<5 ^»s-- B-iz. d r " / . * / Rttgsburgev Poftzeitttng Erste Jahreshälfte ^ 1«. Februar 1845. Deutschland. Mission in Waging in Oberbayern bei Salzburg. * Ueber die Mission in Waging, welcher in der Postzcitung Nr. 16. in der Beilage erwähnt worden, schreibt nachträglich ein Augenzeuge vom Wagingersee am 6. Febr. Folgendes: Sie wünschen zu erfahren, ob die Früchte der Mission, welche vom 22. bis 28. Dec. v. I. im Markte Waging sechs Bäter des heiligsten Erlösers aus Altötting gehalten haben, auch andauernd sind? Bei Einzelnen mag der Eindruck, den ihre Predigten gemacht, wohl ein vorübergehender seyn, bei der Mehrzahl ist er aber nachhaltig. Ein Beweis hievon scheint mir die noch zur Stunde bestehende Fortdauer von Gcneralbeichtcn auch in den Waging zunächstliegenden Scelsorgen Otting nnd Tcttenhausen, von wo aus alle Predigten besucht worden; das Schweigen des sonst auch die Nachtruhe störenden Gejodels zc. ausgelassener oder betrunkener Jünglinge, und der Tanzmusik seither, auch au den Fastnachtstagen. Da ähnliche gute Früchte die Väter des heiligsten Erlösers durch ihre Predigten auch in und um Altötting bleibend hervorbrachten, so scheint dieß Veranlassung gegeben zu haben, daß sie selbst höhern Orts sollen angegeben worden seyn, „sie machten durch ihre Predigten und Lehren im Beichtstuhle Kopfhänger und Schwärmer:c.," obgleich sie sich getreu an die Moral ihres Stifters, des heiligen Alphvus Liguori, halten, welche bei ihrer Approbation in Rom das Zeugniß erhalten hat, daß sie die goldene Mitte zwischen zu großer Strenge und Leichtigkeit halte. Wie verschieden ist doch unser Zeitalter von der Mitte des vorigen Jahrhunderts! In den Archiven der vormals nach Salzburg gehörigen Seelsorgen Waging, Tcttenhausen :c., liegt noch ein obcrhirtlicheö Generale vom 7. April 1752, in welchem den Seelsorgern angezeigt wird, daß unterm 26. Febr. an alle hochfürstlichc Pflcggcrichte die geschärfteste landesherrliche Verordnung ergangen sey zur Abstellung der eine Zeit her in Schwung gehenden nnehrbarcn, starkvcrbotcnen sogenannten Walzertänze. Zugleich werden darin die Seelsorger ermahnt, auf der Kanzel wider solches unverschämtes Tanzen schärfest zu predigen, und die Uebertrctcr bei fruchtlos gütlicher Abmahnung ent weder der obcrhirtlichcn Stelle oder der weltlichen Obrigkeit anzuzeigen. — Da dieser Walzertanz jetzt allgemein gebräuchlich ist, und unstreitig, als großes Reizmittel zur Unzucht, zu den vorzüglichsten Ursachen der noch immer im Wachsen begriffenen Anzahl der vielen unehelichen Geburten gehört; so ist ja das Aufhören solcher Tanzgesellschaften durch das scgcnvollc Wirken der Väter des heiligsten Erlösers offenbar ein Zeichen erwachender religiös-- sittlicher Bildung, und nicht Folge überspannter Moral und Kopf- hängerei ! Eiferte man doch gegen die unsittlichen Folgen ungleich schuldloserer Tänze unter dem Churfürsten Maximilian dem Großen in Bayern durch eine Verordnung, die also lautet: „Weil bekanntlich durch die feiertäglichen Abcndtänzc auf dem Lande dem jungen Bauernvolke zu Leichtfertigkeiten Anlaß gegeben wird, auch daraus vielfältig Naufhcindcl und Todtschlägc oder sonst schwere Leibesbeschädigungen erfolgen; so sollen die Tänze auf den Kirchtägen und andere feiertägliche Tänze auf dem Lande im Sommer um vier Uhr, und