hier ein Zug, der auch ül unserer Heimat die seelsorgerlichc Wirksamkeit erheben und begeistern mag. „Mehrere Deutsche auö Bayern, die erst ankamen, waren in der Charwvchc in unserer Kirche; eine Frau erzählte mir, wie ihre zwei Buben voller Freude nach Hause liefen mit den Worten: „„Mutter, in dieser Kirche ist Alles so, wie bei uns in Deutschland!"" Ein Mann von der Bergstraße bei Speyer, Namens NicolauS Madel, brachte seine ganze Familie und erzählte mit sichtbarer Rührung, was ihm der hochwürdigste Herr Bischof von Speyer und der Herr Pfarrer beim Abschied ans Herz gelegt, und wie er der Jesuiten-Mission in Speyer beigewohnt habe. O wüßten die hochwürdigen Herren Pfarrer in Deutschland, mit welcher Dankbarkeit jedes Wort wiederholt wird von den armen Deutschen hier im kanadischen Busch und wie oft sie ausrufen: „„Ja, der Herr Pfarrer hat Recht gehabt! Wie hat er doch AlleS so wissen können; er hat unS so gute Lehren mitgegeben, als wenn er zwanzig Jahre in Amerika gewesen wäre."" O, die AbschiedS- lchren, die die hochwürdigen Herren Pfarrer den Auswanderern mitgeben, fallen auf gutes Erdreich; denn daS Elend und die Trübsale, die sie oftmals in Amerika finden, öffnen ihnen die Augen und führen sie zu Gott, und wie Kinder von ihrem Vater reden, so reden die armen Katholiken von ihren Seelsorgern, die sie so und so viele Jahre gehabt und in deren Kirchen Alles so schön gehalten wurde." III Indianer-Stämme. Ihre Gesammtlage schildert ein Brief des Herrn Belcourt, Missionärs, an Herrn Cretin, Bischof von Sanct Paul. „--Ich sehe voraus; daß man einige Jahre hindurch mit ihnen unter dem Zelte sich lagern muß, um immer bei ihnen zu seyn und ihnen steten Unterricht angedeihen zu lassen, Haben sie einmal die religiösen Lehren angenommen, so gibt ihnen auch die Gnade das Vertrauen, daS sie ihren Hirten schuldig sind, und eS wird dann viel leichter seyn, sie an feste Wohnsitze und somit nach und nach an den Ackerbau zu gewöhnen. Der Stamm der AssyniboineS, einer der beträchtlichsten, breitet sich bis zu den Quellen deS Missouri aus, wo diese Indianer mit den Wilden der Felsenberge, vorzüglich mit den Schwarzfüßen, in Fehde leben. Da sie mit den Mandanes und den Dickbäuchcn in Einverständnis^ sind, so würde ein Missiouär, der bei Letzteren seinen festen Wohnsitz hätte, den ersten Ring einer apostolischen Kette bilden, welche bald mit GotteS Hilfe eine große Anzahl Ungläubiger unter daS süße Joch deS Evangeliums beugen würde. Die Pani'S (Pananiyak), welche sich eine Tagreise von Selle, etwas weiter unten, als die Manvanes, mit denen sie verbunden sind, niedergelassen haben, würven bald ihrem Beispiele folgen, und dann, und zwar nur dann könnte man hoffen, in den Schafstall deS Erlösers den zahlreichen und mächtigen Stamm der Siour eintreten zu sehen." Von demselben Stamme sagt indessen einen Monat später der apostolische Missionär Herr Fayolle: „Diese armen Wilden sind wohl recht sehr zu beklagen; der Dämon hält sie unter seiner Herrschaft und verdummt sie, und um sie zu bekehren, bedarf es eines speciellen Schutzes GotteS; dennoch hoffen wir sie durch unsere Kinder zu gewinnen. Schulen werden so eben errichtet; die nöihigen Mittel werden von dem Gelde genommen, das ihnen die amerikanische Regierung für die verkauften Ländereien auszahlt. Sie haben selbst für ihre Kinder um einen katholischen Unierricht nachgesucht; andere Wilde stellten unter gleichen Umständen die gleiche Bitte; beirüglich schickte man ihnen protestantische Lehrer, die aber keinen Erfolg hatten. Schon besitzen die Missionäre unier Leitung deS Herrn v, Vivalde zu Longue-Prairie die Schule der Winnebcigos.« (Kath. Wockenschnft.) 120 DaS Colleg für auswärtige Missionen in Drumcondra bei Dublin. Irland hat stets außerordentlichen Eifer für Verbreitung deS Glaubens bewiesen. Der heilige Columban und seine Brüder von Lureuil zeigten ihn vor drei» zehn Jahrhunderten, als in Frankreich jene Missionen begannen, welche unserm Naterlande so viele Apostel und Heilige gaben. Das Frankenreich war nie undankbar: Karl der Große erwies seine Liebe und seine Dankbarkeit für den heiligen und unerschrockenen Heroismus dcS irischen Glaubens mit ganz energischen Ausdrücken, die uns Suriuö berichtet, und die Nation hat bei vielen Gelegenheiten dieses Zeugniß ihres großes Kaisers bestätigt. Der Eifer, den Irland für die auswärtigen Missionen drei Jahrhunderte vor Karl dem Großen entwickelte, ist heut zu Tage noch eben so glühcud, als zu der Zeit, da St. GalluS seinen Namen aus die Felsen der Schweiz drückte, oder Virgilius den Bischofstab von Salzburg führte. Betrachtet man die Resultate der Eroberung Irlands durch England, so kann man nicht umhin, darin einen providcniiellcn Plan zu erkennen. Als England seinen Glauben verlor, erhob sich zwischen ihm und dem eroberten Land ein Krieg ganz neuer Art, in welchem Irland mehr als einmal den Siez davon trug, und der noch fortdauert. Indem eS mit England seine Geschicke und seine Sprache theilt, trägt Irland den katholischen Glauben in alle jene Länder, in welche sein Nivale die Häresie zu verpflanzen strebt. Ucberall wo man englisch spricht, oder wo das englische Gold erlaufen oder corrumpiren kann: in Schottland, in Indien, in Amerika und Australien, verfolgt die Häresie ihr Werk dcS Umsturzes und der Zerstörung, indem sie zugleich den Köder des Geldes oder der Situation und alle Hebel gebraucht, welche ihr die RegierungSgcwalt jener Macht bietet, die man England nennt. Aber Irland erhob sich, um Leib an Leib gegen jene mächtige Verführerin zn kämpfen, die vom Gelo und Haß Englands und Amerikas unterstützt wird. ES ist sohin Pflicht aller katholischen Nationen, Irland bcizustchen und eS durch Gebet und Almosen in seinem mühsamen Kampfe zu unterstützen. In den Vereinigten Staaten zählt man beinahe fünf Millionen Katholiken und kaum gibt eS dreizehnhundert Priester für diese fünf Millionen. Nahe an vier Millionen entbehren beinahe ganz deS geistlichen Beistandes der Priester. In Indien, Australien, Canada, Afrika leben Million-n Katholiken in derselben Entbehrung. Irland ermüdet nicht, ihnen beizustehen, und um dieß mit mehr Erfolg thun zu können, hat eS in Drnmconora bei Dublin die Anstalt geschaffen, welche unter dem Namen „Colleg Allerheiligen" bekannt ist. Dieses Col- legium, welches ganz für die Htranbildung von MissionSpriestern für alle Theile der Erde bestimmt ist, wird lediglich durch daS Almosen der irischen Katholiken erhalten, welche inmitten ihres größten Elendes, selbst wenn sie Hunger sterben sollten, noch ihren Pfennig für die Unterhaltung dieser Pflauzschule apostolischer Männer hergeben. Im Wettkampfe sür diesen Eifer widmen sich Priester ganz unentgeltlich und lediglich gegen Kost und Wohnung der Erziehung der Studirenden dieses HauscS, daS seit 1842 einhundert und dreißig Priester iu die auswärtigen Missionen geschickt hat. Gegenwärtig sind etwa hundert Jünglinge in der Anstalt; aber die Bedürfnisse der Missionen erforderten wobl zehnmal mehr. Die Oberen haben deßhalb auch beschlossen, das Haus zu vergrößern, und sie vertrauen dabei aus die göttliche Hilfe und die Unterstützung der katholischen Welt. (UniverS.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen Verlags-Inhaber: F. C. Kreme,, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt Augslmrger PostMimg. zur 16. April M- K« 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«»«!» ^0 fr., wofür e« dnrch alle konigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu kann. Der Berein zur Begleitung deS allerheiligsten Viaticum in Rom. Wer jemals die ewige Stadt gesehen, und einige Zeit in derselben verweilt hat, ist gewiß Zeuge der besondern Verehrung gewesen, welche das römische Volk Jesu Christo im allcrheiligsten Sacrament erweist. Wir reden hier nicht von jener Lieblingsandacht der Römer, dem vierzigstündigen, von einer Kirche zur andern wandernden Gebet, nicht von der rührenden Innigkeit und Zärtlichkeit, mit der italienische Priester und viele, viele Laien jeden Abend den im Tabernakel weilenden Erlöser besuchen, sondern haben lner lediglich die Art und Weise im Auge, wie Rom seinen Heiland, wenn er den Kranken aufsucht, ehrt. Bevor der Priester die Kirche mit dem Lsnetissimum verläßt, werden, wie es ja überall gemäß den Vorschriften der Kirche geschehen soll, die Pfarrkinder, die Bruderschaft vom allerheiligsten Sacrament und andächtige Christen überhaupt, mit einigen Glockenschlägen zusammmbernfen, von denen dann immer einige sofort zur Kirche hineilen, welche die heilige Eucharistie mit Wachskerzen, Stocklaternen oder Fackeln begleiten nnd die Umbella, einen weißen seidenen Schirm mit Goldborten, oder wo eS sich thun läßt, einen Baldachin über dem Priester mit seinem kostbaren Schatze halten. Der Priester trägt denselben in der PiriS entblößten Hauptes mit beiden Händen vor der Brust, unter einem weißen Velum, angethan mit Cvtta (Chorrock), weißer Stola und mit weißem Pluvial, von den Klerikern und Priestern, wenn diese nicht verhindert sind, begleitet, von denen einer dann die Umbella trägt. Stets geht der Akolyth oder Diener der Kirche mit dem Lichte in der Stocklaterne voran, diesem folgen zwei Kleriker oder Laien, von denen einer das geweihte Wasser mit dem Aspersorium und die Bursa mit dem Korporale trägt, welche der Piris mit dem hochwürvigsten Gute untergebreitet werden muß, wenn eS im Zimmer des Kranken ans den Tisch gesetzt wird, und mit dem kleinen leinenen Purificatorium zum Abtrocknen der Hände; der andere tragt das Rituale und schellt beständig mit dem Glöckchcn. Dann folgen die Fackelträger. Zuletzt kommt der Priester mit dem Sacramente unter der Umbella, der während deS Ganges den Psalm Miserere und andere Psalmen und Cantica recitirt, und zwar hier, weil dem Volke die gewöhnlichsten Psalmen und Hymnen besser bekannt sind als dem Deutschen seine Kirchenlieder, laut und abwechselnd mit seinen Begleitern. Die Vorübergehenden knieen vor dem allerheiligsten Gut, und zwar Viele aus Andacht so lange, als sie den Priester im Auge behalten; die Wagen halten an nnd setzen sich erst wieder in Bewegung, nachdem der Priester bei ihnen vorübergegangen ist. Im Jahre 1852 hat nun in Rom sich ein frommer Verein gebildet, der die Bei Nacht wird der kirchlichen Borschrift gemäß das Sacramcnt nur im Nothfälle getragen; — dann erleuchten die Römer in den Straßen, welche dasselbe durchzieht, alle Fenster. tss Begleitung deS allerheiligsten Gutes sich zur Aufgabe stellt und vom heiligen Vater bestätigt ist. Rom, daS, obgleich weit entfernt von jener Marktschreierei gemischter Gegenden, nach seiner fast zweitausendjährigen Prcm'S katholisch lebt und handelt, ohne erst jedes „Ave Maria" und jedes „Gelobt sey JesuS Christus" au die große Glocke zu hängen, und daS die Affectation im Dienste Gottes eben so vermeivet wie den Ungehorsam gegen die rituellen Vorschriften der Kirche, will also den Eifer seiner Kinder noch mehr beleben, und sie mit dem alten aber immer wirksamen Mittel der Vereinigung zu größerer Andacht zu dem im heiligsten Sacramente den Kranken besuchende» Erlöser aufmuntern. — Sollte nicht auch in mancher Stadt Deutschlands, wo die katholische Kirche nicht nur wohlberechtigt ist, sonder» sogar Hunderte, ja Tausende von Gläubigen zählt, ein solcher Verein Noth thun? Gewiß wird die Liebe und Andacht der Gläubigen zu dem allerheiligsten Gute dem pflichteifrigen Priester bereitwillig entgegenkommen, wenn er durch einen frommen Verein das wieder herstellen will, was die Feinde der Kirche durch Gewalt aufgehoben und die Schüchternheit auch nach erlangter kirchlicher Freiheit nicht vorzunehmen wagt. — Wir lassen hier das erste Hauptstück der Statuten dieses neuen und schönen Vereins folgen: Jeder Katholik des einen wie des andern Geschlechtes, der volle sieben Jahre erreicht hat, kann in den frommen Verein aufgenommen werden, ohne anderes Erfor- derniß, indem bei Allen das Verlangen genügt, Jesu im Sacramcnt Huldigung und Verehrung darzubringen. Die Anmeldung geschieht bei einem der Pfarrabgeordneten, die von Zeit zu Zeit die Listen der Aufnahme Nachsuchenden dem Schriftführer zustellen, der die betreffenden Urkunden ausstellt und sie unterfertigt von dem Vorsitzenden und dem Schriftführer selbst, den Abgeordneten zustellt, um sie den Neuaufgenom- meneit auszuhändigen. Die Aufnahme in den frommen Verein bringt durchaus keine Gewissenspflicht mit sich; wer daher das vorzunehmen unterließe, was in diesem Statut vorgeschrieben ist, würde nicht die geringste Schuld auf sich laden, obgleich er der geistlichen Vortheile verlustig gehen würde, die er sich durch Beobachtung desselben aueigne» kann. In diesem angegebenen Sinne sind die Aufgenommenen für verpflichtet zn halten, die allerheiligste Wegzehrung jedesmal zu begleiten, wenn sie daran nicht verhindert sind, und außerdem für eine würdige Begleitung derselben zn sorgen. Dieses wird geschehen können dadurch, 1. daß mau sich mit oder ohne Licht zur Pfarrkirche begibt und au dem Zuge bis zum Hause des Kranken und von da in die Kirche theilnimmt; 2. daß man seine Hausgenosse» oder andere Untergebene anhält, mit oder ohne Licht die allerheiligste Wegzehrung zu begleiten; 3. daß man der Sacristei der Pfarreien Fackeln oder Kerzen — unnmtelbar oder mittelst der Pfarrabgevrdneten opfert, damit sie ausschließlich zum Gebrauch bei der Begleitung der allerheiligsten Wegzehrung bestimmt werden; 4. daß man sich dem Zuge anschließe, von welcher Pfarrei er auch ausgehen möge; wenn es sich trifft, daß er in der Nähe der betreffenden Häuser, Schulen, Werkstätten, Läden, Gewölbe, Buden u. s. w. vorbeigeht, oder wenn man demselben in irgend einen» Theile der Stadt begegnet, ohne sich von demselbe» zu trennen, bis daß er in die Kirche zurückgekehrt und ver heilige Segen ertheilt worden ist; 5. endlich dadurch, daß man diese Uebung der Frömmigkeit unter seinen Nächsten verbreitet, indem man mit allem Eifer darauf hinarbeitet, daß sie sich in den frommen Verein aufnehmen lassen. (Salzb. Kirchenbl.) Der Gebetsverein unter Anrufung der hb. Cyrill und Metbud. St. Andrä, 9. März. I» der verhäiigm'ßvolleu Gegenwart, wo alle Blicke nach dem Orient gerichtet sind, in dem auf den Trümmern der ersten Sitze deS Christenthums, welche ein AriuS, NeftoriuS, EuticheS erschüttert und daS traurige «23 Schisma vollends untergraben, der Islam das Panier dcS Halbmondes ausgepflanzt hält, dürfte eS im höhern Grade ansprechen zu erfahren, wie katholischcrseitS aus dem friedlichen Wege gemeinschaftlichen Gebetes angestrebt wird, was durch keine menschliche Gewalt bisher erreicht wurde, noch je erreicht werden kann. Unser hochwürdigster Fürstbischof hat in der Agiamer slovenischen Zeitschrist „Danica" unter Heutigem ein offenes Sendschreiben an die Genossen dieser Nationalität veröffentlicht, womit Hochderselbe den Fortgang des von ihm in der Absicht gestifteten Vereins, unter Anrufung der hh. Methud und Cyrill, dieser Slavcnapostel, deren Erinnerung die Kirche am 9. März feiert, von Gott die Wiedervereinigung der getrennten orientalischen Kirche mit jener des Abendlandes, als dem Mittclpunctc der Einigkeit, zu erflehen — in seiner gewohnten herzlichen Weise kund gibt. ES sey uns gestattet, in diesen Blättern, den, wenn nicht wörtlichen, doch wesentlichen Inhalt dieses offenen Briefes zu liefern, um sc> mehr, da dieser Verein, welcher vor drei Jahren errichtet wurde, auch unter den Katholiken dentschcr Zunge der Anhänger nicht wenige zählt, und bei seinem so umfassenden Endziele noch mehrere zu erhalten berechtigt ist. „So wie Photius und später Cerularins — spricht das Sendschreiben weiter — bemüht waren, die morgenländische Kirche von dem heiligen Stuhle in Rom loszureißen, waren dagegen die beiden heiligen Brüder Cyrill und Methud beflissen und so glücklich, in den Coczaren, Bulgaren und den Bewohnern des großmährischcn Reiches demselben neue Bekenner zuzuführen und das bereits gelockerte Band fester zu knüpfen WaS sie gethan oder doch gewollt haben, ist nun, wo die Spaltung der morgenländischen Kirchen bald ein Jahrtausend andauert, unsere Aufgabe, freilich dermalen nur durch Gebet uud andere gute Werke; denn nur Gott kann aus den Wirr- salen der Gegenwart, die Er gewiß nicht ohne seine heiligen Absichten eintreten ließ, die zu enträthseln und in welche keine menschliche Weisheit oder Macht einzugrcisen vermag, zu einem endlichen erfreulichen Ausgang führen. Unser heiliger Vater, Papst PiuS IX., hat den jungen Baum dcS Vereins mit seinem Segen und seiner Genehmigung befestigt, ihn mit mehrerlei Jndulgenzen ausgestaltet und zum Wachsthum gefördert. Viele Bischöfe und ciue große Zahl eifriger Pfarrer haben sich um die Anempfehlung und Ausbreitung desselben verdient gemacht, so daß dieser evangelische Baum seine Aeste bereits über die czcchischen VolkSstämme, über Ungarn, die südslavischen Länder und auch selbst einen Theil Deutschlands ausbreitet; Zeuge dessen ist das Namensvcrzcichniß in dem Vcreinöbuche, welches zehn BiSthümer umfaßt und 170 Theilnehmer aus dem von Görz, 758 aus Trieft, 5521 aus Laibach, 6320 aus Lavant, 239 aus Gurk, 85 aus Olmütz, 21 auS Gran, zusammen 13,114 aufführt, während aus den BiSihümern Scckau, Brüun und Leil- meril), wo der Verein auf daS eindringlichste anempfohlen wurde, die Namensverzeichnisse noch nicht eingegangen sind, jedoch einen mächtigen Zuwachs vermuthen lassen. Alle diese Vereinsglieder beben täglich ihre Hände betend zu Gott empor unter Anrufung der mächtigsten Fürbitte der heiligen Gottesmutter uud der Heiligen Cyrill und Methud: der Allerbarmer wolle die Rückkehr unserer getrennten Brüder zum Mittel- Punct der Einigkeit' veranlassen und bewerkstelligen; und wahrlich, wie drängt uns nicht Alles z» dieser Bitte. Wie in der Gesellschaft dcS Staates äußere Gefahren: Feuer, Wasser, Kriegsnoth weniger verderblich wirken, als Aufruhr und innere Auflösung, so in dem Körper der Kirche. Juden und Heiden haben die erste christliche Kirche durch mehrere Jahrhunderte mit aller Wuth verfolgt; doch vergeblich, daS Blut der Märtyrer war der Same des Christenthums. Ketzerei aber und Schisma habe» ihr die schwersten Wunden geschlagen, Millionen, ganze Reiche und Völker von ihr losgerissen, während sie den Wahn nähren, auch auf einem andern Weg als dem unzigen, den uns Christus gezeigt, selig zu werden. War doch sein letztes Gebet vor seinem Hingange zum Leiden: „Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie Eins seyen, wie wir eS sind" (Joh. 17, 11). Dieses Gebet muß aber auch das unsere seyn; denn so wie Einigkeit der Charakter der Wahr- t24 heit und Liebe, so ist Uneinigkeit die Saat des Satans, das Brandmal des Irrthums und des sittlichen Verfalles. Diese Einheit gründete Jesus auf den Felsen Petri, in der Kirche Roms, wo dieser waltete und starb. Die Schismatiker des Orients, vor Allem ihre von Stolz und Hochmuth verblendeten Führer, wollten dieses Oberhaupt nicht anerkennen, darum hat sie Gott der Verblendung ihres Herzens überlassen, sie mußten der Hilfe Gottes bar sich unter dem Joche des JslamS beugen und bei zwölf Millionen dieser Schismatiker sind bis zur Stunde diesem traurigen Schicksale ver- > fallen. Doch wie einst nach den Worten deS Weltapostels der Sohn der Magd den der Freien verfolgte (Galat. -4, 29), so thun eS auch diese an den Katholiken. Diese breite Spalte, diesen tiefen und verschlingenden Abgrund vermag nur Gott auszufüllen, nur Er das zerrissene Banst wieder zu knüpfen, und damit Er es thue, darum flehen wir Ihn an, unter der Anrufung seiner treuen Diener und einstigen Apostel auf diesem nun vom Schisma zertretenen Felde. Zu diesem Zwecke wurde die Kirche zum heiligen Joseph bei Cilli als Vereinskirche ausersehen, voriges Jahr mit einem entsprechenden Altar und sonst passend ausgeschmückt; auch wird jedes Jahr am 9. März dort der Gottesdienst für die Brüder und Schwestern des Bctvereins zum heiligen Cynll und Methnd gehalten. Es ist nicht Ostentation, sondern pflichtmäßigc Gebühr des DankcS gegen den Allgütigcn, wenn wir sagen, daß Er daS Flehen der Seinen zum Theile schon erhört hat, indem im Laufe dieser Zeit 1400 Altgläubige zu Vermezc und 12,000 im Tcmescher Banctt in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrt sind. Hat eS sich sogar ereignet, daß vor drei Jahren die Altgläubigen zu Konstantinopel ihren Patriarchen baten, er möge veranlassen, daß am nächsten Pfingstfeste von allen Bischöfen seines weitet» Kirchengebietes ein Gottesdienst gehalten würde, damit dabei für die Vereinigung der christlichen Confefsionen gebetet werde. Nicht minder haben Schriftsteller der orientalischen Kirche darzuthun sich bemüht, wie die traurige Kirchentrennnng die Mutter so vieler Uebel und nur von ihrem Aufhören Heil zu erwarten sey. Ein erfreuliches Zeichen fürwahr, wie sich allgemach eine Krise, ein Anstoß zum Bcsserwerden vorbereitet, wie die Eisrinde geistiger Erstarrung nach und nach sich löst und die erwärmenden Sonnenstrahlen der Wahrheit gemach in die Gemüther dringet!. Die sich verrathende Furcht der Vorkämpfer deS Schismas vor solchen Bewegungen ist der augenscheinliche Beweis, daß eS so sey. Muß bei solchen Ergebnissen, bei dem Anblicke der Wirren, welche im Oriente herrschen und taglich wachsen, nicht jedes christlich theilnehmende Gemüth der Wunsch beseelen, daß die Zahl der geistigen Streiter, deren Waffe Gebet ist, auch täglich wachse, so wie man andererseits schmerzlich berührt ist, zu erfahren, daß gerade an den heiligen Orten, zu Bethlehem und Jerusalem sich die Schismatiker auf eine Art benehmen und die Katholiken vom Mitgenuß der heiligen Erinnerung an der Geburtsund Leidensstätte unters Heilandes mit einer Gewaltsamkeit zu verdrängen suchen, daß selbst die ungläubigen Mahomcdaner daran Anstoß nehmen und sich der Waffen zu bedienen genöthigt sind, um letztere zu schützen. Die Hecreshausen an der Donau sind leidige Verkünder dieser Entzweiung und wahrlich, man weiß nicht, wem man den glücklichen Erfolg wünschen soll, wenn die eisernen Würfel deS Krieges fallen; nur Gott lmm dieses Gewirre lösen und nach seinen unerfvrschlichen Rathschlüssen AlleS zum Bessern führen. Am Schlüsse wünscht der eifrige Oberhirt und Stifter des Vereins allen Mitgliedern desselben alg ihr Mitbrudcr Heil und Segen und bittet um beharrliches Aushalten im Gebete, indem der Gott des Friedens und der Einigkeit mir diesem Erhörnug versprochen hat. Sie sollen sich 60 Millionen ihrer getrennten Brüder empfohlen seyn lassen und nicht aufhören für sie zu flehen, damit der Herr die Binde von ihren Augen nehme. (Salzb. Kirchenbl.) 125 Die Freimaurerei. (Schluß.) Die „Evangelische Kirchenzeitung" erwähnt zum Schluß noch des schauderhaften EideS, welchen neu Eintretende ablegen müssen. Die ursprüngliche Form des EideS soll nach der Mittheilung im Anfang in der deutschen Uebersetzung des Constitutionen- BncheS folgende seyn: „Ich gelobe und schwöre hiemir in Gegenwart des allmächtigen Gottes, daß ick die Heimlichkeiten oder das Geheimniß der Maurer oder Maurerci, so man mir offenbaren wird, verhehlen und verbergen und niemals entdecken will. Alles dieses unter keiner geringeren Strafe, als daß meine Gurgel abgeschnitten, meine Zunge auS dem Gaumen meines Mundes genommen, mein Herz unter meiner linken Brust herausgerissen, sodann in dem Sande deS MeereS die Länge eines Kabeltaues weit von dem User, wo die Ebbe und Fluth in vier und zwanzig Stunden zweimal abwechselt, begraben, mein Körper zu Asche verbrannt, und meine Asche aus der Oberfläche deS Erdbodens zerstreut werde, damit also nicht das geringste Andenken von mir unter den Maurern übrig bleibe." *) In dem Ritual der Großloge von Deutschland lautet der Eid im Wesentlichen eben so, nur mit Weglassung der ächt insularischen Bestimmung des Begräbnißplatzes, die in Berlin wenig passen würde, und anstatt der deistischen **) mit der christlichen Eidesformel: „So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium Amen."***) Im Anschluß an diesen Eid geschieht noch Folgendes: „Die Loge ist dunkel gemacht, auf dem Altar brennt ein SpirituSlämpchen, die Degen der Brüder find auf den Neuangekommenen gerichtet und alle sprechen mit dumpfer Stimme! „Gott strafe den Verräther."-j-) Zur Erläuterung dient folgende Stelle in dem Katechismus der Lehrlinge: Fr. WaS sahen Sie, als man Ihnen die Augen öffnete? A. Ein schwaches Lämpchen u. s. w. Fr. Warum dieses? A, Um mir zu zeigen, daß die Brüder immer bereit wären, ihr Blut für mich zu vergießen, wenn ich den Pflichten, welche ich so eben eingegangen, treu bleiben, hingegen mich zu strafen, wenn ich zum Verräther werde. So sprach der Meister zu mir. Es war ein gräßlicher Anblick für mich. — Dann ist auch zu vergleichen, was der Meister zu dem Candivaten spricht, welcher die Ertheilung deS letzten und höchsten Grades verlangt: „Wenn Sie solche Geheimnisse verrathen, so werde ich Sie mit Recht durchbohren und werde mich des nämlichen Instrumentes bedienen, Sie damit zu tödten, um mich selbst zu bestrafen, daß ich eine so unglückliche Seele und gottlose Creatur in den Grad der TmnSfiguration zugelassen habe. Es wird Ihnen sicherlich das geschehen, was dem Abirain, dem Mördcr des Hiram geschah, welcher ermordet wurde, und welcher für seine Verrätherei die Strafe bekam, die er verdiente." Hier nun ist für den Orden eine gar schlimme Alternative gestellt. Entweder ist das alles ernst gemeint. Dann sündigt er mit Vorsatz und Ueberlegung gegen daS Gebot: Du sollst nicht tödten, oder genauer: Du sollst nicht morden. Eö ist daS In unserem Jahrhunderte haben die Logen teilweise das Anstößige des Eides empfunden, aber diese Empfindung ist doch nicht so stark gewesen, daß sie es vermocht hätte, den Eio wirklich zu verdrängen. Lindner, Macbenac S. 196, sagt: „Der schreckliche Eid wird zwar jetzt nicht mehr in seiner alten Form abgelegt, in welcher die Gesellschaft dem meineidigen Bruder mit ein r barbarischen Selbstrachc droht. Warum wird er aber bei der Aufnahme selbst noch vorgelesen, uiw warum wird in manche» Logen nach der Vorlesung auch die Frage an den Candidaten von dem Meister vom Stuhle gethan: Sind Sie bereit, diesen Eid abzulegen? und gleich daran gefügt, daß die wörtliche Ablcgung desselben jetzt nicht mehr verlangt werde" Der Unterschied ist hicnach nur der: früher mußte der Eandivat den (Siv selbst sprechen, jetzt wird er ihm vorgelesen und er muß sich in ?er Hauptsache dazu bekennen, sey es ausdrücklich oder sey es durch sein Stillschweigen. So kann man nach außen mit einem Scheine der Wahrheit sagen, der Eid werde jetzt nicht mehr verlangt, ohne doch im Wesentlichen ihn aufzugeben. Die Einführung dieser anstatt der christlichen hatte die Freimaurerei längst angebahnt, ehe die Frankfurter Nationalversammlung das eigentliche Attentat beging. Eckert S. 4S2. -f) Ebend. tS6 Privilegium der Obrigkeit von Gotteö Gnaden, daß sie vom Leben zum Tode bringen kann, ohne dieß Gebot zu verletzen, weil sie das Schwert nicht auf eigene Hand nimmt, Match, 26, 52, sondern eS trägt als GotteS Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut, Rom. 13, ä, Oder, was uns als das Wahrscheinlichste sich darstellt, wir haben eö mit leeren Drohungen zu thun, mit Schreck- Mitteln für schwache Gemüther. Dann fällt der Orden unter das Gericht deS Gebotes: „Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht." Mit Eiden spielen heißt mit Feuer spielen, so gewiß als der Herr unser Gott ein verzehrend Feuer ist. Die „evangelische Kirchenzeitung" schließt mit den Worten: „Sehr viele, die in ihren noch jungen Jahren in die Freimaurergesellschaft treten, wissen nicht, was sie thun. Viele gelangen auch nach ihrer Aufnahme nicht zur vollen Klarheit, indem es ihnen an der Gabe der Geistesprüsuug fehlt, die nicht allen gemein ist, und überhaupt an Schärfe der Auffassung. Einzelne bleiben in vem Orvcn, weil sie meinen, den verderblichen Tendenzen desselben am kräftigsten auf diese Weise entgegenzuwirken und die „rechte Lehre" in ihm zur Geltung dringen zu können. — Endlich aber meint die evangelische Kirchenzeilung, man müsse sich nicht scheuen, gegen Dinge, die auf keinem reinen Boden stehen, die Stimme zu erheben, — und sie hat nicht Unrecht daran. Zustände der Katholiken in Schweden. II. Da Schweden durch seine Intoleranz wider die katholische Kirche die Aufmcrk- snmkcit auf sich leukt, halten wir es für unsere Pflicht, einerseits die Gesetze, woraus sich die Fanatiker berufen, anderseits die Persönlichkeiten, welche in diesem Drama eine traurige Berühmtheit sich erwerben wollen, näher zu beleuchten. Wir haben in unserem frühern Schreiben erwähnt, daß dem wiver sieben vom Protestantismus zur katholischen Kirche zurückgetretene schwedische Frauen anhängig gemachten Religionsprocesse ein vom Karl I. sanctionirteS Gesetz M Basis dient. Dieses Gesetz datirt sich vom 3. September 1686, also aus einer Zeit, in welcher der durch die Einführung des LutheraniSmuS am Volke verübte Verrath gewaltsame Maaßregeln erforderte, um der befürchteten Rache vorzubeugen. Wir sagen: Verrath, man braucht ja nur oberflächlich die Blätter der Geschichte nachzuschlagen, sich an Gustav!, und seine Freunce erinnern. Olef un'i Lorenz Petersson konnten ja erst dann es wagen, mit der neuen Lehre öffentlich aufzutreten, als die Dominicaner aus Stockholm entfernt wurden. Nun das Gesetz vom Jahr 1686 setzt allerdings fest, „daß in Schweden und seinen Zubehörungen keine andere als die evangelisch-lutherische Religion gepredigt und gelehrt werden solle, und daß jeder Schwede, der daö Lutherthum verlasse, alle seine bürgerlichen Rechte verliere und deS Landes verwiesen werde; von Ehen mit fremden Religionsverwandten wird zwar abgerathen, doch wurden sie in Hoffnung der Bekehrung nicht ganz verboten, alle srcmden Religionsverwandten mußten aber ihre Kinder von einem lutherischen Geistlichen taufen lassen, und lutherische Taufzeugen wählen u. s. w." Dieses Gesetz erhielt sich bis zum Jahr 1781; da ward, wie schon früher 1741 den Anglicanern und den Neformirten, nun auch den Katholiken freie Religivnsübung, doch noch mit großen Restriktionen, gestattet. Aber auch diese Restriktionen beseitigte die Eonstirmion vom Jahr 1809, welche bis zum heutigen Tage den Grundpfeiler des schwedischen SlaatslcbenS bildet. Nach dieser haben alle chrijt- licheu Glaubensgenossen gleiche bürgerliche Rechte im Königreiche Schweden. Civil- ämtcr können jedoch nur Lutheraner vertreten. Allen ist eine völlig freie Religionsausübung verstattet; sie dürfen Kirchen bauen, dieselben mit Glocken verschen, Kirchhöfe anlegen, Geistliche anstellen, die sowohl die Gemeinde des OrteS, als die zerstreuten Glaubensgenossen bedienen; die Haltung von Processionen aber außerhalb 127 der Kirche und des Kirchhofes, die Anlegung von Klöstern und öffentlichen Schulen ist, wie jede Proselytenmacherei, auss strengste verboten, doch dürfen die fremden Religionsverwandten für ihre Kinder Lehrer, die ihrem Glauben zugethan sind, anstellen. Bei Strafe, sogar der Landesverweisung, dürfen sie von der Religion und dem Gottesdienste der Evangelischen nicht spottend oder verkleinernd reden, eben so wenig wie in Hinsicht ihres Bekenntnisses solches den Evangelischen gestartet ist. Evangelische dürfen bei ihrem Gottesdienste nicht zugelassen werden. Mönche werden nicht geduldet. Geistliche, die nicht zur evangelischen Kirche gehören, dürfen nach eigenen Gebräuchen trauen, wenn beide Theile ihrer Confession angehören, doch erst nach dreimaligem Ausgebot in der lutherischen Gemeinde; dürfen ihrem Glauben verwandte Kinder tanfen und unterweisen, ans gleiche Weise auch den Begräbnißact mit Glockengeläute der eigenen, oder gegen Bezahlung einer lutherischen Kirche, wie auch die Ceremonien bei dem Kirchgange einer Wöchnerin, verrichten. Uneheliche Kinder, welche öffentliche Unterstützung genießen, werden, ohne Rücksicht auf den Glauben der Mutter, in der lutherischen Religion erzogen. Bei ungleichen Ehen, von denen der evangelische Geistliche abrathen soll, wird es in Hinsicht auf den Glauben der Kinder folgendermaaßen gehalten: ist der Mann lutherisch und die Frau einem fremden Bekenntnisse zugethan, so folgen die Kinder dem Bekenntnisse des Vaters; ist die Frau lutherisch und der Mann nicht, so muß in Stockholm vor dem Oberstatlhalter, in den Provinzen vor dem Landeshöfding, bevor die Trauung stattfinder, eine Vereinbarung geschlossen werden, i» welchem Bekenntnisse die Kinder erzogen werden sollen; ist solches nicht geschehen, so hängt eö vom Vater ab, ob er sie in seinem oder in dem Glauben der Mutter erziehen lassen will. Wo die sremden Glaubensgenossen eigene Gemeinden bilden, werden von den Geistlichen derselben die betreffenden Matrikeln geführt u. f. w. Diese Bestimmungen sind eS, auf welche sich vor zwei Jahren Baron Ceder- ström in einem ähnlichen Religionsprocesse so siegreich berief und die Fanatiker zum Schweige» brachte. Proselytenmacherci ist allerdings verboten, aber nicht der freie Uebertritt von einer Lehre zur andern. Und doch sollen sieben Frauen, die vor dem Gerichte freimüthig bezeugten, daß sie durch Niemanden verleitet, aus freiem Entschlüsse, also ohne Proselytenmacherei, in den Schooß der katholischen Kirche treten wollen, des Landes verwiesen werden! Es ist dieß eine Barbarei, der wohl auch nur ein Mann fähig seyn kann, den des Malers Nilsson zeitliches Elend, — dieser Held ver katholischen Ueberzeugung starb im allgemeinen Krankenhause zu Kopenhagen 1846 — zu einem schwedischen Granitblocke umwandeln mußte, es ist der berüchtigte Pastor bei der Adolph Friedrich-Kirche zu Stockholm, M. Ekdahl, ein Maun, der sich nicht scheut, dem Zuchthause Verfallene sogar dem weltlichen Gerichte zu entziehen, um sie als Denuncianten wider die katholischen Priester in Stockholm zu mißbrauchen! Fest halten diese an den Landesgesetzen, sie geben dem Könige, was des Königs ist; weit entfernt, Proselyten zu machen, haben sie vielmehr an ihre Kirchenthüre das Verbot sammt Angabe der Straft — fünf Reichsthaler — für jeden Lutheraner, welcher die katholische Kirche betritt, angeschlagen; daß ihre Kirche jedoch jeden Sonntag, trotz des Verbotes, von Lutheranern strotzt, daß sich diese gerne an der Predigt und an der Liturgie erbauen, und begierig in den aufgeschlagenen katholischen Büchern lesen, das kann man doch nicht Proselytenmacherei nennen? Ekdahl wittert aber eine solche Proselytenmacherei nicht etwa weil er ein eifriger Lutheraner ist, nicht aus Ueberzeugung, nein, sondern, weil er sich dadurch einem hochgestellten Manne gefällig zu erweisen gedenkt. Sieben Mütter müssen ins Elend, müssen ihre Familien, ihr Vaterland verlassen, weil ein Pastor, welcher bei seiner sogenannten Ordination die Frage des Bischofs: „Verbindet ihr euch nach Gottes Wort, die Versöhnung zu predigen zur Weisheit, zur Gerechtigkeit zc,?" mit Ja beantwortete, seinen Ehrgeiz, wenn nicht gar seine Habsucht, noch nicht hinreichend befriedigt sieht. Daß der Unterrichts- und Cultusminister, den seine Werke, namentlich seine Kirchengeschichte, als einen mäßigen und ruhigen Mann darstellen, der in unsern Staaten die katholische 128 Kirche gesehen, der mit strengen Katholiken, ja mit Mönchen im freundlichen Briefwechsel stand, der als Professor und Probst zu Lund so viel Sinn für die Erhaltung der alteu Denkmale, welche die katholische Zeit in der dortigen Kathedrale hinterließ, bewiesen hatte, daß dieser Mann Ursache der neuen Verfolgung seyn solle, wie die französischen Blätter angeben, können wir unmöglich glauben, oder sollte er in seiner jetzigen Stellung zum Werkzeuge der Freimaurer-Loge in Stockholm geworden seyn, welche die Katholiken als der konstitutionellen Freiheit gefährlich nenntl Wie erbärmlich muß die Rolle eines Mannes seyn, welcher wider seine Ueberzeugung sich hingibt, um im Schatten einer zeitlichen Größe sich strecken zu können! Wie schrecklich der Gedanke, wissentlich sieben Frauen dem Ehrgeize, der Habsucht geopfert zu haben! — und wie nehmen die katholischen Brüder und Schwestern in katholischen Landen diese entsetzliche Thatsache aus? — sie lesen, bedauern, und zucken die Achsel, ». . . .U'.'!',:'!)/. ,,!>!!->ill'MNlll Temesvar. TemeSvar, 26. März. Gleichwie vor drei Monaten die Kirche deS ehrwürdige» Piaristen - Ordens mittelst des vorgeschriebenen kirchlichen Reconciliations-Actes durch den hochwürdigsten Herrn Dwcesanbischof dem öffentlichen Gottesdienste zurückgegeben worden ist, eben so wurde heute dieser Act an der Kirche des ehrwürdigen Ordens der barmherzigen Brüder vorgenommen. Beide Kirchen waren in ihrer Zerstörung bis jetzt als Ueberbleibsel jener tiefen Wunden betrachtet, welche im Jahre 1849 die langdanernde Belagerung verursachte. Durch die Belagerung hat die Kirche der Piaristen zwar großen Schaden erlitten, doch die der Barmherzigen war sammt dem Kloster Beute der Flammen geworden. Nun aber „wo die Noth am größte», dort ist Gott am nächsten." Von jener Seite, von welcher im Jahre 1757 die hiesige Kirche der Barmherzigen begründet wnrve, ist dieselbe auch dem gänzlichen Einsturz entrissen worden. Gleichwie einstens die Kaiserin Maria Theresia glorreichen Andenkens die Kirche der Barmherzigen erbauen ließ, wie dieß die in dem GotteShause Vorhandene Aufschrift „Leclesia stst Krma lundo Ngrise Moresiav Imperstrieis ^u- izustüe nostrse Mtris. In Konorem 8. ^osvpni pgtroeinantis 1757" beurkundet, eben so hat die reichliche Wohlthätigkeit Seiner apostolischen Majestät unsers aller- gnädigsten Kaisers und Herrn die Herstellung des bereits zu einer Ruine gewordenen Klosters und Kirche ermöglicht, und nun finden im Krankenhause des gedachten Klosters die Kranken männlichen Geschlechtes ohne Unterschied der Religion und Nationalität so wie früher die bereitwilligste Aufnahme, eine allseitige Pflege und liebevolle Behandlung, wie solche nur von Männern, welche durch das göttliche Gesetz der christlichen Liebe durchdrungen, ein heiliges Gelöbniß bindet, erwartet werden kann. >>nchl.ili uz mlulzsilM .nn'-ilm :H d/iikiÄN. Hvvt ,?.','lnciÄ ^«i^-l n?^zr/z»i Schweiz. Von Genf aus macht man große Anstrengungen, um Savoyen zu prolestauli- siren. Die Gesellschaft für die protestantischen Interessen versammelte sich gegen Ende Februars in der Magdalenenkirche in Genf. Der Prediger, welcher den Vorsitz führte, wendete sich an den Eifer seiner zahlreichen Zuhörer, weil der Tag herannahe, an welchem die sardinischen Staaten und ein großer Theil Italiens zum Protestantismus übergehen würde. Die Sammlung brachte 300 Franken ein. Die ausgesprochene Hoffnung wird nicht in Erfüllung gehen, vielmehr steht zu hoffen, daß die katholische Kirche in den sardinischcn Staaten aus den Prüfungen, welche sie nun seit längerer Zeit zu bestehen hat, neugekräftigt mit Glanz hervorgehen wird. — Den protestantischen Anstrengungen gegenüber organisiren sich auch die Katholiken deS Kanton Genf. Ein Verein ist bereits errichtet und zählt 300 Mitglieder in den wenigen Tagen, welche seit der Stiftung deS Vereins verflossen sind. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. <6. Krcinci, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMnng. 23. April M^- L7. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsvrei« kr., wofür es durch alle Zöui'gl. bauer. Postämter und alle Buchhandlungen bezog«« werden kann. Der Dialog des Dotto und Jgnorante in römischen Kirchen. *) Unter den mannigfachen sinnreichen Mitteln, welche die katholische Kirche als gute Mutter anwendet, ihren Kindern ihre Lehren auf faßliche und eindringliche Weise beizubringen, ist eins der merkwürdigste» der Dialog des Dotto nnd Jgnorante. So nennt man freie Gespräche, die von Zeit zu Zeit in römischen Kirchen zur Belehrung der Gläubigen von zwei Geistlichen gehalten werden. Der eine stellt das in irdischen Neigungen und Ansichten befangene Weltkind vor, und wird von dem andern, der wie sein Seelsorger auftritt, ermahnt und zurechtgewiesen. Jener, der Jgnorante, spricht über die kirchlichen Dinge wie ein Mann auS den untern Ständen, mit hausbackenem Humor, ja mit einem ziemlich starken Anfing von Buffonerie; selbst im Dialect nähert er sich der Sprache der niedern Classen, und seine Reden bringen durch Inhalt, Fassung uud Vortrag meistens große Heiterkeit bei den Hörern hervor. Er ist nicht in Opposition gegen die Kirche, aber er hängt an welilichen Interessen, er möchte sich gern so billig abfinden wie möglich. Der Dotto belehrt ihn mit großer Gelassenheit, läßt sich sogar wohl herab, auf seine Scherze einzugehen, und überzeugt ihn natürlich zuletzt von der Hcilsamkeit seiner Vorschriften. Die Zuhörer folgen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, sie hören ihre eignen Ansichten vortragen und zwar in derselben Weise, wie sie sie selbst auSsprechen würden: die Argumente, die dagegen vorgebracht werden, sind völlig auf ihre Denkweise, auf ihren Bildungsgrad berechnet. Der erste Dialog, dcu ich hörte, fand am zweiten Sonntag des Carneval, in St. Maria della consolazione, einer kleinen, abgelegenen Kirche zwischen Palatin und Tiber statt. Das Auditorium gehörte fast ganz den untern nnd untersten Ständen an, zu Dreivierteln bestand es aus Frauen. Die beiden Geistlichen bestiegen ein Gerüst, worauf ein Crucifix errichtet war, und nahmen nach einem auf den Knieen verrichteten Gebet auf zwei hölzernen Feldstühlen Platz. Der Jgnorante war ein Sechziger mit einem behaglichen, heitern, etwas gerötheten Gesicht und weißem Haar, der Dotto ein junger Mann mit seinen, klugen Zügen und freundlichem Benehmen. D. Ich fürchtete, Ihr würdet den Sonntag im Carneval lieber draußen verbringen. Ich freue mich, daß Ihr nach unserer Verabredung gekommen seyd. Laßt uns einmal über die Art sprechen, den Sonntag würdig zu begehen. I. Nun, man muß nicht arbeiten D. Aber man mnß ihn auch durch heilige Werke feiern, und vor allem hat die Kirche das Hören der Messe vorgeschrieben. Wie haltet Ihr eS damit? Hort Ihr sie immer? Hört Ihr sie ganz? Hört Ihr sie gut? I. Ouunw rvlm! Volete «»pvre tutti i mivi lutti? sGeläch er). Ob ich sie immer höre? Nun, Aus den Gränzboten. 130 wenn ich kann, höre ich si«, wo nicht, nicht. D. Wie ist eS möglich, daß Ihr jemals nicht könnt? Da Ihr nicht arbeitet, habt Ihr doch keine Abhaltung. I. Aber ich gehe dann Sonntags auf die Jagd, und so versäume ich die Messe. D. Ihr versäumt daS Nothwendige über dem Unnützen. Gott befiehlt, die Messe zu hören, wo besieht er aber, auf die Jagd zu gehen? I. Man sagt doch, daß ein zu hart gespannter Bogen bricht. Und dann jagt man auch nur bei schönem Wetter. Ist eS schlecht, so macht man Geschäftsgänge, man hat hie und da Geld einzutreiben, geht nach Maria de Monti, dann nach Trastevere — unterdessen geht die Zeit hin, der Schuß fällt vom Castell und eS ist Mittag. D. Welches Interesse ist in Euern Augen daS erste, czuello ciel Lsjoeeo o «zuello clell' sm'ma? I. Ln sreäl^o). D. Ich will es thun, aber Ihr müßt Euch nicht allein auf fremdes Gebet verlassen. Hutati e 6io ti sjuters. Der Dialog, der am nächsten Sonntag von denselben Geistlichen in der Jesuitenkirche St. Jgnacio gehalten wurde, hatte die Beobachtung der Fastengesetze zum Gegenstande. DaS hierüber erlassene Edict ist überall an den Straßenecken angeschlagen. ES beginnt mit der Aufzählung der zahlreichen und schweren Züchtigungen, die Gott gegenwärtig über die Christenheit verhängt habe, nämlich ein drohender Krieg, große Theuerung, Befürchtungen für ansteckende Krankheit, und die fortwährenden Attentate der Feinde der Ordnung auf die Sicherheit der Zustände. Alles dieses sind Folgen unserer Sünden, durch welche Gott uns in seiner Gnade zur Buße auffordert. Zu dieser eignet sich die Fastenzeit ganz besonders. Da eS aber Gott hauptsächlich auf deu guten Willen ankommt, hat der heilige Vater in seiner Milde die Gesetze für die Fasten sehr ermäßigt. Strenge Fasttage sind eigentlich nur sechs während der ganzen Fastenzeit, an allen übrigen Tagen sind Fleischspeisen erlaubt, mit verschiedenen einzelnen Beschränkungen. D. Jedes Ding hat seine Zeit, sagt die heilige Schrift. Zwar ist für den guten Christen daS ganze Jahr eine Zeit der Buße, doch vorzüglich die Fastenzeit. Haltet Ihr denn auch die Vorschriften über das Fasten? I. Ich gestehe Euch, daß eS nicht gut zu meinen Gewohnheiten paßt. Ich habe einen sehr guten Appetit. D. Ihr müßt Eure Gewohnheiten bezwingen, um die Gebote der Kirche zu befolgen. I. Glaubt Ihr denn wohl, daß alle diese Leute hier fasten? D. Ein Theil ja, ein anderer nicht; aber diese werden ohne Zweifel genügende Gründe haben. I. Die hab' ich auch. D. Nun welche denn? I. Ich habe Hunger. (Gelächter.) D. DaS ist kein 132 Grund. Etwas Anderes wäre eS, wenn Ihr dem Hungertode nahe wäret. I. Aber es ist meiner Ncitur zuwider, die Fastenspeisen geben mir nicht genug Nahrung, ich komme dabei von Kräften. D. Wenn jemand ein Handwerk treibt, das große Kraft- austrengung erfordert, z. B. Zimmermann, Maurer oder Feldarbeiter ist, dann kann er sich Abweichungen von den Vorschriften gestatten; sonst aber nicht. I. Aber ich kaun es nicht aushalten, nur eine Mahlzeit am Tage zu nehmen. Wie kann man denn so lange nüchtern bleiben? D. Es wird ja nicht von Euch verlangt, daß Ihr völlig nüchiern bleibt. Ihr konnt des Morgens, zu der Zeit, wenn Ihr sonst zu frühstücken pflegt, eine Kleinigkeit zu Euch nehmen. Dann könnt Ihr ja Eure Abendmahlzeit auf den Mittag verlegen, und die Hauptmahlzeit (pi-iinxo) Abends halten. I Also Ihr wollt auch, daß wir nach der französischen Mode leben sollen? D. Wenn Ihr eö für Euch so zuträglicher findet. I. Also des Morgens kann ich meinen Caffee mit Milch nnd ein Brod (paguotta) dazu nehmen? D. Bewahre! Milchspeisen, so wie Fleisch, sind nur bei der Hauptmahlzeit erlaubt; also müßt Ihr den Caffee des Morgens ohue Milch trinken. I. Caffee allein, das gibt keine Nahrung, eS befördert nur die Verdauung. D. Es wird Euch nicht schaden. I. Und was soll ich machen, wenn mir der Kclluer des Morgens wie gewöhnlich meinen Caffee mit Milch bringt? D. Hab! Ihr denn keinen Mund, um zu sagen, was Ihr haben wollt? I. Wenn er eS mir aber schon bringt, während ich es sage? D. Gebt es nur zurück, und befehlt von neuem, und Ihr werdet vortrefflich bedient werden. I. Doch mir fällt ein, daß ich schon über daS Alter hinaus bin, in dem man zur Beobachtung der Vorschriften verpflichtet ist. D. Wenn das ist, so ist es etwas Anderes. Jl,r wißt das gesetzmäßige Alter nicht — I. Von fünfundzwanzig Jahren. — D. Macht nicht vier Jahre zu viel. Von einundzwanzig bis sechzig. I. Nun, einige Jahre mehr oder weniger werden nichts ausmachen. D. Ihr seyd also noch nicht sechzig? I. O, eS fehlt wenig, es sind nur Brüche. D. Aber die Ausnahme ist nur für solche Greise gemacht, die sich schwach fühlen. Ihr scheint ganz wohl und kräftig zu seyn. I. Es ist nicht schlimm. D. Wäret Ihr aber lrank, so müßtet Ihr eine Bescheinigung vom Arzt haben, diese müßte dann der Pfarrer unterschreiben, und dann einer von den Deputaten, die auf dein Edict genannt smd, Ihr wißt doch! I.. Ich lese die Edicte niemals. D. Nun, dazu schlägt man sie doch an. I. Wie viel Umstände! Und die Bescheinigung mnß man auch wohl gar noch bezahlen? D. Nein, sie dürfen nichts annehmen. I. Aber wenn man die hat, darf man dann auch alles essen, Fleisch und Fische zusammen in einer Mahlzeit? D. O nein! Das Fleisch ist genug, um Euch Nahrung zu geben, und eS wird Euch nur erlaubt, was für Eure Gesundheit erforderlich ist, aber keine Leckereien. I. Was für ein sonderbares Gesetz. Man dars also in den Fasten nicht einmal mit der Licenz, was man in gewöhnlicher Zeit ohne Licenz darf. Das ist eine vsntä! Und die Kirche nennt sich unsere Mutter? (He bell» mgllre! D. Wenn eine gute Mutter ihren Sohn von einer Speise zurückhält, die der Arzt verboten hat, czussta non 136 Endlich, ist Maria nicht für Alle der Erbtheil des Himmels, die Arche des Bundes, der MeereSstcrn, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten? Tief durchdrungen von den Gefühlen des Vertrauens, die alle christlichen Jahrhunderte mit so viel Recht für die Mutter Gottes gehegt, hat der Kaiser im Hinblick auf die Ereignisse, die die Zukunft noch in ihrem Schooße birgt, die sich aber ahnen lassen, dem Geschwader dieses geweihte Bild geschickt. Indem er euch dieses geheiligte Geschenk übergibt, richtet er die Worte an ench, die Constantin der Große in den Himmeln las: in uoc 8igno vinees, in diesem Zeichen werdet ihr siegen, ihr, die ihr für die Gerechtigkeit kämpft: Das Bildniß Mariens sey für euch ein neucö Labarum, ein undurchdringlicher Schild, eine Standarte des Sieges. Tapfere Mariner, erfasset den Gedanken unseres Kaisers; stellet euren Muth, eure militärischen Kenntnisse unter den Schutz derjenigen, die stark ist wie eine zur Schlacht gerüstete Armee, und Frankreich, unftr schönes Vaterlanv, wird sich einst der Thaten rühmen, die ihr vollbracht. Dieses heilige Bildniß nehme ans der „Stadt Paris" für gewöhnlich seinen Platz bei den Kraulen ein, die daraus Kraft und Trost schöpfen werden, und Sonntags wird es den Opferaltar zieren, um den ihr euch, Soldaten der „Stadt Paris" nach dem Beispiel eures edlen Chef zu versammeln beeifern werdet, eure Herzen zu den Füßen Jesn Christi auszuschütten und Schutz und Hilfe von Marien zu erflehen. Ich weiß euch cm Gebirge Und einen blauen See, Am Fuß der Berge Blumen, Auf ihrem Scheitel Schnce. Pofsenhvsen und München. I. Auf meiner Wcmd'rung kam Ich Zu einem schönen Schloß, Das heißet Possen Höfen, Ist Herzog Mcircns Schloß. Und an des Sce's Ufern Manch schmuckes Dörflcin ruht, Und manches Schloß auch spiegelt Sich in des Sce's Fluth, Bin still vergnügt gewandert Den ganzen See entlang. Vom Morgen bis zum Abend, Nicht müd' macht' mich der Gang, Ich weiß in Münchens Mitte Ein Kirchlcin still und klein. Viel fromme Beter wallen Den ganzen Tag hinein. Ein Bild der Mutter Gottes, Das machet wohl bekannt Das Herzogspitaltirchlein, Im ganzen Baycrlanc, Ich laun's ench nicht beschreiben, Wie's in dem Kirchlein gnt, So heimisch und so wonnig Dem Beter wird zu Muth. Drauß geht die Welt mit Lärmen, Drin "ist's so andachtöstill, Drauß quält man sich mit Sorgen, Drin spricht man: „Wie Gott will" l!. Das Herz mir freudig pochte, Wie ich das Schloß geschaut, Denn wißt, hier stand die Wiege Der holden Kaiserbraut. Denn wißt, hier hat Franz Joseph Bei seiner Braut geweilt, Hier sind ihm frohe Tage Minuten kurz enteilt. Drin' hab' ich oft geknieet, Wenn drauß man mich gekränkt, « Und hab' mit Himmelsthaue Mein wundes Herz getränkt, D'rin steht die Mutter Gottes In ihrem Schmerzcnsbild, Ein Trost in unserm Kummer, Im Leiden unser Schild. Anch heut ging ich zum Kirchlein, Wen hab' ich da geschaut? In tiefster Anoacht knicend — Die fromme Kaiserbraut. Ja, vor dem Gnadenbildc, Da lag sie im Gebet, Sie hat wohl für Franz Joseph Maria angefleht. Frz. Lav. Schumacher. Verantwortlicher Redacteur: L Schönchen Verlags-Inhaber: F. E. Kremer, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt lif'wH, Ksizv»/. ZI»)« z>< .7<,tt7»6 gttM^n'»^ ,m> li»ch,^'-!is.dK sch't>liiU«l^7v »z)»!^ »'.'«^ t^jr -NW boo N5M'A 1»1 -j»'.?!l!7s^sat»E tt»n,a,»H's7Z« 7»llnH-i Augsburger MKMung. Silu ^v^<)s>)< ,^ü^7dV chwIqujL nchi,«.' '!i :!>l.ttlv7Z'/ 1i/j»Ät/i7!^. Mi>1^n^/Q,'iiL ^L^^s'",',!'^ ch'iua I>f/nz !7Z? SnjtvK )!ZmB SnvK 7?< III MsM ZtdNiKm S»Ä zDlÄNK ^ »6» onüttzM I!i Dieses Blatt erscheint regelmäßig alls Sountage. Der halbjährige Abounementsprel« 'ltt kr., wofür e« durch alle lönigl. buyer- Postämter und alle Buchhaudlunger, bezogen werde« knuv. Z«! Vermahlung Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. LbÄ Ni'MÄ ?i>Q. .7Utli" lchn7 7,s 1N>1>I»!'<7i:/j?2' '-iMllKIZss 1'u lelix ^uslriii nulie. 1u lelix .-Vuslria nul»e, Das ist ein altes Wott, So schallt es durch die Welt, Das klingt mit mächtigem Zauber Vom adriatischen Meere, Durch alle Zeiten fort. Bis hin zum nordische» Belt, ' lelix ^uslris nulie, '1'u lelix .^ustria nube. Das ist ein froher Klang, Hoch oben im Himmelssaal, Und Millionen singe» Singt's heute die Schaar der Engel Und jauchzen den liebliche» Sang. Dem Kaiser und seine», Gcmal, , 'I'u lelix ^ustiii» niibe, I'u lelix ^ustri.i nul»e. O Lied! so lieb und traut Ruft auch der Dichter aus, Dem jugendlichen Herrscher, Er hat nicht and'rc Gaben, Der holden Kaiserbraut, Nicht andern Hochzeitöstnruß, , 'I'u lelix .-Vuslriii nutze. Den er dem Kaiser weihet O Wort! so sreundlich und gut Und semer liebliche» Braut, Den Völkern und den Ländern, Auf die der König des Himmels Die ruhe» in Oesterreichs Huth, Segnend hernicderschaut. Frz. Xav. Schumacher. «yllv ni >Hu!L.Ä z'^i'<üir,iq»LU ' «Nl^Ä S'->-s,ii«l..il Zur orientalischen Krage. ES ist erfreulich, wahrzunehmen, wie einmüthig und entschieden sich die kirchlichen Blätter Deutschlands anläßlich des orientalischen Conflictes gegen die Bestrebungen Rußlands aufsprechen. Allgemein ist die Besorgnis; vorherrschen?, daß, im Falle Rußland bei diesem Kampse siegen sollte, die Katholiken des Orienls dasselbe höchst traurige Loos befürchten müßten, unter welchem unsere katholischen Brüder in Rußland seit lauger Zeit seufzen. Das zu Münster erscheinende Sonntagsblatt für katholische Christen spricht sich in dieser Beziehung in folgender Weise auS: Uebersicht man die Ab- und Zuneigungen, die Ansichten und Meinungen, wie sie im Laufe der Zeit über die orientalische Angelegenheit sich entwickelt und gebildet haben, so gibt sich in Bezug auf Rußland ein merkwürdiger Umschwung der Gesinnung kund. Bekanntlich war nach dem Jahre 1,8-48 das Ansehen Rußlands um ein Bedeutendes gestiegen; man setzte ein gewisses Vertrauen in den Charakter und ^38 die Ehrenhaftigkeit des Kaisers Rico laus, ja getraute dem Czaren eine Mission zum Schutze Europas gegen die Revolution und rothe Demokratie zu. Die neueste orientalische Angelegenheit brachte eine Aenderung hervor, die ohne Zweifel der Kaiser selbst nicht geahnt hat. Europa wandte sich gegen Rußland. Verschiedene wurden hier offenbar von verschiedenen Beweggründen geleitet. Während den Einen das Mitleid für den schwächern Theil bestimmte und in dem Andern die Flamme der Revolution wieder aufschlug, entwickelte sich bei einem großen Theile ein großer Argwohn, ob eS mit jenen religiösen Motiven, welche Nußland vorschützte, wahrhaft und ernstlich gemeint sey, und wurde zu diesem Argwohn veranlaßt, ja bestärkt in demselben nicht etwa durch bloß confessionelle Interessen, sondern durch geschichtliche Thatsachen, die sich nun einmal nicht läugnen lassen. Seit Peter dem Großen ist in Rußland die geistliche und weltliche Macht in der Hand des Einen Kaisers vereinigt; Polilik und Religion stehen in nächster Verbindung und zwar in dem Verhältnisse, daß die Religion die Dienerin der Politik ist. Nur ein Blick in die russische Geschichte, und man findet die Thatsachen und Belege dafür auf jedem Schritt. Die religiösen Verordnungen im russischen Reiche zielen daher immer hin und werden erlassen mit nächster Beziehung auf die politischen Verhältnisse. Die gesammte Organisaiion der russischen Staatskirche spricht dafür. Die Einheit des orthodoxen russisch-griechischen Glaubens wird für das ganze Reich gewünscht, weil sie nothwendig ist für die politische Einheit des Landes. Die Thätigkeiten für den orthodoreeu Glauben sind daher, wie dem blödesten Auge sichtbar wird, nicht apostolische, sondern politische Funktionen. Alle diese Grundsätze werden um so schärfer und consequenter durchgeführt werden, je consequenter der Charakter des Kaisers ist, welcher auf dem Throne sitzt, und wurden demnach, wie bekannt, sowohl den Jnden die Bärte rasirt, als die Protestanten in den Ostseeprovinzen behelligt, als die Katholiken verfolgt, — Alles im Interesse des orthodoxen Glaubens, d. h. der Politik Rußlands. Die daher auch nnr in etwa mit der Geschichte Rußlands bekannt waren, konnten gleich Anfangs, als Menzikoff nach Konstantinopel geschickt und das religiöse Motiv wesentlich in den Vordergrund geschoben wurde, nur schwerlich des Argwohns sich erwehren, ob nicht auch hier gerade daS umgekehrte Verhältniß bestehe, und die Politik auf der ersten, die Religion nur auf der zweiten Stelle stehe, und wiederum die Dienerin zur Erreichung anderer und zwar politischer Zwecke seyn müsse. Es kam aber noch ein anderes und sehr wichtiges Moment hinzu. Rußland beschwerte sich darüber, die Türkei habe die Verträge nicht gehalten und wollte für die Zukunft Sicherheit der Verträge. Wie eS in der Natur der Sache lag, fragte man: „Hält Rußland selbst die Verträge?" — Und endlich: Rußlaud beschwert sich über Mißhandlung der Christen in der Türkei und bringt dafür Thatsachen vor. Daher die dritte Frage: „Wie behandelt Rußland die Christen in seinem eigenen Reiche?" Stand Rußland in allen drei genannten Puncten nicht völlig rein uno makellos, so konnte es unmöglich Sympathien für sich gewinnen. Man fürchtet zudem einen Krieg, man hat ihn Jahre lang gefürchtet; man weiß, daß ein Krieg die großartigsten Verwicklungen, das namenloseste Elend für ganz Europa herbeiführen kann. Deßwegen lag eS in der Natur der Sache, daß man die Gründe prüfte, welche einen Krieg herbeiführen sollten, und deßhalb auch das Versahren Rußlands einer Kritik unterwarf. Namentlich fanden sich die Katholiken dazu veranlaßt, und leider mußten sie nach vorliegenden Thatsachen und geschichtlich beglaubigten Documenten sagen, daß Rußlauv in einer Reihe von Jahren in Bezug aus die Katholiken weder die Verträge gehalten, noch den Katholiken im russischen Reiche die Behandlung zu Theil wurde, welche der Czar mit solcher Entschiedenheit für die Griechen in der Türkei verlang!, — daß vielmehr die Katholiken verfolgt wurden, wie die Christen in der Türkei; und wenn der Kaiser Nicolaus Belege vorbrachte, so können dieselben in der umfassendsten Weise katholi- scherseits gegen den Czaren vorgebracht werden. Und alles dieses lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf eine Schrift, die bereits der Vergessenheit schien übergeben zu 139 seyn, wir meinen die Staatsschrift, welche nothgedrnngen über die Verhältnisse der katholischen Kirche in Rußland unter dem Pontificate Gregors XVI. veröffentlicht wurde. Die Schrift erregte schon damals Aufmerksamkeit und wird unter gegenwärtigen Verhältnissen noch größeres Aufsehen erregen. Ein Jahrzehent ist etwa verflossen, als Kaiser Nicolaus in Rom war, und Gregor XVI., im vollen Bewußtseyn seiner apostolischen Würde und Sendung dem mächtigen Selbstherrscher aller Renssen die merkwürdigen Worte sagte: „Wir werden einst beide im Gerichte vor Gott stehen." Gregor ist längst gestorben, die Staatsschrift schien scl sc-ts gelegt, — der Kaiser befand sich auf dem Gipfel seiner Macht — und siehe, die Welt erinnert sich wieder der Worte Gregors, und die Staatsschrift ersteht auS der Verborgenheit und fängt an, Rußland zu richten. (Salzb. Kbl.) Zustände der Katholiken in Schweden. III Wer die kleine Schmiedgasse in Stockholm betritt, sieht ein von Ziegeln im gefälligen, einfachen Style aufgeführtes HauS, das durch seine etwas längeren, nach oben zu gerundeten Fenster, noch mehr aber durch sein nettes, reinliches Aussehen auffällt. Dieß ist die Kirche mit dem angebauten Waisen- und Pfarrhause der kleinen katholischen Gemeinde in Stockholm. Eine unansehnliche Thüre fuhrt in den kleinen Hof und eine andere aus demselben in die Kirche. Hieher möchten wir alle diejenigen führen, denen das Wort „Kirche und Glauben" nur wie ein Kindermärchen klingt. Wenn man am Sonntage Nachmittag die dreißig bis fünfunddreißig Kinder, welche im Waisenhause verpflegt und erzogen werden, von denen mehrere den Namen „Mutter und Vater" gar nie auSsprachen, in ihren zwar ärmlichen, aber reinen Gewändern vor dem Altare der unbefleckten Jungfrau km'een und die Hände falten sieht, wenn man hört, wie sie die vom Priester vorgesprochenen Gebete andächtig nachsagen, wie diese Gebete Bitten sind für daS ehedem katholische, jetzt lutherische Vaterland, voll Ergebung und Nächstenliebe, wie die Namen ihrer Wohlthäter genannt werden, damit sie sich den armen Waisen zur Dankbarkeit einprägen mögen, wenn dann die Kinder das Salve Regina anstimmen und in einem geregelten Gesänge durchführen, wenn sie dann in kindlicher Einfalt ihre kleinen Gaben, sey es eine Blume, oder ein Band :c. aus den Stufen deS Altares niederlegen, und wenn man bedenket, daß diese Kinder von der zartesten Jugend an für diese ihnen eingepflanzte Geisteserhebung im katholischen Cultus außerhalb ihres HauseS um Spott, ja oft thätliche Beleidigungen zu erfahren haben, wenn man erwägt, wie von der Kanzel und durch die Presse, von den Sitzen der ReichStagdeputirten und durch die legislative Macht nur Spott, Hohn und Drohung gegen die Katholiken ausgestoßen werden, und endlich, welch materiellen Nachtheil bloß der Name eines Katholiken nach sich zieht, was alles den Kindern nicht unbekannt bleibt, wenn man dieß alles bedenkt, dann muß man wohl auSrusen: „Die Gnade des Herrn beschützt sein letztes Samenkörnlein in der kleinen Schmied- gasse zu Stockholm, auf daß einmal ein Baum daraus werde, der Blätter trägt mit den Namen der Heiligen." Und diese Säulen und Wächter der Kirche, die Heiligen, sie stehen, durch Bilder und Statuen vergegenwärtigt, noch immer hie und da in den schwedischen ehedem katholischen Domen; noch immer kämpft der heilige Georg, hoch zu Roß, in Riesengestalt in der Stockholmer Hauptkirche, mit dem alten Drachen in jener Kirche, welche an der Außenmauer, gegen die königliche Residenz zu, eine große Marmortafel trägt, die da besagt, daß Schwedens großer König, Gustav Adolph, diese Kirche der papistischen Jdololatrie und dem finstern Aberglauben entrissen und dem reinen Evangelio übergeben hat. Graphischer hätte man die schwedische Luther- Gesellschaft nicht zeichnen können. Innen in der Kirche der heilige Georg, und draußen der Lügendrache! Auch die heilige Barbara ist in dieser Kirche — die reine gläubige Jungfrau, und vor ihr der abtrünnige Henker I Und damit die Schweden 140 anch an die Folgen ihrer Handlungsweise erinnert werden, ließen sie bei j>er Reinigung der Kirche von papistischer Jdololatrie im ehemaligen Presbyterinm ein großes, schönes Oelgemälde zurück, das jüngste Gericht vorstellend. In Skoklorter steht die Guadenmuttcr an ihrem alten, freilich jetzt entweihten Altar, in Westeräs ist ein Rosenkranzbild und in der Haupt-Kathedrale des ganzen skandinavischen Reiches, am Sitze deS Erzbischofes, Upsala, der Leib de'> Landespatrons, des heiligen Olof. Ein prachtvoller Silbersarg umschließt die heiligen Reliquien und blieb unverrückt au seiner alten Stelle an der Evangelienseite deS ehemaligen Hochaltares. Soll dieß alles zufällig so geblieben seyn? Gewiß nicht. Der Katholik kennt keinen Zufall, er weiß eS, daß waS geschieht, nach einem höhern Plane geschieht oder zugelassen wird, und daß jeder Irrthum einmal sinken, die Wahrheit siegen müsse. Schon erhebt sich eine neue katholische Kirche im benachbarten Königreich Norwegen — die zweite im skandinavischen Norden —5 in Christicmia schon glänzt das Siegeszeichen von Golgatha ans dem Thurme; auS der Diöcese Regensburg verließ ein Pfarrer seine einlräglichc Pfründe, um bei dieser neueu Kirche als Missionär thätig zu werden; drei deutsche Frauen entschlossen sich, die Heimath, Bayern, zu verlassen, um bei dieser Kirche eine katholische Mädchenschule anzulegen, und wessen Namen wird die Kirche führen? — den des heiligen Olof. Und wie sonderbar! Als ob die sueeessio gpostolies sich sogar in dem kalten Granitsteine bewahrheiten sollte, bildet die mensg des Hochaltars ein Stein, der noch in der katholischen Zeit zum selben Zwecke diente, den man auS den Ruinen einer verfallenen katholischen Kirche hervorzog, und in ?em sich noch das unverletzte 8opulorum der Martyrergebeine vorfand! Der seit 1838 in Skandinavien als apostolischer Vicar mit großer Selbftverläugnnng und Aufopferung wirkende Lau- renz Studach hat durch Unterstützung des Lyoner und Münchner MissionsvereinS diese Kirche wenigstens in ihrem Aeußern ausgebaut; noch fehlt die ganze innere Einrichtung, noch hat der Priester keine eigene Wohnung, noch ist kein Gebäude für die Schule — und doch blickt der fromme Vicar mit apostolischem Vertrauen auf sein Werk, das er mit zweihundert Thalern begonnen, und denkt schon an die Weihe derselben. Ob ihm irgend eine Hilfe zukommen werde? Amerika und Afrika erhalten aus Oesterreich so reiche Gaben, — Skandinavien kennt man nicht — und doch gerade hier, trotz der barbarischen Gesetze ließe sich bei den vielen übriggebliebenen Ritual- ssrmen und katholischen Erinnerungen bei einer größern Priesteranzahl — (für ganz Schweden und Norwegen sind sammt dem neuen Priester vier katholische Geistliche thätig—) und bei nur etwas größern Geldmitteln in kurzer Zeit Erstaunliches leisten. Beten wir insgesammt, damit die verfolgte Kirche in Schweden Arbeiter und Wohlthäter finde. . . "51"//-., 7.^ ,.,19t ^ tKl.M7!> NKM' NM'K , ,lttL, z^uÄ-VW!, 5io -chw^'Nii! ilii7,wq»AZ''.»bS>'M n-l «zisiA Protestantische Zustände in Amerika. Eine Nummer des Liegnitzer Kirchenblattes für evangelisch-lutherische Gemeinden enthält einen Brief eines zur Synode Missouri gehörigen lnlheriscben Pastors Claus (welcher vor mehreren Jahren von Schlesien nach Nordamerika auswanderte) an einen Gemeindevorsteher Hilbig in Löwcnberg, worin eine Schilderung der dortigen Gemeinde- zustäude gegeben wird. In diesem Brief heißt eS: — „Vor allem theile ich Dir mit betrübtem Herzen mit, daß in meiner Gemeinde eine Trennung vorgegangen ist. Getreues Beharren bei reiner Lehre war Ursache der Spaltung, Der größte Theil meiner Gemeinde wollte meinen ordentlichen Beruf (zum Predigtamt) aufgehoben wissen, und mich jährlich oder doch auf unbestimmte Zeit dingen, so daß eS der Gemeinde jederzeit freistände, ihren Pastor zn entlassen, auch ohne alle Ursache. Wir sind die Herren, sagen hier die Gemeinden, und die Pastoren sind unsere Diener, und es steht uns ganz frei, ob wir sie behalten wollen oder nicht! — Hunderte von Predigern, die sich obendrein lutherisch nennen, lassen sich ans diese Weise miethen, — müssen dann natürlich auch so predigen, wie die Leute eS gern hören, und thun was der große Hause sagt, sonst werden sie, wenn ihre Miethszeit abgelaufen ist, 141 nicht wieder gedingt, — Solche Prediger, die sich so miethen lassen, hören natürlich auf Diener Gottes zu seyn, es sind Menschen- und Gcmcindcknechte, die um einen gewissen Lohn geistliche Geschäfte, wie Taufen, Begraben und dergleichen verrichten. So schrecklich wird das heilige Predigtamt hier in den Koch getreten. Wird nun ein solcher Punct von einer Gemeinde festgehalten, so kann man mit gutem lutherischcm Gewisse» nicht bleiben; denn der Beruf zum heiligen Predigtamt ist ja ein göttlicher. — Nach Matth. 9, W, Kpheser 4, 11, Apostelgesch. 20, 38 ist es ja die heilige Dreifaltigkeit, welche Prediger sendet und setzt. — So thun sie auch stöltlicbe Werke — und vor den herrlichen Namen, die ihnen die Schrift beilegt, müssen ja Köin'gS- nnd Fürstennamen in den Schatten treten. — ES ist ja auch dieses Miethen gegen die Augsburger Consession Art. 14. — Nun daS weißt Du besser als ich. Es heißt dieß auch wahrhaftig nicht einen Diener Gotteö zwiefacher Ehre werth halten. Nicht nur sollte ich von nun an alle Jahre nach Stimmenmehrheit aufs neue gewählt werden, sondern auch alle Kirchenzncht (Matts,. 18, 15—t8) sollte abgeschafft seyn. — Ja, wer zur Gemeinde gehöre, solle mich gar nicht kümmern. Das Recht, zur hiesigen Gemeinde zu gehören, solle nicht an den Personen, sondern an dem Besitz der Grnndstücke hasten, und wenn auch ein Jude daS Grundstück besäße. — Die allei- gröbsten und offenbarsten Sünder sollten nicht von der Gemeinde ausgeschlossen werden. Einmal bekam ich gar einen Brief, in welchem ich im Namen Vieler ersucht wurde, für Kossuth zu beten. Kossuth wurde in diesem Brief ein heiliger Märtyrer und Völkerbesreier genannt. — Ich suchte in einer stnnden'angen Predigt die armen Leute zu belehren, und eS fruchtete auch bei einigen so viel, daß sie ihr Geld, welches sie zu einer Collectc für Kossnth mitgebracht hatten, in ihren Taschen stecken ließen, 5ie meisten aber legten frei und öffentlich nach der Kirche eine Summe Geldes für diesen saubern Herrn zusammen, nachdem sie schon vorher öffentlich in der Kirche Widersprechen und Lärm gemacht hatten. — Ans G-mcindeversammlungen trat man mit geballten Fünften und Messern in der Hand auf, so daß man sich stillschweigend aus solchen Räuber- und Mörderversammlungen entfernen mußte. — Endlich kurz vor Pfingsten 1352 kam eS zu einer Entscheidung. Eine ganze Rotte hatte sich zusammen- gekoppeit, ein gottloser Arzt war bisher ihr Helfershelfer gewesen. Man hielt eine Versammlung gegen meinen und mehrerer Gemeindeglieder Willen. Ich wurde von den Vorstehern im Namen der Majorität noch einmal befragt, ob ich ordentlichen Beruf und Kirchenlicht wolle fahren lassen, und da ich dieß verweigern mußte, wurde mir sofort die Kirche verschlossen, und binnen zehn Tagen sollte ich die Pfarrwohnung verlassen. — Die gläubigen und treuen Diener baten mich um GotteS Willen, sie doch nicht zu verlassen. Ich wollte auf bloßes Drohen gar nicht räumen. Weil aber Stimmenmehrheit hier zu Lande Recht bekommt mich bei der weltlichen Obrigkeit, so entschlossen wir unS endlich, a»S Liebe zum Friede» alle Kirchengüter fahren zu lassen, und von vorn anzufangen. Der Treugebliebenen waren im Anfang von siebzig Familien etwa dreißig. Die Pfiugstseienage über hatten wir Gottesdienst in meiner Wohnung. Die Rotte soff unterdeß nebenan in einem Wirthshaus. — Hätten wir uns an diesem Tage geregt und etwa versucht, die Kirche zu erbrechen, waö wir nach hiesigen Gesetzen hätten thun dürfen, so hatte es wahrscheinlich blutige Köpfe gegeben. Wir wichen der Gewalt. Ich bezog nun eine andere Wohnung. Zur Kirche gab ein treues Gemeindeglied gern sein Haus her. Da nun die Feinde sahen, daß ich d.'ch nicht wich, fingen sie erst recht an zu verfolgen, so daß wir unö des Nachts nur mit Furcht und Zittern zur Rnhe legen konnten. Und eS wäre wohl noch schlimm ausgefallen, wenn Gott nicht mit der Cholera dazwischen gefahren wäre. Diese trat aber so heftig auf, daß binnen drei Wochen achtzig Menschen von derselben ergriffen und dahingerissen wurden — In dieser Zeit hatten wir Ruhe. — Einige baten um Vergebung. — Ich besuchte zu der Zeit so viel ich nur konnte, auch die Feinde. — Da war ich willkommen und hatte die große Freude, wenigstens einen Widersacher noch vor seinem Tode in die Wunden Jesu hinein zu leiten. Viele sind wohl verstockt und unbußfertig dahin gefahren. — Bei den Treugcbliebenen fand ich überall 142 große Freudigkeit zum Sterben. — Nur ein Beispiel. Eine Frau rief mir bei meinem Eintritt den schönen LiederverS entgegen: — „Freu dich sehr, o meine Seele!" —; ich mußte mit ihr singen: „Christe, du Lamm GotteSz" sie hatte alle ihre Kräfte zusammengerafft und sang mit vernehmlicher Stimme mit. Einige Stunden darauf entschlief sie, ohne die Bitterkeit des TodcS sehr zu schmecken. Mich bewahrte Gott wunderbar in dieser Zeit. — In dieser schrecklichen Zeit schien in der Gemeinde wieder Einigkeit zu werden. DaS merkten die unirten Geistlichen, von denen ich leider ringS umgeben bin. Die kamen dann und predigten einstweilen alle vierzehn Tage einmal. Einen Prediger wollte ihnen die Synode nicht geben, weil sie sich damit gar zn sehr in Schande gesetzt hätten, sie sagten aber nebenbei zu solchen, die noch nicht zu ihrem Verein gehörten, aber doch ihre Gesinnung theilten, hier sey eine Gemeinde, hier sollten sie hingehen. — Und so kam denn, nachdem bereits ein halbes Jahr vergangen war, ein solcher Herr. — Der gehörte nun bisher zu keiner Synode, ist nicht orvinirt, verrichtet aber doch alle Amtshandlungen. Vom Teufel, sagt er, will er nicht predigen, sondern von Christo. — Wie gefällt Dir daS? — Seine Rotte ist sehr wohl mit ihm zufrieden. — Inzwischen hatte meine kleine Gemeinde wieder ein Kirchlein erbaut, welches ihr am heiligen Abend zum Theil zerstört wurde. Die Thäter wurden bald entdeckt und von unS vor die Obrigkeit gezogen. Auf vieles Bitten hatte sich leider der Ausschuß der Gemeinde mit diesen schändlichen Kirchenräubern durch eine Gelvbuße vereinigt. Unsere Leute meinten es gut, sie dachten dadurch größerem Unglück zu entgehen. Dem konnten sie jedoch nicht vorbeugen. Einige Wochen darauf lag unsere Kirche in Asche. WaS da für Thränen vergossen worden sind, kannst Du Dir vorstellen. Bald hatten wir den Muth verloren. Manche entschlossen sich ihre Plätze zu verkaufen und wo anders hinzuziehen. Weil aber namentlich die Aermeren in diesem Sodom hätten zurückbleiben müssen, so entschlossen sich alle zu bleiben." >itt<» 1«vA n't i?7',7x',W' Ml!! N'.5u55) >-.'il^'!'ih i'im Die christliche Familie wie fie war und wie ste ist. (Ein Beitrag zur Charakteristik der alten und neuen Zeit.) DaS Alte ist nicht immer schlecht, weil es alt, und das Neue ist nicht immer gut, weil es neu ist — eine Wahrheit, von der sich Jedweder, der gesunden Verstand und klare Augen hat, überzeugen kann. DaS Alte ist nur dann schlecht, wenn eö in seinem Principe schon den Keim der künftigen Haltlosigkeit auS moralischen Gründen an sich trägt; das neue ist nur dann gut, wenn seine Konsequenzen eine segensvolle Frucht versprechen nnd auch bringen. Diesen Grundsatz als Maaßstab auf unsere Familie angewendet, muß man aufrichtig gestehen, daß man daS alte Gute verworfen, und das neue Schlechte an dessen Stelle gesetzt habe. Zum Beweise berufe ich mich auf die Erscheinungen unserer Zeit. Unsere gnten Vorfahren nach altem Schrot nnd Korn haben den Religionsunterricht obenan gestellt, denn sie gingen von der Ueberzeugung auS, Religion sey das nothwendigste Bedürfniß deS Menschen, will er anders ein ehrenvolles Glied der Kirche, und auch ein nützliches Glied des Staates seyn. Jetzt muß nicht selten der Religionsunterricht vor den übrigen profanen Gegenständen in den Hintergrund treten, so daß eS oft den Anschein hat, man halte den Religionsunterricht für eine nicht dringend nothwendige Beigabe. Während man die geschicktesten Tanz-, Sprach- und Clavier- meister besoldet, ist der Unterricht in der heiligen Religion zu Hause verwaiset, oder man überläßt denselben einem Menschen, der eS um ein paar Gulden monatlich ans sich nimmt, ein Kind in dem zu unterrichten, was er selbst nicht einmal versteht, und daS geschieht auf eine so trockene Weise, daß dem Kleinen, von Kindsbeinen angefangen, eine Abneigung und ein Eckel gegen jedwede Religion beigebracht wird. Ein solcher Lehrer füllt den Kopf des Kindes mit lauter gordischen Knoten an, die weder er, noch weniger das Kind zu lösen vermag; hingegen wird das Herz immer leerer und härter. DaS Kind macht Prüfung der Classe wegen, und ist froh, den Kate- 143 chiSmuS bei Seite legen zu können, setzt jedoch die Erlernung anderer Kenntnisse fort, hat Eckel und Mißbehagen an religiösen Büchern und dem Worte Gottes, und so wird aus dem Kinde ein Ebenbild unseres Zeitgeistes, und mit der Zeit — ein Ungläubiger. Manche Eltern glauben wieder, mit dem Religionsunterrichte, den die Kinder in der Schule genießen, sey schon Alles abgethan. Sie fragen nicht den Katecheten oder Lehrer um das sittliche Betragen oder den Fortgang im Lernen des Kindes; eS ist schon genug, wenn nur daö^Kind in die Schule geht. Ehemals war eS ein wichtiges und heiliges Geschäft deS VaterS, Sonntags uuterm Mittagsmahle das Kind um den Inhalt der sonntägigen Predigt zu befragen, und da seine besondern väterlichen Lehren anzufügen, das Kind mußte in der Predigt aufmerken, das Gehörte ging in Fleisch und Blut über, und so ward der Familienvater selbst zum Prediger und Seelsorger seiner Kinder; er verwaltete ein gar erhabenes Amt, ganz in Uebereinstimmung mit den'Worten deS heiligen ChrysostomuS, die er zu den Eltern spricht: „Ihr seyd die Apostel eurer Kinder; euer HauS ist eure Kirche; und wenn wir Geistliche für ihre Seelen wachen, und Rechenschaft geben müssen, wie viel mehr ihr, ihr Eltern, denen die Erziehung besonders anbefohlen ist, und denen sie Gott von zarter Jugend an inö Haus gegeben hat, damit ihr sie um so leichter regieren könnet." So dachte und handelte man ehemals. Jetzt würde es schwer seyn, Kinder über Predigten zu katechisiren, wenn Eltern selbst zu Verächtern des göttlichen Wortes geworden sind. Ehemals saßen die Familienglieder am Sonntage Nachmittags im traulichen Zirkel um ihren Familientisch (aber sie bildeten keinen zungenspitzigen Clubb;) aufmerksam horchten sie auf den Inhalt eines Erbauungsbuches, aus welchem ein Kind oder ein anderes Familienglied vorlas. Da blieben die Kinder fern von verderblichen Einflüssen böser Gesellschaften, hörten nicht unsittliche Reden, die unsere junge Generation um zehn Jahre eher zur segensloseu Reife bringen. So war eS ehemals. Jetzt hat die Genußsucht Gasthäuser wie Pilze aus der Erde hervorgezaubert, und Sonntags steht der Familientisch verlassen im versperrten Zimmer, der Zeitgeist hat die alten und jungen Familienglieder zu Soireen und auf Bälle gerufeu, der Geist der modernen Aufklärung hat die guten Erbauungsbücher zu den Antiquarhändlern ins Eril geschickt, und auf dem Bücherschrank florirt nun die Modebelletristik mit ihrem Verderbe» bringenven Inhalt. Aus diesen dunkeln Quellen schöpft nun das heranreifende Kind die Weisheit deS Tages, der Kopf wild gefüllt mit phantastischen Gebilden, der Reiz der Sinnlichkeit findet seine Nahrung, die man mit Heißhunger und mit Aufopferung halber Nächte verschlingt und auf den nackten Trümmern religiöser Bildung pflanzt der Mode- geift die Fahne der Aufklärung auf. Darin, mein Leser, findest du ein Fragment eines alten und eines nenen Bildes des christlichen Familienlebens; welches aber das bessere sey, darüber wird die Zukunft die unumstößlichsten Beweise liefern. (Oest. Volksfr.) 7'iM» .MimntVnh M). 7Üj . ti'iHMü '-7il 5is citt, >li(Zü's cklyK 7»iiM ,Ni, )Ii;p, ,)tM Kirchen-Disciplin. In der Pesther Zeitschrift „Kath. Christ" lieSt man: Im Monat November des verflossenen Jahres reiste in seinen Geschäften ein ungarischer Gutsbesitzer nach Sachsen, und als er an einem Sonntage zu Dresden in der katholischen Hofkirche dem Hochamt und der Predigt beiwohnte, merkte er, daß daS andächtige Publicum hier nach Verschiedenheit des Geschlechtes gesondert seine Plätze einnehme, die Männer rechts in den Stühlen, und das Fiauengeschlecht links. Zugleich sah er vier eigens in der Kirche ausgestellte Männer, die auf die Ordnung Acht hatten und alles Ungeziemende zu beseitigen den Austrag zu haben schienen, waö sie auch bewiesen. Denn eS geschah eben während des Gottesdienstes, daß ein Herr sammt seiner Frau, einem Mädchen und einem Knaben in die Kirche kam; der Herr nahm gleich auf der Männerseite Platz, als sich aber die Mutter mit dem Mädchen und dem Knaben auf die 144 Fraucnseite setzte, ging alsbald einer von den aufgestellten Kirchendienern zu ihr, nahm den Knaben bei der Hand und führte ihu auf die Männerseite, wo der Vater war, nur damu die Absonderung der Geschlechter streng beobachtet werde. Als sich ein Mann an die Kirchenwaud anlehnte, um commoder stehen zu können, war gleich einer aus jenen Kirchendienern bei ihm, und sagte vernehmbar: Bitte, mein Herr, gerade zu stehen, um nicht etwa die Mauer zu beschädigen. Ein dritter vom Pnb- licum wandte sich mehrmals zu sehr zurück gegen das Musikchor, schon wieder war einer aus jenen Kirchendienern an seiner Seite, mit der Mahnung: Bitte, mein Herr, durch Umsehen nicht zu stören, und die Aufnicrksamleit aus den Hochaltar zu richten. — Diese Erfahrung ist wirklich iurercssant und eine solche Kirchenordnung höchst lobenöwerth. Mögen immer manche Damen die Maaßregel als zu strenge finden, und wünschen: der katholische sächsische Hof sollte dennoch in einem protestantischen Lande die Sache nicht so strenge nehmen, und mehr Zärtlichkeit sowohl als Nachsicht gegen das Frauengeschlecht haben; so kann doch die Vortrefflichkeit dieser Maaßregel und ihr moralischer Werth etwa nur von solchen in Abrede gestellt werden, denen eS auch iu der Kirche nicht sowohl nm des reinen, Gort gefälligen Gebetes, als anderer nicht sehr zu billigender Nebeuabsichlen wegen zu thun ist. Daß eine derartige Kirchenordnung auch für viele Ortschafren unserer Länder eine höchst empsehlenswerlhe Einrichtung wäre, glaube ich, wiro Niemand bezweifeln, der in der Kirche erscheint, um dort zu beten, uud nicht, nm durch den Unfug Anderer geärgert und in seiner Andacht gestört zu werden. Wenn man bei sonstigen Feierlichkeiten und Anlässen, wo man wünscht, daß geziemende Ordnung herrsche und allen Unordnungen vorgebcugi werde, gewisse bevollmächtigte Perftneu ausstellt; warum sollte dieß nach vorläufiger gründlicher Darstellung nicht auch in der Kirche möglich seyn? ..HlvwZsl?, Hz 7li(tt o.Z, >.MMn6 >fi'>il- ,i^„!,isi,tj^ 7ux izt), NtloL « li'rn<5 1'iu'ni tm«il.'t N»A m» lijsli > fsHni'MzMV dbjl Ä«'/,HL.» Kn'mer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PMMung. 7. Mai M- IN. 1854. Dieses Blatt erscheint reg^lmäßi^ alle Oonntaae» Der hulbjährige Ab»anemen^vrki« kr.» wofür e« durch all« köutstl. baver. PaASmter «»d .»ll« B«chhandl««fle« bezoqeu werden ln»n Zur Kirchengeschichte Bosniens. In der alten Zeit war Bosnien von den Römern beherrscht; nach dem Untergange dieses ungeheuren Weltreiches aber verwalteten Bosnien eigene Ksni (von 940 n. Eh.), später (vom I, 1376) Könige auS bosnischem Geblüte; als aber innere Zwietracht und die Geißel der Unruhen das Königreich zerfleischten, verfiel eS, und zwar zur Zeit seines blühendsten Zustandes (1463) unter die Herrschaft des ottomanischen Reiches, unter der eS sich noch heute befindet, die endliche Lösung seines Schicksals mit Sehnsucht erwartend. Nachdem Mohamed II. theils durch List, theils durch Verrätherei eines Mani- chäerS Namens Radak und durch Unentschlossenheit der aristokratischen Partei Bosnien erobert halte, sann er darauf, wie er das Land am leichtesten erhalten und mit dem übrigen Reiche inniger verschmelzen könne. Trotz seines Versprechens ließ er Stephan, den letzten bosnischen König, dessen Oheim Radivoj, Radosaw Pavlovic, den verruchten Verräther Radak sammt mehreren ihm gefährlich scheinenden Häuptlingen ent- haupicn. Die eroberten Festungen besetzte er mit griechischen und serbischen Renegaten; die besten Kräfte Bosniens, bestehend auS 30,000 auserlesenen Jünglingen, nahm er mit sich und bi.dete daraus daS Janitscharen-CorpS; gegen 200,000 sowohl männlicher als weiblicher Sclaven führte daS feindliche Heer mit sich und verkaufte sie in Kleinasien; die aber in der Flucht ihre Rettung finden konnten (besonders Katholiken), flohen nach Dobrovnjk (Ragusa), nach Dalmatien, auf daS adriatische Küstenland und nach Ungarn. Diese Flucht machte Mohamed nicht wenig Sorge auö Furcht vor der Verödung des Landes (vicls 2kingh i poveswiea liosne); deßhalb berief er eine Versammlung seiner Paschas und Vesire, um sie in dieser Verlegenheit zn Rathe zu ziehen. Zur selben Zeit erschien der selige Fra Angclus Zvizdovic, gekräftigt vom Geiste deS Herrn, furchtlos, erfüllt und ausgerüstet mit Eifer für die Kirche Golieö vor dem stegreichen Sultan, inständig bittend für die Freiheit der Kirche und seiner Glaubensbrüder. Mit trotziger Miene und zermalmendem Blicke sah der stolze Herrscher auf den demüthigen FranciScanermönch herab und donnerte ihm zu: „Bist du derjenige, der die Christen verleitet, auS meinen Gränzen und Landen zu fliehen?" Worauf jener erwiderte: „Ich binS." „Warum — fuhr heftig der Sultan fort — erdreistest du dich, dieß zu thun?" „Auf die Worte unsers heiligsten Erlösers bauend: Rolite eoßitgre eto." — gab der sanftmülhige und zugleich entschlossene und kühne Priester zur Antwort: „Dieß deßwegen, daß sie nicht an ihrem Glauben, zu dem sie sich von nicht geraumer Zeit her bekennen, Schiffbruch leiden," Diese freimüthige Rede reizte den Zorn des Großherrn, welcher ihn von sich stieß und in den Kerker abführen ließ. Fra AngeluS verharrte daselbst, während Mohamed Divan hielt, und ferner die ganze Nacht im Gebete für sich und seine Glaubenöbrüver in der sichern Ueber- 146 zeugung, mit dem ersten Strahle der aufgehenden Sonne werde seine irdische Laufbahn sich enden. Allein wie mit einem Schlage änderte sich sein Geschick, denn im Divan ward der Beschluß gefaßt, welcher beiläufig derart lautete: „Der du der Beherrscher aller Kaiser und Könige, der Sohn deS Propheten deS allerhöchsten GotteS, allmächtig regierend zu Wasser und zu Land, unüberwindlicher Kaiser aller Kaiser bist u. s. w. — was für Vortheil bringt es dir, da du dein Reich von Osten nach Westen erweiterst, wenn dn keine Unterthanen, keine Knechte und Sclaven zählest, die deiner Herrlichkeit dienen nnd selbe Tag und Nacht preisen? — deßwegen verleihe deinem unterworfenen Volke die Glaubensfreiheit!" . . . Auf diese Vorstellung wnrde Moha- med erweicht, ließ Fra AngeluS aus dem dunklen Gefängnisse befreien nnd vor sich führe», empfing ihn sogar mit liebreicher Miene, erbarmte sich seiner und sprach: „Der Friede sey mit Dir! weder du noch deine Ordensbrüder, noch Jemand deiner Glaubensgenossen sollen nach meinem Willen wo anderöhin fliehen; denn alles, was zum Gebrauche eurer Religionsgebräuche gehört, soll euch erlaubt und gesichert seyn; und dieß nur euch, so zwar, daß euch bei Verlust des Lebens Niemand anzutasten wage." Zur Bestätigung seiner Versicherung gab ihm der Großherr ein Privilegium unter dem Namen „.-^t-nakmv" (dessen Original im Konvente zu Foinica sorgfältig aufbewahrt wird) und hierauf beschwor dasselbe der Sultan, seine Hand anf den Koran legend unter Anrufung des allmächtigen Schöpfers Himmels unv der Erde, seines Propheten sammt 134,(190 Propheten nnd endlich auf sein Schwert, das er umgürtete u. s. w." (Dieß ist zu lesen in erwähnter ^t-rmlime, welche mit eigener NamenSfertig'.mg Mohameds bekräftigt geschrieben ist im Jahre 1463 am 28. N. zu Milo-Drazevv). Hiermit begann der erste Anfang der Duldung, deren sich, außer den Katholiken, andere Glaubensgenossen in Bosnien nicht erfreuen (Mrini p. 25 seiy.). — AuS dem Gesagten läßt sich schließen, daß eine bedeutende Zahl Katholiken zur Zeit der Eroberung in Bosnien lebte; denn die Söhne deS heiligen Franz von Assis, deren OrdenSvorsteher erwähnter Fra AngelnS Zvizdovic gewesen, hatten schon eine Custodie, weil schon im 25sten Jahre nach der Stiftung des Ordens die Franciscaner- Brüder »ach Bosnien gekommen waren, und schon im Kapitel zu Nacbo im I. 126(1, gehalten vom heiligen Bonaventura, diese Custodie unter dem Namen Viesria Kosnise vorkam und im I. 1340 als solche vom damaligen Generalminister deS ganzen Ordens Namens Gerard Odo vergrößert und neu gestaltet wurde. Auch ist zn ersehen, daß die bosnischen Franciscaner mehr Wvhnnngen und Klöster zur Zeit deS Einbruches der Türken in Bosnien hatten, als eS die Meinung einiger Geschichtsschreiber ist, wenn auch ihre Zahl nicht genau bestimmt werden kann; aber mit Gewißheit läßt sich behaupten, daß sowohl zur Zeit der Unterjochung, als unter der Tyrannei der Türken mehr als 28 Klöster bestanden, deren Ruinen und Trümmer noch heute vorfindig sind, woraus hervorgeht, daß dieselben nicht nach, sondern vor dem Einfalle der Muselmänner müssen erbaut worden seyn. Die Christen flohen zur Zeit, da diefe Halle» des Friedens von der fanatischen Wnth der Feinde theils verbrannt, theils dem Boden gleich gemacht wurden, mit ihren Priestern in die benachbarten Reiche. Es ist ferner durch historische Daten erwiesen, daß seit Einpflanzung deS katholischen Cultus in Bosnien bloß die ausharrenden und geduldigen Brüder deS FranciscanerordenS den wahren Glauben aufrecht erhalten uud selben ausschließlich nur sie unter allseitigen Verfolgungen unv Neckereien durch 60(1 Jahre bewahrt haben. Wäre es daher unbillig zu erachten, daß man diese ausdauernden Väter auch fernerhin für diesen heiligen Beruf in ihrem Bestehen erhalte? Wäre es billig und christlich gebandelt oder gedacht, daß man diese dnrch ihr Alter nnd ihre stets thätige Wirksamkeit rühmliche Provinz zu einer Zeit, wo die erquickenden Strahlen der Freiheit die Nebel der Bedrückung und deS rohe» Despotismus durchzubrechen scheinen, vernichte uud zu einer einfachen Mission, wie es im Sinne einiger lieblosen Männer der letzten Jahre lag, Herabdrücke und ohne Schuld schonungslos strafe? Diese Provinz Bosniens war in ihrer Entstehung eine Custodie, dann eine Vicarie, bis sie von dem ältesten Kloster zu Argentin den Namen provinvm Losvss 147 ^rZentmge erhielt, welchen sie noch hent zu Tage führt. Bald erweiterte sich dieselbe über Ungar», Slavonien, Kroatien, Siebenbürgen, die Walachei und Bulgarien, so daß sie vom adriatischen Meere bis an die Karpathen und an die Gränze der Tatarei, ja sogar bis an den Rhein sich erstreckte. Vor Zeiten war sie in sieben Eustodien getheilt, und bald gingen wieder aus derselben Tochter-Provinzen hervor, wovon Erwähnung geschieht bei (üvri2gg->, Iiist. drei, pdgrl.it ^11. «scr, vt l^nit.. Oeevsc, Zuletzt trennten sich die in Ungarn und Slavonien gelegeneu Klöster wegen gehinderter Communicatiou von Bosnien (1757) und bildeten die neue Provinz deS heiligen Johann von Kapistra»; Bosnien blieb mit drei Conventen und sechs Residenzen auf sich beschränkt, behielt ihr Siegel und die Benennung 1!»sn» ^rgentiim. Die bosnische Provinz erfreute sich aber nicht nur einer so weiten AuSdcbnung, sondern führte auch selbst mehrere Klöster auf, von denen noch heute viele iu Slavonien übrig sind, als: Brood, Vclika, Diakovo (welches letztere zum bischöflichen Seminar verwendet ist); sämmtliche angeführte Klöster wurveu nach Vertreibung der Ordensväter auS Modrice, nach Zerstörung deS Klosters St, EliaS durch die Türke», erbaut; ferner GraviSka (jetzt das GanusonSlocal), wohin die boöuischeu Brüder von Vissoko sich begaben; Radna, wohin sie flohen von Gradovar oder Grado-verh; Sinj, wohin sie flüchteten aus Rama u. s, w. (I5pi. Ovev. ^»t, ?rc>v. Lspist, Lsev»ri.-Korini). Diese an Klöstern und Ausdehnung cbcmalS so reiche Mutter- Provinz, woraus so viele andere hervorgingen, sah sich endlich nur auf drei Klo'ster- lcin mit sechs Residenzen, welche dem Fanatismus uud dem einzigen Schutze Gottes preisgegeben sind, angewiesen. Sehr viel litt Bosnien durch die Verminderung der kaihvlischen Einwohner bei Gelegenheit veS Durchzuges Eugens von Savvyen durch BoSuic» im Jahre 1697, wobei sich eine große Menge seinem Heere anschloß, ins Banat »ach Ungar» ging und sich daselbst ansiedelte, so daß selbst ganze Ortschaften noch heule ihre jetzigen Eu.wohucr bis da hinauf leiieu, wie Ladimerowce bei Effegg, Füufkircheu, SikloS und Radna in Ungarn, (Fortsetzung folgt.) Zustände der Katholiken in Schweden. IV. Blicken wir einmal in das Innere des katholische» Waisen- und Pfarrhauses in Stockholm. Wenn wir an der unansehnlichen Thüre anläute», tritt unS ein bejahrter Mann entgegen, a» dessen schlechter schwedischer Sprache man sogleich einen Ausländer erkennt; wir sprechen ihn in einer andern Zunge a», er gibt Antwort im Deutscheu, Französische» uud Böhmischen, aber der Art verdorben, daß man alsogleich ein Individuum vor sich sieht, welches, dem Spielballe gleich, ohne sein Wünschen und Wollen in der W^lt herumgeworfen wurde. Ein gebvrner Mährer, kam er frühzeiiig iu Militärdienste, gerieth im Feldzuge v>,n 1812 i» frauzösischc Gefangenschaft, entkam derselben und nach mannigfachen Irrfahrten gelangte er »nch Stockholm; hier wurde er Pförtner im katholischen Waisen- und Pfarrhause, und zugleich Begleittr der Waisenknaben bei ihren AnSgängen. Diese Auögäuge nennt er sein Fegefeuer und betrachtet sie als Strafe für seine begangene» Sünde», Es ist aber auch in der Thal ein Fegefeuer ein solcher Ausgang! Den alte» Mann öffentlich zu insultireu, die Kinder zn schimpfen, sie mit Steinen zu be- werfen, selbst Blasphemien gegen die katholische Kirche auSzu- stvßcn; das sind die gewöhnlichen Begleiter eines solchen AnSgangS, uud das alles in dem nordische» Paris, wie die Schweden so gerne ihre Hauptstadt nennen! — Ja, waS sagt denn die civilistrte Welt zum folgenden Factum: Ein von einer Großmacht accredilirter und der schwedischen Regierung anempfohlener katholischer Reisende ging eineS TageS in Stockholm über eine Brücke, als er einen gut gekleideten Mann mit geballte» Fäusten auf sich losstürzen sieht, und sich mit 148 den Worten „verdammter Katholik" begrüßen hört; nur daS Aureden einiger dem Wüthenden nacheilender Männer haben den Reisenden vor thatsächlicher Mißhandlung aerettet. Aehnlicke christliche Worte werden nur zu häufig dem katholischen Pfarrer Bernard und seinem Caplcm Huber zugerufen. Bernard ist ein Elsasser, auS der Slraßburger Diöcese, ein Maun, welcher mit französischem Feuer deutsche Thatkraft zu verbinden weiß. Wohl bewandert in der lutherischen Jnconsequenz, besitzt er Ruhe genug, um oft mit sarkastischem Witze seine Angreifer zu beschämen, Pastor Ekdahl, der öffentliche Süudcnbock der Katholikeuverfolger, fürchtet ihn am meisten, und da Bernard die schwedische Anklagebank und den GerichtSsaal eben so gut kennt wie seinen Predigistuhl und seine Kirche, so waren die Denuncianten und bezahlten oder ciusgehehtcn Ankläger bis jetzt nicht im Stande, den Herrn Pfarrer mit einer andern, oder höchstens mit einer Geldstrafe zu beehren Vor nicht langer Zeit saß Pfarrer Vernarb wieder auf seiner Ehrcnbank, wie er die Anklagebank nennt; er braucht, weil im constitutionellen Schweden, einige Geschworene; er bat mehrere achtbare und als Kaiholikenfreunde bekannte schwedische Bürger, ihm diesen Liebesdienst zu leisten; der eine entschuldigte sich ganz nach der reinen Lehre deS Evangeliums, der andere reiste ab, und Bernard mußte ansäßige Katholiken wählen — so terrorisirt ist die öffentliche Stimmung! Kanm waren aber die Namen der katholischen Bürger als Geschworene bekannt, schon predigte die radikale Zeitung „Volkesstimme" in ihrer lutherischen Weisheit, „der Eid eines Katholiken ist kein Eid, denn sein Pfarrer könne ihn desselben entbinden." Ja, man mied sogar die Häuser dieser Katholiken, und da sie Geschäftsmänner sind, fühlten sie auch empfindlich ihr öffentlich abgelegt^ Bekenntniß. Caplcm Huber ist ein geborner Bayer, die verkörperte Sanstmuth und geistliche Aufopferung; obwohl physisch schwach, stärkt ihn die göttliche Gnade dermaßen in seinem Berufe, daß er nebst seinem Schulunterrichte, der den gauzeu Tag in Anspruch nimmt, noch jeden zweiten Sonntag die Predigt in schwedischer Sprache hält. Rührend ist jene Sorgfalt für seine Kinder, die er unablässig vorbereitet auf den Slunn, der sie erreichen muß, wenn sie der schützenden Umfriedung einmal entwachsen. ,,WaS wird ans meinen Kindern werden", hört man ihn oft ausrufen. Und wirklich — trüb, äußerst trübe ist die Zukunft eines solchen katholischen Waisenknaben, der lutherische Meister scheut sich einen solchen in die Lehre zn nehmen; in irgend ein Bureau oder in das Heer einzutreten wehrt ihm daS Gesetz; einen Handel anfangen kann er nicht, denn er ist arm; sich den höhern Studien widmen darf er ja nicht, auch fehlen ihm hiezu die Mittel — also, da er nicht Zeitlebens im Waisenhause bleiben kann, muß er auswandern, und in der Fremde sein Brov suchen — eine traurige Aussicht, die dem heranwachsenden katholischen Jüngling nicht unbekannt ist, so wie auch, daß eS von seiner Seite nur einen Gang zum Pastor Ekdahl kostet, um die trübe Aussicht in eine hoffnungsreiche Gegenwart verwandelt zu sehen. Und vollends die Mädchen! was soll aus diesen werdeu? Diese erhalten den Unterricht und die Anweisung in weiblichen Arbeiten von Madame Boyer, einer schon ältlichen Französin, die bei einer umfassenden Bildung jene diplomatische Flexibilität besitzt, welche eö ihr allein ermöglicht, die anStretenden Mädchen bei katholischen Familien dcö J>^ und Auslandes, namentlich iu Belgien, unterzubringen. Die wenigsten finden eine bleibende Stätte in Schweden, denn wie sie wissen, daß eine gemischte Che nur unter Bedingungen, welche die Schweden nie eingehen, von der katholischen Kirche gebilligt werde, so gehören solche Ehen zn den größten Seltenheiten. Freilich kann auf diese Weise die Anzahl der Katholiken in Schweden nicht steigen; sie kann sich nur durch Rücktritte zur Kirche mehr heben; welches Loos aber den Konvertiten bevorsteht, baben wir schon gezeigt. Wann wird auch hier die Morgenröthe heranbrechen? In Afrika kaull mau Heidenkiuder, um sie katholisch erziehen zu lassen, und in Schweden muß mau katholisch erzogene Kinder auswandern lassen, damit sie sich vielleicht bei deutschen Heiden verkaufe»!! 149 Ein bekehrter Züchtling. Vor Kurzem erschienen im Buchhandel (Münster, Theisfing, 1853) zwei Theile: „Zuchthausgeschichten von einem ehemaligen Züchtling", mit einem Porworte von l)r, Albcm Stolz Ohne in den Inhalt näher einzugehen, möge hier in einem gedrängten Auszuge die Lebensgeschichte des Verfassers derselben Platz finden, denn sie ist lehrreich. I. M, Hagele (so heißt er) war Privatlehrer. Im Jahre 1843 studierte er an der katholischen Hochschule zu Freiburg und 1846 zu Heidelberg, um sich auf daS Lehrsach vorzubereiten. Als die revolutionäre Bewegung im Jahre 1348 begann, nahm er innig und verzweifelnd daran Theil, schwärmte für eine deutsche Föderativ- Republik, machte den badischen Freischaarenzug mit, und wurde, da dieser fehlschlug, politischer Flüchtling. Obwohl im October desselben Jahres amnestirr, bctheiligte er sich zum zweiten Male an der Revolution, indem er beim Maiausstande 18^9 mitwirkte. Bei Ankunft der preußischen Truppen verhaftet lebte er sieben Monate als Kriegsgefangener, bis er von dem ordentlichen Gerichte auf acht Jahre Zuchthaus verurthcilt wurde. In das Zellengefängniß nach Bruchsal versetzt, blieb er daselbst bis April 1852, wo ?r von dem verstorbenen Großherzog Leopold auf seine dritte Bittschrift begnadigt wurde. Mit seiner äußeren Geschichte steht seine innere im engsten Zusammenhange. AIS Katholik geboren, verlor er schon in seinen JünglingSjahren seinen Glauben an Christus, den Gottessohn. „Ich glaube, (so gesteht er) während meiner ganzen Studienzeit kaum Einmal recht vorbereitet zur Beicht und würdig zum Tisch deS Herrn gegangen zu seyn." Trotz seines Unglaubens wir er ernstlich gesonnen, ein Diener der Kirche zu werden. „Ich entschied mich (sagt er) für gar kein bestimmtes Fach, und studirte, als ob ich Rothschilds leiblicher Sohn wäre, während ich wochenlang keinen Knopf in der Tasche trug, hörte philosophische, juristische, philologische und theologische Vorlesungen." In letzteren gefielen ihm die Ketzer am meisten; allein den großen Reformator Rouge, den er mit hohen Erwartungen beim Concil „am Säubach" (in der Nähe von Konstanz) sah und hörte, fand er sehr unbedeutend, ja dessen Heuchelei brachte ihn zur entschiedenen Opposition gegen den DeutschkatholiciS- muS. „Ich blieb Katholik dem Namen nach, wurde geistig immer mehr zum Heiden. Ich war geboruer Katholik und kannte Christum nicht; ein persönlicher Gott war für mich zum großen Unbekannten geworden." — Die geschichtlichen Vorträge gelehrter und geistvoller Protestanten wirkten ties auf sein Gemüth und seinen Verstand ein, uud während der Revolution wurde er durch Thatsachen an die Existenz eines persönlichen GoticS gemahnt. Die u.noen Fragen der Kinder, welche ihm zum Unterrichte anvertraut waren, machten ihn nachdeuklich, und alö er mit diesen einst dem mitte» nächtlichen GottcSdic^i'!^ zu Weihnachten beiwohnte, fühlte er sich nach langen Jahren zum ersten Mal zum Gebete hiugcrisseu. In der Kriegsgefangenschaft mahnte ihn der Tod seines standrechtlich erschossenen Jugendfreundes fortwährend an daS Jenseits und an das Elend dieser Erde. „Gott bestrafte (so erzählt er selbst) den Hochmuth der Revolution im Großen, an mir im Kleinen. Acht Jahre Festung würden mich bei weitem nicht so erschüttert haben, wie acht Jahre ZuchthauS; die Richter trafen damit meinen Stolz noch weit mehr als meine Schuld. Im einsamen Vorarreslc glaube ich die GeburiSwehen eines neuen Menschen in mir durchgemacht zu haben, und habe ich in meinem Leben jemals im Gefühle meiner Ohnmacht um GotteS Schutz und Erleuchtung von Oben inbrünstig gefleht, so geschah eS damals. Die Zuchthausstrafe war die Pf,rd.kur, welche der erbarmende Gott bei mir anwenden mußte, wenn ich nicht zeitlich und ewig verloren gehen sollte. Ohne die Revolution wäre ich vielleicht nie zur Religion gekommen." — Die vielen Geschichten der Zuchthäusler überzeugten ihn, daß der Mangel an positivem Christenthum Hie erste Quelle deS Unglückes aller Menschen sey. Vom Nützlichkeiispn'ncip der Zcit iirch immer durchdrungen erschien ihm das Christenthum als die wahre NützlichkeitSreligion, und den Katholicismus als 1S0 vollendetste Form deS Christenthums längst betrachtend, fand er in der Befolgung der Lehren desselben auch das Geheimniß des zeitlichen Glückes, die einfachste und großartigste Lösung der socialen Ausgabe. Nebst den Erzählungen gemeiner und politischer Perbrecher machten ihn auch das Lesen guter Bücher und die Unterredung mit Geistlichen immer mehr nachdenklich. „Gott schien mich an den Haaren zu sich reißen zu wollen, im Zuchtbausc mußte ich gezwungen den guttcSdienstlichen Uebungen fleißig anwohnen." — Doch vollendete sich die Bekehrung erst in der einsamen Zelle zu Bruchsal. „Die Einsamkeit (so schildert er sie selbst) hielt eindringliche furchlbare Reden an mich, der alte Mensch fing mit dem neuen in mir immer ärgere Hände! an; ich dachte unter TagS und in der Nacht an mich, suchte die Räthsel meines Schicksals zu lösen, und wurde täglich mehr überzeugt, welcher Bursch ich eigentlich bisher gewesen, und wie wenig eS mein eigenes Verdienst sey, niemals eine an sich entehrende That begangen zu haben. In einem Hausgcistlichen lernte ich einen sehr gebildeten Mann kennen, der vor meinem Bücherkram keineswegs verstummte, und in ihm gleichzeitig einen Christen, wie ich bisher noch keinen kennen gelernt hatt-e. Immer lebhafter erwachte in mir das Bedürfniß eines positiven Verhältnisses zu Gott, die Sehnsucht nach Wahrheit, erleuchtender und beseligender Wahrheit. Vom leiblichen Schmerz gefoltert hinkte ich an einem Krückenstock elendiglich und von den Menschen verlassen im Zuchthause herum. Wiederum las ich katholische Bücher, und ich sah ein, daß Christus der Mittelpunkt und Wendepunct der natürlichen und übernatürlichen Welt, des Dießsciis uud Jenseits sey. Eine neue Eroe, eine mue Geschichte der Menschheit, ein neuer Himmel eröffnete sich mir in emer kleinen Zelle deS neuen MänuerzuchthauseS zu Bruchsal." So endet die lehrreiche Selbstbiographie deS ehemaligen Züchtlings. Der Bekehrte scheute sich nicht, seine Fehler und Schwachen vor dem großen Publicum zn gestehen, und eS leitete iyn dabei die redliche Absicht, das Christenthum, das er so tnnge verrannt, in seinen Mitmenschen zn fördern. Seine Geschichte zeigt im Kleinen die großen Schäden uud Wunden der gesellschaftlichen Zustände unserer Zeit, nnd die wunderwirkcndc Kraft des heiligen katholischen Glaubens. Ja wahrlich- „Langsam und allmälig wächst der Mensch im Guten, rascher und reicher im Bösen." Rom. Rom, 2. April. Wie bekannt, gibt eS nicht bloß in Reui selbst, sondern auch in der Umgegend gar manches ehrwürdige Denkmal der christlichen Vorzeit, und viele dmch merkwürdige Ereignisse geheiligte Orie. Nichts ist aber erfreulicher, als unter den Denkmalen, die unö den lebendigen Glauben der Vergangenheit bezeugen, von Zeit zu Zeit sich neue, die das Forllel'en dieses selben Glaubens bekunden, erheben zu sehen. Eben jetzt, da die Umstände der Zeit solchen Unternebmungen'am wenigsten günstig zu seyn scheinen, hat dennoch die Gründung eines solchen Heilig- lhumes auf eine Weise begonnen, über welche einige nähere Nachrichten nicht unwillkommen seyn möchten. In dem Zweige dec Appeninen, der sich zwischen den uralten Städten Tivoli und Paläftrina hinzieht, ragt die Bolturella über alle anderen Bcrge hervor. Man überschaut von der Spitze aus nicht blos die Ebene, in der Rom gelegen ist, sondern auch das Gebiet der Samniter, Sabincr, Abruzzen, das ganze alte Latium nnd die Fläche des lyrrhenischen MeereS. Armes Hirtenvolk bewohnt den fast kahlen Rücken dieses Berges, wenige Felder mit großer Anstrengung bebauend, und ihre Hcerden an den steilen Abhängen weidend. Auf der Höhe, etwa eine kleine halbe Stunde unter dem Gipfel, steht eine vom heiligen Sylvester erbante Kirche, und auf der Spitze deS Felsens, der sich über dieser Kirche erhebt, eine kleine Capelle, die dem heiligen EustachinS geweiht ist. Denn eS war an 'dieser Stelle, wo dem heiligen EustachinS der Hirsch mit dem Kreuze zwischen den 1SI Hörnern erschien. Am Fuße des jähen Felsen zeigt man die Höhle, in welche sich der heilige Benedict zurückzog, als er, auS Rom entfliehend, das Einsiedlerleben begann. Denn erst etwas später begab er sich von hier in die berühmte Grotte bei Subiaco, wo er drei Jahre verborgen blieb, und dann die ersten Klöster seines Ordens baute. In einem kleinen Dorfe, nicht weil von jener Capelle deS heiligen EustachiuS gelegen, befindet sich ein Bild der schmerzhaften Mutter, das in der jüngsten Zeit Gegenstand ganz besonderer Verehrung geworden ist. Nicht blos die armen Bergbewohner, sondern viele in der Umgegend wohnende Gläubige, welche sich jener Andacht empfahlen, oder sie auch veranlaßten, während mehrere Tage besondere Gebete zu Ehren der Mutter des Herrn zu verrichten, erhielten von Gott die Gnaden, die sie begehrten, und nicht selten auf eine Weise, die an'S Wunderbare gränzte. Indem sich also die Andacht zur schmerzhaften Mutter immer vermehrte, regle sich in den Bewohnern jenes Dorfes der Wunsch, eine Kirche zu erbauen, in welcher sowohl sie selbst, als auch fromme Pilger ihre Andacht verrichten könnten. Das Dörflein hat zwar eine Kirche, aber eine solche, die kaum diesen Namen verdient. Indeß eine neue zu erbauen war ein gar kühner Gedanke. Um den Boden für den Bau zu gewinnen, mußten die starren Felsen, zwischen denen die Hütten der armen Landleute gebaut sind, der Erde gleichgemacht werben, nnd mit welchen Kosten müßte dann erst die Ausführung des Gebäudes auf dieser Höhe, wohin keine Straße, sondern nur enge Pfade führen, verbunden seyn! Ein Priester, der sich von Zeit zu Zeit aus Rom in jene Berggegend begibt, ermunterte nichts desto weniger die gute» Leute, Hand an's Werk zn legen. Er suchte und fand wenigstens so viel Unterstützung, daß jene, die an der Abtragung der Felsen arbeiteten, für die Zeit, die sie ihren sonstigen Beschäftigungen entzogen, schadlos gehalten wurden. Nun entstand aber, wie die Arbeit sorlschrilt, der Gedanke, nicht sowohl eine kleine Psarrkirche zn banen, als vielmehr einen Wallfahrtsort, an dem das Leiden deS Herrn und seiner Mutter verehrt würde, zu gründen. Zu dem Ende sollte nicht nur die Kirche geräumiger, sondern auch ein an dem Berge sich hinziehender Kreuzweg mit den vierzehn Stationen angelegt werden. Diese Unternehmung ist nun freilich bis jetzt nur ein Plan, der aber so große Theilnahme gefunden hat, daß man an feiner Ausführung keiuesweges verzweifelt. Es ist eiu erhebender Gebanke, in der Nähe der Hauptstadt der Christenheit ein Denkmal der Geheimnisse des Leidens, durch das die Welt erlöst wurde, und an einem One zu besitzen, der schon in mehrfacher Hinsicht den Christ- glänbigen ehrwürdig ist. Die armen Bergleute haben ihre Arbeit vollendet, und mit unsäglicher Anstrengung die Felsen geebnet. Es sind — noch ehe Ausforderungen ergingen — ziemlich bedeutende Summen geschenkt, und vermittelst derselben die zum Bau nöthigen Materialien zum Theile schon angeschafft worden. Der heilige Vater begünstigt das Unternehmen, und der verehrte Cardinal Fransoni hat sich an die Spitze desselben gestellt. Man wird nun eine allgemeine Collecte, auch außerhalb Italiens, anstellen: möge Gott das begonnene Werk durch seinen Segen fördern! (Münst. Sbl.) Die katholische Kirche auf den Tandwichinseln. Münster. In den letzten Tagen des März besuchte uns ein Mitglied der Picpus-Cvngregation, Bernhard Hermann Köckemann, um von seinen Eltern in Ostbevern Abschied zu nehmen und dann als Missionär nach den Sandwichinseln sich zu begeben. ES ist höchst erfreulich, daß die Deutschen wieder anfangen, eö thatsächlich zu widerlegen, als seyen sie nicht sür die auswärtigen Missionen geeignet. Hat doch Deutschland in früheren Jahrhunderten ausgezeichnete Missionäre geliefert, warum sollte es jetzt die Fähigkeit dazu verloren haben? Gort geleite den jungen Missionär auf seiner Reise, die bei der ungeheuren Entfernung nach seiner Aussage wohl über ein halbes Jahr dauern wird! — Wir fügen einige Worte über 152 die Sandwich,'ii sein hinzu. Schon im Jahre 1826 reisten die ersten Missionäre zu den Sandwickinseln ab; mußten jedoch wegen der von den methodistischen Missionären (diese haben schon seit fünfzig Jahre» dort festen Fuß gefaßt) ausgehenden Verfolgungen bald zurückkehren. Indeß durch Geduld und Ausdauer bei unzähligen Ränken und Gewaltthätigkeiten ist es ihnen im Jahre 1838 gelungen, diese Mission als apostolisches Vicariat regelmäßig zu organisiren. Die Missionäre haben bereits mehrere größere Kirchen und viele Capcllen erbaut, Schulen errichtet und besitzen sogar ein Pensionat von dreißig Schülern in der Hauptstadt Honolulu. DaS ganze Vicariat besteht ans sieben bewohnten Inseln. Die Einwohnerzahl beträgt ungefähr 86,000 bis 90,000, von denen 22,000 Katholiken, 22,000 Protestanten, die übrigen noch Heiden sind. Die Religion ist frei nach den LandeSgcsetze», welche sogar den alten Aberglauben verbieten. Indeß wird das Heideuchum heimlich noch begünstigt durch die inländischen Häuptlinge und die katholische Religion von dem Ministerium, wclckeS großenlheils aus Protestanten zusammengesetzt ist, unter der Hand verfolgt; vorzüglich in Betreff der Schulen, indem die katholischen Lehrer nur mit der größten Schwierigkeit zu einer Anstellung gelangen, in der Besoldung sast ganz vernachläßigt werden und noch unablässig zum Abfalle gereizt werden. Deßungeachtet sind die Minister unverschämt genug, die ganze Schuld den Häuptlingen aufzubürden, welche im Grunde nur ihre Werkzeuge sind. Aber die Hand Gottes wird dadurch nur um so sichtbarer. Denn irotz aller Hindernisse macht der Katholicismus sehr bedeutende Fortschritte. Im Jahre 1851 zählte man 1700 Taufe», und nach den letzten Berichten neigt sich die ganze Bevölkerung dem katholischen Glauben zu, weil sie in der letzten Zeit bei Gelegenheit einer verheerenden Seuche die aufopfernde Nächstenliebe der katholischen Missionäre in ihrer ganzen Größe erkannte. u v n. London, 21. April. Der hochwürdige Episkopat von England hat an den hochwürdigsten Erzbischof von Freiburg eine Collectivadrcsse gerichtet, worin eS heißt: „Gott hat Ihnen einen harten Kampf gegeben, damit Sie cineS Tages siegreich seyen, auf daß die Feinde der Kirche erfahren, daß sie trotz aller ihrer Gewandtheit und Gewalt nur unmächtig sind der Weisheit gegenüber, welche die Vertheidiger derselben mit Sanftmuth, Langmuth und Geduld bewaffnet. Mit diesen Waffen haben Sie, ehrwürdiger Bruder, muthvoll gckämpft, durch sie haben Sie die Sache GotteS und seiner Kirche so gut erhöhet. Welchen Trost, welche Ermuthigung und Freude finden wir nicht in dieser unerschütterlichen Treue eines unerschrockenen Kämpfers, der schon lange im Feldlager der Kirche ergraut ist, dessen herrliche Beispiele uns an die erinnern, welche wir vom heiligen Anselm und vom heiligen Thomas empfangen haben? Alle beiden haben, durch ihre Geduld und der zweite durch seinen Tod, einen so glänzende» Sieg über Feinde davongetragen, welche gerüstet waren, die Kirche mit Allem, was im Bereiche der menschlichen Macht liegt, zu verfolgen, Sie, ehrwürdiger und hochgeliebter Bruder, Sie, in dem das hohe Alter den Muth und die Gluth der Jugend nicht gestört hat, Sie, der sie immer bereit, für Gott und seine Kirche zu sterben, sich nicht durch Drohungen und Bande einschüchtern lassen, Sie haben bereits gesiegt." Beravtwortlicher Redacteur: L. Schönchen Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur > Augsburger Pojheitung. 14. Mai 2V. 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«prei« TV K., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. DaS Armenwesen vom katholischen Standpuncte betrachtet. Zweiter Artikel. 1. Die Kirche sey frei. Nur dann wird die Noth sich beseitigen lassen, wenn sich der LebenSbaum ungehindert entfaltet, unter dessen Schalten auch der Arme und Verlassene, der Bedrückte und Schwache sich flüchten und Erquickung finden kann. Ein Staat, der eifersüchtig die Kirche knechtet, unterbindet das Leben, das auf einen großen Theil seiner Einwohner übergehen sollte. Alle Plane deS Staates, ohne dieses erste und oberste Prstulat einzugehen, sind ein Tropsen Süßwasser im bitteren Meere dieses Lebens. Von den Frühlingstagen der Kirche an mit ihren nicht kurze Zeit fungirenden Diaconen, den Armen- und Krankenhäusern zu ChrysostomuS' Zeiten bis herauf „zum Armen Christi" (il poverello del Llnisto), der die Armuth selbst nach des größten Dichters Ausdruck „als die in der Well zurückgelassene verwittwete Braut deS großen Einen, des Goltmenschen, vor dem himmlischen Vater sich angetraut", und seinen Gleichgesinnten ist es ein großes Wort, welches die Armen hörten und fühlten: „In der Kirche ist Heil." Institute, hervorgerufen von Theresia von Jesu und Johannes vom Kreuze, den Fiirbittern und Tröstern in allem Leiden der Welt, von JgnatiuS von Loyola, dem Lehrer gegen alles Uebel deS LeibeS und der Seele, von Johannes von Gott, dem Pfleger der Kranken und Irren, von CamilluS von Lellis, dem Beistande der Sterbenden, von Joseph Calasanctius, dem Lehrer der Verlassenen, von HieronymuS AemilianuS, dem Erzieher der Waisen, von Franz von Sales, dem Pfleger der Andacht, von Vincenz von Paula, dem Bekehrer der Irrgläubigen und Adwender alles Uebels dieser Welt, von Johannes de la Salle, dem Gründer der Schulbrüver, von Angela Merici, der Gründerin der Schulschwestern, von AlphonS von Liguori, dem Lehrer des Volkes u. A. m. könnten über die Wahrheit dieses Satzes Beweis seyn, so wie für die große Thatsache, daß Christus, die ewige Barmherzigkeit, mit demselben Charakter seine Kirche ausgerüstet und sie als das Asyl aller Hilfsbedürftigen der Welt gegeben hat. Von ihrem Blühen, welches von der Freiheit derselben wesentlich bedingt ist, hängt auch diese ihre Wirksamkeit ab, sie kann verkümmern, wenn von ihrem liebevollen Herzen ihre am Meisten gepflegten Kinder hinweggenommen oder Vorschriften gewaltsam aufgedrungen werden, die ihren Weg hemmen; over sie kann den Reichthum ihrer Schätze ungehindert entfalten, wenn ihr die von ihrem göttlichen Stifter verliehenen Rechte und Befugnisse unvcrkümmcrt belassen werden, und unter dem Schutze „deS weltlichen Armes" jede feindselige Störung ferne bleibt. Die Gewalt hat nicht nur allein das organische Leben der Kirche alterirt, sondern sie auch an Gütern dieser Welt arm gemacht; im Verbände damit ist nicht nur die Kirche in ein gehässiges Licht mit ihren besten Tendenzen gekommen, sondern der eigentliche Beruf für die Armenpflege auch negirt und dieser von ganz anderen Einflüssen abhängig gemacht 184 worden, als eö die Natur der Sache verlangt. Dadurch, daß die Kirche ihr Vermögen nicht mehr verwaltet, ist ihr ferner eines der wichtigsten Mittel zum Steuern der Noth entrissen, wie sie auch dieses im ungebundenen Zustande bethätigte.*) (Nvnss pimperuin, mensa 8. Spiritus.) Die Bischöfe, von schwer bindenden Vorschriften**) ausgehend, schufen um sich Anstalten, die, wie die Armen mit Christus, dem Haupte der Kirche verbrüdert sind, gemeinsamen Bestand und Titel mit der Kirche führten. ***) In der freien Kirche waltet ferner allein jene nachdrucksame Disciplin, welche die moralischen und ersten Quellen der Noth zu beseitigen im Stande ist. Denn wo statt deö seichten HumanitätSprincipeS gegen den sittlichen Versall eine heilige Strenge einschreitet, da wird Gott und Gesetz als Rächer gerufeu, und der Erfolg ist kein Hohn der Gesetze mehr. Erst unter einer strengen Zucht kann daS Herz zu Großthaten für Gott und den Nächsten erstarken, wie auch die Physiologie nachweist, daß an einer strengen Lebensweise Geist und Körper sich aufrichtet. Die Strenge der Kirchenzucht wandelte öffentliche Sünder in reuige Büßer und Heilige um. Könnte also die Kirche die ihr als eigene Corporation rechtlich zuständige Disciplin entfalten — in Bezug auf das Armenwesen wäre ein bedeutender Schritt zur Besserung gethan. Die freie Kirche sieht sich im Besitze des Rechtes auf die Erziehung, und eS ist ihr dann gegeben, nach Abwendung einer seichten und unchristlichen Bildung, dem Grunde alles Uebels, einen Zustand hervorzurufen, der Alles hoffen läßt. Ans diesem ihrem wesentlichen und unveräußerlichen Rechtes) folgern wir viel für unsere Beweisführung. Die Sache ist zu evident, als daß man noch längere Worte verlieren sollte. Unser jetziges Schulwesen, das weder kalt noch warm ist, mag eS das höhere oder das niedere betreffen, hat keine innere und dauerhafte Kraft zur Erreichung eines erfreulicheren Zustandes; denn wir sind der Ueberzeugung, daß da, wo das Princip verfehlt ist, kein günstiges Resultat erfolgen kann. Die freie Kirche hat endlich jenes Ansehen für sich, wodurch sie in den Stand gesetzt wird, die herrschenden Vorurtheile zu besiegen und namentlich als die natürliche Mutter der Armen zu erscheinen. Erst muß ein neuer Morgen angebrochen seyn, wenn man nach vorausgegangener Finsterniß die Wohlthat des Lichtes empfinden will. Einer Magd wird nichts Größeres zugedacht, als die ihr gerade zugemessene Arbeit. Dann, wenn der Reiche eben so Achtung vor der Kirche gewinnt, wie der Arme; dann, wenn man die göttliche Autorität der Kirche durch Gesetze und gesetzliches Verhalten öffentlich anerkannt und gefeiert sieht; dann, wenn die Vorstände der Kirche nicht mehr bloß als ebenbürtige Beamte, sondern als Stellvertreter GotteS und Spender der himmlischen Gnaden angesehen werden; dann, wenn auf das ganze Verhalten der Kirche wie auf das des erlösenden Gottessohnes hinübergesehen wird: kann, eine bessere Zukunft anbrechen. 2. ES gestatte und begünstige der Staat die freie christliche Association. Erst seitdem diese unterdrückt ist, ist die Armuth ein Krebsschaden der Staaten geworden, der mehr und mehr sie zu verderben droht. Mögen Vereine unter alten Regeln sich bilden, oder unter neuer Form austreten — sie müssen zugelassen werden. Es darf etwa der Zusammentritt Solcher, welche gemeinsam das Feld bebauen, ledig bleiben, ihreu Verdienst zu Wohlthaten verwenden, welche Vereine hie und da anf- tauchen und eben so zeitgemäß als segenreich sind, nicht mit argwöhnischen Augen angesehen oder gar unmöglich gemacht werden. Hiemit würde einem doppelten Uebel begegnet, dem Proletariate und der Furcht vor einbrechender Uebervölkerung. WaS man mit allen Planen noch nicht zu Stande gebracht, erwächst aus dem gläubigen Leben von selbst. Hierher ist zu rechnen die Vervielfältigung von religiösen Anstalten, ') Conc. Lvlon. IK62, 3, tZ. ") c, 1 v. 82. — e") t^spit. Ksrol. »I. ->. 793, e. 1. — Lone, '1'icin. 850. v. !ö. t) D,nkschrift des Episkopats d»v sbttrhein. Kirchenprovi'nz K t»> 155 welche zunächst zur Erziehung und zum Unterrichte bestimm! sind: Schulbrüder, Schulschwestern, barmherzige Bruder, barmherzige Schwestern müßten die größtmögliche Verbreitung erhalten. Jene vielen Verwahrlosten, die Alles besorgen und AlleS befürchten lassen, und irotz der Errichtung von Häusern noch nicht verwahrt sind; jene zwei Hanpinrsachcn der Verkommenheit, Unkenntniß der Mittel zur Begründung einer besseren Existenz und Flachheit des Glaubens, würden ohne viel Aufsehen und Nachdenken verschwinden. 3. Die bisherige Armenpflege muß durch eine bessere, sachgemäße ersetzt werden. Man Hai bereits gefühlt, daß diese nicht ausreicht, und dadurch Obsorge zu treffen gesucht, daß man ihr außerordentliche Mitglieder beigab, die persönlich um den Nothstand in geistiger und leiblicher Beziehung sich zu interessiren und Abhilfe zu beschaffen habe». Wenn die ganze Organisation dieser Pflegen fehlerhaft, so ist eS dieses Projekt nicht weniger. Wir wissen es aus eigener Anschauung, wie wenig mit allen diesen Anordnungen gethan ist, bei denen deS Gegensätzlichen so viel influirt, daß man gewöhnlich über den Anfang nicht hinauskommt. Der eigene Beruf, der auch abgewartet seyn will, die Apathie gegen Vieles, das solcherlei Lente nicht über« winden tonnen, und das nicht eher entdeckt wird, bis eS zu spät ist, die Bande der Verwandtschaft und Freundschaft, welche den Almosenier schon in das Parteigetriebe hinabziehen, oft das Unvermögen, auch beim besten Willen der sittlichen Noth die richtige Heilung entgegen zu setzen (denn mit einer matten und natürlichen Moral ist nichts gethan), endlich das Begnügen mit der tabellarischen Ausfertigung, so daß eS nur eine schreibselige Abhilfe mehr wird — das sind die Gebrechen, an denen diese Projene scheitern müssen. Hier ist es wieder allein die Kirche, die in sich die richtige Methode birgl. Es gehört zu Allem, so auch zur Armenpflege, nicht bloß eine allgemeine Befähigung, sondern ein besonderer Beruf; ohue diesen kein Heil. Den Beruf der Armenpflege hat nur die Kirche; ihre Vorsteher sind somit die gebor- nen Pfleger der Armen. Der Kirche überlasse man ihre Armen, die für sie schon so Großartiges in ihrer volleren Freiheit geleistet; eS werden bald neu organisirte Pflegen, ganz dem Geiste der Kirche und der Natur der Sache gemäß, sich erhebe». Nach allen Seiten hin ist der Erfolg gesichert; steht ja Niemand dem Einzelnen so nahe, als der Seelsorger, vertraut mit seiner Noth, die ihn bei ihren verschiedenen Mannigfalligkeiten in Anspruch nimmt, als der Seelsorger, der mit der Heiligkeit seines Berufes und Würde seines Amtes umgeben jetzt die verlassenen Kleineil cimr sicheren Zufluchtsstätte zuführt, jetzt mit der Liebe des gute» Hirten den Verirrten umfäugt und nach der Aussöhnung mit Gott als nützliches Glied der Gesellschaft zurückgibt, jetzt mit christlichem Almosen und nicht mit zugesicherte« Pfründe- mäßigen Reichnissen die Noth lindert uud zugleich den Balsam christlicher Liebe in seine Wunden gießt, jetzt der unbekannten Noth nachgeht und den Keim deS Uebels erstickt, der unberechenbar um sich gegriffen haben würde. Man tragt sich herum mit den Hoffnungen auf die sogenannte „innere Mission". Abgesehen davon, daß es schwer ist, zu ergründen, waS dieser baroke, von der katholische» Kirche ungc,chickt entlehnte Ausdruck sagen will, so ist kein Mensch so sehr der berufsmäßige innere Missionär, in der wahren Bedeutung deS Wortes, als der Priester. Die „innere Mission", so viel nämlich dem Worte abgewonneil werden kann, wird Niemand so lren und erfolgreich üben können, als der Priester; er, der das geistige und leibliche Element in dem einen Almosen unter Gottes Hut, der seine Diener lenkt, dem Dürftigen mittheilt; er, der ein specifisch gnädig begabtes Glied der Kirche ist, die für sich den Beistand des heiligen Geistes ha>, im Blute des Lammes, das am Altare geopfert wird, die Schuld der Welt sühnt, und auf das ihm vertraute Opfer die Fülle deS Segens herabfleht; er, der nach dem Worte und Beispiele seines Herrn und Meisters der Diener Aller geworden, alle Noth der Seinigen mitfühlt, und wie ein Vater auch mir Hintansetzung seines eigenen Lebens ihnen beizuspringen bereit ist. 4. Je mehr die christliche Association begünstigt wird, desto mehr muß die vom Hauche der Sünde vergiftete beschränkt werden. Dahin gehört vor Allem das 156 Hunger und Kummer stiftende Fabrikwesen, eine Richtung der Neuzeit, in der Viele zum Nutzen des Einen sich hingeben und dessen steigender Habsucht dienstbar werden, in der der Einzelne, seiner Individualität verlustig, zu einem Theil der Maschine herabsinkt, und eben darum, weil er materiell geknechtet, in der Materie am liebsten weilt und seine Befriedigung findet. Hier neutralisirt sich der Wille wie daS Vermögen, und der Einzelne lernt sich seilen beherrsche» und nachhaltig versorgen. Man schwärmt für Fabriken, wenn man einer armen Gegend aufhelfen will, und diese wird dadurch immer ärmer. Die Arbeit wird erst zu einer christlich vollkommenen erhoben, wenn Jeder aus Liebe zu Gott einem bestimmten, selbstständigen Berufe sich hingibt, und wie die höchst mögliche sittliche Vollkommenheit, so auch die gewerbliche Vollendung in freiem Fortschritt anstrebt. Das Fabrikvvlk ist überall daS schlechteste, weil nie oder selten ein Segen dabei. Blühende Fabriken sind gleich großem Elende. Darum im Mittclalter die vollendetsten Gewerbe, von denen viele sogar mit der Zeit zu Grunde gegangen. 