? 5 ^»ss - Dei/., A«gsv«rgev Erste Jahreshälfte. d er «. et t Poftzeitnng. Februar 1845. Deutschland. Aus dem Hirtenbrief, welcher der Er;bischof Cvadjutor Joh. v. Gcisscl bei Gelegenheit der diesjährigen Fastenzeit erlassen, entnehmen wir nachstehende Schlußstcllen: Wachet, stehet fest, und seyd stark, geliebte Diöcesa- ncn! — Im Schvosze unsrer hl. Kirche durch die Taufe dein Herrn wiedergeboren, und durch sie zur Wahrheit und zum Lichte des Evangeliums geführt, seyd Ihr Bckcnner desselben katholischen Glaubens geworden, welchen sie aus allen Verfolgungen und Prüfungen gerettet hat, damit auch Ihr in diesem Glauben geprüft und bewahrt werdet und als Kinder der streitenden Kirche mit ihr und durch sie im heiligen Streite besteht. Darum seyd standhaft und bewahret die Ueberlieferungen, die sie Euch gelehrt hat. Streitet in ihr einen guten Streit und bekennet mit ihr ein gutes Bekenntniß vor allen Zeugen. Wenn auch Einige unter Euch sind, welche Euch verwirren möchten, lasset Euch nicht erschrecken und von Niemand irre führen zu einem andern Evangelium, da cs doch kein andres gibt. — Wer auch könnte uns den reichen Segen gewahren, den unsere hl. Kirche uns spendet, und was immer könnte u»S geboten werden, was wir in ihr nicht schon besaßen? Unsere katholische Kirche ist kein willkürlich ersonnenes Menschcnwerk, sie ist nicht ein von Menschen zusammengetragenes, von irdischen Händen erhobenes Gebäude, sondern sie ist, vom Heilande selbst gegründet auf dem Ecksteine Jesus Christus und auf dem Fundamente der Apostel und Propheten, ein Bau Gottes zur Vollendung der Heiligen. Unsere katholische Kirche ist das unmittelbarste Werk Gottes. Von seinem Munde empfing sie alle Wahrheit ihres Glaubens, und aus seinen göttlichen Händen überkam sie den Schatz seiner Erbarmun- gcn in den heiligen Sacramcnten. Von ihm selbst ist sie zur Lehrerin und Gnadenspcndcrin bestellt, und darum hat er ihr „Lehrer und Hirten gesetzt, damit wir alle durch sie zur Einheit des Glaubens gelangen und nicht, wie Kinder, gleich den wogenden McereSwellen, vom Winde jeder Lehre, wie sie der Menschen Aberwitz und trügerische Arglist zur Bestückung im Irrthum erfindet, umhcrgetriebcn werden." In Einem Glauben und in Einer Tauft sollte Ein Hirt und Eine Hecrde seyn; darum hat er unter den seiner Kirche gegebenen Hirten den Einen — Simon, des Jonas Sohn —, welcher ihn mehr als alle andern liebte, vor allen andern berufen, seine Lämmer und seine Schafe zu wcivcn, und ihn zum allgemeinen und obersten Hirten seiner ganzen Hecrde gesetzt, hat ihm die Schlüssel des Himmelreichs verliehen, damit alles, was er aus Erden binden nnd lösen werde, auch im Himmel gebunden und gelösct sey, hat selbst sür ihn gebetet, daß sein Glaube nicht wanke und er, dermaleinst zurückgekehrt, seine Brüder bestärke, und hat ihn zum Felsen ausgerüstet und auf diesen Felsen seine Kirche gebaut, damit die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen. Und des Herrn göttliche Anordnung hat sich durch alle Jahrhunderte bewahrt. Wie auch der Zeiten Stürme daher wogten und in scindlichcm Anstreben den Felsen zerschlugen, sein Fundament blieb unerschüttert und die von ihm getragene Kirche unüberwältigt gegen alle Höllenpfortcn. Wie der Eine Glaube und die Eine Taufe, so blieb allwcg auch in der Einen Hecrde der mit