? » ^^»g s - Deib, der «, ^ Attgsvurger Erste Jahreshälfte. M? 8. Poftzeituttg. SZ. Februar Stellung und Beruf der Jesuiten in der Gegenwart. (Paß. ka,h, Kirchenztg.) In Vcr Geschichte der geistlichen Orden ist vielleicht die Geschichte der Jesuiten die merkwürdigste; denn kein Orden hat in so kurzer Zeit des Bestehens so Außerordentliches geleistet, keiner so wunderbare Schicksale gehabt, als der Orden der Jesuiten. Von seinen Bewunderern und begeisterten Freunden einerseits zu den Sternen erhoben, andrerseits aber von seinen Gegnern in die tiefsten Tiefen der Hölle hinabgeschleudcrt, steht er da, unter allen Genossenschaften in der Kirche am meisten die Schicksale der Kirche selbst theilend und dem göttlichen Meister, dessen Namen er trägt, an Verfolgung am meisten ähnlich geworden. Während die Bcncdictincr Männer des Friedens sind, Ackerbau und Wissenschaft und Kunst in stiller Abgeschlossenheit mit sorgsam geschäftiger Hand pflegend, sind die Jesuiten geborne Krieger, geboren in stürmischer Kriegszcit, erzogen und wohlgeubt im Felde, wohl vertraut mit allen Kriegskünsten des Feindes, abgehärtet und ausdauernd, wie kein anderer Soldat, stets wachsam und kampf- gerüstet und daher auch fortwährend unter siegreicher Fahne geschaht. Mag sich die Häresie, die Erbfeindin des Jesuitenordens, unter was immer für eine MaSke verstecken, mag sie mit roher Gewalt oder in listigem Schaafpelz versteckt, als offener redlicher Gegner oder als tückischer Meuchler auf dem Kampfplatz erscheinen: der Jesuit kennt sogleich seinen Mann, reißt ihm die Larve vom Gesicht, verfolgt ihn in alle Schlupfwinkel, «nd entwaffnet ihn. Solchen Schrecken übte noch kaum Medusens Haupt, als der Anblick eines Jesuiten auf häretische Augen; entsetzlicher schlug wohl noch nicht der grause Ton der Sturmglocke an das Trommelfell des Häretikers, als der Name — Jesuit; scheußlicher k>inn seiner Phantasie wohl auch der leibhaftige Teufel nicht vorschweben, als das Bild eines Jesuiten; ja Jesuit und Teufel sind ihm synonym. Und woher diese unversöhnliche Feindschaft, dieses Zittern beim bloßen Namen Jesuit? Fragt die Geschichte und sie wird euch die Antwort geben. Als die Häresie auf stolzem Siegeöwagen brausend einherfuhr wie eine gewaltige Windsbraut, und in Sturmeswehen das Gebäude der alten Kirche umzustürzen und den Felsen, darauf es gebaut, zu zernichte» drohte: da fielen die Jesuiten der Stür- mcrin in die Räder, und hemmten ihren stolzen Siegeslauf. Und als sie ihre Schaarcn ausschickte, um die gottgegrllndctc Fclsen- burg zu bestürmen, da standen die Jesuiten im Vordcrtreffen wie Mauern, fingen die feindlichen Gcschoßc mit undurchdringlichen Panzern auf und schleuderten selbst so geschickt die Waffen in die feindlichen Reihen, daß sie schciarenwcise hinsanken, oder in schändlicher Flucht das Schlachtfeld räumen mußten. Und als die Häresie, die Verächterin der göttlichen Autorität der Kirche, ihr jüngstes Töchterlein, die Revolution, die Verächtcrin der göttlichen Autorität der Könige, ausgeheckt hatte, da standen die Jesuiten wie ein Damm gegen die Wässer der Auflösung und Anarchie, die von allen Seiten wie eine Sündfluth hereinbrachen, und wohl nie wären jene Ströme Bürgerblutes vergossen worden, nie jene gekrönten Häupter