5. Viele andere Mittel sind bloß Konsequenzen aus dem allgemeiner gewordenen, freien, christlichen Leben und aus der christlichen Haltung der Staaten. So wäre z. B. nie zuzulassen die Emancipation der Juden; denn man muß auch den letzten Rest christlicher Anschauung verloren haben, wenn man hiefür eifern oder gar ein Ret- tungsmittel gegen die Schäden der Zeit hierin erblicken will. Das Volk weiß es: das sind meine AuSsauger; wenn ich Noth habe, falle ich bei ihnen von der Scylla in die Charybdis. Damit hängt serner zusammen die Verminderung der Gelegenheiten zur Noth, als da sind: zu viele Schenken, daS Fortbestehenlassen von Winkelkneipen und Schnapshäusern, die an manchen Orten, besonders in Landstädten, zur Unzahl gestiegen sind, die häufigen Tanzbelustiguugen, daS öffentliche Spiel :c. Unser CaronischeS „^mplius" zur Hebung der Noth reducirt sich sonach immer auf das freie Aufblühen des gläubigen Lebens und der Kirche. (Kath. Wochenschr.) - » Luxemburger Zustände. So wie man vor einigen Jahren überall von Volksversammlungen, ReichStagS- wahlen, Constitutionen, Kammerverhandlungen u. s. w. reden hörte, so bildet seit einigen Monaten hier in unserem Luxemburger Lande das mit dem heiligen Stuhle bald abzuschließende und von einigen Zeitungen bereits als abgeschlossen angekündigte Concordat bei Weltlichen wie bei Geistlichen den Gegenstand des allgemeinen Tagesgespräches. Die kirchenfeindlichen Bureaukraten und Freimaurer sammt einigen, im Verhältnisse zu der größten Mehrzahl unseres kerngesunden Klerus jedoch äußerst wenigen, altregierungsfreundlichen Geistlichen scheinen sich mit der Hoffnung zu schmeicheln, daß die definitive Abberufung des hochwürdigsten Herrn Bischofs entweder eine von der jetzigen Regierung als unerläßlich dabei gestellte Bedingung oder doch gewiß eine notluvenvige Folge dieser Uebereinkunft seyn werde; bei dem katholischen Volke aber und bei seinen braven Priestern ist eS zumal die gegründete Aussicht auf die baldige Rückkehr deS vielgeliebten Oberhirten, und zwar nicht mehr als apostolischen VicarS, sondern als Bischofs von Luxemburg, die den Luxemburgern so oft Veranlassung gibt, vom bevorstehenden Concordate zu reden; denn es scheinen beide Fragen wohl zu eng miteinander verbunden, als daß die eine ihre Lösung ohne die andere finden könnte. Doch mögen die Wünsche und Hoffnungen auch verschieden seyn, so scheint der Augenblick doch nicht mehr so gar ferne, in dem wir unsere kirchlichen Angelegenheiten durch gesetzmäßige Verträge geordnet sehen werden, und ward daS Land bisher auch in seinen gerechten Erwartungen getäuscht, so muß dieses einzig und allein den von unsererer früheren Regierung gemachten und vom Haag aus unterstützten Schwierigkeiten zu gute gehalten werden, denn das Großherzogthum selbst konnte nicht die geringsten Hindernisse in den Weg legen. Mag es auch immerhin als Provisorium angesehen werden, daß wir ein apostolisches Vicariat oder vor der Hand gar nur ein Provicariat besitzen, so hat diese unsere Vicarie doch !57 nur Das mit anderen apostolischen Vicariaten gemein, daß fie in einer unmittelbaren Stellvertretung des heiligen SluhleS bei unS besteht und unser Land weder von einem Bischof noch von einem Metropolitan abhängig macht; übrigens können die Verhältnisse und Missionszustände der anderen Vicariate gar keine Anwendung bei unS finden, denn die kirchlichen Verhältnisse waren von jeher genau und bestimmt bei unS geordnet. Unser Land ist immer erclusiv katholisch gewesen, und als die Ketzerei deS töten Jahrhunderts so Vieles um unS herum niederriß, gelang eS ihr doch nicht, ihre tätlichen Fittige über Luxemburg auszubreiten; wir sind der alten Kirche treu geblieben, wie eS der heilige Willibrord unsere Vorfahren gelehrt hatte, und je nachdem wir nach der damaligen kirchlichen Eintheilung des Landes bis dahin entweder zu Metz oder Trier oder Lüttich gehört hatten, so fuhren wir auch in den folgende» Jahrhunderten fort, unsere Bischöfe, unsere Domcapitel, unsere Seminare in einer der genannten Städte zu haben, bis unser jetziges Großherzogthum endlich »cm BiSthum Namur einverleibt wurde, waS aber keinerlei Abänderung an der vollständig organi- sirten geistlichen Administration des Landes zur Folge hatte. Doch da Wilhelm I. später nicht gerne sehen mochte, daß die Jurisdiktion eines belgischen Bischofs sich über einen ihm treu gebliebenen Staat erstreckte, so trug er zu Rom auf die Trennung deS letzteren und auf die Einsetzung einer eigenen geistlichen Verwaltung für das Großherzogthum an, worin sich der heilige Vater denn auch um so willfähriger zeigte, als die Errichtung eines eigenen Bischofssitzes sür das deutsche Luxemburg dein wahren Interesse dieses deutschen BundesstaateS mehr entsprach, als der Anschluß an eine fremde Diöcese, in der französische Sprache und Sitten herrschten. Wenn nun auch durch die besagte Trennung die kirchliche Verbindung mit Namur gelöst ward, so blieb doch der durch das Concordat von 1827 geregelte innere Diöcesanzustand; Alles ward beibehalten, was wir in der geordneten Administration hatten, und auch die Aussicht auf einen eigenen Bischofssitz ward unS nicht vorenthalten. DaS neu errichtete Priesterseminar sollte als sicheres Unterpfand dienen, daß bald ein eigener LandeS- bischof die Verwaltung deS Landes übernehmen würde; einstweilen nur erhielten wir einen apostolischen Vicar. Aber die Regierung gab bald zu erkennen, daß eS ihr nicht um das wahre Interesse deS Landes zu thun war; sie begnügte sich damit, den Verband mit Belgien gelöst zu sehen, und hat bisher weder auf den Wunsch deS heiligen Vaters, noch auf die in der Synode vom 2. Mai 1343 vom Luxemburger Klerus feierlich ausgesprochenen Bitten hinsichtlich deS zu errichtenden Bischofssitzes geachtet. Beim Provisorium könnte eS ja ihrer Meinung nach bleiben, ja daS Priesterseminar wollte die Kammer sogar geschlossen wissen; die Abschließnng eines Con- cordatS, die Errichtung deS Bischofssitzes in einem apostolischen Vicariate stoße bei den jetzigen Umständen auf gar zu viele Schwierigkeiten — so ließen sich die Erminister öfters verlauten, aber dessen thaten sie keine Erwähnung, daß die gcfürchteten Hindernisse bei uns gar nicht vorhanden sind. Wir sind ja in keinem MissionSlande; die Vicarie, das Pro bezieht sich bloß auf daS Haupt der Verwaltung, nicht aber auf die innere Organisation. Wir haben 13 Deccmate in 239 Pfarreien kanonisch eingetheilt; 112 Stellen, denen aus der Staatskasse je 500 FrcS. Gehalt angewiesen sind, sind gegenwärtig zwar ans Mangel an Priestern unbesetzt; aber mag ein Concordat abgeschlossen werden, oder nicht, der Staat muß in jedem Falle den von dem an der Spitze der Administration stehenden Chef angestellten Geistlichen den verlrags- mäßig angewiesenen Gehalt zahlen. Es werden also auch in dieser Hinsicht keine neuen Forderungen an die Regierung gestellt. Ist eS somit noch nicht bis zum Abschlüsse des ConcordatS gekommen, so liegt dieß lediglich an der böswilligen Hartnäckigkeit der vorigen Landesregierung. Doch die Lage der Dinge hat sich seit dem letzten Herbste merklich verbessert. Der königlich-großherzogliche Statthalter, Prinz Hein- rich, hat eS bei der letzten Kammereröffnung feierlich ausgesprochen, daß die Unterhandlungen mit dem heiligen Stuhle behufs der Abschließnng eines ConcordatS wieder aufgenommen seyen; den neueu Ministern oder Generaladministratoren scheint eS ebenfalls höchst erwünscht, die kirchlichen Angelegenheiten endlich definitiv geregelt und daS immerwährende Provisorium beseitigt zu wissen. Der Herr RegierungS - Präsident 1S8 Simon, ein ehrenwerther Mann, der, wie man sagt, hauptsächlich wegen dieses Geschäftes im strengsten Winter nach dem Haag gereist war und alldort mit dem päpstlichen Nuntius öfters darüber Rücksprache gepflogen, ist vor Kurzem hierher zurück, gekehrt. Er soll sich seither nicht nur bereit erklärt habcu, dem Entwürfe beizupflichten , von dem gut verbürgte Nachrichten in den öffentlichen Blättern des JahreS 185l) gemeldet, daß er von per nach Rom gehenden Gesandtschaft des Luxemburger KleruS dem heiligen Vater unterbreitet worden sey; sondern er soll sich sogar nicht abgeneigt gezeigt haben, der Rückkehr des hochwürdigsten Herrn Bischofs keine Hindernisse mehr in den Weg zu legen, falls die Umstände sich im Verlaufe der Unterhandlungen so gestalteten, daß sie dieselbe als geboten erscheinen ließen. (Kath. Wochenschr.) Die Feier deS 24. April auf der Riedenburg bei Bregenz. Wiewohl die Riedenburg am 24. April noch nicht in ihrer ganzen Ausdehnung dem segensreichen Zwecke, dem sie fortan dienen soll, vollkommen angepaßt war; wiewohl in einem Theil des Baues alle Arten von Handwerker noch beflissen sind, ihrem Rennen und Poltern und Hämmern ein baldiges Ende zu machen, damit geheiligte Ruhe und erhebende Stille durch alle Räume deS schönen HauseS walte; er.ichteten doch dessen fromme Besitzerinnen, der 24. April sey der geeignetste Tag zur feierlichen Eröffnung ihrer Anstalt, zur Bezeugung ihrer ungefälschten Dankgefühle, zur Bewährung, daß in dem allgemeinen durch weite Länderstrecken wogenden Jubel auch sie nicht stumm und regungslos bleiben. Sollte doch sür die Anstalt selbst der Segen deS himmlischen Beschirmers herabgefleht werden und hätte es hierzu einen passender» Tag gegeben, als denjenigen, an welchem die künftigen Bewohnerinnen, vereint mit Millionen freudig und dankbewegter Herzen, denselben zugleich über ihren irdischen Schirmherrn herabzuflehen sich mußten gedrungen fühlen? Ist es doch dessen helle Einsicht in das, wessen die Zeit vor allem bedarf, welche dem Herzen Jesu den Sieg verschafft, treubesorgten Eltern eS möglich gemacht hat, ihr kostbarstes unv theuerstes Gut sorgsam wahrender Pflege anzuvertrauen. Gleich als zu einem lichten Gestirne blicken seitdem von allen Ufern deS schönen BodenseeS die Anwohner zu der Riedenburg auf, und als zweifach festlicher Tag winkte, lud der 24. April sie dahin ein. Vornehmlich erkannte der katholische Adel aus dem angränzenden Württemberg und Baden es als angenehme Pflicht, eben sowohl seine iheilnehmeude Freude an dem Festtage Ihrer apostolischen Majestät, als den Vamk8 clu 8ger6 eoächsischen Geschäftsträger Ernst Planier, der bekanntlich den wesentlichsten Antheil hatte an der Verfassung des großen Werkes „Beschreibung der Stadt Rom" und der kleineren Ausgabe ,,Beschru'bnnz NomS". Herr Platner ist ein Mann von achtzig Jalnen, aber noch lebenskräftig, mic ungeschwäch-em Gedächtnisse, voll geistiger Regsamkeit und in der Ge>cllschajt immer zu Geistigem weckend und bewegend: ein Biedermann von aller ätler Art, ein enischievener Kcuholik. Auch der junge Prinz von Preußen, Friedrich Wilhelm, Wohnte vielen Funktionen der Charwoche bei. Wie ich höre, schickte er sein Slamm- buch in das Kollegium sl lesu mir dem Ersuchen um eine Erimleiuiigözeile von dem hochwürdigsten Paler General und von dem deutschen General-Assistenten. Se. königl. Hoheit sprach sich über die Jesuiten-Mission in Bonn mit großer Anerkennung auS. Der Prinz von Preußen reiSle gestern von Rom ad, der Prinz von Sachsen verläßt uns morgen; er kehrt nach Deulschland Zurück. — Am Ost rsonnlage snllle sich der ungeheure St. Pe'crsplatz mir Volk und Militär. Man schätzte die Zihl der Ver- sammelren auf 40,000 Köpfe. Die faibigen Parasols schwenkten sich wie Kornblumen aus der Masse hervor. Die Riesen i.ien der Wasserstrahlen aus den Springbrunnen zu beiden Seiten deS Obe iSkeS ragten ruhig wie von Kristall über der wogenden Menge. Ein Viertel nach zwölf Uhr erröinen die Glocken. Die Kardinäle sammelten sich auf dem hohen Balkon der Fahnde. Der heilige Vater erschien mit der Tiara und im Pluviale auf dem Throne sitzend, weiß und goldig schimmernd, mit blühendem Antlitz. Mit lauter klarer Stimme verrichtete Se. Hei ig- keit die Gebete und erhob sich nun auf dem Throne, die Hände zum Himmel streckend und feierlich segnend — die Anwesenden, die Stadt und die Welt. Eine wunderbare 162 Erscheinung! Ein Moment ganz eigener Art! Einige Augenblicke verweilte der heilige Vater, die ausgebreitete Menschenmasse betrachtend: dann folgte ein zweiter Segen; der Thron bewegte sich über den rothgekleideten Trägern langsam zurück und verschwand. DaS Landvolk in der Umgegend von Rom warf sich gleichzeitig mit der Menge des PetersplatzeS auf die Kniee: Der Donner der Kanonen gab das Zeichen, Und in den Fernen, wohin der Schall nur mit schwachen, leisen Schwingungen sich fortpflanzt, legten Manche das lauschende Ohr an den Boden. — Ach das arme Landvolk sehnt sich immer sorgenvoller nach Erhörung der Gebete! Denn die anhaltende Trockenheit bedroht mit einem Mißjahre, Die Noth wird mit jedem Tage größer, die Theurung steigt. Doch wäre eS bedenklich, aus Rücksicht für diese Umstände herkömmliche Unkosten für Volksbelustigung zu suspendiren und einem wohlthätigen Zwecke zuzuwenden. Die Beleuchtung von St. Peter wird, wie ich höre, durch eine Stiftung bestritten, aber die Girandola (Feuerwerk) des Pincio bezahlt die Casse der Stadt. Die eiste fand am Ostersonntage statt, die zweite am Ostermontage. Obgleich ich sonst für Scenen dieser Art kein Interesse habe, ging ich doch beide Male hin, um sie zu sehen. Die Phänomene übertrafen meine Erwartung. Denn die Beleuchtung der PeterSkirche zeichnet sich durch ihre ruhige Würde aus, die Girandola durch ihre Bewegung und Änmuth. Dort glänzte die Kirche im himmlischen Triumphe; hier entfaltete die Well mannigfache Reize erlaubter Freuden. Die Farben der Blumen- fülle, die sich i» der Luft entzündete und über die Menge verschwebend ergoß, waren von erstaunlicher Frische und Schönheit. Auch Beziehungen auf das Religiöse fehllen nicht: Mitten in täuschender Aehnlichkeit schwebten durch die Lust und wie durch einen Zauber glänzte der Tempel Salomons plötzlich vor unsern Augen. (Salzb, Kbl) Dublin. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Dublin hat, wie alljährlich, auS Anlaß dcS Beginnes der Marienandacht im Mai einen Hirtenbrief erlassen. Es heißl darin: . . . Während die Feinde unsers heiligen Glaubens sich gegen uns verbinden, während sie unS deö heiligen Einflusses dcS Beispiels der keuschen Braut Jesu Ehristi und die irische Kirche einer ihrer kostbarsten Zierden, der klösterlichen Institute berauben und die Ausübung der evangelischen Rechte der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams gleichsam ächten wollen, indem sie das religiöse Leben durch Gesetze verdächtigen, während sie die Uebung der christlichen Liebe aufzuheben snch'en, welche die Unwissenden belehrt, die Thränen der Trauernden trocknet, die Wittwen und Waisen tröstet, und den sterbenden Sünder zum Erscheinen vor seinem Richter vorbereitet: ist es da nicht unsere Pflicht, u-iS um Hilse a» den Himmel zu wenden, und um unser Geber erfolgreicher zu machen, eS un er den Schutz der Mutter Gottes zu stellen? Ihr werdet zwar fortfahren, alle Mittel anzuwenden, welche die Verfassung euch an die Hand gibt, um eure religiösen Freiheiten zu schützen und dabei gemeinsam handeln, die Eintracht bewahren und die DiScussion aller Fragen vermeiden, worüber die Katholiken nickt derselben Meinung sind .... Aber dabei vergeßt nicht, daß das Gebet unsere Hanptwaffe ist ... . Aber die Verfolgung unserer religiösen Institute ist nicht der einzige Beweggrund für unS, in diesem heiligen Monate den Himmel um Barmherzigkeit anzurufen und Maria nm ihre Hilse anzuflehen. Vor einiger Zeit erinnerten Wir euch an das Nahen der schrecklichen Geißel der Cholera, welche so viele Länder verheert hatte, und Wir ermähnten euch Buße zu thun für die Sünde, die Ursache aller Uebel auf der Welt, von den bösen Wegen abzulassen, nno euch vor Uumäßigkcit und den andern schmählichen Lastern zu hüten, welche selbst schon in diesem Leben die sichtbaren Züchtigungen GotteS auf den Schuldigen herabrusen. seitdem haben die Geistlichen dieser Diöcese täglich bei dem heiligen Meßopfer um Abwendung dieser Geißel deö göttlichen Zorns gebetet; Dank Seiner Barmherzigkeit, wir sind bis jetzt verschont; aber da die Gefahr noch droht, wollen wir unsere Gebete fortsetzen, daß wir vor den Verheerungen dieser Pest bewahrt bleiben, namenl- leg lich aber wollen wir dafür sorge», unser Gewissen von aller Schuld zu reinige» und uns vorbereiten, mit Ergebung in Gottes heiligen Willen die Züchtigungen ainznneh. inen, mit denen er vielleicht nnS heimzusuchen beschlossen hat. Noch eine andere und eine der schrecklichsten Geißeln des göttlichen AorueS beginnt jetzt übrr die Nationen Europas herabzukomme», eine Geißel, me der königliche Prophet für schlimmer hielt, als Pest und HuugerSnotb. Haft vierzig Jahre haben wir einen tiefen Frieden genossen; aber jetzt ist uns ein so großes Gut entzogen und wir sind in einen Krieg verwickelt, dessen Wechselfälle und endlichen Ausgang Niemand vorherschen kann. ES ist ein Krieg gegen einen sehr mächtige» Monarchen, der stetS ein gefährlicher Feind unserer heilige» Religion gewesen ist, I» dc» seiner Macht unterworfenen Ländern hat er die Scenen der Verfolgung unv EonfiScationen erneuert, deren Schauplatz unser armeS Land iinter Elisabeth und ihren Nachfolgern gewesen ist. Er handelt nach denselben Grundsätze» und ist vo» demselben Geiste beseelt, wie die Fanatiker unseres Reiches gegen unsere klösterlichen Institute; anch er har Nonnen verfolgt, Klöster zerstört, ihr Eigenthum confiScirt unv auf viele andere Weise die Kirche Ehristi bedrängt. Und als er so handelte, sprachen na Diejenigen, welche jetzt, wie ne heuchlerisch versichern, für die Sicherheit der Freiheit »nd veö Eigenthums der Katholiken wirken, gegen seine Verfolgungen und Gewallthaten? Sie schwiegen over gaben ihm Beifall. Eine einzige Stimme wurde laut zur Ver- theidiguug der Uiischiiiv und Gerechtigkeit, die Stimme deS Nachfolgers deö heiligen PetruS, welcher, obwohl ein abgelebter Greis und am Rande des Grabes stehe»!', dem Atiiia unserer Zeit mit apostolischem Muthe entgegentrat »nd ihn an die furche baien Strafgerichte Gottes über die Verfolger der Kirche erinnerte. Die von dem Papste vorher verkündete Zeit der Bestrafung ist vielleicht gekommen. Die ehrgeizigen Absichten dieses Monarchen gegen einen benachbarten Staat haben unsere gnädige Königin und ihren Verbündeten, den Kaiser der Franzosen, genöthigt, ibm den Krieg zn erklären zur Vertheidigung der Gerechtigkeit und der Rechte des angegriffenen Staates. Der Kampf hat begonnen, aber wir können an seinen Verlauf nur mit Schauster» deuten. Wie viele Länder werden während desselben verwüstet, wie viele Städte geplündert und zerstört, wie viele Uebel verursacht, wie viele Verbrechen verübt, wie viele tausend Menschen niivorbereiler vor Gottes Richterstuhl gefordert werden! Wenn wir die Größe dieser Uebel betrachten, so können wir sie, auch weun sie uns nicht unmittelbar berühren, nur beklagen und alö Christe» und Jünger deS Gesetzes der Lieoe, den Herrscher über alle Nationen bitten, Sto'z und Ungerechtigkeit zu demüthigen, den Waffe» unseres Reichs den Sieg zu verleihen, den Krieg zu einem schnellen und glücklichen Ende zu führen und unS die Segnungen des Friedens zurückzugeben. Viele unserer tapfern LandSleute sind gegange», die Schlachten unseres Reiches zu schlagen; wir sollen nicht vergessen, für sie besonders zu beten: inmitten der Gefahr und großer geistiger Verlassenheit ausgesetzt, bedürfen sie der liebevollen Hilfe der Gläubigen. Um unsere Gebete für sie und den Sieg unserer Waffen wirksamer zu machen, gebieten wir allen Priestern der Diöccse bis auf Weiteres jeden Sonntag nach den andern vorgeschriebenen Collecte» daS Gebet a»s der Messe tempore Iielli beizufügen. Wir können beifügen, daß cS den Kindern Maria als eine gute Vorbedeutung ei»es glückliche» AuSganzS deS Krieges erscheinen muß, daß die Flotten unseres Verbündeten, deS Kaisers der Franzose», unter den Schutz der Mutler GotteS gestellt sind, und daß ihr Bild, vom Kaiser übersandt, mit großer religiöser Feierlichkeit an Bord deS Admiralschiffs aufgestellt ist. Dieses feierliche Bekenntniß deS katholischen Glaubens und der zarten Andacht zur Mutter unsers Herrn muß die Quelle unschätzbarer Segnungen seyn. Wir dürfen zuversichtlich erwarten, daß es dazu beitragen wird, einigermaßen der gekränkten Ehre der Himmelskönigin Genugthuung zu leisten für die Schmähungen und Verhöhnungen, welche in den letzten Jahren anderswo ihrem Namen und ihreu Bildern zugefügt sind (W. Z) 164 Die SönigSgräber zu «t. DeniS. *) Im prächtigen Schlosse von St. Germain wohnte Ludwig XIV., von den französischen Schriftstellern der Große genannt. „Der Staat, das bin ich!" — hatte er gesagt, und Keiner hatte ihm widersprochen. AIS Sonnengott stellten ihn die Maler dar, der älteste Adel von Europa, in seiner innersten Kraft gebrochen, haschte gierig nach einem Strahl seiner Gunst, und die ganze Nation sonnte sich in seiner Größe. Alle Monumente schmückte die Kunst mit seinem Bilde, Corneille und Racine besangen ihn dankbar als den MäcenaS des JahrhunderiS, und selbst von heiliger Slälle herab hatte die Schmeichelei nicht selten ihn den Größten der Sterblichen genannt. Aber wenn er am Morgen hinaussah von dem Balcone seines Schlosses hin über die heilere Landschaft mir den wogenden Kornfeldern, dem safiigen, abwechselnden Grün der rebenumkränzten Hügel, von tausend blendendweißen Landhäusern übersäet, da ward seine Stirn finster und seine Seele traurig, die eben noch Träume voll Lust und Pracht umgaukelt hallen. Vor seinem Blicke stand der graue, finstere, uuhti drohende Thurm von St. Dcnis; am äußersten Saume der Landschaft stand er da, wie die düstere Gestalt deS To^es, der ernste Mahner mir hochauf- gestreckiem Finger, der ihm das „Uemento mori" schrieb auf die goldene Wand seiner Pruntsäle, gierig wie das Raublhier nach der Stunde, wo eS auch ihn verschlingen sollte, wie die übrigen Könige von Frankreich, deren Leichname in seinem Innern ruhen seit zwölfhuudeit Jahren. Ludwig koniue diesen Anblick nicht ertragen. Die Gestalt, die dort jeden Tag aus'S Neue snneS Namens „der Große" zu spotten schien, und imm r hinwies auf die Stunde, wo all' seine Pracht in Rauch zerfließen sollte — verjagen konnte er sie nicht. Seine Marschalle Villars, Catinar, Conr6 konnten Länder verheeren unv zu Einöden machen — aber jene Gestalt v.rjagen, das konnten sie nicht. So floh er denn weit weg vom Anblicke des Todes; eine sandige Wüste schuf er in Versailles um; hier sah er nichts mehr, als Lustgärten, Schmeichler und Lakaien. Aber der Thutin von St. DeniS blieb stehen, und dem Tove war er nicht enlfl hen. Ei>>eS Tages stand ein schwarzlimflorier Sarg vor dem Altare, umgeben von allen Größen te> Nution, und von dtr Kanzel rief eine Summe durch die Stille deS TodcS, es war die Stimme Masiilon'S: „Oiou seul est ßrsricl, mes ireres!" An einem srcw dlict en Morgen besuchte ich die Psanei St. Denis. Der Weg fühlt durch die Vorstadt St. Dcnis. Es ist ein Gefühl, wie wenn man von der Küste d-6 Meeres aus weiter land-inwärlS geht, so oft man vom Miltclpunct von Paris nach smien äußcrst.n Linien wanden; mehr und mehr verstummt das Wogen und Brausen ecr großen S avt, und das Herz wird unS wieder wener, der Geist fteier und ruhiger. Noch ein Dorf passirte ich jenseilS des WalleS, Lachapelle St. DeniS, unv eine unabsehbaie weiie Ebene lag vor meinen Blicken. Nach einer halben Stunde Halle ich Sr. Denis ei reicht. Es ist eine stille Sradl, die gegenwärtig kaum über 5000 Einwohner zählt. Die Sonne gov ihren hellen Glanz vom reinsten blauen Himmel herab, aber eS war doch k.in rechieS Leben, keine Freude in diesen Gassen — eS war AUcS so öde und schwermiuhig, wie in dem Vcrhofe eines LeichenackcrS. Ich folgre der am wenigsten öden Straße, nach wenigen Minuten stand ich vor dcr Abtei. Sie wurde gegründet zu Ehren d.S Schutzheiligen von Frankreich, DionysiuS, durck König Dagobert im Jahre 6l3; Carl der Große ließ die Kirche neu ausführen 775. Abt Suger, der von einem Baucrnknabcn sich zum allmachiigen Minister und Regenten von Frankreich aufgeschwungen Halle, ließ 1130 auch diese zweire Kirche niederreißen und begann einen grohur und prachtvollen Neubau. Unter Philipp dem Schönen erhielt sie ihre letzte Gestatt bis zum veryängnißvollen Jahre 1793. St. DeniS war Jahrhunderte hindurch die mächtigste und reichste Abtei, Könige *) Kalh. Wochenschrift. 165 bekleideten die Würde eines AbreS. Hier wurde die Oriflamme aufbewahrt, die den Heeren vorausgetragen ward zum Siege; „Momjoye und St. DeniS!" — war durch Jahrhunderte der Schlachtruf der Franzosen. St. DeniS war die NekropoliS von Frankreich. Alles, waS in den Palästen geglänzt und auf den Thronen geherrscht, was die Völker gefürchtet oder geliebt — cS kam hierher nach St. DeniS zur langen Ruhe in den Rcihen der Väter; alle Häupter, die Kronen getragen, legten sich nieder zum ewigen Schlaft auf den steinernen Pfühlen von St. DeniS. Wenn die Thore der Todtenstadt sich ausschlössen, da ging Trauer durch das Land. „I.o roi est mort,!" — rief der Herold von Frankreich; eS war daS nur eine Handvoll Asche mehr zu dem Aschenhauscn, ein neuer Tropfen Vergänglichkeit in daS Meer der Vergangenheit. Alle Wege des Lebens, welche die Könige von Frankreich, seine stolzen Prinzen und Herzoge gegangen, alle führen hin, alle münden auS in die Todtengrust von St. DeniS; der Strom der Zeit, der sie getragen, stürzt sie dort hinab, wie der Wasserfall seine Wellen in den Abgrund stürzt, schnell und immer schneller. Und jetzt sind eS nicht Könige mehr und nicht Fürsten, keine Hoheit trennet sie mehr und keine Größe, Asche und Verwesung, Würmer und Moder haben Alle gleich gemacht. Der letzte Todte weilte auf der Mitte der Stufen, die hinab inS Todrenreich führen, als wartete er, als rufe er seinem Nachfolger. Dieser kommt und säumt nicht lange. „Sieh, du bist geworden wie Einer auö unS", rauscht die Todtenstadt ihm entgegen — „ecce nostri similig iÄcw5 es" (Is. c. 14, 10) — und der Wächter steigt vollends hinab und streckt sich hin auf sein schwarzes marmornes Bett. Und nun hält der neue Ankömmling die Wache an der Pforte der Unterwelt. Alle Generationen der Könige sind da hinabgesunken, lauter Könige und Fürsten, die hier Staub geworden, wie der Staub deS Letzten ihrer Unterthanen, nur daß vielleicht mehr Sünden ihn entweihten und mehr Thränen der Unterdrückten an ihm hängen. „Wie sind die Rcihen so enge," — rief hier Bossuet iu der Leichenrede auf Henrietle von England — „wie hat der Tod Eile, alle Plätze auszufüllen! O Eitelkeit, 0 Nichtigkeit! Alles ist eitel, außer daS Bekenntniß unserer Eitelkeit!» Als ich eintrat in die majestätischen Hallen, waren eben die letzten Töne deS Requiem verklungen, das jeden Margen hier gesungen wird. Vom altersgrauen Thurme herab scholl der dumpfe Ton der Glocke, und hallte wieder unter diesen vielhundert» jährigen Säulen und Gewölben. Es war recht traurig in der Kirche, öde, kalt, leer, ausgestorben, wie der verlassene Grabstein eines Menschen, an den keine Seele denkt, der von Allen vergessen ist. Da steht der Sarkophag der Könige, aber eS ist kein Volk da, das um sie trauert; einige Personen auS den niedern Classen traten mit mir ein; glcichgiltig, neugierig ahnten sie nicht, daß sie hier vor dem Reliquienschrein ihrer Größe stehen, daß die Geschichte von einem Jahrlausend in dieses Buch von Slcin gemeißelt ist. St. DeniS hat keinen Platz mehr in dem Herzen deS jetzigen Frankreich; S?. Dcnis ist ein Anachronismus in der Gegenwart. Ludwig XV. war der letzte König, der hier auf den sechzehnten seines NamenS wartete, welcher ihn ablösen sollte von der Todtenwache. Aber er harrte vergeblich. Gott hatte beschlossen, Frankreich zu züchtigen für seine Sünden: die Könige für die Sünden ihrer Väier und daS Volk für die Sünden seiner Könige. Ludwigs XVI. Haupr fiel auf dem Schaffst, sein Leichnam wurde schmählich in eine Grube eingescharrt, fern von den Gräbern seines Geschlechtes. Aber daS war noch nicht genug; die Fürsten hatlen schrecklich gefrevelt an Golt und seinem heiligen Gesetze — sie sollten schrecklich büßen vor dem Angesicht aller Völker der Erde. „Die Gräber von St. Denis" — sagt Chateaubriand — „waren berühmt unter den Gräbern der Menschen; die Fremdlinge strömten von allen Seiten herbei, seine Wunder zu schauen; aber da erhob sich eine Windsbraut deS göttlichen GrimmeS und trieb die Wogen der Völker hin gegen den Palast deS Todes, und erstaunt rief die Welt: Wie, ist untergegangen der Tempel AmmonS in der Wüste?" ES sollte die größte Rache GolteS an Frankreichs Königen geübt werden, eS sollte ein Strafgericht über sie fallen, wie der Prophet (Ezech. 6, 5; Jerem. S, l) > 166 Gottes kein furchtbareres mehr kennt: „Ich will heraufführen über euch daS Schwert und zu Schanden soll werden all' eure Herrlichkeit — ich will zerstören eure Altäre und eure Gebeine uniherstreucu, .... Au jenem Tage werden sie hinauswerfen die Gebeine der Könige von Jnda und die Gebeine seiner Fürsten aus ihren Gräbein — die Sonne soll auf sie scheinen und der Mond und alles Heer der Sterne; nicht gesammelt sollen sie werden und nicht begraben, ein Haufen Koch sollen sie seyn über dem Augesichte der Erde." Am 12. October 1793 wurde es laut in den stillen Mauern der Abtei. Statt der frommen, wehmüthigen Choräle, die für die ewige Ruhe der Begrabenen beten, heult wie ein Gewittersturm die Marseillaise auS tausend und tausend wilden Kehlen durch die alten, ehrwürdigen Hallen — mehr und mehr strömt die Menge herein durch die eingebrochenen Thore. Die Republik hält ihren Gottesdienst — Camillc DcSmoulinS und die übrigen Gesandten deS ConpentS — eS war ein schauerliche: Tag. Statt der Mitra die Jakobiner-Mütze, statt deS feierlichen Zuges der Mönche zum Grabe der Könige der tolle Tanz der Carmaznole; an der Stätte, wo Bossnei und Massillon unsterbliche Worte sprachen, hallt der Ruf der Männer des BcrgS zum Beginne der Feier. Da fallen die Kreuze; sie werden zerschlagen und zertreten, die Altäre zertrümmert und besudelt, die ernsten Gestalten der steinernen Aebte und Ritter und Herren verstümmelt, verhöhnt, unter Fluchen und wieherndem Gelächter durch die Stadt geschleift. „Vorwärts! — ruft DcSmoulinS, — Die Republik hatte Blut gekostet und Blut getrunken, das Blut des Königs nnd das Blut der Priester — aber sie ist nicht satt. Ihre Hyänennatur treibt sie vorwärts; sie wühlen die Gräber auf, sie wollen Leichen. Die Pforten der Grüfte — ein Werk Ear!S deS Großen — werden gesprengt; hinab stürzt sich der zügellose Haufe. Da lagen sie alle in ihren Bctteu von Stein — die Merovinger, die Karolinger, die Capetingcr, die ValoiS, die Bourbons — alle Größen der Geschichte von Frankreich — die Herzoge und Herzoginnen, die Prinzen, Dauphins und Marschälle. Einen Augenblick schauerte die Rotte — die ernsten, scharfen Gesichter der alten Helden jagten ihnen nach Jahrhunderten noch Furcht ein — es lag noch Majestät in den verblichenen Zügen dieser Könige — aber DeSmoulinS geht voran, die Andern folgen Die Leichname werden herausgeworfen, die Gewänder in Fetzen zerrissen — da liegen sie schmählich in ihrer Blcße, Die Sansculotten, die Fischweibcr kühlten ihre Wuth VN den entehrten Leichnamen; sie ^aben ihnen Faustschläge, zerrauften ihre Haare, schnitten ihnen die Glieder ab und warfen die verstümmelten und besudelten Leiter dann hin, den Straßenjungen zu Sp 'tt und Spiel. Doch lassen wir den Schleier fallen über dieß scheußlichste Schauspiel in der Geschichte von Europa. ES waren der Todten so viele — ein Tag reichte nicht auS, die Hyänen waren müde geworden. Sie kamen deS andern TageS wieder, und am dritten wieder. Frankreich sollte gereinigt werden von dem letzten Rest des Königthums; Alles wurde durchsucht, Alles besudelt. Das Volk sollte Rache nehmen für das Unrecht, das eS seit Jahrhunderten von seinen Königen erlitten — keine einzige Leiche entging den Bestien Alle wurden sie hinausgeworfen — Heinrich IV., der König des Volkes, und Ludwig XI ; die Väter deS Landes und seine Dränger, der Regent, der schändliche Orleans, und FenelonS trefflicher Zögling, der Dauphin; die MediciS und die gute Henriette von England; Ludwig der Heilige und Ludwig XV. — da lagen sie Alle übereinander in einer schmählichen Grube. In sterczuiünium suswr sgciem terrgv erunt! DaS war ein schreckliches Gottesgericht! Aber noch läßt der Zorn deS Herrn nicht nach, und seine Hand bleibt auS- gestrccki. DaS letzte Andenken an die Könige sollte verschwinden. St, Denis, daS Hciligthum der Nation, St. DcniS, an dem zwölf Jahrhunderte in Ehrfurcht vorüöer- gegangen waren, in dem jede Generation ihr Kostbarstes niedergelegt, Sr. DeuiS, geweiht durch so viel Thränen, die hier geflossen, so viel Seufzer, die hier aus dem Herzen gestiegen, so vielen Schmerz, der hierher getragen war, St. DeniS sollte der Erde gleichgemacht werden. Seine starken Säulen wurden zerschlagen und stürzten 1«? ein, der Wind zog klagend durch die leeren, der Regen schlug durch die offenen Fensterbogen, und in sein Inneres schien die Sonne bei Tag, der Mond zur Nacht, und alles Heer der Sterne — die Republik hatte das Bleidach abgedeckt und Kugeln daraus gegossen. Die letzten Anhänger der Könige sollten durchbohrt werden von den letzten Ziesten der KönigSgräber! (Schluß folgt.) Der Monat Maria. Wir finden, daß von jeher alle ächt katholisch gesinnte Christen eine große Liebe und Zuneigung zur Mutter Gottes gehabt haben. Unter den Heiligen der Kirche GotteS strahlen als besondere Verehrer der allerseligsten Jungfrau ein heiliger Bernard, ein heiliger Johannes Damascenuö, ein heiliger AlphonsuS von Liguori und viele andere hervor, die in ihren Schriften nicht Worte genug finden konnten, sie würdig zu preisen und zu verherrlichen, die die ganze Kraft der Rede ausgeboten haben, Mariens Größe und Erhabenheit, Mariens Tugenden und Heiligkeit zu rühmen. Worauf beruhet diese Verehrung gegen die Gottesmutter? Worauf anders, als auf der großen Ehre, die Gott ihr selber erwiesen, da er sie vor allen Andern. ihreS Geschlechts erkor, die Mutter seines eingeborncn SohneS zu seyn; worauf anders, als ans der hohen Heiligkeit, in der sie jederzeit strahlte, auf den großen Tugenden, die sie geübt; worauf endlich anders, als der Liebe, die Maria zu unS Menschen hat und auf der Macht ihrer Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne. — Wir nennen Maria unsere Mutter. Sie ist eS in der That. Keine irdische Mutter kann eine so große, innige Liede haben zu ihrem Kinde, wie Maria zu uns hat! Die Ursachen, warum unS Menschen Maria so sehr liebt, solle» hier nicht angeführt werden, da sie bekannt genug sind. — Willst du Beweise dieser Liebe? Wenn der Raum cS gestattete, würde ich dir viele Beispiele von der liebevollen und gütigen Wirksamkeit Mariens erzählen können, Beispiele, wie durch ihre Vermittlung die verstocktesten Sünder erweicht und zur Sinnesänderung gefühlt sind. Wie viele Beispiele werden außer den bekannt gewordenen ohne Zweifel einst ans Tageslicht kommen, wenn die Bücher des Lebens aufgeschlagen werden! Wie schön passen daher auf Maria die Worte in den Sprichwörtern 8, 35: Wer mich findet, der wird das Leben finden. Wie viele lausend Sünder haben Maria gefunden und durch sie das ewige Leben! Maria wird mit Recht die zweite Esther genannt, die bittet für ihr Volk, für Alle, welche zu ihr ihre Zuflucht nehmen. Sie braucht nicht zu sagen, wie die Esther deS alten Bundes: habe ich Gnade gefunden, so schenke meinem Volke das Leben, da sie vom Engel die Gnadenvollc genannt worden. — Damit du siehst, wie die Heiligen GotteS von Maria dachten, will ich dir von den vielen tausend AuSsprüchen derselben einen nennen. Der heilige Johannes DamaScenus sagt: „Nahe dich, Mutter meines Heilandes! Du bist meine Hilfe, mein Trost im Leben. Nahe dich und ich werde mitten in den Flammen der Versuchung nicht brennen; unter tausend Schlingen der Nachstellung werde ich sicher seyn; unter Winden und Wellen der Anfechtungen wird mich die Gefahr deS Echifsbrnchcs nicht schrecken. Ich fürchte nichts, wenn du meine Schutzfrau bist, bin nicht ängstlich über meine Schwachheit, wenn ich von dir gestärkt werde. Dein Name ist mein Schild, dein Beistand meine Rüstung, deine Hilfe mein Schwert. Durch dich greife ich den Feind herzhaft nn; durch dich treibe ich ihn beschämt zurück und erhalte den herrlichsten Sieg." Welch' hohe Meinung hatten also die Heiligen von der Gottesmutter, welche Ehrfurcht vor derselben, welche Andacht und welch' ein Zutrauen zu ihr! — Wegen der hohen Verehrung, die der Gottesmutter gebührt, hat denn auch unsere heilige Kirche mehrere Feste zu ihrer Verehrung eingesetzt, die wie hellleuchtende Sterne am kirchlichen Himmel glänzen, deßwegen ist ihr ein Tag der Woche, der SamStag, also der Tag vor dem Sonntage, dem Tage deS Herrn, besonders geweiht. Wegen der Macht ihrer Fürbitte haben sich so manche Genossenschaften 168 unter ihren besondern Schutz gestellt und sie zur Patronin gewählt u. s. w. Deßhalb hat man auch einen Monat, den schönsten im Jahre, zu ihrem Lobe und Preise besonders bestimmt, den Maimonat. Man hält, Gott sey dafür gelobt und gepriesen, auch schon in vielen Gemeinden Deutschlands im Mai eine sogenannte Maiandacht, welche darin besteht, daß man mit besondern Ehrenbezeugungen, andächtigen Gebeten oder mit andern Tugendübungen im Maimonate öffentlich oder zu Hanse die allerseligste Jungfrau verehrt. Es ist dieß nicht eine Andacht, die bloß d^'r Billigung und Empfehlung Einiger, sondern der Gutheißung und Begünstigung der Kirche selbst sich erfreut, da das Oberhaupt der Kirche sie mit Ablässen beschenkt hat. Diese Begünstigung des Nachfolgers Pctti muß schon allein für jeden guten Katholiken ein triftiger Beweggrund seyn, nach Möglichkeit diese Andacht zu fördern. Dessau. Im Herzogthum Anhalt-Dessau besteht keine katholische Kirche; die kleine katholische Gemeinde hält ihren Gottesdienst in einem gemietheten Locale, das aber auf das Jahr 1855 gekündet ist. Der protestantische Herzog hat der armen katholischen Gemeinde einen Bauplatz um 21,000 Thaler großmüthig angekauft, in einer schönen Lage der Stadt. Im Allgemeinen sind auch die dortigen Prolestanten darüber erfreut. Beim Bau der Kirche wird nun besonders auf den Bonifaciusverein und auf die Herzen der katholischen Milbrüder gerechnet. In einem Briefe an den Bonifaciusverein in Linz schreibt unter Anderm die Gemeinde: „Bei der Glaubensspaltung des löten Jahrhunderts ist im Anhaltischcn innerhalb fünfzehn Jahren, von 152U bis 1535, die neue Lehre an die Stelle des alten katholischen Glaubens getreten, und von da an war katholischer Gottesdienst gänzlich auS dem Lande verbannt, bis 1697 der rühmlichst bekannte Fürst Leopold, der „alte Dessaner" oder „Schnurrbart" genannt, der kleinen Anzahl Katholiken, die allmälig auS katholischen Ländern sich dorr angesiedelt hatten, die Ausübung ihres Cultus, wenn gleich unter sehr beschränkenden Bedingungen, wieder gestattete. Seitdem haben über ein Jahrhundert auS Westphalcn berufene Franciscaner unter großen Entbehrungen und Kämpfen die katholische Seelsorge dort versehen. Nach dem im Jahre 1833 erfolgten Tode des letzten Missionärs auS jenem Orden blieb die Mission über ein Jahr ohne Hirten, und wurde erst 1825 einem jungen Weltgeistlichen aus Böhmen überwiesen, unter dem sie 1830 zu einer Pfarrstelle erhoben, und vom heiligen Stuhle dem jeweiligen Nuntius in München, als apostolischen Vicar von AnHall, untergeordnet wurde." Daß es auch an einer katholischen Schule und an einem Pfanhause fehlt, versteht sich von selbst. Sie schreiben: „O kommet unter Armmh zu Hilfe. Der Bau einer katholischen Kirche hier ist wichtig. ES« ist dieß die einzige, die erste katholische Kirche, die seil der GlaubenSspallung in diesem Herzogthume Wiedtr erbaut werden soll. Für Viele wird sie eine rettende Arche werden." (Salzb. Kbl.) Geständnis und Einsicht. Die Berliner prot. Kirchenzcitnng kommt in ihren Lamentationen über den badischen Conflict auf folgendes merkwürdige Geständniß (Nr. 18): „Wohin führt also der ganze Kirchenstreü? Auf allen Puncten zu einem Terra in Verlust der Regierung — sagen wir lieber aller protestanlisch en Regierungen, welche, um ihre Häresie (so nennt'S Rom) vergessen zu inachen, sich von Zugeständnissen zu Zugeständnissen herbeilassen." vr. Schenkel (in der darmstädlischen Kirchenztg.) sagt gerade im Gegentheil: „Die Kurie und der Erzbischof verlieren durch diesen Sireit überall an Terrain und die prot. Regierung gewinnt." Wem soll man da glauben? Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags Beiblatt zur Angsburger Pojheitung. * 28. Mai 22. 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abounement«pre>« itt kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer, Poßämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kanv. AuS der Jugend PiuS IX. Pfarrer MooS in Solothuru hat bei Schercr daselbst eine Schrift in zwei Bänden unter dem Titel: „Die wunderbaren Wege der göttlichen Vorsehung," herausgegeben. Das Werk enthält viele merkwürdige auch neuere belehrende Erzählungen für die Jugend. Ein Ereigniß aus der Jugend des gegenwärtig glorreich regierenden heiligen VaterS — das weniger bekannt ist, wollen wir hier aus dem trefflichen Büchlein folgen lassen: „Johann Maria'Mastai Ferrelti, aus der durchlauchten Familie der Grafen von Mastai, wurde den 13. Mai 1792 zu Sinigaglia, in der zum Kirchenstaate gehörigen Landschaft Urbino-kt-posln-o, geboren. Seine Eltern gingen alle Jahre auf ein ungefähr sechs Meilen von der Stadt entferntes Landschloß, wo sie mit ihren Kindern die Frühlings-, Sommer- und Herbstmonate zubrachten. Johannes, ein lebhaftes, liebenswürdiges Knäbchen gefiel sich am wohlsten im Freien. Eines Tages naht sich das Kind einem ziemlich tiefen,'mit steheudcm Wasser augefüllten Graben. Der kleine Johannes steht still, erblickt kleine im Wasser spielende Fische, ergötzt sich an ihren Wendungen, will sie mit der Hand fangen, nähert sich, ohne Gefahr zu ahnen, dem Wasser, — plötzlich glitscht er auf dem schlüpfrigen und lehmigen Boden aus, stürzt in den Graben und versinkt unter dem Wasser. Er wäre unzweifelhaft ertrunken, hätte die göttliche Vorsehung, die in ihren unergründlichen Absichten Großes mit diesem Kinde vorhatte, es nicht vor diesem frühzeitigen Tode bewahrt. Ein armer Bauernjüngling von zwanzig Jahren, der dem kleinen Johannes als Diener beigegeben war, erblickr die.Gefahr, stürzt sich in's Wasser und zieht den Knaben unverletzt und lebend heraus. Wohl dachte dieser edle Jüngling noch nicht, was für ein kostbares Leben er der ganzen Weit gerettet habe, und daß dieser Knabe nach ungefähr vierzig Jahren die erhabenste Würde, die je einem Sterblichen anvertraut werden kann, bekleiden, daß er als der 255ste Nachfolger des ^heiligen Petrus auf den päpstlichen Thron erhoben und unter dem Namen PiuS IX. die Kirche GotteS unter den furchtbarsten Stürmen so weise regieren und verherrlichen würde. Die Königsgräber zu Gt. DeniS. (Schluß,) « „St. Deniö ist zerstört," — sagte Chateaubriand im Anfange dieses Jahrhunderts — „die Vögel fliegen durch seine öden Räume und Gras wächst auf seinen zerschlagenen Altären. Statt des GrabgesangeS, der einst unter seiner Wölbung wiederhallte, hört man nur noch den Regen, der von seinem zertrümmerten Dache niederträuft, oder das Fallen eines Steines, der sich von dem Gemäuer ablöst." 170 Erst Napoleon that dem Werke der Zerstörung Einhalt, Er war in daS Erbe Carls des Großen eingetreten und hcitie seine Kaiserkrone sich aufs Haupt gedrückt; darum sollte die alle kaiserliche Gruft auch ihn und seine Familie ausnehmen. Aber er hatte Wind ausgeiäet und erntete Sturm; er und seine Familie wurden zerstreut wie Spreu über dem Angesichte der Eide — ein felsig «äilcmd ward sein Kerker und seiu Grab. Und sein Sohn, der Erbe seines RubmeS, schläft ferne von ihm bei den Ccipucinern in der Todtengruft zn Wien. Ludwig XVIII, und Carl X. setzten die Arbeitn fort, und unter Ludwig Philipp wurde die innere Restauration vollendet. Alle bauten sie an ihrem Grabe — aber sie sollten nicht sagen dürfen: „Solum mioi supei-est sepulenrum!" Nicht einmal das Grab wurde ihnen gegönnt — so eitel ist die größte Größe auf Erden. — Beide liegen begraben in fremder Erde, im Lande der Erbfeinde ihrer Nau'on. Ludwig Napoleon ist auch in St. Denis seinem großen Oheim gefolgt; er fährt fort, der Kirche seine Fürsorge zu widmen. Wird er hier einst seine letzte Rnhe finden? Oder schmückt er mir das Monument, das Den verherrlichen soll, der ihn einmal vom Throne stößt. Beim ersten Eintritt in die schöne Kirche bemerkt man kaum, was für gewaltsame Katastrophen an diesen Mauern vorübergegangen sind, ES ist ein herrlicher Bau, fast wie aus Einem Gusse, mit Ausnahme der Krypten mit nur wenigen Resten im Siyle der vorgothischcn Zeit. Einen Augenblick könnte man sich tauschen, sich nm ein Jahrhundert zurückversetzt Milben. In reichen Gewändern umgeben die Hüter deS Grabcö der Könige den Hochaltar. Ludwig Philipp stiftete hier ein Capitel, bestehend aus zehn Bischöfen und vierundzwanzig Kanonikern; helle Rauchwolken steigen zwischen den schlanken, strebenden Säulen empor und ziehen langsam unter der Wölbung hin. Daö Requiem, unterbrochen von den dumpfen Tönen der Hörner, wie sie in Frankreich den Chvral begleiten, fleht um die ewige Ruhe der Todten. Aber die Gräber sind leer — ihre Asche ist in alle Winde zerstreut; nur Ludwig XVI. uud die unglückliche Marie Amoinette, Ludwig XVIII, und der Herzog von Berry liegen hier, dann einige wenige Reste ron Gebeinen, die man gefunden halte nach der schauerlichen Feier von 1793 und sorgfältig gesammelt und hicrhergetragen, wie der Mensch am Tage nach der Feuersbrunst auf die Brandstätte eilt, um unter dem Schütte ein halbverkohltes Andenken an seine frühere Herrlichkeit zu finden. Wir hören die dumpfdröh- nenden, langsam hinzitternden Schläge der Glocke vom altersgrauen Thurme herab, so ernst, so melancholisch, als wären cö die Pulsschläge der unwiederbringlich hinab- cilcnden Zeit — aber es strömt kein Volk mehr herbei, um zu tranern am Grabe seiner Könige. Der Name deS Königs, bei dessen Nennung der Franzose von ehedem sein Haupt entblößte, hat seinen Zauber verloren; cS sind mir noch Wenige, die wie Du Gue?clin sprechen: „tVIon -)me g Vieu, ma vie au roi!" Die Gesalbten des Herrn hatten sich selbst ew weiht, und darum verwarf Er sie von seinem Angesichte. Und das ganze Volk rief ein furchtbares: Amen! St. Deuis ist wieder hergestellt — ein Grab ohne Leichname, ein Katafalk ohne Todte, seine Grüfte sind leer, St. DeniS selbst ist ein Leichnam, Ich weiß nicht, ob ich nicht die Abtei lieber sehen möchte in dem Zustande, wie sie nach 1793 war. Da war eS eine Ruine, aber da war es doch Etwas; da konnte man sich niedersetzen unter Trümmer und hinaufblicken zu den schweren granen Wolken, die vom Siurme gejagt durch die zerrissenen Mauern ziehen, und nachdenken über die Vergänglichkeit aller Dinge, wie der Einsiedler vor dem Todtenkopf. Jetzt wird es uns nicht wohl zu St, PeniS; eS ist uns unheimlich hier, es ist eine Leiche, man hat sie geschminkt, mit Flittern und Bändern geziert. Man hat neue Glasmalereien an den Fenstern angebracht; ich sah eine im Seitenschiffe, die Stiftung des Capitels durch Ludwig Philipp vorstellend. Er und seine Minister erscheinen in blauem Frack, den Galameriedegen an der Seite, DaS ist die Malerei auf ein gothisches Fenster in einer herrlichen gothischen Kirche mit den Heldengestalten Clodwigö, Dagoberts, deS ritterlichen Franz I. und Heinrich IV.! 171 Das neugierige Volk läuft hinzu, eS drängt sich hinein in die Grüfte, man gafft, man schwätzt, man lacht und macht Bemerkungen über diese ernsten, langgestreckten, steinernen Bilder. Der Concierge geht voran, der Haufen Fremder und geschwätziger Pariser folgt; neben mir ging ein Weib aus dem Volke in unordentlichem Anzüge, sie hatte ein säugendes Kind an der Brust. Man sieht eö recht deutlich: der Franzose der Gegenwart hat kein Verständniß mehr für seine Könige. Wie könnte auch der junge Mensch, der seinen Voltaire gelesen, oder die Grisette, die Paul de Kock und Suc und wie dergleichen schmutziges Gesinde! mehr heißt, in Andacht studirt hat, anders hier eintreten, als mit einem Gefühle souveräner Verachtung der Vornrtheile und Tyrannei dieser barbarischen Jahrbundertc! „Hier liegt Pipin der Kurze," — ruft die monotone Stimme deS Concierge — „hier in der Mönchskutte Clodwig, hier Blanka, hier Franz I., hier Carl, der in der Bartholomäusnacht auf seine Unterthanen schoß, hier....." — doch die Reihe scheint nimmer enden zu wollen; man bleibt stehen, man betrachtet, betastet diese eigenthümlichen, oft sehr ausdrucksvollen Gestalten, aber der Führer drängt vorwärts und mahnt zur Eile, denn es gibt hier viel zu sehen, der Tod hat reiche Beute. In buntem Wechsel ziehen diese Bilder an unS vorüber, es schwindelt unS, die schweren, niederen Gewölbe scheinen auf unserer Brust zu liegen und den Athem zu beengen. Endlich ist der lange Katalog zu Ende, den der Aufseher herablieSt, wie der Kerkermeister die Liste seiner Gefangenen, als wollte er sagen: Die Alle da sind mein, und es entgeht mir Keiner. Ich habe einen Edelmann gekannt; als dieser bei geänderten Vermögens-Verhältnissen die Burg seiner Väter nicht mehr behaupten konnte, trug er das Dach ab und machte sie zur Ruine. Man hatte sie ihm abkaufen wollen, der Eine, um eine Fabrik, der Andere, um eine Brauerei darin zu errichten. Er machte eine Ruine daraus; als er zum ersten Mal vom Thale hinaufschaute und die nackten Manern ihn anblickten, sah sein Begleiter eine Thräne an seinem dunkeln B^rt hängen. — Die Philister sagen, er hätte nicht reckt gethan. Wenn man das Heiligthnm seiner Väter nickt mehr heilig halten kann, so mache man doch lieber eine Ruine daraus. Denn um die zerfallenen Mauern schwebt ElwaS, wie vom Hauch der Ewigkeit., und mit dem dunkeln Evheu winden sich ernste Gedanken an den geborstenen Thürmen hinauf. Als ich heraustrat auS St. Dem'S war cS Mittag. Der Himmel war rein, wie von geschliffenem Stahl; die Herbstsonne meinte es so gut, als wollte sie Abschied nehmen auf lange Zeit. Einzelne vergelbte Blätter fielen leise von ven Pappeln, wie die Menschen vom Baume des Lebens fallen, ohne daß man cS wahrnimmt. Die alte Abtei stand so traurig da, wie ein Greis, der seine kalten, sast erstorbcnen Glieder an der Sonne wärmr; ein Heller Strahl fiel über die Vorderseite, die Fenster glänzten bei diesem Sonnenblick, es Mir wie ein plötzlich aufzuckendes Lächeln auf dem Angesicht deS Sterbenden. Ich nahm einen Wagen, fuhr nach der Richtung von Paris über die Ebene bin, auf der die Kämpfe der Ligue gewüthet, und die getränkt ist mit dem Blule deS ritterlichen Connetable Anne de Monlmorency, bog dann gegen Südwest ab und gelangte nach Meudon. ES ist dieß ein älteres Lustschloß der Könige auf einer sanft aufsteigenden Anhöhe, welcke die Gegend weithin beherrscht, mit groß-n Gartenanlagcn im Geschmacke Le Nolre's. Die Aussicht von der Terrasse herab ist entzückend. Paris lag vor mir, nahe genug, um die Stadt mit ihren Kuppeln, Sänlen, Thürmen und Triumphbögen ganz zu sehen, aber wieder zu ferne, nm über dem Labyrinthe zu stehen und es ganz zu ülerschauen. Unmittelbar zu meinen Füßen in malerischer Abwechslung die Reihen der Landhäuser, halb versteckt unter Bäumen und Laubwerk in den mannigfaltigsten Schatiiruugen, die in einem unermeßlich «veiren Bogen sick um die Stadt ziehen. Unter einem so schönen Himmel, in dieser lachenden Landschaft, die vor unS liegt wie überschüttet von allen Gütern unv Gaben und Genüssen deS Lebens, wo nichts als Glück ausgestreut scheint, da ist es, als wollte Alles zum frohen Ge- 172 nusse deS Lebens einladen. Rabelais, der lustige Pfarrer von Meudon, wäre vielleicht der Welt nicht bekannt geworden, hätte er anderSwo gelebt, an den verödeten Küsten der Bretagne oder zwischen den ranhen Bergen des Jura. Ja, der Pariser Sybcirite hätte Recht — wenn nur Eines nicht wäre. Mein Blick schweifte weithin über die Stadt mit all' ihrem Glanz und ihrer Pracht; am äußersten Horizont stand Etwas, scharf herausgehoben durch den bellen Hintergrund, dufter, drohend wie die Gestalt des TodeS. Es war der Thurm von St. Denis. Er stand da, als wollte er spotten deS ohnmächtigen Treibens der Millionen da herum, als wollie er sagen: Und doch seyd ihr mir Alle verfallen! DaS ist der Eine, bleibende Hintergrund in dem heitersten Gemälde des Lebens, das ich je gesehen; das gellt wie eine schneivende Dissonanz durch die Festgesäuge der Freude, Ja, wenn St. DeniS nicht wäre mit seinem finstern Thurme und seinen kalten Gräbern, mit seinem Moder und Geruch der Verwesung, da hättet ihr Recht, ihr Männer und Frauen deS Genusses! Ich ließ mich nieder unter einer schattigen Platane; ihre Blätter rauschten in der Abendlnft, als wollten sie erzählen von den FestinS und was sie Alles schon hier gesehen hatten. Da dachte ich an BossuetS Worte unter dem Dome von St. Denis: O Eitelkeit, o Nichtigkeit! Alles ist Eitelkeit, außer das Bekenntniß unserer Eitelkeit! Ich öffnete mein Brevier; es war eben das Fest der Kreuzerhöhung. Ich las den HymnuS zur Vesper: 0 Lrux svo, speg unies! Central-Afrika. Wien. Am 11. Mai ist hier an den ?. I. hochwürdigen Herrn Andreas Mcschutar, Präses des Marienvereines, folgendes Schreiben angelangt: Chartum, 15. März 1854. Hochwürdigster Bischof! Eben war ich im Begriffe, an Euer Gnaden zu schreiben, als ein Brief vom Herrn Grafen von Fries hier anlangte, welcher vom 15. Jänner d. I. an den hochwürdigen Herrn Provicar gerichtet war; da selber aber bereits am 16. Februar an den weißen Fluß abgereiset, und bei dem ausgezeichnet guten Winde, der diese Zeit hier wehte, in diesem Augenblicke nicht mehr weit von Gondocoro seyn wird, und wahrscheinlich auch für lange Zeit keine Gelegenheit sich darbietet, den Brief dahin zu senden, so nahm ich mir die Freiheil, denselben zu öffnen, woraus ich ersah, daß man in Wien in Sorgen ist wegen der Ehrlichkeit der Nachrichten, welche von unserer Misston einlaufen (oder vielmehr nicht' einlausen). Was erstlich die Mission und die Missionäre oben am weißen Fluß anbelangt, wohin der hochwürdige Herr Provicar am Wege ist, so hörten wir hier seit der Abreise des hochwürdigeu Herrn ProvicarS im Frühling des vorigen JahreS von dort noch kein einziges neues Wort; denn die Handelsschiffe sind von da noch nicht herabgekommen, müssen aber die ersten wohl bald ankommen. Von uns in Chartum kaun ich berichten: Unsere Kranken sind zwar gegenwärtig alle außer Gefahr und aus dem Krankenbette, aber sie können sich fast nicht erholen und schleichen blaß wie der Tod, auf dem Stäbe gestützt, herum. Einer davon, Herr Schaschel, Büchsenmacher und Schlosser, hat in seiner Krankheit einen Leibschaden bekommen, und seine wenige physische Kraft und den moralischen Muth noch vollends verloren; er kam vor einigen Tagen zu mir mit der Bitte, aus der Mission treten und nach Hause gehen zu dürfen, indem er einsehe, daß er das Klima nicht aushalten und daher für die»Mi>sion nicht nur nichis leisten könne, sondern ihr vielmehr znr Last seyn werde. Da ich bereits früher rücksichtlich eines solchen vorkommenden Falles mit dem hochwürdigcn Herrn Provicar gesprochen hatte, so nahm ich keinen Anstand, fraglichen Herrn zu entlassen. Wir brauchen nun hier vor Allem einen 173 handfesten Schmied, einer unserer tüchtigsten Maurer von den vier in Alerandrien für Lohn aufgenommenen ist uns, wie schon früher gemeldet, am 11. Februar gestorben, zwei davon sind noch immer marode, und nur einer ist munter bei der Arbeit: weil er aber nicht zugleich beim Kalkbrennen, beim Ziegelofen unv im Steinbruch seyn kann, und die hiesigen trägen und ungeschickten Berberiner, wenn er nicht dabei ist, entweder gar nichts thun, oder gar Stoss und Werkzeug zu Grunde richten, so fand ich für gut, die Arbeit im Steinbruch bis auf weiteres einzustellen, da wir bereits schon eine Menge Steine aus den Platz gebracht haben, und um vorzüglich auf Herbeischaffung von Kalk und Ziegel bedacht ,u seyn; sobald eS nur einigermaßen möglich ist, werden wir anfangen zu bauen; zuerst aber muß die EinfriedungSmauer an dem öffentlichen Wege aufgesühn seyn, bevor wir HauS und Kirche zu bauen anfangen können, wozu wir von der Regierung bereiiS die gebotene Erlaubniß erhalten haben. Hätten wir nur einmal eine Wohnung, wenigstens zehn Zimmer mit ordentlichem Dach, Boden und Fenstern, dann hätte man zur Regenzeit mindestens im Hause ein wenig Schutz vor den gewaltigen Wafsersluthen, dann könnte der Sturmwind nicht mehr Papier, Kleider zc. hinaus, und eine Unmasse von Staub und Unrath hereintragen; der gefährlichen Zugluft wäre einigermaßen vorgebeugt, Skorpionen und die Alles zernagenden Ameisen könnlen nicht mehr so leicht Boden und Mauer durchsungen, und alles verwüsten und zu Grunde richten, — und wie wohl würde ein nur leidliches Zimmer erst unsern armen Kranken thu»! — dann aber müßte sogleich die Kirche an die Reihe kommen; wer weiß es nicht, wie viel eine niedliche materielle Kirche zur Erbauung der geistigen Kirche Christi beiträgt? — wir sind hier der festen Ueberzeugung, daß, wenn wir'S mit der Hilfe Gottes einmal dahin bringen könnten, in einer anständigen Kirche unsern majestätischen katholischen Gottesdienst zu halten, und unsere erhabene heilige Lehre in einer den Leuten verständlichen Sprache vorzutragen, sich bald eine Menge Nathanacle einfinden würden; und diese unsere Hoffnung ist eben nicht aus der Lust gegriffen, sondern hat ihren Grund einerseits in der gänzlichen Zerfahrenheit der religiösen Zustände der hiesigen Kopten und Muhamedaner, andererseits im allgemeinen Bedürfnisse des Menschen nach innerlichem und äußerlichem Gottesdienst, die Kopten selbst (nämlich Schismatiker) sagen, eS wäre ihnen alleS recht, wenn eS nur irgendwo einmal elwaS Ordentliches gebel (Schluß folgt,> R o m. Rom, 25. April. Der 24. April, dieser freudenreiche Festtag deS KaiserstaateS Oesterreich, wurde auch in Rom geziemend gefeiert. Schon am Vorabende kündigten die Glocken von Ma.ia dell' Aniina die Festlichkeit an. Von der Frühe bis Mittag folgte Meßopfer auf Meßopfer, von Priestern aus Oesterreich und Deutschland dargebracht; auch ein Priester aus Spanien und einer auS Coustantinopel schloffen sich auS eigenem Anlricbe an. Um eilf Uhr wurde von dem Monsignore Silvestri daS Hochamt gehalten. Der Chor war mit deutschen Priestern und mit Alumnen deS Kollegium Germanicum dicht besetzt. DaS Pudlicum war äußerst zahlreich, mit geistlichen Notabilitäten an der Spitze. Von diesen nenne ich den Pater General der Jesnilen, den deutschen General-Definitor der Capuciner. . . Der gewesene Botschafter Graf Lutzow nebst andern vornehmen Personen befanden sich im Oratorium der Epistelseite, in dem der Evangclienseite war daS diplomatische Corps, nämlich der k. k. österreichische GeschäflSlräger Conte Gozze, der kgl. bayerische Gesandte Graf Spaur, der grvßh. toSkanische Gesandte, der Geschäftsträger von Württemberg und Baden versammelt, nebst dem VerwaltungS-Collegium der Anstalt. Andere Diplomaten waren wohl durch die gleichzeitige Feierlichkeit in der Sirtina für die verstorbene Königin von Portugal gehindert. Rührend war es, als das Te Deum abwechselnd vom Priester- Chor und von dem so gemischten Publicum gesungen wurde und als daö Gebet für 174 den Kaiser durch die feierliche Stille tönte, das alte, ehrwürdige Gebet aus den Zeiten deS römisch-deutschen Kaiserreiches, in der alten Nationalkirche Deutschlands zu Rom, da fuhren wohl nicht in mir allein Gedanken unv Wünsche auf. welche Sie und Ihre Leser leicht sich vorstellen können. Muß aber das Beste vielleicht auf immer im Bezirke der Wünsche bleiben, so möge uns wenigstens das Gute eine andauernde Wirklichkeit seyn: Deutschlands Eintracht! — Ein schönes Bild hiervon gewährt immer mehr dieselbe Anstalt, in deren Gotteshaus das eben angezeigte Fest gefeiert wurde. In dem Hospitium werden Pilger und mittellose Reisende aus allen Ganen deS deutschen BundeSstaateS drei bis sechs Tage vortrefflich verpflegt. In der Kirche versammeln sich zur deutschen Predigt in schöner Eintracht Deutsche der verschiedenen Länder, und den Katholiken gesellen sich frenndlich manche Protestanten bei. Reisende Priester a»S Deutschland pflegen zu Maria dell' Anima das heilige Meßopfer zu verrichten; sind sie nicht bedeutend bemittelt, so bekommen sie vier bis sechs Wochen lang freie Wohnung und Bedienung. Nach Möglichkeit wird cS deutschen Priestern, welche sich längere Zeit in Rom aufhalten, gern gestattet, gegen den billigen Betrag, welchen die Priester der Anstalt selbst entrichten, Tischgenossen derselben zu seyn, wie es denn gerade jetzt ein Domherr aus Aachen und ein Caplan auS Köln sind, und ein Domherr aus Prag nächstens wieder seyn wird. Die Geistlichkeit der Anstalt selbst besteht auS einem Rector, welcher zugleich Prediger ist, und auS vier Caplänen, welche sich außer den kirchlichen Functionen in die Geschäfte deS Sacristans, Pilgerspirituals, Oecono- men und Bibliothekars theilen. Ein Caplan ist auS Münster in Westphalen; einer ist ans Trient, der Rector und ein Caplan sind auS der Diöccse Briren; ein Caplan ist aus der Schweiz und wird in der Stellung geduldet, weil er dieselbe bereits zwölf Jahre inne har und alle Achtung verdient. Zugleich wohnen drei Studirende im Hause; zwei ans den Rheinlanden, einer aus Schlesien. Aus diesen einfachen Notizen geht klar genug hervor, daß die Anstalt Maria dell' Anima weit davon entfernt ist, eine ausschließlich österreichische seyn zu wollen; vielmehr stellt sich an dieser mittelalterlichen Stiftung eine Harmonie von Oesterreich und Deutschland dar, welche an schöne Zeiten der Vergangenheit erinnert und der Anstalt eine Zukunft verkündigt, die der Vergangenheit ähnlich ist. Da aber die österreichische Regierung eS war, welche diese Anstalt auS dem Zerfalle mit kräftiger Hand wieder ausrichtete; da die österreichische Regierung es ist, welche der Anstalt zu ihrem gegenwärtigen Zustande emporhalf; da dieselbe hohe Regierung es ist, welche der noch wünschenswerthen Fortsetzung und Vollendung der Reform dieser Anstalt die wohlthätigste Aufmerksamkeit zuzuwenden fortfährt: so ist eS leicht begreiflich, daß am 24. April nach den Gebelen vor dem Altare — an der Tafel deS RefectoriumS, au welcher zwölf Priester auS Oesterreich und Deutschland brüderlich versammelt waren, so innig und warm, als irgendwo, Toaste der Freude und der Wünsche erschollen für das erhabene Brautpaar Franz Joseph und Elisabeth! (Salzb. Kbl.) a»r»' ^llll -.'>'.'>??',!'»' >»'>!/>', >«>>,. Irland. An der „Bekehrung Irlands" arbeiten gegenwärtig nicht mehr als 16 englische Gesellschaften, die der BaSIer Volksbote folgendermaßen angibt: 1. Die irische Gesellschaft, auS der bischöflichen Kirche, seit 1826, unterhält 59 Bibelleser und 719 Lehrer, wirkt unter der nicht englisch redenden Bevölkerung. 2. Die irische Gesellschaft in London und Dublin, zu demselben Zwecke, etwas jünger. JahreSeinnahme 1852 gegen 70.00V Thaler. 3. Die irische Gesellschaft für Bibelleser, seit 1822, hat 84 Bivel- leftr auögesandt. JahreSeinnahme 1852 15,000 Tblr. 4. Die hibernische Frauen- Gesellschaft zur Erziehung armer Mädchen. Jährliche Ausgabe circa 13,000 Thlr. 5. Die Gesellschaft zum Besten der Inseln und Küsten von Irland, aus der bischöflichen Kirche, hat 25 Vorleser und Schulmeister in Diensten und wirkt aus 48 Stationen. 6. Die Sonntagöschul-Gesellschaft für Irland, hat circa 3000 Schulen mit 175 226,000 Schülern gegründet und seit 1809 über zwei Millionen Bibeln und christliche Schriften verbreitet. Jahreseinncchme 1851: mchrcUS 17,000 Thlr, 7, Die hiber- nische Bibelgesellschaft, seit 1806, verbreitete über zwei Millionen Bibeln und biblische Theile Jahreseinnahme 1853 circa 27,000 Thlr. 8/Die religiöse Tractatgesellschast für Irland, f it 1829, mit Niederlagen und Leihbibliotheken an 1162 Orten. 9. Die hibernische Gesellschaft der WeSleyaner, hat 158 Prediger, 25 Missionäre und 62 Lehrer in angestrengter Arbeit, die „bis in die verborgensten Schlupfwinkel dringen." 10. Eine zweite WeSleyaner-Gesellschaft, deren Namen nicht angegeben wird und die eben so arbeitet. 11. Die Baptisten-Gesellschaft sür Irland hat 24 Geistliche und Evangelisten ausgesandt. 12. Die bischöfliche Gesellschaft zur Erziehung in Irland, hotte 1821 1882 Schulen mit 108,000 Schülern gegründet. 13. Die innere Mission der PreSbytcrianer-Kirche in Irland, hat seit sechzehn Jahren 160 Gemeinden und eine Anzahl MissionS-Stationen gegründet, unterhält 3—4000 Schulen, in denen 20.000 die Bibel lesen gelernt haben. 14. Die Gesellschaft der Brüdergemeinde zur Fortpflanzung der Erkenntniß des Evangelii in Irland, hält Vorleser auf 6 Stationen. 15. Die bischöfliche Miisionögescllschaft in Irland zum Besten der Römisch-Katholischen, seit nicht ganz acht Jahren, neuerdings sehr wirksam. 16- Die Gesellschaft zur Vertheidigung der Rechte und deS Gewissens, unter dem Vorsitze des ErzbischofS von Dublin, zum Schutz der Proselyten gegen ihre frühern Glaubensgenossen. Nach den bei einigen darunter gemachten Angaben kann man schließen, daß diese 16 Gesellschaften zusammen jährlich vielleicht gegen ^/z Million Thaler zur Protestantisirung Irlands ausgeben. Einige von ihnen wirken nun seit bald einem halben Jahrhundert. Bedenkt man, daß außer diesen sür Irland allein errichteten Gesellschaften auch die übrigen großen englischen Gesellschaften, die Bibel-, Tractat-, Schul-Gesellschaften u. s. w. doch ebenfalls mit sür Irland arbeiten, so sind die Anstrengungen in der That enorm. 5»-,M Sir, >!>«! >ixp!?h>'?'>isl. >1!>M! ',!,,m'iS >ichMsWH», Der Pfarrer von Ars. I^ll>is!j>l^^t !r!) ?>6 '?>?u Das „Tablet" theilt aus einem Privatbriefe eines englischen Katholiken Folgendes mit: Der Pfarrer von Ars lebt in dem Dörfchen Ars, einige Meilen von Lyon. Das Dörfchen besteht ans Lehmhütten, eine derselben ist zwar weder ein Hotel noch eine Herberge, wird aber von den vielen Fremden, die als solche kommen, benutzt, um bei dem Pfarrer zn beichten und die oft 48 Stunden warten müssen, ehe die Re he an sie kommt. Der Pfarrer steht täglich, nachdem er zwei Stunden geschlafen har, um Mitternacht auf und geht in den Beichtstuhl, wo ihn schon Viele erwarten; cS ist eine eiacne OmnibuSfahrt von Lyon aus eingerichtet, um die Pilger nach ArS zu führen.' Um sechs Uhr licSt er die heilige Messe und empfängt dann in der Sacristei diejenigen, welche ihn zu sprechen wünschen, Rosenkränze und Medaillen segnen lassen wollen u. s. w. Um zwölf Uhr ißt er etwas Brod und Milch, sonst den ganzen Tag nichts. Dann predigt er und geht wieder in den Beichtstuhl. Seine Predigten sind in dem Style „Kindlein, liebet einander" deS heiligen Evangelisten Johannes. Er spricht meist von der Seligkeit der Liebe zu Gott, wobei er oft die Worte wiederholt: wie süß ist es, Gott zu lieben!" jedesmal unter einem Strome von Thränen; eben so, wenn er von dem Leiden deS Heilands und unserer Pflicht, ihn wieder zu lieben, predigt. Wir hörten ihn darüber predigen: er mußte vor Weinen einhalten, und kein Auge in der Kirche blieb trocken. Sein NcußereS ist höchst merkwürdig: er ist ein Bild deS Todes, sehr bejahrt und mit eingefallenen Wangen; er steht einem Träumenden oder Schlafwandelnden ähnlich. Er scheint Niemand zu sehen; sein Blick ist ganz überirdisch. Die Kirche ist klein und ärmlich; ringsum hangen Votivgaben, zur Erinnerung an die Wunder, die sein Gebet bewirkt hat. Er nimmt die Kranken mit an den Altar der heiligen Philomena, betet dort mit ihnen, und Viele sind geheilt. In seinem 176 Benehmen ist er ganz einfach und anspruchlos, und hört jeden an, der ihn zu sprechen wünscht. AIS wir zu Grenoble und an andern Orten Leute fragten, ob sie den Pfarrer kennten, erhielten wir jedesmal die Antwort: „O gewiß; wer in Frankreich, der in etwa religiös ist, kennt nicht den Pfarrer von Ars?" AuS allen Gegenden von Frankreich strömen Pilger zu ihm. Unsere ganze Reisegesellschaft beichtete bei ihm; er fertigte uns aber alle sehr kurz ab. Wir hörten, er thue daS bei Vielen, während Andere zwei- oder dreimal wieder kommen und auf'S Genaueste ausgefragt würden. Das Bibelgeschast. Bekannt ist, wie viel die englischen Bibelgesellschaften zur Revolutionirung Italiens beigetragen haben. Eine gleiche Thätigkeit entwickeln die nordamerikanischen Bibelgesellschaften in allen Staaten der ehemaligen spanischen Kolonien in der neuen Welt. Einen merkwürdigen Beleg dafür «heilt das „Uiüveri-" aus Mexiko mit. Der Justizminister machte nämlich den Erzbischof von Meriko ans daS verderbliche Treiben der protestantischen Bibelgesellschaften aufmerksam, die in den mexikanischen Staaten eine Flulh von verfälschten Bibeln und unsittlichen französischen Romanen zu verbreiten streben, um dadurch das Land zu entsittlichen und den Geist der Revolution zu Gunsten der Nordamerikancr zu verbreiten. In Folge der Ausforderung deS Justizministers hat der Erzbischof ein Hirtenschreiben an das gläubige Volk erlassen, worin es kräftig ermahnt wird, die Wölfe in Schafspelzen auSzutreibeu. . _ Paris. Die Administration des .MgZgsin utile" in Paris hat vor Kurzem bei dem erzbischöslichen Sekretariat die Summe von 3l)l)(1 FrcS. niedergelegt, die als Preis demjenigen Schriftsteller zuerkannt werden soll, der binnen Jahresfrist daS beste Werk über die christliche Nächstenliebe und über die Principien der christlichen Philosophie einreicht. Die Gesellschaft will dadurch, wie sie in ihrer Ankündigung sagt, nach Kräften zur Uebung und Läuterung der guten Sitten und der wahren Civilisation beitragen. Die Hauptgedanken, die jenem Werke zu Grund liegen müssen, sind die folgenden zwei: die aufrichtige und verständige Beobachtung und Uebung der Gebote Goites und der Kirche genügen vollständig, sowohl zur Befriedigung aller Ansprüche, die das eigene Gewissen, wie die ganze menschliche Gesellschaft an unS macht; und zweitens: die christliche Nächstenliebe, praktisch verwirklicht, genügt vollkommen, uns mit dem großen Mißklange, den die ungleiche Vertheilung der irdischen Güter und Besitzthümer in der Wclr hervorruft, harmonisch auszusöhnen. Das Werk wird Eigenthum der Gesellschaft, die dasselbe in einer halben Million Eremplaren in ganz Frankreich verbreiten wird, und zwar zu dem billigsten Preise; Exemplare sollen außerdem an alle Mairien, Communen, Schulen und Lehranstalten deS ganzen Reiches gratis versandt werden. Man hofft auf eine große Concurrenz. «t. Polten. St. Pölten, 3. Mai. In der hiesigen Domkirche wird wie im vorigen Jahre die liebliche Maiandacht gefeiert. Die täglich stattfindenden Predigten (6 Uhr Abends) werden zumeist von den H.H. Professoren deS bischöfl. Alumnates gehalten, und eS ist eben so erbauend als rührend, das Lob Mariens von so vielen gelehrten Männern in ächt katholischer Weise verkündigen zu hören. DaS Generalthema aller Maipredigten bildet die Erklärung der lauretanischen Litanei. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Psjheitung. 4. Juni H^- 25. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig all« souutage. Der halbjährige Aboimemcitteprei's kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter ««d atle Buchhaudlnvgen bezogcn werden kan>>. Fürstbischof von Gorz — Franz Xaver Luschin. (N e k r o l o g.) Die letzten Tage des vorigen und die ersten Tage dieses Monats brachten der Stadt Görz eine schmerzliche Heimsuchung; der dort resivirende hochverehrte Kirchen- fürst, dessen Leben ein Vorbild aller christlichen Tilgenden war, der hochwürdigste Fürsterzbischof Franz Xaver Luschiu, wurde nach längerem Unwohlseyn am Llbeud des 20. April von einem heftigen Fieberanfalle ergriffen, der ihn auf ein SchmeizeuSlager warf, von dem er sich trotz der Anwendung aller nur irgend angezeigten Mittel nicht wieber erheben sollte. In den ersten Stunden des L. Mai entschlief er, nachdem er die letzten Tröstungen der heiligen Religion empfangen halte, sauft in dem Herrn. Der hochwürdigste Fiirsterzbischof war der Sohn schlichter, wackerer Laudieute, der Bauern Leonhard und Kalharina Luschin, denen er am 3 December 178t auf ihrem, im Jaunthale in Kärnlhen gelegenen Bauernhöfe geboren wurde; in der Pfarrkirche zu Tainach erhielt er bei der heiligen Taufe die Namen Franz Xaver. In ländlicher Einfalt erzogen, erregte der heranreifende Knabe allmalig die Aufmerksamkeit der prüfenden Seelsorger der Umgebung, was die Elttrn bestimmte, ihn nach Klagenfurl zur Schule zu schicken, wo ihn Talent im Bereine mil Fleiß uud Bescheidenheit bald in so hohem Grade auszeichneten, daß seine Milschültr nach Beendigung der philosophischen Jahrgänge den ihnen liebgewordenen Luschin zur Fortsetzung der Studien und zum Eintritt in das dortige Seminar bittend veranlaßlen, wo er sich durch frommen Sinn, gründliches Wissen und kluges Benehmen bald hervorthat und am 26. August 1804 die priesterliche Weihe erhielt. Als zweiler Eaplan der Slablpfaire St. Egiden in Klagenfurl verwendete er sich eifrig für die Seelsorge von Mitte December 1806 bis Ende Jänner 1d03. Jede freie Stunde jedoch den tiefern Forschungen in theologischen Lehrfächern wiomend, bestand Eaplan Luschin im Jahre 1807 an der Wiener Universilät die bezüglichen Rigorosen und wurde am 16. Jänner 1808 zum k. k. Professor der morgenländischen Sprachen und des Bibelstudiums nach Gratz ernannt, womit seinen wissenschaftlichen Bestrebungen sich eine freiere Bahn eröffnete. Im Jahre 1813 erhielt Professor Luschin den Grad eines DoctorS der Theologie. Die wissenschaftlichen Forschungen hatten den gelehrten Priester keineswegs der Seelsorge ganz einzogen und er widmete mehrere Jahre hindurch so manche Zeit als Beichtvater im dortigen Fraueuklostcr, wobei er stets jene christliche Milde und Klugheit beurkundete, welche einer solchen Obsorge höhere Weihe geben. Anch hielt Professor Luschin vom Jahre 1L10 bis 1814 die akademischen ErHorten am Gratzer Lyceum und wurde vom Kollegium der Professoren für das Studienjahr 1815 zum Rcccor gewählt. Z78 In Folge so vielseitiger, erfolgreicher Verwendung wurde dem Professor Doctor Luschl'n im Mai 1818 das Direktorat der dortigen philosophischen Studien übertragen. Auch in dieser höhern Stellung entsprach Luschin den gehegten Erwartungen und als im Jahre 1819 daS Bedürfniß eines tüchtigen Referenten der Studien- und geistlichen Angelegenheiten für daö Tiroler Gubernium fühlbar geworden war, erfolgte mit Allerhöchster Entschließung vom 6. Jänner 1820 LuschiuS Ernennung zum Guber- nialrathe nach Innsbruck. — In dieser neuen, ungemein schwierigen Stellung bewährte er einen so richtigen Tact und ergiebigen Diensteifer, daß die getroffene Wahl bald auch höchsten OrteS als eine glückliche anerkannt wurde. Weiland Se. Majestät der väterlich sorgsame Kaiser Franz I. hatte die längere Erledigung des BiSthumcS Trient bereits in geeignete Erwägung gezogen; nach gnädiger Würdigung der um Kirche und Staat erworbenen Verdienste, so wie des erprobten Charakters des Gubernialrathes Luschin fand Se. Majestät sich bewogen, denselben am 12. November 1823 zum Fürstbischöfe von Trient zu ernennen; Seine Heiligkeit Papst Leo XII, sprach am 24. Mai 1824 die Bestätigung auS. Nach am 3. Oktober 1824 zu Salzburg erhaltener Consecration zog der Kirchen- fürst am 17. desselben Monates unter dem aufrichtigen Jubel der Bevölkerung in seine Residenz ein, woselbst er während der nächstfolgenden zehn Jahre die segenreichste Thätigkeit und eine solche Fülle frommen WohlthunS entwickelte, daß dem Andenken an seinen Aufenthalt dort noch jetzt die innigste Verehrung dankbar geweiht wird. Mittlerweile liatte das Königreich Galizien seinen erzbischöflichen Primas durch Versetzung verloren, auf welchen hohen Posten Se. Majestät am 10. Februar 1834 den vielerprobten Kirchenfürsten Franz Xaver Luschin zu berufen geruhle. So ungern derselbe sich von seiner bisherigen Diöcese trennte, entsprach er doch allsogleich der allerhöchsten Bestimmung, verließ Trient am 23. August 1834 und langte nach dem nöthigen Aufenthalte zu Wien am 6. November desselben Jahres in Lcmberg an; später bestimmten die Schwierigkeiten der dortigen ökonomischen Verhältnisse den an ergiebige Wohlthätigkeit gewöhnten Prälaten auf jene erhabene Stellung zn resigniren, worauf ihn der Kaiser in seiner Weisheit am 9. Jänner 1835 mit dem eben erledigten Sitze eines Fürst - Erzbischofes von Görz und Metropoliten von Jllyrien bethcilte, wozu der heilige Stuhl am 9. April desselben Jahres seine Beistimmung gab; am 22. August 1835 feierte Görz die Ankunft seines Kirchenfürsten. Die seicher verflossenen neunzehn Jahre bilden eine uuunterbrochcne Reihenfolge deS edelmiithigsten Wirkens des hochwürdigsten ErzbischofeS, welches den Reichen ein erhebendes Beispiel, den Armen den mildthätigsten Trost und Allen ein enmmterndeS Vorbild in frohen wie in bittern Tagen gewährte. Die bereits bestehenden frommen und wohlthätigen Institute der Stadt fanden in dem hohen Vorstände den werkthätigsten Gönner, während mehrere durch seine Anregung und kräftige Unterstützung inö Leben traten, alle aber unter seiner umsichtigen Leitung bestens gediehen. Im Jahre 1849 zum Cougressc der österreichischen Bischöfe nach Wien berufen, trug Fürst-Erzbischof Luschin zur Ausrechthaltung kirchlicher Ordnung redlich bei und fand im Umgange mit den versammelten hohen Vätern eine wohlthätige Erquickung für sein durch die Wirren des vorhergegangenen Jahres tief verletztes Gemüth. — Bei dieser Gelegenheit lernte auch die neue Zeit die WerthfMe des seltenen Mannes näher kennen und Se. k. k. apostolische Majestät geruhten denselben zu Ihrem geheimen Rathe zu ernennen, so wie im Jahre 1852 durch Verlei'huug des Großkreuzes des Leopoldordens den unwandelbar treu ergebenen Prälaten der Allerhöchsten Gnade zu versichern. In seiner äußern Erscheinung vereinte der hohe Kirchenfürst imponirende Würde und klare Besonnenheit mit Milde und herzgewinnender Freundlichkeit gegen Jedermann in >o hohem Grade, daß man sich unwillkürlich angezogen und erbaut fühlen mußte. Leutseligkeit und Gastsreundlichkeit waren weitere hervorragende Zierden seines Charakters. Seine Wohlthärigkeit fand nur in den ihr zu Gebote stehenden Mitteln Begrän- zung und seine letztwilligen Verfügungen bezeugen, daß er auch am Schlüsse seiner 179 Wahrhaft apostolischen Laufbahn vorzüglich der Armen und wohlthätigen Institute gedachte, ohne hierbei die treuen Dienste seiner unmittelbaren Umgebung zu übergehen. Ein mit so hohen Tugenden reichlichst ausgestatteter, thatenvoller Lebenswandel wendete ihm eine so innige und allgemeine Verehrung zu, wie sie kaum irgend Jemand zuvor in Görz genossen; das unter der Leitung des Domcapitels von der Görzer Bevölkerung ohne vorhergegangene Aufforderung am 5. l. M. prunkvoll veranstaltete, Geleite des viel Beweinten zur Ruhestätte hat hiervon den sprechendsten Beweis gegeben. Von den Görzern wird sein Andenken unvergänglich erhalten werden. (W. Z.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. II. Aus Slavonien. Nach der Zerstreuung des katholischen Volkes und seiner Priester, von welchen ein großer Theil schon früher durch die Schärfe des Schwertes gefallen war, wurden die öden Klöster dem Erdboden gleich gemacht; dennoch kehrten die Väicr, um wenigstens die drei Klöster SutinSka, Foinica und Krcshevo zu erneuern, wieder zurück; aber alsbald vertilgte die kannibalische Wuth der Feinde abermals die nur im Wesentlichsten hergestellten ärmlichen Bauten; sie blieben fast dreißig Jahre im Schütte, bis sie dann wieder hergestellt wurden und bis auf den heutigen Tag den Arbeitern im Weinberge des Herrn zum Aufenthalte dienen. In diesen heiligen aber ärmlichen Mauern widmen sich die Franciscaner-Väter der Jugendbildung, nehmen Knaben von zehn bis dreizehn Jahren auf, leiten ihre Erziehung bis zum Priesterthum und übe» die Scelsorge über eine Anzahl von 120—130,000 katholische Christen in Bosnien (früher auch in Erzegowina über 37,000). Die Klosterzucht wirv strenge gehandhabt und man kann behaupten, daß eine ähnliche Disciplin vielleicht in wenigen der übrigen Klöster anzutreffen ist. Im Kloster zu SutinSka besteht seit undenklichen Zeiten der Gebrauch der Glocke; und trotz aller Bestrebungen und gehässigen Bemühungen der Türken zur Beseitigung derselben blieb ihre Absicht ohne Erfolg, Obbenannte drei Klöster haben jedoch kaum die Form oder Aehnlichkeit der Klöster in andern Provinzen; sie sind niedrig, enge, finster, daS Baumctterialc mehr hölzern als aus Stein, mehr Höhlen als Klöstern ähnlich; weil es aber in ganz Bosnien wenig bessere Gebäude gibt, so haben sie im Verhältnisse zu diesen daS Ansehen von Palästen. SutinSka allein hatte das große Glück, durch einen Fcrman von 1847 ein neues Gebäude von vier Zimmern dem bestehenden Kloster angebaut zu scheu. So bilden diese drei Klöster und noch sechs Residenzen, welche sämmtlich zugleich Pfarrhäuser sind, den ganzen Bestand der bosnisch-argentinischen Provinz, welche schon Papst Eugen IV. „murum inexpuAngbilem pro äomo vei" nannte; Pray aber, ein ungarischer Hisioriograph, in 8psc. nier. Ilnng. psrt. 2. pag. 237 von ihr sagt: „Ouoium (I'rimeiseanorum) merita in eam re^ionem nemo umczusm sstis vraedicaverit, cum servawm istln'0 religionein catuolieam sore unis clenea- mus." Cardinal Sacripantiö aber clcl. 12. Sept. 1712 sagt: ,,^tt«-nt!s bonis reis- t,ioniliu8 »6 nanv saersm Longieggtionem (cke vrop»g. licls) a O. Lsräinalo I>iäx?a, nuntio »postolico Viennse, cle liinorivus ZÜinorum Kosnensiurn ins» s. Longre- gstio reinanet seciilicaw in islis bonis Keli^iosis." Uebergehend viele andere Zeugnisse aus lang entschwundenen Jahren wollen wir noch anführen den berühmten Cardinal Mai, der im Bewußtseyn des edlen Strebens dieser Väter sich ausdrückte: „lollere provincism o Kosn» est tollere Lnristuin." Wir wollen auch nicht weitläufig seyn in den Lobreden für die unermüdete Thätigkeit, edle Aufopferung und den Feuereifer der bosnischen Väter; wer sich hiervon überzeugende Gewißheit und klare Begriffe verschaffen wollte und nach Bosnien käme, der müßte sich wundern, was eine klare Schaar religiöser Männer vermag; staunen müßte er über den himmlischen Segen, womit die Arbeiten dieser katholischen Pflanzer begleitet sind, da sie unauf- «) Salzb. Kbl. !30 hörlick den türkischen Plackereien ausgesetzt, dennoch den heiligen Glauben nicht nur durch vierhundert Jahre aufrecht erhielten, sondern auch für Vermehrung der katholischen Seelenzahl ihre Kräfte mit Glück verwendeten. Die drei öfters erwähnten Klöster, obwohl eine einzige Provinz bildend, machen einzeln genommen jedes für sich gleichsam eine Custodie; jedes hat eine bestimmte Anzahl von Pfarreien, von welchen sie ein kleines Einkommen beziehen, um auch die dem geistlichen Stande sich widmende Jugend erziehen zu können. Jedes einzelne Kloster hat Schulen für Knaben (semin3rig s>uerc>rum), ein Noviziat und ein Klerikal. In diesen Schulen lehrt man die Anfangsgründe der wisscnschafilichen Bildung, Religion, lateinische, jetzt aber auch italienische und türkische Sprache, welche letztere den Bosniern großen Vortheil gewähren. ES sind erst zehn Jahre verflossen, daß man auch philosophische und theologische Vorlesungen in den Klöstern hielt, und die Jugend zum Priciterstande vorbereitete; gegenwärtig wird die heranzubildende Jugend nach Diakovcir befördert. Aus den Klöstern werden ferner die Priester auf die Pfarreien, deren Foinica 26, Sutinska 19, Kresevo 4 zählt, ausgesendet, unv zwar durch den Pater Provincial mit seinem Dcfinitorium, unter Bestätigung des apostolischen Pro- vicarS. Somit besteht in der Provinz eine doppelte geistliche Gerichtsbarkeit, nämlich die deö Provincials, der über den gesammten Personal-Status, und die des apostolisch n VicarS, welcher durch das ju8 cumulativum mit dem Provincial-Minister uud dem Denuitorinm, so wie hierüber verschiedeue Bestimmungen der s, eonßrsggticm cle pro,?, licle lauten, die Psarr-Missionäre leitet. Gegenwärtig besteht kein Bischof, folglich üben die geistliche Jurisdiktion der Provincial-M-nister und ein vom apostolischen Stuhle bestätigter Provicar. Regiert werden die Klöster nach den Statuten des gesannnien Ordens; jedem derselben st.ht ein Qucndian vor, der zugleich Ortspfarrer und daS Antt des apostolischen SyndicnS verwaltet; ihm zur Seite steht ein ConvenlS» vicar, der die Oeconomie und die Bearbeitung der zum Kloster gehörigen Gründe beaufsichtigt und leitet; ferner ein Novizmeister, zugleich prokos5or Iiumgniorum; mestsr chevmji (Kinderlehrer), zugleich Grammaiical- und Normal-Lehrer; zwei Sonn- und Festtags - Prediger, welche Christenlehren halten uud zugleich Psarr-Capläne sind. Alle Priester sind Officianten. Wegen Mangel der Orgel bestehr ein Lorista (Chor- regcnt), der den Gregorianischen Chorgesang leitet und in demselben die Novizen unlerricbter. Außerdem gibt es einige Jubilirte, oft 18—20 an der Zahl, die wegen AlierS zum Psarrdieuste nicht mehr tauglich sind. Der Provincial mit seinem Sccre- tär, auch der Bischof wohnen in den Klöstern; letzterer hat die Wahl, im Kloster, wo er für den O den erzogen, oder zum Bischof gewählt wurde, zu residiren. Alle drei Jahre ist neue Provincial-Wahl, und hiedurch wird auch der Aufenthalt desselben alle drei Jahre gewechselt; denn es ist keinem erlaubt, aus seinem Aufeuthallskloster in ein anderes sich versetzen zu lassen, folglich ist durch neun Jahre an jedem Kloster die Reihe deS Provincial^AnfeuthalteS; und diese Ordnung durfte bis auf den heutigen Tag wegen der Gleichberechtigung keine Störung erleiden, ausgenommen, wenn ein in der Reihe stehendes Kloster keinen hinreichend fähigen Mann hätte, wo eS dann erlaubt ist, ans der Familie der zwei andern Klöster zu wählen. Dieselbe Ordnung besteht auch bei der Definitoren-Wahl; und so ist eS herkömmlich, daß in jedem Kloster zwn Individuen aus dem gesammten Provinzvorstande residiren; z. B. Provincial und Definüor, CnstoS und ein Desinitor, zwei Definitoren (zusammen daS corpv8 clelmitivum), sämmtlich untergeordnet dem General-Minister zu Rom. Jedes Kloster ernährt uud erzieht zehn bis achtzehn Knaben (v^eeg), welche für den Orden sich widmen wollen; Novizen, nach übcrstanvenem Prüfungöjahre, waren früher acht bis zehn; seit Uebcrsetzung derselben nach Diakovar in Slavonien hat sich die Zahl gemindert. Alle von zehn bis dreizehn Jahren Aufgenommenen müssen binnen drei bis vier Jahren in Allem, was die Bildung für den Orden erheischt, von den ersten Anfangs- gründcn bis zur Philosophie durch hie'zu bestimmte Priester unterrichtet werden. (Fortsetzung folgt.) 181 Darmstädter Phantasien und der Gegen über HauSthtere. Die „Allgemeine Kirchenzn'tung" ist über den Erzbischof in Freiburg völlig trostlos, und verwickelt sich nach Art einer ungeschickten Tänzerin in das faltenreiche Kleid ihrer Widersprüche. Für den Zionswächter Schenkel ist eine höchst anstrengende Zeit hereingebrochen —„er kann die Blechtrompete gar nicht mehr aus der Hand legen — und macht einen wahren Höllenlärm. Gleich im ersten Blatte deö dritten HefleS 1854 ruft er auS: „Wer weiß, ob nicht auf der Engelsburz schon an dem Büßerhemde für den reuigen badischen Sünder genäht wird!--Fürwahr, Schenkel thäte besser, sich zu erkundigen, wo die Schlafhauben für die Leser der „Darmst. Allgemeinen" genäht werden, und jedem Abonnenten gleich eine solche sammt dem Blatt zu verabfolgen; denn das Poltern gegen Rom ist bereits so monoton geworden, daß man sich in Anhörung desselben des Einschlafens nicht leicht erwehren kann. — Im selben Blatte wird sehr naiv berichtet: „Wie ausgedehnt die konfessionelle Spaltung in vielen Landestheilen ist, zeigt ein Beispiel auS der Provinz Pommern: ein Dorf Rothen- burg, das ohne Schule und Kirche nur dreizehn Häuser hat, gehört zu vier verschiedenen Confessionen: Katholiken, Altlutheraner, nicht unirte Reformirte, und unirte Lutheraner." Eigenthümlich: die Reformation beklagt ihren eigenen Segen, den sie sonst so rühmt! Haben denn die Leute kein Recht, sich GotteS Wort in aller Freiheit auszulegen? Wer kann es ihnen denn wehren? — Und wer hat denn die Spaltung begonnen und fortgesetzt? In der Nr. 37 wird der Grund von Irlands Elend auf wahrhaft geniale, bisher unerhörte Weise enthüllt; da heißt eS: „Irland mag seine politischen Beschwerden und socialen Leiden haben, hier helse Regierung und Menschenfreund! Der Christ betrachtet die Bevölkerung von einem andern Gesichtspunkte aus, er erkennt als Irlands großen Mangel das Nichtvorhan- denseyn des Evangeliums. Irlands Verderben ist das päpstliche Regiment, das päpstliche Wesen hat deS irischen Volkes geistige Kraft gelähmt, und sein Gewissen von der rechten Bahn mißleitet; das Papstthum hält eg in Fesseln, die so fest geschmiedet sind, daß nichts geringeres als Allmacht sie brechen kann.--- Eigenthümlich — die gescheiten Prolestanten Englands: Historiker und Staatsmänner, finden den Grund deS irländischen Uebels in ganz andern Dingen, als die erleuchteten Theologen zu Darmstadt, die freilich weder Historiker noch Staatsmänner sind. Der protestantische Engländer Cobbet sagt, daß zur katholischen Zeit in England und Irland die Leute in Gefängnissen eine bessere Nahrnng hatten, als jetzt taufende von Freien in der protestantischen Zeit!! Aber was geht das Alles die Darmstädter und Heidelberger an? Wozu brauchen die etwas zu lesen, zu studiren? — Die bringen ihre Ansicht?» fertig mit — und Kssta! Selbstgenügsamkeit ist die lange Stange, an der sich der Hopfen der Blödigkeit hoch hinaufrankt, und mit der ... . kämpfen die Götter selbst vergebens, sagt das alte Sprichwort. — Der Berichterstalter gibt sich der freudigen Gewißheit hin — Irland werde evangelisirt, d. h. anglisirt werden;, — das wird auch in Kurzem freilich ohne Missionäre geschehen, wenn die armen katholischen Jrländer tausend und tausend Weise, um dem Druck der Noth zu entrinnen, nach Amerika auswandern. — Unter dem Titel: Römische Kuriositäten" wird ein langer Leitartikel über ein bedrucktes Papier, welches „die gewisse und wahrhafte Länge unseres Herrn Jesu Christi" darstellt — gebracht; für alles, was auf diesem Papier gedruckt ist — soll die katholische Kirche die Verantwortung tragen!! Wir Katholiken wissen gut, was an derlei Speculationen von Winkelpressen daran ist, ja wir könnten den Herren zu Heidelberg auch papierene Schuhlängen vom Fuße der seligen Jungfrau — wie solche bedruckt von Hausirern auf dem Lande verkauft werden — einsenden, um dem Allgemeinen Darmst. Organ Stoff zu einem großen Leitartikel zu geben. Es ist schon der Fall vorgekommen, daß selbst protestantische Drucker derlei Machwerke um des Gewinnes wegen angefertigt haben; jedenfalls aber zeigt es eine große Schwäche in der Polemik, wie auch eine bedeutende Armuth am Principienstoff, wenn man die Ausfälle gegen die Kirche nun schon mit Waffen 182 dieser Art sich zu machen gedrungen und gezwungen fühlt. — AuS Rom wird der „Darmstädterin" eine Menge Haarsträubendes berichtet — von Reliquienverehrung — vom Glauben an wunderbare Heilungen durch Reliquien u. s. w. ; unter anderm heißr eS: „Noch allerlei Empörendes könnte ich hinzufügen. So das förmliche Einsegnen am Hochaltar, unter Glockengeläute und Kirchengesang, von Lämmern, deren Wolle zu den Pallien des Papstes und der Kardinäle (!!) verwendet wird, die Einweihung, d. h. Besprengnng mit heiligem Weihwasser, von Pferden, Maulthieren und Eseln."---Meine Herren, ehe Sie so ungeheuer lärmen, lassen Sie sich doch etwas sagen: Der Schreiber dieses hat einmal bei sehr christlichen Protestanten gegessen, unv eS wurde ein Speisesegen oder Tischgebet gesprochen: „daß Gott die Speisen denen, die sie genießen, zu ihrem Wohle angedeihen lassen möge." Ueber Tisch kam darnach die Rede über verschiedene katholische Gebräuche; und eS wurde auch der sogenannte Leonharvisegen erwähnt — bei welchem besonders im vorigen Jahrhunderte auch in manchen Gegenden Deutschlands die Hausthiere der Bauersleute, wie Pferde, Rinder und auch Esel auf freien Plätzen vor Kirchen 5) in derselben Intention wie die Speisen vor Tisch gesegnet wurden, in der Intention nämlich: daß Gott dem Besitzer dieser Thiere, an deren Erhaltung seine zeitliche Existenz hängt — daran keinen Schaden zukommen lasse — und ihn an diesen seinen HauSthieren vor UnglückSsällen, die doch ihn so schwer betreffen, behüten möge. — Ein junger Mann, der bei Tische saß, meinte nun, diese Gelegenheit zu Witzen nicht vorübergehen lassen zu dürfen, und wollte geistreich seyn, indem er seine Verwunderung über den „Pferde- und Eselsegen" auSsprach. Ich erwiverte ihm: daß er nach seiner Anschauung das Tischgebet, welches der Hausherr gesprochen hat, und das als ein schöner Ueberrest von alter Sitte noch in vielen Familien üblich ist — für einen noch größeren Unsinn halten müsse — indem da mit dem heiligen Gebet über todte Rinder, Esel (bei ächter Salami), ja sogar über todte Wildschweine, über Ferkel, gesottene Krebse und Schnecken gebetet werde, und biemit dem angehenden Genie Gelegenheit geboten sey — bei jeder Speise auf einen neuen Witz zu sinnen.--Weun man eö aber für keinen Unsinn hält, die Speisen zu segnen: waS so viel sagen will, als Gott zu bitten: daß uns der Genuß derselben zu unserm Wohle gereiche — so darf man in diesen Gebetkreis wohl auch die lebenden Hansthiere hereinziehen, indem man bittet: Gott möge diese Thiere den Besitzern derselben zum Nutzen gereichen und ihnen ans denselben keinen Schaden in ihrem Hauswesen zuwachsen lassen. — Gebet nnd Segen geht also immer auf den Menschen zurück und ist keine Weihe oder Hn'ignng der geistlosen Kreatnr, keine Weihe deS PserdeS, des Esels u. s. w., wag einem auch nur oberflächlichen Beobachter schon aus dem Umstand einleuchten dürfte, daß bei jener Ceremonie gerade die Pferve und Esel sich am ungebärdigsten zeigen — und den Zuschauern hiedurch sogleich praktisch der PsalmenverS eregesirt wird: nolite liori 51'out eczuus et mulus, czuibus von e8t intellevtu5. Zu deutsch: Werdet nicht wie Roß und Maulesel, die keine Bernunfc haben. (3l. Ps, 9. VerS.) Somit hätten wir für die Darmstädter, ächt biblisch geschlossen. (W. K. Z.) *) So war eS noch im vergangenen Jahrhundert der Fall vor der zu Petersdorf bei Wien auf einem Hügel gelegenen Lconhardikirche, welche in den achtziger Jahren von einer eigenen Commission verkauft wurde mit dem Beding: daß der Käufer sie demoliren muffe, und somit nur da« hiedurch gewonnene Baumateriale sein gehöre. Lange wollte sich Niemand zum Kauf herbeilassen — bis endlich ein illuminatischer Kopf nicht ohne Witze die große Capelle erstand. Bei der Abtragung der Kirche, die er selbst leitete, wurde er von einer einstürzenden Mauer erschlagen. 183 Zur Mission in Xirsch-nr-uth. Der Büßer Dank für die Mission, abgehalten in der Stadt Tirschenreuth im Monate Mai t854, MssIonsrIIs, eX soLletste lesV probstls, In VInes LKrlstl sVvsntlbVs, slt ^orls stizVo ssI^Vs! Vom Weg' des Heiles fast schon abgekommen, Irrten im Sünden-Taumel wir umher. Wir sah'» kein Licht der heil'gcn Engel mehr, Und jede Hoffnung war uns wie genommen. Noch einen Fehltritt, und wir stch'n beklommen Am Abgrund'. Von der Hölle wildem Heer' Wird jede schwache Seele fortgenommen. Unmöglich ist zn Gott dann Wiederkehr. So seufzten wir, und scih'n auf einmal wallen Drei edle Priester, die uns luden ein, Mit ihnen im herzinnigen Verein', Zu nahen uns des heil'gen Gottes Hallen. Und dieses Priester-Wort hat uns gefallen. Es flößte neue Kraft und Muth uns ein. Wir fanden hocherfreut bei muth'gem Wallen Den Weg. Uns fiel kein Smrz, kein Abgrund ein. Dank Ihm, der uns mit gottgeweihtem Munde Der Rede Meister (wie Sanct Paul) gelehrt: Daß, wer da führt des Glaubens heil'geS Schwert Mit seinem Heiland' bleibt im ew'gen Bunde, Und daß ein solcher Held scheut keine Wunde, Kein Feuer (das nur Irdisches verzehrt), Und muthig ausharrt bis zur SiegeSstunde, Des Namens eines Glaubens - Helden werth. Auch sey dem Priester Dank, der HoffnuugS - Strahlen Süß tröstend auf des Sünders Pfad gesenkt, Verweisend ihn an Gott, der Alles lenkt, Und der am reu'gen Büßer hat Gefallen. Er säumte nicht, die Heilige zu malen, Der liebreich Christus Gnade hat geschenkt, Weil sie, die in der Jugend tief gefallen, Voll Reue an den güt'gen Heiland denkt. Dank endlich Ihm, der ird'schein Glanz' entsagte. Der statt der Fürsten-Krön' die Dornen-Krön' Sich auf das Priester-Haupt gedrückt; den Hohn Des Frevlers gern ertrug und nie beklagte: Der, seine Kirche liebend, nie verzagte Im heißen Kamps' für sie, für Gottes Sohn, Und der begeistert uns im Tempel sagte: .Gott lieb", und Gottes Liebe ist Dein Lohn!" 184 Ja, Hoffnung, Glaube, Liebe bleiben immer, Doch die drei edlen Priester ziehen fort. Es bleibt uns nur Ihr segenrcicheS Wort Und Ihrer reinen Seelen heil'ger Schimmer. Sehn' wir uns auch im ird'schen Leben nimmer, So öffnet sich uns einst der Sel'gen Pfort': Denn wenn die ganze Welt zerfällt in Trümmer, Thront doch die ew'ge Vater-Liebe dort. Die Sünder «Glocke zur Zeit der Mission. Wenn die Glock' am Abend Mahnet zum Gebet', Sie, den Tag begrabend, Plötzlich stille steht. Tag wird'S, wenn ausbreitet Sich der Sünden-Brand Dann wird eingeleitet, Was die Lieb' erfand. Dann soll bis zum Morgen Ruhen sie bei Nacht, Denn uns drücken Sorgen, Wenn sie Nachts erwacht. Mit metall'nem Munde Ruft die Glock': „Kehrt um, „Eilt in früher Stunde „In das Heiligthum. Wen» mit dumpfem Schlage Kündet sie den Brand, Wird die Nacht zum Tage, Angst nimmt überHand. Nachts hör' ich jetzt läuten Erst nach dem Gebet', Jrd'sches doch bei weitem Nicht in Flammen steht. „Meine ernsten Töne „Sind ein Sturm-Geläut' „Für verirrte Söhne, „Fern' vom Ziel' gar weit. „Doch ich tön' auch Ruhe, „Kommt in Jesu Haus „Ihr, und zieh't die Schuhe „Der Verstockten aus. Sehet! Sünden-Flammen Schlagen wild herum, Christen nur nach Namen Flieh'n das Heiligthum. Ach! sie sind verblendet; Fern' von Gottes Wort. Von Ihm abgewendet, Riß die Sünd' sie fort. „Euch in Todes - Stunden „Hat gesucht der Herr, „Und Euch auch gefunden, „Ihm sey Dank und Ehr'. „Er ließ Euch gesunden, „Hemmt' der Laster Lauf, „Drum reißt die fünf Wunden „Ihm nicht wieder auf. Ach! in ihrem Herzen „Fünfmal „Vater!" flehet, Wird cS furchtbar Nacht. „Frau, gebenedeit! Doch für sie voll Schmerzen „Deren Sohn erhöhet, JesuS Christus wacht. „Sey in Ewigkeit!" Tirschenreuth am L3. Mai 1854. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poltzeitung. 11. Juni ^ 24. 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« kr., wofür e« durch alle kömgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kanr. Pater Fruzzini. Dieser jüngst in Padeiborn verstorbene Jesuit, ein Schweizer, war eine jener glücklichen Naturen, die bei strenger Lebensweise und rastloser Arbeit eine unveränderliche GeifteSruhe und Hoheit bei der demürhigsten Sinnesart mit aller Lebendigkeit und Frische vereinigen und so eines jener herrlichen Charakterbilder, die so höchst selten sind. Er stammte aus einer der angesehensten Familien in Brieg im Wallis und ward schon in frühester Jugend, wie sein anderer Bruder, Jesuit. Durch treffliche Geistesgaben ausgerüstet, machte er glänzende Studien. Nachher wirkte er als Magister. Seine Schüler liebten den heitern, genialen, jnngen Gelehrten mit beispielloser Innigkeit. Er redete schon damals mehrere Sprachen, und kaum 27 Jahre alt, sah man mit Spannung auf diese imponirende Persönlichkeit, die mit jedem Tage mehr Aufmerksamkeit erregte. Dichter, Redner, Philosoph, Theologe, feuereisriger Missionär, AlleS ließ sich erwarten. Er predigte schon als Magister, ehe er Prediger war, mit großem Beifall. Sein anziehendes Aeußere hatte etwas ungemein EdleS und Würdiges. Besonders sein scharfes, see'envvlleS Auge fesselte. Gewandt wie ein Weltmann und fromm wie ein Engel, verband der Hoffnungsvolle jene seltene Energie, wie sie nur in großen Charakteren von christlichem Hochsinne durchdrungen und begeistert erscheint. Der männliche Ernst und die Liebenswürdigkeit kommen unwillkürlich, wie aus dem innersten Wesen. An den großen Tugendgestalten seiner frommen und gelehrten Umgebung entfaltete sich in schönem Glänze diese edle Jugendblülhe der viel mißhandelten Gesellschaft Jesu, die er feurig und kindlich liebte. Der Sturm von 1847 warf ihn nach Italien und endlich nach Amerika, um da zu finden, was ihm und seinen Genossen das undankbare Vaterland schnöd versagte, eine neue Heimat. Gern wäre der edle junge Schweizer a>S Missionär bei den Wilden Amerikas zeitlebens geblieben oder wohin ihn immer der Obere berufen. Es wird ein ewig schwarzes Blatt bleiben diese Jesuitenjagd der Neuschweizer. Er vollendete nnn die theologischen Studien, ward Priester und kam nach Belgien und Deutschland. Hier wirkte Pater Fruzzini mit verzehrendem Seeleneifer in den Rheinlanven, in Westphalen und Schwabenland, bis er ein Opfer seines heiligen Eifers wurde in der schönsten Periode seines so viel versprechenden Lebens. Er war erst Anfangs in den 30ger Jahren. Die Gesellschaft verlor in ihm einen andern Pater Roh. In kurzer Zeit hat er viele Jahre vollendet. Sein Leichenbegängnis) war ein großer Triumphzug. Es war vem gebornen Schweizer nicht gegönnt, in der schönen Heimat zu sterben. Solche Menschen kann der Radikalismus nicht dulden und er weiß warum. Sie sind sein Tod. (Kath. i. d. Schw.) i86 Die Aufgabe genialer Frauen in der christlichen Kirche. „Was kein Verstand der Verständigen sieht, Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth." Göthe. Nicht lange darnach, als daS Kreuz seine segnenden Strahlen auf die starre Erde sandte, trat in den Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft ein gewaltiger Umschwung ein: Wo früher Sclaverei herrschte, sah man jetzt Freiheit walten; wo vorher Perkennung der heiligsten Menschenrechte, wie sie der Schöpfer geordnet halte, zu sehen war, stand jetzt das Christenthum mit seiner himmlischen Lehre von Gleichheit nnd Bruderliebe im Sinne des ewigen Mittlers, jener Theil der Menschheit, der im Heibenthume nebst der schweren Bürde, die er zn tragen hatte, auch noch mit Sclaveusesscln belastet war, erfreute sich im Schatten deS Kreuzes jenes GlückeS, das ihm durch die reinste Jungfrau als Mutter deS Herrn in so reichem Maaße zuströmte. Mit einem Worte, dem Christenthume gebührt das hohe Verdienst, den Frauen ihre Stellung in der Gesellschaft erkämpft nnd verschafft zu haben. Seit jener Stuude, in welcher sich die „Gesegnete" als Magd deS Herrn bekannte, gab es keinen Fluch der Sünde mehr, sah man die dunkle Nacht vom Ervkreise schwinden, denn schon zog die Morgemöthe herauf; und jener Friede, den die Engel auf Bethlehems Auen allen Menschen von gutem Willen gebracht, ergoß seine Segnungen besonders in jene Herzen, oie bisher ihn am schmerzlichsten vermißt hatten, und deren Leihen ihr Ende gefunden, seit das starke „Weib" unter dem Kreuze des SohneS Gottes gestanden, in den Kreis des Frauengeschlechtes. In dankbarer Erinnerung an diese Wohlthat schaarten sie sich auch stets um ihren Retter und Befreier Jesum Christum, und ließen nicht von ihm, auch wenn Verfolgung und Tod sie bedrohte. „Die christliche Religion," sagt ein großer Denker, „ist dem Weibe zur zweiten Natur geworden; halt sie nicht daran, so wird sie zur Verbrecherin an ihrer Natur." F ir die Wahrheit dieses AuSiprucheS zeugen Thatsachen und Ereignisse nicht bloß deS Privatlebens, sondern weit mehr solche, die der Weltgeschichte angehören. Wenn eS Frauen gab, die mit und durch das Christenthum Völker in den Himmel führten, so fehlt eS auch nicht an solchen, die ohne den Glauben an das Kreuz die halbe Welt der Hölle überantworteten. Es kann nicht in unserm Interesse liegen, Letztere näher inS Auge zn fassen, denn das Laster ist dem sittlichen Menschen ein Gränel; wohl über lohnt eS sich der Mühe zu untersuche«, wie weit das schwache Auge deS Menschen reicht, wenn er jene unergründlichen Rathschlüsse GottcS betrachtet, durch welche er jenem Geschlechte, das der Weit als dus „schwache" gilt, bisweilen so große und umfassende Gränzen seines Wirkungskreises zieht, daß man in Staunen und Bewunderung aufgelöst nur rufen kann: O Tiefe des Reichthums der Weisheit Gottes! Wohl ist es nicht ganz ungegrünvet, wenn die Psychologie nachweist und das Leben es bestätiget, daß beim Weibe das Gemüth die Oberhand über den kalten Verstand habe, während daS umgekehrte Verhältniß beim Manne stattfindet; allein es ist das eben nur wie vieles Andere eine Regel von unzähligen Ausnahmen eingeengt. Wenn ein Mensch gleichsam hinaustritt aus dem Kreise der Gesellschaft, dadurch daß er etwas Außerordentliches thut, wozu die Kräfte Vieler nicht hingereicht hätten, so nennt die Welt ihn begabt (genial). Wenn dieser Mensch aber ein Christ ist, und seine That vom Glauben an Gott und Kirche getragen ist, da ignorirt eS die ungläubige Weit vornehm, oder sncht eö durch unedle Motive zu erklären. Ist eS aber gar eine Frau, so fehlt eS natürlich nicht an Schlagwörtcrn von Schwärmerei, SinneS- trug und Sinnestäuschung, und im schlimmsten Falle war es ja doch nur ein Weib, und die Sache hat folglich keine so große Bedeutung. Wenn .eS an solchen schiefen Beurtheilen, im gewöhnlichen Leben nicht fehlt, so treten sie doch viel ungeschlachter und dreister dort auf, wo es die Religion und namentlich die katholische angeht. Eine christliche Jungfrau, die der Stolz ihrer Familie war, flüchtet aus dem geliebten Kreise in die stille Zelle eines Klosters, und sie darf von Glück sagen, wenn die stumpfsinnige Welt sie nur „verrückt" nennt. Es könnte das befremden, wenn » 187 man nicht an die Worte dächte: „WaS sie nicht verstehen, das lästern sie." (Paul.) Weil unsere Zeit, wie mit so vielem Andern, nicht weiß, waS sie machen soll daraus, darum auch die sonderbare Meinung, die sie geltend machen will, daß es ein Verbrechen an der Menschheit sey» wenn die Kirche gottgeweihte Jungfrauen vor den Altar des Herrn führt, dem sie Leib und Seele zum Opfer bringen, „Damit," heißt eS, „hat es noch Zeit, wenn die alten Tage gekommen seyn werden, die Jugend muß man genießen." Als ob Gott, der höchste Herr der Schöpfung, für alle seine Liebe zur Menschheit sich mit einem Opfer begnügen solle, welches der Welt bereits zum Eckel geworden! Als ob man den Altar Gottes nur mit verwelkten Rosen schmii- cken dürste! Von dem Gedanken durchdrungen, daß der Herr ein reines Herz verlangt, verlassen daher auch die begabtesten Seelen die Welt entweder ganz, oder doch nach Kräften zum Theile, Für erste wie für die letzteren hat die Kirche mit mütterlicher Weisheit gesorgt, indem sie sowohl Zufluchtsstätten errichten sür die Einen in den Frauenklöstern, sür die Andern in den drei Orden des heiligen Franciscus und DominicuS, der seine fruchtbeladenen Zweige selbst bis. in die trauliche Hütte der Familie erstreckt. Und man kann in der That den Scharfblick, verbnnoen mit der Gnade von Oben, nicht genug bewundern, mit welchem der große heilige FranciscuS wie ein Vater der Menschheit in alle Schichten und Classen derselben den göttlichen Frieden tragen wollte, der ihm selber durch die Seele strömte! der auch den Frauen, die in der Welt leben müssen, und an Verhältnisse dcS Lebens gebunden sind, eine dritte Lehrschule für den Himmel gründete, in der man bei weniger Mühe, aber desto mehr Gefahr jene Vollkommenheit erklimmen kann, die der Hcrr Jesus unter die Räthe gestellt. Man kann nur den göttlichen Erlöser preisen und ihm danken, daß er in seiner Kirche nicht bloß hnlige Männer, die für ihre und die späteste Zeit Netter und Helfer geworden sind, sondern daß er die Gaben des heiligen Geistes auch dem Geschlechte zutheilte, wo sie seltener zwar zu treffen sind, aber auch seltener unbenntzt bleiben! Haben die Heiligen aus dem „starken" Geschlechte für die Kirche GottcS oft UebermäßigeS gethan, durch Predigen dcS Evangeliums mit ihrer begeisterten Zunge, so wirkten heilige Klosterfrauen durch die Salbung ihrer Schriften, und was vielleicht oft übersehen wird, durch inniges Gebet nicht weniger. Und darin liegt vielleicht die Antwort, welche die aliein richtige ist, wenn die Frage ausgeworfen wird: Was soll es nützen, wenn die Frau, statt im Schooße d?r Familie zu walten, aus dem Weltleben scheidet, um ihre Tage hinter dumpfen Klostermauern zu verkümmern? Das Wort des Weltapostels (Kor. 1, 34) gilt nicht bloß für die Korinther, sondern er hat zn Menschen aller Zeiten gesprochen, wenn er schreibt: „Die Jungfrau ist bedacht aus das, was des Herrn ist, daß sie heilig sey dem Leibe und dem Geiste nach; die Verehelichte aber ist bedacht auf das, was der Welt ist, wie sie dem Maune gefallen möge." Freilich wird das Streben nach Vollkommenheit nur selten und von Wenigen erfaßt, was im Frauengeschlechte noch dazu oft von ungünstigern Umständen erschwert ist; allein nichts desto weniger ringen auch da die edelsten Seelen voll Liebe und Begeisterung nach jenem verklärten Tabor, dem Christi Worte gelten: Wer es fassen kann, der fasse eS! Nicht allein in der ersten Zeit deS Christenthums drängten sich heidenkühne Jungsrauen auf die blutigen Bühnen, um durch wilde Thiere und unter dem furchtbar grausamen Beifalle eines entarteten Pöbels für ihren Glauben zu sterben; auch in späterer Zeit gab eS in der Kirche solche GlaubenSheldinen in Menge, nur mit dem Unterschiede, daß diese oft einen weil wichtigern Kampf zu führen hatten, als die Märtyrer der ersten Jahrhunderte. Jener Kampf, bei dem die Welt mit all' ihrem Trug das eigene Fleisch, und die Macht des Teufels gegen die Tugend in die Schranken trat; ein Kampf, dessen SiegeSlorbeer wohl nicht mit Blut aus eigeueu Wunden bespritzt war, den aber um so reichlicher die Thränen der Buße oder Theilnahme am srcmdeu Schmerze benetzt hatten. Und dem Himmel sey es gedankt, auch in der Jetztzeit zählen viele Frauen zu Jenen, welche das Wort von der Vollkommenheit „fassen können"; die wohl wissen, warum sie vom Schöpfer höhere Einsicht und Erkenntniß vor den Uebrigen erhalten 183 haben. Derartige Erscheinungen der Neuzeit sind dem glaubenstreuen Katholiken etwas mehr als ein Rudel (es fand sich kein besseres Wort) leichtfertiger Tänzerinnen, welche eine sinnlose Masse mit Beifallsbezeugungen überschüttet, bloß allein, weil sie eS gar so gut verstehen, die thierischen Triebe und Leidenschaften in der zügellosen Brust zu wecken I Der demüthige Christ spart sein Lob und seine Anerkennung für Werke und Leistungen höherer Art. Er schaut mit Liebe und Freude hin auf die Opserwilligkeit und hohe Selbstverläugnung, die in der katholischen Kirche selbst da nicht veraltet, wo die Schwäche größer ist, wenn auch nicht stärker als der christliche Muth. AlleS Wunderbare und Große der Neuzeit ist für den aufmerksamen Beobachter nichts anders als eine Wiederholung dessen, was die Kirche schon unzählige Male erzeugt und geschaffen hat. Wer, wenn er das Gedeihen der Töchter der CharitaS, deS Ordens der barmherzigen Schwestern, sieht, wäre lange in Verlegenheit, nach einem Hrbilde in der Kirche zu suchen? Denkt man nicht unwillkürlich an die Perle deutscher Frauen, jene Elisabeth von Thüringen, die im Krankendienste eine solche Vollkommenheit erreichte, daß sie selbst den Eiter auS den Wunden sog, deren segensreiches, unermeßliches Wirken die Reformation mit ihrem bösen Leumund wohl nicht erhöhen konnte, aber auch seit Jahrhunderten mit Aufbietung aller Kräfte das Andenken der lieben heiligen Elisabeth") beim Volke nicht zu vertilgen im Stande war. Noch steht die Kirche zu Marburg, ihrem Namen geweiht, wenn auch ihre Gebeine von einem gvttesräuberischen Enkel und Blutsverwandten auS derselben geworfen wurden! Wer denkt nicht beim Anblicke des segensreichen Lehramtes der Ursulinerinnen an jene Angela von Brescia, die wie ein Engel, dessen beive Hände mit Manna erfüllt sind, um es auf die dürftige Flur zu streuen, über die Erde ging, um sich derjenigen zu erbarmen, „die am verlassensten sind, weil Niemand an sie denkt, an arme preisgegebene Waisen!" um diesen Mutter und Lehrerin zu werden! War diese Angela nicht selber wieder ein Abbild der unbegrenzten Geduld und Liebe, wie sich dieselbe in der heiligen Tochter der Wüste, der heiligen Marina verkörpert hat? dieser schweigenden Dulderin unv unschuldigen Büßerin fremder Schuld, die ferne von der einsamen Klosterzelle hinausgestoßen in dunkle Nacht, in Sturm und Regen, daS Waisenkind fremder Schuld an ihre Brust drückte und mit erbarmender Liebe ernährte. Halt man Verwunderung und theilnahmsloscS Erstaunen dem hohen Grade von Entsagung entgegen, dessen auch zarte Jungfrauen fähig sind, so ist eS nicht schwer, zudringliche Af erweiSheit durch Auszählung jener starken Jungfrauen zn ermüden, die „ihr Fleisch sammt den Lüsten gekreuzigt!" Von der Schwester des heiligen Benedict, der heiligen Scholastica, an, die die strenge Regel des heiligen Bruders auch auf die Frauen übertrug, welche in ihrem Kloster zu Hausen gedachten, bis zu jener heiligen Klara von Ässisi, die unter dem Schirmdache deS Mantels, welchen FranciScus ihr gegeben, einen Garten von Jungfrauen, Lilien gleich, Pflanzte, der an Geist und Armuth, an Demuth und Eifer kaum zurückstand hinter dem männlichen Orden deS seraphischen Lehrers! Keinem fühlenden Herzen, dessen Adern göttliche Liebe durchströmt, sind jene weiblichen Hirten unbekannt, die in unermüdlicher Liebe Seelen zu retten suchen, daS edelste Geschäft für Bekeuner Christi! DaS Mitleid, welches selbst dem größten Sünder vom wahren Christen zu Theil wird, hat in der Kirche schon oft so zahlreichen Lohn gefunden, daß man kaum unterscheiden kann, wer von beiden glücklicher ist, der Retter oder die gerettete Seele. Die Büßerin von Magdala zu den Füßen deS Herrn steht keineswegs allein auf solcher Höhe der Bußgnade. Ihr Schimmer erglänzte wieder in der schauerlichen Oase Egyptens, als die büßende Maria daselbst 47 Jahre von Wurzeln lebend, ihre Schuld früher Jugend beweinte. Auch das Mittelalter sühn uns das Ideal reuiger Buße vor, in der eben so schnell bekehrten als gebesserten Margarita von Cortona, deren Gebet um Barmherzigkeit, vielleicht das erste, so auö dem Herzen kam scit ihrer Bekehrung, von solcher Innigkeit und *) Mit diesem Prädicote war sie bis auf Luther in ganz Deutschland geehrt und genannt. Man sehe überhaupt das vortreffliche: „Leben der heiligen Elisabeth," von Graf Montalembert 189 Kraft ist, daß man sich der Thränen erwehren muß, wenn sie unS die Legende betend also zeigt: „Ach mein Heiland, du Erlöser der Seelen, der du täglich so Viele bekehrst, wirst du denn meine Seele zu Grunde gehen lassen? Sie hat dich ja eben so viel gekostet, als die Seele der heiligen Magdalena, verlaß mich in meinem Elende nicht, sondern erbarme dich meiner!" — Wenn unsere Zeit in der Thorheit und Un- wissenheit solche Fortschritte gemacht hat, daß sie vom innern Leben des Geistes gar keine Kenntniß mehr hat, und dasselbe auch nur für Ueberreiztheit der Phantasie erklärt, so läßt sich solchen Ungereimtheiten nicht besser begegnen, als wenn man den Unglauben zu jenen Schriften schickt, deren Verfasser die höchste Stufe der AScese und der evangelischen Weisheit erklommen haben. Wer verdient da wieder eher genannt zu werden, als die seraphische Mutter Theresia mit ihrer „himmlischen" Lehre, wie die Kirche selber sagt, die nicht allein eine heilige Klosterfrau, sondern mehr noch eine vom heiligen Geiste erfüllte Lehrmeistern, war; deren Uebermaaß von göttlicher Liebe so unermeßlich und tief in ihrem Herzen lag, daß sie aus Sehnsucht nach dem ewigen Bräutigam ihre englische Seele aushauchte. Sollte nicht auch die demüthige Domi- nicanerin Katharina von Siena zu nennen sevn? Sie, deren mächtigen Einfluß auf die Weltgeschichte ihrer Zeit, und mehr noch auf die Kirche, oberflächliche Schwätzer (wie Rotteck) der „Dummheit und Bigotterie" des Pöbels zuschreiben, während alle Welt weiß, daß Friede und Einheit zu erhalten eine arme Jungfrau auS Siena etwas mehr als gewöhnliche Klugheit besitzen muß, ja solches ohne göttliche Mitwirkung bei so schwacher Kraft gar nicht denkbar ist. Diese große Schülerin deS heiligen Dvmi- nicuS hat mehr gethan, als ein gewöhnliches Weib thun kann, und steht daher auch um so erhabener da, angethan mit Genialität im edelsten Sinne deS Wortes. Wenn auch unsere Zeit an so begabten Frauen nicht überreich ist, so läßt sich doch nicht läugnen, daß darum das Bedürfniß nach ihnen noch immer fühlbar ist; und zwar vermißt man sie gerade dort, wo ihr Wirken und Streben einen zwar geräuschlosen und weniger bemerkbaren, aber gerade deßhalb um so sicherern und allgemeineren Nutzen stiften könnte, im heiligen Schwestervereine der religiösen Orden und Genossenschaften. Wohl ist eS einerseits anerkennenSwerth und erfreulich, wenn selbst aus den höhern Ständen, deren Vertreter an Ueberfluß und Weltfreude gewöhnt sind, nicht Wenige die stillen Klosterzellen aufsuchen, und einem dürftigen OrdenS- kleide allen Prunk und Glanz, den ihre günstige Lage ihnen verschaffen könnte, vorziehen. Aber was uns als böses Zeichen der Zeit gilt, ist jene oberflächliche Beurtheilung, die selbst von bessern Christen denen zu Theil wird, welche ihr Leben ausschließlich dem Dienste des Herrn' widmen; jenes Nichtverstehenwollcn deS göt lichen Rufeö an Seelen, die aus der Menge der Berufenen in die Reihen der AuSerwähl- ten lreien. ES wäre an der Zeit, daß die Katholiken, und namentlich die katholischen Frauen, welche als folche gelten wollen, das, waS sie selbst zu thun nicht im Stande sind, wenigstens bei Andern, die es unternehmen, aus kleinlichem Neid oder Unwissenheit nicht tadelten, daß man nicht von so vielen Zeitgenossen sagen müßte: Wer selber keine Tugend hat, glaubt auch nicht an das Daseyn derselben bei Anvern! Möchte man jenes Wort deS heiligen Bernhard öfters erwägen, und es wäre auch die Antwort zu vielen religiösen Fragen gegeben: ninil (^risto deelisti, si ei cor tuum tolum non cleclisti. Du hast Ehristo nichts gegeben, wenn du ihm nicht dein ganzes Herz geschenkt. (Oestcrr. Volksfr.) Stoff zum Rachdenken. Das englische Blatt „Herald" sagt: „Der Krieg ist ein Gottesgericht über die Sünden der Menschheit, und so wie das größte Ereigniß, dessen Andenken am Char- freitage gefeiert wird, so wie die Kreuzigung zugleich ein schauerliches, von Menschenhand begangenes Verbrechen, und ein Act göttlicher Barmherzigkeit war, die das namenlose Verbrechen zum Heil und zur Erlösung der Menschheit wandle, so wird die göttliche Barmherzigkeit das Vorgehen des CzarS zum Heil Europas kehren. 190 Bedeutsam ist die Frist von vierzig Jahren, eS steht geschrieben nach dem Siege DeboraS und BaracS: „und das Land ruhte vierzig Jahre," also haben auch wir Engländer vierzig Jahre," Frieden gehabt. Am 31. März 1314 wurden die Kriege der französischen Revolution beendet, und vierzig Jahre darnach am 31. März 1854 erging der einstimmige Beschluß des brittischen Parlaments, daß wieder Krieg sey in Europa. Aber zu bemerken ist, daß jede der Mächte, die jetzt ihr Schwert gürten, dieses widerwillig thut, und durch den gewaltigen Rathschluß Gottes in den Kampf gezerrt wird. Eine Nation nach der andern sträubt sich, bis der unwiderstehliche Strom sie erfaßt, und willenlos treibt er sie dem Gottesgericht entgegen, auf daß sich erfülle, was JeremiaS sagt Cap. 22. Also sprach der Herr Gott Israels zu mir: „nimm die Schaale dieses Zornes von meinen Händen, und gib sie allen Völkern zn trinken," so spricht der Herr der Heerschaaren, „wahrlich, ihr sollt sie leeren." — Zn diesem höchst wichtigen englischen Artikel mag Nachstehendes als Kommentar dienen: ES ist hohe Zeit, daß wir alle aufmerken auf die Gerichte Gottes, welche er über die Vöker der Erde ergehen läßt. Nicht ohnmächtige Menschen beschwören den ungeheuren Sturm, der die Welt verwüstet, nicht Menschen haben ihn veranlaßt, nicht diese, sondern längst vergangene Zeiten haben aus ihrem Schooße das allgemeine Elend geboren. DaS erschütterte Weltmeer bewegt seine Wogen endlich bis zu den entferntesten Gestaden, und die Ereignisse unserer Tage werden noch am Ende unsers Jahrhunderts zurückwirken. Die Religion fordert von uns, daß wir allem, was jetzt geschieht, unsere Aufmerksamkeit widmen; was die Luft und der Athem dem menschlichen Körper, das ist die Religion dem menschlichen Geiste, er athmet nur in ihr, er zieht sein Leben nur aus ihr und ist alleö nur durch sie. Sie gewährt dem Menschen für alle Dinge deS Lebens den erhabensten Staudpuuct, weil sie den Geist des Menschen über die Welt erhebt und mit Gott verbindet. Es ist Zeit, daß wir auf die Gerichte Gottes in den Geschichten der Welt merken. Die Menschen in ihrem thörichten Selbstdünkel bilden sich ein, daß sie eS sind, die dieß alles, was vorgeht, hervorbringen. Frohlocken sie über einen Sieg, so schreiben sie ihn der Tapferkeit ihrer Schaaren, der großen Klugheit ihrer Feldherren zu; ach, sie sind blind für daö Wahre, denn sie kennen nicht die Verflechtung der Umstände, nicht daS Spiel sogenannter Zufälle, welche der dunkle Arm der Vorsehung leitet, und wo eine unbemerkte, geringfügige Sache den Ausgang der größten Schlachten, das Glück oder Unglück der größten Völker entscheiden kann. Uebermülhig nach Siegen, welche sie> sich und ihrer Kraft anrechnen, halten sie sich schnell für unüberwindlich, und ahnen nicht, daß der nächste Tag alles umkehren werde, weil ein Höherer über Sieger und Besiegte ein anderes LooS beschlossen hat. Kleinmüthig im Unfall, klagen sie die Verrätherei und Unklug- heit ihrer Anführer, die Schwäche ihrer Fürsten an. Nein, liebe Brüder, was ihr sehet, ist nicht Menschenwerk, es ist Gottes Gericht über die Völker! Wieder einzelne Mensch seinen eigenen Lebeuslauf hat, so hat ihn auch jede einzelne Nation. Wie der einzelne Mensch durch Weisheit, Zufriedenheit, Mäßigung, Fleiß, Muth und Rechtschaffenheit ehrwürdig und klüger wird, so kann und muß auch ein ganzes Volk durch seine Tngend beglückt, durch seine Fehler elend werden. Ein Volk erfreut sich, und leidet als Ganzes. Es wird für sein Gutes, welches es stiftet, in sich belohnt, für seine Vergehnngen für sich bestraft, und so wie unter dem Himmel im menschlichen Lebenslaufe nichts Gutes geschieht, welches nicht seine guten Folgen hätte, und so wie keine Ungerechtigkeit geschieht, welche ohne nachtheilige Folgen bliebe, so hat auch im Leben und Sein der Nation die Tugend ihre Belohnung, die Sünde eine unvermeidliche Strafe zu erwarten, denn alles auf Erden, das Größte und Kleinste, steht mit einander in ewiger Verknüpfung von Ursachen und Folgen. Leider ist das Geschlecht der Menschen in seiner Leidenschaftlichkeit so tief versunken, daß eS meint, es könne mit Gold, mit List und Kriegsheeren alles erzwungen werden, und vergebens warnt und mahnt die Vorwclt. Wer möchte wohl behaupten, daß ein Mensch von ruchloser Denkart ein wahrhaft glücklicher, freier und achtungswürdiger Mensch seyn könne? Seine Klugheit wird durch daS Eintreten von unvorgesehenen Umständen ver- 191 eitelt. Ueppigkeit und Ausschweifung müssen endlich seine Gesundheit und Leibeskraft zerstören, Verschwendung, Wohlleben und Feindschaft können das größte Vermögen in Armmh verwandeln, wo ist dann sein Glück, seine Freiheit, seine Ehrwürdigkeil? DaS ist daS größte Uebel der Menschen, daß sie mir unglaublicher Unverständigkeit die bloßen Mittel zum Zweck gewöhnlich für den Zweck selber halten, und über das Anschaffen der Mittel den Zweck, für den sie Gott erschaffen har, vergessen, wie bei den einzelnen Menschen, so bei ganzen Völkern, denn die Völker bestehen aus Menschen. Nur Beförderung der Sitteneinfalt, öffentliche Tugend, Unbestechlichkeit, Vaterlandsliebe, Anerkennung des wahren Verdienstes erhöhet den Menschen. Wer durch Ueberfluß und Wohlleben einmal von zahllosen Bedürfnissen abhängig geworden ist, tritt ohne große Schwierigkeit in die Knechtschaft dessen, der ihm diese Bedürfnisse besser zn befriedigen verspricht, oder sie alle bedroht. So gingen die berühmtesten und reichsten Staaten der alten Zeit zn Grunde. Tas ist der unselige Kreislauf der Völker, daß sie durch Armuth und Furcht vor Gefahren tapfer, durch Tapferkeit kriegerischer und erfindsamcr, durch Eroberungen und Handel reich wurden, — um sich durch Ueberfluß wieder zu entnerven, zu verarmen und an fremde Bormäßigkeit hinzugeben, denn die Sünden der Völker sind der Mißbrauch der ihnen von Gott gewährten Mittel. Noch sind wir nicht am Ende der großen Trübsale, Friedensschlüsse der Könige ändern an GolteS Verhängnissen nichrS. Neue Zwierracht, neue Umwälzungen, neuer Jammer wird die Sünde der jetzigen und der vergangenen Welt gebären. — Wer konnte die Mittel und Wege des Gottesgerichts zählen? Gehorchen seinem Winke nicht die Stürme und Meereswellen? Sind nicht Feuerflammen seine Diener, Erdbeben und unfruchtbare Zeiten die Boten seines Willens? Der Mensch kennt den Goltcs-Finger, aber — er nennt ihn im gemeinen Leben nur Glück oder Unglück. Doch kann er sich eS nicht verhehlen: diese oft geringe scheinenden Zufalle beurkunden ihre erhabene Herkunst durch ungeheure erschütternde Wirkungen; dieß, waS Glück oder Unglück heißt, gestaltet oft die Verhältnisse ganzer Welttheile um, waS alle Macht, alte Kunst und Klugheit der Sterblichen nicht vermochle. Die alre und die neue Geschichte ist von solchen Erscheinuugen voll, alle die heiligen Berichte des Alterthums, wie das menschliche Geschlecht kaum zweitausend Jahre nach seiner Erschaffung zur gemeinsten Thorheit versank, find bekannt. Gott winkte und das Geschlecht nahm durch die Sündfluth ein Ende, doch warum soll man an die vielen Ereignisse der grauen Vorwelt mahnen, ist Gott heute minder groß in seinen Gerichten? Wissen wir nicht, wie er Königreiche, wenn sie am stolzesten prahlten, durch einen einzigen Schlag zerschmettert«? Wissen wir nicht, wie er gewallige Armeen und Schiffsflotien, die man unüberwindlich genannt, in einer einzigen Stunde mit ihren trotzigen Heeren vernichiele? Wissen wir nicht, wie der kalte Hauch eines Herbstes, Regen und Fänlniß siegesreiche Heere in schmerzlichen Krankheiten auflöscte, oder der Frost einer Winternacht mit den Leichen unbesiegbarer Echaaren die Felder bedeckte? Es ist wahrlich leicht, in den Schicksalen der Länder überall nachzuweisen, wie sie durch die Tugenden ihrer Bewohner aufblühten, und jedesmal durch deren eigene Schuld wieder unmerkbar ins Verderben sanken, weil nur das Vollkommene bestehen kann, das Unedle aber den Todeskeim in seiner Vrnst trägt, und also vergehen muß. Sey daher du, mein Herr und Gott, gnädig deinem sündigen Vulke. Erleuchte mit deinem Geist die Fürsten und ihre Diener, die Hohen und die Niedrigen, daß sie nicht mit thierischer Stumpfheit die ernsten Ereignisse der jetzigen höchst bedenklichen Zeit anstaunen, sondern in allem dein ewiges Weltgesetz anerkennen, dein Gericht über die Völker der Erde. (W. Kirckenz.