im Winter um drei Uhr beendigt seyn, und von keiner Obrigkeit länger geduldet werden. Alle seit 1553 ncucrrichtcten Tanzpläze, und die neu angestellten Bubcntänze sollen gänzlich wieder abgeschafft, und alle Leichtfertigkeit im Tanzen, besonders das grobe Halsen, Drücken (was bei dem Walzertanze ungleich mehr geschieht), das ungeschickte, leichtsinnige Zusammenlaufen, Halten und Herzen, Herumschwingen, bei ernstlicher Strafe vermieden werden." Solche Verordnungen wären unstreitig sür unsere Jugend sehr nothwendig und heilsam, wenn sie im Uebertrctungssalle dnrch körperliche Züchtigungen unterstützt würden; denn Geld- und Gefängnißstrafen fürchtet man nicht. In einem königlichen Landgerichte, deren Vorstand die Raufer jedesmal öffentlich mit Stockschlägen züchtigen ließ, brachte man es bald dahin, daß in Gasthäusern Ruhe herrschte. Allein Beschränkung der herkömmlichen Vergnügen der Jugend und körperliche Züchtigungen werden in unserm freisinnigen Zeitalter als Verletzung der unveräußerlichen Vernunft und FrciheitSrechte betrachtet. Und doch gibt es kein anderes Erziehungsmittel für Menschen, die als Sklaven ihrer Leidenschaften sich selbst nicht beherrschen können, sie mögen in den Jahren der Kindheit oder des Mannes-Alters zur Sclbstcrzichung gci- stcönnmündig seyn. Daher in den göttlichen Urkunden Gott seinen Stellvertretern, den Eltern und Fürsten, den Gebrauch der Zuchtruthc und des Schwertes, der körperlichen Züchtigungen befiehlt, um GcisteSunmündigc in jedem Alter zur Sclbsterziehunz zubewegen, wodurch die Mcnschcnrcchte nicht verletzt werden, da Gott allein daö Recht zusieht, dieß zur Förderung seiner Ehre und zum Mcnschcnwvhl zu befehlen. Wie Eltern, wenn sie diesen Befehl Gottes nicht vollziehen, wegen Unterlassung dieser Pflicht von ihren entarteten Kindern mißhandelt werden, so die weltlichen Fürsten durch revolutionäre Unterthanen. So lehrt die Geschichte besonders in unsern freisinnigen Tagen. Wo finden aber gottes- furchtige Fürsten, wenn sie diese ihnen von Gott gebotene Pflicht erfüllen und seine Ehre fordern wollen, eine Mehrzahl von ihnen Bevollmächtigter, welche ihre Verordnungen gewissenhaft vollziehen? Auch in diesen Gegenden werden, ungeachtet der bestehenden Gesetze , die Frcinächtc fast bei alle» Hochzeiten und Frcitänzen geduldet.— Dank und Ehre unserm guten, allgcliebttn König Ludwig, der bei solchen Verhältnissen durch ein außerordentliches geistliches Erziehungsmittel, durch die Missionen der Priester des heiligsten Erlösers, der göttlichen Pflicht zu genügen, und dem moralischen Verderben des Landvolkes zu begegnen sucht! Bei der herrschenden Abneigung aber gegen Beschränkung der sündlichen Wcltver- gnü'ge», besonders bei eigennützigen Wirthen, denen mehr am zeitlichen Gewinn als am Seclenheile liegt, ist es eben kein Wunder, daß die Väter deö heiligsten Erlösers in Altötting, die schon als Wallfechrts-Priester die Sittlichkeit weithin fördern, als überspannt in ihren Predigten und Lehren im Beichtstühle verschrieen Werden, da sie durch ihr segcnreichcs Wirken an diesem Gnaven- ortc und bei den Missionen die Eltern zur HauSzucht und die Jugend zur Aufgebung der verliebten, sündhaften Bekanntschaften mit Personen des andern Geschlechtes, so wie zur Wegbleibung von den in unsern Tagen so ärgerlichen