unter dem Beile gefallen, wenn nicht die Revolutionsmänner, nicht mit geistigen Waffen, sondern mit roher Gewalt, durch List, Betrug und höllische Machinationen aller Art, deren Gräuel und teuflische Bosheit einer kaum mehr fernen Zeit aufzudecken vorbehalten ist, den Damm durchstochen und die Aufhebung des Ordens beim Hintergangenen heiligen Stuhle zu erwirken gewußt hätten. So sank die heldcnmüthige Schaar der christlichen Thebaner am Engpasse von Thermopylä, nachdem sie von Verräthershand dem Tode geweiht war, und nun ergossen sich die Barbarenhorden über das schöne Hellas, sengend und brennend und jeden ihrer Fußtritte mit Blut bezeichnend. Die Jesuiten waren gefallen, und die Revolution brach aus ihren Schlupfwinkeln hervor. Die letzte Stützt der Altäre und Throne war gesunken, ihrem Falle stürzten die Altäre und Throne nach. Der Wirkungskreis des Jesuitenordens für seine erste Periode war abgelaufen: er hatte seinen Beruf, ein Bollwerk der katholischen Kirche gegen die Häresien und den philosophischen Unglauben zu seyn, wohl ins Auge gefaßt, demselben alle seine Kräfte gewidmet, und das Glück und die Gnade von Gott gehabt, nicht wie die übrigen Orden, an innerer Erschlaffung, sondern in der Frische seiner Jahre, im siegreichen Fortschreiten auf seiner Heldenbahn begriffen, als Opfer seines Berufes zufallen, die Bewunderung der Mit- und Nachwelt, und die schönsten Zeugnisse von Freund und Feind mit ins Grab zu nehmen — bis der AuferstehungSruf Pius VII. sie zum zweitenmal» auf die Schaubühne der Welt rief, um nochmals die geeignete» Rollen in dem großen Drama der neuesten Kirchen» und Weltgeschichte zu übernehmen und der Welt zu zeigen, waö der Orden für Kräfte i» sich beschließe und für Kirche und Staat zu leisten im Stande sey. Abermals sehen wir den Jesuiten-Orden an der Spitze der Kämpfer, die mit den Söhnen Voltaire's, mit den Ruinen des französischen Pantheismus im Felde liegen; sieben Jesuiten in der Schweiz stehen gegen eine meuchlerische Bande von Radicalen, deren Absehen auf Vernichtung alles Christenthums und Lösung aller Bande der Ordnung gerichtet ist. Auch die Unterrichtsfrage in Frankreich berührt sehr nahe die Jesuiten, und sie fanden an dem Grafen Montalcmbert und dem Bischof von ChalsnS die wärmsten Vertheidiger; kurz, der Name Jesuit ist wieder zum Losungswort geworden — sie stehen wieder auf dem nämlichen Posten, den sie im Jahre 1773 verlassen hatten. Das wollen nun freilich die Männer des .lusUi-milivu nicht zugeben; die Jesuitc», sagen sie, haben zwar weiland ihre Stellung gekannt und auch ihre Stück Arbeit redlich gethan. Damals standen sie an der Spitze der katholischen Reaction gegen die Fluthcn des Protestantismus; aber hcut zu Tage ist der Kampf und die Kampfwcise eine andere geworden; der Feind ist nimmer derselbe, die Manöver sind verschieden, die Tculik geändert worden; daher seyen die Jesuiten nicht mehr für unsere Zeit, sondern es müsse auf andere Weise, als durch sie, dem gegenwärtigen Feinde begegnet werden. Das Alles ist unendlich salbungsvoll gesprochen, um sich den Magen warm zu halten, aber weiter ist mit solchem Gerede auch gar Nichts gedient. Für's erste ist, um jene Ansicht als unhaltbar darzustellen, gewiß nicht zu lciugncn, daß das Auge des Feindes