^«s- - Beiü, ^ der P », Augsburger Erjte Jahreshälfte. XI? V. Postzeitnng. 1». Januar t84S. Der Sarkophag der heil, drei Könige, und der Triumplchajicn des apostol. predijitnmtes neben dem Triumuhlwgen der Schlacht lwn FNarengo zu Mailand. (Aus dein Tagebuch des P. Hcinr. Gvßlcr, über Jerusalem und die Heiligthümcr des Orients und Occidcnts i. I. ) Mailand, den l. Nov. 1844. Der Triumphbogen der Ticincsischen Pforte zu Mailand, nach Pavia und Genua führend, welchen der Kaiser Napoleon nach der Scblacht von Marcngo errichten licsx, und welcher seit 1815 die Inschrift trägt: Dem Frieden der Böller (»IIu ?aev dvi z,opoli) befindet sich am Platz St. EustorgiuS, gegenüber dem Triumphbogen des apostol. PrcdigtamteS und der Ehrensäule eines der berühmtesten Helden des Ordens der Prediger, des heil. Petrus von Verona, dessen Fest die allgemeine Kirche am 29. April feiert. Die Bildsäule des Predigers steht auf der Mitte des Platzes, und der apostolische Triumphbogen in Verbindung mit einer erhabenen in Stein gehauenen Kanzel, neben dem Eingange zu der Kirche von St. EnstorgiuS, welche zu den ersten Basiliken Mailands gehört, und im 4tcn Jahrhundert von dem heil. EustorgiuS, mailä-idischem Erzbischof, erbauet, im IZtcn Jahrhundert vergrößert und mit dem Kloster des PrcdigerordcnS verbunden worden ist. Dieselbe Kirche ist es, wo die Häupter der heil, drei Könige vor ihrer Uebcrtragung nach Köln ruhten, und der Sarkophag dieser drei Glauben-Helden, welche die aus dem Hcidcnthum bekehrte Kirche als ihre Stammväter und Proto-Konvertiten verehrt, wird noch gegenwärtig in dieser Kirche vorgezeigt mit einigen Reliquien derselben heil, drei Könige. In dieser ehrwürdigen Basilika befindet sich der Leib des heiligen Erzbischofö EustorgiuS unter dem Hochaltäre; der Leib des heil. Petrus von Verona aber in einer vorzüglich ausgestatteten Capelle nach der Evangelien-Seite; Epistclseitc: die Capelle mit dem Altare und Sarkophage der heil, drei Könige. Außerdem bewahrt diese Kirche die heiligen Leiber von drei Erzbischöfcn von Mailand, Eugenius, MagnuS und Cuö- ralruS, zweier Märtyrer, Victor und Corona, und verschiedene andere bedeutende Schätze aus dem Leben und Wirken der Heiligen der Kirche. Heute, am Allerheiligen Feste, hatten wir Veranlassung, m dieser Kirche an dem Altare der heil, drei Kö- res-Patronen nige, die heiligsten Mysterien zu feiern für die Bekehrung vcr christlichen Völker zur Einheit des Glaubens; nachd m wir gestern am Grabe und Altare des heil. AmbrosiuS angefangen hatten, und da für die besondere Bcrehrnng des heil. Carl BorromLuS in wenigen Tagen der Namenstag des großen Erzbischofö und CardinalS bevorsteht. — Der heil. Petrus von Verona, Prediger und Märtyrer des Doininicancrordcno, war zu Verona iu der Sccte der Manichäcr geboren, aber schon in früher Jugend zu der wahren Kirche zurückgekehrt, und zu Bologna, nach den UnivcrsitätSstudicn, in den Orden der Prediger-Bn'ivcr getreten. Er predigte zn Mailand in dieser Kirche seines Ordens, auch vor derselben auf eben der gekrönten Kanzel des Platzes St. EnstorgiuS, deren Inschrift gegenüber dem Triumphbogen der Schlacht von Marcngo, meldet, welchen Sieg das Schwert des Geistes durch daS Predigtamt des Evangeliums über die Irrlehre hier durch den Mund deö apostol. Predigers erfochten hat. Ein manichäischcr Bischof stand vor der Kanzel, und siehe, auf daS Gebet deö Predigers der reinen Lehre, trat plötzlich eine Wolke zwischen Kanzel und Sonne, andeutend, daß die Irrlehre die trübe Wolke ist, welche zwischen der Sonne der Wahrheit, Gerechtigkeit