Augsburger Postzeitung. Erſte Jahreshälfte. № 2. 12. Januar 1845. Die Chriſtnacht in der Kirche der Vorſtadt Au bei München. Um eilf Uhr, da ſich's eben auf den Straßen zum Beſuch der Metten zu regen begann, ſchallten Glockentöne über die Iſar her in mein Ohr. Solch einem Ton, ſilberhell, lieblich und feierlich zumal, wie man ihn ſelten anderswo hört, mochte ich nicht gern Widerſtand leiſten, und ich machte mich auf, ihm erwartungsvoll entgegen zu gehen. Als ich dann draußen ſtand im Freien, fingen auch alle übrigen Glocken der Stadt zu läuten an, und es war in der ruhigen Nacht ein Concert, ſo heimlich und ſchmeichelnd, daß die Sehnſucht nach dem, der in dieſer Stunde vom Himmel auf die Welt kommen ſollte, nur noch lebhafter ward, und es ſchien als ſtreckten die Kirchen in ihren Thürmen die Arme nach ihm aus, und als riefen ſie ihm von der Höhe je näher um ſo lauter entgegen. Ich ging über jene Brücken, auf denen in derſelben Nacht vor mehr als hundert Jahren die Schaaren des Gebirges zum Entſatze Münchens heranrückten. Sie wollten die Familie des Churfürſten, der es zudem gerade nicht auf ihre Liebe angelegt gehabt, in treuer Geſinnung aus Feindes Hand befreien, ſie wollten ein ungerechtes tyranniſches Joch abwerfen, und lieber bayeriſch ſterben als kaiſerlich verderben, aber ſchnöder Verrath zerſchnitt den wohlangelegten Plan, und die Chriſtnacht ward den heldenmüthigen Streitern bei Sendling zur Nacht des ewigen Friedens. Gutes Volk, das die Söhne jener Getreuen bilden, möge dich nie ein ähnliches Loos treffen! — Bald ſtand ich in der Nähe des ſchönen gothiſchen Baues, den eben der Mond beglänzte. Iſt er ſchon im Tageslicht ſo anziehend, durch ſein Ebenmaaß und ſeine wohlgewählte Stellung inmitten eines großen Platzes, durch die ſinnreichen Verzierungen ſeiner Portale, durch die vollaufgeblühten Roſen ſeiner Fronte, durch die vielen wohlgeformten Giebelthürmchen und durch den hohen Weiſer, der kühn, als wollte er uns den allenthalben nöthigen Muth zuſprechen, in die reineren Lüfte rankt und in eine große ſeelenerweiternde Ferne ſchaut, ſo ſcheint dieß Bild im Mondlicht faſt verklärt, mehr aber noch, weil die Lichter, die in der Kirche ſchimmerten, die herrlichen Glasgemälde erhellten, ſo daß man dieſe auch von außen in milder Beleuchtung erſchaute, und das Auge ſich bewundernd auf ihre Farbenpracht heftete. Solche Wirkung iſt bei den Glasgemälden des Mittelalters allerdings nicht zu erwarten, da ſie nur aus kleineren Partien beſtehen, aber freilich in dieſen einen ſolchen Reichthum myſtiſcher Poeſie entwickeln, daß unſre Zeit dieſelbe eben erſt zu ahnen vermag. Der Kirche ſelbſt möchte man noch eine Erweiterung ins Kreuz wünſchen, doch treten wir ins Innere, ſo findet man ſich wahrhaft überraſcht, und vergißt dieſen Wunſch gern. Welch freier bewundernswürdiger Schwung der hohen Säulenbündel, die zu oberſt ihre Zweige in einander verflechten! Jetzt, da die Kirche von wohl mehr als 300 Lichtern erhellt war, konnte man ſich zurückdenken in die Wälder hochſtämmiger Fichten und dichtlaubiger Eichen, als dort beim Schein der Fackeln noch die heiligen Geheimniſſe gefeiert wurden. Und dann die