? 1b ^»S» ' Der/,, Augsburgs v Erjie Jahreshälfte. der Ppstz-Ltung. ÄK. Januar Wie Friedrich Hurter katholisch wurde ^) Dcr Verfasser der Geschichte JnnocenzenS des Dritten und sei»er Zeitgenossen wurde unter den Forschungen, welche er zu diesem Behufe anstellte, aufmerksam auf den Bau dcr katholischen Kirche-, er schaute mit Wohlgefallen in die kraftige Leitung derselben Durch eine lange Reihe würdiger Oberhäupter, in deren Wachsamkeit über Einheit und Reinheit dcr Lehre. Diesem gegenüber stellte sich die Unselbständigkeit der protestantischen Kirchen ihre Abhängigkeit von den Staats - Gewalten, ihre innere Zerrissenheit und jener Individualismus, welcher die Lehre den Grübeleien dcr Kritiker, den Philosvphcmcn dcr Dogmatiker und der Subjectivität der Prediger preis gibt. In dieser Eigenschaft aber, und nachmals als kirchlicher Oberer eines protestantischen Ländchcns, betrachtete er sich gleich der Schildwache eines halb aufgegebenen Postens verpflichtet, diesen zu vertheidigen mit aller Entschlossenheit, ihn zu behaupten, so lange wenigstens als möglich; das heißt, an den Fundamcntallehren des geoffenbarten Christenthums, nämlich an denjenigen von dcr Trinität, dcr Erbsünde, der Gottheit Christi, dcr Erlösung, dem gläubigen Wandel, mit eiserner Festigkeit zu halten, sie alle zumal in Predigt -und Unterricht unablässig zu verkünden, somit entschieden alle Anwandlungen des NationaliSmnS abzuweisen. Hierüber konnte ihm nie ein Borwurf gemacht werden; zu erhalten, was »och vorhanden, das erachtete er stets als geheiligte Aufgabe seines Wirkens. Für sich selbst aber beschäftigte er sich mehr mit dem Aeußern, als mit dem Innern der katholischen Kirche, mehr mit deren Geschichte und Verfassung, als mit deren Dogma. Eines nur, hervorgehend aus seinen dogmatischen Ueberzeugungen, fiel ihm schwer, daß diejenige Fraction des Protestantismus, der er angehörte, die heilige Jungfrau gänzlich beseitigt hatte, sie vollkommen ignvrirtc, oder höchstens als eine gewöhnliche, obwohl fromme, Mutter sic behandelte. Frühzeitig, ohne Bücher zu lesen, ohne mit irgend Jemand darüber in Erörterung einzutreten, ohne alle specielle Kenntniß dcr katholischen Lehre in Betreff derselben, fühlte cr sich von unricnnbarcr Ehrsucht gegen sie crsüllt, ) Von ihm selbst erzählt. Aus dcr sc eben erschienenen „überüchlli- chrn Darstellung cer wichtigsten B lvhrungcn zur ka>h»l scheu Kirche" (Schaffhausen, H>,tter'icke Buchbandlungl !!, 3Ki» ss. ahnctc cr in ihr Fürbittcri», wcndctc cr sich in dem Hcilig- thum des Herzens an sie. Auf protestantischer Kanzel mit aller Entschiedenheit zu verwerfen, was die Stifter des Protestantismus vom Christenthum noch beibehalten haben, ist erlaubt, findet nicht selten Beifall; beibehalten oder herstellen zu wollen, was sic verworfen haben, fände lauten Widerspruch, entschicdcncn Tadel. Dr. Hurter bemühte sich, wenigstens auf die Jungfrau Maria (so wird sie doch in dem protestantischen Glaubensbekenntnis; genannt) aufmerksam zu machen, ihre höhere Beveutung in Erinnerung zu bringen. Ueber das an solchem Ort Zulässige ging er nicht hinaus. Wer dem Andern, glaubte cr, die volle Schuld redlich und gewissenhaft abträgt, sey nicht verpflichtet, über die Baarschaft, die er in der Tasche zurückbchält, ihm Rechenschaft abzulegen. Im Jahre 1840 