und GlaubcnScinhcit — und der Predigt deö reinen Glaubens sich mischet, und die GlaubcnScinhcit hindert. — Von Como nach Mailand zurückkehrend, wurde der treue GlanbcnSprc- diger von dcn Anhängern der Irrlehre ermordet im Jahre des Heiles 1252, den 29. April. — Während man ihm wiederholt mit einem Schwert das Haupt verwundete, sterbend, betete er das apostolische Glaubensbekenntnis;, welches cr als Jüngling mit GlaubcnSmuth bekannt hatte. Es schien uns der Sieg des apostol. PredigtamtcS für den Frieden der Einigkeit bei dem Anblick dicscö HciligthumS, heute am Feste aller Helden der Kirche der Heiligen, unvergleichlich erhabener als der bereits erloschene des Eroberers von Marcngo wider den Frieden der Völker, und wir seicrten das SicgcSfest der streitenden Kirche mit einem zwar weniger eroberungssüchtigen Geiste, aber sicher fruchtbarerem Erfolge au dieser heiligen Stätte. Am ersten Tage dicscö Jahres zu Rom die Kirche St. Maria dc Campitelli betretend, empfingen wir daselbst, nach dortigem alljährlichem Gebrauch, eine einfache Karte mit der Inschrift dcS Namens eines der heil. Jähes war der Name des heil. Petrus, Prcdigcror- ;ur Äicg Knabc nicht in seinem Hause sey, und mich bat, ihm denselben, falls er noch in meinem Hause sey, zuzuschicken, zugleich abcrauch den etwaigen Unwillen des Volkes zu verhüten. Ich konnte nicht gleich antworte», da ich zum Hochamte mußte; eS war Palmsonntag. Nach dem Hochamte kam R. selbst zu mir. Ich führte den Knaben, der wirklich noch in meinem Hause war, zu ihm; da dieser aber ganz blaß aussah und vor Schrecken zitterte, so getraute sich R. nicht, mit demselben über die Straße zu gehen, und bat mich, den Knaben bis auf weitere Nachricht bei mir zu behalte», was ich denn auch mit Freuden that. Am folgenden Tage Morgens 9 Uhr kam der genannte N. nebst einem Bruder desselben wieder zu mir, und verlangte den Knaben zu sprechen. Ich holte ihn gleich herbei, und bemerkte jenen, sie möchten nur Alles ciusbictcn, ihn zum Mitgehen zu bewege»; ich wollte ihnen nach Kräften behilflich seyn; nur verbat ich mir alle Gewalt und alle Schmähung gegen die christliche Religion. Wir redeten dem Knaben gemeinschaftlich zu; aber er erwiderte: „Ich will gcrue mitgehen, sobald ich nur vom Herrn Pastor getauft bin." Und so blieb dcr Knabe. Mittlerweile hatte ich auch von dem Pfarrer zu Gcsckc die herrlichste» Zeugnisse über den Knaben erhalten; auch hatte ich eS nicht unterlassen, ihn selbst zu prüfe» und vabci seine Kenntnisse vortrefflich gefunden. Zugleich hatte ich ihn auf die Beweggründe und die wichtigen Folgen seines Schrittes aufmerksam gemacht; er aber antwortete standhaft, lieber auf Alles, was die Welt ihm bieten könne, zu verzichten, als sein Vorhaben, Christ zu werden, fahre» zu lassen. Ebenso sprach cr zu seinem Onkel, dem genannten Kaufmann R. Nm 11. April Morgens 7 Uhr kam auch die Mutter des Knaben, in Begleitung des Bruders desselben. Sie machte ihm in meiner Gegenwart Borwürfe über sein Benehme» und forderte ihn auf, sogleich mit ihr zu gehen. Der Knabe antwortete: Ja Mutter, ich will mitgehen, aber zuerst muß ich getauft werden. Da stürzte die Mutter wilv auf den Knaben los, und schlug ihn so heftig in'S Gesicht, daß ihm das Wasser aus den Augen quoll und er in die Ecke des Zimmers flog. Unwillig über eine solche Behandlung bemerkte ich dcr Mutter, ich würde es ferner nicht zulassen, dcn Knaben i» meinem Hause so zu mißhcmdlen. Sie hörte aber aus meine Worte nicht mehr, sondern öffnete die Thüre, stieß dcn Knaben mit Gewalt hinaus, machte