der Schlüsselgewalt betraute Eine oberste Hirt, der Felftnmann Petrus, dem der Herr die Hirtenvbsorge für die ganze Welt übertragen hatte, in seinen Nachfolgern, den Bischöfen von Rom. In der ewigen Stadt saßen sie in ununterbrochener Reihenfolge auf dem Stuhle des Apvstclfürstcn Petrus, weideten die Lämmer und die Schafe, wahrten deö Glaubens heiligen Schatz uud der Sacramcntc lebendigen Gnadcnbruuncn, und sandten ihre, durch die Handauflegung ausgerüsteten Boten in alle Länder, die Lehre des Kreuzes zu verkünden. Die Bischöfe von Rom lenkten das Schiff der Kirche durch den Zeitstrom der Jahrhunderte, uud in ihnen lebte und wirkte Petrus; Petrus steuerte in ihnen, Petrus lehrte in ihnen, PetruS richtete in ihnen, Petrus sprach aus ihnen. Der Fclscnmann blieb in der Kirche von Rom. Von der Kirche zn Rom ging alle christliche Einheit aus, und von ihrem Bischöfe, dem Nachfolger des hl. Petrus, zog sich die ununterbrochene Kette der apostolischen Weihe in den Bischöfen und Priestern durch alle Kirchen zu der einen christkatholischcn Gemeinschaft. Die Kirche von Rom wurde der christlichen Welt Haupt- und Muttcrkirchc, der gcmciusame Mittclvunct des Glaubens, mit der alle wegen ihrer mächtigeren Vorzüglichkcit übereinkommen müssen. Die Kirche von Rom wurde und blieb die Vorkämpfer!» im hl. Streite der Prüfung nnd Bewährung durch den Glauben, den sie nicht crsand, sondern ihn, wie sie ihn vom Herrn erhalten, als heiliges Erb- thcil überlieferte, und sie wurde und blieb die Spenderin der hl. Sacramcnte, die sie nicht einsetzte, sondern sie, wie sie solche von Christus empfangen, in treuer Verwaltung hütete für alle Zeiten. Die Kirche von Rom wurde und blieb die Trägcnn der ganzen christlichen Gemeinde, der Fels, auf dem die gcsammtc Kirche ruhte in oft und schwer angefochtener, aber dennoch allzeit unüberwindlicher Fortdauer; und ihr Bischof wurde und blieb der erste Ring in der apostolischen Kette, der Hohepriester im Heiligthume, der oberste Lehrer des Glaubens, der Hirt der Hirten. Darum verehren alle katholischen Kirchen, wie fern sie auch auf der weiten Erde von einander zerstreut seyn mögen, die Kirche von Rom, wie dankbare Tochter die ehrwürdige Mutter, und sind mit ihr in dem einen Glauben und in der einen Tause aus das innigste verbundn in des Lebens letzter banger Stunde Euch zur Seite steht, Euch tröstet und stärkt im letzten schweren Streite, Eure scheidende Seele vor Gott führt, und auch noch nach Eurem Scheiden an seinem Richterstuhle Versöhnung und Gnade für Euch erfleht. Das alles thut unsere katholische Kirche, sie thut es für Euch, eine liebevolle Mutter für ihre Kinder, eine Führerin im Leben wie im Tode, nimmer rastend und nimmer müde, ein ewiges Prie- sterthum in einem ewigen Volke. Sie l>hret die Wahrheit und wehret dem Irrthum, sie pflanzt und hütet, sie baut und schützt, sie reinigt und hebt, sie tröstet uud stärkt, sie betet und segnet; sie streitet und leidet, und sie geht, wie sie cö in allen Zeiten, l den, wie die Glieder des einen Leibes mit dem einen gemeinsamen! unerschütterlich auf dem Felsen Pctri, gethan, in Streit und Lei- Haupte; und darum verehren die Gläubigen in dem Bischöfe von! den, in Prüfung und Bewährung voran, zum Siege der Welt Rom dieses Leibes hochwürdigcs Haupt, den Träger der apostoli-! durch den