wurde an ihn die sonderbare Frage gestellt: ob er Protestant von Herzen sey? Die Frage wurde nicht auf Ausstellungen an seinem bisherigen öffentlichen Wirken, auf Beweise, die man diesem hätte entnehmen können, begründet, sondern an jenes Gcschichtswerk und an eine Reise nach Wien geknüpft, darüberhin in das k'vrum mtvrnum gcschobcn. Dic äußere Veranlassung dazu hatte man in einem Besuche in dem Kloster St. Katharinenthal und in dcr Anwesenheit in dcr dortigen Kirche gefunden. Wenn man bei Momenten des Lebens, an welche sowohl für das äußere als für das innere Daseyn eine Reihe der merkwürdigsten Folgen sich anknüpfen, von Zufall reden kann, so war die Wahl des Tages, dcr mit dem Feste des heiligen Josephs zusammentraf, das Zufälligste von dcr Wclt. Ein Bauer machte sich den Spaß daraus, au dic Anwesenheit des 1^5. Hurter in der Kirche die grundlosesten Sagen über dessen Benehmen zu knüpfen: einigen Geistlichen waren dieselbe» willkommen als Brücke zu Vollführung dessen, wonach sic im Stillen längst schon sich gesehnt hatten. Dic nächste Folge war also jene Frage. Dr. Hurter wies dieselbe mit gerechtem Unwillen zurück, weil in ihr nicht daö positive, sondern das negative Element das Ucbcrgcwicht hatte. Wäre cr gefragt worden: ob cr Katholik sey? cr hätte mit eiucm entschiedenen Nein antworten können und müsscn. Darüber ciitstaud heftiger Hader, worin allerlei merkwürdige Elemente zusammen sich verbanden, sicher auch politischer Haß seine Beisteuer gab. Er aber sprach am Ende ein entschiedenes Wort. Jetzt stellen ihm diese Bcgcgnissc unter ganz anderem Lichte sich dar, als damals; jetzt wurde er denjenigen, über welche er in der Hitze des Kampfes unbarmherzig herfuhr, vielmehr danken, daß sie denselben erhoben; denn die „Betrübniß" hat sich in „Freude" verwandelt-, uud jetzt, da „die fricdcbringcnde Frucht der Gerechtigkeit" gereift ist, erkennt er in jenen Borgängen „die Unterweisung zu dem, was nützlich, um seine Heiligung zu erlangen." Ucbcrzcugt, daß Gott von Kindesbeinen au, wenn gleich auf weitem Umwege, ihn dahin habe führen wollen, wo er jetzt steht, muß er jenen Hader als den Wcndepunct betrachten, von dem aus sein Weg endlich vic entschiedene Züchtung gewann. Denn damals schon, als n.ich dem ersten Sturm zu reifer Ucbcrlcgung Rübe gewonnen worden, nnd im Verlauf der nachfolgenden Zeit immer mehr, bot der Umstand, daß jener Kirchcnbcsuch, welcher allem Nachhcrigen den ersten wahrnehmbaren Anstoß gab, mit dem Geburtstage zusammcnsallc, Stoff zu vielfachem Nachdenken. Hierin blieb die Erinnerung immer haften; und wenn für alles Andere in den Verhältnissen, in den gegenüberstehenden Individualitäten, in den eigenen Bestrebungen die zureichenden Gründe gesunden wurden, so blieb in diesem Zusammentreffen Etwas, worüber sich weder hinwcgschrciten ließ, noch was durch irgendwelche Combination erklärt werden konnte; man mochte es das erste, aber un- vertilgbarc, Glimmen nennen, welches im Verfolge zum hellen Lichte erstarkte. Dr. Hurter erkrankte mit seinem ganzen Hanse; zwei innigst geliebte Töchter nahm Gott zu sich; in mehr als einem schweizerischen Kloster wurden Gebete um deren. Genesung, gleichwie um die scinige, veranstaltet; diejenigen, mit denen er über drei- ßig Jahre in der engsten Verbindung gestanden, deren allseitige