Fratzcngcsichter gegen ihn und sticß dabei alle Flüche des alten Testaments gegen ihn aus, und bemerkte ihm, sie wolle ihn gar nicht wieder haben, wenn er jetzt auch mitgehen wolle. Der Knabe blieb bei allem ruhig und gelassen, und sagte dcr Mutter beim Weggehen: „Ich will für dich und dcn Vatcr beten, daß ihr auch katholisch werdet." So blieb denn dcr Knabe bei mir bis zum 12. April. Da kam Nachmittags, in Begleitung des hiesigen Bürgermeisters G. und des pensiomrtc» Bürgermeisters K. von Soest und des älteren Bruders des Knaben, dcr Vater desselben und wünschte mit aller Artigkeit und Höflichkeit, den Knaben zu sehen und ihn allein zu sprechen. Gleich holte ich dcn Knaben und führte ihn zu seinem Vater in ein besonderes Zimmer. Nach wenigen Minuten kamen beide wieder auf das Zimmer, wo ich mich mit dcn übrigen Herren unterhielt. Dcr Vater zog ihn freundlich an sich, und sagte: „Nicht wahr, Abraham, du gehst doch mit mir." Der Knabc antwortete: Ja, gewiß! — trat aber i» demselben Augenblicke vor mich und sagte: „Bon Ihnen, Herr Pastor, muß ich aber zuvor getaust werden!" Nachdem der Vatcr und die übrigens Herren dem Knaben alle mögliche Vorstellungen gemacht hatten,! letzterer aber auf seinem Entschlüsse, nicht eher aus meinem Hauses zu gehen, als bis er getauft sey, beharrete, da verwandelte sich die Freundlichkeit des Vaters in Heftigkeit und Bitterkeit; er drohet- dem Knaben, wenn er Christ würde, so solle er die Schweine hüten; dcr Knabe gab zur Antwort: ich will mit Frcuden die Schweine hüten, wenn ich nur Christ werde. Ich hatte dem Vater bereits früher bemerkt, daß ich nicht leiden würde, dem Kinde Gewalt anznthucn; widrigenfalls würde auch ich von meiner Amtsgewalt Gebrauch machen, und dem Knaben, der nach den zuverlässigsten Zeugnissen das gcschliche vierzehnte Jahr zu- rückg'leqt habe, und nach meiner eigenen Prüfung hinlänglich im Christenthumc unterrichtet scy, und sich zugleich jederzeit, laut allen Zeugnissen, musterhaft aufgeführt habe, die heilige Taufe, die er so dringend wünsche, sofort ertheilen. Und so entfernten sich die Herren und ließen den Knaben zurück. Am 13. April (am grünen Donnerstage) Nachmittags erschien der hiesige Vürgcrmciftcr bei mir und überreichte mir eine Beschwerde, die dcr Vatcr des Kindes bei der landräthlichen Behörde zu Soest wegen gewaltsamer Vorcnthaltung seines Kindes gegen mich eingelegt hatte. Zugleich war unser Bürgermeister beschuldigt, daß er ven polizeilichen Schutz verweigert habe. Ich verfehlte nicht, der landräthlichen Behörde alsbald meine Vertheidigung zuzustellen. In Betreff des verweigerten polizeilichen Schutzes bemerkte der Bürgermeister in seinem Berichte an die landrälhlichc Behörde unter andcrm Folgendes: „Nach genauer Erwägung des Sachverhältnisscs kann eS hier meines ErachtcnS aus einen polizeilichen Schntz gar nicht ankommen. Dcr Herr Pastor A. verweigert dem Löwcnbach das Kind durchaus nicht; cr führte es ja gestern in dessen Arme zurück. Dcr Knabe weigerte sich aber, uugctauft mitzugehen. Sobald dcr Vatcr also zugibt, daß sein Sohn getauft wird, geht letzterer mit ihm. Dem Verlangen des Sohnes steht gesetzlich nichts im Wege, und hört bei dcr Frage, zu welcher Religion ein fünfzehnjähriges Kind sich bekennen will, die väterliche Gewalt auf. Löwcubach will durch sein jetziges Verfahren lediglich die Taufe seines Sohnes verhindern; cr hat dieß durch seine Worte nicht bewerkstelligen können; nunmehr ruft er die Polizei zu Hilfe, also zur Verhinderung einer gesetzlich erlaubten Handlung. Hiczu ist aber die Polizei nicht