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. III. Bei der geringen Anzahl religiöser Häuser in Bosnien war eS unmöglich, alle philosophischen und theologischen Studien ausrecht zu erhalten; daher hatte die Provinz, so lange sie mit Erzegowina vereint war, das Recht, sechs Jünglinge nach 19S Italien in die benannten Studien zn senden, welche Zahl sich später verdoppelte, endlich durch die Gnade des GeneralministerS und der Lon^r. cle pi-op. ti6ö auf vier- undzwanzig stieg, die ersterer in verschiedene Klöster vertheilte, wo sie von den italienischen Ordensbrüdern liebreich und ohne Vergütung angenommen, unterrichtet und gekleidet wurden. Im Jahre 1784 war Fra Augustin Okic, weiland Kaiser Joseph II. lieb und werth, apostolischer Vicar; dieser ermittelte eine Fundation, wovon zweiunddreißig Zöglinge der bosnischen Provinz in den österreichischen Ländern erhalten und unterrichtet werden konnten; dieß der Anfang der Jugendbildung Bosniens im Bereiche der österreichischen Monarchie. Als die Zahl der Katholiken in Bosnien sich merklich vergrößerte, reichte auch diese Summe der Studenten nicht aus, und die durch den französischen Krieg verursachte Devalvation des MünzgeldeS machte es unmöglich, um einen geringeren Preis die Bosnier zu erhalten. Daraus entstand ein fühlbarer Mangel an geistigen Kräften; um selbem vorzubeugen, traten die unvergeßlichen Bischöfe Ungarns, Kroatiens und Slavoniens inS Mittel. AIS Abgeordneter der Provinz erschien der verdienstvolle, noch jetzt lebende Priester Philipp PaSalic, welcher bewirkte, daß weiland Ercellenz Alexander Alagovic, Bischof von Agram, vier Zöglinge versorgte; Se. Ercellenz der jetzt glücklich regierende Erzbischof von Agram, Georg Haulik unaufgefordert ebenfalls vier; Se. Ercellenz Bischof von Weßprim, später Primaö von Ungarn, KopacSy, einen; weiland Klobushitzky, Erzbischof von Kolocza, zwei; Se. Ercellenz Bischof von Szathmar, HSm, zwei; Hochw. Bischof von Diakovar, Josef Kukovic, einen; S. Eminenz Johann Scitowsky, als Bischof von Fünfkirchen, einen; das hochw. Domcapitel von Kolocza, serner von Weßprim je einen; der hochw. Cisterzienser-Abt von Zircz einen; Herr Ludwig Spech von Eolocza zwei; sämmtliche Zöglinge übernahm die Provinz des hh Erlösers für die bestimmte Pension und zwei überdieß noch gratis durch Bestreben des Pater ProvincialS Stephan MagocSy; auch die Capistrancr-Provinz verzichtete ans die Pension eines Zöglings durch ein Jahr. Als vor dem AuSbruche der ungarischen Revolution zwischen der Provinz und dem damaligen apostolischen Vicar Bisckof Fra Raphael Bariöic MißHelligkeiten entstanden, wurde und zwar im Jahre 1842 von Zöglingen der Besuch der ungarischslavonischen Klöster untersagt. Nach Beendigung sowohl der Revolution als deö Processes zu Gunsten der Provinz arbeitete man dahin, die Josephinische Fundation ihrer frühern Bestimmung zuzuführeu. Die Provinz fand in dem hochwürdigsten Herrn Bischof von Diakovar Joseph Stroßmayer einen Wohlthäler, der auS Liebe zum Guten keine Mühe scheute und bei Sr. Eminenz dem apostolischen NuntiuS die Provinz-Angelegenheiten vertrat. So ordnete eS die göttliche Vorsicht, daß den Armen geholfen wurde im entscheidenden Momente. Der Weg war angebahnt, die Provinz sandte ihre Vertrauensmänner nach Wien; und da auch eine befriedigende Antwort von Rom eintraf, folgte am 16. November 1852 von Sr. k. k. apostolischen Majestät eine allerhöchste Entschließung, kraft deren das Kapital wieder in die vorige Wirksamkeit treten und dem ursprünglichen Zwecke zugeführt werden sollte. Nur war Seitens deS päpstlichen Stuhles die Klausel beigejügt, daß die Siudireuden nicht wie ehemals in verschiedenen Ländern zerstreut würden, sondern in oorpore beisammen bleiben und unter der Obhut ihrer rechtmäßigen Obrigkeit stehen sollten. Da war eS wieder der hochwürdigste Herr Bischof Josef Stroßmayer, der den Ausweg fand und Mittel schaffte, durch Eröffnung seines Seminars für die Bosniter bis zur Zeit einer bessern Zukunft. Sechzehn Zöglinge mit drei Vorständen nahm er gütigst auf und versorgte sie mit dem Nothwendigsten. Nur ist zu bedauern, daß Luft und Wasser, zwei unentbehrliche Elemente, den Studirenden nicht gedeihen, weßhalb einige in ihr Vaterland zurückzukehren genöthigt wurden. Alle sind Professen, befolgen ihre Ordensregel, welche ihre Vorgesetzten, ein Quardian, Prüftet und Spiritual, getreulich überwachen; alle Tage wird das Chorgebet treulich verrichtet und an den Festtagen begeben sie sich mit dem DiöcesankleruS in die Kathedralkirche. Dieß vom innern Wesen und der Organisation der boSnisch-argentinischen Provinz, (Fortsetzung folgt) Verantwortlicher Redacteur: L. Schöucheu, Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Pi-rzchnt-r L»h.,«»«. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 18. Juni M^- 2S. 1854. Dieses Blatt erscheiut regelmäßig alle Tosutage. Der halbjährige Abon«ement«prei« TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Poüämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kann. Breve über die Seligsprechung der ehrwürdigen Germana Coufin von Pibrac. PiuS IX. zc. Der Urheber und Regieier aller Dinge, der ewige Gott, haßt nichts mehr, als den thörichten Hochmuth des menschlichen Sinnes; darum verwirft und züchtiget er Diejenigen, welche auf eigene Kraft vertrauen und von Eigendünkel aufgebläht find; die Demüthigen aber und die Verachteten stärkt er mit übernatürlichem Beistande und treibt sie an, all das Schwere zu vollbringen. Er hat nicht nur vor alter Zeit die Hand des Knaben gefüyrt, um den Uebermuth des riesigen Philisters zu brechen, er hat nicht bloß oie schwache Rechte jenes Weibes bewaffnet, den HoloferneS zu todten, sondern auch durch alle folgende Zeitalter hat Gott die Schwachen erwählt, um die Starken zu beschämen. Dieses sehen wir auch im sechzehnten Jahrhundert der Kirche geschehen, in welchem Jahrhunderte von einer gewissen eileln und frechen, gottentfremdeten Weisheit aufgeblasene Menschen durch den Hochmuth den Geist abzogen von der demüthigen Unterwürfigkeit unter den Glauben, und die furchtbarsten Irrthümer zum Verderben der Seelen vorbrachten: da war eS, wo ein demüthigeS und einfältiges, an einem wenig bekannten Orte geborenes Mädchen, eine Verehrerin der wahren und unverfälschten Religion, mit dem Geist der Weisheit und der Erkenntniß von Oben erfüllt, durch die Uebung der vorzüglichsten Tugenden weit über sein Alter und seine Verhältnisse hinaus so sehr leuchtete, daß eS nicht nur Frankreich, wo eS geboren worden, sondern die ganze Kirche als ein neues Gestirn überstrahlte. Dieselbe war zu Pibrac in der Diöcese Toulouse von armen Eltern geboren im Jahre 1579, und erhielt in der Taufe den Namen Germana. Schon von Kindheit an mit Leiden heimgesucht, betrat sie den dornenvollen Tugendweg mit bereitwilligem Herzen. Der Mutier beraubt, hatte sie den Zorn der Stiefmutter zu ertragen, und nachdem sie auf deren Antrieb auS dem väterlichen Hause gejagt worden, weil sie an einem HalSgeschwulste litt, hütete sie die Schafe. Und diese Lebensweise benützte daö ehrwürdige Mädchen zu wundersamen Fortschritten in der Heiligkeit; denn auf dem einsamen Felde und im stillen Walde leichter von den menschlichen Eitelkeiten sich lossagend, heftete sie ihr Gemüth fester auf Gott. Von seiner Liebe glühend, ließ sie im Gebetseifcr niemals nach, sie mochte die Schase auf die Weide führen, oder, weiblichen Arbeiten obliegend, spinnen. Weder die Länge noch die Beschwerlichkeit des WegeS konnte sie jemals abhalten, die Pflichten der Religion pünctlich zu erfüllen; ja um dem Gottesdienste beizuwohnen, ließ sie, der göttlichen Vorsehung vertrauend, die Heerde im Walde zurück, und besuchte täglich die Kirche, sie mochte noch so weit entfernt seyn; häufig reinigte sie sich auch durch das heilige Bußsacrament und stärkte sich durch die heilige Communion. Die Gottesmutter verehrte sie, wie ein Kind die 294 Mutter, und weihte sich eifrig ihrem Dienst. Von der Liebe zu Gott ganz durchglüht, liebte sie auch die Mitmenschen von Herzen, und war, so weit es in ihren Verhältnissen möglich war, bemüht, in allen Dingen ihnen nützlich zn seyn, sowohl im Geistigen als im Leiblichen. Darum pflegte sie die Knaben in den Wahrheiten des Glaubens zu unterweisen und zur Frömmigkeit anzuleiten, und stillte den Hunger der Armen mit dem sich selbst entzogenen Brode, ihrer einzigen Nahrung. Sie war ein herrliches und seltenes Muster der Sanstmuth, Geduld und Standhaftigkeit. Obgleich sie bei der Schafhut von Kälte und Hitze zu leiven hatte, mit dem Uebel deS HalS- geschwulstes schon von Kindheit an geplagt war, und, so oft sie in das väterliche HauS kam, von der Stiefmutter äußerst hart und lieblos behandelt wurde und in einem dunkeln Winkel deS HanseS auf hartem Stroh schlafen mußte, so wurde sie doch niemals von so vielen Mühseligkeiten und Beschwerden überwunden, zeigte vielmehr eine beständige Heiterkeit, denn sie freute sich, zu leisten und verachtet zu werden, um dem Bilde deS Sohnes GotleS gleichförmig zu werden. Nachdem daS unschuldige Mädchen auf dem betretenen Wege der christlichen Vollkommenheit freudig und standhaft fortgeschritten, wurde sie endlich zum Lohne ihrer Verdienste berufen, und vertauschte dieses sterbliche, leivenvolle Leben mit dem ewigen, seligen (22 Jahre alt). Ein so großer Glanz der Tugenden mußte Allen in die Auge» leuchten, und verschaffte ihr den Ruf der Heiligkeit, welcher auch »ach ihrem Tode nicht erlosch, sondern sich weit umher verbreitete, und besonders auch dadurch vermehrt wurde, daß, nachdem sie bereits vierzig Jahre verstorben war, die sterblichen Ueberreste der Jungfrau noch ganz unversehrt und mit frischen Blumen bestreut gefnnven wurden. Zu diesem Anzeichen kamen noch viele andere Wunder, welche am Grabe der Dienerin GotteS durch göttliche Macht gewirkt worden, durch deren Ruf die erzbischöfliche Curie zn Toulouse sich angetrieben fühlte, sowohl ihre Wuuderthalen als die noch unbestattet und unversehrt vorhandenen Ueberreste zn untersuchen und zu constatiren, daß sie der ehrwürdigen Germana angehörten, durch Beizichung zweier Zeugen, welche dieselbe während ihres Lebens gekannt hatten. Solche ausgezeichnete und durch göttliches Zeugniß bestätigte Tugend erkannten die Bischöse von Toulouse für würdig, daß sie vermöge der Entscheidung des apostolischen Stuhles die Ehren der Himmelsbürger erlangte. Allein eS kamen nun jene für die allgemeine Kirche und für Frankreich insbesondere so schweren und traurigen Zeiten, uud diese verhinderten, daß die betreffende» Verhandlungen eingeleitet wurden. Und anbetungswürdig sind die göttlichen Rathschlüsse, welche diese Sache unseren Tagen vorbehielten, auf daß sie durch das vorgehaltene Beispiel dieses auf dem Wege der Unschuld und Demuth zur Glorie und Ehre der Seligen erhobenen Mädchens angeeifert würden, und der in so vielen Herzen sast erloschene Glaube wieder belebt uud die Sitten durch die christliche Zucht gebessert würden. — Endlich, 242 Jahre nach dem Tode der ehrwürdigen Dienerin Gottes, schien die Zeit gekommen, die gesetzlichen Untersuchungen anzustellen über ihre Tugend und die durch ihre Fürbitte geschehenen Wunder, um sie unter die Zahl der Seligen setzen zu Können. Und Gott, der die Demüthigen erhöhet, löste alle Schwierigkeiten; denn eS läßt sich das besondere Walten der Vorsehung dabei nicht verkennen, daß die Ueberlieferung der Thaten und Zeichen der ehrwürdigen Germana so vollständig aus uns gekommen ist. Und zwar ist erstens Das wundersam, daß die Familien, welche zu Lebzeiten GermanaS in Pibrac bestanden, noch jetzt dort bestehen uud wohnen, und in denselben das Menscheualter stch so verlängerte, daß das Andenken an jene Begebenheiten durch drei oder vier Zeugen aus diese unsere Zeiten gebracht worden ist. — Die Tugenden dieser uuschuld- vollen Jungfrau aber und die ununterbrochene Reihe der Zeichen ist mit solcher Glaubhaftigkeit und Unverfälschtheit von den Großellern und Eltern auf die Kinder, Enkel und Nachkommen überliefert worden, daß sich während eines so langen Zeitraumes eine wnndcrsame Unbefangenheit in den Aussagen Aller, eine wundersame Einfalt, eine bewunderungswürdige Uebereinstimmung Äller findet; und daS sind die sichersten Zeichen und Beweise der Wahrheit. 195 Darum nachdem in der Congregaiion der ehrwürdigen zc, Cardinäle, welche mit der Sorge für die heiligen Riten betraut sind, über die Tugenden der ehrwürdigen Germana die genauesten Untersuchungen gepflogen worden waren, haben Wir, nach innigstem Gebete zn Gott, durch Decret vom 36. Mai 1850 die Richtigkeit ihrer Tugenden im heroischen Grade publicirt. Hierauf wurden die Prüfungen der vier Wunder, welche Gott auf ihre Fürbitte gewirkt haben sollte, in derselben Congregation begonnen, und da diese Wunder nach der strengsten Prüfung sowohl durch die Bitten der Consultoren als durch die Entscheidungen der Cardinale bestätigt worden, so haben Wir, nach vorheriger Anrufung des Vaters deS LichteS um Hilfe und Beistand, am 5. Mai v. IS. daS Decret über die Aechtheit eben dieser Wunder erlassen. Wir haben, waS allein noch übrig war, am 31. Mai dieselbe Congregation der Cardinälc bei uns, wie üblich, versammelt, und sie hat auf die vorgetragenen Bitten der Consultoren einstimmig erklärt, eS könnten mit Sicherheit, wenn es Uns gutdüuke, der ehrwürdigen Dienerin Gottes die Ehren der Seligen mit allen Judnltcn zugesprochen werden, bis zu ihrer feierlichen Kauom'sation, Wir also, bewozeu durch die Bitten aller Bischöfe Frankreichs und der gesammten Welt- und Ordensgeistlichkeit, ertheilen nach dem Beirathe der Bäter der Congregation der Riten anS unserer apostolischen Autorität durch diese gegenwärtige Urkunde die Vollmacht, daß die ehrwürdige Dienerin GotteS, Germana Cousin, mit dem Namen der „Seligen" genannt und ihr Leib oder ihre Reliquien zur öffentlichen Verehrung ausgestellt (aber nicht bei öffentlichen Processionen mitgetragen) werden. Uebcrdieß gestatten wir, daß jährlich von ihr daS Of- ficium und die Messe cl«z Lnmmunk; Virgmum mit besonderer von unS gutgeheißener Oralion uach den Rubriken des römischen Breviers und Meßbuches gebetet werde. Dieß gestatten Wir jedoch nur für Pibrac und die Diocese Toulouse auf den 15. Juni für alle Gläubige, welche die kauonischen Tagzciten zn beten verpflichtet sind, und betreffs der Messe auch für alle Priester, welche zu den Kirchen, in denen eben das Fest gefeiert wird, kommen. Endlich erlauben Wir, daß innerhalb eines JahreS, von gegenwärtigem Erlaß an gerechnet, die erste Feier der Seligsprechung der genannten Dienerin GotieS in den Kirchen der Diöcese Toulouse eum oslicio et Älisss äu^Iiois nmjoris ritu gefeiert werde; und zwar soll dieses an einem von den Ordinarien zu bestimmenden Tage und nachdem diese Feier in der Kirche des Vaticcm vollendet seyn wird, geschehen ic. Gegeben zu Rom bei St. Peter unter dem Fischerringe am 1. Juli 1853. Unseres PontificatS im achten Jahre. Cardinal Luigi Lambruschini, der berühmte Staats-Secretär des großen Gregor XVI., Bischof von Porto, Santa Rufina und Civita Vecchia, Subdecau des heiligen ColleginmS, Secretär für die päpstlichen Breven, Groß-Prior deS Maltheser-Ordens zu Rom, Großkanzler der päpstlichen Ritterorden, Präsecr der heiligen Congregation der Riten, der daS Licht der Welt zu Genua am 16. Mai 1776 erblickte, ist am 12. Mai Morgens sieben Uhr einem Schlaganfalle erlegen, hat also das hohe Alter von achtuudsiebzig Jahren weniger vier Tagen erreicht. Seit mehreren Monaten, schreibt das UniverS, gab sein Gesundheitszustand zu lebhasten Besorgnissen Anlaß und schon lauge gestattete ihm seine Gebrechlichkeit fast nicht mehr, sich seinen Geschäften zu widmen. Man hatte gehofft, daß eine Reise nach Porto, dem suburblkarischen BiSthum, mit dem er bekleidet war, ihm Erleichterung verschaffen würde. Im Gegentheil, gerade da wollte die Vorsehung ihm die letzte Heimsuchuug bereiten. Die Anzeichen deS drohenden Schlaganfall6 überraschten ihn daselbst, er mußte am 10. nach Rom zurückgebracht werden, um hier am 12. um sieben Uhr Morgens im Palast der Consulta beim Quirinal sein unsterbliches Theil Gott zurückzugeben. Es ist eine eigene Fügung, daß sein Tod mit der Seligsprechung der Gmnaine Cousin, des französischen Hirten- 196 mädchenS, zusammentraf. Als Präfect der Congregaiion der Riten und Berichterstatter hegte er das lebhafteste Interesse für diese Angelegenheit und drückte tausendmal die Freude nnS, die ihm das Fest der Seligsprechung bereiten werde. Gott wollte ihn auf der Erde belassen, bis zu dem Tage, wo sein Verlangen in Erfüllung ging und hat ihn dann in den Himmel aufgenommen, um sich des Triumphes und der Herrlichkeit der Seligen zu erfreuen. LambruSchini trat frühzeitig in den Barnabitenorden; seine strenge Einhaltung der Ordensregel und seine Gelehrsamkeit steht in den Häusern von Rom und Macerata in bestem Andenken; er bekleidete bald mehrere hohe Aemter in dem Orden und nahm später in der Eigenschaft als Secretär der Congregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten am Abschlüsse der Concordate mit Bayern und Neapel wesentlichen Antheil. Das Vertrauen des PapsteS wie deS Königs von Sardinien erhob ihn im Jahre 1319 auf den crzbischöflichen Stuhl von Genua, auf welchem er mit seltener Weisheit, die aus seinen Hirtenbriefen und aus der berühmten Trauerrede auf Victor Emanuel leuchtet, und mit gleichem Hirteneifer, von djm er namentlich bei einem Scesturm um Weihnachten 1822 im Hafen von Genua eine glänzende Probe ablegte, die Diöcese regierte. 1827 wurde der Erzbischof zum Nuntius am französischen Hofe in Nachfolge des N> Macchi befördert; in der Kraft der Jahre stehend und mit außerordentlichen GeisteSgaben das vortheilhaftestc Aenßere vereinigend, war der kirchliche Diplomat besonders geeignet für die Schwierigkeiten seiner Stellung, in welcher er von der Julirevolution überrascht wurde. Von Gregor XVI. alsbald nach dessen Erhebung mit dem Purpur bedacht — den 31. September 1831 — ward LambruSchini von dem scharfblickenden Kirchenregenten als der geeignetste Mann für das wichtige Amt des StaatSsecretärS auSer- sehcn und im Jahr 1836 damit betraut. Von da an beginnt nun die eigentliche Wirksamkeit des CardinalS, in welcher er das Loos aller größern Staatsmänner theure: von den Einen nämlich in den Himmel erhoben, von den Andern desto leidenschaftlicher in den Koth getreten zu werden. Aber Lob und Tadel müssen sich in dem Urtheile vereinigen, daß sie es mit einer über die Alltäglichkeit sich erhebenden Größe zu thun haben; und bei allem Hasse gegen die Politik der Stabilität, welcher der Staatsmann huldigte, können die Gegner dem Charakter ob seiner ungeheuchelten Tugend und Frömmigkeit den Zoll der Bewunderung nicht versagen. Er selbst beschränkte sich in seinen alten Tagen darauf, den Ruhm für sich iu Anspruch zu nehmen, daß er „Gregor XVI, habe in seinem Bette sterben lassen", und wer auf jene sturmbewegten Zeiten blickt, mit denen das Pontificat Gregors begann, auf diese wildschäumenden Brandungen der Demagogie, die den Cardinal noch nach seinem Rücktritt von den Geschäften verfolgte; wer jene Scene ins Gedächtniß zurückruft, wie seine Feinde am Abend des 16. Novembers 1848 seine Wohnung erstürmten, sein Bett mit Dolchen durchstachen und einer von seinen Büsten das Haupt abschlugen, voll Wuth darüber, nicht das lebendige Haupt des Flüchtlings abschlagen zu können: der ermißt die Bedeutung dieses Ruhmes hinlänglich. Die Wuth der Feinde ist hier wirklich ein Maaßstab für die Verdienste um Staat und Kirche. Cardinal LambruSchini wird gegen viele politische Anklagen durch den unversöhnlichen Haß derselben Meute, die jetzt wieder die Ruhe Italiens bedroht, sicher gestellt. Eine zarte Blüthe, die sich am Charakter dieses großen ManneS emporrankte, ist die innige Verehrung der seligsten Jungfrau, sie stellte ihn an die Spitze derer, welche die allgemein verbreitete fromme Meinung über die unbefleckte Empfängniß Mariens dogmatisch festgestellt wissen wollen. Inmitten der schweren Sorgen, die auf ihm lagen, fand der Cardinal noch Zeit genug, um eine der besten Abhandlungen über diesen Gegenstand auszuarbeiten. Es ist das nebst Anderem ein Beweis, daß weder der Besitz der Macht, noch die Sorgen der Geschäfte im Stande waren, die Frömmigkeit des Ordensmannes oder den Eifer des Bischofs zu verändern. Es ist zu hoffen, daß eine vollständige Lebensbeschreibung dem Andenken dieses 197 hochverdienten ManneS ein Denkmal setze. Die Todtenfeier des hohen Verblichenen mußte in der Kirche des heiligen Carl zu Belinari gehalten werden, welche dem Bar- nabitenkloster gebort, in dem er viele Jahre hindurch wohnte, da er noch einfacher OrdenSmann war, und wo er auch seine Ruhestätte gewählt hat. Er hatte dieses Haus immer geliebt und begünstigt, und ihm auch seine Bibliothek vermacht. Sein Secretär, die andern Priester seiner Haushaltung und die Glieder der „Familie", wie man in Rom die Dienerschaft der Cardinäle, Fürsten und Prälaten bezeichnet, haben einen reichen Antheil an den Schenkungen seines Testaments erhalten. AuS Böhmen. Mariaschein bei Teplitz. Am 4. Mai a. e. begann in der NachmittagS- stunde in der eben so majestätischen als lieblichen Marienkirche, die von den Vätern der Gesellschaft Jesu bereits seit Jahresfrist pastorirt wird, die Seligsprechungsfeier der beiden Märtyrer Pater Andreas Bobola und Johannes de Britto aus dem Orden der Gesellschaft Jesu. Ihre Bilder prangten neben dem Gnadenbilde der Gottesmutter am Hochaltare. Als uach vorausgegangener Einleitung und Vorlesung der Seligsprechungsbullen die Bilder enthüllt wurden, war die andächiige Theilnahme deS zahlreich anwesenden Volkes mehr als eine heilige Neugierde. Denn dieses gläubige Volk hatte hierin einen neuen von Gott durch Wunder bestätigten Beweis für die Wahrheit des katholischen Glaubens, für den beide Heilige ihr Leben gelassen haben. Auch liegt wohl der Gedanke sehr nahe, daß die Jesuiten, von denen schon so Viele zur Ehre der Altäre gelangt sind, doch ganz andere Leute seyn müssen, als sie die Gegner deö katholischen Glaubens in Romanen und andern verderblichen Schriften oft schildern. Das Fest wurde verherrlicht durch die Anwesenheit des hochwürdigsten Herrn Bischofes von Leitmeritz, der nicht nur am Vorabende des Festes die Ponlifical-Vespern, sondern auch sämmtliche drei Tage der schonen Feier Amt und Vespern, desgleichen auch die erste Predigt'hielt, in welcher er mit wahrhaft apostolischer Salbung über den Glauben sprach. Durch die Tage hindurch waren nebst dem Pontificalamt und Vesper täglich zwei Predigten', deren Inhalt sich der Reihe nach über die theologischen und Cardinaltugenden verbreitete. Der Eindruck der schonen, seltenen Feier senkte sich gewiß tief in die Herzen dtl Gegenwärtigen, um so mehr, da Gottes Gnade und Barmherzigkeit sich würdigte, durch die Fürbitte seiner verherrlichten beiden Diener eine wunderbare Gebetserhörung geschehen zu lassen > die neben andern besonders öffentlich bekannt geworden ist. Der katholische Schullehrer von EberSdorf, einer von Mariaschein nicht weit entfernten Ortschaft, hatte ein kleines Töchtcrchen, die Jahre lang von einer schrecklichen Krankheit geplagt war, und auS Erfahrung wußte der betrübte Vater, daß jeder Anfall des Uebels dem Kinde eine schreckliche Nacht bereitete. Gerade während der Seligsprechungsfeier in Mariaschein wnrde das arme Mädchen wieder von der Krankheit angefallen. Der Vater nimmt seine Zuflucht zn den beiden seligen Märtyrern, deren Feier eben in seiner Nähe begangen wird. Kaum hat er ein Vater unser gebetet, so wird das Kind ganz ruhig und schläft ohne die mindeste Störung die ganze Nachr, waS bisher noch nie der Fall gewesen war, sobald sich die Krankheit eingestellt hatte, die vielmehr immer dem kranken Kinde wie der ganzen Familie gleich furchtbar war. Die Erhöruug snneS GebeteS bewog den Vater, sogleich am folgenden Tage nach Mariaschein zu kommen und den beiden Seligen vor ihren Bildnissen seinen Dank abzustatten. (Schl. Kbl.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. IV. Die Franciscaner-Väter Bosniens versehen außer den den Klöstern einverleibten noch sechsundvierzig Pfarreien, nebst einigen Localcaplaneien, mit einer 198 Gesammtzcchl von 130,000 katholischen Seelen. Unter diessn Pfarreien gibt es solche, die mehrere Tausend Seelen in sich fassen, wie ToliSka mit 6000 Seelen. Die Gründer der meisten sind ausschließlich die Klöster, indem sie von dem Anfangs spärlichen Almosen sich Baustellen ankauften, auf denselben auch mit Hilfe der Pfarrkinder Pfarrhäuser (mehr Hütten ähnlich) aufführten, Gärten und Weinberge anlegten, weß- halb auch das Recht, Pfarrer zu ernennen, einzig nur ihnen zukommt. Sämmtliche Pfarreien besitzen jedoch nur zwei Kirchen (wenn sie diesen Namen im weiteren Sinne verdienen), und zwar so klein und elend, daß sie mehr Viehställen gleichen, wie z. B. in WareS und Jaicza, von welchen doch jenes vor diesem den Vorzug hat, daß eS seit undenklichen Zeiten eine 10 bis 20 Pfund schwere Glocke besitzt, die daS gläubige Volk zum Gottesdienste ruft, und trotz aller linkischen Demonstrationen und Bemühungen für die Herabnahme derselben dennoch, und dieß zwar mit nicht geringen Geldkräften der Gläubigen an ihrem Orte blieb. Die Erlaubniß zur Erweiterung dieser Kirche wurde durch einen Ferman gewährleistet. In Jaicza besteht eine bisher stets verschlossene Sacristei, welche die Türken öfters schon zu erbrechen sich anschickten, aber, czuis oustoclitui- voi virtutv, von ihrem Ansinnen bis auf den heutigen Tag abstehen mußten. Niemand weiß, was dort verborgen sey. In Bosnien heißen diese zwei Gotteshäuser Kirchen; wo anders würde man ihnen einen unbedeutenden Namen beilegen; doch sind sie im wahren katholischen Sinne Kirchen, denn vor dem heiligsten Altars-Sakramente, das hier aufbewahrt wird, brennt Tag und Nacht die Lampe. Was das übrige Gebiet betrifft, so findet man keinen sichern Ort zur Feier der heiligen Geheimnisse, 'als Privathäuser, Stalle, den freien Himmel, den kühlen Schotten irgend eines Baumes, wo das Volk im Regen, Schnee, in der Hitze und Kälte, bei den heftigsten Windstürmen andächtig knieend, entblößten Hauptes der Predigt und dem heiligsten Meßopfer beiwohnt; ja cS gibt Andächtige -unter ihnen, die durch die ganze Dauer des heiligen Cults, welcher oft zwei Stunden währt, weder sich niedersetzen, noch irgendwo anlehnen. Kommt der Aeltere des HauseS vom Gottesdienste zurück, so muß er seinen Hausgenossen den Inhalt der Predigt erklären; der Jüngere aber die Verordnungen deS Priesters, die Ankündigung der Fast- und Festtage, kurz Alles auseinand..rsetzen, was für kirchliche Disciplin angeordnet wurde. Es gibt Dörfer, die drei bis sieben Stunden von einem Kloster entfernt liegen; aber ans diesen Dörfern pflegen die Gläubigen einen halben Tag früher aufzubrechen, den ganzen Tag beim Gottesdienste zu verweilen, und erst am folgenden Tage nach Hause zu gehen. Wegen der weiten Entfernung der Dörfer unter einander, so wie wegen deS Mangels an Kirchen, wird bald an diesem, bald an jenem Orte die heilige Messe gefeiert, je nachdem der Priester mit seinem Pferde (Wagen gibt eS nur an der Save- Gränze) bald da, bald dort erscheint. Am häufigsten aber wird an jenem Orte der Gottesdienst gefeiert, welcher der Miltelpunct mehrerer Ortschaften ist. Gemeiniglich dient zur Verrichtung der heiligen Handlung der Gottesacker; dorthin begibt sich der Priester mit dem Pferde, daS ihm das Kloster, wenn er im kirchlichen Dienste reist, zur Verfügung stellt; nach Beendigung der Predigt und des heiligen Amtes genießt er entweder, was er in seinem Neisesacke vom Kloster zur Labung mitgegeben vorfindet, oder er begibt sich zu diesem Zwecke in das nächst gelegene Dorf. In der heiligen Fastenzeit, die in Bosnien mit aller Strenge gehalten wird, da eS nicht erlaubt ist, weder weiße Feigen, noch Eier, Käse, Milch, Bntter, noch Speisen mit Oel zu essen, und Jeder sich mit Bohnen oder Kraut, Rettig, Rüben, Zwiebeln u. dgl. begnügt, wandert der Pfarrer von Ort zu Ort, vom ersten Fasten- bis zum Palmsonntage, ertheilt katholischen Unterricht, hört die Beichten seiner anvertrauten Gläubigen, lieSt die heilige Messe und spendet auS den heiligsten Leib des Herrn. Bei seiner Weiterreise gibt er ihnen zugleich seinen künftigen Aufenthaltsort an, um bei einem Kranken u. f. w. alsogleich zur Hand zu seyu. Diese Zeit fordert von dem Diener GotteS die meiste Anstrengung und Aufopferung; denn außerdem, daß er deS guten Beispiels wegen das strengste Fasten beobachtet, die vielen Beichten seine Kräfte übermäßig anstrengen, hat er noch mit vielen andern Unannehmlichkeiten zu kämpfen, 199 weil er nämlich in unreinen, ungesunden, niedern und feuchten Wohnungen schlafen, übel riechende Dünste einathmen, schlecht zubereitete Speisen zu sich nehmen mnß. Alle diese harten Entbehrungen aber wiegt andererseits der Trost aus, den er in seiner Seele empfindet, wenn er nach stundenlangem Beichthören, nach beendetem Breviergebete Abendö mit seinen Gläubigen gemeinsam nieverkiiieet, die Liiauei und andere heilige Gebete in ihrer Mitte knieend verrichtet, den Gottesdienst mit einem heiligen Liede beschließt, und endlich zum Schlüsse deS TagcS die Kleinen zu sich ruft, um ihnen den Weg deS Heiles zu zeigen und fromme Liebe zu dem göttlichen Kinderfreund einflößt. Wer tis zu Ostern das heilige Sacrament der Buße und deS AltarS nicht empfangen bat, der wurde von dem bosnischen katholischen Volke für einen großen Sünder gehalten, verachtet, und dürfte serner dem Gottesdienste nicht beiwohnen; heut zu Tage ist man von dieser Strenge etwas abgekommen Ungeachtet des Mangeis an Glocken erscheinen doch die Gläubigen zur gehörigen Zeit zum Gottesdienst; die Bauern richten sich in der Zeit nach dem Stande der Sonne, in einigen Oertern bedient man sich als Zeichen zum Gottesdienste eines Hornes, woher eS auch kommt, daß die Türken daS Horn sür etwas den Christen Heiliges halten, und um sie zu kränken, deS HorneS fluchen. Bestimmte Einkünfte haben die Mönche vom gläubigen Volke nicht; nur Manches, wie Holz, Heu u. dgl. wird gesammelt; meistens besteht der Unterhalt aus Stipendien, deren es sehr viele gibt. Die öffentliche Kleidung der FrauciScaner ist die türkische, im Kloster ist selbe nicht zu trafen erlaubt, sondern Jeder auf sein OrdenSkleid angewiesen. Ehemals trugen sie d,>S OrvenSlleid ohne Rücksicht deS OrteS, litten aber eben deßhalb viele Verfolgungen, und da sie von der Regierung die Erlaubniß zu Bauten nicht erhalten konnten, änderten sie ihr Kleid, gingen unerkannt von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, lehrten das Volk, spendeten ihnen die heiligen Sacramente, und suchten auf diese Weise heimlich, ohne daß die Türken den Zweck ahnten, Häuser zu bauen, in deren Stuben oder ärmlichen Gemächern sie den Gottesdienst verrichteten. In der neuesten Zeit ist die Stimmung der Türken gegen die Franciscaner-Väter und ihre anbefohlenen Gläubigen günstiger geworden; eS hat sich auch niemals Einer aus ihnen eine Treulosigkeit gegen die Regierung zu Schulden kommen lassen, wie dieß an den Popen der nicht-unirten Griechen ölters geahndet wurde; die Türken achten die Francikcaner, wohl wissend, daß sie ihre Gläubigen zur Zufriedenheit, zum Gehorsam gegen jede rechtmäßige Obrigkeit ermuntern und fest einprägen, daß Lüge, Diebstahl und Mord einen Katholiken mehr als den Türken brandmarken. Selbst das leivel der Türke, daß der Katholik in waS immer für einem Hause Morgens und Abends, ja sogar in Gemeinschaft seine Gebete verrichte; es geschieht sogar, daß in einer Ecke des HauseS der Türke betet, während die Christen ihre Litaneien und Gebete verrichten, da es dem ersteren gleichgiltig ist, wenn ein Anderer seinem Glauben öffentliches Zeugniß gibt. — Das häusliche Leben ist patriarchalisch; mehrere Familien leben ruhig zusammen in einem Hause, obgleich auch in neuerer Zeic einzelne Trennungen vorkommen. (Schluß folgt., Ü/m-j j?cka-,?si,A RegenSburg. RegenSburg, 13. Juni. Vorgestern Nachmittags vier Uhr wurde in der Niedermünsterkirche die kirchlich e Weihe der Standarte deS hiesigen katholischen GesellenvereineS vorgenommen. Der hochwürdigste Herr Bischof Valentin, obwohl den ganzen Tag über durch die AuSspenduug des heiligen Sacra- menteS der Firmung äußerst in Anspruch genommen, erzeigte dein jungen Vereine die hohe Gnade, besagte heilige Handlung in eigener Person nach dem herkömmlichen kirchlichen RituS vorzunehmen und die Feier deS Actes durch eine herzerhebendc, begeisternde Rede über die Bedeutung der VercinSfahne zu erhöhen. Zahlreiches andäch- 200 tigeS Publicum hatte sich außer den Vereinsgenossen eingefunden. Ein ergreifender Choralgesang schloß den Weiheact, worauf sich der Zug, gebildet aus den Vorständen, Mitgliedern, Freunden und Gönnern des Vereines, voraus die stolz in den Lüften flatternde Fahne, von der Kirche in das Vereinslocal begab. Hier richtete der Vorstand des Vereines Worte des Dankes, der Belehrung und Ermunterung an die Ver- einSgesellen, — Worte, die in einem zweiten Vortrage eines Vereinsgesellen einen würdigen Widerhall fanden und in einem dauernden Lebehoch auf die Wohlthäter des Vereines, namentlich derer, durch deren freundliches, uneigennütziges Bemühen der Verein in den Besitz der schönen Fahne kam, endeten. Die Fahne, in großer Standartenform, ist aus rothem Sammet gefertigt und durch die Kunst und den Fleiß einer frommen Dame ohne allen andern, als den im Jenseits zu erwartenden Lohn mit werthvollen Goldstickereien versehen. Sie trägt auf der einen Seite daS Bild deS heiligen Joseph, Patrones deS Vereines, auf der andern Seite in Goldstickerei die Worte: „Katholischer Gesellen-Verein 1854." Nach den besagten Vorträgen im Vereinssaale begab sich die Gesellschaft in die passend und schön gezierten Gartenräume, woselbst eine gut besetzte Instrumental- und Vocal-Musik die ohnedem heitere Stimmung der VereinSgenossen und Gäste nur noch mehr erhöhte. Plötzlich trat eine ehrfurchtsvolle Stille ein, — nnd Aller Augen richteten sich nach dem Eingänge deS Gartens. Hier erschien, gefolgt von seinem Secretäre, der hochwürdigste Herr Bischof, der stets ein Freund und Gönner deS Vereines, den Abend in der Gesellschaft seiner lieben Vcreinsgesellen zubringen wollte. Empfangen von den Vorständen deS Vereines nahm der hochwürdigste Gast Platz in der Mitte der beglückten Gesellschaft, Von Neuem ertönten die harmonischen Klänge der Instrumental-Musik, von Neuem erschallten die schönen Stimmen kräitigen Männergesanges und wechselten mit sinnreichen Trinksprüchen, begeisterten Toasten und deklamatorischen Vorträgen ernsten nnd komischen Inhaltes. So endete in Freude und Heiterkeit der schöne Tag, dessen Niemand ohne Lust und Wonne und ohne den Wunsch gedenken wird, daß mit der Fahne neugestärkle treue Liebe und Begeisterung für die Sache des Vereines in die Genossenschaft der katholischen VereinS-Gesellen eingezogen seyn und sich erhalten möge. Gott segne das edle Handwerk! (Bayer. VolkSbl.) Nordamerika. In die Irrenanstalt zu Utica im Staate New-Uork wurden im Jahre 1853 424 Irren aufgenommen, 14 unter diesen hatten den Verstand verloren durch Versuche mit Klopfgeistern u. f. w., und 7 durch religiöse Ueberausregung oder durch Gewissensbisse. Zwei Drittel dieser Irren waren arm, das eine Drittel bestand aus gewöhnlichen Leuten. Nun schickt aber die Stadt New-Uork ihre Irren nicht in die genannte Irrenanstalt, welche vorzüglich von Landbewohnern eingenommen wird. Auch schicken begüterte Familien ihre Irren nicht in die Anstalt zu Utica. Man muß demnach annehmen, daß, wenn man die Zahl aller Irren und die Ursache ihres Jrre- seynS genau kennte, das Verhältniß der Irren, welche durch Klopfgeister u. s. w. ihren Verstand verloren haben, noch viel bedeutender seyn würde. Die Zahl der durch Klopfgeister u. f. w, irre Gewordenen vergrößert sich in einem solchem Maaße, daß dadurch Unruhe und Schrecken entsteht. Unter 2376 Irren, welche von 1843 bis 1849 in die Irrenanstalt von Utica aufgenommen wurden, hatten 251 Personen ihren Verstand durch religiöse Ueberaufregung verloren. Von den 424 im Jahre 1853 in Utica aufgenommenen Irren gehörten 142 Männer und 45 Frauen gar keiner religiösen Partei an, und hatten eben so wenig als ihre Familien irgend einen religiösen Glauben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. » Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Äugsburger Pojheitung. SS. Juni 2«. 1854. _ - ^_ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Souutage. Der halbjährige Abonnemente preis kr., wofür e« durch alle köntgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kan?. Der heilige Stuhl und das orientalische Schisma. Schon im Anfange seines PontificateS hatte Pins IX. ein apostolisches Schreiben an die orientalischen Schismatiker erlassen, worin er sie zur Rückkehr in die katholische Einheit mit väterlich ernsten Worten einlud. Darauf hatte der vorige Patriarch der schismatischen Griechen, AnthimnS, in einer sehr plumpen Encyclica geantwortet, worin er das SchiSma vertheidigte und mit der thörichten Verwegenheit eines DioSkurus gegen den P.>pst und die ganze lateinische Kirche das Anathem aussprach. Wie der heilige Vater bereits in der Allocution vom 19. December vorigen JahreS ankündigte, wurde auf seinen Befehl eine Widerlegung dieses Rundschreibens verfaßt, die nun zn Rom in der Typographie der „Livilta c->ttolicg" unter dem Titel: „Lovkutaöione cli ^ntim» pstriarca scismatieo Lostantmopolitsno" erschienen ist. *) Diese gedrängte, 182 Octavseiten umfassende Widerlegung enthält eine Vorerinnerung über den Anlaß der Schrift, dann zwei Theile, wovon jeder in zwei Abschnitte zerfällt, nebst einem Epilog. Der Grundgedanke der Schrift ist: Die Encyclica deS AnthimuS ist eine Selbstwiderlcgung, und daö Resultat daS entgegengesetzte von dem, waS er anstrebte. Er wollte darin eine ErcommunicationSsentenz gegen den Papst und die römische Kirche schlendern, und zugleich daS zurückweisen und entkräften, was PiuS IX. den Orientalen gesagt, um sie zur Vereinigung mit der römischen Kirche zu bewegen. In der That aber hat er, wie cS dem Sachwalter eiiur schlechten Sache gewöhnlich ergeht, das Anaihem gegen sich und sein Schisma gesprochen, und viel eher den Inhalt deS päpstlichen Sendschreibens bestätigt und bekräftigt, «IS entkräftet. Das wird nnn in den zwei Theilen der „Confulati^n" nachgewiesen. DaS ausgesprochene Anathem fällt auf daS Oberhaupt der Schismatiker selbst zurück. Denn er stützt seinen Bannspruch auf ein Princip und eine Autorität, die evident, und zwar mit Beibehaltung seiner eigenen Worte, nicht den Papst und die lateinische Kirche, sondern das phvtianische Schisma und alle hartnäckigen Vertheidiger desselben veruriheilen. Das Princip, das er anruft, ist dieses: Mail muß Jedweden als Häretiker betrachten, der in der Lehre von den göttlichen Proccssioncn der Schrift, den Concilien, den Kirchenvätern sich wiversetzt und das hochheilige Geheimniß der Dreieinigkeit corrumpirt. Der Verfasser der „Eonsutation" erkennt mit Recht dieses Princip als ganz richtig an und zeigt ganz klar, daß diese Opposition gegen Schrift, Concilien und Väter sich nicht im lateinischen Dogma findet, das vielmehr auf daS Klarste durch diese Zeugnisse bestätigt wird, sondern in dem Irrthum deS PhotiuS, der noch zum Ucberfluß nach den eigenen Erklärungen des Herrn Patriarchen ') LiviltÄ csttolies L0. Mai 18S4. p. 42L sequ. 202 ganz und gar das TrinitätSmysten'um verkehrt, indem er die göttlichen Personen auf zwei revucirt oder vier daraus macht und die distinctiven Eigenthümlichkeiten einer jeden verkehrt. Der Verfasser beweist, daß Papst DamasuS I. in der von ihm vorgeschriebenen ElaubenSformel daS ausdrückliche Bekenntniß deS AuSgangS des h. Geistes vom Vater und dem Sohne forderte, ganz das Gegentheil der Meinung des PhotiuS, und erklärt, daß das dritte ökumenische Concil von EphesuS im Canon 7 der allgemeinen Kirche nichts verboten, sondern anticipationsweise schon den Irrthum des PhotiuS verdammt hat. Denn indem eS untersagte, einen von dem nicänischen, nachher im Concil von Constcmtinvpel näher entwickelten Bekenntniß verschiedenen Glauben zu bekennen,") hat es iinplioite Jeden verdammt, der den einfachen affirmativen Satz: „Der heilige Geist geht vom Vater aus" in den ganz anderen erclusiven verwandelt: „Der heilige Geist geht nur vom Vater (a solo patre) aus", wie eS AnthimuS und mit ihm alle Anhänger des PhotiuS thun. Dazu ist eS unbezweifelt, daß die Väter von Ephesus den AuSgang deS heiligen Geistes vom Vater und vom Sohne geglaubt haben, da sie die Synodika des heiligen Cyrillns von Alerandricn wie ihre eigene aufnahmen und billigten, worin ausdrücklich das Ausgehen deS heiligen Geistes auch vom Sohne ausgesagt ist. Ferner bekräftigt AnthimuS Alles, waS Pius IX. den Orientalen vorstellte. Der Papst hatte sie erinnert an die Spaltungen und Verluste, die diese einst so blühenden Kirchen seir ihrer unseligen Trennung von dem römischen Stuhle erlitten, und an die Nothwendigkeit, behufs der Erhaltung der von Christus gewollten Einheit im Nachfolger Pctri den höchsten Hirten der Kirche und den gemeinsamen Vater aller Gläubigen anzuerkennen. Dagegen sagt AnthimuS, um zu beweisen, daß in seiner Kirche trotz jener Trennung von Rom doch die Einheit des Glaubens und der Hierarchie sich erhallen hat, bei ihnen sey der Glaube einig und orthodor, weil dessen Bcschützung dem Volke anvertraut sey, welches es verhindere, eaß die Patriarchen und ihre Synoden Irrthümer im Glauben vorschreiben, und die Hierarchie erhalte sich in einer wunderbaren Einheit des Handelns, weil, wofern die Patriarchen sich nicht brüderlich unter sich einigen können, man die Intervention der Regierung (d. h. deS Großlürken) anruft. Der feine Theologe sieht nicht, daß er damit das bestätigt, was er widerlegen wollte; mit einer merkwürdigen Vcrkehrung der Begriffe wie der Sache selbst fagl tr, ihr Glaube sey einig, weil von der Vielheit, der Negation der Einheit, geregelt, ihre Hierarchie sey heilig, weil in letzter AnalysiS vom Sultan geleitet, der in Fragen der KirchendiSciplin das Nöthige entscheidet, wobei er wohl nicht die Concilien nachschlägt, sondern den Koran. Dn wird es dem Gegner deS gelehrten AnthimuS nicht schwer, zu zeigen, wie sehr ein solches System den Anordnungen Christi betreffs der Kirche widerspricht, und wie sehr es noch die Beweiskraft der Worte Piuö IX. erhöht. Eben so zeigt er die ärmlichen Sophismen, mit denen der Patriarch die Schristtcrte über den Primat Pelri aus dem Wege zu räumen versucht, Teile, mit denen die Zeugnisse der heilic-en Väter und die geschichtlichen Urkunden von allen Jahrhunderten übereinstimme». Das ist der wesentliche Inhalt des zweiten Theiles. Es hätte nur AnthimuS sich an das erinnern dürfen, was im sechsten Jahrhundert einem seiner Vorgänger begegnete, der denselben Namen trug. Bischof AnthimuS von Tredisonv war im Jahre 535 durch die Ränke der Kaiserin Theodora auf den Patriarchenftuhl von Conftantinopcl gekommen, und ward auf Antrieb derselben von Justinian kräslig unterstützt. Da er sich aber als Eutychianer und Gegner der Synode von Chalceoon zeigte, so ercommunicirte ihn der Papst Agapiius, ohne eine Synode zu berufen, sondern aus eigener Autorität, und setzte ihn ab, zugleich mit dem Patriarchen SevcruS von Aim'ochicn und andern Anhängern der Häresie. Ja er ") Vergl. darüber Iluzo LtKerisnus eonli-g l^rgecos I. III. e. tö. Klsnuel Lslecss I. IV. e. Krsec. Lvnc. klurent, 8ess. XI. ") Nergl. Lxri». clv gäor-U. lib. I. p. 9, in 5oel. c. Z. Ines. lib. XXXIV. p. 34S, 3S4. 253. vial. cie Irin. lib. Vll. p. SS7. 203 entzog ihm auch sein früheres BiSthum Trebisond und untersagte ihm alle priesterlichen Funktionen. Darauf ward Mennas, Vorsteher deS großen Spitals von Constauiino- pel, zum Patriarchen geweiht und vom Papste verpflichtet, in seine Hände ein schriftliches Glaubensbekenntniß zu übergeben, ohne daß dieser noch sonst ein Grieche widerstrebte. Nun sollte unser AnthimuS sagen, ob diese Einmischung des römischen Bischofs in die Angelegenheiten des ersten Stuhles im Orient, diese Vernrtheilung und Absetzung eines Patriarchen, diese Einsetzung ueuer Bischöse an die Stellen der abgesetzten, eine bloße brüderliche Mitwirkung oder aber einen Act wahrer Autorität und JuriSdiction bedeutet und involvirt. DaS Werkchen schließt mit dem Gedanken, daß diese Erörterungen zugleich als Trost und als Stachel, als Ermunterung und als Warnung dienen sollen: als Trost und Ermunterung für die unirten Griechen, die sich freuen müssen, der Kirche anzugehören, für welche die eigenen Feinde, indem sie dieselbe bekämpfen, ein Zeugniß ablegen; als Stachel, Sporn und Warnung für die Schismatiker, die aus den Worten ihres eigenen Patriarchen den Irrweg, auf dem sie sich befinden, sehen können, so wie die Nothwendigkeit, zur wahren Heerde Christi zurückzukehren. Sicher streifen die Ideen deS AnthimuS sehr nahe an den Protestantismus an; er kennt kein kirchliches Lehramtmehr, sondern nur die Bibel und die alten Canoneö, deren Hort und Interpret das Volk ist. Dahin ist es mit dem griechischen Schisma gekommen! So ist in einfacher und populärer Weise die vom heiligen Vater in jener Allo- cution in Aussicht gestellte Widerlegung des schismatischen Manifestes gelungen. Dieselbe Allocution ward aber für einen schismatischen Griechen in Corfu, Georg Marcoran, Anlaß, seinem heftigen Groll wider den Papst und die Lateiner Lust zu machen in dem kürzlich veröffentlichten Schriftchen: „8oprs »leuni passi clell' alloeuzions
  • IX. Ö88ervgüiom cii Kiorgio Ugreorim. Lorlu 185-4, ?ipci^r»lig Alerourio^, daS auf 35 Octavseiten seinen griechischen Tert nebst der italienischen Uebersetzung enthält. Der Verfasser, ein Laie, zeigt sich sehr wenig in der Theologie bewandert; er hatte die Encyclica deS AnthimuS übersetzt, und deßhalb, so wie wegen der darin enthaltenen Grundsätze, besonders weil das Volk Hort deS Glaubens ist, hielt er sich zu deren Vertheidigung berufen. Darum griff er mit allem Ernste die päpstliche Allocution an. Er thut sich viel zu gut auf die prachtvolle Encyclica seines Patriarchen, von der die Versammlung im Nalican ganz erschüttert worden sey; er triumphirt, daß noch keine Widerlegung erschienen; doch wird ihm jetzt die fast gleichzeitig mit der seinigen veröffentlichte oben besprochene Schrift zu Gesicht ^gekommen seyn, die der damit beauftragte römische Theologe in sünf Wochen, seit er dazu committirt war, vollendet hat. Die feste Ueberzeugung deS Herrn Marcoran, daß die Worte des römischen Bischofs zum erstenmal eine unüberwindliche Widerlegung in jener Encyclica gefunden haben, beweist nur zu gut, daß die Theologie nicht eben seine starke Seite ist. Mit großer Galle ereifert sich der neue Wächter der griechischen Orthodoric über die verleumderische Bezeichnung „Schismatiker" für die von der römischeil Gemeinschaft getrennten Griechen; es sey gewissenlos, so die orthodoxen Griechen zu benennen, „Getrennt von der wahren Kirche" und „schismatisch" ist für uns doch wohl gleichbedeutend; eS kommt also nur darauf an, wo die wahre Kirche ist. Wird er aber gegen daS ganze Alterthum und sogar gegen die byzantinisch kaiserlichen Gesetze läugnen können, daß man unter katholischem Glauben stets den verstanden ha«, den die römische Kirche bekennt?") Im Ganzen reduciren sich die Bemerkungen des Herrn Marcoran auf zwei Hauptpuncte. Erstens sucht er mit einigen schlecht gedeuteten und übel angewendeten Bibel- und Vaterstellen den photicmischen Irrthum vom AnSgang des heiligen Geistes vom Bater allein zu stützen und den JuriSdictionsprimat deS PapsteS zu bekämpfen. Loluts?ione I, Lp. I, VIl, ep, 37 (ül, 40): „(Zuis «mim nesci-lt. 8, ZZcclesism in ^po- sUiIoium principis soliciit.ite liimntiim, cpii tirmitgtem montis trsxit in nowins, ut Petrus ü petr.i vocaretur? Lui Veritatis voce clicitur: 1'ibi dabo elsves regni coolorum. Lui rursus clicitur: Lt tu iil!o.u.inclo conversus conlirm-, irgtres tuos. Iterumczus: Simon potro, sums me? pgsce oves mess. It-iauo eum niulti sint ^postoli, pro ipso tamen principstu svl>> ^postoioi'um priniiipis secles in üuctoi-it.ito convgluit, lzuso in tridus locis unius ost." Die letzten Worte sprechen den häufig vorkommenden Gedanken aus: In so ferne find neben Rom Alerandrien und Antiochien Patriarchalsitze und üben eine JuriSdiction über die andern Kirchen aus, als sie als dem Petrus zugehörig betrachtet werden; hier ist schon von vornherein die Gleichheit aller Bischöfe gcläugnet, Kpist. I. V. 18: primum membrum sanclgo et universslis Lcolesise. Ueber die Renitenz des byzantinischen Patriarchen Johannes des Fasters schreibt er I. I V. ep, 64 (>il, 32) scl ^'grsom pstricium: In on neuem eingeleitet, und mit ungewöhnlichem Erfolge rasch fortgeführt. Schon im Jahre 1850 wurde daS Dccret über die Tugenden veröffentlicht, und im vorigen Jahre jenes über die Wunder, und nun halten wir am 7. dieses Monats das erhabene Schauspiel, worin auf eine so besondere Weise das Wort des Apostels von neuem in Erfüllung ging: „WaS vor der Welt thöricht ist, hat Gott erwählt, um die Weisen zu beschämen, und das Schwache vor der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen, und daS Geringe vor der Welt und das Verachtete, und das, was nichts ist, hat Gott erwählt, um daS, was etwas ist, zu nichte zu machen, damit kein Mensch sich vor ihm rühme." (1. Cor. 1, 27.) Germana Cousin war im Jahre 1579 zu Pibrac, einem Dorfe nicht weit von Toulouse in Frankreich geboren, und starb daselbst im Alter von 22 Jahren. (Münst. Sbl.) _ . :pLrüiM»Ä! ii!>K!ü,l>isA r»i 'in?t7i!> Großartiges katholisches Unternehmen in London. Ueber zweimalhunderttausend Katholiken aller Stämme und Zungen wohnen in dieser Weltstadt, zerstreut unter zwei Millionen Protestanten aller Mcinungsschat- tirungen, daS Bild der Einheit mitten in der Zerfahrenheit. Einigt sie der Glaube, so trennt sie die Nationalität, deren wesentlichster Ausdruck die Sprache. Wohl zählt London 25 Kirchen, seine Umgebung 15 Kapellen, an beiden 104 Priester; wie wenig für jene große Zahl von Kindern der Kirche! Und diese wenigen kommen meist nur den Einheimischen zu Gute, mit denen sie durch daS Band der Sprache verbunden sind. Wem diese fremd ist (und wie groß ist nicht deren Zahl!) dem wird es schwer, geistliche Belehrung und Kräftigung zu erhalten, daS Sacrament der Buße zu empfangen, Beistandes und Trostes in seinen letzten Augenblicken sich zu erfreuen. Hat daS Heidenthum der neuesten Zeit, nachdem cS den im Anfang dieses Jahrhunderts erfundenen KoömopolitiSmuS als abgegriffen bei Seite geworfen, mit wühlerischem Eifer zu dem Rationalismus sich gewenver und wie in der vorchristlichen Zeit Volk gegen Volk stellen wollen, so muß die Kircke (so wie in ihr allein der ächte KosmopoliliömuS ruht) auch dieser Verirrung die Schranke anweisen, innerhalb welcher allein sie, gleich der individuellen Persönlichkeit, zu Recht bestehen kann. Der Priester Vincenz Palotti, der im Jahre 1850 zu Rom im Ruf der Heiligkeit gestorben ist, und dort Katholiken ohne Unterschied der Nation und des Standes durch den werkthätigen Glauben in eine allgemeine Bruderschaft vereinigt hat, faßte den großartigen Gedanken, in dem Mittelpuncte der Stadt London eine geräumige Kirche nach dem Vorbild der ältesten christlichen Basiliken zu bauen. An dieser sollten Priester aller Nationen: Deutsche, Italiener, Franzosen, Spanier, Ungarn, Slaven der verschiedenen Mundarten wohnen, gleichsam eine bleibende Pfingstversammlung, damit jeder Gläubige die Gnaden Gottes an dem Menschengeschlecht in seiner eigenen Zunge verkünden höre; somit nicht Aufhebung, sondern Einigung der Nationalitäten auf demjenigen Gebiete, auf welchem dieselben zur Verherrlichung Gottes und zu der eigenen Erkräftigung mit dem vollen Ausdrucke ihres Gepräges auftreten mögen. Auch für Schulen, diese mit jenem Maaß pflegend, welches in ihrer Weisheit einzig die Kirche an die Hand gibt, soll gesorgt werden. Deßwegen hat der fromme Vincenz Palotti schon vor zehn Jahren auS seinem in Rom begründeten Institute zwei Priester nach London gesendet, um die Ausführung jenes Vorhabens anzubahnen, In dem Mnlclpnncie von Londons Altstadt ist aus eingeleiteten Sammelbeiträgen bereits ein Bauplatz erworben. Aber die Kosten der Ausführung in ihrem ganzen Umfange sind groß. Deßwegen nun, weil daS Beabsichtigte die höchsten Interessen aller Voller berührt, ergeht der Ruf zum Mitwirken 208 an alle Völker. Er ergeht an sie nicht von Privatleuten, nicht von gutherzigen, aber außerhalb ihrer Umgebung wenig bekannten Priester». Dieser Ruf ergeht an alle Völker von dem Mittelpunct der katholischen Einheit, von dem Stellvertreter Christi, von dem heiligen Vater selbst. DaS Oberhaupt der Kirche hat Seine höchste Genehmigung des Unternehmens ausgesprochen; das Oberhaupt der Kirche hat den Plan des neuen Baues gesegnet mit dem Wunsch, daß er geweiht werde in der Ehre deS heiligen Aposteifürsten; daS Oberhaupt der Kirche hat zugegeben, daß zwei apostolische Missionare ausgehen durch die Länder, um Beiträge zur Ausführung deS großartigen Unternehmens all überall zu sammeln. Die Kongregation der Propaganda hat dieselben mit Beglaubigungsschreiben ausgestattet. (Oesterr. VolkSsr.) »iotH js.t! ,t's, H,«dk! Sb« 65 11/ ^ti?M,, A' «os' 6mi tM- 7!s ?««-MinG «ich'l .sjiiiM) soz«vl»), Herzogin in Bayern, erste Königin von Ungarn. Blätter der Erinnerung an die Völkerbeglückende Vermählung Sr. k. k. apostolischen Majestät Franz Joseph I. mit Ihrer königl. Hoheit der durchlauchtigsten Prinzessin Elisabeth Herzogin in Bayern. Herausgegeben von vr. Johann Ranvlder, Bischof von Wcszprim, k. k. geheimen Rathe und Kanzler der Königlin von Ungarn. Mit fünf lichograpylirten Beilagen: 1. den heiligen Stephan, die heilige Gisela und den heiligen Emerich. 2. Aeußere Ansicht der Giselacapelle in Weszprim. 3. Das Innere derselben Capelle. 4. Der ungarische Krönungsmantel. 5. Ansicht der Stadt WeSzprim im Jahre 1593. K. K. Staatsvruckcrei. In Commission bei Seidel in Wien. Folio. In diesem prachtvoll ausgestatteten Werk wird die Vermählung Sr. Majestät des Kaisers und Königs von Ungarn vom katholischen und historischen Standpuncte auS, auf eine eben so sinnige als erhebende Weise betrachtet. Der Leser wird in die Vorzeit Ungarns zurückversetzt und die herrlichen Gestalten der Geschichte, welche daS ungarische Volk der Kirche gewannen, ziehen majestätisch an seinem Auge vorüber. Der heilige Stephan und seine Gattin, die selige Gisela, werden in ihren segensreichen Thaten dargestellt, und im Leben der Königin ein sehr wichtiger Moment in Bezug auf Ungarns Bekehrung zum ersten Mal hervorgehoben; nämlich die Erziehung Giselas (einer bayerischen Herzogin) durch den heiligen Wolfgang, Bischof von RegenSburg, der durch die großartige Wirksamkeit seiner seligen Schülerin sich in der That den Namen eines Apostels der Ungarn erworben hat. Ist der reichhaltige, historische Stoff vom höchsten Interesse, so dürfen nicht minder die Parallelen, welche aus demselben mit der Begebenheit der Gegenwart gezogen werden, höchst sinnreich und gelungen genannt werden. Die Sprache ist meisterhaft gerundet und die kirchlichen und politischen Betrachtungen, die dem Terte eingewebt sind, beurkunden einen tiefen Blick in die gegemvämige Weltlage. Nicht nur für den Ungarn und Oesterreicher, sondern für jeden Freund der Geschichte wird das Werk einen dauernden Werth haben. (W. Kirchenz.) 211 Da» Blnmenfest in Genzano. Auf den hohen Ufern des NemiseeS, des Kraters eines ausgebrannte» VnlcanS im Albanergebirge, eine halbe Tagreise von Rom, liegt das Städtchen Genzano, freundlich von Olivenwäldern umgeben und wegen jenes Sees, welchen man von vort aus am Bequemsten überschaut, mehr noch durch daS alle zwei oder drei Jahre wiederkehrende Blumenfest berühmt. DaS Blumenfest GenzanoS ist kirchlicher Art und tritt, waS Schönheit und Kunst sowohl in Anordnung als Ausführung anbelangt, den vorzüglichsten Festlichkeiten Italiens ebenbürtig zur Seite, Nicht kann Genzano, wie Rom, durch die Anwesenheit des Papstes, der Cardinäle und hoher Würdenträger der Kirche seinem Feste einen unvergleichlichen Glanz verleihen; nicht ist eS eine außergewöhnliche heilige Handlung, welche nach Genzano einladet und jener eine hohe Bedeutung gibt, sondern eS ist nur die gewöhnliche feierliche Frohnleichnamsprocession, welche man dort veranstaltet, welcher aber die Bewohner deS Städtchens vermöge ihrer angebornui Geschicklichkeit mit den einfachsten Mitteln, bloß durch künstlerisch-geschmackvolle Anordnung einen unbeschreiblichen Reiz zu ertheilen wissen. Wie schon der Name besagt, sind Blumen eS, welche den Mittelpunct der Feier GenzanoS bilden, Blumen sind überhaupt des Italieners Wonne, mit Blumen verherrlicht er seine Volksfeste, Blu- menguirlanden in üppigster Fülle bekränzen im Frühlinge Wege und Mauern. Blumen sind es denn auch, welche in kunstreicher Verbindung in Genzano die Bewunderung Aller, welche dem Feste beiwohnen, auf sich ziehen. AuS Blumenblätterchen werden nämlich durch kunstvolle Verthciluug und Nebeneinanderlegung dort die prächtigsten Blumenteppiche auf den Straßen ausgeführt. Diese Teppiche, in buntester Verschiedenheit sich an einander reihend, bilden einen unübersehbaren Blumenweg, welcher sich über die beiden Hauptstraßen GenzanoS ausdehnt und einen unbeschreiblich herrlichen Eindruck gewährt. WaS der Pinsel keines Malers erreicht und die Kunst nur anstrebt, findet man hier mittelst Zusammensetzung der lebenden Farben der Natur in künstlerischer Vollkommenheit ausgeführt. Selbst die feinsten Linien in den Guirlauden der Ränfte, die feinsten Schatlirungen in den Wappen der Cardinäle, welche in den Tcppichen wieder gegeben werden, sind mit einer staunenswerthen Genauigkeit ausgeführt. Am Ergreifendsten ist aber, daß alle diese Herrlichkeit nur dem Einen Augenblicke dient, wo am Spätnachmittage der Priester daS AUerheiligste über diesen Blumenweg trägt. Sobald er seinen Fnß über die so mühsam, allein zu Gottes Ehre verfertigten Tcppiche hinwegsetzt, wird hinter ihm Alles durch die nachströmende Menge absichtlich zerstört. So erscheint denn hier das schönste Erzeugnis) der Natur in herrlichster Zusammenfüguug nur allein im Dienste deS höchsten Gegenstandes der Religion, und daS Fkst darf sowohl seiner Idee als ihrer Ausführung nach einzig und unvergleichlich genannt werden. Das Blumenfest zu Genzano fällt, wenn es stattfindet, aus den Schluß der FrohnleichnamS-Octave, Einheimische und Fremde jubeln dem Tag entgegen, wo sie der InKomtn (Blumenfest) in Genzano beiwohnen werden. Denn da das Fest nicht alle Jahre wiederkehrt, so hat eS auch für denjenigen, welcher öfter beigewohnt hat, immer einen neuen Reiz, Mit Laubgewiuden ist der mittlere Theil der beiden Hauptstraßen des Städtchens abgegränzt und nur zu beiven Seiten zum Aus- und Abgehen Raum gelassen. Innerhalb jener Gewinde zeichnen die mit der Ausführung des Blu- menwegeS Betrauten die allgemeinen Umrisse der einzelnen Teppiche nach vorher angefertigtem Modell mit Kreide ab, legen diese Linien mit den entsprechenden Blumenblätterchen aus, schattiren hier mit dem schönsten Blau, dort muß das Roth, dort daS Gelb, hier daS Violett, dort daS Grün auShelfen. Wie zierlich der Ginster neben der Rose prangt, und die Kornblume neben dem Veilchen! DaS Wappen deS Papstes und die der Cardinäle sind am Morgen oder schon am voraus gegangenen Tage auf Brettern ausgelegt worden und jetzt nur noch in der Mitte der Teppiche in passender Umgebung anzubringen. Diese in großem Maaßstab ausgeführten Wappen 21S dürfe» in ihrer Art unübertrefflich genannt werden. Die einzelnen Felder, die dunkel- gelben Löwen auf violettem Grunde, der Cardinalshut oder die dreifache Krone: Alles ist so erakt, so frisch und lebendig wiedergegeben, daß man deS Schemens nicht satt wird. Unterdeß ist der Blumenweg vollendet worden und die Stunde, wo die Procession ausziehen soll, herangenaht. Um das Ganze vollends zu überschauen, hat man sich ein Fenster in entsprechender Höhe gemiethet, und der Eindruck, welchen die Bl»men> straße bei diesem Totalüberblicke macht, ist unvergleichlich. Wer wurde nicht überrascht, wenn er ein Mosaik aus der Ferne sah und eS ihm ivic da« prachtvollste Gemälde erschient Hier aber sinv bildsamere Formen zu dem herrlichsten Mosaike zusammen- gerciht; die frischesten Farben bei den zartesten Formen der Natnr übertreffen in dieser Ansammenordnung Alles, was die Kunst AecnlicheS zu erzeugen im Stande ist. Mehr indeß als die künstlerischen Anlagen der Bewohner ehren wir die in so ausgezeichnetem Grade zcme und poetische Idee, das schöne Fest des Heilandes in so holder und idyllisch großartiger Weise zu begehen, worin Genzano seine Einzigkeit unbestritten bleibt. Am meisten zog ein Engel die Bewunderung auf sich, welcher in dem Wappen deS zeitigen Cardinal-Bischofs des Städtchens mit wahrer Meisterschaft ausgeführt war. DaS Auge, daö Haar, die vollen blühenden Wangen, die freie schimmernde Stirne, der sanft lächelnde Mnnd dieses Himmelsboten bezauberte, von der Höhe deS Fensters aus gesehen, wie das schönste Bild die Einbildungskraft. Die Procession geht gegen halb sieben Uhr von der Hauptkirche aus. Kreuz und Fahnen werden vorangetragen, eS folgt die Jugend in festlichem Schmucke Der Chor der Sänger und die Vornehmen deS Städtchens kommen in langsam feierlichem Schritte. Sie alle betreten mit der größten Behutsamkeit die Blumeuteppiche, so daß sie nichts verrücken oder verderben. Unmittelbar vor dem Allerheiligsten erblickt mau ein zartes Kind, in Engelkvstüm mit Flügeln gekleidet und von einem Erwachsenen an der Hand geführt, waS einen überraschend rührenden Eindruck macht. Schmerzlich jedoch und wehmüthig wird man sodann ergriffen, wie jene Arbeit so vieler Hände und viel- lägiger Mühe, das Werk voll der Knnst und des Geschmackes, so bald der Priester mit dem Allerheiligsten es betreten hat, von den nachströmendcn Haufen zertreten und absichtlich der Vernichtung Preis gegeben wird. Indeß wird erst so die Idee deS Festes vollends realisirt Jener Biumenweg sollte bloß zur Verherrlichung des Heilandes dienen, auf ihm sollte er seinen feierlichen Umzug hallen, seinen Fuß über Teppiche setzen, wie sie keinem irdischen Könige auSgebrciret werden. Ist dieses geschehen, so ist die Bestimmung dcö Werkes erreicht und seine Erhaltnng wäre zwecklos. Am obern Ende der bergan laufenden Slraße angelangt, erthcilr der Priester der zwischen den Laubgewindcn auf den zerstörten Biumenteppichen kniecndcn Menge den feierlichen heiligen Segen. Dann tritt die Procession über die Teppiche der andern Slraße den Rückweg zur Kirche an. Noch einen Blick auf den kleinen Rest der hi«r der Verwüstung entgegengehenden Pracht und >uif die hinter der hcrabströmen- dcn Menge zurückbleibende Zerstörung und man verläßt gewaltig ergriffen Genzano, das GebirgSstädtchen, einen Eindruck mit nehmend, welcher lange in der Seele wieder!) allt. O möchten auch anderSwo recht viele opferwillige Seelen dem lieben Heiland solche Freude machen! (Kath. i. d. Schw.) Visitation deS Klosters der barmherzigen Brüder in Wien durch Seine Eminenz den Cardinal von ScitovSky. Seine Eminenz kam Nachmittag den 12. Juni »ach abgehaltener Visitation in Linz mittelst Dampfschiff in Nußdorf an, wurde am Landungsplatze von den hochwürdigen Herren, dem Provincial und Prior des Wiener Klosters begrüßt, nach Wien begleitet und dort in der Ordenskirche vom hochwürdigen Herrn Convisitator, 2t3 Kanonikus Dittrich, empfangen und feierlich eingeführt, worauf das Homagium sämmtlicher Ordensbrüder erfolgte. Nachdem bereits am 11. und 12. Juni von einem Ordenspriester religiöse Betrachtungen über die OrdenSgelübde gehalten wurden, wurde die Visitation selbst am 13. früh mit einer Sitzung eröffnet, in welcher Seine Eminenz den Versammelten den Zweck, die Nothwendigkeit und Wichtigkeit der Reform ans Herz legte, sodann die neuen Statuten vorlas und erklärte. Nachmittag war daS examen psrtieulsre, wobei zugleich jeder die Erklärung schriftlich abzugeben hatte, ob er der Reform beitrete oder nicht. Das schönste Zeugniß von dem guten, hier herrschenden Ordensgeiste liegt gewiß darin, daß sich Alle, kein einziger ausgenommen, zur Annahme der Reform bereit erklärten. Am 14. besuchte Seine Eminenz jede einzelne Zelle, und nahm hierauf die Visitation der Kirche, des SpitaleS, der Apotheke, deS NoviciateS, der Bibliothek und der Avministrationsbücher für die geistlichen so wie ökonomischen Angelegenheiten vor. Seine Eminenz sprachen sich anerkennend über die allemhalben herrschende gute Ordnung aus. Die Visitation wurde mit einer Sitzung, an welcher der hochwürdige Convisitator, der hochwürdige Herr Provincial und das hochwürdige Definitonum Theil nahm, geschlossen. Seine Eminenz brachte dann bei Tische einen väterlichen Toast auf das Wohl und Gedeihen deS OrdcnS aus, „den er nicht nur vvu Herzen liebgewonnen habe, sondern hochschätze und achte." Der hochwürdigste Convisitator dankte im Namen deS hochwürdigen ConventeS, brachte die herzlichsten und ehrfurchtsvollsten Segenswünsche für daS Wohl Seiner Eminenz und die Versicherung dar, daß Sich Hochvicselben durch Ihre Liebe und väterliche Milde im Herzen jedes Einzelnen ein unvergängliches Denkmal der Dankbarkeil und kindlichsten Ehrfurcht erbaut haben. Nachmittag nahm Seine Eminenz in Begleitung deS hochwürdigsten ConvisitatorS die Visitation im ReconvaleScentenhauö auf der Landstraße vor, wo ebenfalls alles in gedeihlicher Ordnung befunden wurde. (Oesterr. Volksfr.) Pilgerreise in das heilige Land. Dem Denkenden wird cö bereits klar seyn: das heilige Land hat, wahrend die Einen im Materialismus schlummerten, die Andern vor Angst bebten vor der Zukunft, eine Idee ing Leben geworfen, die eine neue Karte von Europa und allen Künsteleien der Politiker zum Trotz neue sociale und kirchliche Verhältnisse schaffen wird. Wie dieß Alles enden wird in der nächsten Generation, wir wissen eS nicht. Die Katholiken können nur hoffen uud beten. — Das katholische Frankreich, neuerdings in so vielen glänzenden Beispielen vorangegangen,-hat auch die katholische Idee der Pilgerreise in das heilige Land wieder ausgegriffen und mittelst geschickter Benutzung der reichen Hilssmiltel der Zeit thatsächlich gezeigt, daß eine solche Reise, wenn auch nimmer leicht und einem "iiuiu clu plsisir vergleichbar, doch nicht unmöglich, ja nicht einmal so gar schwierig. Ich erlaube mir nun hiermit, sowohl als Mitglied jener Gesellschaften, als in besonderm Auftrage, nachstehende Bemerkungen: 1. Es wird eine Sache des deutschen Vaterlandes wie der katholischen Kirche im Morgenlande seyn, daß die Katholiken Deutschlands den französischen nicht nachstehen an Wärme und Theilnahme für das heilige Laus. 2. Für die Deutschen, welche etwa vom frommen Eifer getrieben werden und in der Lage sind, das Vaterland des göttlichen Heilandes zu sehen, das Land so vieler Wunder und Gnaden zu besuchen, kann ich die erfreuliche Mittheilung machen, daß bereits in Jerusalem solche Einleitungen getroffen sind, wonach im nächsten Frühjahr die österreichische Regierung daselbst ein eigenes, mit den erforderlichen Räumlichkeiten versehenes Hospiz zur Verpflegung der deutschen Gäste stellen wird. 3. Das österreichische Consnlat wird mit der österreichischen Lloydgesellschaft in Verbindung treten und Alles aufbieten, um für die Seereise jene Erleich- 214 terung von 5V "/„ Rabatt zn verschaffen, wie dieß bereits von Seiten der Administration deS französischen Seedienstes in dem gleichen Falle gewährt worden. ^. ES wird aber znr fernern Organisirung jener Angelegenheit nothwendig seyn, daß sich bei der nächsten Versammlung der katholischen Vereine Deutschlands, in Köln sowohl als in Wien, ein eigenes Comite bilde, welches diese Angelegenheit als eine katholische in die Hand nimmt und derartige Anordnung treffe, daß die Pilger bei einem etwaigen dreißigtägigen Aufenthalte im heiligen Lande alle heiligen Orte und historisch merkwürdige Stelleu im heiligen Lande in aller Andacht, Ruhe und Sicherheit, ja selbst bei der Rückkehr Rom, um den mäßigen Preis (erster Classe) von fünfzig Thalern, (zweiter) vierhundert Thalern besuchen köuueu. Die Franzosen haben bereits bei wiederholten Versuchen bewiesen, daß dieß möglich ist. Nach den in Jerusalem auf dem Patriarchate getroffenen Vereinbarungen sollen jene Pilgerreisen dreimal im Jahre künstig stattfinden, nämlich im Frühjahre zur Fcier des Osterfestes, im Herbste zur Feier der Kreuzauffindung und im Winter zur Verherrlichung des GeburtSfesteS des Herrn. Es würden durch diese Auordnuug nicht bloß wiederholte Gelegenheiten gegeben zu jener so heilsamen und herzstärkenden Reise, sondern auch Uebelstände vermieden, die sich bei einer größern Anzahl von Reisenden nothwendig einstellen möchten. Sollten vor der Hand einige meiner verehrten LandS- leute seyn, welche das heilige Land schon im Spätsommer »u besuchen wünschen und zwar unter so günstigen Bedingungen, so würden sie wohl lhnn, sich zeitig mit mir in Verbindung zu setzen, damit sie bei dem Pariser Comitö eingetragen werden. Da man sich, wie es in der Natur der Verhältnisse liegt, nur auf eine bestimmte Zahl einlassen kann, so dürsten leicht Verspätungen den Ausschluß bewirken. Für Diejeni- gen aber, welche es vorziehen, mit nächstem Frühjahre mir den Deutschen zu reisen, und weil eine derartige Reise doch immer viel Vorbereitungen erfordert, bemerke ich, daß sie wohl thun, sich während der Zeit mit einer genauen Topographie des heiligen Landes bekannt zu macheu, wozu wohl zwei Bücher, nämlich das alte Werk von Guaresimus 'I'orrs ssnets und das neuere von Mislin „die heiligen Stätten" am geeignetsten sind. Nach dem französischen Programm betragen die etwa ans zwei Monate berechneten Reisekosten vom Orte der Abfahrt (Marseille) erster Classe zwölfhuudcrt, zweiter Classe tausend und dritter Classe etwa achthundert Franken. Für diejenigen, welche auf dem Rückwege Rom, Constantinopel, Griechenland sehen wollen, ist nur ein ganz unbedeutendes Geldopfer erforderlich. Da mitunter Handwerker, ja auch wohl andere Leute ohne alle Mitte! u.tch Jerusalem reisen, so bin ich im Namen der Väter des heiligen Landes und insbesondere auch deS deutschen Beichtvaters in Jerusalem beaufiragl zu warnen: 1. Daß eS Niemand ohne das erforderliche Reisegeld von wenigstens hundert Thalern versuchen möge, die unter solchen Umständen mit großen Gefahren Leibes und der Seele verbundene Reise anzutreten. 2. Da die Pässe und sonstige Umstände nicht immer die gehörigen Aufschlüsse geben, ob die Personen, die sich als Katholiken in Jerusalem melden, mich wirklich Katholiken sind, so wird eS durchaus erforderlich seyn, daß jeder Pilger ein Zeugniß von seinem Ortöpfarrer mitbringe, der in solchem Falle noch überdieß Zeit und Gelegenheit findet, mit Rath und That an die Hand zu gehen, damit die Reise wirk ich jene geistigen Vortheile bringe, die sie mit gehöriger Vorbereitung und dem gehörigen Sinne angetreten, im nothwendigen Gefolge hat. Pilger, welche ohne eine solche Bürgschaft nach Jerusalem kämen, würden zwar an der Gastfreundschaft der Brüder des heiligen Franz nicht leiden, aber da man hier so manche betrübte Erfahrung gemacht, das Unglück habeu, nicht zu den Sacramenten zugelassen zu werden; Pilger aber, welche ohne daS erforderliche Reisegeld abgehen, in Gefahr kommen, 215 den Herrn in Versuchung zu sehen, oder in Noth daS Köstlichste, was sie besitzen, um schnödes Geld zn verkaufen. Ich hoffe daher mit jener Bekanntmachung Niemanden zur Unbesonnenheit zu verleiten, sondern habe einzig die Absicht, denjenigen, welche Willens sind und in der Lage, eine so heilsame Reise zu machen, mit den erforderlichen Daten an die Hand zu gehen und allen Denjenigen, welche das große Werk mit der gehörigen Ueberlegung und den nothwendigen Mitteln unternehmen wollen, sowohl als dem deutschen Vaterlande und der katholischen Kirche einen Dienst zu leisten. Denn die Folgen werden eS zeigen: die sogenannte orientalische Frage ist nicht weniger eine deutsche als eine katholische, und der Besuch der heiligen Stätten ist nicht bloß eine Herzstärkung, sondern auch eine Aufklärung über manche obschwebende Frage des äußern wie deS innern Lebens deS Vaterlandes. Rheindorf, den 8. Juni 1354. Prisac, Pfarrer und Mitglied des Ritterordens vom hl. Grabe. Randglossen. Bekanntlich war eS sonst Tactik der akatholischen Schriftsteller, die Leistungen von Katholiken auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, wenn es irgend anging, völlig zu ignoriren. Da diese Waffe deS „Totschweigens" nachgerade stumpf geworden uns der Katholicismus sich durchaus nicht als die „morsche Ruine" erweisen will, von der man geträumt hatte, im Gegentheil überall ein frisches Leben entfaltet, dessen Blüthen und Blumen man sogar künstlicher Nachahmung unter fremder Firma würdigt, so ist die akatholische Literatur und Journalistik auf eine andere Practik verfallen und ignorirt katholische Leistungen zwar nicht mehr ganz, recensirt sie aber so abfällig und abgeschmackt, daß dem nicht bereits besser informirten Leser die Lust vergeht, sich um daö Buch weiter zu bekümmern. So ergehl es nun auch Ernst von Lasautr, dessen neueste Schrift „der Untergang deö HellenenthnmS", gediegen wie Alles, waS bisher noch von diesem geistreichsten aller uns bekannten lebenden Philologen ausgegangen, nur eine ganz kurze und äußerst trockene Besprechung in demselben kritischen Institute erfahren hat, so zwar, daß man dem Schreiber recht anmerkt, wie ihm nur darum zu thun sey, das katholische Kindlein wie einen mißgestalteten Wechselbalg aus dem Prokrustesbette der hausbackenen Brockhausischen Kritik zu Tode zu renken. Ist dagegen der betreffende Autor bereits eine anerkannte, aller Verballhornung entwachsene Autorität, ein berühmter Name, dessen Verdienst anzuerkennen und zu rühmen man nicht umhin kann, so verschweigt man, daß er Katholik oder wenigstens, daß er Priester gewesen. So ist eS wohl nicht blos zufällig, daß in den „Briefen über Ä. v. Humboldt's KoSmoS" II. S. 384. von KopernikuS nicht erwähnt wird, daß er Domherr in Frauen bürg gewesen, überhaupt über sein Leben fast gar nichts mitgetheilt wird, während unmittelbar darauf KcpplerS Lebensumstände bis ins kleinste Detail ansgeführt werden. ES hätte sich freilich sonst schwerlich anbringen lassen, .,daß mit der Volljährigkeit deS Erzherzogs Ferdinand die Verfolgung der Protestanten in Steiermark begann und Keppler davon mitbetroffen wurde." Ooer hat etwa der scharfsinnige Begründer eines neuen Weltsystems, welcher den Muth hatte, die Schranken der bisherigen Denkweise zu erweitern und einem durch lange Jahrhunderte befestigten Irrthume entgegenzutreten, welcher dergestalt in die allgemeine Vor- stellungSweise verwachsen war, daß Melanchthon an einen Freund schrieb, man müsse die Obrigkeiten bewegen, „eine so böse und gottlose Meinung mit allen ihr zu Gebote siebenden Mitteln zu unterdrücken" — hat, sage ich, der unsterbliche Entdecker uuserS Sonnensystems weniger Anspruch auf unser Interesse als derjenige, der auf seine Schultern tretend das von ihm begründete System nur weiter ausbildete? Ach nein! Ein katholischer Domherr als Begründer deS neuen Weltsystems verstieß zu sehr gegen gewisse traditionelle Vorurtheile vom protestantischen Alleinbesitze 216 der Wissenschaft, als daß es gerathen erschien, irgend eine Andeutung darüber zu geben, wer Kopernikus eigentlich gewesen! Was sich doch große Geister bisweilen für kleinlichen Kummer machen! Biot und Laplace suchten auS Aerger darüber, daß Newton in seinem Alter theologische Untersuchungen über die Offenbarung Johannis und die Weissagungen im Propheten Daniel anstellte, zu beweisen, daß Newton seinen Verstand nie völlig wiederbekommen habe, seit er einmal auf kurze Zeit in momentane Geistesverwirrung verfallen, weil sein Hündchen in seiner Abwesenheit die brennende Kerze aus seinem Studirtische umgeworfen und ein großes Werk über Optik, die Frucht mehrjährigen Fleißes, ein Raub der Flammen geworden war: und ein Briefsteller über den „Kosmos" empfindet einen in der That unkoSmischen geheimen Neid darüber, daß Nikolaus Kopernikus uicht nur Katholik, sondern wirklicher residirender Domherr zu Frauenburg gewesen! Eben so ungenau mindestens drücken sich die „Briefe" (II. S. 211) über Friedrich von Spee auS: „Einen Gegensatz zu (Paul) Gerhard, trotz der mannigfachen Verwandtschaft mit ihm, bildet Friedrich v. Spee. Dieser ist eifriger Katholik (allerdings, er war sogar Priester, auS der Gesellschaft Jesu!); die Innigkeit deS religiösen Gefühls, wie den lebendigen Ausdruck desselben theilt er mit Gerhard; allein seine Dichtungen athmen statt der protestantischen Einfachheit eine schwärmerische Mystik (davon hat sich die „protestantische Einfachheit" freilich gründlich rein gehalten!)." Daß Friedrich von Spee außerdem der Erste gewesen, der gegen das Unwesen und die Grausamkeit der Herenprocesse auftrat, wiederum ein Verdienst, daS unstreitig noch größer war als sein dichterisches, bleibt unerwähnt. Man wende uns nicht ein, daß dieß als nicht zur Sache gehörig übergangen worden, vielmehr gehörte es recht eigentlich in eine Betrachtung, welche vorzugsweise das praktische Verhalten deS Menschen zur Natur erörtert. Diese Verirrung der Herenprocesse war aus grober, der Verachtung der heidnischen Literatur der Griechen und Römer entsprungener Unkenntniß der Natur und ihrer Gesetze entstanden. Friedrich von Spee'S Auftreten gegen dieselben, zunächst veranlaßt durch die ihr ganzes Innere enthüllenden Bekenntnisse der unglücklichen Schlachtopser im Beichtstühle, beruhte auf einer gründlicheren Menschenkenntniß und einer aufdämmernden richtigen Ahnung von dem Verhältnisse des Menschen zu der Natur und ihren Kräften. Das hat der Verfasser auch recht wohl gewußt, aber seine Vorurtheile, seine Parteilichkeit gegen katholisches Verdienst lassen ihn, sey es nun bewußt oder unbewußt, zu einer unbefangenen und vollständigen Würdigung diesseitiger Leistungen nicht gelangen! T e l g t e. Das Jubiläum wird in diesem Jahre wie vor hundert Jahren am Tage vor Maria Heimsuchung, Nachmittags vier Uhr, wo das Gnadenbild auS der Capelle in Procession um den Kirchhof in die Kirche getragen wird, mit der Vesper beginnen und vierzehn Tage bis zum zweiten Sonntag nach Maria Heimsuchung dauern. Seine Heiligkeit, Papst Piuö IX., haben dazu den Jubiläums-Ablaß verliehen. Täglich wird vom frühen Morgen an die Andacht beginnen. Eine hinreichende Anzahl Geistliche, sowohl Welt- als Ordenögeistlichc, werden die nöthigen Funktionen im Beichtstuhl, CvmmnnionanStheilen, heilige Messe lesen, Predigten zc. besorgen. Die nähern Bestimmungen hierüber wird der hochwürdigste Bischof Müller, der die ganze Anordnung übernommen hat, besorgen. Kirche und Capelle werden besonders ausgeschmückt, ganz besonders die Capelle, woran schon über ein Jahr gearbeitet wird. Im Innern wird dieselbe mit herrlichen Fresco-Gemälden und Vergoldungen durch Herrn Maler Büchtemann aus Münster geschmückt, und zwar so schön, daß gewiß in Westfalen keine zweite solche zu finden ist. Auch von Seiten der Stadt wird alles cmfgeboien, um sowohl die Processionen, als auch die einzelnen Pilger ehrenvoll zu empfangen. Verantwortlicher Redacteur: ? Schönche» Verlags-Inhaber: F. C. Krcmer, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 9. Juli ^V>- 28. 1854. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Gountage. Der halbjährige Abouuementsprei« 5«> lr>, wofür e« durch alle kom'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Die Adressen der katholischen Welt an den hochwürdigften Herrn Erzbischof von Freiburg. Mit dem jetzt erschienenen vierten Hefte liegen so ziemlich alle bisher an den Hochwürdigsien Herrn Erzbischof von Freiburg ans allen Theilen des Erdkreises eingegangenen Adressen vor und constituiren den vollkommensten moralischen Beweis, daß die ganze Kirche die Grundsätze des heldenmüthigen Vertheidigers der kirchlichen Freiheit und Selbststäudigkeit theilt und sein Verfahren billigt. Dieses ist aber ein herrliches Zeugniß eineötheilS für die Sache des hoch- würdigsten Erzbischoss und anderntheils für die Lebendigkeit und Entschiedenheit deS kirchlichen Geistes, welcher in unserer Zeit die gesammte Kirche und vor Allem ihren Episkopat durchdringt. Wie unaussprechlich klein und kläglich erscheint dem gegenüber daS Toben deS abgestorbenen StaatSkirchenthumS und der Wind und Staub nicht sowohl des Zeit-, als vielmehr deS Zeitungsgeistes. , UebrigenS gewann gerade jetzt, wo man wagt, den Erzbischof der Rebellion nnd deS Bruches des Unterthaneneides um deßwillen zu zeihen, weil er eben jene Grundsätze ausübt, denen der ganze katholische Erdkreis seine Zustimmung ertheilt hat, jenes Zeugniß eine noch erhöhte Bedeutung, und werden die Adressen, wenn sie nicht an sich schon durch Geist und Inhalt eine der interessantesten Erscheinungen der Zeit wären, das wichtigste kirchliche Document der Gegenwart. Um zu sehen, welches die moralische Macht sey, gegen welche die badische Beamtenschaft den Kampf aufgenommen, bedenke man, daß in diesen vier Heften der Anösprnch von nicht weniger als 169 Bischöfen und Erzbischöfen vorliegt, darunter fast alle Bischöfe gerade der zunächstliegenden und wichtigsten Länder: Deutschlands und Oesterreichs, Frankreichs, Großbritanniens, Sardiniens und der Schweiz, während bei entfernteren Ländern offenbar nur die Raumentfernung schuld ist, daß nicht auch bereits sie in die Reihe eingetreten sind; jedoch sind bereilS einzelne Adressen, von Bischöfen, nicht bloß aus Spanien und Griechenland, sondern ans Amerika und Indien eingegangen. Es wäre genug an den bischöflichen Adressen, weil die Priester und daS gläubige Volk nothwendig mit ihrem Bischöfe zusammenstimme». Dennoch ist cS erbauend und lehrreich für die Feinde der Kirche, wie viele Körperschaften von Geistlichen und Laien sich dem Beispiele der Bischöfe angeschlossen haben, wie dieß die vo^ir solchen ausgegangenen 133 weiteren Adressen zeigen. Besonders interessant ist, wie zahlreich und mit welcher Begeisterung und Entschiedenheit gerade der deutsche Klerus sich-ausgesprochen hat, die 94 Collectivadressen von Stadt- und Landcapiteln und den GestGmcheiten der Geistlichen ganzer Landschaften gehören fast alle Deutschland an. (KathM.) 218 Der Prinz Gemahl in England als Theologe. In England besteht der Verein, der sich die Unterstützung dürstiger anglikanischer Geistlichen und ihrer Wittwen und Waisen zur Aufgabe gesetzt hat. Er heißt der Verein der „Söhne von Geistlichen" und zählt die angesehensten Männer des Landes zu seinen Mitgliedern oder Gönnern. Im Mai feierte der Verein sein 200- jährigeS Jubiläum, Morgens durch einen feierlichen Gottesdienst in St. Paul, wobei der Erzbischof von Canterbury predigte, daraus durch ein Diner von 45() Gedecken unter dem Vorsitze deS Lord-Mayorö von London. Der erste Toast war: „Die Kirche und die Königin"; den zweiten: „Prinz Albert, der Prinz von Wales und die übrige königliche Familie", beantwortete Prinz Albert, der zur Rechten deS Lord-Mayors saß, unter großem Beifall, wie folgt: „Ich bin in der That sehr erfreut darüber, ein Zeuge dieses LVVjährigen Jubiläums gewesen zu seyn, da dasselbe beweist, daß das Volk dieses Landes die früher begonnenen Unternehmungen nicht aufgibt, und den Geist, welcher seine Väter beseelt hat, nicht verläßt. Als unsere Vorsahren den christlichen Glauben reinigten und das Joch einer tyrannischen Priesterschaft abwarfen, da erkannten sie, daß der Schlußstein deS wunderbaren Baues, der sich in den finstern Jahrhunderten deS Mittelalters erhoben hatte, die Ehelosigkeit der Geistlichen sey; sie sahen wohl vorher, daß ihr reformirter Glaube und die neu gewonnene religiöse Freiheit nur sicher seyn würde in den Händen einer Geistlichkeit, welche durch alle Sympathien — nationale, persönliche und häusliche — mit dem Volke verbunden wäre. Meine Herren! Unsere Nation hat seit dreihundert Jahren daS Glück einer auf dieser Grundlage ruhenden kirchlichen Institution genossen, und kann nicht dankbar genug seyn sür die Vortheile, welche daraus erwachse», daß die christlichen Prediger nicht allein die Lehren des Christenthums predigen, sondern in ihren Gemeinden leben als Muster in der Erfüllung aller christlichen Pflichten, als Gatten, Väter und Familienhänpter, selbst fähig, die ganze Tiefe der menschlichen Gefühle, Wünsche und Sorgen zu ergründen. Indem wir dankbar anerkennen müssen, daß sie im Ganzen diese hohe und schwierige Aufgabe würdig gelöst haben, müssen wir bedenken, daß wir ihnen nicht die gleiche Theilnahme an einer der Bestrebungen des Lebens gestatten, an der, welche unter den Kindern dieser Welt vielleicht die stärkste ist, an dem Streben, die Güter dieser Welt zu erwerben und zu vermehren. Die Benennung „ein geldmachendcr Pfaff" ist die größte Schmach für einen Geistlichen und beraubt ihn jedes Einflusses auf seine Gemeinde. Und doch hat der Mann, der die den Meisten von uns gestatteten Minel, Reichthum zu erwerben, nicht anwenden darf, und der oft nnr ein spärliches Einkommen hat, — er hat Frau und Kinder, wie wir, und wir wünschen, daß er für ihr Wohlergehen eben so besorgt ist, wie wir für das der Unseligen. Sind wir nun nicht verpflichtet, ihn vor Sorge und seine Kinder vor Armuth zu schützen, wenn es dem Allmächtigen gefällt, ihn von dem Schauplätze seiner Arbeiten zu entfernen? Sie haben diese Frage heute durch Ihre Anwesenheit mit Ja beantwortet, und wiewohl dieser Verein materiell nur wenig leistet, so ist er doch in moralischer Hinsicht eine öffentliche Anerkennung d?r Ansprüche, welche die „Söhne der Geistlichen" auf die Sympathie und Freigebigkeit des Publi- cums haben, und als solche ist er von dem größten Werthe. Möge der Verein noch weitere Hunderte von Jahren bestehen, als Band der Einheit zwischen Geistlichen und Laien, und möchte er bei jedem hundertjährigen Jubiläum die Nation weiter fortgeschritten finden in Glück, Civilisation und Frömmigkeit!^ „Ein Katholik" schreibt über diese Rede im „Tablet": Die Erfahrung hat uns längst gelehrt, daß die Toast-Beredtsamkeit der beiden Londoner Bankette eine wenn nicht narkotische, doch antipapistische Tendenz hat. Es ist Ihren Lesern noch wohl erinnerlich, wie bei einer gewissen denkwürdigen Gelegenheil die ehrwürdigen Wächter des Gesetzes nnter dem berauschenden Einflnsse von Schildkrötensuppe und Zubehör mit einander in Ausdrücken protestantischer Sentimentalität wetteiferten. Man hielt xs in der That allgemein für nicht sehr schicklich, daß der, welcher die Waage der 219 Gerechtigkeit in der Hand hielt, Vorurtheile und Bitterkeit gegen irgend eine Classe von Unterthanen an den Tag legte, welche das Recht hat, bei ihm Gerechtigkeit zn suchen, nach dieser Scene aber wohl nicht mehr hoffen darf, sie zu finden. — Nun scheint mir, der Vertreter einer andern und noch höheren Art der Gerechtigkeit sollte stets mit gleicher Zurückhaltung reden und nichc öffentlich confessiouelle Norurtheile an den Tag legen, welche viele Unterthanen kränken müssen. Die Gerechtigkeit der Regierung ist für die Unterthanen noch wichtiger, als die Gerechtigkeit der Gerichte; Billigkeit verlangen wir von dem Scepter noch mehr, als von dem Stäbe des Richters. Wir haben nun zwar eine Fürstin, welche nicht nur „die Majestät, welche den König nmzäumt", sondern dazu noch ihr Geschlecht hindert, sich anders öffentlich auSzusprechen, als in einer von verantwortlichen Ministern verfaßten Rede. Aber ihr Gemahl ist nicht durch solche Rücksichten beengt, und weun auch nicht neulich im Parlamente erklärt wäre, unter königlichen Gatten finde ein eben so freier Gedanken- Austausch statt, wie in andern Familien, so würde man doch glauben, daß wenn der Prinz-Gemahl offen und unzweideutig in einer öffentlichen Versammlung einen Grundsatz oder eine Ansicht ausspricht, dieß eiue populäre und nicht vsficielle Aeußerung der Grundsätze und Ansichten einer noch höher stehenden Person ist, deren Gesinnung keinem ihrer Unterthanen glcichgiltig seyn kann. Darum erwartet man natürlich, daß daS erwähnte erlauchte Individuum in öffentlichen Reden sehr vorsichtig ist; nnd weun eS die Zurückhaltung nicht beobachtet, so schließt man, daß dieß absichtlich geschehen ist. Daß Jemand, der sein irdisches Glück einer Heirath verdankt, den ehelichen Stand für besser hält und in dieser Hinsicht anderer Ansicht ist, als der Apostel, in dessen Kirche (St. Paul) das Fest der Söhne der Geistlichen gefeiert ward, — wundert mich gar nicht; aber, daß der Prinz ein solches Gemisch von schlechter Theologie und schlechter Politik zn Tage förderte, hat mich gewundert, da man sonst an ihm den besondern Tact rühmt, der für ihn in seiner Stellung nöthig ist. Der Satz ist ganz richtig, daß der Protestantismus schon in seiner Kindheit erkannte, daß für ihn nur eine verheirathcte Geistlichkeit passe; ich glaube aber, einige von den hochwürdigen Zuhörern deö Prinzen werden roth geworden seyn oder gelacht haben, als sie den Schluß ziehen mußten, wie der Cölibat der Schlußstein des wuuderbaren Baues gewesen, „der sich in den finstern Jahrhunderten deS MittelalterS erhob", so sey der Schlußstein des nationalen Baues, der in den erleuchteten Zeiten späterer Jahrhunderte zusammenbröckelt, nicht Reinheit der Lehre, nicht apostolische Succession, nicht Dibellcsen, nicht der Schutz des Staates, nicht Heiligkeit des Lebens, sondern — daS Freien und Freieulassen, die Fortsetzung deS stereotypen Lebens der vorsünd- fluchlichcu Patriarchen und die Sorge, statt heiliger Schüler, wie sie ein FranciScnS und Domim'cuS hinterließen, viele „Söhne der Geistlichen" zn hinterlassen, für die in St. Panl gesungen und in der City-Halle von Aldermen und Bischöfen dim'rt und loastirt wird. — Ich glaube weiter, daS Gewissen einiger Pluralisten und anderer Herren muß für den Augenblick nnrubig geworden seyn, als ihnen von einer so hohen Person ganz ernsthaft versichert wurde, eine charakteristische Eigenschaft der reformirten, d. h. vcrheiratheten Geistlichkeit sey die Armuth. Aber der unziemlichste Theil der Rede ist offenbar der Satz, worin die katholische Geistlichkeit im Allgemeinen als „tyrannische Priesterschaft" bezeichnet wird. Ist daS Papstthum gemeint, — an dieses glauben nnd ihm gehorchen die irischen Geistlichen und acht Millionen Unterthanen Ihrer Majestät, so wie diejenigen, deren Bündniß England jetzt sucht nnd die Priester, welche auf dem Schlachtfelde eben so gut neben unsern Soldaten knieen werden, wie neben den ihrer Nation. Und warum müssen nun alle Katholiken, in England, Irland nnd Frankreich, ihre Priester öffentlich von Jemand schmähen hören, dessen Worte wir als Ausdruck der Gesinnung derjenigen ansehen, für welche wir jetzt Blut und Leben opfern sollen. Ist das klug oder politisch oder gerecht oder edel? Möge er, der königliche Redner nur hingehen, und vor den armen Burschen diese Ansichten auSsprechen, welche in die Reihen der Armee eintreten, in welcher er Feldmarschall ist. Möge er noch einmal nach Irland kommen und sich nochmals mit dem herzlichen Hurraruf 220 begrüßen lassen, wie er ihn von den kalten Schotten und den geizigen Sachsen nie zu hören bekommt; möge er dem guten Volke danken, dessen Kinder ihr Leben, ja beinahe ihre Seele für den Thron in Gefahr setzen — viertausend sind ihrer a» Bord der Schiffe, wo ihre Religion geächtet ist — und die Jrländer belehren, daß sie noch die wunderliche Operation der „Reinigung" nicht der Kirche, sondern „deS christlichen Glaubens" durchzumachen haben, und daß die Geistlichen, welche mit ihnen Hunger, Pest und Armuth getheilt haben, eine „tyrannische Pricsterschaft" sind. Ich achte den Prinz-Gemahl zu sehr, um nicht zu wünschen, er möge sich davor hüten, in einer so zarten Frage, wie die Religion ist, ein Parteimann zu werden. DaS Parlament beschäftigt sich mit einer Bill gegen das klösterliche, d. h. das ehelose Leben; wahnwitzige Mitglieder halten schmutzige Reden darüber und Meetings und Zeitungen sind voll elender Schmähungen: unter solchen Reden muß eine eigene Rede gegen den Colibat der Geistlichen, mit andern Worten gegen die kathoiischen Geistlichen sehl unziemlich erscheinen im Munde dessen, der dem Throne zunächst steht, und man könnte leicht ans den Gedanken kommen, sie solle eine absichtliche Kundgebung deS Wunsches einer höher stehenden Person in Bezug auf eine Bill seyn, die wir Katholiken für eine Rechtskränkung halten. Prinz Albert mag sich in Krystallpa!ästcn bewege», so viel er Lust hat, er thut aber nicht wohl daran, in ein gläsernes HauS z gehen und von da aus Steine zu werfen, die man zurückwerfen könnte. (V. H.) Eine Parallele. Bei der Betrachtung all' der Bedrückungen, welche die katholische Kirche von Seite mißtrauischer Regierungen unter dem Vorgeben der Wahrung von HoheitSrech- ten und der Sicherstellung vor etwaigen Gefahren zu erdulden hat, ist uns stets ein Gedanke vor die Seele getreten, den wir hier kurz aussprechen wollen, nämlich der Vergleich zwischen der Stellung der katholischen Kirche und dem deS Freimaurerordens in Deutschland. Die katholische Kirche besteht in Deutschland seit den Anfängen des Christen. thumS und seit mehr als tausend Jahren mit allen Garantien des Staats- und Völkerrechtes, — das Freimaurerthnm besteht seit dem Anfang deS vorigen Jahrhunderts, ohne vou irgend einem Staate gesetzlich anerkannt zu seyn. Die katholische Kirche ist wie eine Stadt hoch auf dem Berge, in dem Angesicht aller Völker, offen und unverdeckt, — daS Freimaurerthnm ist eine geheime Gesellschaft, die sich über die Welt, oder vielmehr unter der Welt verbreitet, mit unbekannten, gcheimnißvollen Grundsätzen und Mitgliedern, in einer Zeit, wo eben die geheimen Gesellschaften die Ordnung aller Staaten zu vernichten drohen. Die katholische Kirche ist ein Verein aller Völker, ohne Unterschied des Standes und der Stellung, ein Band, daS Fürst und Unterthanen, Hohe und Niedere, Reiche und Arme, Gelehrte und Unwissende umschließt, — d.iS Frcimaurerthum ist eine vom armen, niederen, unwissenden Volke getrennte Kaste von Beamten, reichen Kaufleuten, Vornehmen, Vielvermögendcn, sogenannten Gebildeten. Die katholische Kirche hat ein sichtbares Oberhaupt, mit bestimmter Gewalt, uud sie wird deßhalb gescheuet, als gefährlich beargwohnt, unter besondere Aufsicht gestellt, — daö Freimaurerthnm hat ein uubekminteS, unsichtbares Oberhaupt, nu't unbekannter Gewalt, und ist ohne Aufsicht, ohne Controlc, ohne für gefährlich gehalten zu werden. Die katholische Kirche fordert das Recht der Prüfung, der Anstellung, der Ausbildung ihrer Priester, und eS wird ihr im Namen der Lan- deShoheitörechte verweigert — daS Freimaurerthum prüft, bildet, stellt an seine geheimen Beamten, und daS ist nicht gegen die unveräußerlichen HoheilSrechte der Fürsten. Die katholische Kirche fordert das Recht, untreue Priester abzusetzen, ungehorsame Mitglieder auSzustoßen, und eS wird ihr verweigert im Namen landesherrlicher Rechte — daö Freimanrerthum hat ein geheimes, unheimliches, daS Licht scheuendes Gericht der unbeschränktesten Art über seine Würdenträger uud Mitglieder, und das verstößt 22t nicht gegen landesherrliche Rechte. Die katholische Kirche, die alte Lehrerin der Völker, die Gründerin fast aller Schulen nnd BildungSanstalten, fordert daS Recht, die katholischen Kinder kaihvlischcr Eltern ln katholischen Schulen bilden und erziehen zu dürfen, und es wird ihr abgeschlagen im Namen unveräußerlicher Hoheitsrechte — das Frcimaurerthum drängt sich Vagegen in alle Stellen, ans alle Lehrstühlc, macht die äußerlich und gesetzlich bestehende Gleichberechtigung bei Stelleu und Aemtern durch geheime Verbindung zur Unwahrheit, beherrscht unzählige Schulen, in denen nun die katholischen Kinder der arglosen katholischen Eltern nach geheimen Grundsätzen dieser Kaste der Aufgeklärten erzogen werden, nnd daS ist mit Nichten gegen die Rechte der Landeshoheit. Die katholische Kirche fordert d,iS Recht der Verwaltung ihres Vermögens und daS ist unzuläßi'g, weil gegen LandeShoheitSrechte — daS Frcimaurerthum verwaltet ein ungeheures Vcrmögeu und verwendet eS zu geheimen Zwecken, rmd daS verletzt jene Rechte nicht. So steht die katholische Kirche in Deutschland da, von der man doch weiß, daß sie den Glauben an den Sohn Gottes, Jesus Christus, bekennt, — so dagegen daS Freimaurcrthum, von dem es doch mindestens noch sehr zweifelhaft ist, ob cö sich (wir reden hier naturlich nicht von einzelnen Mitgliedern) mir dem Glauben an den Sohn GottcS vereinigen läßt. Und, was diesen Gegenstand noch mehr beleuchtet, dieselben Menschen, die als Freimaurer alle diese Rechte selbst ausüben, ohne über Verletzung der HoheitSrechtc sich zn beunruhigen, sie sind cS eben in der Regel, die als Beamte und Unterbeamte der Kirche Christi im Namen der Hohcilsrcchte diese Rechte bestreiken, um danu in demselben Namen auch die Kirche Christi zu regieren. Das ist eS ja, was in der That stattfindet, wenn die Bischöfe der katholischen Kirche selbst ihre Rechte nicht mehr üben können, dann leiten sie in ihren geheimen Versammlungen ihren Orden, und zugleich als Beamte, statt der Bischöfe, die katholische Kirche. (Katholik.) Zur Kirchengeschichte Bosniens. Aus Slavonien, 20. Juni, In neuester Zeit haben sich die kirchlichen Verhältnisse in Bosnien etwas günstiger gestaltet. Unter der Regierung des Sultans Abdul Medjid Chan erfreuen sich die Bosnier einer größer» Freiheit, welche die Franciöcaner-Väter zur Erbauung neuer Kirchen benützeu. Dem Pater Provincial Andreas Kujuncic gelang cS bei seiner Umsicht und Klugheit, die Erlaubniß zum Ban von vier nenen Kirchen sammt Klöstern zu erhalten. Bei den beschränkten Gclvmittcln löuncn jedoch die Väter nur einige sehr kleine Kirchen und Schulen errichten. Die erste Volksschule verdankt ihr Entstehen dem verstorbenen EliaS Starcevic. Im Jahre 1828 ließ das Defimtorium mehrere Schulen errichten, so daß gegenwärtig in Travnik, Varcar, Foinica, KreScvo, Livna und Ultra Schulen, die von Kindern beiderlei Geschlechtes sehr eifrig besucht werden, bestehen. Wo die Bevölkerung gemischt ist, besuchen auch schismatische Kinder, zwanzig bis fünfzig an der Zahl, diese katholischen Schulen. Doch wegen Mangels an hinreichenden FvndS und tauglichen Lehrern, wc.ien Unmöglichkeit der Erhaltung der Schulgebäude mußten neuestenS die kaum ins Leben getretenen Unterrichts - Localc geschlossen werden. Die Lehrer waren ausschließlich Capläne, die sich nur zu jener Zeit dem Unterrichte widmen konnten, die ihnen von ihrem BerufSgeschäsle in der Seelsorge, übrig blieb, Schulbücher gab eS gar keine. In dieser betrübenden Lage fügte eS die Vorsehung, daß Se, k. k. apostolische Majestät Franz Joseph zur Gründung der Volksschulen in Bosnien jährlich 1000 fl. C.M. zn bewilligen geruhte, und die eiste Hälfte des Jahres 1854 vorhinein bereits aller- gnädigst übersandte. Zur Aufführung neuer Kirchen und Klöster war aber die Bewilligung deS apostolischen Stuhles und deS FranciScaner-OrdenSgeneralS nothwendig; und deßwegen haben die im Kapitel zu Suti'Ska am 29. April 1852 versammelten Vorsteher um die 222 Erlaubniß angesucht, die bestehenden vier Residenzen zu wahren Couventcn erheben zu dürfen. Zwar erhoben sich dagegen manche Stimmen, wie in Bosnien, eben so in Rom n»d in Stambul, Aber wie erhebend war die Freude der Väter, als sie am 24. Juni desselben JahrcS die Genehmigung ihrer Bitten vom apostolischen Stuhle erlangten, und von Sr. Heiligkeit in einem eigenen Breve zur Vollendung ihres Vorhabens kräftigst ermuntert wurden. Nun dürfen sie auch in diesen vier Residenzen Novizen anfnehmen, Kleriker erziehen und für das Wohl der Christenheit in ausgedehntcrem Maaße arbeiten. Ein großes Glück war eS, daß zur selben Zeit Kurschid Pascha Vezir in Bosnien wurde, der beste unter allen vorgehenden für die RajahS. Nach angelangter Erlaubniß von Rom versprach der genannte Vezir, die Bitten der Väter in Stambul zu unterstützen; alsogleich wurde von allen Seiten an der Herbeischaffung deS nöthigen Materials gearbeitet; wo hinreichende Grundstücke nicht vorhanden waren, wurden sie von den Türken mit den Geldmitteln der bereits bestehenden Convente erkauft. Man wählie hierzu die in jeder Hinsicht der Gesundheit zuträglichsten Orte. Obschon nun Alles vorbereitet war, konnte man doch nicht zum Baue schreiten, weil der Ferman von Stambul noch nicht angelangt war. Hier halsen wieder die Bemühungen Sr. Heiligkeil PiuS IX. und die Gesandtschaft Sr. Majestät deS Kaisers von Oesterreich in Koustantinopel, an deren Spitze Graf v. Leiningen stand, so daß das Werk betrieben werden konnte. Die Väter reichten eine neue in türkischer Sprache verfaßte Bittschrift ein, worin sie an sieben ausdrück ich benannten Orten neue Kirchen zu erbauen und die bereits bestehenden vergrößern zu dürfen um Erlaubniß ansuchten. Es wurde von der hohen Pforte Judziner ESref Effendi als kaiserlicher Commissär beordert, besagte Plätze zn besichtigen. Nachdem er innerhalb dreißig Tagen daS aufgetragene Werk beendigt hatte, erschien von Vezir Knrschio die mit dem AmtS- siegel versehene Erlaubniß, ohne allen Anstand, obschon der kaiserliche Ferman noch nicht eingetroffen war, an den bezeichneten Orten die Bauten zu beginnen. Da wurde jedoch die Provinz mitten in ihren Hoffnungen schwer heimgesucht. In Sarajevo, der 80,000 Einwohner zählenden Hauptstadt Bosniens, wo sich zwei Consnlate befinden, war bisher keine katholische Kirche, sondern bloß ein einziges unansehnliches Pfarrhans. Dieß brannte 1852 bis auf den Grund ab. Aber wo die Noth am größten, ist GottcS Hilfe am nächsten. Er erweckte wieder großmüthige Wohlthäter, die das Werk der Väter fördern halfen. Se. Heiligkeit Papst PinS IX. gab 46 5Skudi; Sultan Abdul Medjiv 1364 türkische Groschen; der hochwürdigstc Herr Bischof Stroßmayer 1878 türkische Groschen; Sc. Majestät Franz Joseph 38 Dukaten; die Stadt Agram 84 sl. C.M.; Herr Anton Brauicanic, emerilirtcr CousulatS-Sccrctär, 1000 fl. C.M. Selbst die Türken zeigten eine «»geheuchelte Freude über den Fortschritt der katholischen Religion und leisteten ihnen Beiträge, was sie den Griechen, die ebenfalls Kirchcn zu bauen beginne», nicht thun. Obwohl ihnen der Koran verbietet, die Christen zu unterstützen und ihren Kirchen Almosen zu geben, so lassen sie doch in ihren Wäldern manchen schönen Baum fällen; ja, wo sie näher sind, führen sie denselben sogar an Ort und Stelle. Auch sind katholische Kirchcn frei von jcder Gicbigkcit. Der sehnlichst gewünschte Ferman erschien endlich am Schlüsse des Jahres 1853, welcher alle Bitten der Vater befriedigte. Auch an den Allerhöchsten Hof in Wien wurden zwei Brüder dieser Provinz gesandt, die ehrfurchtsvolle Vilie vorzutragen, daß in der ganzen österreichischen Monarchie Sammlungen sür die Erbauung dieser neuen Kirchen angestellt werden dürften. Die Bitte wurde Allerhöchsten OrtS genehmigt. Besonders wohlthätig in dieser Hinsicht bewies sich bisher der hochwürdigste und hochwürdige KleruS. Auch aus Frankreich traf schon (durch die Vermittlung des General-Konsuls) eine beträchtliche Summe ein. Die Gelder werden dem hochwürdigsten Herrn Bischof von Djakovar, dem Mittler zwischen Oesterreich und Bosnien, eingehändigt. Und so läßt sich mit GottcS allmächtigem Beistand, wenn der Friede nicht ans Europa weicht, eine glückliche Zukunft für daS durch Jahrhun- 223 derte schmachtende Bosnien erwarten. Möge eS bald über ganz Bosnien verbreitet werden das Reich der Wahrheit, daß alle Jene, die in den Finsternissen des Aberglaubens nnd der Liige wandeln, Jesum erkennen und in der wahren Kirche ihr Heil und ihre Seligkeit finde». R o w. Rom, il). Juni. In dem Studium Overbecks ist seit einigen Tagen daS lang erwartete Altarbild für den Kölner Dom z» sehen. Der Künstler arbeitete seit etwa sieben Jahren daran; er hat aber den Grundsatz, seine Gemälde in der Einsamkeit zu behalten, bis sie vollendet sind. Allerdings bleibt so der Geist unbeirrt nnd die Genesis deS Kunstwerkes entwickelt sich still und conseqnent aus ihrer Idee. Der Werth lebendiger Einheit, der dadurch dem Produkte erwächst, ist weit höher anzuschlagen, als die Vermeidung dieser oder jener Controverse, der sich anch der größte Künstler durch die Jsolirung beim Schaffen aussetzt. Diese Bemerkung möchte, wie bei frühern Gemälden Overbecks, so auch bei diesem seinem neueste» ihre Anwendung finden. — Die Tafel hat eine Höhe von beiläufig achtzehn Fuß; schmal und spitz- bogig zeigt sie die Grundform des gothischen Fensters. In der obersten Abiheilnng leuchtet im weißen VerklärungSgewande — aufblickend, ausschwebend, Maria, mit gefalteten Händen in senkrechter, feierlicher Hallung, in ovaler Goldglorie, von Engeln umgeben, welche durch effektvolle Bewegungen die hehre Ruhe der Hi'mmelsköuigiu desto fühlbarer machen und zum Zeichen der SeligkeilSsülle die acht Seligkeiten symbolisch repräsentiren. Die Königin aller Heiligen schwebte schon über die Chöre der Heiligen empor. Diese erscheinen in der Mitte des BildeS, den himmlischen Einzug der lang ersehnte» Gottesmutter verherrlichend. Die Gruppe zur Rechten *) eröffnet Abraham, knieend, das Opfermesser emporhaltend, mit Jubel aufblickend zu Derjenigen, die ihren Sohn in der That als Opfer dahingegeben; neben dem Erzvater der Sohn Jsaak als junger Mann, auffallend durch den Christus-Typus seines KovfeS; hinter ihm Jakob. Adam und Eva beschließen diese Gruppe; Adam, nicht als der ideale Urmeusch, sondern als der begnadigte Vater der Sünde und des TodeS; Eva — mit Rührung emporschauend znr wahren Eva, ein Bezug, den die augenscheinliche Aehnlichkeit deS Gesichtes noch entschiedener bezeichnet. Den Patriarchen gegenüber sehen wir die Gruppe der Propheten: David an ihrer Spitze, neben Abraham knieend, die Saiten rührend, das gekrönte Haupt in Anbetung senkend. Ueber ihn ragt MoseS in hoher Gestalt, hinter beiden kniet JsaiaS in festlichem Kleide; von Ezechiel erscheint der Oberleib, von Daniel das Brustbild mit jugendlichem, in seliger Vision geneigtem, holdseligen Angesichte; mit braunem, ernsten Gesichte blickt am Rande JeremiaS hervor. — Zwischen diesen beiden Gruppe» voll drastischer Wirkung zeigt sich ein Chor von Frauen deS alteu Bundes, in perspektivischer Ferne, Sara hinter Abraham, die Heldin Judith bei David, zwischen beiden die gekrönte Esther. Ruth und Abigail sind untergeordnet. Wunderschöne, in Licht und Glanz sich rollende Wolke» trenne» die Himmlische» von der Erde, welche perspektivisch in der Tiese liegt, Meer u»d Land. In der Mitte umgeben die dreizehn Apostel (denn auch Paulus ist dabei) daS leere Grab, in optischer Verkleinerung; die Kirche links mit einer nahenden Proccssion (die jedoch erst noch zu malen ist) symbolisirt den Maria-Cult; rechts stehen die Erzbischöse Droste-Vischering und Cardinal Geisel, als Führer der marianischen Andacht in ihrem Dome. Diese tief liegende dämmerige Croenscene coutrastirt zur lichten HimmelSglorie in ei»er Weise, daß die Worte durch die Seele töne«: „WaS oben ist, habet im Sinne, nicht was auf Erden." Ohne Zweifel wird das Bild in Deutschland bei aller Anerkennung und Bewunderung auf verschiedene Einwendungen 5, Bei Schilderungen von Kuustwcrken sollte man sich doch endlich zur gemeinsamen Beachtung der vom Objecte aus bestimmten Orientirung einigen, sonst verfällt man in das Absurduni, sagen zu müssen: „dort links, der rechte Fuß." 224 stoßen: den Einen wird daS Antlitz der Madonna zu breit seyn, den Andern wird Adam nicht genügen; Manche werden mit dieser originellen Auffassung des Jsm'aS sich nicht zurecht finden. Dagegen wird die Menge mit Erstaunen diese nicht erwartete Farbenpracht schauen und dieses grelle Kolorit, welches der Künstler nur aus Rücksicht auf die Wirkung der GlaSgemälde nothwendig erachtete, an sich für das Rechte und Vollendete halten. Mißlich ist hierbei nur der Umstand, daß dieses Bild, welches für einen Altar des Kölner DomeS bestellt, und so ganz in dieser Bestimmung ausgeführt worden, vielleicht nicht einmal eine Stelle im Dom finden wird. Die gothischen Puritaner finden außer den Glasgemälden jedes Gemälde unvereinbar mit dem Charakter des gothischen Gotteshauses; dem Vernehmen nach wird der berühmte Altar des Wilhelm von Köln in eine Capelle verlegt und die Fresken Steinle'S werden ausgekölgt. Overbecks bewunderungswürdiges Altarbild bekommt vielleicht im Dämmer der Sacristei eine Gnadenwohnung. (Salzb. Kbl.) Burghausen. Vurghausen, 28. Juni. Die Jubiläumsfeier in Maria Ach ist von nahen und fernen Andächtigen auS Oesterreich und Bayern sehr zahlreich besucht und diese Tage über sind verschiedene Krenzzüge angelangt. Wegen des hohen Alters dieser Gnadenkirche dürfte Näheres über ihren Ursprung von allgemeinem Interesse seyn. Nach uralten noch vorhandenen Schriften ist das schöne und reiche Altar-Marienbild auf der Salzach vom Hochwasser hergetragen und nicht ferne vom jetzt neu und sehr hübsch wieder hergestellten Schlosse der Hofmark Ach verblieben. Heinrich Acher, Hofmarksherr, ließ das Bild in sein Schloß bringen, aber des andern Morgens war daS Bild wieder dort, wo es der Strom auSgetragen hatte. Der Versuch, das Bildniß inö Schloß zu übertragen, blieb dreimal ohne Erfolg. Nuu ließ Herr Heinrich Acher, vom heiligen Antriebe bewogen, diesem wunderbaren Marienbilde an eben dem Orte, wo eS immer gefunden wurde, als an einem auserkorenen LieblingSorte zur Verehrung Marias im Jahre 135^i ein Kirchlein bauen und stiftete im nämlichen Jahre auch noch ein Beneficium dazu. Mehrere Päpste verliehen den Pilgern zur Wallfahrtskirche in Ach viele und große Ablässe, so z. B. Paulus II., SirtuS XI., Junoceuz XIII., Clemens XIII. :c>, dann Benevict XIV. und neuestenS PiuS IX. DaS Vreve PiuS IX. enthält auch folgenden Satz: . . . „Wir befehlen aber auch, daß, wenn für Erlangung, Fertigung und Zulassung oder Veröffentlichung dieses Ablaßbriefes daS Mindeste gegeben oder auch nur eine freiwillige Gabe angenommen werden möchte, dieser selbe Brief keine Giltigkeit haben soll" sehr geeignet, in dieser Zeit, wo die Feinde der Kirche insbesondere dieftn Punct stets zn Verdächtigungen der Kirche auszubeuten bereit sind, solchem unredlichen Bemühen die Spitze abzubrechen. (LandSh. Ztg.) Nordamerika. Am 16. Mai l- I. feierten in St. Louis am Flusse Missouri die dort wohnenden Böhmen katholischen Glaubens den Stiftnngötag ihrer kirchlichen Gemeinde und zugleich daö Fest ihreö Landespatrons, des heiligen Johann von Nepomnk. Die Predigt hielt der hochwürdige Herr Lipowsky. Zum ersten Male ertönte in der neuen Well das Wort GottcS in böhmischer Sprache von der Kanzel. Tief ergriffen zeigte sich die zahlreiche Versammlung, die in den lieben Klängen ihrer Muttersprache das Wort GotteS verkünden hörte. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von St. Louis ertheilte bei dieser Feier 15l1 Personen das hl. Sacrament der Firmung. Verantwortlicher Redacteur: L. Schvnche», Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger Pojheitung. 16. Juli M"- 2V. 1854. Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Tonutage. Der halbjährige Abouuementsprei« 4V kr., wofür «« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluugeu bezogen werden kaur. Maria, die Hilfe der Christe». (Ein Bild auf unsre Zeit.) Erwacht noch kaum Aus süßem Traum', Schickt ihren Gruß die Sonne Und malt im Kranz Mit Pnrpurglanz Der Pappeln Aest' und Krone. , Die Lenzesluft Durchströmet Duft Von Veilchen und von Rosen; Und in dem Sand' Am Bachesrand' Sich Käferchen liebkosen. — O Frühlingsluft, o Morgenstrahl Auf Bergen und im stillen Thal! Auf einer Höhe, grün umschattet, Seh' ich ein schmuckes Kirchlein steh'n, Mit dem ein Thurm sich traulich galtet, Deß Glöcklein summt im Windesweh'n, — Seh' allerwärts die Beter wallen Zur Gottesmutter heil'gcm Bild'; Hör' allerwärts die Lieder schallen Zum Preis' Mariens, himmlisch milv. Dort in des Kirchleins stillen Räumen Senkt vom Altar den frommeiOBlick Die Jungfrau, hold, in Himmelsträumen Von Gottes Preis' und Menschenglück. Entzücken strahlt aus allen Miene» Der Beter, die in Andacht glüh'n, Und tief durchschaut im hcil'gen Sinnen Ihr Geist des Lebens Keim und Blüh'». — Doch welches Sausen, Welch' Sturmesbrausen! Wie füllet Grau'n das Herz so plötzlich, Wie bläst der Wind durch's Laub entsetzlich! — Woher die Nacht, die uns den Himmel raubt, Woher die Macht, die kühn erhebt das Haupt; s S26 Der Blitze durchkreuzend Gefuukel Hinschleudernd durch's nächtliche Dunkel? Horch' fernher rollt mit Getös' und Macht Der Donner dumpf und erbebt und kracht, Und rings sein Tosen wiederhallt, Wo Blitze schlürft der Eichenwald, — Und Frösteln zittert durch die Glieder, Und Stürme brausen hin und wieder, Die Gegend zu verheeren. Und hell aufflammt des Feuers Wuth, Auf gliih'ndem Sammt' die Wolke ruht, Den Regen zu gebären. Der Beter Schaar befällt Entsetzen, Und Angstschweiß ob des Sturmes Hetzen, Und Furcht für Haus und Feld und Kind. — Sie fleh'n zur Jungfrau: „Hilf uns Armen, „Wend' Deine Augen, voll Erbarmen, „Auf uns, die wir hier hilflos sind. „Gebiet' dem Sturme, daß er weiche, „Der FeuerSgluth, daß sie erbleiche, „Von mildem Regen cibgekühkt. „Beschirme HauS und Feld und Kinder, „Du Schutz der Unschuld und der Sünder, „Und sey vor Unglück uns ein Schild!" Da träufelt der Rege» plätschernd hernieder Und strömet in wachsendem Fluß'. ES zischen die Flammen im Strauch' und im Flieder Und weichen im Wald dem Erguß'. Es schweigen die Donner, der Blitze Gefuukel Verliert sich, erschreckt, im enteilenden Dunkel, Es spaltet das düstre Gewölk'. Die Nebel, sie fliehen, Die Wolken, sie ziehen Hinab an des Himmels Gewölb'. Und plötzlich glänzt, Von Duft umkränzt, Die Sonne auf den Höhen — Und steigt in'S Thal Mit ihrem Strahl' Und tilgt des Wetters Wehen. Mit neuer Lust E Schlägt Aller Brust, Befreit von ihren Sorgen; Sch'n sich ja bar Der Todsgefahr, Seh'n Haus und Kind geborgen — Maria, Jungfrau, Königin! Sey Aller Hort, so zu Dir flieh'«, Sey huldvoll stets dcu Deinen. — Erhör' mein Fleh'n, das Liebe spricht, Verlasse Deine Kinder nicht, Die hilflos vor Dir weine»! — 0<7 227 Ans der neuesten Schrift des Bischofes von Mainz. Zur Widerlegung der banalen Vorwürfe, welche man den Bischofen der Oberrheinischen Kirchenprovinz zu machen pflegt, sagt der hochwürdigste Bischof von Mainz in der unsern Lesern bekannten Schrift: „HoheitSrechte, Souveränetätsrechte sind an sich ohne Zweifel heilig.- Sie gehören zu Gottes Ordnung und sind daher von Gott. Jene undefinirbarcn, schrankenlosen, ungeschichtlichcn, unveräußerlichen Hoheitsrechte aber stehen ganz auf derselben Linie mit den undefinirbaren, schrankenlosen, ungeschichtlichen, unveräußerlichen Menschenrechten. Sie sind die Zerrbilder einer erhabenen Wahrheit und geboren ans demselben Grunde des Absolutismus. Ihnen gegenüber muß die Kirche sich entweder zerstören lassen, oder einen Kampf ans Leben und Tod beginnen. Die Kirche ist ein lebendiger Organismus, ein Körper, der, waS seine Glieder anbelangt, Gutes und Böses, Gesundes und Krankes, Keime deS TodeS und deS Lebens in sich trägt. Sie ist ja hienicden nicht die triumphireude, sondern die kämpfende Kirche, die eben den Tod überwinden soll. Das Böse, der Tod kommt ihr von ihren Gliedern und der Sünde, das Gute, das Leben von ihrem Haupte, JesuS Christus und seiner Gnade. Der Feind säet fort und fort Unkraut unter d?n guten Samen auf dem Acker der Kirche. Wenn nun die Kirche frei ist, so werden die Heilkräfte in ihr, die Kraft und Gnade Gottes, immer den Tod überwinden. Wenn aber, wie wir eS gesehen haben, eine weltliche Gewalt, unter dem Vorgeben der Wahrnng unveräußerlicher Hoheitsrechte, in diesen Organismus der Kirche eingreift, wenn sie die Elemente der Zerstörung, die Kräfte der Empörung schützt, hegt und pflegt, wenn sie dagegen die Heilkräfte in der Kirche zurückdrängt, ihren Organismus zerstört, die bischöfliche Gewalt entwürdigt, so muß die Kirche, da wo Solches an ihr geschieht, entweder endlich absterben, oder sie muß diese Fesseln von sich werfen. Das aber war die Lage der Kirche seit fünfzig Jahren in vielen deutschen Ländern, vor Allem aber, bis zum äußersten Ertrem, in dem Erzbisthum Freiburg, als die B-schöse in der Oberrheinischen Kirchenprovinz im Vereine mit ihrem Metropoliten, dem Herrn Erzbischof von Freiburg, in der Denkschrift vom Jahre 1851 diejenigen Rechte zurückforderte», die der Episkopat von ganz Deutschland im Jahre 1848 in Würzbnrg als die Rechte der Kirche bezeichnet, und die inzwischen die beiden größten Staate» Deutschlands der Kirche bereits bewilligt hatten. Als diese Rechte aber den Bischöfen in dee Oberrheinischen Kirchenprovinz verweigert wurden, blieb denselben kein anderer Weg, als die bezeichnete Alternative: entweder die Kirche in den Theilen, über die sie als Hirten gesetzt sind, langsam absterben zu lassen, oder aber ihre Hirtenrechte factisch auszuüben. Die Wahl konnte nicht zweifelhaft seyn, wenn sie keine Miethlinge ihrer Heerden werden wollten. Mag daher der Lügengeist fortfahren, unS Eingriffe in LandeShoheitsrechtc vorzuwerfen, der Geist der Wahrheit wird über unS nuschelten. Dieser Kampf ist ein Kampf um das Daseyn der Kirche, eine Abwehr von Eingriffen, die endlich die Kirche zu Grunde richten müssen, dieser Kampf ist in voller Wahrheit eine Nothwehr, und kein Eingriff in die Rechte des Landesherrn. Man hat zwar aus diesem factischen Ausüben unserer Rechte und der Erklärung, daß wir fortan Gott mehr gehorchen müßten, als den Menschen, den Bischöfen einen Vorwurf machen wollen, und zwar nicht nur von der Seite, die jede Wahrheit und Ehrlichkeit mit Füßen tritt, wenn sie gegen die Kirche kämpft, sondern auch von jener, die sich einer überaus positiven CKristlichkeit rühmt. Man hat unö Heftigkeit, Uebereilung, Ungestüm vorgeworfen, unS auf den Weg der Bitten und der Geduld hingewiesen, ohne zu bedenken, daß die Kirche seit fünfzig Jahren geduldet und gebeten hat. Man hat uns mit demselben Munde, in vollem Widerspruch höhnisch gefragt, warum jetzt DaS unser Gewissen beschwere, waS wir fünfzig Jahre ertragen, ohne zu bedenken, daß die Kirche nicht aufgehört hat zu protestiren und zu bitten, daß sie 228 aber eben nicht mit Heftigkeit und Uebereilung handelt, sondern die Wege der Bitten erschöpft, so lange noch eine Hoffnung da ist. Man hat unS in das Gewissen geredet, unS auf die Pflicht, Buße zu thun und schön demüthig zu seyn, hingewiesen, da auch auf unserer Seite viel gefehlt sey, ohne zu bedenken, daß die Buße unsere persönliche Pflicht ist, die Rechte aber, die wir fordern, mit unserer Person nichts zu thun haben. ES wäre wahrlich eine sonderbare Buße, die darin bestünde, daß wir Gottes Sache nicht mehr vertheidigten, die Heerde Jesu Christi verwüsten, das Seelenheil der Menschen gefährden und den Feind Unkraut säen ließen. Ueberhaupt hat dieses Bußpredigen in Zeitungen mindestens den Beigeschmack eines krankhaften religiösen Wesens. Man hat gegen unS sogar die Anklage unerlaubter Selbsthilfe, die Anklage, wenigstens etwas Revolution gemacht zu haben, erhoben. Wenn man auch, so wird gesagt, das materielle Recht der Bischöfe bis auf einen gewissen Punct zugeben wolle, wenn man auch ferner ihre subjective Berechtigung, d. h. ihre Ueberzeugung von ihrem Rechte annehme, so seyen sie doch formell nicht berechtigt gewesen, da eS ihre Pflicht gewesen sey, die formelle Giltigkeit der Verordnungen der Regierungen zu achten. Es ist nun erstens auffallend, wie Protestanten so sprechen können, denn wenn alle formell giltigen Bestimmungen der weltlichen Behörde beachtet werden müssen, so hätte doch der Protestantismus wahrlich nicht entstehen können. Es ist zweitens auffallend, wie Christen so sprechen können, denn wenn kein materielles Recht so groß ist, daß eS sich gegen die formelle Anordnung der weltlichen Gewalt je erheben darf, so ist auch das Christenthum im römischen Reiche mit Unrecht verbreitet worden. ES ist aber drittens diese Behauptung die Entstellung einer Wahrheit und deßhalb falsch. Es ist nämlich vollkommen wahr, daß der Staat das Recht hat, auch sein formelles Recht geachtet zu sehen und daß er nicht jedem Einzelnen gestatten kann, zu entscheiden, ob das formell giltige auch materiell gerecht ist. Dieß ist aber nur bei solchen Gegenständen wahr, die erstens nicht offenbar gegen GotteS Gebote sind und die zweitens zur Kompetenz deS Staates gehören. Bei an sich unerlaubten Gegenständen und bei solchen, die nicht zur Kompetenz deS Staates gehören, ist dagegen die Behauptung der absoluten Giltigkeit deS formellen Rechtes unsittlich, unvernünftig, unchristlich und im offenen Widersprüche mit dem Worte GotteS. Wohin führt doch diese confuse Anschauung über die sonst so wichtige Lehre von der Giltigkeit deS formellen Rechtes? Läßt man die gemachte Unterscheidung nicht zu, so steht man vor der Konsequenz, daß, wenn morgen wieder ein Convent zur Herrschaft kommt und unS durch ein formell giltiges Gesetz verbietet, Christum anzubeten, wir Geduld üben und Buße thun dürsen, aber gehorchen müssen. Dann sind anch jene Priester Revolutionäre gewesen, die in der ersten französischen Revolution geblutet haben. Alle jene Vorwürfe, welche den Bischösen über ihr factischcS Vorgehen gemacht worden, sind daher gänzlich unbegründet. Sie haben weder übereilt, noch zu stürmisch, noch aus Hochmuth, noch aus Mangel an Bußgeist, noch endlich ganz oder halb revolutionär gehandelt, sondern sie baben gethan, was sie in der äußersten Noth ihres Gewissens, nachdem alle anderen Mittel erschöpft waren, thun mußten, um ihre Pflicht zu erfüllen und die Kirche zu retten. So lange diese Lage gänzlicher Schutz- losigkeit der Kirche fortdauert, wird auch dieses Verfahren der Bischöfe sich überall dort wiederholen, wo eine feindselige Bureaukratie darauf ausgeht, das Leben der kalholischcn Kirche zu vernichten. Die Ausübung der bischöflichen Rechte, ohne Rücksicht auf einseitig erlassene Verordnungen ist dann gebotene Nothwehr und keine Eigenmacht. Die Verantwortung aber für die betrübenden Folgen, welche in unserm doch schon so zerrissenen deutschen Vaterlande daraus entstehen müssen, wenn wir der weltlichen Gewalt sagen müssen: „Urtheilet selbst, ob eS billig ist, den Menschen mehr zu gehorchen wie Gott," haben nicht wir Bischöfe zu tragen, sondern jene StaatS- regierungen, welche die Rechte der Kirche nicht achten, die zugleich die Kirche in Deutschland ohne Schutz gelassen und durch den Bundestag ihr keinen Schutz erweisen wollen." 229 Kirchliche «tattstik deS rusfischen Reiches. Das ungeheure russische Koiserthum zählt in allen seinen weit ausgedehnten Provinzen und Nebenländern mit Einschluß der zum Theile nur dem Namen nach seinem Scepter unterworfenen kaukasischen GebirgSländer nicht mehr als 67,170,000 Bewohner, welche, obwohl auS den verschiedenartigsten Völkern zusammengewürfelt, dennoch der großen Masse nach dem russischen Zweige des slavischen Stammes angehören. Dem religiösen Bekenntnisse nach theilen sich die Einwohner Rußlands in: lateinische Katholiken 7,000,000 armenische „ 60,000 griechische 240,000 nichtunirte Griechen und Georgianer 45,520,000 (worunter 350,000 Georgianer.) nichtunirte Armenier 1,000,000 RoSkolniken 5,000,000 Lutheraner 3,165,000 Calvinisten 225,000 Herrnhuter 35,000 Mennoniten 75.000 Juden 1,850,000 Mohamedaner 2,400,000 Schamanen, Buddhisten und Heiden 600,000 Zusammen 67,170,000 Natürlich nimmt die morgenländisch-orthodoxe Kirche unter der Leitung der „heiligen dirigirenden Synode" den ersten Platz ein, während alle andern sogenannie freie ReligionSübung so lange genießen, bis sie wieder geplagt und verfolgt werden. An der Spitze der griechischen Kirche steht, wie bemerkt, der Kaiser als qui>8i Papst, nächst ihm die Synode, zusammengesetzt auS einem Präsidenten, der ein General und General-Adjutant deS Kaisers und die Seele der Synode ist, dann auS den Metropoliten von Nowgorod, St. Petersburg, Moskwa, Signach und Kusich (dieß ist der Titel deS Metropoliten von Georgien oder Grusien); dann dem Erzbischofe von Twer, 2 ProtohiereyS und dem weltlichen Oberprocurator und seinen Substitutcn. Der Metropolit von Kiew und der Erzbischof von Gori in Grusien sind außerordcnllichc Mitglieder, aber nicht zur beständigen, persönlichen Anwesenheit bei den Sitzungen verpflichtet. Der KlcruS der griechischen Kirche ist, wie es sich wohl von selbst versteh!, zahlreich, obwohl für das große Reich nicht eben zu zahlreich, und besteht aus folgenden Elementen: 7 Metropoliten, 28 Erzbischöfen, 38 Bischöfen, 483 Proto- popen, 58,000 Popen, 68M0 Protodiaconen, Diaconen, Hypodiaconen nnd Anagno- sten und einer großen Anzahl von Sacristanen und Sängern. Eö besteht für jede Kirche une festgesetzte Zahl von Geistlichen; bei jeder Kathe- dralkirche, deren eS 73 gibt, sind: 1 Erzpriester, 7 einfache Priester, worunter zwei als Schatzmeister, 1 Archidiacon und 4 Diacone und Hypodiacone, dann 2 Lcctoren, 2 Sacristane und 33 Sänger angestellt. Bei jeder sogenannten Multerkirche, deren man 410 zählt, befindet sich 1 ErzPriester, 2 Priester, 2 Diacone und 2 Sacristane nebst noch 2 Sängern. Bei den größer» Gemeinden, welche 200 Häuser und darüber zählen, sind 2 Priester, 2 Diacone, 2 Sacristane und 2 Sänger angestellt, bei kleinern Kirchsprengeln, welche höchstens 100 Häuser zählen, befindet sich 1 Priester, 1 Diacon und 1 Sacriftan. Diese Weltgeistlichen müssen sämmtlich rerheirathet seyn, und wenn ihre Frauen sterben, in die Klöster als Mönche eintreten, da man ihrer hohen Bildung und Sittlichkeit keinen freiwillig keuschen oder enthaltsamen Lebenswandel zutraut, welches Mißtrauen zum Theil durch die zeitweise bekanntgemachten Ergebnisse der geistlichen Gerichte aus Berichten der Synode über den sittlichen Zustand der Geistlichkeit der nichtunirten griechischen Kirche hinlänglich gerechtfertigt erscheint. 