Frcitänzen bewegen. Es stehen aber deßwegen im Markte Waging und in andern Orten, Wo Missionen waren, die Gasthäuser nicht leer, nur ruhig und mäßig genießt man jetzt diese gesellige Erheiterung, und man geht jetzt vor der Polizeistunde nach Hause. Ein Wirth sagte sogar, er habe jetzt mehr Gewinn, weil ihm durch Betrunkene und Raufende keine Geschirre mehr zerschlagen werden. Auch in den Bauernhäuscrn hat der gesellige Besuch nicht aufgehört, wo die Hausväter die sogenannten Heimgarten der Liebhaber ihrer Töchter und Mägde nicht mehr gestatten. Sobald die Bußtrauer, die der Apostel nothwendig und heilsam nennt, vorüber ist, sieht man die Jugend heiterer und fröhlicher als zuvor, wo man den innern Unfrieden nur durch lärmende, ausgelassene Vergnügen zu beschwichtigen suchte. Bei so heilsamen Früchten der Missionen ist zu hoffen, daß Verlangen der Seelsorger und Gemeinden darnach bald allgemein werden wird. Das hie und da noch herrschende Vorur- thcil, durch Missionen würde das Ansehen der Seelsorger und ihrer Predigten herabgesetzt, kann nur in der Unwissenheit der Selbstgefälligkeit ihren Gründ haben, da der Apostel ausdrücklich lehrt: „Weder der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt." Pfarrkindcr, die auch im Markte Waging der genannten Meinung waren, wurden bei der ersten MissionS-Predigt von diesem Vorurthcile ganz befreit, als der geistvolle Prediger sagte: „Erwartet ja nicht, daß wir euch andere Wahrheiten predigen als euer Seelsorger. Er berief uns nur, weil er euch vorzüglich liebt, wie ein Arzt einen andern zu Hilfe zieht, wenn er bemerkt, daß der Kranke seine Anvrdnun- ' gen nicht befolgt, in der Hoffnung, er werde die eines andern ^ eher befolgen." — Wer weiß nicht, daß sich das Volk an die ! geistvollsten Predigten gewöhnt. Ein nie gehörter Prediger von > geringern Gaben macht der größern Aufmerksamkeit wegen ost 5 ungleich mehr Eindruck auf die Zuhörer. Ein vorzüglicher Grund 1 der Wirksamkeit der Missionen liegt aber in ihrem Außerordentlichen, s 1 daß die Rcligionsvorträgc vorzüglich über Buße und die vier letz- > tcn Dinge mehrere Tage nacheinander täglich drei odcr viermal statthaben, und durch diese geistlichen Uebungen die Zuhörer ohne nachtheiligen Einfluß der gewöhnlichen Zerstreuungen zur Selbstkcnntniß gebracht werde». Ich sage ein vorzüglicher; denn der vorzüglichste Segen der Missionen besteht unstreitig in der Wirksamkeit außerordentlicher, göttlicher Gnaden, die das Wort in den Herzen lebendig machen, und zwar auf die Fürbitte der heiligen Stifter der MissionS-Priester, was vor allen die Seelsorger beherzigen sollen, denen ja die Aussprüchc des alten und neuen Bundes über die Krast des Fürbittgcbetcs und der Verdienste der Heiligen nicht unbekannt sind. Als Gott daö Volk Israel des Götzendienstes wegen vertilgen wollte, bat MoseS um Schonung desselben, und der Herr ward versöhnt. Im dritten Buche der Könige spricht Gott zu Salomon, als er schwer gesündigt hatte, daß er wegen David, seines Dieners, die Strafe verzögern wolle. Und im vierten Buche der Könige heißt es: „Aber der Herr wollte Juda nicht vertilgen um DavivS, seines Knechtes, willen." Wenn wir im alten Bunde mehrere solche Stellen lesen, daß sich Gott um Moses' und Davids oder ihrer Verdienste und Fürbitte wegen des sündhaften