<5 ^ ^^»HS - Dei^, v cr <» AugSburger Ppstzeitung H- Erste Jahreshälfte. ÄZ» S. Februar 1845< Noch ein Wort über den heil. Rock. -Das „offene Schreiben an Rongc, von Msriz" citirt aus Sailers Handbuch der Moral III. B. S. 35,2. die schöne Stelle: „Ich kann nicht umhin, den für einen Thoren zu halten, der im Irrthume das Wahre, im Mißgriffe das Gute nicht sieht, und über dem Begriff das Gemüth verwahrloset. Ich betete als Knabe in einer Wallfahrtskirche mit einer Andacht, die ich mir jetzt noch zurückwünsche, und mein Her; huldigte weder dort noch hier einem Irrthume oder einem Mißbrauche, dcun ich hatte nicht Zeit dazu, ich betete nur an und gelobte Gott, dem Herrn, ihm ewig anzugehören." Es ist nun nicht abzusehen, warum nicht auch noch einige verwandte Stellen aus demselben Buche ansgchobcn wurden, wo theils Sailer selbst redet, theils einige Kirchenväter reden läßt, um die richtige Ansicht über den in Frage stehenden Gegenstand fest zu stellen. Sailer sagt ebendaselbst: „Wohl wird kein Weiser auf öffentlichen Straßen ausstehen, und dem Volke sagen: „Kauf dir Bilder, und geh' wallfahrten, damit du fromm und selig werdest." Seite 351 heißt cS: „Es ist wahr, und die heiligen Väter haben es bestimmt ausgesprochen, daß es ein höchstschädlicher Irrthum sey, auf das Wallfahrten so viel Werth und Gewicht zu legen, als wenn die Seligkeit davon abhinge. Der hl. Augustin sagt: Zu Dem, der überall ist, kommt man durch die Liebe, nicht zu Schiff; der Herr sagt nicht: schiffe nach Occident, um Nachlaß der Sünden zu erhalten, sondern vergib, und eS wird auch Dir vergeben werden. Der hl. Hieronymus: Glaube nicht, daß deinem Glauben etwas mangelt, weil du Jerusalem nicht sahest, noch halte mich für besser, weil ich dort wohne: du magst da oder dort seyn, die Vergeltung Gottes richtet sich nach deinen Wer. ken. — Der hl. Gregor von Nyssa: Gib deinen Brüdern den Rath, daß sie sich anstatt nach Kappadocien, nach Palästina zu reisen, vielmehr mit ihrem Geiste zu ihrem Herrn erschwingen. — Der hl. Athanasius: Es ist gar nicht nothwendig, über das Meer zu schiffen, oder weg zu reisen, das Reich Gotteö ist überall." In Betreff der Bilder sagt Sailer sehr schön: „Daß die Bildnisse, besonders welche die Geschichte Jesu darstellen, eine wahre VolkSbibcl seyen; ist außer Zweifel. Was die LescnSun- kundigcn in der Bibel nicht lesen können, das lesen sie am Altar- blatte. .... Es wird indeß keiner wiederholten Erinnerung bc- dürscu, daß alle diese Tugendmittcl, nur für den Tugcndmittcl sind, der sie selbst durch guten Gebrauch dazu macht -c." Anders, als Sailer und die hl. Väter dachten gewiß die unterrichteten Katholiken bei ihrer Wallfahrt nach Trier auch nicht. Abcrgläübige gibt es aber auch außerhalb der katholischen Nirchc, wenn gleich auf andere Weise. Die Lehre der katholischen Kirche über Bilder und Reliquien und ihre Verehrung, wie dieselbe ihre erleuchtetsten Männer zu allen Zeiten vorgetragen und zuletzt das Concil zu Tricnt festgestellt hat, hat sich vor der schärfsten aber unbefangenen Kritik nicht zu scheuen. Hören wir unter andern hierüber einen Bischof von Augsburg aus dem löten Jahrhundert, Wie er sich in seiner Synodalrcde im Jahr 1517 auöspricht. Christoph v. Stadion sagt"): „Du umfassest mit höchster Verehrung die Asche des hl. Paulus; ich verwerfe es nicht, wenn deine Religion dabei ohne Schaden besteht: wenn du aber die stumme und todte Asche ehrest, und sein lebendiges auch jetzt noch redendes und gleichsam athmendes Bild, das in seinen Briefen aufbewahrt ist, vernachläßigst, ist da deine Religion nicht eine verkehrte? Du ehrest die Asche, bei welcher manchmal LcibcSgc- brechcn gehoben werden, warum ehrest du nicht noch mehr seine Briefe, durch welche die Krankheiten der Seele geheilt werden? Du ehrest das aus Stein oder Holz geformte oder mit Farben gemalte Abbild des Angesichts