230 Die griechische Kirche besitzt in Rußland bei 35,000 Kirchen und über 9,000 Kapellen, dann 387 Mönchsklöster, wovon 2 t Archimandriten (Aebte), 58 Hegumenen (Priore) und kie übrigen 308 einen Stroitel oder Superior zum Vorsteher habe», alle zusammen aber von 6,660 Profeß - Mönchen und 2420 Novizen, zusammen also von 9080 Mönchen bewohnt sind. Nonnenklöster gibt eS 110, mir 3314 Nonnen und 3086 Novizinnen, zusammen 6490, worunter 9 Aebtissiunen. Der gestimmte Secular- KlernS beträgt 117,000 active Mitglieder, und mit den Sängern und Socristancn, welche jedoch nicht ordinirt sind, 220,000, wozu noch 330.000 Frauen unv Kinder der Geistlichen kommen. Der NegnlarllcruS begreift über 15,000 Mönche und Nonnen in sich, während eS im Lande noch beiläufig 80,000 Pcnsioinrtc uud außer Dienst versetzte Geistliche gibt. Die Bildung der russisch-griechischen Geistlichen wird von 4 geistlichen Akademien, 45 Eparchial-Priester-Seminarien und 1440 minderen geistlichen Schulen besorgt, erstreckt sich jedoch nickt sehr weit, indem sich die meisten Priester und Diaconen blsß mit der Auöspendnng der Sacrameute unv der Feier dcö Gottesdienstes begnügen, auf alle lehrende Thätigkeit, theils aus Unwissenheit, theils ciuS Trägheit, theils wegen der 'Kärglichkeit ihres GehnlicS auf anderweitigen Nebenerwerb durch Ackerbau, Handel oder Handarbeit angewiesen, Verzicht leistend. Die Metropoliten, Erzbischöfe uud Vischöse der griechischen Kirche rcsidiren in folgenden Orten. Metropoliten von: Moskwa, Nowgorod, St. Petersburg, Kiew, Kasan und Swijaschk mit Sibirien, TobolSk, Grusien oder Georgien mit dem Titel von Signachct, Kisich zn Tiflis, Warschau und Nowogeorgieivsk. Erzbischöfe von: Gori (in Grusien), Jmerethien (zu Mzechtha), Mingrelicn, Astrachan und Kawkas, JSrvSlaw, Riga, Rjaesan, Twer, Cherson und Taurtta zu Odessa, Wilna (f. Lithauen), Czernigow uud Neschiu, Kischcncw, Olonek, Jrkuy, Kursk und Bclgorod, Polock, Worouesch und CzerlaSk, Perm, Orel, Kamtschatka (zu Pctro Pcuvlowsk), Karthli (in Georgien), JekatherinoSlaw, Mvhilew und WitepSk, AiinSk und Litow.ök, Podolien (zu Halicz), Nowoczerkask, Rostow, Archangelsk. Bischöfe von: Kaluga und BorowSk, Smvlensk und Dorogobusch, Nischnynowgorod, Wladimir, SuSdal uud Brzccz, Wologda, Tula, Wjaelka, Kolonien, Kostroma, Tamdow, Pulrawa, Volbyuicn, Tomsk, Pensa, Saratow, Slobodök, Ukraine, Orenbur.i, Simbirök, Charkow, PcrcjaSlow und Borispole, PulluSk, Ärsamas, Bjclew, BrianSk, Schi- tomyr, SscwSk, Ustjugweliki, Peremischl, Luck uud Ostrog, Lilthauen, Vicar von Wilna (zu Grodno); Weißrußland, Vicar von Liefland (znTurow); Poezajcw, Vicnr vo» Wilna; Pleskow, Vicar von Kurland; Stariza, Vicar von Twer; Neval, Vicar von Petersburg; Dmitrow, Vicar von MoSkwa; Starurnssa, Vicar von Nowgorod; Tschigirin, Vicar von Kiew. Es ist bekannt, daß seit der durch den Patriarchen Nikon im 17tcn Jahrhunderte vorgenommenen durchgreifenden Verbesserung der russischen in all-slavonischer Sprache geschriebenen liturgischen Bücher, sich eine große Anzahl Russen von der vrihodoren Kirche lossagten und eigene Sccten bildend auf der Base des Irrthums unaufhaltsam vorschreiteud sich immer mehr spalteten, und nunmehr in Irrthum, Unwissenheit und Nohheit versanken. Wollte man alle in der russischen Kirche entstandenen Secten zusammenrechnen, man brächte wohl 200 zusammen, so aber muß man sich begnügen, die Namen der noch vorhandenen kennen zu lernen, uud zwar bloß die Namen, denn viel, wenigstens viel gewisses weiß man nur von sehr wenigen. ES sind deren noch jetzt 20 — 30 vorhanden, denn obgleich schon sehr viele entstanden, gingen doch auch schon sehr viele unter, und verschwanden spurlos, bei angestrengter Arbeit konnte ich nur die nachbenannten entdecken: 1. PrawoSlawnyi, Starowerzi oder Starobrodzi ^ ^ ^ ^ ..^ 2. Starodubowzl l > . 3. Jew.ew.schin zahlte' -'.cht ord.n.rte 4. Peremasauow.schini oder Jorschenzii 1 °^ Ranguntersch.ed. 5. Akulinowtschini 6. Nowoschenii 23t 7, Filiponi 8. Feodosiani Pomarani oder PeSpopowtschini 9. Abacuni ^ 10. Dosiiheowtschini 11. Czernobolzi 12. Jedinowerzi oder Blagoölowenije 13. Malorokoschiani 14. Kapitoni 15. Selesnewschtschini (sind sehr judenähnlich) 16. Sobotniki 17. Beßlowestniki 18. Chlistowtschini 19. Skopzi 20. Morelschiki 21. Tschuwstweimiki 22. Molokani 23. Samostrigolniki 24. Samokreschtscheniki 27. Anhänger deS verherrlichten Erlöser. Die Anzahl dieser Secti'rer, welche man mit dem gemeinschaftlichen Namen Roskolniken bezeichnet, belauft sich auf etwa 5,000,000, und die Bekehrung derselben ist die einzige MissionSthäligkeit, welche die orthodore Kirche entwickelt, und ihren Bemühungen gelang es seit vielen Jahren, jährlich 10—15,000 derselben wieder an sich zu ziehen. Nächst der griechischen ist die katholische diejenige, welche die meisten Bekenner zählt, nm so mehr, als die Bewohner des Königreiches Polen bis auf etwa 500,000 durchaus derselben angehören, und auch die zu Rußland gehörigen, bei den verschiedenen Theilungen Polens abgerissenen ehemaligen polnischen Provinzen mit wenigen Ausnahmen nur von Katholiken deS griechischen unv lateinischen RituS bewohnt sind, welche letztere freilich durch Lift und Gewalt seit dem Jahre 1839 der Mutterkirche entrissen worden sind, indem damals über 2,000,000 Katholiken vom griechischen RituS durch einen ihrer Oberhirten zum Uebcrtritt genöthigt wurden. Der gegenwärtige Bestand der katholischen Kirche im gesammten Reiche beträgt 7,300,000 Bekenner, wovon 240,000 in Polen dem griechischen, 60,000 im eigentlichen Nußland und den kaukasischen Provinzen dem armenischen, alle andern aber dem lateini» scheu Ritus angehören, von welchen wieder 2,707,000 auf das eigentliche Rußland, 20,000 auf das russische Asien und 4,273.000 auf Polen kommen. Der katholische KleruS des lateinischen RituS besteht aus dem Erzbischof von Mohilew mit den sechs Bischöfen von: Samogilien zu Medniki, Wilna, Luck, Kaminiec, Minsk und Cherson, 2598 Weltpriestern bei 1873 Kirchen, 1768 Mönchen und Nonnen in 150 MönchS- und 32 Nonnenklöstern für daö eigentliche Rußland; und auS dem Erzbischofe von Warschau mit den scchö Bischöfen von: Wladislaw zu Kalisch, Segna mit Augustowo, Lublin, Plock, Sendomir und Po?lachien zu Janow, 897 Pfarreien mit 2199 Kirchen, 359 Mönchs- und 48 Nouuenklöstern, 3600 Priestern, Mönchen und Nonnen. Die noch vorhandenen wenigen uuirten Griechen im Königreiche Polen stehen unter den zwei Bischöfen von Chelm mit Belzi und SupraSk. Die armeuischeu Katholiken stehen unter dem Erzbischof von Nachitschcwan und dem Bischöfe von Mohilew von ihrem Ritus mit ungefähr 30 Priestern. Die nicht unirren Monophysilischen Armenier, an der Zahl 1,000,000 unter dem Patriarchen oder KatholikaS der gesammten armenischen Kirche zu Esehtmiazin und sechs Erzbischösen zu: Astrachan, Eriwan, TifliS, Karabag, Nachitschewan und Schirwan, und besitzen 965 Kirchen, 312 Kapellen und 30—40 Klöster, dann 1249 Priester und Diacone und viele Mönche und Nonnen. Die Lutheraner 3,165,000 an der Zahl, machen die Mehrzahl der Einwohner von Finn- 25. 26. Jkonobarzi Schtschelniki Duchobarzi oder Melitopolitani 232 land und den Ostsceprovinzen auS, und haben zur Leitung ihrer Cultusangelegenheiten 2 Erzbischöse, 2 Bischöfe, 63 Pröbste, 742 Pastoren und 875 Kirchen; die Calvinischen Reformirten, 225,000, leben in 36 Kirchspielen mit eben so vielen Predigern, während über die Seelsorge der 35,000 Herrnhuter und der 75,000 Mennoniten nichts bekannt ist. Unter den Bewohnern von Rußland nehmen einen bedeutenden Platz 1,850,000 Juden ein, welche mit beiläufig 1000 Synagogen, ungefähr 3000 Kapellen und gegen 8000 Rabbinern :c. größtentheils das Königreich Polen und die ehemals dazu gehörigen Provinzen bewohnen. Ferner wohnen im russischen Reiche 2,400,000 Mo» hamedaner mit fast 6000 Moscheen, bei 600 Schulen und über 19,000 JmamS und andern Geistlichen, und 600,000 Heiden unter den die asiatischen Steppen bewohnenden Völkerschaften mongolischer Race und zwar 420,000 Schemanen mit 800 Tempeln und 11,000 LamaS oder Götzenpriestern, dann 180,000 Anhänger deS Buddha mit beinahe 200 Tempeln und beiläufig eben so viel Priestern. Verkehrte Welt. Früh geht der Katholik und beichtet seine Sünden; Denn nur die Beicht läßt ihn den Frieden finden. Er sucht sich auf des Herrn geweihte Diener, Den Mann der strengen Pflicht, den frommen Capuciner. Das Bußgewand, die würdige Gestalt Wirkt auf sein Herz mit heiliger Gewalt. Das Gotteswort, das er im Beichtstuhl hat gehört, Läßt ihn ersehen, wie sehr die Sünde ihn bethört. Und wo er sieht des Ordens fromme Brüder Mahnt das Gewissen ihn an Büß' und Bess'ruug wieder. H Des Abends führt der Protestant*) auf dem Theater Vor seinen Blick zum Spott den frommen Pater, Stellt ihn vor'S Volk wie einen Harlekin Zum Spaß und zum Gelächter hin. Und Katholiken sitzen da und lachen laut, Wer's hört, kaum seinen eig'nen Ohren traut. Sie applaudiren auch, wenn fassend ihn beim Kragen Soldaten schimpfend vom Theater tragen. Das Alles nimmt man lachend, applaudirend hin. Um Gottes willen, wo ist da kathol'scher Sinn?!! Wo Zartgefühl, wo frommer Glaube, Wenn so das Heil'ge wird dem Spott zum Raube? Sey ruhig, Herz, nur so kann es auf Erden Und unter Christen besser werden. Dr Jarisch. -) Schiller. Berautwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Angsburger PostLeitung. 23. Juli ^ 1854. Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« kr., wofür e« durch alle königl. bayer, Postämtcr und alle Buchhaudlougea bezogen werden kann. Rückerinnerung an NeuburgS Miffionäre ??. Noh, LUlet, ^weisig. Dem Menschen ward ein geistig Leben Vom ew'gen Gotte zuerkannt, Ihm Licht und Kraft und Schwung zu geben, Hat Er zu uns Euch hergesandt. Hinauf, hinauf durchs Wcltgetümmel Für Jung und Alt brecht Ihr die Bahn, .Zerstäubt den Dunst, umarmt den Himmel, „Den steilen Pfad mit Muth hinan!" So dröhnte stark in schönen Tagen, Geliebte Näter, Euer Wort, So habt Ihr Stein auf Stein getragen, Zu bau'n der Wahrheit einen Ort, So habet Ihr erfahrne Meister Gebaut am heiligen Gottcsdom, Geleitet in die durst'gen Geister Der Wahrheit und der Liebe Strom. So zeigtet Ihr des Irrthums Tücken, Das Gift für Leib, das Gift für Seel', Sö schwänget Ihr mit Flammenblicken Das Geistesschwert gleich Michael, So gabt, wie heiliges Aveläuten, Der Seele Ihr die Himmelsruh, Manch eine seht nun muthvoll schreiten ' Durch Euch, durch Euch dem Himmel zu! Es waren schöne, heil'ge Stunden, In denen Euer Wort erscholl! Wohl Mancher hat schon längst empfunden Nicht mehr so rein, so himmelvoll. Schnell ist die schöne Zeit entronnen, Und Euer Werk, es ist nun aus: Wir setzen fort, was Ihr begonnen Am neuen heil'gen Gotteshaus. 234 Dort bei dem Kreuz, wo Gnaden fließen Für'S schwache Herz im Lebensdrang, Da tön' für Euch manch warmes Grüßen Im heiligen Gebetesklang. Und seh'n wir nimmer hier auf Erden, Geliebte, theure Väter, Euch — O, mögen wir vereinigt werden, Mein Gott, doch dort im Himmelreich! Des Dankes Laut, der Herzen Grüßen, Die neue Burg, durch Euch erbaut — Dieß möge Euch den Schweiß versüßen, Der reich von Eurer Stirn' gethaut. Welch süßer Lohn für Euch — zu wissen, Daß auch am fernen Donaustrand Viel Volk auf Euer Wort zerrissen Der Sünde drückend Sklavenband! Vernehmt aus meines Liedes Klängen Von Hunderten ein Echo weh'n, Seht geistig sie um Euch sich drängen, Voll tiefstem Dank vor Euch sie steh'n! Seht auch Gebetesblüthen sprossen Für Euch zu Gott so kindlich rein, Und lasset uns auch eingeschlossen In Euerem „Memento" seyn! MisfionSbericht vom Jahre 18S3 an den hochlöblichen Ludwigs-Missionsverein zu München, von ?. F. Zt. Weninger, Priester aus der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika. 5 Nachdem ich den NeujahrStag in Cincinnati gefeiert, begann ich für dieses Jahr meine Missionsarbeiten in der Diöcese Cleveland. Dort gab ich die letzte Misston im Jahre 1852 und somit eilte ich wieder in diese Diöcese, um allen noch übrigen deutschen Gemeinden dieselbe geistliche Hilfe zuzuwenden. Dieser Theil Ohios wurde vorzüglich von den Deutschen in den früheren Jahren in Besitz genommen, und da es der deutschen Priester verhäUnißmäßig immer nur wenige gab, fand ich Herzen, welche nach dem Worte GotteS ganz sehnsuchtsvoll, wie die durch Sonnenhitze verdorrte Erde, nach einem erfrischenden Regen lechzten. Wenn eine Mission in Deutschland dem Volke gewöhnlich schon so großen Trost und Segen bringt, was soll man erst hier Landes sagen, wo das Volk oft der gewöhnlichen priesterlichen Hilfe entbehrt. Der erste Platz, den ich besuchte, war die Gemeinde zu Schelby. Ich gab daselbst eine Erneuerung der Mission, welche ich einst daselbst hielt, und 'eilte hierauf nach der Stadt und Umgebung von Norwalk, wo in zwei Gemeinden die Mission gegeben wnrde, nämlich in der St. Alphons und heil. Peterskirche. Hierauf begab ich mich nach SanduSky. SandnSky liegt am See Erie. Es ist eine Stadt von 20,000 Einwohnern, darunter viele Deutsche. Als die Jünglinge ihre Generalcommunion feierten, brachte ich die ganze Nacht bis zur Messe am folgenden Morgen im Beichtstühle zu. Auch an den andern Tagen hatte man bis lange nach Mitternacht Beicht zu hören. Wie in allen größeren Städten hier, haben auch in SanduSky die Atheisten aus Deutschland ihre ClubbS. Da geschah eS, daß bei einer Versammlung die Mission zur Sprache kam. Man berathschlagte, was dagegen zu thun sey? Da erbot sich einer der Aergsten, er wolle sogleich selbst in die 235 Kirche gehen, und über meine Missionspredigt Bericht erstatten. Anstatt aber in die Clubbversammlung zurückzukehren, ergriff ihn die Predigt also, daß er auf einmal wieder die Gnade deS heiligen Glaubens erlangte, und sogleich zu mir eilte, um mir sein Gewissen aufzuschließen und Hilfe zu suchen für das Heil seiner Seele. Mit dem Feste Maria Lichtmeß begann ich die Mission in Thompson, Es ist dieß daS vorzüglichste HauS der Versammlung der Brüder und Schwestern vom kostbaren Blute. Ich erbaute mich ungemein an dem Eifer, der besonders in den Frauenklöstern dieser Kongregation in Amerika herrscht. Sie leben in der höchsten Armuth, und beten Tag und Nacht unausgesetzt daS allerheiligste Sacrament an. Es war mir ein großer Trost, diese Anbetung hier in Mitte so vieler Ungläubigen und Irrgläubigen mit solchem Eifer geübt zu sehen, und nahm natürlich dieses ununterbrochene Gebet für den Segen der heiligen Missionen in Anspruch. In der nächsten Kirche zu Scherman richtete ich das hundertste Missionökreuz auf, welches ich bisher in Amerika zu pflanzen das Glück und den Trost harte. Der Herr allein weiß eS, welch eine ununterbrochene Reihe von Opfern, Gefahren und Ueberwindungen eS verlangt, um auf den gebahnten und ungebahnten Wegen dieser neuen Welt, wie sich Amerika nennt, das Zeichen deS Heiles vom Süden bis zum Norden und vom Osten bis in den fernen Westen zu erheben, und man gäbe doch AlleS in der Welt freudig hin, um eS thun zu können. Aber waS vermag ein armer Mensch, wie ich bin? Nichts, der Herr nur verleiht daS Wollen und daS Volldringen! Dieses tiefinnerste Bewußtseyn dient mir zur großen Beruhigung und Ermunterung: Herr, eS ist nicht mein Werk, sondern daS Deinige; — ich sorge für Dich, sorge Du für mich! Mit andern Worten: Je weniger Ursache ich habe, auf mich selbst zu vertrauen, desto mehr Grund habe ich, auf die Hilfe GotteS zu bauen. Ich gab die nächste Mission in der heil. BernardSkirche zu Neu-Washington. Es wohnen daselbst viele Bayern. Ich habe bemerkt, daß kein Volk die Priester bei ähnlichen Gelegenheiten mit größerer Feierlichkeit und Freudenbezeugungen empfängt, wie die guten Altbayern. Es kamen mir auch hier eine große Anzahl zu Pferde entgegen mit Fahnen und Freudenschüssen, und begleiteten mich an die Kirche. Da eS Winter war, fuhren wir in Schlitten dahin. Für die Eingebornen, die man hier Aaukies (Jänky) oder Amerikaner nennt, ist eS immer sehr überraschend, wenn sie sehen, mit welcher Ehrfurcht das katholische Volk die Priester ausnimmt, in Vergleich mit'der Glcichgiltigkeit so vieler Seelen gegen ihre Pastoren. .Die nächste Mission folgte in der Stadt Tissin, in St. Johann Baptist Kirche. Eine Stadt von 10,000 Einwohnern. Der Staat Ohio (sprich Oheio) ist so dicht bewohnt, daß man glauben würde, mau lebe in Europa. Wenn ich mich nicht irre, so laö ich kürzlich, daß in diesem einen Staate, der ungefähr die Größe von Bayern hat, 36 Eisenbahn-Verzweigungen sich durchkreuzen. Ich selbst sah einmal an einer einzigen Station zugleich siebe» Bahuzüge zusammenkommen. Zn Tissin fand ich daS bestbestellte Musikorchester sür Kirchenmusik, Mau führte täglich eine neue musikalische Messe bei den Hochämtern während der Mission auf, was ich sonst noch nirgends traf. Ich gab hierauf die Mission in der sehr großen Landgemeinde der Bonifacius- kirche zu WolfSkreek. Auch hier befindet sich ein Bruder- und Franenkloster vom kostbaren Blnte. Von da kehrte ich nach Cincinnati zurück, denn Ostern nahte heran und ich trachtete die höchsten Festzeiten daselbst zuzubringen. Cincinnati war die erste Stadt, wo ich meine MissiouSthätigkeit für Amerika entfaltete, welche die größte Anzahl von deutschen Katholiken von allen Städten der Union hat, vielleicht New-Uork ausgenommen. Es leben daselbst ungefähr 40,000 deutsche Katholiken, und das katholische Leben wurzelt hier tief. Ich betrachte diese Stadt wie meine Vaterstadt für Amerika, und Ohio wie mein neues Vaterland, obwohl ich nun seit Jahren größtentheils abwesend bin. Ich wollte noch in der Passionswoche die Erneuerung der Mission in der großen St. JohanniSgemeinde abhalten, wo ich einst im Jahre 1343 die Mission gab. So 236 geschah es auch, und es naheten sich wieder in dieser einen Pfarrkirche an 1500 Ehemänner dem Tische deS Herrn, Ich halte diese Gemeinde für die größte in Amerika, und sie ist zugleich eine der am besten geordneten. Dieß verdankt sie der eifrigen Seelsorge der PP. FranciScaner ans der Tyrolerprovinz. Pater Superior, der kürzlich ankani, und den ich als Pater Quardian einst in Salzburg kennen lernte, nahm keinen Anstand zu sagen, man könne diese Gemeinde der besten in Tyrol zur Seile stellen. In dieser Kirche feierte ich auch die heilige Charwvche und das hohe Osterfest. Ich wüßte keine Kirche in Deutschland, wo alle Functionen dieser heiligen Zeit mir mehr Andacht und Feierlichkeit begangen wurden. Am heiligen Grabe brannten vom Gründonnerstag bis zum Abend deS CharsamstagS an 300 Lampen und Lichter. Am hohen Osterfest ertönte mit vollem Orchester das Alleluja, daS meinen Freunden in Tyrol und Oesterreich wohl bekannt ist, und ich feierte den Nachmittag in der mir so lieben St. Philomenenkirche auf gleich festliche Weise, Gleich darauf kehrte ich in die Diöcese Cleveland zurück. Ich gab noch daselbst die Mission in Glanvorf in der St. Johanniskirche. Auch hier ist ein Bruder- und Nonnenkloster vom kostbaren Blute. Ju dieser Gemeinde lebte ein einziger alter Protestant, ein Schmid von Profession, dessen Bekehrung merkwürdig war, Er hatte einen Sohn von ungefähr zehn Jahren, den er katholisch erziehen ließ. Er selbst konnte sich jedoch nicht entschließen, ein Kind der allein wahren Kirche Christi zu werden, da daS Borurtheil zu fest wurzelte, eS wäre eine Schande, im Aller die Religion zu wechseln. Umsonst stellte man ihm vor, daß dieß kein Wechsel sey, wenn man zu jener Religion zurückkehrt, welche die einzig wahre ist, und welche Menschen einst mit dem Irrthum vertauschten. Bon einem Wechsel könne bei der Einheit keine Rede seyn; so wenig als der Ausdruck richtig ist: wie viele Götter gibt es. Gott ist Gott — und sein Reich ist sein Reich, die eine von Christus gestiftete Kirche, die mauzwar verkennen, nie aber ändern kann; so wenig als der Mensch, wollte er anch, im Stande ist, etwas in der Natur, wag ihr Wesen und ihre Kräfte beirifft, zu ändern. Der alte Mann war blind für daS helle Licht dieser Wahrheil; allein er konnte nicht dem Blick seines KindeS widerstehen, dem Gott die erlenchtende Kraft seiner Gnade gewährte. Dieses Kind — sein Sohn trug das Kreuz iu der Processivn vor den Kindern, als man mich zur Kirche abholte. Als der Knabe das Kreuzbild in der Hand vor dem Bater vorüberging, blickte er denselben so freundlich, fromm und froh an, daß daö Herz des Vaters sich in demselben Augenblick der Wahrheit zuwendete, und er sogleich den festen Entschluß faßte, katholisch zu werden, was auch noch während der Mission geschah. Ich besuchte hierauf noch eine Landgemeinde, die lange den Trost und die Hilfe der Seelsorge entbehrte. Dieser Theil OhioS war vor einigen Jahren noch wenig bewohnt, und wilder Busch (so nennt man hier einen Wald). Man wird in Deutschland etwas befremdet seyn, wenn man in Briefen, Zeitungen :c. immer nur Busch — und nicht Wald sagen hört. Wer einen amerikanischen Waid gesellen, dem ist die Sache kein Räthsel mehr. Die amerikanischen Wälder sind, wo noch keine fleißige Cultur geübt wird, so dicht verwachsen, und die vielen gefallenen Bäume liegen so kreuz und quer durcheinander, daß daö Gewächse mehr den Namen Busch als Wald verdient. Nach und nach wird auch hier der Busch zum Wald gelichtet werden, nie aber wird sich mehr der Name Wald in Amerika geltend machen. Busch, jeS (ja), firen (etwas ordnen), very well (ganz recht), dieß sind Worte, die den deutschen Einwanderern am ersten Tag schon bei Ohren und Augen in den Mund dringen, und die er auch beständig im Mnnde hat. Man dürfte manchen am zweiten, dritten Tag fragen: sprichst du deulsch? und er wird antworten: jeS. Es ist auch merkwürdig, wie sehr sich die Deutschen, auch vom gemeinsten Stande, schämen deutsch zn reden, und wie gerne sie auch ein, wenn gleich ganz gebrochenes Englisch hcrstammeln. Ich fragte einst einen Arbeiter am See Michigan: sprichst du deutsch? Da amwortet er: nir vcrstend, anstatt des englischen I ci'ont untkr5tgr>6. Dummer Kerl, sagte ich, du kannst ja nicht einmal so viel Englisch, daß du recht 237 sagen könntest: ich kann'S nicht. Warum schämst du dich deutsch zu reden? — Uebri- genS lernen die Kinder mit unglaublicher Schnelligkeit englisch, und so auch die Dienstmädchen, die bei englischen Familien dienen. Ueberhaupt sprechen die Mädchen und Frauen das Englische viel deutlicher aus, und lernen eS auch schneller. Ich fragte einen Amerikaner um die Ursache, der mir darauf die ganz naive Antwort gab : Kein Wunder, sie plaudern und schwätzen ja so viel. Ich kehre zu meinem Missionsbericht zurück. Der Monat Mai nahte heran, und ein Geschäft von großer Wichtigkeit rief mich wieder nach Cincinnati. Seit einigen Jahren ersuchte mich schon der hochwürdigste seeleneisrige Erzbischof Purcell, die Statuten der Diöcese zu entwerfen und auszuarbeiten, was ich jedoch immer von mir ablehnte. Endlich drang der hochwürdigste Pr-ilal so sehr in mich, daß ich mich dazu entschloß. Ich verwendete mit größler Anstrengung dazu den vollen Monat Mai, doch so, daß ich täglich zu Ehren der seligsten Jungfrau in der hl. Philvmenenkirche vor einem hochfestlich gezierten und beleuchteten Altare predigte. Die vielen Kerzen, in deren Mitte das schöne Marienbild von acht Fuß Höhe aus Goldgrund stand, bildeten ein flammendes großes Herz. — Ich übergab dem hochwürdigsten Erzbischof am Ende deö Monates meine Arbeit, und ich hoffe von derselben mehr Frucht und Nutzen für den Weinberg des Herrn, als von vielen, vielen Missionen. Gott verleihe dazu seinen gnadenreichsten Segen! Ich gab hierauf noch an vier Kirchen der Erzdiöcese Cincinnati die Mission, nämlich in der hl. Josephkirche zu Ccmal Dover, in der Kirche Johannes von Gott, Mariä Himmelfahrt zn Mansches un.'> in der hl. Xavicrkirchc zu Lodi. In dieser letzten Gemeinde trug sich ein merkwürdiger BekehrungSfall zu. Man fragte, wo ich wohnen wolle, da zunächst der Kirche kein Katholik wohne, bei dem ich verweilen könne, ausgenommen ein bloßer Nameukathvlik, ein sonst geachteter Mann, der aber schon dreißig Jahre nicht mehr gebeichtet, eine protestannsche Frau geehelicht habe und seine Kinder protestantisch erziehen lasse. Kein Priester sey deshalb jemals mehr in sein Haus gekommen. Ich erwiderte: „Gerade daS ist der Mann, bei dem ich Wohnung nehmen will." Ich dachte mir, durch dieses Zeichen von Freundschaft und Wohlwollen werde ich daS Herz des Unglücklichen für mich stimmen, und so vielleicht seine Seele gewinnen. Ich hatte mich nicht getäuscht. Durch diese meine freundliche Nähe nnd Auszeichnung gewonnen, trug er sich schon am ersten Tage zur heiligen Beicht an, und versprach alle seine Kinder katholisch erziehen zu lassen. Ich taufte selbst einen erwachsenen Knaben. Sein Weib zeigte gleichfalls große Geneigtheit, sich zur heiligen Kirche zu bekehren, was auch, wie ich hoffe, geschehen wird. Ueberdieß lud der Mann, da er Vermögen besitzt, Alle, die wollten, täglich zur offenen Tafel, namentlich die zn weil wohnten, um zum MittagSmahle nach Hause zu gehen, welche Einladung auch Viele beuütztcn. — Ich dankte Gott, daß ich folgend dem Beispiele des Schntzpatrones dieser Gemeinde, des heiligen Tavcrius, einen Lazarus in seinem Grabe aufgesucht und mit Gottes Beistand glücklich wieder zum Leben der Gnade erwecken konnte, gewonnen durch Milde und Zuvorkommenheit von meiner Seile. Es nahete nun die Zeit der Einweihung der Kathedrale zu Milwaukie in Wisconsin. Der hochwürdigste Bischos Henni lud mich ein derselben beizuwohnen und dem deutschen Klerus seiner Diöcese zugleich zur selben Zeit die heiligen Erercitien abzuhalten. Auf meinem Wege dahin passirte ich die Diöcese Chicago und gab in zwei Gemeinden die heilige Mission; nämlich in der St. Marienkirche zu Luffalo Grove, und in der St. Josephökirche zu M. Henry. Die Priestererercitien ju Milwaukie wurden von dem deutschen KieruS mit dem größten Eifer benützt. Keine Diöcese der Vereinigten Staaten hat so viele deutsche Priester, besonders aus Oesterreich und Bayern, als Wisconsin. Man erinnert sich in dieser Diöcese sehr lebhaft an das alte Vaterland. DaS fchönstc Anzeichen, mit welchem Segen diese Priester den geistlichen Uebungen beigewohnt, gab ihr Entschluß, den sie am Ende derselben gesaßt, nud der nun wirklich durchgeführt wird: nämlich ein Knabenseminar für die Heranbildung von Geistlichen zu stiften, wozu dieselben, obwohl selbst arm, meines 238 Wissens sogleich an 3WV Dollars unterzeichneten. Wenn der Herr zu diesem Werke seinen Segen gibt, so sind die Folgen unberechenbar einflußreich für das Wohl der Gläubigen, namentlich der deutschen. Zur Consecration der Kathedrale fand sich zum großen Jubel der ganzen Diöcese, und namentlich der Stadt und deS so eben daselbst versammelten Klerus, der päpstliche Nuncius, Monfignor Bedini, Erzbischof von Theben, ein, welcher auch die Einweihung der Kathedrale selbst vornahm. Dieses prachtvolle Gebäude steht mitten in der Stadt auf dem erhabensten Theil derselben, und dominirt sie besonders gegen die Seeseilc hin, wo die Kathedrale das Gebäude ist, welches man vom Schiffe aus zuerst in der Entfernung von vielen Meilen erblickt. Die übrigen Tausende von Häusern dieser ausgedehnten Stadt scheinen sich um dieses erhabenste Gebäude gleichsam wie die Küchlein unter die Flügel der Henne zu drängen: dieses Bild stellte sich mir so oft vor, als ich nach dieser Stadt vom See aus kam. Der Act der Consecration selbst war ein für Amerika gewiß noch nie gesehener, und wird in der Geschichte der Kirche dieses Landes für immer einen ausgezeichneten Platz einnehmen. Da wo vor einigen wenigen Jahren noch die wilden Indianer ihre Kriegsversammlungen hielten, steht nun eine prächtige Kathedrale in Mitte einer großen Stadt, die ein Gesandter des heiligen Vaters einweiht, unter Assistenz von zwei Erzbischöfen, drei Bischöfen und über siebzig Priestern. *) Hierauf gab ich noch eine Mission zu Neutrier in Illinois und zu Neuköln in Wisconsin und begab mich nach dem Staate Iowa (Ajowe) um die Diöcese Dubugue mit Abhaltung von Missionen zu durchreisen. Meine Absicht war zwar eine ganz andere. Ich dachte besser zn thun, wenn ich mich nur vorerst den östlichen Staaten zuwendete. Da ist die deutsche Bevölkerung, wie man hier sagt, bereits gesettelt, d. h. so angesiedelt, daß wenige neue Einwanderer sich mehr im Lande niederlassen. DaS Land ist in diesen ältern Staaten für die armen ankommenden Deutschen bereits zu theuer; die müssen ihre neue Heimat in dem ferneren Westen suchen, wo man noch den Acre Land um einen Thaler vom Staate kauft. Handwerker, die neu ankommen, siedeln sich jedoch in den Städten der östlichen Staaten noch fortwährend an. Ich dachte demnach besser und klüger zu thun, wenn ich diese bereits arrondirten Gemeinden vorerst besuchte, während welcher Zeit sich die westlichen beinahe täglich vergrößern, und dann zurück in den Westen zu kehren, um an demselben Platz vielleicht dreimal mehr Katholiken zu finden, als es dort derzeit in den sich bildenden Gemeinden gibt. Indeß „der Mensch denkt, Gott lenkt", ist ein alteS, bewährtes deutsches Sprichwort, das sich auch hier aus hocket erfreuliche und trostreiche Weise bewährte. Se. Gnaden der hochwürdigste Bischof LoraS ließ mich nämlich durch den hochwür- digsten Bischof Henni von Milwaukie ersuchen, seine Diöcese in diesem Jahre zn bereisen. Der hochwürdigste Bischof Henni sagte dieß sogleich in meinem Namen zu, weil er wußte, daß ich die Absicht hätte, den westlichen Theil Wisconsins zu besuche», dem gegenüber der Staat Iowa liegt. So war ich nnbefragt durch ein bischöfliches Wort gebunden, worauf noch eine Menge von Umstänsen und Einladungen mich in jene Gegenden drängte. Ich konnte nicht anders als denken, eS sey so dci heiligste Wille GoiteS, und er war eS in der That, ja ich überzeugte mich an Ort und Stelle augenscheinlich dessen. (Schluß folgt.) Die Einweihung der Schneekoppencapelle. BreSlau Am 21. v. M. hat der hochwürdigste Fürstbischof daS höchst gelegene Gotteshaus in Norddeulschland, die Schneekoppencapelle, feierlich geweibt. Ueber diese Feier wird dem Schl. Kchbl, geschrieben: Vormittags predigte der hochwürdigste Erzbischof von New-Bork, Dr, Hughes. Nachmittags hielt ich die Predigt an die Deutschen. Abends predigte der hochwürdigste Erzbischof von Eincinnali. 239 »Unser hochwürdigster Fürstbischof kamen Montag Abends den 19. JuniHin Warmbrunn an. Der kommende Tag versammelte den gesammten ArchipresbyteratS- Klerns um seinen hohen Herrn; und an der gastlichen Tafel Sr. Ercellenz des Herrn Grasen Schaaffgotsch hörten wir aus dessen Munde ein Wort, daS, weil gesprochen von einem der ersten katholischen Standesherren Schlesiens, als ein Act katholischer Gesinnung uns unvergeßlich bleiben wird; und ich erlaube mir, dasselbe Ihnen fast wörtlich darnm mitzutheilen, weil wir nur beten können, daß eS sein Echo finden möge in allen Edelhöfen der christlichen Welt. „Meine Herren und hochverehrten Gäste!" sprachen Se. Ercellenz, „Wir stehen am Vorabende eines Festes, bei welchem das Loblied der Engel: „Ehre sey Gott in der Höhe" aufs Neue in erhebender Weise ans der höchsten Spitze des nördlichen Deutschlands ertönen soll. ES gereicht mir zur großen Freude, daß daS Gotteshaus fünftausend Fuß über dem Meeresspiegel, welches ein gotteSfürchtiger Vorfahr auf hohem 'Felsengrunde errichtet, das aber die Unbill der Zeiten seinem erhabenen Zwecke entfremdet hat, der Feier der heiligen Geheimnisse wieder geöffnet werden wird. Hierbei rechne ich es mir zu hoher Ehre, daß neben dem Namen Sr. fürstbischöflichen Gnaden auch der meinige genannt werden wird, und füge dem die Versicherung bei, daß, gleichwie auf Felsengrund dieses Gotteshaus errichtet ist — ein Abbild der für die Ewigkeit auf Petri Felsen gegründeten Kirche — auch eine katholisch-kirchliche Gesinnung in meinem Innern stets gegründet seyn, und ich als treuer Sohn der Kirche mich stets bezeugen werde. Ich spreche cS aus, ja ich bin deß' gewiß, daß stets ein Schaaffgotsch der Hüter dieses Gotteshauses seyn und die Familie Schaaffgotsch jene katholisch-kirchliche Gesinnung stets in Thaten bekräftigen wird." ' Bei heiterm Wetter wurde Nachmittags das Hochgebirge bestiegen. Unser geliebter Fürstbischof legten abwechselnd große Strecken zu Fuß zurück. Um acht Uhr Morgens den 31. Jnni begann die feierliche Reconciliation der Capelle, worauf seit 43 Jahren das erste Kloria in excslsis vec> wieder ertönte. Nach dem Evangelium wandten sich der hochwürdigste Oberhirt an das Volk. Meine Feder kann nicht die Wahrheit, Kraft und Würde dieser apostolischen Rede wieder geben; was brauche ich auch mehr zu sagen, als unser hochwürdigster Fürstbischof Heinrich hat gesprochen, und alle Welt weiß, wie er gesprochen hat. Ausgehend von den Worten des königlichen Propheten: .,Jch erhebe meine Angen zu den Bergen, von wo mir Hilfe kommt!" zeigte uns unser Chrysostomus, wie Golt sich oftmals der irdischen Höhen bedient habe, um unsere Seelen auS deu Tiefen der Sünde zu den himmlischen Höhen zu führen. Sie können sich vorstellen, wie ergreifend diese Schilderungen seyn mußten, ausgeführt in der beredten Sprache unsers geliebten Bischofs. Und als Hochderjelbe sich zuletzt an Se. Ercellenz den edlen Grafen wandte, versichernd, er könne alle seine Gefühle deS heutigen TageS nur in Einem Worte aussprechen, nämlich: „Gott lohne es! Gott lohne es Ihnen und Ihrem ganzen gräflichen Hause mit Seinem Segen und Frieden, den hier nicht die Welt, doch daS Bewußtseyn einer edlen That gibt", — da habe ich manchen Mannes Auge von Thränen feucht gesehen, und zwar von Thränen, die der Mensch selten aber gern weint, nämlich von Freudenthränen. Glücklich gelangten Se. sürstbischöfliche Gnaden wieder in das Thal; und der kommende Donnerstag führte Hochdenselben nach Hirschberg, das in wenig Stunden mit Blumen und Reisern sich geschmückt und seine Straßen, über die der geliebte Oberhirt einzog, mit frischem Grün bestreut hatte. Magistrat und Stadtverordnete, so wie die Spitzen der übrigen Behörden, begrüßten an der Thür des Pfarrhauses den hohen Kirchenfürsten, der sichtlich überrascht war von so vielen Beweisen der Huldigung und Liebe, die von keinem Menschen angeordnet oder befohlen, freiwillig wie durch einen Zauber entstanden waren. — Liebreiche väterliche Segensworte sprach auch hier der würdige Nachfolger der Apostel über Hirschberg und seine Bewohner. Ueberfüllt waren die geräumigen Hallen deö Gotteshauses von den Thalbewohnern, die, den bedeutenden Wochenmarkt besuchend, nicht das Glück geahnt hatten, einen katholischen Bischof einmal sprechen zu hören I — Nachdem gegen fünfzig Personen 240 noch das heilige Sacrament der Firmung erhalten hatten, setzten Se. fürstbischöfliche Gnaden Ihre Weiterreise nach BreSlau fort. Gründung einer orientalisch-christlichen Gesellschaft. Rom, 29. Juni. ES steht hier in Rom, unter der Aegide deS PapsteS und den Auspicien der heiligen Congregation cls propgMircis iiele die Gründung einer orientalisch-christlichen Gesellschaft nahe bevor. Stifter derselben soll ein griechischer Unterthan der ottomanischen Pforte, Jakob Pitzipios auS Scio, seyn, ein Mann von feinem Verstände und tiefen Kenntnissen in Bezug auf die Geschichte der griechisch- byzantinischen Nation und der unseligen Trennung vom Mittelpunct der religiösen Einheit, Schon seit vielen Jahren stimmte er aus fester Ueberzeugung der katholischen Lehre bei, und war mit Mund und Herz ein tüchtiger Versechter deS Grundsatzes von der Oberhoheit dcö heiligen Vaters; da er aber an die Spitze der gedachten Gesellschaft treten soll, so hat er dieser Tage die von Photius eingeführten und von CerulariuS wieder aufgewärmte» Irrthümer in die Hände des Präfccten der Propaganda, Cardinal Franzoni, förmlich abgeschworen, und ist mit Frenden in den Schooß der römischen Kirche aufgenommen worden. Der Zweck der orientalisch-christlichen Gesellschaft ist, wie leicht zu begreifen, die Wiedervereinigung der orientalischen Kirche aller Rilen.und Nationen mit der katholischen und apostolischen Kirche zu Rom, ohne irgend eine Veränderung oder Umgestaltung derjenigen nationalen Riten, die sich auf das Ansehen der Tradition wie auf die Genehmigung durch die höchste Gewalt deS sichtbaren Oberhauptes der ganzen Kirche stützen. Die Gesellschaft geht von dem Grundsätze aus: der Beschluß über die Wiedervereinigung der Griechen mit den Lateinern, von hh. allgemeinen Concil von Florenz am 5. Juli 1439 erlassen und vom Papst Eugen IV., von Johann PalciologuS, Kaiser von Constantinopel:c,, so wie von den versammelten Vätern des Orients und Occidents bestätigt, bestehe noch heute in voller Kraft und Geltung bei der griechischen Kirche, in so fern er von eben dieser Kirche niemals amtlich und feierlich entkräftet oder aufgehoben worden; die Wiedervereinigung besteht demnach zu Recht und daö Bestreben der Gesellschaft zielt dahin, sie sactisch in Vollzug zu bringen. Ihre Mittel zur Erreichung unter Gottes Beistände eines so hochwichtigen Ziels werden folgende seyn: l) unter den Griechen die Kenntniß der Verhandlungen und ganz besonders deS Endbeschlusses der Florentinischen Kirchenversammlung zu verbreiten uud populär zu machen; 2) den Giundsatz öffentlich auszusprechen und gleichermaßen zu verbreite", daß die Wiedervereinigung nie widerrufen worden und folglich von Rechtswegen in voller Kraft fortbesteht; 3) verschiedene Schriften herauszugeben, die in schlichter, Jedem verständlicher Form über Grundlage, Motive und Vortheile der Wiedervereinigung belehren; 4) um zu diesem Behufe sich auch der TageSblätter zu bedienen; 5) überall, wo es der Zweck der Gesellschaft erheischt, Localvereine und Agenten einzusetzen, die unter Leitung des zu Rom sitzenden Centralraths das heilige Unternehmen zu fördern haben. Die Gesellschaft würde nicht abgeneigt seyn, je nach den Umständen auch diplomatische Mittel anzuwenden; denn obschon sie nur einen geistig-religiösen Zweck anstrebt, so ist dieser Zweck seinem Wesen nach doch auch politisch und materiell, indem er daraus gerichtet ist, die überaus wichtige Frage vom russischen Patronat über die der hohen Pforte politisch unterworfenen schismatischen Griechen zu lösen, oder richtiger gesprochen, zu beseitigen, in so fern durch den beabsichtigten Eintritt dieser Griechen in die römische Kirche Zweck und Gegenstand der russischen Schutz- Herrlichkeit wegfällt. Von diesem Gesichtspunkte ans müßten nicht blos die katholischen, sondern auch die heterodoren Fürsten, die den Fortschritt von Rußlands Uebergriffen hemmen wollen, die orientalisch-christliche Gesellschaft beschützen und ihren Plan fördern helfen. (D. Nh.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kr einer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger NoKMung. 30. Juli ^ 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig «Ue T-ouutage. Der haldjährige Abon»em^nl«prei« kr., wofür e< durch alle köuifll. bayer. Poilümter und alle Buchhaudlunne« de^oaen werde» kanv. Missivnsbericht vom Jahre an den hochlöblichen Ludwigs-Missionsverein zu München, von ?, F. X. Weninger, Priester aus der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika. (Schluß.) Ich eröffnete die erste Mission in der Stadt Dubugue selbst, der größten Stadt im Staate, am Mississippi gelegen, woselbst auch der Bischof sunen Sitz hat. Iowa zählt unter seinen Bewohnern viele der Flüchtlinge auS Europa, und somit eine Menge der entschiedensten ReligivuSfeinde, ja man muß eS sagen, der rasendsten GvtteSfeinde. Wie ungelegen kam diesen radikalen Satanssöhnen die Abhaltung der Mission, und ihr belebender nnd rettender Einfluß. Wie oft hörte ich hier und durch ganz Iowa die sich uuabläßig wiederholende Versicherung: „Wären Sie jetzt nicht gekommen, ich wäre ewig verloren; ich war schon daran, allen Glauben und alle Religion fahren zu lassen!" Die Erbitterung der feindseligen atbeistisch-antichristlichen Partei gab sich dagegen auch sogleich nnd deutlich genug dadurch gegen mich kund, daß man mir zweimal nach dem Leben strebte. Einmal dadurch, daß man eine Flasche Scheidcwasser oder Bitriolöl durch daö Fenster an mein Belle warf; das andere Mal bei Hellem Tage, auf offener Slraße. Ich ging im Priestcrklei» d. h. mit meinem OrdenSkleide zu «inem Kranken, und hatte daS allerheiligste Sacrament bei mir. Da sprengten zwei Reiter die Gasse daher, von denen der eine, als er mich im Pnesteikleide erblickte, dem Andern sogleich zurief: ..Reit doch den Pfaffen nieder!" Wüklich sprengt dieser im vollsten Galopp gegen mich Hera». Ich wich kein Haar, sondern ließ ihn heransprengen. Schon war das Pferd ganz an mir, da riß er eS plötzlich zur Seile. Ich meinte, eS werde vielleicht gegen mich ausschlageu, indeß es geschah mir kein Leid, meine Stunde war noch nicht gekommen. Ich weih nicht, hat ihn meine Ruhe erschreckt, oder welche nächste Ursache ihn bewog das Pferd wegzureißen, gerade bevor eö mich niedertreten sollte. Nach der Mission zu Dubugue kehrte ich iu die Stadt Galeua zurück, nicht weil von Dubugue am entgegengesetzte» Ufer des Mississippi im Staate JlliuoiS. Es ist dieß eine sehr reiche Handelsstadt mil ergiebigen Bleimiucu, Mancher auch katholischer bedürftiger Hausbesitzer fing an zu graben, und wnrbc auf einmal ein reicher Mann. Galena gewährt einen ganz andern Anblick als sonst die Städte in Amerika. Die sind gewöhnlich höchst bequem, mit vielen Straßen; hier ist die Stadt wie ein Bethlehem in die Berge eingezwängt. Bon Galena auö besuchte ich das HauS der Dominicaner am Berge Sinsinncuva. Nicht leicht wird man in der Well ein Kloster finden, von wo auS man eine weitere und herrlichere Aussicht gcnösse, als von diesem Hause. Ich sagte eine Mission zu, doch vorerst mußte ich Iowa durchgehen. Ich besuchte da nun zuerst die Gemeinde zu SchellSmound, und hieraus daö M 242 mir so lieb und unvergeßlich trostreich gewordene Guttenberg. Diese Stadt liegt am Mississippi, und ein Ereigniß ganz außerordenilicher Art trug sich am Schlüsse der Mission bei Aufpflanzung deS MisstonSkreuzeS zu, welches mich wohl, so lange ich in meinen Missionsarbeiten athme, trösten und ermuntern wird. Die Kirche ist der unbefleckten Empfängnis) Maria geweiht. Ich feierte daselbst am Rosenkranz-Sonntag den 35jährigen Gedächtnißtag meiner Primiz in der Kirche Maria Stiegen zu Wien. Die Mission schloß sich am 7. October als am ersten Freitag des MonatS. Wir trugen das große Missionskreuz in feierlicher Procession gegen drei Uhr Nachmittag und richteten eS im Freien neben der Kirche auf. So wie nun das Kreuz sich zu erheben begann, erschien am blauen Himmel gerade über dem MissionSkreuz ein großes weißes Kreuz von ungefähr 1W Fuß Lange und der Querbalken 25 Fuß. Der Körper des Kreuzes war ungefähr zwei Fuß. Dieses Kreuz stand am Himmel bis das MissionSkreuz in die Erde gesenkt war, beiläufig eine gute Viertelstunde. Alsdann begann eS sich noch höher zu heben, und ganz glorreich wie in Duft und Strahlen zu zerfließen. In einiger Entfernung von beiden Seiten deS KreuzeS sah man die Bildung von zwei Palmzweigen, so wie man selbe in den Händen der Märtyrer zeichnet, ebenfalls weiß wie das Kreuz. Eine protestantische Frau soll die erste gewesen seyn, die Andere auf diese himmlische Erscheinung aufmerksam machte. Wie groß der Trost und die Freude im Herrn unter dem Volke war, das wird der fromme Leser leicht ermessen. Was mich betrifft, so war und bleibt der Eindruck nur immer einer und derselbe: ich dankte und danke nämlich dem Herrn vom Grunde meines Herzens und der innersten Tiefe meiner Seele, ein Anzeichen gesehen zu haben, das mich zu versichern schien: „der Wille GotteS geschehe durch mich aus Erden, und sein Segen begleite das Werk." Diese Beruhigung gilt mir mehr als alle Wunder der Welt. Ich fühlte mich gar nicht aufgefordert, weiterS darüber ein Won zu rede» oder zu schreiben, allein der hochwürdigste Bischof von Dubugue nahm es anders. Er schick-e sogleich zwei seiner Priester an Ort und Stelle, um die Aussage der Zeugen zu vernehmen, welche bereit wären, eidlich die Thalsache zu bestätigen, was auch wirklich geschah. UcbrigenS wiederhole ich, mir ist und bleibt es eins, ob ein Mensch in der Welt das Ereigniß glaubt oder nicht, oder eS so oder so erklären wolle; ich werde den Nutzen, den meine Seele daraus geschöpft und bewahrt, immer mit heißestem Dank gegen den Herrn zu bewahren suchen, und muthig vorwärts gehen in seinem heiligen Dienste für das Heil so vieler durch sein heiliges Kreuz erkauften Seelen. Ich begab mich hierauf nach dem sehr nördlich gelegenen Fort Atuison, und sanv daselbst eine Gemeinde, großentheils bestehend aus Deutschen, bei welchen ich zu Oldenburg-Jndiana die erste Mission in Amerika im Jahre 1848 gegeben. Sehr oft ziehen Einwanderer nach einiger Zeit in einen andern Staat, wenn sie am ersten Platz sich einiges Vermögen erworben haben, mit welchem sie in einem ferneren Staat oft zehnmal so viel Land sich kaufen, als sie früher besaßen. Iowa hat einen ausgezeichneten Boden, wenn gleich eS anderseits so ziemlich holzarm ist und auS Prärien besteht. Die nächste Mission gab ich zu Neuwien. Der hochwürdigste Bischof benamue die Stadt so aus Dankbarkeil gegen die Spendnngen deS LeopoldinenvereineS. Ein Tiroler, Herr Lentner, ist daselbst Seelsorger. Ueber ZölZ Familien wohnen daselbst, ohne daß nur ein Protestant dazwischen wohnte. Die letzten drei nahm ich bei der Mission in die katholische Kirche auf Ich begab mich von dort nach Dnbugue und desuchle das in der Nähe der Sladi gelegene Trappistentloster. Es war mir interessant, auf dem Wege meines thätigen MissionSlebcnS in die beschauliche Stille eines TrappistcnklosterS einzugehen. Ich fühlte selbst in meiner Jugend, und auch als Weltpriester den stärksten Zug zu einem ganz beschaulichen Leben, und hatte wirklich den Trost, in meinen Studienjahren als Theolog mitten in dem Gewühle der Residenzstadt Wien das einsame Leben eines Kamaldulensers zu leben. Ich schätze mich nun aber noch weit glücklicher als Jesuit und OrdenSmann beide Lebensweisen zu vereinigen. Das Trappistenleben würde mich überdieß deshalb nie ansprechen, weil 243 eS bei aller Einsamkeit die Weihe der Einsamkeit nicht hat, da alles, Gebet, Arbeit,c. gemeinsam geschieht, ja selbst der Schlafsaal gemeinsam ist. Da liebte ich unvergleichbar mehr daS Karthäuserleben; eS schiene mir ein Paradies auf Erden. Allein dennoch wäre eS für mich keines, wenn man die Seelennoth so Vieler kennen gelernt, die thätige Hilfe brauchen, namentlich in diesem Lande. Ich war demnach c>anz sroh, nicht immer in den Mauern der stillen Trappistenabtei verbleiben, sondern der Bahn meines Berufes folgen zn dürfen, besonders da die Erfahrung mich lehrte, daß man mitten im Gedränge deS MissionslebenS der Weihe innerlicher Einsamkeit durchaus nicht entbehrt, noch zu entbehren braucht. Gottes Weisheit und Erbcirmung ist reich an jedem Orte für Alle, die sich ihr ergeben, und die verschiedenen Lebenszustände im Verbände der Kirche gereichen gewiß zu einer ihrer schönsten Zierden. Bei der nächsten Station zu '5Sts cle morts pflanzte ich daS MissionSkreuz auf einen sehr hohen an der Höhe kahlen Hügel auf, zu dem von der Kirche aus die vierzehn Stationen errichtet werden. Es wird gewiß der schönste Kalvarienberg in den Vereinigten Staaten werden. Am Vorabend Allerheiligen stand dieser ganze Berg sammt Umgegend in lichten Flammen. Es war ein Prairiefeuer. Man zündet nämlich hier im Spätherbst daS dürre GraS an, dnS der Menge wegen Niemand mäht, und eS ist ein merkwürdiger Anblick, ein solches mit Windesschnelle forteilendes Prairiefeuer. Weh dem Landmann, der nicht darauf vorgesehen ist, und sein Haus und Hof nicht umackert hält; er könnte mit einem Male von einem solchen Feuer heimgesucht werden und Hab und Gut verlieren. Wenn ein solches Feuer herannaht, ist eS am besten, man zündet ein Feuer entgegen an, und verhindert sogleich die Ausbreitung dieses zweiten; wenn dann daS erste Feuer herankommt, so ist daS Gras schon zu Asche verbrannt und das erstere Feuer erlischt aus Mangel an Brennstoff. Dieß thaten wir auch hier. Von I'öte 6e morts reiste ich bei harter plötzlich eintretender Kälte nach Daven- port. Ich erlebte auf der Reise dahin einen eigenen Fall, der auf daS Walten der göttlichen Vorsehung ganz auffallend hinweiset. Ich hatte daS allerheiligste Sacrcunent bei mir, da ich von jenem Berge aus unter dem MissionSkreuz den Segen mit demselben gegeben. ES war jedoch mehr eine außergewöhnliche Fügung des Himmels, daß dem so geschah. Ich kam an einen Fluß, der über Nacht so überfror, daß daS Boot, welches die Ueberfahrt besorgt, für mehrere Stunden verhindert ward, sich Bahn zu brechen. Ich kehre um, und will in einem Hause die Ueberfahrtzeit abwarten. Siehe da kömmt ein Amerikaner daher, ein wohlhabender gebildeter Mann, und frägt, ob ich nicht ein katholischer Priester sey; er merkte eS an meinen Kleidern. Ich sagte: Allerdings. Da bat er mich, sogleich zu einer sterbenden Jrländerin zu kommen; dieselbe habe seil vielen Jahren keinen Priester mehr gesehen, und verlange sehr nach dessen Beistand. Ich eilte dahin, und hatte die so ganz unerwartete Gelegenheit, ihr die heiligen Scicramente zu spenden. Wie groß war ihr Trost und Dank vor dem Herrn, und wie wichtig und entscheidend für ihr seliges Ende. Nach der Mission zu Davenport gab ich die Mission in Iowa City selbst, der Hauptstadt des Landes. Bis Hieher erstreckt sich bis jetzt die Einwanderung der Deutschen im Westen. Ich hatte die Freude, hier besonders viele Protestanten in die heilige Kirche auszunehmen, und namentlich erbaute die Rückkehr einer zu den Methodisten abgefallenen Katholikin mich und das ganze Volk. Sie trat nämlich bei Gelegenheit der feierlichen Erneuerung des Tausgelübdes, nachdem Kinder und Volk mit lauter Stimme betheuerten, für den heiligen Glauben selbst das Blut zn vergießen, vor das PreSbyterium, und warf sich reumüthigst an dem Taufbrunnen nieder, wo sie öffentlich daS Vergehen ihres AbfalleS beweinte, und ich sie von der Ercommuni- cation lossprach. Ich errichtete hierauf noch das MissionSkreuz an der St. Marienkirche, und begab mich nach Burlington, der nach Dubugue größten Stadt im Staate Iowa. Sowohl hier wie in Iowa City errichtete ich daS MissionSkreuz ober der Stadt auf einem Hügel im Friedhof. DaS Kreuz scheint nun über diese beiden ansehnlichen 244 Städte seine Arme auszubreiten, und gewährt einen sehr tröst- und hoffnungsvollen Anblick. Selbst die wilden amerikanischen Jungen hatten Gefallen an der Procession, mit welcher das große Kreuz in Burlington an seinen Platz gebracht wurde. Sie machten sich nach der Feierlichkeit auch Kreuze und Fahnen, und ahmten die Procession nach, nicht zum Spott, sondern zum Vergnügen, doch so, daß man merkte, eS sey ein ganz guter Eindruck auf sie geschehen. Die letzte Mission in diesem Jahre gab ich zn Fort Madison. Eine sehr freundliche Stadt am Mississippi. Ein herrliches Missionskreuz von 33 Fuß auf einem acht Fuß hohen Piedestal steht mitten in der Stadt, als Erinnerung an diese Gnadenzeit. Ich eilte nun nach Ciucinnati, um allda Weihnachten zu feiern, und noch einmal den päpstlichen NunciuS zu sehen und zu sprechen. Eö wird meinen geehrten Lesern aus Zeuungen bekannt seyn, in welch verbrecherischer Weise Hochderselbe allda von den deutschen Atheisten behandelt wurde, die sich „freie Männer" nennen. Es zog nämlich ein Zug von 6ö>> Männern, mit verschiedenen Mordemblemen bewaffnet, um zehn Uhr Nachts an daS Haus veS hochn'ürdi..sten ErzbischofS, wo Se. Ercellenz der hochwürdigste Nuucius Bedini wohnte. Sie halten dessen Bild und verschiedene Transparente mit den Inschriften: Nieder mit Bedini; nieder mit den Pfaffen zc. Die Polizei hemmte zwar ihr Ansinnen, Gewalt auszuüben gegen die Person des hochwürdigsten NuuciuS. Viele Verhaftungen und eine nngeheure Aufregung erfolgte. In der Halle dieser „freien Männer", welche zugleich ein großes Kaffee- und Unterhalrungshaus ist, hatte ich die Ehre, in elligis an der Eeirc des päpstlichen NunciuS aufgeheult zu werden, waS mir übrigens gar nicht wehe that, uud auch keinen Schaden brachte. Da ich mich mit Missionen besonders unter den Deutschen beschäftige, bin ich diesen deutschen Atheisten besonders im Wege, und eS wachten an dreißig Männer dieselbe Nacht an meinem Zimmer, daß die Leute nicht, wie sie drohten, ans der bildlichen Vorstellung Ernst machten. Indeß meine Zeit war noch nicht gekommen; möge sie einst kommen, und sich die Drohung socher Radicalen in Iowa erfüllen, wenn ich zuvor einmal ganz Amerika bereist habe, ÄlS diese nämlich daS große schöne Kreui, in Fortmarlison mitien in der Stadt sahen, sagten sie ganz ärgerlich: „Könnten wir doch den Missionär selbst hinansnageln." Nur zu, Freunde — er verdient eS, kein Zweifel — oder vielmehr: er ist einer so großen Gnade freilich ganz unwerlh. So wie das Weihnachtssest vorüber war, rief mich ein Versprechen, eine Primiz- Predigt am Neujahrsicige in Lt. Louis zu halten, in diese Siadt. Ich eilte dahin, und brachte die letzte Nacht des JahreS auf der Eisenbahn zu. Für einen Missionär kein ungeeigneter Platz, um das Te Deum eben so dankerfüllt und innig, wie in der geräumigsten, herrlichsten Kirche der Welt anzustemmen. Ich halte fest dafür, daß dieses unheimliche Anzeichen der sich heranuaheuden letzten Zeiten den Missionären nach GotteS weisester Vorsehung gerade den besten und schnellsten Vorschub leistet, um noch recht vielen Herzen, an recht vielen Orten hilfreich beiznspringen, und.dem Herrn den Weg für sie zu bereiten. So schloß sich meine Arbeit auf dem MissionSfelde hier in Amerika unter meinen Landsleuten für daS Jahr l853. Ich rufe den Beistand des Gebetes aller meiner in Christo lieben theuern Milbrüder unv Kinder der heiligen Kirche in unserm alten Naterlande an, mir die Andaner der Stärke und Gesundheit zu erflehen, die mich bisher ganz unerschüttert begleitet, und um so mehr den Zufluß der Gnade des Herrn, damit ich als ein Ihm ganz vereinigtes Werkzeug arbeiten, und meine schwachen Kräfte obne Unterlaß und Unterbrechung noch lange hin verwenden und ohne eine Minute Zeilverlust verbrauchen möge zur größern Ehre Gottes und zum Heile unzähliger Seelen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. F. Weninger, Priester der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika. 245 Die Schwestern der Armen. In Frankreich, jenem Lande, welches in diesem Jahrhundert so manche neue Ordensgesellschaften und religiöse Vereine auf seinem Boden entstehen und wachsen sah, hat in der letzten Zeit eine neue Genossenschaft sich gebildet, der schon jetzt, einige Jahre nach ihrem crsnn ganz unscheinbaren Beginne, ein höchst wohllhätiger Einfluß auf das sociale Leben nicht bestritten werdni kann, und der eine große, gesegnete Zukunft bevonnstehen scheint. Es ist das jener, nun schon in vielen Städten Frankreichs verbreitete Verein von Jungfrauen, die den demüthigen Namen „Schwestern der Armen" führen, uud die die Pflege alter, hilfloser Personen beiderlei Geschlechtes sich zur einzigen Lebensaufgabe gestellt haben. Wenn zwar auch andere Orden, wie z. B, die barmherzigen Schwestern, neben den übrigen Zwecken, die sie verfolgen, die Verpflegung hilfloser Greise und Greisinnen in den Kreis ihrer frommen Wirksamkeit ziehen, so ist doch die Art und Weise, in welcher diese Verpflegung von den „Schwestern der Armen" bewirkt wird, eine neue und eigenthümliche. Die bisherige Geschichte und Entwicklung der Genossenschaft ist so ganz geeignet, einerseits, die bekannte Wahrheit zu erhärten, daß Gott zur Beschämung der Welt das, was in ihren Augen klein ist, erwählt, um Großes, wunderbar Großes dadurch ins Werk zu setzen, andererseits, um die Macht und daS Walten der christlichen Liebe in einem neuen und herrlichen Lichte uns vorzuführen. Auch erfreute sich die neue Genossenschaft vom Anfange an des besondern göttlichen Schutzes und Beistandes, und in immer reich- licherm Maaße hat der Himmel bis heute seine Segnungen über sie ausgeschüttet. DaS AlleS läßt uns hoffen, daß unsern Lesern die folgenden Mittheilungen, die wir französischen Berichten entnehmen, nicht unwillkommen seyn werden. bescheidener Haushalt irgend leisten konnte. In diesem Zustande verblieb da? Untrnehmen bis zum 29. September t841. Da nämlich miethete der Vicar ein schlechtes Unterhaus, welches zur Schenke gedient hatte, und weder gedielt, noch geflurt war. Die drei Schwestern zogen ein; zu ihnen gesellten sich alsbald zwölf brave alte Frauen als Pflege; mehr Menschen konnte der Raum nicht fassen. Diejenigen der aufgenommenen Armen, die dazu noch Kräfte hatten, fuhren fort, Almosen zu erbitten. Sie empfingen von der Armenverwaltung außerdem Brod und Leinwand; das HauS verabreichte ihnen auf seine Kosten die Suppe, und die sonstige Nahrung bereiteten ihnen die Schwestern von den gesammelten Gaben; es war vor der Hand unmöglich, ein MehrereS zu thun. Allein Gott, der seine Liebe und Fürsorge für die Armen offenbaren wollte, gab den Schwestern in den Sinn, ihren Pfl-glingen die Schmach und Beschwerde deS BettelnS zu ersparen und selbst diese Mühe über sich zu nehmen. Johanna Jngan, die älteste der Schwestern, ergriff ohne Umstände einen Korb und sammelte in den Häusern, wo die Armen regelmäßig unterstützt wurden, an deren Stelle die Pfennige und die Ueberbleibsel der Tasel. Wenn Johanna verhindert war, traten für sie die andern Schwestern ein. Die unterstützenden Familien sahen sehr gern diesen Wechsel in der Person der Bittenden, weil sie nun gewiß w^ren, daß ihre Almosen gut verwendet wurden. Zugleich i gewannen die Schwestern durch diesen Schritt immer mehr die allgemeine Theilnahme für ihr frommes Werk, und es währte nicht lange, so sah sich das HauS in den Stand gesetzt, sämmtliche Bedürfnisse der Armen, Wohnung, Nahrung und Pflege, selbst zu besorgen. Ein Jzhr wohnten die Schwestern in dem schlechten Unterhause. Nach dieser Zeit wurde es ihnen zu klein, denn hilflose Personen kamen von allen Seiten und baten um Aufnahme, Der Vicar von Saint-Servan erstand ein altes Klostergebäude für 22,000 Franken. Um diese Summe zu zahlen, verlangte er von Niemand eine Gabe. Er selbst hatte vier- vis fünfhundert Franken zusammengespart, und legte dazu, was er durch den Verkauf seiner Uhr, eines Kelches und silberner Meßkännchen löste. Johanna Jug.n besaß ein kleines Vermögen von 600 Franken, die zinsbar angelegt waren, die Eltern der beiden ersten Schwestern gaben diesen ungefähr 900 Franken, und eine vierte Arbeiterin, die sich der Genossenschaft anschloß, brachte derselben 400 Franken zu. Mit diesem Gelde konnte man die Kosten deS KaufcontracteS decken und eine kleine Summe auf Abschlag zahlen. Hinsichtlich deS Restes rechnete man auf die Vorsehung. Man wirkte für die Armen, die Vorsehung konnte nicht zu Schanden werden lassen. Und sie that es in Wahrheit nicht, denn ein Jahr später war daS Haus bezahlt, und daS Geld dazu auf tausend unvermutheten und wunderbaren Wegen zusammengekommen. Die Zahl der Armen mehrte sich nun täglich. Die Mittel zu ihrem Unterhalte blieben immer die nämlichen, die Uederbleibsel der Tafel, die Sammlungen von Gemüsen auf den Märkten, die erbetenen Almosen uud die Geschenke von Personen, die i-daS HauS bejuchten. Inzwischen war daS HauS voll geworden, ja eS wurde abermals zu klein, man - mußte darauf bedacht seyn, einen Erweiterungsbau vorzunehmen. Die Genossenschaft besaß dazn gar nichts als ein 50 Centimesstück (4 Sgr). Man leite eS zu den Füßen der heiligen Jungfrau hin und begann den Bau im festen Vertrauen aus ihre > Hilft. Zuerst mußte ein kleines NebenhauS abgebrochen werden; die Schwestern thaten das selbst mit eigener Hand, machten dann mit Hilfe zweier Handlanger die Ausgrabungen für das Fundament deS neuen Gebäudes und schafften in einer Länge von fünfzig Fuß die Erde so tief heraus, als für die Anlage der Keller nöthig war. So r.war denn Alles für den Bau vorbereitet, aber man hatte noch immer kein Geld. Nichtsdestoweniger wurde das nöthige Material angeschafft und die Maurerarbeit einem Meister übertragen. Mittlerweile erbte der Abbs Le Pailleur ganz unvermuthet ein Legat von 7600 » 2M Franken, die ihm ein aus Saint-Servan gebürtiger, auf der Jnsei Jersei gestorbener' Herr vermacht hatte. Derselbe wohnte seil langen Jahren auf der Insel, hatte aber zwei Monate vor seinem Tode eine Reift nach Saint-Servan gemacht, um sich nach einer alten Tante zu erkundigen, die ein sehr verkommenes Leben geführt hatte. Lange Zeit hindurch dem Laster des TrnnkeS ergeben, war sie ein Gegenstand des AbscheueS für die ganze Stadt gewesen. Er erfuhr, daß sie in das „Zufluchtshaus" (m-iison cl'iisile) — so nannte man die Anstalt — aufgenommen sey und sich jetzt gut betrage. Er besuchte die Anstalt und war hocherfreut, als er fand, daß seine Verwandte zu den Uebungen der Religion und einem ordentlichen Lebenswandel zurückgekehrt sey. Nach seiner Rückkehr errichtete er zu Jersei sein Testament und vermachte dem Abb6 Le Pailleur jenen Theil seines Vermögens, der seiner Tante zugefallen wäre, indem er glaubte, und zwar mit Grund, so am besten für das Wohl dieser armew Frau Sorge zu tragen. Diese Summe war eine schöne Hilfe zn den bedeutenden Kosten deS Neubaues. Zur nämlichen Zeit wurde der Johanna Jugan von der französischen Academi'e> die von ihrer Hingabe für die Armen Kunde erhalten hatte, der erste Preis der Stiftung Monthyon, im Betrage von 3000 Franken, zuerkannt. Mit diesem Ehrenpreise soll nach der Bestimmung deS Stifters jährlich die edelste That in Frankreich belohnt werden. Zu diesen beiden größern Geldsummen kamen manche Geschenke von Wohlthätern und die Fuhrdienste, welche die in der Nähe wohnenden Pächter unentgeltlich leisteten. Kurz, das Gebäude war bezahlt zur nämlichen Zeit, als eS vollendet war. DaS neue Haus füllte sich schnell mit Armen. Gegenwärtig befinden sich in der Anstalt über hundert arme Leute beiderlei Geschlechtes, die von vierzehn Schwestern verpflegt werden. Die Anstalt war den Bewohnern von Saint-Servan eine Veranlassung zu vielen schönen Handlungen christlichen Edelmuthes: nur eine derselben soll hier erwähnt werden. Die Arbeiter eineö gewissen Herrn Guibert/ eines vermögenden SchiffsrhederS in dieser kleinen Hafenstadt, vier- bis fünfhundert an der Zahl, legten ganz freiwillig, ein jeder fünf Centimes (5 Pfennige) wöchentlich, für die armen Leute deS ZufluchtS- hauses zusammen. Dieses Almosen, recht eigentlich der Heller der Armuth, brachte dem Hause großen Nutzen und war sür die guten Arbeiter eine Quelle göttlicheu SegcnS. Kaum hatte die Anstalt zu Saint-Servan in solcher Weise festen Bestand gewonnen, so war auch schon der Zeiipnnct da, in weichem das Werk nach GotteS Willen eine weitere Ausbreitung erlangen und in andern Städten Frankreichs Boden finden sollte. Eine große Anzahl srommer Personen, fast lauter Arbeiter, ohne Vermögen, aber voll heißer Liebe zu Jesus Christus, ließen sich aufnehmen in die neue religiöse Genossenschaft. Im Jänner 1846 wurde nun durch die Schwester Marie Augustiue (Johanna Jugan), welche General-Oberin der Genossenschaft geworden war, daS zweite HauS zu Rennes und kaum sechs Monate darnach das dritte zu Dinan gegründet. Schon im nächsten Jahre (l.847) gründete sie ein viertes HanS zu TourS und im Jahre 1849 ein fünftes zu Paris, am letzten Orte unter Beihilfe von 45 Conferenzen des heiligen Vince^z von Paul, Die Schwester Marie Therese, eineS der beiden jungen Mädchen, die Gott erwählt batte, das Werk zu beginnen, gründete im nämlichen Jahre daS sechste HauS zu Nantes. DaS HauS zu Paris, im September 1849 eröffnet, wird jetzt von hundert alten Personen beiderlei Geschlechtes bewohnt, die von zwanzig Schwestern mit einer Hingabe und Liebe gepflegt werden, wie sie nur der christliche Glaube einhauche» und lebendig crhallen kann. Die Räumlichkeiten gestatten nicht, eine größere Anzahl armer Greise aufzunehmen; deßhalb bemüht man sich, ähnliche Häuser in den verschiedenen Stadtvierteln von Paris zu errichten, und es ist gegründete Hoffnung da, daß diese Bemühungen gelingen werden. Wie überhaupt Paris den Ton angibt für ganz Frankreich, und was dort Anerkennung gesunden, leicht anderswo Aufnahme erlangt, so war die Eröffnung deS HauseS zu Paris die Veranlassung, daß von allen Seilen Schwestern verlangt wurden, um in andern Städten Häuser einzurichten. In der kurzen Zeit eineS JahreS, vom Sep- 248 tember 1849 bis Ende 1850, haben nach und nach auch die Städte Besanyon, An- gerS, Bordeaux, Rouen und Nancy ähnliche Zufluchtsstätten für daS hilflose Alter eröffnet, und den Schwestern der Armen die Pflege in denselben übertragen. Alle diese Anstalten sind gegründet und bestehen, wie die zu Saint-Servan, daS heißt, ohne zuvor vorhandene Hilfsmittel, ohne feste und sichere Einkünfte, bloß durch Hilfe der Privalwohlthäligkeit und des täglichen Almosens. Jene Liebe hat sie gegründet und erhält sie, die, entströmt dem göttlichen Herzen Jesu Christi, ihre Freude darin findet, an diesem unscheinbaren Werke sich zu betheiligen, um armen Leuten, unsern Brüdern und Schwestern in Christo dem Herrn, die leibliche Pflege zu gewähren, deren sie am Ende ihres Erdenlebens so sehr bedürfen, hauptsächlich aber, um ihnen jenen geistlichen Beistand zu verschaffen, mittelst dessen ihre Seelen wvhl- vorbcreilet und sündenrein zu ihrem Schöpfer zurückkehren. Der Umstand aber, daß alle diese Häuser ohne vorherige Beschaffung von Geldmitteln gegrünvet sind, und ohne alle sichere uud feste Einnahme fortbestehen und gedeihen, ist eine neue Verherr- lichung und laute Offenbarung der göttlichen Vorsehung für unsere Zeit. Die gläubigen Christen sehen sich dadnrch gedrungen, die Vorsehung zu preisen, jene Christen aber, die nicht an sie denken oder nicht an sie glauben, werden durch jenen Umstand fortwährend an das Vorhandenseyn derselben erinnert uud wider Willen davon überführt. DaS Mutierhaus der Genossenschaft befindet sich gegenwärtig zu TourS. Der Erzbischvs beweiset dem Werke eine große Theilnahme und väterliche Fürsorge. Die Gesammlzahl der Schwestern beträgt schon über hundert. Die Genossenschast hat ihre eigenen Regeln und Constitutionen, welche dem Berufe der Mitglieder uud der Aufgabe, welche diese verfolgen, ganz entsprechen. Das eigentliche und unterscheidende Merkmal dieser Regel ist das der Einfalt und, wenn man den Ausdruck gebrauchen kann, das der Kleinheit; nennen ja auch die Schwestern sich beständig die kleinen Schwestern der Armen (^etites-Lovurs cls p-wpres). Sie stellen sich — und darin spricht sich der eigentliche Geist dieser neuen religiösen Familie aus — in jeder Beziehung völlig ihren lieben Armen gleich, schlafen wie diese auf S>rohs.icken und ernähren sich wie diese von den geschenkten Speiseresten. Ein solcher Ge st der Demuth und sich veriäugnendcn Liebe aber har noch immer Großes gewirkt, und wird nicht bloß dem hilflosen Alter nützlich werden, sondern auch unserer selbstsüchtigen, hochmüthigen und genußsüchtigen Zeit einen Spiegel entgegenhalten und einen neuen Beweis liefern, wie besorgt die katholische Kirche für die Armen uud Leidenden ist. (Salzb. Kirchenbl.) Nordamerika. Am 23. Mai wurve zu Quebec das zweite Provincialconcilium der Kirchenprovinz Canada eröffnet. Es waren anwesend: Msg. P. F. Tourgeon, Erzbischof von Quebec, Msg. I. B. Bourget, Bischos von Montreal, Msg. C. Larocque, Bischof von Cybonia i. p. i., Coavjutor des Bischofes von Montreal, Msg. P. Phe- lan, Bischos von Carrha i. p. i., Administrcuor des Bisrhums Kingstown, Msg. Amand, Graf von Charbonnel, Bischof von Toronto, Msg. B. Guigne, Bischof von Bytown, Msg. P. Cooke, Bischof von TroiS-RiviereS, Msg. T. C. Prince, Bischof von Saint-Hyacinlhe, Msg. P. Baillargeon, Bischof von Tloa, Coavjutor des Erz- bischofes v.'ii Qnebcc. Auch R. P. Äiuomn, Provincial der Oblaten, R. R, gelir Martin, Superior der Jesuiten, und der Superior von Sr. Sulpice wohnten dem Concil bei. — Die Fragen über die Erziehung und besonders über die kcttholis^e Universität werden wohl besonders das Concilium beschäftigen. Die Vorbereitungen zur baldigen Eröffnung der katholischen Universität zn Quebec werden in einem großartigen Maaßstabe betrieben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 6. August H'- S2. 1854. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Bonntage. Der halbjährige Abonuementsprei« 40 lr„ wofür e« durch alle komgl. bayer. Poitämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Mariahilf bei Passau. Sey mir gegrüßt, du Kirchlein, Im gold'nen Abendschein, Mit deinen zarten Thürmlein, Hoch in die stifte rein! Hold wie ein trautes Täubchen In letzter Abendgluth Schaust du ins Thal hernieder, Wann d' Vcsperhvmne ruht! Dann gehen bunte Sternlein Bei dir auf treue Wacht; Sie schon'» so treulich nieder Auf dich in stiller Nacht, Und vieler Cng'lcin Schaareu Zu goldenem Gewand, Die steigen dann hernieder, Die Harfen in der Hand. Und singen vor dem Bilde Gar lieblich und gar schön Dem Kinde und der Mutter Mit Harf' und Saitentön'. Schon sproßt der Morgen Blumen, Die Stcrnlein ziehen ab, Der Engel Harf' verstummen, Die Nacht legt sich zu Grab. Da tönt das Glöcklein nieder Ins Thal gar hell und rein, Das klingt so voll und freudig Bis in das Herz hinein! „Dieß sind die Harsentöne, Der heil'ge Morgengruß, Den dir die Eng'lein bringen Als ihren Abschiedsluß! ^!aß diesen Gruß erllingen In deiner Seele fort, Dann hörst du auch ihr Singen Am Himmclsthrone dort." 26. Juni l854. ii — Zur Geschichte der Benedictiner-Abtei Metten in Niederbayern.*) I. Wenn der Reisende ans Flügeln der Dampfkraft von Regensbnrg die Donau hinabführt, nnd ihm die hohen Thürme des allen HerzogssiyeS Slrauliing in der Ferne verschwinden, des Bogenberges wunderherrliche Wallfahrtskirche sich in bläulichem *) Beibl. z. LandSh. Ztg. 2S0 Duste seinen Augen entzieht und daS Schiff an dem so freundlich auf den Strom hereinschauenden Schlosse Offenderg vorbeigefahren ist, — da gewahrt plötzlich sein überraschtes Auge am linken Ufer im Hintergründe einer anmuthigen, durch die beiderseits eine Viertelstunde vom Strome zurücktretenden Vorberge des bayerischen Waldgebirges umfaßten Bucht ein ausgedehntes stattliches Gebäude. Wie aus umhüllendem Blättcrgrün ein verschämtes Maiblümchen, so blickt es lieblich und reizend ans einem Walde schaltender Obstbäume hervor, und die große Kirche mit den zwei kuppelbedeckten Thürmen sagt dem Fremde», daß hinter jenen Mauern fromme, freiwillig von der Welt und ihren Genüssen und Bestrebungen loSgesahte Männer nach der Regel dcS Heiligen von Nursia mir Gebet und Nachtwachen und uneigennützigem Wirken zum Heile der Menschen dem Herrn dienen. Es ist das Benedictinerstifr Metten, welches den Fremden durch seine herrliche Lage am Saume der Waldberge, durch eine Umgebung von seltener Schönheit und durch seine großen, wellberühmten Anstalten für Jugenderziehung unwiderstehlich zum Besuche reizt. Man sieht eS ja diesem Kloster schon von Außen an: eS ist eine Stätte des GlückcS, des Friedens uud der Ruhe, und den Reisenden befällt eine gewisse ahnungsvolle Sehnsucht, eS zu besuche», indem er auch für sich ein paar Stündchen voll Segen und Freude und Trost sich verspricht, und wenn er irgend Sinn hat für die Schönheiten der Natur und der Kunst, für menschenbeglückenve, Segeu verbreitende Anstalten und schöne historische Erinnerungen, so wird er eS gewiß nicht unterlassen, bei der schönen, reizend gelegenen, wohlhabenden, gewcrbsamen Stavt Deggenoorf das Schiff zu verlassen, an lieblichen Anlagen vorbei eine Stunde dem Strome entgegen zu gehen und da die gastliche Klosterschwelle zu überschreiten, hinter welcher die guien Vater ihn mit zuvorkommender Herzlichkeit wie einen alten Freund aufnehmen werden. Ich will hier daS Kloster, seine Lage, seine Einrichtungen und Anstalten nicht beschreiben; der Zweck dieser Zeilen ist nur, einen flüchtigen Blick auf die Geschichte, die Schicksale uud Verdienste dieses gottgeweihien HauseS zu werfen, wobei ich für meine Unlunde um Verzeihung, für meine Mangclhafligkcit um gütige Nachsicht bitte und mich glücklich schätze, wenn ich nur Einem eine vergnügte Stunde gewähre, doch wenigstens Einem einigermaßen entspreche. Der Name deö Klosters, Metten, oder wie es in den allen Urkunden heißt, Melena, Medena, Mebema, Metim, Medm, Medcmum, Melumum, Metcmon, Metmen kommt nach der Menumg des gelehrten Obernltachers Dr, Hcrrmann Scholliner (in der Vorrede der Uonumenw Netensi» in den lVIon. Loio. 1'om. XI. p. 343) von dem perlenrcichen Bache gleichen Namens, der auf den waldigen Bergen, die das Kloster auf der Nord- und Ostseite umgeben, entspringt, durch die Ecwen deS Klosters läuft unv eine Viertelstunde von demselben sich in die Donau ergießt. Mir scheint diese Meinung, welche auch die des Joh. Avenlin <>rm. Kos. I.. IV. p, 294) ist, die annehmbarste, obwohl Andere glauben, daß erst das K>oster dem Bache den Namen gegeben, und wieder andere verschiedene, wohl mehr scherzhafte, als ernstlich gemeinte Ableitungen, wie z. B. von dem griechischen Worte /«xAovol« (Gemeinschaft) anführen. Waß nun weiter den Stifter und die Zeit der Gründung anbelangt, so ist eS nach dem Zeugnisse der lebendigen Volkssage, der ältesten bayerischen Geschicktschreiber und der Klosterurkuuden gewiß, daß Kaiser Carl der Große das Kloster zur Ehre des heiligen Erzengels Michael (Mori. Loie. XI. p. 420. Huncl, Uelrop. Sslisbur^. lom. II. p. 502) erbaut und den seligen Utto als ersten Abt demselben vorgesetzt habe. Als erstes Zeugniß dessen sühre ich an, daß bis auf den heutigen Tag der heilige Kaiser als Stifter im Kloster besonders verehrt und sein Gedächtnißrag alljährlich am 28. Januar feierlich begangen wird. Die besonderen Umstände der Stiftung und das Leben der bei derselben betheiligten Personen schildert am besten uud ausführlichsten der alte Johann Adlzreiter von TetenweiS. <>nri. öoiese Zentis. ?art. I. luli. XVIII. p. 196—198 der Frankfurter Ausgabe von 1710); das Leben des seligen Gamelberr und alle Vorgänge der Gründung sind dort so schön beschrieben, daß ich nicht umhin LSI kann, mich seiner Worte hier getreu zu bedienen, zumal die spätern Erzähler dieser Begebenheiten sich ganz an Adlzreiter halten. Derselbe erzählt am angeführten Orte: „In diese Zeit (ungefähr in die Jahre 760—780) fällt das Leben dcS frommen Gamelbert, welches Wolfgang Seiender, Abt vom Kloster St. WenzeölanS zu Branuau in Böhmen, nach einer alten Handschrift des KlvsterS St. Emeram in RegenSburg beschrieben hat. Gamelbert war zu MichclSbuch in Bayern von vornehmen, reichen und frommen Eltern geboren. Als derselbe in der Schule die Ansan^Sgründe der Wissenschaften erlernte, bestrebte er sich so sehr eines heiligen Lebenswandeis, daß er sorgfällig die Spielereien seiner Altersgenossen vermied. Er besaß die besten Anlagen, einen feurigen Geist, ein edlcS Gemüth, welches nur zu Großem geschaffen zu seyn fchien. Kaum war der junge Gamelbert den Knabenjahrcn einwachsen, als ihn sein Vater schon dem damals bei dem Adel allein beliebten Kriegerstanste widmete, in der Meinung, er babe einen Sohn, der in seiner Ahnen Fußstapfen nach Reichthümern und Ehren trachte. Aber diese Laufbahn entsprach dem sausten Geiste des Knaben so wenig, daß er nicht einmal an den hölzernen Schwcrtchen und dem übrigen kriegerischen Spielzeuge seiner Jugendgefährten Gefallen fand. Der Vater sah mit Unwillen deö SohneS unkriegerischen Sinn, und übertrug ihm die Hut der Hecrde. Der Knabe ergriff dieses Geschäft mit Liebe, weil es ihm Gelegenheit gab, ferne von den häuslichen Unruhen recht ungestört seinem Gotte zu leben. Als er einst mit seiner Heerve auf dem Felde war, geschah eS, daß er einschlief und beim Erwachen auf seiner Brust ein unzweifelhaft von Engelshand hingelegtes Buch fand, ein sicheres Zeichen deS göttlichen Willens, daß er nicht zum Viehhüten, sondern zur Gesellschaft der weisen Männerberufen sey. Ais er von seinem Vater die Erlaubniß erhalten hatte, verlegte er sich auf die Erlernung der Wissenschaften, vorzüglich derjenigen, welche den Geist zu Erkenntniß der himmlischen Dinge fähig machen. Er machte in kurzer Zeit große Fortschritte in der Tugend, lernte die Zunge bezähmen, den eigenen Leib durch Ab- tödtung züchtigen, die Reinheit der Seele in Ehren halten, die Unschuld gegen die Nachstellungen schamloser Weibsbilder bewahren, so daß er die Blüthe der Jungfräulichkeit, von keiner Versuchung vcrsehrt, bis zum letzten Leben«?hauche erhielt. Er erhielt die heiligen Weihen des PriestcrthumS, verlor bald darauf seinen Vater und erhielt bei der Theilung des ErbeS seinen Geburtsort sammt der Kirche, in welcher er nun mit der größten Liebe gegen die Untergebenen allen Pflichten eincS eifrigen Seelsorgers ans das gewisstnhasteste oblag. Von dem Empfange der christlichen Weiden an enthielt er sich mehr als fünfzig Jahre lang von allen Fleischspeisen und vertheilte alle Einkünfte seines reichen ErbeS unter die Armen. Er war von einer so großen Liebe gegen alle, selbst die unvernünftigen Geschöpfe, erfüllt, daß er eingerastete Vögel loSkanfle und ihnen die Freiheit schenkte. Bei unfreundlicher Witterung schick e er seine Leute nie hinanS zur Arbeit, und wenn einer erkrankte, ließ er ihm alle mögliche Sorgfalt angedeihen Als er so bereits siebzig Jahre all war, pilgerte er nach Rom und kam auf der Rückreise an der Gränze von Italien in ein Dorf, dessen Priester eben abwestno war. Als er sich dort ein wenig erholte, brachte man ihm ein eben geborenes Kind zur Taufe; er taufte dasselbe, gab ihm den Namen Utto und ermähnte die Eltern, den Knaben sorgfältig im Christenchume zn erziehen. „Der Knabe, so >ügte er bei, wird einstens mein Sohn und Erbe seyn; schicket ihn also, wenn es einmal sein Alter zuläßt, zu mir, uud damit ihr meinen Aufenthalt nicht vergesset, schreibe ich Euch Ort und Gegend genau auf." Wieder in der Heimal angekommen, verließ er, um für eine kleine Neugierde, die ihn etwa auf seiner Reise befiel, abzubüßen, sein großes und schönes väterliches HauS, bezog eine elende Hütte nahe bei der Kirche, steckte vier Kreuze nach den vier Weltgcgeudcn iu die Erde und überschritt diesen Kreis nie mehr, als einmal, da er schon zum bluligen Kampfe rüstende Feinde trennte und nicht eher entließ, als da sie ihre Freundschaft erneuerten. Bei seinen Untergebenen duldete er keine Uneinigkeiten, und wenn sie auf sein Zureden ihre Zwiste nicht aufgeben wollten, so schenkte "er ihnen die Freiheit mit dem Befehle, das Land zu bebauen, indem er es für gerathener hielt, ohne Diener zu seyn, als 252 solche zu haben, die der Sünde dienten. Als er bereits im hohen Greisenalter stand und seine Leute um einen Nachfolger besorgt waren, vertröstete er sie auf die Ankunft des Utto, die auch wirklich bald erfolgte. Bald darauf starb der selige Gamelbert, mit allen heiligen Sterbsacramenten versehen, am 17. Januar und Utto folgte ihm nach erhaltener Priestcrweihe im Amte nach. Weil jedoch einige der heidnischen Gottlosigkeit zu sehr ergeben (vum c>uc,runclam snimis sltius »clnaererent. likrss pagans«; impietatis) waren *), als daß sie dem Dienste der falschen Götzen entsagt hallen (quam ut a clgemonum cultu clesciscerent), so legte Utto, nicht so fast auS Uebervruß an der Arbeit, als vielmehr aus Liebe zur Einsamkeit und zum beschaulichen Leben, die Bürde der Seclsorge nieder, setzte über die Donan und baute sich eine Biertelstunde von Metten in dichtem Urwald eine kleine, ärmliche Hütte. Hier lebte er, von Niemanden gekannt, bis einstens der Kaiser Carl der Große in der Gegend ja^te und dabei auf den frommen Einsiedler stieß. Als Utto den Kaiser und sein Gefolge erblickte, legte er das Beil, mit welchem er den Wald lichtete, weg, und Carl sah mit Erstaunen, wie dasselbe von einem Sonnenstrahl in der Höhe erhallen wurde. Carl erkannte sogleich in diesem Wunder ein Zeugniß, welches Gott von der Heiligkeit seines Dieners Utto ablegte, und er sagte daher zu demselben, er möchte sich von ihm eine Guade, welche er nur immer wolle, auSbitten. Utto warf sich bei diesen kaiserlichen Worten auf die Erde und flehte um die Erlaubniß, in dieser Gegend ein Mönchskloster mit einer dem Erzengel Michael geweihten Kirche zu erbauen, und er erhielt von dem frommen Kaiser nicht bloß Grund und Boden, sondern auch das zur Stiftung nöthige Geld So entstand eine Stunde von Deggendorf daS Kloster Metten, welches bald zu jener Höhe des Besitzes und der Tugendhaftigkeit heranwuchs, in der man eS heute (d, h. vor zweihundert Jahren) sieht." Diese Erzählung Adlzreilers ist die ausführlichste, die irgend ein Geschichtschreiber von den seligen Männern Gamelbert und Utto und von der Gründung deS Klosters Metten gibt, und sie ist zugleich diejenige, mit der alle andern Geschichtschreiber ganz übereinstimmen. Der Jesuit Brunuer <>nngl, Loio. <Ärt. II. p. 20 Ir-mcos. 1710) stimmt mit jener Erzählung fast wörtlich, Joh, Aventin Onnsl, Kosorum. I., IV. e. 4. p. 294), WiglileauS Hund (Uetrop. SalisburZ, ?om, II. p. 501), Caspar BruschiuS (Uonasteriol, tüentur, II. 1692 p. 20) und Anvere stimmen dem Inhalte nach genau mit derselben überein. Auch daö Bolk in der Gegen» von Metten hat die Ueberlieferung von dem Siedler am Utlosbrnnnen, von der Jagd deS großen Frankenfürsten, von dem Wunder mit dem Beile und alle diese Umstände der Slif- .tung treu bewahrt bis auf den heutigen Tag, und Dr. A. Schöppner hat die Erzäh- lniig in sein .,Sagcnbuch der bayr. Land^" (B. I. S. 29) aufgenommen. Metten ist also, wie auS der urallen Volksüberlieferung, auS den ältesten Urkunden deS SlifteS und auS den übereinstimmenden Nachrichten der Geschichtschreiber gewiß ist, eine Stiftung Carls deS Großen und Heiligen, es ist das einzige Kloster, welches dieser Kaiser in Bayern gegründet hat, und ich glaube diesen ersten Artikel nicht besser schließen zu können, als indem ich den Lesern eine curivse Schilderung des großen Stifters dieses Klosters auS einer Mellcner Handschrist vom löten Jahrhundert (sie führt den Titel „Passional der Heiligen" und ist enthalten in deS gelehrten Mettener Conventualcn Pater Gregor Geyer profnnder „Abhandlung über ein seltenes Siegel Ludwigs deS Deutschen" in den „Abhandl. d. ch.-b. Akad. d. Wissensch." VII. Bd. 1772. S. 326) mittheile, welche also lautet: „Kaiser Charlan was (d. h. war) eines herrlichen LeivS, was seiner Schucch acht langt, die allcrlengst waren, und het groß Arm und Pain, und was stark und het ein Antliz, des wag andcrthalben Spang langk, und het ain Part, deS was ain SchnechS langk, und helt ain Nasen, die waS eines h.ilben SchuechS langk, und sein *) Dieser für Bayerns älteste Cultur- und Kirchcngeschichte so hochwichtige Umstand, dieses Vorkommen heidnischen GräuelS in Bayern gegen das Ende des achten Jahrhunderts, scheint bisher nie recht beachtet worden zu seyn. 283 Testiern was ain praiiter, und seine Augen schienen Im als der Charfunkelstain, und seine Prä waren ihm ein halber span langk, und sein Gürtel waS acht span langk, damit er sich girt, und er was also stark, daß Er ein gewappneten man auf einem Pfert mit seinem Schwert eines StraichS mit Pfcrt und all von dem Haupt von einander spielt pys durch und durch, und vier Eisen, die zerzert Er gar leicht, und hawh (hob) einen gewappentcn Ritter von der Erd bauf byS über sein Haupt." Die Einführung des Ordens der barmherzigen Schwestern i» das Krankenhaus zu Bamberg» DaS Bamberger Volköblatt berichtet hierüber unter andern«: Denke geliebter Leser, in Muten des Krankenhauses eine kleine HauScapelle, geschmückt mir Kränzen, welche Pietät und Dankbarkeit in feinem Sinne den Gründern und Wohlthätern der Anstalt gewunden; am Altare steht ein ehrwürdiger Greis mit Silberhaaren, der hochwürdigste Herr Erzbischof von Bamberg, dessen Namen in tausendfachen Dank- gebcten täglich zum Himmel steigt; er liest die heilige Messe; auf den Knieen liegen um ihn die frommen Ordensschwestern nnd flehen zu Gott um Gnade in ihr.,» neuen Unternehmen. Lautlose Stille herrscht, nur das Gebet des Priesters verherrlicht diese Srille, die auf einmal ein dreifacher Frauenchor durch,iltert. Einfache Melovieen, gefühlt und geglaubt, gebetet und gesungen zugleich, sind sie überirdischen Tönen gleich, die uns in süße Träumereien versetzen. Da steigen sie nun auf die Erinnerungen an die alte Romantik voll Liebe und Glauben, voll Herzseligkeit, Gottvertraucn und Hoffnungssternen. Sie nehmen die heilige Communion die frommen Schwestern und die hohe Hanv des Nachfolgers der Apostel sie spendet selbst das LebenSbrod. ES naht der Segen. Mit ausgestreckter Hand, mit Kraft und Nachdruck, voll feierlichen Ernstes und goitgeweihten Sinnes spricht ihn an derselben Stelle der greise Kirchenfürst, wo ihn sein glkichbeseelter Vorfahre einst gesprochen. „Der Segen des Himmels komme über alle Kranke und Nothlcivende dieses HauseS! Der Herr segne Alle, welche die Aufsicht über dieses HauS und dessen HanShalt führen! Der Herr segne diese hier gegenwärtigen Schwestern der Barmherzigkeit und der Liebe! Wir gedenken zugleich, schloß der hochwürdigste Erzbischof, deS fürstlichen Stifters dieses HauseS, dessen Andenken bei uns immer erhalten bleiben soll, wie in den spätern Generationen." ES war eine ergreifende Scene. Thränen der Rührung, der wonelosen Seele, deS stummen Gebetes, sie rannen heiß über die Wange und einten sich mit den Segensworten deS edlen Dieners Gotics zur hehren Andacht. Nicht minder feierlich, rührend und ergreifend war die Uebergabe der Anstalt zur Wart und Pflege an die Ordensschwestern selbst und bot vielfache ErhebunqS- momente. Der Herr Erzbischof wohnte stehend dem panzen Acte bei. Als eine glückliche Borbedeutung wnrde eS von einem Redner mit Recht bezeichnet, daß der hochwürdigste Herr Erzbischof den hochwichtigen Tag eröffnet und durch seinen Segen eine höhere Weihe verliehen, wofür Namens der Stadt, NamenS der leidenden Menschheit, zu deren Krankenlager daS Echo der Segensworte wie ein lindernder Baisam hin- schweble, und NamenS der barmherzigen Schwestern selbst gedankt wurde. Die Worte deS heiligen Bincenz ?on Paul: „Die Pflege der Armen sey Euer Gebet!" welche er als Stisler an den Orden der barmherzigen Schwestern gerichtet, fanden einen längern Commentar durch den Spitalarzt, der tiefergriffen in wahrhast erschütterter Rede sprach. Bon ergreifender Wirkung waren die ungekünstelten, herzlichen und einfachen Worte, welche der hochwürdige OrdenSsuperior an die Schwestern richtete: „ES ist ein Zieltag heute," sprach er, „ein wichtiger Tag sür die dienende Classe, zu der ihr auch gehört, meine Schwestern! Ihr seyd Mägde, arme Mägde der Armen, arm seyv ihr gekommen, arm werdet ihr bleiben, euer Lohn sey oben!" „Wir danken", wendete sich derselbe an die Versammlung, „wir danken aber nicht mit Worten, sondern mit Werken, 254 und wir hoffen dieß zu können. Die christliche Nächstenliebe in ihrem weitesten Umfange, sie ist unser Feld; Waisen- und Pfründneranst.ilten, Rettuugs- und Armenhäuser und die Spitäler sie sind unsere Herberge; wo Elend und Jammer, Noth und Unglück, da ist unsere Heimat, so lautet unsere Bestimmung." Schließlich erwähnen wir noch der Anerkennung und des DankeS, den der Spitalarzt zweien seiner Wärterinnen zollte, welche er dem Orden zur Beibehaltung vorführte und der Gegenwart des protestantischen Herrn Stadtpfarrers Dccan Bauer, welcher die barmherzigen Schwestern begrüßte und ihnen seine Glaubensgenossen herzlichst empfahl. Die Frau Oberin entgegnete hierauf den freundlichen Worten mit Hinblick auf die Statuten ihres Ordens, wonach allen Kranken ohne Unterschied des Glaubens gleiche Pflege gespendet werden müsse, und versicherte, daß Friedfertigkeit, Toleranz und Verträglichkeit mit ihrer Dankbarkeit gewiß Hand in Hand gehen werde. Es ist bedauerlich, daß Herr Decan Bauer sich abhalten ließ, auch einige Worte, wie er beabsichtigte, zur Feier des Tagei zu sprechen. Dieselben wären gewiß mit großer Freude und Anerkennung aufgenommen worden und hätten noch mehr beigetragen, nach allen Seiten hin daS erhabene Fest als ein Fest deS Friedens, der Nächstenliebe und der Versöhnung zu charakttrisiren, welche nunmehr mit GotteS Hilfe und nach dem Willen deS großen Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal ihre bleibende Wohnstätte in unserer herrlichen und hochberühmten Anstalt aufgeschlagen haben werden. Priesterrache. An der Thüre einer Kirche in Paris fand sich schon seit einer Reihe von Jahre» täglich ein alter Bettler ein, den man unter dem Namen deS „alten Jakob" kannte. Er Pflegte sich auf einen Tritt vor der Kirche zu setzen, um sein Almosen einzusammeln. Er saß da traurig und finster, sprach fast nie und nickte nur zum Danke, wenn man ihm etwas reichte Ein vergoldetes Kreuz sah man auf seiner Brust, wenn die Lumpen sich ein wenig bei Seite schoben. Ein junger Priester, Paulin mit Namen, pflegte in derselben Kirche die h-ilige Messe zu lesen und unterließ nie, dem armen Jakob seine kleine Gabe zu reichen. Von einer reichen und adeligen Familie entsprossen, hatte er sich als Priester Gott ganz geweiht und legte sein ganzes Vermögen in den Schloß der Armen und Unglücklichen. Ohne ihn weiter zu kennen, liebte der alte Jakob ihn sehr. Eines TageS sah Paulin den alten Jakob nicht mehr an seinem gewöhnlichen Platze und bemerkte, daß er längere Zeit hindurch nicht mehr erschien DaS beunruhigte ihn und machte ihn um seinen alten Schützling besorgt; er erkundigte sich nach seinem Aufenthalte, und eines Tages nach der heiligen Messe nahm er seinen Weg der Wohnung deS Allen zu. Er klopfte an die Thüre deS Dachstübchens; eine schwache Stimme antwortete; er trat ein und fand Jakob — krank in seinem Bette odcr vielmehr ans seinem elenden Lager, bleich mit erloschenem Auge. ,,^!ch! sind Sie das, hochwnrdigcr Herr?" rief er, als er den guten Priester erkannte. „Sie sind ja sehr gütig, zu einem so elenden Menschen zu kommen wie ich bin. DaS verdiene ich nicht." „Was sagst du, Jalob," antwortete Paulin, „weißt du nicht, daß der Priester der Freund der Unglücklichen ist? UebrigenS," setzte er lächelnd hinzu, „sind wir auch noch alte Bekannte." „Ach, mein Herr! wenn sie wüßten . . . wenn Sie mich kennten . . . wahrhaftig, sie würden nicht so mit mir sprechen! . . . Nein, nein, sprechen Sie nicht so gütig mit mir; ich bin ein Elender .. . von Gott und Menschen verflucht. . . ." „Von Gott verflucht? was fällt dir ein? Ach, armer I lob, sprich doch solche Dinge nicht; wenn du Uebels gethan hast, so bereue es und beichte; Gott ist ja die Güte selbst, dem Reuigen verzeiht er Alles." „Ach nein! mir, — mir wird er nicht verzeihen!" „Nun, warum denn nicht? Hast du etwa keine Reue?" „Ob ich Reue habe! ob ich Reue habe!" schrie Jakob laut, indem er sich erhob und verstörten Blickes umhersah. „Ob ich Reue 255 habe! — Ja, ja, ich bereue eS — dreißig Jahre bereue ich eS . . . und dennoch bin ich ein Verfluchter. . . ," Der gute Priester suchte ihn zu trösten und zu ermn- thigen, aber vergebens. Ein schreckliches Geheimniß lag in der Tiefe seines Herzens verborgen und die Verzweiflung hinderte den Unglücklichen, sein Verbrechen zu offenbaren. Endlich jedoch, durch das sanfte und gütige Zureden des Priesters überwunden, entschloß sich der unglückliche Jakob und erzählte mit halb erstickter Stimme Folgendes: „Während der blutigen Revolution im vorigen Jahrhundert hatte ich die Aufsicht über ein Schloß einer reichen Familie. Meine Herrschaft war die Güte selbst . . . der Graf, die Gräfin, ihre beiden Tochter und ihr Sohn. . . Ich verdankte ihnen Alles: meine Stellung, meine Erziehung, und den guten Tag, den ich bei ihnen hatte. . . AIS aber die SchreckenSregicrung kam . . . da . . habe ich sie — verrathen! Sie waren versteckt, ich wußte, wo! . . Ich zeigte sie an, nm ihre Güter zu gewinnen, die man den Angebern verhieß . . Und — sie wurden zum Tode verdammt, Alle bis auf den kleinen Panlin, der noch zu jung war." Hier schrie der Priester unwillkürlich laut auf und der kalte Schweiß rann von seiner Stirn. „Ach Herr, fuhr der alte Bettler, der die Aufregung des Priesters nicht bemerkte, fort, eS ist schrecklich! ich hörte ihr TodeSurlheil mit an, sah alle vier auf den Karren werfen, sah — ach mein Herr! sah, wie ihre Köpfe unter dem Mordbeil vom Rumpfe fielen! Ungeheuer, der ich bin! Und seit dieser Zeit habe ich weder Ruhe noch Rast. Ich weine, ich bete für sie. Ich sehe sie täglich vor meinen Augen. Sehen Sie, da sind sie, unter dieser Leinwand. . . ." Indem er dieß sagte, zeigte er mit zitternder Hand ans einen Vorhang, der einen Theil der Mauer verschleierte. „Dieß Kreuz, was Sie an meinem Bette sehen, war baS vom gnädigen Herrn. . . . Dieß kleine goldene Kreuzchen, was ich bei mir trage, trug ehedem beständig die gnädige Frau. . . O mein Gott! welch ein Verbrechen! welch ein Entsetzen! welch ein ReueschmcrzI Ach, hochwürdiger Herr, haben Sie Mitleid mit mir! stoßen Sie mich nicht von sich! beten Sie für mich, den größten Verbrecher und den Unglücklichsten der Menschenkinder!!!" Der Priester lag neben dem Lager auf seinen Knieen, blaß wie der Tod. So blieb er fast eine halbe Stunde. Dann stand er auf voll Ruhe, machte das Zeichen deS heil. Kreuzes und zog den Vorhang hinweg und sah zwei Porträts. . . . Jakob stieß einen Schrei aus, als er sie sah und warf sich auf sein Bett zurück. Der Priester weinte. „Jakob", sagte er mit bebender Stimme, „ich werde dir von Seite GotlcS Verzeihung bringen; ich will deine Beicht hören." Mit diesen Worten setzte er sich neben das Bett und der alte Jakob beichtete, Ais der Sterbende zu Ende war, sagte Paulin zu ihm: „Jakob, der liebe Gott hat dir verziehen; aber daö ist noch nicht Alles, auch ich verzeihe dir ans Liebe zn ihm. Denn die du zum Tode gebracht hast, waren . . . mein Vater, meine Mutter und meine beiden Schwestern!!" Dem Jakob standen die Haare zu Berge, er öffnete seine Lippen, stammelte einige unverständliche Worte — er sank auf sein Betr. Der Priester trat näher. Der Bettler war todt. Etwas aus dem Kapitel über christliche Lebens-Anschauungen. AuS Niederbayern. In jedem ächten Bauernhanse gilt das Brod eigentlich und zunächst als Gabe GotteS. Wie das Leben selber für ein Geschenk GvlteS angesehen wird, eben so wird auch das Brod, weil eS das allgemeinste und vorzüglichste Lebensrnittel ist, als eine Gabe GotteS verehrt. Nicht allein in jenem allgemeinen Sinne, in welchem auch Gräser und Kräuter und alles Erschaffene Gaben GotteS heißen; sondern in einem viel höheren und ausschließlicherem Sinne wird daS Brod als solche verehrt. Schon die kleinen Kinder werden angehalten, daS Brod so zu verehren. Wenn ein Bauernkind irgend eine andere Speise verschmäht oder auSschlägt, so wird eS auf seinem Willen belassen; wenn eS aber Brod verschmäht, so wird ihm 256 das als eine Verunehrung GotteS ausgelegt. Wenn ein solches Kind in seinem Unverstand etwas Anderes wegwirft, und wäre eS selbst ein Geldstück, so wird eS ob seines Unverstandes verlacht. Wenn eS aber ein Stücklein Brod wegwirft, so wird eS wie wegen Verletzung einer religiösen Pflicht bestraft. Auö religiöser Scheu nimmt sich ein Banernkind in Acht, daß ihm keine Brosamen auf den Boden fallen oder liegen bleiben. Zu dieser Werthschätzung des BrodeS sind die alten, frommen Bauersleute wohl dadurch gekommen, weil sie bemerkten, daß der Erfolg beim Getreidbau zum größten Theil der freien Thätigkeit des Menschen entrückt und der Fügung oder Zulassung Gottes vorbehalten sey. ES ist schon in manchen Jahren Getreide genug aus den Feldern gestanden und doch im Lande Noth gewesen, weil dem Körnlein die nährende Kraft vermindert zu seyn oder ganz zu fehlen schien. Wieder in andern Jahren steht ohnehin schon wenig auf den Feldern, obgleich der Bauer im Bestellen deS Feldes an Fleiß und Arbeit nichts hatte fehlen lassen. DaS Meiste und Wichtigste hängt also hiebei offenbar von dem Segen und Gedeihen ab, welches Gott gibt. Daher gilt dem Bciucr Getreide und Brod zunächst und eigentlich als Gottes Gabe. Und gewiß ist diese Werthschätzung eine christliche. Ein entschiedener Gegensatz und Widerspruch gegen diese Werthschätzung ist aber darin zn finden, wie unsere Zeitungen ihre Ernteberichte bringen. Ohne Vertrauen auf Gott, ohne Gebet zu Golt sprechen sie zuvor schon ihre Hoffnungen, Erwartungen oder Befürchtungen auS; ohne Danksagung gegen Gott berechnen sie darnach die Brodpreise; kurz: Getreide und Brod sind ihnen Handelsartikel, nicht mehr uud nicht weniger, und stehen in keinerlei Beziehung zu Gott. So gewiß nuu jene Werlhschätznng der Bauersleute als eine christliche gelten muß, eben so gewiß verdient diese Berichterstattung in den Zeitungen als unchristlich bezeichnet zu werden. Damit wollen wir jedoch keineswegs irgend einem Berichterstatter oder einem Redacteur die Absicht unterschieben, als wollten sie unchristliche Ansichten verbreiten. Vielmehr ist anzuerkennen, daß hierin nur ganz unvermerkt, und in so weit schuldlos, der christliche Sprachgebrauch und die christliche Anschauung der unchristlichen gewichen ist. Im öffentlichen Leben hat man sich nämlich ganz gewöhnt, überall von der Sache ab und nur auf ihren abstracten Geldwerth hinzusehen. Nirgends gilt die Sache als Sache, sondern nur nach ihrem Geldwerth. In Geld sind die Besoldungen der Beamten angesetzt; Geld ist der erste und nächste Erwerb der meisten Städter; die Männer des Kapitals und der Industrie rechnen durchaus nur u. ch Geld und treten auf keiner andern Grundlage mit dem Landinann in Verkehr; selbst die Reichnisse, welche der Bauer zu geben hatte, wurden beseitiget und in Geld ve> wandelt. So hat sich daS Geld auf den ersten Platz hinaufgeschwungen; Gelreid und Brod aber stehen nach und unter dem Gelde. DaS Gels ließ sich uicht mehr so unmittelbar als eine Gabe und Geschenk GotteS behandeln; und hinwiederum Getreid und Brod, nur mehr auf der zweiten Sluse stehend, schienen auch ihrer Würde entsetzt zu seyn. Man sprach von Getreid und Brod als von Handelsartikeln und Gegenständen der Spekulation, weil die ganze Richtung der Zeit dieses so mit sich brachte; und die Eigenschaft des Getreioes, nächste und eigentliche Gabe Gottes zu seyn, kam unvermerkt außer Acht. Wir fühlen uns jedoch in unserm christlichen Glauben gedrungen, gerade ans diese Eigenschaft des Getreides und Brodes wieder aufmerksam zu machen. Und die Zeiten, in denen, ohngeachtet des alljährlichen JnbelS in den Zeitungen über Reichthum und Ueberfluß, doch Noth und Theuerung im Lande ist, könnten yiezu ebenfalls anleite». Gewiß, wenn wir die Gabe GotteS wieder einmal als göttliches Gnadengeschenk schätzen lernen und nicht eher, wird unS Gott auch wieder Segen und Gedeihen dazu geben. Und diese Werthschätzung sollte auch in Ernteberichten und dergleichen ihren LiuSdruck finden. (Bayer. VolkSbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Scheuche». Verlags-Inhaber: F. C. Kren,er. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt dü? -nclii. sp',Z> ml ^nutin-jSttK vir/?ni„vü,^ h«!Utt.,y'»>S ,:>k!!>- ."zwrü- -. l) »I'W ,c<'UliÄ 7)(! ^ltt 57Zit»Il',ll»tw!F d»Ä 7?7) ^/laiiw^ll.^.t sj'iuökttiM 7.7-1, ,(I,M 13. August AtZ. 1854. 6nu lI7"^lti<7.ir^ Ml'NIl I SlIU 7)UlZ>l 7^,-it) -ii!'l)I ch^it Woher denn aus soll man die Weisheit finden? Und wo ist des Verstandes Ort? Gott kennt den Weg zu ihr, Nur er weiß ihren Ort. Er blicket bis zum End der Erd' hinaus, Schaut uutcr allen Himmcln weit umher. mAnnV II'<4 n»v >-,i!>'dj!ück 7iSHlqBch.n?«j!S ' ltl>M>e">n! »Ii't Und als dem Wind er zuwog ftln Gewicht, Und er den Wassern gab ihr Maaß, Und ordnete-dem Regen sein Gesetz, Und zog den Ungewittern ihre Bahn: oilll »,,NU77lIZU: ZI? Ml ,sMN»»M7S ,N?77» sprach zum Menschen: .Dir ist Furcht des Herrn Weisheit! Das Kose meiden, das sey dir Verstand." Hiob. 28. Unter den epochemachenden Ereignissen der Weltgeschichte hat die Stiftung und Verbreitung unserer heiligen Religion die Forschungen profaner Schriftsteller des vergangenen vorzugsweise philosophischen Jahrhunderts nicht wenig beschäftiget, und man muß zum Lobe der auc^gezeichnelsten dieser Forscher gestehen, daß sie, wie es Gibbon iu seiner Geschichte des Verfalls und Untergangs deS römischen Weltreichs gethan, erstaunt über die Glant enSkrast ihrer ersten "Bekcnner und angezogen von den Thaten und Le den ihrer Heiligen, die Göttlichkeit deS Stifters und die Himmels- Abkunft seiner Lehre fast unwillkürlich zu erkennen schienen, und wenn sie auch aus ihrem Slandpuucc eS nicht vermochten, die Glaubensartikel und Mysterien der Kirche zu vertheidigen, doch weit entfernt waren, sie zu lästern und zu verspotten. Hielten sich andere Anhänger dieser Schule, welche das Princip der Zweisel- sucht (Skepticismus) in die historische Forschung einführte, für berufen, ihre Wiyes- funken in das Heiliglhnm nnserer Religion zu tragen, so standen sie wie der Jüngling vor dem verschleierten Bilde zu SaiS, und es galt auch ihnen das Wort deS DichterS: „Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld; Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sehn." 238 Vorlängst der Vergessenheit verfallen sind die GeisteSkinder jener Zweifler, welche mit den Waffen der Kritik die Geschichte des Christenthums angegriffen, indem sie seine göttliche Sendung bestritten, seine wunderbare Ausbreitung, den Sieg über das Heidenlhum und die alte Welt aus einer natürlichen Verkettung der Zeitverhältnisse herleiteten und die Triebfeder des Flammeneisers und der Hinopferung seiner frommen Glaubenshelden in der menschlichen Eitelkeit unv Ruhmbegierde erblickten. Diese Angriffe, welche die durch die Reformation dem Autoritätsglauben entwachsene Neuzeit gegen die Lehren und die Geschichte deS Christenthums richtete, waren mehr wegen ihrer Anmaßung tadelnSwürdig, als daß sie geschickt waren, Triumphe selbst nur über die Confessionskirchen zu erringen. Hier erwehrte man sich der Freidenker uud ihrer Doctrinen durch strenge Glaubensformeln, welche den Predigern und dem Volke die Norm der Lehre und des Glaubens vorschrieben. Da erhob sich noch einmal der Lügengeist, ärger denn vorher, und stürmte mit den der Rüstkammer der Hölle entnommenen Waffen des Hohnes und Spottes gegen die alte Kirche los. Es war das Zeitalter des VoltäraniSmuS und der Encyklopädie, das Frankreich, das Land des Witzes und der Mode, zur Wiege hatte, aber auch in Deutschland an einem großen Könige und vielen Gleichgesinnten seine Verehrer gefunden hat. Noch lebte aber der gute alte Gott, der nicht lange sich höhnen und spotten ließ. Ein Blutgcricht, fürchterlicher als je eineö, das über ein Volk erging, am blutigsten in der Metropole deS Wahnwitzes und der Gotteslästerung, decimirle die vornehme Gesellschaft. Ihre Häupter sanken unter den Händen des souveränen Volkes, dem sie Aergerniß in Unglauben und Schande gegeben; ich sage lieber unter dem Wort deS strafenden und rächenden Gottes, dessen allmächtige Politik auch zuließ, daß später noch ein deutscher Großstaat, die Schöpfung jenes großen Königs, welcher dem französischen Götzen opferte und seinen Hohenpriester hätschelte, von den Streichen des fränkischen Eroberers zusammenbrach. Wohl so hat die philosophische Phrase ihre Wahrheit: Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Gestatten Sie, meine Herren, diese Erinnerung an die Verirrungen und Leiden eines jetzt zur Ruhe eingegangenen Geschlechts — es zählt wenige mehr unter den Lebenden —; vierzig Friedens- und Segenöjahre haben sie dem Gedächtniß der Söhne und Enkel entrückt. Mit dem Verschwinden der sichtbaren Spuren jenes Gottesgerichts scheint all- mälig auch der Glaube an eine döhere Fügung solcher Katastrophen von Großen und Niedrigen zu weichen, das Gefühl der Abhängigkeit des endlichen Geschöpfes von dem unendlichen Gotte, der innigen Beziehungen beider zu einander unbehaglich zu werden. Darf auch der Unglaube und GotteSsrevcl nicht keck und unverhüllt heraustreten — daS wäre polizeiwidrig —; so wird der aufmerksame Beobachter, welcher die Gesinnungen nicht nach den gleißenden Formen äußerlicher Schicklichkeit beurtheilt, sich keiner Täuschung hingeben, und wer kann sich einer schlimmen Ahnung erwehren bei der Erinnerung an die Auöbrüche der Vermesseuheit in jenen Tagen, als der Sturm über das morsche StaatSgerüste hinbrausle, oder beim Anblick der gräßlichen Verbrechen, welche unsere Jugend in die Kerker und auf daS Schaffst liefern! Jedes Zeitalter bei den Culturvölkeru trägt einen gewissen allgemeinen Charakter. Nicht dem Born der Phantasie oder den Tiefen deö Gemüths entsteigen die Schöpfungen der Jetztzeit. Der Mensch hat sein Inneres sich selbst und Andern verschlossen, den Schlüssel zu sich genommen, und lebt ganz in und für die Außenwelt. Um da sein Glück zu machen, braucht er nur seinen Kopf, und geht'S mit rechten Dingen nicht, geht's — eine Zeitlang wenigstens — mit unrechten. Die Regel, auf welche Gott die Ordnung im Leben deS Einzelnen und der Völker gegründet hat, beruht aber auf einem gleichmäßigen Gebrauch der Seelenkräfte; 239 der menschliche Wille darf nicht allein das Gesetz von den Berechnungen deS Verstandes empfangen. Wir fürchten nicht, ob dieser Andeutung unsers GesellschaftSzustandes den Vorwurf zu scharfen Tadels auf uns zu laden. Gar manche Erscheinung, welche wir so häufig beklagen und sonst vergebens zu erklären suchen, hat ihren letzten Grund in dieser Zeitrichtung. Was leitet denn zu unserer modernen Erziehung in Familie und Schule, welche den möglichst großen Kreis deS Wissens als den höchsten Zweck deS Unterrichts betrachtet, und Gift von Gift den Stolz mir der Oberflächlichkeit der Nielwifserei in die frühreifen Jünglinge pflanzt? Wem entspringt diese Leidenschaft im Erwerb und Genuß zeitlicher Glücks- güter; diese Herabstelluug deS Individuums auf den jeweiligen CurSwerth dessen, was eS besitzt, oder mit Kopf und Händen seinem Brod- und Arbeitgeber zu nützen vermag? Woher dieses Ausspüren der Natur und ihrer geheimen Kräfte ohne Aufschwung deS forschenden Geistes zu seinem und ihrem Schöpfer; woher diese Vergötterung der Leistungen für daS materielle Leben und die Gleichgiltigkeit für die höhern Interessen der sittlichen und religiösen Volkspflege? Woher endlich die affectirte Geringschätzuug und die Vornehmthuerei gegen jede religiöse Anschauung; diese sinnliche Auffassung im Reiche der Kunst und Wissenschaft, und — was ist das Tagesgeschrei nach geistiger Freiheit als der Ausdruck deS innern EmancipationSprocesseS, wo der menschliche Geist der Verbindung mit dem Göttlichen und Ewigen sich zu entäußern sucht? Zwei Erscheinungen sind cS in der heutigen Staatsgesellschaft, deren Gefahren für diese auch dem blödesten Auge offeu liegen, deren Ergründuug und Beseitigung daher Männer vom Fach ernstlich beschäftigen mußte. Es ist die Ueberhandnahme der Verbrechen und die steigende Verarmung, beides bis herauf in die höhcrn Schichten der Gesellschaft. Es bedarf in der That nicht einer tiefern Einsicht, um den Ursprung und den innern Zusammenhang dieser Plagen unserer Civilisation zu erkennen. Beide sind Töchter derselben Mutter — der Irreligiosität, der sittlichen Verkommenheit und der Abwendung des Menschen von Gott. Und doch sucht mau die Quelle dieser Leiden wieder nur auf der Oberfläche: sieht den Ursprung der Verbrechen in der Neigung der Jugend zur Mißhandlung der Thiere, unv schreibt über die brennende Frage des PauperismnS — gelehrte Abhandlungen. Wir stehen heute, am Feste des heiligen Vincenz von Paul, unsers Vorbildes in christlicher Milde und Barmherzigkeit, wieder zusammen vereiniget und gestärkt im Ausblick zu Gott, und darum unbeirrt und nnenlmuthiget durch die Verirrungen und Gefahren der Zeit; wir stehen auf dem Boden unserer heiligen Kirche, des ChriftuS- felftnS unv Ecksteins, den die Bauleute verworfen haben. Dieser Verein, in seiner einfachen Gestaltung, seinen Verbindungen und Bestrebungen, erinnert an ähnliche Einrichtungen der ersten Christengemeinden, wie sie diese in ihren Grundzügen schon von den Aposteln empfingen. Jene christlichen Anstalten zur Linderung der leiblichen und geistigen Nolh, wer kennt sie nicht nnd ihre Segnungen, welche sie über die Welt verbreiteten? Sind sie auch, diese köstlichen Früchte deS milden christlichen Sinnes, einer wahnwitzigen Aufklärung zur Beute geworden, noch steht der Weitschattende Baum, der aus dem Senfkorn erwuchs, unberührt von den Stürmen der Zeit, noch lebt das Wort der Chri- stuölehre und suhlt manches katholische Herz warm für das Elend seiner Brüder. Auch unser streng katholischer Verein — vergessen wir des Zeichens nie — ist unter dem Scharten jenes BaumeS groß geworden; groß auS kleinen Ansängen nnd mit geringen Mitteln, groß ohne den Beifall und die Unterstützung der Mächtigen, lange nur bekannt der Armuth, deren Thränen er jetzt in fast allen Ländern der Erde trocknen hilft. Ja, Gottes Segen und Wohlgefallen ruht sichrbarlich auf diesem Verein! 260 Sie werden, hochgeehrte VereinSbriider, in diesem Gedeihen unser? geringen Wirkens eine Erfüllung der Verheißungen des Gottinenschen erkennen, der auch hierin nur seine Kirche, welche er hieniedeu an seiner Statt zum Schutz und Trost der Ariiien eingesetzt hat, verherrlichen will. Freuen wir nnS daher im Gefühle der Demuth, unserer, der von vielen ihrer Kinder verkannten Mutter dienen zu können, und danken wir mit ihr für den Beistand des Himmels, der unser schwaches Bemühen gckräftiget und gesegnet hat. Dank auch jenen katholischen Männern Frankreichs, die, groß und fromm wie die BossuetS nnd FenelonS, das Sühnopfer auf den Altar ihres Vaterlandes trugen und die ersten Steine zum Tempelbau christlicher Barmherzigkeit sammelten. Sie hatte der Geist Gottes erfüllt, daß sie das Elend der Gesellschaft bis in die Tiefe seines Wesens geschaut und Hilfe gesucht, ivo Sein Wort ist: Ich werde bei euch bleiben bis an's.Ende der Zeiten. Im Kreis der Kirche ist der Mittelpunct des innern Lebens der Verbrüderung des heiligen Vmcenz von Paul; dort empfangen wir die Heiligung, Stäikung und daS katholische Bewußtseyn, welche sie für unsere Mission befähigen. Außen aber in der Welt ist die Armuth; da der Acker, wo die reiche Saat des Unkrauts wuchert und der gute Samen ausgeworfen werden soll. In der Welt, in den Verhältnissen der Gesellschaft kann der Blick des Hilfebringenden leicht sich verirren. Unsere Zustände find nickt so einfach und durchsichtig wie vor Alters; nicht selten deckt eine schmucke Verhüllung den innern Schmntz, und niemals war man so weit in der Kunst, die Lüge unter dem Schein der Wahrheit zu verstecken. Die allgemeinen Erscheinungen in der Gesellschaft geben häufig einen Fingerzeig zur Deutung der Zustände in der Familie; hier und dort tritt aber die Bedeutung der religiösen Frage von Tag zu Tag mehr in den Vordergrund. ES war bei dieser feierlichen Veranlassung, daß Ihnen, meine Herren! die genannte Frage innerhalb ihrer Beziehungen mit dem Geiste und den Zwecken unsers Vereins in den gegenwärtigen Betrachtungen vorgeführt wurde. Ein Gedenkblatt aus der Geschickte dcS erst philosophirenden, dann frech läng- nenden nnd umstürzend-n MenschenpeisteS — sollten sie das Charakterbild entrollen eines anS der Revolution erwachsenen Geschlechts; sie sollen warnen vor den Gefahren der religiösen und dadurch unser Volk bedrohenden nationalen Verflachung; sie sollen aber auch Zeugniß geben von der Gewalt der in unserer von Gott gesetzten Kirche wohnenden Liebe und von der Lebenskraft der Pflanzungen, welche ihrem Mutter- schooße entsprießen. Zur Geschichte der Benedictiner-Abtei Metten in Ntederbayern. II. Haben wir im letzten Artikel von dem Gründer deS Klosters Metten gehandelt und dabei wegen der völligen Uebereinstimmung aller Nachrichten leichte Arbeit gehabt, so ist die Bestimmung des Jahres der Stiftung, womit wir uns heute vorzugsweise beschäsiigell, weaen der großen Divergenz in den Angaben der Geschichtschreiber um so schwieriger. Dennoch glaube ich, daß auch iu diesem Labyrinthe widersprechender Behauptungen eine aufmerksame, überlegte Erwägung und Vergleichung der verschiedenen Angaben bald den Ariadnefaden an die Hand geben werde, der nnS auf sichcrem und kurzem Wege zur Wahrheit geleite. Vor Allem müssen wir unS bei dieser Untersuchung wieder ins Gedächtniß rusen, was wir im vorigen Artikel berichtet, daß nämlich Kaiser Carl der Große selbst in die Gegend von Metten gekommen, wo er aus der Jagd den heiligen Ulto getroffen und ihm Erlaubniß und Mittel zum Baue eines Klosters gegeben habe. Da wir nun aus dem Leben des großen Kaisers wissen, daß er im Jahre 792 zum ersten Male in diese Gegend kam, so hätten wir in dem Jahre 792 den einen Markstein, vor welchen die Gründung des Klosters nicht verlegt werden kann. Carl der- Große hatte nämlich das Weihnachtsfest 791 in WormS 261 gefeiert und da beschlossen, mit größerer Macht, als bisher geschehen, den Feldzug gegen die in daS Reich eingefallenen Avaren zu eröffnen und diese ewigen Feinde aller Cultur aus der Zahl der Völker zu tilgen. Sachse», Friesen und Thüringen mar- schirten im nächsten Jahre unter Anführung deS Grafen Theoverich und des Kammerherrn Megiufried auf dem linken, Carl selbst mit den Alemannen und Franken auf dem rechten Ufer der Donau hinab gegen daS feindliche Land, während die Bayern auf Schiffen im Strom Mnnilion und Proviant nachführten. Auf diesem Zuge wurde in der Nähe von Metten eine Schiffbrücke über die Donau gelegt und die Meinung deö Pater Hermann Scholliner, daß Carl, während er den Bau derselben leitete, sich in den nahen wildreichen Unvcüdungen mit Jagen die Zeit verkürzte und bei einem solchen Ausflüge den frommen Utio traf (a. a. O. S. 344), scheint mir nicht unwahrscheinlich. Doch auch dieß dahingestellt, so bezog ja Carl nach glücklicher Beendigung deö FeldzugeS mir seinen Franken in Bayern die Winterquartiere und wurde nun durch die Ketzerei zweier Spanier, des Elipand und Felir, eine gegen sein Leben angesponnkne Verschwörung, den Ban einer nencn Schiffbrücke über die Donau und die Arbeiten an dem großen Rhein-Donaukanal zwei volle Jahre in unserm Lande zurückgehalten (Herbst 792 bis 794), in welche Zeit man die Kloster- grünvung ebenfalls, jedoch augenfällig mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit, unterbringen könnte. Im Jahre 794 zog Carl gegen die neuerdings empörten Sachsen und kam in diesem Jahrhunderte nicht mehr nach Bayern. Den Avarenkrieg beendigte sein Sohn Pipin; Carl aber zog im Herbst deS JahreS 800 nach Rom, wo er am Weihnachtsfeste die Kaiserkrone empfing und erst im Sommer deS folgenden JahreS 801 nach Frankreich zurückkehrte. Ich habe diesen Abstecher für nothwendig erachtet, um den Leser in den Stand zu setzen, selbst über den Stand der Frage zu urtheilen, und kehre nun wieder zn meiner Untersuchung zurück. Vor Allein ist nun nöthig, den zweiten Markstein zn setzen, über welchen hinaus das Jahr der Stiftung nicht mehr gerückt werden darf, und diesen Gränzstein liefert mir der gelehrte Jesuit Andreas Brunmr in folgender Stelle: „Diejenigen, welche den Ursprung deS Klosters Metten iu spätere Zeilen heraufrücken, werden leicht durch den Umstand widerlegt, daß drei Urkunden ausdrücklich anführen, die Klosterstistung sey vor Carls Kaiser krInnung (Larolo nondum lmvörsloi-L), also vor dem Jahre 800, geschehen" (^nn»I. öoiv. II. p. Zu). Somit hätten wir zwei Gränzsteine, die einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren einschließen, von 792 oder 791 (denn daS Jahr jenes oben erwähnten FeldzugeS des Frankenkönigs gegen die heidnischen Avaren wird von Verschiedenen verschieden angegeben, Andreas Buchner z. B. entscheidet sich für daS Jahr 792, Lorenz Westenrieder für 794) bis 800, welcher Zeitraum jedoch durch die schon obeu angeführte Bemerkung, daß sich Carl von 794 bis zu seiner Kaiserkrönung nie mehr in Bayern befand, schon auf zwei oder drei Jahre zusammenfällt. Cs bleibt, uns noch übrig, nach dieser Richtschnur die Angaben der Geschichtschreiber zu beurtheilen, »ud sie, wo möglich, mit einander in Einklang zu bringen, wobei wir natürlich nur die anerkanntesten Forscher, deren Namen am meisten bestechen, und denen am häufigsten nachgebetet wird, berücksichtigen können. Den wahrheitsgetreuen Bruuner haben wir bereits vernommen; Aventin Onrml. Lo^j. I.. IV. p. 294) gibt das Jahr 790 an, welches nach allem bereits Gesagten nicht besteh,» kann und unS wenigstens um ein Jahr näher gerückt werden muß; wie aber vollenrs A. W. Ertl (churb. AtlaS, II. Thl. S. 186) sagen kann: „Metten soll Carl der Große nach Aussage Avcntini im Jahre 88? (!!) erbaut haben", bleibt mir immerdar unbegreiflich. Dem Aventin gegenüber am andern Markstein, oder vielmehr ebenfalls um ein Jahr jenseits desselben steht zuerst der bekannte ^nelress Kütisbonsrisis, ein regul. Chorherr aus der ersten Hälfte deS löten Jahrhunderts, der in seinem geachteten „Llironieum Ououm Kavgrmo" daö Jahr 801 als das Jahr der Gründung nennt, welche Meinung auch der gelehrte WignläuS Hund aus Stcinach (Metmp. Sglisb. I. II. p. 501) adoptirt. Dem HnndiuS pflichtet nun auch Joh, Adlzreiter l>rin. öoic ßent. ?. I. I.. XVIII. v. 198) bei, indem er seine Angabe der Wahrheit näher nennt, 262 als die Meinung BninnerS. Auch Joh, Heinrich v. Falckenstein (vollst. Historie des HerzogthumS Bayern. II. Th. s. voee Methen), ?. AgnelluS Kandier (^rnulptius mkile Nslus eizZnominiiws lVIonaeü. 1735 p. 106) und neulich Dr. Schöppner (Sagenbuch der bayr. Lande. 1352. I. B. S. 29) nehmen auf Hund'S Gewähr hin das Jahr 801 an, wie denn auch Bruschius (Suppl. Kruseb.. s. Lent. II. 1692 p. 20) von dieser Nachbetern nicht ganz frei zu seyn scheint, da er sagt, um daS Jahr 800 sey mit dem Bau deS Klosters begonnen worden. Wenn BruschiuS dieses sein eirca nicht bis 794 zurückschieben läßt, so ist eS durch das Wörtlein „begonnen" (kongtrui coepit) ein rein heilloser Irrthum, während sich die Nachricht des Hund und seiner Nachbeter noch recht wohl verbessern läßt. Der gelehrte Mettener Bibliothekar ?. Gregor Geyer hat zuerst durch eine gluckliche Conjectur die Angaben deS Wiguläus Hund und AventinS in Einklang gebracht und Herrmann Scholliner hat ihm in der Vorrede zu den Uon. Uet. (a. a. O. S. 344) verdienten vollen Beifall gezollt. Geyer hat nämlich (eigentlich halte eS schon Adlzreiler a. a. O. gethan, wo er sagt: „Wenn auch immerhin der Bau deS Klosters begonnen wuche, da Carl erst römischer Patrizier und noch nicht Kaiser war, so konnte ja doch die Einsetzung UttoS sich bis in daS Jahr nach Carls Kaiserkrönung verzögern") einfach den Aventin als von dem Beginne, den Huudius als von der Vollendung deS Werkes redend aufzufassen gerathen und so mit einem glücklichen Wurfe die diScrepauten Zeitangaben aus die befriedigendste Weise vereinigt, so daß wir in diesem Sinne den beiden Historikern Glauben beimessen dürfen, ohne unsere Marksteine verrücken zu müssen. Als Resultat dieser Untersuchung ergibt sich nun, daß Kaiser Carl der Große in den Jahren 792 bis 794, am wahrscheinlichsten auf seinem Feldzuge im Jahre 792 zu dem Kloster Metten den Grnnd gelegt, es gegründet habe, daß der Bau jedoch mehrere Jahre in Anspruch genommen. Während nun so das H.iuS immer höher emporwuchs und der Bau sich seiner Vollendung näherte, geschah eS, daß Kaiser Carl in Rom mit der Kaiserkrone geschmückt wurde und vor seiner Abreise im Jahre 801 von dem Papste Leo III. für Utto als ersten Abt seines eben erbanten Klosters den bischöflichen Hirtenstab erbar, den ihm der Papst gerne gewährte. Dieser Stab wurde dem seligen Utto von seinem Bischöfe, Peter von RegenSburg, welcher ebenfalls von einer Pilgerfahrt nach Rom zurückkehrte, überbrachl und liegt noch jetzt bei den Gebeinen deS Seligen im Heiligenschein; er ist von Elfenbein nno trägt folgende Inschrift: „()uocl I)ominu8 ?otrc>, ?strus tilii eontulit. I^IUo." *) Seit vieser Zeit stand daS Kloster Metten, obwohl seit der im Jahre 817 erfolgten Einberufung der Klostervorstände nach Aachen (auf dieser Versammlung theilte Ludwig der Gutmüthige alle Klöster iu vrci Classen: in die reichen, welche dem Staate Steuern und Soldaten, in die mittleren, welche bloö Steuern geben mußten und in die ärmeren, wovon Bergen im Donauzau, Metten, MooS- burg, Wessobrunn und Scovenawa — Schönau, jetzt St. Martin, Schloß des Grafen v. LIrco im Jnnvicrtel — genannt sind) bis zu seiner Auflösung im Jahre 1803 der letzten Classe der damals bestehenden Klöster, der Classe der ärmeren, zugetheilt, welche nur zum Gebete für das Wohl des Kaisers und des Reiches verpflichtet waren („sei solas Or-itiones pro saluts Iinvemtoris vel k'iliorum «z^v5 et staliilitgte Imoerii ovstrieta"), eö stand oemnach vou seinem Ursprünge au unter dem unmittelbaren Schutze deS Königs (regalilius ^liatiis »dscriptuin Lovnodium) und der nachfolgenden Herzoge, hatte stets freie AbtSwahlen, hatte nie, wie so viele andere Klöster, von dem Uebermuthe der Schirmvögte zu leiden und unterlag nicht eiumal der Wuth der ein Jahrhundert nach seiner Gründung dem gesammten Vaterlande so verderblichen Raubzüge der wilven Magyareuhorden. — Von den ferneren Schicksalen des Klosters im Donaugau (Rudhardt, Aelt. Geschichte von Bayern S. 516), sowie sie dasselbe unter den einzelnen Aebten betroffen, wollen wir, so weit eS uns möglich ist, in den nächsten Artikeln handeln. , ^) „Was ocr Herr dcm Petrus, hat dieser dir übergeben, o Utto." 263 Ein protestantisches Blatt über die katholische Kirche in Deutschland. Dresden, 15. Juli. Die „Fr. Sachsen-Zeitung," bekanntlich ein Protest. Blatt, gibt der kath. Kirche in Deutschland Folgendes, die „Sachsen-Zeitung" im hohen Grade ehrendes Zeugniß. Der betreffende Artikel lautet wörtlich: Den kath. Kirchenstreit im Südwcsten Deutschlands finden wir jetzt häufig zum Gegenstände weitreichender, rein politischer Conjecturen gemacht. Selbst Organe, die früher geneigt waren, der bischöflichen Seite entschieden die Anerkennung ihres Rechtes vor dem Staate zu gebe», zeigen sich jetzt anders. Sie verlassen den Standpunct der Beurtheilung, welcher aus der rechtlichen Seite der Sache selbst gegeben ist, und knüpfen an den traurigen Streit zwischen Staat und Kirche Gedanken über dessen Ursprung und Nährung, welche bestimmt sind, die Regierungen in ihrem Widerstande gegen die katholische Kirche zu ermuntern. So sagt man: das energische Festhalten der Bischöfe in der oberrheinischen Kirchenprovinz an ihren Forderungen sey von Rom in der Absicht anbefohlen, weil sich der Papst eine neue Stätte in Deutschland gründen wolle, wohin er den heil. Stuhl verlegen könne, wenn Italien unhaltbar würde. Der Unterschied wird hervorgehen, welcher zwischen dem Verfahren des heil. Stuhles in Deutschland protestantischen Regierungen gegenüber, und in Jialien, der katholischen sardinischen Regierung gegenüber sich darbiete. In Deutschland strenges Festhalten an allen Forderungen, in Italien der um NieleS kirchenfeindlicheren Regierung in Turin gegenüber behutsames Auftreten. Mau scheut sich auch nicht, die Muthmaßung cn:szusprechen, der Kaiser der Franzosen wirke in Rom darauf hin, daß die kirchlichen Differenzen in Deutschland mehr und mehr unheilbar würden, — in welcher Absicht, dürste leicht zn errathen seyn, wenn diese Muthmaßung gegründet wäre. So bringt man auch den Kirchenstreit in Deutschland mit der orientalischen Frage in Verbindung, indem man darauf hinweist, daß der katholische KleruS überall Haß gegen Rußland zeige und eine Hinneigung nach Frankreich verrathe. In Preußen sollen zur Ergründuug solcher Vermuthungen bereits RegierungSschreiben erflossen seyn, welche Berichte einfordern über den Verdacht eines Zusammenhanges des katholischen Klerus mit französischen und demokratischen Agitatoren. Alle diese Muthmaßungen und Conjecturen sind die nothwendige Ausgeburt eiueS so lange hinausgezogenen rechtlosen Zustandes der katholischen Kirche in Deutschland. Aus Böswilligkeit gegen die katholische Kirche oder sey es auch aus falscher Besorgniß ersuudeu, sollen diese schmählichen Nachreden die ScM selbst verrücken zu Un- gunsten der katholischen Kirche. Der deutsche Politiker kann indessen nichts Gewissenloseres thun, als ein nationales Lebenselement, das so tief daS deutsche Volk durchzieht, wie eS die katholische Kirche thut, bei jeder Gelegenheit als staatsfeindlich und unnalional zu denunciren. Wir sind Protestanten, aber die Gerechtigkeit erheischt, daß wir bekennen: sollte eine historische Abrechnung gehalten werden über daS, waS der Protestantismus und Katholicismus gegen die deutsche Nationalität sür die Fremden gethan haben, so würde dieselbe für uns nicht günstig ausfallen. Die katholische Kirche in Deutschland ist so national, so volköthümlich, wie irgend eine der vom Volke geliebtestcn weltlichen Dynastien. Es ist deßhalb ziemlich natürlich, daß man bei einem das Volksleben so tief berübrenden Conflicte, wie er eS in Baden ist, auch Befürchtungen hören muß, die über den Kreis des religiösen Lebens hinanSgerichtet sind, denn kein Mensch kann doppelt leben, und eS gehörte ein doppeltes Leben dazu, freudigen Gehorsam und Liebe für eine Obrigkeit zu behalten, die uns im vollen Herzen verwundet. Wir denken aber, daß eben bei der weiten Mitleidenschaft in diesem Conflicte, mag man sonst von der oben erwähnten Nachrede deS katholischen KleruS halten waS man will, die Gesammtheit der deutschen Regierungen ein Interesse daran fühlen müßte, dem Conflicte bald einen rechtlichen Ausgang gegebeu zu sehen. mzzc,< >'Z li!»»''Nn>m^ ii'ck,«t»ttv nt'i 5i-.' nnüüm,nztlüiöuü lAisö Kon a,öiA?;s,l6. Medicinisches über das Fastengebot. Ein sehr unparteiisches, weil durchaus nicht vom kirchlichen, sondern rein vom rücksichtslos medicinischen Standpunct ausgehendes Urtheil über daS 264 Fastengebot bringt in der Nummer (34) die Wiener Medicinische Wochenschrift in dem Artikel: „Kritische Bemerkungen zur Arzneimittellehre" wie folgt: „Unter den Fastenspeisen nehmen vor Allem die der Milch entlehnten Speisepräparate und Fische eine Hcmplstelle ein. Man muß denen, welche die Fasten zu halten verordnen, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie mit einem sehr richtigen, durch die neuere Chemie bestätigten Tacte die Kuchenzettel für die Menschheit gemacht haben. Die ReligionSlehrcr mußten jedenfalls bald eingesehen haben, daß ohne Stickstoffnahrung der Köipcr nicht bestehen könne, und daß sie, je mehr sie Fasten anordneten, um so mehr auch darauf Bedacht nehmen mußten, eine Diät anzuordnen, die immerhin reich an Stickstoff sey. Einen großen Theil ihres medicinischen Werthes — ihren moralischen zn erörtern ist nicht lueine Sache — haben die Fasten jetzt freilich für die Masse des Volkes verloren, seit dasselbe immer mehr verarmt, immer mehr von den Fleischspeisen entsremdet worden ist, aus dem einfachen Grunde, weil cS dieselben sich nicht mehr erwerben kann. Den im Fleischgenusse schwelgenden Engländern aber, und auf den Tafeln unserer Vornehmen wäre eine strengere Feistendiät in der That keine gar so üble medicinische Verordnung. Der physiologische Är;t denkt dabei an nichts, als den täglichen Verbrauch an Stickstoffmalerial wöchentlich ein- oder zweimal herabzusetzen, und in einzelnen dieser Speisen zugleich eine größere Menge Kalksalze zn reichen; und eS kann somit auch der protestantische Arzt in die Noihwendigkeil versetzt werden, Fastenspeisen zu verordnen, deren Werth in der angedeuteten doppelten Richtung bisher zu wenig gewürdigt ist. DaS Fleisch der Fische steht nämlich an proccn- tischem Stickstoffgehait bedeutend unter dem Fleische der Warmblüter. DaS Fleisch z. B. des Ochsen enthält 17,5, das des KalbeS 15—16, das deS Schweines 16,8, das deS ReheS 18,0, das der Tauben 17,0, der Hühner 16,5, der wilden Ente 17,68 Procent Fleischfaser; daS des Frosches in seinen Keulen nur 11,67 Procent; das der Salmonen 11,l und das der Karpfenarten 9,42; 11,31; 12,1, im Marimo 13,0 Procent Fleischfaser. Wie weise wäre nnn bei der reich besetzten Tafel der, starke Fleischkost liebenden Engländer und unserer höheren Stände die procentisch herabgesetzte Kost, die diese mit den Fischspeisen bei . ärztlich gebotenen und versteht sich gehaltenen Fasten zu sich zu nehmen genöthigt würden?! Wie gut ist eS im Gegentheil für den Armen, daß (wenn anders er in fischreichen Gegenden lebt) er, so oft er Fische haben kann, sie genießen darf, nm nie einer billigen, stickstoffhaltigen Nahrung zu entbehren. Im Allgemeinen sind die Fischspeisen viel zu sehr als schlecht nährend und ungesund verschrien; unsere Küche sollte sie viel mehr in Gebrauch ziehen, und sich in schmackhafter Bereitung derselben (unter möglichster Verdrängung deS bloßen Genusses derselben mit Essig und Oel) üben. Sie stellen bei Ueberschuß deS BlutcS an stickstoffhaltigem Baumaterial ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel dar, und Badeärzte, Aerzte an Molkenanstalten sollten eö sich angelegen seyn lassen, sie auf den Tafeln ihrer Kranken möglichst häufig und in annehmlicher Form erscheinen zn lassen. 