Glauben. Wie das ErlosungSwcrk Jesu Christi die scheu Machtvollkommenheit, in Wort und Weihe, der Kirche ober- größte göttliche That, so ist unsere katholische Kirche daö großartigen Lehrer und Hirten, und ihrer aller allgemeinen geistlichen Vater. Mit dieser Kirche von Rom seyd auch Ihr durch das gemeinsame Band desselben ganzen und ungcthciltcn Glaubens und der nämlichen sieben Sacramcntc auf das innigste verbunden, geliebte Diöcesanen! Die Kirche von Rom ist auch Eure gemeinsame oberste Muttcrkirchc, und ihr Bischos ist auch Euer oberster Lehrer und Hirt und gemeinsamer Vater. Wie die Glieder eines Leibes nur Eines sind in Verbindung mit dem Einen Haupte, und wie hinwieder das eine Haupt für alle Glieder Haupt ist, so ist die römische Kirche und ihr Bischof im innigsten Wcchscllcbcn verbunden mit Euch und Ihr mit ihm. Durch und mit der römischen Kirche seyd Ihr einig in Lehre und Sakramenten, in Glauben, Hoffnung und Liebe, in Hanpt und Gliedern. Durch sie und mit ihr seyd Ihr apostolisch; denn auch nur durch sie sind Eure Hirten, Eure Bischösc und Priester ausgerüstet mit apostolischer Weihe und Gewalt, und nur durch sie s yd Ihr somit eingebaut in die Kirche Jesu Christi auf dem Fundamente der Apostel, auf dem Felsen Pctri. Durch sie allein seyd Ihr verbunden in lebendiger Gemeinschaft mit allen besondern katholischen Kirchen auf der weiten Erde, die da waren, die da sind und die da seyn werden, und durch sie allein seyd Ihr darum, was Ihr hciszct, durch sie allein seyd Ihr katholisch. — Glieder der ganzen katholischen Kirche, Mitgcnossen aller derer, welche auf der ganzen Erde, in ihr und durch sie geführt, streiten und leiste Werk GotteS auf Erden; denn sie ist des einmaligen Erlösungö- wcrkcs immerwährende Fortsetzung, bis Alle in all.» Zeiten und in allen Völkern, durch sie im Glauben geprüft und bewährt, geläutert und gereinigt, cntsündigt und geheiligt, aus Streit und Leiden erhöhen sind zur triumphirendcn Kirche. Wie ist unser katholischer Glaube so erhaben und erhebend, geliebte Diöcesanen! wie ist er voll Kraft uud Milde, voll Trost und Zuversicht, voll Heil und Segen, voll Leben und Bc- seligung, ciu kostbarer Schatz über alle Schätze der Erde! Wir schämen uns seiner nicht, denn wahrlich, er ist eine Kraft Gottes, er ist der Sieg, welcher die Welt überwindet. Und unsere heilige, einige, apostolische, katholische Kirche, wie ist sie so ehrwürdig und groß, so reich begabt und gnadenvoll in dem ihrer Hut anvertrauten Schatze des Glaubens und der Sacramcntc, eine Säule und Grundfeste der Wahrheit, ein Fels der Untrüg- lichkcit, eine Lehrerin des Glaubens, eine Spenderin der göttlichen Geheimnisse, eine Vorkämpferin im guten Streite, eine unbefleckte Braut des Herrn, und eine glorreiche, ewig fruchtbare Mutter der Heiligen. Wir verlciugnen sie nicht, denn wahrlich, sie ist uns eine liebevolle, treue Mutter von der Geburt bis zum Grab, eine Quelle alles Heils in Zeit und Ewigkeit. In ihr ist es gottgefällig leben, und in ihr ist es gut sterben. Wahrhaftig, unser Glaube ist ein gutes Bekenntniß, und unsere Kirche ist wahrhaftig die Gemeinschaft Gottes und seiner Heiligen. -— So bekennet denn anch diesen Glauben, geliebte Diöcesanen; den für das Himmelreich, und Mitgenossen aller der zahllosen bekennt ihn mit Herz und Mund, in Wort und Wandel, in