ermächtigt, da vorliegend weder ein Verbrechen begangen, noch irgend Jemand an Leben, Ehre und Gütern gekränkt werden soll. Ich werde mich also zu gewaltsamen Maaßregeln gegen dcn Herrn Pfarrer unter meiner Leitung nicht verstehen können, da ich indessen Benehmen durchaus nichts Ungesetzliches erblicke, und zudem befürchte, daß bei wirklicher Anwendung von Gewalt eine Aufregung hier entstehen könnte, deren Folgen ich nicht verantworten will." Die landräthliche Behörde zu Soest hielt sich wahrscheinlich, nachdem sie den Sachverhalt vernommen, für incompctent hier einzuschreiten, weil sie weiter keine Maaßregeln gegen mich ergriff. Jedoch kam dcr Gendarm, welcher mit obiger Beschwerde nach Wcrl geschickt war, zweimal in mein Haus, um mir dcn Knaben zu entführen. Weil ich nun, falls die landräthliche Behörde, wie - ich dieß noch immer befürchtete, mir den Knaben wegnehmen wollte, mir die unruhistcn Auftritte Seitens dcr hiesigen Stadtbewohner, die wegen der Verfolgung des Knaben schon in der größten Aufregung waren, befürchtete, so ließ ich denselben heimlich zu dcr Frau v. L. in'S Haus bringen, holte ihn aber in Begleitung deö hiesigen PolizcidicnerS zurück, und ließ ihn in meinem Hause bcwachcn. Es war der heilige Abend deö Grünen- Donnerstags. Um nun allem Unheile, was hier aus längerer Verzögerung dcr Taufhandlung hätte entspringen können, um auch dcr Unruhe dcns und Märtyrers, dessen Leib zu Mailand ruhet. Wir erstaunten, daß seines Geistes Wehen uns nach Verona führte, wo die seltene Freude uns wurde, die Frucht des Prcdigtamtes in eigenthümlicher Wirksamkeit des heil. Geistes wahrzunehmen. Heute, nach der Feier der heil. Mysterien, reichte man uns die priesterliche Stola mit dem Erbieten, das Haupt desselben heil. Petrus, welches über dem Altare seiner Capclle zu St. EustorgiuS thronet, zu eröffnen. Wir waren erstaunt, nach sechs Jahrhunderten dieses heilige Haupt so unvcrwcset zu finden, daß nicht allein die Doppelte Reihe der Zähne, die Haare des Bartes, sondern auch das aus der Wunde hervorquillendc Blut in einer Aussckwcllung sichtbar ist, welche uns zweifelhaft ließ, ob wir ein fließendes, oder ein kaum getrocknetes Blut schauten. Ohne unseren Augen allein vertrauen zu wollen, bezeugen wir die Wahrnehmung mit jener Gewissenhaftigkeit, mit welcher wir unsere Aussage vor den großen Richtcrstuhl der Ewigkeit zu tragen hoffen. — Wir verließen die Hciligthiimer von St. EustorgiuS mit neuer Stärkung in Glaube, Hoffnung und Liebe, und begaben uns zu der heiligen Einsamkeit von St. Barnabas in die Zelle neben den geweihten Zimmern, wo der große BorromäuS sich alljährlich zurückzuziehen pflegte, wo sein Kleid und Gürtel des dritten Ordens des seraphischen Fran- ciscuö, welchem er angehörte, noch aufbewahrt wird, und wo der erlauchte Franz von Sales die Herberge, zu Borrvmäus Ehren, nahm, wo beide, zu verschiedenen Zeiten, knieten und beteten, und versenkten uns in den Glanz der Erinnerungen, welchen diese großen, vclllenchtenden Sterne der wahren Kirche der Heiligen hier zurückgelassen haben. Nachtrag. Den 2. November. Die Inschriften auf dem St. EustorgiuSplatz zu Mailand haben wir heute getreu in unser Tagebuch eingetragen. 1) Inschrift über dem Hauptportal der Basilika der heiligen drei Könige: Oev Optimo Äluximo 1'emplum 8ancti LustorZii, '1'itulo Lasilieuo Lanetorum Re- gum, ol> usservuts Diva oorum Lorpora iusixniUim, >,Iuri- morum Sailctonim I^isanis venörubile, Simeti ?etri HIar- t^ris, Orclinis l^raoilieatorum, eonvionilius, mirucitlis, se- pulero olsiissimum. 