Interessen er mit der freudigsten Hingebung stets verfochten, erwiesen sich allermindestens als höchst thcilncihmlos; Viele derer, welche man gegen ihn aufzuregen gewußt hatte, erlaubten sich die gehässigsten Reden; der Pietismus jubilirte, als er mit drcischnei- digem Dolche noch in dem Herzen des Vaters wühlen konnte. Sollen die Bäume nach der Rinde und nicht vielmehr nach der Frucht gewürdigt werden? Soll die entgegenkommende Liebe ihr Anrecht auf des Menschen Herz an die kalte Gleichgültigkeit — um nicht mehr zu sagen — abtreten? Sollten so entgegengesetzte Erfahrungen den Menschen stumpfsinnig in der Mitte stehen lassen? Haben auch dieselben ihre anziehende Kraft nach der einen Seite nicht alsbald mit vollem Einfluß entwickelt, so führten sie doch Dr. Hurter bald genug zur klaren Einsicht, daß Friede mit Denjenigen, die einmal in solcher Weise ihm sich gegenübergestellt hatten, nicht anders herznstcllen wäre, als wenn er unter das unerträglichste Joch, welches Beengung anflcgen wollte, sich schmiege. War hier eine Wahl möglich ? Er warf Würden, Stellen, Einkünfte von sich und trat in den Privatstand, gegen den Protestantismus, der entweder als Nationalismus alle Dogmen bestreiket, oder als Pietismus mit der Moral es nicht so gcncin nimmt, gleichgültig geworden, ohne darum mit allen Lehren der katholischen Kirche einverstanden zu seyn. Können aber an einem denkenden, arbeitsfreudigcn, mit voller Muße begnadigten Manne vier volle Jahre spurlos vorübergehen, ohne ihn vorwärts oder rückwärts zu treiben? Das wird schwerlich Jemand behaupten wollen. Alles wohl überlegt, hatte die göttliche Leitung vorwärts getrieben, gezogen; sie wollte, sie konnte nicht rasten, das eigene Bestreben mnßte ihr entgegenkommen. Dircct, mit Absicht, entweder auffordernd oder mahnend, haben bicr Menschen nicht gewirkt. Es verbreitete sich über die gcsammtc Lebensbahn seit deren ersten Anfängen immer helleres Licht, und die Frage, woher und wozu dieses Alles? durste nicht länger in den Hintergrund treten. Es wurde, über den Ursprung der Glanbcnstrennung, ihre Beweggründe, die Mittel, sie zn stabiliren, zumal in England, über dcrcnEinflnß auf die politische Gestaltung der Länder mehr als eine Schrift M Hand genommen. Es lagen aus der nächsten Umgebung Beweise genug vor, wie der Radikalismus gegen die katholische Kirche schäumt, indeß er den Protestantismus, als seinen Zwecken unhindcrlich, gewähren läßt, wohl gar in innige Verbrüdcruna mir demselben tritt. Die unbestreitbare Thatsache, daß katholische Nvl^ kcr, die aus die Bahn der Revolution getrieben worden sind, wieder umzukehren vermögen, indeß protestantische immer weiter auf derselben sich verrennen, daß katholische Individuen, die von ihr sich berücken ließen, weit eher wieder zur Genesung gelangen, als protestantische, nnd diese in dem Maaß nur, als sie nicht in Feindschaft gegen die katholische Kirche gehetzt sind, diese Thatsache durste ebenfalls nicht unbeachtet, die Frage: woher dieses? eben- salls nicht nnerörtcrt bleiben. Großer Einfluß gewann der Anblick des Kampfes, welchen die katholische Kirche gegenwärtig beinahe in allen Ländern zu bestehen hat, und die Würdigung der Parteien, der Mittel, die von beiden Seiten angewendet werden. Trotz dessen ließ sich das Wehen eines bessern Geistes, von dem