Ge- Edlcn und Heilige», welche »uter ihrem Segen zu allen Zeiten sinnuug uud That, denn wer mit dem Herzen glaubt, wird ge- und in allen Völkern aus Leid und Streit eingegangen sind zum recht; wer aber mit dem Munde bekennt, der wird selig. So Siege und zur Verklärung. Und diese Kirche ist cS, welche den von Christus uud seinen Aposteln überantworteten Schatz de Glaubens unversehrt und den Gnadcnbrunncn der Sacramcnte unvcrsiegt bewahrt hat, wie für alle Völker und Zcitcn, so für Euch. Sic ist cö, welche ihre geweihten Diener als Lehrer und Hirten in Eure Mitte sendet, um Euch in alle Wahrheit einzuführen und Euch die Gnadenflllle GotteS zu spenden. Sie ist'S, die Euch durch die Taufe wiedergeboren hat zum Reiche GotteS, und Euch aus Kindern der Finsterniß erhoben hat zu Söhnen des Lichtes. Sic ist es, die Euch erfüllt hat mit dem heiligen Geiste und allcn seinen Gaben zur Erleuchtung und Stärkung im heiligen Streite. Sic ist es, die, wenn Ihr verloren wäret in Vcr- irrung und Sünde, Euch zurückgeführt und Euch Verzeihung und Sühne gebracht hat. Sie ist es, die Eure Seele genährt hat mit dem göttlichen Leibe und Blute zum ewigen Leben. Sie ist eZ, die Enre Ehe segnet zu einem heiligen Bunde und zu einem großen Sacramcntc in Christus und in ihr. Sie ist cs auch, bekennet Euch denn als Glieder der einigen, heiligen, apostolischen, katholischcn Kirche; bekennet Euch als ihre Kinder, treu und furchtlos, und haltet unwandelbar fest an ihrer segenvollen Gemeinschaft. Wachet, stehet fest im Glauben, handelt männlich und seyd stark! Streitet mit ihr einen guten Streit, damit Ihr, durch sic geführt und gestärkt, nach rechtem Streite die Krone erlanget. Durch alle Jahrhunderte ist die hl. Kirche in dem Got- tcSftreite vorangegangen, hat alle Verfolgungen und Prüfungen siegreich bestanden und hat die tausendmal Tausende ihrer Getreuen aus Prüfung und Leiden zum Siege der Welt geführt durch den Glauben; und nun rnft sic auch Euch, geliebte Diöccsa- ncn, zu demselben Streite in gleicher Prüfung, damit auch unter Euch die offenbar werden, welche in den schlimmen Tagen sich bewähren. Noch wird unsere Kirche angefeindet, wie könnte das auch anders seyn, sic blieb ja die wahre Braut des Herrn; und noch wird ihr Glaube angefochten, er biicb ja die Wahrheit! Die Weisheit der Welt widerstrebt ihm, der Unglaube haßt und vcr- 'motti^I laugnet ihn, der Irrglaube bekämpft ihn, der Stolz verachtet ihn, die Selbstsucht lehnt sich gegen ihn auf, die Lauheit weiset ihn von sich ab, die Befangenheit miszkennt ihn, die Unwissenheit entstellt ihn, und die Leidenschaft schmäht und lästert ihn; und wie der Glaube angefeindet wird, so auch seine Bewahren», unsere hl. katholische Kirche. Aber wenn sie auch leidet, so wird sie dennoch nicht zu Schanden; denn sie weiß, an wen sie glaubt, und sie halt fest an der Ueberzeugung, daß der, an den sie glaubt, Macht hat, ihre» Glauben zu wahren bis zu jenen Tagen. So haltet denn auch Ihr fest an dieser Ueberzeugung und streitet und leidet mit ihr, denn auch Ihr wisset ja, an wen Ihr mit ihr glaubet. Wenn auch Einige unter Euch sind, welche Euch verwirren mochten und das Evangelium Christi verkehren, lasset Euch von Niemand irre führen. Snt achtzchnhundert Jahren war der Herr bei seiner Kirche, und er ist es auch heute noch, wie immer, dessen