einfachen, ſinnigen Altäre, auf deren mittelſtem bald das Hochamt gefeiert werden ſollte, während der hl. Fronleichnam, die Stärke der Kranken und Schwachen, auf dem einen, und das anmuthige, heilige Gedankenweckende Bild von Mariahilf, auch ein Meiſterwerk der Kunſt, auf dem andern Seitenaltare ruht. Unter den trefflichen Glasgemälden aber, die rechts und links in fortlaufender Reihe das Leben der helfenden Gottesmutter von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt darſtellen, und unter denen beſonders das Bild der hl. drei Könige die Leute recht ſehr anſpricht, unter dieſen meiſterhaften Gebilden eines Ainmüller und anderer befinden ſich die Stationen des hl. Kreuzwegs aus Holz und ganz im Style der Kirche von Schönlaub recht brav geſchnitzt, ſo daß in der ganzen Kirche eines zum andern vollkommen paßt, vielleicht mit einziger Ausnahme der Kanzel, die etwas zu bund gefärbt ſcheint. So hat die Gemeinde der Güte ihres erhabenen Fürſten einen der ſchönſten Tempel zu danken, der jeden falls unter den neueren fertigen Gebäuden das zweckmäßigſte, anſprechendſte und verhältnißmäßig, wie es vom verſtorbenen Ohlmüller zu erwarten war, am billigſten gebaute zu nennen iſt; ſie weiß es aber auch zu ſchätzen, und die Liebe zu König Ludwig iſt tief in ihre Herzen eingeſchrieben. Vielleicht erfreut ſich auch ihre Nachbargemeinde, die für ihre gegenwärtige Kirche um ein Gutes zu groß geworden iſt, in nicht ferner Zeit einer neuen Kirche; eine Kirche, wie in Berg am Laim, auf der Iſarhöhe, ſie müßte einen erhabenen Anblick gewähren! Aber ich vergeſſe über den Gebäuden faſt den Gottesdienſt, obwohl dieſelben auch in plaſtiſcher Weiſe ein ſolcher ſeyn können. Das Volk war in Andacht und feierlicher Stimmung zahlreich zur Kirche gekommen. Die Weihnachts mette begann;„Venite exultemus Domino, Kommt, laßt uns frohlocken dem Herrn“ rief es vom Chore dem Volke zu, das ſich verſammelt hatte, um wie die Hirten in heiliger Nacht den menſchgewordenen Gott bei ſeiner Geburt anzubeten. Hymnen und Pſalmen feierten ſeine Ankunft, und die neun tiefſinnigen Lectionen verkündeten ihr hohes Geheimniß, das Te Deum laudamus aber brachte am Schluß der Mette Preis und Dank und neute Bitten dem Erbarmer Aller dar. Dann folgte die erſte Meſſe des hohen Feſtes. Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus ſcholl es, nachdem das Kyrie um Erlöſung gefleht, lauter denn ſonſt im Jahre in die Herzen. Ja Ruhm dem Gott, Frieden aber dem Menſchen; dem Ruhme des Höchſten diene der Geiſt des Menſchen, dann erlangt er ſeligen Frieden; fröhnt aber Kunſt und Wiſſenſchaft der irdiſchen Eitelkeit und ſchlägt ihre Begeiſterung etwa in Leidenſchaft über, dann wehe der Menſchheit, Hader und Elend wird ihr Loos ſeyn. Doch „et incarnatus est,“ er der allein die Menſchheit retten konnte, iſt Fleiſch geworden: Der ſelig legt der Welten Gründe, ​​Hat ſich mit Knechtsgeſtalt betraut; Daß er im Fleiſch das Fleiſch entſünde, Und nicht vernicht', was Er gebaut. Chor.