israelitischen Volkes erbarmte, Jesus selbst lehrt, daß sich die Heiligen im Himmel um unser Seelenheil bekümmern, indem sie sich sreuen über einen Süudcr, der Buße thut, und der heilige Cvpricm mit dem Papste Cornelius einen Vertrag machte, „daß, wer auö ihnen zuerst zu Gott kommen würde, derselbe dessen Barmherzigkeit für die Gläubigen auf Erden unablässig anflehen sollte;" werden nicht auch durch die Fürbitte des heiligen Alvhons Liguori und der gnadenvollcn jungfräulichen Gottes Mutter, die dieser Heilige stets so vorzüglich verehrte, bei den Missions - Predigten der Priester der von ihm gestifteten Gesellschaft des heiligsten Erlösers größere, außerordentliche Gnaden der Buße und Beharrlichkeit im Guten den Zuhörern derselben zu Theil werden? Wenn die Liebe nicht stirbt, wie der gottselige Bischof von Sailer zu sagen pflegte, so werden die Gerechten nicht aufhören, auch im Himmel für uns zu bitten. Dieser Liebe wegen haben wir ein besonders großes Vertrauen auf die Fürbitte der jungfräulichen Mutter Jesu bei ihrem Sohne. Man bemerkte daher einen großen, bleibenden Eindruck iu der ersten Missions- Predigt in Waging, als der Prediger die Zuhörer versicherte, seine Mitbrüder werden während dieser Mission am Gnadenorte Alt- ötting, wo es Gott gefällt, wie einst am Teiche Vethcsda, grössere Gnaden zu ertheilen, täglich die seligste Jungfrau um Fürbitte anrufen zur Erlangung der Gnade der Buße und Heiligung. Wie im alten, so ertheilt Gott auch im neuen Bunde durch das Fürbittgebet außerordentliche Gnaden, wie die Kirchengeschichte lehrt. Um nur ein Beispiel anzuführen, lesen wir im Leben der gottseligen Schwester Maria von Valencc, das die Pariser Universität gutgeheißen hat: „Gott sprach öfters zu ihr, ihrer wegen wolle er eiue große Anzahl Seelen dem Unglauben oder der Ketzerei entziehen, ihrer wegen wolle er eine zahlreiche Menge Sünder aus ihrem Lasterleben erretten." Boudon setzt hinzu: „Sie diente in ihrem Kämmerlcin nur Gott durch Gebet und ein heiliges Leben. Während in den Augen der Menschen die Missionäre den Ruhm der Bekehrung jener bekehrten Personen davon trugen, gebührte er in den Augeu Gottes dieser armen Frau, die iu ihrer Jugend eine kurze Zeit verehelicht gewesen war." Ohne außerordentliche Gnaden würden, nach dem Verluste der ordentlichen, zahllose Seelen verloren gehen; denn das Gleichniß Jesu von der nicht gleichen Zahl der Talente lehrt, daß Gott jedem ein bestimmtes, jedoch hinreichendes Maaß der Gnaden ertheilt. Wirkt der Mensch »ach seinen Fähigkeiten mit der innern Anregung und Erleuchtung der Gnade nichl mit, begräbt er sein Talent in die Erde: so bleibt er in Zukunft bei den geistreichsten Predigten seines Seelsorgers so lange verhärtet, kalt und gleichgiltig in seinem Herzen, bis ihm Gott durch besondere Vermittlung außerordentliche Gnaden ertheilt. Dieß geschieht vorzüglich durch die Missionen auf das Fllrbittgebet ihrer heiligen Stifter zc. Die Wahrheit dieser Behauptung erwies sich auch bei der Mission in Waging. Ich hörte viele Zuhörer der Predigten derselben sagen: Ost schon hörte ich diese Wahrheiten in Predigten, im Beichtstühle, ich wußte sie schon lange, aber sie rührten mich nicht, ich erkannte mich nicht schuldig. Jetzt aber habe ich Tag und Nacht keine Ruhe, cö mahnt mich immer, ich soll meine