seyd in freudigem Vertrauen gewiß. Wenn auch Manche wider sie ankämpfen und mit allerlei Arglist und Kunstgriffen ihren Glauben verhüllen, lasset Euch nicht erschrecken, sie bewahret immer noch die ganze Gotteskraft des ungefärbten Glaubens zum Siege über die Welt. Und sehet Ihr sie auch die Kirche bekämpfen und ihren Felsen anfeinden, lasset Euch das Herz nicht bange werden, der Fels steht fest und unerschütterlich die Kirche auf ihm, und nimmermehr sollen die Pforten der Hölle sie überwältigen. Und höret Ihr auch die Winde brausen und sehet die Wellen erzürnt sich auflhürmen und ihre schäumenden Wasser an das Schiff der Kirche schlagen, seit getrosten Muthes, der Herr ist im Schiffe, und er schläft nicht. Wenn es auch scheinen möchte, die Wuth der Winde und Wogen würden das Schiff zerschellen; der Herr schläft nicht, und er wird den Winden und Wogen Stille gebieten, wenn cö ihm gefällt. Wenn er ihnen auch in ohnmächtigem Zorne zu toben erlaubt, so ist ja eben das feine große Heilsordnung, daß er auch solches zuläßt, was ihr feindlich widerstrebt; aber es muß dennoch zuletzt Alles dahin aus- schlagcn, seine göttliche Absicht zu befördern, damit uns daraus seine Macht und Größe nur um so deutlicher sichtbar werde. Er läßt es zu, daß sein Glaube und seine Kirche angefochten werden, damit auss Neue ihre Gotteskrast sich offenbare, und damit, wie die früheren, so auch dieses Geschlecht wiederum erkennen lerne, daß der Herr selbst sie auf dem Felsen behüte und alle Macht der Hölle nichts wider sie vermöge. Er läßt seine streitende Kirche geprüft werden und Euch mit ihr, damit auch Ihr in ihr und mit ihr bestehet. Aus der Prüfung nur erwächst ja die Bewährung; der Streit nur führt zum Siege, und der Sieg allein gewinnt die Krone. So gewinnt denn die Krone in und mit der heiligen Kirche, geliebte Diöccsanen; so streitet denn mit ihr in gutem Streite, damit Eure Bewährung offenbar werde. Ziehet an die Rüstung Gottes, damit Ihr am bösen Tage widerstehen uud in Allem unerschütterlich aushalten könnet; denn wir haben nicht bloß zu streiten wider Fleisch nnd Blut, sondern auch Wider die Mächte und Gewalten, die jetzt wirksam sind in den Kindern des Unglaubens. Darum stehet fest, Eure Lenden umgürtet mit Wahrheit und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, strcitesfreudig und leidensmuthig für das Evangelium des Friedens. Ergreifet den Schild des Glaubens, au welchem alle feurigen Pfeile abprallen, und nehmet den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, das Wort Gottes in seiner Kirche. — Die heilige Kirche rufet Euch i» ihre Kampfcsrcihen, und wenn sie auch mit dem Propheten nicht aufhört zu rufen, so hebt sie nun besonders in diesen bevorstehenden Tagen ihre Stimme, gleich der Posaune, und rufet ihre Getreuen. Die heilige Zeit, die Zeit der vierzig-- teigigen Fasten, kehret wieder, und mit ihr kommen die gvttgcwcih- tcn Tage der Sclbstkcnntniß und Abtödtung, der Betrachtung und des Gebetes, der Buße und Besserung, des erneuerte» Glaubens, der vermehrten Hoffnung und der gesteigerte» Liebe. Die Kirche ruft — wohlan denn — so höret ihre Stimme und reibet Euch unter ihre Fahne! Wachet, stehet scst, handelt männlich und seyd stark! — Mit verdoppeltem Eifer verkünden ihre Priester in diesen Tagen vom heiligen Lchrstuhlc den von ihr