am schärfsten sieht. Nun fragt die Feinde der katholischen Kirche, seyen sie orthodoxe Lutheraner oder Rationalisten oder Hegelianer und Nadicale, wer ihnen unter allen kathol. Menschenkindern am verhaßtesten ist, und dann hört ihr vor Allem den Papst nennen und dann die „Banditcngarde des Papstes" — die Jesuiten. Ihnen gilt all der Hohn, Schimpf und Spott, der von Quinct und Michclct bis zum „ewigen Juden" herab aus dem litterarischen Markt auSgeboten und von der Menge wie köstliches Confitüre gierig verschlungen wird; ihnen gelten die Kugeln der Schweizer Radicalen und die Percats in Verviers; ihnen die Reden des Protestanten Guizot in der französischen Dcputirten - Kammer. Dominicaner, Benedictincr, FranciSccmer und andere Klostergeistliche kommen überall besser weg: höchstens nennt man sie Müßiggänger, faule Drohnen, dumme Fledermäuse in finstern Löchern; aber diese Titel klingen wie Harfentöne und Engclstimmcn gegen die lieblichen Ausdrücke, mit welchen man der Jesuiten zn gedenken pflegt. Wenn im protestantischen Lapidarstyl gesprochen werden soll, dann sind die Jesuiten immer — pure Teufel; alle Schilderungen von ihnen, namentlich in Dr. Zirndorfer's Roman und in Eugene Sue'S ewigem Juden, fänden in jenen zwei Worten ihren kürzesten Ausdruck und Brcnnpunct; die weitere Ausführung ist nur gewässerte Umrcdung oder poetische Umschreibung obiger Aufschrift, die vom Protestanten dem Jesuiten als Taufnamc gegeben wird, wenn er zur Welt kommt, und als Grabschrift, wenn er aus der Welt geht. Fragt man nun, warum denn aller Ingrimm, alle Wuth, aller Hohn, alle Schmähung, alle Verleumdung, jegliche Fratze, jegliche Carricatur und jedes Pasquill sich gerade am Jesuiten zu letzen sucht, fragt man, warum man lieber alle Klöster, die je im Schovße der katholischen Kirche entstanden sind, gedulden und auskommen lassen will, die Jesuiten allein aber das ocliui» luimnni Aoiwris seyn sollen, und gegen sie,! zum Zweck ihrer Vernichtung, jedes Mittel heilig und dreimal heilig ist; so ist die Antwort zweifelsohne diese: Die Feinde des katholischen und jeden Christenthums insbesondere erblicken im Orden der Jesuiten den unversöhnlichen Gegner ihrer Bestrebungen, die stärkste Schutzmauer der Kirche gegen Revolution und Anarchie auf geistlichem wie weltlichem Gebiete, die stehende Opposition gegen die Omnipotcn; des Staates und die Anmaßungen der Bureaukratie. Zur Betrachtung der Jesuiten von diesem Gesichtspuncte aus müssen nun die Jesuitcugegner wohl ihre guten Gründe haben, sonst würden sie nicht alle Kräfte anstrengen, und jegliches auch noch so unheiligc Mittel, das zum gewünschten Ziele führt, mit Freuden begrüßen. Wüßte nicht Gnizot, daß durch Uebertragung der Lehrstellen an die Jesuiten sein und Cousin's Schooßkind, der JndifferentiSmuS und Pantheismus der Universität, das Zeitliche segnen und die Freiheit des Unterrichtes für den Klerus erringen würde, dann würde er nicht der Mühe werth gefunden habe», gegen dieselben in die Schranken zu treten; fänden nicht die Liberalen allerwärtö in den Jesuiten Freunde der gesetzlichen Ordnung, dann würden sie nicht durch Percats und Kanonenfeuer diese Bollwerke aus dem Wege zu räumen suchen. Mit einem Worte: die Abneigung der Feinde der Kirche gegen die Jesuiten