100 Theile Asche vom Flußbarsch enthalten 54,39 Procent phosphorsaures Alkali, und 44,34 phoSphorsanre (5rden; 100 Theile Karpsenasche 44,19 phosphorsaures Alkali und 42,40 PhoSphorsanre Erden; Hühnerfleisch 33,25 phosphorsanres Alkali, 17,46 PhoSphorsanre «Lrdeu und Eisen; an phosphorsaurem Alkali der Hase 79,8, das Reh 72,4, der Ochse 76,8, das Kalb 89,8 Procent, an phosphorsauren Erden dieselben Thiere in eben der Reihenfolge: 15,l; 26,6; 16,4; 10,2. Dabei beträgt der Gc- sammtrückstand der Asche beim Fleische deS Hasen 4,48; deS ReheS 4,68; deS Ochsen 4,03; der Hühnervögel jung 3,14, später 4,31—5,51; der Froschkeulen 4,96; der Fische, z, B. des Barsches 7,08; der Karpfen 6,16. Wir sehen deutlich daraus, daß wir mit dem Fleische der Fische ein viel reichlicheres Material an phoöphvrsauren Erden genießen lassen, als mit dem Fleische der Warmblüter, und daß die Zahlen dieser Erden noch höher ausfallen müßten, als hier geschehen, wenn wir die procen- tischen Differenzen der gesammlen Aschenmenge betrachten, und, wie es nöthig wäre, hiernach reoucirlen." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PsstMung. 20. August 34. 1854. Diese» «latt erscheint regelmäßig all« Sonntage. Der halbjährige Abonuemenl«pret« kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werdeu kauu. Franz Xaver Luschin, Fürsterzbischof von Görz. *) Nekrolog, ES ist eine schwere Ausgabe, das Leben und Wirken eineS edlen Menschen in seinen innersten Motiven, in seiner vielseitigen Entfaltung nach Außen treu und wahr aufzufassen und wiederzugeben. Wenn der Schmerz um den Hingeschiedenen das Auge umfloret und trübet, das Herz mit bitterer Wehmuth erfüllt und die Hand beS Schreibenden lcitunt, so ist hinwieder das Gefühl, die Ueberzeugung, an dem Verewigten nach vollbrachter irdischer Laufbahn, einen Gegenstand, vollendet und würdig der Darstellung, ein Vorbild für sich und alle die Genossen seines Standes gewonnen zu haben, ein Sporn, sich an dessen Darstellung zu wage«. Zu wagen, sagen wir; denn wo liegt wohl eine Gewährleistung, daß wir seine Züge, das Porträt seines geistigen Seyns wiedergeben, wie es seyn soll und wir es sollten! Doch wollten wir verzagen, jetzt, wo sein Andenken noch so frisch, so lebendig ist, wann könnten, dürften wir eS unternehmen? Ueber Fürstbischof Luschin wurden gleich nach seinem Tode mehrere Stimmen laut, und außer den gegebenen äußern Umrissen seines Lebens und Wirkens in öffentlichen Blättern sprachen sich der hochwürdigste Fürstbischof von Trient, Johann Tschi- derer, fürstliche Gnaden, in einem durch mehrere Blätter bekannt gewordenen lateinischen Hirtenschreiben über die Leistungen und die persönlichen Eigenschaften dieses seines Norfahrs auf die ehrenvollste, anerkennendste Weise aus, so wie auch ein Aufsatz in dem slovemscken Blatte „Danica" seine letzten Lebensstunden in ergreifender Weise schilderte. Wir dachten sonach diese einzelnen Züge mit den eigenen und den Erinnerungen mehrerer seiner Freunde zu vereinigen, ohne fürchten zu müssen, des Guten von ihm zu viel zu sagen, vielmehr so weil hinter dem Originale zurück zu bleiben, als eS nach dem Apostel I. Corinth. 2, 17, wahr ist: „Der Geistige beurtheilt alles, er selbst aber wird von Niemauden beurlheitt." Mag daher der bereits Verewigte eS uns vergeben, wenn wir ihn der Mitwelt, eigentlich der Nachwelt vorzuführen bemüht sind, ihn, dessen Tugend und Gottesfurcht im Kleide der Demuth verhüllt war, WaS er auf der Welt geworden, darüber haben, nach dem Willen und nach der Zulassung deS Allerhöchsten, Zeit, Umstände und Verhältnisse entschieden; die von ihm bekleideten Aemter, sein hoher Rang und die ihm erwiesenen Ehren haben das wahrnehmbare Gepräge seiner Geltung vor den Menschen nach und nach vollendet; der innere Gehalt, das edle Metall seines Charakters aber blieb, durch den Wechsel des Schicksals geprüft, sich immer gleich unverfälscht und unverändert, ähnlich dein ächten Golde. Indessen, weil die geistige Entwicklung, die Offenbarung des WollenS und Seynö *) Salzb. Kirchenbl, iSUV .HNl>Y1lW«7 7^tNs»^^ilk sich durch die Lebensverhältnisse bedingt, können wir nur diese verfolgend jene in Betracht ziehen. Luschin war am 3. December 1781 in der Nähe von Lind, nächst dem Gute Peggein, Pfarre Teinach, geboren, und erhielt, nach dem frommen Landesgebrauche, in der Taufe den Namen jenes Heiligen, den er, wie man zu sagen pflegt, mit auf die Welt gebracht hatte, den des heiligen Franz Xaver. Sein Vater Leonhard Luschin, Besitzer der gleichnamigen Hübe, erfreute sich außer ihm nur noch einer Tochter und gab ihnen eine, wenn gleich einfache, standesmäßige, doch sorgfältige Erziehung, wobei ihm seine Gattin Barbara durch Gottesfurcht und Herzlichkeit würdig zur Seite stand. Franz besuchte die Schule zu Teinach unter dem braven Lehrer Jos. Wedenigg. Dieser und die dortige Geistlichkeit stimmten den Vater, da des Knaben Anlagen unv Fleiß zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, daß er ihn in die Normalschnle nach Klagenfurt und hierauf auch daselbst ans Gymnasium schickte, wo ihn sein Fleiß und seine Emgezogenheit besonders empfahlen. Im Jahre 1797 halten die Stürme der französischen Revolution, so wie die Staaten und Völker auch die Geister aufgeregt, man sah in ihrem Gelingen eine Art Weihe ihrer Grundsätze, ihren Beruf, die Well unizustalien. Dieses Jahr war es auch, wo die Neufrauken zuerst auf Alt-Oesterreichs Boden unter Bonaparte einzogen, und Kärnthen, welches sie zuerst betraten, fühlte so sehr das Folgenreiche ihres unwillkommenen Erscheinens, daß alle kaiserlichen Behöroen sich auflösten und die Beamten bis auf wenige das Land verließen. Kein Wunder, daß dieses Gefühl der Unsicherheit, deS BangenS vor der Zukunft, auch der Jugend sich bemächtigte, und unser Lnschin, wie mehrere seiner Collegen die Hörsäle verließen, um in ländlicher Äbgezogenheit dem drohenden Schicksale zu eutzehen. Franz Luschin, den Unwillen seiner Eltern über so eine Entfernung von seinen Stndien, deren Beweggründe sie in ihrer einfachen Weltanschauung nicht begreifen, nicht zu würdigen wissen mochten, befürchtend, kam daher bei nächtlicher Weile von dem nahen Kiagenfurt in sein Vaterhaus zurück, schlich sich in die Kammer der Knechie und suchte an der Seite eines derselben scheinbar die Ruhe, denn seine geängstigle Seele mag sich mit den düstern Bildern seiner Zukunft beschäftigt haben. Seine Ankunft, sein so gewählter Aufenthalt wurde zuerst von der weckenden Magd bemerkt und der Mutter entdeckt, worauf dieselbe zum Sohne eilte und aus dessen Munde die niederschlagende Kunde seines Entschlusses vernahm, den Studien Lebewohl zu sagen und am heimischen Herde von der Erdscholle das karge Brod zu gewinnen. Wie war sie da in daS Innerste verwundet und weinte bittere Thränen über den, wie sie glaubte, Verlornen Sohn, den sie im Geiste schon vor dem Altare stehend gedacht hatte; wie den zornigen Vater beschwichtigen und die erstaunte Nachbarschaft aufklären? Endlich wagt sie zitternd den Schritt, und kaum entgleitet dem bebenden Munde das Wort: Franz ist gekommen und will nicht mehr studiereu, sondern Bauer werden. Der Vater war ruhiger, als zu erwarten. „So soll er denn Bauer werden, es ist schon recht", antwortete der kurz angebundene Mann, ließ den Sohn kommen, befahl ihm die Sladlkleidcr abzulegen, reichte ihm das bäuerliche Gewand, seine eigenen Holzschuhe, legte ihm ein Sirohband um die Hüfte, wie es die dortigen Knechte beim Mähen zn haben pflegen, gab ihm Sense und Kumpf und schickte ihn mit den barschen Worten auf die Wiese: „Hast dn bei den Knechten geschlafen und gegessen, so magst du auch mit ihnen arbeiten." Somit war der künftige Primas von Galizien, Lodo- merien und Jllyrien, der Fürstbischof vou Trieut und Erzbischof von Görz, Seiner Majestäl geheimer Nalh uud Ordensritter nach KncchteSweise stanvesmäßig adjustirt und installin'. Die Mutter indessen eilte in Thränen aufgelöst zu Probst Hiet! nach Teinach, welcher sie lröstete und ermähnte, den Sohn gewähren zu lassen, ihm keinen Für die Kärnthncr mag es merkwürdig seyn, daß mit Luschin auch jener Mathias Mikula, welcher während der Raststunde hinter dem Ochsengespann auf dem Pfluge sitzend, den Livius las, und Franz Krammer, vulZo HoiSl am Berg, welcher sich nachher als Bauern-Philosoph und rationaler Landwirth auffallend machte, die Studien verließen. 267 Zwang anzuthun; eS sey zu erwarten, daß mit dem verziehenden Kriegs-Ungewitter uild der Wiederkehr froherer Aussichten sich Alles von selbst geben werde, Franz, der eine Zeit die Stadt im Bauerngewand Säcke tragend betreten hatte, ging mit nächstem Studienjahre wieder von dem Pfluge zu den Schulbänken über, die er vor einem halben Jahre vermeintlich aussichtslos verlassen hatte. Wenn schon diese Episode uns die Jugend- und Studienjahre Lusching, die väterliche Erziehung bezeichnend kund gibt, so sollte eine zweite noch herbere Prüfung über ihn kommen, welche die Grundzüge des mütterlichen Herzens, das so mächtig auf sein Gemüth einwirkte, veroffenbart. Es war im Jahre 1800, wo unsern Franz zu Klagenfurt daS Nervenfieber befiel und ihn an den Rand deS Grabes brachte. Seine Schwester, fünf Jahre älter als er, eilte auf die Nachricht davon an sein Krankenbett und verließ eS nicht, bis er genas; dafür batte sie den Keim deS TodeS geholl und nach Hause gebracht, wo sie am 15. April 1800 als Opfer der Schwester- liebe starb. Die Mutter hatte sie gepflegt, der Kranlheitsstoff stch aus sie verpflanzt, und da sank auch sie, von Herzensleid bereits zerknickt, am 6. Mai 1300 dem Tode in die Arme. DaS war viel, zu viel für den alternden Pater, der ihnen am 10. Juli 1804 in die Ewigkeit nachfolgte, und dem einzigen Sohne das freudenleere HauS, ach die vielbethränten Gräber hinterließ. Keines von Allen hatte eS erlebt, was sie so sehr ersehnt, den geliebten Franz am Altare opfern zu sehen, er sollte es für ihre Seelenruhe thun. Die väterliche Behausung übergab nun Franz dem Sohne des Bruders seines BaterS, Besitzers der Tonitz-Hube im Dorfe Teinach, und ließ den äußerst billigen Kausschilling als Kapital darauf liegen, nicht ohne eö später in der Zeit der Finanz-CrisiS in dem beinahe auf Null reducirten Betrage zu empfangen- Nun lebt auch von dieser Seitenlinie kein Descendent mebr, nachdem der letzte Besitzer, Mathias Luschin, im Jahre 1852 auf der sogenannten Ruhestatt ob Pölkermarkt todt gesunden worden ist. So konnte Franz, wie sein heiliger Namensbruder, der von AssiS, ledig deS väterlichen Erbgutes sich frei dem höhern Berufe weihen. Als Luschin, den 26. Aug. 1304 zum Priester geweiht, kurz darauf zu Teinach primizirte, war von seinen nähern Anverwandten Niemand mehr am Leben und se!bst die Primiztafel war nicht in Lind, sondern im Herrenhause zu Paggein, dessen Besitzerin, die Wittwe Margarelh Maurer, geborne Kramer, LuschinS geistliche Mutter war. Nun hatte sich alles Irdische seinem Herzen entwunden; gleich den Aposteln steuerte er, einzig dem Herrn sich hingebend, in die Welt hiimuS, und widmete mit ganzer Seele sich seinem heiligen Berufe. A>S Stadtcapian bei St. Egiden zu Klagenfurt vom December 1806 bis Ende Jänner 1803 angestellt, entwickelte er jene herrlichen Gemüthsanlagen, jenen Drang, Gutes zu thun, Gottes- nnd Pslichtliebe zu verbreiten, welche ihn bald als ein hellstrahlendes Licht ans die Leuchte der Kirche stellten. Mit der Einfalt deS Gerechten ließ er sich zu dem Geringsten herab, hatte er für Alle Ohr und Herz, besonders auch für die Jugeuv. Schreiber dieses, damals kaum den Kinderschuhen entwuchsen, gedenkt noch mir Rührung, wie er als angehender Humanist bei demselben Zutritt, Belehrung nnd Ermnnlerung fand. Diese Anstellung Luschins war eS auch, die seiner künftigen Laufbahn eine bestimmte Richtung gab und nach der Absicht der Vorsehung den Weg zu seiner Erhebung o'ffuete, ». Nupert, damals am Lyceum zu Klagenfnrt, Professor des Bibelstudiums, hatte als solcher LuschiuS besondere Vorliebe und Fähigkeit für das Studium der orientaliichen Sprachen kennen gelernt, er munterte ihn min ans, seine Forschungen im theologischen, besonders Bibelfache fortzusetzen, behalf ihm mit den einschlagenden Werken nnd bereitete ihn auch in den andern Doctrinen der Theologie in der Art vor, daß er in der Lage war, bereits im Jahre 1807 in Wien, wo er, eine knrze Zeit zwar nur, die Vorlesungen des berühmten Iahn hören konnte, die bezüglichen Rigorosen zu bestehen, in Folge dessen er am 16. Jänner 1808 zum k. k. Professor der morgenländischcn Sprachen und deS Bibelstudiums zu Gratz ernannt wurde. Nun konnte er sich vollends in seinem Fache ausbilden und die, damals noch seltene Promotion zum Doctor I 2Y8 der Theologie wurde ihm im Jahre 1813 zu Theil. Indessen auch hier suchte und erhielt sein frommes Gemüth Befriedigung, indem er die Beichtvaterstelle im dortigen Elisabethinenklvster übernahm; ein Institut, welches er bereits in Klagenftirt, wo seine Schwester im gleichnamigen Kloster längere Zeit sich aufgehalten hatte, lieb gewann, und wohin er mit seiner Milde und Besonnenheit, herzlichen Theilnahme unv gleich bleibenden Geduld vorzüglich pastte. Auch hielt Luschin vom Jahre 1810 bis 1814 die akademischen ErHorten am Gratzer Lyceum und wurde vom Kollegium der Professoren für das Studienjahr 1815 zum Rector erwählt. Seine Lehrweise und Persönlichkeit machten auf die Studierenden, wie auf die Professoren einen gleich günstigen Eindruck; überall gab sich sein Wohlwollen, sein bescheidener Eifer für gediegenes Wissen, für die Sache der Religion und Sittlichkeit zu erkennen, unv man glaubte den allseitig tüchtigen, geehrten und geliebten Mann nicht besser auszuzeichnen und allgemeiner nützlich zu machen, als daß man ihm im Mai 1818 auch das Doctorat der Philosophie übertrug. Diese so vielseitige Verwendbarkeit Lnschins konnte den hohen und höchsten Stellen nicht entgehen, und selbst Kaiser Franz, der bei seiner wiederholten Anwesenheit in Gratz mit dem Allerhöchstdemselben eigenen Scharfblicke den klaren, praktischen und erleuchteten Mann kennen zu lernen Gelegenheit hatte, und der ihm von da an besonders gewogen blieb, fand ihn zn einer Oberleitung des geistlichen und Studienfaches vorzüglich berufen. Als daher der damit bethcilte Posten eines Gubernialraihes zu Innsbruck zu besetzen kam, erfolgte seine Ernennung dazu mit Allerhöchster Entschließung vom 6. Jänner 1830. Wer alle die Veränderungen, man muß sagen alle Umwälzungen, erwägt, welche das viel geprüfte Tirol während der Bayern- und Franzosenherrschaft erlitt, zu deren Wiederherstellung doch nur erst eine sehr kurze Zeit geboten war, kann die Schwierigkeiten ermessen, welche Luschin bei Reorganisation der ihm obliegenden Fächer, bei der Durchführung der Pfründen-Dotation und der gleichartigen Schuleinrichtung zu überwinden hatte. Drei Jahre hatte Luschin rastlos in seinem Referate gearbeitet, sein einfacher Sinn, sein Wohlwollen, seine Biederkeit, halte im Lande der Treue uud Offenheit lebhaften Anklang gefunden, da fand auch Kaiser Franz ihn reif sür den nun seit Emauuels Grasen von Thun Hinscheiden durch fünf Jahre ledig gestandenen uralten Bischofssitz von Trient und ernannte den als Priester und Geschäftsmann, als Theologen wie als Organisator gleich bewährten Mann unterin 12. November 1823 zum Fürstbischof von Trient. Seine Heiligkeit Papst Leo XII. ertheilte ihm am 24. Mai 1824 die Bestätigung. Am 3. October 1824 zu Salzburg von seinem Metropoliten, Fürsterzdischof Augustin Grubcr zum Bischof consecrirt, zog der Kirchenfürst am 17. desselben Monats in seine Residenz ein, von der Bevölkerung mit aufrichtigem Jubel begrüßt. Allerdings hatte er als geistlicher und Studien - Referent auch im südlichen Landcslheile sich den vorteilhaftesten Ruf erworben; indessen so ganz dornenlos war seine Bahn bei so manchem Vorurlheile ob der Nationalität und seiner Herkunft nicht, selbst seine Residenz mußte er Anfangs in einem ungelegenen Locale nehmen, doch waS wußle er nicht auszugleichen uud zu ertragen. Das schönste Zeugniß seines ThnnS un"> Wirkens liefert uuS nun nach seinem Hinscheiden, nach dreißig Jahren seines dort begonnenen HirtenamteS, der Eingangs erwähnte hohe Erlaß seines unmittelbaren Nachfolgen'. Wir können dessen Worte nicht in der lateinischen, so kraftvollen Ausdrucksweise deö Originals geben, da wir diese Zeilen auch in weitern nicht klerikalischen Kreisen gelesen wünschen; müssen uns daher nur auf die Hcu-ptzüge deS so ansprechend entworfenen Bildeö beschränken. Vor Allem erstreckte sich seine Sorgfall auf die Erziehung des KlcruS. Er erweiterte mit nicht geringen eigenen Kosten daS Priester-Seminar, betheiligle sich mit den ihm inwohnenden Kenntnissen an den Studien der Alumnen, mit der Wärme eines gotterfüllten Herzens an ihren geistlichen Uebungen. Er bewirkte die Restauration des Kathedral-Capitels und benahm sich bei diesem schwierigen Geschäfte mit jener Gerechtigkeitsliebe, jenem standhaften 269 Eifer für das Beste der Religion und Disciplin, der allein zum Ziele gelangt. Halte er in seiner Umgebung das Feld bereitet, so konnte er desto ungehinderter seinem Herzensdrange folgen und seine unter zwei so verschiedenartige (wer denkt nicht deS Jahres 1848) Nationalitäten getheilte Diöcese in ihrem ganzem Umfange, mitunter in ihren schwer zugänglichen Theilen durchreisen und überall die Merkmale seiner Hirtenliebe, seines frommen und wohlthätigen SinneS hinterlassen. Seine Geschäftserfahrung, sein Scharfsinn und seine Klugheit wußte in allen noch so verwickelten Angelegenheiten — und wie viele deren gab eS'dort damals nicht I — Raih, Ausweg und Abhilfe, Bescheiden im Worte, wie enthaltsam im Leben, feurig in der Liebe wie im Eifer und doch so demüthig, daß er niemals was selbst gethan zu haben scheinen wollte, bis zur gänzlichen Erschöpfung seiner Geldmittel freigebig und erbarmungSvoll gegen die Armuth, war an ihm so ganz deS gekrönten Propheten Wort in Erfüllung gegangen (Psalm 111, 9): „Er streuet aus, gibt den Armen, seine Gerechtigkeit bleibt ewig, seine Kraft wird erhöhet in Ehren." So war es auch; denn Allen Hirt, Schutz und Bater, besaß er die Herzen Aller, und als er nach zehnjähriger Wirksamkeit seine ihm so theuer gewordene Heerde, folgsam höherm Willen, verließ, da dnrchbebre Alle ein gemeinsamer Schmerz, eS war wie bei deS Apostels Abschied von seinen geliebten Ephesiern, die da weinend trauerten, daß sie sein Angesicht nicht mehr schauen sollten. So weit deS hohen Kirchenfürsten Worte, womit Hochderselbe ihn den nun Hingeschiedenen dem frommen Gebete Jener empfahl, bei denen dieselben, weil so ganz aus ihrer Ueberzeugung auS ihren Herzen geschrieben, den vollsten Anklang finden mußten. Gewiß, sie ehren den nicht weniger, der sie sprach, als den, dem sie gegolten! (Schluß folgt.) Das neue SchulhauS zu Stbnach. * In dem Mittelpuncle der Pfarrei, bestehend ans zwei Gemeinden, zu denen die Ortschaften: Sibnach, Trannried, Forsthofen, Aletshosen und Höfen gehören, erhebt sich auf einem Hügelvorsprunge, dem sogenannten St. Georgenberge, majestätisch die vom Kloster Steingaden erbaute Pfarrkirche, in welcher alle pfarrlichen Gottesdienste, ron dem im ^ Stunde entfernten Dorfe Sibnach wohnenden Pfarrer abgehalten werden, und in der jährlich in erhebender Weise daS ScapulirbruderschaftS- fest vom Berge Carmel gefeiert wird. Nur fünf Häuser umgeben den pfarrlichen Tempel, darunter das MeßnerhauS, an welchem seit der Säkularisation eine Schule errichtet wurde. Schon längst war dieses Gebäude schadhaft und baufällig geworden, und daS Bedürfniß nach einem neuen Sckulhause wurde immer dringender. Den Bemühungen des gegenwärtigen Herrn Pfarrns gelang eS endlich mit Zustimmung der beiden Gemeinden einen Neubau zu bewerkstelligen, wozu der Staat seine hohe Genehmigung ertheilte und die Hälfte der Baukosten beisteuerte. So erstand ein wirklich schönes, in allen Theilen zweckmäßiges und dauerhaftes Gebäude, kenntnißroll entworfen und solid ausgeführt, das seinem Zwecke vollkommen entspricht, und wahrlich zu den schönsten Landschulhäusern gezählt werden darf. Freundlich steht eS auf grünender Höhe, im Westen von schattigen Waldhügeln bekränzt, östlich hinauSblickend auf die Ebene an der Wertach und dem Lecke, wo das Auge vom St. Ulrichöthurme Augsburgs über Friedberg, Hofhegnenberg hinaus nach LandSberg, dem Peißen- und Auerberge, der Gebirgskette von den Salzburgeralpen bis zum Grillten schweift und dann über die in der Ebene liegenden, zahlreichen Ortschaften forschend zurückkehrt. Schou der Anblick eines jeden Schulhauses erregt in der Brust eines denkenden Menschenfreundes eigenthümliche Gefühle, die sich in Betrachtung deS heranwachsenden Menschengeschlechtes über dessen wellliche und ewige Bestimmung ergießen, und auf das Wohl der Gesammlmenschheit in staatlicher und kirchlicher Beziehung ausbreiten; um so mehr werden solche Gedanken rege, wenn ein neues Schulgebäude errichtet 270 Wird. Die Eröffnung des Schulhanses zu Sibnach (das nunmehr vom Lehrer bezogen werden kann) geschah in einfacher Weise bei der am 15. Mai l. I. stattgefundenen Schulprüfung. DaS nahezu vollendete Schulzimmer war festlich mit der Darstellung des gekreuzigten Erlösers und den Bildnissen Ihrer königlichen Majestäten, von Blumengewinden umgeben, verziert, und feierlich wehte an der östlichen Giebelfronte die blauweiße, vaterländische Flagge. Nach der in Gegenwart der Gemeindeverwal- tungSmitglieder und einiger Schulfreunde vollendeten Prüfung trug ein Schüler nachstehendes Gedicht vor, das aus wirklich historischem Grunde entsprossend, religiöse Tugend und vaterländische Treue, die in letzterer Zeit so selten geworden, der Jugend in schönem Beispiele eines Helden, dessen Geschlecht in hohem Mittelalter den Hauptort der Pfarrei gründete, wieder lebendig vor Augen führt. Mit eindringender, ergreifender Rede an die Schuljugend und die Gemeinde schloß der würdige Herr DistnctS- schulinspeclor die erhebende Feier. Möge auf dem neuen Schulhause die Gnade deS Allerhöchsten ruhen und möge aus ihm recht viel Gutes zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschheit entsprossen, dann wird eö seine Bestimmung rollkommen erfüllen, und ein immerwährender Segen für die Pfarrangehörigen Sibnachs seyn. ^ » ^ Ritter Hartmann von Sioenaichen. ^ Friedrich Barbarossa zog in ferne Lande, Nach Italiens heißem, tück'schem Meeresstrande, Um zu schlichten Aufruhr, frechen Raub und Streit. Für gekränkte deutsche Ehre mußt' er fechten; Mit Banditen-Rotten sollt er ringen, rechten — Welch' ein Kampf ihm nichts als Leid und Schmerzen beut. Nicht die off'ne Schlacht ist's, die ihm schreckvoll dräuet, Seine Tapferkeit ihm stets den Sieg verleihet. Seine deutsche Heldenbrust scheut nicht Gefahr; Aber gleich den falschen, blumbedeckten Schlangen, Hält ihn Hinterlist im Dunkeln nur umfangen, Dolche zückten auf den kaiserlichen Aar. > Doch die deutsche Treue wachte stets zu Schanden, Was auch schlau erdacht' die feigen Mördcrbanden, Und es knirschte machtlos ihrer Rache Wuth. Wie der Bayern großer Otto hat gerettet Einst das deutsche Heer, von Hinterhalt umkettet, So gab mancher Held mit Freuden hin sein Blut. , Einstens irret Friedrich auf verlaß'nen Gründen, Konnt' den Pfad zu seinem Heere nicht mehr finden, Und schon rückt die dunkle, schwüle Nacht heran. In der Näh' sich eines Schlosses Mauern zeigen, Dahin furchtlos seine Schritte sich jetzt neigen, Spricht den Wirth um Obdach und um Lager an Der Begleiter that' ihn ahnungsvoll zwar warnen Vor den Feinden, die ihn'immerfort umgarnen, Aber Zagen kennt sein muth'ges Herze nicht. *) 7 1153, hatte sein Stammschloß in der Nähe des Dorfes Sibnach, Landgerichts Türkheim, Woselbst noch deutliche Spuren der Burgstelle zu sehen sind. 27t Freundlich, bückend sie der Wirth willkommen heißet, Liebe heuchelnd, große Gastfreundschaft er gleißet, Denn erkannt hat er des Kaisers Angesicht. Sorglos Barbarossa mit dem Mann verkehret, Der ihn liebreich, scheinbar freundlich, hoch verehret; Aus des Ritters Auge blicket Sorg' hervor. Seine scharfen Sinne bald Gefahren wittern, Für des Kaisers Leben fing er an zu zittern; Fest verriegeln sah er, ach, des Hauses Thor. In ein Prunkgemach, mit Reichthum ouSgezieret, Ward der hohe Gast zur Ruhe eingeführet. Für den Ritter gab'S ein Stübchen neben an. Laue Düfte bald das Haus in Schlummer wiegen, Alles scheint im Schloß dem Schlase obzuliegen, Auf der Zinne ruhet selbst der Wetterhahn Leise kommet sachte vor des Kaisers Betten Kummervoll der treue Ritter angetreten, Kniet voll Liebe, kniet voll Treue vor ihn hin. Küsset heiß des Theuern segensvolle Hände, Wecket sanft ihn auf, daß er Gehör ihm spende, Daß auf seine Bitte lenke er den Sinn. „O mein Kaiser! Du des Vaterlandes Stütze, Kennst mein Herz, das Treue in des Kampfes Hitze, Wie in Freud' und Ruhm Dir jederzeit bewährt; Höre meine jetz'ge, meine letzte Bitte, Daß Du kehrest sicher in der Deutschen Mitte, Daß Dein kostbar' Leben bleibe unversehrt: — „Tausch mit mir heut' Deines Lagers falsche Stätte! Traue nicht des Wirthes heuchlerischer Glätte! Denn mein Schutzgeist zeigt mir großes Unglück an!" Nicht mehr hört er auf zu bitten und zu flehen, Bis der Kaiser lächelnd ließ den Tausch geschehen, Bis des Ritters dringend Wünschen er gethan. In geborgter, kaiserlicher, prächt'ger Hülle Betet er mit eines Christen Herzensfülle, Daß der Ewige ihm wolle gnädig seyn; Daß das Opser, welches nun mit seinem Leben Für des Vaterlandes Haupt er wolle geben, Rettend sey; — und ruhig schlummerte er ein. In der Mitternacht, als kaum der Mond verblichen, Kamen spähend still Banditen hergeschlichcn, Dringen in des Kaisers prunkend Schlafgemach. Lautlos bohren sie des Eisens scharfe Spitze Mit erboster, teuflisch schadenfroher Hitze In des Ritters Brust, dem schnell das Auge brach. „Zieh nun heim, Du deutscher Cäsar, zu den Deinen, Die vergeblich nach Dir ringen, nach Dir weinen! Mit Dir sinket Deutschlands Macht und Stütze hin!" 272 Eilig flohen fie mit blutbefleckten Dolchen In den Aufenthalt der Mörder und der Strolchen, An den treuen Knappen dachte nicht ihr Sinn, Mit dem Morgen kommen deutsche Reiterschaaren, Die des Kaisers Spuren nachgeritten waren, Sprengen rasch des Schlosses Band und Riegel auf. Stürmend dringen fie in den verlaß'nen Räumen, Angstvoll suchend, rufend vor nun ohne Säumen; — Plötzlich hemmet grauser Schrecken ihren Lauf: Denn in seid'nen, blut'gen Pfühlen seh'n sie liegen Einen Deutschen, starr, mit bleichen TodeSzügen, Wähnend, ach, daß es ihr Herr und Kaiser sey. Thränen rannen über ihre ernsten Wangen; Aus beklemmter Brust, der lciderfüllten, bangen, Windet sich der bittern Klagen SchmerzenSschrei, D'rob erwacht der Kaiser, lässet schnell sich sehen, Und erkennt mit Schaudern gleich, was hier geschehen; Froh begrüßt ihn seine tapfre Kriegerschaar, Dankend nun der Kaiser auf zum Himmel blicket, Weinend er zum todten, lieben Freund sich bücket, Betet traurig vor der Treue Hochaltar. Mit dem Ritter, dem entflohen hier die Seele, Ziehen fort sie aus der wilden Mörderhöhle; Geben dann das Schloß zur Straf den Flammen Preis. Kommen bald zum Heere, das mit Hurrahrufen Sie empfanget, ^und auf schwarzumflorten Stufen Kränzten sie den Edlen reich mit Lorbeerreis. Ringsum ging des Ritters That von Mund zu Munde, In das deutsche Vaterland drang auch die Kunde; Jeder pries den deutschen Helden nah und sern. Seinen Nam' wird nie Vergessenheit erreichen, Wisset: Ritter Hartmann war'S von Sibenaichen! Und er bleibet stets der deutschen Treue Stern. Möchte doch in unsern glaubenslosen Zeiten Solche Tugendfülle wieder sich verbreiten, Welche Selbstsucht leider immer mehr erschlafft! Würde deutsche Treue wieder so erblühen, Müßte jeder Feind mit Schmach von dcinnen ziehen; — Deutschland stünde bald in seiner alten Kraft! Spiegle dich an solchem Beispiel, deutsche Jugend! Lasse Glaube, Treue, Liebe, deutsche Tugend In dem Herzen kräftig wurzeln fort und fort! Brauchst dann nicht in's ferne, fremde Land zu ziehen, Und dich dort um irdische Güter abzumühen; — Find'st dein Glück am besten in der Heimat Ort! I. N. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen, Verlags-Inhaber: F. E. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsdurgcr PostMtung. - 27. August M- HA. 1854. » . .. , KZK. m.-i'n« »z ü- i,,tt!,!i> Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Souutage. Der halbjährige Abonucme»i,pret, Ttt kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchh-mdluvge» bezogen werde» kann. ,sjN»??I>llZ üü!G rinn l'.zA »it^is u:/sun<'. m'liitT . Habsburg - Wlttelsbach. Aus des deutschen Kaiserreiches Blumgefilde Kani einflmal ein fürstlich hohes Gattcnpaar Nach Altötting zu Mariens Gnadenbilde, Vor des goitgeweihten Tempels Hochaltar. .IghiK? .-z Mi?/^!^.»Mc>^!.'7!ji)N ü'.^: '-M'öll 7,q»i7>-L MI « grause Chaos trüber Weltenwirren Bringt er Ordnungsruhe, die schon längst verbannt; Läßt von Lüge und von List sich nicht beirren; Sein Erscheinen sagt: Er ist von Gott gesandt! Diese Sonn' hat jene Blume angezogen, Die als Krone sich um seine Stirne zieht, Heller strahlet noch sein Feuerbogen, Kraft und Segen seinem Wirken dauernd blüht. Deutsches Vaterland! laß dir nun nicht mehr bangen, Dieß Gestirn führt sicher dich zu deinem Ziel, Deiner alten Ehre Glanz wirst du erlangen, Wirst nicht mehr des stolzen Fremden Spott und Spiel. Wie in deinen alten, kräftigen Blüthenzeiten Diesen Häusern stets dein Heil und Glück entsprang, Werden neue Lebenskrast sie dir bereiten, Daß du wieder glücklich werdest dauernd lang. Mögen dich auch Feindesschaaren eng umketten, Mögen sie dir furchtbar dräuen fort und fort; . Hoffe! — HabSburg-Wittelsbach wird Deutschland retten, Habsburg-WittelSbach bleibt stets der Deutschen H»rt. D. Riggl. , Franz Xaver Luschin, Fürsterzbischof von Gvrz. (Schluß.) Die Veranlassung, Luschin aus dem Kreise seiner Heerde, mit der so heilige, man kann sagen so unauflösliche Bande ihn vereinigt halten, abzurufen, war die eingetretene Nothwendigkeit, für den leer gewordenen Sitz des PrimaS ron Galizicn und Lodomenen, sür den Metropvlitanstuhl zu Lemberg ein geeignetes Individuum zu finden. Fürsterzbischof Andreas AloiS Gras von Ankwicz halte seinen bisherigen Bischofssitz mit dem gleichbedeutenden eines FürfterzbischosS von Prag verlauscht; die Erschütterungen der Revolution in dem nachbarlichen Königreich Polen halten sich dem stamm- und sprachverwandten Lande vielfach mitgetheilt und das Seyn allvort war dem Gliede einer dem Habsburgischen Regenten treuest ergebenen, altadeligen, cinge- bornen Familie unvereinbar mit der Stellung als Oberhirt geworden; doch waS dem Vorgänger schwer fiel, sollte auch den Nachfolger aus manchen Gründen noch empfindlicher berühren. Als daher Franz Xaver nach dem Wunsche und durch Ernennung seines ihm so gnädigen und ganz von seinem Werthe durchdrungenen Monarchen, Kaiser Franz I., gegeben unterm 10. Februar 1834, am 23. August g. I. Trient verließ, und nach dem nöthigen Aufenthalte in Wien den 6. November daraus in Lemberg eintraf, stellte auS Allem, waö er bereits bei seiner damaligen Jnthronijation und im Verlaufe der nächsten Zeit wahrnahm, sich dem so treuherzigen, wohlwollenden und durch die bisherige Amtirung zu den Gemüthern seiner Diöcesanen zur vollen Hingebung gezogenen Oberhirten die traurige Ueberzeugung zur vollen Gewißheit dar, daß hier der Ort seines Wirkens und BletbenS nicht sey. Er bat daher Se. Majestät um eine anderweitige, wenn auch noch so untergeordnete Verwendung, die ihm jedoch, nach der Fügung der weisesten Vorsehung, der Kaiser in seinem unveränderten Wohlwollen mit «. h. eigener Einsicht willfährig in dem damals gerade erledigten Sitze eines FürfterzbischosS von Görz und Metropoliten von Jllyrien gewährte. Der am 9. Jänner 1835 ausgefertigten Ernennung folgte am 9. April g. I, die Bestätigung ^z!«>»i»mia«lliSK Zf-ii^ .»qo? u^ajiÄ n 275 des heiligen apostolischen Stuhles, und am 23. August 1835 feierte Gorz die Ankunft seines neuen Kirchenfürsten. Wahrlich, nicht leicht konnte eine Wahl glücklicher getroffen seyn: denn Erzbischof Franz Zaver brachte außer seinen erprobten Hirten- Eigenschaften die volle Kenntniß der dort sich als an Deutschlands Endpuncte vereinigenden drei Nationalisten: der deutschen, slovenischen und italienischen mit, er konnte ihnen Alles in Allem werden. Soll-en wir LuschinS neunzehnjähriges Wirken an seinem neuen, nun auch letzten Posten in seinem ganzen Umfange schildern, wir müßten nicht nur daS bei Trient Gesagte wiederholen, sondern auch mit neuen Zugaben, wenn auch bis zur Weitläufigkeit, doch immer weit hinter dem verdienten Maaße erweitern. Wir wollen uns daher vorzüglich nur an jenes halten, waS seine jüngste Stellung SonverheitlichcS und Ausfallendes bot. Hatte die Revolution der JuliuStage Frankreichs herrschende Dynastie gestürzt und Europas Ruhe bedroht, so sollte dieselbe in Görz, in diesem schön gelegenen ruhigen, aber diplomatisch nie merkwürdigen Orte eine Zufluchtsstätte finden. König Carl X., sein Sohn der Herzog von Angouleme, und seine Gemahlin Maria Theresia, die unglückliche Tochter der noch unglücklicheren Königin Antoinette, die Enkelin der unvergeßlichen Kaiserin Maria Theresia, der Prätendent von Frankreich, der Graf von Chambord, waren mit einem Häuflein Getreuer zuerst nach Holyrood-Castle in Edinburg, dann nach Prag übersiedelt. DaS Unglück der königlichen Familie, ihre strenge Religiosität, ihre Wohlthätigkeit, HerzenSgüte und ihr einfaches Wesen hatten die durch die französischen und englischen radikalen Blätter irre geführte öffentliche Meinung versöhnt und berichtigt, und überall begegnete ihr Hochachtung und Theilnahme. Sie war im gleisen Jahre mit Fnrfterzbischof Luschin in Görz angekommen und dieses Zusammentreffen ward als ein günstiges Zeichen dcS Himmels angenommen; denn gleich beim ersten Sehen und dem baldigen Erkennen mußten gleiche Seelen sich aus daS engste verbinden. Luschin war nun der königlichen F.nnilie Tröster und Gesellschasler, letzteres freilich einzig in dem Maaße seiner freien Zeit. Nur ein Jahr sollte der bereits hochbetagte, vielgeprüfte König Carl Xlj in Görz noch zubringen; cS traf ihn daS gemeinschaftliche LooS aller Sterblichen, welches Glückliche und Unglückliche von hinnen führt, Kronen und Scepter zerbricht. In diesen schweren Tagen erprobte es sich, wie theuer und werth der treue Hirt der Seelen der königlichen Familie war, der er auch von nun an bis zu ihrem Scheiden von der Ruhestätte ihres Oberhauptes nahe blieb. Noch werden sich in dem kleinen, von seiner Wohlthätigkeit nicht verwendbaren Verlasse mehrerer jener werthvollen und sinnigen Änvenken finden, womit die königliche Familie ihren geistlichen Freund und Tröster ehrte. Dieses Ereigniß bildete einen der Hauptabschnitte in LuschinS sonst zurückgezogenem, aber thaienvollem Leben, welches er einzig seiner Hirtenpflicht weihte. Eine seiner vorzüglichsten Bemühungen war die Gründung und Erhallung wohlthätiger Jnstiiute. AIS solche nennen wir die Taubstummen-Anstalt, daS Krankenhaus für daS weibliche Geschlecht und alle Arme, da Gorz in dem Spitale der Barmherzigen ohnehin eine Krankenanstalt für daS männliche Geschlecht besitzt; ferner ein Institut für arme verlassene Kinder. Außer, daß er diese, so wie er ihr Gründer war, mit reichen Almosen unterstützte, übte er an allen andern bestehenden Anstalten dieser Art an den dort zahlreichen Schaaren der Armen jeder Gattung die Tugend der Wohlthätigkeit gani, nach dem Beispiele eines Vincenz de Paula. ES wäre zu weitläufig und eine fortwährende Wiederholung, wenn nicht der Thatsachen, doch der Worte, ihn von dieser Seite noch ein WenereS zu schildern; genug, daß man nach seinem Tode nicht einmal so viel an Baarschafr fand, die nothwendigen Begräbnißkosten anS derselben bestreiken zu können, daß er, um bei dem zunehmenden Mangel, und dieser hatte im Mißjahre 1853, wo die Traudenkrankhcit die letzte Hoffnung deS LandmanneS vernichtete, den höchsten Grad erreicht — in seinen alten Tagen selbst seine Pferde veräußerte, und sonach, wenn eS daS Kirchenfest oder sonst der Anstand forderte, sich der Poftgelegenheit bedienen mußte. 276 DaS Jahr 1848, wo er, der Mann deS Friedens, der Gesetzlichkeit und lrene- sten Anhänglichkeit an Fürsten und Vaterland, alle die Wirren der Revolution in der Nähe und Ferne sehen und erfahren mußte, hatte sein zartfühlendes Gemüth um so mehr verletzt, als die Empörung im Venetianischen sich unmittelbar bis an seine Re, sidenz ausdehnte, und gerade in deren Nähe im April der blutige Zusammenstoß mit den Aufrührern sich ergab. Auch hier zeigte sich sein edleS Gemüth im schönsten Lichte, besonders als eine Schaar Wittwen und Waisen aus den zerstörten Dörfern nach Görz strömten und sich die Spitäler mit Kranken und Blessirten füllten. Es war für ihn eine sichtliche Erquickung nach diesen schmerzlichen Aufiritten, im Jahre 18-49 zur Versammlung der österreichischen Bischöfe nach Wien berufen, sich an dem großen Werke der kirchlichen Restauration betheiligen zu können. Seine Mäßigung, seine Bescheidenheit und sein richtiger Tact erwarben ihm die allgemeine Hochachtung und Liebe jener seiner oberhirtlichen AmlSgenossen, die ihn bisher noch nicht gekannt hatten. Diese Veranlassung zur Kundgebung so seltener Eigenschaften war auch die Gelegenheit, wo Se. k. k. apostolische Majestät das Verdienst mit der Ernennung Fürstbischofs Luschin zu a. h, Ihrem geheimen Rathe auszeichneten, und im Jahre 1852 durch Verleihung des GroßkreuzeS des LeopoidordeuS den unwandelbar treu ergebenen Prälaten, welcher durch Wort und Beispiel im Jahre 1843 so viel zur Pacificntion und guten Haltung der ihm so sehr ergebenen Provinz beigetragen, der Allerhöchsten Gnade versicherten. Im Jahre 1851 beging L usch in die Säcularfeier der Errichtung ?eS Görzer Erzbisthums und widmete ihr ein eigenes, die betreffenden historischen Notizen enthaltendes, gleichzeitig in Görz erschienenes, typographisch würdig ausgestattetes Heft. Da daS Lebensende des Menschen der Probierstein seines innern GehalteS ist, da in dieser Periode wir alle uns gleichen und daher daS Beispiel auch deS noch so hoch Gestellten für jeden auS unS den Spiegel zur Nachahmung gibt, sey eS gestattet, bei jener Schilderung noch etwas länger zu verweilen, welche ein Augenzeuge in der „Danica" ihren Lesern und damit dem slovcnischen Theile der Heerde deS Verewigten von seinen letzten Augenblicken macht. Die ursprüngliche Krankheit, die den hochwürdigsten Erzbischof, der nun in sein drei> ndsiebzigstcs AlterSjahr getreten war, schon in der Miitfaste 1854 ergriff, war ein Husten, welcher in der Eharwoche so weit zunahm, daß er genöthigt war, die Weihe der heiligen Oele in einer HauScapelle vorzunehmen. Bereits am Mittwoch nach Ostern verschlimmerte sich sein Zustand so sehr, daß er Nachmittags sich legen mußte. Bei all seiner Schwäche stand er noch am Donnerstag auf und hielt Bera- lhung; doch den Kvpf konnte er nicht mehr ausrecht halten und athmete schwer. In der Nacht darauf fühlte er sich so übel, daß er sich am Freitag Nachmittags um vier Uhr von der Domkirche auS feierlich versehen ließ. DaS Schwankende seines Krank- heilSzustandei ließ sich am 38. April wieder so gut an, daß selbst die Aerzte wieder Hoffnung hegten; doch nun trat daS Slergste ein. Der hochwürdigste Oberhirt, der Pater so vieler der Seinen, wurde von einer Blasenbildung in seinem Munde und Halse diS in die Speiseröhre befallen, so daß er nicht schlucken, kaum etwas sprechen konnte. Von da an bis zu seinem am 2. Mai erfolgten Hinscheiden konnte er nichts mehr zu sich nehmen und mußte im eigentlichen Sinne verschmachten; sein Geist nur blieb stark und seine Geduld ungebrochen, keine Klage entging seinen Lippen. Bei dem Antrage, ihn auf ein anderes Bett zu überlegen, sprach er: „auch der Heiland häugt immer am nämlichen Kreuze." Als man ibm zu trinken reichte, da sein Mund ganz vertrocknet war, verneinte er eS mit den Worten: „Auch der Herr litt Durst." Bei vollem Bewußtseyn fortwährend auf daS Crucifix blickend, welches er in seinen Hänven hielt, waren seine letzten vernehmbaren Worte, die er deutsch sprach: „O Herr, o Herr, o mein Herr!" Kurz vor seinem Hinscheiden am 1. Mai Mittags trat der eben von der Reise nach Wien zurückgekehrte hochwürdige Herr Dvmprobst Baron Codelli vor sein Sterbelager, ES war ein tief erschütternder Augenblick, als der Fürsterzblschof seine Hand 277 ergriff und an die Brust zog, unvermögend, von seinem Freunde sonst Abschied zn nehmen. LautloS war der Schmerz, den nur beiderseinge Thränen verkündeten. Von 10 Uhr Abends des 1. Mai bis halb 3 Uhr Morgens des 2. rührte sich der hohe Patient auf seinem Lager nicht; ohne sichtbaren Kampf endete sein Athem, und sein Beichtvater, der sich seit vierzig Stunden nicht entfernt hatte, drückte ihm die Augen zu. Den herben Schmerz, die allgemeine tiefe Trauer zu schildern, als das Geläute den Tod des geliebten Oberhirtcn verkündete, wäre vergeblich. Er drückte sich am sichersten dadurch aus, daß wie sein Vorzimmer während seiner Krankheit von Fragenden immer voll war, und die Stadtbehörve die Straßen neben der crzbischöflichen Residenz zur Verhü-ung deS Gerassels sperren ließ, die Besuchenden an der Todten- Bahre sich fast erdrückten, und alle Kaufläden schwarz behängt und abgeschlagen waren. Bei dem Leichenbegängniß fanden sich über fünfhundert Bürger mit Wachssackeln ein und von allen Gegenden kamen Leute herbei, um sich dem Zuge anzuschließen, den der hochwürdigste Bischof von Trieft, BarlholomäuS Legat führte. Die sterblichen Ueberreste deS Theuren wurden in der Gruft der in der Mitte deS FriedhofeS stehenden Eapelle, welche sein Vorfahre, Erzbischof Walland, für sich und seine Nachfolger bauen ließ, eingesenkt, und nach dem Weihwasser und den Segnungen der Kirche werden fortan lange noch die Thränen und die Danksagungen der Armen seinen Lei- chenstein bedecken DaS Testament des Hochseligen bestimmte, daß sein ohnehin fast nur aus Parainenten und Einrichtungsstücken bestehendes Vermögen in drei Theile getheilt werden solle. Eine» davon erhielten die Görzer barmherzigen Schwestern, den zweiten die Sradtarmen daselbst und den dritten sein HauScaplan und Secrctär, die Dieuftleute und die Klagmfurter Elisabelhinen ebenfalls zu gleichen Theilen. In seiner äußern Erscheinung vereinte ter hohe Kirchenfürst imponireude Würde und klare Besonnenheit mit Milde und herzgewinnender Freundlichkeit gegen Jedermann in so hohem Grade, daß man sich unwillkürlich von ihm angezogen uud erbaut fühlen mußte. Tiefe Andacht und heiliger Ernst drückte sich in seinen Mienen und Gebcrdcn aus, wenn er heilige Handlungen verrichtete; seine Worte sprach er langsam und gewichtig, und sie drangen in das Herz. Wie groß seine Sanftmuth war, kö-ineu die am besten bezeugen, welche ihn umgaben, und in den verschiedensten Lagen des Lebens beobachten konnten. Er hörte ruhig jede Klage, jede Se!bstver!hcidignn,,, jede fremde Meinung an, goß Oel der Tröstung in jedes wunde Herz. Ohne guten Rath, ohne weise Belehrung, mit aller Demuth ertheilt, entließ er keinen von sich. Jemand andern zu strafen war ihm schwerer, als sich selbst; er schien mehr ein Bittender als Gebietender, Man wollte in ihm den heiligen Franz von SalcS abgebildet gesehen haben; daß er eS dem Geiste nach war, beweisen seine hinterlassenen Papiere, unter denen sich ein Manuscript deS heil. Franz von SaleS und zwei deS heil. A>p''onsuS von Liguori fanden. Luschins Biograph in der Wiener Zeitung konnte gegenüber ihren Lesern in den weiten Kreisen der Monarchie sagen: „Ein mit so hohen Tugenden reichlichst ausgestatteter ch.ttenvoller Lebenswandel wendete ihm eine so iuuige allgemeine Verehrung ^u, wie sie kaum irgend Jemand zuvor in Görz geuossen," ES sey uns erlaubt, am Schlüsse dieser zwar längcrn, aber im Gegenhalle eines solchen LedenS doch nur sehr kurzen Biographie noch einmal zu dem Eingange dcrsUben zurückzukehren ES belriffr dieses Scheidewort sein Vaterland, seine Heimat. Wenn eS schon an sich ein Haup'zug eines edlen Herzens ist, seines Vaterlandes nicht zu vergessen, seiuer Heimat, seiner armen niedern Herknnft sich nicht zu schämen, so war diese Eigenschaft bei Fürsterzbischof Luschin um desto hervorragender, als ihn, der bereits beim Eintritts in den Priesterstand alle seine Theuren verloren hatte, kein Band der Pflicht an seine Geburtsstätte fesselte. Indessen, so widrige Erfahrungen er, wie Eingangs geschildert, in seiner Heimat mach-e, fuhr er deunoch fort, für Alles, was dorr noch von seiner Jugend her bestand und lebte, für Kirche, Gemeinde, für dag religiöse sittliche Seyn derselben die innigste Theilnahme zu fühlen. Die zahlreichen Briefe, die er dießfalls an den dom'gen hochwürdigen Probstvsarrer nnd Dechant 278 Dr. Welwich schrieb, geben davon das schönste Zeugniß, sie bezeichnen seine Mild«, seine Demnth, Theilnahme, überhaupt seinen ganzen edlen christlichen Charakter; er war, ruft dieser bei Mittheilung derselben und der hier eingewebten biographischen Daten aus, bis in sein 73steS Jahr eiu Mann an Geist und Kraft, ein Kinv an Herz und Gemüth, ein Vater der Seinigen, ein Freund aller Menschen. Oft, und Gott allein weiß eS, wie oft betrogen, belogen, hiutergangen und getäuscht, hat sein Herz sich nicht zurückgezogen: „Der Wässer viele vermochten die Liebe nicht auszulöschen und die Ströme rissen sie nicht weg " (Hohelied 8, 7.) Eben so treu und redlich meinte er eS mit seiner Heimat im weitern Sinne, dem Vaterlande, obgleich er ihm so viele Jahre entfremdet war. Wie er als Professor gewöhnlich in jeder Vac^nz- zeit, von Gratz ouö, Kärnthen und Teinach besuchte, that er eS auch spärer noch, so auf seiner Reise nach Görz als ernannter Erzbijchof, wo er Teinach und Klazen- fnrt besuchte, alle seine alten Bekannten aufsuchte und herzlich willkommen hieß; so zum letzten Mal auf seiner Rückreise von der bischöflichen Versammlung im Jabre 1849, wo er jedoch nicht mehr über Teinach gehen konnte. Als die dortige Kirche kurz vor seinem Lebensende abbrannte, nahm er an diesem Ereignisse den lebhaftesten Anlheil und da man seine Geldhitfe nicht beanspruchte, ja sich der angebotenen entschlug, wandte er sich, um doch einen Wunsch gewähren zu können, an Se. k. k. Majestät, den Kirchen'vrständen die Erlaubniß zu erwirken, den Bau selbst führen zu dürfen. Auch jede gute Anstalt, besonders literarische und artistische Unternehmungen im Vaterlande, aufkeimende Talente unterstützte er nach Kräften; spendete an jedes, ihn in Görz um Hilfe ansprechende LandeSkind reichliche Geschenke und sonstige Unterstützung, war und blieb die Zierde und Ehre KärnthenS, der letzte, den in einer Reihe verdienter Kirchensürsten, die demselben entspressen, die bischöfliche Mitra zierte. St. Andrä in Kärnthen den 17. Juni 1854. _ Zur Geschichte der Benedictiner-Abtei Metten in Rieberbayern. III. Nachdem wir in zwei vorhergehenden Artikeln den Ursprung dcö Klosters Metten und die Zeit seiner Gründung untersucht und dabei gesehen haben, daß eS sich bereits eines mehr denn tausendjährigen Bestandes erfreue und in vierzig Jahren sein eilfhun- dertjährigcS Jubiläen feiern könne, müssen wir heute zur Erzählung der mannigfaltigen Schicksale und Verdienste Mettens während der Zeit seines B, standeS übersehen. Wenn diese Erzählung Manchem zu kurz, zu vmf/ig und zn wenig detaillirt erscheint, so bitte ich ihn, die Mangelhasligleit der gedruckten Nachrichten, die Lückenhaftigkeit der Monasterivlogien und das unerquickliche Einerlei der in den Älonumsnti8 Koicis enthaltenen SchenlungS- und Befreiungsurkunde» ein wenig in Betracht zn ziehen, — dann l>ffe ich leicht seine Vergebung zu erhalten. Zudem liegt eine ausführliche, eigentliche Geschichte des Klosters weder in meinem Zwecke, noch könn>e sie der Bestimmung dieser Btätter entsprechen; wer eine solche erwartet, den muß ich auf die demnächst im Druck erscheinende „Geschichte des Klosters Metten" von Pater Rupert Mittennüller, Professor der Geschichte am dortigen Gymnasium, verweisen, ein Werk, welches nicht nur jedem Freunde des Klosters Metten sehr angenehm seyn muß, sondern welches auch jedem Freunde vaterländischer Geschichtsforschung überhaupt die erwünschteste, reichste Ausbeute gewähren und über viele Puucie und Verhältnisse unserer frühern Geschichte ein neues, Helles Licht verbreiten wird, da der gelehrte Verfasser nicht nur alle gedruckten Quellen im weuesten Umfange bcnützt und die im Kloster verwahrten handschriftlichen Urkunden beigezogen, sondern zu diesem Zwecke auch das Staatsarchiv in München und die bischöfliche Registratur in NegenSburg") durch- Ich kann nicht umhin, hier folgendes Factum zu erwähnen. Bei der Säkularisation des Regensburger Hochstifts brachte die Regierung auch das ganze Archiv desselben, alle Urkunden, Per- 279 forscht und so auS gedruckten und ungedruckten Quellen, mit einem ungemeinen Aufwand- historisch-kritisch-diplomatischer Gelehrsamkeit ein Werk geschaffen hat, welches jeder Geschichtsfreund mit Freude begrüßen wird. Auf dieses Werk verweise ich jeden, der vielleicht auS meiner dürftigen Skizze ersieht, wie viel des Anziehenden, Interessanten, Merkwürdigen die Geschichte MettenS, wenn gründlich erforscht und in aller Ausführlichkeit dargestellt, dem Freunde einer gründlichen Kunde der Vorzeit bieten könne. Ehe ich vorgehe, muß ich noch einem Irrthume begegnen, den ein geachteter Forscher auS Unkunde oder Unachtsamkeit oder auS beiden Gründen zugleich aus'S Tapet gebracht hat. Alle Geschichtschreiber, welche über Metten Handelren, Aventin, Adlzrn'ter, Hund, Brusch, Brunner und wie sie alle heißen mögen, haben berichtet, daß Carl das Kloster Mönchen aus dem Orden des heiligen Benedict als ersten Bewohnern übergeben habe; dieß wurde zu allen Zeiten für eine richtige, unzweifelhafte Thalsache gehalten und eS kam Niemand auf den Gedanken, sie zu bestreiten, bis eS im Jahre 1729 dem Professor I. Christoph Jselin zu Basel einfiel, in seinem in jenem Jahre ebendaselbst erscheinenden, sechs ungeheure Foliobände starken „Historisch geographischen Leriko»" die Behauptung aufzustellen: „Methen wurde von Carl dem Großen für die regulirten Chorherren 8oti. ^uAustini gestiftet, allein nach Versetzung dieser in daS LolleAist-Slist Pfaffenmünster von Henrico Hertzogen in Bayern sn. 1156 den Benediktinern eingeräumet." (Ivm, S. 489) Daß dies ein kapitaler Irrthum sey, leuchtet dem Leser aus dem bereits angemerkten von selbst ein: denn wie könnte man vernünftiger Weise e!ne allen Nachrichten der älteren Geschichtschreiber zuwider ganz isolirt hingestellte Behauptung für richtig halten? Ich will jedoch zum Ueberflusse noch andere Gründe gegen Jselin anführen, welche die ursprüngliche Einsetzung der Benedictiuer über allen und jeden Einwurf erheben werden. Für'S Erste nämlich war zur Zeit Carls deS Großen daS fälschlich dem heiligen Augustin zugeschriebene Institut der regulirten Chorherren noch gar nicht eingeführt, konnte also noch kein Kloster haben. Diese Regel ist vielmehr erst im Jahre 1110, also mehr denn dreihundert Jahre nach der Gründung deS Klosters Metten, aufgekommen und erst von Papst Jnnocenz II. im Jahre 1139 den regulirten Chorherren des heiligen Bischofes Peler Damiani von Ostia vorgeschrieben worden (Hclyot, Geschichte aller Kloster- und Ritterorden. Bd. II. S. 21. Hurter, P Jnnocenz III, B. IV, S. 237); Peter Damiani selbst aber stiftete den Orden der regulirten Chorherren um das Jahr 1160, also beinahe 300 Jahre »ach MettenS Erbauung, Für'S Zweite hießen die Klöster der regulirten Chvrherren nicht Abteien, sondern Propsteien, und ihre Oberen hießen nicht Acb-e Obliates), sondern Pröpste (?rsepo5iti): nun aber ist von dem Kloster Metten eine Urkunde ans dem Jahre 837, aus der Zeit deS fünften Abtes, NitharduS, übrig (sie ist abgedruckt in Uunö. Nelr. Sslislz. I. II. p. 501 und in den Uonum. Koio, IV XI, p. 420), in welcher derselbe „der ehrwürdige A b t Nühardus" (vir venerabilis Xitt>grelu5 /Vtiizgs) genannt wird: also kann das Kloster Metren nicht zuerst den rec>nlirlcn Chorherren, sondern eS muß ursprünglich den Benediclinern eingeräumt worden seyn. Jselin hol hier eine wahrhaft grasse Unwissenheir geoffenbart und er offenbart sie an vielen anderen Stellen; dennoch gilt er noch heute einer ganzen Horde von Schn'f-stellern alö infallible Autorität, dem sie in Allem nachschreiben und so eine ganze Tradition der gröbsten Jrnhüimr bilden! Der protestantische Missionär. Zur Bezeichnung des UnicrschiedcS zwischen einem kalhvlischen und protestantischen gamcnte, Saalbücher, BermögenStitcl ie. an sich. Alle diese Documcnte lagen aufgehäuft bis zum Sommer l35l im tönigl, NegierungSgebäudc, als in diesem Jahre dieselben lciver zrnincrwcise, ohne Ausmusterung, als Maculatur verkauft wurden, darunter auch die Dombauaclcn, alte Urkunden und StiftmigSbricfe der Domcapitel'schm Patronats-Psarreien, eine Menge interessanter Autograph» von Kaisern und Königen, die Documente über das einstmalige Vermögen der dortigen Kirchen und Hospitäler u. s. w. (ek. DaS Recht der Kirche und die Staatsgewalt in Bayern. sS> t7S.j) 280 Missionar, GlaubenSfreudigkeit und guten Willen bei jedem vorausgesetzt, wird der nachstehende Brief eines deutschen protestantischen Missionärs in Missouri vom Febr. l, I., in der „Neuen reformirien Kirchenzeituug" veröffentlicht, einigermaaßen dienen können. — „Müßteich," so schreibt der prolestanlische Missionär, „müßte ich das bisherige Leben in der bisherigen Form noch lauge fortsetzen, so würde ich ein immer schlechterer Theolog, und doch auch kein rechter Stollknecht werden, — zwei Ertreme, zwischen denen ich immer in erbärmlicher Mitte hängen bleibe. Denke Dir nur so einen Samstag und Sonntag, wie ich sie habe, und vergleiche sie mir dun Sonntag und Sonnabend eines Landpredigers! Sonnabend beginne ich vor dem Frühstück meine Arbeit mit dem Füttern und Melken unserer beiden Kühe; mein Pferd habe ich seit vorigem Sommer der Mühe wegen abgeschafft. Nach dem Frühstück muß ich unser Kind warten, während meine Frau ihren Arbeiten nachgehen muß und auswaschen, rein machen und Essen richten. Vielleicht kann ich daneben meine kleine Sludirslube säubern — oft die einzige Gelegenheit mehrere Tage hindurch, bei welcher ich mich längere Zeit darin beschäftige. Nach dem Mittagessen wird Holz gc-ragen. der Hof und Stall sauber gemacht, die Kirche meist gekehrt, Stiefel geputzt zc. Jetzt vielleicht kommt vor Sonnenuntergang noch ein ruhiges Haibstündchen. Beginnt es zu dunkeln, so müssen wieder die Kühe gemolken und gefüttert werden. Es wird meist 7 Uhr, ehe alles in Ordnung ist. Was nach einem solchen Tage noch studirt wird, merkst Du wohl ohne weitere Schilderung. Der Sonntag beginnt wie der Sonnabend, mit Melken und Füttern; dann Frühstück. Ist eS kalt, so mache ich Feuer im Kirchenofen an, und hüte dann mein Kind, bis die Mutter für die Kirche fertig ist. Dazwischen muß ich noch zum ersten Male läuten. Oft bleibt mir nur ein Viertelstündchen ungestört vor dem Gottesdienst, dann wird am Nachmittag noch Kinderlehre gehalten, dann kann ich den übrigen Tag bei den Meiui- gen sitzen, die Zeit des AbcndfüttcrnS uud Melkens abgerechnet. Könnten wir freilich eine tüchtige Magd halten, so wäre Manches anders; daS ist aber nicht ihuulich, weil man außer vielem Aerger, den die Dienstboten in den hiesigen Verhältnissen immer f.ist ohne Ausnahme verursachen, die Sache zu theuer bezahlen muß. Auch olwe Dienstboten kostete unser Haushalt im Jahre 1853 über 1500 fl., und doch leben wir so einfach, wie nur möglich. Seit drei Monaten z. B. essen wir tagtäglich gesalzenes Schweinefleisch, das wir selbst eingeschlachtet haben, und ersparen durch unsere kleine Hühnerzucht und Viehzucht nicht wenig. Bier ist seit zwei Jahren nicht in mein Haus gekommen, und ein paar Flaschen Wein, mit denen mich meine Schwiegermutter beschenkte, werden für Beiuche uud Krankheitsfälle gespart. Meine Einnahme betrug dagegen vom September l852 bis September 1853 kaum 100 Dollars (250 fl ). Ich würde übrigens mit dem einfachsten Leben zufrieden seyn, und hätte, so lange meine Schwiegermutter offene Kasse hält, auch nichts dagegen, wenn ich daS einfache Leben theuer bezahlen muß (es ist übrigens im Verhältniß zum Arbeitslohn nicht theuer, denn ein Holzhacker verdient per Tag wenigstens 2fl. 40 lr., ein Eiscnarbeiier 3 fl. 7—40 kr., ein Zimmermann 3 fl. 15 lr. u. s w., ein Ack^rtnecht erhält außer Kost und Wohnung monatlich 20—30 fl. — aber der Pfarrer kann ja von der Lust leben!!) — wenn ich auch diese und jene Arbeit im Stall und sonst thun müßte, ließe ich mir's gefallen — aber Zeit — mehr Zeit und Ruhe zum Arbeiten und zur Einkehr bei mir selber und in Gottes Wort wünsche ich! Der Einfluß dcS KlimuS, daS im letzten Sommer, von seinen besondern Beschaffenheiten abgesehen, oft eine Hitze von 31 Gr. R. zum Bcsteu gab, und statt kühlender Nächte eine schwüle, dampfende Luft mit 25—28 Gr. brachte, und erst in voriger Woche eine Scale von 40 Gra) durchlief, indem sich nicht nur in Zeit von vier Tagen der Thermometerstand von 28 Gr. R. unter 0 auf 19 Gr. über 0 änderte, sondern vom 28. Jan. Abends bis zum 29. Jan. Morgens in kaum 15 Stunden von 19 Grad Wärme auf 8 Grad Kälte sank! — der Einfluß dieses KlimaS wirkt ohnedies) lähmend genug, so daß Einem hier 6 Stunden oft kaum so viel möglich machen, als zu Hause 3 Stunden." — Wie ganz anders lauten die Briefe ans der katholischen Mission! (Fmnkf. K. Bl.) Ä>m o»?»nktt> »Ud ,a»ttl,us«z««!»2! ->i< «diib NUIIU^ Ii,m.t„» ,Ml.I«il.»>L »ll> ,s,!lili-ii»«i»»tV nv« l,il!7,vilil!'.' i'ilnüN»i'Utt'l A-ii'/itL 'in'n .in'^A.W - dtk>i'-Zi',H i»Kl'tZli^!,zi!i^ T :p',7i'>il,ii»i>i!K -----.-----,—------.--,--------.----- Berantwsrttichcr Redacteur: L, Scheuchen. Verlags-Inhaber: F. E. Krcmer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Ailgsbmger PostMimg. 3. September . ^ 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle «Sonntage. Der halbjährige Nbonnemenisprei« kr., wofür e« durch alle köuigl. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezog?« werden kann. . Die beiden Schwestern. Es läutet still im Waldes gründ Der Engclsgruß zur Nuhestnnd', Da hört's im Hiittlein, arm und klein, Ein altgebücktes Mütterlein. Und tief im Forste hoch zu Roß Die Fürstin Horts im Jägertroß, Und senkt den Speer und winkt zur Ruh, Und horcht so still dem Läuten zu. Und aus dem Hüttlein wanket bald Das Mütterlein still durch den Wald. So achtzig Jahr', da geht sich's schwer, Und ohn' Gebet ging's nimmermehr. Und hinter ihr in stolzem Haus Zieht schimmernd hehr die Fürstin auf; Ein Page schlank den Zelter lenkt, Sie trägt gar fromm das Haupt gesenkt. Und müde steht am Fclscnhcmg Das Müttcrleiu und athmet lang; Und auf zum Kirchlein lies geneigt Sie wohl die hundert Staffeln steigt. Und wie sie droben wankt durch's Thor, Da reitet hoch die Fürstin vor, Und neigt voll Zucht zum Page» sich, Und wallt hinauf so feierlich. Das Müttcrlein kniet ganz allein Verzückt vor'm MuttcrgottcSschrein; Lallt lächelnd wie ein Kind mit ihr, O lalle nur! sie lauschet dir. Und durch's Portal die Fürstin wallt; Neigt tief die blühende Gestalt Und kniet der Wittwe nah' zur Seit', Und ringsum kniet ihr reich Geleit'. 232 Es betet wohl das Müttcrlein: Ich opf're dir all meine Pein, O hilf mir dulden frcudiglich! Du Schmerzensmutter, bitt' für mich! Die Fürstin fleht: O Königin, All meinen Schimmer, nimm ihn hin! Gib Demuth mir, ich rufe dich! Du Himmelsherrin, bitt' für mich! Und von dem armen Wittwenkleid, Und von der Fürstin Perlgeschmeid' Rinnt eine Thräne still und klar Als gleiche Perle zum Altar. Und leis' die Fürstin sich erhebt — Das Mütterlein, das sieht's und bebt, Und scheu sie von der Herrin rückt, Doch mild sich diese niederbückt. Löst demuthsvoll ihr Perlcnband Und legt es in der Wittwe Hand: Lieb Mütterlein, was zitterst du? Wie käm ein reich'rer Platz mir zu? Ist sie nicht Mutter mir und dir? Als Schwestern knieten wir vor ihr. O wär' wie du ich gnadenreich! Im Haus des Herrn sind Alle gleich. O. v. Redwitz. Der Tod Voltaire s. *) Wenn wir den Schatten dieses ManneS auS seinem beinahe achtzigjährigen Grabesschlummer aus eine' kurze Weile aufrütteln, so geschieht dieß weder auS Haß noch aus Vorliebe für seine Person oder seine vielseitige literarischc Thätigkeit, sonvern um an-ihm, als dem Koryphäen und Orakel aller Schöngeister oder als solche sich Geberdenden deS achtzehnten Jahrhunderts, zu Nutz und Frommen der Mitwelt zu erproben, in wie fern gewisse Lehren, zu deren Apostel er geHorte, und die er durch alle ihm zu Gebot stehenden Mittel, selbst mit Aufopferung seiner eigenen Gemüthsruhe, zu verbreiten bemüht war, auch am Ziel des irdischen Daseyns, an der Gränze einer furchtbaren Ewigkeit noch Stich halten; einer Ewigkeit, die sich nicht verspötteln läßt, und t>ie mit ihrer stummen Beredtsamkeit Furcht unv Schrecken auch dem kühnsten Trotzer in die vermeintlich gestählte Brust zu donnern weiß. Bewähren sich jene Lehren ans diesem Prüfstein ihres Gehalts, so müssen ihre Gegner verstummen; denn ein solcher Sieg ist entscheidend, und läßt die Geschlagenen nie wieder zu Kräften kommen. Bevor wir aber zu der angedeuteten Untersuchung in Bezug auf ven nächsten Gegenstand dieses Aufsatzes schreiten, scheint es uns gerathen, zuerst das Zeitalter zu betrachten, dessen spätere Richtung wohl hauptsächlich mit das Werk unseres Helden war, das aber früher ganz gewiß auch auf ihn eingewirkt und ihn zu dem zweideutigen, mit sich selbst und andern in stetem Zwiespalt lebenden Wesen gemacht hat, als welches wir ihn in seiner häuslichen Lage wie in seiner öffentlichen Wirksamkeit erkennen. Bei dieser Betrachtung, wodurch es unseres Bebünkens erst möglich wird, Ursache, Wirkung und Folgen in ihr gehöriges Licht zu stellen, muß unser Weg begreiflich ziemlich weit jenseits der Wiege Voltaire'S anheben und sich auch noch eine gute ») Volkshalle. 283 Strecke über sein Grab hinaus ausdehnen, damit sich die Billigkeit nicht über die Gerechtigkeit zu beklagen habe, damit eS aber auch jedem unbefangenen Leser rcchl klar werde, daß, wie es keine Frucht ohne Samen gibt, auch die Beschaffenheit der Frucht von jener des Samens abhängt. Ist der Same gut, so wird auch die gute Frucht nicht ausbleiben, woferne nicht uuvorherzuseheude Einflüsse ihr Gedeihe» hindern; ist aber der Same schlecht, so mögen berechnete nnd nicht berechnete Einflüsse noch so günstig seyn, die Frucht verläugnet ihren Ursprung nicht. Zinn und Kupfer werde» im Schmelzofen nie zu edlen Metallen, und diese handgreifliche Wahrheit halte allein genügt, um uns vor der Thorheit der Goldmachern zu bewahre», läge eS nicht in der Art deS Menschen, über das vor seinen Füßen Liegende hinweg, und darum gemeiniglich auch den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. AIS Voltaire baS Licht der Welt erblickte, hatte Frankreich schon über anderthalb Jahrhunderte in den heftigsten Zuckungen gelegen. Auch die gcsuudeste Natur muß sich nach einer Krankheit schonen, und darf auch sonst nicht auf ihre Gesundheil losstürmen. Frankreich that das Erstere gar nicht, und daS Letztere mit Ucbermaaß; und wenn eS diesem von zwei Seiten her ausreibenden Gebcchren nicht erlag, so hatte es seine Erhallung wohl dem Umstände zu danken, daß seine Rolle im Welldrama höherer Bestimmung gemäß noch nicht ausgespielt, daß es ihm vorbehalten war, zur Zeit als Zuchlrulhe deS Ewigen von Sieg zu Sieg zu fliegen, den leichtsinnigen, genußsüchtige», entnervte», gottvergessenen Geschlechtern die mit Blut und Zerstörung geschriebene Bürgschaft zu bringen, daß der, welcher einst einen Timur-Beck und TschingiSchan, einen Genserich und Attila erweckte und wassnete und stärkte, daß sie Alles vor sich wegfegten, wie der Sturm die Wolken, daß Er noch lebe zum Strafe» wie zum Segnen, und kaum eines Hauches bedürfe, um seine hartnäckigen, aber ohnmächtigen Feinde zu zerstieben: ^ll'Igvit veus, st clissipsti sunt. Dem letzten BaloiS war der erste Bonrbon auf dem Throne gefolgt. EtwaS über zwanzig Jahre hatte Heinrich III. die französische Krone getragen, und eben so lange durch seine Genußsucht Aergerniß verbreitet. Rene und Rückfälle wechselten mit einander und zeigten die Haltlosigkeit deS Charakters, der ihn in den Mitteln fehlgreisen ließ. Dasselbe kann man nicht von jenen ehrgeizigen Großen sagen, welche, die WillenSlosigkeit des schwachen Fürsten mißbranchend, den unseligen Krieg wider den Bearncr anfachten, und, um ihr böses Spiel zu verberge», im Namen ihrer Religion Bürger gegen Bürger anf'S blutige Schlachtfeld trieben, während sie selbst, nur irdische Zwecke verfolgend, die entehrte Krone auf ihr eigenes hochverräterisches Haupt setzen wollten. Jedermann weiß, wie, wo und wann Heinrch III. das Zeitliche verließ nnd wer sein Nachfolger wurde. Die Ligue war verschwunden, und Heinrich IV. herrschte über Frankreich. Große Eigenschaften, die durch menschliche Schwäche verdunkelt, aber uicht zerstört wurde», zeichneten diesen Monarchen auS. - Er hatte ein gutes, für daö Glück seines Volkes warm schlagendes Herz, und wir dürfen uns hierüber auf sein Volk selbst berufen; das Volk ist in diesem Stück Kind und, wie das Kind, ein guter Beobachter: eS weiß bald, wen eS lieb'. Heinrichs Unterthanen sangen, nnd ihre Nachkommen singen noch jetzt: „Vivs Henri Huatr«, vive es roi vaillsrit!" und bei der „poule ->u pot" rollen den, französischen Landmanne noch jetzt Thränen über ihre Wangen. Heinrich hatte mit seinem herrlichen Sully die Finanzen aus ihrer Zerrüttung hervorgezogen, mit Einsicht geordnet, durch rühmliche Sparsamkeit befestigt; Ackerbau, Handel und Gewerbe, kurz Alles, wodurch daS materielle Wohl eines Landes bedingt ist, rafften sich uuter Heinrichs schützender, überall gegenwärtiger Aegide mit verjüugter Kraft aus ihrer Erschlaffung empor, uud gediehen zusehends; Frankreichs Wort, das unter den frühern Regierungen vom Auslande unbeachtet blieb, fing unter dem Bearner wiederholt an, in Europas Wagschaale sein nicht leichtes Gewicht zu legen, und der diesem Monarchen zugeschriebene Plan einer Theilung unseres Welttheils in eine bestimmte Zahl uugefäbr gleich starker Republiken (im alten Sinne von res puKIie-l zu verstehe»), um jeder küufligen Störnng des Gleichgewichts vorzubeugen, beweiset, daß er sich seiner und Frankreichs Macht auch bewußt war; endlich — wir nennen dieß der Steigerung wegen zuletzt, obschon eS 284 chronologisch allen aufgeführten Bestrebungen vorherging — Heinrichs Seele hatte sich der Wahrheit geöffnet; Ludwig der Heilige oder Neunte nimmt ihm, nach Voltaire'S epischer Darstellung, die Binde von den Augen. ,M lui cl^oouvrv un vieu sous u» smin qui »'egt, plus." Der Thron fand also wieder eine kräftige Stütze an der Kirche, und eS schien sich daher AllcS zu vereinigen, um die noch blutenden Wunden einer vrdnungslvsen Zeit allmälig zu Heileu. Und doch heilten sie nicht, trotz den günstigsten Constellationen, trotz der emsigsten, ungebeuchelt teilnehmendsten Pflege! Der gewöhnliche Betrachter historischer Thatsachen steht hier wie eingewurzelt vor Bcftemdnug, und sieht sich vcrgebens nach einem Schlüssel um: denn das ist unbestreitbar: Heinrich und Snlly war eS voller Ernst mit dem VolkSglück; sie scheuten keine Anstrengung, kein Opfei, um dasselbe dauerhaft zu begründen, unv Beide verstanden eS auch, die Sache beim rechten Ende anzugreise». Und dennoch gelang sie nicht? Ja, freilich gelang sie nicht — und konnte nicht gelingen (Fortsetzung folgt.) Spanien. Die traurigen Ereignisse, welche zur Zeit das schöne Spanien an den Rand des AbgrnndcS zu führen drohen, erwecken gewiß in jeder katholischen Brust ein lebhaftes Interesse für dasselbe. Wer möchte auch nicht Th?il nehmen an diesem unglücklichen Lanve, das von der Natur so reich ausgestattet und von einem gesunden, kräftigen VolkSstamme bewohnt ist, das in früherer Zeit eine so glänzende Rolle in der Weltgeschichte gespielt und so viel Herrliches in religiöser und wissenschaftlicher Beziehung, so wie in der Kunst hervorgebracht hat, und daS jetzt in der Weltgeschichte zu einer Unbedeutendheit herabgesnnken ist, die es zum Gegenstande willkürlicher Wühlereien von einzelnen Personen, als auch selbst von Regierungen gemacht, ja sogar zum Gegenstände deS Spottes der sogenannten „Liberalen" herabgewürdigt hat. ES mögen manche ganz irrthümliche Ansichten über die Verhältnisse in Spanien gang und gäbe seyn, verbreitet durch solche, welche diesem katholischen Lande nicht wohl wollen; deshalb glauben wir unsern Lesern einen Gefallen zu erweisen, einige Notizen, die der „Katholischen Wochenschrift" entnommen sind, hier folgen zu lassen, die manches Vorurtheil verscheuchen und manche Verleumdungen zu nichte machen werden. Die englischen Blätter machen es sich seit geraumer Zeit zur besondern Aufgabe, das katholische Spanien ans alle mögliche Weise zu verunglimpfen; sie bringen immer und immer wieder die abenteuerlichsten Gerüchte über die Unsiitlichkeit deS HofeS, der Geistlichkeit und des Volkes:c. Diesen Lügen-Berichten gegenüber bringt das „lablet," von Zeit zu Zeit Mittheilungen aus Spanien, welche die dortigen religiös-sittlichen Zustände in einem ganz andern Lichte erscheinen lassen. „Ich glaube," — schreibt der Madrider Korrespondent dieses BlatteS — „diese Journalisten denken in ihrem Schrecken über die Ausbreitung deS Katholicismus in England, iu der Religion seyen, wie „in der Liebe und im Kriege, alle Mittel recht", und die Verdächtigungen katholischer Fürsten und katholischer Geistlichen seyen das beste Mittel, ihr Publicum mit Haß gegen die Kirche zu erfüllen. Vor einigen Tagen kam ich beim Palaste vorbei: die köuigl. Equipage fuhr gerade in den Hof, die Königin, der König und die Prinzessin von Asturien mit ihrer Amme saßen darin; das MusikcorpS spielte den „königlichen Marsch". Die Königin umarmte zärtlich ihr Kind und gab cs der Amme und stieg dann mit dem König die Treppe hinan. DaS war das erste Bild vom Hofleben, welches ich sah, nachdem ich die Schmähungen englischer Blätter gelesen. Einige Tage nachher hatte ich eine Privat-Audienz bei der Königin. Sie stand einfach, aber elegant gekleidet, mit einem würdevollen, jedoch gütigen Ausdruck neben dem König und liebkoste die kleine Prinzessin, welche die Amme an der Hand führte. Keine Bauernfamilie konnte einen Anblick größern häuslichen Glückes und größere Einfachheit darbieten. Die englischen Journalisten kennen nicht die Liebe der 285 Spanier zu ihrer Königin; sie kennen nicht die Milde und Großmuth ihres Charakters. Die Diener des Palastes, namentlich die, welche alt geworden sind im Dienste ihres VatcrS, beten sie an. In der letzten Krankheit einer alten und treuen Dienerin zu Arcmjuez war sie eS, welche den letzten Athemzug der Sterbenden aufnahm. Tausende haben eS gesehen, wie sie aus dem Wagen stieg und niederkniete, als die heilige Wegzehrung zu einem Kranken getragen wurde, und wie sie in ihrer Gallakleidung, von Diamanten strahlend, mit einer Kerze in der Hand zu der ärmlichen Hülle ging, wo eine sterbende Frau die heilige Wegzehrung empfangen sollte, während der Priester mit dem «Ziborium in ihrem Wagen saß. Sie stieg mit Thränen in den Augen die enge Treppe hinauf und km'eete aus dem Boden nieder, bis der Priester sein heiliges Amt verwaltet hatte..... Fast alles öffentliche Scandal in Madrid wird durch vornehme Engländer verursacht, und es ist sprichwörtlich, von Einem, der ein schamlos lüderlicheS Leben führt, zu sagen: er lebt wie ein Engländer." Nicht minder tröstlich laulet sein Urtheil über das Verhalten der Geistlichkeit, über die religiösen Gesinnungen der überwiegenden Mehrheit deS Volkes und über die Bestrebungen der Regierung für Belebung und Kräftigung deS kirchlichen LebenS. „Die Kirche," — sagt er — „welche seit der Thronbesteigung der Königin stets mit der Strenge antichristlichen Hasses oder der Gleichgiltigkeit eineö selbstsüchtigen JndifferentiSmuS behandelt wurde, fängt seit einigen Jahren, namentlich seit dem Abschlüsse deS ConcordateS, langsam abcr stetig an, die Stellung wieder zu gewinnen, die sie einst im spanischen Staate hatte, und die sie nie aufgehört hat, im Herzen der großen Majorität der Spanier einzunehmen. Ich will nicht sagen, daß der wellliche Einfluß und die äußere Macht der Kirche sehr zunimmt; aber ihre Hirten, die durch den Feuerofen der Revolution hindurchgegangen sind, zeigen einen Eifer in der Bewahrung deS reinen Glaubens und in der Verbreitung deS Geistes der Frömmigkeit und Sittlichkeit unter den Massen, welcher den besten Erfolg hat, selbst in Städten, die vor zehn Jahren noch der Sitz des Lasters und der Irreligiosität waren. Ihre Bemühungen verdienen doppelte Anerkennung bei der großen Zahl von geheimen und offenen Feinden, mit denen sie zu kämpfen haben. Denn leider gibt eS auch in unserm Lande eine nicht so zahlreiche, als dittere, nicht so einflußreiche, als verwegene Partei, welche unter dem wohlklingenden Namen „liberale" selbst den Thron GotteS über den Haufen werfen möchte, wenn er ihrem Fortschritt im Wege stände. Aus Bosheit oder Dummheit begünstigen sie jedeö System, welches den Katholicismus in Spanien zu untergraben sucht, wiewohl sie sich scll'st Katholiken nennen; römisch, katholisch, apostolisch — sind die Namen, welche selbst Diejenigen für sich in Anspruch nehmen, die unter den Beamten und unter dem Volke in Städten und ans dem Lande nach Cultusfreiheit rufen, und die Grundsätze des Protestantismus verblei en durch Begünstigung der Agenten der Bibelgesellschaften, durch Ucbersetzung und Vertheilung ihrer Tractate und durch Artikel, die sie den „limes" nnd andern Blättern einsenden mit heftigen Declamalionen über die Jutolerunz des sc.indalrcichen HofeS und der bigotten Geistlichkeit. Ihre blinde Verehrung gegen das goldene Kalb englischer Macht und Größe, ihre falsche Vorstellung von Englands Toleranz nnd seiner Politik veranlassen sie, AlleS zu verhöhnen, was nicht einen englischen Anstrich hat, und darum suchen sie überall dem englischen Einflüsse Eingang zu verschaffen, und die Saat deS JrNhumS unter einem Volke auszustreuen, welches seit seiner Bekehrung zum Christenthu-n fast nicht weiß, waö Häresie ist. Unter ihrem Schutze ziehen Engländer im Auftrage von Bibel- und andern Gesellschaften im Lande umher und vertheilen hübsch gebundene protestaniische Bibeln und Tractate heimlich oder in einer Weise, welche kein großes Verlangen nach der Märtyrerkrone beweist, z. B. indem sie dieselben auS dem Wagen Vorübergehenden zuwerfen." (Fortsetzung folgt.) 286 Kirchliche Notizen. Salzburg, 12. Aug. Am 27. v. M. starb zu Sebenstein bei Wiener- Neustadt nach einer längern Krankheit die General-Oberin deS Institutes der Schulschwestern, Xaveria Lienbacher.. Sie war im Jahre 1812 in der Pfarre Kuchl bei Salzburg geboren. Während des Besuches der Mädchenschule zu Hallein empfahl sie sich durch ihre Sitten und Fähigkeiten, weßhalb sie auf ihre Bitte im Regelhause zu Halleiu, dem Mutterhause deS Institutes der Schulschwestern, Aufnahme fand und zur Dienstleistung im Hause verwendet wurde. In dieser Zeit lernte sie daS Institut genau kennen und gewann das Ordensleben so lieb, daß sie im Jahre 1830 in den Orden aufgenommen wurde, und nach einem Jahre die Profeß ablegte. Durch mehrere Jahre ertheilte sie den Unterricht in der Mädchenschule und hat in dieser Zeit durch ihre Eigenschaften und ihr Benehmen das Vertrauen und die Liebe der Ordensschwestern so sehr gewonnen, daß sie im Jahre 1841 zur Oberin deS RegelhauseS erwählt wurde und seitdem in diesem Amte verblieb. Unter ihrer Leitung hat sich die Zahl der Mitglieder des Institutes von von 10 bis auf 54 nebst mehreren Kandidatinnen erhöht. Die Frömmigkeit der Ordensschwestern, ihre Befähigung beim Unterrichte und in der Erziehung der Jugend haben dem Institute in so hohem Grade das allgemeine Vertrauen erworben, daß sie durch die Unterstützung edler Wohlthäter, besonders aber durch die großmüthigste Munificenz Allerhöchstihrer Majestät der Kaiserin Wittwe Carolina Augufta im Stande waren, Filialen zu gründen und die Leitung mehrerer Erziehungsinstitule, Kinderbewahranstalten und Arbeitsschulen zu übernehmen. Lavcria Lienbacher wurde zur General-Oberin des Ordens ernannt und begab sich im Jahr 1852, jedoch schon damals mit einem Lungenleiden behaftet, nach Wien, um von dort die neu errichteten Filialen zu leiten. Obwohl mit schwerer Krankheit bedrückt, verwaltete sie ihr Amt mit vieler Umsicht zum Besten deS Institutes und erwarb dem Orden stets mehr Gönner und immer größere Beliebtheit. Um ihre Leiden zu erleichtern, nahm sie im Juni d. I. ihren Wohnort zu Sebenstein, wo sie an, 27. v. M, selig im Herrn entschlief. Welcher Gnade sie von ihrer hohen Schntzfrau gewürdigt wurde, ist daraus ersichtlich, daß Allerhöchstdieselbe nach erhaltener Nachricht von ihrem Tode eine namhafte Summe anweisen und nach Sebenstein zusenden ließ, damit die Leiche der Verstorbenen würdig bestattet werde. Unter der Leitung der Schul- schwestern stehen gegenwärtig folgende Institute: Das Stamm- und Mutterhaus in Hallein mit achtzehn Schwestern; die Kiuderbewahranftalt Fridericia in Salzburg mit zwei Schwestern, ein ErziehungSinttitut und Kindcrbewahranstalt in der Wiener Vorstadt Erdberg mit siebzehn Schwestern; die Kinderbewahranstalt zu Baden bei Wien mit drei Schwestern, die Mädchen- und Kinderbewahranstalt zu Sebenstein bei Wiener- Neustadt mit drei Schwestern; die Kinderbewahranstalt und Industrieschule zu Wiener- Neustadt mit zwei Schwestern; die Arbeitsschule in der Wiener Vorstadt Nennweg mit zwei Schwestern; die Bewahranstalt und Arbeitsschule in Neunkirchen, mit drei Schwestern; die Bewahranstalt in der Wiener Vorstadt Scholtenfeld mit zwei Schwestern; die Filiale Judenau in der St. Pöltner Diöcese mit drei Schwestern; in der Linzer Diöcese die Kinderbewahranstalt zu Hallstadt bei Jschl mit zwei Schwestern. Wiener Blätter melden, daß auch die Leitung des RettungShauseS für weibliche Jugenv am Alscrgruud zu Wien den Schulschwcsteru übertragen werden soll, und daß eö beantragt sey, die Schulschwestern in gleicher Weise, wie sie der weiblichen Arbeitsschule am Rennwcg vorstehe», allen übrigen weibliche» Arbeitsschulen als Lehrerinnen deizugeben. Wir bezweifeln jedoch, daß dieser fromme Wunsch schon in nächster Zeit realisirr werde, da der Orden gegenwärtig nicht so viele Mitglieder besitzt, um die Leitung aller Arbeitsschulen zu übernehmen. (Salzb. Kbl.) Salzburg. Im Jahre 1853 bestanden im Herzogthume Salzburg 147 katholische Volksschulen, nämlich 2 Hauptschulen, 140 Trivialschule» und 5 Mädchenschulen. Sämmtliche Ortschaften, 716 an der Zahl, find eingeschult, in denselben wurden, mit Ausschluß der Sonn- und Feiertagsschüler 14,085 schulfähige Kinder gezählt, 287 von denen 13,873 die Schule wirklich besuchten; es sind daher nur 212 übrig, welche keinen Schulunterricht genossen. Unter diesen letzteren befinden sich viele, welche wegen ihres AlterS zu den Schulfähigen gezählt wurden, aber wegen körperlicher und geistiger Gebrechen keine Bildungsfähigkeit besitzen. Mit den 147 Volksschulen standen noch 10 Industrieschulen, 138 Sonntagsschulen, 1 Lehrerseminar, 1 höhere Töchterschule und 1 Mädchen-Erziehungs-Jnstitut in Verbindung. DaS AussichtS- und Lehrpersonal bestand in 12 SchuldistriktSaufsehern, 120 OrtSseelsorgcrn, zugleich OrtSschul-Jnspectoren, 163 Katecheten, 143 Lehrern, 52 Unterlehrern, 19 Mädchen- und 17 Jndustrial- Lehrerinnen, 13 Gehilfinnen und 145 weltlichen OrtSschulaufsehern. LehramtScandioaten waren 11 geistliche und 13 weltliche. Wird die Zahl der Schulen (147) mir den schulfähigen Kindern (14,085) verglichen, so kommen auf eine Schule 95 schulfähige Kinder. Wird das Lehrpersonale, abgesehen von den Ortsseelsorgern und Katecheten, bestehend in 143 Lehrern, 52 Unterlehrern, 19 Mädchen-Lehrerinnen und 13 UnterLehrerinnen mit den schulfähigen Kindern zusammengehalten, so entfallen auf 1 Lehr- Jndividuum 52 schulfähige Kinder. Aus den gepflogenen Erhebungen ergibt sich die erfreuliche Wahrnehmung, daß das Volksschulwcsen im Herzogrhume Salzburg auch im Jahre 1853 im Allgemeinen wieder neue Fortschritte zum Bessern gemacht habe. (Salzb. Kbl.) -i- » » Briren, 14. Aug. Gestern lief beim Consistorium folgende Trauerpost auS Chartum vom 12. Juni vom Herrn Missionär Gostner ein: „Den 10. Juni ist der hochwürdige Herr Missionär AloiS Hallcr ganz unerwartet und schnell einem außerordentlich heftigen Fieberanfall unterlegen. Am vorhergehenden Tage Abends verrichtete er seine heilige Beicht, am nämlichen Tage die heilige Messe, ja sogar Nachmittags unterrichtete er noch seine lieben Kleinen in der heiligen Religion. Ihm war gar nicht wohl, wenn er nicht mitten nnter seinen Kleinen war. Er wußte sich bereits den Kindern recht gut verständlich zu machen. Vor einigen Tagen sagte er zu mir, daß cS ihn jetzt recht freue, hier zu seyn. Sein gutes Beispiel wirkte ungemein viel Gutes bei den Knaben. Nach seinem Tode hörte man nichts anderes, alS: „der Heilige ist gestorben!" Selbst Muhamedaner nannten und nennen ihn den „Heiligen." Wie viel seine stille Thätigkeit ausrichtete, fällt erst jetzt recht auf. Wie schwer unS Allen der Verlust dieses frommen Priesters, dieses eifrigen Missionärs fällt, läßt sich gar nicht beschreiben." ' (Salzb. Kbl.) » « » Linz. Ueber die vom 2. bis 16. Juli in der k. k. Strafanstalt Garsten durch vier Väter der Gesellschaft Jesu abgehaltene Mission schreibt die officielle Linzer Zeitung: „Wer immer Zeuge der Erbauung gewesen ist, mit welcher die Sträflinge in jenen Tagen dem heiligen Meßopfer beiwohnten, der Aufmerksamkeit, womit sie den an sie gerichteten Kanzelvorträgen zuhörten, der Reue und Zerknirschung, welche sich ihrer bemächtigte, und sie antrieb, in den heiligen Sacramenten der Buße und deS Altars Entlastung ihrer schuldbewußten Seele, und Trost und Stärkung zu suchen, und wer Gelegenheit gehabt hat, zu beobachten, wie seit der Zeit die Andacht derselben inbrünstiger, die Rede züchtiger, ihr Gehorsam williger, ihr Umgang verträglicher und ihre Selbstbeschauuug thätiger geworden ist, der wird mit Achtung auf diesen Act geistlicher Bußübung und die Väter zurückblicken, unter deren Leitung dieselbe vollbracht wurde, der Regierung aber für die Sorgfalt großen Dank zollen, womit sie die religiöse und sittliche Besserung dieser verirrten und ties gefallenen Menschen zu bewirken bestrebt ist. » » « Mailand, 20. Aug. Die Synoden, hervorgegangen aus dem innersten Bedürfnisse der Kirche, haben als eine Aeußerung der moralischen Kraft derselben stets wesentlich dazu beigetragen, das Bewußtseyn der kirchlichen Einheit und Ordnung 288 zu erhalten, oder, wenn eS durch die Ungunst der Zeiten geschwächt worden war, von Neuem zu beleben und zu befestigen. Aus verschiedenen Gründen sind diese Versammlungen der Bischöfe mit ihren Priestern seit längerer Zeit unterblieben, obwohl ihre Nützlichkeit stets erkannt wurde und die früher in der Lombarvie nach dem Geiste des heiligen Carl BorromäuS abgehaltenen Synoden eine Berühmtheit erlangten. Der Senior deS lombardischen Episkopates, Cajetan, Bischof von Lodi, ist nun der erste, welcher den übrigen hochwürdigsten Bischöfen mit der Einberufung der Synode vorangeht, indem er bereits in einem Hirtenschreiben vom 28. Juni den Klerus der Diöcese zu einer Ende August abzuhaltenden Synode eingeladen hat. (Salzb. Kbl.) Berlin, 27. Jul. Gewiß kann es als ein glücklicher Gedanke bezeichnet werden, daß hier ein katholischer Verein unter den Studirenden ins Leben getreten ist. Derselbe hat sich die schöne Aufgabe gestellt, das religiöse Leben auf Grundlage der katholischen Wissenschaft und christlichen Kunst zunächst in den VereinS- Mitgliedern selbst zu fördern. Die Wichtigkeit dieses Bestrebens springt um so mehr in die Augen, als die meisten der hiesigen Studirenden schon dem Ende der akademischen Laufbahn nahe sind nnd bald selbst ins Leben eintreten müssen. Wiewohl der Verein erst seit einem Jahr besteht, so hat er doch schon einer erfreulichen Theilnahme sich zu erfreuen in allen Facultälen, besonders liefert die medicinische ein nicht unbedeutendes Couligent. Den kirchlichen Sinn hat der Verein schon bei der Frohnleich- namSprocession bewiesen, in welcher er korporativ auftrat. Gestern feierte der Verein das Fest seines Patrones, des heiligen Augustin. Um halb acht Uhr celebrirle der Curatpriester, canli. pb.il. Herr GroSfeld, in der St. Hedwigskirche eine heilige Messe für den Verein, dem die Mitglieder beiwohnten. Am Abende war Versammlung, verbunden mit einem Souper, an welchem außer den Siudirenden mehrere hochgestellte Ehrengäste Theil nahmen. Von den letztern nenne ich nur den Hrn. Probst Pelldram mit dem Pfarrklerus, den geheimen Ober-RcgierungSrath Hr. Ür. Brüggemann und den geheimen Ober-Negieruugsrath Hr. v. Ellerts. Nachdem der Vorsteher Hr. Or. meä. v. Soist die Sitzung mit einer kleinen Ansprache eröffnet hatte, hielt Hr. eanch plul. Dieckhcff die Festrede, in welcher er den Satz: „Omnis sei msMem äöi ^loriam" im Leben deS HI. Augnstin nachwies. An dieselbe anknüpfend schenkte Hr. Dr. Brüggemann, dessen unermüdlicher Eifer, die jungen Leute für wahre christliche Wissenschaft zu begeistern, längst bekannt ist, uns die Ehre, in einer längern kräftigen lateinischen Rede die Bedeutung und die hohe Aufgabe des Vereins uns anS Herz zu legen. Rührend und ergreisend waren seine trefflichen Worte und haben, weil sie auS einem tief-religiösen Herzen hervorgingen, gewiß ihre Wirkung nicht verfehlt. Beider Tafel brachte der Herr Probst einen Toast ans die schöne Idee deS Vereins, der Religion und Wissenschaft wieder, wie in den guten Zeiten, geschwisterlich zu vereinigen suche. Es folgten darauf verschiedene Toaste auf den heiligen Vater, unter Hinweisung auf daö Bestreben deS Vereins, auf die Verdienste deS apostolischen Stuhles um Kunst uns Wissenschaft, auf unsern vielgeliebten König. Ein österreichischer Historiker brachte ein Hoch dem Kaiser Franz Joseph, Andere auf den deutschen Episkopat, auf Hrn. Dr. Brüggcmann, auf die deutschen Hochschulen, auf Hrn. Freiherrn von Eichendorff, auf den Vorsteher deS Vereins u. s. w. In heiterer Unterhaliung vergingen schnell die Abendstunden. Möchten ähnliche Vereine an allen deutsche» Hochschulen sich bilden, wie wir neulich schon die Freude hatten, einem Bruderverein in BreSlau unsere Grüße übersenden zu können. (Münst. Sbl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: A. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostLeitung. 10. September ^ 37. 1854. Dieses ivlatt erscheint regelmäßig alle Soautage. Der halbjährige Abvunementsprei« TV kr., wofür e« durch alle königl. daher. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kanr. Sancta Agatha. Agatha, im Flammenkleide Christ als ^eine Braut vermählet, Brandpatronin uns erwählet, Hilf uns, Sancta Agatha! Sich', die Sonne dörrt die Erde: Wann die Gluthcn uns bedrängen, Ihre Strahlen uns versengen, Komm' herab, o Agatha! Laß den heil'gen Wasserreiher Fliegen durch das Licht der Sonne», Schließen auf den Wolkcnbronnen, Den er hütet, Agatha! Auch der Erde gicr'ge Flammen Stets an unsern Häusern lecken, Werden uns zum Jammer wecke», Wann wir schlafen, Agatha! Trag' im gold'nen Flammcnkleide (Zeitlich Gut es gilt uns minder) Aus der Gluth nur unsre Kinder, Flammenfürstin Agatha! I. Pape. Der Tod Vvltaire's. (Fortsetzung,) ES gibt Sätze, die reichbegab>en und kmgbedachten Geistern gleich einleuchtend sind, so z, B. daß cin haltbares Gebäude eine feste Grundlage voran, setzt; versucht inan'ö aber, diesen Satz auf den Staaisbcin anzuwenden, dessen nnentbcyrliche Grundlage die Autorität der geistlichen wie der weltlichen Macht ist, so können die Kurzsichtigen, so w o l l e n die Hellsehenden nicht begreifen. Man baut fort und fort in die Luft, macht sich und Andern weis, dieß sey ein wohnlicher Aufenthalt, und Zwietrachtsflammen anzuzünden, Geht der Feind durch alle Lande; Vor dem rothen Kriegcsbrande Hüt' uns, Sancta Agatha! Wann das Feindsvolk naht, die Kinder Von dein eig'nen Herd zu jagen, Nett' uns in den bösen Tagen, Große Sancta Agatha! Doch zumeist vor jenem Brande In der cig'neu Brust wir beben; Sieh', er zehrt an unserm Leben: Kämpf' mit uns, o Agatha! Noch zum Tag des Weltgerichtes, Wann die Wclt verbrennt, befehlen Dir wir uns re armen Seelen: Vor uns geh', o Agatha! Dieses Haus ist Dir geweihet, Trägt Dein Bildniß ob der Pforte: Weich', o weich' uicht von dem Orte, Unser Schirm, o Agatha! 290 gelangt so unvermerkt in den Raum, wo niemand wohnt; oder, was nicht minder klug, man untergräbt das Fundament feststehender Behausungen, und sieht mit naiv fragendem Kopfschütte n den Bau einstürzen, als ob dieser Einsturz anderswo als in der unterwühlten Grundmauer zu suchen. Von denen, die mit Vorbedacht und richtiger Berechnung so zu Werke gehen, mag hier noch abgesehen werden, wir werden leider noch oft genug auf sie zurückkommen müssen. Heinrich's und Sully'S Bemühungen waren, wie gesagt, durchdacht, ehrlich und rastlos, hatten aber nur halben und ungesicherten Erfolg, weil sie in dem entschwundenen Boden jener doppelten Autorität keinen Wurzclgrunv mehr fanden. Die dreiköpfige Reformation, und in Frankreich namentlich der Calvinismus, hatte die kirchliche Autorität unmittelbar, und dadurch auch mittelbar die weltliche, zuerst bei einem großen Theile der Vornehmen gelockert, dann auch, wie eS zu geschehen pflegt, denn — exempls tranunt — bedeutende Massen im Volke selbst hingerissen. ES wäre vermessen, geradezu zu behaupten, daß der König bei längerem Leben und fortgesetzter Mitwirkung seines Ministers nicht endlich doch dieses Hinderniß überwunden, die zersetzenden Elemente nach und nach ausgeschieden hätte; allein gewichtige Vermuthungen sprechen dagegen. Heinrich war Convcrlit; Katholiken wie Protestanten fiel eS daher schwer, ihm unbedingtes Vertrauen zu schenken, und um so schwerer, wenn die ihm beigelegte Aeußerung: „Hue Paris valait dien une messe" keine Erfindung seiner Feinde ist. Sein leichtfertiges Leben, das zwar seine Thätigkeit als Regent nicht hemmte, aber ihre volle Anerkennung und allseitige Unterstützung verhinderte, mag auch das Seine wohl dazu beigetragen haben, daß er nach einer etwa sechzehnjährigen, kräftigen und wohlthätigen Regierung vielleicht doch seinen Geist mit dem betrübenden Bewußtseyn aushauchte, weder selbst König gewesen zu seyn, noch in seinem einzigen minderjährigen Sohne einen' König zu hinterlassen. Was Heinrich der Mann nicht vermochte, wie hätte daS seine Wittwe, auch ohne ihre Vorliebe für das florentinische Ehepaar, vollbringen können? und ihr allmälig zum Jüngling herangereister Sohn, der gutmüthige, aber kränkliche und beschränkte Ludwig XllI,, konnte unter der Leitung eines Duc de LuyneS wohl ein trefflicher Jäger und Vogelsteller, aber kein großer Herrscher des FrankenrcichS werden. Da warf ihm die Vorsehung, die am Ende doch immer den AuSschlag gibt, einen Mann in den Weg, wie ihn das Reich bedürfte, und Ludwig war trotz seiner Abneigung gegen Richelieu's Person doch weise genug, seine gclränktc Empfindlichkeil dem Wohl deS Landes zu opfern, und den überlegenen Geist, vor dem der seinige zitterte, an das StaatSruder zu stellen. Richelieu ergriff dasselbe mir einer Kraft, die sich zum Herrschen berufen fühlt, und sein Wille ward Gesetz in Frankreich und weit über dessen Gränzen hinaus. Aber hat denn dieser gewaltige, ja, menschlich zu reden, allgewaltige Minister, „cjui mit les rois cle trance oois L.ilolieo" und „I.a Lsperimxain diesen Tagen ist aber ein neues katholisches Wochenblatt angekündigt unter dem Titel: „l.g Lspimns eglolicg." In Portugal scheint die katholische Presse verhältnißmäßig stärker zu seyn. 293 die Pflicht meines bischöflichen Amtes habe ich eS nicht für genug gehalten, solche Werke zu censuriren, da diese Censuren für alle Diöcesen der Christenheit schon pro- mulgirl sind, und nicht hinreichen, dem Uebel abzuhelfen; die spanischen Sitten, die Würde des ThroueS Ew. Majestät und die der Religion schuldige Achtung verlangen, daß die Verbreitung so verderblicher Bücher gehindert uud daß sie confiScirt werven gemäß den in den Gesetzbüchern Philipps II., Carls lll. und Carls IV, enthaltenen Bestimmungen. Ich will mich nicht über die Gefahren vertreiben, die der Monarchie drohen, wenn man eine solche Verhöhnung der Majestät des Thrones und der Heiligkeit der Religion duldet; ich will auch nicht davon reden, daß Ew. Majestät, die sich Beschützerin der Kirche nennen, durch diese» Ehrennamen verpflichtet sind, solchen bösen Plänen entgegenzutreten; denn ich bin sest überzeugt von dem Eifer Ew. Majestät und von dem Schmerze, den Ihnen dieses Treiben bereitet. Als königlicher Rath — welches Amt mir als Erzbischof zusteht — will ich aber nicht unterlassen, Ew. Maj. darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn Ew. Majestät es im Interesse der Krone für nothwendig hält, nicht nur die Cvnlrcbande zu verbieten, sondern sie zu confiscireu, das Interesse der Kirche, der Glaube uus.rer Väter und der Friede des Reiches nicht mindere Strenge in Bezug auf die erwähnten Bücher verlangen. Darum bitte ich Ew. Majestät, diese meine Anklage gegen die „Bibliothek des freien ManncS" in Erwägung zu ziehen, ihre Verbreitung zu verbieten, die darin enthaltenen ketzerischen, obscönen nnv gottlosen Bücher zu confiscircn und diejenigen zu strafen, welche sie verbreiten im Widerspruch mit den Geboten der Kirche und den ausdrücklichen Gesetzen der erla-nchtcn Vorfahren Ew. Majestät. — Judaö Joseph, Cardinal-Erzbischof von Sevilla." Die liberalen Blätter kennen kein Maaß in ihrem Lärmen über diesen „Krieg der Bischöfe;" vor allen zeichnet sich in dieser Hinsicht die „Kacion" aus, welche gegen JesniusmuS, religiöse Ream'on und dergleichen ganz im Slyle der englischen aulip.ipi- stifchcn Blätter eifert, was sich erklärt, wenn man weiß, in welchen Beziehungen dieses Blatt zu dem englischen Gesandten Lord Howdcn steht. Die „Xgcion" Hut denn mich die Entdeckung gemacht, die bewaffneten Schaaren, welche vor Kurzem CataKnien beunruhigten, von denen man jetzt aber schon nicht viel mehr hört, seyen Carlisten, und dieß hänge damit zusammen, daß in jener Provinz der Klcrnö am meisten Einflnß habe und die religiösen Bruderschaften am verbrcitetsten seyen. Die „Kspgnrm", das Organ der gemäßigten Liberalen, ist denn doch einsichtig genug, zu gestehen, daß von einer Uebertreibung deS religiösen Eifers, wovon die „^acüon" zu sprechen liebt, dem Lande keine Gefahren drohen, wohl aber von den unsittlichen, Religion und Monarchie unterwühlenden Schriften und Blättern, gegen welche die Bischöfe pflichtgemäß einschreiten. Die Bischöse sind übrigens auch nach den Landesgesetzen vollkommen in ihrem Recht. DaS Concordat vindicirt ihnen in Artikel 2 und 3 das Recht, gegen Bücher, welche dem Glauben oder den Eilten schädlich sind, einznschreiien, und eS wird ihnen dazu der Beistand der weltlichen Macht zugesagt. Die Gesetze, welche die Freiheit der Presse auösprechen, haben die Nothwendigkeit einer Prüfung von Seite der Bischöfe bei Schriften, welche religiöse Fragen berühren, anerkannt. So die Gesetze vom 20 Oct. 1820, August 1836, 9. April 1844. Dennoch haben die entfesselten Leidenschaften die Blätter mit der maßlosesten Polemik gegen den Episkopat angefüllt. Die liberale Presse würde übrigens gewiß nicht so heftig gegen das Auftreten der Bischöse eifern, wenn sie sich nicht gestehen müßte, daß bei der großen Mehrzahl ccr Spanier, trotz aller Aufkläruugsvcrsuche des Liberalismus und JndisserentismnS, ein bischöflicher Hirtenbrief mehr gilt, als ein Dutzend liberaler Leitartikel. «Schluß folgt.) Gott und die Gebildeten. Bezeichnend ist es, wie sich die vornehme Welt und die „Gebildeten" von Gott entfernen, wenn man z. V. nur einige gewöhnliche Gruß-., Wunsch- unv HöslichkcitS- Formeln betrachtet. 294 In einem Brief kannst du höchstens noch einen Armen oder einen Bauern mit dem schönen alten „Gott zum Gruß!" anreden, der Bürger würde darüber schon die Nase rümpfen, die vornehme Welt aber würde diesen Gruß als die größte Flegelei oder als Wahnwitz auslegen. Zum nießenden Armen oder Dienstboten, Bauern zc. kannst du meinetwegen noch sagen: „helf Gott!" zc., zu einem Bürger schickt sich schon sast nichts anderes mehr, als „zum Wohl," zu einem Halbgebildeten „zur Genesung;" der ganz Gebildete nimmt und gibt diesen Wunsch längst nicht mehr, da er „zu gemein" ist. Wenn der Arme und Niedrige ißt, so kannst du zu ihm noch sagen: „gesegn'S Gott!" zum Bürger und Mittelftändler mußt du schon sagen: „guten (oder besten) Appetit!" Der Gebildete aber verschmäht schon längst Geben nnd Hinnehmen dieses „altvä terischen" Wunsches. So schreiten wir auf der Bahn der Civilisation vorwärts! Kirchliche Notizen. Turin. Die auS ihrem Kloster vertriebenen Karthäuser von Collegno haben in der „Armonia" folgende Protestation veröffentlicht: Am 10. laufenden Monats August, während die unterzeichneten Väter der Karlhause von Collegno ihrer Ordensregel gemäß beschäftigt waren, und in Abwesenheit ihres Obern, drang die bewaffnete Macht in ihre Wohnung ein. Nachdem sie den Pförtner überrumpelt, trieb sie die Väter gewaltsam hinaus, von denen einer seit einem Monctt krank war und eben erst drei Aderlässe und eine Blutigelanlegung ausgestanden hatte. Sie ließ ihnen keinen Augenblick Zeit, um ihr persönliches Mobiliar mitzunehmen, und schloß die Kirche, um sie an der Wegnahme der heiligen Zierralhen zu hindern. Inzwischen verbreiteten sich einige von den Eindringlingen und andere den frommen Bewohnern von Collegno ganz fremde Personen im Kloster, und raubten werthvolle Gegenstände, unter andern Wein und Eßwaaren. Die Väter der Karlhause von Collegno waren einige Tage vorher aufgefordert worden, ihre eigene Wohnung abzutreten; da sie aber diesem Gesuch nicht willfahren konnten, ohne zuvor den Befehl ihrer Obern einzuholen, so wurde ihnen wie billig aus ihre Bitte die nöthige Zeit gewährt, um diese Erlaubniß einzukommen. Aber plötzlich vertrieben, und jetzt bei einer frommen Person versammelt, ohne deren christliche Liebe sie mitten auf der Straße lägen, protxstirten sie hiermit von neuem schriftlich, wie sie schon feierlich und mündlich prolestirt haben, während sie die Befehle ihrer Obern abwarteten, und erhoben sich vor der bürgerlichen Gesellschaft PiemontS, vor dem katholischen Piemont, wider eine so ungeheure Ungerechtigkeit. Sie protestiren im Namen des Rechts und des Eigenthums, die durch die Gesetze verbürgt und durch einen despotischen Act verletzt sind, den man bis jetzt verweigert hat ihnen mitzutheilen. Sie Protestiren im Namen der Unvcrletzlichkeit, die daS piemon« tesische Statut anerkannt, im Namen der Religion, die durch die gottlose Verletzung der Klausur uud der CauoneS beschimpft ist, im Namen der Ehre, die ein gegebenes Wort und ein gethanes Versprechen heilig macht, endlich und zuletzt noch im Namen aller Gesetze der Menschlichkeit, die in Bezug auf sie mit Füßen getreten werden. Collegno, 11. August 1854. (Folgen die Unterschriften.) » » « Rom, 23. Aug. Der heilige Vater har gestern ganz Rom durch eine schone That mit einer Begeisterung für sich erfüllt, welche an die ersten Tage, jene überglücklichen seines PontificatS, erinnen. Die Cholera greift täglich mehr um sich; viele Aerzte haben sich von Rom entfernt, andere weigern sich, zu den Kranken zu gehen; das Volk drohr mit Unruhen. Der heilige Vater weiß von Allem. Um die Furcht und den Schrecken vor geglaubter Anstcckung der Krankheit durch seine persönliche Furchtlosigkeit zu verscheuchen, begab er sich gestern gegen Abend, von den MonsignorS 295 Stella und Hohenlohe begleitet, in daS Hospital der Cholerakranken in San Spirito. Er besichtigte jedes einzelne Krankenzimmer, sprach mit den Aerzten, bat sie, nach Gewissen ihre Pflicht zu thun, und sprach den Leidenden Muth und Trost ein. Der Eindruck dieses Besuches Sr. Heiligkeit und seine günstige moralische Wirkung im Publikum übersteigt jede Vorstellung. 6 » « Köln, 4. Sept. Der hiesige katholische Gesellenverein wurde in seiner gestrigen sehr zahlreich besuchten sonntäglichen Abendversammlung durch die Anwesenheit eines werthen GastcS erfreut. ES war nämlich der Präses deS Wiener Gesellenvereins, Herr Dr. Gruscha, Professor am k. k. Theresianum zu Wien, welcher auf einer durch Deutschland unternommenen Reise nach Köln gekommen war. Nach einem Vortrage deS Herrn Präses, Domvicar Kolping, nahm der Gast aus Oesterreich daS Wort und verbreitete sich in einer geist- und gcmüthvollen Rede über die Entstehung, Fortbildung und jetzige Lage deö aus ungefähr 15(10 Mitgliedern bestehenden Wiener Vereins und über die Theilnahme, welche dimsclben geschenkt wird, nicht bloß von hochgestellten Personen aller Stände, sondern selbst von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich, der eine Adresse des Vereins, gelegentlich seiner Vermählung, aus den Händen deS Präses entgegen zu nehmen geruht und dabei in den edelsten Wor-en seine Wünsche für das Gedeihen der Vereinssache ausgesprochen hat. Demnächst trat ein Mitglied des hiesigen Vereins auf den Rcdnerstnhl, dankte dem Herrn Professor Dr. Gruscha für seinen ehrenden und erfreuenden Besuch, dankte ferner für die Grüße der Vereinsgenossen, erwiverte dieselben im Namen aller hiesigen Mitglieder und endete mit einem, mit stürmischem Jubel ausgebrachten dreifachen „Hoch!" auf die Freunde und Brüoer zu Wien. » » « Wien, 31. Aug. In Wiener-Neustadt wird von den Vätern der Gesellschaft Jesu, Joseph und Mar Kliukowström, Roman und Schmude eine Mission vom 3. bis incl. 17. September abgehalten werden. Die „Bohemia" berichtet höchst Erfreuliches über die Mission, welche die Väter der böhmisch-deulschen Mission deS CapucinerordenS zu Prag im k, k. ProvincialzwangSarbeitShause vom 21. bis zum 27. August abgehalten haben. — Zu Cairo sind am 31. Jnli die neuen für die katholische Mission in Centralafrica btstinimten Mitglieder angelangt. « « « Salzburg, 2 « ' - Stift Seitenstctten (Niederösterreich), 25. Aug. Durch die stets rege ober- hirtliche Fürsorge unsers frommen und gelehrten Ordinarius, des bochwürdigsten Herrn Jgnaz Feigerle und durch das bereitwillige Entgegenkommen unsers allverehrten Herrn Abtes, Ludwig Ströhmer, der jedem geistigen und geistlichen Aufschwünge immer hold sich erweiset, wurden in den freundlichen und geräumigen Mauern deS hiesigen VenedictiiierstiftcS vom 21. bis 25. d. M. Priestcrererzitien gehalten, an denen die Seelsorger dreier das Stift umgränzenden Deccmate Theil nahmen. Dieselben wurden, geleitet von dem hochwürdigen Herrn Pater Nohmann 8. und von dem hochwürdigen Herrn Stiftöabte, Montag den 21. d, M. Abends 5 Uhr nnter Jntonirung deö Veni Creator Spiritus eröffnet. Gleich zu Anfang gewann die Herzen aller hochwürdigen Herren Erercitanten, deren Zahl sich auf 39 belief, der einfache, rnhige, klare, reiche Erfahrung uuo fleißiges Lesen verrathende Bortrag des hochwürdigen Herrn Pater Rohmann, der mit zarter Schonung hier ein Schönpflästerchen von einem I^aovus abzustreifen wußte, dort manchen Lässigen vom gewohnten Ruhekissen aufrüttelte und zur Arbeit in den angewiesenen Weingarten zu ermuntern sich bemühte. Waren auch die Uebungen im geistlichen Lager zu Seitenstetren zunächst nur für den Secnlarklerus berechnet, so theilen wir doch die Ansicht jener, welche glauben, daß dort, wo Volksmissionen angezeigt sind, Priestererercilien vorausgehen sollten; nichts dcsto weniger hegen wir das zuversichtliche Vertrauen, daß diese Erercitien durch die Gnade Gottes mit einem eben so segenvollen Erfolge gekrönt werden, wie die im Oct. v, I. hier abgehaltene Volksmission und rufen dem gefeierten Oberhirten der St. Pöitner Diöcese, dem würdigen StiftSabtc und der ganzen Gesellschaft Jesu auS gerührtem Herzen einstimmig zu ein aufrichtiges veo gratis«! Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen, Verlags-Inhaber: F. E. Kremer, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger postzeitung. -. - 17. September M^- 18S4. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige «bou»eme«t«prel< -^v kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werd»» tau». Der Tob Boltaire'S. (Fortsetzung.) Maria FraneoiS Arouet, Sohn eines Advocaten und spätern Schatzmeisters der Rechnungskammer zu Paris, wurde daselbst 1694 geboren. War'S Eitelkeit, Laune, over sonst ein Beweggrund, den »nS die Geschichte nicht überliefert hat, genug, der Name des VaterS behagte in der Folge dem Sohne nicht mehr, der sich nun selbst Voltaire nannte und unterschrieb. Um die Erziehung des Knaben erwarb sich daS Jesuilen-Collegium seiner Vaterstadt große Verdienste, und Voltaire gedenkt in seinen Briefen und anderwärts mehrmals seiner Lehrer aus diesem Orden mit einer Pietät, die das Kriterium der Sprache deS Herzens an der Stirne trägt, und die wir daher auch hier nicht unerwähnt lassen wollten. Denn, wir haben eS schon gesagt, weder Haß noch Vorliebe führt bei diesem Aufsatz die Feder, und wir lesen gern solche Auge aus dem Leben eines menschlichen Wesens auf, weil sie die ganze Galtung ehren und ihr als Beispiele zur Nachahmung Zinsen bringen. Wir halten dieß auch für historische Gerechtigkeit gegen jedes Individuum, daS man zum Gegenstande öffentlicher Besprechung macht, und zugleich für eine von der Nächstenliebe uns auferlegte Pflicht, daS Gute überall aufzusuchen, und, haben wir'S gefunden, wäre eS auch in d>r Seele deS übcrwiescncn und verurtheilien hundertfachen Verbrechers, freudig und ohne Scheu anzuerkennen. Wir heben diesen Umstand auch noch besonders in Rücksicht aus Vol, tuire'S Erzieher hervor, und haben hierbei nicht etwa bloß das achtzehnte Jahrhundert all, in im Auge. Es ist fürwahr der höchsten Beachtung werth, daß ein Mann wie Voltaire, dessen ganze Lebensaufgabe eS gewesen zu seyn scheint, dem Christenthum« und seinem Stifter zn fluchen und Hohn zu sprechen, ohne sichtlichen oder auch nur denkbaren äußern Zwang den Führern seiner Jugend die ungeheucheltste Hochachtung zollt, und zwar iu Ausdrücken, die, obschon zunächst von Einzelpersonen gebraucht, doch in ihrem Cvnlert einer Huldigung gegen die ganze Gesellschaft nicht unähnlich sehen, welche sich nach dem von ihm geschmähten Gottmenschcn nennt, die dessen Fahne und Lehre in alle Welttheile getragen und noch trägt, und deren Mitglieder eS gewiß nicht versäumt halten, den Samen dieser Lehre auch in die empfängliche Brust ihres Zöglings zn ftrenen. Hält man diese Aeußerungen Voltaire'S über seine Lehrer mit manchen andern, später anzudeutenden Erscheinungen in seimr langen irdischen Laufbahn zusammen, und sucht mau dann auf psychologischem Wege das Ergebniß dieser Zusammenstellung zu ermitteln, so gelangt man zu dem unabweiSlichen Schlüsse, daß jene Aeußerungen daS reine Gepräge eines inneren Zwanges haben, d. h., daß sie, unter der Gestalt einer individuellen Achtungsbezeugung, Voltaire'S unbewachte Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit der christlichen Religion enthalten, während Hochmuth, herrschender Welttou, Sucht nach Berühmtheit und Reichthum, ^vv verbünden mit ei'ner sarkastischen Natur, deren steter Heißhunger, gleich dem der Verleumdung, auch des Heiligsten nicht schont, sobald sie jener Ueberzeugung begegnen, den Kampf gegen dieselbe mit um so größerer Erbitterung sichren, je mehr sie, wie sie'S anch recht gut fühlen, auf unbesiegbaren Widerstand stoßen. Bedenkt man ferner, daß jeder große oder berühmte Mann dazu verurtheilt ist, sich bei jedem Schritt und Tritt von einer zahllosen Schaar Trabanten umgeben zu sehen, die jedes Wort deS Meisters mit hastiger Gier verschlingen, und, wie die Schüler deö PythagoraS, unter dem Rufe: „Er hac's gesagt!" als Orakelspruch wieder von sich geben; erwägt man die uns zwar nicht natürliche, sondern »ach außen angebildete, darum aber nicht min, der geringe Furcht vor Jnconscquenz, die falsche Schämn, selbst nach erlangter Einsicht unseres Irrthums etwas von dem zurückzunehmen, was so treue Anhänger und Jünger als unser und ihr Schibolcth von allen Dächern herab verkündigt haben, und wendet man diese Betrachtungen nach Wahrheit und Gerechtigkeit auf Voltaire an, so begreift man vollkommen den innern Hader und Zwiespalt, die an dem zur einsamen Ruhe Zurückgekehrien, den auf der Schaubühne der Welt stolz aber künstlich einherschreitenden Triumphator fürchterlich rächen, ihm den dürftigen Schlummer, die kurze Erholung verkümmern, ihn rastlos umhertreiben, bis zur Erschöpfung foltern, und dann wieder in das Gewühl des Tages Hinansstoßen, um in später schweigsamer Nacht das Strafgericht von Neuem zu beginnen. Welch' ein beneioenSwertheS LooS! Wer, dem ein menschliches Herz im Busen schlägt, kann einem solchen Schauspiele ohne Schauder und Rührung beiwohnen? Anch wir fühlen uns menschlich bewegt, denu das Geschöpf, das zu unserm Gemälde sitzen soll, war ja auch ein Mensch, und- Irvtz seiner Schätze, seines Ruhms, seiner Herrschaft über sein Jahrhundert ein sehr unglücklicher Mensch! Sein Wirken empfinde die ganze Schwere unseres Unwillens, denn eS soll uns und Andern ein Spiegel seyn, damit wir seine Wege nicht wandeln; aber seiner Person werde und bleibe unser aufrichtiges Mitleid: er hat schwer gesündigt hienieden, aber auch schon hienieden schwer gedüßt. Von wichtiger Vorbedeutung für den dem Knaben noch näher als dem Jünglinge stehenden Voltaire war seine Einführung in die sogenannte große Welt, die sich damals bt-sonders zahlreich in der Wohnung der Pariser Aspasia, Ninon de LecloS, versammelte. Der abgefeimteste, unbegränzter Schwelgerei des Geistes wie deS Körpers opfernde EpikuräiSmus, den weder der mißverstandene Grieche noch der seiner Cpur folgende Römer für den ihrigen erkannt hätten, hatte hier seinen Thron aufgeschlagen, und hundert willige Vasallen umstanden ihn, stets bereit, jeden Wink deS Herrschers als Besehl zu vollziehen. Sevigne, La Fare, Ehaulieu, Chateaunenf zc. versahen hier abwechselnd daS Amt eines CeremonienmeisterS oder „Irilrodueteur"; so Letzterer, der Voltaire'S Pathe war, bei diesem. Der Besitzerin deS Hauses ward nicht weniger geschmeichelt und hofirt, als der milesischcn Hetäre zu Athen, und Männer jedes Allers und Standes, die sich durch Bildung, Glücksgüter, Annehmlichkeit der Person u. s. w. auszeichneten, buhlten nm die durch den „von ton" gebotene Ehre, „de tsire leur cour » cette merveüliz du inonde." Witz und Laune waren die unerläßliche Würze, die jeder Gast zur Unterhaltung beisteuern mußte, und da die Wahl des Gegenstandes unbeschränkt blieb, ,,car I'esprit doit. s'exereer surtcmt", so wurde Heiliges wie UnheiligeS auj'S mnibwilligste bewitzelt und bespöttelt. Grundsätze waren verpönt, und mit ihnen Wissenschaft und Kunst, in so fern diese von Grundsätzen ausgehen oder darauf zurückführen; wenn auch zuweilen Verse, besonders dramatische (von Corneille, Racine, Mvliere) und erotisch-satyrische, vorgetragen und beuriheilt wurden, so geschah Letzteres doch nur nach einer längst fertigen Schablone, von welcher keine Appellation stattfand; am schlimmsten kam die Religion weg, namentlich die römisch-katholische. Hier bei diesem weiolichen Lovelace bildete sich eine der Hauptpflanzschnlen, woraus die Gründer und Lenker deS philosophischen Jahrhunderts hervorgingen, dessen Philosophie jedoch einzig daraus hinauslief, mißliebige Dinge lächerlich zu machen, wozu vor allen die Religion gehörte. „I.e ridieule tu«", hieß eS und heißt eS noch in dem Lande, dessen Sprache wir hier entlehnen. Allein — „c>n vous dorme dien de8 ridieules" 299 sagt Jemand bei Barthelemy zu Diogenes, und der Cyniker antwortet: ,Miis so ne les sceeple pss." DaS sagte und sagt auch noch die Religion, so oft Frevler darauf ausgingen oder ausgehen, ihr die Narrenjacke anzuziehen. Verunglimpfung wie thätliche Angriffe prallen machtlos von ihrer gepanzerten Brust ab, und selbst der Mißbrauch reicht bis zu ihrer Höhe nicht hinauf; sie kann, wie Kunst und Gerechtigkeit, der Erde auf eine Zeitlang den Rücken zuwenden, sich zum Sitz ihreö Urhebers emporschwingen, aber das Unreine der Erde färbt auf sie nicht ab. Der Asterphilosophie Bemühen znr Zerstörung des Unzerstörbaren war also eine SisyphuS- oder TantaluS- Arbeit; sie mochte sich heiser schreien und brüllen: „Ler-isex I'inlume!"— „^'inlume", daS Wort vom Stifter oder der Stiftung oder von beiden zugleich verstanden, lebte und lebt fort und ward nicht zertreten. Zwar gingen die Nachbeter Voltaire'S, d'AlembcrtS, DiderotS und sämmtlicher Encyklopädisten im letzten Zehntel des Jahr- hunderS noch um einige Riesenschritte weiter: sie versuchten eS mit den Bekennern der Religion, aber anch diese täuschten ihre Erwartung; sie gaben freudig ihr Leben preis, aber nicht daS, was dein Leben Reiz und Werth verleiht. Delille schleuderte den Scheusalen sein „"sremdleü, vous eles immortels!" entgegen, und damit gcwisser- maaßen zugleich seinen Kopf anf's Blutgerüst; La Harpe, der sich vom Altmeister und dessen Adepten losgesagt hatte, rief mir empörtem Selbstgefühl: „<)uoi! IVous serions les eselsves et les Instruments c!e eeux ciui n'ont rien, czui ne tvnt rion, et czui ne savent, rien?" und Chateaubriand gab 18l)l, als zwar Terrorismns und Direktorium zu Grade getragen war, aber im Staatsrath noch darüber gestritten wnrde, ob Christenthum, Polytheismus oder Atheismus einznsühren, seine Verherrlichung des Kreuzes, sein „Lerne clu Lliristmnisrne" heraus, nachdem DupuiS den Heiland zur astronomischen Mythe verzerrt h'tte. Die Philosophie deS neunzehnten Jahrhunderts mag an und für sich nicht blutdürstig seyu, sie kennt aber eben so wenig wie die des vorigen daS: „Dulde und entbehre" EpiktetS, sie lockert durch ihre nichtgelösten Zweifel die Bande, die Himmel und Erde miteinander verknüpfen, und einmal gelockert, währt'S nicht lauge, so reißen sie entzwei. Ein System, daS die Schöpfung ans Nichts wie ein Märchen behandelt, die Eristenz GotteS in Abrede stellt, dagegen aber die Ewigkeit der Materie als dogmatisches Ariom anpreist, verdient höchstens cin muleioigeS Achselzucken, durchaus keine Widerlegung, weil eS das gehäufte Maaß von Abgeschmacktheit und ein unvermeidliches 1'est.imoniuin pgupertatis für deu Geist seines Erfinders ist. Wenn Sophisten in seinem Beiseyn die Bewegung lüugneten, stand SokrateS ans und wandelte hin und her. Bestreitet Einer uuS die Möglichkeit der Schöpsnng aus Nichts, so wolle er unS beim Beginn deS Frühlings in die wieder- anflebende Natur begleiten; genügt ihm dieses stumme, und doch so beredte Argument nicht, so möge er eS uns nicht verdenken, wenn wir ihn für absichtlich verstockt oder für eine arkadische — Nachtigall halten. Letzteres würde unfehlbar der Fall seyn, wenn er uns von ureigner ProdnctivnSkraft der Natur, d. h. einer Erdscholle spräche, er, der es lächerlich finden würde, wenn man seinen Eßlöffel, sein Brodmesser ooer gar seine Taschenuhr als von ungefähr oder dnrch selbststä ndige Verbindung der Stofftheile entstanden erklärte. Da gefällt unS doch der schon genannte Chateaubriand besser, ein Mann, der eben nicht als stumpfsinniger Dummkopf oder als gedankenloser Betbruder bekannt ist. Der aber hatte anch die überschwenglichen Philosophie scheu Systeme, wonach die christlichen Zustände „überwunden" sind, „neue Götter" daS Regiment übernommen und „allen alten GlaubenSsauerteig auS unsern Herzen ausgefegt" haben, der Reihe nach durchgemustert, und als er damit zu Stande war, da sagte er kopfschüttelnd: „Klr dien, tout cela veut svoir I'air cle cjuelcjue coose; pour moi, je tiens tiue le clurpelet cle mon eure est plus sür." Wenn wir übrigeng den Erfindern derartiger Systeme die von Andern daraus gezogenen blutigen Conse- quenzen nicht aufbürden wollen, so sind sie doch nicht von aller Schuld freizusprechen; denn sie hätten an Göthe'S „Zauberlehrling" denken können und sollen. — Und nun zurück zu Voltaire. Unter solchen Einflüssen begann der sechzehnjährige Jüngling seine literarische 300 Laufbahn mit dem Trauerspiel „Oedip", dem die Akademie den Pre!S versagte, und dafür vom Verfasser mit Epigrammen beschossen wurde. Wegen dieser Frechheit auS dem elterlichen Hause verjagt, ging der reizbare Poet mit der franzosischen Gesandtschaft nach dem Haag, kehrte aber bald wieder zu seinem besänftigten Vater zurück, nachdem er ihm versprochen hatte, sich mit Ernst auf die Jurisprudenz zu legen. Dieß Studium kam ihm jedoch nach kurzer Zeit so trocken vor, daß er eS ausgab. Nun griff er wiever zur Feder und schrieb eine satyrische Darstellung der letzten Rcgie- rungSjahre Ludwigs XIV., weßhalb er (1716) in die Bastille wandern mußte, wo er seine „Henriade" anfing. 1718 wurde er daraus entlassen und seinem „Oedip" der Preis zuerkannt. Neue Händel brachten ibn von Neuem in die Bastille, wo seine Haft dießmal nur sechs Monate währte, aber durch seine Verweisung auS Frankreich verschärft wurde. Er wandte sich nun nach England, und ließ dort seine inzwischen fertig gewordene „Henriade" unter dem Namen „I.» I.igue" zum erstenmal drucken. 1728 nach Paris zurückgekehrt, verfaßte er bei Gelegenheit der Bulle „Dnigenitus" seine Schrift „8ottisks cles cleux cüt6s." Zwischen 1730—1735 mußte er wegen seiner „I^vttres pruloscipniques", die das Parlament öffentlich verbrennen ließ, so wie wegen der „pucelle cl'Orleims", worin alle Blumauer'sche Unsittlichkeiten weit übertroffen find, seine Vaterstadt wiederholt verlassen, und seine Freundin, die Marquise von Chatelet zu Chivay in der Champagne, nahm den Flüchtling sreundlich auf. Seiner fruchtbaren Feder entflossen nach und nach eine Menge Werke, so die Romane: „Xach'g", „Kvrigiscdsm", „Lk>n), wir achten ihn sehr, fürchten ihn aber nicht, weil wir bei unsern geringen Leistungen stets darauf bedacht wareu und noch sind, daß Ansang, Mitte und Ende zu einander stimmen, unserer Freiheil unbeschadet. „8e bei. — Eine andere höchst löbliche Maaßregel der Regierung betrifft daö Kloster San Lorenzo vom EScurial ES ist ein Meisterstück der Baukunst, verbunden mit einer königlichen Residenz. König Philipp II. stiflcie cö zur Erinnerung an den Sieg von Saint-Quentin. Die Bewohnnng und Erholung veS GcbäudcS war den Einsiedlern vom heiligen HicronymuS übergeben. Als t836 die Mönchsorden aufgehoben wurden, mußten auch die Hieronymuen den ESc mal verlassen. Seitdem verfiel das Gebäude von Jahr zu Jahr. Endlich ist man zur Einsicht gekommen, daß eS eine Ehrensache für die Krone und Nation sey, dieses Bauwundcr deS alten katholischen Spaniens nicht zu Grunde gehen und den Zweck der Stiftung nicht ganz unerfüllt zu lassen. In den letzten Jahren wurden einige Wellgeistliche bestimmt, den Gottesdienst dort zu besorgen. Jetzt sind die Hicronymitcn zurückberufen worden. DaS königliche Dccret lautet: „Zu dem besondern und einzigen Zwecke der besseren Bewachung und Erhaltung deS königlichen Klosters San Lorenzo vom EScurial nach der Anordnung seines Gründers und zur Erfüllung der religiösen Stiftungen soll dort eine OrdenS-Congregation gegründet werden nach der Regel deS OrvenS vom heiligen HieronymuS, aber dem Diöcesaubischof oder meinem Großalmo- 302 seni'er untergeben und mit den nöthigen Modifikationen, worüber sich meine Regierung mit der geistlichen Behörde, nach dem Concordate, verständigen wird. Zu dem angegebenen Zwecke und zur Unterhaltung der Kongregation überweiseich, um dem Staate keine neuen Lasten aufzulegen, von der Veröffentlichung dieses Debets an den reinen Ertrag deS Theils der früher denselben Kloster gehörenden Güter, welcher an mein königliches HauS gefallen ist und als mein Privat-Eigenthum verwaltet wird." Auch die Fiauenklöster beginnen sich wieder zu füllen und fast jeden Tag hört man von Einkleidung reicher und vornehmer junger Damen. Bis jetzt bestehen nur solche Nonnenklöster, welche sich dem Unterrichte und den Werken der thätigen Nächstenliebe widmen, und die Regierung hielt eö bei Gelegenheit der Wiedereinführung der Hieronymiten in den EScnrial für nöthig, den Liberalen gegenüber zu erklären, daß sie nicht daran denke, die unterdrückten, dem beschaulichen Leben gewidmeten Orden wieder herzustellen; indessen wird auch in diesem Stücke die Zeit Rosen bringen. Die religiösen Bruderschaften gewinnen neues Leben, die feierlichen Trituen, Novenen und andere Andachten mehren sich, der Besuch der Kirchen anch an Werktagen nimmt in erfreulicher Weise zu, kurz Alles weise darauf hin, daß die Revolution in Spanien ihre Rolle ausgespielt hat, und daS Land wieder auf den rechten Weg zum wahren VolkSglücke einlenkt. Ilino illsg laei^mae! Uine illae teneursrum irao! *) Besondere Anerkennung verdient der Eifer, welchen die spanische Regierung in neuester Zeit entwickelt, um wieder einigen Einfluß im heiligen Lande zu gewinnen, welches den früheren Königen so vieles verdankt. Es gab eine Zeit, in der fast alle katholische Fürsten mit einander wetteiferten, die religiösen Anstalten deS heiligen Landes reichlich zu beschenken; und es gibt in ganz Palästina keine Kirche oder keine Sakristei, welche nicht einige Beweise davon aufzuweisen hat. Die beträchtlichsten Spenden hat jedoch daS heilige Grab aus Spanien empfangen. Jsabella, Königin von Castilien, wicS außer den werlhollen Kleinodien, deren sie sich zu Gunsten deS heiligen GrabcS beraubte, den Geistlichen ein jährliches Geschenk von tausend Gold- thalcrn an. Kaiser Carl V. ließ die Kirche, welche einzustürzen drohte, auf seine Kosten wieder herstellen. — Philipp II. sendete einen außerordentlich reichen Kirchenschmuck von schwarzem Sammt, auf dem mit ächten Perlen berrliche Darstellungen deS Leidens unseres Herrn und der vorzüglichsten Heiligen deS seraphischen Ordens gestickt waren. — Philipp III. und seine Gemahlin Margareiha setzten den Mönchen eine Rente von 30,000 Ducaten fest, schenkten Kelche, Meßgewänder, eine silberne Lampe, die größte, die eS damals gab, und vermehrten ihre Wohlthaten so sehr, daß man im Kloster gewöhnlich sagte: „Se. katholische Majestät erwählte sich daS heilige Grab znr Residenz, und die Königin Margarethe, machte sich zur Sacristanin desselben." Vor allen diesen zeichnete sich Philipp IV. auS; er allein hat für die Unterhaltung der heiligen Orte während der Dauer seiner Regierung mehr gethan, als die übrigen Fürsten in drei Jahrhunderlen. Im Jahre 1628 schickte er 30,000 Ducaten zur Ausbesserung deS Klosters zn Bclh'ehem, und vom Jahre 1640 bis 1652 sendete er den lateinischen Vätern, den Wächtern deS heiligen Grabes, sc> bedeutende Geschenke, daß man von ihm sprüchwörilich sagte: „er verwahre seiue Schätze im Grabe deS Herrn." — Carl III vermachte den religiösen Stiftungen im Oriente, wo die meisten lateinischen Priester Spanier waren, Fondö von 15 Millionen Realen, welche durch die seit 20 Jahren capilalisirten Zinsen jetzt auf 30 Millionen gewachsen sind. — Nun soll daS neu errichtete FranciScaner-Kloster San PaSqual wieder daö Contingent für daS gelobte Land stellen. Zugleich ist der Gmeralcomuiissär der Olira pis (»er Mission in Palästina), Herr Golfanqnez, von der Regierung nach Pnego geschickt worden, um das dortige große Kloster San Francisco für Novizen, die sich für die Mission im *) Zu bedauern ist es nur, daß leider in Folge der jetzigen neuen Revolution in Spanien alle diese Hoffnungen wieder vereitelt werden, so wie Alles, was eine bessere religiöse Richtung constatirte, nun desgleichen den verderblichen Rückgang nimmt. 