in allen Jahrhunderten lauter und unversehrt bewahrten katholischen Glaube»; so kommet denn, kommt und vrrnehmet mit erneuerter Bereitwilligkeit die hohen Lehren, die der Herr ihrer unfehlbaren Obhut anvertraut hat. Mit vermehrter Hirtc-isorge öffnen ihre Priester den Gnavcnbrunnen der Kirche und bieten Euch in den Sacra- mcntcn der Buße und des Altars die Schätze der Erbarmuugcn Gottes; so kommet, kommt und schöpfet daraus das ewige Leben! — Ihr Furchtsamen und Kleingläubigen, die Ihr banget für die Kirche und ihren katholischen Glauben, uud besorgt seyd, sie werde wanken und erliegen unter den Anfeindungen und Schmähungen dieser schlimme» Zeit: kommet, kommt uud schöpfet Euch Muth und Trost in ihrem Gottvcrtrancn, ihrer Strcitcsfrcu- digkeit und ihrem Leidcnsmuthc, und lernet bei ihr, daß ihr Glaube hoch erhaben ist über alle Anfeindung und Schmähung, und daß sie selbst, auf den Felsen gebaut, unerschütterlich fest steht gegen alle Höllenpforten. Ihr Lauen und Wankenden, die Ihr den verführerischen Worten und Zweifeln eitler Wcltwcishcit, welche nur niederreißen kann, aber zum Aufbauen ohnmächtig ist, Ench zuneiget, und den Lehrern nachhänget, die die Ohren kitzeln, kommet, kommt und lernet von der Kirche, welche die Lehre und die Sacramcnte unmittelbar vom Herrn selbst erhalten hat, die wahre Weisheit, die Wissenschaft des Heils, das Licht, welches in die Finsterniß leuchtet, und den Weg zur Wahrheit uud zum Leben, und holet Euch Muth und Sündhaftigkeit, bei den Ueberlieferungen, die sie Euch gelehrt hat, in gläubiger Anhänglichkeit zu beharren. Ihr Starken und Getreuen aber, die Ihr Eurem katholischen Glauben und Eurer Kirche mit aufrichtigem Herzen anhänget und mit Her; und Mund sie bekennet, kommet auch Ihr, kommt und holet Euch neue Freudigkeit, zu streiten und zu leiden mit ihr, holet Euch gesteigerte Siegeszuversicht und vermehrte Gewißheit, daß der Herr mit seiner Kirche ist und daß sie auf dem Felsen unüberwindlich besteht bis anö Ende der Zeiten. Kommet, kommt Ihr alle, die ihr durch die eine Taufe in dem einen Glauben zu einem Leibe der katholischen Kirche eingebaut seyd, kommt und holet Euch in ihr Entsündigung und Heiligung, Erleuchtung und Erhebung, Beharrlichkeit und Stärke, Trost nnd Zuversicht zur Prüfung und Bewährung, zu einem gottgefälligen Leben und einem seligen Sterben in Glauben, Hoffnung und Liebe. Bekennet Euch laut und offen zu der einen, heiligen, apostolischen kathol. Kirche, hallet unerschütterlich fest an dem Felsen, auf den der Herr sie gebaut, und bekennet furchtlos und ohne Wanken ihren heiligen Glauben in Wort und Wandel, in Gesinnung und That. Wachet, handelt männlich und seyd stark, und machet Enren Glauben lebendig durch des Glaubens Werke, durch die Früchte des Geistes, die da sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmuth, Milde, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit. Diese Früchte bringet und beweiset Euch so als die wahren Bekenncr unseres katholischen Glaubens und unserer heiligen Kirche, als die ächten und rechte» Katholiken — in Treue und inniger Ergebung gegen Gott, in T: cuc und fester Anhänglichkeit an Euren Glauben und Eure katholische Kirche, in Treue und Ehrfurcht gegen den zum Glücke Seines Volkes von Gott gesetzten König, in Treue und Hingebung gegen das Vaterland, in