ist keine erkünstelte, keine übertriebene, sondern eine instinctmäßigc und verhältnißmäßigc. Oder man nenne uns eine andere Macht, die gegenwärtig dem falschen Liberalismus und Radikalismus die Spitze böte! Man kann kaum eine andere uns nennen, außer die Reaction der Kirche überhaupt und die Tüchtigkeit und Umsicht des heiligen Stuhles. Gerade die Jesuiten aber reagiren am thätigsten und fördern am angel>gcnt- lichsten die Wünsche des heiligen Stuhles, und darum, man übersehe das nicht, hat auch der heilige Vater gerade den Jesuitenorden für die Schweiz gewünscht, wohl wissend, daß dieser dort am Heerde aller Demagogie und des wüthcndstcn NadicalismuS ganz an seinem Posten stehe und das conservativc Element am meisten zu halten und zu fördern im Stande sey. Und wenn man das Wirken der Jesuiten in der Schweiz einer nähern Beachtung unterzieht, so muß man staunen über die moralische Kraft, die Festigkeit und Energie von sieben Jesuiten, die im Kanton Luzcrn im fürchterlichsten Kreuzfeuer stehen, aber dennoch — stehen. WaS hat die Schweiz von sieben mehr, was Frankreich von einhundert zwanzig Jesuiten zu fürchten ? Und diese Männer sollten nicht mehr an ihrem Platze stehen? Sie hätten ihr Tagewerk vollendet und stünden nun müßig? Man versuche es und stelle einmal sieben andere Klvstergeistliche hin und höre, ob es die Radicalen nur der Mühe werth finden werden, sie eines bedeutsamen Blickes zu würdigen. Hat man denn schon vergessen, wie schnell Herr Guizot die Dominicaner und Benedictincr und die Weltgeistlichkcit in Frankreich abgekanzelt? Sie alle waren ihm zu „dumm', um die französische Nation erziehen zu können; nur den Jesuiten sprach er die Fähigkeit nicht ab, fürchtete aber Alles von ihrem Einflüsse für sein System. Und wer weiß nicht, daß der Säcularkleruö in der Schweiz, über dessen „Bornirthcit" und „Unfähigkeit" die Radicalen früher nicht genug zu sagen wußten, in letzterer Zeit nur deßhalb so erhoben, seine Wissenschaftlich^ und Musterhaftigkeit nur deßhalb so cmgcrühmt wurde, um die Jesuiten als entbehrlich hinzustellen und so diese gefährlichen Gegner auf eine feine Weise sich vom Leibe zu halten, lind hat die Gcrechtigkeisliebe des Journal des De'batS nicht unlängst damit herausgeplatzt, daß man die Jesuiten zum Teufel jagen soll, 120 Jesuiten! Wahrlich, die Jesuiten müssen ein lüchtigcs Salz seyn, weil die davon gebeizten Organe gar so convulsivisch sich bewegen! Wären sie dumm gewordenes Salz, ja dann fände allerdings die gegentheilige Meinung, die den Jesuiten die Bedeutsamkeit, die man ihnen !n unsern Tagen beilegt, absprechen will, eine haltbare Basis für ihre Existenz; allein wir müssen uns entschieden auf die andere Seite neigen, so lange die Feinde der katholischen Kirche dem Jesuitenorden so viele Aufmerksamkeit schenken, ihn für das vorzüglichste Vollwerk der katholischen Kirche und vorab des heiligen Stuhles gegen die Häresie halten, und durch seine Bekämpfung die katholische Kirche indircct zu bekämpfen glauben. Wir werden ferner bestimmt, den Jesuiten große Bedeutsamkeit für unsere Tage beizulegen, ja größere, als allen übrigen Orden, durch die besondere Empfehlung dcö päpstlichen Stuhles, die gewiß kein unbedeutendes Gewicht in die Waagschale ihrer Wichtigkeit für unsere