303 heiligen Lande vorbereiten, einzurichten. Die Zahl dieser Novizen, die vorläufig zu Aranjuez untergebracht sind, mehrt sich rasch. — Spanien verlangt ein gewisses ihm zustehendes Protektorat über die heiligen Orte, wo sich zwei unter dem Schutze Ihrer katholischen Majestät stehende kaiholische Institute befinden, zurück. ES ist bereits eine Commission ernannt, um den Ursprung und den Umfang dieser Rechte, welche seilher außer Gebrauch gekommen waren, festzustellen. Auch ist ein General-Consul für Jerusalem ernannt worden, um die Prärogative der spanischen Krone zu überwachen. — Andere Consulate sollen zu Jerusalem, Jaffa, Ramla und Aleppo errichtet werden. Zur Deckung der Kosten hiefür sollen ein Drittlheil der Zinsen der FondS Carl III. und der Rest für den Cultus verwendet werden. Freilich werden durch den AuSbruch deö Krieges im Oriente, so wie durch die neue Revolution in Spanien diese löblichen Entwürfe für jetzt größtentheilS unausführbar werden. Kirchliche Notizen. Die „D. Vhl." entnimmt der „Civiliu cattolica" folgende Notiz auS Italien: Der 8. August war der fünfte Jahrestag von einigen kleinen Heldenthaten derjenigen Republikaner, die 1849 noch in Rom waren. Da sie vernommen, daß die rechtmäßigen Besitzer dcS „Collegio Romaiw" vermöge allerhöchster Willensäußerung schon vom 2. ab wieder in ihr Eigenthum zurückkehren dursien und wollten, so beeilten sie sich, den Eigenthümern das Gebäude in seinem vornehmsten Theile verbrannt zurückzugeben. Nun war aber das Feueranlegen an einem Orte, wo die Brandwächter oder PompierS ihr Quartier haben, nämlich dicht am Eingange des CollegiumS, kaum möglich. Was thaten denn nun unsere erfindungsreichen Volksbeglücker? Sie riefen eine Weile vor dem beabsichtigten Bubenstück die PompierS dieses Sanct JgnazviertelS herbei, um einen von ihnen selbst angelegten Brand eines Heubodens vor der „Porta di San Lvrenzo" auf dem Wege von Tivoli zu löschen; auch wußten sie unter andern Vorwänden die Vrandwächter der übrigen Viertel auS Rom zu entfernen. Und als nun das Feuer im „Collegio Romo.no" auSbrach, da waren entweder gar keine PompierS zum Löschen bei der Hand, oder die von Tivoli Zurückgekehrten waren so vereinzelt und so ermüdet, daß sie nicht helfen konnten. Dank also diesen neuen „Aufklärern" gingen in Flammen aus: die sogenannte „Congregazione della ScaKtta"; das reiche physikalische Cabinet mit allen seinen zur Nalurwissenschast dienenden Maschinen und Instrumenten, woran die Väter der Gesellschaft 25 Jahre gesammelt hallen, nebst der nicht weniger reichhaltigen Zugabe, einem Geschenk dcS „römischen Seminar"; die Aula Marima, vielleicht einer der größten Säle, worauf Rom stolz seyn kann; die Volircapelle oeS heiligen Ludwig von Gonzaga; ferner, wenn auch glücklicherweise nicht ganz, der schöne Saal vor dem Zimmer (5tan?g) deS heiligen Ludwig, Wir wollen hoffen, daß so große Tapferkeit und so viel guter Wille in den Annalen jenes goldenen Zeitalters der Republik von 1849, die nicht volle fünf Monate dauerte, mit dem gebührenden Lobe verzeichnet ist oder wird. Jetzt h.iben die Väter mit großem Kostenauswande die „Congregazione della Scaletta" wieder hergestellt, und zu unserer Freude, gewiß auch zur Freude der guten Republikaner, weisen wir auf den Umstand hin, daß der frühere Hängeboden durch ein Gewölbe ersetzt ist, das die „Scaletta" um vier Meter erhöht, woraus denn folgt, daß, trotz deö Sprüchworts, nicht jedes Uebel zum Schaden ausschlägt. Wir zweifeln nicht, daß mit der Zeit unter GotteS Beistande auch die übrigen Spuren der 1849er „Ausklärung" allmälig verschwinden werden, obschon wir, wie'gesagt, nicht wünschen, daß die Erinnerung daran zugleich mit verloren gehe. NdV i»» aUlnubinV '>>>ii Hnit» ^KlN'-li-!.' Oiv ki> »»Hi-Zs uz « AIS Beweis, wie sehr verschieden die Gesinnung der badischcn Regierung von der der untergeordneten Beamten ist, gelte folgende Correspondenz deS „Schw. Merk." vom 22. Aug. „Heute firmt im Auftrage deö Herrn ErzbischofS zu Freiburg der Bischof 304 Weis von Speyer in Wiesenthal, morgen in Vhilippsburg, übermorgen in Bruchsal. Die Ortsvorständc hatten mit ihren Gemeinden beabsichtigt (MerkuriuS prüft Herzen und Nieren), an diesem Acte nicht in ihrer politischen Eigenschaft und korporativ, sondern nur einzeln als Katholiken Antheil zu nehmen, so daß man also außer der Kirche von der Anwesenheit deS Herrn Bischofs wenig oder nichts bemerkt hätte. Dieser Absicht entgegengesetzt erhielten die betreffenden A»mtSvor- stände von Karlsruhe die Weisung, dahin zu wirken, daß der Bischof von Speyer seinem Stande und seiner Würde gemäß auch von den Gcineinden, als solchen, auch außer der Kirche empfangen werde. >Ni Ptlj^ >N'j^!I5<) Ills N^>? « Wien. Einem Schreiben in den Rheinischen Volksblättern entnehmen wir folgende Notiz: »In einem StrafhauS bei Wien, worin an 15» Criminalsträflinge weiblichen Geschlechts sich befinden, die ans ein, zwei, fünf bis zehn Jahre, die meisten in Eisen, vcrnrtheilt sind, haben sechs Nonnen und zwei Laienschwestern auS dem Orden der Frauen zum gnten Hirten die alleinige Aufsicht, Leitung und Versorgung der ganzen Anstalt. Keine Mannsperson ist im Hause, auch keine Wache; unter Gebet und Arbeit wechselt das Tagwerk, — Zur Osterzeit dieses JahreS war allgemeine Beichte; die Theilnahme war Jedem frei gestellt. Ein paar Tage vor der bestimmten Zeit waren von den 150 Sträflingen nur drei, die sich weigerten, zur heiligen Beichte zu gehen; sie schimpften über die Dummheit, daß man Gott seine Sünden hersagen solle. Alle Zureden von Seiten der Ordensfrauen und deS Geistlichen wollten nicht anschlagen. Endlich kamen am vorletzten Tage von diesen Dreien noch zwei zur Oberin und baten um den Beichtvater. Darüber gerielh die dritte fast in Wuth, besonders gegen die zwei, und geberdete sich so arg, daß man schon daran dachte, sie wegen ihrer gotteslästerlichen, wahrhaft teuflischen Reden auS der Anstalt zu emsernen. Alle Hoffnung, durch Zureden in Ernst und Güte auf sie einzuwirken, war verschwunden. Nur noch ein Mittel, von dem man sich Erfolg versprach, war übrig: das Gebet. ES wurde nun eifrig für dieses arme Geschöpf gebetet, und iiihe da, am folgenden Morgen kam diese Person gan; verstört zur Oberin, erklärte, daß sie zwar mit allen Kräften gegen Gott sich gewehrt habe, daß nun aber alle ihre Kraft aufgezehrt sey und daß sie nicht mehr widerstehen könne; sie bitte daher, ihr den Beichtvater zu schicken, sie wolle sich mit Gott ernstlich versöhnen. Sie hat daraus gebeichtet, mit den Andern communicirt und darf von demselben Tage an zu den Bessern in der Anstalt gerechnet werden. — Mehrere, welche ihre Strafzeit überstanden haben, haben die Oberin gebeten, in der Anstalt bleiben zu dürfen. Sie wollten gern jeden Gehorsam leisten und mit der schlecht-stcn SlräflingS- kost zufrieden seyn — nur solle man sie in der Anstalt lassen; denn seiidem sie das Bessere kennen gelernt hätten, wollten sie von der Welt nichlS mehr wissen, in der sie nur neuen Gefahren entgegengingen. — Wahrlich, wenn man dieses Wiener StrashanS betrachtet und daneben unsere Strafanstalten stellt, prachtvolle Gebäude, mit militärischen Wachen, mit einer Schaar von Directvren, Inspektoren, Rendanten und Aufsehern, mit ihren ungeheuern Ausgaben und — wenigem Erfolge, so kommen Einem eigene Gedanken." z' ... ^'.>>) '«i"-!).'7! '?>- >> ^ .ru'I 5::lU>>.ljj n>6 » Bern. Berner Blätter melden, der heilige Vater habe für den projectirten Bau einer katholischen Kirche in der VundcSstadt 21,500 Franken gezeichnet. Gewiß ein großmüthiger Act der Wohlthätigkeit, besonders wenn man bedenkt, daß der heilige Vater für so viele Bedürfnisse auf der ganzen katholischen Welt oder nur in Europa zu sorgen hat und. auch wirklich auf väterliche Weise sorgt. Erstaunlich ist eS, von so vielen und so großen Spenden nach allen Richtungen zu hören. Gott segne und erhalte noch lange unsern heiligen Vater PinS IX. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag»-Inhaber: F. E. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Äügstmrger PostMtung. 24. September AN. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Gvuutage. Der halbjährige Abouucmenlsprei» kr., wofür e« durch alle kvuigl. baver, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden k>.nn. Die abgelaufene englische Parlamentsfession in ihrer Stellung zu den katholifchen Interessen. *) Die englischen Blätter aller Farben sind darin einstimmig, daß die kürzlich abgelaufene Parlamentssession nicht zu den fruchtbaren gehört lM Die Reformbill, welche eigentlich die Hauptmaßregel der Session werden sollte, ist zurückgenommen, desgleichen eine Anzahl anderer Gesetzentwürfe, wieder andere sind durchgefallen, und nur einige minder wichtige sind angenommen worden. Ueber den Krieg ist viel geredet, aber einen großen Einfluß hat das Parlament in dieser Hinsicht nicht ausgeübt. Ja die Session hat nicht einmal eine einzige „große Debatte" auszuweisen. In Einer Hinsicht aber ist die Session fruchtbarer gewesen, als die meisten frühern, an DiScussioncn über kirchliche und religiöse Gegen staub e. Ein Londoner Blatt zählte schon vor einigen Wochen ganz genau auf, an wie vielen 'Abenden über religiöse Fragen diScntirt und wie vielemal über solche abgestimmt sey; ich habe die Zahl vergessen, sie war ober sehr groß. Mit wenigen Ausucchinen halten diese DiScuisiouen auf katholisch-kirchliche Verhältnisse Bezug, und man darf eS wohl als einen Beweis dafür ansehen, daß die katholische Kirche im brittischen Reiche eine Macht geworden ist, die man wenigstens nicht ignoiiren kann, wenn in einer Session so vielfach von ihr die Rede war, deren Aufmerksamkeit sonst fast ausschließlich von der KriegSsrage in Anspruch genommen wurde. Leider gab sich aber auch in dieser Diskussion ein starkes und sehr weit verbreitetes Gefühl der Abneigung gegen n'e Kirche und ihre Institutionen kund, und man kann sich nicht verhehlen, wenn unter Verhältnissen, wie die jetzigen sind, wo eS mehr alS je im Interesse deS englischen Staates liegt, bei allen Parteien und Confessiouen und ganz besonders bei den kacholischen Jrländern Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit recht rege zu erhalten, wo England, um nach Außen mächtig zn seyn, im Innern recht einig seyn müßte, — wenn unter solchen Verhältnissen die Feindschaft gegen die katholische Religion und die Bitterkeit gegen ihre Bekcnner so stark hervortreten konnte, dann mnß sie sehr tief eingewurzelt seyn. Man hatte von der jetzigen Regierung, als sie an die Stelle von Lord Derby's Cabinet trat, erwartet, sie werde sich durch eine milde und billige Polilik gegen die Katholiken auszeichnen. Die hervorragendsten Mitglieder derselben gehöeen der Peelilen- Partci an, die in dieser Hinsicht immer in gutem Rufe stand; mehrere derselben hatten sich bei der Debatte über die Titelbill durch eiue eifrige und beredte Bekämpfung der antipapistischen Tendenzen Lords John Russell's ausgezeichnet; einzelne untergeordnete ministerielle Aemter wurde», was unter Russell'S uud Derby'S Verwaltung nicht vorgekommen war, Katholiken übertragen, und bei der ungefähr gleichen Slärke der Partei ») Aus Fr. v. Florencourt's politischer Wochenschrift. 306 der Whigs und Peelilen einerseits und der Partei der Torieö anderseits schien die Regierung schon von selbst darauf angewiesen zu seyn, sich der Unterstützung der Jrlän- der zu versichern. ES hat nun allerdings das jetzige Cabinet in dieser Session keine Titelbill eingebracht, wie Russell, und keine königliche Proklamation gegen katholische Processionen und gegen die AmtStracht der katholischen Priester erlassen, wie Derby, überhaupt nicht in eclatanter Weise die Rechte und Gefühle der Katholiken verletzt; aber von einer billigen und geneigten Gesinnung gegen die Katholiken war in dem Benehmen der Minister nicht manche Spur zu finden. Von Parität ist wohl in keinem protestantischen Staate so wenig die Rede, wie in England, und selbst die jetzigen Minister scheinen sich mit dem Gedanken gar nicht befreunden zu können, daß die katholischen Unterthanen der Königin doch auch einigen Anspruch auf Berücksichtigung ihrer religiösen Interessen haben. Die sämmtlichen katholischen Bischöfe der vereinigten Königreiche wandten sich in einer Denkschrift an das Ministerium mit der Bitte, doch für die religiösen Bedürfnisse der zahlreichen Katholiken im Heere und auf der Flotte, namentlich während des jetzigen Krieges, bessere Fürsorge zu treffen: Lord Aberdeen antwortete mit einigen schönen Redensarten und mit einer bittern Abweisung. Zu wiederholten Malen wurden die religiösen Bedürfnisse der Katholiken auf der Flotte im Unterhaus? zur Sprache gebracht: Sir JameS Graham berief sich dem gegenüber auf die „bestehenden Reglements." Man kann Lord Palmerston die Anerkennung nicht versagen, daß er als Staatssecretär des Innern Manches gethan hat, um den katholischen Geistlichen den Zutritt zu Gefangenen und' Sträflingen kaiholischer Confessiou zu ermöglichen; aber auch in dieser Hinsicht ist noch viel zu wünschen übrig, uud als Palmerston beim Unterhause eine kleine Vergütung für einige katholische Geistliche, welche die Gefängnisse besuchen, beantragte, da gelang eS den Fanatikern rechts und links, eine kleine Majorität gegen den Antrag zusammen zu bringen. Die gegen die Kirche feindlichen Anträge, welche in der verflossenen Session zur Discnssion gekommen sind, gingen nicht von dem Ministerinin aus; die meisten Minister haben dagegen gestimmt, einige dagegen gesprochen; aber auch bei denjenigen Anträgen, welche von einzelnen Ministern ganz entschieden als ungerecht uud verwerflich bezeichnet wurden, ist nicht das Cabinet als Ganzes zu Gunsten der Katholiken aufgetreten und eben so wenig hat es seinen Einfluß auf die ministerielle Partei in diesem Sinne geltend gemacht. Solche antikalholische Anträge gingen auch keineswegs bloß von Mitgliedern der Opposition auS; einer der schmählichsten darunter, der Antrag auf eine Untersuchung der Frauenklöster durch eine besondere Commission, hat einer. Whig, T. ChamberS, zum Urheber, und wiewohl Lord I. Russell mit anerkennungS- werthem Eifer dagegen sprach, haben viele seiner Partei, namentlich die schottischen Liberalen, welche sich überhaupt durch antipapistischen ZelotismuS auszeichnen, dafür gestimmt. Ein ähnlicher gegen die Klöster gerichteter Antrag ist bekanntlich schon in den zwei oder drei letzten Parlamenlssessionen gestellt, aber jedesmal durchgefallen. Dicßmal hat ChamberS mehr Glück gehabt: das Unterhaus beschloß wirklich die Niedcr- sctzung einer Untersuchungscommission; die Mitglieder derselben waren bereilö vorgeschlagen und nur dem unermüdlichen Widerstande und der geschickten Taktik einiger irischen Mitglieder ist es zu danken, daß für dieses Jahr noch das Scandal eines Verhörs der englischen Klosterfrauen durch UnterhauSmirglieder unterbleibt. Die Geschäftsordnung des englischen Parlaments gibt bekanntlich den einzelnen Mitgliedern und der Minorität viele Mittel an die Hand, sich einigermaßen gegen Unterdrückung durch Majoritäten zu schützen; zwei Mitglieder können immer auf Vertagung der Debatte und auf Schluß der Sitzung antragen und jedesmal eine förmliche Abstimmung über diesen Antrag verlangen; die Majorität kann nie gewaltsam die Debatte abschneiden und dergleichen. An sich ist eS nun freilich ein Mißbrauch der Geschäftsordnung, wenn einige Mitglieder bei einer offenbaren Majorität und nach vollständiger Erschöpfung des Gegenstandes durch solche Mittel die Erledigung einer Frage hinausschieben; aber wer will eS den katholischen Jrländern verargen, wenn sie einer Majorität gegenüber, 307 die gegen Gründe und Bitten taub ist, alle gesetzlich erlaubten Mittel anwenden, um gegen ihren blinden Eifer zn kämpfen? Bei dem Chambers'schen Antrage ist eS ihnen wirklich gelungen, durch ihren hartnäckigen Widerstand bei jedem Schritte, durch endlose Reden und durch stets wiederholte Abstimmungen über Vertagung das Unterhaus so gründlich zu langweilen und zu drangsaliren, daß man es endlich für gerathen fand, ihnen für dieß Jahr uachzugeben und die Sache bis zur nächsten Session ruhen zu lassen, um zu andern wichtigern Geschäften übergehen zu können. Whiteside, ein Mitglied deö Derby'schen Ministeriums, hatte an den Chambers'schen Antrag einen ähnlichen angeschlossen, wodurch den Klosterfrauen daS Recht beschränkt werden sollte, über ihr Vermögen zu Gunsten ihres Klosters zu di'Sponiren; er hat eS, durch daS Schicksal des Chambers'schen Antrags gewarnt, gleichfalls für besser gehalten, die Sache für dieß Jahr fallen zn lassen, wiewohl er einer Majorität sicher seyn konnte. Spooner, vielleicht der schroffste und eigensinnigste Gegner der Katholiken im Unterhause, hat s-leichfalls mik seinen antipapistischen Anträgen für dießmal kein Glück gehabt, wiewohl er es an Eifer nicht hat fehlen lassen. Sein Antrag, die von der Regierung dem katholischen Seminar zu Maynooth gezahlten Subsidien, wenn nicht wegsallen zn lassen, doch wenigstens von der jährlichen Bewilligung deS Parlaments abhängig zu machen, ist durchgesallen und von der Commission, welche auf seinen Antrag voriges Jahr niedergesetzt wurde, um daS im Semiuar befolgte ErziehnngS- system zu untersuchen, hört man bis jetzt so gut wie nichts. Der Erfolg der antikalholischen Bestrebungen im Parlamente ist überhaupt in dieser Session sehr gering gewesen. DaS ist aber auch unwichtig in Vergleich zu der unbestreitbaren Thatsache, daß die feindliche Gesinnung gegen die katholische Kirche in dieser Session im Parlamente sehr stark in den Vordergrund getreten ist, trotz der wichtigen Frage, von welcher man hätte erwarten sollen, daß sie alles Andere zurückdränge» würde. Auch ist nichr zu läugnen, daß die Gegner der katholischen Kirche im Parlamente in den letzten Sessionen allmälig immer mehr Terrain gewonnen haben, und wenn nicht ein plötzlicher Umschwung eintreten sollte, ist zu erwarten, daß in der nächsten Session eine Maaßregel gegen die Klöster durchgeht, daß schon bald die Maynooth-Dotation zurückgenommen wird, unv daß die DiScussion sich in den nächsten Sessionen schon um die Aushebuug der Katholiken-Emancipation drehen wird, — man spricht schon stark davon, eS werde in der nächsten Session ein darauf bezüglicher Antrag eingebracht werden. Ich halte eS für eine unrichtige Auffassung, wenn man diese ganze Bewegung bloß als eine Aeußerung deS blinden und gemeinen Hasses gegen die Kirche ansieht. Allerdings sind, vielleicht Nordamerika ausgenommen, wohl in keinem Lande unter den Protestanten die Vorurtheile gegen die katholische Kirche so stark und so weit verbreitet, wie in England und Schottland, Die unsinnigsten Fabeln von den Greueln der „römischen Kirche," von der Herrschsucht der Priester, den Intriguen der Jesuiten u. s. w. finden dort noch gläubige Hörer und Leser und die Schmutz- und Lügen-Literatnr läßt eS an Bemühungen nicht fehlen, die Vorurthn'le zu unterhalten. Selbst in den größern Zeitungen findet man in dieser Hinsicht Mißverständnisse. Unwissenheit und Lügenhaftigkeit, die an'S Unglaubliche gränzen. Unter den Gebildeten gilt die katholische Religion mindestens für eine eines englischen Gentleman unwürdige, wohl hauptsächlich darnm, weil sie die Religion Paddy'S, deS verachteten JrländerS ist. Der Glaube, der Papst strebe dauach, Ihre allergnädigste Majestät zu entthronen und daS englische Reich durch einen Cardinal-Legaten regieren zu lassen, ist weiter verbreitet, als man für möglich halten sollte. Die Uebertritte zur katholischen Kirche haben bei der großen Menge nur dazu gedient, die Abneigung gegen die Kirche zu verstärken und auch auf die Puseyiter auSzudelmen. Daraus erklärt sich, daß dem großen Hansen Alles gründlich zuwider ist, was ihn an die Fortschritte erinnert, die der Katholicismus unverkennbar in den letzten Jahrzehnten in England gemacht hat. Daraus erklärt sich daS Gemisch von Angst und Unwillen, welches sich regt, wenn der Katholicismus in die -303 Oeffeutlichkeit tritt, während man seine Eristenz so gern ignoriren möchte. Als der Papst die kirchliche Hierarchie wieder herstellte, entstand darum eine große Bewegung, während man sich an die Eristenz der apostolischen Vicare schon gewöhnt hatte. So ist auch jetzt die antipapistische Aufregung fast nnr gegen Dinge gerichtet, wodurch man in sehr fühlbarer und unangenehmer Weift an die stillwirkeude Macht der Kirche erinnert wird, gegen die Klöster, daS katholische Seminar, daS Wirken der katholischen Geistlichkeil im Heere, ans der Flotte, in den Gefängnissen u. s. w. (Schluß folgt.) Der Tob Boltaire'S. (Fortsetzung.) Können und wollen wir daher aus den citirten Fragmenten auch keinen Schluß auf Voltaire'S literarische Befähigung ziehen, so möchten sie doch diejenigen, welche mit den Werken dieses Schriftstellers vertraut sind, an dessen hin und her schwankende GemüihSverfassung erinnern, deren Grund wir bereits angegeben zu haben glauben. Eine krankhafte Reizbarkeit, die Folge seines unablässigen Bemühens, jeden Stoff, der, gehörig abgegränzt unter seinen geschickten Händen, die Kunst oder Wissenschaft bereichert und verherrlicht hätte, als Mittel zur Vernichtung des Christenthums aufzufassen und zu verarbeiten, oder, wo der Stoff selbst diesem Zweck widerstrebte, durch Noten zum Tert nachzuhelfen, diese Reizbarkeit hat allen Voltaire'schen Geistesproducten ihr Siegel aufgedrückt und sie der Vergänglichkeit geweiht. Vielleicht sind seine kritischen Beurtheilungen der Tragödien Corneille's die einzige, gewiß eine von den seltenen Ausnahmen, wo wir mit innerer Befriedigung einer rein künstlerischen und wissenschaftlichen Thätigkeit begegnen, die uns aber auch wieder das Bedauern abnöthigt, daß ein so Heller und ernsten Studien nicht fremd gebliebener Kopf sich und uns durch eigenes Verschulden um seinen Beitrag an gediegenem Golde gebracht hat, woran die Schatzkammer der Literatur wahrlich noch jetzt Ueberfluß besitzt. Statt dessen sehen, hören oder ahnen wir auf jeder Seite seiner Schriften daS eben so geistlose als unkünstlerische und unwissenschaftliche „Louvens? vous cls leergser!" DaS steht in Fraciurschrift in seinen Brüstn an D'Alembert, Diderot u. A., in Andentungen, Renitenzen und auch ganz ausgeschrieben an tausend Stellen, wo es der Einheit deS bihandelnden Gegenstandes schadet, also anch schon ästhetisch zu seinem Ankläger wird: „v«5ni'or6" verhielt eS sich anders. Diese mächtige Herrscherin hatte zwar auch einen großen Ruf; allein dieser Ruf konnte sich nicht wie der Friedrichs aus sein eigenes Postament hinstellen und sprechen: „Ich bin ich", und eS war ihrem weitschauenden Blicke nicht entgangen, daß Männer, wie Diderot, d'Alembert und Voltaire, welche die öffentliche Meinung, und mit ihr Ruhm und Schande, in der Hand haben, mir Achtung und Zuvorkommenheit behandelt werden müssen, wenn sie ihre Hand zn unsern Gunsten öffnen sollen. Daher waren denn anch besonders die drei Genannten der Gegenstand ihrer unermüdlichen Huld und Aufmerksamkeit, und Voltaire erhielt von ihr außer andern werthvvllen, oft wiederholten Geschenken ihr mit Brillanten besetztes Bilbniß. DaS dürfte nichc unvergolten bleiben und blieb eS auch nicht. WaS endlich die über- schenen, in Dunkelheit und Mangel vegetirenden Gelehrten, Künstler und Schriftsteller anbelangt, so haben wir nicht weit auszuholen, um diese Erscheinung zu erklären: ihr Verdienst macht sie mißtrauisch gegen sich selbst, dieß Mißtrauen erzeugt Bescheidenheit, Bescheidenheit drängt sich nicht vor, und wer sich nicht vordrängt, wird nicht bemerkt und geht überall leer aus. Die Folge davon ist denn natürlich, daß sie in Armuth gerathen und verkümmern, und Armuth ist in den Augen der Welt, trotz dem deutschen und französischen Sprichwort, eine Schande und ein Laster. Solche paradoxe Begriffsverwirrung ist gar nicht selten, selbst bei hochstehenden, in der Logik und Sittcnlehre gut bewanderten Männern; sagte doch der berühmte Talleyrand, als ihm die Erschießung des Herzogs von Enghien zu Ohren kam, mit diplomatischem Kopf, schütteln: „L'est plus yu'un orime, c'est une kaute." (DaS ist mehr als ein 310 Verbrechen, eS ist ein Fehler.) Voltaire aber kannte die Ansicht der Welt sehr gut, und wollte sich um keinen Preis des Lasters der Armuth schuldig machen, sondern, und dieß auch um jeden Preis, reich werden. Wir wollen ihn ungesehen begleiten, um seine Mittel zum Zwecke kennen zu lernen, und sind darunter welche, die vor dem Richterstuhl der Moral, der Gerechtigkeit, und selbst vor dem der konventionellen Ehre, schlecht bestehen, so mag er's verantworten. Mit der Aufführung seiner Dramen machte er den Anfang, dann folgte die Herausgabe seiner Werke aller Art und in allerlei Format. Pensionen,auf den königlichen Schatz, auf die Privatschatulle der Königin und des Herzogs von Orleans, Lotterien, Handel mit Gemälden, Diamanten und Getreide, lieferten das dritte Contingent. Darauf kommen Verträge mit Buchhändlern aus den vornehmsten Städten Frankreichs, Englands, Hollands, Deutschlands und der Schweiz, wobei einmal vier zu gleicher Zeit dasselbe Manuscript um schweres Geld an sich brachten, indem Jeder nach der Versicherung des AutorS darauf geschworen hatte, der alleinige Bevorzugte zu seyn. Lieferung von Lebensmitteln und Kleidungsstücke an die Armee, Actien, Antheil an Schiffen, Kontrakte, Wechselscheine, Geldverleihen gegen Leibrenten und ans Hypothek, Tratten, Geldwechsel :c. rundeten den Haufen immer mehr. Diplomatische Unterhandlungen, vor-heilhafte Übertragung von Sinecuren, Rückverschreibungcn, Erbpachte, Urbarmachung weitschichtiger Haidcn, Selbstbewirthschaftung von drei beträchtlichen Kron- gütcrn, Allodien, Zehnten, Anlage von Mannfacturen, Hänserverkauf, Spiel, Spion- dienste, gemeine Speculationen, Stellionat und andere schändliche Gaunereien, steuerten ebenfalls nicht wenig bei, und die Ausbreitung aller Stände setzte dem Werk die Krone aus. Seine Kammerdiener, die auch seine Schreiber waren, Verwandte und Freunde, vom Schauspieler und Taglöhner bis zum Autokralor aller Reußen, kurz, keiner blieb ungerupst, um den hab- uud ehrgierigen Federhelden zum Millionär, Grafen und Grundherrn zu machen. Voltaire liebte Pracht und Wohlleben, aber nur, wenn sie ihm nichiS kosteten. Darum wanderte er in seiner Jugend von Schloß zu Schloß, und in seinen reifen Jahren sah man eine Präsidentin, eine Baronin und eine Marquise um die Wette alten Anstand bei Seite setzen, um ihn auf ihren üppigen Landsitzen zu beherbergen, zu bewirthen und zu lobhudeln. Er war mich ein zu guter Rechner, um nicht längst herausgebracht zn haben, daß Briefporto, Steuern und Einquartierung die Einkünfte deS davon Heimgesuchten nicht vermehren, und Halle er, der damals schon zwei Meilen Grund besaß, Klugheit und Einfluß genug, um sich von diesen drei lästigen negativen Erwerbsmitteln Befreiung zu erwirken. Und so hatte er denn endlich auch die Freude, Dankseiner Ausdauer und tausend zweibeinigen Künsten und Kniffen, sich an der Spitze von 140,000, sage einhundertvierzigtausend Livreö Renten zu sehen, etwa so viel, als sein berühmter College, unser Zeilgenosse, Herr Scribe zu Paris, sich mit eigenen und fremden Fingern zusammengeschrieben hat. Legen wir diesen Mammon nun mit den übrigen uns schon bekannten Vorzügen Voltaire'S in die eine Schaale, Edelmuth, Selbstverläuguung, Rechtschaffenheir und Frömmigkeit 'in die andere, und geben dann die Waage selbst in die Hand des Jahrhunderts, das mit bewuudernSwürdiger Gewandtheit bis an die Knöchel, was sagen wir? bis an die Kniee und höher im Schlamme watete, ohne seine Eöcapins und weißseidcne Strümpfe zn beschmutzen, so wird eS Niemanden auffallen, wenn jene von beiden Schaalen sinkt, diese in die Höhe geschnellt wird, und Jever wird die colossale Pyramide von Lorbeerkränzen begreifen. worunter der neue Krösus seine colossalen Schätze verbergen konnte. Was Hals's, daß Kritiker wie Frervn seine Schriften geißelten, Bischöfe das Anathem über sie ausspracken, Parlamente sie ver- mtheilten, Zollbeamte sie in Beschlag nahmen, der Henker sie verbrannte? Minister und Gesandte verschlangen sie, und schickten sie unter ihrem Couvert über die Gränzen, in alle Länder dießseitS und jenseits des MeereS, um alle Throne zu erschüttern, in allen Köpfen den Geist der Revolution aufzurufen und zn nähre». Wir haben uns nur auf eine Skizze von Volicüre'S Leben einlassen können, da hier zunächst sein Tod besprochen werden sollte. Wir erwähnen daher auch bloß, und zwar mehr um 311 uns selbst eine Brücke zu bauen, als um den Lesern etwas Neues zu berichten, daß er in srühern Jahren mehrmals aus Frankreich oder aus der Hauptstadt verbannt wurde. Diese Crilsperioden benutzte er zu freiwilligen oder gezwungenen Wanderungen nach Cvlmar, Liineville, Lyon zc, bis er sich zu TW'zeS und dann zu Ferney, beides in der Nähe von Genf, bleibend niederließ. Hier gründete er eine Kolonie von 12l)l1 Personen, worunter verschiedene Künstler, namentlich Uhrmacher, und sorgte väterlich für ihr Aufblühen und Gedeihen. Hieher ließ er auch die Enkelin Corneille's kommen, überhob sie aller Nahrungsqnalen, hielt ihr Lehrer für'S Nothwendige, wie für'S Angenehme, und veranstaltete zu ihrem Besten eine Subscription, woran fast alle Fürsten Europa'S Theil nahmen. Hier erlebte er die Demüthigung, daß Joseph II. Haller besuchte und ihn vorbeiging. Aber hier sollte er auch zu einem beispiellosen Triumphe nach Frankreichs Hauptstadt zurückberufen werden, und alle seine zerstreute Siegesbeute wie zu Einem großen Ehrendenkmal versammelt sehen. Dieser Feier, die Voltaire nur wenige Monate überlebte, wollen wir noch beiwohnen. Sie erfolgte im Jahre 1773, und der Gekrönte war also inzwischen ein vierundachtzigjähriger Greis geworden. (Fortsetzung folgt.) - , . „ ,, Kirchliche Notizen. Der Elberf. Ztg. wird aus Berlin geschrieben: „Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß die barmherzigen Schwestern namentlich bei den hiesigen Innungen, mit denen sie vielfach Verträge in Betreff der Pflege der Kranken ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses abgeschlossen haben, in großem Ansehen stehen. Bei dem nicht geringen Mißtrauen, mit welchem sie Anfangs auS dem Grunde hier zu kämpfen hatten, weil man sie als Vorläuferinnen der Jesuiten betrachtete, ist die Gunst, welche die barmherzigen Schwestern sich bei den hiesigen V^lkSclassen im Allgemeinen erworben haben, eine bemerkenswerthe Thatsache. Die Zahl der hiesigen barmherzigen Schwestern wird, wie man hört, noch vermehrt werden." ^ « ^ Prag. Am 27. August wurde die Mission geschlossen, welche — in Böhmens Hauptstadt die erste dieser Art— vom 21. bis 27. dieß im k. k. Provincial-ZwangS- ArbeitShause auf dem Hradschin gehalten worden war. Es bctheiligten sich daran die Väter der böhmisch-deutschen Mission des Capuciner-OrdenS: P. AloiS (Superior), P. Bernard, P. Ubald, P. Theodor. Von 181 Eorrigenden und 150 Sträflingen blieb nicht Einer zurück Alle machten die ganze Reihe dieser geistlichen Exercitien mit und empfingen die Keiligen Sacramente der Buße und des AltarS, obschon die Theilnahme an dieser Mission Jedem freigestellt war. Ein unS über diese Mission zugehender Bericht hebt hervor, daß die meisten ihre Generalbeichten mit erhebender Zerknirschung und inniger Rührung verrichteten. Bei der Communion gingen die Beamten mit schönem Beispiel voran, indem sie sammt ihren Gemahlinnen die ersten zum Tisch des Herrn traten. Der ergreifendste Act war am Donnerstag die Abbitte vor dem hochwürdigsten Gute, welches in feierlicher Procession unter zahlreicher Assistenz von Capuciner-Priestern und unter Begleitung der Hauswache getragen und auf dem am Hofe eigens dazu errichteten Altar ausgestellt wurde. LauteS Weinen und AuSruse inniger Reue unterbrachen öfter die erschütternde Rede des Predigers. Eben so erhebend war Samstag die Kreuzweihe, der die Kreuzpredigt folgte. Die nachmittägigen deutschen, so wie die abendlichen böhmischen Predigten waren auch von vielen frommen Gläubigen auS der Stadt besucht. Seine Eminenz der Herr Cardinal Fürst Schwarzenberg, auf dessen Veranlassung diese Mission abgehalten wurde, hatte für den ganzen Stand des ZwangS-ArbeitShauses auS eigenen Mitteln Missions-Andenken und Rosenkränze anschaffen und jedem Einzelnen eine Zubesserung angedeihen lassen. » » .1'n !ti»»Ptt!>-tgKll!>>jt ^ .»5 y> n " ^iS ! 1U»NM» '^M^UiKtih ndu» äii>n' .s,i5, ., > >.-.,. - » « Wien. Eine Anzahl von Mitgliedern deS katholischen Gcsellenvereins von Wien, 52 an der Zahl, haben sich bei der Subscription zum Nationalanlehcn mit dem Ge- sammtbetrage von 5210 fl. betheiligt, welches um so lobenSwerther ist, indem dieselben unter den jetzigen Zeilverhällnissen nur einen geringen Wochenlohn beziehen und alle Lebensbedürfnisse sehr theuer sind. Es sind mehrere dabei, welche 100 bis 500 fl. gezeichnet haben. Dieselben übergaben ihrem Sebutzvvrstande die Kaution, um selbe für sie zu erlegen, welches auch sogleich bei der Filialcasse am Neubau geschah. » « » Mainz. Mit Ausnahme von ganz alten und kranken Priestern gibt cö in der Diöcese keinen Geistlichen mehr, der die geistlichen Ererciiien nicht mitgemacht hätte. Bei den zu Ende August hier abgehaltenen heiligen Uebungen, die P. v. Lamezan geleitet har, waren über 150 Priester gegenwärtig. Sogar ein ehrwürdiger, fast ganz erblindeter Greis, der immer geführt werden mußte, wohnte denselben bei. * 5 * Der Lieutenant im k. k. Kaiserjäger-Regimente, Graf von Mohr, welcher für eine glänzende Waffcnthat mit der großen goldenen Verdienstmedaille belohnt wurde, hat auf Pension und Medaillen-Zulage Verzicht geleistet und wird in den Orden der PP. Capuciner eintreten. _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag«-ZuHaber: F. C. Bremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger PojiMtung. 1. Oktober M- ^ 1854. . --- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abo»uement«vrei« Tl) kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Gegrüßt seyst du. Maria. Ein Röslein wundersam erblüht, Umwogt von Purpurschimmer; Vom reinsten Himmelsduft durchglüht, So lieblich wie wohl nimmer. Die Blümlein nahen all' im Kreis, Und sprechen sanft in ihrer Weis': Gegrüßt seyst Du, Maria! Von dieser Erde unversehrt, Bewahrt's die Hcrzensblüthen: Bleibt ganz allein zu Gott gekehrt, Die Liebe treu zu hüten. Um seine Blätter süß und lind, Melodisch spielt der Frühlingswind: Gegrüßt seyst Du, Maria! Ein ahnungsvoller Strahlenschcm Zieht durch der Seele Spiegel, Als ruhte in dem Hcrzensschrein Ein tlefverschloss'nes Siegel, Das nimmer seine Lösung fand, Weil es den Gruß noch nicht verstand, Gegrüßt seyst Du, Maria! Die abgelaufene englische Parlamentssession in ihrer Stellung zu den katholischen Interessen. (Schlnß.) Es ist zu hoffen, daß diese Abneigung einer großen Masse der englischen Protestanten, eben weil sie hauptsächlich auf Unwissenheit und Vornrtheilen beruht, allmälig abnehmen wirv; aber jetzt ist sie sehr stark. Im Parlamente sind solche Gegner der Kirche natürlich nicht so zahlreich, wiewohl eS deren gibt; aber zahlreich sind sie unter den Wählern, und es ist noch wohl in der Erinnerung, welchen Einfluß die antipapistische Aufregung auf die letzten Wahlen ausgeübt und wie gewissenlos und erfolgreich sie damals vielfach ausgebeutet wurde. Und leider gibt cS nicht 314 wenige Mitglieder des Unterhauses, denen persönlich alle konfessionelle Diskussionen sehr g!eichgiltig oder sehr zuwider sind, die aber sich dabei betheiligen oder wenigstens im antipapistischen Sinne stimmen, weil sie bei einem großen Theile ihrer Wähler dadurch in Gunst bleiben oder weil sie eS bei der Wahl ausdrücklich versprochen. Herrn ChamberS sagt man z. B. nach, seine Anträge und Reden gegen die Kloster seyen hauptsächlich für seine Wähler berechnet. Solche Gegner der Kirche mögen minder gefährlich oder wenigstens minder eifrig seyn, sie stehen sittlich viel tiefer als die erstgenannte Classe. — Es ist nicht zu verkennen, daß bei den Abstimmungen deS Parlaments über kirchliche so gut wie über andere Fragen Manche sich weniger von einer festen Ueberzeugung, als von Parteigeist leiten lassen. Die Erscheinung ist ja im parlamentarischen Leben Englands nicht selten, daß eine Maaßregel, welche die Regierung vorschlägt, bei der Opposition hauptsächlich darum auf Widerstand stößt, we>l diese eS für ihre Aufgabe hält, dem Ministerium Schwierigkeiten in den Weg zu legen. So haben auch in dieser Session offenbar manche Mitglieder der Opposilionsp>>r>ei für antipapistische Anträge gestimmt, weil sie von Spooner, Ncwdegale, Whiteside und andern Mitgliedern der jetzigen Opposition ausgingen und von Mitgliedern der Regierung bekämpft wurden; und von mehrern der jetzigen Minister, namenilich den Peeliten, ist wohl anzunehmen, daß sie entschiedener zu Gunsten mancher Fvrderungen der Katholiken auftreten würden, wenn sie nicht durch ihr Partei-Interesse dazu veranlaßt würden, Alles zu vermeiden, was der Opposition dem ohnehin schwachen Cabinet gegenüber Waffen in die Hände geben könnte. Blinde Vorurtheile und Partei-Interessen sind eS hauptsächlich, welche die Opposition gegen die Kirche unterhalten. Indeß hat die Kirche in England doch auch Gegner, die auf einem andern Standpuncte stehen. In wenigen Ländern sind Kirche und Staat rechtlich so enge miteinander verwachsen, wie in England; die englische Verfassung, wie sie sich in den letzten Jahrhunderten gestaltet hat, kann mit Recht eine protestantische genannt werden, sofern die anglicanisch-protestantische Confession darin als StaatSkirche im strengsten Sinne des Wortes, ja eigentlich nur als Departement der Staatsverwaltung erscheint. Die Bischöfe sitzen im Hause deS LordS, aber das Parlament ist auch in kirchlichen Dingen compelent, die jedesmaligen Minister ernennen die Bischöfe und ein halb geistlichis, halb weltliches Kollegium unter dem Vorsitz der Königin entscheidet in letzter Instanz in allen kirchlichen Fragen, sogar in Glaubenssachen. Zu diesem System paßt offenbar eine Gleichberechtigung der Katholiken und Difscnters mit den Anglicanern nicht, und die Katholiken-Emancipation war, so gerecht und nothwendig sie auch war, eine große der bestehenden Verfassung geschlagene Wunde. Der englischen Verfassung droht aber überhaupt jetzt von manchen Seilen der Untergang; im Parlamente wird der Radikalismus und der moderne Liberalismus immer mächtiger und fast mit jeder Session kommt die englische Verfassung ihrem Untergange näher. ES gibt im Parlamente Männer, welche diesen Proceß erkennen und vergebliche Anstrengungen machen, ihn aufzuhalten, und diese streiten darum consequenl auch gegen Alles, was dem „protestantischen" Charakter der Verfassung Gefahr droht. Ein sehr interessanter Repräsentant dieser Richtung war das frühere Parlamentsmitglied für die Universität Orford, Sir Robert JngliS. Er stimmte und sprach, wie gegen alle Neuerungen, so auch gegen jede den Katholiken zu machende Concession; aber Niemand konnte ihn einer eigentlichen Intoleranz oder einer ungerechten und unbilligen Gesinnung gegen die Katholiken beschuldigen; er galt für einen durchaus graden und ehrlichen Charakter; er sprach scharf und strenge, aber selten kränkend und beleidigend gegen die Katholiken, und war gewiß bereit, ihnen alle Concessionen zu machen, wenn sie nicht seiner Auffassung der englischen Verfassung widersprachen. Einen so reinen und consequcnten Vertreter hat diese Richtung jetzt im Parlamente nicht mehr; aber daß sie noch jetzt fortwirkt, ist nicht zu bestreiken, und mitunter wird der Gedanke wohl schon offen und klar ausgesprochen, daß die Verfassung auch in kirchlicher Hinsicht einer gründlichen Revision bedürfe. Manche treffende Gedanken neben einigem hohlen Raisonnement enthält darüber folgendes Bruchstück aus einer von ZZS Disraeli, dem Führer der „conservativen" Partei im Unterhause, am 3. August bei Gelegenheit der Maynooth-Debatte gehaltenen Rede: „. . . Wir haben n'ne DiScussion gehabt über die Frage, ob eine Dotation der römisch-katholischen Erziehung staltfinden solle, dann über den römisch-katholischen Eid, seine eigentliche Bedeutung, seinen Zweck und seine Tragweite, dann über die Anstellung von römisch-katholischen Caplänen für die Gefängnisse. Alle diese Fragen wurden von sogenannten unabhängigen Parlamentsmitgliedern angeregt, die auf verschiedenen Seiten deS HauseS sitzen und in der Regel in politischen Fragen nicht harmoniren. Ist eS möglich, gegen eme so auffallende Erscheinung blind zu seyn? Ich halte diese Fragen für sehr wichtig und glaube nicht, daß eS gut wäre, wollten wir die DiScussion derselben umgehen und unS bemühen, einer Lösung derselben auszuweichen. Was ist die Bedeutung aller dieser Fragen? Zu welchen Conscaueuzen werden sie führen? Sicher sind eS Fragen, welche von Staatsmännern ausS sorgfältigste geprüft zu werden verdienen. Mir scheint, ihre Bedeutung ist diese, daß das Land mit dem politischen StatnS nicht zufrieden ist, welchen unsere römisch-katholischen Mitunterthanen mit Bezug auf die protestantische Verfassung unseres Landes einnehmen. In welcher Form die Frage sich auch darbietet, das liegt immer zu Grunde und was wird die Folge davon seyn, wenn diese Unzufriedenheit auf so mannigfaltige Weise laut wird, in Diöcussionen über die Dotation römisch-katholischer Collegien, über die Interpretation römijch-katholischer Eide oder über die Anstellung römisch-katholischer Capläne? Was muß die Folge davon seyn, wenn solche Fragen stets controverS bleiben, ohne daß Jemand auftritt und die öffentliche Meinung über die Sache aufklärt? Die Folge kann nach meiner Ueberzeugung keine andere seyn, als innere Zwietracht, vielleicht Gewaltthaten und Unordnungen und eine grobe Verletzung des Princips der bürgerlichen und religiösen Freiheit ... ES darf nicht geduldet werden, daß in jeder Session eine wichtige Frage in Bezug auf das Verhältniß unserer römisch-katholischen Milunterthanen zu der protestantischen Verfassung unseres Landes aufgeworfen und nicht gelöst wird und ein Gegenstand der öffentlichen Cvntroverse bleibt, so daß jedes einzelne Parlamentsmitglied, welches auch seine politischen Ansichten im Allgemeinen seyn mögen, aufstehen und daS Volk ausregen und durch solche Discussionen den ganzen Gang der Staatsgeschäfte unterbrechen kann. Ich glaube, eS ist jetzt mit dieser Frage so weit gekommen, daß eS die Pflicht der Regierung ist, der Schwierigkeit entgegenzutreten nnd sie zu lösen und die Controverse zu entscheiden, welche in so vielen Formen und von so vielen Seiten ausbricht. Haben wir eine protestantische Versassung oder nicht? Wenn wir eine protestantische Verfassung haben, was bedeutet das? Möge die Regierung auftreten und durch Gesetze bestimmen lassen, welches die Funktionen, welches die Attribute, welches der Einfluß und welches die Tragweite dieser protestantischen Verfassung ist. Möge sich ein Jeder, Protestant und Katholik, darüber klar werden, welche Rechte und Privilegien er unter dieser Verfassung genießt, was er thun und was er nicht thun darf. Ich glaube, das ist eine Frage, die gelöst werden muß, daS sind Gegenstände, welche die Aufmerksamkeit der Staatsmänner verdienen, welche entschieden angegriffen und in befriedigender Weise erledigt werden müssen... Ich glaube, es ist die Pflicht der Regierung, nach gehöriger Ueverlegung und gehörigem Studium dieser Frage auszutreten und ein Princip festzusetzen, wonach die Rechte der Privilegien der Unterthanen Ihrer Majestät genau geregelt werden sollen^ die der Protestanten sowohl, wie die der Mitglieder der römisch-katholischen Kirche. Ich glaube, es darf nicht fast jeden Abend der Session darüber gestritten werden, ob die Römisch-Katholischen das Recht haben sollen, Klöster zu gründen, ob der Staat Collegien doliren soll zur Erziehung des Klerus, welcher nicht der KleruS deS Staats ist, ob der Eid eine Bedeutung hat, welchen die römisch-katholischen Mitglieder ablegen, oder ob die Bestimmungen über die Gefängnisse und andere Anstalten eine Verletzung der protestantischen Verfassung des Landes involviren oder nicht? Ich glaube, wenn man sagt, man wolle die protestantische Verfassung aufrecht halten, so vertritt man die Rechte der römisch-katholischen Unterthanen Ihrer Majestät 316 eben so gut, wie die Ihrer protestantischen Unterthanen. Ich halte die protestantische Verfassung für die Bürgschaft der bürgerlichen und religiösen Freiheit des Volkes, und weil ich diese Ueberzeugung habe, so glaube ich, wenn die Regierung ihre Pflicht versäumt und wenn diese Bruchstücke der Frage zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion und der parlamentarischen Debatte gemacht werden, wird das Resultat eine starke Beeinträchtigung der bürgerlichen und religiösen Freiheit seyn." Aber wer unter den englischen Staatsmännern darf sich getrauen, eine Lösung dieser Frage zu versuchen? Wenn Disraeli Lord John Russell vorschlägt, so ist das wohl nur bittere Ironie, und auch unter den andern Wortführern beider Parteien wüßte ich keinen, der einer solchen Aufgabe gewachsen wäre. Der Tod Voltaire'S. - (Fortsetzung.) In der „französischen Akademie", wo Voltaire'S Porträt über dem Präsidentenstuhl prangte, worein er sich setzen mußte, und in der „Comödie Fran?aisc" wurde er mit fast göttlicher Verehrung gefeiert. Wir wollen darüber den deutschen Baron und französischen Journalisten Grimm hören, der diesen doppelten Empfang beschreibt: „Nein," sagt er, „ich glaube uicht, daß Geuie und Schristenihnm je einen schmeichelhafter» und ergrcifendern Triumph erlebt haben, als der war, der Herrn von Voltaire hier zu Theil wurde. Dieser hochberühmtc GreiS erschien heute zum ersten Mal in der Akademie und im Theater. Hinter seinem Wagen wogte bis in die Höfe des Louvre eine zahlreiche Menge Volks, die ihn sehen wollte. Alle Ein- und Zugänge der Akademie waren von Menschenschwärmen umlagert, die sich langsam öffneten, um den Gefeierten durchzulassen, und dann mit Jubel und Beifallöäußcrungen hinter ihm herstürzten. Die Akademie kam ihm bis inS erste Vorzimmer entgegen, eine Ehre, die noch nie einem Mitglied wiverfuhr, ja, nicht einmal fremden Fürsten, die ihren Sitzungen beizuwohnen gekommen waren. Er mußte sich auf dem Sessel des DirectorS niederlassen und ward durch einstimmige Wahl zu dieser binnen Kurzem erledigt werdenden Ehrenstelle erhoben. Ot'schon der Gebranch in solchem Falle das Loos vorschreibt, so hielt diese gelehrte Gesellschaft eS doch mit Recht für angemessen, zu Gunsten eines großen ManneS davon abzusehen, und sie entsprach dadurch wirklich dem Geiste und der Al'sicht ihres Stifters. Hr. v. Voltaire hat diese Auszeichnung sehr dankbar entgegengenommen. Die Versammlung war möglichst zahlreich; doch inuß man die dem Hrn. v. Voltaire hier dargebrachten Huldigungen nur als Vorspiel zu denen ansehen, die ihn im Nationaltheater erwarteten. Seine Fahrt tiuS dem Louvre in die Tuilerien glich einem öffentlichen Triumphzuge. Der ganze unermeßliche Prinzenhof bis zum Eingange deS CcirroufselS war mit Menschen angefüllt; nicht geringer war der Zulauf auf der Gartenterrassc, und in dieser Menge fand jedes Geschlecht, jedes Alter und jeder Stand seine Repräsentanten. Sobald man den Wagen in der Ferne ansichtig wurde, erhob sich ein allgemeines Freudengeschrei; Zurufen, Händeklatschen, Entzücken nahm in dem Maaß zu, wie er näher kam; und als man nun den ehrwürdigen Greis selbst erblickte, als er, auf zwei Arme gestützt, auöstieg, da erreichte die Rührung und Bewunderung ihren Gipselpuuct. DaS Volk drängte sich zu ihm hin; es drängte sich aber mehr, um ihn vor dem Zudrang zu schützen. Jeder Eckstein, jeder Schlagbaum, jedcS Fenster war mit Zuschauern besetzt, und kaum hielt der Wagen still, so stieg man oben darauf oder auf die Räder, um die Gottheit besser in der Nähe zu sehen. Im Schanspielhause schien die Begeisterung deö PublicumS, von der man glaubte, daß sie nicht weiter gehen könne, sich auf's Doppelte zu steigern, als Herr v. Voltaire in der Loge der Kammercavaliere über dem Erdgeschoß zwischen den Damen Deniö und von Vill-tte Platz nahm und Herr Brizard nun einen Lorbeerkranz brachte, den Frau von Villeite dem großen Mann auf's Haupt setzte, dieser ihn aber gleich wieder herabnahm, 317 obschon das Publicum dieß unter betäubendem Klatschen und Geschrei abwehren wollte. Alle Frauenzimmer standen. In den Gängen war es noch voller, als in den Logen. DaS ganze Schauspielerpersoual trat vor dem Aufziehen deS Vorhangs an den Rand der Bühne. Man erstickte einander sogar am Eingange in'S Parlerre, wohin mehrere Damen, die anderwärts keine Plätze finden konnten, hcrabgestiegen waren, um nur ein paar Secunden den Gegenstand so vielseitiger Anbetung zu sehen. Schon sah ich den Augenblick kommen, wo der Theil deS Parlerre unter den Lo.M niederkmeen würde, weil ihm in seiner Verzweiflung kein anderes Mittel zum Sehen übrig blieb. Der ganze Saal war eine Staubwolke, von der Ebbe und Flulh der wogenden Menge aufgewirbelt. Diese Begeisterung, diese Art allgemeinen Wahnsinnes dauerte über zwanzig Minuten, uud den Schauspielern gelang eS erst nach vieler Mühe, das Stück ansangen zu können. Es warHrene; nie wurde einem Drama weniger Aufmerksamkeit und zugleich mehr Beifall geschenkt. Als der Vorhang fiel, neues stärkeres Zurufen, neuer doppelt lauter Beifall. Der edle Greis erhob sich, um dem Publicum zu danken, und kaum eine halbe Minute darauf sah man mitten auf der Bühne ein Postament, auf dem Postament daS Brustbild deS großen ManneS, alle Schauspieler und Schauspielerinnen im Halbkreise um die Büste herum, mit Laubgewinden und Kränzen in der Hand, alle Laien, die in den Coulissen gestanden hatten, hinter ihnen, und ganz in der Vertiefung der Bühne die Garten, welche im Trauerspiel aufgetreten waren, Brizard setzte den ersten Kranz auf die Büste; die Andern folgten dann Brizard'S Beispiel, und nachdem sie dieselbe so mir Lorbeer und, wie Einige behaupten, mit Küssen bedeckt hatten, trat Madame VeslriS bis an den Rand vor, um dem Gott des Festes selbst ciu Gedicht vorzutragen, daö vom Publicum mit ranschendcm Beifall aufgenommen wurde, vermuthlich deßhalb, weil cS darin einen Anklang seiner eigenen Gefühle wiederzufinden glaubte. ES mußte wiederholt werden, und in einem Nu waren tauseud Abschriften davon im Umlauf. Die Büste blieb mit ihrer Lorbeerlast auf der Bühne stehen. Der Augenblick, wo Herr v, Voltaire das Theater verließ, schien noch rührender, als der seiner Ankunft; die zweifache Last der Jahre und der Siegesiränze, womit man sein Haupt beladen Halle, schien ihn niederzudrücken. Man sah ihm die innere Rührung an: seine Anzcn funkelten noch durch die Blässe des Gesichts hindurch, aber man glaubte wahrzunehmen, daß sein Athem nur vom Gefühle seines Ruhmes uuierhalten wurde. Die Frauenzimmer hallen sich auf beiden Seilen aufgestellt, sowohl in den Gängen als ans den Treppen, um ihn zwischen durchzulassen; sie irrigen ihn gleichsam in ihren Armen, uud so gelaugte er zum Krrschenschtage. Vor der Thüre des Schauspielhauses hiell man ihn so lange als möglich auf. DaS Volk schrie: „Fackeln, Fackeln! damit Jeder ihn sehen kann'." AIs er im Wagen saß, drängte sich das Gewühl um idn herum; man stieg auf den Tritt, hängte sich an die Schläge, um ihm die Hände zu küssen. Man bar den Kutscher, Schritt zu fahren, damit man beibleiben könne, und so begleitete ihn ein Theil des Volkes bis znm Pvnt-Royal. Die Eifrigsten suchten seine Kleider zu berühren, seine Hände zu küssen, seine Pferde zu streicheln; in einem Anfinge von Inbrunst wollten sie die Pferde ausspannen und den Wagen selbst ziehen, der für diese festliche Veranlassung bestellt zu seyn schien; denn er war himmelblau uud ganz mir gvldcnen Sternen besäet, genau wie der Wagen des EmpyräumS. Der Grabstichel blieb auch nicht müß g, uud alle Scenen von Voltaire'S Krönung wurden durch ihn für daS Auge gefesselt." — Man ward'S nichr müde, ihn zu sehen, zu feiern, zu verherrlichen. Man halte ordentlich den Narren an ihm gefressen, sprach von nichts als von ihm, und überhäufte ihn bis zum Uebermacrß mit Besuchen nnd Gedichten. DaS Volk stand harrend vor seiner Thür und auf den Quais, um seiucr Gegenwart froh zu werden. DaS Jncognito war für ihn zur Unmöglichkeit geworden. Er mochte sich in'S Theater oder in die Akademie begeben, alle Well zog hinter seinem Wagen her, den man schon in der Ferne erkannte. Ging er zu Fuß aus, so lockte sein sammrner Rock, sein Pelzwerk, besonders aber seine ungeheure schwarze Perrücke, die ihres Gleichen nur in der von Bachaumont hatte, alle Buben des Stadtviertels herbei; sodann die 318 Savoyarden, Bnchertrödlcr, Fischweiber, Maiilaffen jeder Art; sie ließen nicht von ihm ab, folgten ihm wie sein Schatten, umringten, drängten ihn, und schrieen ihn fast taub mit ihren Vivats. Sie brachten ihn auch zu dem Geständniß, eS gebe keine „Welches" (Wälsche) mehr, und die Franzosen seyen wieder aus dem Grabe erstanden. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Notizen. BreSlau. DaS Hirtenschreiben deS hochw. Herrn Fürstbischofs, in welchem der Klerus zu einer am 26., 27. und 23. September abzuhaltenden Diöcesan-Conferenz eingeladen worden ist, lautet in deutscher Uebersetzung: „Heinrich, durch GotteS Erbarmung und deS heiligen apostolischen Stuhles Griade Fürstbischof von BreSlau zc. zc, dem ehrwürdigen Klerus der Diöcese Gruß und Segen in dem Herrn. Wo Zwei oder Drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen, sag» JesuS seineu Jüngern in jener denkwürdigen Stunde, in welcher er ihnen die vertrauensvolle Schlüsselgewalt übergab. Wenn dieß einer jeden Versammlung, welche im heiligsten Namen deS Weiterlösers statt hat, versprochen worden ist; um wie viel mehr, werden wir sagen, erstreckt sich diese hockst trostvolle Verheißung auf die Versammlung derer, denen der Herr besohlen, die Kirche zu regieren und das heilige, heilbringende, von ihm vollbrachte Werk durch alle Zeilen fortzusetzen. Daher anerkannten die zu Chalcedon und Konftantinopel im heiligen Geiste versammelten Väter mit vollem Recht, daß man mit dem festesten Glauben an jenen Worten hängen, und von da den himmlischen Segen zur Vollendung deS unternommenen Werkes erwarten müsse: eben so sprachen eS die Bischöse auS, als sie die Priester zu den von der Kirche so weise eingesetzten Synoden beriefen, man müsse wegen eben derselben Verheißung Jesu Christi in vertrauensvoller Gesinnung heilsamen Erfolg hoffen. Und der heilige CaroluS BorromäuS sagt: „Um wie viel mehr wird er in der Mitte von nicht Zweien, sondern von mehr als neun Hunderten seyn, und zwar nicht auS jeder beliebigen Classe der Menschen, sondern von seinen Priestern, die in seinem Namen vereinigt sind? Wenn wir in derselben Gesinnung geeint, dasselbe zugleich athmen, wenn wir all unsere Zwecke und Absichten zur Erreichung seiner Gnade und seines heiligen Geistes einrichten werden?" u. s. w. So lange daher die Diöcesan-Synoden ihrer Einrichtung gemäß, d. h. alljährlich abgehalten wurden, blühre die lodcnSwerlhe kirchliche Ordnung: während seit ihrer Vernachlässigung nicht nur der kirchliche Eiser seinen Nerv zu verlieren begann, sondern auch das kirchliche Leben sowohl der Laien als auch der Priester ermattet ist. AuS diesem Grunde beschloß die heilige Synode zu Trient, die Diocesan-Synoden sollen alljährlich abgehalten werden; auch alle Erempten, welche sonst, auch ohne Eremption beiwohnen müßten, und nicht den General-Capiteln untergeben sind, sollen gehalten seyn, bei ihnen zu erscheinen. Fürwahr! den Bescklüssen deS heiligen Concils fehlte nicht der heilsamste Erfolg. Ein neues Leben erwachte in der Kirche. Vorzüglich aber sind eS zwei große Kirchenfürsten gewesen, von denen der Eine durch sein Umschreiben an die Bischöfe, der andere durch sein Beispiel in der Wiedereinführung der Synoden sich auszeichnete, die HH. PiuS V. und CaroluS BorromäuS, welcher letztere durch die achtzehn Jahre seiner kirchlichen Regierung sechs Provincial- und eilf Diöcesan-Synoden abhielt. Wie viel Mühe überhaupt in jeder Zeit und später bis zur Mille deS ISten Jahrhunderts die deutschen Bischöse sowohl als die Kleriker in der Abhaltung der Synoden angewandt haben, bezeugt die von Harzheim besorgte Concilien-Sammlung. Seit der Mitte des Igten Jahrhunderts aber hinderten die Macht der falschen Philosophie und viele äußere Drangsale sowohl die gesammte Regierung der Kirche, als auch den Eifer in der Abhaltung der Synoden so sehr, daß weder die Ermahnungen deS Papstes Benedict XIII. noch daS berühmte Buch BenedictS XIV. über die 319 Diöcesan-Synode die Hindernisse überwinden konnten. Und obwohl zu Ende deS t8ten Jahrhunderts der berühmte Bischof zu Baltimore, Johannes Caroll, Diöcesan-Synoden versammelte, so folgte doch Europa seinem Beispiele wenig, am wenigsten Deutschland. Gcliebteste Brüder! eS bedürfte gewiß schwerer Strafen und furchtbarer Heimsuchungen, damit unsere Kirche jene Freiheit und Kraft wieder gewönne, welche den Berathungen und Beschlüssen der zu Würzburg versammelten deutschen Bischöfe plötzlich erschien. Von da vernahmen wir folgende Wort?: „So wie wir selbst auf Provincial-Synoden zusammenzukommen beabsichtigen, eben so werden wir, geliebteste Brüder, auch Euch — zu unserer Freude — nach unserer Bestimmung zusammenberufen, auf daß wir die von Alters her von der Küche eingesetzten Synoden wieder herstellen, damit durch sie das heilige Band zwischen den Bischöfen und ihren Priestern fester und inniger geknüpft, die an vielen Orten verfallene kirchliche Ordnung verbessert und wir selbst durch die gemeinschaftlichen Gebete und Berathungen gekräftigt wurden, um unser schweres und ernstes Amt zu Gottes Ehre und zum Heile der Gläubigen zu verwalten." Indessen traten der Ausführung dieser Bestimmungen bis zu diesem Tage vor Allem zwei Hindernisse in den Weg: das eine, daß die Provincial-Concilien, welche nach der kirchlichen Anordnung den Diöcesan-Synoden vorangehen und sie vorbereiten sollen, nicht erneuert werden konnten, das andere, daß die Verhältnisse unserer Zeit eine gewisse Furchr einflößen, welche auch den heiligen Vater mit Besorgniß erfüllte. Denn nachdem unser Papst, Pius IX,, den Gott lieben, erhalten und leiten wolle! die Bischöse der Würzburger Versammlung gebührend belobt, verschweigt er ihnen nicht, indem er die alte Einrichtung, der gemäß die Diöcesan-Synoden durch die Provincial-Concilien vorbereitet werden sollen, ins Gedächtniß zurückruft, warum er bei Unterlassung der letzteren für die Abhaltung der Diöcesan--Synoden besorgt sey. Diese mit so väterlichem Herzen und so weise angedeuteten Besorgnisse dürfen unS nicht unbedeutend erscheinen, obwohl sie sich schwerlich auf unsere Diöcese erstrecken. Wie daher Unser erhabener, in Gott ruhender Vorgänger, dessen Andenken von UnS immer in Ehren gehalten werden muß, für jetzt wenigstens die Diöcesan-Synoden nicht glaubte abhalten zu dürfen, eben so werden Wir auch in gebührender Rücksicht auf den vom heiligen Vater ausgesprochenen Willen, das Bei'piel deS Vorgängers nachahmen, bis der heilige Stuhl erklärt, daß jene Besorgnisse geschwunden sind. Weil aber Unsere Diöcese bei einer so großen Ausdehnung und einer so schwierigen Lage der Dinge der heilsamen Früchte, welche aus den Synoden und ihren Berathungen sowohl der Bischof als der Klerus und die gesammte Heerde zu gewinnen pflegen, insbesondere bedarf: so haben Wir Tage und Nächte nachgedacht über einen Mittelweg, auf dem Wir sowohl dem Wunsche deS heiligen Vaters ehrfurchtsvoll genügen, als auch jene wünschenSwerthen Vortheile erreichen. Nachdem Wir also lange und vielfach mit Gott und unserm Gewissen UnS belachen und den Rath Unsers geliebten Capitels so wie die Ansichten weiser Männer und der erhabensten Kirchenfürsten vernommen haben, beabsichtigen Wir die ErzPriester der ganzen Diöcese zusammenznberufen, damit in dieser Versammlung sowohl Wir selbst unsere Wünsche und Bestimmungen deutlicher zu erklären Gelegenheit haben: als auch die Erzpn'ester einfacher und bündiger aussprechen können, wiS Noth thue und waS der KleruS und die gesammte Heerde meine. Ans diese Weise, hoffen Wir, wird der gerade Weg zur Erneuerung der Diöcesan-Synoden leichter gebahnt werden. Obwohl Wir in diesem ersten Jahre Unsers schweren Episkopates mit Arbeiten zu sehr überhäuft, durch verschiedene Sorgen fast erdrückt, in bittere Kämpfe sogar verwickelt, kaum einsehen, wie Wir überhaupt dieser abzuhaltenden Diöcesan-Berathung genügen können, so wollen Wir doch die Ausführung Unsers Vorhabens nicht auf weiterhin verschieben, sondern, im Vertrauen, daß Gott mit seiner Hilfe beisteht und die Angelegenheit zu einem guten AuSgange führt, noch in diesem laufenden Jahre ins Werk setzen. Falls ihr, Brüder, nach den Ursachen fraget, warum Wir so glauben eilen zu müssen, so können wir mehrere anführen. Zunächst drängt die eilende Zeit mit ihren Zeichen, und Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurücksieht, ist tauglich zum Reiche GotteS. Sodann: obwohl 320 die Schickungen des Himmels ein neues Leben in Unserer Kirche angeregt haben, so bleibt doch MehrereS anders und besser zu thun. Vieles einzurichten, Vieles zu verbessern übrig. Da serner die Widersacher der Kirche, ausgerüstet mit der Weisheit dieser Welt, mit Macht und Hilfsmitteln, mit einer wunderbaren Emsigkeit wirken, so geziemt nothwendigerweise den Zionswächtern mit gemeinschaftlicher Kraft und Weisheit zu widerstehen. Endlich muß das Band, durch welches sowohl die Presbyter mit dem Bischof, als der Bischof mit den Presbytern verbunden seyn sollen, durch Verkehr und Rücksprache fester und enger geknüpft werden, sobald eS durch die Ungunst der Zeit schlaffer geworden ist. Unter diesen Umständen beabsichtigen Wir mit Gottes Hilfe zum Ende des Monats September, in welcher Zeit die Visitationen und Convente der ArchipreSbyterate beendigt seyn und keine kirchlichen Feste eine Anwesenheil in den Parochien erheischen werden: mit Unserem Capitel und General-Vicari.itSamte alle Commissarien, Erzpriester und Schul-Inspektoren in einer Woche, deren Anzeige Wir für eine andere Zeit vorbehalten, durch drei Tage bei Uns zu versammeln, um gemeinschaftlich zu berathen: was uns Priestern selbst in dieser Zeit Noth thut, damit wir im Angesichts Gottes und der Menschen so leben und arbeiten, um als treue Diener Jesu Christi befunden zu werden. Was in der kirchlichen Ordnung im Cnlruö bei Verwaltung der Sacramente, den Predigten, der Katechese und Anderem heilsam scheine? Wir vertrauen, daß diejenigen, welche wir mit Liebe und Verirauen rufen, gleichfalls mit Liebe und Vertrauen kommen, und, falls sie rechtmäßig verhindert sind, auö ihren Archipresbyteraten erwählte Priester als Stellvertreter senden werden. Wir hegen außerdem das Vertrauen, daß wenn Einige sehr arm seyn sollten, ihnen die Reise- und Ausenlballökosten von den Geistlichen der Cirkel, zu denen sie gehören, ersetzt werden. Wir haben endlich das Vertrauen, daß sie zu einer so ernsten und heiligen Sache mit Bewahrung des klerikalen AnstandeS kommen, und nicht in off ntlichen Gasthäusern, sondern in Privathäusern einkehren werden. Wir selbst, die Canonici, die Geistlichen an der Kathedrale, der ehrwürdige Stadlklerus werden in unsere Wohnung gastfreundlich ausnehmen, so Viele wir werden aufnehmen können. ES erübrigt, daß wir das, was wir im Namen des Herrn angefangen, in dem Geiste verfolgen, dem Gott einen gute» und heilsamen Erfolg nicht verweigert. Indem Wir UnS seine Gnade und Hilfe erflehen, erbitten Wir Euch Allen den göttlichen Segen und Frieden. Breslau, am Tage deS heiligen Heinrich 1854. Heinrich. n»'anll«jIr.'nK -in» nvlu»'"^'' -!>^ Aus zchZ^s» .«ck>Ä?n kniaLilml i^t ',-i^i ,1 ), >"v"' > „-^ ^ V Posen, 15. Sept. Dem Vernehmen nach werden gegenwärtig von unserer erzbischöstichen Domgeistlichkeit die nölhigen Vorbereitungen getroffen, um der, wie eS heißt, schon seit längerer Zeit beabsichtigten Wieberherstellung einiger Klöster in unserer Provinz näher zu treten. Bekanntlich wurden alle Klöster im Großherzoglhum Posen mit Ausnahme deS der Krankenpflege gewidmeten Klosters der barmherzigen Schwestern unter der früheren Regierung nach und nach aufgehoben. Auch in unserer Provincialhauptstadt wird der Versuch mit Errichtung eineö NvviziatS des Resonnaten- ordenS gemacht werden, wozn bereits zwei Klostergeistliche anS Westfalen hier erwartet werden, welche ihre Wohnung vor der Hand in dem frühern Karmeliierkloster nehmen sollen. Ein Abgeordneter dieses Ordens war unlängst schon hier anwesend, um die nöthigen Verabredungen und Einleitnngen zu diesem Behuf zu treffen. Man rechnet dabei ans reichliche Unterstützungen der hiesigen frommen Katholiken, da die Unterhaltung der Klostergeistlichen vorläufig nur durch Sammlungen beftrilten werden kann. Der Gehcimeralh Antike, welcher in unserm Kultusministerium die katholischen Angelegenheiten bearbeitet, weilt gegenwärtig in unserer Stadt und hat bereits mehrfache Konferenzen mit unserm Erzbischos gehabt, welche, wie verlautet, die kirchlichen Angelegenheiten der Provinz betreffen. .NN^üsnv ;i5?ikm ?'iN n»inäi <»'s ^. lnlsül« Uj> inin l!i6!ir>!H vs'liK m:nkcru, Gibt kaum den Schatten dir von Jesu Lieblichkeit. Mag ihre Zaubcrmacht bis zur Bvllcudung reichen, So muß vor Seiner Schönheit dennoch sie erbleichen. Die Seele sand den Anscrwähltcn, lichtnmslossen — Anbetend sie zu Seinen Füßen niedersank; Aus Seinen hcil'gcn Wunden ward ihr eingcgossen, Bis lies in's Herz ein wunderbarer Liebcslrank: Daß neues Lebe« sich i« allen Gliedern reget, Verborgne Gottcskraft den ganzen Geist beweget. Ganz sicher ruht ich, wie in einer Gnadenzclle, Demi aller Erdenschmerz in Licbeslust zerfloß; Indeß der Weisheit Strahl in lichter Sonnenhelle, Wie eine Zlammenströmung sich in mich ergoß. Die dunkle Glaubcnsnacht war nun verschwunden, Da ich den Urquell alles Lichtes selbst gesunde». Begrabe» lag schon längst im Kreuze all' mein Wissen, Damit ich Ihn, der. Einen, wüßte ganz allein; 322 Und von der Welt und ihrer Weisheit losgerissen. In wahrer Selbstverläugnung lernte w»tse seyn. Nun aber, da ich lebend Ihm, mir selbst gestorben, Ist wunderbare Weisheit mir durch Ihn gew»rden. Ganz unbelauscht im tiefvcrborgnen Scelengrnnde, Den ich zu einer stillen Rast Ihm cmSersehn, Vernahm ich unerfaßlich hohe Himmelskunde, Und lernte Dinge — gar geheimnißvoll — versteh»! Die keine Mcnschenweisheit jemals wird ergründen, Doch auch mein Mund vermag sie nimmer zu verkünde». Wenn du verlangst nach dieser reichen Gnadenqnelle, Die aus dem Herzen Jesu ewig strömt und quillt: So such' auf Golgatha dir eine Ruhestelle, Bis daß Dn ganz von süßer Liebespein erfüllt. Dann wird in Ihm gcstillct all' dein Sehnen, In sel'ger Liebeslust begraben Schmerz und Thränen. Die katholische Universität zu Dublin. *) Sehr gern, verehrter Freund, will ich Ihrer Einladung folgen, die Zustände, namentlich die religiösen Verhältnisse von Großbritannien und Irland in einigen Artikeln zu erörtern. Die große Wichtigkeit der religiösen Bewegungen in England mich für das politische Leben dieses Staates wird wohl von Niemand bezweifelt, und eS bedarf darum keiner Rechtfertigung, daß eine politische Wochenschrift davon Notiz nimmt. Selbst die brennende Frage der Gegenwart, die orientalische, hat in England die Ausmerksamkeit von der religiösen Frage nicht ganz abzuziehen vermocht, — die Verhandlungen der dießjährigen Parlamentssession geben davon Zeugniß. Ich werde mich bei meinen Berichten nicht strenge an eine systematische Anordnung der verschiedenen Puncte binden, sondern, wie eS mir für eine Wochenschrift geeigneter scheint, an die Tagesereignisse anknüpfend, bald die Entwicklung und Ausbreitung der katholischen Kirche besprechen, bald ihr Verhältniß zum Staate und den Seeten, bald das Nnterrichtswesen, bald die Bewegungen im Schooße der StaatSkirche, bald die Bestrebungen der Katholiken im Parlamente, bald literarische Erzeugnisse oder waS sonst für Puncte sich noch darbieten mögen, über welche ich Interessantes und Belehrendes darbieten zu können glaube. Erlauben Sie mir aber, noch eine Bemerkung zur Orientirung Ihrer Leser vorauszuschicken. Sie wissen, ich bin mit Ihnen darüber einverstanden, daß eS nicht nur, waö man kürzlich geglaubt hat in Erinnerung bringen zu müssen, den Laien nicht zusteht, in der periodischen Presse als Richter, Kritiker oder Rathgeber in Gegenständen der kirchlichen Verwaltung aufzutreten, sondern daß dieß überhaupt nichr der Beruf und das Recht einer Zeitung, also auch nicht ihrer geistlichen Mitarbeiter ist. Sie und »Ihre Leser dürfen versichert seyn, daß ich mich gar nicht versucht fühle, über die hier gezogenen Schranken hinauszugehen. Ich halte eS aber auch, überhaupt davon abgesehen, für besser, bei der Darstellung der Zustände und der Zeitgeschichte eines Landes mehr berichtend, erzählend und beschreibend als raisonnirend und reflectirend zu verfahren, und mein Hauptziel bei diesen Artikeln wird eS darum seyn, die zu besprechenden Ereignisse und Verhältnisse nach den mir zu Gebote stehenden Quellen recht klar und anschaulich darzustellen. — Für dießmal erhalten Sie einen Bericht über die Gründung der katholischen Universität zu Dublin. Vor einigen Jahren bestand unter den irischen Bischöfen eine Meinungsverschiedenheit darüber, was in Bezug auf die von der englischen Regierung unter dem Namen *) Aus Fr, v, Alorencourt'S politischer Wochenschrift, 323 „(Zueen's Colleges" errichteten höheren UntcrrichtSanstalten zu thun sey. Ueber das Bedenkliche solcher gemischten Anstalten war man einig; nur glaubien einige der Bischöfe, insbesondere der verstorbene fromme und milde Erzbischos Murray von Dublin, eS werde vielleicht möglich seyn, das Gefährliche der Anstalten zu paralisiren, während die meisten entschiedene Maaßregeln, um die katholische Jugend von derselben fern zu halten, für räthlicher hielten. Die Sache wurde dem heiligen Stuhle vorgetragen und in Folge der von Rom eingetroffenen Entscheidung untersagten die Bischöfe den Geistlichen, Professuren an den Kollegien anzunehmen, und warnten die Katholiken vor dem Besuche dieser Anstalten. Zugleich enthielt aber die Antwort dcS heiligen Stuhles den Rath, die Bischöfe möchten versuchen, nach dem Beispiele des belgischen Episkopats eine katholische Universität zu bilden und so der studirendcu Jugend Gelegenheit zu bieten, sich alle nöthigen Kenntnisse anzueignen, ohne ihren Glauben und ihre Sittlichkeit zu gefährden. Dieser Vorschlag saud allgemeinen Beifall, und eS wurden gleich Maaßregeln ergriffen, denselben zu verwirklichen. Man verhehlte sich die Schwierigkeiten deS Unternehmens nicht, aber man vertraute auf Gottes Beistand und die Unterstützung der Katholiken, nicht bloß des armen Irlands, sondern insbesondere auch Englands und Nordamerikas. Die Katholiken dieser Länder haben auch durch die That gezeigt, daß sie die hohe Wichtigkeit einer solchen Anstalt zu erkennen wußten. Eine im Jahr 1851 in einem großen Theile von Irland veranstaltete Kirchencollecte lieferte einen vcrhältnißmäßig reichen Ertrag, in der Diöcese Weath z. B. über 3000 Pf.; der jetzige Erzbischos von Dublin, Dr. Cullen, welcher, sich mit besonderem Eifer der Sache annahm, erhielt von reichen Katholiken in England und Irland sehr bedeutende Summen, zwei nach Nordamerika gesandte irische Geistliche sandten als Ertrag ihrer dort veranstalteten Sammlungen taufende von Dollars nach Dublin, und 40 —50Mt) Pfund stehen jetzt bereits zur Disposition. Die englischen Zeitungen haben seit vier Jahren über dieß Projcct Paddy'S gespottet und gewitzelt und es für lauter Mondschein verschrieen. Man hat sich in Irland nicht irre machen lassen, sich nicht übereilt und Alles vorher gut überlegt; jetzt ist ein HauS für die Universität angekauft, die Organisation derselben nach einem von dem berühmten Dr. Newman entworfenen Plane fast vollendet, und im Herbst sollen die Hörsäle geöffnet werden. Am 18., 19. und 20. Mai wurde zu Dublin unter dem Vorsitze des Erz- bischofs von Dublin, Dr. Cullen, Primas von Irland und apostolischen Delegatm, eine Synode der irischen Bischöfe gehalten. Es waren zugegen die vier Erzbischofe; von den 29 Bischöfen waren 20 persönlich anwesend, drei durch Bevollmächtigte vertreten; der Bischof von Roß befand sich in Rom. Die Synode übertrug dem Dr. Newman förmlich das Rectoramt, zu welchem er bereits früher ernannt war; der heilige Vater hat die Wahl bestätigt. Alljährlich hat der Rector den Bischöfen einen Bericht über seine Amtsführung zu erstatten. Zum Vicc-Rector wählten die Bischöfe den hochwürdigen vr. Leahy, Präsidenten deS Kollegiums zu ThurleS. Die Namen der Professoren sind noch nicht veröffentlicht. In einer von Newman herausgegebenen Wochenschrift werden vor und nach die Statuten nebst Erläuterungen und meisterhaften Aufsätzen zur Orientirung über den Zweck und die Einrichtung der neuen Anstalt mitgetheilt. Ich behalte mir vor, später darauf zurückzukommen; für heute lassen Sie mich eine Feierlichkeit schildern, und eine Reve mittheilen, welche am besten geeignet find, das Unternehmen zu charakterisiren. Der Pfingstsonntag (4. Juni) war eS , an welchem der Rector feierlich daS Tridentinische Glaubensbekenntniß ablegen sollte. Der Dubliner Dom war von Gläubigen ganz gefüllt; daS Fest hielt die Bischöse in ihren Diöcesen zurück und die meisten Geistlichen in ihren Pfarren. Die Geistlichen, welche erscheinen konnten, waren auf dem Chöre versammelt. In der Mitte desselben kniete Dr. Newman neben dem Bischof von Bombay, der gerade in Dublin anwesend war; der Erzbischos von Dublin assistirte auf seinem Throne mit Mitra und Stab dem Hochamt, welches der Bischof von Antigona i. p., Coadjutor deS Bischofs von Kerry, Dr. Moriarty, celebrirte. Nach 324 dem Hochamt ertheilte der Erzbischof den versammelten Gläubigen den Segen und sehte sich, nachdem das Veni Lrestor gesungen war, vor dem Altare nieder; Dr. Newman kniete vor ihm und legte mit vernehmlicher und fester Stimme in der üblichen Weise das Glaubensbekenntniß ab. Darauf bestieg der Erzbischof die Kanzel und hielt eine kurze, in Inhalt und Form meisterhafte Anrede an die Versammelten. Er begann, an das Fest anknüpfend mit einer Schilderung des Waltens des heiligen Geistes in der Kirche, wies dann darauf hin, wie die Kirche zu allen Zeiten die Lehrerin der Völker und die Beschützerin und Pflegerin der ächten Wissenschaft gewesen und schloß mit folgenden Worten: „Die Kirche hat stets die Unwissenheit bekämpft, sie hat stets wahre Wissenschaft gefördert. Zwar ist sie unveränderlich in ihrer Lehre und gestattet nicht die göttliche Wahrheit anzugreifen und in Frage zu stellen: aber ist daS nicht ihre Pflicht? sind nicht ihre Lehren die Lehren der Offenbarung, die ihrer Hut als eine heilige Hinterlage von ihrem göttlichen Stifter anvertraut sind, und ist nicht sie zur Säule und Grundfeste der Wahrheit gemacht? ES ist wahr, sie verdammt Schriften und verbietet ihren Kindern, sie zu lesen; aber ihre Verbote sind nur gegeu schlechte Werke gerichtet, die das Herz verderben würden, wie unsittliche uud unanständige Romane, oder die sie Grundlage des Glaubens durch Verbreitung des Unglaubens und Jrr- glaubeus untergraben würden. Die Kirche hat die Aufgabe, ihre Kinder zur ewigen Seligkeit zn führen, und darum muß sie dieselben vor der Pest der Sünde und vor der Finsterniß des JrrthnmS schützen . . . Die katholische Kirche kämpft auch gegen gewisse Schulen und Erziehungssysteme: aber thut sie nicht auch dieses darum, weil dieselben dem Glauben und den Sitten gefährlich sind? Und wenn sie die fleischliche Wissenstaft verdammt und verwirft, welche der heilige Jacobus als irdisch sinnlich und teuflisch bezeichnet, fördert und unterstützt sie nicht alle nützlichen Künste und alle Zweige der Wissenschaft, welche den großen Zweck unserer Erschaffung fördern können? Ist sie nicht die Lehrerin der Völker gewesen? Haben wir nicht ihr die allgemeine Verbreitung der Bildung zu danken, die wir unter allen Ständen der Gesellschaft in jedem christlichen Lande finden? Sie hat Schulen errichtet zur Erziehung der Armen, Eollegien und Universitäten gegründet für die Reichen uud Höherstehenden. Alle Universitäten in Europa mit wenigen Ausnahmen verdanken ihr das Entstehen. Selbst die jetzt der kalholischcn Kirche feindlichen Universitäten, wie Orford uud Cambridge, wurden von unsern kalholischen Vorfahren gegründet und dotirt uud von den Nachfolgern VeS heiligen PetniS geschützt nnd unterstützt. Diejenigen, welche jetzt von der Kirche getrennt sind, mögen den Glanz und die Herrlichkeit der Institute rühmen, die sie besitzen: aber wäre es nicht billig, zn gestehen, daß der Rnhm nicht ihnen gebührt, daß das, worauf sie stolz sind, das Werk katholischer Hände und daS Erzeugniß katholischer Geister ist. Wenn man diese Thatsachen beachtet, wie kann dann ein Unparteiischer der katholischen Kirche vorwerfen, sie sey eine Feindin des Fortschritts? Für Irland gab cs eine Zeit, sie ist noch nicht lange verflossen, wo die Erziehung geächtet, wo es Hochverrath für einen Katholiken war, ein Lehrer zu werden oder sein Kind in eine katholische Schule zu schicken. Und doch gibt eS Menschen, die von ihrer Liebe zur Wissenschaft und Aufklärung sprechen und die Rückkehr dieser Tage der Finsterniß und Verfolgung wünschen. Als die Strafgesetze etwas gemildert wurden, war es der erste Gedanke der irischen Katholiken, für die Erziehung ihrer Kinder zu sorgen. Sie bedeckten das Land mit Schulen nnd Kanten Kollegien, und viele ihrer ErziehuugSinstitute lassen sich denen aller andern Länder kühn an die Seite stellen, nnd daö alles hat das Volk mit seinem Eifer ohne fremde Unterstützung vollbracht. Wir hatten allerdings manche ErziehnngSsysteme zu bekämpfe», aber nur darum, weil ihnen die Absicht zu Grunde lag, unseren Glauben zn zerstören und uns von der katholischen Kirche loszureißen. Wir sind verpflichtet, Reich und Arm vor solchen Systemen zu warnen, wir fordern sie auf, ihre Kiuder vor vergifteten Weiden zu bewahren, aber wir ermähnen sie, ihnen die Segnungen einer guten Erziehung zuznwcndtn und sie zu den Quellen wahrer Wissenschaft zu führen. Auch jetzt geben 325 die irischen Katholiken unter der Leinmg ihrer Bischöfe und im Einklänge mit den Ermahnungen des heiligen Stuhls einen neuen Beweis von ihrer Liebe zur Wissenschaft, durch die Anstrengungen, die sie machen, inid durch die Opfer, die sie bringen, um eine katholische Universität ins Leben zu rufen, wo die irische Jugend ihren Wissensdurst befriedigen und sich dem Studium der Wissenschaften und Künste widmen kann, ohne ihren Glauben zu verlieren, — ein Unglück, welches viele getroffen hat — und ohne sich den Gefahren und Versuchungen auszusetzen, die sie in antikatholischen Instituten umgeben. Der Plan ist groß und schwierig, uud müßten wir nnS ans unsere Kraft allein verlassen, die Größe des Unternehmens würde uuS zurückschrecken. Aber unsere Hoffnung ist zuversichtlich — wir vertrauen ans Gott, ans den mächtigen Schutz der allerseligsten Jungfrau und unserer Schutzheiligen, auf die Sympathie aller Katholiken, auf den Segen des Nachfolgers des heiligen PetruS, auf die Gebete der Gläubigen und besonders der Armen. Das Unternehmen ist groß, aber mit Gottcö Hilfe wird eS gelingen. Die Sorge, dasselbe auszuführen, ist von den, irischen Bischöfen dem hochwürdigen Herrn übertragen, welcher eben nach altem Brauch beim Aiuritt seines AmtcS in eurer Gegenwart das Glaubensbekenntnis) abgelegt und erklärt hat, er wolle alles aufbieten, die Lehren der heiligen katholischen Kirche zu erhalten, zn bewahren und zu vertheidigen. Er ist ein Mann eben so ausgezeichnet durch gründliche Gelehrsamkeit, als durch Tugend und Frömmigkeit. Er kann sich rühmen, Verfolgung gelitten zu haben um der Gerechtigkeit willen und eine harte Prüfung bestanden zn haben wegen seiner Anhänglichkeit an unsere heilige Religion. Dürfen wir nicht hoffen, Geliebteste, daß nnter der Leitung eines solchen RectorS das iZenfkörnlein, welches seiner Sorge anvertraut ist, zu einem großen Baume heranwachsen werde, der daS Land mit seinen mächtigen Zweigen überschattet? DaS heutige Fest führt unS vor die Seele, was Gottes Macht vermag: Diese zwölf armen Männer, welche wir in Furcht und Zittern in Jerusalem versammelt sehen, sind bestimmt, das Salz der Erde zu werden und daS Licht der Welt; sie gehen hin ohne Ansehen, ohne Macht, ohne Reichthum, und trotz des Widerstandes aller Mächte der Erde nud der Hölle bekehren sie die Welt, verbannen sie Götzendienst und Aberglauben und unterwerscn sich die Völker der Erde; durch ihre Predigt wird das Kreuz, welches den Heiden eine Thorheit war und den Juden ein Aergerniß, die stolzeste Zierde des TiademS der Könige und Fürsten und wird eS triumphirend aufgepflanzt auf den prächtigsten Denkmälern Griechenlands und Roms. Wenn also Gott mit unS ist, wen haben wir zn fürchten? nnter seinem Schutze, und da wir arbeiten zur Ehre seines Namens und für daS Heil unserer Seelen, dürfen wir mit voller Zuversicht auf das Gelingen unseres Werkes rechnen. Und Sie, hochwürdiger Herr, dem die Ausführung eiueS fo großen Werkes von der irischen Kirche übertragen ist, erlauben Sie mir, Sie zn ermähne», den Schwierigkeiten und Beschwerden, auf die Sie stoßen werden, muthig und entschlossen entgegen zu gehen. Sie haben den Segen des Nachfolgers des heiligen PetruS, die Gutheißuug und Mitwirkung der irischen Kirche nud die inbrünstigen Gebete der Glän- bigen, — alle Schwierigkeiten werden allmälig schwinden und Ihrer Wirksamkeit wird sich ein schönes und ausgedehntes Feld eröffnen. Lehren Sie die ihrer Hut anvertraute Jugend, alle Felder des Wissens zu bebauen, die Tiefen jeder Wissenschaft und die Geheimnisse jeder Kunst zu erforschen; nntcrftützen Sie die Entsaltnng deS Talents nnd den Flug des Genius, aber wehren Sie dem Wachsen deS Irrthums und seyen Sie ein festes Bollwerk gegen ÄlleS, was die Interessen der Religion und die Lehre der heiligen katholischen Kirche gefährden könnie, Unter allen Umständen und zu allen Zeiten seyen Sie bestrebt, eine ächt katholische Gesinnung, einen wahrhaft religiösen Geist den zarten Gemüthern der Jugend einzuflößen; lehren Sie dieselben den Werth dieses inoins 5l>tHZ»< ^l»« - »ül,H/!lZöH Das Gebetbuch, welches die k. k, Akademie der bildenden Künste zu Wie» sür Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth anfertigen läßt, dürfte an Schönheit und Kunst- werlb allcS bisher in diesem Genre Gelieferte übertreffen und vielleicht das einzige Eremplar von solchem Werthe bilden. Der Tert der Gebete ist mittelst der Feder äußerst kunstvoll auf Pergament geschrieben, jedes Blatt hat eine eigens entworfene neue Randzcichnuug, an deren Ausführung sich die vorzüglichsten Künstler der Residenz betheiligten. Für die äußere Ausstattung wurde ebenfalls das Schönste und Geschmackvollste besorgt. Der Einband enthält massive Beschläge von Gold und Silber, die nach eigens gemachten Zeichnungen und Matrizen geprägt und gravirt werden, * 5 * In der Türkei haben die sranzösischen Soldaten sich in der Krankenpflege ihrer von der Cholera befallenen Kameraden so wacker bewieseil, daß der Marschall S. Arnand sie mit barmherzigen Schwestern verglich. Es muß doch waS Absonderliches seyn um den Muth einer barmherzigen Schwester, wenn man sogar einem Soldaten, bei dem doch Courage zum Handwerk gehört, ein Kompliment damit macht, ihn einer barmherzigen Schwester zu vergleichen. >---- , Nerautwortlicher Redacteur: L, Schvuchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 15. October ^ ^2. ^854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abou»ementsvre!« TV kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluogen bezogen werde» konr. Pilgerlied. Der Himmel ringsum ist so trüb', Das Herz voll Traurigkeit; Wir blicken bang und sorgenmüd' Auf die bedrängte Zeit. Wir schauen nach dem wahren Glücke, Nach der ersehnten Rettungsbrücke, I» dunkle Fernen weit. Und immer düstrer wird der Schmerz, Kein Stern durch Wolken bricht; Nach Licht sich sehnet unser Herz, Doch ach, wir finden's nicht. Wo ist aus diesen Nebclgründen Ein sichrer Ausgaug noch zu finden, Aus Nacht zum Sonnenlicht? Nur hier und dort ein Schimmer glüht, Doch flüchtig wie ein Traum; Wir sind so arm, so erdenmüd', Warum? — wir wissen'S kaum. Durchleuchte Du, o Jungsrau hehre! Die Herze», ach, so glaubcnslecre, Im öden Weltenraum. Das Erdendunkcl Du erhell' Mit Deinem Licht so rein; O leuk' des Himmels Gnadenquell In diese Welt hinein. Enthülle Du die Truggestalten, Laß an der Wahrheit fest uns halten, Au Deinem Sternenschein. 33V Kirchen und kirchliche Bauwerke an den heiligen Stätten des Morgenlandes. Bon Prisac, I. Jerusalem. Die heiligen Stätten deS Morgenlandes, und namentlich jene von Jerusalem und Bethlehem, haben sowohl wegen ihrer Wichtigkeit an sich, als wegen der wichtigen diplomatischen Streitsragen, die sich neuerdings daran knüpfen, augenblicklich wieder die Aufmerksamkeit und Theilnahme von ganz Europa, so wie eines nicht unbedeutenden Theiles von Asien erregt. Wir gedenken aber hier nicht, den dunkeln Vorgängen einer byzantinischen Politik zu folgen, oder von der andern Seite die wohl verbrieften und begründeten Rechte der Katholiken in Bezug auf jene Fragen zu schildern, sondern wir halten uns diesmal an dem Architektonischen, Künstlerischen und Kunstgeschichtlichen. So müssen wir aber gleich Anfangs bemerken, daß jener bekannte Spruch: „Wo der Türke seinen Fuß hinsetzt, da wächst kein Gras mehr," nicht bloß auf die morgenländischen Zustände im Allgemeinen, sondern auch vorzüglich hier paßt. Kommen Sie nach dem heiligen Lande, so sehen Sie nichts als Ruinen, es umgibt Sie nichts als Trauer und Elend. Die Natur selbst scheint sich umgeändert zu haben und unter dem Fluche zu seufzen. Nur hier und da scheint die Hand Gottes wieder durch, und Sie können sich überzeugen, daß Sie sich doch noch immer in dem gelobten Lande befinden. Schwerlich möchten Sie einen Teppich bunter und prächtiger wirken, als die Blumengcfilde jener Lande, die Sie ans allen Wegen und Stegen antreffen. Nichts gleicht ihrer Farbengluth, und es ist nicht umsonst gesagt, wenn Salomo in seiner königlichen Pracht von der Herrlichkeit und Schönheit der Lilien und Blumen der Felder spricht. Das Getreide in Galilää und Samaria trägt hundertfältig, wie eS im Evangelium steht; aber in den duftigen Blumen, in dem Tymian des Carmel keine Biene, in dem schönen Getreive riesenhohe Disteln, Stengel an Stengel, die Mann und Pferden wie hohes Strauchwerk über den Kopf gehen, und das Land der Verheißung, das einst von Milch und Honig floß, hat keine Landbewohner, die es bauen, wenige Städte, nur hier und da einige elende Steinhütten, die ein stinkendes »Dorf bilden, vor dessen Wohnungen man den Kameelmist als Brennmaterial anhäuft, aber desto mehr Ruinen und darunter Ueberbleibsel der prächtigsten und schönsten Bauwerke, die eS nur geben kann, und zwar aus jener Periode, die wir für die beste der christlichen Zeitrechnung halten. Denn die abendländischen HeereSzüge kamen in dem Anfange ihrer Kreuzfahrten schon mit großen Bauerfahrungen und mit Begeisterung dorthin, und überall, wo sie irgend einen in der heiligen Schrift durch Erinnerung an den Heiland, seine seligste Mutter oder die Apostel geweihten Ort fanden, erbauten sie auch eine Kirche und neben der Kirche zur Wahrung deS Dienstes ein Kloster. Es war aber damals noch die blühende Periode des 12ten und 13ten Jahrhunderts, und nirgends fand sich besseres Material als in dem an prächtigen Bausteinen so reichen Palästina. Mitunter waren freilich die Zeiten drangvoll, und wurde bei Befestigung der Städte in einer solchen Noth in einer Weise verfahren, die wir keineswegs billigen wollen und die wir hier um so weniger zu rechtfertigen haben, als sie bei keinem Kirchengebäude in Anwendung kam, sondern nur an Schlössern und Hasenwerken, wie in Cäsarea, Laodicea, Rhodos u. a,; nämlich man setzte die köstlichen Säulen von ägyptischem Granit, Gallo antico, Rosso antico, oder noch prächtigerem Materials, die man aus dem Alterthume vorfand, wie rohe Bausteine als Querlage ein, also daß der Ritter Joinville in seinen Memoiren sich wohl nicht so ganz mit Recht wundern konnte über die Schnelligkeit, womit der heilige Ludwig Cäsarea ausbaute. Im Kirchenbau verfuhr man ganz anders, und schon gleich beim Eintritte in das heilige Land beweisen die schönen Ruinen an der Kirche des heiligen Georg in Lydda, daß hier und da die durch das Christenthum verherrlichte germanische Zeit in seinen edelsten Formen gewaltet. Dazu kommt noch, 331 daß jene Ruinen außer einer gewaltsamen Zerstörung fast gar nichts gelitten von dem Zahne der Zeit, so frisch und ucn sind sie in ihrem glänzenden goldgelben Farbentone, als wären sie erst heute geschaffen^ so scharf und kantig ist AUeS. Doch wir gehen nun zu den Einzelheiten über, und zwar zunächst zu den bedeutendsten und wichtigsten von Jerusalem. EusebiuS berichtet in seiner Kirchengeschichte, daß die heilige Helena bei ihrer Anwesenheit in Palästina die heiligen Orte nicht bloß von dem Schmutze und der Entweihung des Heidenthums gereinigt, sondern auch allenthalben, namentlich in Jerusalem und Bethlehem, prächtige Kirchen an den heiligen Stätten errichtet. Die von ihr errichtete Kirche von Jerusalem hatte namentlich vielen Einfluß auf die spätere Bauweise von Byzanz. Als aber die Kreuzfahrer am 15. Juli 1099 Jerusalem erobert und TagS darauf die heiligen Stätten gereinigt, fanden sie die von der heiligen Helena erbaute Kirche, die bereits im 9ten Jahrhundert von Hakem zerstört worden, nicht mehr vor. Aber der Erzbischos Wilhelm von TyruS erzählt in seinem „Buche der Eroberung", wie die Kreuzfahrer unter der Oberleitung deS frommen Gottsried von Bouillon, der eS sogar verschmähte, da eine goldene Krone zu tragen, wo der Heiland unter einer Dornenkrone geblutet, gleich daran gingen, ihrem Erlöser einen neuen Tempel über dem Orte seiner Auserstehung zu erbauen. Sie zogen aber damals alle durch sein Leiden geweihten Stellen, welche sich in der Nähe deS heiligen Grabes fanden, nach der Erzählung deS gedachten Wilhelm von TyruS, also nicht nur den Kalvarienberg oder die Schädelstätte, die Stelle, wo der Heiland vor seiner Grablegung von Nicodemus und Josepb von Arimathia in Leintücher gewickelt und gesalbt wurde und welche gegenwärtig noch unter dem Namen deS SalbungSsteiueS bekannt ist, sondern auch den Kerker deS Heilandes, wo er so lange verweilt, bis Alles zu seiner Hinrichtung fertig war, den Ort der Kleiderveriheilung, der Kreuzaufsindung durch die heilige Helena und sonstige geweihte Stellen, vielleicht auch noch ein paar Stan'onen, da der Kreuzweg sich in Spirallinie um den Kalvarienberg herumwand, jener aber zum Zwecke deS Baues schon in den Zeiten der Helena mit Ausnahme jener, die als besonders geheiligte unberührt blieben, wie der Ort der Kreuzigung und Kreuzausrichtung, geebnet wurde, in die Kirche mit hinein. Sie muß nach einzelnen Ueber- bleibseln höchst prächtig gewesen seyn. Leider ist aber von ihrem Bau gegenwärtig nur noch wenig vorhanden. Sie hatte zwei Kuppeln und war in der Form einer Ellipse erbaut. Unter der größern Kuppel befand sich daS heilige Grab. Die von den Kreuzfahrern im Anfange deS 12ten Jahrhunderts erbaute Kirche stand noch bis zum Jahre 1808, wo das christliche Europa unter dem Joche der kirchenfeindlichen Revolution und namentlich auch eines Zwingherrn seufzte, der trotz seiner prahlerischen Ansprüche auf seine Verdienste um die katholische Religion bei seiner Anwesenheit in Asien den dortigen Katholiken viel geschadet und eben damit beschäftigt war, daS Oberhaupt der Kirche gefangen zu nehmen. Die von Europa, namentlich von Spanien und Oesterreich, verlassenen Katholiken im Morgenlande litten bald die höchste Noth. Den Grie« chen, die auf den reichen Schutz Rußlands rechneten, war dieß nicht unbekannt, und sie suchten eine Gelegenheit wahrzunehmen, zu dem längst erstrebten Besitze deS heiligen GrabeS zu gelangen. Da wurde Jerusalem plötzlich in einer Nacht von dem Brande deS heiligen Grabes aufgeweckt. Die Flamme knisterte zuerst in der Capelle der schismatischen Armenier, sie ergriff dann die Kuppel, welche in ihren Trümmern auf das heilige Grab stürzte, und was sonst der Zerstörung noch fehlte, fügten die geschäftigen Hände der Griechen hinzu, die zu einem solchen Werke schon in Bereitschaft standen. Da mußte beim vor Allem jedes Andenken deS Abendlandes vernichtet werden. Das Grab Gottfrieds von Bouillon blieb, wie der FranciScaner-Cvnvent, von dem Feuer verschont; auch das heilige Grab hätte noch erhalten werden können, aber die Griechen zerstörten, was sie zerstören konnten, weil sie wußten, daß die Latein« zum Neubau keine Mittel und keine Hilfe hatten und nach türkischem Recht, mit Beseitigung aller weiteren Ansprüche, dem die Kirche gehört, der sie baut. Die Griechen hatten aber das Geld zum Neubau in Bereitschaft liegen, und sie gingen rasch ans Werk. Die 332 Kuppel wurde im schlechten russisch-griechischen Style wieder aufgebaut und in der Hast so schlecht construirt, daß sie jetzt den Einsturz droht, Wind und Wetter hindurch läßt und die Vögel deS Himmels ihre Nester darunter bauen. Auch die GrabeS- Capelle wurde damals wieder neu aufgerichtet, aber in eben so schlechtem Style, daß wir uns hier aller weitem Kritik enthalten. Von der alten Kirche blieb nur ein Theil deS Haupt-EingangcS stehen, der aber so schön und geschmackvoll ist, daß man wohl vollkommen berechtigt ist, daraus einen Schluß auf das Ganze zn machen. Die schadhafte und traurige Lage der erwähnten Kuppel, so wie die wiederholten Anmaßungen der nnter russischem Protektorate stehenden Griechen gegenüber den gerechten Ansprüchen der Katholiken sind in der letzten Zeit der Gegenstand verschiedener Unterhandlungen gewesen, und zwar sowohl in Betreff der Bauenden, wie deS Baustyles, und beides wird wohl durch den gegenwärtigen Krieg entschieden werden müssen. Denn selbst das AuSkunstSmittcl, daß die hohe Pforte die Baulast übernehmen will, die unter jeglichen andern Umständen sich Jeder vom Halse wälzt, hier aber sehr wesentliche Rechte im Gefolge hat, wird durch die Erfahrung als unstatthaft verworfen. Die Katholiken werden sich einem solchen AuSkunftSmittel nie fügen können, so lange die Griechen noch russisches Geld haben. Denn die Katholiken würden dadurch in ihren wesentlichen Rechten stets gefährdet seyn und jeden Augenblick zn gewärtigen haben, daß eS irgend einem Pascha auch ohne Berathung mit der hohen Pforte einfallen würde, für irgend einen hinreichenden Backschis, den Canon alles Verfahrens im Oriente, von dem angeblichen türkischen StaatSrechte Gebrauch zu machen und als Eigenthümer die Griechen in den ganzen Besitz einzuweisen. Eben so ist der Styl von der höchsten Bedeutung in der gegenwärtigen Frage. ES ist gleichsam der fortwährende Rechtstitel, der für diesmal nur allein durch das Schwert festgesetzt werden wird. (Schluß folgt.) Der Tod Boltatre'S. (Fortsetzung.) Wir wollen nunmehr an einzelnen Beispielen aus verschiedenen LebenSperioden Voltaire'S klar zu machen suchen, waS wir srüher mehrmals ausgesprochen oder angedeutet, nämlich, daß sein ChristuShaß und sein öffentliches Prahlen damit viele Achnlichkcit mit dem eines Maulhelden habe, der nie dreister auftritt, als wenn er vor Furcht in ein Mäuseloch kriechen möchte. Alle unsere Leser kennen Gcllert'S Erzählung „der Freigeist", und wissen, wie dieser unerschrockene GoiteSlaugner, der seine alle einfältig gläubige und fleißig betende Haushälterin wegen ihrer Frömmigkeit nicht genug ausziehen konnte, später während einer gefährlich scheinenden Krankheit eben dieser Person die besten Worte von der Welt gibt, damit sie doch an seinem Beile einige von den so schnöde von ihm verachteten Kirchengebcten laut bete oder singe, und ihn mir seiner Angst nicht allein lasse. Denken sie dann noch mit unS an Lessing'S tief greifenden und hier in vonci-eto fürchterlich wahren AuSspruch: „Nicht Jeder ist frei, der seiner Kelten spottet", so können sie sich ohne unser Zuthun ein getreues Bild von der, übrigens im Vorigen schon geschilderten, durchgängigen GemülhSlage Voltaire'S entwerfen, und sie werden uns nicht zürnen, wenn sie sehen, daß unser Unwille aus dem Kampfe mit dem Mitleid nicht immer siegreich hervortritt. Im Jahre 1723, also im 29sten seines Lebens, stand Voltaire zum ersten Mal am Rande deS Grabes, nnd beeilte sich, zu beichten und sein Testament zu machen. Daraus erwartet er den Tod mit ziemlicher Gelassenheit, obschon nicht ganz ohne Leidwesen darüber, daß er seine Freunde so frühe verlassen müsse und seiner „Henriade" nicht den letzten Pinselstrich geben könne, wie sein eigener Brief aus dem December 1723 an Baron von Breteul bezeugt. Auf einer seiner Reisen in Sachsen, sagt Barrucl in seinen Memoiren, ward er gefährlich krank. Sobald er seinen Zustand erkannte, verlangte er einen Priester, legte ihm seine Beicht ab, und bat ihn dringend 333 um die setzte Oelung. Er empfing dieses Sacrament auch wirklich nach einer Reihe von Bußübungen, die freilich die Gefahr nicht übeldauerten; denn kaum hielt er sich für gerettet, so zwang er sich zu einem vornehmen Lächeln über seine Kleinheit, wie cr'S nannte und sagte zu seinem Sccretär: „Freund, Sie habe» den Menschen in seiner Schwäche gesehen/' Auch das Alter schien ihn nicht zu verdüstern. Eo schreibt er am 28. December 1761 an de BerniS: „Wenn ich nicht leivcnd bin, so lache ich viel, und ich bin der Meinung, mau solle lache», so lange man'S noch ka»». So lachen Sie denn, denn zuletzt finden Sie auch Ursache dazu." DaS Warum gibt er in seiner Antwort an denselben BerniS vom 25. Februar 1763: „Der alte siebenzig- jährige Blinde ist schwach, aber doch recht munter, er sieht alle Dinge dieser Wett für Seifenblasen an, und ausrichtig gesprochen, sind sie auch nichts Anderes." Darum schrieb er denn wohl auch am 14. Juli 1760 an Mad. du Deffant: „Ich lache über Alles, und mache mich über die Welt lustig " Am 15. Jänner hatte er ju ihr gesagt: „Man muß bis zum letzten Augenblicke mit dem Leben spielen." Am 27. Juni 1766 faßte er auch förmlich diesen Entschluß, und theilte ihn d'Alembert so mit: „Ich will, wenn ich kann, lachend sterben." Inzwischen meldete er unterm 3. März 1769 der Frau von Saint-Jnlien, eS mache ihm Vergnügen, um sein Grab herumzutanzen. Wer solche Maximen nicht annahm, der war in seinen Augen geächtet. In seinem Briefe vom 12. Mai 1766 an den Grafen de la Touraille bedünkt eS ihn, daß La Fontaine wie ein Pinsel gestorben sey Den 21. September 1764 erfährt Frau du Deffant, in welch' heftigen Zorn ihn die Nachricht versetzt habe, ei» d'Argenson sey die letzten fünf Stunden seines Daseyns mit einem Priester allein gewesen, und diesen d'Argenson habe er doch sonst für einen vernünftigen Mann gehalten. MaupertuiS hatte seinen letzten Seufzer in den Armen von zwei Capucinern ausgehaucht; darum wird ihm denn auch in einem Briefe Voltaire'S vom 29. August 1759 an Bertrand der Vorwurf gemacht, nicht als Philosoph gestorben zu seyn. Im selben Jahre betheuerte er mit einem Schwüre vor Friedrich II., daß er diesem Beispiele nicht folgen werte. Sei» Ideal vom Tode war also wohl ein philosophischer Tod. Und was verstand er unter diesem? Eine Lausbahn voller Ausschweifungen und Schändlichkeiten durch ein gottloses Ende krönen. Und als Vorbild führte er DuboiS an! Hatte er auch Gründe zur Vertheidigung seiner Lehre? O ja, und wir wollen sie zwu Stellen seiner Korrespondenz mit Frau du Deffant aus dem Jahre 1764 entnehmen. Die erste ist vom 9. Mai: „Bloß der Gedanke, daß man nicht mehr erwachen wird, verursacht uns Kummer; nur die Rüstung zum Tode ist schrecklich, jene barbarische Oelung, jene Grausamkeit, womit man anzeigt, daß Alles sür uns dahin ist. Wozu nutzt eS, unS so unser Urtheil zu sprechen? eS wird schon vollzogen werden, ohne daß Notar uud Priester sich darein mengen. Mon sagt bisweilen von einem Menschen: er ist gestorben wie ein Hund; aber in Wahrheit, der Hund ist recht glücklich, daß er ohne all' dieß Gepränge stirbt, womit man den letzten Augenbl'ck unseres Lebens verfolgt. Hätte man ein Bischen Mitgefühl sür uns, so ließe man unö sterben, ohne uuS etivaS daoon zu sagen. Das Schlimmste dabei ist noch, daß man dann von Heuchlern umgeben ist, die Einem zusetzen zu denken, wie sie nicht denken, oder von Dummköpfen, die verlangen, daß man ebenso ein Dummkopf seyn soll; das ist AlleS sehr widerlich. Die einzige Freude des Lebens zu Genf ist, daß man dort sterben kann, wie man will: viele ordentliche Leute schicken nicht nach dem Priester. Man tödtet sich selbst, wenn'S Einem so beliebt, ohne daß sich Jemand darüber aushält, oder man wartet den Augenblick ab, ohne daß Einen Jemand belästigt." Am 31. August unterzeichnete er folgende Zeilen: „Die letzten Augenblicke sind in einem Theile von Europa von so widerlichen und lächerlichen Umständen begleitet, daß es oft schwer fällt, zu erfahren, waS die Sterbenden denken. Alle werden den nämlichen Ceremonien unterworfen. Jesuiten sind so schamlos gewesen, zu behaupten, Montesquieu sey wie ein einfältiger Tropf gestorben, und sie hielten sich deßwegen für berechtigt, auch alle übrigen als Tröpfe sterben zu lassen. Man 334 muß gestehen, die Alten, in Allem unsere Lehrmeister, hatten auch darin einen großen Vortheil vor uns voraus; sie störten weder das Leben noch den Tod durch Aufbürdungen, die beiden Unheil bringen. Zur Zeit der Scipionen und Cäsaren lebte, dachte und starb man, wie'S Einem gefiel; unS aber behandelt man wie Drahtpuppen." Vielleicht ist hier die Bemerkung nicht unpassend, daß Voltaire sich in seinen Briefen vom 27. Jänner 1733 an de Cideville und de Formont rühmt, der Baronin von Fontaine-Martcl selbst angekündigt zu haben, daß sie fort müsse, und ihr einen Priester zugeführt zu haben, um sie Beichte zu hören und ihr die Sterbsakramente zu spenden, AbschiedSceremonien, wovon sic in diesen tranrigen Umständen nichts hören Wollte. Aus sn'ncn Memoiren scheint auch hervorzugehen, daß er einen Priester bei der Hand gehabt haben würde, um Frau du Chatelet denselben Dienst zu erweisen, hätte er voraussehen können, daß sie so frühzeitig und so unerwartet daS Zeitliche segnen würde, indem Keiner am Hofe zu Luncvillc ihren baldigen Tod ahnen konnte. Weisen wir nun nochmals als auf eine Thatsache darauf hin, daß Voltaire nicht gestorben ist, ohne zu wissen, daß seine letzte Stunde herannahe, und sagen dann, mit welcher Gnnüthsstimmung cr sein leidiges Urtheil vernahm. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Notizen. Siebe nbürgischcS. Die schönsten, die größten Kirchen von Hermannstadt und Kronstadt, die wahre Meisterwerke der gothischen Baukunst sind, befinden sich seit der Reforma'ion i» den Händen der Lutheraner. Auch sind daselbst noch die schönen Kelche, die alten, reichen Meßgewänder u. s. w. aufbewahrt. Aber daS unglaublichste ist, daß die Lutheraner regelmäßig Nachmittag zur Vesper läuten und eine Art Vesper halten; ich wohnte einer solchen in Kronstadt bei. Im obern Ende der beiden Chorstühle laS ein Prediger etwas vor — daraus setzte er sich hin — las wieder — nnd laS nicht mehr! Die fingirte Vesper war zu Ende. ES fand sich Niemand dabei ein, a'S zwei obligate in den Chorstühlen sitzende Lehrer oder Küster. Noch unglaublicher ist Folgendes: Dreimal deS Jahrcö wird in der evangelischen Haupt- Kirche zu Herrmanustavl (ob auch in Kronstadt, weiß ich nicht), die Messe nach katholischem RitnS aufgeführt! Am Christtage — am ersten Oftertage und am ersten Pfingsttage. Nachdem der gewöhnliche Gottesdienst vollendet ist, wird so lange gewartet, bis sich allcS verlanfcn hat; dann beginnt die Aufführung, die ihren guten materiellen Grund hat. ES tritt ein Prediger im Meßgewande zum Altar mit dem Kelche. Auf dem Chor singt man das K^rio Kloris dreclo — der Canon bleibt auSÜ Sollte man glauben, daß dieser Unfug geschieht seit Jahren! Gott weiß — wie lange es geschehen wird! Und wenn Sie fragen, warum das geschieht, so hören Sie die Antwort: Es wird Vesper und Amt gesungen, um die katholischen StiftuugSgelder unter diesem Vorwand einstreichen zu können. Gott weiß wie viel Stiftungen von Messen in dieser Weise den Abgestorbenen, die sie gestiftet haben, durch obige Komödie vorenthalten werden! Ist das nicht ein Spott und Hohn, den man mit der katholischen Kirche treibt. Wäre eS denn nicht an der Zeit, sich an Match. ?4, 15 zu erinnern. * - * - Hamburg, 10. Sept. Der eifrige, treue Oberhirt der norddeutschen Missionen, C. A. Lüpke, fast im achtzigsten Lebensjahre suchend, unternahm noch einmal die weite Reise zu den entlegenen Missionskirchen, um die seiner Obsorge anvertrauten Gemeinden nach einem Zeitraum von sieben Jahren wieder zu sehen und bei ihnen daS heilige Sakrament der Firmung zn spenden. Der Reihe nach hat der hochw. Herr die Gemeinden zu Bremen, Hamburg, Altona, Lübeck, Schwerin besucht und in allen 335 diesen hatte eine recht erfreuliche Theilnahme an der Feier sich gezeigt. So unerwartet groß war die Anzahl der sich einstellenden Firmlinge gewesen, daß die mitgenommenen Firwzettel schon in Schwerin längst nicht ausgereicht hatten. Sie können denken, welche Freude der hochwürdigste Bischof aus diesem überall merklichen Aufschwünge der religiösen Gesinnung bei den Katholiken schöpfte; seine abnehmenden Kräfte schienen sich mit jedem neuen Tage mehr zu verjüngen. H>>,Ä tit,? ,Ä>nHylliir »i>ui i!)it bijzil ^nki'li"»^ Fortschritt. In Hamburg kamen in den lutherischen Pfarrkirchen vor: im Jahre 1753 3105 Taufen, 85,118 Communicanien; im Jahre 1853 4732 Taufen, 17,674 Communicanien. Hieraus geht hervor, daß in Hamburg jährlich hundert Kinder ungetauft bleiben und in keine religiöse Gemeinschaft aufgenommen werden. Ferner sieht man hieraus, daß von 8, die vor hundert Jahren noch zum Abendmahl gingen, jetzt nur noch einer geht. Nach der vermehrten Bevölkerung müßten jetzt nach dem Verhältniß von 1753 127,677 Communiccmtm seyn; es sind aber nur 17,674. Und daS geht jedes Jahr schlimmer. Wir reden aber nur von den Protestanten, denn in der katholischen Gemeinde zu Hamburg hat sich in dem einen Jahre 1852 bis Ende 1853 die Zahl der Communicanien von 2700 auf 3600 vermehrt. — In Berlin waren im Jahre 1849 631 EhescheivungS-Processe anhängig: im Jahre 1853 aber 856. Diese EhescheidungSprocesse haben sich also in der Stadt in vier Jahren um ein Drittel vermehrt. — In Mecklenburg sieht es noch schlimmer auS: auf der Pastvral- Conferenz zu Malchin im September 1852 theilte der Oberkirchenrath Kliefoth mit, daß in drei Kreisen im Jahre 1851 der sonntägliche Gottesdienst 223mal ausfiel, weil auch nicht Einer zur Kirche gekommen war und der Prediger deßhalb unverrichteter Sache umkehren mußte. In Mecklenburg gibt es 469 Ortschaften, in denen ein Drittel bis über die Hälfte der Geburten uneheliche sind, und 79, in denen gar keine ehelichen mehr vorkommen. »,uwtV sml nrwuiV nwsMM,»,'i',n5 5,H«,«-, , . ... Turin. Es scheint, das sardinische Ministerium lassen seine eigenen Lorbeeren nicht schlafen, und eS suche immer mehr sieb selbst zu übertreffen. Die „Armonia" berichtet uns nun auch die Ausireibung der Mission vom heiligen Vincenz von Paula zu Casale, und zwar „um für künftige mögliche Choleralranke ein Lazarett) bereit zu halten." DaS Nähere über diesen neuen Feldzug gegen eine religiöse Körperschaft war zwar genanntem Journal noch nicht bekannt, doch ist dasselbe mit Recht der Meinung, daß Angriff, Kampf und Sieg der Herren „Jtalianissimi" hier nicht minder glänzend und ruhmreich gewesen seyn möchten, als in den Straßen und an den Thoren Turins gegen die so furchtbaren Stiftsdamen, Capucincssen, Dominicaner und Oblaten, deren Verblendung so weit ging, sich unter der dreifarbigen Fahne des Statuts zu vereinigen und die durch eben dieses Statut verbürgte Unverletzlichkeit deS häuslichen Herdes und überhaupt des Eigenthums auch für sich in Anspruch zu nehmen! Gegen die zuerst Vertriebenen machte man das SophiSma geltend, Collectivbesitz sey dem individuellen nicht gleich zu achten. Nun ist aber daS HauS zu Casale wahres Privat- und individuelles Eigenthum, iudem einzelne Mitglieder cS aus ihrem eigenen Vermögen angekauft haben; dennoch kommt ihnen daS Statut nicht zu gute! Man sieht, Herr Rattazzi liebt den Fortschritt. Der „Campanone" bringt über diese Sachlage einen Artikel unter der Ueberschrift: „Was sich gegen ein verfolgungssüchtiges Ministe- 336 rium thun läßt"; wir theilen daraus einige der prägnantesten Stellen mit. „Alle Revolutionäre", heißt eS darin, „so lange sie nicht am Ruder sind, proclcuniren laut und bethätigen noch lauter „„das heilige Recht deS Aufstandes."" Wir als Katholiken halten solches für nicht erlaubt, da die Uebel deS AnsstandeS großer sind, als die Leiden, denen er abhelfen soll. Dennoch predigen wir darum keine gänzliche Untätigkeit: Vorstellungen, Petitionen, Comites, Presse zc. sind ja auch Waffen, wenn auch nicht blutige, wie die unserer Gegner, und ein passiver Widerstand, den ja kein Gesetz verbietet, ließe sich auch mit Erfolg zur Anwendung bringen." Nun schlägt mehr- gedachteS Blatt den Bischösen vor, bei vorkommender Gelegenheit die Absingung deS Tedeum abzulehnen, da dieß bei der offenen Verfolgung der Kirche und der frevelhaften Verletzung der Reichsvcrfassung einem Hohn gegen Gott, die Religion und daS Volk nicht unähnlich sähe. Der Artikel schließt mit der Bemerkung, daß in Piemont nur Juden, Waldeuser, Engländer, politische Flüchtlinge und einzelne Beamte Ursache hätten zu singen, allen Uebrigen dagegen das Weinen besser ließe. Rom, 34. Sept. Im Auftrage Sr. Heiligkeit erließ Seine Eminenz der Car- dinal-Vicar eine Aufforderung an die Stadt Rom zu eifrigem Gebete um Abwendung der Cholera. Zu diesem Zwecke sind vom 2(1. bis 30. d. M. folgende Reliquien ausgesetzt: Die heiligen Häupter der Apostel PetruS und Paulus zu S. Giovanni in Laterans; der Finger des heiligen Petrus in S. Peter; der heilige Leib des Papstes PiuS V. in der Basilika Liberiana: das heiligste Kreuz nebst der Ausschrift in S. Croce di Gcrusaleme; die Säule der Geißelung m S. Prassede; die Ketten deS heiligen PetruS zu St. Peter in Vinculis; der Arm deS heiligen RochnS in der Kirche dieses Heiligen; die Reliquien deS heiligen PhilippuS Neri zu S. Maria in Vallicella; der Arm des heiligen Franz Xaver in der Kirche al Gesu; die Reliquien deS heiligen Sebastian in S. Andrea dclla Valle; das Herz des heiligen Carl Borromeo in der gleichnamigen Kirche am Corso. Außerdem sind alle namhafteren Crucifire und Mutter- gottcS-Bildnisse zum audächtigen Besuche anempfohlen. Zur Anregung und Belohnung der Andacht sind Ablässe verliehen. In der That wird mit großem Eifer gebetet und zwar nicht bloß vom weiblichen Geschlechte, sondern auch von Jünglingen und Männern. ^ 5 ^ London, 25. Sept. (N. Pr. Z.) Eine neue prote st an tische Bewegung ist im Gange. Die Rede, die Benjamin d'Jsraeli am 3. August dieses Jahres im Unterhause hielt, hat das Signal gegeben; seine Frage: Haben wir eine protestan, tische Versassung? klingt im ganzen Lande wieder und schon kommen die ?rote8t- ^Lsoeiations, z. B. die in Irland, und bringen ihm und Spooner (der gegen die Staatsunterstützung deS katholischen Kollegiums von Maynooth agiurt) Dankadressen und Worte der Aufmunterung. Die TorieS kommen dieser Bewegung mit offenen Armen entgegen. Ihr Wochenblatt „Preß« sagt: „Die öffentliche Meinung wird sich immer energischer diesem ernsten Gegenstande zuwenden müssen. Aber vergeblich wird sie sich aufregen, wenn sie nicht eine staatsmännische Leitung erhalten wird, waö wir allerdings glauben. Die protestantische Gesinnung des Landes darf sich nicht unter der Fintenpolitik (olsptraii polier) deS Schreibers deS Durham-BriefeS (Russell) verflüchtigen und nicht, wie in dem Falle Mr. ChamberS und der Klosterfrage, in ein verwegenes Spiel gezogen werden." - Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. K reiner. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur miq»! ui klivit.Snu , ,,tchi'.5j»»!--g »z »n-kl n?.M Augsburger Mostzeitung. 2». Ocl-ber ^ ^l». l8S4> Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Gonntage. Der halbjährige Monuement«prei« TV kr., wofür e< durch alle köm'gl. bayer, Postämter und alle Buchhaudluugeu bezogen werden kavr. Kirchen und kirchliche Banwerke an den heiligen Stätten des Morgenlandes. Von Prisac. I. Jerusalem. (Schluß.) Ein trauriger Anblick ist es, wenn man vor die Kirche deS heiligen Grabes tritt. Man gelangt, wenn man von dem lateinischen Kloster kommt, auf einer engen abschüssigen Straße zuerst an ein kleines Pförtchen, womit fast alle Klöster im Morgenlande, wahrscheinlich zur Deckung gegen feindlichen Ueberfall, versehen sind, auf einen viereckigen Platz von etwa dreißig Schritten Länge und Breite. Der Platz hat ehemals als Porhof gedient, und noch stehen einzelne Basen von den schönen Säulen, womit derselbe geschmückt und abgesperrt war. Kommt man zu der Stunde, wo die Kirche geschlossen ist, Morgens von etwa zehn Uhr bis Nachmittags vier Uhr, so ist eS nur mittels eines enormen BakschiS, den man an die Türken verabreicht, möglich, hinein zu gelangen. Denn diese sind thatsächlich die Wächter deS heiligen Grabes und werden es wohl noch so lange bleiben, bis sich Europa wieder zu Einer Kirche bekennt und das SchiSma derart gedemüthigt ist, daß eS nicht mehr auf fremde Hilfe rechnen kann. Ist die Pforte offen (und die heilige Grabeskirche hat nur Einen Eingang), so erblickt man gleich, zum Aerger der christlichen Welt, auf einer mit einem bunten Teppich belegien Pritsche vier bis fünf Türke» aus ihren langen Pfeifen rauchend und immer neigen Kaffee schlürfend. Der Eintretende hat dann zunächst den Salbuugsstein vor sich, zur Rechten den Kalvarienberg. Zur Linken gehl es in der Diagonale hinüber zur Capelle des heiligen Grabes, diesem gegenüber in gerader Linie ist das Chor der Griechen und in der DurchschnittSlinie zuerst die Stelle, wo der göttliche Heiland der heuigen Magdaleua als Gärtner erschienen, der Altar der heiligen Magdalena und endlich die Capelle der Laleiner mit einem Theile der GeißelungSsäule iu dem FranciScaner-Kloster. Gebt man nun weiter an der Sacristei vorbei in dem Umgange, so folgen hier der Reihe nach erst die Capelle deS Kerkers, dann die deS LonginuS, die der Kleidervertheilung, der heiligen Helena und der Krcuzausfiudung, etwa dreißig bis vierzig Stufen unter der Erde, wiederum über der Erde die Capelle der Spottsäule und endlich der Kalvarienberg, etwa zwanzig Stufen gegenwärtig über dem Boden der Kirche. Von dem Kalvarienberge gehört die Stelle der Kreuzausrichtung den Armeniern, der Kreuzannagelung aber den Katholiken. Die sämmtlichen Capellen sind mit Altären versehen, woran Messe gelesen wird, und bloß die hl. GrabeScapelle hat als solche keine besondere Tumba vonnöthen, weil das heilige Grab selbst dazu dient, so daß über diesem selbst die heilige Messe gefeiert wird. Daö heilige Grab 338 hat aber, so wie alle Gegenstände, welche dasselbe berühren, keiner besondern Weihe vonnöthen. Es ist durch den Erlöser selbst geweiht. Von außen, an dem Kalvarienberge, haben die Lateiner, wir meinen die Katholiken, noch eine kleine Capelle, welche der schmerzhaften Mutter gewidmer ist. Man kann zu dieser gelangen ohne die türkischen Wächter, und noch in der letzten Stunde meiner Anwesenheit in Jerusalem machte ich im Geleite unseres gemüthlichen Klosterbruders Fra Salvatore einen Gang dorthin, um Kirche und Bild mit frischen Blumen zu schmücken. Dieser Capelle gegenüber links ist das Kloster der Griechen mit verschiedenen Kapellen, oben und unten, in denen sich auch einzelne Madonnenbildcr in dem strengen griechischen Geschmacke befinden. Die Madonna, wie die Griechen sie male», ist nicht die milde, barmherzige Mutter, die zarte Jungfrau, sondern die ernste Matrone, der man, auch wenn das Bild zufällig die sonstigen Erfordernisse deö guten GeschiAackcs hat, doch nicht ohne Furcht und Zitiern nahen kann. ES ist ganz das byzantinische Hvfceremoniel, das sich darin ausspn'cht und nach dem in.ni den Tod verwirkt hat auch bei dem geringsten Verstoße gegen die Etiquette des hohen HofeS. Weiter abwärts zur Rechten liegt die Capelle der als gute Kaufleute bekannten Armenier, die überhaupt in Jerusalem zahlreich sind, ein eigenes Viertel bewohnen und mehrere Kirchen haben, Alles im Geschmacke der Griechen. In einiger Entfernung, vielleicht fünfzig dunkle Stufen unter der Erde, doch noch immer zusammenhangend mit dem ehemaligen Bau der heiligen Grabeskirche, liegt die Kirche der Kopten. Die Kirchen der Kopten haben wie die der Maioniten und sonstigen orientalischen Riten ihre ganz besondere Einrichtung. Sie haben, wie man das schon in Alerandria sehen kann, eine Menge von Tafel- und buntem Holzwerk, nicht nur zur Absperrung des Allerheiligsten von den sonstigen Gläubigen, sondern auch von den Franen, zuweilen auch eine Menge kleiner Tafelgemälde von der Größe eineö BucheS, sind aber sehr arm, dunkel und schmutzig und ganz unheimlich. Die Kirchen der Griechen und Armenier sind besonders in Jtrnsalem und Bethlehem mit reichem Gvlbschmucke und einer Menge von Bildchen versehen, aber Großes ist in denselben nicht vorhanden (mit Ausnahme der Wandgemälde vom heiligen Kreuz bei Jerusalem); ihr Geschmack ist kleinlich, ihre alten Bilder sind steif und starr, ihre neuen lheebreltartig geleckt, — Die Kirche an dem lateinischen Kloster St. Salvator ist klein und ein dürfliger Nolhbau, den mau schon längst erweitert hätte, wenn nicht Hindernisse in den Weg getreten wären, die einstweilen nicht zu beseitigen sind. Von großartigen Ruinen oder in Moscheen verwandelten Kirchen besitzt Jerusalem- die Aksa Moschee, die Kirche der heiligen Anna, deS heiligen JacobuS Minor, der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Jungfrau, den Kerker dcS heiligen PerruS, das Cönaculum. — Die Aksa Moschee ist ein prächtiges Gebäude in dem Basilikenstyle deö 12ten Jahrhunderts und stößt unmittelbar an»die Area des alten Tempels. Sie war einstens der Ausopferung Maria im Tempel geweiht, u^id eS ist wahrscheinlich, daß es dieselbe Stelle war, wo die seligste Jungfrau als zartes Mädchen von kanm einigen Jahren in den Tempeldienst aufgenommen wurde und bis zum dreizehnten Jahre verblieb. Auch sind von jenen alten Tempel-Snbstructionen wahrscheinlich noch einige Reste vorhanden, schwere Bausteine von etwa sechzehn bis zwanzig Fuß Lange und in Bossage behauen, die man an jener Stelle erblick«, wo sich am Freitag Nachmittags die Juden versammeln und den Untergang deS Reiches Israel und Juda beweinen. Wenn man diese Leute so dasitzen sieht in der Thora betend, unter tiefem Schluchzen oder lautem Weinen, wie Leute, denen augenblick ich daS größte Unglück begegnet ist, kann man sich unmöglich des Mitleids enthalten, und man möchte wünschen, raß in mancher christlichen Kirche deS Orientes jene Andacht und jener Ernst deS Gebe.'eö vorhanden wäre, die hier leider eine Hoffnung errichtet, welche nur dann ihre Verwirklichung findet, wenn sich Gottes Barmherzigkeit von Neuem über die Kinder der Verbeißung ergießt und sie zu dem verkannten Erlöser zurücksührt. Die Kirche der heiligen Anna ist ein grandioses Bauwerk im Basilikenstyle deS ILlen Jahrhunderts, etwa wie die Liebfrauenkirche in Halberstadt, von schönen edlen 339 Firmen, noch ganz wohl erhalten, und würde jeder Hauptstadt in der Christenheit noch immer eine besondere Zicide seyn. Sie gehörte ehemals deutschen Numen, ich glaube, Benedictinessen, und eS ist große Hoffnung vorhanden, daß sie bald wiederum in deutschen Händen seyn wird. Ich konnte wenigstens, wenn sich jene Hoffnung nicht verwirklichte, ganz Deutschland dafür in Bewegung bringen. Wie die Kirche der heiligen Anna, so war auch die des deutschen OrdenS mit dem deutschen OrdenShause ein höchst elegantes Gebäude. N'ch gegenwärtig sind davon sehr schöne Ueberreste vorhanden, leider von dem Schmutz und dem Unglück einer Stadt be eckt, die ihren Heirn verkannt, und eS ist eine höchst grandiose GeschichtSanschauung, wenn der GeschichiSschreiber der ersten Kreuzzüge, Wilhelm von TyruS, bei jedem Unglücke, das die Kreuzfahrer getroffen, immer als Einleitung zu der Erzählung desselben sagt: Unsere Sünden gaben uns in die Hände unserer Feinde. DaS alles wirb nirgendwo klarer, als wie im Morgenlande, weil hier die meisten Zustände ohne die europäische Schminke offen da liegen nnd die Gegensätze vollends entwickelt ohne ein vermittelndes Glied dastehen. Die Ueberreste an dem OrdenShause der deutschen Ritter verrathen aler auch, so wie ein Stück von dem Templerbogen, nicht bloß ein Gebäude von hoher Schönheit, sondern letztere mögen auch mitunter Norm gewesen seyn für manche Gebände in Deutschland, oder wenn man dieses nicht will, so sind sie doch gcinz vom deutschen Geiste durchdrungen, der aber, weit entfernt, ein erclusivcr zu seyn, damals das ganze civilisirte Europa in gleichem Maaße durchdrungen, also daß er hier unter dem Namen der Franken aus-rat und noch gegenwärtig alle europäischen Katholiken unter diesem Namen bezeichnet werden, so wie die Protestanten unter demjenigen der „Jnglesi." Dem französischen Patriotismus kommt jenes mannigfach zu Gute. ES gibt aber für die Erhallung der alten Kirchen im Morgenlande, für ihre Reinigung von dem türkischen Schmutze kein Heil, als wenn alle katholischen Mächte deS Abendlandes sich wieder unter gemeinsamem Banner versammeln. Von dem Schmutze Jerusalems und von der Schmach, womit die meisten der ehrwürdigsten Ruinen bedeckt sind, haben Sie in Europa keine Ahnnng. Der Kerker des heiligen Petrus, noch gegenwärtig mit den Resten einer schönen Kirche geschmückt und mit einem Kreuzgewölbe überwölbt, gleicht einer Mistpfütze; die Kirche der heiligen Maria Magdalena, in welcher man noch gegenwärtig den Eindruck ihrer Füße'sieht, die sich bei der Gelegenheit eingepreßt, wo sie an dem göttlichen Erlöser das Werk verrichtet, das er selbst als von guter Vorbedeutung gepriesen, das Haus der Maria Marci in Jerusalem, ebenfalls mit den Spuren der Füße der seligsten Jungfrau gezeichnet, siiid fast unzugänglich vor dem angehäuften Straßenmist, Kamcelkoth und sonstigem Schmutz- D.'S Cönaculum oder der Abendmahls-Saal nnd der Ort der Zusammenkunft am Pfingstfeste, einst eine prächtige Kirche, gegenwärtig durch eine Moschee entweiht, sind ebenfalls in dem traurigsten Zustande der Entweihung; die Kirche des heiligen Jacobus steht leer, wäre aber leicht herzustellen. Gehen Sie nach außen durch das StephanSthor nach Gethsemani nnd dem Oelberg hin, so liegen hier gleich im Thale das Grab der heiligen Maria, eine Grotte, die etwa fünfzig Stufen hinabführt, in dieser zur Rechten die Gräber von Joachim und Änna, ihnen gegenüber links das des heiligen Joseph und ganz nnten in der Tiefe in einer besondern Capelle jenes der heiligen Maria. Die Kirche ist jetzt in den Hänvcn der Schismatiker, nnd bloß die sogenannte Todangst-Grotte ist den Katholiken verblieben. Alle jene Kirchen, welche den Griechen und schiSmatischen Armeniern gehören, sind an den heiligen Stätten reich geschmückt mit vielem Gold und kleinem Bildwerk, aber der morgenländische Geist, der sich so oft und kühn in grandiosen Formen in den Gedichten der Hebräer, Araber und Perser ausspricht, hat weniger Empfänglichkeit für eine großartige Auffassung in der bildenden Kunst." Hier ist AlleS kleinlich uns klein, geschniegelt und geziert. Wie daS zusammenhängt, könnte ich leicht psychologisch und historisch entwickeln, aber ich will hier kein Aergerniß geben. 