Christi; weit heiliger wird das Ebenbild seines Geistes verehrt, welches durch die höchste Kunst des heil. Geistes in den Schriften des Evangeliums ausgeprägt ist. **) Du hältst es für etwas Großes, daß du zu Hause einen Krcuzpartikcl besitzest, allein das ist nichts in Vergleich damit, wenn du das Geheimniß des Kreuzes in deiner Brust verborgen trägst. Denn wenn diese Dinge den religiösen Menschen ausmachen, was gibt es Religiöseres, als die Juden, von denen die meisten höchst gottlos waren, obgleich sie den im Fleische lebenden JcsuS mit Augen gesehen, mit Ohren gehört und mit Händen berührt haben? Was gibt es Glücklicheres als Judas, der mit ') S. «>. Rede Christ, v. Stadion -c, AugSb. ") In Bezug auf unsern Gegenstand könnte gesagt werde» - Du verehrest das von Menschenhänden gemachte Kleid des Herr», was nützt dir dieß, wenn du nicht den Rock der Gerechtigkeit Christi, seinen Geist, seine Gesinnungen:e, anziehest? „Ziehet den Herrn üesum Christum an Röm, XIII, 14, seinem Munde den göttlichen Mund geküßt hcit? So wahr ist es, l aber den schonen Vorsatz hatte, der tobenden Lust ihren ganzen daß ohne den Geist das Fleisch nichts nützt (Joh. VI. 64.), daß! Lauf ^ lassen, war ihm eine Maske zu unbequem; er trat es nicht einmal der jungfraulichen Mutter des Heilandes etwas! also in das HauS eines ihm wohlbekannten Malers, der ihm gefrommt haben würde, hatte sie Ihn nur aus ihrem Leibe ge-^ aber schon lange heimlich gram war, weil der hochadcliche junge boren und nicht auch in ihrem Geiste seinen Geist empfangen." Herr ihn so verächtlich behandelte, und ihn nur schlechtweg einen Um indeß jeden Lästermund zum Schweigen zu bringen und den sichersten Standpunct zur Beurtheilung dieser Angelehnt zu gewähren, reicht allein und vollkommen hin jener vortreffliche Ausspruch Anstreicher nannte. Der Maler empfing ihn mit verstellter Höflichkeit , und fragte, womit er diene könnte. — Ich möchte gerne an den allgemeinen Lustbarkeiten auch Theil nehmen, ant- deö Conc. zu Tricnt (25ste Sitzung am 3. und 4. Dec. 1563):^ wortctc der Junker, und mich verkleiden; doch so, daß ich für „Von der Anrufung und Verehrung, von den Reliquien der Hei-> Jedermann ganz unkenntlich bleibe, um desto ungcnirt,r recht toll ligcn u»d von den Heiligenbildern", dessen Schluß (Ausgabe von! mich gebärden zu können. Die Harle/.uins-Jackc habe ich hier schon Dr. W. Smcts S. 22!).) hier eine passende Stelle finden dürfte.! bei mir, und nun fehlt nichts weiter, als daß ihr mir das An« Es heißt dort nach Auseinandersetzn»«, der katholischen Lehre:^gesicht mit verschiedenen Farben recht närrisch verstellet. Also an- „Fcrner soll auch aller Aberglaube bei Anrufung der Heiligen, bei! streichet? versetzte höhnisch der Maler. Ja, ja, anstreichen, und Verehrnng der Reliquien und dem heiligen Gebrauche der Bilder ganz und gar überstreichen sollt ihr mich, sagte der Adeliche, gegen weggeschafft, alle schändliche Gewinnsucht verbannt, und endlich alles Schlüpfrige vermieden werden, so daß keine Bilder mit üppiger Schönheit gemalt oder ausgeschmükt, anch die Feier der Heiligen und die Bcsuchung der Reliquien nicht zum Zechen und zur Trunkenheit mißbraucht werden, als wenn die Festtage zur Ehre der Heiligen mit Schweigern und Ueppigkeit begangen werden sollten. Endlich soll von den Bischöfen solcher Fleiß und solche Sorgfalt in Bezng auf diese Dinge verwendet werden, daß dabei nichts Unordentliches, nichts verkehrt oder zusammengerafft Eingerichtetes, nichts Weltliches und Unehrbarcs gesehen werde, weil dem Hause Gottes Heiligkeit geziemt. Damit dieses desto treuer beobachtet werde, so verordnet der hl. Kirchenrath, daß eS Niemandem erlaubt seyn soll, an irgend einem Orte oder in einer Kirche, wenn sie auf was immer für eine Weise crcint wäre, ein ungewöhnliches Bild aufzustellen oder aufstellen zu lassen, wenn cS nicht von dem Bischöfe