2) Inschrift an der rechten Vorderseite des Dreiecks der Trinmphkanzcl des heil. Petrus von Verona: In Iiuc ^roa 8anetus I>Ltru5 >lsrlvr. Orclinis ?ruicstoruin Alunieliaoos eorgm populo tlisiiutantss eloquentia et procligiis saopigsimo conlutilvit. An der linken Vorderseite des Dreiecks: Hkio, pertingei85imo Iiuerotieorum ^ntistite provocante Sanctu8 Petrus Nartvr, Orclims praoclieatorum, mibeeulum rvpente »eeivit, coneionem inter ao Solom stare ^jussit. 3) Inschrift über dem Triumphbogen der Schlacht von Ma- rcngo, jetzt: Triumphbogen des Friedens der Völker: psci populvrum sosriitae. Die Inschrift an dem Sarophag in der Kapelle der heiligen drei Könige in der vorgenannten Basilika lautet: Sepulci-um l'rium lie^um! (Fr. K. K,) D e u t s ck l a n d. Mittheilung über die Bekehrung des Judcnknaben aus Gcsckc. (Katholik.) Die tumultuarischcn Auftritte iu Gcsckc in Folge der obcn- gcuanntcn Bekehrung sind in den Zeitungen nun fast seit Jahresfrist verschollen; das Urtheil aber über die eingezogenen Individuen, welche bei jenen Ercessen bethciligt waren, ist erst vor einigen Wochen zu Arnsberg gefällt worden. Von den zur Untcrsn- chung gezogenen 18 Personen haben 7 bis 8 zwei Jahre Zuchthaus erhalten, 4 aber drei Jahre; du> übrigen sind vorläufig freigesprochen. Dem tuniultuarischen Verfahren mag sein Recht geschehen seyn; in Betreff rer BckehruugSgeschichtc aber möchten folgende Mittheilungen von Interesse seyn. 1. Aus eiucm Schreiben des Pastors A. zu Wert, welcher den Judcnknaben getauft hat, bald nach ertheilter Taufe, 15. April 18ä3. „Vor ungefähr 7 Wochen hörte ich, ein israelitischer Knabe aus Gesekc sey hier cmackommcn, der Christ werden w^llc, nnd den man von Gcsckc bicher geschickt habe, um sein Vorhaben zu vereiteln. Ich kümmerte mich weiter um dieses Gerücht nicht, bis ich in voriger Woche ein kleines Bricfchcn erhielt, das mit dem Namen Abraham Löwenbach unterzeichnet war, worin mich dieser auf die rührendste Weise bat, ihm doch die heilige Taufe zu ertheilen. Aus einem Briefe des Vicar B. zu Gcsckc, dcr mir einige Tage früher übcrbracht war, sah ich, daß dcr Knabe von diesem Geistlichen bereits in dcr christlichen Religion unterrichtet war, und fand mich deshalb veranlaßt, an den Vicar B. zu schreiben, um mich nach dem Alter des Knaben, nach dessen Kenntnissen, Aufführung, Familienvcrhältnisscn nnd sonstigen Umständen zu erkundigen. Unterm 9. April erhielt ich über dieses Alles die vollkommenste Auskunft, und wnrde zugleich aufs dringendste gebeten, mich des braven, hartverfolgten Knaben doch liebevoll anzunehmen. Am 8. April kam der ^inabc aus eigenem Antriebe zu mir, und bat mich inständig, ihm doch die heilige Tause zu ertheilen. Nachdem ich ihm angemessene Ermahungcn gegeben und ihm gesagt hatte, daß ich seinetwegen an Vicar V. geschrieben, entließ ich ihn mit dem Versprechen, ihm das Nähere mitzuthei^ len, sobald ich Antwort von Gcsckc erhalten. Als ich am folgenden Tage Morgens aus dem Beichtstühle kam, rief inir dcr hiesige Vicar aus dcm Fcnstcr cntgcgcn: „Der Judcnknabe ist auf ihrem Zimmer; die Jurcn haben ihn verfolgt bis zum Thore Ihres Hauses." Ich traf den Knaben auf meinem Zimmer, auf welches er vor den Juden geflohen war, und ehe ich ^ noch ein Wort mit ihm geredet hatte, erschien schon dcr Sohn !dcS Kaufmanns R. dahicr, bci dcm dcr Knabe vom Vater untergebracht war, um ihn zurückzuholen. Dcr Knabe weigerte sich aber hartnäckig mitzugehen, indem er sagte, man beabsichtige, ihn wieder nach Geseke zurückzuführen, und dahin werde er nicht eher gehen, bis er getauft sey. Mich aber bat