Tage und Zustände legt. Ja, wir gestehen es, mit großer Spannung sehen wir auf die Väter der Gesellschaft Jesu hin, und glauben fest, daß ihnen auch in unsern Tagen noch die nämliche Aufgabe obliegt, die sie in'S Daseyn gerufen hat, nämlich auszukämpfen den großen Kampf zwischen Kirche und Protestantismus, christlicher Staatenordnung und politischer Anarchie. Diese Bedeutung geben wir ihnen nicht, als wenn etwa sie sich dieselbe gäben; nein, diese Bedeutung geben ihnen ihre Feinde, die ihre Gegner am besten kennen; diese Bedeutung gibt ihnen die Tages - Geschichte, in deren Ereignisse sie von der Hand der Vorsehung hincingeflochten werden, — denn sie haben sich nicht selbst berufen, sondern sie wurden berufen; diese Bedeutung gibt ihnen der heilige Stuhl, weil er sie gerade für die Schweiz, den Herd aller revolutionären Ideen, brauchbar befunden hat. Mögen sie nur auch wie früher treu ihrem Berufe leben und sich durch keine Schmähung und Verfolgung in ihrem Eifer ermüden lassen! Ihre ganze Haltung in der Schweiz und anverwärts beweis't es, wie sehr sie die Kunst verstehen, bei Beleidigungen zu schweigen oder doch mit Würde sich zu vertheivigen. G,rade durch solche Befehdungen der Gegner aber erstarken sie und werden beständig zum Gebet, Vertrauen auf Gott, zu einem musterhaften Leben und beständiger, angestrengter Thätigkeit aufgefordert; daher hat der heilige Jgnatius, was von knnem andern OrdcnSstifter bekannt ist, unablässig zu Gott gefleht, er möge ja seiner Stiftung es nie an Leiden und Verfolgungen fehlen lassen, und Gott hat sein Gebet auch so ziemlich erhört. Wer übrigens lesen will, wie die Jesuiten es verstehen, mit Würde ihren Gegnern zu imponiren, der lese die Schrift des berühmten Jesuiten, Abbe' Navignan, Predigers zu Notrc-Dame in Paris. „Von dem Bestände und der Verfassung der Jesuiten," München, Lent- ner'sche Buchhandlung 1844, und er wird daraus ersehen, daß die Jesuiten unserer Tage ihren Vätern keine Schande machen! Das Wunder der Eucharistie in Augsburg und die Reconciliationsfrage. (Aus dem Tagebuch des P. Heinrich Goßlar über Jerusalem und di Heiliglhümer des Orients und OccirenIS im Jahre 1844.) Augsburg, am Feste des heiligen Martin von Tours, den 11. November: „Hier, zwischen dem ehrwürdigen Dome unv der Kirche zum heil. Kreuze, in der Mitte dieses DomplatzeS, in diesen Schloß - räumen, auf welche unser Blick von Jerusalem hcrgelcnkt ist, hier wurde vor dreihundert Jahren die Augsburgischc Konfession übergebe»! — Hier, im Angeflehte des Wunders der Eucharistie, welches die Kirche zum heil. Kreuz seit 1194 bewahrt, und von dessen Wahrheit man sich dnrch den Augenschein überzeugt (eS ist vaS Wunder einer blutrothcn consecrirtcn Hostie, das allcrheiligstc Sacrament in Gestalt von Fleisch und Blut, ein durch unzweifelhafte juridische Beweise festgestelltes, durch eine bis auf die neueste Zeit fortdauernde Reihe von wunderbaren Heilungen und Gnadcnbezeugungen verherrlichtes, durch die öffentliche Verehrung und die lebhafte Andacht des gläubigen Volkes bezeugtes Wunder der göttlichen Erbarmungen), — hier, kaum hundert Schritte von diesem offenkunvigen Zeugniß für die Wahrheit der Haupt- unterscheivungölehre des reinen Glaubens von dem großen Geheimniß des Abendmahles, hier, mit