Sünden beichten und mich bessern, anders könne ich nicht selig werden. Schon Der heilige Augustin lehrte: „Fruchtlos sind alle Predigten, wenn nicht der heilige Geist durch innerliche Erleuchtung lehrt." Möchten doch alle Seelsorger erkennen, daß ihre Wirksamkeit mehr von der göttlichen Gnade, als von ihren Predigten abhängig ist, dann würden alle nach Missions-Priestern verlangen, was zur Förderung der beharrlichen Wirkung einer Mission so heilsam wäre, da die bösen Beispiele einer Pfarrei, wo noch keine Mission gewesen, stets nachtheilig einwirken! Nachschriftlich noch, daß auch in Waging und Tettcuhausen Tngcndbündnisse der Jungfrauen im Entstehen sind, nach den Satzungen, derer sich auch die P. Nedemtoristen in Tirol zur Erhaltung der Früchte einer Mission bedienen, welche in den Betrachtungen über die Nachfolge Maria lc. (Augsburg in der Math. Rieger'schen Buchhandlung 1844.) abgedruckt sind, die den Mitgliedern empfohlen werden. Die Trappisten in Algier. Seitdem in neuerer Zeit in Frankreich so mancher ausgezeichnete und geistreiche Mann dem Ordenslcben sich zugewandt, besitzen namentlich die Trappisten unter ihren Ordensmitgliedern mehrere Aerzte, die sowohl dem Orden, als dem menschenfreundlichen Berufe, den sie in demselben pflegen, alle Ehre machen. Das Trappistenkloster (la Kruir«lv-IrÄppö) z. B. bei Mortagne hat in dem (auch durch seine literarischen Leistungen ausgezeichneten) P. Debreyne einen vortrefflichen Arzt, dessen Wissenschaft der ganzen Umgebung zu gute kommt. Auch das Trappistenkloster zu Stauelli in Algier befitzt in dem P. Mucius seinen Arzt. Ueber die Wirksamkeit dieses Missionärs bringt die Kevue möäiealk des Dr. Cayol eben den nachfolgenden Bericht. „In Afrika, wie in Frankreich, heißt es daselbst, stehen die Aerzte aus dem Trappistenorden, von den guten Brüdern unterstützt, ganz auf der Höhe ihrer Mission und widmen allen Leidenden mit der ausgesuchtesten Sorgfalt ihre Dienste. So wurde Bruder Ge'rard (vr. Henriat) eines der ersten Opfer dieser wunderbaren Hingebung, denn er trat während der kältesten Nächte sein Bett an Jene ab, welche keines hatten, und verfiel so frühzeitig dem Tode. Dctachirte Soldaten, die Kolonisten und Araber, die auch um den christlichen Kebir sich drängen, bilden die zahlreiche und verschiedenartige Kundschaft des Arztes aus dem Trappistenorden. Pater Mucius, der Verfasser der folgenden Briefe , befindet sich also in einer Stellung, in welcher er die größten Dienste leisten und mit unseren Militärärzten für die Erhal- ') Briefe über die in Algier herrschenden Krankheitsformen, welche die Revue Kleclicalc- mittheilt. tung unserer braven Soldaten Vieles thun kann. Daß die Fragen über den Gesundheitszustand von Algier von höchster Wichtigkeit und Bedeutung sind, brauchen wir nicht erst zu bemerken. Setzt ja doch das Klima der Erhaltung unserer herrlichen Eroberung und der Einpflanzung europäischer Civilisation den hartnäckigsten Widerstand entgegen; klimatische Verhältnisse hemmen den Fortgang der Intelligenz aus dem Occidcntc nach dein Oriente, vom Norden nach dem Süden, sie trennen Europa von der übrigen Welt, und der Heilkunde ist es vorbehalten solche Hinvernisse zu bewältigen und dadurch den Fortschritt der Kunst zu bewähren. Es ist allerdings wahr, daß selbst Historiker, denen