genehmigt ist, daß anch keine neue Wunderwerke zugelassen, und keine neue Reliquien aufgenommen werden sollen, wenn nicht eben derselbe Bischof davon Kenntniß genommen und sie genehmigt hat, welcher, sobald er über jene etwas erfahren hat, mit Zuratheziehung von Gottesgelchrtcn und anderer frommer Männer dasjenige thnn soll, was ihm der Wahrheit und Frömmigkeit angemessen dünket. Und wenn etwa ein bedenklicher oder schwieriger Mißbrauch auszurotten ist, oder gar über diese Gegenstände eine bedeutend schwierige Frage vorkommt, so soll der Bischof, ehe er den Strcitpunct löset, die Meinung des Metropoliten und der Mitprovincialbischöfe im Provincialconci- lium abwarten, doch so, daß nichts Neues oder bis dahin in der Kirche UngcbräulicheS ohne die Berathung des heiligsten römischen Papstes beschlossen werde." D i e Ein Fastnacht-Stück oder betrogene LU a s K e. ^ Ein adclichcr Jüngling wohnte als Akademiker in einer Stadt, wo man, wie in vielen andern, zur Faschingszeit auf offenem Markte den Unsinn aufs höchste zu treiben pflegt, uud weil er sonst überall mitmachte, wollte er auch hier nicht der Letzte seyn. Allein cS sollte doch dabei seine hohe Familie nicht beschimpft und in Verlegenheit gesetzt werden. Er nahm also zu dem in diesen Tagen so gewöhnlichen Hilfsmittel seine Zuflucht, zur Vcrunstal? tnng sciner GesichtSzüge, die ihm Gott gegeben hatte. Da er cavalicrmäßige Belohnung. Ich will alsvglcich aufwarten, cntgcg- nete der Maler, und bitte nur Platz zu nehmen; er rückte einen Sessel. Da saß nun der Narr iu seinem ganze» Costüm. Der boshafte Maler stellte mit der größten Emsigkeit die Farben zu recht, aber nebenzu ein Glas Wasser, und fing an nach Kräften anzustreichen. Allein statt den Pinsel in die Farben zu tauchen, tauchte er ihn jedesmal nur iu das Wasser, und schlug von Zeit zuZcit ein schallendes Gelächter auf über die vorgegebene abenteuerliche Verunstaltung. Die schon unterrichtete Gattin und Tochter machten beim Ab - und Zugehen den Lärm noch größer, entfernten sich aber zuletzt, unter dem Vorwande, dem Hauptspaß auf offener Straße mit zuzusehen. Das Meisterstück war nuu fertig, der Schalk von Maler konnte vor Lachen kaum zu Athem kommen, und rief auf: So eine Maske wird nirgends in der ganzen Stadt zum Vorschein kommen; der Teufel könnte nicht errathen, wer dahinter stecke. — Der Angestrichene selbst war außer sich vor Freude, und brannte vor Begierde, vor aller Welt sich zu produciren; doch verlangte er vorher einen Spiegel, um sich selbst zu besehen. Der Maler rannte gegen eine Wand DcS Zimmers, um den Spiegel herabzu- nchmen, den er indessen schon vorher auf die Seite geschafft hatte. Donner und Werter, hub er an, die verdammten Weibsleute müssen immer im Spiegel etwas zu gaffen haben. Der meinige ist anch schon wieder sort. Aber ich bitte nnr um eiu klein wenig Geduld, und will alsogleich nachsehen, ob ich ihn nicht finde. Gerade jodelte wieder ein Troß sogenannter Faßnachtsputzcn vorbei, von Gassenbuben und müßigem Pöbel allenthalben umjauchzt, und unser Adclichcr konnte sich nicht mehr halten, um das Vergnügen nicht zu verlieren, auch von der Gesellschaft zu seyn. Er drückte dem Maler ein schönes Stück Geld in die Hand, und ersuchte ihn, die Hinterthüre des HanseS zu öffnen, damit Niemand wisse, wo er herkomme. Die vermeinte Maske war nun im Freien, fuchtelte mit ihrer Peitsche, und machte hunderterlei gaucklcrische Sprünge; — aber Alles staunte und stand wie versteinert bei diesem Anblicke. Von allen Ecken her ertönte es - der Graf N. ist närrisch geworden. Er wäre bei diesem Nnfe vor Schrecken beinahe ohnmächtig darnieder gefallen; denn er merkte, daß ihn alle Leute kannten, nnd wußte nicht, woher das komme. Doch einige seiner adclichcn Kollegen ließen ihn nicht lange im Zweifel, und sprachen: Albert um's HimmclSwillen, was treibst du? — Wie, kennt