der Ucbergabc der Augöbur- gischen Konfession, spaltete sich der Occivent über dem Leib des Herrn. Großes und deutliches Zeichen vom Himmel! — Dreihundert Jahre vor der Kirchenspaltung ist hier die Hostie blutroth geworden; heute, dreihundert Jahre nach der Kirchenspaltung, sechs Jahrhundert lang, steht sie noch blutroth da! — An jenem Tage, wann der Mond blutroth werden wird, und vor dem Glänze der Wahrheit die Sonne erbleicht, wird auch dieses Wun- dcrzeichen offenbar werden, von welchem wir hier Zeugniß geben. — Und wenn auch Jemand vom Himmel käme, würde er wohl Glauben finden? ! ! — Wir feierten die heiligen Mysterien für die Glaubenscinheit vor dieser blutrothcn Hostie auf dem Hoch-- altare der Kirche des heil. Kreuzes am gestrigen Sonntage, und reichten den Leib des Herrn einer großen Menge von Gläubigen zu der Meinung, daß die Kirchenspaltung mit allen Wirkungen möge aufhören, welche durch die Uebergabc der AugSburgischcn Konfession hier, im Angesichts dieses Wunders der Eucharistie, vollbracht worden ist. — Hier, heute am Feste des heil. Martin, hier, wo Martin Luther vor dreihundert Jahren austrat, wo der Kurfürst von Brandenburg den Gedanken aussprach: daß durch eine allgemeine Synode die Kirchenspaltung möchte abgewendet werden, hier in dem ehrwürdigen Dome dieser uralten bischöflichen Stadt, brachten wir heute zum zweiten Male das große, Alles vermögende Versöhnungsopfer für die Wiedervereinigung der getrennten christlichen Neligionsverwandtcn dar. — Wo die Menge der Schuld war, da wird die Ucbcrmcnge der Gnaden eintreten.—- Wo das Uebel ausgegangen ist, von da wird größeres Heil sich erneuern! — (Frkf. k.K. Z.) Woher und woz» der Rosenkranz? (Aus dem Leben des heil. DominicuS von Lacordaire.) Als der Erzengel Gabriel von Gott zu der seligen Jungfrau Maria gesendet wurde, um ihr das Mysterium von der Fleischwcrdung des göttlichen Sohnes in ihrem keuschen Schooße zu verkünden, grüßte er sie mit den Worten: Gcgrüßet seyst >Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir, !Du bist gebenedeit unter den Weibern. Diese Worte, ldie glückseligsten, die eine Creatur vernommen, wurden von Geschlecht zu Geschlecht im Herzen unv Munde der Christen wiederholt, und aus der Tiefe dieses Thales der Thränen rufen sie unaufhörlich zu der Mutter ihres Erlöses empor: Gcgrüßet seyst Du, Maria! Die Chöre des Himmels hatten einen ihrer Führer an die demüthige Tochter vom Stamme David'S abgeordnet, um ihr diesen glorreichen Gruß zu überbringen, und jetzt, wo sie hoch über den Engeln und allen himmlischen Chören thront, sendet vaS Geschlecht der Menschen, welchem sie als Tochter und Schwester angehörte, von der niedern Erde ihr den englischen Gruß zu: Gegrüßet seyst Du, Maria! Als sie ihn zum ersten Male aus dem Munde Gabriel's vernahm, empfing sie alsbalv in ihrem Leibe des Wort Gottts, und jetzt, so oft ein menschlicher Mund die Worte wiederholt, die ihre Mutterschaft ankündigten, bewegt sich ihr Her; in der Erinnerung eines Augenblicks, der nichts AehnlichcS im Himmel und aus der Erde hat, und die ganze Ewigkeit wird von dem Glücke durchdrungen, welches die Himmelskönigin empfindet. Obgleich aber die Christen immer gewohnt waren, ihr Herz in solcher Weise zn Maria zu erheben, so war doch