dcr Knabe dringend, ihn doch vor den Nachstellungen der Juden zu schützen und ihn zu taufen. Kaum war der junge N. weggegangen, so erschien auch der Vater desselben mit seiner christlichen Magd, und es gelang diesem unter meiner Mitwirkung, den Knaben zu bewegen, mit der Magd in sein Haus zurückkehren zu wollen; er ging auch mit der Magd von meinem Zimmer. Eine halbe Stunde später erhielt ich aber von R. einen Brief, worin er mir anzeigte, daß dcr und Angst, dic ich 6 Tage und Nächte des Knaben wegen ausgestanden, endlich ein Ende zu machen, und um vor Allem das heilige Verlangen des Knaben nach der Taufe zu befriedigen, wozu mich ja der Herr hieniedcn berufen, so entschloß ich mich, nachdem ich jedoch zuvor noch, um ja nicht gegen dic Gesetze zu verfehlen, den Nath deö Herrn Cvnsistorialrathö K. zu ArnSbcrg durch einen Boten eingeholt hatte, wodurch mir dic feste Ueberzeugung geworden, dasz hier allen gesetzlichen Vorschriften Genüge geleistet sey, den Knaben am 15. — am Charsamstag — zu taufen. Mit diesem Entschlüsse machte ich den Knaben am Charfreitag Morgens bekannt, nachdem er mir zuvor noch weiter von seinen Kenntnissen und seiner Sündhaftigkeit die rührendsten Beweise gegeben. Er jnb-ltc vor Frcndc, als er hörte, daß ihm das so lang ersehnte Gluck nach so vielen Leiden und Kämpfen endlich zn Theil werden sollte. Er bereitete sich den übrigen Tag hindurch in der erbaulichsten Weise zum Empfange der heiligen Taufe vor, und empfing dann am Charsamstag, den 15. April, nach der kirchlichen Segnung der Taufe, das Bad der Wiedergeburt. Taufzcu- gcn waren der Jnstizamtmann B. und dic Frau v. L. dahier; er erhielt die Namen Vcrnard Franz Matthias. Seit Mcnschcnge-- dcnkcn hat wohl kein kirchlicher Act hier in Werl bei der zahllos versammelten Volksmenge aus allen Standen eine so tiefe Rührung hervorgebracht, als die Taufe dieses standhaften Knaben. Kein Auge war thränenleer; er allein blieb heiter und antwortete muthig und unverzagt auf alle an ihn von mir gerichteten Fragen. Der junge Christ, von seinen reichen Eltern und Verwandten verstoßen, lebt munter und heiter bei mir im Hanse, und ich werde Alles, was in meinen Kräften steht, aufbieten, um den aufgeweckten talentvollen Knaben an der Hand der Religion Jesu Christi zu einem rechtschaffenen Bürger der Welt »nd des Himmels heranzubilden. " Der edle Herr Pfarrcr hat Wort gchaltcn; er hat unermüdlich für den Knaben gesorgt, und Alles aufgeboten, um ihm dereinst eine ehrende Stellung im Leben zu bereiten. Es gelang ihm, denselben auf das Gymnasium zu Paderborn zu bringen; aber die Eltern ruhten nicht, den Knaben zu beunruhigen und zu verfolge». Sie wußten seiner habhaft zu werden und schafften ihn heimlich nach Hamburg. Dic über solche Verfolgungen auSgebrochenen Un- ruhcu iu Gcsekc sind bekannt. Folgendes entnehmen wir aus einem Briefe, den der Knabe an seinen Wohlthäter, den Pfarrer A. in Werl, schrieb; er ist vom 11. Mai 1844. 2. Theuerster Wohlthäter! „Seit meiner Abreise von Werl hatte ich wieder traurige Tage! Sobald ich in Paderborn anlangte, vernahm ich auch schon, daß cS ganz gewiß sey, daß ich wieder zu meinen Eltern znrück müsse. Den Verlauf der Sache wird Ihnen Herr Caplan L. mitgetheilt haben. Der Herr Caplan begleitete mich nach Gcsekc. Sobald er nur weg war, wurde ich wieder mit Schimpfen und Vorwürfen überhäufe. Ich schwieg immer still, und antwortete nur dann, wenn cS meine Pflicht erheischte; war übrigens artig und gehorsam, so wie cS sich sür ein Kind geziemt. Gleich den andern Tag sagte ich meinem Vater, ich müßte