ihr mich dann? fragte er zitternd und bebend. — Du hast ja keine Maske vor dem Gesichte, versetzten sie ihm. — Bin ich denn nicht durch Farben unkenntlich gemacht? fragte er weiter. Statt der Antwort nahmen sie ihn in ein nahe gelegenes HauS, und hielten ihm einen Spiegel vor das Gesicht. — Bei diesem Anblicke sank Albert, wie vom Schlage getroffen, sinnlos auf einen Stuhl, und erst nach geraumer Zeit war cr im Stande den ganzen Hergang zu erzählen. — Er hatte von nun an den Muth nicht mehr, das Haus zu verlassen, weil man durchgängig mit Fingern auf ihn deutete, und schrieb an seine Eltern einen rcumüthigen Brief, mit der dringenden Bitte, ihn an eine andere Hochschule zu versetzen, was ihm «m so leichter bewilliget wurde, weil es die Familie selbst ihrer Ehre schuldig war. Aber Albert hicng doch immer ein beschämender Flecken dieser Narrheit an, und nie konnte er an den ganzen Vorfall sich erinnern, ohne bis zu Thränen bestürzt zu werden. Würde dieß nicht auch manchem Bachantcn zur Fastnachtszeit widerfahren, wenn sie einen lebendigen Glauben an Gottes Gegenwart halten, der untrüglich weiß, wer hinter jeder häßlichen Larve steckt, und wie viele würden verschwinden, wenn sie beherzigen wollte», was der hl. Petrus Chrisologus bei einer ähnlichen Gelegenheit predigte: „Wer mit dem Teufel scherzen will, kann mit Christus sich nicht erfreuen!" Wie Friedrich Hurter katholisch wurde. (Schluß.) Das nun sind die erkennbaren Führungen, deren Gott zu dieser Konversion sich bediente, die offenen, Jedem zu Gebote stehenden Mittel, welche dazu mitwirkten; welcher Antheil daran den bloß im Himmel bekannt,» Mitteln müsse zugeschrieben werden, bleibt vor den Augen der Sterblichen verborgen. Erst nachdem die Rückkehr des Dr. Hurter in die katholische Kirche erfolgt war, kam es an den Tag, wie viele Gebete von ganzen Klöstern beider Geschlechter, von einzelnen Welrgcistlichen, von vielen Laien zu Rom, in dem übrigen Italien, in Tyrol, Bayer», in der Schweiz, in Frankreich, vielleicht anch in andern Ländern, seit Jahren schon für ihn durch Fürbitte der allerseligsten Jungfrau zu dem Vater aller Gnade gesendet, wie viele heilige Messen zu diesem Zwecke gelesen worden seyen. Noch am Tage seiner Abreise nach Rom wurde iu Paris die Erzbrudcrschaft zum unbefleckten Herzen Maria durch einen Freund des Dr. Hurter zu Gebeten für denselben in Anspruch genommen. Unter solchem fördernden und schützenden Geleite, dessen selbst unbewußt, bestieg cr am 29. Februar dieses Jahres, mit dem festen Borsatz, als treuer Sohn der liebreichsten Mutter, der römisch-katholischen Kirche, sich zu bekennen, den Postwagen. Obwohl er zu Pavia den Ucberrcsten des großen Bischofs von Hippo, die durch wohlwollende Verwendung für ihn aus dem Altar hervorgenommen und der Verehrung ausgestellt wurden, mitten unter vielen herbeigckommencn Geistlichen nur schüchtern sich näherte, und die Gefühle, welche ihn bewegten, in sein Inneres verschloß, weil der Augenblick offener Erklärung noch nicht gekommen war, dankt er doch der stillen Vcncration dieser ehrwürdigen Gebeine Festigung in seinem Vorsatz. Denn größer, preiswürdiger und anziehender mußte ihm eine Institution vorkommen, welche auch nach anderthalb Jahrtausenden noch die irdische Hülle eines Geistes ehrt, dessen Licht fortan sie erleuchtet, dessen Kraft fortan sie durchströmt, dessen Tugenden fortan als Vorbild in ihr glänzen; mag es selbst etwas mehr gewesen seyn, so trat doch in der katholischen Kirche dem ehrfurchtsvoll die Ueberreste Beschauenden ei» Grundzug des eigenen Herzens, als durch sie unter ihre bewegenden Kräfte anfgenommen, Heller vor Augen: unauslöschliche Dankbarkeit, ward diese ein mächtiges Moment der Einigung. Nicht ohne innigste Rührung, in Erncnernng der wach gewordenen Empfindnngcn, wurde bald darauf die lioln- /ione storie» cloeumviitiil» ?I itoiio satt-»