nicht kann gesagt werden, von wannen er kömmt, nicht verkennen; läßt sich nicht übersehen, daß die Kirche anch da, wo man noch so beflissen ist, sie zurückzudrängen, an Terrain gewinne; daß die wider sie geführten Streiche zu S-gnungcn werden, und alle Bemühungen der Gewaltigen, HorazenS Wort von der schlimmern Nachkommenschaft schlimmer Vorsahren hier zur Wahrheit zu machen, wider alles Erwarten fehlschlagen. Anncbcn war leicht zu bemerken, wie Wesen nnd Leben jener Geistlichen, deren Bestreben dahin geht, die Kirche zu verflache», das Gefügc ihres Baues zu lösen, ihre hehre Gestalt ans den winzigen Maaßstab ihrer Aufklärung zu rcducircn, dem Wesen nnd dem Leben derjenigen gegenüber in die Wagschalc gelegt, welche man durch das Wort Ultramontane verschreien zu können wähnt, das Zünglein auf deren Seite treibe. Dieses Alles zusammengenommen bot Stoffes genug, ernstlich über eine Institution nachzudenken, welche aus dem Kampfe wider so viele vereinigte, offene und verkappte, Feinde nur verjüngt und erträstigt hervorgeht. Anncbcn wurde nachgeholt, was srüher versäumt worden! das Stndinm der Dogmen, wobei des scharssinnigen MöhlerS Symbolik wesentliche Dienste leistete. War der Glaube an eine unmittelbare göttliche Einführung des Christenthums von jeher unvcrrückt festgehalten worden, so mußte das Vorgebe»: in seiner Lauterkeit habe es bloß drei Jahrhunderte bestanden und sey erst nach Verlauf vou zwölf andern Jahrhunderten durch einen in Widersprüchen sich verwickelnden Mönch und durch einen in Ehebruch und Vergeudung sich wälzenden König ans dem Wust menschlicher Zuthaten glücklich wieder heransgcgrabcn worden, eine ernste Prüfung sich gefallen lassen. Ein verklärtes Hanpt der Kirche, welches dieselbe durch so lange Zeit aller Verunstaltung preisgeben^, dann zur Herstellung in ursprüngliche Reinheit so sonderbarer Pcrsön> lichkciten sich hätte bedienen können, erschien als ein höchst seltsames Haupt. Dabei konnte die Zerrissenheit der mannigfaltigen protestantischen Sccten, deren Zertrennnng in den wesentlichsten Lehren, deren alleinige Einigung in dem negativen Elemente des Hasses und der Opposition gegen die Kirche, >, endlich die gähnende Kluft zwischen dem ersten ÄuSgangspunct nnd dem jetzigen Standpunct so vieler Lehrer und Glieder des Protestantismus nicht unberücksichtigt bleiben, am wenigsten, wenn die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der protestantischen sogenannten theologischen Wissenschaft in Anschlag gebracht wurden. Die Gewißheit, bei dem Zusammentreffen mit zehen, aber römisch - katholischen, Lehrern Einklang der Lchre zu finden, neben der anderweitigen Gewißheit, bei dem Zusammentreffen mit ebensoviel protestantischen Geistlichen auf ebensovicle verschiedene Lehrsnstcme zu stoßen, war gleichfalls ein nicht unwichtiges Moment. Denn der Schemen einer unsichtbaren Kirche konnte ebensowenig Zusagen, als die Ueberlieferung der reinen Lehre durch eine endlose Reihe von Ketzereien. Zuletzt setzte das Unternehmen einer deutschen Uebersetznng von Jnnocenzens Auslegung der heil. Messe der angebahnten Ueberzeugung die Krone auf. (Schluß folgt.) Die Extreme. ( ^chw. Kirchen,.) Das katholische Volk des Kanton Luzcrn, dem am 8. Dec. verfl. I. der Vertilgungskrieg bereitet wurde, hat schon vordem , noch mehr aber seit