⸗ und Meßbuch S. 185. Der Tonſetzer hatte das et incarnafus zum Gipfel und Centrum des eben aufgeführten Amtes gemacht, die Erlöſung iſt aber auch die Seele der Weltgeschichte und jedes wahrhaft gedeihlichen Strebens, in der katholiſchen Kirche lebt ihre Wirkung durch alle Zeiten fort und bietet ſich im täglichen Opfer der hl. Meſſe jedem Gläubigen zur Theilnahme dar. Früh Morgens im Advent, wenn es noch dunkelt, kommen dort und da, die Berge herab und die Thäler entlang, einzelne Lichtlein traulich heran zur Engelmeſſe, in der Pfarrkirche aber finden ſie ſich zuſammen und ein ungewohnter Glanz ſtrahlt nun aus dieſer hervor. So iſt's auch in der katholiſchen Kirche, manches Lichtlein wandelt dahin, noch ſeines Zieles ungewiß; verirrt es ſich in eine Schlucht, und kommt ihm kein ferner Ruf entgegen, dann iſt's um daſſelbe geſchehen; hat es aber ſein Ziel gefunden, hat es die hehre Kraft des unblutigen Opfers kennen gelernt, dann ſchwindet alle Furcht und es wird heller Tag, der nur von den Wolken der Leidenſchaft getrübt werden kann. Die Hirten bei der Krippe wußten die Wohlthat der Erlöfung und des rechten Glaubens wohl beſſer zu ſchätzen als die Hochgebildeten ſpäterer Zeit, die ſich das aber gar nicht zur Ehre rechnen dürfen; auch unſere Kinder weilen gern bei der Krippe, während die Erwachſenen im Gewühl der Leidenſchaften den Frieden des Himmels nur zu oft verlieren. Die Hirten ſpielten darum auch ihr einfaches, und als ſolches vielleicht eben kunſtreichſtes Lied vor der Krippe, in der das Chriſtkind lag, denn nicht das Geſuchte und Sinnebeſtechende iſt das Schönſte und Höchſte was die Kunſt leiſten kann, vielmehr geht in dieſem oft ihr beſſeres Weſen unter. Das Paſtorale, welches ſtatt des Offertorium nach dem Credo geſungen wurde, war allerdings jenes ſo oft und meiſtens ohne alles Gefühl oder mit ganz verfehltem Affect in unſern Kirchen geſungene von Neuner, der, ſo viel ich weiß, auch aus der Au gebürtig war; hier aber war ich einmal an den rechten Ort gekommen, denn erſt durch die Weiſe, in welcher der Chor der Mariahilfkirche ſelbes ausführte, lernte ich von ſeiner hinreißenden Schönheit mich überzeugen. Ueberhaupt wurde die Muſik des Hochamtes mit ſo viel Ausdruck und mit ſolcher Gemeſſenheit ausgeführt, wie man's ſelten von berühmteren Chören zu hören bekömmt. Der neue Chorregent verwendet aber auch Kenntniß und Fleiß für ſeinen Beruf, und verbindet damit eine ſo tüchtige Geſinnung, daß ma von ihm noch viel Gutes für die Kirchenmuſik erwarten mag. Es ſcheint dieß wohl wichtig genug , daß man im Zuſammenhalt mit dem allzu ſchwer zu verwirklichenden Gedanken eines muſikaliſchen Conſervatoriums ihm ſowohl, wie der Münchner ſtädtiſchen Singſchule eine öffentliche Unterſtützung zur Bildung junger Singkräfte wünſchen muß. Doch es iſt nur noch wenig von unſerer Chriſtnacht zu ſagen: Wandlung, Communion und Segen wurden ebenfalls mit Andacht und Würde gefeiert; das Volk aber ging freudig und getroſt nach Haus, und die irdiſchen Lichter erbleichten, das ewige Licht aber wolle immer mehr und mehr die Finſterniſſe erhellen. — Briefliche Mittheilung aus England. (Hiſtoriſch⸗politiſche Blätter.) Seit meiner Heimkehr nach England hat mir der Rückblick auf meine Reise ​durch das katholiſche Belgien und auf meinen dreimontlichen Aufenthalt in dem ſchönen und frommen