Treue und Gehorsam gegen die bestellte Obrigkeit, in Treue und Unter- thänigkcit gegen die verordneten Gesetze und in Wohlwollen, Frieden und Liebe gegeu alle Menschen. Also sind wir, dem Kaiser gebend, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist, katholisch, geliebte Diocc sauen, und katholisch wollen wir seyn und bleiben; katholisch wollen wir leben, und katholisch wollen wir sterben, so uns Gott dazu verhelfe und seine Gnade! Gelobt sey Jesus Christus! — in Ewigkeit. Amen! Ein englischer Naturforscher über das Ilut des heiligen Januarius zu Neapel. (Aus FroricpS „neuen Notizen aus dem Gebiete der Natur - und Heilkunde," XXXI. Band, Nr. w.) Ueber das alljährige Flüssigwerdcn des Bluts des heiligen Januarius zu Neapel hat der bekannte Naturforscher Charles Watertou (derselbe, welcher früher schon seine „Wanderungen in Südamerika, ^VanclerinZs in soutlr-America beschrieben) in einem so eben von ihm veröffentlichten Theile seiner Selbstbiographie folgende Beschreibung milgctheilt: „Die Flasche, in welcher sich von dem Blute des heiligen Januarius befindet, ward aus der dem Heilige» geweihten Capellc genommen und auf den Hochaltar der Kathedralkirche gestellt, worauf das gesammte Volk die Litanei der allerscligsten Jungfrau absang und mehrere andere Gebete laut hersagte. Als dieß vorüber war, wurde die silberne Statne des Heiligen in feierlicher andächtiger Procession aus der Capelle geholt und ebenfalls auf den Hochaltar gestellt. Alsdann ward das Hochamt in der dicht mit Menschen gefüllten Kathedrale gefeiert und nächstdem die Flasche mit dem Blute von einem Canonicus mitten in das Schiff der Kirche getragen, damit alle Anwesenden, die Neigung dazu verspürten, das Blut wirklich sehen und die Flasche küssen könnten. Es waren zwei Flaschen vorhanden; eine große, welche von dem Blute enthielt, wie cS wahrend der Hinrichtung des Märtyrers auö dessen Wunden geflossen war, und eine kleinere, in welcher das Blut noch mit dem Sande vermischt ist, auf welchen cS bei der Hinrichtung floß. Beide waren in einem sehr starken und schön verzierten Gehäuse von Silber und Glas eingeschlossen. Ich küßte das Gehäuse und konnte mich bei dieser Gelegenheit durch den Augenschein davon überzeugen, daß das Blut fest war. Tausende von Menschen aller Stände, vom Fürsten bis zum Bettler, befanden sich in demselben Falle wie ich, und der Canonicus, welcher das Gehäuse hielt, während ich scharf in dasselbe hineinsah, bog es zum Oeftern von einer Seite zur andern, um zu zeigen, daß das Blut nicht flüssig sey, wobei er das GeHänse nur mit den Fingerspitzen berührte. Ich habe vergessen zn bemerken, daß gleich nach Abhaltung des Hochamtes eine Anzahl Frauen in die Capelle eingelassen Wurden. Dieß ist ein Vorrecht, welches gewisse mit dem heiligen Januarius verwandte Familien seit undenklichen Zeiten besitzen. Diese Frauen sagten die Litanei der seligen Jungfrau laut her und schickten andere inbrünstige Gebete zum Himmel empor, wobei sie sich in einer schwer zu beschreibenden Weise gebcrdeten. Fremde, die mit der italienischen Sprache nicht oder nur unvollkommen be- kannt sind, und die den durch einen sol-ben Act erregten Enthusiasmus nicht theile», haben behauptet, diese Frauen schimpften und schmähcten den Heiligen, weil sein Blut nicht so schnell flüssig