mit dem uralten Gebrauche dieses Grußes weder eine bestimmte Regel noch Feierlichkeit veibunden. Die Gläubigen versammelten sich nicht, um solchen ihrer vielgeliebten Beschützerin darzubringen, sondern jeder folgte dabei einzeln dem besondern Aufschwünge seiner Liebe. Dominicus, der die Macht der Vereinigung im Gebete wohl kannte, hielt es für nützlich, sie auf den englischen Grnß anzuwenden, und glaubte, daß dieser gemeinsame Ruf eines ganzen versammelten Volkes mit großer Kraft zum Himmel aufsteigen werde. Die Kürze der englischen Worte selbst erforderte es, daß sie in einer gewissen Zahl wiederholt würden, jenen einfachen Zurufen gleich, womit dankbare Völker den Weg geliebter Fürsten bedecken. Die Wiederholung konnte aber leicht Zerstreuung des Geistes verursachen, und Dominicus beugte diesem dadurch vor, daß er die Grüße in mehre Absätze vertheilte und mit jedem derselben den Gedanken an eines der Geheimnisse unserer Erlösung verband, worin wir nach einander Gegenstände der Freude, der Trauer und des Triumphes der allcrheiligsten Jungfrau erkennen. Auf diese Weise vereinigte sich die innere Betrachtung mit dem öffentlichen Gebete; und indem das Volk seine Mutter und Königin begrüßte, folgte es ihr im Kerne seines Herzens überall bei den hauptsächlichsten Ereignissen ihres Lebens nach. Und um den dauernden Bestand und die Feierlichkeit dieser Bittweise noch mehr zu sichern, bildete Dominicus eine besondere Bruderschaft. Der fromme Gedanke des Heiligen wurde mit dem größten aller Erfolge, mit einem wahrhaft volkstümlichen, gesegnet. Das christliche Volk hat sich demselben von Jahrhundert zu Jahrhundert mit unglaublicher Treue hingegeben. Die Bruderschaften des Rosenkranzes haben sich ins Unendliche vermehrt, und es lebt kaum ein Christ auf der Welt, der in seinem kleinen Rosenkranze nicht ein Bruchstück jenes durch alle Welt sich fortziehenden allgemeinen Rosenkranzes besäße. Wer hat nicht am Abende in den einfachen Dorfkirchen die tiefe» Stimmen der Bauern in zwei Chören den englischen Gruß hersagen gehört? Wer ist nicht den Proccssionen von Wallfahrern begegnet, die, in ihren Fingern die Perlen des Rosenkranzes bewegend, sich den langen Weg durch die abwechselnde Wiederholung des Namens Maria versüßen? Immer, wenn eine Sache zum dauernden Bestände und zur Allgemeinheit gelangt, birgt sie in sich eine geheimnißvollc Harmonie mit den Bedürfnissen und Geschicken des Menschen. Darum mag der blöde Rationalist lächeln, wenn Reihen von Menschen an ihm vorüberziehen, die immer ein und dasselbe Wort aussprechen; wem aber ein helleres Licht aufgegangen ist, der begreift, daß die Liebe nur ein Wort hat, und daß es keine Wiederholung ist, wenn sie es immer ausspricht. Bekenntnisse eines Convertiten. Ein früherer Kandidat der protestantischen Theologie, I. G. Aorneck, sagt im Schles. Kirchenblatt unter obigem Titel unter anderm: j „Wohl wird es nicht erst eines Beweises bedürfen, daß der gegenwärtige Zustand der protestantischen Kirche ein sehr bcklagens- werther sey, der von denen gerade am tiefsten gefühlt wird, die es am aufrichtigsten und besten mit ihr meinen. Die innere Zerrissenheit und Zersplitterung derselben und der damit zusammenhängende Verfall des religiösen Lebens wird öffentlich und fast