diesem schrecklichen Tage Herz und Hände zum allmächtigen Gott erhoben, um vom Himmel Hilfe zu erlangen; Bitt- und Dankfeste werden gefeiert, ganze Schaarcn ziehen laut betend auf den Heerstraßen, ihr Ziel ist das Grab des seligen Bruder Klaus, um Frieden nnd Abwendung der drohenven Gefahren durch seine Fürsprache zu erbitten. Das Volk der Urkan- tone hat nicht bloß in Ergreifung der Waffen zur Zeit der Noth seine Treue bewiesen, sondern schließt sich dem Volke Luzcrns auch im Gebete au. Schon vor dem Kanton Luzern begann der Kanton Unterwalden das allgemeine öffentliche Gebet. Donnerstags den 9. d. war ein allgemeiner Bittgang des ganzen Landes zum Grab des heiligen Niklaus von der Flue, bei welchem das Volk aus ganz Oberwalden in Masse herbeiströmte, zu beten am Grabe dessen, welchen so viele unwürdige Eidgenossen im Munde führen, mit Gesinnung und Handlung aber stets vcrlciugncn. Gleiches geschieht in den übrigen Urkantonen, gleiches in den Kantonen Freiburg und Wallis. Selbst in der Stadt Solothurn wird seit einiger Zeit in der Kathcdralkirchc alle Abende sür Erhaltung des !Friedens gebetet. Beim Throne des Allerhöchsten finden sich die Herzen der Katholiken zusammen. Es bedarf einer vollendeten Verkehrtheit des Sinnes, um in diesemGcbctc anderes zu sehen, als das aufrichtige Sehnen und Verlangen nach Frieden, Versöhnung und Besserung; es lebt in den Katholiken noch jener Geist, in welchem unsere Vorväter uns so schöne Güter errungen haben. Es ist aber ein großer Theil des schweizerischen Volkes diesem Geiste schon seit langer Zeit entfremdet und entfremdet sich immer mehr. Nicht in Kirchen versammeln sich diese letztem, sondern in Wirthshäusern, nicht um Frieden beten sie, sondern sie wollen alle Furien des Bürgerkrieges heraufbeschwören. Ihr bis zur Besessenheit gesteigerter Haß gegen die wahre Kirche Christi concentrüc sich in maaßlos wüthenden Angriffen auf die Gesellschaft Jesu. Diese Kirche zu vertilgen gilt es einer Partei, und wenn das ganze Land darüber in Flammen aufgehen sollte; der Kampf der Parteien ist bis zu den Extremen vorgedrungen, es ist ein Kampf religiöser und politischer Gegensätze. Während Verhältniß- mäßig nur eine geringe Zahl katholischer Geistlichen, die sich meist schon im Leben ihres Standes unwürdig zeigen, zur Partei der radicalcn Zerstörer stehen und sehr wahrscheinlich noch wenigere zu ihnen stünden, wenn die Zügel des Kirchenregimenics straffer an- gezogen wären, sieht man dagegen eine Menge unevaiiqclisci'er protestantischer Prediger bei radicalcn Versammlungen und in Zeitungen auf die Gesellschaft Jesu und auf die gesammtc katholische Kirche losschlagen. Vom Bodcnscc bis zum Gcnfcrsec ist kaum ein protestantischer Kanton, der nicht einige solche Helvcu aus Straußen Schule auszuweisen hätte. Es kaun nicht in unserer Absicht liegen, die -Albernheit ihrer Jnvcctivcu zu widerlegen, den Unsinn ihres Geredes aufzuzeigen; auch das verlangen wir von den Gegnern der katholischen Kirche nicht, daß sie jene Gesellschaft lieben, welche sich in Vertheidigung der katholischen Lehre ihr erstes Verdienst gesucht hat, haben doch diese Leute überhaupt keine Liebe. Aber sragcn möchten wir: Wo waltet der christliche Geist, dort, wo alles Volk zu Gott um Hilfe betet, oder wo man Gott nnd alles Heilige lästerte Wo droht Gefahr, dort, wo die Frcischaarcn geworben, organisirt, beschützt und bezahlt werden, oder aber wo mau sich ihrer erwehren will? Ehren- werthe Protestanten sprechen mitunter Besorgnisse aus für die Zukunft, wenn der höhere Unterricht au mchrcru schweizerischen Lehranstalten den Jesuiten übertrage» würde; können sie aber im Ernste Besorgnisse haben, wenn die Katholiken im Geiste dcS Glaubens und Gebetes erzogen w.