die Heilknndc srcmd und die nur auf ihre Erlebnisse angewiesen waren, wie der heilige Angustin I^cle Livitatv Ovi), das nördliche Afrika als ein selbst für die Eingeborenen verderbliches Land uns schildern. Allein die Vergangcnhcit darf uns in Bezug auf Gegenwart und Zukunft nicht cntmuthigcn und trübe Aussichten wecken die edelsten Kräften zum Kampfe. P. MuciuS, der in seiner Praxis nach den Principien des hip- pvkratischcn VitaliSmuS verfährt, fördert dadurch den Fortschritt der rationellen Heilkunde in Algier. Und auch die Regierung wird hoffentlich gegen die Cvlonisationsbcstrebungcn der Trappisten nicht gleichgültig bleiben, sie wird, wir zählen darauf, die Anstalt von Stauelli, wenigstens so lange sie noch in ihrer Entwicklung begriffen ist, thätig unterstützen und ihrerseits sich nicht weigern die Arzneien uncngeltlich an Männer abzuliefern, die mit der wunderbarsten Liebe sie benutzen. In diesem Falle würde ich mich freuen durch Mittheilung der folgenden Briefe die Aufmerksamkeit der ärztlichen Welt ans die Heilkunde der Trappisten hingelenkt zu haben. Mögen diese ehrwürdigen Männer, die im Stillen so große Dinge wirken im Gegensatze zu so vielen Anderen, die viel Lärmen machen um Nichts, mir cS verzeihen, daß ich den Schleier, unter welchem ihre Bescheidenheit vor den Augen der Welt sich birgt, etwas gelüftet habe. In Frankreich kennen nur Wenige die wichtigen Dienste, welche eine Handvoll Trappisten, unsere Landsleute, der Kolonisation von Algier geleistet haben. Und doch sind sie erst seit ohngefcihr zwei Jahren dort und die Regierung hat ihnen nichts gewährt als 1000 Hec- taren wüstes ungesundes Land und eine Summe von 62,000 Francs zur Deckung der ersten Einrichtungs-- und Baukosten. Auf dem Schlachtfelde von Stauelli mit den dort gesammelten Kanonenkugeln haben sie vor zwei Jahren das Fundament ihres Baues gelegt, — und jetzt ruht mitten in dieser öden Wildniß das Auge des Wanderers auf einem harmonischen Ganzen von Bauten, unter welchen eine Capelle mit dem glorreichen Zeichen der Erlösung, ein großes Kloster und zu beiden Seiten die Gebäude der Musterwirthschaft auf den ersten Blick hervorspringen. Mehr als 100 Hcctaren Landes sind trotz des ungünstigen Klimas und der Schwierigkeiten aller Art bereits urbar gemacht. Allein eS sind auch schon sieben bis acht Ordensmäimcr von 45, welche die kleine Colonie bilden, in der Blüthe des Alters der Anstrengung und den aus dem ungesunden Boden sich entwickelnden Krankheiten erlegen. Diese Verluste haben indessen die frommen Einsiedler nur zu einem um so größeren Eifer angespornt und unter dem Schutze unserer lieben Frau von Stauelli findet alles menschliche Elend eine Zufluchtsstätte und mitleidige Herzen. Ein Hospital ist organisirl und arabische Kinder, die der Krieg zu Waisen gemacht, werden in das Kloster aufgeuommen, wo sie eine christliche Erziehung erhalten und durch Lehre und Beispiel zu guten Ackerbauern herangebildet werden. Knickerei von Seiten der Regierung gegen eine so schone, für unsere Colonie so wohlthätige und für unsere Nation so ehrenvolle Stiftung wäre also sehr am unrechten Orte." So weit unser Arzt. Wir fügen zur Ergänzung noch die nachfolgenden Notizen aus einem andern französischen Blatte bei: „ Die Anstalt der Trappisien zu Stauelli ist ihrer