Bayern ſehr viel Freude bereitet, und ich kann nicht anders als gar oft mir den Gegenſatz vor Augen ſtellen, welcher zwiſchen jenen Länddern und meinem eignen noch unkatholiſchen und unglücklichen Vaterlande beſteht. Und doch, obſchon Bayern in ſeiner Kathoſicität einen auffallenden Gegenſatz zu England bildet, ſo bietet doch Deutſchland im Allgemeinen, in ſeinen gegenwärtigen kirchlichen Zuſtänden eine erfreuliche und zu manchen ſchönen Hoffnungen berechtigende Aehnlichkeit mit England dar. Es hat gleichſam das Beiſpiel für England gegeben und ſo wie dort die Bekehrung vieler Proteſtanten zur katholiſchen Kirche einen ſehr bedeutenden Einfluß auf den denkenden Theil der Deutſchen Nation gehabt hat, ſo auch hier. In dem Charakter der Deutſchen iſt ſo Manches, was mit dem der Engländer übereinſtimmt, ein gewiſſer Ernſt und eine Ruhe der Ueberlegung, welche mit Nachdenken die Gründe des Handelns prüft. Die Gleichheit der Abſtammung darf wohl als die Urſache dieſer Uebereinſtimmung angeſehen werden. Aber auch der Zuſtand der beiden Länder bei der gegenwärtigen zur katholiſchen Kirche hinneigenden und fortſchreitenden Bewegung gleicht ſich ſehr auffallend und es macht mir daher Vergnügen, einige Augenblicke bei dieſem intereſſanten Gegenſtande zu verweilen und Ihnen Auskunft über einige Details zu geben, welche mir von den Biſchöfen und dem Klerus in verſchiedenen Gegenden Englands, die ich ſeit meiner Rückkehr beſucht, mitgetheilt worden ſind. Vieles von demjenigen, was ich Ihnen erzählen kann, werden Sie freilich hin und wieder ſchon in den katholiſchen Zeitſchriften Englands geleſen haben, aber dort ſind dieſe Dinge eben ganz vereinzelt und nicht auf eine überſichtliche Weiſe zuſammengeſtellt. Auch würden Sie, indem Sie bloß die Erzählung einzelner Fälle von Bekehrungen leſen, nicht im Stande ſeyn, über den Geiſt zu urtheilen, welcher in dieſem Lande weht. Dieſer Geiſt, obwohl wir weit von einer allgemein übereinſtimmenden Katholicität entfernt ſind, iſt doch für uns Katholiken, wenn wir auch nur auf die Zeit der letzten ſechs Jahre zurückblicken, ganz außerordentlich auffallend. Nur derjenige kann dieß ſehen und fühlen, der mehrere Jahre in England gelebt und jetzt die große Veränderung in dem Ausdrucke der Geſinnung, die ſich überall im Verhältniſſe zu den Katholiken äußert, wahrnimmt; welcher ſieht, wie die proteſtantiſchen Kirchen katholiſche Ceremonien theils offenbar annehmen, theils heimlich einführen, welcher Zeuge davon iſt, wie ſich Gemeinden bei ihren Biſchöfen beklagen, daß ihre Geiſtlichen papiſtiſche gefährliche Gebräuche einführen und wie die Biſchöfe deſſenungeachtet nicht wagen, dieſe zu verwerfen. Solche und unzählige andere Dinge ſind die Zeichen der Zeit und obgleich es noch lange dauern mag bis England ganz katholiſch wird, ſo hat dieſes Land doch nicht lange gebraucht, um einen ganz veränderten Anblick in vielen ſeiner Kirchen darzubieten, einen ganz andern Geiſt in ſeinen öffentlichen Einrichtungen kund zu geben und ſogar Ton und Sitte in ſeinen geſellſchaftlichen Verhältniſſen zu ändern. Dieſe katholiſche Richtung iſt in der That in einem ſo reißenden Fortſchritte begriffen, daß