-rdcn? Sollten si? darin mehr Beruhigung finden, wenn der katholische Priester im Geiste des Unglaubens oder NadicaliSmuS erzogen würde, Daß er seine Kirche schmähen uud hassen, damit aber auch den christlichen Glauben verläng- ncn lernte? Gewiß, wer das erstere thut, wird conscaucnt auch zum letztern vorschreiten müssen-, lebendige Beispiele dienen hiefürzum Belege. Die Geister scheiden sich auS; wer zur Erkenntniß kommen will, wo der christliche Geist noch lebe, der verschließe nur seine Augen nicht vor den handgreiflichen Thatsachen. Algier. (Vcn einem französischen Reisenden,) (Kathvlik.) Sie haben ohne Zweifel die höchst interessanten Briefe des Abbe Suchet über Algier gelesen. Es ist dieses ein Gemälde, dem gar nichts fehlt als die Wahrheit. Factisch ist es, und ich wüßte nicht, was aus diesen Punct sich erwidern ließe, daß die bis jetzt unter den Eingeborenen gewirkten Bekehrungen fast gleich Null sind und cö haben, glaube ich, seit der französischen Besitznahme nur vier stattgefunden. Abbe Suchet dagegen hat jenes religiöse Gcsühl, welches in das Her; des Arabers und Mauren so ties cingcgrabcn ist und ihnen gegen den Priester, den Leiter des Gebetes, mag er auch sonst einer Religion angehören, welcher er will, eine tiefe Verehrung einflößt, für eine Hinneigung zum Christenthumc genommen. Wahr ist es allerdings, daß unsere Priester und 5Drdeuslcute durch ihre unbegränztc Liebe und maaßlose Hingebung an das Elend aller Art einen tiefen Eindruck auf die Muselmänner gemacht, allein trotz dessen besteht eine unübcr- steiglichc Schranke zwischen ihnen und uns — unsere Sitten, mehr noch als unser Glaube. Alle Versuche zum Proselytismus prallen ab an ihnen, wenn sie unsere Laster scheu, wenn sie sehen, wie wir den Frauen öffentlich sich zu zeigen und mit Männern zu verkehren erlauben, eben so stößt sie der bei uns übliche Genuß des Weines und gebrannter Getränke, besonders unser lebhafter stürmischer Charakter ab, der gerade das Gegentheil des ernsten, gemessenen Auftretens der orientalischen Völker ist. Bedenken Sie nun noch das verletzte Nationalgcfühl, das unaufhörlich gegen das Joch »ines troÄ>ernden Volk s sich sträubt, und die Hindernisse, welche unsere cigM.c Regierung der Verbreitung des Evangeliums in den Weg legt, so wird cS ihnen klar werden, warum Abbe Suchet nur ein?n Roman schreiben konnte. Sollten Sie eS wohl für möglich halten, mein theurer Freund, daß die Absurdität und der Wahnsinn so weit getrieben worden sind, daß es unsern Priestern sogar untersagt worden ist, arabisch zu lernen, aus Furcht, sie möchten sich dann mit den Eingeborenen in Verkehr setzen? daß gewisse einflußreiche Chefs der Administration, vollkommen gleichgültig gegen den katholischen Cultus, nur Rücksichten für die Muselmänner und Juden haben, welche letztere hier mehr als anderwärts sich als ein gemeines, herabgewürdigtes Geschlecht