werde, als man es wünsche; allein dieß ist durchaus ungegründet. Ich befand mich, während die Frauen beteten, dicht bei ihnen, und ich hörte weder Drohungen noch Schimvfwvrte, sondern nur Aeußerungen der andächtigsten Begeisterung. Als meiiie Uhr 1 Uhr Nachmittags zeigte, hatte sich das Blut »och in keiner Weise verändert, und viele Menschen waren nach Hause gegangen, so daß die Kirche bedeutend kühler geworden war. Genau um drei Viertel auf zwei erschien-aber Plötzlich das Blut flüssig. Der Canonicus, welcher das Gehäuse trug, ging dicht vor mir vorüber und ich begleitete ihn bis zum Hochaltar, wo ich die Flasche küßte und mein Gebet mit dem der Versammlung vereinigte, welche Gott den Allmächtigen für das Zeichen seiner Gnade pries, das er den Gläubigen so eben durch ein unergründliches Wunder ertheilt hatte. Eine Stunde später küßte ich die Flasche noch einmal und »ach Verlauf derselben Zeit von Neuem u. s. w,, im Ganzen fünfmal. Dabei sah ich denn jedesmal, daß das Blut vollkommen flüssig geblieben war und durchaus keine Neigung zum Gerinnen zeigte, obgleich um fünf Uhr Abends die Luft in der Kirche sehr kühl geworden war. Um diese Zeit küßte ich die Flasche an jenem Tage (am 19. September) zum letzten Male. Ich war über acht Stunden fortwährend in der Kirche geblieben und hatte Alles, was sich darin zutrug, mit gespanntester Aufmerksamkeit beobachtet. Am 23. September besuchte ich die Kathedrale von Neuem, in der Stunde von neun bis zehn Uhr Morgens, gleich nachdem in der Capelle des heiligen Januarius das Hochamt gehalten warben war. Ich untersuchte das Blut auss Genaueste. Es bildete einen Klumpen und War durchaus unbeweglich; der Canonicus drehte die Reliquie vor meinen Augen um und um. Dieß war keine besondere Vergünstigung. Der ärmste Mann konnte so gut, wie die Königin Wittwe, die sich gerade in der Capellc befand, in diese eintreten und die Reliquie beschauen. Wenige Minuten vor 10 Uhr wurde das Blut wieder flüssig uud ich besichtigte dasselbe wiederholt in seinem flüssigen Zustande, wie ich es am Nachmittage des 19. Septembers gethan. In meinem ganzen Leben hat nichts einen so gewaltigen Eindruck auf mich gemacht, als dieses Wunder. Alle meine früheren Erlebnisse traten vor diesen, Ereignisse in den Hintergrund zurück, und ich spreche hiermit als meine vollkommenste Ueberzeugung aus, daß das Flüssigwerden des Blutes des heiligen Januarius ganz unzweifelhaft durch ein Wunder bewirkt werde." . Das hl. Collegium am ersten Januar 1843. Am ersten Januar 1845 bestand das hl. Collegium aus 59 Eminenzen, davon 6 Cardinalbischöfe, ä3 Cardinalpriester und 10 Cardinaldiacone, wornach also 11 Titel vacant waren. Der älteste Cardinal ist zur Zeit der Hochw. Erzbischof von Genua: Pla- cidus Maria Tadini aus dem Carmeliten-Orden, geboren den II.Oct. 1759, der jüngste aber ist der Hochw. Herr Friedrich Joh. Jos. Cölestin Fürst v. Schwarzenberg, geboren den 6. April 1809, deren Geburtszeit sonach gerade ein halbes Jahrhundert auseinander liegt. Außer den sechs Cardinalbischöfcn, die, wie bekannt die Oberhirten von sechs in der Nähe von Rom sich befindlichen Kirchen sind, sind 23 Cardinäle zugleich noch Obcrhirtcn von anderen Kirchen, als Patriarchaten, Erzbisthümern oder Bis- thnnl'rn. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber : F. C. Krem er.