allge-> mein eigestanden, wenn man auch gern zugeben wird, daß sie noch viele achtungswerthe und kenntnißreiche Männer unter ihren Mitgliedern zählt, die es für Verrath und Feigheit achten, sie im Augenblicke der Noth zu veilasscn, weil sie von der Zukunft hoffen, was die Gegenwai t nicht zu bieten vermag. Allein diese Hoffnung konnte ich nicht theilen, weil sie nach meiner Ueberzeugung jedes Grundes entbehrt. — Abgesehen von dem Widersprüche im Prinzip der Reformation, der auf jede folgcnrcchte Fortbildung und Entwickelung nothwendig seinen Einfluß äußern, und immer von Neuem Widersprüche erzeugen muß, die doch sicher kein Kriterium der Wahrheit sind; abgesehen von der mangelhaften Berechtigung in ihrem Ursprung, die durch landesherrliche Bestimmung wohl nicht ergänzt werden konnte, und die bis auf den heutigen Tag Unsicherheit, zahlreiche Verlegenheiten und Mißgriffe zur Folge hat: — wo ist die heilige Hinterlage des Glaubens, welche Christus seiner Kirche anvertraute? Worin besteht ihre Uebereinstimmung mit der Kirche der ersten drei Jahrhunderte, die doch als Muster und Vorbild von ihr anerkannt wird, die aber von dem göttlichen Geiste also durchdrungen war, daß selbst unter Druck und Verfolgung keine ihrem eigentlichen Lebenskern feindselige Richtung in ihr aufkommen konnte, und jeder Krankheitsstoff aus dem gesunden Körper sogleich ausgeschieden wurde? Ja, meine getrennten christlichen Brüder! der Erbfeind unsers Geschlechts hat euch geführt bis an den Rand des Abgrundes; und es wird euch nichts übrig bleiben, als den Weg wieder zurück zu machen, wenn ihr ihm nicht noch weiter folgen wollt. Aber werfet vorerst ab jene traurige Mitgabe einer beweinenswerthen Vergangenheit, jenes Gemisch von Haß, Mitleid und Verachtung gegen Alles, was den Namen „katholisch" an sich trägt, das in seinem ersten Beginn allerdings den Reformatoren zur Last fällt, aber erst in dem Kampfe um die Existenz zu der riesenhaften Ausdehnung wuchs und eine feste Gestalt gewcm; lasset allda zurück jene Sammlung von gut oder schlecht erfundenen Geschichten, die euch so übel anstehen, jene Fabeln von dem Verderben der alten Kirche, ihren Menschensatzungcn und ihrer Verweltlichung, eine allerdings schwer verletzende Waffe, die aber kaum mit der Noth entschuldigt werden kann, welche sie euch in die Hand gab. Mit einem Worte, gebet auf die gcsammte protestantische Tradition, welche trotz der freien Forschung, auf Treu und Glauben angenommen, und vom Vater auf den Sohn, von einem Geschlecht auf das andere fortgeerbt wird, obgleich sie keinen andern Rechtstitcl aufzuweisen hat, als den der Verjährung, deren man sich bis jetzt als leitende Norm bei der Auslegung des Evangelii bedient, die noch heute sonst achtungswerthe Gelehrte in die Irre führt. Allerdings ist es keine geringe Forderung, die hier gestellt wird; es wird damit verlangt, den eigentlichen Lebensnerv zu durchschneiden, das Einheitsband eurer Kirchen- gcmeinschast zu zerreißen, und die Schranken zu durchbrechen, welche euch von der allgemeinen Kirche trennen. Aber bald muß die Entscheidung des großen Rechtshandels eintreten; die Acten werden bald geschlossen seyn; wir bitten Gott, einen furchtlosen und gerechten Richter zu erwecken. Verlags-Inhaber: F. E, Kremer.