Vollendung nahe und wird bald eine der schönsten seyn, welche dieser Orden in Frankreich oder im Auslande besitzt. Die Mühsale, welche diese guten Brüder und der brave Oberst Marengo, der sie in so edler Weise unterstützt, zu überwinden hatten, lassen sich mit Worten nicht sclnlvcrn. Indessen lassen sie sich schon nach der Zahl der Stcrbfälle unter den Begründern bemessen. Von 38 Trappisien sind 8 im Jahre 1844 gestorben und alle Nebligen mehr oder minder krank gewesen. Bon den 150 Militärsträflin- gen, die zur Beschleunigung der Arbeit ihnen zur Disposition gestellt waren, sind 37 gestorben und alle klebrigen von schweren Krankheiten heimgesucht worden. Indessen dürfen wir hoffen, dasz die Ursachen dieser Ungcsundhcit jetzt beseitigt sind und das Jahr 1845> ohne neue Verluste sür die Trappisien vorübergehen wird. Für die Gründung dieser Anstalt in Algier hat die Negierung den Trappisien 62,000 Francs znr Disposition gestellt und alle Welt ist der Ansicht, dasz sie diese Subvention vortrefflich benutzt haben. Der Ackerbau ist weiter vorangeschrittcn und wird mehr betrieben als in irgend einem andern Dorfe, die Bauten sind im besten Fortgangc. Alle Maaßregeln sind getroffen, um neue Niederlassungen und Anlagen zu begründen: die Kalk - und Zie- gclbrenncrcicn sind im Gange, die Steinbrüche geöffnet, die Werkstätten der Tischler, Zimmcrleute und Schmiede vollständig und ökonomisch vrganisirt und in unausgesetzter Thätigkeit. Material ist in diesen Werkstätten genug vorhanden und der Preis der Handarbeit billig. Dieß sind unberechenbare Resultate, die in einem Lande, wo die Industrie gleich null ist und wir Alles erst schaffen müssen, für die Zukunft viel versprechen. Uuv so ist die Trappistencolonie in Algier eine nationale und religiöse Schöpfung, die sowohl auf die europäische Bevölkerung, die sich neben ihr niederlassen wird, als auf die Eingeborenen, deren Charakter wesentlich religiös ist, einen sehr heilsamen Einfluß äußern wird." (Katholik.) Schweiz. Schafs hausisch es Convcrtitengesetz. Am 25. Januar wurde dem Gr. Rathe eine „ehrerbietige Vorstellung" der E. schaffhausischen Geistlichkeit vorgelegt, worin die Bitte ausgesprochen wird: a) „Es möchte der Gr. Rath in Berathung ziehen, was von Seite der Gesetzgebung geschehen könne, um den Kanton vor der ihm drohenden Gefahr der Parität zu bewahren," und Ii) es möchte derselbe ein „Convcrtitengesetz" aufstellen, mit folgenden Bestimmungen: 1) „Keine Konversion darf stattfinden, bis nach erreichter Consir- mativn und Volljährigkeit. 2) Wer zur katholischen Konfession übertreten will, hat dieß zuvor seinem Geistlichen anzuzeigen, welcher sich mit ihm darüber besprechen und das Resultat der Besprechung dem Kirchcnrath berichten wird; dieser wird sodann entscheiden, ob ein weiterer Unterricht stattfinden soll oder nicht. 3) Die Konversion des Vaters oder der Mutter hat auf die vorhergcbvr- nen Kinder keinen Einfluß, sondern sie haben in der ursprüuglichcn Kirche zu verbleiben. 4) Solche, die im Auslande cvnvcrtiren wollen, haben eine Bewilligung dazu von der (schaffhausischen) Regierung einzuholen. 