340 Ein Wiener Seandal. DaS Testament deS seines Lebenswandels wegen nicht sehr gerühmten Theater- DirectorS Carl — wurde in vielen Blättern, ja auch in Broschüren veröffentlich!, Äs ist dieß Aktenstück ein eigenthümliches Scandal, indem das große Vermögen auf verschiedene uneheliche, mit Namen bezeichnete Erben ganz kaltblütig vertheilt wird. Ueber die Veröffentlichung deS Testaments hat nun auch Saphir in seinem Humoristen in einer anerkennungS- aber auch am geeigneten Orte beherzigenSwerthen Weise sich unter anderm also ausgesprochen: „Die Veröffentlichung seines Testaments ist ein Fehler und eine Dummheit. Wir können nicht umhin, hier unser schmerzliches Bedauern darüber auszudrücken, daß es — so Hat'S wenigstens den Schein — jedem ersten Besten, der ein Gelüste darnach trügt, freisteht, für einen Gulden und so viele Kreuzer Abschreibgebühr jedes Testament jedes Verstorbenen der Publicität übergeben zu können! Sollte diese traurige Lücke wirklich in unserm Rechtszustande sich vorfinden? Wie? Familienglück, Ehre, Scandale, Dinge, über welche man dicht gewebte Schleier zu ziehen wünscht, sollten in die Welt geworfen werden können, von Todten und Lebenden, ohne daß dagegen das Sitlengesetz einzuschreiten berufen sey? Es ist von Erheblichkeit und für tausend und tausend Menschen von unberechenbarer Wichtigkeit, zu wissen, ob sie wirklich der Gefahr ausgesetzt sind, daß ihr Testament, in welchem vielleicht Geheimnisse, die für andere verletzend, für die Oeffcntlichkeit empörend, aber als testamentarische Verfügungen zu erörtern nöthig sind, ohne weiterS nach ihrem Tode dcr Oeffentlichkeit preisgegeben werden können I? Der Tod eineS Menschen ist der letzte Äct von seinem Leben, das Testament eines Menschen —, wenn eS denn einmal schon dem Urtheil der Menge übergeben ist, — daS Testament eineS Menschen ist nur die Schlnßscite seines Denkens und FühlenS. Im Testament Carl finden wir überall den Th eater - D ir ect or, nirgends den Menschen, überall den Geldmenschen, nirgends den Christ! HumanilätS-Anstalten und fromme Stiftungen sind von dem Besitzer des „Zauberschlags", sind leer von dem Inhaber einer Reihe Häuser entlassen worden! Seiner Theaterdichter, der eigentlichen Erbauer all' dieser Häuser, hat er nicht gedacht! Nestroy, — der Leser wird mich keiner besondern Parteinahme sür Nestroy beschuldigen!! — Nestroy ist von Carl in seinem Testament nicht erwähnt worden, Nestroy, der mit seinen drei Handlangern „Knieriem", „Zwirn" und „Leim" die CarlSgasse in Hietzing baute! — Die Selbstüberschätzung und die Geringschätzung Anderer haben Karl auch beim Abfassen seines letzten Willens dictando zur Seite gestanden. Sein jahrelanger Secretär „Franz", seine rechte Hand und sein linker Fnß/seiu Minister des Innern und des Aller-Aeußersten, fleißig, tüchtig wie eine Ameise, treu wie ein Pudel — nicht im hündischen Sinn — unermüdlich wie ein Telegraph, der blinde Vollstrecker seiner Austräge t on bemächugt hat, so waren und sind wir berechtigt, es auch zu thun und schließen hiermit die traurige Verhandlung darüber," _ Der Tod Voltaire's. ^ (Fortsetzung,) Unsere Leser mögen nunmehr als sreiwillige Geschworne zusammentreten, nicht, um über den Mann selbst und seine Thaten Gericht zu halten und ihm sein fertiges Urtheil inS Jenseits mitzugeben — dort steht der Stuhl Desjenigen, der da spricht: „Die Rache ist mein!" und: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!" nein, sondern bloß, um die Zeugen zu prüfen, welche über die Art seines Todes ausgesagt haben. Wir, die wir dieses schreiben, gestehen offen unv unumwunden, daß wir dieser äußern, materiellen Zeugnisse nicht bedürfen, um unS Voltaire'S Seelenzustand während der Dauer seiner letzten Krankheit klar und lebhaft vorzustellen, da wir aus innern Gründen, woraus wir im Laufe dieses Versuchs auch kein Geheimniß gemacht, fest überzeugt sind, daß jener Zustand auf seinem Sterbelager nur eine poienzirte Wiederholung desjenigen war, den der Unglückliche an siebenzig Jahre wie eine schwere und durch ihr Gewicht schmerzende Kugel- und Ke tenlast allenthalben mit sich herum, schleppte, ohne ihrer auch nur einen Augenblick, selbst nicht im Gewühl eines rmldcn Lebens, loswerden zu können. Und das kann auch gar nicht anders seyn. Der Mensch hat allen Halt verloren, sobald er das Band zerreißt — oder vielmehr ,» zerreißen versucht, welches daS Geschöpf mit dem Schöpser verknüpft, und z» eer Haltlosigkeit gesellt sich die Qual, weil der in noch so ercenlrischen Bahnen schweifende Dünkel das Gefühl wie das Bewußtseyn des ew gen, unwandcll'arcn Mitielpunclcü behält. Voltaire verwahrt sich zwar ausdrücklich, und zwar öfters, gegen den Verdaut oder Vorwurf der Alheisterei, und spricht viel vom höchsten Wesen (I'ötrv surirSmv); allein er war ja als Christ getauft und erzogen, und kannte den dreieinigcn Go i, wie ihn die Kirche lehrt. Auch hatte er zu viel Verstand und Belesenhcit, um den Heiland für eine Schöpfung der EinbildungSkrafi irgend einer Classe von „VolfSauS- beutern" zu hallen, und zu viel Scharssinn, um den einmal historisch seststchenvcu Christus bloß für einen sittlichen und aufgeklärten Lehrer oder Moralphilosophen zu erkennen. Sein Kampf gegen den Gottmenschen und dessen vollbrachtes Werk (opus operstum) war daher schon von Anfang an der eines Verzweifelten, der voraus weiß, daß er unterliegen wird, unterliegen muß, und seine schon entschiedene Niederluge durch gesteigerte Wuth verhehlen will. So Kaiser Julian der Abtrünnige. Die gainc Macht deS römischen Reiches — freilich doch nur eine jämmerliche Ohnmacht — bot er auf, um daS Christenthum zu vernichten; nicht durch rohe Gewalt, deren Fruchtlosigkeit ihm die Geschichte seiner Vorgänger zeigte, nein, durch Spott und Herabwürdigung, ganz s Is Voltaire, durch Wiedereinführung und Verherrlichung der Göllcr des Olymps, und durch daS scheußliche Verbot, daS den Christen alle Quellen d,S Unterrichtes verstopfen sollte. Julian hatte Talent, Gelehrsamkeil, einen sehr scharfen Verstand, unermüdliche Thatkraft, wie Voltaire, und überdieß jchwang er das Scepter 342 der Cäsaren noch über die größere Hälfte der damals bekannten Welt; allein er scheiterte an derselben Klippe, die später Voltaire in den Abgrund stieß: er rief einen K'mpen in die Schranken, den seine Waffen, wie er auch wohl wußte, nicht erreichen konnten, müdete sich ab in Fechterstteichen, die in die Luft gingen, sank erschöpft, entmuthigt auf sein letztes Lager, und beschloß sein junges, an unmögliche Zwecke verschwendetes Leben mit dem, mehr als der dickste Commentar sagenden Geständniß: „ Du hast gesiegt, o Galiläer!" Ob sein brechend Auge Vergebung erfleht, sich erhört und beruhigt zum ewigen Schlaf geschlossen habe, daS wissen wir nicht; allein eine ansmcrksame Betrachtung seiner Geschichte, von seinem geräuschlosen, den Studien gewidmeten Ausenthalt in Athen bis zu seiner Erhebung zum Cäsar und AugustuS, seine kurze RegierungSzeit mitgerechnet, läßt uns keinen andern AuSgcmg erwarten; denn sein Sircben war von vornherein ein verkehrtes nnd darum verfehltes; die von ihm selbst als solche >rkannte Wahrheit sollte auf kaiserlichen Befehl bei Allen, die sie eden so innig fühlten und noch dazu liebten, für Luge gelten. Wer dieß nicht auS ' der Acht läßt, der würde Julians Geständniß errathen, wenn eS auch nicht authentisch vorläge, und ebenso würde ihm der AuSgangSpunct der Voltaire'schen Thätigkeit genügen, um ihren Verlauf und endlichen AuSgang durch Induktion zu ermitteln. — Die Philosophen, Voltaire'S Freunde und Anhänger, die Gelegenheit hatten," ihn auf dem Sterbebette zu betrachten, sollen daS Wort zuerst haben. — „Die Aerzte machen kein Hehl daraus, daß alle Hoffnung ve loren sey, daß sein Leben bald erlöschen werde, die Kunst vermöge hier nichts mehr. Er selbst schien sein nahes Ende zu fühlen: „„Man kann seinem Geschicke nicht entfliehen; ich bin nach Paris gekommen, um zu sterben,"" sagte er zu La Harpe, der diese Details in seiner »lilerarischen Corr.spondenz" niedergelegt hat. — „Vor seiner Krankheit (Brief d'Sllembert's vom 1. Juli 1778 an den König von Preußen) fragte er mich in einer vertraulichen Unter» redung, welches Benehmen ich ihm anriethe, wenn er während seines Aufenthaltes in Paris krank würde. Meine Ant-vort war so, wie jeder verständige Mann sie an meiner Stelle gegeben hätte, nämlich, er würde wohl thun, sich unter solchen Umstanden an daS Beispiel aller vor ihm gestorbenen Philosophen zu halten, namentlich Fonteiulle'S und Montesquieu'S, die dem Herkommen gefolgt wären. Er schenkte meiner Antwort seinen vollen Beifall, und setzte hinzu: „„Ich denke eben so; man soll mich nicht auf den Schindanger werfen, wie ich'S an der armen Lccouvreur (eine Schauspielerin vom Ili^tre lrancsis) erlebt habe."" Er hatte einen großen Abscheu vor einer derartigen Beerdigung, und entschloß sich ohne Weiteres, everitusliter unserer Uebereinkunft gemäß zu handeln." — Voltaire leichtste und unterschrieb den Widerruf, den Abbe- Gautier verlangte. Er hatte (nach Wagniere) über 100.000 LivreS baar zu Ferney zurückgelassen; dennoch überg ib er (nach W.) seinem GewissenSrath für die Armen von St. Sulpice nur eine, erst nach seinem Tode zahlbare Anweisung von 600 LivreS. Möglich, daß dieses Almosen ihm als Buße auferlegt worden; es war sicherlich die beste, die man ihm auslegen konnte. Den 18. December 1762 hatte er an Marquis de Thibou ille geschrieben: „Man stirbt, wie man gelebt hat." Scheint er das Sprüchwort nicht durch die Geringfügigkeit jenes Legats gerechtfertigt zn haben? Eine solche Knickerei mußte wohl nicht viel Trost über seine letzte Stunde ausgießen. Ging er in seinem Geiste alle Gelegenhei en durch, wo er Unglück lindern konnte und nicht linderte, welche gegründete Aussicht hatte er da wohl, vor dem Auge eines ver- gelienden GolteS Gnade zu finden? Schon am 11. J muar 1771 meldete er Friedrich: „DaS System der Atheisten ist mir stets unsinnig vorgekommen. Die Annahme eines ungerechten Gottes ist meines BedünkenS eine Unverschämtheit; so viel ist gewiß, daß der Rechtschaffene nichts ju fürchten hat." Suchen wir nun zu erfahren, ob Voltaire ohne GrauS den Augenblick nahen suhlte, wo er über den Gebrauch seines Vermögens und seiner Geistc?gaben Rechenschaft ablegen sollte, — In dem schon angeführten Briefe d'SllembertS erzählt der Verfasser, Voltaire'S TodeStampf sey ein langer und schmerzhafter gewesen, und der Philosoph habe in seiner Krankheit große Ruhe gezeigt, obschon er ungern vom Leben zu scheiden schien: zwei 343 Dinge, die sich augenfällig widersprechen. — „Er entschlummerte sanft (La Harpe, liter, Corresp.), und erkannte nur noch mühsam die Personen, die sich seinem Lager näherten. AIS Abb6 Gautier und der Pfarrer von St. Sulpice bei ihm eintraten, wurden sie bei ihm angemeldet. Erst horte er gar nicht; dann antwortete er: „„Versichert sie meiner Hochachtung"" Der Pfarrer trat an ihn heran, und richtete folgende Worte an ihn: „„Herr von Voltaire, Sie stehen am Ziel Ihres Lebens; erkennen Sie die Gottheit Jesu Christi an?"" Der Sterbende sagte wiederholt: „„JesuS Christus! JesuS Christus!"" Dann streckte er die Hand auS, wie um den Pfarrer zu entfernen, mit den Worten: „„Lassen Sie mich in Frieden sterben!"" „„Sie sehen ja, daß er nicht bei sich ist,"" sprach der verständige Pfarier zum Beichtvater, und sie verließen beide das Zimmer. Die Wärterin trat ausS Bett zu; er sagte mit ziemlich starker Stimme zu ihr, indem er mit der Hand auf die abgehenden Priester wieS: „„Ich bin deS TodcS!"" und sechs Stunden später lag er im Verscheiden." — Nach der „Liter. Corresp." von Grimm, Juni 1778, starb Voltaire wie er gelebt halte, ohne Schwäche und ohne Vorurtheil. (Fortsetzung folgt.) ,W irnzzii!/ ,,-i't twuL '"öiis.!m''L ,sri>bZ Kirchliche Notizen. Heiligenbilder. Die xylographische Kunstanstalt von Braun und Schneider in München, Herausgeber der „Fliegenden Blätter" zc., hat nun auch Heiligenbilder in Holzschnitt herauszugeben unternommen. Da eS bei diesen Bildchen, von denen auch das Aermste unseres Volkes eine kleine Galerie besitzt, vorzüglich darauf ankommt, den Geschmack des Volkes mit den Anforderungen der Kunst zu vereinen, so find sie nicht so leicht anzufertigen, als man glauben möchte. Braun und Schneider haben diese schwierige Aufgabe glücklich gelöst. Die Holzschnitte sind fast durchaus nach guten Meistern gefertigt, und wahr und treu colorirt, so daß sich die Figuren lebhaft vom Hintergrunde abheben. Auf die Rückseite jedes Bildchens ist eine kurze Lebensbeschreibung jedes Heiligen, dann ein Gebet oder ein Denkspruch gedruckt. Dieß alles kann man haben für Einen Kreuzer. Wir wünschen diesen Bildchen gleiche Verbrei>ung, wie den andern Werken dieser Kunstanstalt, und zweifeln nicht, daß sie solche auch finden werden. Mögen sie in aller Welt Zeugniß geben, daß in Bayern auch für die Kunstbedürfnisse der ärmsten Classe mir Liebe und Geschmack gesorgt wird. ilttu ti^ä^KluV ÄZtbil,? «57)? > ^iili»>n5 i^chl^diil HlvrA. mmis um ?ti>lil 6nu i?I,m Ais Newton und Voltaire. (Ein wahrer und ein falscher Prophet.) Der berühmte Newton, von dem sich die neueren großen Entdeckungen in den Naturwissenschaften herschreiben, war, wie schon öfter erwähnt, zugleich ein frommer Christ, und hat z. B. auch eine Auslegung deS Propheten Daniel geschrieben. In diesem Buche sagte er auch, daß in den letzten Zeiten, von denen Daniel weissage, wunderbare Erfindungen gemacht werden würden, man würde 50 (englische) Meilen in einer Stunde zurücklegen in s. w. Der Spoiler Voltaire sagte darüber: „Sehet, was aus dem gewaltigen Geiste Newtons geworden ist, seitdem er, altersschwach, sich daran gemacht hat, dieses Buch zu studiren, daS man die Bibel nennt! So sehr b-'t er seinen Verstand verloren, daß er uns weiß machen will, der menschliche Verstand werde noch so weit kommen, daß er das Geheimniß entdecken werde, 50 Meilen in einer Stunde zu machen. Der arme Träumer!" — Und nun? '.mökti HchzmK ui!ir*s5Ultti»Ä »i>«nv h»v >chk»rm M« ^».'U nni'i«». >!pmg ni Kk«'-s' MW ?»Uv «'» ,A nzköiÄ» n^Ni'n ü>«v >ch'>/> m' Hk4 « Münster, 21. Sept. Die altehrwürdige Stiftskirche auf St. Mauritz umgibt sich mehr unv mehr mit einem Kranze kirchlicher Jnstitule, deren rasches Eulstehen und Aufblühen an jene Zeiten erinnern, wo die thätige Liebe die Welt zur Bewunderung aufforderte. Auf der Westseite der Kirche umschließt das vor einigen Jahren errichtete Kloster zum „guten Hirten" bereits gegen siebzig Büßerinnen. Ihr Tagewerk besteht in Handarbeit, Gebet und Erlernung der Hellswahrheiten. Alles wird ausgeboten, diese Unglücklichen aus ihrer Erniedrigung zu heben und den Funken höherer Liebe in ihnen wieder anzufachen. Auf der südöstlichen Seite bringt ein zweites großartiges Bauwerk, durch rastlosen Fleiß gefordert, seine einzelnen Theile der Vollendung nahe. Die Kranken mehrerer Pfarrgemtinben werden hier leibliche Pflege und Heilung nebst einer milden Gabe für ihre Seele empfangen. Das Gebäude soll zugleich Mutlerhaus für die „Krankenschwestern vom heiligen FranciScuS" werden. Für beide Zwecke erhebt sich aus ihren Grundmauern, unmittelbar verbunden mit der Anstalt, in gothi, schein Style eine geräumige Capelle. Einige hundert Schritte nach Osten steht, eben vollendet, ein massives HauS, daS seine Thore solchen verwaisten Kindern öffnet, welche auf andere ähnliche Anstalten kein Anrecht haben. ml Verauluwrtlicher Steda« lcur! v Scheuche» Verlags-Inhaber- H. Kremer, Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augstmrger Psjizeitung. 29. October 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle ZSouutage. Der halbjährige Abo»ncinen»s>,rel« kr., wofür e« durch alle köm'gl. baver. Postämter und alle Buchhandlungen bezog-n werden k^un. Der VtneentiuS-Berein. Stiftung, Plan und Bedeutung desselben für die Gegenwart. ES war im Jahre l833, als in Paris mehrere studirende Jünglinge in einem Saale deS lateinischen Viertels zu gemeinsamen Besprechungen über literarische Materien sich versammelten. Sie nannten ihre Zusammenkünfte nach einem dort geläufigen Ausdrucke Co ufere uzen. Viele derartige Vereine waren vor und mit ihnen entstanden und wieder untergegangen, darum blieben sie auch unbekannt nnd unbeachtet. Wer hatte auch Zeit und Lust, an eine Gesellschaft junger Leute viel zu denken, da ganz andere Interessen das öffentliche Leben beherrschten! Drei Jahre vorher war ja unter immensem Applaus der liberalen Meute das legitime Königthum zum zweiten Male gefallen, das Bürgcrtbum konnte nun statt deö verhaßten Ad.ls sich behäbig sonnen in den Strahlen seines BürgerkönigS, der VoliairianiSmuS erhob von Neuem sein Haupt uud die Genoseva muhte in dem zu ihrer Ehre erbauten Tempel „allen Göttern" weichen, die statt ihrer min dort ihren Einzug feiern scllten, Voltaire und Rousseau voran, deren cynische Leiber die ehedem geweihte Stätte besudelten. Die Kirche von Frankreich trauerte tief, eö schien, als sollte der alte gottlose Geist deS Unglaubens und der Frivolität mit allen Mitteln wieder herausbeschworen werden und von Neuem blutelen ihre kaum vernarbten Wunden. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Da fiel ein zündender Funke höhern Lebens herab von Oben und ein heiliges Feuer flammte aus in den Herzen der acht Jünglinge dort im lateinischen Viertel zu Paris, gerade dort, wo der PhilosophiSmuS seine meisten Jünger zählte. Sie machten sich aus, wie vor Jahren einst jene Zehn unter ihrem Führer JgnatiuS von Loyola, Studirende der Universität Paris wie sie, und rcich-en sich die Hände zur Verbrüderung. Sie wollten die Noth ihrer leidenden Brüder lindern, sie wollten dem armen, verlassenen, verwahrlosten Volke Hilfe bringen. DaS aber ist der Jugend eigen, daß jedes edle und erhabene Wort Wiederhall findet in den Seelen, darum schlössen sich mehr und immer mehr Studirende dem Bunde der Jünglinge an, aus der medicinischen Anstalt und der Rechtswissenschaft, von den polytechnischen und Militärschulen kamen sie herbei in immer weitern und wcitern Kreisen, Beamte, Officicre, Notare und Advocaien, Kami»crmitglicder — Alle gezogen vom Geiste heiliger Liebe reihten sich ihnen an, sie wollten dem armen, verlassenen, verwahrlosten Volke Hilfe bringen. Sie gingen hinaus am Abend — nicht in strahlende Säle und glänzende Gesellschaften, nickt zu geistreichen Abcndversammlungen und den hell erleuchteten Theatern, wo Alles sich vereinigt, um die jugendlichen Sinne zu berauschen — sie gehen in die verödeten, verrufensten Gassen der Stadt, in diese Höhlen deö menschlichen Elendes, sie trösten dort den Kranken auf seinem Strohlager, sie spenden Almosen, so weil ihre Kräfte reichen, nehmen die verwaisten Kinder aus, 346 bringen den Gefangenen christlichen Zuspruch und suchen für die Arbeitslosen Brod und Beschäftigung, Sie wollten dem armen Volke helfen, aber sie wußten, daß sie ihm nur helfen können dadurch, daß sie eS zu einem sittlichen Volke machen. Aber alle Bemühungen für die Sittigung der Massen hielten sie für umsonst, wenn diese nicht auf religiösen Grundlagen ruht, die tief hineingelegt sind in die Herzen. Sie wollten einen starken Bau aufführen, darum ihn nur auf den Fels des Glaubens gründen und nicht auf Philanthropie, dieses wankende, schwankende, ncbelhaf'e Ding. Und darum wählten sie einen Priester zu ihrem Vorsitzenden, um durch die Weihe der Religion sich im Voraus des Gelingens zu versichern. Nun sahen sie sich um in der Geschichte von Frankreich; da erschien ihnen ein Mann groß durch den Adlerblick seines Geistes, groß durch die unbeugsame Energie seines Willens, aber noch größer durch die Glut heiliger Liebe im Herzen. Es war ein Heiliger. Er sollte ihr Vorbild und ihr Beschützer werden, und sie nannten sich nach ihm „Die Gesellschaft deS heiligen Vincentius von Paula." AuS dem Schooße der studirenden Jugend von Paris ging ein Männerbund hervor, der Europa vor der Häresie gerettet hat. Dreihundert Jahre später ging von hier ein zwener Männerbund aus, um die Gesellschaft zu retten von CommuniSmus und Socialismus. Ihr Zweck ist ein anderer, eine andere ihre innere Organisation, denn die Gefahren sind andere; aber die Stelle ist die nämliche, das lebende Princip ist die katholische Glaubenökraft und ihre himmlische Tochter, die rettende Liebe. Der NincentiuSverein, aus Tausenden von Mitgliedern bestehend und über ganz Frankreich verzweigt, hat Großes gewirkt; eine noch größere Zukunft steht ihm bevor. Schon in dem ersten Jahrzehent seines Bestandes waren anderthalb Millionen Franken an die Armen vertheilt worden, nachdem die ersten Jahre kaum einige Tausend Franken ergeben hatten. Dann aber mehrten sich die Einnahmen in steigender Progression. Im Jahre 1833 waren eS nur 2000 Franken. Im Jahre 1840 schon 96,000, im Jahre 1841 - 142,000, — im Jahre 1842 — 232,000, - im Jahre 1843 — 322,000, — im Jahre 1844 — 447.000. Aber er hat bei seiner weiten Entfaltung sein niedriges Herkommen und die unscheinbaren Anfänge nicht vergessen, auS denen er entstanden ist. Darum nennen sich die einzelnen Zweigvereine „Conferenzen", sie wollen bei ihrem ausgebreiteten Wirken den Segen, den Demuth bringt, nicht verlieren. Der charakteristische und fast ausschließliche Zweck des VinceutiusvereinS zu Anfang seiner Gründung war die Besuchs-Armen pflege. Der Verein erkennt und betrachtet diese seine besondere Aufgabe nicht als Ergebniß menschlicher Wahl und Berathung, sondern als besondere providentielle Leitung GotteS. ES ist dieß, wie der Bericht vom 8. Mai 1851 besagt, duS gemeinsame Feldzeichen, an welchem sich die einzelnen Abtheilungen erkennen, wie die auf viele Posten vertheilten Schaaren des einen Heeres. Es unterscheidet sich sonach das großartige Wirken des VincentiuSvereins in dreifacher Hinsicht wesentlich von der öffentlichen und amtlichen Armenpflege. Einmal erscheint jede, auch die geringste seiner Gaben, als reiner Ausfluß freier christlicher Liebe, die auS Mitleid sich über die Armen erbarmt, nährt sonach an der Brust deS Hilfsbedürftigen die sanften Gefühle der Dankbarkeit, während die „Beiträge" (!), welche der Arme cmS den öffentlichen Cassen regelmäßig empfängt, in ihm einen scheinbaren Rechtsanspruch begründen, darum nicht selten nur seine Unzufriedenheit mehren und statt deS DankgesühlS finstern Trotz und empörende Undankbarkeit zur Folge haben. Zweitens beschränkt sich die Wirksamkeit des Vereins nicht auf die Darreichung einer augenblicklichen Unterstützung, sondern er betrachtet diese nur als eines der vielen Mittel, deren er sich zur Linderung der Noth bedient. Der vorzüglichste Hebel für Erleichterung der Noth aber ist die persönliche Einwirkung der Mitglieder, die einen Reichthum von geistigen und materiellen Hilfsquellen für alle Verhältnisse und Lebenslagen deS Armen in sich birgt, den unerschöpflichen Reichthum der heiligen Liebe, welche Wort und That, Einfluß und Vermögen, die Kraft und der Scharfsinn ihres Geistes, die Wärme ihres Herzens, die Beredsamkeit ihres Mun- 347 deS aufbietet, um den Armen zu retten, die den Hochmüthigen durch ernste Worte niederschlägt, den Faulen ausstachelt, den Gebeugten emporrichtet durch linde Rede und den Verzagten beruhigt. Drittens endlich unterscheidet sie sich von jeder ofsiciellen Armensorge dadurch, daß sie dem Spender selbst ein eben so großcs Almosen, wie dem Empfänger bietet, Sie öffnet sein Herz den edlen Gefühlen heiliger Luve, sie zeigt ihm edle, heilige Seelen unter der ranhen Hülle der Armuth, die ihn mit Rührung und Staunen erfüllen; sie heiligt ihn selbst, indem er arbeitet an der Heiligung seiner Brüder, beschenkt und bereichert ihn mit jenem Lohne, der den Barmherzigen verheißen ist. Jene Seligkeit im Herzen tragend, die im Geben liegt, da ja „Geben seliger ist, als Nehmen," geht das Mitglied des VincentinSvercius heraus aus der niedern, dumpfen Wohnung des Armen, hinweg vom SchmerzenSbette deS Sterbenden. DaS Almosen ist himmlischer Thau für den, der gibt, irdischer Thau für den, der empfängt, sagt Herr von Barante in den „Annalen von der christlichen Liebe," Sie bietet dem jugendlichen Thatendurst ein weites offenes Feld und gräbt dem innern Strome jugendlich frischer Begeisterung ein tiefes Bett, daß er nicht seine Dämme überfluthend, ringS umher Alles verwüstet und verheert. Ein Schreiben Papst Gregors XVI. vom Jahre 1845, welches den VincentinS- Verein durch Verleihung von Ablässen auszeichnete, hat den von Anfang an dem Vereine innewohnenden ächt kirchlichen Charakter vor aller Welt ausgesprochen und besiegelt. Der Besuch des Armen in seiner Wohnung ist nach dem Gesagten der eigentliche Brennpunct, um den die ganze Thätigkeit des Vereins sich ordnet, von hier aus Richtung uud Bedeutung gewinnt. Denn wer sich niedersetzt zu dem Armen an seinen häuslichen Herd, sagt ein Bericht vom Jahre 1844, wer da sein ganzes Elend, seine Leiden und seine Entblößung sieht, der kann bei solchem Anblicke unmöglich kalt, glcich- gillig^ bleiben. Hier erzählen sie uns die Geschichte rhreS Unglücks, diese oft uuunter- trochene Kette von Leiden uud harten Schlägen deS Schicksals, Wir folgen ihnen bis zur erste» Quelle ihrer Mißgeschicke, entdecken die letzten, oft verborgenen Ursachen und gewinnen nnr so die richtige Einsicht und Kenntniß der sichern Mittel, durch welche wir ihren Nothstand heben oder wenigstens erleichtern können. Von der Wohnung deS Armen ans öffnet sich uns der Blick uud wir schauen weithin über ein großes, ausgedehntes Land voll Noth und Elend, Jetzt erst enthüllt sich uns die Armuth in ihrer ganzen furchtbaren Größe. Wir glanbtcn ein gutes Werk zu thun, einen Verein für mildthätige Zwecke gestiftet zu haben; aber ein Abgrund rief dem andern zu, ein Werk veranlaßte das andere, ein Keim weckte nene Pläne, Von der Dachstnbe führte die Noth den Besucher in die Werkstätte, in die Schule, iu daS Spiral, in das Gefängniß, in die Bewahranstalt und es sind so die verschiedenen Werke christlicher Liebe nur die einzelnen Strahlen, die von diesem Brennpuucte heiliger Liebe nach dem weilen Umkreise deS ganzen socialen Lebens anSgehen, So umfaßt denn die Gesellschaft deS heiligen VincentinS von Pcmla in den mannigfaltigen, aber immer in organischer Gliederung ihm sich einfügenden Einigungen alle Siufen und Nuancen deS menschlichen Elendes. ES sind dieß die einzelnen kleinern Capellen, den einzelnen Nothständen deS Volkes geweiht, aber über alle wölbt sich der weite erhabene Dom heiliger, rettender Liebe, Keiner hatte den Plan für den ganzen Bau erfunden, Keiner hatte den Grundriß vorgezeichnet; es ist eine böhere Fügung, die in seiner Geschichte sich offenbart, und ihr schreibt der Verein allen Segen zu, der seit Jahren durch ihn geflossen ist über das Volk und unläugbar als vorzüglichster Factor die gegenwärtigen besseren Zustände verbreitet, Darnm verkennen die Mitglieder auch keinen Augenblick die hohe, bedeutungsvolle Mission, die der Verein an dem Geschlecht der Gegenwart zu erfüllen hat. „Gott hat unsere Mühen gesegnet," spricht der Berichterstatter, „aber denken wir deßwegen noch nicht daran, zu rasten. Auch daS Elend rastet nicht, die Propaganda der Gottlosigkeit schreitet voran, daS Laster kennt keinen Stillstand. Arbeiter im Weinberge deS Herrn, Streiter im Kriegsheere Jesu Christi, müssen wir kämpfen und arbeiten ohne Rast! Unsere Mission ist 348 zu groß, als daß wir uns Ruhe geben könnten; nein, im Angesichts von Hunger und Noth, im Angesicht? dieser unheimlichen Symptome, dieses schlecht verhaltenen Grim. meS, dieses glühenden HasseS gegen die Gesellschaft, welche deS Egoismus und der Korruption bezüchtigt wird, im Angesichts dieser neuen Barbarei, die heraus gerufen werden soll, um die Welt zu läutern, vor diesen Verheerungen, grauenhafter als ehedem die Züge der Ungläubigen — nur Ein Mittel bleibt unS, die Gesellschaft und Bildung und Gesittung zu retten, und es ist nichts Anderes, als rückhaltlose Hingebung zur Linderung des Elendes, zur Bekämpfung der Unsitte. Wir müssen den Gegner entwaffnen, dadurch, daß wir ihm jeden Vorwand zu seinem Hasse aus den Händen winden. Wohlan denn, Christen! Gott will eS haben, darum hat er unser Werk gesegnet, Gott will eS haben! Die heilige Liebe, daS ist unser Kreuzzug im 19ten Jahrhundert!" Der Tob Boltaire'S. (Fortsetzung.) In „Voltaire'S Leben" rückt Douvernet offener mit der Sprache heraus: „Herr von Villevieille schreit ihm in'S Ohr: „„Ihr Beichtvater, Herr Gautier, ist da!"" und der Philosoph antwortet zur großen Verwunderung der Zeugen seiner Agonie: „,,Abb6 Gautier, mein Beichtvater? empfehlen Sie mich ihm bestens."" Darauf wurde der Pfarrer angemeldet. Beim Wort Pfarrer richtet sich der Sterbende halb auf, reicht ihm die Hand, ergreift die deS Seelsorgers, küßt sie und spricht: „„Ehre meinem Pastor!"" Diese Stellung, diese Liebkosung, diese wenigen Worte schienen Letzten» zu sagen: „„Herr, quälen Sie mich nicht."" Allein der Pfarrer fragt ihn von Neuem, und zwar in nicht sehr festem Ton: „„Herr, erkennen Sie die Gottheit Ehristi an?"" Und Voltaire, sterbend, mit offener Hand und gestrecktem Arm, wie um den Pastor zn entfernen, antwortet mit lauter, fester Stimme: „„Herr, lassen Sie mich ruhig sterben!"" Der Pfarrer wiederholt seine Fra^e, und spricht ihm nochmals von der Gottheit Christi. Da rafft der Philosop'? alle seine Kraft zusammen, entfaltet zum letzten M.il den Ungestüm seines Charakters, und stößt ihn mit der Faust zurück, wobei man die Worte hört: „„Im Namen GotteS, reden Sie mir doch nicht vcn dem Menschen!"" Das waren Voltaire'S letzte Worte. Man darf mit Recht versichern, daß, auf vie Ungeduldsäußerung, die durch die Zudringlichkeit deS Pastors veranlaßt, wurde, eine große Ruhe eintrat, und daß Voltasre zwei Stunden später mit der Gelassenheit und Ergebung eines Philosophen starb, der zum großen Wesen eingeht." — „Zwei Tage vor diesem traurigen Sterbsalle (VVsgniere, me'inoii-es) holte Abb6 Mignot dm'Pfarrer zu St. Sulpice und den Abb6 Ganticr in das Zimmer deS Kranken, dem er meloete, AbbS Gautt'er sey da. „„Nun denn,"" sagte der Patient, „„meine Empfehlung und meinen Dank an ihn."" Der Abb6 sprach einige Worte zu ihm und ermähnte ihn zur Geduld; darauf trat der Pfarrer au5 St. Sulpice näher, gab sich ihm zu erkennen, und fragte ihn mit erhobener Slimme, ob er die Gottheit unseres Herrn Jesu Christi anerkenne? Der Kranke fuhr nun mit einer Hand nach dem Käppchen des Pastors, stieß ihn zurück, und rief, indem er sich rasch umwandte: „„Lassen Sie mich in Frieden sterben!"" Der Pfarrer ging darauf mit Abbe Gauu'er weg. Als sie fort waren, sagte Herr v. Voltaire: „„Ich bin deS TodeS!"" Dieser große Mann starb mit der größten Gelassenheit, nachdem er die grausamsten Schmerzen ausgestanden. Zehn Minuten zuvor, ehe er den letzten Seufzer auöstieß, faßte er seinen Kammerdiener Morand, der bei ihm wachte, bei der Hand, und drückte sie ihm mit den Worten: „„Adieu, lieber Morand, ich sterbe "" Das waren Voltaire'S letzte Worte." Da La Harpe, Grimm, Douvernet und Wagniere während deS Besuchs der beiden Geistlichen nicht in Voltaire'S Zimmer waren, so ist eS angemessen, nachstehende Zeilen des Beichtvaters anzuführen: „Wir traten in'S Gemach deS Herrn von Voltaire, sagt Abb6 Gautier. Der Pfarrer zu St. Sulpice wollte zuerst" mit ihm 349 reden, allein der Kranke erkannte ihn nicht. Ich versuchte eS mm meinerseits ihn anzureden; er drückte mir beide Hände, und gab mir Beweise von Vertrauen und Freundschaft; aber ich gen'ech sehr in Erstaunen, als er zu mir sagte: „„Herr Abl>6 Gautier, ich bitte Sie, mich dem Herrn Abb6 Gautier bestens zu empfehlen."" So fuhr er fort, mir Dinge ohne allen Zusammenhang zu sagen. Da ich sah, daß er irre redete, so sprach ich weder von Beichte noch von Widerruf. Ich bat seine Auge- hörigen, mich benachrichtigen zu lassen, sobald er wieder zu sich käme, was sie mir auch versprachen. Ach! ich halte mir vorgenommen, den Kranken wieder zu besuchen; allein schon früh am nächsten Morgen erfuhr ich, drei Stunden nach unserm Weggänge sey er verschieden." Abb6 Gautier ist nicht so anSführlich, wie die Pbilosophen; er beweiset aber, daß Wagniere sich hinsichtlich deS Besuchstages der beiden Priester geirrt hat. Die Anekdote vom Käppchei? findet sich nur bei W allein, und eS bleibt dem Leser überlassen, ob er sie für wahr oder für eine Erfindung deö Erzählers ansehen will. — Mehrere Stunden liegen zwischen der Entfernung deS Beichtvaters und Voltaire'S Tod. Welche» Gebrauch machte der Sterbende von seiner Vernunft, nachdem daS Phantasiren vorüber war? Alle seine Freunde haben nnS so eben versichert, er sey bis in die letzte Stunde hinein vollkommen ruhig gewesen. Kanu nnd darf der Historiker bei ihrem Zeugniß stehen bleiben? Nein; denn eS sind andere Autoritäten vorhanden, die eS entkräften. Formey („Souvenirs cl'un eitoven") berichtet, Voltaire habe seine Laufbahn in schrecklicher Verzweiflung beschlossen. In der „Xouvelle Kevus enevclopeclic;ue" kommt folgende Stelle vor: „Man hörte sagen, Dr, Trauchi», der Herrn v. Voltaire behandelte, und ihm bis zn seinem letzten Athemzuge bcigestauden, habe sich besonders über die vcrzweiflungsvolle Raserei entsetzt, die Voltaire in dieser verhängnißrollsten aller Lagen geäußert, er, der sich selbst die Heilsmittel und Tröstungen geraubt hatte, die man aus der Religion schöpfen kann. Der Patient schrie immerfort: „„Herr, helfen Sie mir da heraus!"" worauf Tronchin nothgedrungcn eben so einförmig antwortete: „„Ich vermag nichts, Sie müssen sterben"" Die Worte preßten dann dem Sterbenden den Sckmerzensruf auS: „„So bin ich denn von Gott und den Menschen verlassen!'"' Der Doctor, ein Protestant, sagte laut und oft: er hätte zur Bekehrung der Ungläubigen nichts anders gewünscht, als sie am Sterbebett Voltaire'S versammeln zu können und zu Zeugen der gräßlichen Angstqualen desselben zu machen, welche nach seiner Meinung einen liefern Eindruck auf ihren Geist und ihr Gemüth bewirkt haben würden, als die rührendsten Reden und lichtvollsten oder überzeugendsten Schriftwerke." — Pater Harel erzählt in seinem „iieeueil cle» psrticularites curieuses cle Is vie et cle li» mort ele Voltsire": „Nachdem der Pfarrer zu St, Sulpice und Abb6 Gautier fort waren, fand Volta're's Arzt, Herr Tronchin, den Kranken in schrecklicher Gemüthsbewegung; er schrie wie ein Rasender: „Ich bin von Gott und den Menschen verlassen", griff in seinen Nachltopf und verzehrte den Inhalt, vr. Tronchin, der dieses Factum verschiedenen achtbaren Personen erzählte, that dieß immer mit dem Zusätze: Ich wünschte, Alle, die durch Voltaire'S Bücher verführt wurden, wären Zeugen seines Todes gewesen; eS ist unmöglich, bei einem solchen Schauspiele nicht in sich zn gehen. Chaudon wiederholt diese Erzählung, und bemerkt dazu, „nichts sey glaubhafter. Reizbare Phantasien seyen von Natur religiös, besonders wenn sie früh mit den vortrefflichen Grundsätzen der Religion genährt worden. Voltaire habe daher gewiß seine letzte Stunde nicht so ruhig und glcichgiltig schlagen hören, wie seine Anhänger behaupten, zumal andere Zeugnisse das Gegentheil darthun. Möge er im gesunden Zustande nicht geglaubt haben, so wäre sein Unglaube doch wankend und seine Krankheit sicher nicht ohne Zweifel gewesen. Wer aber zweifle, berge wider Willen Schrecken und Verzweiflung in seinem Busen." Barruel („HelvienneS") verweist an P. Harel, und führt dann den Prälaten de VivierS an, zu dem Tronchin eines TageS sagte: „Rufen Sie sich die ganze Raserei und die Wuthanfälle deS Orestes ins Gedächtniß zurück, so haben Sie doch nur ein mattes Bild von denen Voltaire'S während seiner letzten Krankheit." In seinen 3S0 „Mmoires" ist Barruel ausführlicher: „Der Biograph fürchte hier nicht zu übertreiben. Was für ein Gemälde er auch entwerfen mag von den WuihauSbrüchen, Gewissensbissen, Vorwürfen, Ausrufungen und Lästerungen, die sich während einer langen Krankheit auf dem Lager des sterbenden Gottlosen ablösen, selbst die Genossen seiner Gottlosigkeit werden daS grellste Coloril nicht Lügen strafen, Ihr gezwungenes Stillschweigen wiegt die zahlreichen Zeugnisse und Denkmale der Geschichte über diesen Tod, den fürchterlichsten, ver je einen Gottlosen getroffen hat, nicht auf, oder vielmehr jenes Stillschweigen von Männern, denen so viel daran liegen muß, unsere Zeugnisse als falsch darzustellen, ist ihre urkundlichste Bestätigung. Auch nicht ein einziger von den Sophisten hat die Kühnheit gehabt, dem Haupt ihrer Verschwörung die geringste Festigkeit beizulegen, ihm auch nur die Ruhe eines Augenblicks zu vindiciren in den langen drei Monaten, die von seiner Krönung im „'tü^trs sran^sis" bis zu seinem Tode verflossen. Dieses Stillschweigen ist beredt; eS sagt deutlich, wie sehr ein solcher Tod sie demüthigte." Um den letzten Satz zu verstehen, muß man sich erinnern, daß die meisten Schriften der Philosophen, woraus wir Stellen angeführt, erst mehrere Jahre nach BarruelS ,Mmoirk8" erschienen. Dieser Autor fährt also fort: D'Alem- bert, Diderot und zwanzig andere Verschworene, die sein Vorzimmer belagerten, nahten ihm jetzt nicht mehr, ohne Zeugen ihrer eigenen Demüthigung in der ihres Meisters zu seyn, und nicht selten wurden sie unter Verwünschungen und Vorwürfen von ihm zurückgewiesen. „Fort mit euch! fuhr er sie an, ihr seyd schuld an meinem Zustande. Fort mit euch! Ich konnte euch alle entbehren, ihr mich nicht; welch' unseligen Ruhm verdanke ich euch!" Diese Verwünschungen wider seine Adepten riefen die grausame Erinnerung an seine Verschwörung (gegen Christus und Christenthum) in ihm wach, und dann konnten seine Jünger mir eigenen Ohren hören, wie er, von Angst und Schrecken gefoltert, diesen nämlichen Gott, den frühern Gegenstand seiner Anschläge und seines Hasses, abwechselnd nannte, anrief und lästerte. Mit lang gezogenen Tönen, der Stimme des nagenden Gewissens, rief er bald: „JesuS Christus! JesuS Christus!" und bald klagte er, von Gott und Menschen verlassen zu seyn. Die Hand, die dem schwelgenden Belsazar das vernichtende Mene Tekel an die Wand schrieb, schien jetzt Voltaire'S Augen seine eigene Formel: „Zertritt doch den Schändlichen!" als VerdammnngSurtheil vorzuhalten. Vergebens suchte er die grausenhafle Erinnerung zu verscheuchen, stets war sie da, leuchtend wie Phosphor in ver Nacht; denn die Zeit war gekommen, wo er dem „Schändlichen" verfallen, von ihm gerichtet, vielleicht von seinem Fuße zertreten werden sollte! Seine Aerzte, vor allen Tronchin, kamen, um ihn zu besänftigen, und gingen wieder, um zu bekennen, sie hätten daS grausigste Bild des sterbenden Gottlosen gesehen. Der Hochmuth der Verschworenen wollte vergebens solchen Bekenntnissen wehren. Tronchin sagte vor wie nach, die Raserei deS Orestes gebe nur einen schwachen Begriff von der Raserei Voltaire'S. Marschall Richelieu, der Zeuge einer solchen Scene war, floh eiligst davon und sagte: „In Wahrheit, daS ist zu stark; man kann'S nicht aushalten." Der berühmte Deluc, dem vorstehende Beschreibung später zu Gesicht kam, schrieb unterm 23. October 1797 von Windsor an den Verfasser (Barruel): „WaS Sie bei Gelegenheit eines Umstan- deS, der mit allen anderen zusammenhängt, vom Tode Voltaire's berichten, kann ich als wahr bezeugen. Bei meiner Anwesenheit in Paris im Jahre 1731 kam ich öfters mit einer von den Personen zusammen, die Sie nach dem öffentlichen Gerücht als Gewährsmann anführen; diese Person war Herr Tronchin. In Vollaire'6 letzter Krankheit ward Tronchin zu ihm gerufen, und aus dem Munde dieses Arztes weiß ich Alles, waS damals in und außerhalb Paris über den schrecklichen Seelenzustand des grauen SündcrS beim Herannahen deS TodeS erzählt wurde. Als Arzt that Herr Tronchin alles Mögliche, um dessen Aufregung zu stillen, deren Heftigkeit jede Arznei unwirksam machte; seine Bemühungen blieben fruchtlos, und daS Grausenhaste dieses ganz eigenthümlichen Wahnwitzes zwang ihn, den Bedauernswürdigen aufzugeben. Ein so gewaltsamer Zustand in einem hinfälligen Körper kann nicht lange währen; Gefühllosigkeit, ein Vorbote der sich auflösenden Organe, muß naturgemäß darauf 351 folgen, wie auf jede heftige vom Schmerz veranlaßte Aufwallung, und diese seine Seelenlage hat man mit dem Namen „Ruhe" geschmückt. Herr Tronchin, der jedem Irrthum hierüber vorbeugen wollte, verbreitete persönlich als unverwerslicher Zeuge alle jene Umstände, wie ich sie in Ihrer Darstellung der Wahrheit getreu nacherzählt finde." Den Philosophen schien ein solches Zeugniß doch zu wichtig, um eS geradezu falsch zu erklären; man schlug also einen Seitenweg ein. Wognit-re bat einen Netter deS verstorbenen Tronchin um Auskunft, welcher auch so gefällig war und ilnn am 25. Jänner 1737 antwortete, „im schriftlichen Nachlaß seines Verwandten habe sich keine Spur von dergleichen Aeußerungen gefunden, auch habe Tronchin ihm nie mündlich etwas AehnlicheS mitgetheilt " Das beweiset aber weiter nichts, als waS buchstäblich in den Worten liegt; denn daraus, daß ich Zc, V oder Z eine Sache nicht anvenraut, folgt doch keineswegs, daß ich sie darum auch A, B oder C habe verhehlen müssen, und daß Tronchin über seine Erfahrungen an Voltaire'S Sterbebett nichts Schriftliches hinterließ, bedingt rben so wenig die Wirklichkeit dieser Erfahrungen als ihre Mittheilung an dritte Personen. DaS Verfahren von Voltaire'S Adepten in Betreff dieses Puncts war also um so unlogischer, da sie selbst die Aechlheit der bestrittenen Facta am besten kannten, und als Gelehrte auch Einwürfe voraussehen mußten, wie die unsrigen. Zwei Jahre hatten sie geschwiegen, das war klug; daß sie dieses kluge Stillschweigen nachher brachen, zeugt von ihrer Verwirrung, und daß sie, die ersten Köpfe Frankreichs, so tölpisch verfuhren, von einer faulen Sache, die man um jeden Preis retten wollte, weil man sie zu der seinigen gemacht hatte. Unsern Lesern aber versprechen wir für nächstens zwei Beweisstücke, die jedem Angriff trotzen; es sind dieß ein eigenhändiger Brief TronchinS an Bvnnet und die von einem katholischen Bischof verbürgte Erklärung der Wittwe Marquise de Billette, in deren Hotel Voltaire seinen Geist aufgab. (Schluß folgt.) Eine Jubelfeier in Ornbau. Ornbau, 15. Oct. „Ehre, wem Ehre gebührt!" Diese Worte fanden heute bei einer eben so seltenen, als festlichen Veranlassung ihre Deutung. Der hoch- würdige Herr Decan und Stadtpfarrer zu Ornbau, Jgnaz Königsvorfer, hat nämlich heute — 15. October — fast am nämlichen Tage, an welchem er vor fünfzig Jahren dem Herrn die Erstlinge im hochheiligen Opfer dargebracht, nunmehr seine Secundiz gefeiert. An Geist uud Leib gleich rüstig, schritt der ehrwürdige Jubelgreis den Opferaltar hinan, um dem Allerhöchsten für die in langer Jahresreihe empfangenen Gnaden seinen Dank und seine Anbetung im heiligsten Geheimnisse auszudrücken. Sämmtliche Capitularen des Capitels Ornban — nur zwei waren zu ihrem Bedauern wegen Krankheit und zu weiter Entfernung zu erscheinen verhindert —, mehrere Priester auS der Ferne, darunter nahe Verwandte und ehemalige Zöglinge deS Gefeierten, und eine äußerst zahlreiche Masse deS gläubigen Volkes auS allen Theilen des Capitels und der Umgegend waren herbeigeeilt, um dem hochwürdigen Jubelpriester ihre Verehrung, Liebe und Freude kund zu geben. Seit vielen Jahren wirkte der Jubilar als Landralh des Kreises Mittelfranken, geehrt und geliebt als AlterS-Präsident, und wie sehr man seine Verdienste um Kirche, Thron und Vaterland allerhöchsten OrteS anzuerkennen wußte, dessen ist Zeugniß, daß Seine Majestät ihn zum Ritter deS Verdienstordens vom heiligen Michael zu ernennen geruhten. Aber auch sein hochwürdigster Bischof glaubte den verdienstvollen Greis für sein Wirken im Gebiete der heiligen Kirche auszeichnen zu müssen. Die Ernennung zum bischöflichen geistlichen Rathe, eine in der Diöcese Eichstädt seltene Ehre — wurde dem greisen Decan mit einem ehrenden Beglückwünschungsschreiben von Seite deS bischöflichen Ordinariates zu Theil, und um die FesteSfeier zu erhöhen, hatte sich als 352 Stellvertreter deS hochwürdigsten Herrn Ordinarius Herr Domkapitular und General- Vicar Fricß eingesunden, und er, so wie der tonigl. Landrichter Dennefeld von Her« rieden, gaben der Gemüthsstimmung aller Anwesenden den sprechenden Ausdruck, nachdem ehcvor Herr Stadtpfarrer und Kammerer Bernhard von Herrieden in der Festprcdigt die hohe Bedeutung dieser Feier in Beziehung auf die Würde deS PriesterthumS hervorgehoben hatte. In Wahrheit, eS bestätigte sich auch hier die ächt katholische Liebe und Theilnahme bei diesem Feste, das so recht in katholischem Geiste gefeiert wurde. Noch möchte ich eine» Blick hinrichten auf den gefeierten JubilariuS. ES gewährt einen herrlichen Genuß, den tieferfahrnen Mann am Abende seines Lebens eine Rundschau anstellen zu sehen, auS seinem beredten Munde die vielfachen Erlebnisse seines bewegten Lebens, die Freuden und Leiden während seiner Studienzeit in Augsburg, Dillingen und in dem herrlichen Stifte Ottobeuern schildern zu hören. Mit hoher Begeisterung spricht der dankbare Schüler noch von seinen ehemaligen Lehrern in diesem Stifte, deren Ruf wohl noch in spätern Zeiten nicht verklungen seyn wird, — von einem MauruS Feyerabend, Prior und Schulvräfect, dessen in 5 svee respecl s ss volonlv ssinte, „5e crains Dien, ober .4bner, et n'si point cl'sutre criiinte." (Der den empörten Wellen einen Zügel anlegt, weiß auch die Anschläge der Bösen zu hemmen: mit ehrfurchlsvoller Ergebung in seinen heiligen Willen fürchte ich Gott, theuer Abner, und sonst nichts.) Galler und Graf Etolberg, nicht minder gelehrt und begeistert, feiern den Sieg der „Thorheit" deS Kreuzes über die „Weisheit" rer Welt. Tiedge führt uns den Zweifler vor, und zeigt uns den Gewinn deS Grübeins: „Stolze Weisheit, durftest du mir'S rauben, „Das erhaben stille Seelenglück? „Nimm, was du mir gabst, nur meinen Glauben, „Meine Hoffnung nur gib mir zurück! „Daß mein Haupt auf ihren Sch'ooß sich neige, ' „Und dieß Herz, das schwere Seufzer trug, „Ihr die Narben von den Wunden zeige, „Welche mir das harte Leben schlug! ^ 3SK „Wie geschreckt von einem grausen Fluche, „Der aus einein Himmel mich verstieß, „Fahr' ich zitternd auf und suche „Mein Verlornes Paradies." Schiller warnt vor jenem falschen Forschgeiste, der mir vcm Hochmuth und der Eitelkeit fröhnt; denn wer nicht mit reinem Herzen nach der Wahrheit sucht! „Dem wird sie nimmermehr ersten ich seyn " Derselbe Schiller hatte auch seine eigenen Gedanken über Weltverbesserer. Er wendet sich an Einen derselben: „Von der Menschheit — du kannst nie groß genug von ihr denken. „Wie du im Busen sie trägst, prägst du in Thaten sie aus. „Auch dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet, „Reich' ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand: „Doch für Regen und Thau und für's Wohl der Menschengeschlechte» „Laß dn den Himmel, Freund, sorgen, wie gestern, so heut. Und Wicland, der vielleicht Manches hätte ungeschrieben lasse» könuc», mag uns denn zu guter Letzt eine Stärkung mit auf den Weg geben, wofür unsere Leser ihm gewiß eben so dankbar seyn werden, wie wir selbst. Es ist nur eine einzige Strophe, aber sie verdient in Gold gefaßt zn werden. Man urtheile: „Mir sagt mein Herz, ich glaub's, und fühle, was ich glaube: „Die Hand, die uns durch dieses Leben führt, „Läßt uns dem Elend nicht zum Raube; „Und wenn die Hoffnung auch den Ankergrund verliert, „So laß uns fest an diesem Glauben halten, „Ein einz'ger Augenblick kann Alles umgestalten." - y»tl?tzl . N«U»HNÄNy ,Hi>»ijjjs<»IH ?! >r",v>,>'i,'n' >i, ,. ,.,„',, : li^ii,».'s> «' ^ ,. . i.'I-,-!',."f.-i London. In Irland gedenken die HH. John O'Counell (Daniels dritter Sohn) und Raynolds einen neuen großartigen Verein zu Stande zu bringen, der die Förderung deö liberalen Princips in Staat, Kirche und Gemeinde zum Zweck haben, und von dem altcii. Repeal - Verein sich dadurch unterscheiden soll, daß er nicht ein bestimmtes politisches Einzeljiel anstrebe. Die ordentlichen Mitglieder dieses Vereins haben 1 Pf, St., die bloßen „Genossen" 1 Shilling als Jahresbeitrag zu entrichten. In Dublin soll eine neue katholische Zeitung gegründet werden. * 5 * Linz (in Rheinpreußen), 5, Oct. Äm nächstfolgenden Sonntag findet zu Niever- brcisig in der dortigen katholischen Pfarrkirche eine Ercommnnication statt. Ein dortiges katholisches Mädchen, welches seit langen Jahren in unerlaubtem Umgange mit Juden lebte und bereits Mutter ist, hat, allen Ermahnungen und Warnungen des Pfarramts zum Trotz, sich auf dortigem Bürgermeisteramte mit letzterem civilrechtlich trauen lassen. Der AuSspruch des großen Kirchenbannes über die Getraute und deS klcincn über drci Betheiligte soll, auf bischöfliche Anordnung, am künftigen Sonntag stattfinden, wenn bis dahin die Beiheiligte das Verhältniß nicht ausgegeben hat. Während in der katholis^ cn Pfarrgemeinde täglich Gebete um Aufhören deS Aergernisses zum Himmel gerichtet werden, hält auch die jüdische Synagoge Billveisamm- lnngen und droht ihrerseiiS ihre Glaubensgenossen auS der Synagoge zu verstoßen. Die biSbl-ngen Predigten haben indessen einen sittlichen Eindruck auf die Pfarrgenossen wie auf die von außen zahlreich hcrbeigeströmten Zuhörer hervorgerufen. » » Znv'ittilii'' -nzmiuä. WZÄ llc»>^>, l!Z>? ZN!Ä ? !! h ' 1 ? ' Agram, Der Herr Erzbischof von Agram hat zum Andenken der Vermählung Sr. Majestät eine fromme Stiftung für immerwährende Zeiten gemacht, Sie besteht darin, daß aus jedem der sechs Gränzregimenter, welche ganz oder theilweise zur geistlichen Verwaltung deS Agramer ErzbiSthumS gehören, jährlich drei, mithin im Ganzen jährlich achtzehn arme und unbescholtene katholische Gränzmädchen, die im Begriffe stehen, eine Ehe einzugehen, je mir 3V fl. in klingender Münze betheilt werden. Se. Majestät hat diese Stiftung genehmigt nnd erlaubt, daß sie den Namen Elisabeth- Stiftung führen dürfe. Der Herr Erzbischof hat das StiftungScapital mit 10,800 fl. dem Agramer Militär-Gouvernement übergeben. * » * 3S8 Paris, 9. Oct. ttine schöne Feier fand am gestrigen Sonntag Abend in der deutschen M i ssi on s ki > ch e siue I.glsz'ktte) statt; es war der Schluß der achttägigen Anbetung des hochheiligen AltarsacramenteS. Einen besondern Glanz erhielt die Festlichkeit dnrch den Umstand, daß der hochwürdigste Bischof von Belley, Msgr. Chalandon, derselben präsidirte. ES sind jetzt drei Jahre, seitdem die fromme Anstalt besteht; ihr Gründer, der ehrwürdige Pater Chable uns zugleich ihr Director, hat fast das Unmögliche möglich gemacht, ihre Erfolge haben alle Erwartungen weit übertroffen: wir benutzen daher jeden Anlaß, das christliche Werk auch unsern Glaubensgenossen jenseits des Rheins ans Herz zu legen. «- » » Breölau, 18. Oct. Heute früh, am Jahrestage der bischöflichen Consecration, haben Seine fürstbischöfliche Gnaden, nachdem Hochdieselben früh »m vier Uhr in der Kathedrale noch das heilige Meßopfer, von den sämmtlichen Alumnen deS Klerikal- Scminars assistirt, dargebracht, die Reise nach Rom angetreten. Seine bischöfliche Gnaden, Herr Weihbischof Latussek und Herr Dombecan Dr. Ritter, begleiteten Hochdieselben bis zum Bahnhof. » » « Türkei. EinS der unerwartetsten Ergebnisse deö Krieges im Orient, welches die Vorsehung herbeigeführt hat. besteht darin, daß die christliche Hingebung der barmherzigen Schwestern aus einen Schauplatz gestellt ist, von welchem ihre Tugend in einem herrlichen Lichte erscheint. Seit einem Monate veröffentlichen europäische und amerikanische Zeitungen die Heldenthaicn der barmherzigen Schwestern bei der Pflege der Cholerakranken; die gottlosen Blätter, welche zu andern Zeiten von Lügen und Schmähungen über die Nonnen überfließen, schweigen jetzt voll Schaam, in diesem Augenblicke dürsten sie eS nicht wagen, sich Verleumdungen zu erlaube». Auch die meisten protestantischen Zeitungen sprechen ganz freimüthig ihre Bewnnoerung aus. Der »New-Aork Herald" vom 10. September spricht sich so auSi „Die französischen Spitäler sind mit Allem versehen, was man nur wünschen kann, und nichts, was in den Kräften der Menschen stellt, wird von den Osficieren, den Kameraden der Kranken, von den Chirurgen, von den barmherzigen Schwestern unterlassen, um für die Cholera- kranken zu sorgen. Nichts scheint die Türken mehr in Erstaunen zu setzen, als die regelmäßige Erfüllung dieser Pflichten durch die barmherzigen Schwestern. Ueberall, wo das Fiber am hitzigsten, überall, wo die Pest am heftigsten, überall, wo Kummer am verzweifelndsten, die Celera am tödlichsten, das menschliche Leiden am schärfsten ist, da finden wir die Engel, welche die Schätze ihrer himmlischen Erhebung verschwenden. DaS ist für die Türken die neue Erschaffung des Wesens, was er Frau nennt. Und vielleicht ist von allen Ereignissen des gegenwärtigen Krieges kein anderes bestimmt, auf die Nachkommen Mohammeds, einen so heilsamen Einfluß zu üben. Hier wird ihnen die erhabene Bestimmung des Geschlechts gezeigt, welches nach ihrer Religion nur daS Werkzeug ist, die Leidenschaften deö Mannes zu befriedigen." <» »' > », >> >"^>lil f">? «'sS )M « Jr'and. Eine prachtvolle Kirche im gothischen Style, dem heiligen AlphonS von Lign n geweiht, ist so eben zu Ballibrack feierlich eingeweiht. — Zur Erinnerung an O'ConneU wird auf dem Kirchhofe von GloSncwin ein Denkmal errichtet, welches in einer Capelle mit einem runden Thurme bestehen soll. * » * Salzburg, 2Z. Oct. Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Studenten in Salzburg hat am 12. Oct. seine erste Generalversammlung abgehalten. Der prov. Director erstattete Bericht über den Stand deS Vereins. Er zählt gegenwärtig über fünfzig Mitglieder. Ihre k. k. Majestät Carolina August« haben allergnädigst zur Vertheilmig an dürftige Studenten 100 fl. C M. überreichen zu lassen geruht. Eine 359 gleiche Summe spendeten Se. sürsterzbischöfliche Gnaden zum Beginne der Kostgebung in St, Sebastian, Se, Durchlaucht der k. k. Landespräsident versicherten dem Vereine ebenfalls gnädigst, einen Beitrag zu seinem Zwecke verabreichen zu wollen, Die hoch- würdigsten Herren Metropolitan-Domcapitularen traten als Mitglieder bei und durch das Verordnungsblatt sür die Erzdiöcese Salzburg wurden die Herren Seelsorger aufgefordert, auch ihre Gemeinden zur Unterstützung deS NereinSzweckes zu ermuntern. Ueberdieß erklärten die Professoren-Kollegien der theologischen Facultät und deS k, k. Gymnasiums, so wie auch sämmtliche Kloster-Convente der Stadt Salzburg ihren Beitritt zum Vereine. Mir diesen großen Wohlthätern der studirenden Jugend vereinigten sich bereits mehrere Herren aus dem Geistlichen-, Beamten- uud Bürgerstande auch vom Laude, so daß jetzt über fünfzig Mitglieder sind nnd darunter so großmüthige Spender. In der Versammlung wurden die gegenwärtigen Leistungen des Vereins bekannt gemacht. Durch die ehrwürdigen Kloster>Eonveute werden nebst einigen Geld- gaben wöchentlich bei 130 Kostportionen gegebn, und von den bei dem Verein eingegangenen und zu hoffenden Gaben zu Sr, Sebastian täglich zehn Studenten gespeist und täglich sechs Studenten in Loretto mir sogenannter Rumforder-Suppe uud Brod betheilt. Zudem werden Schreibmaterialien und einige Bücher an arme Studenten verabreicht. In Zuversicht auf bereits gemachte Zusichernngen werden vom l. November an wieder täglich sechs Studenten mehr verkostet werden. Da sicherlich noch mehrere Mitglieder dem Vereine beiirelen, und auch vom Lande manche Gaben fließen werden, wird man in der erfreulichen Lage seyn, dürstigen Sindenten auch für andere Bedürfnisse Hilfe zu leisten. Besonders aber wird ein wachsames Auge auf die Quartiere der Studenten gerichtet, indem deren Einfluß so heilsam als rerdcrblich werden kann. (Verdiente allenthalben Nachahmung.) Um die Zwecke drs Vereins sicherer zur allgemeinen Zufriedenheit der Mitglieder uud zum Besten der Studirenden anzustreben, wurde festgesetzt, daß halbjährig, nämlich am Ende jeden Semesters eine Generalversammlung aller verehrten Mitglieder deS Vereins abgehalten werde, damit Jedermann seine Bemerkungen, Antrage und Wünsche bezüglich der VercinS'hätigkeit vortragen könne. Schließlich stellte der Verein sich und sein Wirken unter den Schutz deS heiligen LandeöpatrvnS Nuperlnö und wählte den hochwürdigsten Oberhirtcn zu seinem Protectvr. * 4: * jchzin. ,7,1 Ktth'.Ä'-i^MlMtM«! '»!>HMAW)Mliiü «tttch'i'lchM »">^— l. ' '^!Ük>u^ -> u ^>K) t? mlch dem Urchristenthiimc schreit, sollte man dasselbe auch kennen. Beide Schriften kommen bald vereinigt vor, so daß die CanoneS dem achten Buche der Constitutiouen als -47stes Capitel angehängt sind, bald von einander getrennt, wie sie es auch der äußeren Form nach sind; deßhalb werden wir dieselben ebenfalls gesondert betrachten. 1. Die apostolischen CanoneS. Die apostolischen CanoneS sind eine Sammlung von Conciliarbeschlüssen und bischöflichen Erlassen aus dem zweiten, dritten und vierten christlichen Jahrhunderte; denn daß diese CauoneS nicht aus ein und derselben Zeit sind, beweist die Materie einzelner CanoneS, welche deutlich gegen gewisse Ketzereien gerichtet sind; ferner die 363 verschiedenen Quellen, auS denen man einzelne Canones nachweisen kann; einige nämlich sind wirklich den Schriften der Apostel, namentlich den paulinischen Pastoralbriefen entnommen, oder stehen dem Inhalte nach der apostolischen Zeit ganz nahe; andere stehen in engster Verbindung mit den Synoden von Anliochia, Ephesus, Nicäa, und wieder andere behandeln Gebrechen unter dem KlcruS, welche erst nach und nach eingerissen seyn konnten. Im Abendlande wurden die apostolischen Kanones zuerst bekannt durch DionysinS EriguuS, welcher sie ans einer griechischen Canonensammlung ins Lateinische übersetzte, wie sie unseren meisten Conciliensammlungen beigegeben sind; DionysiuS kannte aber nur 5t) apostolische CanoneS. Etwa ein halbes Säculum später gab der autiochenische Presbyter Johannes ScholasticnS ebenfalls eine Canonensammlung heraus, worin aber 85 apostolische CanoneS enthalten waren; beide Männer hatten wahrscheinlich verschiedene Handschriften vor sich und daher kommt denn die verschiedene Anzahl der apostolischen Canones. Weil das Wesentlichste, waS sich über diese Schrift sagen läßt, auS dem Inhalte derselben hervorgeht und derselbe gewiß nicht ohne Interesse ist, so mag derselbe hier im Auszuge folgen. 1. Ein Bischof soll wenigstens von zwei oder drei Bischösen ordinirt werden. 2. Puestcr, Diaconen und die übrigen Kleriker werden von einem Bischöfe ordinirt. 3. Nur was zum heiligen Opfer nothwendig ist, soll am Altare dargebracht werden, nämlich Brod, Wein, Oel zur Beleuchiung und Weihranch, 3. Wenn ein Bischof oder Priester etwas anderes darbringt, als der Herr auf dem Altare befohlen hat, wie Honig, Milch, Geflügel :c., so soll er abgesetzt werden. *) 4. Anvere LebenSmillel sollen an einen besonderen Ort (Gazophylacium) gebracht und vom Bischöfe oder Priester unter die Kirchendiener und die Armen vertheilt werden, 4. Nur frische Aehren und Trauben, Oel zur Beleuchtung und Rauchwerk, soll bei der Opferfeier dargebracht werden. *) 5. Ein verheiratheter Bischof, Priester oder Diacon soll bei Strafe der Absetzung und Ercommunication seine Frau nie verstoßen; sey es auch unter dem Vorgeben der Religion, 6. Bischöfe, Priester und Diaconen sollen sich niemals mit weltlichen Geschäften befassen. ' 7. Die Osterfeier soll nicht mit den Juden vor dem Frühlings - Aeqninoctium begangen werden. 8. Jeder Bischof, Priester oder Diacon, welcher dem heiligen Opscr beiwohnt, soll, triftige Gründe ausgenommen, auS der Hand deS Celebranlen communiciren, um dem christlichen Volke kein Aergerniß zu geben. 9. Die Strafe der Ereommunication trifft jene Gläubigen, welche vor Beendig gung des Gottesdienstes und Empfang der heiligen Communivn die Kirche verlassen. (Gratian bezieht diesen Canon aus den Tag des Herrn). 1l>. Wer auch nur der Privatandachr eines Ercommunicirten beiwohnt, werde ausgeschlossen. 11. Dasselbe gilt von demjenigen, der mit einem abgesetzten Kleriker Privat- andachtcn abhält. 12. Kein Laie oder Priester solle ohne Einwilligung desjenigen Bischofs, der ihn ercvmmunicirt hat, in die Kirche wieder aufgenommen werden. 13. Kein Bischof soll seine Dlöcesc verlassen und eine andere übernehmen, eS sey denn zum Heile der Gläubigen und nach dem Gutachten seiner Mitbischöfe. 14. Ein Geistlicher, welcher seine Gemeinde verläßt und zu einer andern sich begibt, werde suSpendirt, und wenn er dem Bischöfe nicht Folge leistet, in die Reihe der Laien gestellt (ut laieus eommumeet). ") Diese deinen Canones machen in oen griechischen Handschriften den dritten Canon aus, so daß nur 84 erscheinen; worauf beim Citiren Rücksicht zu nehmen ist. 364 15. Wenn ein Bischof einen solchen aber noch als Kleriker aufnimmt, sey er ercommunicirt. 16. Zu sämmtlichen Weihen solle Keiner zugelassen werden, welcher nach ver Tause zweimal sich vcrheirathet oder im Coneubinate gelebt hat. 17. Ebenso sind alle diejenigen irregulär, welche eine Wittwe, eine Verstoßene, eine Concubine, eine Schauspielerin oder die eigene Magd; 18. Zwei Schwestern, oder endlich eine Brnderstochter geheirathet haben. 19. Ein Kleriker solle sich nicht zum Bürgen hergeben. 20. Dagegen ist ein Ennuche, der es von Natur oder durch die Bosheit eines Andern ist, nicht irregulär 21. Hat er aber sich selbst verstümmelt, dann ist er wie ein Mörder irregulär. 22. Sollte dieses aber ein Kleriker an sich thun, so werde er seiner Würde entsetzt. 23. Ein Laie, der sich verstümmelt, werde auf drei Jahre ausgeschlossen, denn er stellte seinem eigenen Leben nach. 24. Ein Bischof, Priester oder Diacon, welcher der Hurerei, deS Meineides oder Dicbstcchls überführt ist, werde abgesetzt; ebenso die übrigen Kleriker. 25. Die Lectoren und Canloien dürfen auch nach der Weihe noch heirathen. 26. Kein Bischof, Priester oder Diacon darf einen Gläubigen oder Ungläubigen schlagen, wenn dieser ein Vergehen beging, weil auch Christus nicht so handelte. 27. Wenn ein r-chtlich abgesetzter Bischof, Priester oder Diacon noch geistliche Verrichtungen vornimmt, werde er aus der Kirche ausgeschlossen. 28. Ein Bischof, Priester oder Diacon, welcher dnrch Geld sich diese Würde verschaffte, soll abgesetzt; wer aber solche Weihen ertheilte, ercommunicirt werden. 29. Ein Tischos, welcher sich welllicher Macht bediente, um zu seinem BiSthnm zu gelangen, soll abgesetzt und ercommunicirt werden, wie diejenigen, welche ihm Hilse leisteten. 3l). Ein Priester, welcher seinem Bischöfe zum Trotze eine eigene Gemeinde gründet, und Privatzusammenkünfte hält, so wie jeder daran Theil nehmende Kleriker soll abgesetzt, die Theil nehmenden Laien ercommunicirt werden; und zwar nach dreimaliger Ermahnung des BischosS. 31. Einen ercommnnicirten Priester oder Di.icon soll kein anderer Bischos wieder in die Kirche aufnehmen, es sey denn der Bischof gestorben, welcher ihn ercommunicirt hatte. 32. Kein fremder Bischof, Priester oder Diacon werde aufgenommen, ohne die nöthigen Empfehlungsschreiben. 33. Die Bischöfe einer Provinz sollen ihren Metropoliten haben, und in wichtigen Dingen ihn um Rath fragen, der Metropolite dagegen soll nichts gegen das Gutachten seiner Snffraganbischöfe thun. 34. Der Bischof, welcher in einer fremden Diöccse Ohne Erlaubniß deS epis- eopu8 loei) die heiligen Weihen ei theilt, macht sich seiner Würde verlustig, ebenso der Geweihte. 35. Ein Bischof, Priester und Diacon, welcher die ihm übertragene Stelle nicht annimmt, werde abgesetzt in dem Falle, wo das Volk ihn nicht haben will, behält der Bischof seine Würde, der DiöcesanklcruS aber sey ercommunicirt, weil er das rebellische Volk nicht zum Gehorsam ermahnt. 36. Die Bischöfe sollen jährlich zweimal Zusammenkünfte halten, sich über kirchliche Angelegenheiten besprechen und die Differenzen ausgleichen; nämlich in der vierten Pfingstwoche und in der zweiten Woche deS OctoberS. 37. Die Bischöse sollen Sorge tragen für das Kirchenvermögcn, und weder selbst noch ihre Verwandten dasselbe verschwenden; haben sie arme Verwandte, so soll er sie wie die übrigen Armen seiner Diöcese unterstützen. 38. Priester und Diaconen sollen nach den Vorschriften ihres Bischofs handeln. 39. Hat ein Bischof Privatvermögen, so kann er damit schalten nach seinem 365 Gutdünken, und nach seinem Tode mag eS seine Familie an sich ziehen, waS aber der Kirche gehört, daS muß auch billiger Weise der Kirche gewahrt bleiben. 40. Dem Bischöfe gehört die Verwaltung deS Eigenthums der Kirche zu; er hat eS zu seinem Bedarfc, zum Unterhalte seiner geistlichen Gehilfen und zu Werken der Wohlthätigkeit zu verwenden. 41. Bischöfe, Priester und Diaconen, welche der Trunkenheit oder dem Spiele ergeben sind, sollen abgesetzt werden, wenn sie sich nickt bessern. 42. Dasselbe gilt von den übrigen Klerikern und Laien, sie sollen in diesem Falle crcommunicirt werden. 43. Kein Bischof, Priester oder Diacon soll Geld aus Wucher leihen. 44. Kein Bischof, Priester oder Diacon soll dem Gottesdienste der Ketzer beiwohnen; wenn er sie dazu auffordert, solchen abzuhalten, so werde er seiner Würde entsetzt. 45. Dieselbe Strofe trifft eineu Bischof oder Priester, welcher einen Ketzer die Taufe und das heilige Opfer verrichten läßt. 46. Kein Bischof soll einen nach Borschrift der Kirche Gelausten wieder tanftn, oder einen solchen nochmals zu taufen sich weigern, der von den Ungläubigen getaust wurde. 47. Wer seine Frau verstößt und eine andere heirathel, oder eine Verstoßene heirathet, ist zu ercommunicircn, 48. Ein Bischof oder Priester, welcher nicht auf den Namen deS VaterS, deS SohneS und des heiligen Geistes tauft, soll abgesetzt werden. 49. Ebenso soll die Tonfe nur durch dreimaliges Untertauchen (Aufgießen) verrichtet werden. 5V. Wenn ein Bischof, Priester, Diacon oder ein Laie der Ehe, der Fleischspeisen und deS Weins sich deßhalb enthält, weil er sie für etwas Sündhaftes hält, werde er abgesetzt oder ercommunicirt, weil er dadurch auch den Schöpfer schmäht. 51. Jeder Bischof, Priester oder Diacon, welcher einen Sünder abweist, der Buße thun will, verliere sein Amt. 52. Derselben Straft macht sich derjenige Bischos, Priester oder Diacon schuldig, welcher an Festtagen Fleisch und Wein verschmäht, weil deren Genuß sündhaft sey. 53. Nur ans Reisen ist den Klerikern der Besuch eines Gasthauses erlaubt. 54. Die Strafe der Absetzung trifft einen Kleriker, welcher seinem Bischöfe eine Beleidigung zufügt. 55. Jeder Kleriker, welcher einem Priester oder Diacon eine Schmach anthut, soll crcommunicirt werden. 56. Derselben Strafe verfällt der, welcher die körperlichen Gebrechen eines Andern verspottet. » 57. Ein Bischof oder Priester, welcher in seinem seelsorglichcn Amte nachlässig ist, soll ercommunicirt, und wenn er sich nicht besftrt, seiner Würde entsetzt weiden. 58. Bischöse und Priester sollen sür ihre armen Kleriker sorgen, außerdem werden sie crcommunicirt, und wenn sie bei ihrcr Härte verharren, abgesetzt. 59. Dieselbe Strafe erwartet den, welcher falsche, häretische Schuften in der Kirche verbreitet. 60. Menschen, welche der Hurerei, des Ehebruches oder eines andern Verbrechens überführt sind, können niemals zum geistlichen Stande gelangen. 61. Wenn ein Kleriker aus Furcht vor Juden, Heiden oder Ketzern seinen Glauben verläugnet, werde er crcommunicirt; wenn er blos seine geistliche Würde verläugnet, abgesetzt. 62. Kein Laie oder Kleriker soll daS Fleisch eineS erstickten, oder krcpirlen, oder von einem anderen Thiere getödteten Thiere genießen. 63. Kein Laie oder Kleriker soll in den Tempel der Juden oder Ketzer gehen, seine Andacht zu verrichten. 64. Ein Kleriker, welcher im Streite Jemand mit einem einzigen Schlage < unfreiwillig) getödtet hat, soll abgesetzt werden. 366 65. Kein Kleriker oder Laie soll am Tage deS Herrn oder am Sabbat, den CharsamStag ausgenommen, fasten (gegen Simon Mngns, Menander und andere Ketzer. 66. Wer eine Jungfrau nothzüchtigt, werde ercommunjcirt und soll sie zur Frau nehmen. 67. Es sey bei Strafe verboten, die heiligen Weihen zu wiederholen, außer es habe sie Einer von einem Ketzer empfangen, denn Niemand kann Taufe und Ordi-- nation von einem Ketzer empfangen. 68. Am Mittwoch nud Freitag sollen Kleriker und Laien während der Qnadra- gesimalzeit fasten, nur Kränklichkeit erleidet eine Ausnahme. 69. ES sey strenge verboten, an den Fasten, den Festtagen und religiösen Ge^ brauchen der Juden, z. B. dem Genusse uugesäuertcr Brode Theil zu nehmen. 70. ES ist nicht erlaubt, iu den Tempeln der Heiden und Juden Oel zu opfern, oder an ihren Festen die Lampen anzuzünden. 71. Wenn ein Laie oder Kleriker auS der Kirche Oel oder Wachs entwendet, werde er ercommnnicirt. 72. Die heiligen Gesäße und Geräthschaften sollen nie zum Privatgebrauchc verwendet werden. 73. Wenn ein Bischof von glaubwürdigen Männern verklagt wird, sollen ihn die übrigen Bischöfe dreimal vorladen und über ihn urtheilen; erscheint er nicht, so soll cr von der Synode gerichtet werden. 7-l. Gegen einen Bischos kann nie ein Ketzer, auch nicht ein einziger Gläubiger als Kläger auftreten. 75. Keiu Bischof soll einen Verwandten ordiniren, um ihn zum Nachfolger in seinem Amte zu mache», eine solche Weihe ist als ungiltig anzusehen. 76. Wer ein Auge verloren hat, oder hinkt sey nicht deßhalb vom Episkopale ausgeschlossen, 77. Wer aber taub oder stumm ist, kann nicht zur Bischofswürde gelangen. 78. Ein Besessener ist irregulär uud soll auch uicht cun Gottesdienste der Gläubigen Theil nehmen, bis er befreit ist. 79. Ein Neubelehrtcr soll nicht zum Bischöfe ordinirt werden, er sey denn mit besonderen göttlichen Gnaden übergössen. 80 Ein Bischof oder Priester soll sich nicht in weltliche Händel einlassen. 81. Sklaven sollen als solche nicht zum geistlichen Stande gelangen. 82. Bischöfe, Priester u. Diaconen, welche Kriegsdienste thun, solleu abgesetzt werden. 8j. Geistliche, welche die schuldige Hochachtung gegen weltliche Obrigkeiten vernachlässigen, werben abgesetzt, Laien, welche sich solches beigehcn lassen, werden ercommunicirt, 84 (nach andern Handschriften 85), Enthält den Canon der heiligen Schrift und zwar die gewöhnlichen Bücher deS alten Testaments, zum neuen Testamente aber werden gerechnet: Die 4 Evangelien. 14 Briefe Panli, 2 Briefe Pctri, 3 Briefe deS Johannes, t Brief des JacobuS und 1 Brief deS JuoaS; ferner die 2 Briefe deS Clemens und die Constitmionen, „welche aber ihres mystischen Inhalts wegen nichl allgemein verbreitet weiden sollen, uud unsere, der Apostel Thaten." Eine Schrift fehlt in diesem Verzeichnisse, welche sich in unserem Canon finde», die Apokalypse deS heiligen Johannes, was uuS indeß nicht wundern darf, wenn wir wissen, daß die 'Apokalypse nach der Verwerfung des ChilieiSmuS ihr apostolisches Ansehen '.erlor und in diese Zeit mag die Abfassung obigen Bibcle.'nc'nS fallen. Den Canonen ist nech eine Erm»h»ung zur gewissenhaften Beobachtung derselben beigefügt. Heldenmuth eines FeZdcaplanS. Höchst interessant ist das folgende Schreiben deS Herrn Schuen aus Bukarest ddo. 18. September au die kalh. Bl. a Tirol, in welchem der im Kampfe gegen die 367 Russen bewiesene Heldenmuth eines katholischen Feldcaplans geschildert wird: Am 3. Februar d. I, kam eS in der Nähe von Giurgewo zu einem schweren, blutigen Kampfe, und dieß war der Tag, an dem ein katholischer Priester eine heldenmülhigc Uuerschrockcnheit in Erfüllung seiner Pflicht bewies. Er, ein geborner Albancse, war mit 8l)t) seiner tapfern Landsleute im Dienste des SultanS, unterdessen Botmäßigkeit Albanien steht, an die Donau gezogen, und befand sich am obigen Tage mit einem Theile seiner Mannschaft im Treffen den Russen gegenüber. Die Russen fochten mit großer Uebermacht, die Albanesen und Türken mit unbrechbarem Tode?muth. Ven den 35l) Männern aus Albanien, welche im Ge-echt standen, blieben 50 todt und ivv wurden mehr oder weniger schwer verwundet. Der brave Fclvcaplan stellte sich an die Spitze seiner Tnppe, und daS Kreuz in der Hand und die Stola um die Schultern ermunterte er die Scmigen zum Gottverlrauen und zur unerschrockenen AnSdaucr. Die nordischen Kugeln flogen rechts und links vorüber, sie zischten über sein Haupt hin, sie schlugen vor seinen Füßen in die Erde, aber keine traf; in Entfernung weniger Schritte gaben die Feinde wiei-crbolt Pclotonfeucr, doch wie durch unsichtbare Hand abgelenkt sauSle das tödlliche Blei, ohne ihn zu verwunden, vorbei. Zweimal wurde ihm die Bedeckung vom Haupte geschossen, sein Rock war an mehreren Stellen von Kugeln gestreift und zerlöcheit, er aber blieb wie durch ein Wunder unvtrletzt, obschon rechts und links neben ihm die Kämpfendcn fielen. Während dieses lauge andauernden blutigen Kampfes wich der muthi^e Mann, welcher vom Pulverrauch nach und nach an Händen und Angesicht ganz geschwärzt worden war, keinen Schritt; nur wenn wieder einer der Seinigen zu Tode getroffen zusammenstürzte, hob er den Blutenden auf seine Schultern und trug ihn hinter die Linie der Kämpsenden. Daselbst legte er sich mit ihm zur Erde, horte, wenn eö n ch möglich war, seine Beicht, unv ihn mit dem heiligen Oele salbend, stand er demselden im TodeSkampse bei, worauf er sich sogleich wieder an die Spitze seiner Truppe stellte. Nicht bloß als pflichtgeircuer Piiester handelte der brave Albancse bei diejcr Gelegenheit, sondern auch als tapferer Soldat. Von der russischen Uebermacht gedrängt war eine türkische Kanone in Gefahr verloren zu gehen. Schon hatte der Feind sie umrungen und ein Russe saß bereits droben, während andere die vorgespannten Pserde aulrieben, um die Beute in Sicherheit zu bringen, da führte der Feldcaplcm seine Leute zum Sturm vor. Unaufhaltsam AllcS vor sich niederwerfend, drangen sie aus die Feinde ein, töteten einige derselben, drängten die andern in die Flucht, und eroberten das bereits Verlorne Geschütz wieder zurück. Der Heldenmut!) dieses Priesters erregte unter den Türken großes Aufsehen, und als Omer Pascha, welcher daS Verdienst zu würdigen weiß, davon Kenntniß erhielt, schickte er dem Tapfern einen Orden, auf den selbst hochgestcl-te Officiere stolz seyn dürften, wenn er an ihrer Brust erglänzen würde, und beantragte, ihm einen jährlichen Gnadengehalt bei der hohen Pforte zu erwirken. Nach dem Treffen bei Giurgewo bcwüs der Albanese ncucrdiugö seinen unbeugsamen Muih, indem er mit seinen Leuten einige Zeit in der belagerten Festung Silistria, und zwar in dem zumeist bedrängten Fort Arab Tabia stand,, und soriwährenb wieder den Todesgefahren ausgesetzt war. Ich lcrnte diesen muthvollen Feldcaplan persönlich kennen, indem derselbe mit der siegreichen türkisch^! Ärmce nach Bukarest kam und einige Tage im bischöflichen Hause wohnlc. Er (Nicolai Vianchi ist sein Name) zählt Lg Jahre, und spricht albanesisch und italienisch; von der lateinischen Sprache, welche er in der Jugend zu erlernen keine Gelegenheit hatte, versteht er nur daS Nothbürstigste. Die Kleidung, die er trug, bestand in iincm kurzen, türkischen Beinkleid, blauen Strümpfen, einfachen, weit ausgeschnittenen Schuhen. Auf dem Haupte Halle er daS nationale Feß, und ein langer vorne zugeknöpfter Rock von rölhlicher Farbe vollendete seinen Anzug. Was ihm, abgesehen von seinem Heldenmnth, zur besondern Ehre gereicht, ist, daß er immer ganz beschämt dastand, wenn man von seinen Bcrdiensten sprach. Seine Dekoration trug er nur, wenn es die Convenienz erforderte, sonst legte er sie beiseite, oder verbarg sie in den Falten seines Kleides. 368 Kirchliche Notizen. Besorgnisse hegt in Frankfurt Jungisiael: Ans der Provinz Starkenburg meldet daö „Frankfurter Journal" unterm 12. dieß Folgendes: Es werden, namentlich und zunächst in einem Orte an der Bergstraße, Anstrengungen gemacht, den sogenannten englischen Fräulein die Erziehung der katholischen weiblichen Jugend in die Hände zu spielen. Sodann werden, durch Unterbringung mehrerer Knaben bei jungen Geistlichen auf dem Lande, die ersten Keime geistlicher Vorseminarien und etwaiger Jesuitenschulen gelegt, um auf alle Ereignisse vorbereitet zu seyn. Gegen diese Bestrebungen ist bis jetzt die Thätigkeit deS Gustav. Adolph-VercinS, der viel mehr Theilnahme finden sollte, ohnmächtig. ES wäre wohl anch den protestanti'cheu Geistlichen mehr Rührigkeit und Wachsamkeit zu wünschen, in welchen Eigenschaften der Herr Prälat ihnen mit gutem Beispiele vorangeht. * 5 * Amsterdam. Zu Vieler nicht geringem Befremden vernahm man dieser Tage, daß in einer Prädicanten-Versammlung die öffentliche Verehrung des heiligen Boni- facius in der Sitzung „eines GedcnkzcichenS" ihm zu Ehren zur Sprache kommen ließ; daß einem Heiligen, der ron den Katholiken der Niederlande sehr verehrt wird, ein Andenken gesetzt wird von einer Versammlung sich reformirt nennender Prädicanten, ist gewiß zu verwundern. Hat man denn ganz vergessen, welches die erste Heldenthat der sogenannten Reformation in unserm Lande war, wie viele BonisaciuSbilver sie bei ihrem Beginne vernichtete; somit wird durch dieses Ereigniß der Stab schon gebrochen über die damalige Bilderstürmerei. Waö uns betrifft, wir wollen unS darüber nicht beklagen, wir hoffen vielmehr, daß man endlich mehr und mehr zurückkommen wird von den unsinnigen Vorurthcilcn und dem Hasse, wovon man in den letzten Jahrhunderten beseelt war; wir hoffen, daß man endlich mit uns scheint erkennen zu wollen, daß die Verehrung unserer großen Glaubenshelden und die Bewunderung ihrer ed.lsten Thaten, fern davon Abgötterei zu seyn, vielmehr mit der menschlichen Natur ganz nahe zusammenhängt. * 5 * Ncw-Uork, 3. Oct. Vorgestern sahen wir wieder, wie sehr die segensvolle Eintracht, in welcher die verschiedenen Rcligionsgenossenschaften seit der Unabhängig- keitS-Erklärung unter uns gelebt hatten, nunmehr gestört ist. An diesem Tage wurde hier das Concil der katholischen Bischöfe mit einer öffentlichen Procession der Mitglieder desselben eröffnet, und cS machte einen sehr peinlichen Eindruck, den Zug der Bischöfe verschiedener Diöcesen aus allen Seiten von der Polizei schützend umgeben zu sehen. Die Behörden brauchten nämlich diese Verficht in Besorgnis) fanatischer Angriffe. In dem solennen Hochamte, das in einer der hiesigen katholischen Kirchen gehalten wurde, sind nebst dem Erzbischofe HughcS von New-Aork die Bischöfe von Albanv, Boston, Bufsalo, Hartford, Brookiyn, Rewark, Burlington (Vermont), so wie die Vorstände der Nedemptoristcn nnd der Jesuiten anwesend gewesen. Aus der EröffnungS- Rede, welche der Eizbischof HugheS nach der feierlichen Messe hielt, konnte man entnehmen, daß die Thätigkeit der überall auftauchenden „Know-Nothings", so wie die durch Straßen-Predigten hervorgerufenen Angriffe gegen die Katholiken tne Hauptveranlassung zu dem Concil bilden. Der „Engel Gabriel", wie man den bekanntesten Straßenprediger der Puritaner nennt, der bald hier auf der Treppe deS Stadthauses, bald in Brooklyn, bald in MassachuselS oder sonst wo seine Feuerbrände gegen die katholische Kirche schleudert, we>r nirgends sichtbar. Ans dem Rückzüge wurde die Procejsion der Bischöfe abermals von einer starken Polizeiwache escorrirt, (K. Z.) Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlag«-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. 19. November ^ ^7. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßifl alle Gonutage. Der halbjährige Abonucmcntsprei« kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die apostolischen Constituti'onen sind ein ausführliches Lehrbuch der Dogmatik, Moral und Liturgie der ersten christlichen Jahrhunderte, uud genossen stets in der Kirche großes Ausehen, obgleich manche Stellen von den Häretikern corrumpirt sind. Daß diese Schrift weder von den Aposteln noch von Clemens Romanuö verfaßt ist, findet man beim Durchlesen, obgleich diese sprechend ausgeführt werden. Die einzelnen Theile lassen vielmehr auf mehrere Verfasser und verschiedene Zeiten schließen; ein Späterer mag dann die einzelnen Theile verbunden haben, wie wir sie jetzt besitzen. Im Ganzen lassen sich drei verschiedene Schriften unterscheiden, uämlich die sechs ersten Bücher, welche schon Cusebins uud AihanasinS als den Lehrinhalt der Apostel bezeichnen; das Buch schließt dann mit einer Schlußermahnung. Wir vermissen aber in diesem Theile die ganze Arcandisciplin, was sich, wie AthanasiuS bezeugt, daraus erklärt, daß diese Schrift in vielen Gemeinden den Ncubekehrten vorgelesen und erklärt wurde; eS geht zugleich daraus hervor, daß dieser Theil der Coustitulionen noch zur Zeit der Christeuverfolgung i-bgefaßt sey» mußte. DaS siebente Buch hat seinen eigenen Eingang und Schluß uud behandelt fragmentarisch großtentheilS schon in den sechs ersten Büchern behandelte Gegenstände, nur ist diesem zweiten Theile noch eine Anzahl von Gebeten und liturgischen Formularen angehängt, er unterscheidet sich auch der Schreibart nach von dem ersten. Das achte Buch endlich unterscheidet sich wiederum total von den beiden ersten durch Inhalt und Form, und dieser Theil ist gewiß der Zeit nach der jüngste; während nämlich der erste Theil aus dem 3ten Jahrhunderte und der zweite auS dem ^ten seyn mag, so ist dieser dritte Theil gewiß aus einer spätern Zeit, wo die Kirche ihre heiligen Handlungen und Mysterien nicht mehr vor der Welt geheim zu halten brauchte; deßhalb enthält auch dieses achte Buch der Konstitutionen eine vollständige Liturgie der damaligen Zeit. Noch weniger wissen wir über die Verfasser der einzelnen Theile; und eben so wenig, zu welcher Zeit und durch wen die drei verschiedenen Schriften vereint wurden; jedenfalls war zur Zeit des CpiphaniuS, in der letzten Hälfte deS 4len Jahrhunderts, die Vereinigung schon vollendet; denn er nennt daS Ganze schon 6t«?«5e/S rmi- »Troo-ro^e^, welcher Titel vom achten Buche der genommen ist. Wir halten uns in unserm Auszüge auS den Constitutionen an die Ausgabe derselben von Franz. Turrian. Venedig 1563, welche sich in unsern Conciliensammlungen allgemein findet. Die Concilien des ersten christlichen Jahrhunderts. (Fortsetzung.) 2. Die apostolischen Constitutionen. 370 Erstes Auch. Von den Laien. Gnade und Friede Euch Allen, die ihr durch das kostbare Blut unsers Herrn Jesu Christi erlöset, Erben und Kinder GolteS seyd; höret aber und befolget auch seine heilige Lehre und strebet in Allem den Willen GotteS zu erfüllen; denn wer dagegen handelt, der ist vor seinen Augen wie ein Heide und Verächter deS Gesetzes. Suchet vor Allem die Selbstsacht und Bcgierlichkeit, die Quelle aller Ungerechtigkeit, auS dem Herzen zu reißen; das Gesetz lauiet: Du sollst nicht begehren, und im neuen Reiche ist schon die Begierde Sünde; überhaupt ist daS lebendige Gesetz einfach und wahr in deS Menschen Brust geschrieben: Was du nicht willst, das von Andern dir geschehe, dessen enthalte dich gegen Andere (t). Beleidiget und kränket einander nicht, denn der Fluch, welchen du über den Nächsten schleuderst, kehrt über dein Haupt zurück; ertraget einander und seyd versöhnlich, übet den christlichen Heroismus gegen Eure Feinde, wie es Kindern Gottes geziemt. Besonders gilt dieses jenen, welche sich in der menschlichen Gesellschaft näher stehen, dem Gatten und der Gallin; aus ungelheilte hingebende Liebe soll der Ehebund gegründet seyn (2). Hüte dich, deinem Nächsten auch nur durch dein AeußereS, z. B. durch sreche Kleidung, Veranlassung zur Sünde zu werden, indem du in ihm die Begierde erregst; kleide dich anständig und naturgemäß, so wie Gott AlleS zum Besten deS Menschen geschaffen hat; bemühe dich nicht, durch äußern Aufwand und Ziererei dich vor Golt und den Menschen beliebt zu machen, es wird dir besser durch die Schönheil und den Schmuck der Seele gelingen (3). Verschwende deine Zeit nicht, mir lieblosem Vergnügen den Fehlern und Schwächen Anderer nachzuspüren; suche vielmehr dein Leben dem göttlichen Gesetze conform zu machen, forsche daher seinen ewigen Wahrheiten nach (4), wie du sie finvest in den heiligen und ehrwürdigen Büchern, welche unS die Propheten und Gesandlen Gottes hinterlassen haben (5). Ober sollen bei dir die verkehrten falschen Ideen der Heiden mehr gelten als die göttliche Wahrheit, sollen ihre Gesetze und Einrichtungen die Richtschnur deiner Grundsätze und deines Handelns werden? Hast du in unsern heiligen Büchern nicht eben so viel Poesie und Ledenssrische, eben so viel philosophische Tiefe und Wahrheit; dürstet dich darnach, dann stille deinen Durst aus dem göttlichen Borne der Weisheit, dazu eben ist er unS gegeben; auch da findest du die sich immer wiederholende Lehre der Geschichte, daß ein demoralisirteö, verkommenes Geschlecht der Zuchtruihe des ewigen Richters verfällt und seinem Unter- gange entgegeneilt, während ein gotlesfürchtigeS und gesittetes Volk mit Glück und Wohlstand gesegnet ist; übermüthige Tyrannen werben gestürzt und tugendhafte und gerechte Fürsten sind der Stolz ihrer Völker- Hieraus findest du Nahrung für deinen Geist und für das Herz. Hüie dich olm vor Verweichlichung des Körpers, denn sie verdüstert den Geist und macht das Herz schlaff (6). Fliehe ein srecheS, wollüstiges Weib und scheinen ihre Worte dir auch süßer als Honig, du wirst das bittere Verderben ihrer Umarmung erst dann gewahren, wenn ihr Netz dich umstrickt hat und du ihr zur schändlichen Beute geworden bist, wenn Fie Schlange dein jugendsrohes Gemüth ertödtet und dein Lebensmark vergiftet hat (7), Die einzig rechtmäßige Verbindung deS WeibeS mit dem Manne ist in der Ehe. Wie aber Gott den Drang der ausopfernden Hingebung in das weibliche Herz gelegt hat, so wollte er auch, daß das Weib alsvann dem Manne ganz und allein gehöre; die Ehefrau soll nicht noch andern Männern zu gefallen suchen, sondern ihr Leben sey, wie unS Salomon das Bild einer treuen, bescheidenen Hanssrau entwirft: sie lheilt des Lebens Last mit dem Manne und sucht die rauhen Dornenwege ihm zu versüßen, der einzig sie beseelende Gedanke ist, deS Gatten Erdenglück zu bauen. Dazu nun wird eine würdige Ehefrau vor Allem Ehrbarkeil und Sictsamleil zu wahren wissen; sobald aber ein Weib sich einmal so weil vergessen hat, daß sie andern Männern gegenüber gefallsüchtig und kokett ist, ihre Augen auf sich zu ziehen sich Mühe gibt; dann stürzt sie der Lawine gleich von Abgrund zu Abgrund und Schande und Schmach folgt ihrer Ferse, wie 371 ein schädlicher Wurm zerstört sie die stille Wohnung ehelichen Glückes. An Chn'stinen sollte man solches gar nie erfahren müssen; eine christliche Ehefrau wird ihren Gatten durch den reichen Schatz ihres Herzens gewinnen und an sich fesseln, nicht durch künstlichen Flitter, und ein lasterhaftes Weib ist trotz ihrer Schönheit auch in Purpur und Seide ein furchibares Scheusal (8). Schamhaftigkcit vor den Männern ist somit des WeibeS schützender Engel und hält auch von Andern die Versuchung fern (9), Wie endlich eine sittsame, bescheidene Hausfrau deS Maunes kostbarste Perle ist, so ist cm zänkisches, geschwätziges Weib seine Plage; wehret deßhalb, christliche Frauen, eurer Zunge alle Streitsucht und Rechthaberei, denn wie leicht könntet ihr schuld tragen an dem Unmuthe, an der Gotilästerung eureS Mannes. Befolget diese Lehren und ihr werdet euch dadurch Gottes Wohlgefallen erwerben und seiner Glorie euch würdig machen. Zweites Such. Von dem KleruS. Zum Bischöfe werde ein verständiger und gebildeter, dabei aber herablassender, mildthäiiger und friedliebender Mann gewählt; auch sein früherer Lebenswandel soll rein seyn vou aller Ungerechtigkeit (1); er muß ein tüchtiger Hausvater seyn, denn wie kann er im Hause deS Herrn gur regieren, wenn er seiner eigenen Familie schlecht vorstand (2)? Dabei lasse er sich nicht von Zornsucht und Verschwendung leiten, er sey im Gegentheile liebevoll und gefällig gegen alle Menschen (3); seine Mildthätigkeit berücksichtige besonders jene Wittwen, welche sich nicht den nöthigen Unterhalt erwerben können und die der Unterstützung vorzüglich würdig sind; Liederlichkeit und Trägheit aber soll von ihm nickt gepflegt werden (4). Vor ihm gelte kein Ansehen der Person, er schmeichle weder den Vornehmen, noch verachte er die Armen; fern von Aufwand und Vergnügensucht soll sein Sinn stets darauf gerichtet seyn, wie er die ihm anvertraute Heerde mit aller Schonung nnd Geduld ihrem Heile entgegenführe (5), Er sey deßhalb nicht nur selbst frei von allen bösen Leidenschaften und weltlichen Gelüsten, von Habsucht, Schmähsucht, Rachsucht, Herrschsucht u. f. w, er bemühe sich auch diese Laster bei seiner Gemeinde durch Wort und Beispiel auszurotteu (6); denn die sollen heilig seyn, welche der Kirche Christi angehören (7). Wird Jemand ungerechter Weise von den Ungläubigen verleumdet, der tröste sich, daß Gott seine Unschulv kenne; ist er aber eines Verbrechens überführt und will sich durchaus nicht bessern, den soll der Bischof von seiner Gemeinde ausschließen (8); dabei lasse er sich aber nicht durch das Ansehen oder den Reichthum der Person bestimmen, diejeS soll sein Urtheil nicht blenden und bestechen (9); denn dadurch würde er die Strafe, welche dem Verbrecher gebührt, auch über sich herabruseu, er würde zum Verräther an seiner Würde an der Kirche und sein Respect wäre dahin (10). Er, der die Stelle Christi auf Erden vertritt, sell auch seine Gerechtic-keit sich zum Vorbilde nehmen (ll), ebenso aber Gottes Langmuih und Erbarmung (12), welche zuvor AlleS versucht, den Ucbel-Häter zu bessern und nur an dessen Bekehrung, nicht an der Strafe eine Freude hat (13). Er nehme somit den reuigen Büßer in Gnaden auf, ohne sich um jene zu kümmern, welche da sagen, man solle sich nicht durch den Umgang mit Sündern beflecken; Gott verbietet ja nur an ihren sündhaften Handlungen Theil zu nehmen und verdirbt nie den Gerechten mit dem Sünder, er rechnet nie die Schuld des Einen dem Andern an (14). Soll er nun den bereits dem Ertrinken Nahen nicht ins Wasser zurückstoßen, so darf er doch nicht blind und nachlässig seyn gegen die Sünden des Volkes, er verbinde Langmuth mit weiser Gerechtigkeit (15). Hat also Einer wirklich gefehlt, dann sey er vom Gottesdienste ausgeschlossen, auf Buten der Diaconen lasse ihn der Bischof vor sich kommen, und zeigt er Reue, so werde ihm eine Buße von längerer Zeit, etwa Fasten, je nach dem Verhältnisse des Vergehens, auferlegt, denn der Bußfertige soll nie gänzlich verstoßen werden (16). ES ist klar, daß der Bischof selbst rein seyn muß, wenn er zu Gericht fitzen will, damit er nicht Aergerniß gibt und seine Laster- hastigkeit nicht die ganze Heerde anstecke; denn das HauS GotteS soll keine Räuber- 372 höhle seyn (17), Ueberhaupt soll der Bischof die Tugendhaften im Guten bestärken, die Schwachen ermuntern und aneisern, die Gefallenen bessern (18), und wie den Vorsteher einst seine Nachlässigkeit richten wird, so hat auch der Untergebene seinen Ungehorsam zu büßen (19). Die Gläubigen müssen sonach ihren" Bischof wie einen guten Bater liebe» und ehren, der Bischof lasse dagegen seinen Untergebenen alle mögliche Sorgfalt und Liebe angcdeihen (20); er sey nicht hartherzig uud eigensinnig, nicht übermüthig, anmaßend und unmenschlich oder aufbrausend gegen sie, er nehme keine Klage gegen Jemand an ohne zwei oder drei bewährte Zeugen, die ohne Haß und Mißgunst sind; er fälle auch kein Urtheil, ohne beide Theile gehört zu haben; er richte Keinen, vernicht überführt ist, damit dieser nicht eine Leute der Ungläubigen werde (21). Der Bischof lasse sich wem'gsteuS von der Geschichte belehren und nehme ein Beispiel, wie Gott gegen David, die Niniviten, gegen EzechiaS und seinen Sohn ManaffeS (22), wie er aber auch gegen ManasscS Sohn Amon verfuhr (23), und wie unser göttlicher Erlöser mit Sündern umging (24). Von den Steuern und Zehnten, welche der Bischof rechtmäßiger Weise von den Gläubigen erhält, soll er nur so viel für sich behalten, als er zu seinem Lebensunterhalte nöthig hat, das Uebrige und was für die Armen und Dürftigen eigeuS dargebracht wird, vertheile er unter die Wittwen und Waisen, Armen und Kranken, und davon wirs er Gott einst Rechenschaft geben müssen (25). Die geistliche Würde ist so erhaben, daß der Bischof, der Diacon und die Diacouifsin mit den drei göttlichen Personen, die Priester mit den Aposteln verglichen werden können (26); kein Laie soll es deßhalb wagen, unberufeu sich das Amt und die Verrichtungen der Kleriker anzumaßen, eingedenk des Saul, Oziaö und der Coriten (27). Bei den LiedeSmahlen sott die Würde und daS Verdienst eines jeden Klerikers berücksichtiget werden (28); in dem Bischöfe ehre man überhaupt den Stellvertreter Gottes (29), iu den Diaconen die Diener dcö Bischofs nnd seine Gesandten (30); die Diaconen nämlich sind in Allem den Bischöfen untergeordnet und kein Diacon erlaube sich einen Tadel gegen i-cn Bischos (31), kein Diacon darf ohne Erlaubniß des Bischofs etwas verschenken, sey cS auch an die Armen (32). Die Priester aber sind als geistliche Väter aller Hochachtung würdig wie die leiblichen Eltern (33). So sehr also der Geist erhaben ist über die Leiblichkeit, so hoch steht das Priesterthum über der KönigS- wmde; deßhalb soll auch der Bischof als Vater, König und Herr geliebt uud ihm die Erstlinge und Zehnte dargebracht werden, wie dieses schon im allen Buude bestimmt war (34); davon werde den Dienern der Kirche und den Armen der nöthige Unterhalt gegeben und vom Bischöfe keine weitere Rechenschaft über die Verwendung gefordert, er hat diese vor Gott abzulegen (35). Beobachtet die Gebote G-ttes und richtet Niemanden, denn daS Gericht ist von Gott den Priestern übertrafen (36), der Bischof wird dabei Verleumdung von der Wahrheil wohl unterfchciden und kein voreiliges Urtheil fällen. Er lasse den Fehlenden zu sich kommen unv stelle ihm in aller Milde und Geduld seinen Fehler vor (37); nur der Hartnäckige uud Verstockte sott ausgeschlossen, dem reuigen Sünder aber verziehen werden (38). Der Ausgeschlossene werde wie ein Ungläubiger behandelt und er hat keinen Antheil an der heiligen Eommunion, bis er sich gebessert hat (39); er soll indeß nicht ganz dem Verderben preisgegeben werden, man tröste ihn und mache ihm Muth, um ihn so wieder zu gewinnen (40), denn an einem solchen soll Alles versucht werden, ihn zu heilen, und uur dann, wenn er offenbar unverbesserlich ist, werde er gänzlich aus der Kirche ausgeschieden (41); dabei gilt aber keine Parteilichkeit, kein Ansehen der Person (42). Verleumder und Ehreinäuber sotten, wenn sie von ihrem bösen Treiben nicht ablassen und so fortwährend Uneinigkeit und Unruhe iu der Kirche stiften, ebenfalls als verderbte Glieder getrennt werden (43). Minder wichtige Dinge mögen die Diaconen bereinigen (44); überhaupt sollten nnler den Gläubigen keine Streitigkeiten vorkommen oder wenigstens unter ihnen geschlichtet und nicht vor die welllichen Gerichte gebracht werden (45), seyd daher versöhnlich und laßt eure Händel nicht vor die Ungläubigen kommen, wie diese auch nicht Zeugniß gegen einen Christen ablegen dürfen (46). Alle Streitigkeilen sollen am zwei en Wochentage vor daS geistliche Gericht gebracht werden, damit sie 373 bis zum Tage des Herrn beigelegt seyen (47), die Strafe aber richte sich nach der Größe deS Vergehens (48). Der Ankläger und Angeklagte hat vor dem Richter zu erscheinen und jener bringe da seine Klage vor; hierauf sollen die Richter erwägen, welchen Leumund dieser Kläger besitz!, ob nicht Feindschaft oder Mißgunst u. s. w. zwischen beiden Contrahenten bestehe und ob der Kläger Zeugen von zuverlässigem guten Rufe habe; ebenso werden dessen Lebensverhältnisse untersucht (49); ein früherer Fehler des Angeklagten gilt nie als Beweis für die vorliegende Klage. Stell! sich eine Verleumdung heraus, so werde sie strenge bestraft; ist aber der Angeklagt überwiesen, dann erst kann gegen ihn verfahren werden (50). Kein Urtheil darf somit gefällt werben, ohne daß beide Theile vernommen wurden (51), wie dieses auch die weltlichen Gerichte bei den Heiden beobachten, damit kein Unschuldiger vernrtheilt werde (52). Die Nichter seyen gerecht, friedliebend, ohne Zorn und Feindschaft, denn diese sollen unter Christen überhaupt gar nicht vorkommen (53), deßhalb lasse der Bischof vor dem Gebete, damit dieses vor Gott augenehm und fruchtbringend sey, jedesmal durch die Diaconen zur Ablegung aller Feindschaft crmahnen (54); ebenso wie Gott zu allen Zeilen das Volk durch seine Propheten zur Buße crmahnen ließ (55). Emmüihig sollen sich die Gläubigen zum Lobe Gottes versammeln, und die Vorsteher der Kirche haben dafür zu sorgen, daß Friede und Eintracht in der katholischen Kirche crhalten werden (56). Beim Gottesdienste soll der Bischof in der Mitte auf seinem Throne sitzen, zu beiden Seiten der übrig- KleruS; die Diaconen haben dafür zu sorgen, daß das Volk sich ruhig und mit Anstand versammle, die Frauen von den Männern getrennt. Der Lector lese nun von einem erhöhten Orte in Mitten der Kirche die Schriften deS MoseS und der Propheten, darauf folge der Psalmengesang, uns nun soll die Apostelgeschichte oder die Briefe Pauli gelesen werden; ein Priester oder Diacon verkünde das Evangelium und halte eine Ermahnung, und endlich folgt die Anrede deS Bischofs. Die Ostiarier und Diaconissincn haben für Ordnung während deS Gottesdienstes zu sorgen. Darauf sollen Klle sich erheben und nachdem die Katechn- menen und Büßenden die Versammlung verlassen haben, soll ein Gebet verrichtet werden und die einen der Diaconen haben am Allare zu dienen, die andnn die Aussicht beim Volke zu halten; der assistirende Diacon crmahnt das Volk zur Anlegung aller Feindschaft und alles Hasses, und hierauf geben sich die Männer unter einander und die Frauen unter einander den Friedenskuß; der Diacon betet nun für die gcsammte Kirche, für die ganze Welt, für zeitlichen Wohlstand, für die Priester und Vorgesetzten, daö kirchliche Oberhaupt, den König, und um Frieden für Alle; der Obcrpriestcr segnet darauf das Volk und betet für dasselbe. Run beginnt das heilige Opfer und nach der Aufwandlung sollen Alle mit Würde uud Andacht zum heiligen Abcudmcihle hintreten (57). Wenn ein Fremder mit Empfehlungsschreiben ankommt, so werde er mit aller Zuvorkommenheit und Auszeichnung aufgenommen, und behandelt, und dabei soll nicht auf den Rang, das Ansehen oder Vermögen deS Gastes Rücksicht genommen werden (58). Jeder soll fleißig beim Morgen- und Abendgebete in der Kirche erscheinen, besonders aber am Tage des Herrn zur Lesung der heiligen Schrift, dem heiligen Opfer und der heiligen Communion (59); oder sollen uns die Juden und Heiden beschämen mit ihrem eitlen Gottesdienste (60)? Keine weltlichen Geschäfte sollen daher vom Kirchenbesuche abhalten (61). Ihr sollet euch auch ferne halten von dem Treiben der Ungläubigen und Ketzer, uud an ihren Festen, Gebräuchen und Vergnügen, Zauberei und Wahrsage, ei, Schauspielen und Fechterspielen, selbst an ihren Jahrmärkten keinen Theil haben (62). Gebet euch auch nicht dem Müssiggange hin, so daß ihr der Kirche zur Last fallet, denn auch die Apostel, obgleich sie das Wort des Herrn verkündeten, suchten sich durch Handarbeit ihren Lebensunterhalt zu erwerben (63). (Fortsetzung folgt.) , 374 Zur Frage über die unbefleckte Empfängniß Maria. Um vielen vorkommenden ganz unrichiigen Auffassungen dieser Frage zn begegnen veröffentlicht die „Landöhuter Zeitung" auS kundiger Feder nachstehende Erörterung, die wir auch unsern Lebern hier mittheilen: ES handelt sich nicht darum, ob JesuS Christus von Maria ohne Erbsünde empfangen worden sey (venn das versteht sich von selbst, weil Christus in Einer und derselben Person Gott und Mensch zugleich ist und Seine Empfängniß unmittelbar vom heiligen Geist bewirkt wurde); sondern darum handelt es sich, daß der bereits allgemein geglaubte Sa«): Maria selbst, obwohl sie nur auf natürlichem Wege wie wir von Adam abstammt, sey wegen Christus, dessen Mutter sie werden sollte, und auf Grund Seiner unendlichen Verdienste ohne die Makel der Erbsünde empfangen wor- . den, — daß dieser bisher freiwillig geglaubte Satz, sage ich, nunmehr zu einem förmlichen Dogma oder gebotenen Glaubenssatz festgestellt werden soll. Der Unterschied zwischen einem förmlichen, verbindenden Glaubenssatze und einem freigestellten, wenn auch allgemein geglaubten Satze ist nämlich der: Wenn eine Lehre förmlich als Dogma oder verbindender Glaubenssatz von der katholischen Kirche zu glauben vorgestellt wird, so muß ein Katholik eine solche ausdrücklich bestimmte Glaubenslehre als unfehlbare, göttliche Wahrheit gläubig annehmen, wenn er anders vor Gott noch als ein Katholik gelten will, und darf auch ohne Sünde nicht daran zweifeln, weil der Verheißnna Cbristi gemäß die Entscheidungen der Kirche in Glaubenssachen ebenso unfchlbar, richtig und wahr sind, wie jede andere göttlich geoffenbarte Wahrheit. Hingegen, wenn -eine Lehre noch nicht als förmlicher Glaubenssatz von der Kirche ausgesprochen ist, so würde man, wenn man innerlich nicht daran glauben wollte, noch keineswegs aufhören, ein Katholik zu seyn, auch wenn alle übrigen Katholiken daran glauben. Jedoch wäre es eine sehr gewagte und unter Umständen auch sündhafte und freventliche Sache, sein eigenes Urlheil über daS der Gesammtheit der Gläubigen zu setzen, auch wenn eS sich nur um eine von den Gläubigen allgemein angenommene und geglaubte fromme Meinung handelt. Es gibl in der katholischen Kirche mehrere allgemein geglaubte Wahrheilen, die aber doch nicht als förmliche Glaubenslehren mit der strengen Verbindlichkeit, selbe zu glauben wie andere Glaubensartikel, ausgesprochen und bestimmt sind. So wird auch die Lehre, daß die seligste Jungfrau unbefleckt, d.h. ohne Erbsünde empfangen worden ist, überall in allen kacholischen Ländern deS Erdkreises allgemein geglaubt; auch der Papst und die Bischöfe der katholischen "Kirche glauben daran, und die Päpste haben in diesem ihrem Glauben daS Fest der unb-fleckten Empfängniß am 8. Dcc. jeden Jahres eingesetzt und unter schwerer geistlicher Strafe verboten, die gegentheilige Ansicht, als sey Maria nicht ohne Erbsünde empfangen worden, öffentlich auSzusprechen, zu lehren und zu vertheidigen. Deßungeachtct war diese Lehre bisher nur eine in der katholischen Kirche allgemein geglaubte fromme Meinung, nicht aber eine förmliche Glaubenslehre, so daß alle Katho iken daran auch innerlich zu glauben nothwendig verbunden und verpflichtet gewesen wären. Nachdem aber der heilige Vater auS allen Theilen der Christenheit mir Bitten bestürmt wurde, der Lehre von der unbefleckten Empfängniß Mariens durch eine feierliche Entscheidung und Beschlußfassung daS Siegel kirchlicher Beglaubigung aufzudrücken, so daß Niemand mehr belügt wäre, dieselbe in Zweifel zu ziehen: da sah sich vor einigen Jahren Papst PiuS IX. veranlaßt, von allen Bischöfen des katholischen ErdlreiseS in dieser Angele enheit ein Gutachten abzufordern; und nachdem diese Lehre mir einer Sorgfalt und Umsicht, wie sie mit menschlichen Kräften nur irgend möglich ist, geprüft, mit u»wider!?g!ichcn Gründen bestätigt und auS den heiligen Lehrern und Vätern der Kirche von den ältesten Zeilen der Kirche an nachgewiesen worden: so will nunmehr der geistliche Statthalter Jesu Christi auf Erden, Papst Piuö IX., die allgemein geglaubte fromme Meinung von der unbefleckten, ohne Erbsünde geschehenen Empfängniß Mariä zur größeren Ehre Gottes und zur besondern Verherrlichung Mariens, deren Fürbitte namentlich unserer Zeit so überaus Noth thut, 375 als einen förmlichen Glaubenssatz feststellen, so daß alle Katholiken, wenn sie nicht aufhören wollen, Katholiken zu seyn, daran zn glauben streng verpflichtet werden. Da aber zur Feststellung eines förmlichen Glaubenssatzes mit unfehlbarer Gewißheit alle bloß menschliche Einsicht und Geisteskraft nicht hinreicht, vielmehr die erleuchtende Gnade des heiligen Geistes selbst unumgänglich nothwendig ist, dessen Beistand der Kirche von Christus auch ausdrücklich zugesagt wurde: so hat Ptipst PiusIX. sernerS an sämmtliche Bischöfe die Aufforderung ergehen lassen, mit den Gläubigen ihrer Diöcesen Gott mit flammendem Eifer um die Erleuchtung deS hei igen Geistes anzuflehen. Zugleich muß noch angemerkt werden, daß hiedurch nicht etwa ein neuer Glaubensartikel gemacht, sondern nur der alte, sich gewissermaßen von selbst aufdrängende, allgemeine Glaube an dieß wunderbare Geheimniß feierlich bestäligt und dem Katholiken als ein eigener GlaubenSpnnct nicht mehr zum freiwilligen Glauben, sondern zum pflichtmäßigen Glauben, mit Ausschluß allen Zweifels, vorgestellt werde. Wird ja auch durch eiuen nenen Katechismus, wie gerade jetzt anch ein neuer eingeführt wird, nichts weniger als ein neuer Glaube gelehrt oder festgestellt, sondern nur der alte Glaube ist eS, der darin gelehrt wird, nur geschieht eS mit andern Worten. DaS Nämliche findet statt in so vielen Millionen katholischer Predigten, Christenlehren, Unterrichts- und Erbauungsbücheru. Bloß die Worte, die Form und Einlheilnng u. s. w. sind verschieden; der GlaubenSiuhalt aber ist immer der nämliche. Eben so irrig wäre eS, wenn man glauben wollte, daß nunmehr dieser neu festzustellende Glaubenssatz etwa den zwölf Artikeln des apostolischen Glaubensbekenntnisses orer des sogenannten „Glauben an Gott" als 13ter Glaubensartikel beigefügt würde. Denn indem in diesem Glaubensbekenntnisse der Glaube an Eine heilige katholische Kirche ausgesprochen wird, so ist eben damit auch der Glaube an Alles, waö diese Kirche zu glauben vorstellt und befiehlt, schon eingeschlossen. Der ganze Unterschied zwischen bisher und künftig besteht also einzig und allein darin, daß eine Lehre, welche bisher einem Jeden zu glauben freistand, weil das göttlich eingesetzte, unfehlbare Lehramt der Kirche, bestehenv ans dem Papste und den mit ihm vereinigten Bischöfen, darüber noch nichts cnischieden hatte, künftighin von I.dem, der katholisch seyn will, ohne Widerrede geglaubt werden muß — eine Gestaltung der Sache, über die sich gewiß jeder wahre gotiliebeude Katholik und Verehrer Mariens nur von ganzem Herzen freuen kann. Somit wäre, da eine nähere Erklärung und Begründung dieser Glaubenslehre nur auf die Kanzel, nicht in iine Zeitung gehört, bloß der allgemeine Slandpuuct angegeben, von welchem aug die fragliche Angelegenheit betrachtet werden müsse, um irrige Auffassung zu vermeiden. Kirchliche Notizen. Linz. Die christliche Liebe ist nicht bloß erfinderisch, sie ist auch schöpferisch; dieß dachte ich mir, als ich jüngst einige Züge aus dem Leben des hochwürdigcn Herrn Mathias Kirch steiger las, der »»längst in Linz seine Secundizseier gehalien hat. Als Caplan von Linz hat er im Jahre 18V6 schon mit dem einen seiner College» ein Taubstnmmen-Jnstisut und mit dem andern, dem nachmaligen Bischof Wagner von St. Polten, eine SonntagSschule gegründet. Besonders aber die nachfolgenden KriegS- jahre öffneten ihm ein weites Feld für seine thätige Liebe. Als im Jahre 1809 die von den Franzosen gefangenen Oesterreicher, an Kleidung und Lebensmiiteln darbend, im Capucinergarten und im Schlosse eingeschlossen wurden, stellte sich Kirchsteiger an die Spitze Derjenigen, welche mit glücklichem Erfolge Lebensmittel sammelten und cigeu- händig an die Gefangenen vertheilten. Bei der im Jahre l8l2 herrschenden großen Theuerung wanderte er, nicht achtend das Gespötte gefühlloser Menschen, von HauS zu HauS und bewog durch seine Bitten die Frauen und Dienstboten, ihm die markigen Knochen und sogenannte Zuwage aus der Fleischbank.für die Armen zu überlassen. » 376 Mit diesem einfachen Mittel hatte er der ärgsten Noth Einhalt gethan. Theils auS eigenem Vermögen, theils unterstützt miethete er für die Armen eine Wohnung, errichtete eine förmliche VersorgungSanstalt, auS welcher oft an ?0l1 Personen Nahrung erhielten. Als in den Jahren 1813 und 1814 eine verheerende Epidemie auS- brach, zeigte sich sein Eifer im schönsten Lichte, indem er, wie noch lebende Personen bezeugen, oft von 3 Uhr srüh bis Abends, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, nur damit beschäftigt war, den Sterbenden den Trost der Religion zu spenden, bis ihn selbst die tödtliche Krankheit darniederwarf. Um die durch den Tod so vieler Eltern verwaisten Kinder zu retten, war er bemüht, sie bei braven Familien zu versorgen und rief eine Kinder-Bewahranstalt inS Leben. Als er dann später zu kirchlichen Würden emporstieg, so war und ist noch sein größeres Einkommen ihm nur das Mittel, den Bedürfnissen der Kirche und der Armen, der Fremden und Kranken entgegenzukommen. M',6lll)l>.,< ./"'Hl.Ii-^iNI. IM^ «gti^M «Ktttltz-'MzguvlN ?»NV,N .'lN Hl» Mlll « In Schön au bei österreichisch Krumbach ließ unlängst die Familie Berndställer für die Pfarrkirche eine 18 Centncr schwere Glocke gießen. — DaS erinnert an den frommen, katholischen Sinn unserer Vorfahren. * 5 * Schweiz. In Bern hat auf Anlaß einer von einem Apostaten jüngst in die Welt hinauSgeschleuderten Schrift über die Ohrenbcichte der katholische Pfarrer Baud sich anheischig gemacht, dieselbe öffentlich anö dem Worte Gottes zu rechtfertigen. Nicht weniger als 15 protestantische Geistliche haben diese Rechtfertigung als einen Fehdehandschuh betrachtet, den sie aufgenommen und ihm eine öffentliche Confli4uilFN!MU tMl^M -tNi.!^ II'f l-I>,n?»>Knk! t,^ri»e «,->- V-"^ '' iR^ ' «-'«„!',. Knaili >i5>- >>'<" 1,>-, '<-'. .„K, räbniß, das Oel die Gnade und das Chrisam die Bestärkung der Bekehrung (17). ' Der Getaufte betet im Namen der gläubigen Gemeinde das Gebet deö Heirn; er soll sich von nun a» aller Gottlosigkeit und aller Werke dcS Satans enthalten und ein keusches, reiueS und heiliges Leben führen; wie wir auch als Kinder Gottes beten: Vater uuser, der du bist .... vou allem Uebel. Dein ist daS Reich, und die Macht und die Herrlichkeit deö VaterS und des Sohnes und des heiligen Geistes, jetzt unv immer nnd in alle Ewigkeit, Amen (18). Die Diaconen seyen rein und ohne Makel, wie der Bischof selbst. Ihre Zahl richtet sich nach dem Bedürfniß und ihnen liegt ob, die Männer zn bedienen, wie den Diaconissinen die Frauen; sie haben die Botendienste zn versehen und am Allare zn dienen; sie sollen ihre Geschäfte mit Eiser und Liebe verrichten, und die Dürfn'gen versorgen (19). Der Bischos werde wenigstens von zwei Bischöfen vrbinirt, die Priester und die übrigen Kleriker von einem Bischöfe; den Priestern kommt daS Predigen, Taufen, daS heilige Meßopfer und die Segnungen zu, die Diaconen aber sollen dem Bischöfe und den Priestern im heiligen Dienste beistehen (20). Viertes Auch. Von den Waisen. Die Gläubigen sollen besonders der armen Waisen sich annehmen, und diejenigen werden sich Perdienste vor Gott sammeln, welche, wenn sie kinderlos sind, solche 381 Kinder adoptiren, oder wenn sie selbst Kinder haben, für die Waisen dadurch sorgen, daß sie diese mit ihren Kindern zn verhcirathen snchen (1). Die Pflicht der Bischöfe aber ist eS ganz vorzüglich, überall zn helfen, wo sie können, sie sollen sich um so mehr die Sorge für die Waisen angelegen seyn lassen, indem sie für daS Forlkommen derselben sich bemühen (2); wer aber geizig genug ist, Niemanden von seinen aufgehäuften Schätzen etwas zu gönnen, ist ein Gräuel vor Gott (3). Wittwen und Waisen sollen dagegen mir Ehrfurcht und Dank die empfangenen Wohlthaten genießen und den Geber alles Guten dafür loben und preisen (4); und weil Wohlthaten von ungerecht erworbenem Gute nie Segen bringen können und der Herr daS Gebet deS Empfängers für einen Räuber, Mörder, Betrüger und Lasterhaften nie erhören wird, so sollen sie sich wohl hüten, von solchen gottlosen Menschen eine Gabe anzunehmen (5), denn solche hartnäckige Sünder sind Gegenstand des göttlichen Zornes, die heiligen Propheten haben sich auch niemals mit deren verbrecherischen Gaben vernnreiniget (6), und eS ist besser, von dem rechtlich und saner erworbenen Gute ein geringes Almosen zugeben, als durch Ungerechtigkeit sich in den Stand zu setzen, mehr geben z» können, so wie es besser ist Hnnger leiden, als von den Verbrechen Anderer sich zn fälligen (7). Die Priester sollen zur Wohlthätigkeit und zur Linderung deS menschlichen ElendS ermähnen (8), ist aber wider ihren Willen solch' ungerecht erworbenes Geld in ihre Hände gekommen, dann sollen sie davon keineswegs die Wittwen, Waisen und Armen unterstützen (9). Ihr aber, christliche Väter/erziehet eure Kinder in der Furcht deS Herrn, lasset sie eine anständige Arbeit lernen und besorget nicht, ihr möchtet ihnen durch Strafe wehe thun, ihr werdet sie vielmehr retten; denn wer eS gut meint mit seinen Kindern, der züchtiget sie, wie schon daS alte Testament sagt; unterrichtet sie von Jugend auf im Worte des Herrn, und lasset sie die Jngendzeit nicht mit NichlS- thun und sinnlichem Genuß vergeuden, sorget auch für ihre ehrbare Verheirathung; ihr werdet einst Rechenschaft für sie ablegen müssen (10), Dienstboten sollen gefällig seyn gegen ihre Herrschaften, aber nicht wie Sclaven gegen ihre Herren, fondern mir Liebe, wie gegen ihre Ettern; wenn sie auch nicht alle ihre Handlungen loben können. Herrschaften aber sollen ihre Dienstboten nicht als Sclaven delrachten, sondern bedenken, daß sie ihnen wenigstens als Menschen und Mitchristen gleich sind(ll). DaS göttliche Gesetz gebietet ferner, die wellliche Obrigkeit zu ehren, ihr in allem, was dem Willen GolteS gemäß ist, zu gehorchen und die schuldigen Abgaben zu cntrich-cn (12). Was die Jnngfräulichkeit betrifft, so ist dieselbe dem freien Willen eines Jeden überlassen; man sey nicht leichtsinnig und übereilt bei einem derartigen Gelübde; hat man aber dasselbe übernommen, dann gebe man sich auch Mühe, ihm treu zu bleiben. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Notizen. Ans Wien wird uns unter cmderm geschrieben: Sichtbar ruht die segnende Hand Gottes über den Frauen vom guteu Hirten und der von ihnen geleilclen 'Ausla l; ja, in Folge der in dieser entwickelten Wirksamkeit ist es geschehen, daß ^lenwäniz schon sieben ähnliche Hänser in der Monarchie in Bau und Einrichtung begriffen sind, die ab^r von den barmherzigen Schwestern verschen werden müssen, da der Orden der Frauen vom gulen Hirten uns nicht so viele deutsche Frauen abgeben kann, als dazu nöthig sind. » » « Linz. Vom 7. bis 17. v. M. wurde in Rainbach bei Freistadt durch die hochwürvsgen PP. Redemptoristen aus Pnchheim: Rcindl, Drick, Brosch, Schinv- lauer und Töchterle eine Mission abgehalten. » » » Auch in der Kölner Erzdiöcese ist nun der P. Joseph Deharbe'sche Katechismus 382 eingeführt worden unter der Ausgabe „Katechismus für den Jugend- und Volks- Unterri'cht in der Erzdiöcese Köln." » » » M ü n st e r. Mit dem Beginn deS Studienjahres ist daS LolloZium Korromseum für die den philosophischen und theologischen CnrsuS absolvirenden Avspiranten zum geistlichen Stande förmlich und als selbstständige Anstalt eröffnet worden. » » » Paderbor». Von dem in zwanglosen Heften erscheinenden BonifaciuS- Blatt ist so eben daS 2te Heft deS 3ten Jahrgangs erschienen. Dasselbe enthält zunächst die Nachweise über die Einnahme und Ausgabe des BonifaciuS-Vereins für das Jahr 1853. Die Gesammteinnahme hat in dem genannten Jahre 45,861 Thlr. betragen, worunter ein Cassenbestand vom Jahre 1852 mit 17,838 Thlr. Von 25 Diöcesen, in welchen der Verein eingeführt ist, sind 26,423 Thlr. an Beiträgen gezahlt. Die GesammtauSgabe pro 1853 hat 24,211 Thlr. bctrageu, mithin ist ein Bestand von 21,649 Thlr. vcrblieben, über welchen bereits verfügt worden ist. An Unterstütznngen sind 20 verschiedenen Diöcesen 22,631 Thlr. zugewender. Eine Vergleichung deS Einnahme-Verzeichnisses ergibt, daß der Verein abermals im Jahre 1853 einen höchst erfreulichen Fortschritt gemacht hat. So erfreulich aber auch diese Fortschritte sind, welche der Verein macht, so bleibt doch noch überall viel zu thun übrig. Viele oft überwiegend katholische, wohlhabende Gemeinden irrigen wenig bei, viele haben sich noch gar nicht belhciligt, während aus ärmeren Gegenden die Beiträge im reichern Maaße fließen. Wenn auch die schweren Zeiten drücken und die Mildthätigkeit durch andere Vereine z» frommen Zwecken und durch Eollccten wieverholt in Anspruch genommen wird, so sollte doch keine einzige katholische Gemeinde dem Werke dcS BonifaciusvereinS ihr Almosen versagen; eS wird ja nicht viel verlangt und überall wird sich Theilnahme zeigen, wenn nur die hochw. Geistlichkeit die Förderung der Sache in die Hand nimmt und zweckmäßige Anordnungen zur Einsammlung der Beiträge trifft. » » » Berlin. Am 31. Oct. wurde hier die „christliche Mädchen-Herberge" feierlich eröffnet. Der Zweck derselben ist, dienstlosen, ordeniliche» Mädchen ein Unterkommen und Gelegenheit zur weiter» Ausbildung für ihren Beruf zu verschaffen und sie zugleich vor den Gefahren der Prostitution zu bewahren. Die Gemahlin deS StaatSministerS Hrn. v. Vodelschwingh ist Curalorin dieses JnstiluteS. — Nach der „Zeit" soll in Berlin die Gründung einer kalholischnr ErziehuugS-Anstalt unter der Leitung der Schwestern dcS Ordens vom guten Hirten bevorstehen und hat bereits der Ankauf eineS Grundstückes für diesen Zweck stattgefunden. » » » AuS Baden theilt der „Schw. Merkur" mit, daß Se. Ereellenz der hochwürdigste Erzbischof von allen Decaiiaten genauen Bericht über daS Verhalten der Beamten beim Conflict eingefordert habe. Wir finden die Thatsache eben so begreiflich, wie die Veiblüffung deS „Schw. MerkurS", der seinen Lesern glauben machen zn wollen scheint, die badische Bureaukratie sey zu einem Frieden mit der Kirche diSponirt. — Dasselbe Blatt läßt sich berichten, daS Scand^l in Kirrlach solle durch die Entfernung deS „landesherrlichen PfarrvenveserS" Hor-H, auf welche hin auch der vom Erzbischof bestellte Geistliche Finncisen zurückgezogen und ein vom Ordinariat auf Grundlage einer Verständigung ernannter Pfarrer eintreten wurde, beseitigt werden. » » » Bremen, 4. Nov. In welcher tiefen Finsterniß deS Irrthums und der Vorurtheile einige von der Kirche gelrennte Christen auch jetzt noch sich befinden, darüber mag folgende, obgleich schmerzliche Probe mitgetheilt werden. Von einem protcstanti- 383 schen Prediger in Bremen ist in diesen Tagen ein Buch herausgegeben, in dessen Vorrede aus die Zusammenkunft der Bischöfe in Rom als auf ein heilloses Attentat gegen den Thron Jesu Christi und gegen das Christenthum hingewiesen wird. — Man wolle nämlich in Rom erklären und festsetzen, Maria sey auf übernatürliche Weise (so wird das Wort „unbefleckt" mißdeutet) erzeugt!! Demnach sey sie — daS gehe daraus hervor — als Göttin anzubeten und als die Mutter GotteS in dem Sinne, daß „JesuS ihr seine Gottheit verdanke." Gegen solche Abgötterei, heißt eS dann, müsse man mit allen Kräften auftreten; und der Verfasser warnt wirklich mit naiver Gutmüthigkeit die katholischen Christen vor solchen Ucbergriffen RomS. — Welch eine Unwissenheit! — Und dieser Unsinn wird der katholischen Kirche zur Last gelegt! Und wird von einem Prediger im I. 1354 in der freien Hansestadt Bremen verkündigt! « » « Nach der Turincr Campanone sollen in Piguerol und Genua protestantische Kirchen gebaut werden; die Regierung habe bereits die Erlaubniß dazu gegeben. DaS Echo von Montblanc berichtet mehrere Fälle, wo sich die Propaganda durch Ankauf von Gruuvstückcn in Savoyen sestzus.tzeu sucht. « » « In Neapel begnadigt der König alljährlich am Charsreitag mehrere Verbrecher auf folgende rührende Weise: Der Monarch wohnt mit seiner Familie und dem Hofstaate dem Gottesdienste bei, und nachdem daö Kreuz Christi enthüllt und zum Küssen ans den Boden hingelegt wird, da tritt, wenn der Erzbischof daö Crucifix zuerst geküßt hat, der oberste königliche Haushofmeister herbei, um eS im Namen dcS Königs anch zu küssen, und legt am Fuße dcS KreuzeS in eine silberne Schüssel ein Packet königlicher Decrete, worin die Begnadigung mehrerer Verbrecher enthalte» ist. Hierauf nähert sich der Generol-Procurator deS obersten Gerichtshofes und nimmt nach dem Kusse des Crucifixes die Decrete hinweg und die in denselben bezeichneten Gefangenen erhalten die Freiheit. « * « Belgien. Aus Brüssel wird an die zu Brügge erscheinende Zeitung I.» k>»trie geschrieben: Am Sonnabend den 2l. October versammelte sich der große Orient von Belgien um 7 Uhr Abends in seinem gewöhnlichen Local. Der Hauptgcgenstand dieser Sitzung war die Abschaffung deS Artikels deS Reglements deS großen Orients, welcher den ihm untergebenen Logen untersagt, sich mit politischen und religiösen Gegenständen zu beschäftigen. Der Antrag dazu war, beim großen Freimaurcrsest den 24. Juni am Johannistage von Vcrhaegen und Boulard gestellt. Die Sache fand gar keine Schwierigkeit; von den 24 anwesenden Mitgliedern wurde die Abschaf- fuug des genannten Artikels einstimmig beschlossen. Bei dieser Gelegenheit brach aber eine Spaltung im großen Orient aus, mehrere der angesehensten Mitglieder betheiligten sich nicht nn der eben erwähnten Versammlung, und begnügten sich, durch ihr Nichterscheinen zu protestiren. . . ^ ^'.l>1 ^> :N j »^ , , 5.!-,!! '!!,^ » Nordamerika. Msgr. Hughes, Erzbischof von New-Uork, hat die Bischöfe seiner Kirchenprovinz nebst ihren Theologen und den Ordensobern auf den ersten Sonntag im October zu einer Provincialsynode eingeladen. — Auch der Erzbischof von Baltimore hat die Bischöfe seiner Kirchenprovinz auf den 5. November in seine Metro- politankirche berufen. » «- « Ein amerikanisches Blatt berichtet von einer neuen, in den vereinigten Staaten entstandenen religiösen Secte -„die Zillerer". Der Ort, in welchem sie sich versammeln, ist ein großes, 80 Fuß langes und 6l) breites Gebände ohne Säulen und Gallcrien. Man siehr durchaus kein Mobiliar, ausgenommen einige Stühle für Fremde, die an der Pforte ausgestellt sind, und einige plumpe Bänke, die an die Wände stoßen. Der Gottesdienst (?) wird in folgender Weise abgehalten: Die Frauen treten durch die eine Pforte ein und setzen sich auf die an der einen Seile stehenden Bänke, die Männer machen eS auf der andern Seite eben so. Alle sind gleich gekleidet; die Männer trage» weite Beinkleider und lange blaue Jacken und sind in Hemdärmeln; die Frauen weile weiße Kleider nnd Spitzenmützen. Ost fitzen sie langer als eine halbe Stunde in tiefem Schweigen, die Arme auf die Brust gekreuzt; das leiseste Flüstern ist untersagt. Äus ein gegebenes Zeichen erheben sich Alle, häufen die Bänke in den Ecken auf und stellen sich einander gegenüber. Daraus tritt der Redner des TageS hervor und improvisirt eine Rede. Dann beginnt Gesang ohne Orgelbegleitung. Einige starke Stimmen leiten den Chor. Darauf tanzen sie vor- und rückwärts und gehen zu Drei und Drei die Mauern entlang, wobei die Männer von den Frauen stets getrennt sind. Den Beschluß macht ein anderer Tanz, welcher lebhafter als der erste ist, und bei dem sie zur großen Belustigung derer, die es zum ersten Male sehen, groteske Sprünge machen. UebrigenS säüt die ungcmcine Reinlichkeit in ihren Ansied- lungen auf. Ihre Felder sind sehr gut bebaut und die Secte nimmt rasch zn. (Es gibt also keinen Unsinn, der nicht Anhänger fände.) » Ä> » China. Wie jetzt selbst Protestanten über den gerübmten „chinesischen Apostel" urtheilen, zeigt uns ein Stultgarlcr UnterhalluugSblalt, welches über Gützlaff berichtet: „Während Gützlaff für andere Missionäre möglichst geringe Einlünsle empfahl, lebte cr selbst wie ein kleiner Fürst, gab seiner Frau sür den Hanshalt 30t) Thlr. monatlich, eine Summe, über deren Unzulänglichkeit sie sich seibst noch bei den Missionären beschwerte, halte einen Schwärm von Dienern, wie einen Hofstaat hierarchisch organi- firt, vom Haushosmeister herab bis zum Senftenträger, dabei einen gefüllten Keller, den er gern und fleißig benntzie, und wenn er seinen Chinesen Kanzelvorträge hielt, so brachten sie solche Beredlsamkeit gleich in Verbindung mit dem Weinkeller, und wenn er ihnen bei Strafe der Ercommunication den Genuß des Opiums untersagte, so meinten sie, cS sey doch im Grunde kein anderer Unterschied zwischen Opiumrausch und Wcinrausch, als daß den einen die Chinesen liebten, den andern die Europäer. Eine Folge solcher Kasteinngcn war sein colossaler Bauch und seine Leiden an Gicht und Podagra, und ein Hauptbeweggrund seiner Reise nach Europa, so wie die physische Ursache seines Todes. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Äremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojheitung. 3. December M»- ^N. 1854. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Ab^uuemeniepiei« kr, wofür e« durch alle königl. bayer, Postämter und alle Auchhandluügkn bezogen werden kauu. Trauerrebe für die verlebte Königin Theresia, gehalten in der katholischen Pfarrkirche zu Schweinfurt. „Ich war hungrig, und du hast mich gespeist" zc. Matth. 