Sie neben manchen andern Beiſpielen proteſtantiſcher Befürchtungen und Vorkehrungen ſogar das in den öffentlichen Blättern angetroffen haben werden, daß der Erzbiſchof von Dublin und der Biſchof von Kildare ſich wegen der in Oxford herrſchenden Irrthümer an das Tribunal der Collegienvorſtände gewendet hat, und daß jetzt eine Commiſſion niedergeſegt worden iſt, welche die Maaßregeln berathen ſoll, um jene Fortſchritte zu hemmen. Quare fremuerunt gentes etc. Möge dieſes das begnadigte Oxford zu dem Lichte der Wahrheit und zu der erſehnten Entſcheidung bringen, welche ſo ſchön in den Worten des nämlichen Pſalms ausgedrückt wird: Dirumpamus vincula eorum. Meine Abſicht geht nun dahin, Ihnen in dieſen Zeilen nur einige Einzelnheiten von demjenigen mitzutheilen, was die Proteſtanten in ihren Kirchen und Collegien und was die Katholiken in den letzten ſechs Jahren gethan haben; Einzelnheiten, die Ihnen zwar ſchon bekannt ſeyn werden, welche ich aber ganz kurz unter einem Geſichtspunct zuſammenſtellen will. Zunächſt ein Verzeichniß der Bekehrungen beſonders ausgezeichneter Männer während jener Zeit: Revd. Bernard Smitt, ehemaliger Fellow des Magdalen College. Johnſon Grand Esgr. im St. John's College. J. H. King im Exeter College. G. Tickell, ehemaliger Fellow von Univerſity College. Edw. Douglas Esqr. Bart. in Chriſt Church. Scott. Murray Esqr. Bart. Chriſt Church M. P. für Buckinghamsſhire. Revd. G. Talbot M. A. in St. Mary's Hall. Revd. Daniel Partons M. A. im Driel College. Revd. J. Seager M. A. im Woreceſter College. R Leigh Esqr., ehem. Fellow Braſenoſe College. Peter Renouf Esqgr. im Pembroke College. W. Lockhart im Exeter College. Revd. W. G. Penny, von Chriſt Church. Die Bekehrung von minder bedeutenden Leuten dauert, wie ich auf meine Nachfrage von vielen Geiſtlichen gehört habe, ununterbrochen fort. Ja zu London ſagte man mir, daß die Proteſtanten in großer Zahl die katholiſchen Kirchen beſfuchen, daß das Suchen nach Wahrheit unter ihnen allgemein iſt, und daß ſehr Viele von der hochkirchlichen Partei, die nicht Puſeyiten ſind, zugeben: man habe unrecht daran gethan, ſich von Rom loszuſagen, und daß ſie ſich in einem Zuſtande von Zweifel und Ungewißheit befänden. Die Verwirrung (denn ſo allein kann man es nennen) des Armen Sibthorp hat der katholiſchen Sache keinen Eintrag gethan. Er bewarb ſich um Wiederaufnahme als Prediger in die anglicaniſche Kirche, wurde aber abgewieſen; er ſtehe, erzählte mir ein katholiſcher Geiſtlicher in dem Midland Diſtrikt, in einem religiöſen Briefwechſel mit proteſtantiſchen Geiſtlichen. Dagegen verſicherte mich ein ehemaliger Studiengenoſſe, daß der katholiſche Prieſter zu Oxford, ſein Oheim, gegen ihn mit der vollſten Hoffnung und Zuverſicht in Betreff der Bekehrung einer großen Zahl der jetzt noch ſchwankenden Geiſtlichen der Univerſität ſich geäußert habe. Dieſe wenigen Details werden für Sie und Ihre Leſer von einigem Intereſſe ſeyn, und während Sie mit Vergnügen von der wirklichen Bekehrung ſo vieler Menſchen in allen Theilen von England und von der wohlbegründeten Hoffnung vieler nahe bevorſtehenden Converſionen hören, ſo wie von der Annäherung