5) Die förmliche Aufnahme in die katholische Kirche soll n»ir dann von einem Geistlichen geschehen, wenn eine Bescheinigung vorgelegt worden, daß den obigen Bedingungen Genüge geleistet worden sey. Wobei noch als Billigkeit gegen andere Staaten beizufügen wäre: 6) Ein Angehöriger eines andern Staates darf in hiesigem Kanton nicht convcrtiren ohne Er- laubuißschcin von Seite seiner eigenen Regierung." Der Eifer der schaffhausischen Geistlichkeit für die Sache des reinen Evangeliums will somit die Schweiz mit einem Gesetze neuer Art beschenken. Die vvrortliche Behörde behauptet zwar in ihrem Kreisschreiben vom 21. Januar, „die reformirte Kirche sey in sich selbst stark genug, um den geistigen Einfluß der Jesuiten (und Katholiken) für sich und in ihrem Glauben keineswegs zu fürchten, immerhin müsse der Kampf zwischen den Confcssioncn oder innerhalb derselben auf geistigem Gebiete ausgcfochtcn werden, wenn er zur richtigen Losung kommen soll." Die protestantische Geistlichkeit SchaffhausenS ist anderer Ansicht, und glaubt die „drohende Gefahr der Parität" durch ein Gesetz, also durch die weltliche Macht abwehren zu sollen, offenbar aus dem Grunde, weil sie sich nicht stark genug fühlt gegcu die geistige Macht des Katholicismus. — Wir waren der Ansicht, Schaffhausen sey wirklich schon ein paritätischer Kanton; durch die Aufnahme der katholischen Gemeinde Namsen, welche doch politisch gleichberechtigt seyn wird wie die reformirten Gemeinden, habe Schaffhausen aufgehört ein ausschließlich protestantischer Kanton zu seyn, wo die Katholiken von politischen Rechten ausgeschlossen seyen. Welches Klaggc- schrei erhob die gesammtc protestantische Schweiz, als der ausschließlich katholische Kanton WalliS den Riegel schieben wollte, damit in seinem Gebiet nicht jeder Unfug in religiöser Beziehung getrieben werden könne; und kaum ein halbes Jahr, so unternimmt der Protestantismus Acrgeres in Schaffhauscu. Noch mehr am 8. Sept. 1644 erließ die Schaffhausische Geistlichkeit einen „Hirtenbrief," worin sie gegenüber der katholischen Kirche lehrt: „Der Mensch ist in seinen: Glauben frei von aller menschlichen Gewalt;" „unser Glaube stehet nicht auf Menschen Ansehen und Menschen Macht;" „Gott wird unö bei unserm Glauben zu schützen und zu erhalten wissen in diesen Tagen der Gefahr und des Kampfes.' Noch sind nicht fünf Monate vorüber, und schon hat die protestantische Geistlichkeit dieses ihr „evangelisches Zeugniß" vergessen, und die darin ausgesprochenen Grundsätze vcrläugncnd stützt sie sich nach altgewohnter protestantischer Weise ganz auf den weltlichen Arm und rettet ihren Glauben hinter ein Convertitcngcsetz eigener Art. Durch dieses Gesetz wird jede künftige Bekehrung zum Katholicismus vom Gutfinden der protestantischen Geistlichkeit und der weltlichen Regierung abhängig gemacht. Auffallen dürfte endlich, daß dieses Gesetz ausschließlich gegen die katholische Kirche gerichtet ist. Wir zweifeln nicht an der Annahme dieses Gesetzes; denn die Erfahrung hat gelehrt, daß die Schaffhausische Geistlichkeit starke Hebel in Bewegung zu setzen weiß, um ihrem Willen Anerkennung zu verschaffen. Wie sind auch weit entfernt, die Verwendung des katholischen Vororts gegen ein solches Gesetz zu wünschen, obwohl sie gegründeter wäre als die Einmischung der protestantischen Kantone in die religiösen Angelegenheiten der Kantone Wallis und Luzern. „Meine Wege sind nicht eure Wege", spricht der Herr. (Schw. K.-Z.) Verlags - Inhaber: F. C. Kr einer.