27, Z7. In welchen Zeiten leben wir? welche Gewalten regen und rütteln sich im Schooße der Zukunft und erschüttern bereits die Gegenwart?! ES zieht sich unverkennbar eine dumpfe Gewitterschwüle durch alle Poren der Gesellschaft, ein ahnungsvolles Bangen hat sich der Völker bemächtigt, große Ereignisse, welterschütternde Katastrophen fordern mahnend ihre Erfüllung — ein neneö Blatt wird umgeschlagen im Buche der Weltgeschichte, beschrieben vielleicht mit Charakteren blutig-roth, erfüllt von tausendfachem Weh. — Wir können nicht hineinschauen in die Rathschlüsse Gottes, wir können nicht entsiegeln das Siegel seiner unerforschlichen Weisheit, aber so viel bleibt sicher: ein Geschlecht ist heraufgestiegen auf die Höhe der Zeit, welches die Zuchlrulhe GotteS noch nicht gefühlt, welches die Furcht des Herrn nicht kennt — diese Generation führt das große Wort, und eö ist das Wort des Uuglaubeus, das Wort der Auflehnung gegen die göttliche Autorität, es ist ein tausendfaches frivoles Nein, wo Gott ein Ja sagt, daö eine Ewigkeit der andern nachhallt! So viel bleibt gewiß: Gott ist die unendliche Liebe, die unendliche Langmnlh; mit dem Blnle seines cingebvrnen Sohnes hat Gott in das Buch der Weltgeschichie geschrieben: Ich bin die Liebe von Anbeginn, die ewige, unerschafsene Liebe! Wenn aber diese Liebe nicht mehr gekannt wird, wenn die Menschen Gottes Barmherzigkeit zur Sünde mißbrauchen, wenn GotlcS Langmuth statt Heilmittel Gift zu werden droht, dann gürtet sich der Herr mit dem Schwerte seiner Slrasgerechtigkcit, dann tritt ein Umschwung ein: erschütternd und zermalmend, aber auch läuternd und heilend. Bereits hat der Herr gewisse Mahnboten vorausgeschickt, eS schlagen warnende Stimmen an nnser Ohr, eS zucken Blitze im Osten, die NahrungSsorge geht wie ein bleiches Gespenst von HauS zu HauS, die Masse der Besitzlosen wächst zur Lawiuc heran, und der Tod zieht aus, um eine große Ernte zu hallen. — Sind wir, gcliebtcste Trauerversammlung, unberührt geblieben von diesen Wahrzeichen deS Herrn, wurde nicht auch unser engeres Vaterland bereits schwer betroffen, ist nicht gerade dieses Jahr ein ewig denkwürdiges durch die Wunden, die es geschlagen?! Kaum hatten wir uns iu Etwas erholt, kaum fiugeu wir an, leichter zu athmen, da streckt sich abermal aus die Hand deS Ewigen, und greift in die höchsten Regionen unseres Staatra»erb.weiten Volkes, wir wollen unserer verblichenen Fürstin daö letzte Lebewohl, die letzte Huldigung bringen. Sie war ja unsere Mutter, wie wir ihre Kini-er; ibre königliche Würde war mit dem Streben, unS Mutter zu seyn, auf das Innigste verschmolzen, sie trug .eine Krone, aber Heller als die Edelsteine in derselben schimmerten die reinen wohlwollenden Gefühle, die sie hegte gegen ihr Volk; sie trug einen Scepter, aber es war der milde Scepter einer mütterlichen Sanftmuth und Liebe, und als sie Krone und Scepter niedergelegt, war sie innerlich doch noch unsere Königin, unsere liebende und geliebte Mutter! Gerne würde ich, geliebteste Trauerversammluug, in detaillirter Ausführung, in Auszählung ctarakreristischer Züge daö reiche Leben der gefeierten Königin Therese Jl',rem Geiste vorführen, wenn ich nickt fürchtete, einerseits dieser großen und schweren Ausgabe nur unvollkommen zu genügen, und anderseits: gerade durch diese Nerein- zeluug von Charaktcrzügen jenen Totaleindruck zu schwächen, wie er bereits bei Vorstellung dieser königlichen Erscheinung Ihrem Gemüthe innewohnt. Nur Eines will ich erwähnen, nur Einen Ton anschlagen, weil er der Grundakkord jenes geliebten und gefeierten Herzens war, das nun nicht mehr schlägt. Ich sage: das menschliche Herz kann eigentlich nur für Eines leben, von Einem Streben getragen und beseelt seyn. AIS im Jahre 1557 durch die kühne Wassenlhat des Herzogs von Guise der Schlüssel Frankreichs, die Stadt und Festung Ealais für die Engländer verloren ging, war die Königin Maria von England schlechterdings nicht zu trösten, ein Jahr darauf lag sie auf dem Sterbebette und brach hier in die schmerzlichen Worte aus: „Wenn ihr nach meinem Tode meine Brust öffnet, so wird der Name Ealais in mein Herz geschrieben stehen" — so war die Ehre der englischen Nation mit dem Pulcschlag dieser Köuigiu Eins gewesen. Wir loben, wir bewundern ein solch königliches Herz, allein um wie viel mehr müssen wir das Leben und Streben unserer Fürstin Theresia loben, indem sie füglich sagen konnte: „Wenn ihr nach meinem Tode meine Brust öffnet, so werden tau end Namen von Armen und Nothleidenden in derselbe» verzeichnet stehen." Ja, diese Liebe zu den Armen, dieser Drang, dem menschlichen Elend liebeselig zu begegnen und die Wunden desselben zu verbinden, diese Sehnsucht, zu geben und wieder zu geben und immer zu geben, dieses Hochgefühl, im 387 Armen und Kranken und Nochleidenden dos gemarterte Antlitz Jesu Christi zu erkenne», die Thränen deS Herrn zu trocknen, seine Schmerzen zu stillen und in Freude zu verklären, daS war der Herzschlag unserer gefeierten Königin, das war der Opferblüihe»- duft ihreS stillen Lebens, daS war der Grundton ihres Gemüthes. Die Miitter s^rgt zunächst, wenn sie auch der gesunden Kinder nicht vergißt, doch vor Ml-m für die kranken, für die leidenden und hilfebedürftigen, diesen ist sie vor Allem nahe, diesen weiht sie Ange und Haud, für diese gießt sie den volle» Opferstrvin ibreS liebenden Herzens auS — und so, Geliebtrste, ist das Leben unserer gefeierten Fürstin ein langer, himmelreincr, sonniger, Segen in Fülle bringender Tag gewesen, und so ist sie vorübergegangen wie eine große Sonne, die Leben spendet allüberall. Wie viele Thränen wurden von ihr getrocknet, wie viele müde geknickte Herzen richieten sich am Strahl ihrer königlichen Liebe empor, wie viel neue LebeuShoffmiugen wnrd.n durch ihren Hauch entfacht, wie viel Kranke, Gebeugte, Lebensmüde, gegen G^'tt und ihr Geschick Grollende wurden wiederum durch sie mit Gott und ihrem Schicksal versöhnt! — DaS ist freilich der große Vorzug, das Prärogativ der Fürsten uud Großen dieser Erde, das kleidet sie in den Abglanz göttlicher Würde, daß sie Ströme von göttlichem Segen allhin auSgießen können, daß sie Gelegenheit haben, mit einem einzigen Federstrich mehr GuteS zu wirken, als wir Alle in uuserm ganzen Leben. Aber, Geliebieste, cS ist nicht so leicht für ein Menschenherz, eS gehört ein großer, ei» christlicher Heroismus dazu, diese Stellung beständig zu begreifen und zu behaupten, denn daS Hofleben ist eine eigene Welt, und ein Fürst bedarf eines HofeS; er ist eS sich und seinem Volke schu-big, seine Würde in äußern Glanz zu kleiden. Was nur ein Land Großes, Herrliches, Ästhetisches, Kunstsinniges, Feines, Erhabenes bietet nach allen Gebieten und Richtungen hin — alte diese Strahlen fließen im Fürsten und dessen Hof in Eine» Lichtherd, in Einen Fokus zusammen; so bildet sich um den Fürsten ei» eigenthümlicher Zauber kreis, eine Lichtatmosphäre deS Feinsten und Höchsten, was daö Lebe» bietet, und eS ist begreiflicher Weise für ei» Mcnschenherz schwer, opferreich uud im höchsten Grade heldenmülhig, von diesem Zauberkrcis sich nicht blenden und fesseln zn lassen, sondern oft uud freudig herabzusteigeu von dieser sublimen Höhe, mit tausend und tausend Sorgen sich zu belasten, tntz Verkennung und Undank das Wohl und Wehe auch deS Geringsten auf die fürstliche Schulter zu nehmen, und mit der tausendfachen Noth deS Lebens im Volke einen fortwährenden Kampf zu bestehen; die Geschichte zeigt, daß mancher Fürst an dieser Klippe gescheitert bei einem sonst guten Herzen und redlichen Streben. Anders unsere gezierte Theresia! Der Glanz des Heflel enS hat sie nicht geblendet, hat keine Schranke gebant zwischen ihr und ihrem Volk, ihr Herz schlug für des Volkes Wohl und ihre Hand war stets geöffnet, wohlzuthun und die socialen Wunden zu heilen. „Geben war ihr süßer denn Empfangen" — und so möge der König der Könige sprechen: „Ich war hungrig, und du hast mich gespeist" w f. f., und wenn sie sagt: Herr, wann habe ich dich je hungiig oder durstig oder obdachlos oder wund und krank gesehen? so wird der Herr zu ihr sa^eu: „Was du dem Geringsten von nieine» Miibrüdern, dem Geringsten ans deinem Volk gethan, das hast du mir gethan! Geh ein in die Freude deines Herrn!" Und nun, verehrieste Tranervcrsammlnng, soll dieß schöne reiche Leben in seinem Thatenschmiick und sinniger Hoheit an uns vorübergegangen seyn, ohne eine duftreiche Blülhe unserem Gemüthe zn entlocken, ohne eine edle Frucht in uns zu reifen? O tewiß nicht! Wir wollen nur um so entschiedener halten zu Thron und Vaterland, wollen um so treuer ergeben seyn unserm König, und zwar aus Liebe zu Gott, mit der vollen Wärme eines religiösen Herzens! Wir Wolleu, wenn eS gilt, mit Muih und Vegeistirung einstehen für deS Königs gerechte heilige Sache, mögen auch in rumänischer Tiefe feindliche Elemente sich entfesseln und gegen uns anstürme». Fürst und Vaterland! y-ilig und unzertrennlich sind diese Begriffe. Wer nur eine» Funken Vaterlandsliebe hat, der wird seinen Fürsten ehren, und wer seinen Fürsten nicht ehrt, der ist nicht werth, daß er die Luft der Heimat athmet, daß ihn die vaterländische Erde trägt. Z83 Wir wollen aber auch beten für unsern König und unser Vaterland. Wissen wir denn, waS auf unS wartet? Wenn der Herr sagt: „Ich will den Hirten schlagen und die Heerde," können wir den Arm des Herrn anders aufhalten, als durch Gebet? Bereits hat vom Mittelpunct der Welt auö der heilige Vater seine Stimme erhoben und ermahnet alle Völker zur Buße und zum Gebet — denn, wie ich Eingangs gesagt: wir gehen einer ernsten Zukunft entgegen! Der Heiland sagt in gewohnter göttlicher Präcision: „Wo das AaS ist» da sammeln sich die Adler!" Und läugnen wir eS nicht: viel AaS, viel sittlicher Unrath, viel verderbliches MiaSma hat sich aufgehäuft seit mehr denn dreißig Jahren. Kunst und Wissenschaft haben zwar den herrlichsten Aufschwung genommen, aber ihr Streben ging vielfach dahin, sich von Gott zn emancipiren. Der menschliche Geist will seine Apotheose seiern, sich an die Stelle Jesu Christi selber sehen, sein eigener Heiland und Bescliger seyn. Der Mensch, daS ist der Gott deS neunzehnten Jahrhunderts, und der ewige lebendige Gott, so sagt die diabolische Weisheit der Zeit, der ewig lebendige Gott ist als blinde Welt- sccle geboren; in die Bande seiner Schöpfung, seiner Naturgesetze eingewickelt, kommt er erst im Menschen zum Selbstbewußtseyn und zur freien Selbstbestimmung — so steht der Mensch auf dem Piedestal der Schöpfung, als der einzige Gott, aber ach, ein Gott mit der Schellenkappe der Thorheit und mit dem Stempel der Erbärmlichkeit! Und dieser Wahufinn uennt sich Wissenschaft, und solcher Unglaube hat bereits die Massen vielfach durchsäuert, mit frecher Stirne werden die schwersten Sünden begangen, der Eiv zum Allerhöchsten ist fast zur leeren Ceremonie geworden, der letzte Anker der Gesellschaft: das Gewissen im Volke beginnt haltlos hin- und herzuschwanken, die Verbrechen häufen sich, die Kerker füllen sich — ach, TodcSwunden überall! Wenn nun der Herr sagt: Ich will mich erheben, die Völker zu schlagen, ich will meine Tenne säubern, ich will meine Ehre fordern, die Köpfe der Drachen will ich zermalme» und die Cedern Libanons zerschmettern, ich will die Völker durcheinander rütteln wie man den Waizcn siebt, und ein Feuer will ich in meinem Eifer entzünden — groß uud furchtbar, um die Spreu zu vernichten und ein frommeres Geschlecht zu erziehen — müssen wir dann nicht kniefällig anbeten die Gerichte deS Ewigen? Beugen wir unS jetzt schon unter seine heilige Hand, umklammern wir Hilfe suchend die Füße unseres gekreuzigten Erlösers und bekennen wir unS durch Wort und Wandel zn Dem, der die Wahrheit und das Leben ist! Amen. Die Concilien des ersten christlichen Jahrhunderts. Die apostolische» Constitutionen. Fünftes Duch. Von den Märtyrern. Wer denen, welche um deS NamenF Jesu willen von den Ungläubigen verfolgt und gemartert werden, irgend eine Erleichterung gewährt, zu dem wird der ewige Richter einst sagen: kommet, ihr Gesegneten meines Vaters und nehmet daS Reich in Besitz, welches euch seit Gründung der Welt bereitet war(1); und wie man sich beflecket durch den Umgang mit Mördern und Ehebrechern, so nimmt man dadurch Theil an der Krone deS Martyriums, wenn ihr auch von den Tyrannen eures Umgangs mit den heiligen Märtyrern wegen Züchtigung zu dulden habet (2). Leistet ihnen somit alle mögliche Hilfe und sollte euch selbst Gefahr drohen (3). Etwas Schreckliches aber würde eö seyn, wenn Einer Christum verläugnete aus Furcht vor den Menschen (4); während Christus JesuS alle Güter der Erde, selbst das Leben verschmähte, aus Liebe zum Vater und zu den Menschen; glückselig sind ja diejenigen, welche er der Theilnahme an seinem Leihen würdigt. Indessen sollen wir keineswegs absichtlich der Verfolgung und Marter unS entgegenstürzen (5); haben wir aber unseres Glaubens wegen 389 Qualen und Verfolgungen zu leiden, dann weist uns der Glaube auch hin auf den Tag der Auferstehung; derjenige, welcher den Adam ans Erde gebildet, der den Sohn der Wittwe durch EliaS, der den LazaruS und viele Andere vom Tode erweckte, ja selbst vom Tode auferstanden ist, wird auck uns auferwecken am Tage dcS Gerichtes; viele Helden glaubten schon an eine Unsterblichkeit und stellten die Auferstehung unter dem Bilde des Vogels Phönir dar (6). Die heiligen Märtyrer aber sollet ihr ehren wie den heiligen Bischof JacobuS und den heiligen StephanuS (7), wenn solche wirklich ihres Glaubens wegen getödtet wurden (8). Hütet euch vor allen ausgelassenen, sündhaften Vergnügungen, welche eure Feste entweihen (9), am meisten aber fliehet den Götzendienst (10), schwöret nicht bei den Göttern und betet die Gestirne nicht an (11), Haltet feierlich eure Feste, besonders die Geburl deö Herrn, die Epiphanie und Ostern, beobachtet auch die vierzigtägige Fasten und (12) rufet euch das Leiden des Herrn ins Gedächtniß zurück (13), in der heiligen Woche sollet ihr faste» und zwar am Mittwoche zur Erinnerung an den Verrath nnd am Freitag zum Gedächtnisse des Leidens unsers Herrn, am Samstage aber bis zum Hahnenrufe, weil der Herr der Welt im Grabe liegt (14). Wie groß war doch die Verstocklheit der Juden, welche die Prophezeiungen nicht erkannten und den Heiland kreuzigten; darum ist ihnen auch daS Reich genommen und euch zugetheilt worden (15). DaS Osterfest sollet ihr hierauf zur bestimmten Zeit des JahreS mit allem Eifer begehen und euch an eure Erlösung erinnern (16). Fastet somit in der Chanvoche vom Montage cmgejangen und enthallet euch von Wein und Fleisch, am Freitage und EamStage aber sollet ihr, wenn die Gesundheil eS gestattet, gar nichts genießen (17); und an diesem letzlern Tage vom Abende bis zum Hahnenrufe versammelt seyn, das Gesetz und die Propheten lesen, die Katechumenen taufen und euch erbauen; dann leget die Trauer ab und feiert daS heilige Opfer zum Gedächtnisse Jesu. Am achten Tage darauf erinnert euch nochmals an die Auferstehuug des Herrn und nach vierzig Tagen sollt ihr seine Him- melsahrt feiern (18). Am zehnten Tage nach der Himmelfahrt sollt ihr daS Fest der Sendung deS heiligen Geistes besonders feierlich begehen und dieses dauere eine gan^e Woche hindurch, die darauffolgende Woche sey eine Bittwoche, und da soll am Mittwoch und Freirag gefastet werden (19). Sechstes Auch. Von den Schismatikern und Ketzern. Die Bischöfe mögen sich besonders vor aller Häresie bewahren, und sich nicht vom Ehrgeiz zu einer Trennung verleiten lassen, damit es ihnen nichl gehe wie Dathan, Abiron und Anderen (1). Jede Auflehnung gegen die geistliche Obrigkeit ist überhaupt wie gegen die wellliche sehr sträflich (2); schon im alten Bunde strafte Gott so schrecklich den Trotz und die Widerspenstigkeit gegen Moses (3). Lasset euch deßhalb warnen, daß ihr euch nicht von der Kirche trennet und mit den Ungläubigen verbindet^), es könnte euch gehen, wie dem Volke Israel, i»S der Herr jetzt ver- worfen(5); ihr sehet es in Secten zerfallen und unter sich selbst uneinS (K). Auch an uns haven sich dereils die Ketzer gemacht und wollten unS täuschen, wie Simon der Magier (7). Hütet euch vor denjenigen, welche ihre Irrthümer unter euch verbreiten möchten, wie dieser Simon der Magier, CorinthnS, Menander, BasilideS und Andere (8). Simon wvllle mit Hilfe des Satans sogar Wunder lhun und durch die Lust fliegen, er wurde aber durch Petrus gestürzt (9). Eö gibt ferner solche, welche Gott lästern, die Unsterblichkeit der Seele läugnen, sich den schändlichsten Lüsten hingeben, und andere greuliche Irrthümer verbreiten, sie sind Werkzeuge des Teufels (10). Wir bekennen dagegen nur einen Gott, den Schöpfer aller Dinge, der ewig ist und in einem unnahbaren Lichte wohnt, der sich uns aber geosfeubaret hat durch das Gesetz und die Propheten, der Vater des eingebornen SohneS Jesu durch den heiligen Geist. Wir glauben an den menschgewordenen Sohn Gottes, der für unsere Sünven gelitten hat, gestorben nnd auferstanden, nnd zum Himmel aufgefahren ist. Wir glau- 390 ben, daß alles Geschaffene gut ist, also auch keine Speise sündhaft; daß die rechtmäßige Ehe nichts Entehrendes hat, und nur unrechtmäßige und widernatürliche Geschlechts- Verbindung sündhaft und verboten sey; daß die Seele des Menschen mit Vernunft und freiem Willen beaabt »nd unsterblich ist, daß alle Menschen vom Tode auferstehen werden zum Gerichte. Wir g'auben auch, daß Christus kein bloßer Mensch war, sondern Wort Gottes, Gottmenfch, unser Mittler und Hohepriester beim Vater; und daß die jüdische Beschneidung nicht mehr nothwendig sey (11) So haben wir Apostel beschlossen auf der Synode zn Jerusalem (12) und haben den Gläubigen darauf geboten, den Umgang mit denen zu fliehen, welche der wahre» Lehre widerstreiten (13), Eben so haben wir u»S gegenwärtig versammelt, euch die wahre christliche Lehre hier mitzutheilen (14), Die Taufe soll nur einmal ertheilt werden von dem verordneten Priester und auf den Namen des Vaters, des SohneS und des heiligen Geistes; ihr jollet von keinem Ketzer euch taufen lassen und die Taufe nicht ausS Todbett verschieben (15); wie den Umgang mit den Ketzern, so sollet ihr auch ihre falschen Schriften fliehen (16). Der Bischof, Priester und Diacon sollen nur Eines WeibeS Mann seyn, wenn sie aber einmal ordmirt sind, sollen sie nicht mehr hcirathen; nur die Kleriker der vier niedi-ren Grade dürfen heiraiheu, aber keiner soll eine Hme, eine Tienstmagd, eine Wittwe oder Verstoßene zur Frau nehmen; zur Diaconissin werde nur eine keusche Jungfrau, oder eine zuverlässige Wittwe genommen, welche nur eiumal vcrheirathet war (17). Wie eö der Wille Gottes ist, die Nenmüthigen aufzunehmen, unv wenn sie noch nicht getauft sind zu taufen, so sollen die hartnäckigen Ketzer ausgeschlossen und ihr Umgang gänzlich gemieden werden (18). Das Gesetz Jesu Christi ist somit einfach und vollkommen und die Erfüllung der zehn Gebote ganz übereinstimmend mit dem Naturgesetze (19), eS ist für uuS hinreichend, wie die Gesetze deS alten BundiS ganz nach dem HerzenSznstande deS jüdischen Volkes eingerichtet waren (20). Ihr vorher zum Götzendienste geneigter Sinn mußte erst bezwungen werden, wir aber gehorchen freiwillig und stehen so unier dem Gesetze der Gnade (ZI). Die blutigen Opfer hat der Herr ausgehoben, indem er sie erfüllt hat (22), das Naturgesetz hat er nech vervollkommnet durch seine Gebote, ebenso hat er das Priesterthum in ein neues umgeschaffcn, zudem uicht blos mehr ein Stamm berufen war; statt der täglichen Waschungen hat er das heilige Sacrament der Taufe und statt der blutigen Opfer das große geheimnißvolle unblutige Opfer seines Fleisches und Blutes eingesetzt, das nun überall gefeiert wird (23). Haltet fest an diese Gebote und blicket hin auf die Juden, welche in die römische Knechtschaft gerathen sind, weil sie dem Herrn untreu wurden (24); hütet euch vor denen, welche Gott lästern, indem sie die Gottheit Christi unv seine Ewigkeit läugnen, indem sie gewisse- Speisen und die Ehe für sündhaft erklären (25). Leget auch alle heidnischen Norurlheile und Gebräuche ab, ihr könnet euch durch nichts verunreinigen, was natürlich ist, nur durch Uebertretung deö Gesetzes (26), durch Ehebruch und Hnrerei, durch unnatürliche Sünden und verbotene Lust (27). Das Weib soll ihrem Manne in aller Liebe unterworfen seyn und der Mann sein Weib lieben wie seinen eigenen Leib, Hurerei und Ehebruch aber können durch alle Flüsse der Erde nicht abgewaschen werden (28). Die jüdischen und heidnischen Gebräuche, die V^ruureiuiguugen und Waschungen gelten nicht für euch, schmücket euch vielmehr mit Tugeud und Heiligkeit und ihr werdet der Verheißungen Christi ihcilhafr werden und die Herrlichkeit Gottes schauen, wie StephanuS, ihm sey Anbetung und Ehre durch Jesum Christum dem allmächtigen Gotte jetzt und in Ewigkeit. Amen (29). Siebentes Ruch. Vom christlichen Leben, dem Gebele und dem Unterrichte vor der Tauf e. ES gibt zwei Wege, die der Mensch gehen kann, der eine führt zum Leben und der andere zum Verderben, jener ist uns von Gott vorgeschrieben, dieser ist der Weg deS 391 bösen FeindeS (1); den Weg des Lebens wandelt derjenige, welcher daS Gesetz erfüllet und die Gebote Gottes beobachtet (2); den Weg des Verderbens aber geht der Mörder, der Ehebrecher, der Knabenschänder, der Hnrer und Dieb (3); der Zauberer, der Meineidige, ebenso wer seine Kinder tödtet und falsches Zeugniß gibt (4), der Verleumder und Chrcnräuber, der Rachsüchiige, der Achselträger, der Schwätzer, Lügner, Betrüger und Heuchler (5), der Scheinheilige und Hochmülhige, der Zornige, Neidische und Haßsüchtige (6), der Schmähsüchtige, Unmäßige und Geizige und Ehrsüchtige, wer sich den heidnischen Augurien hingibt (7); wer boshaft und hartherzig ist (8). Seyd deßhalb milde, nachsichtig und barmherzig gegen Andere; seyd rein nnd gotteS- fürchtig, und geduldig im Leiden (9); ehret die, welche euch das Wort Gottes verkünden wie eure Ellern (10), verursachet leine Trennung, sondern strebt den Frieden in der Kirche zu erhalten, urcheilet nach Recht und Gerechtigkeit (II)! werdet nicht kleinmülhig (12), seyd freigebig und theilet das Eurige mit den Dürftigen, ziehet die Hand nicht ab von eurem Sohne, sonder» lehret ihn Furcht des Herrn (13), seyd liebevoll gegen eure Dienstboten und diese sollen gehorsam nnd fleißig seyn (14); haltet heilig die Gebote GolteS (15), ebret die Eltern nnd liebet eure Verwandten (16), achtet die Obrigkeit und entrichtet eure Abgaben (l7), nahet euch dem Herrn mir einem reinen Herzen im Gebete (18); denn wenn ihr dieses nicht thut, dann geht ihr den Weg des Verderbens, der voll Gotllesigkeit und Ungerechtigkeit ist (19); wendet euch also incht ab von der Frömmigkeit (ZV) und genießet die Güter der Erde, Speise und Trank mit Mäßigkeit und Tank (21), enthaltet euch aber vom Gotzcnfleische (22). Die Taufe soll nach der Vorschrift deS Herrn verrichtet werden, der Täufling aber empfange zuvor die Salbung mit Oel und nach der Taufe die Salbung mit dem Chrisam, er soll auch vor der heiligen Taufe fasten (23); außerdem sollet ihr nur am Minwoch und Freitag fasten, znm Gedächtnisse deS Leidens und TodcS Christi, ebenso am Eharsamölag, wo der Herr im Grabe lag, den Sabbat sollet ihr seiern zur Erinnerung an die Schöpfung, und den Tag deS H.rrn zur Erinnenmg an seine Auferstehung (24), Betet nicht wie die HencdKr, sondern machet euch würdig. Gott euer» Valcr nennen zu dürfen, und be>et wie der Herr vorschreibt und uns gelehrel hat (25). Seyd dem Herrn tankbar für Alleö, beionders für die kostbare Speise seines heiligen Fleisches und BlutcS (Gebei) (26), Bereitet euch würdig ans deren Genuß vor (Gebet) (27). Reiche! keinem Ketzer das heilige Abendmahl nnd betet bei der heiligen Oelung (Gebe!) (28), Habet keine Gemeinschaft mit den falschen Propheten (29). Reichet den Priestern des Herrn die Erstlinge eueres Gewinnes, damit der Segen Gottes darauf ruhe, und gebet den Witiwcn uud Armen den zehnien Theil davon (30). Am Tage des Herrn sollet ihr znscunmen kommen und Gott loben und preisen für seine Güle (31). Wählet euch würdige Männer zu Bischöfen und Priestern, und hallet sie iu Ehren (32); denket an das Weltende und an das Gericht (33). (Anbetung der göttlichen Vorsehung bei der Erschaffung und Erhaltung der Welt, Danlgebcte für die Erlösung uud die vielen Gnaden, welche uns durch dieselbe zugeflossen sind 34—39). Vor der Taufe sollen die Katechumeueu unterrichtet werden in den Wahrheiten unserer heiligen Religion, zugleich aber soll für sie gebetet werden, daß der Herr sie erleuchle und ihre Herzen öffne (40). Daraus sollen sie erst dem Satane und allen bösen Werken abjchwören (41); und das christliche Glaubensbekenntniß ablegen, ehe mit der Salbung begonnen wird (42). DaS Oe! aber werde vorher vom Bischöfe geweiht (43) z ebenso wie das Tanswasser, ehe es gebraucht wird (44), uud daS heilige Chrisam (45), und endlich bete der Priester für den Getauften (46). Zum Schlüsse theilen wir euch die Bischöfe noch mit, welche wir Apostel ordinirl haben, diese sind: JacobuS, Simon Cleophae, Juda der Sohn deS JacobuS, ZachäuS, Cornelius, Theophilus, EvodiuS, JgnaliuS, AnnianuS, AbiliuS, Linus, Clemens, Timotheus, JoauneS, Ariston, SlraleaS, Ariston der andere, CajuS, DemctriuS, Lucius, TiruS, DionysiuS, Mar- thon, ArchippuS, Philemon, Acesimus, CrescenS, Aquila, NicetaS und CrispuS (47). 39Z Kirchliche Notizen. AuS Freiburg schreibt die „Bad. LcmdeSztg.": Der Besuch an hiesiger Universität hat auch dieses Wintersemester, wie gewöhnlich, zugenommen. Bon den dieses Semester neu zugegangenen Studirenden widmen sich bei Weitem die meisten der Theologie; überhaupt ist der Zndrang zur Theologie seit einigen Jahren gewachsen und die Hörsäle sind wieder, wie in frühern Jahren, von den Candidaten derselben gefüllt. « « '»HittOz St«« «:i?r ÄiNt i°?iiü5-?»"' jen, das angegebene Wcihegebet laut spreche», während die anwesenden Bisccöfe und Priester dasselbe stille milbeteu (4). Am Schlüsse antworten die Piiestcr uud das Volk: Ämen. Man bringt dem Ordinirten eine Hostie, geleitet ihn an seinen Thron und da geben ihm die andein Bischöfe den Fliedcnekuß; darauf beginnt die Lesung der heiligen Schrift und der Ordinirte bringt der Kirche seinen Gruß: „Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe GetleS des Vaters und die Gemeinschaft mit dem heiligen Geiste sey mit euch Allen/' Alle antworten: „Und mit deinem Geiste", und er hält nun eine Erbauungsrede; der Diacon fordert die Büßenden und Ungläubigen auf, sich zu entfernen und er mahnt zum Gebete für 397 die Katechumenen; die Gläubigen beten für sie daS Kyrie eleison, und der Diacon fordert die Gläubigen auf zum Gebete für die Katechumenen, woraus sie den Segen deS Bischofs empfangen und sich entfernen. Der Diacon fordert auf, für die Energumenln zu beten, daß Gott sie befreien möge von den bösen Geistern (6), und der Bischof spricht über sie den angeführten Segen; nachdem diese vom Diacon ermahnt sich entfernt haben, fordert er auf für jene zu beten, welche getauft werden wollen; sie neigen sich und der Bischof spricht über sie den Segen (7). Der Diacon heißt sie fortgehen und ermahnt für die Büßenden zu beten, daß der Herr ihre Schuld - vergeben möge; alle Anwesenden sprechen daS Kyrie eleison und der Bischof betet den Segen über sie (8). Der Diacon fordert nun Alle auf, welche dem heiligen Opfer nichc beiwohnen dürfen, sich zu entfernen, und ermahnt die Gläubigen auf den Knieen Gott zu bi ten (9) für den Frieden aus der ganzen Erde, für die katholische Kirche, für die Diccese, sür die Bischöfe, für den gesammten KleruS, für Jungfrauen, Wittwen und Waisen, für die Cheleute, für die Asceten, für alle Gutthäter der Kirche und dir Armen, für die Neugeiauftcn, für die Kranken und Reisenden, für die deS Glaubens wegen Verfolgten und für die in Gefangenschaft Schmachtenden, für Feinde und Verfolger und alle Ungläubigen und Ketzer; endlich für die Kinder und für jede christliche Seele (lv). Alle erheben sich und der Bischof spricht den Segen, hierauf grüßt der Bischof die Gläubigen mit den Worten: „Der Friede GottcS sey mit Euch Allen!" daö Volk antwortet: „Und mit Deinem Geiste," dann folgt der Jriedenskuß, welchen die Kleriker dem Bischöfe, die Laien, Männer unter sich und Frauen unter sich einander geben. Die Diaconen sorgen dafür, daß keine Unordnung einsteht; eben so sollen Diaconen und Subdiacomn vn den Kirchenthüren styn, damit Niemand sich enifeine, und die Thüren während dcS OpscrS nicht geöffnet werden. Ein Subdiacon reicht den Priestern daS Wasser zur Händewaschung (i l) Nun beginnt die eigentliche Messe, nachdem deßhalb ein Diacon ucchmalS crmahnt hat, daß kein Katcchume, kein Büßender, Ungläubiger oder Ketzer anwesend und die Gläubigen in aller Ehrfurcht beiwohnen sollen, bringen die Tiaconen die Gabcn zum Aliare vor den Bischof, welcher rcchis und links von den Priestern umgeben ist; zwei Diaconen geben an beiden Seilen des Altares auf den Kelch Obacht, daß nichts hineinfalle. Der Bischof tetet leise mit den Priestern, bezeichnet sich, angethan mit d>m glänzenden Gewände, auf der Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes und spricht: „Die Gnade GottcS dcS VaterS und die Liebe unsers Herrn Jesu Christi und die Gemeinschaft mit dem heiligen Geiste sey mit Euch Allen" und alle antwort.n: „Und mit Deinem Geiste." Bischof. „Hebt eure Herzen empor!" Volk. „Wir haben sie bei Gott." Bischof. „Laßt uns Gott Dank sagen!" V^lk. „So ist eS würdig und recht." Bischof. Ja, wahrhast würdig und recht ist eS ic Volk, Amen. Bischof. Der Friede GorreS sey mit Euch Allen! Volk. Und mit Deinem Geiste (12). Der Diacon fordert auf zum Gebete, daß Goit das Opfer gnädig aufnehmen möge für die Kirche nnd der Bischof betet laut zu Gott. Der Diacon spricht wiederum das „Laßt u»S gesammelt seyn" und der Bischof: „Das Heilige nur für Heilige." Volk: Einer ist heilig. Einer der Herr, Einer ist Christus. Hochgelobt zur Ehre GotteS deS VaterS in alle Ewigkeit. Amen. Ehre sey Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die eines guten Willens sind: Hvsanna den, Sohne Davidö: Gelobt sey, der da kömmt im Namen deS Herrn. Hierauf cvmmunicirt der Bischof, dann die Priester, Diaconen und Subdiaconen, die Lcctoren, Cantonn und Asceten, die Diciconissinen, die Jungfrauen und Wittwen, endlich die Kinder und daS ganze Volk. Der Bischof reicht die Communion mit den Worten: „Der Leib Christi" und der Empfangende antwortet: Amen; den Kelch reicht der Diacon und spricht: „DaS Blut Christi der Kelch deS LebenS" und der Empfangende antwortet: Amen. Während der Communion wird der 33fte Psalm rccitirt; 398 und wenn dieß vorbei ist, nehmen die Diaconen die Ueberbleibsel und bringen sie in den Tabernakel (lg). Hierauf ermahnt der Diacon zum Danke für die Theilnahme an dem kostbaren Fleische und Blute Christi u. s. w. (14) und der Bischof betet die bestimmten Gebete nach der Communioii. Der Diacon fordert die Gläubigen auf, sich zu beugen vor Gott zum Segen und der Bischof betet den Segen über das Volk, zum Schlüsse spricht der Diacon: „Gehet in Frieden" (15). Bei der Priesterweihe legt der Bischof in Beiseyn der Priester und Diacone dem Weihecandidaten die Hände auf und betet über ihn daS'Wcihegebet (16): ebenso legt er dem zu weihenden Diaconen im Beiseyn der Priester und Diacone die Hände auf (17) und betet das Weihegebet (18), dasselbe geschieht bei der Weihe der Diaconifsincn (19, 20) und der Subdiaconen (21); auch dem Lector, welchen der Bischos erwählt h.u, legt er unter Gebet die Hände auf (22). Besonders Bekenncr deS NamenS Jesu machen sich würdig der heiligen Weihen, sie sollen sich aber nicht eigenmächtig diese vindiciren (23); die Ausnahme in den Stand der Gott geweihten Jungfrauen und der Wittwen geschieht nicht durch Ordination, sondern durch ihren freien Willen (24, 25), ebenso wird das Erorcistat nicht durch die Ordination, sondern durch besondere Gnade Gottes verliehen (26). Der Bischof soll wenigstens von zwei Bischöfen ordüu'rt werden (27), die übrigen Weihen ertheilt ein Bischof; ebenso kann mir der Bischof oder Priester den Segen ertheilen und die unter ihm stehenden Grade ercommum'ciren, der Diacon soll nicht taufen oder comccriren, sondern den Gläubigen nur die Commnnion reichen; überhaupt soll kein Kleriker sich die Verrichtungen eincS höheren GravcS anmaßen (23). Die Weihe des WasscrS und des Oelcs kommt dem Viichose zu und in dessen Abwesenheit dem Priester, er spreche dabei daS Weihegebet (29). Die Erstlinge aller Früchte sollen dem Bischöfe, den Priestern und Diaconen gehören, die Zehnte aber werden zum Unterhalte der übrigen Kleriker, der Jungfrauen, Wittwen und Armen verwendet (30); waö vom heiligen Opfer übrig geblieben ist, soll unter die Geistlichen und Di.'coni sinen vertheilt werden (3t). Besondere Vorsicht soll angewendet werben bei der Anfnahme in die Kirche und der Zulassung zur Tause; vor Ällem sollen nur solche aufgenommen werden, welche aus reiner Absicht und mit dem Versprechen, ein wahrhafl christliches Leben zu führen, sich zur Taufe melden. ^ Slle, welche ein verdächtiges Gewerbe treiben, wie Unzüchtige, Zaubererund Wahrsager, Schauspieler, Fechter, Wagcnlenkcr. Schnellläufcr, Mnsicanlen, Tänzer uns Gaukler, oder Verfertiger von Götzenbildern werden nur unter der Bedingung ausgenommen, daß sie ihr Gewerbe soglu'ch verlassen, außerdem werden sie wieder entlassen. Will eine Ungläubige, welche im Concubinat gelebt hat, übertreten, so stll sie angenommen werden, wenn sie nur mit einem Manne zu thun hatte; hat ein Gläubiger eine Eoncubine, und sie ist seine Leibeigene, so soll er sie entlassen, ist sie aber ei>e Freie, so soll er sie zur rechtmäßigen Frau nehmen, Daö Katechumenat dauert rrei Jahre, kann aber abgekürzt werden, wenn cm Katechumene besondere Frömmigkeit und Begierde nach der Taufe zeigi; die Katecheten, wenn sie auch Laien sin?, soüen erfahren seyn im Worte GoteS und ein tugendhaftes, sittliches Leben führen (32). An folgenden Tagen sollen alle Knechlöarbeilen ruhen, nm Satchat zum Gedächtnisse der Schöpfung, und am Tage deS Herrn zur Erinnerung an seine Auferstehung, die ganze Ehar- und Osterwoche, am Himmclfahrtstage, am Pfingstfeste, an Weih nullen, am Feste der Epiphanic, an den Apostelragen, am Tage des heiligen St.phaiiiiS und andirer heiliger Märtyrer (33), Beten sollet ihr zur Morgenstunde, zur dritten, sechsten und neunten Stunde, am Abende und beim Hahnenruf; wenn die Zusummcnkünfte iu den Kirchen von den Ungläudigen mrhindcrt werden, so mag der Bischof die Gläul igen in einem Hause versammeln, und ist auch dieses nicht möglich, so bete und singe Jeder für sich; nur sollen auch da die Katechumenen ausgeschlossen seyn vom Gcbete (34). Wenn der Bischof die Gläubigen zum Abendgebete versammelt hat, und der Abendpsalm (der 149.) gebetet ist, fordert der Diacon auf zum Gebete für die Katechumenen, Energumenen, für die Ncugetauften und Büßenden (35); und nachdem die Lichter angezündet sind, zum Gebete für alle Gläubigen, daß 399 der Herr sie allezeit schützen möge (36); der Bischof spricht nun ein Abendgebet und nachdem der Diacon die Gläubigen ermahnt hat: Inclinste sci impositicmem msnus, ertheilt der Bischof den Abend segen und der Diacon schließt die Versammlung: Lxite in pave. Ebenso wird am Morgen der Morgcnpsalm, dann die Gebete für die Katechumenen, Energumenen u. s. w. gebetet, und nachdem diese entlassen sind, ermahnt der Diacvn zum Gebete, daß Gott diesen Tag und alle Zeit deS LebenS unS'schützen möge (37), der Bischof betet daS Morgen geb et (38), und gibt den Morgensegen; worauf der Diacon: ^dito in psce (39). Auch für die Früchte des Feldes soll das vorgeschriebene Gebet verrichtet werden (4l)), so wie auch für die in Christo Verstorbenen (41); die Erequien für diese werden am dritten, nennten und vierzigsten Tage abgehalten und am Jahrestage ihr Gedächtniß dadurch gefeiert, daß von ihrer Hinterlassenschaft Spenden an die Armen verabreicht werden (42); dieses gilt aber nur von den frommen und gläubig«. Verstorbenen (43); bei den Todtcn- mahlen soll indeß die größte Ordnung, Mäßigkeit und Nüchternheit herrschen (44). Flüchtlinge» welche ihres Glaubens wegen aus einer andern Stadt vertrieben wurden, sollen gastliche Ausnahme und Unterstützung finden (45). Jeder soll zufrieden seyn mit der Stelle, welche er in der Kirche einnimmt und die Ordnung Christi nicht stören, kein Kleriker aber soll ein höheres Amt in der Kirche sich anmaßen (46). (Nun folgen die kirchlichen, apostolischen Canones.) Kirchliche Notizen. Königsberg. Am 15. Nov. Vormittags 10^ Uhr versammelten sich die Mitglieder der „evangelischen Dissidenten" im Kneiphöfischcn Junkerhofe zum Gottesdienst. Es waren 48 männliche und 1!3 weibliche Personen anwesend. Zu orderst wurt>e das Lied:, „Wenn Einer alle Kunst und Weisheit hätte zc," gelungen und dann von Dr. Rupp ein Vortrag über: „Was Wahrheit ist, ron der Christus gelehrt," gehalten. Darauf wurde eine Tause abgehalten, vor weicher das Lied: „LiebeS Kind lieblich und mild :c " gesungen wurde, Dr. Rupp legte dem Kinde die rechte Hand auf die Stiine mit den Worten: „So sey gegrüßt, Anna Louise," womit die Handlung beendet war. Während des Gottesdienstes wurde kein Gebet verrichtet. » » » DaS „Magdeb. Jüd. Voiköbl," bringt folgende Neuigkeiten im Jndenlhum: In Berlin wohnten 1839: 6028 Juden, 185V: »946, jetzt über 13,000 — DaS preußische Ministerium hat entschieden, das jüdische Stadtverordnete bei der Wahl der Provinzial-LanstagSal'gcoidnklen nicht mitwählen dürften. Der oberste Medizinal- Director der Heilanstalren bei der französischen Armee in der Krim ist ein Jude, Dr. Michael Levy, — In Nordamerika ist im Jahre 5614 ein Jude, Herr Benjamin, zum Senator, ein anderer, Herr Cohn, zum Repräsentanten gewählt worden; der amerikanische Gesandte in Span en, Svnlcz, ist ein Jude, und der Agent der ameri'a- nischen Regierung in Biüssel, Belmont, ebenfalls, — In demselben Jahre sind 8000 Juden dort eingewandert. » » » PiuS lX. Es war im Jahre 1844 oder 1845, in den Carnevalötagen, zu Jmola, wo kardinal Masten damals den bischöflichen Stuhl einnahm. Vr dem zum 40stündigen Gebete ausgestellten heiligen Sacramenle kniete der fromme Oberhin in der unterirdischen Capelle (Crypla) der Haupikirche, als von Seufzern unterbrochenes Geschrei und herzzerreißende Klagen in sein Ohr drangen. Der Bischof eilt hinauf, findet einen von Dochstichen schwer verwundeten Mann, kauert sich zu ihm nieder, befragt ihn leise über seinen Unfall, hebt ihn auf, legt ihn auf seine Kniee und forscht emsig nach der verwundeten Stelle. Auch schickt er durch den ersten besten nach einem 400 Arzt. Darüber stürzen die Mörder in den Tempel, und wollen ihr Opfer vollenvs tönten. Der ehrwüidige Mastai tritt ihnen mit ernst wehmüthiger Miene entgegen: „Wie," spricht er, „ihr habt den Muth, diesen Unglücklichen bis zu den Füßen des lebendigen GotteS zu verfolgen! Genügt's euch nicht, sein Blut vergossen zu haben? Ihr wollt'S also auch noch trinken!" Die erschreckten Mörder entfliehen, und als der inzwischen angekommene Arzt das nahe Ende deS ManneS verkündet, hört der Cardinal diesen Bericht, spricht ihn los, segnet ihn und empfängt bald darauf seinen letzten Seufzer. Darauf entfernt sich der hohe Seelenhirt, aber nicht eher, bis er alles Nöthige zur anständigen Bestattung deS Verblichenen angeordnet. Und jener Cardinal ist, wie gesagt, unser nunmehriges Kirchenoberhaupt, unser PiuS IX. » * » » Chartum. Nach dem letzten Schreiben des Tiroler Missionärs Gostner in Afrika vom 27. Aug. d. I., ist derselbe gesund, und eben so auch der Herr Provicar Knoblecher, welcher bei Abgang deS Briefes eben im Begriffe war einen Bericht vom „weißen Fluß" zu verfassen. Wie Hr. Gostner meldet, befinden sich gegenwärtig 25 Knaben in der Missionsschule zu Chartum, wovon die Mehrzahl bereits getaufc ist, und die alle gute Fortschritte machen. Hr. Gostner ertheilt darin seit dem Tode des hochwürdigen Hrn. Haller den Religionsunterricht. Sein Hauptaugenmerk, schreibt er, sey auf ihren Neubau gerichtet; jedoch möge eS wohl noch zwei Jahre dauern, bis die Missionäre ihre Erd-Hütten mit einer festern Wohnung werden vertauschen können. Unverhohlen drückt er seine Freude über die Nachricht aus, daß Verstärkung für die Gesellschaft im Anzüge sey und daß darunter Landsleute sich befinden. Brauchen sie ja doch Leute, und zwar solche, die voll himmlischen Muth.es und ohne irdische Absichten sich ganz dem Dienste GotteS weihen wollen. Interessant ist, was er von den koptischen Christen, ihrer Kirche, ihren Priestern und ihrem Erzbischof in Chartum berichtet. Tiefe religiöse Nersunkcnheit, grobe Unwissenheit und Erstarrung im äußerlichen Formenwesen kennzeichnen diese monophvsmsche Secte Afrikas, wie ihre Schwester in Asien. Hr. Gostner erkannte bei seinem Besuche der koptischen Kirche, eines sehr großen viereckigen, durch eine Quermauer in zwei Theile abgesonderten Zimmers, den Erzbischof nicht, so zerlumpt und schmutzig sah der Mann auS. Erst als er einen schwarzen Mantel mit ungeheuern Klunkern übergeworfen, hielt er ihn für einen Priester. Daß er der Erzbischof sey, mußte er selbst sagen. Seine Wohnung fand er schmutzig, ohne alle Einrichtung und ohne Buch. Von den Priestern, schreibt Gostner, daß sie förmlich gepreßt weroen. Der nächste beste Schreiber, Schuster oder Schneider wird im Falle deS Bedürfnisses ergriffen und so lange eingesperrt, bis er sich gutwillig weihen läßt. Ihr Unterhalt für Weib und Kinder sind die Stolgebühren, mit denen sehr simonistisch umgegangen werde, und die Sammlungen. Sie seyen sehr unwissend und können in der Negel außer ihrer Messe, die sie auswendig gelernt haben, weder lesen noch schreiben. In der Kirche beim Gottesdienste soll eS, nach dem Berichte von Augenzeugen, gar toll hergehen. Bei der Predigt rufe der nächste Beste: Das ist nicht wahr! Du bist ein Lügner, halte das Maul u. s. w,, und beim übrigen Gottesdienste schreie bald der Eine, bald der Andere: Mach, daß du einmal fertig wirst, du Faullenzer! Beim Herausgehen auS der Kirche habe ein Missionär Alle an Stücken Brod nagend gesehen. Auf die Frage, was das wäre, sey ihm erwiedert worden: sie thäten communiciren. Daß eS mit der Sittlichkeit bei diesem Volke eben nicht gut aussieht, läßt sich leicht denken, zumal auch die Vielweiberei unter ihm herrscht. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag»-Inhaber: F. d alle Buchhandlungen bezocim werden kann Bemerkungen aus Anlaß der Dogmatisirung der unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau, von Professor Franz CoSta. Es ist in der christlichen Well nicht unbekannt, daß der heilige Stnhl sich anschickt, zur Ebre der unbefleckten Empsängniß der seligsten Jungfrau und GolteSmntler einen großen Act zu vollziehen. Es einspricht das nur den vielseitigsten Wünschen und Bitten, welche von allen kirchlichen Ordnungen und anS allen Ländern eintreffend unsern heiligen Vater PiuS !X. bestimmten, unter dem 2. Febr. 48-49 iu Seiner Weisheit sich an den gesammten Episkopat über die Angelegenheil zu wenden und in neuester Zeit eigens Gebete in der Christenheit für diesen Zweck anzuordnen. Auch ist wohl schwerlich ein Katholik, dem nicht schon die Knnde zn Ohren gekommen, wie eine große Anzahl von Bischöfen auS allen Weltgegenden beim Slcllvertreter Jesu Christi sich in dieser Angelegenheit zusammenfindet. Allein nicht Jeder besitzt die nöthigen oder doch dienlichen theologischen Begriffe, um in der Sache klar zu sehen; um Solchen behilflich zn seyn, behandelt die nachstehende kurze Unterweisung in fünf Hauptstücken 1) die Lehre von der unbefleckten Empsängniß der seligsten Jungfrau; 2) die Haltung, welche die Kirche stets gegen diese Lehre eingenommen; 3) was heule neues in der Sache geschehen soll; ^ was damit bezweckt werden will, und 5), welche Pflichten dem Christen erwachsen, wenn der Auöspruch, wie zu hoffen steht, vom Natican ausgeht. Erstes Haupt stück: Die Lehre von der unbefleckten Empsängniß der seligsten Jungfrau. 1. Was man unter dieser unbefleckten Empsängniß versteht. Es läßt sich keine bessere Definition von der unbeflecktm Empsängniß geben, als sie in den Worten der Bulle Lollioitucic» von Alexander VII, unter dem 8. Dec. 1661 enthalten ist. Wenn die Gläubigen, sagt dieser Papst, die Empfängniß Mariens ehren, geht ihre Absicht dahin, der ganz besondern Gnade, womit Gott im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi die Seele der seligsten Jungfrau vom ersten Augenblick ihrer Erschaffung und Einigung mit dem Leibe an vor der Befleckung durch die Erbsünde bewahrt und geschützt hat,- ihre Hnldignng zu erweisen. Daö bedeutet, daß, als die Seele Mariens mit ihrem Leibe im Schooße der Mutter geeinigt wurde, sie bereits geschaffen war im Stande der Gnade und geheiligt durch den heiligen Geist. In diesem Sinne wird die Empsängniß der Jnngfran unbefleckt genannt, im Gegensatz zu den übrigen Nachkommen Adams, welche insgesammt mit der Makel der Sünde ihres Stammvaters, die um deswillen Ursünde (peeeatum originale im Lateinischen) genannt wird*), behaftet und Die deutsche Sprache hat den Begriff in dem Ausdruck: Erbsünde nicht getreu wieder gegeben, sondern eine theologische Auslegung für den allgemeineren Begriff gesetzt. 40S folgerichtig der heiligmachenden Gnade, welche ihnen erst in der Taufe wieder verliehen wird, so daß sie die Kindschaft Gottes und Anwartschaft deS Paradieses erlangen, beraubt empfangen werden. Z. WaS man mit der unbefleckten Empfängnis) nicht verwechseln darf. Mit der unbefleckten Empfängnis) Mariens darf man weder die immerwährende Jungsrauschafr, noch das Vorrecht, daß sie von jeder wirklichen Sünde, selbst der geringsten läßlichen, während ihres sterblichen Lebens bewahrt blieb, noch die Heiligung vor der Geburt verwechseln. In Betreff der beiden ersten Eigenschaften leuchtet das unmittelbar ein; aber cS ist auch nicht schwer zu begreifen, daß es etwas anderes ist, von der Erbsünde ausgenommen und gänzlich von ihr bewahrt bleiben, und etwas anderes, von ihr durch die Heiligung im Muttcrscbooße gereinigt werden. Die letzte Gnade steht sehr beträchtlich unter der andern und findet sich in ihr wie der Theil im Ganzen. So ist männicttich bekannt, daß der heilige Johann Baptist im Mntterschooße geheiligt wurde, und daß auS diesem Grunde seine Geburt festlich gefeint wird; aber es ist um deßwillen noch Niemanden beigefallen, die Empfängnis) dieses Heiligen zu verehren, wie das in Ansehung der seligsten Jungfrau der Fall ist. Der heilige Johann Baptist wurde vor der Geburt geheiligt, aber nichtsdestoweniger war er mit der Makel der Erbsünde behaftet. Ucbrigens sprechen die Ausdrücke, deren wir uns zur Bezeichnung der beiden Borrechte bedienen, den Unterschied hinreichend aus: im Mntterschooße geheiligt werden heißt von der Erdsünde durch eine Wirkung der eingegossenen Gnade befreit werden, bevor man auf die Welt kommt; eS beißt nicht davor bewahrt bleiben, WaS gemeint ist, sobald man von der unbefleckten Empfängnis) spricht. Zweites Hauptstück: Wie sich die Kirche zu der oben auseinandergesetzten Lehre beständig verhalten soll. 1. Die Kirche hat die Lehre von der unbefleckten Empfängnis) geschützt und begünstigt. Die Glaubensartikel im strengen Sinne deS Wortes find gewisse von Gott geoffenbarte Wahrheiten erster Ordnung, welche eine Menge anderer von zweiter Ordnung in sich begreifen. Die letziern sind in den erstem enthalten wie der Keim und die entwickelte Pflanze im Samenkorn. Je länger man daher über die Glaubensartikel nachdenkt, eine desto größere Fruchtbarkeit an gewichtigen Folgerungen entdeckt man in ihnen, darunter solche, deren Tragweite von gewissen Geistern in den ersten Zeiten noch nicht gewürdigt oder die von ihnen gar nicht wahrgenommen worden sind. In dieser Hinsicht ist eS an der Kirche, der treuen Bewahrerin und unfehlbaren slus- legerin der göttlichen Offenbarung, weil sie sich des Beistandes deS heiligen Geistes fortwährend erfreut, je nach den verschiedenen Forderungen der Zeit-, Personen- und Orisumstände diese in der Hinterlage der Offenbarung einbegriffenen Wahrheiten zweiler Ordnung als Glaubenssätze festzustellen. Das ist ihr Recht wie ihre Pflicht; die Kirchengeschichte legt darüber vollgiltiges Zeugniß ab. Um uns auf ein einziges Beispiel zu beschränken, führen wir den Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses an: „Jesus Christus, geboren auS Maria der Jungfrau, empfangen vom heiligen Geiste." Eine einfache Folgerung hieraus ist: Jesus Christus war Gott, also ist die Mutter Jesu Christi Mutter Gottes. Diese Folgerung fließt so unwiderlegttch und natürlich aus den Vordersätzen, daß jeder Gläubige selbst darauf kommen und sie ohne Zögern aussprechen würde; sie fand sich aber noch außerdem durch die Thatsache bestätigt, daß in den göttlichen Officien die Jungfrau Gotteö- gebärerin genannt wurde, was genau eben so viel sagt, als Mutter Gottes. Indessen gab eS im fünften Jahrhundert Sectirer, welche zwei Personen in Jesus Christus annehmend eS wagten, Maria den Titel Mutter Gottes abzusprechen und ihr bloß den Titel Mutter Christi beließen. Ein Irrthum von solcher Bedeutung forderte eine feierliche Verdammung und diefe ward auch auf der Kirchenversammlung von Cphesnö im Jahre 431 ausgesprochen. So kam die Dozmatisirung der göttlichen Mutterschaft Mariens zu Stande. °iL.«^Ä »'<^>^ - ^ 403 Eine andere Folgerung, die sich aus demselben Glaubensartikel des apostolischen Bekenntnisses mit Leichtigkeit ableiten läßt, ist, daß die Jungfrauschaft Mariens in einem Sinne, welcher der Größe ihrer Würde am günstigsten ist, verstanden werden muß, d. h, folgerichtig, daß man sie für eine immerwährende annehmen muß. Die Kirche hatte iu der That diesen Glauben; gleichwohl definirte sie dieses Ehrenvorrecht der Jungfrau erst, als sie einen Grunv dazu erhielt; eS traf dieß zwar früher ein als der Anlaß zur Definition der göttlichen Mutterschaft, aber gleichwohl erst im 4ten Jahrhundert auf der Kirchenversammlung zu Rom 390 vurch den Papst SiricmS, welcher die freche Läugnung der immerwährenden Jnngfranschaft durch Jovinian und seine Secte verdammte. Eine dritte gleichfalls einleuchtende obwohl ferner liegende Folgerung schließt, daß die vollkommene Unversehrtheit der Jungfrau von einer so bevorzugten Heiligkeit begleitet seyn mußte, daß sie sogar die leichteren läßlichen Sünden, iu welche auch die reinsten Seelen fasten, ausschloß. Der Glaube hieran findet sich eingeschrieben in die Seelen der Gläubigen von den ersten Jahrhunderten herab und die Kirchenväter haben ihm sofort entsprechenden Ausdruck geliehen, er entfaltete sich auch und wuchs, so daß die Kirche ihn auf eine nachdrücklichere und feierlichere Weise bekannte; und gleichwohl wurde er erst im löten Jahrhundert definirt, als das Concil von Trient dieß geeignet fand, obwohl damals Niemand daran dachte, die fragliche Glaubenswahrheit anzutasten. Man sieht an diesen drei Beispielen, auf welche Art die Kirche immer den gelegenen Moment ergreifend den Gläubigen die in der Hinterlage der Offenbarung enthaltenen Wahrheiten als Glaubenssätze (Dogmen) vorstellt. Die immerwährende Jungfrauschafr Mariens ward erklärt und deftuirl erst im vierten, die göttliche Mutterschaft im fünften, die Ansnahme von jeder wirklichen Sünde im sechzehnten Jahrhundert; welcher Katholik wagte es deshalb zu behaupten, daß die genannten drei Wahrheiten vor den angegebenen Zcitpnncten in der Hinlerlage der Off.nbaruug nicht eingeschlossen gewesen seyen und daß die Kirche bei ihrer Defiuirung willkürlich neue Glaubenssätze gemacht habe? WaS uun aber in Ansehnng dieser eben besprochenen drei Vorzüge Mariens in den verschiedenen Zeitpuncten geschehen ist, eben daS und nichts Anderes wünschen wir gegenwärtig zn Gunsten eines vierten, der Bewahrung vor der Erbsünde, der gleichfalls in der erhabenen, mir der Würde der Gottesmutter verbuudemn Heiligkeit inbe- griffen ist, erneuert. AuS dem oben angeführten Glaubensartikel deS apostolisch,» Synwolnms läßt sich auch in der That dieses Vorrecht der unbefleckten Empfängniß als Folgerung ableiten! denn das Zusammenseyn von zwei so entgegengesetzten Eigenschaften, wie eS einerseits die 'erhabene Würde der Mmter deS eingeborenen SohneS Gottes ist und andererseits das Elend eines, sey es auch nur einen Angenblick, in die Knechtschaft der Sünde verstrickten Geschöpfes läßt sich nicht begreifen. DaS hätte aber stattgefunden, wenn nicht die Seele Mariens in dem Augenblicke, da sie geschaffen und mit dem Leibe vereinigt wurde, durch eine besondere Gnade Gottes, dessen Mutier sie werden sollte, vor der Befleckung der Erbsünde bewahrt worden wäre. Nur aus dieser Lehre läßt sich die Thatsache erklären, doß die Gläubigen die Empfängniß der Mutter Gottes mir eiuem besondern Cnlte ehrten. Der Cult datirt rom höchsten Alter und war, anerkannt von der Kirche, eine Anerkennung von nicht geringem Gewicht, wenn man bedenkt, daß die Gläubigen, indem sie die Jungfrau nach dieser besondern Richtung hin verehrten, eben damit zu ihren Gunsten eine Ausnahme von dem Glaubenssatz? der Ver«rbung der Sünde AdamS auf seine gesammte Nachkommenschaft machten. Der Schluß ist statthast: wenn die Kirche nicht ihre Stimme erhob, so mußte der Cult mit ihrer Lehre einstimmen. Uebrigens hat sie selbst durch positive Acte daS Fest, die Tagzeiten und die Messe zn Ehren der Empfängniß der unbefleckren Jungfrau genehmigt, wie das erhellt aus der Bulle Lum riraeexcelsa von Sirtns IV.; der heilige Pins V. ging noch weiter und schaltete solche dem römischen Brevier, so wie dem Missale ein; Jnnocenz XII. bereicherte daö Fest mit einer Octave, Clemens XI. erhob daS Fest zu einem gebotenen, und Benedict XlV. fügte 404 zur Erhöhung seiner Feierlichkeit den weitem Schritt bei, daß er für ewige Zeiten päpstliche Kapelle am 8. December anordnete. So lange die Kirche keinen endgiltigen Ausspruch über das fragliche Vorrecht gefällt hatte, konnten einzelne Gelehrte, von dem Gedanken beseelt, ein solches Vorrecht lasse sich mit dem göttlichen Richterspruche, der alle Kinder Adams verurtheilt, die Sünden ihres Stammvaters zu tragen, nicht vereinigen, sich wohl berechtigt glauben, in diesem Puncte eine der Meinung fast aller Christgläubigen entgegengesetzte Ansicht zu hegen. Der Slreit, welcher daraus erfolgte, hatte seinen Nutzen; weit entfernt, die Verehrung der unbefleckten Empfängniß zu mindern, hat er ihr Wachsthum verursacht, indem er die Wahrheit der Lehre, worauf sie sich stützt, mehr inS Licht setzte und den apostolischen Stuhl veranlaßte, seine Ansichten auf eine nur um so sprechendere Art zu erkennen zu geben. Jener außergewöhnlichen Klugheit gemäß, welche seine Entschließungen kennzeichnet, benahm er sich mit großer Mäßigung den Gegnern der Lehre gegenüber, und das aus Rücksicht auf ihre Frömmigkeit und den Beweggrund ihrer Opposition; aber zn gleicher Zeit ließ er sie fühlen, wie sehr er sie mißbillige, indem er den Vertheidigern des frommen Glaubens und dem ihr entsprechenden Culte fortwährend neue Begünstigungen zn Theil werden ließ. Als sodann der Streit lebhafter geworden für die Gläubigen Anlaß zu Aergerniß bieten konnte, legten die Päpste Jedem, der den Glauben zu bekämpfen Lust trug, unbedingtes Stillschweigen auf. Alle diese Acte ließen mehr und mehr erkennen, welches die Ansicht der Kirche sey, und bezeugten immer deutlicher, daß sie wirklich zu Gunsten der Mutter GotteS ?ine Ausnahme vom Gesetze der Erbsünde zulasse. So erlebte man denn auch, daß der Widerstand allmälig abnahm und sich verringerte, um endlich ganz zu erlöschen. Und so gelangte der Glaube an diese Ausnahme Mariens von der Erbsünde zu einem nur um so herrlicheren Siege. 2. Die Kirche bekennt heutzutage ausdrücklich die Lehre von der unbefleckten Empsängniß. Die großen Begünstigungen des heiligen Stuhles gegenüber dieser Lehre deuteten hinlänglich an, daß er sich selbst zu ihr bekannte; sodann zollt man religiöse Verehrung .nur dem, was heilig ist, die Kirche verehrte aber die Empsängniß der Jungfrau durch das Fest gleichen Namens. Indessen war der Augenblick noch nicht für sie gekommen, sich ausdrücklicher zu erklären, aber wenn die Gläubigen in der letzten Zeit dringender als zuvor um die Erlaubniß baten, der Empfängniß der Jungfrau den Titel unbefleckt in den Tagzeiten und der Liturgie beisetzen und in die Litaneien die Bitte: „Königin, ohne Erbsünve empfangen", aufnehmen zu dürfen, so gewährten die Päpste diese Gunst erstmals dieser oder jener religiösen Kongregation, di-ser oder jener Diöcese, diesem oder jenem Reiche, zuletzt aber der ewigen Stadt selber und allen, die darum baten. Diese Gewährung gestattet nicht dem leisesten Zweifei darüber Raum, ob die katholische Kirche die Lehre der unbefleckten Empfängniß der Mutter GotteS bekenne. Es ist hier noch zu bemerken, daß die Beifügung des Wories „unbefleckt" nur eine entwickeltere Art des Bekenntnisses der frommen Lehre ist; denn schon indem man die Empfängniß ehrt, ehrt man, wie Papst Alexander VII. ausdrücklich erklärte, daS Vorrecht, kraft dessen die Seele der seligsten Jungfrau im Augenblick ihrer Schöpfung und Einigung mir dem Leibe vor der Befleckung der Erbsünve bewahrt wurde, was gerade so viel heißt, alö: man ehrt die unbefleckte Empfängniß. (Fortsetzung folgt.) Die Concilien des zweiten christlichen Jahrhunderts. Sicilianl'scheS Concil, 125 nach Chr. Diese Provincialsynode soll von den Bischöfen SicilienS gehalten worden seyn gegen den Valentinicmer Herakleon, welcher daselbst die falsche Lehre verbreitete: wie daö Feuer keine Kälte, sondern nur Wärme in sich habe, so sey auch alle Sünde . 405 von dem Getauften ferne, könne von ihm nicht begangen werden. Die versammelten Väter berichteten des Ketzers sämmtliche Irrthümer an den Bischof von Rom, Alexander I., welcher auch Herakleon veranlaßte, Sicilien zn verlassen, und man wußte nicht mehr, wohin er geflohen war. Concil zu Rom i. I. 146. Gegen TheodotuS, welcher während der Verfolgung Christum verläugnetc und den heidnischen Göttern opferte; als ihm daher von den Gläubigen sein Vergehen vorgehalten wurde, erwiderte er: Ich habe nicht Gott verläugnet, sondern einen Menschen. Concil zu Pergamum i. I. 152. Gegen ColorbasiuS und seine Anhänger, welche mit dem Anathem belegt wurden. Concil im Oriente i. I. 160. Gegen die Irrthümer des CerdoniuS. Concil zu Rom i. I. 170. Gegen die Quartadecimaner vom Papste Am'cetuS in Anwesenheit deS Bischofes von Smyrna, Polycarp, gehalten. Die Synode bestimmte, daß das Leiden unseres Herrn am Charfreilage mystisch begangen und seine Auferstehung am folgenden Sonntage hochfcstlich begangen werden sollte. Concil zu HierapoliS i. I. 173. Zusammenberufen von ApollinarinS, dem Bischöfe von HierapoliS; auf demselben wurde von den Bischösen dieser Provinz die Lehre des MontcmuS und der Moniani- sten, so wie die des TheodotuS verdammt. Nun folgen die Concilien über den Osterfeierstreit, Die Orientalen nämlich feierten zugleich mit den Juden ein Paschamahl am 14. Nisan (Mär^), die Occwen- talen dagegen beobachteten während der ganzen Charwoche strenges Fasten, und aßen das Paschalamm am Vorabende deS Auferstehungsfestes, welches sie jedesmal am darauffolgenden Sonntage feierten. Concil zu Rom i. I. 167. Unter dem Papste Victor wurde gegen die Orientalen ein Concil zusammenberufen, und dieses beschloß, daß die Osterfeier nur am Sonntage nach dem l^l. Nisan und dem FrnhlingSäquinoctium begangen werden sollte, wie es in der römischen Gemeinde und im ganzen Abendlandc herkömmlich sey. Concil zu EvhesuS i. I. 197 (od. 198). Auf dieser Synode waren fast alle Bischöse Kleinasiens und der nahen Provinzen versammelt und Polycarp, Bischof von EphesuS, präsidirte der Versammlung. Dieser bestand darauf, daß Ostern am 14. Nisan gefeiert und nicht auf den folgenden Sonntag verschoben werden sollte. Das Synodalschreiben PolycarpS an den Papst Victor brachte diesen so gegen die Orientalen aus, daß er sie crcommunicirte und ihr Concil verdammte. Concil von PontuS i. I. 197. Die Acten dieses Concils, von den Orientalen gehalten, sind ganz verloren. Ueber denselben Gegenstand wurden in demselben Jahre noch mehrere Provincial- Synoden in Asien abgehallen, zu OSroene, Korinth und Cäsarca in Palästina, welche aber sämmtlich von der abendländischen Kirche verworfen wurden. Dagegen blieben auch die abendländischen Bischöfe nichi unthätig. Concil zu Lyon i. I. 197. Der heilige JrenäuS, welcher längst die Streitigkeiten innerhalb der Kirche mit Schmerz angesehen hatte, hielt eine Synode, auf der 13 Bischöfe anwesend waren, und ermähnte zum Frieden unter den Gläubigen. 406 Nach heftigem Widerstreite besonders von Seite der Orientalen drang endlich der Gebrauch der römischen Kirche durch, die hartnackigen Gegner wurden als Schismatiker betrachtet und das ökumenische Concil von Nicäa (325) sprach sich vollkommen dafür aus. Concil zu Lyon i, I, 198 (od. 199). Gegen die Irrthümer des NalentinuS, ein Bruchstück des Syuodalschreibens, hat BaluciuS in seine neue Sammlung aufgenommen. «na.'i«? ,,Mlü«!.!i,«'.ltaG,tchin >-wK ^ s^tt'-Ä?-?, /i'-,/r^My» Concilren des dritten chri^llichen Jahrhunderts. Bei den immer mehr überhandnehmenden Ketzereien, besonders der gnostischen, mußte sich von selbst die Frage auswerfen, ob die Taufe der Ketzer für gütig anzusehen sey, oder ob einer nochmals getauft werden müsse, wenn er von den Häretikern getauft worden sey und zur katholischen Kirche zurückkehre. Concil zu Carthago i. I. 215. AgrippinuS, Bischof von Carthago, versammelte die afrikanischen Bischöfe zur Untersuchung der Frage über die Ketzerlaufe, unv der Beschluß der Syuode lautete dahin, daß die Ketzer den heiligen Geist selbst nicht haben und folglich in der Taufe seine Gnaden nicht mi'theilen können; daß die Neubekehiten, welche von den Ketzern getauft seyen, bei ihrem Uebertrnte sich taufe» lassen müßten. Dieses Concil wie alle dahin entscheidenden wurden von der Kirche verworfen, wie wir sogleich sehen werden. Concil von Carthago i. I. 217. Cyprian erwähnt diese Synode in seinem sechsuudsechzigstcn Briefe, daß nämlich auf derselben bestimmt worden sey, kein Kleriker solle eine Bvrmnndschaft und dergleichen Geschäfte übernehmen, Concilien zn SIlerandria i. I. 223 u. 235, Auf dieser Syuode wurde OrigencS seiner priesterlichen Würde entkleidet, weil er sich selbst verstümmelt hatte, nur die Geistlichen von Palästina, Arabien, Phönizien und Achaja unierschrieben das Unheil nicht. An demselben Orte wurde später eine andere Provincialsynode gehalten (235), aus welcher Bischof Ammoniuö, der vom Glauben abgefallen war, für die Kirche wiederum gewonnen wurde. Concil von Jkoninm und Synnada 235. Diesen beiden Synoden wohntxn die meisten Bischöfe Kleinasiens bei, und erklärten sich gegen die Gilligkeit der Ketzertaufe. Concil zu Rom i. I. 237. Papst Fabian vernrtheilt den OrigeneS, dieser aber wendet sich in einem Schreiben an den Papst und gelobt Unterwerfung und Buße. Concil von LambesuS i. I. 240 od. 242 od. 215, Gegen den Ketzer PrivatuS, der wahrscheinlich schon früher Irrthümer verbreitete, er wurde von den 9V anwesenden afrikanischen Bischöfen vernrtheilt, und von Papst Fabian erconimuuicirr. Concil zu BostraS i. I. 242 od. 243. Der gelehrte Origenes wohnte dieser Svuode der afrikanischen Bischöfe bei und brachte den Bischof BerylluS, welcher in die Irrthümer des Theodotuö verfallen war, zum Widerrufe. Concil zu EphcsuS (od. iu einer andern asiatischen Stadt) im I, 245. Gegen Noctw?, welcher Irrthümer über die Dreipersönlichkcit Gottes verbreitete. 407 » Concil in Arabien i. I. 249. Auf welchem On'genes die Irrlehre von der Sterblichkeit der Seele, und daß dieselbe mit dem Körper wieder anferweckt werde, mit aller Kraft der Beredtsamkeit bekämpfte, und durch die Macht seines Wortes die Ketzer zum Widerrufe zwang. Concil in Achaja i. I. 250. Gegen die Valesier, welche behaupteten, daß nur Kastraten ins Himmelreich eingehen konnten. Concilien zu Karthago i. I, 252, 255, 256. Bus diesen drei Synoden, welche Cyprian mit den afrikanischen Bischöfen abhielt, wurde die Ketzertause für ungiltig erklärt; sie sind aber von der Kirche verworfen worden. Dagegen erklärte Papst Stephan auf dem Concil zu Rom i. I. 256, daß die Ansicht der katholischen Kirche, daß die Taufe, wenn sie unter Anrufung des NaterS, des SohneS, und des heiligen. Geistes ertheilt, giltig sey, obgleich sie von einem Ketzer ertheilt wurde; man solle also keine Neuerung vornehme», sondern bei der Ueberlieferung und dem Gebrauche der römischen Kirche verharren. In diese Zeit fällt auck der Streit über die Gefallenen. Die häufigen Mißbrauche nämlich, welche mit den Empfehlungsschreiben der Märtyrer von den Gefallenen gelrieben wurden, veranlaßten den heiligen Cyprian zu größerer Strenge, dem widersetzte sich aber NovaluS in Verbindung mit dem Diacou FelicissimuS. NovatuS begab sich nach Rom, schlug sich aber da zur Gegenpartei unter Novcitian und so entstand die schiSmalische Secte der Reinen oder Katharer, welche der katholischen Kirche vorwarfen, sie habe sich durch die Ausnahme der Gefallenen befleckt, eS wurden deßhalb in dieser Angelegenheit mehrere Synoden abgehalten. Concil zu Rom i. I. 250 od. 253. Nach dem Tode dcS Papstes Fabian versammelte sich der römische KleruS und lnd auch die benachbarlen Bischöfe zur Besprechung ein; die Synode beschloß, daß die Abgefallenen zur Buße wiederum zugelassen, ihre Aufnahme aber bis zur Beendigung der neuen Papstwahl verschoben werden sollte. Concil zu Rom i. I. 251. Die 60 anwesenden Bischöfe, der Papst Cornelius an ihrer Spitze, schlössen NovcUian von der Kirche aus und bestimmten, daß die Gefallenen zur Buße wiederum aufgenommen werden sollten. Concil zu Karthago i. I. 251. Diese Synode erklärte, daß die Gefallenen nach langer Bußzeit die Absolution erhalten sollten, und verdammte den Nvvatian, welcher sogar gewagt halte, mir verleumderischen Ausfällen auf Cornelius an die Synode zu schreiben; sie ercommunicirte endlich den FelicissimuS mit fünf andern afrikanischen Geistlichen zum drilteumale, nachdem dieselben nochmals angehört wor en waren. Kirchliche Notizen. Piemont. GioviniS „Unione" versichert, daß daS Säcularisationsdecret, wie sie eS heißt, schon ganz fertig ist, und daß „mir Ausnahme der religiösen Genossen, schasten von gesellschaftlichem Nutzen" alle andern aufgelöst werden; den Mönchen und Nonnen der unterdrückren Klöster wird eine anständige Pension zugewiesen werden." — Die in Nizza erscheinende Vcrii» richtet eine von ihrem Direcior, dem Herrn Grafen Victor v. Cambnrzano unterzeichnete Aufforderung an die Minister, einzuhalten aus der abschüssigen Bahn und von den Verfolgungen der Kirche, der Bischöfe, der Geistlichen und Ordenöleutc, der katholischen Beamten und der katholischen Presse ' 408 abzulassen. „Wir stehen, schließt der Artikel, vor einer feierlichen Epoche, welche die Meinung aller Völker vorauSzufühlen scheint. In den großen Staaten Europas zeigt sich allenthalben eine Rückkehr zur katholischen Kirche; folgen Sie diesen edlen Vorgängen; Sie werden dabei Ehre für Ihren Namen und für unser Vaterland Ruhe finden. Wir verlangen für eö, daß Sie den Gottesdienst unserer Ahnen, daö Priester- thum, das uns leitet^ die Heiligkeit der Altäre achten." « Wien. Das Doctoren-Kollegium der philosophischen Facultät an der Wiener Universität hat am 25, Nov. d. I. das Patrocinium in althergebrachter Weise durch eine in der UniversilätSkirche abgehaltene feierliche Segenmesse würdig begangen, und somit ein katholisches Lebenszeichen der von den HabSburgern als Seelengeräthstiftung gegründeten Universität gegeben. Abends versammelte Hr. Prof. Ur, Ritter v. Holger, bekonnilich eines der eifrigsten Mitglieder dieses, so wie des medicinischen Docioren- CollegiumS, der kein Opfer scheut, um die ehrwürdigen Gebräuche unserer katholischen Vorfahren wieder aufleben zu machen, eine auserlesene Schnar von Mitgliedern aller Faculiäten bei sich, um in den festlich geschmückten Räumen seiner Wohnung gelehrte Unterhaltung über philosophische Disciplinen nach Weise der älteren am Katharinatag gehalrnieu Colloquicn zu pflegen. » » « In Lille ist ein Werk im Beginn, welches den großartigsten Unternehmungen deS MittelalterS auf dem monumentalen Gebiete zur Seite gestellt werden kann. Am 1. Juli dieses Jahres wurde daselbst in feierlichster Weise der Grundstein zu einer Kirche gelegt, welche der allerseligsten Jungfrau gewidmet werden soll, und zwar gleichsam zur Sühne für die Zerstörung der dortigen Liebfrauenkirche während der ersten Revolution. Der darauf zu verwendende Betrag von drei Millionen Franken ist bereits zum größten Theile, und zwar meist durch freiwillige Subscriptionen gedeckt, so daß man zuversichtlich glaubt, schon im nächsten Jahrc den Bau beträchtlich fördern zu können. ZI? »f.S >'»Z<««b.!'j6 Z sli'I « Aus Tirol. Man erinnert sich an den schauderhaften Tod König Friedrichs von Sachsen, dem, aus dem Wagen geworfen und unter das Gespann gerathen, ein Schlag deS Pferdefußes die Gehirnschaale sprengte. Die Königiu Wittwe Marie, welche die Nachricht dieses TvdcS Anfangs niederschmetterte, fand in der Frömmigkeit den Trost, den nur allein die Religion gewähren kann. Einer ihrer ersten Gedanken war, an dem Ort, wo ihr Gemahl den verhängnisvollen Schlag erhielt, ein Kreuz ausrichten zu lassen, und sie sandte deßhalb nach Tirol, damit ihr Wunsch vollführt werden möchte. Allein man hatte ihrem Sehnen vorgegriffen; die Einwohner deS Dorfes hatten schon an dieser Stelle deS Unglücks daö Zeichen des Trostes und der Hoffnung aufgepflanzt. AIS die Königin von diesem freiwilligen Acte des Glaubens und der Ehrfurcht Kunde erhielt, ließ sie fragen, was sie zu thun vermöge, um dieser Einwohnerschaft ihre Erkenntlichkeit zu bezeigen. Man antwortete, daß die Kirche zu arm sey, um das Oel für die Lampe zu zahlen, welche vor dem allerheiligsten Sacm- mente brennen sollte, und daß man bitte, sie möge es gnädigst liesern. Zur Ehre GotteS war eS also, zu welcher die uneigennützige Bitte der Dankbarkeit der Königin die Richtung gab. » » » In der Münze zu Rom wird eine goldene Denkmünze auf die unbefleckte Empfängniß Mariä geprägt, die vom Papst an alle in Rom versammelten Bischöfe vertheilt werden soll. Das Gold zu dieser Münze kommt aus Australien, von wo es dem Papst zum Geschenke gemacht wurde. Verantwortlicher Redacteur: L, Schöuchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt ;ur Augslmrger PMeilmlg. 24. December SS. 1854. DisseK Vlatt ««scheint rcqslmäßiq KÜle Gonvtage. Der halbjährige Abonnementsprei« AK lr.. wvfnr es durch alle kSutgl. baver. PoKSmt?r und alle Buchhandlungen bezöge» werde» kovv. Das letzte Ave. Wenn die ernste Dämin'rung schweigend Durch die Abcndfluren schreitet, Und den grauen Wolkenschleier Um des Thales Wiege breitet; Zich'n des Avcglöcklcins Töne Feierlich hin in die Weite, Und der Engel Segen dienet Schirmend ihnen zum Geleite, An des Dörfchens letzter Hütte Sleh'n die Pilger an der Schwelle; Drinnen in der niedern Stube Glimmt ein Flämmchen ärmlich-helle: Eine Wittwe kniet am Ecktisch, Um sie her die lieben Kleinen; In der Mutter stilles Seufzen Mischet sich ihr lautes Weinen, „Benedeite Gottesmutter ,,Mit dem gnadenreiche» Kinde," Spricht die Wittwe, „denke meiner, „Daß ich scl'ge Ruhe finde „Bei dem Herrn, daß er in Gnaden „Mit des Himmels reichem Mahle „Mich erquicke, wenn ich scheide „Hier aus diesem Thränenthale." „Daß er die verlassenen Waisen „Schirme mit der Liebe Armen, „Mitleidsvolle Herzen rühre, „Die der Schwachen sich erbarmen, „Die sie voll der zarten Sorge „In der Furcht des Herrn erziehen, „Daß sie in dem Lilicnkleide „Für den Himmel fromm erblühen." Stille wird es in dem Stübchcn, Und die frommen Pilger ziehen Heimwärts, wo am lichten Bogen Gold'ncr Stcrnlcin Kränze blühen: — Da des FrührothS erste Strahlen Durch die runde» Scheiben brachen, Feierte die sauft Entschlafne Dort ihr freudiges Erwachen. I. B. Tafrathshofer. Die katholische Kirche in China. Man wird nicht in Abrede stellen, daß eS eine auffallende Thatsache sey, daß, während Amerika, die neue Welt — seit Langem der Kultur und dem Christenthum geöffnet und gewonnen ist, der größte und wichtigste Theil von Asten noch immer einem verschlossenen Garren gleicht. ES unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß Hochasien noch eine große providentielle Aufgabe habe, mag diese nun welche immer 410 seyn, daß eS also ganz besonders verdient, unsere Aufmerksamkeit aus sich gelenkt^ zu sehen. Keinem Gebildeten ist es wohl unbekannt, daß Rußland bis jetzt alle Augsicht hat, eine Weltmacht zu werden; mag eS auch im Westen einstweilen noch zurückgewiesen werden, so hat eS doch an seinem nichts weniger als bedeutungslosen Sibirien (man vergleiche hierüber die osteuropäischen Thesen in den histor. polit. Blättern) den Schlüssel zu Hochasien, und gelangt eS da zur Herrschaft, dann ist nicht abzusehen, wie weit es seine eisernen Arme ausstrecken, welche Kämpfe eS insbesondere der katholischen Kirche bereiten werde. Wir sind nun freilich nicht im Stande, die Plane der Vorsehung zu erforschen; aber es ist unsere heilige Pflicht, drohenden Uebeln nach Kräften vorzubeugen. Das kann und soll nun auch im vorliegenden Falle geschehen. Wenn eS mit GotteS Gnade gelingt, den katholischen Glauben in Ost- und vielleicht auch Hochasiens Boden fest einzupflanzen, ehe noch der Riese eS an seinen ehernen Busen drückt, so ist seine Kraft gelähmt, wenn nicht ganz gebrochen. Eine andere Frage ist freilich die, ob dieß auch möglich sey? Darauf antworten wir mit Thatsachen. Schon der heilige FranciscuS von Zcavicr wollte sich mit allem Ernste der Bekehrung des sogenannten himmlischen Reiches widmen, da er aber im Angesichte dieses Landes aus diesem Leben hinwcg- genommen ward, übernahmen andere Missionäre aus dem Orden deS heiligen JgnatiuS, DominicuS und FranciScuS das apostolische Werk. Ihrem Wirken folgte reichlicher Segen; leider aber litt daS kaum ausblühende Christenthum bald unter den bekannten verhängnißvollen Streitigkeiten. Auch blutige Verfolgungen kamen hinzu, und da besonders die Jesuiten sich zu wenig mit der Heranbildung eingeborner Priester befaßten, auch der Errichtung von BiSthümern und apostolischen Vicariaten viel zu sehr entgegen waren, so war diese Hecrde jedesmal verwaist, so oft die europäischen Missioncne in die Verbannung oder zum Martertode gehen mußten. Erst dem hochseligen Papst Gregor XVI. war eS vorbehalten, die Kirche Chinas neu zu organisiren; Corea, Hukuang, Kiangsi, die Mandschurei, die mongolische Tatarci und Amman erhielten in den Jahren 1833 u. 1839, Honan, Kuectscheu, Schcmgtong, Scheust und Tsche- kiang im Jahre 1846 apostolische Vicare mir bischöflicher Würde. Das gleiche Glück wurde um 1846 den Provinzen von Mittel- und Süd-Tonking, so wie Unter-Cochin- china, und 1852 den Missionen von Ober-Cochinchina und Cambodja zu Theil, so daß gegenwärtig für ganz China 3 Bisthümer (wovon aber 2 — Peking und Nanking — nur administrirt werden),' 22 apostolische Vicariate und die 1848 errichtete Prüfectur von Hongkong für Canton (Stadt und Provinz), Kuangsi und Hainan bestehen, und — die Coadjuloren eingerechnet — die Zahl der Bischöfe sich auf circa 37 gehoben hat. Fast jede Diöcese hat ihr Seminar znr Heranbildung inländischer Priester, die freilich im eigentlichen China meist noch auf ziemlich schwachen Füßen stehen, in Tongking aber wirklich blühen, wie man auS dem Umstände ersehen mag, daß Weft-Tongking im I, 1852 67 eingeborne Priester, 9 Diaconen, 5 Snddiaconen, 8 Minoristen, 4 Tonsuristen, 33 andere Theologen und in 5 Collegien 240 Lateinschüler zählte. — Freilich stand diese Mission von jeher unter spanischen Dominicanern, die frühzeitig schon auf Heranbildung inländischer Priester bedacht waren, weßhalb auch heutzutage noch unter den 15 Millionen Bewohnern Anoms sich mehr Christen (über 600,000) befinden, als unter den 300 Millionen des übrigen Chinas, obgleich die Verfolgungen bis auf unsere Tage herab sicherlich nicht minder heftig wütheten. Ein wichtiges Institut, dem menschlicher Weise die Erhaltung des Christenthums in China wohl größtentheils zu verdanken seyn möchte, ist der Stand der Katechisten. Zu dieser Würde werden gewöhnlich die tüchtigsten, rechtschaffensten und eifrigsten Neubekehrten auserlesen, wenn nicht schon eigene Anstalten zu ihrer Heranbildung bestehen. Die Katechisten sind die gewöhnlichen Stellvertreter der Missionäre in den einzelnen Gemeinden, sie unterrichten die Katechnmenen, verrichten Meßnerdienste, halten mitunter auch Schule, sind die verläßigsten Täufer u. s. w., kurz sie leisten im Allgemeinen wirklich sehr viel, und ersetzen vielfach die ohnehin so übermäßig in Anspruch genommenen Priester. Daher wird auch auf ihre Ausbildung große Sorgfalt 41t verwendet. West-Tongking ist auch in dieser Beziehung allen andern Missionen voraus. ES zählte im Jahre 1852 über 200 Katechisten und 800 Katechisten-Zöglinge in 38 Häusern. So ausgestattet, hat die Kirche von China gewiß sichere Aussicht, sich nicht nur erhalten, sondern immer tiefere Wurzeln fassen zu können Mögen auch neue Stürme über sie hereinbrechen, sie wird nicht fallen, daS sehen wir in Coreci. Bis zum Jahre 1836 hatte dieses Land nie einen Bischof gesehen und nur ein oder ein paar Mal einen chinesischen Priester, ein Laie (Mandarin) war der Apostel dieses Landes. Und doch fand Bischof Jmbert (1836) bei 9000 Gläubige, ja selbst, nachdem dieser Bischof mit 250 seiner Gläubigen und 2 Priestern für seinen Glauben den Martertod gelitten hatte, nachdem im Jahre 1847 der erste und bisher einzige corea- nische Priester, Andreas Kim-Hai-Kim, der letzte Sprößling einer heldenmüthigen Märtyrer-Familie, die lange Reihe koreanischer Märtyrer (über 800!) beschlossen Halle, zählle man um 1850 schon bei 15,000 Christen, obgleich das Henkerschwert noch immer über ihren Häuptern schwebt und schon das bloße Eindringen eines Europäers ihm und seinen Helfern das Leben kostet, sobald es ruchbar wird. Es möchte nicht schaden, wenn man unserm verweichlichten Geschlechte öfter einen solchen Spiegel vorhielte. Wer kann, ohne von tiefer Wehmuth ergriffen zu werden, an die Millionen und Millionen unserer Brüder denken, die auf Asiens schönen Gefilden umherstreifend noch immer in der Finsterniß und im Schatten des TodeS wandeln. Von der Wolga bis zur Mündung deö Hoangho schaut man zum Dhalai-Lama in H'Lassa auf, von den Ufern deö Aral-SeeS wie deS Saghalien kommen Schaaren von Pilgern (5—600 Stunden weit mit Weib und Kindern) nach Karakorum an der Tula, um dem großen Lama ihre Ehrfurcht zu bezeigen. WaS könnte aus diesen Völkern werden, wenn das Licht deS Glaubens ihnen leuchten würde! Doch bis jetzt gleicht dieser Welttheil einer wohl verwahrten Festung: im Westen halten der Islam und daS SchiSma strenge Wache; im Süden ragen die Bergketten deS Himalaya als Grä'nzschcioe bis über die Wolken hinan; im Osten sucht der „Sohn des Himmels" der Kirche den Zugang zu verwehren; den ohnehin schon durch den Altai abgesperrten Norden hat daS Schisma rollständig in Beschlag genommen. Da müssen die Vorwerke erst genommen werden, und daS wichtigste derselben ist eben China", Ist das erobert, so steht der Weg nach dem Herzen Asiens offen, die Thore von H'Lassa und Karakorum werden dann bald zusammenbrechen, und die Macht des Satans ist vernichtet. (Schluß folgt,) Concilren des dritten christlichen Jahrhunderts. Concil zu Carthago i. I. 252. Nochmals vertheidigte FclicissimuS seine Ansicht, daß alle Gefallenen ohne Buße ausgenommen werden sollten; Novatian aber die entgegengesetzte, daß kein Gefallener mehr zur katholischen Kirche zurückkehren könne. Die 52 anwesenden Bischöfe unter dem Vorsitze CyprianS verwarfen beide Maximen und bestimmten, daß erst »ach bestandener Buße die Gefallenen aufzunehmen seyen, die Zeit der Noth und Verfolgung ausgenommen. Der Häretiker PrivatuS wurde vom Concil abgewiesen, sammelte darauf einen Anhang uud wählte einen gewissen FortunatuS zu CyprianS Gegenbischof; da er sich aber mit seinen Anhängern, um über Cyprian zu klagen, an den Papst nach Rom wandte, wurde er ebenfalls abgewiesen. Concil zu Rom i. I. 25?. Der Beschluß deS Concils von Carthago (25l) wurde bestätigt, und besonders auf den Kleruö angewendet, daß die Gefallenen aus dem Klerus zwar wieder aufgenommen, aber in den Laienstand versetzt und ihres geistlichen Amtes entkleidet werden sollten. 41S Concil zu Antiochia i. I. 253. Der Bischof DemetriuS setzt den NovatuS ab, weil er die Ketzer in Schutz genommen hatte. Concil zu Carthago i. I. 253. Diese Synode wurde gehalten als die Christenverfolgung etwas nachließ, um den zerrütteten Zustand der Kirche zu bessern. Auf derselben wurde beschlossen, daß widerspenstige Kleriker gestraft werden sollten, denn hartnäckige Widersetzlichkeit gegen die Vorgesetzten sey der Anfang zur Häresie; daß ferner GeminiuS Victor ercommunicirt sey, weil er gegen den Beschluß einer früheren Synode einen Kleriker zum Vormund seiner Söhne bestellt habe, endlich bestimmten die 60 anwesenden Bischöfe unter dem Vorsitze deS heiligen Cyprian, daß neugeborne Kinder sogleich nach der Geburt getauft werden sollten. Concil zu Carthago i. I. 253 od. 254. Gegen die beiden spanischen Bischöfe BasilideS und Martial gehalten, welche sich Certificate verschafft hatten, als hätten sie den Göttern geopfert (l.ioe>Igtici)z der spanische Episkopat hatte sie entsetzt und zwei andere an ihre Stellen befördert. Damit unzufrieden, wandte sich BasilideS und Manial nach Rom, die spanischen Bischöfe aber legten die Sache einer afrikanischen Synode vor, und diese bestätigte das gefällte Urtheil. Die an ihre Stelle beförderten Bischöfe SabinuS und Felir brachten ebenfalls die Entscheidung dieser Synode an den Papst, widerlegten in Rom die falschen Anschuldigungen des BasilideS nnd unterwarfen sich der Entscheidung des römischen Stuhles. Concil zu Narbon i. I. 257 od. 260. Der heilige Paulus, Bischof von Narbon, war von zwei rachsüchtigen Diaconen, die ihrer ausschweifenden Lebensart wegen schon öfters gestraft worden waren, verbotenen Umgangs mit Frauen beschuldigt worden. Der heilige Bischof rechtfertigte sich vor den versammelten Bischöfen und vor dem Voile , durch ein augenscheinliches Wunder; worauf die gottvergessenen Ankläger ihre diabolischen Machinationen gegen ihren Bischof reumülhig eingestanden. Concil zu Rom i. I. 260 od. 263. Auf dieser Synode wurde DionysiuS, Bischof von Alerandria, welcher des Sa- bellianismuS angeklagt war, nach reiflicher Erwägung, wie der heilige Athanasiuö erzählt, einstimmig losgesprochen und für unschuldig erklärt. Concilien zu Alerandria i. I. 263. In diesem Jahre wurden von Bischof DionysiuS zwei Synoden gehalten, auf der ersten wurde Sabellius seiner häretischen Lehren über die Trinität halber verurtheilt, aus der andern aber Bischof Nepotian und CerinihuS, 'vlche den Chiliasmus lehrten und die Nothwendigkeit blutiger Opfer, verdammt. Concil von Antiochia i. I. 264 od. 266. Diese Synode wurde von Papst DionysiuS zusammenberufen, um die Häresie deS Paul von Samosata, Bischofs von Antiochien, zu untersuchen; er hatte nämlich Irrthümer über die Gottheit Christi verbreitet. Firmilian, Bischof von Cäsarea in Capadocien, präsidirte der Versammlnng, welche den Paul von Samosata zur Verantwortung vorlud; dieser aber fürchtete, seinen Bischofstuhi zu verlieren, heuchelte Reue und Widerruf und entging so allen weiteren.Unannehmlichkeiten. Concil von Antiochia i. I. 268. Bald nach dem ersten Concil von Antiochia fiel Paul von Samosata in seine Irrthümer zurück, und die Bischöfe versammelten sich nochmals in dieser Stadt in großer Anzahl, setzten den Ketzer seiner Irrthümer und suneS unordentlichen Lebenswandels wegen ab, und übergaben seine Bischofswürde dem DomnuS. Die versam- 413 melten Väter schickten ihre Beschlüsse an den Papst DionysiuS nach Rom und an alle andere Bischöfe und theilten ihnen die Absetzung Pauls von Samosata und die Ernennung deö DomnuS mit. Paul von Samosata weigerte sich zwar, seine Stelle dem DomnuS einzuräumen, bis sich auch Kaiser Aurelian inS Mittel legte und befahl, daß derjenige den bischöflichen Stuhl inne haben sollte, welchen die Bischöfe von Italien, besonders der Bischof von Rom desselben für würdig erklärt hätten, und so mußte der Ketzer weichen. » Concilien des vierten christlichen Jahrhunderts. Concil von Atuiinum in Afrika i. I. 304. Auf demselben wurden diejenigen, welche die heiligen Bücher den Ungläubigen auslieferten (Irsclitores), von ver Kirche ausgeschlossen. Concil von Cirtha in Numidien i> I. 305. Dieses Concil hielten die Bischöse NumibienS, welche selbst meist Irsclitoreg waren und heilige Bücher und Gerüche den Heiden übergeben halten, und wählten an die Stelle des verstorbenen Bischofs von Cirtha einen gewissen Paulus, ebenfalls Traditor, und suchten sich hier wegen ihres Verbrechens zu rechtfertigen. Diese Tra- diloren, besonders der Primas von Numidien, trugen später sehr viel bei, das Schisma der Donatisten, welches der afrikanischen Kirche so großes Unheil gebracht hat, zu befördern. Concil von Elvira i. I. 303 (305)*) Dieses Concil ist besonders wichtig wegen der verschiedenen Urtheile, welche sowohl über die Zeit der Abhaltung desselben, als über die daselbst verfaßten Ccmonen, welche oft falsch verstanden wurden, gefällt worden ist. Die Strenge der Disciplinar- vorschriften veranlaßte Viele, die Väter dieses Concils für Novalianer auszugeben und selbst der gelehrte Bcllarmin wirft dem Concil Irrthümer vor; dagegen erhoben sich Vertheidiger des Concils wie Mendoza, Anbespinc (Albaspina) , de Aguire und VaroninS, welche die Schmach des NovalianiömuS zurückweisen und darthun, wie daS Concil den Abtrünnigen, Traditvren und großen Sündern nur das Abendmahl, durchaus nicht die Buße und Aussöhnung auf dem Todbette verweigere, zu welcher Strenge sich die Väter durch die damaligen Verhältnisse veranlaß? sahen, dieses liegt auch in den verschiedenen Graden der Ercommnnication selbst. Cs ist dieses das erste spanische Concil, welches wir kennen und bestand aus 19 Bischöfen, unter denen der berühmte ^osins von C^rdova, die Bischöfe von Sevilla, Eivira, Merida, Saragossa, Toledo u. s. w>; bei den Bischöfen saßen 26 Priester und daneben standen die Diaconen und das anwesende Volk. Tic 8t dem Concil zugeschriebenen Äußcanones sind ein ehrwürdiges Zeugniß der strengen Disciplin des christlichen Alterthums. t. Wer nach Empfang der heiligen Taufe noch heidnische Tempel besucht und da opfert, sey, wenn e>r bei reifem Verstände ist, selbst auf dem Todbette ercommunicirt. **) 2. Heidnische Priester, welche sich tanfen ließen, darnach aber wieder dem Götzendienst sich zuwenden und die Opfer besorgen, verfallen derselben Strafe. 3. Wenn dieselben nicht geopfert, svndern nur Feierlichkeiten veranstaltet haben, so sey ihnen die Communion in der Todesgefahr gestattet, wenn sie cauvnische Buße gethan und darnach sich nicht fleischlich versündigt haben. 4. Dieselben können nach dreijährigem Mtechnmenat zur heiligen Taufe gelassen werden, wenn sie sich während dieser Zeit von den Opfern enthielten. Bis hichcr sind die Nachrichten über die Concilien höchst mangelhaft uns unvollständig, es rostet oft Mühe, nur den Ort und die Zeit herauözufinvcn, wo und wann einzelne Sunoven gehalten wurden. Das Wort communio wurde in vielfacher Bedeutung genommen. 1. Antheil am Gebete der Gläubigen. L. Die Gemeinschaft der einzelnen christlichen Kirchcn. 3. Aussöhnung mit Gott und der Kirche durch die sacramentale LoSsprcchung. 4. Der Empfang der Eucharistie. 414 5. Wenn eine Frau ihre Magd so schlägt, daß sie innerhalb drei Tagen stirbt, so scll sie sieben Jahre Buße thun, wenn sie absichtlich an deren Tode schuld ist, wo nicht, fünf Jahre; stirbt die Magd nach drei Tagen, so ist jene frei; wenn aber die Frau während der Bußzeit erkrankt, so kann ihr die Communion gestattet werden. 6. Wer einen andern durch Zauberei löstet, der soll selbst auf dem Todbette ercommunicirt seyn. 7. Wer Unzucht wegen mit einer Kirchenbuße belegt wurde, und doch in diese Sünde zurückfällt, unterliegt derselben Strafe. 8. Eben so Frauen, welche ihre Männer verlassen und andere heirathen. 9. Wenn eine Frau ihren ehebrecherischen Mann verläßt und einen andern hei- rathet, so soll ihr erst nach dem Tode deS ersten ManneS die Communion gestattet werden, wenn nicht Todesgefahr eintritt. 10. Wenn eine Frau während deö Katechumenatö ihren Mann verläßt und einen andern heirathet und eben so, wenn ein Mann seine Frau verläßt, so können sie getaust werden; wenn aber eine christliche Frau einen Mann heirathet, der ohne Grund sein Weib verließ, so soll sie selbst auf dem Todbette ercommunicirt seyn. 11. Wenn eine Katechumcne einen Mann heirathet, der ohne Grund seine Frau verlassen hat, so soll ihre Taufe fünf Jahre hinausgeschoben werden, wenn sie während dieser Zeit nicht lebensgefährlich erkrankt. 12. Jeder Gläubige un> jede Mutter, welche ihre Tochter der Unzucht feil bietet, soll selbst auf dem Todbctte ercommunicirt seyn. 13. Gottgeweihie Jungfrauen, welche ihr Gelübde brechen, verfallen derselben Strafe. Wenn sie aber nur einmal aus Schwachheit oder durch Verführung gefallen sind, und bis ans Lebensende Buße gethan haben, so kann ihnen die Communion gereicht werden. 14. Mädchen, welche ihre Jungfräulichkeit verloren haben, sollen ein Jahr ercommunicirt seyn, wenn sie den zum Manne nehmen, mit dem sie gesündiget haben, Heimchen sie einen andern, so haben sie fünf Jahre Buße zu thun. 15. Ein Christ soll seine To'chter nie einem Heiden zur Frau gebe». 16. Eben so keincm Juden und Häretiker, welcher den christlichen Glauben nicht annehmen will; Ellern, welche dagegen handeln, sind ans fünf Jahre ercommunicirt. 17. Wer seine Tochter einem Gökcnpriester zur Frau gibt, der soll auch aus dem Todbctte ercommunicirt seyn. 13. Bischöfe, Priester und Diacone sotten nicht auf den Märkten herumziehen, um Geschäfte zu machen, sie können zu ihrem Bedarfe ihre Söhne, Freigelassene oder Jemand andern dahinschicken; jedenfalls sollen sie in ihrer Diöcese bleiben. 19. Ein Bischos, Priester oder Diacon, welcher sich fleischlich versündiget hat, soll der Communion selbst im Tode beraubt seyn. 2t). Ein Geistlicher, welcher Zinsen nimmt, soll abgesetzt und ercommunicirt seyn; ein Laie aber, der solchen Wucher treibt, soll auSgcstoßen werden, wenn er nicht Besserung verspricht. 2 k. Wer drei Sonntage nach einander in der Henmath ist, und den Gottesdienst versäumt, soll dafür eben so lange nicht zur Communion gelassen werden. 2Z. Wenn ein Ueberläufcr zur katholischen Kirche zurückkehrt, soll er zehn Jahre Buße lhim, wenn al'er ein Kind zur Häresie verführt wurde, so kann eS ungesäumt wieder aufgenommen werden. 23. Das außerordentliche Fasten soll alle Monaie mit Ausnahme des Juli und August, beobachtet werden. « 24. Wer außer seiner Diöcese getaust wurde, soll nicht zu den heiligen Weihen zugelassen werden, weil sein Lebenswandel nicht so bekannt ist. (Fortsetzung folgt.) 413 Kirchliche Notizen. Militärische Honneurs vor den „barmherzigen Schwestern." Friedrich Fürst von Schwarzenberg, der berühmte ritterliche „Lanzknecht", welcher im Jahre 1821 als k. k. Oberlieutenant gegen Neapel seine militärische Laufbahn begann, 1830 als Volontär den Feldzug gegen Algier mitmachte und das Kreuz der Ehrenlegion erhielt, 1838 als Vertheidiger der Legitimität im Heere des Don Carlos in Spanien kämpfte, 1847 für die Rechte der Urkantone in der Schweiz gegen den Radikalismus auf dem Kampsplatze erschien, 1848 kaiserl. Oberst als einfacher Landschutze in Tirol, 1849 als Volontär im Regimente seines Bruders gegen die Rebellen seines Kaisers in Italien und Ungarn kämpfte, sich den Orden der eisernen Krone, das Militär-Verdienstkreuz und daS Patent als General erwarb — ist eben so ausgezeichnet als Gelehrter und als Christ, wie als Soldat. Seine kirchliche Gesinnung gibt sich am bestimmtesten kund in der hohen Achtung, mit der er für die religiösen Institute erfüllt ist. Besonders aber scheinen die „barmherzigen Schwestern" es zu seyn, die sein Augenmerk auf sich ziehen. Wir erlaube» uns auS eiucm soldatisch- humoreSlen Aufsatze: „Eine Mvrgenvromcnade in Wien," welche er in der „Libussa 1854" niedergelegt hat, Nachstehendes mitzutheilen: „Nachdenkend über Kraft, Tapferkeit und HerzenSgüte, wandelte ich weiter. — Da rauschten im saltigen grauen Gewände zwei Frau engestalten an mir vorüber; — ein weißeS Kopftuch umhüllte daS Haupt, am Gürtel hing der Nescnlranz mit dem Kreuze deS Erlösers; sie kommen von einem Sterbebette, wo sie g> tröstet, und gehen zu einem Krankenlager, wo sie pflegen; sie trotzen dem stillen lautlosen Feinde, nicht um zu tödten, um zu helfen. Nicht das kochende Blut — nicht stürmischer Ehrgeiz, — nicht der augenblickliche Rausch der Begeisterung verhüllt hier die Gefahr, mindert die Anstrengung — nicht im Fener erglühend, — nicht umrauscht vom Trompetengeschmetter der Schlacht erscheint hier der eisengepanzerte TodeSengel — nein! er lauert dießmal blaß, hohläugig, giflathmend himer dem Siechbette, nicht siegjnbelnd oder im Donner der Geschütze die Todtenklage verkündend ist der Abschied von der Welt; nein! nur das Sterbcglöcklein mahnt, leise uud unwillkommen, vom Kirchthurme die heilere, lebenslustige, beschäftigte Menge, daß in diesem Augenblicke ein Bruder oder eine Schwester von hinnen scheidet! Ja, dachte ich, nnter diesen grauen Falten schlägt noch ein festeres, edleres Herz, als unter dem Waffenrvcke deS Kriegers, der Schiffjacke des Seemannes und dem Pelzwamse des BärenjägerS! Muth und Krast zum Zerstören, zum Vertheidigen ist ein Attribut jeder ächten Männlichkeit, ihr gebührt die Eichenkrone und ihn krönt der Lorbeer. — Ist sie dazu verwendet zu schützen und zu retten, so bezeichnet sie den Helden; aber die Palme reicht die Gottheit selbst jener Selbstaufopferung, die da für den leidenden Bruder duldet und trägt, und zugleich mildert und tröstet; sie producirt den Menschen zum Viceeugel, und meistens sind die zwar seltenen Candicaten dazu ans diesem Weltball weiblichen Geschlechtes, so wie die schlechten Individuen desselben auch gleich wahre TeuselS- kadetten werden, ohne erst intermediäre Chargen zu durchlaufen. Wenn im Himmel ein Grenadier auf dem Posten steht, so bin ich überzeugt, daß er vor den einpassiren- den barmherzigen Schwestern daS Gewehr präsentirt! Ich aber rnfe sicherlich: „Gewehr aus!" — sollte mich auch der heilige Petrus, der himmlische Wachtmeister, zum Pro- fosen schicken!!" (B. V. Bl.) » » «- Wien. DaS von den Professoren der Akademie der bildenden Künste zu Wien verfertigte prachtvolle Gebetbuch ist am 8. Dec. Abends Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth in einer den Repräsentanten der Akademie bewilligten Audienz überreicht worden. Dieses Kunstwerk vereinigt auf 84 Pergamentblättern in Quartformat und in seinen reichen, auö Edelsteinen, Perlen, vergoldetem Silber, Elfenbein und Email geschmackvoll arrangirten Deckeln, nach Zeichnungen deS Professors van der Nüll, von den Professoren Radnitzky und Bauer modellirt und vom Juwelier und Goldarbeiter 4^6 Rothe ausgeführt, Alles, was die Kunst zur Ausstattung eines derartigen Werkes bieren kann. Das Buch selbst ist mit sieben blatt^roßen Miniaturen von den Professoren Blaas, Fuhrich, Geiger, Kuppelwieser, Meyer, Nuben, Schnitz, einem in Farben ausgeführten Schristtitel von Professor Roßner, dann einem reichen und sinnig comvonirten DedicationSblatt von Professor van der Null und C Meyer geschmückt. Die reich in Gold und Farbenpracht vrnamentirtcn unzähligen großen und kleinen Initialen, so wie die Schiußftücke der Zeilen und der Kapitel sind von dem Architekten Anton Groner, Schüler des Professors van der Null und dem Zeichner Joseph Stork ausgeführt. Neueste Veränderungen im Perfonalstand der Diöcese Augsburg. Anstellungen und Versetzungen nicht bepfründeter Geistlichen, Die Herren: Leopold Keßler, Vicar des Curatbeneficiums in Oberrrittelsbach, als Früh- meßbeneficiums-Vicar in Buchloe. -— Karl S chw ägerl, Pfarrvicar in Alsmoos, als solcher in Laugn«. — Joh, Laute nbacher, Pfarrvicar in Fischen, alsCuratievicar in Unterjoch. — Georg Meitinger, Bcneficiumsvicar in Lanacrringcn, als Vicar des Curat- und Schulbenef. in Altenberg. — Canut Gut, in Horgau, als Pfarrvicar in Altenstadt. — Konr, Schreiner, Pfarrvicar in Deiuingen, alsVenef,-V. in Vuggcnhofe». — Jos Reitmayr, HilfSpriester in Uffing, als Caplan in Huglfing. — Joh. Hofmiller, Hilfspriester in Mertingen, als Caplan in Buchenberg. — Michael Penzinger, Pfarrvicar inHeimenkirch, als solcher in Böhen,— Math. Steppich, Caplan in Huglfing, als solcher In Horgau. -— Dominicus Stotz, Pfarrvicar in Ncttcnberg vor der Burg, als solcher in Rieden, Capl. Füssen. — Andr, Sieb er, Hilfspricster in Geiolsbach, Erzbisthum München, als Caplan in Ncichertshofen, Capl. Neuburg. — Jos. Hofmann, Hofmeister bei Hrn Grafen v, Maldeghem in Augsburg, als Vicar deS Frühmeß- und Schulbencficiums in Pfaffenhofen a, d. Jlm, — Anton Weg mann, Ncomhst in Augsburg, als Stadtcaplan in Schongau. — Albert Riedel, Stadtcaplari in Cchongau, als 3. Stadtcaplan bei St, Ulrich in Augsburg. — Sebastian Kneipp, Caplan in BooS, als 3. Stadtcaplan bei St. Georg in Augsburg. — Ant. Burghart, Neomyst in Meßhofen, alö Caplan in Boos. — Ben, Ostner, j. Stadtcaplan bei St. Ulrich inAugSburg, als Neligions-Aushilsslehrer an der polytechnischen, so wie an der Kreis-Landwirthschafls- und Gcwerbschule. — Joscph Gottschalk, Caplan in Aislingcn, alS Hilfopriester in U. H, Ruhe bei Fricdberg. — Georg Abbt, Vicar des 2. Lumpcrt'fche» Manual-Caplaneibcncficiums zu hl. Kreuz in Augsburg als Caplan in Aislingcn. — Wunibald Britzelmayr, Schloßcaplan in Blumcnthal, als Vicar des Stadtprädik.-BeneficiumS in Friedberg. — Mar Nikl, Pfarrvicar in Walchensee, als solcher in Zalling.— Fr Xav. Kopp, Curatbenef.-Vicar inBurgau, als solcher in Konzenberg, — Jos. Ant. Rist, Pfarrvicar in Obcrstorf, als Curatbenef.-Vicar in Burgau. — Joseph Sing, Hilfspriester in Habach, als Pfarrvicar daselbst. Kanonische Institution erhielten: Die Herren: Bernh. Neisach, Frühmcßbenef. in Buchloe, auf das Curatbenef. in Oberwittelsbach. — Jos. Puchner, Pfarrer in Laugn«, auf das Bencficium in Diedorf. — Mar Alois Hc im, Curat in Unterjoch, auf die Pfarrei Fischen. — Ambros Degen hart, Caplan in Buchenberg, auf das Veneficium in Langenerringen. — Jakob Eigelspcrger, Bencficiat in Buggenhofen, auf die Pfarrei Deiningen. — Eust, Mayer,, Pfarrer in Böhen, auf die Pfarrei Heimenllrch. — Jos. Jgn. Ernst, Pfarrer in Rieden, auf die Pfarrei Netten- berg v, d. Burg, — Frz. Xav. Fichtl, Frühmcß- und Schulbeneficiat in Pfaffenhofen an der Jller, auf die Pfarrei Alsmoos. — Jos, Ant. Wildnauer, Pfarrer in Zalling, auf die Pfarrei Walchensee. — Frz. Borg, Haller, Curatievicar in Konzenberg, auf die Pfarrei Obcrstorf. Gestorben: Herr Kaspar Grundler, Pfarrer in Habach. Verantwortlicher Redacteur: L. Schöucheu. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer. Vierzehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger pojheitung. 31. December M SS. 1854. DicseS Blatt erscheint rsqelmäßiz aA« Gonstag«. Der halbjährige Abuouemcnlsvrei« fr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Poüämter nud alle Buchhaudlunfl-n bezog?« werde» k^n». Die katholische Kirche in China. (Schluß.) AlleS Bisherige steht in einem natürlichen Zusammenhange mit dem Vereine der heiligen Kindheit. Zu einem so außerordentlichen Werke, wie daS erwähnte ist, bedarf eS auch außerordentlicher Mittel, diese soll nun eben größtentheilS der Verein der heiligen Kindheit liefern. Seine Aufgabe ist eine dreifache. Kr soll 1. möglichst vielen sterbenden Heidenkindern, sie mögen nun ausgesetzt seyn oder nicht (wir kommen darauf noch ausführlicher zurück), den Himmel öffnen, damit sie dort am Throne Goltcs sürbitten. — Ihre Zahl belauft sich bereits über eine Million. - Er soll 2. so viel eS in seinen Kräften steht, die Mittel verschaffen helfen, um arme, verwaiste, verstoßene oder verwahrloste Kinder aufnehmen, erziehen und zu braven Gliedern der Kirche, wie der Gesellschaft heranbilden zu können. Wir sagen, er soll helfen, denn im Allgemeinen thun die Christen in China ihrerseits hiesur, was sie nur immer können, ja sie bringen nicht selten die größten Opfer, aber ihre Kräfte reichen bei weitem noch nicht auS. 3. Soll der Verein der heiligen Kindheit theilweise auch zur Errichtung von Volksschulen behilflich seyn, denn ohne solche wird es immer schwer, oft fast unmöglich seyn, eine hinreichende Anzahl gehörig befähigter Candivaten des Priesterthums nnd deS so wichtigen KatechistendiensteS zn findm, Ueberdieß bedarf es keiner weitern AuS» einandersetzung, wie wichtig die Volksschulen auch zur Hebung deS gemeinen Volkes an sich schon sind, welchen Einfluß sie auf die noch heidnischen Stammgenosscn machen müssen u. s. w. Zum Schlüsse noch einige Bemerkungen über den 1. Punct. ^ Es scheint die Ansicht starr verbreitet zn seyn, als seyen alle die Heivenkinder, die in China jährlich getauft werden, ausgesetzte Kinder. Das ist nicht der Fall. ES sind durchgehends solche, die dem Tode nahe sind, aber weit die größte Zahl sehen nur einem natürlichen Tode entgegen. Nur in den Küstengegenden — von Peking angefangen bis herab nach Canton — und in den großen fruchtbaren Ebenen am Hoanghv und Jantsekiang mit ihrer übermäßigen sittenlosen Bevölkerung — vorzüglich in den ungeheuren Städten, herrscht die abscheuliche Sitte, alle schwächlichen oder überflüssig scheinenden Kinder auszusetzen, oder gleich selbst zu tövten. Die Zahl dieser unglücklichen Schlachropser mag nun freilich alljährlich eine Entsetzen erregende Höhe erreichen; aber wer wäre im Stande, sie alle zu taufen oder auch nur zu zählen? denn das Laster sucht in der Regel doch auch hier das Dunkel. — Ein nicht unbeträchtliches Conlingent zur Zahl der Täuflinge biiven jene Kinder, die in sogenannten kaiserlichen Waisenhäusern zwar langsamer, aber fast eben so sicher dem Tode entgegengeführt werden. 418 Die Mehrzahl aber jener 200,00(1 Heidenkinder, denen jährlich vor ihrem Tode noch das Glück der heiligen Taufe zu Theil wird, sterben eines ganz natürlichen TodeS. In Sutschuen allein, dem rauhen Berglande, von dem das Sprichwort sagt: „Alter Mann, geh' nicht nach Sutschuen!" und das darauf antwortet: „Und du Jüngling, geh' nicht nach Canton!" (in das sittenlose Nest), in dieser Provinz allein wurden schon vor 10 Jahren jährlich über 20,000 Heivenkinver in Todesgefahr getaust; mit Hilfe des Vereins der heiligen Kindheit aber hat sich diese Zahl fast versechsfacht (1852 belies sie sich auf 115,423). Darunter sind nach einem Bericht des hochwürdigsten Bischofs von Sinite, E. Jos. Defleches (vom 1. Nov. 1852) nur wenige ausgesetzte, da die Mehrzahl jener unglücklichen Kleinen, die man einmal nicht behalten will, gleich nach der Geburt heimlich getödtet wird. Man wird sich weder über diese große Anzahl von Taufen noch über den anscheinenden Widerspruch wundern, wenn man bedenkt, daß Sutschuen 300 Stunden lang und 320 Stunden breit ist, 12 Städte eisten, 19 zweiten, 121 dritten Ranges, nebst unzähligen Flecken und Dörfern hat mit einer ungeheuren Volksmenge (worunter etwa b0,000 Christen). Da in diesem Vicariate die Umstände und Verhältnisse für das Taufwerk ganz besonders günstig sind, so hat sich schon 1838 eigens zn diesem Zwecke ein Verein gebildet, „englische Gesellschaft" (soeietss i>nM>i csu. SS. 419 3t. Junge Leute, welche nach der Taufe ein unreines Leben geführt, sollen nach vollbrachter Buße, wenn sie sich verheirathen, zur Communion gelassen werden. 32. Wer ein schweres Verbrechen begangen hat, soll seine Buße vom Bischöfe erhalten, wenn er aber erkrankt, kann derselbe durch einen Priester oder Diacon auf Befehl des Bischofs die Communion empfangen. 33. Bischöse, Priester, Diaconen und andere Kleriker, welche wirklich im Amte sind (positis in ministerio), sollen von ihren Weibern sich enthalten, außerdem werden sie abgesetzt, 34. In den Cömeterien sollen unter TagS keine Kerzen angezündet werden, damit die Gläubigen daselbst ungestört sind. 35. Bei Nacht sollen, um Unordnung zu vermeiden, keine Frauen sich in den Kirchen aufhalten. 36. Der Gegenstand unserer Anbetung soll nicht an die Kirchenwände gemalt seyn. 37. Wenn Katechumenen von bösen Geistern besessen sind, so soll ihnen in der Todesgefahr die heilige Taufe gespendet werden, sind solche Encrgumenen schon getauft, so soll die Communion ihnen nicht entzogen werden, nur dürfen sie keine Lampen in der Kirche anzünden. 38. Ein Gläubiger, der weder Büßer ist noch in der zweiten Ehe lebt, kann in der Noth einen Katechumenen taufen, nur hat dieser dann, wenn er gerettet ist, sich dem Bischöfe zu melden und zur Firmung zu stellen. 39. Ungläubige können, wenn sie von einer Krankheit befallen sind, sogleich durch Händeauflegung Katechumenen werden, wenn sie dieses wünschen und einen ehrbaren Lebenswandel geführt haben, 40. Die Ländereibesitzer sollen bei Straft von fünfjähriger Ercommunication ihren Pächtern nicht gestatten, etwas für Göyenopfer zu verrechnen. 41. Die Gläubigen sollen keine Götzenbilder in ihren Häusern dulveu, sollten sie sich aber fürchten, ihren Knechten dieselben z» nehmen, so sollen sie sich wenigstens vom Götzendienste ferne halten. 42. Wer den christlichen Glauben annehmen will, der kann, wenn er sich gut verhalten hat, nach zwei Jahren zur heiligen Taufe gelassen werden; es müßte denn Krankheit oder heftiges Bitten von ihm Veranlassung gebeu diese Zeit abzukürzen. 43. Das Pfiugstsest soll nicht am vierzigsten, sondern der heiligen Schuft znfolge am fünfzigsten Tage nach Ostern gefeiert werden. 44. Wenn eine Frau, welche vorher eine öffentliche Hure war, heirathet und dann zum Christenthum übergehen will, soll sie ohne Zögern aufgenommen werden. 45. Wer einmal, auch vor langer Zeit, Katechumene war, aber vom Christen- thume sich wieder abwandte, der kann die heilige Tanse erhallen, wenn er nur selbst oder durch Zeugen beweisen kann, daß er Katechumene war. 46. Wenn ein Christ lange Zeit die Kirche nicht besuchte, ohne aber den Götzen geopfert zu haben, der kann, wenn er wieder kommt, nach zehn Jahren zur Communion gelassen werden. 47. Wenn ein christlicher Ehemann mehrere Ehebrüche begangen hat, so kann ihm auf dem Todbette die Communion gereicht werden, wenn er Bnße und Besserung verspricht; fällt er nach der Genesung wieder in die alte Sünde, so soll er für immer ercommunicirt seyn. 48. Die getaust werden sollen nicht mehr Geld in das Tanfwasser legen, damit aller Schein von Simonie fern bleibe, auch sollen ihnen der Bischof und die Geistlichen nicht die Füße waschen. 49. Die Besitzer von Ländereien sollen den Segen der Priester nicht verachten, indem sie ihre Feldfrüchte von den Jnden segnen lassen. 50. Eben so sey eS unter dem Anathcm allen Gläubigen verboten, jüdischen Gastmählern beizuwohnen. 51. Gläubige, welche früher der Häresie angehörten, dürfen nicht in den Klerikal- ftand aufgenommen werden. 420 52. Wer schändliche Bücher in die Kirche bringt, sey mit dem Anathem belegt. 53. Einen Ercommnnicirten kann nur derjenige Bischof wieder ausnehmen, welcher ihn ercommunicirt hat, ein anderer Bischof würde sich der Gefahr der Absetzung aussetzen. 54. Wenn die Eltern ein Ehegelölmiß aufheben, ohne daß die Braut oder der Bräutigam ein schweres Verl-rechen begangen haben, so sollen sie drei Jahre ercommunicirt seyn. 55. Götzenpriester, welche nur die Corona getragen und weder den Opferdienst verrichtet, noch befördert haben, sollen nach zwei Jahren in die Kirche aufgenommen werden. 56 Die Duumvirn sollen das Jahr hindurch, wo sie ihr Amt begleiten, die Kirche nicht betreten. 57. Frauen, welche sich nach heidnischer Weise putzen, sollen drei Jahre ercommunicirt seyn. 58. Wer Empfehlungsschreiben (üttorav communieatorige) *) besonders von einem sehr alten Bischofssitze bringt, soll befragt werden, ob sich wirklich Alles so verhalte. 59. Wer auf das heidnische Capitol geht, um daselbst zu opfern oder den Opfern zuzusehen, der sey, wenn er ein Christ ist, auf zehn Jahre ercommunicirt. 60. Wer bei Vernichtung von Götzenbildern gelobtet wurde, der soll unter die Zahl der Märtyrer aufgenommen werden. 61. Wer die Schwester seiner verstorbenen Frau heirathet, sey fiinf Jahie ercommunicirt; wenn keine Krankheit einln'tt. 62. Wenn ein Wagenlenker od-r Schauspieler zum christlichen Glauben sich bekehren will, so hat er zuvor seine Kunst zu verlassen, ehe er aufgenommen wird, und darf nie mehr zu ibr zurückkehren. 63. Wenn ein Weib ans dem Ehbruchc, ein Kind empfängt und dasselbe tödtet, so s-y sie selbst auf dem Todbelte ercommunicirt. 64. Eben so eine Frau, die bis ans Lebensende im Ehebruche gelebt hat, wenn sie aber zuvor ihren Fehler ablegt, so hat sie zehn Jahre Buße zu thun. 65. Eben so ein Kleriker, welcher weiß, daß seine Frau die Ehe gebrochen hat, und sich nicht von ihr trennt. ' , 66. Wer in blutschänderischer Ehe lebt, sey für immer, auch im Tode noch ercommunicirt. 67. Eine christliche Frau. welche sich einen Schauspieler hält, sey ercommunicirt. 68. Wenn eine Katechumene ihr ans dem Ehbrnche erzeugtes Kind tödtet, soll sie auch auf dem Todbctie die Taufe nicht empfangen. 69. Wenn ein Mann oder eine Frau nnr einmal einen Ehbruch begangen hat, so unterliege sie fünfjähriger Buße, wenn nicht Lebensgefahr eintritt. 70. Wenn eine Flau mit Wissen ihres ManneS die Ehe gebrochen hat, so sey er auch im Tode ercommunicirt, hat er sich aber dann rwn ihr getrennt, so sey er nnr zehn Jahre ercommunicirt. 7t. Knabcnschänder sollen für immer, auch in Lebensgefahr ercommunicirt seyn. 72. Wenn eine Willwe einen Mann heirathet, mit dem sie vorder gesündigt hat, so sey sie auf sünf Jahre ercommunicirt; heirathet sie aber wiederum einen andern, so sey sie sür immer ercommunicirt, dieser aber, welchen sie heirathet, sey zehn Jahre ercommunicirt. 73. Wenn ein Gläubiger Jemanden angibt, und dieser sofort verbannt oder getödtet wird, so sey er-sür immer ercommunicirt; ist aber die Sache nicht so bedeutend, so sey er fünf Jahre ercommunicirt; Katechmnenen sollen deßhalb fünf Jahre von der Taufe ausgeschlossen bleiben. *) Auch litlerne commenclstitiss waren Beglaubigungsschreiben, daß Einer sich wirklich in der kirchlichen Gemeinschaft befinde; sie wurden den Reisenden in andere Diöcesen mitgegeben, um sich dort ausweisen zu kynnen. 421 74. Ein falscher Zeuge soll zwei Jahre Buße thun, wenn die Umstände erleichternd sind, außerdem sey er fünf Jahre ercommunicirt, 75. Wer einen Bischof, Priester oder Diacon falsch anklagt, sey für immer, selbst in der Todesgefahr, ercommunicirt. 76. Wenn ein Diacon sich ordiniren ließ, wo er ein schweres Verbrechen auf sich hatte, und dieses dann selbst bekennt, so hat er drei Jahre Buße zu thun, .wird er aber von Ändern angeklagt, so hat er fünf Jahre Buße zu thun und darf nur mehr an der Laiencommunion Theil nehmen. 77. Wenn ein Diacon, der in der Scelsorge ist, Katechumenen ohne den Bischof oder einen Priester tcmsr, so soll diese der Bischof confirmiren; wenn aber einer von ihnen vorher stirbt, so kann er nach seinem Glauben gerechtfertigt seyn. 78. Ein Ehemann, der mit einer Jüdin oder Heidin einen Ehebruch begeht, und sich selbst angibt, sey drei Jahre in der Kirchenbuße, wenn er von einem andern überführt wird, so dauert die Kirchenbuße für ihn fünf Jahre. 79. Ein Gläubiger, der um Gel? Würfel spielt, sey ercommunicirt, wenn er sich aber bessert, werde die Straft nach einem Jahre aufgehoben. 80. Leibeigene, deren Herren Ungläubige sind, sollen nicht in den geistlichen Stand aufgenommen werden. 81. Die Frauen von Gläubigen (Klerikern) sollen in ihrem Namen den Laien keine Empfehlungsschreiben geben und von ihnen keine annehmen. Concil zu Alcrandrien i. I. 306. Wie der heilige AlhanasiuS berichtet, wurde auf dieser Synode der Bischof MeletiuS von LykvpoliS in Egypien, vom heiligen Petruö, Bischof von Alcrandrien, welcher später den Martyrtod starb, verschiedener Verbrechen beschuldigt, besonders daß er den Götzen geopfert habe, und deßhalb seiner Würde entsetz?. Um sich zu rächen, verursachte MeletiuS eine Spaltung, welche noch fünfzig Jahre nachher dauerte. Concil zu Rom i. I. 313. Nach dem Tode des Bischofs Mensurius hofften zwei angesehene aber ehrgeizige Priester, BolruS und Cclestius, auf den erledigten Stuhl zu gelaugen, sie fanden sich aber durch die Wahl getäuscht und der Archidiacon deS MensuriuS Cäcilian wurde auf der Synode zu Carthago 311 gewählt und von Wir von Aptunga consecrirt. Nun verbanden sich alle Gegner deS Neuerwählten zu dessen Sturz, sie baten den Primas und die Bischöfe NmnidienS nach Carthago zu kommen und über Cäcilian zu richten; daselbst wurde er beschuldigt, währ^i^ der Verfolgung die gefangenen Christen hark behandelt, heilige Bücher ausgeliefert zu haben und seiue Ordincttion sey ungiltig, weil auch Felir von Aptunga ein Traditor wäre; Lucilla, eine reiche Matrone, welche sich auch von Cäcilian beleiht glaubte, hatte es mit Geld durchgesetzt, daß Cäcilian abgesetzt und an seiner Statt ihr Hausfreund, der Lector Majorinus zum Bischof gewählt wurde; und so war denn die Spa tung in der afrikanischen Kirche vollendet, welche nach DonatuS von Casämgrä, dem Nachfolger Majorm's, benannt wurde. Außerhalb Afrika's galt Cäcilian allgemein als rechtmäßiger Bischof. Die Schismatiker übersandten dem Kaiser Constantin d. G. zwei Schreiben, worin sie ihm die Klagepuncte gegen Cäcilicin vorlegten und ihn baten, Richter anö Gallien ernennen, welche entscheiden sollten. Der Kaiser ernannte drei gallische Bischöse, MaternuS von Cöln, ReticiuS von Antun und MarinuS von ArleS und befahl ihnen, mit dem Papste MelchiadiS und fünfzehn andern i'alienischen Bischöfen zu Rom eine Synode zu halten, auf der auch Cäcilian und seine -Ankläger zu erscheinen hätten. Der Papst eröffnete das Concil an der Spitze von neunzehn Bischöfen am 2, Octobcr, und eS stellte sich heraus, daß Cäcilian vollkommen unschuldig und nur von seinen Feinden zu Carthago in seiner Abwesenheit verurtheilt worden war, alle Schuld des Schismas wurde dem Donatus zur Last gelegt, der schon, als DonatuS noch Archidiacon war, zu Carthago wieder getaust, und in der VcrfolgungSzeit gefallenen Bischöfen die Hände wieder auflegte, und die Zeugen dieser Handlungen bei Seile geschasst habe. 422 Doncitus konnte nichts entgegnen und mußte Alles zugestehen, er wurde daher verurtheilt; den übrigen donatistischen Bischöfen aber der Friedensvorschlag gemacht, wenn sie zur Einheit der Kirche zurückkehren wollten, so sollten sie in ihrer Würde verbleiben, so daß in jeder Stadt, wo bisher zwei Bischöfe, der eine von Cäcilien,, der andere von Majorin ordinirt wären, der erstgeweihte den Sitz behaupten, der andere aber mit einem cmdern BiSthume verschen werden sollte. Die Acten des Concils würben von den Bischöfen an Constantin geschickt, und zwei Deputirte der Synode sollten den Spruch derselben in Afrika verkünden; der heilige Augustin bewundert die außerordentliche Milde und Schonung des Papstes gegen die Schismatiker und nennt ihn deßhalb ein Kind deS Friedens, den wahren Vater der ganzen Christenheit. Concil von Arles i, I. 314 Die Donatisten gingen auf die Anträge deS Concils von Rom nicht ein, und beklagten sich wiederum beim Kaiser, man habe sie in Rom nicht vollständig gehört; dieser sah sich deßhalb veranlaßt, den ganzen Strn't nochmals untersnchen z» lassen, besonders die Anschuldigung gegen Felir von Aptunga. und lud dazu die streitenden Parteien, und die Bischöfe sciueS Reiches, so wie den Papst zu einer großen Synode nach ArleS ein. Der heilige Sylvester schickie zwei Priester und zwei Legaten, und es fanden sich dabei eine große Anzahl von Bischöfen auS verschiedenen Gegenden des Abendlandes, aus Gallien, Afrika, Sicilien, Sardinien, Spanien und England ein. Felir von Aptunga und Ccicilian wurden auch hier für unschuldig erklärt und die Ankläger derselben theils verurtheilt, theils mit ihren Klagen abgewiesen, indeß stellte ihnen die Synode wiederum die früheren Anerbietungcn, wenn sie zur Einheit der Kirche zurückkehren wollten. Dieses Concil ist in dem donatistischen Streite das berühmteste, indeß kommen auf demselben auch andere Gebrechen der Zeit zur Sprache, und die Väter verfaßten demzufolge auch 22 Discipliuarbeschlüsse. Die Donatisten appellirten aufs Neue au den Kaiser nnd dieser ließ endlich den Cäcilie«» und seine Gegner zu Mailand 316 vor sich kommen und prüfte persönlich die Anklage und Vertheidigung, indeß auch hier wurde Cäcilian für unschuldig erklärt. Die Conciliar- beschlüsse v^n ArleS haben verschiedene Deutung und Erklärungen erlitten und lauten: t. Daö Osterfest soll ans rem ganzen Erdkreise an einem und demselben Tage gefeiert und vom Papste dieser Tag schriftlich angezeigt werden. 2. Die Geistlichen haben an dem Orte zu verbleiben, für den sie ordinirt sind. 3. So vaten, welche im Frieden (im Kriege) die Waffen wegwerfen, seyen ercommunicin. 4 Gläubige, welche sich mit Wagenrennen abgeben, seyen ercommunicirt. 5. Eben so Schauspieler, welche die Bühne nicht verlassen wollen. 6. Wer auf dem Krankenbette den christlichen Glauben annehmen will, dem soll man die Aufnahme nicht versagen. 7. Gläubige, welche zu einer Ehrenstelle befördert werden, sollen sich von ihrem Diöcesanbischofe ein Schreiben geben lassen, damir sie sich als Christen ausweisen können an dem neuen Orte und der Bischof daselbst die Seelsorge für sie übernehme. 8. Der afrikanischen Kirche gegenüber wird bestimmt, daß ein Ketzer, der in den Schooß der katholischen Kirche zurückkehre, um das Glaubensbekenntniß gefragt werde, und ist er auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes getauft, so soll er bloß durch Häudeausleguug den heiligen Geist empfangen, ist er aber nicht auf die göttliche Triniiat getauft, so soll er erst getauft werden. 9. Wer Empfehlungsschreiben von Bekennern (Lonleszorum litterse) vorlegt, der soll dagegen vom Bischöfe ein Aufnahmsschreiben (dvmmunicatorias litteriiö) erhalten, (can. 25 v. Elvira 303.) Wenn christliche Männer ihre Frauen im Ehebruche finden, so sollen sie bei Lebzeiten derselben keine andere heirathen. 5 11. Christliche Jungfrauen, welche einen Ungläubigen heirathen, seyen aus einige Zeit ercommunicirt. 423 12. Klcn'lti, welche Wucher treiben, verfallen der Ercommuni'cation. 13. Wer die heiligen Bücher und Gefäße, oder die Namen seiner Mitbrüder überliefert hat, wie die gerichtlichen Acten nacdweisen, soll vom geistlichen Stande ausgeschlossen werden; die Weihe, weiche ein solcher Traditor ertheilt hat, kann deß« . halb nicht beanstandet werden; läßt sich ober eine solche Anklage nicht durch die gericht- lichen Acten beweisen, so soll sie unberücksichtigt bleiben. 14. Wer fälschlicher Weise seine Milbrüver anklagt, sey ercommuniciri bis in deu Tod. 15. Die Diaconen haben durchaus nicht die Gewalt, das heilige Opfer darzubringen, wie es oft geschieht. 16. Wer eines Vergehens wegen irgendwo ercommunicirl worden ist, kann nur an demselben Orte wieder zuge,äffen werden. 17. Kein Bischof soll irgendwie in die Rechte eines andern Bischofs eingreifen. 18. Die Diaconen seyen deu Priestern in Ehrerbietung untergeordnet. 19. Wenn ein fremder Bischof in eine Stadt kommt, so soll ihm gestattet seyn, daß er daselbst das heilige Opfer darbringe. 20. Ein Bischof soll von sieben oder wenigstens diei andirn und niemals von einem Bischöfe ordinirt werden. 21. Priester und Diaconen sollen bei Strafe der Absetzung die Kirche nie verlassen, für welche sie bestimmt worden sind. 22. Den Apostaten, welche nicht Buße thu», und erst auf dem Todbette von der Kirche die Communion wünschen, soll keine Willfahrung werden, außer sie genesen und haben würdige Buße gethan. Concil von Ancyra i. I. 314 od. 315. Sobald mit dem Tode dcS Kaisers Marimin die grausame Christenverfolgung nachließ, und die Ruhe im Morgenlande hergestellt war, suchten die Bischöfe daselbst die kirchlichen Verhältnisse wieder zu ordnen, und die vielen aus Menschensurcht und zeitlichen Rücksichten Gefallenen der Kirche wieder zu gewinnen. Sie veraustalielen zu diesem Zwecke eine Synode zu Ancyra, der Hauptstadt von Galaticn; dieselbe wird für ein Generalconcil des ganzen Orients gchalten, weil nicht bloß Bischöfe aus Galalien, sondern von Cilicicn, von HellespvuS, Pontus, By-Hinien, Pamphilien, Cappadocien, Syrien, Palästina und Großarmenicn anwesend waren, und ovgleich nur achtzehn unterschrieben sind, vermuthet mau doch, daß weit mehr versammelt waren, aber aus jeder Provinz nur einige unterzeichneten. DaS Resultat ihrer Berathungen unter dem Vorsitze des Bischofs Vitalis von Antiochieu legten die versammelten Väter in 25 Canouen (wenn wir mit DivnyS d. kleinen den 4 u. 5. oder mit Jsibor Mer- calor den 22. u, 23. verbinden, so erhalten wir 25), welche meist die Aufnahme der Gefallenen betreffen, nieder und diese wurden dann zu Nicäa 325 bestätiget. 1. Priester, welche den Götzen geopfert, nachher aber diesen Schritt ernstlich bereut und standhaft der neuen Verfolgung entgegen gingen, sollen zwar in der Kirche ihren Ehrensitz beim Bischöfe wieder einnehmen, jedoch ihre kirchlichen Funciionen nicht ausüben dürfen. 2. Diaconen, welche in derselben Lage sind, sollen ebenfalls jene Auszeichnung geuießen, welche ihrem Amte gebührt, aber ihre geistlichen Verrichtungen nicht eher ausüben, bis der Bischof in Rücksicht auf ihren Bußeiser und ihr Benehmen ihnen größere Gnade angedcihcn läßt. 3. Wenn Gläubige von den Verfolgern ergriffen, ihres Vermögens beraubt und gemartert wurden, und wenn man sie mit Gewalt zum Opfern und zum Genusse deS Opferfleisches gezwungen hat, während sie sich fortwährend als Christen bekannten; so sollen sie durchaus von der Communion nicht abgehalten seyn. 4. Wer zum Götzeuovfer gezwungen wurde, darnach aber im Freubengewande an den Opfermahlen Theil genommen hat, der soll ein Jahr unier den Hörenden und drei Jahre unter den Büßenden seyn; darauf soll er zwei Jahre nur am Gebete und endlich auch an der Communion Theil haben. 424 5. Wer den heidnischen Opfermahlen in Trauerkleidern beigewohnt, und weinend daran Antheil genommen hat, soll nach dreijähriger Buße zur Communion zugelassen werden, ohne selbst opfern zu dürfen; hat ein solcher von den Opferspeisen nichts genossen, sc. soll er zwei Jahre Buße thun und im dritten zur Communion gelassen werden, aber erst nach drei Jahren vollkommen entsühnt seyn; jedoch steht eS immer dem Bischöfe frei, nach Verhältnissen Milde oder Strenge eüureten zu lassen. 6. Diejenigen, welche auS Furcht für ihr Leben und Vermögen geopfert haben, aber gegenwärtig um Wiederausnahme nachsuchen, diese sollen bis zur nächsten Ostern unter den Hörenden seyn, hierauf drei Jahre unter den Flehenden, und nach zwei Jahren der Communion theilhaftig seyn, ohne selbst opfern zu dürfen; in der Lebensgefahr indeß soll ihnen die letzte Wegzehrung nicht versagt werden. 7. Diejenigen, welche ihre eigenen Speisen zu den heidnischen Götzenmahlen herbeischafften und aßen, sollen nach zweijähriger Buße wieder aufgenommen werden, indeß soll das Weitere den Bischöfen überlassen bleiben. 8. Wer sich zwingen ließ, zwei- oder dreimal zu opfern, soll vier Jahre Buße thun, zwei Jahre die Communion empfangen ohne zu opfern und nach sieben Jahren erst vollkommene Aufnahme erhalten. 9. Wer nicht blos selbst der Apvstasie verfiel, sondern auch seine Milbrüber dazu veranlaßte, sey drei Jahre bei den Hörenden, sechs Jahre bei den Büßenden, das nächste Jahr werde ihnen die Communion gestattet, ohne opfern zu dürfen, und erst nach zehn Jahren seyen sie vollkommen gesühnt. 10. Diaconen, welche bei ihrer Weihe dem Bischöfe ihre Absicht zu heirathen erklärten, dürfen sich nach der Weihe auf die Erlaubniß deS Bischofs hin verheiralhen, heirathen sie aber als Diaconen, ohne bei der Weihe etwas davon gesagt zu haben, so sollen sie ihres Amtes entsetzt werden. 11. Ist eine Verlobte von einem Dritten entführt und selbst mißbraucht worden, so soll sie doch ihrem Nerlobien zurückgegeben werden. 12. Diejenigen, welche vor ihrer Taufe den Götzen geopfert, können vrdinirt werden, weil sie gereiniget sind durch das Bad der Tause. 13. Die Landbischöfe sollen keine Priester und Diaconen weihen, und ihnen nichts befehlen ohne Permissionsschreiben des Bischofs. 14. Wenn Priester und Diaconen sich des Fleisches oder des Gemüses, in welchem dasselbe gekocht ist, enthalten, als sey dasselbe unrein, so sollen sie ihres Amtes entsetzt werden. 15. Wenn Geistliche, während der Erledigung des Bischofssitzes, Kirchengüler verkauft haben, so kann der neuerwählte Bischof den Verkauf umstoßen, oder den Kaufpreis fordern. 16. Wer sich durch unnatürliche Unzucht verfehlt, und das zwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht bat, unterliegt der fünfzehnjährigen Kirchenbuße und svll außerdem noch fünf Jahre keine Opfergabe bringen; wer aber eine solche Sünde begeht, wo er über zwanzig Jahre alt unv verheiralhcl ist, sey fünfundzwanzig Jahre in der Kirchenbuße und darf fünf Jahre keine Opfergabe bringen; wer endlich daS fünfzigste Lebensjahr überschritten hat und verheiraihet ist, der soll erst am Lebensende die Communion erhalten. ' 17. Dergleichen Leute, welche durch Wollust in abscheuliche Krankheiten ver« fallen, sollen von den übrigen Büßenden abgesonderr einen eigenen Platz außerhalb der Kirche bekommen, damit Andere von ihnen nicht angesteckt werden. Titel und Inhalt des Jahrganges folgen mit einer der nächsten Nummern. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.