zum Katholicismus in den zu London und anderwärts von den Puſeyiten erbauten Kirchen, welches alles noch beſſere Dinge erwarken läßt, ſo wird es Sie gewiß nicht minder erfreuen, zu erfahren, was die Katholiken während deſſen glücklich ausgeführt haben, ja ſogar haben ausführen müſſen, um nur einigermaaßen den Bedürfniſſen der großen Menge ihrer neuen Brüder und Genoſſen des wahren Glaubens zu entſprechen. Während des kurzen Zeitraums der letzten ſechs Jahre hat man in England vierundfünfzig neue, und unter dieſen einige ſehr große Kirchen, ſo wie ſieben neut Klöſter erbaut; neunzehn neue Genoſſenſchaften von Nonnen und neun von Mönchen ſind gegründet, und nahe an zwei Millionen katholiſcher Controversſchriften und Andachtsbücher gedruckt worden. In manchen Städten Englands, die eine Bevölkerung von mehreren Tauſend Einwohnern haben, gibtes freilich auch jetzt noch wegen Mangels an Mitteln kein Gebäude für den katholiſchen Gottesdienſt. Gerade an ſolchen Orten oft bezeugt die alte, ehrwürdige Kathedrale oder Pfarrkirche, welche von ihren jetzigen Inhabern nur ſchwach beſucht, oder faſt ganz verlaſſen iſt, mit ihrem verwitterten Portale, daß ſie lange bevor beſtand, ehe Jene gegen das heilige, anbetungswürdige Opfer, gegen die Sacramente und Gebräuche der katholiſchen Kirche und gegen die apoſtoliſchen Inſtitutionen proteſtirten; und doch war die Kirche allein für dieſe Beſtimmung erbaut. Aber je mehr der katholiſche Glaube ſich ausbreitet, dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß die Wohlthätigkeit, dieſer ihn ſtets begleitende Genius, in den bekehrten Herzen der eifrigen Gläubigen eine Wohnung finden, und daß deren vermehrte Liebe dem vermehrten Bedürfniſſe begegnen wird. Können wir dann auch nicht unſer Eigenthum zurückerhalten, welchem freilich allein unſere Religion die wahre Bedeutung und den eigentlichen Werth beilegen kann, ſo wollen wir doch demüthig verſuchen, unſere ehrwürdigen Kathedralen nachzuahmen, wenn nicht in der Größe ihrer Dimenſionen, ſo doch der Heiligkeit unſerer Religion würdig und entſprechend. Das St. Galliſche Bisthum. (Schw. Kirchenzeitung.) Nicht um die Jeſuiten, ſondern um die katholiſche Kirche iſt es im gegenwärtigen Kampf zu thun. Wer ſolches nicht glauben will, der blicke nur um ſich, und wohin er ſich richtet, wird er ſich überzeugen können, daß die Bekämpfung der katholiſchen Kirche überall der Zweck der Radicalen und der großen Mehrzahl der Proteſtanten iſt. St. Gallen liefert den neueſten Beweis. Ueber die Nothwendigkeit einer definitiven Regulirung der kirchlichen Organiſation kann kein Zweifel ſeyn. Mehr als zehn Jahre wurden die dießfallſigen Unterhandlungen hinausgeſchleppt, bis endlich nach​​ langem Suchen und Markten eine magere Beſtellung zu Stande gebracht wurde. Das Kloſter St. Gallen war unter der Bedingung aufgehoben worden, daß ein Bisthum an deſſen Stelle trete und eine Million Gulden aus ſeiner Hinterlaſſenſchaft für das Bisthum verwendet werde; nun hat man aber herabgemarktet, bis nur 24,000 fl. aus dem Kloſter ⸗ oder allgemeinen Fonds für das Bisthum verwendet werden ſollen. Sind die Gegner dadurch beſchwichtiget, die Waffe