zum Herrn Pastor S., indem ich noch einige Grüße an ihn zu bestellen hätte. Mein Vater aber sagte, ich solle zu Hanse bleiben, da ich noch genug znm Pfarrcr gehen könne. Ich gab nach, sagte aber, daß ich am andern Tage doch jedenfalls hingehen müßte. Am andern Tage bat ick meinen Vater wieder um Erlaubniß (denn er sollte sehen, daß ich ihm noch ganz gehorsam sey); er sagte, ich könne gehen, sobald er von einem kleinen Ausgang, den er noch zu machen/ zurückkäme. Ich freute mich schon darauf; allein, da er wieder kam, sagte er mir, ich solle mich reisefertig machen, um nach Münster zu reisen, und auf dem dortige» (katholischen) Gymnasium mein Studium fortzusetzen. Aber das war nicht seine Absicht; sondern ich wurde in einem Wagen von meinem Bruder in das protestantische Hamburg gebracht und bei einem Rabbiner cinquartirt. Hier wohne ich nun, und gehe auf das hiesige protestantische Gymnasium, und zwar ebenfalls in dic Tertia. Der Rabbiner, bei dem ich wohne, will mich mit Gewalt wieder zum Juden machen, obgleich ich ihm meine feste Ueberzeugung versichere, daß die römisch-katholische Religion und keine andere dic wahre ist; er scheint aber nicht rnhcn zu wollen. Ferner ist hier nur eine katholische Kirche; ich kenne den Pastor nicht, ich wollte gerne communiciren, darf aber nicht, ich ginge gerne, wenigstens Sonntags in die Kirche, ich darf ebenfalls nicht. Die Gebetbücher, dic ich mit anf dic Reise genommen hatte, hat mir mein Bruder weggeworfen und nnch noch dabei verhöhnt. Geld kann ich aber nicht anders erhalten, als wenn ich dem Rabbiner den Zweck sage, wozu ich es gebrauchen will. — Wenn Sie daher so gut wären und schrieben an den hiesigen Hanptpastor Sch. oder an Pastor W. über meine Lage, und legten dann auch ein Bricfchcn für mich bei. Sie haben schon so oft für mich gesorgt; o thuen Sie es anch jetzt noch und schreiben Sie an einen der obigen Herren, und schildern Sie ihm meine Verhältnisse. Ich bitte Sie darum!! :c. :c. Der edle, unermüdliche Pfarrer hatte bereits, ehe dieser Brief anlangte, sich für den Knaben bci der Königlichen Regierung verwandt. Unter dem 23. April d. I. hatte dieselbe bci dem Obcr- landesgcrichtc die Bestellung eines christlichen CuratorS für den minderjährigen Bcrnard Löwcnbach in der dringlichsten Art beantragt, der dann auch baldigst beschafft und mit der obervormund- schaftlichen Antorisation versehen wurde. Auf dessen Anklage wurde dem Vater des Knaben dic väterliche Gewalt genommen, und der Knabe von Hamburg zurückgeholt und dem ferneren Studium an einem katholischen Gymnasium gewidmet. England. Feierliche Einweihung eines Klosters. Am 20. August wurde die Abtei und Kirche des St. Bernhardsberg in der Grafschaft Leiccster feierlich eingeweiht. Dieß war zum erstenmale seit der Neformationszeit, daß eine solche Ceremonie, wie die Einweihung eines katholischen Klosters, gefeiert wurde, weßhalb auch eine große Zahl Priester und Laien derselben beiwohnten. Der 1)r. Walsh, Bischof von Campisolis, vollzog dic Weihe. Die Hauptmesse wurde vom Hr. Wyscmcm, Bischof von Mesopotamien, unter Mitwirkung des Dr. Morris, Bischofs von Troja, gehalten. Alle drei sind apostolische Vicarc. Das jetzt wieder ausgebaute Kloster datirt seine» Ursprung vom Jahre 12g(1. Die Mönche, die es auf's Neue in Besitz nahmen, gehören dem Ci- sterzienscr Orden an, der von Robert, Abt von Melesme gestiftet wurde, der den Orden des heiligen Bencdictus bildete. Die armen Mönche hatten lange Zeit in elenden Hütten gelebt, in den Wäldern von Carnwood. Verlags - Inhaber : F. C. Krem er.