zeigen? daß diese Leute bei officicllen Festen zwar in der Moschee und Synagoge erscheinen, die Kirche aber mit keinem Fuße betreten? Und doch ist das Alles die reine Wahrheit. Hier baut man eine Moschee für einige muselmännischc Familien, und äOOt) Christen haben keine Kirche; dort wird mit 10l),Wl> für einen Kirchcnbau bestimmten Francs ein Gebäude aufgeführt, das vou der Thüre bis zum Chorgittcr zwölf Meter lang ist, überall sind die für den Cultus bestimmten Fonds unzureichend und das Wenige, was da ist, wird verschleudert. Die französischen Bischöfe unterstützen nicht den Eifer der Missionäre, vielleicht weil es ihnen selbst an Geistlichen fehlt, und wenn ausgezeichnete Persönlichkeiten aus ihren Diöcesen auetrctcn und sich dem Kirchendicnste in Algier widmen wollen, legen sie ihnen Hindernisse in den Weg, so daß der Hochwürdigste Bischof Dupuch allein mit den ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln die Bedürfnisse einer Diöcese befriedigen muß, die fast so groß ist wie Frankreich, und dafür hat er in seinem großen Seminare im Augenblicke fünf Alumnen! Glücklicherweise unterstützen ihn einige religiöse Genossenschaften und besonders die Jesuiten aus allen Kräften, lieber Allen aber wacht die Vorsehung, die auch ohne uns und, wenn cS nothwendig ist, trotz uns zu ihrem Ziele zu kommen weiß. UebrigenS theilt das jüngere Geschlecht, das im Geiste unserer Gebräuche und Civilisation erzogen wird, nicht mehr den Fanatismus der älteren Generation, der im Hinscheiden begriffen ist. Später wird sich also wohl Etwas machen lassen. Für diese Generation, die Alles vom Standpuncte des Fatalismus aus zu betrachten gewohnt ist, ist Mahomed todt, der Franzose hat ihn ge- tödtet; er hätte sich vertheidigen sollen und wehe nun, da er unt.rlegcn ist, dem Ueberwundenen! Diese jungen Leute trinkest unsern Wein und nehmen allmälig Misere Kleidung an, cS in dieß nach der Ansicht Aller, welche die Verhältnisse kennen, ein bedeutender Fortschritt. Ich muß ferner, um gerecht zu seyn gegen Jedermann, noch bemerken, daß Marschall Bugeaud und der General de Bar dem Klerus einen wirksamen und mächtigen Schutz angedeihcn lassen. Madame Bugeaud und Madame de Bar sind zwei sehr fromme Damen, Madame de Bar namentlich steht au der Spitze aller guten Werke. Auch der königliche Gerichtshof und das Parquet haben sehr verdienstvolle Männer in ihrer Mitte. Man hat zwei Vereine gebildet, die eine sehr reiche Zukunft versprechen: einen halb religiösen und halb literarischen, der unter dem Schutze des heiligen Augnstin steht und schon nahe an fünfzig Mitglieder zählt, und den Verein des heiligen Franz R^gis zur Rehabilitation der Ehen. Letzterer namentlich übt auf die öffentliche Sittlichkeit einen sehr heilsamen Einfluß. So hat mir auch der Hochwllrdigste Bischof Dupuch bei einem Besuche in seinem Palais eine sehr tröstliche Thatsache erzählt, die da Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. beweist, daß der gute Samen nicht überall umsonst ausgestreut wird. Als der Prälat mir den Altar in seiner Capellc zeigte, bemerkte er mir: „der Altar, den Sie hier sehen, ist schon Zeuge von neunhundert Bekehrungen gewesen." Es ist dieses wunderbar und beweist, daß das Auge der göttlichen Vorsehung über diesem Lande wacht. Benutzen Sie nun diese Einzelnhciten, wie