ihnen entwunden, der Stachel abgebrochen worden? Im Gegentheil möchte man glauben, ſie wären erſt gereizt worden. Dieſelben Leute, welche den Aufſtand in Luzern mit Freuden begrüßten und höchlichſt beloben, hetzen dort adus Lei besträften, kämpfen gegen das Bisthum durch alle Inſtanzen; und wenn es in St. Gallen nicht zum Aufſtand gekommen, ſo liegt der Grund vielleicht einzig darin, weil die Radicalen bereits im Beſitz der Regierungsgewalt ſind. Zuerſt wurde das Volk gehetzt, die Geiſtlichkeit verleumdet, als gelüſte ſie nur nach Geld und Armengut, nach Ehre und Wohlleben; Petitionen wurden zuſammengeweibelt und der Volkswille gegen das Bisthum vorgeſchützt. Jetzt haben 10,748 Petenten, alſo ſchon die größere Mehrheit der Katholiken für das Bisthum petitionirt; nun ſchimpfen die Radicalen über das Petitioniren, dichten allen 10,748 Petenten die ſchlechteſten Zwecke an (die Radicalen haben nur heilige Zwecke!) und verleumden ſie auf jede Art. In den Behörden werden alle Künſte und Kniffe in Anwendung gebracht. Im katholiſchen Großrathcollegium begannen die Radicalen den leidenſchaftlichen Kampf, aber ohne Erfolg. Darauf ſollte der Kl. Rath ſein Gutachten über die Sanctionsertheilung abgeben: er hielt damit ſo lange zurück, daß der Große Rath nicht in die Frage eintreten konnte. Nun hat der Kleine Rath in ſeiner Mehrheit beſchloſſen, auf Sanctionsverweigerung beim Großen Rathe anzutragen. Dieß kann verfaſſungsgemäß nur geſchehen, wenn für den Staat eine Gefährde aus dem Bisthum erwachſen ſollte. Welche Gefährde dem Staat von einem Biſchof erwachſen ſoll, begreift ſich nicht leicht. Daß das katholiſche Volk und die Geiſtlichkeit das Bisthum verlangt, iſt den Radicalen geradezu ein Antrieb zur Verweigerung. Wahrlich, jeder Tag lehrt uns, daß der Radicalismus auf die katholiſche Kirche als ſolche kämpft, ein Bollwerk nach dem andern niederreißen und zerſtören will. Wie nothwendig iſt es daher, daß die Katholiken zuſammenhalten, daß ſie ſich nicht durch abweichende Anſichten über untergeordnete Dinge ſich ſpalten laſſen. Deutſchland. Trier, den 26. December. Gemäß Verordnung unſeres hochwürdigſten Biſchofs und demnächſtigen Erlaſſes des Generalvicariats vom 8. Nov. I. J. ſoll künftighin zum bleibenden Andenken an die Ausſtellung des heiligen Rockes die glänzende Kundgebung des katholiſchen Glaubens und der wahren Frömmigkeit, die dabei zum Vorſchein getreten, ein beſonderes Feſt zum heiligen Rocke in Verbindung mit den anderen vorzüglicheren Leidenswerkzeugen des Herrn, der Nägel und Lanze, wie dieß ehedem der Fall war, wieder eingeführt und auf den Mittwoch nach dem dritten Sonntag nach Oſtern verlegt werden. In dem größeren Rituale vom Jahre 1766 ſteht auch noch auf feria VI. post Dominicam in albis festum S. Tunicae, clavorum et lancae, duplex 2. class. angemerkt. Weil nun aber jener Mittwoch einmal als Bettag gefeiert werden ſollte und doch wieder bisher kein Gegenſtand des Feſtes vorhanden war, ſo daß die Geiſtlichen nicht wußten, worüber ſie an dieſem Tage predigen und was für einen Abſchnitt aus dem Evangelium ſie dem Volke vorleſen ſollten: ſo hat man ſehr paſſend und zweckmäßig jenes Feſt