es Ihnen gut düukt, obgleich ich der Ansicht bin, daß Umsicht und Schonung hier am rechten Platze sind, weil es Wahrheiten gibt, die einzelne Persönlichkeiten verletzen können, — und gerade dieser Umstand ist Schuld daran, daß die Algicrischc Frage so falsch beurtheilt wird. Die Localblätter dürfen nicht Alles sagen, was sie wissen, weil die Kolonie militärisch regiert wird und der Gouverneur jeden Zeitungsschreiber, der Opposition machen würde, auf seine eigene Verantwortlichkeit nach Frankreich zurückschicken kann. Die französischen Blätter und Reisenden aber sagen nicht die ganze Wahrheit, weil sie diese Enthüllungen für unzeitig halten und der Ansicht sind, sie stifteten mehr Schaden als Nutzen. Ich könnte Ihnen darum auch noch Vieles über die kirchliche Verwaltung sagen, — allein dieser ausgezeichnete Bischof Dupuch ist so voll Eifer, Thätigkeit und Liebe, daß ich einige Puncte, die weniger genehm seyu könnten, lieber nicht berühren will. Die neunhundert Bekehrungen sind Bekehrungen von Protestanten und die Angabc schien mir so außerordentlch, daß ich mit die Zahl mehrere Male wiederholen ließ. Wenn man indessen bedenkt, daß die Mehrzahl dieser Protestanten Handwerker, Bauern und arme Leute waren, die hierher gekommen sind, um ihr Glück zu machen, und nichts Anderes gesunden haben, als ein Elend noch gräßlicher als jenes, das sie zu Hause zurückgelassen, daß sie von Allem entblößt bei dem herrlichen Bischöfe eine für ihre Bedürfnisse stets offene Hand, eine unerschöpfliche Liebe, ja, ich möchte sagen, die Zärtlichkeit ein Vaters gefunden haben, so wird es klar, daß Dankbarkeit und der Anblick der Wunder der katholischen Liebe mächtig auf ihre religiöse Ueberzeugung eingewirkt haben müssen. Es sind Bekehrungen, die mehr dem Herzen als dem Geiste entstammen, dadurch aber durchaus nichts von ihrem Werthe verlieren. Was den Marschall Bugeaud betrifft, so ist dieser der Vater und Retter der Colonie und ein wahrhaft ausgezeichneter, hochgesinnter Mann mit etwas soldatischen Formen. Bei seiner Ankunft in Algier erfuhr er, daß die Jesuiten dort sich niedergelassen, was ihm ein etwas vermessenes Unternehmen zu seyn schien. Sogleich ging er in das von den guten Vätern geleitete Waisenhaus und wurde daselbst von dem edlen Pater Brumault, der selbst lange im Heere gedient, empfangen. „Herr, fuhr ihn der General an, Sie sind ein Jesuit ? — Ja wohl, General. — Was machen Sie hier? — Ich will es Ihnen sogleich zeigen." Sie gingen darauf miteinander durch die ganze Anstalt und den General ergriff Bewunderung und eine tiefe Bewegung. „Thuen Sie also nicht mehr als das? fragte er. — Durchaus nichts. — Nun das ist brav, sehr brav. Zählen Sie künftig auf meine Unterstützung und meinen unbedingten Schutz. Seyen Sie meinetwegen der Teufel, nur stiften Sie Gutes. Das ist für mich genug. Ich habe manche Vorurtheile gegen Sie gehegt, allein ich bin nicht der Mann, der an seinen Voruriheilen fest hält, wenn ich sehe, daß sie unbegründet sind." Seit der Zeit hat er die Väter gegen alle Welt in Schutz genommen. Alle Hämmel, die nach der Schlacht am Jsly in unsere Hände fielen, wurden von ihm ausdrücklich für die Armen der Frau d e Bar aufbewahrt, der er sie zuschickte. Liebe aber führt zu Gott!__ Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.