zum heiligen Rocke auf dieſen Tag verlegt. Er ſoll zwar einigermaaßen immer noch als Rogationstag erſcheinen und nicht ſo ſehr in äußerlicher Pracht gefeiert werden; doch aber wird allen Pfarrern dringend zur Pflicht gemacht, mit dem Hochamte eine dem Gegenſtande des Feſtes durchaus angemeſſene Predigt zu verbinden. Zu dem Ende ſoll dieß Feſt ſowohl auf Epiphania des nächſten Jahres als den Sonntag vor jenem Mittwoch dem Volke gehörig bekannt gemacht werden. Dieß iſt die beſte Antwort, die unſer Hochwürdigſter Herr Biſchof auf alle jene Schmähungen gibt, wie ſie ſeit einiger Zeit von allen Seiten her und aus ſo vielen Blättern wider ihn ausgeſpieen werden. Gewiß wird das gläubige Volk unſerer Diöceſe dieſes Feſt mit großer Freude begrüßen und auch den Pfarrern wird die Einrichtung deſſelben ſehr angenehm ſeyn. Nun wird das Froſtige, was dieſer Tag bisher im kirchlichen Leben hatte, verſchwinden; er wird ſich den übrigen Feſten würdig anreihen und eine bleibende Erinnerung an jene glorreiche Pilgerfahrt und alle damit verbundenen Segnungen ſeyn. Nun wird das Andenken an jenes koſtbare Kleinod ſo leicht ſsich nicht verlieren; vielmehr wird es fortleben im katholiſchen Geſchlechte als ein ſtetes Mahnzeichen, die Einhelt des Glaubens unzertrennlich zu bewahren, als ein Denkmal von der Macht dieſes Glaubens und als ein Triumphzeichen ſeiner Siegeskraft über alle feindlichen Mächte. So wenig laſſen wir uns durch die gemeinen und niederträchtigen Schmähungen, mögen ſie woher immer kommen, irre machen oder einſchüchtern, daß wir dieſes verhöhnte Gewand ſogar zum Gegenſtande eines kirchlichen Feſtes erheben. Was kümmern uns Jene, die ſich in frevelndem Leichtſinne vom Kleide Chriſti abgelöſ't haben? Wir aber wollen die Fäden unſeres Glaubens in unzertheilter Einheit bewahren; und daß dieſes geſchehe, davon ſoll uns des Herrn Tunica eine fürdauernde Bürgſchaft ſeyn. (Katholik.) Türkei. Konſtantinopel. Das franzöſiſche Gouvernement hat in Konſtantinopel ein Collegium gegründet, das unter der Leitung von Geiſtlichen aus dem Orden des hl. Vincenz von Paula ſteht. Dieſe Anſtalt, die bis jetzt die einzige derartige im Lande iſt, hat ſchon Erſtaunliches geleiſtet. Die Anzahl der Zöglinge nimmt mit jedem Tage zu, und es iſt einleuchtend, daß das Gebäude, ſo ausgedehnt es auch iſt, mit nächſtem erweitert werden muß, weshalb auch M. Bourquenay bereits die nöthigen Schritte bei der Pforte gethan hat. Außerdem befindet ſich auch in Sidon ein franzöſiſches Collegium, zu deſſen Unterhaltung Louis Philipp aus ſeiner Privatcaſſe alljährlich gegen 10.000 fl. beiſteuert. Türken, und ſelbſt Mollah's vertrauen ihre Kinder dieſen Schulen an, * Das Gebet des hl. Ignatius: „Anima Christi.“ Die Seele Chriſti ſey mein Heil; Durch Chriſti Leib werd' mir zu Theil Daß dieß mein Herz geſunde. Mich tränke Jeſu heil'ges Blut, Mich waſche rein und mache gut Der Quell aus Jeſu Munde. Du guter Jeſus höre mich, Heft' unzertrennbar mich an Dich, Vor Satans Pfeilen ſchirme mich, Im Todesſtreit berufe mich, In deine Nähe hole mich, Daß ich voll Jubel ewiglich Mit deinen Engeln lobe Dich. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.