«kW S>i? ? ^^^aS-'K-iü. ^ . ^a, Augsvttvger Er^te Zahreshälfte. S. Postzeitttng. S. März 1845. Deutschland. Stimmen über die neuesten Separatisten-Bewegungen Dem Westphäl. Merkur wird aus Magdeburg geschrieben: „Sie fragen mich, ob dem Abfalle mehrerer Katholiken in einigen Gegenden Deutschlands, und den Bestrebungen, hier und da sogenannte apostolisch-katholische Gemeinden zu consti tuircn, wovon die hiesige Zeitung so viel Wesen macht, einiges Gewicht beizulegen, und daraus irgend eine Gefährdung der katholischen Sache zu befürchten sey. Ich erwidere Ihnen darauf, daß, so wie überhaupt die religiöse B-wcgung unserer Zeit, so namentlich dieser seit langer Zeit in Deutschland unerhörte Abfall mehrerer Mitglieder der katholischen Kirche auf einmal, und zumal von Priestern, allerdings wohl eine Beachtung verdient, daß aber für die katholische Sache in Deutschland, und insbesondere in Preußen, aus diesen Vorgängen so wenig eine Gefahr zu befürchten ist, daß dieselben vielmehr von dem Aufschwünge des kirchlichen Lebens innerhalb dieser Kirche ein kräftiges Zeugniß ablegen. Es ist nicht zu läugncn, daß auch die katholische Kirche Deutschlands in den letzten 50 Jahren eine schwere Zeit durchlebt hat. Die Gefahr für sie lag nicht so sehr in den äußern Drangsalen, die sie erlitt, in der Beraubung und Unterdrückung, der sie in mehreren Perioden der letzten Vergangenheit ausgeätzt war, als vielmehr in der allgemeinen Herrschaft des Unglaubens, der von Frankreich und dem protestantischen Deutschland ausging, und auch auf die katholische Bevölkerung Deutschlands einen höchst nachtheiligcn Einfluß ausübte. In dieser Zeit bemächtigte sich eine merkwürdige Erschlaffung der Gesinnung selbst vieler Priester, und ein großer Theil der Laicnwclt in vielen Städten hing nur zaum noch mit einigen Fäden sichtbarer Gemeinschaft mit der Kirche zusammen. Nur das eigentliche Volk, der gediegene Mittelstand und die Landbewohner haben in der katholischen Kirche auch in Deutschland nie dem Unglauben gehuldigt. Dennoch aber war bei der Verwaisung der bischöflichen Sitze, bei der Gesinnungslosigkeit so vieler Priester, und bei dem Unglauben in der gebildeten Laicnwclt das religiöse Leben des deutschen Volkes gelähmt und wurde von Vielen als wirklich crstorben betrachtet, was es in der That nicht war. Aber es konnte nicht immer so bleiben. Nachdem Deutschland von der Zeit der sogenannten Reformation bis zum Ende der Revolution alle Stadien der unsinnigsten religiösen Erregung und des eiskalten Unglaubens durchlaufen hatte, führte der natürliche Lauf der Dinge und das Walten der göttlichen Vorsehung die Gemüther wieder aus den unnatürlichen Schwankungen der natürlichen Mitte zu. Es erwachte wieder ein dem deutschen Volke doch besonders eigenes religiöses Bedürfniß, und die bittere Erfahrung der vergangenen drei Jahrhunderte weckte in den Gemüthern wieder eine Sehnsucht nach jener Zeit, wo das Vaterland im religiösen Glauben einig und politisch noch nicht unheilvoll gespalten war. Die glückliche Verbindung deutscher Gelehrten unv Künstler mit Rom öffnete diesem uralten Sitze des Glaubens und der europäischen Civilisation wieder einen wohlthätigen Einfluß auf Deutschland, und aus dem Protestantismus selbst trat eine Reihe der edelsten und gelehrtesten Männer, Stolberg, Fr. v. Schlegel, v. Haller, Schlosser, Adam Müller, Schadow, Overbeck, Phillips, Jarke u. s. w. in den Schooß der alten Kirche zurück, und trug mächtig dazu bei, besonders in der gebildeten Laienwelt die Flamme des Glaubens wieder zu entzünden. Und zu läugnen ist es nicht, daß in neuerer Zeit gerade die ausgezeichnetsten Männer aus dem Laienstandc in Deutschland mehr als irgendwo sonst dazu beigetragen haben, die religiöse Begeisterung wieder zu erwecken. Erst später schloß sich in größeren Massen das Priesterthum, und zuletzt das Episkopat, das höchste und unmittelbarste Verbindungsglied zwischen den Gläubigen und dem kirchlichen Oberhaupte, diesen Bestrebungen an. Mit diesem Anschlüsse des Episkopates, das in Clemens August seinen Vorkämpfer fand, war die religiöse Belebung eine allg. meine geworden, und das Walten eines frischen katholischen Geistes durchdrang nun ungehemmt alle Glieder der großen kirchlichen Gemeinschaft. Das Trierer Ereignis; ist in dieser Hinsicht wichtig und bedeutsam. Es ist ein Siegesfcst des wieder erwachten Glaubenslebens, bei dem der Laicnstand, die Priester und die Bischöfe zum erstenmale in Deutschland nach den Tagen der unseligen Glaubensspaltung in solcher Allgemeinheit und Innigkeit, und in so herzlicher, durch nichts getrübter Uebereinstimmung sich bcthciligten. — Nachdem so das katholische Leben in Deutschland zum Durchbrüche gekommen war, und das Walten eines neuen und kräftigen Geistes alle ') Hurt er aus neuester Zeit nicht zu vergessen. Nassen und Schichten dcr Gesellschaft zu durchdringcn begann, mußte es offenbar allen denjenigen Katholiken, die, dem kirchlichen Leben entfremdet, und in ihrem inneren Leben ersterben, sich gege» die neue Bewegung verschlossen hatten, bei ihrem bloß äußerlichen Verbände mit der Kirche unheimlich zu werden beginnen. Bisher hatten sie sich als bloße Namcns-Kathvlikcn bei dem weit verbreiteten Unglauben und der großen Kälte in Sachen dcr Religion in ihrem W.'scn gar nicht genirt gefühlt. Aber der immer mehr erwachende Glaube, das immer mehr ringsum sich her kräftigende religiöse Leben machte, daß sie immer mehr vereinsamt und hall> los dastanden. Dadurch verwandelte sich ihre frühere Glcichgiltig- kcit für den Glauben in Haß und Feindschaft gegen denselben, und es nmßtc ihnen am Ende jede Gelegenheit, mit ihrer Kirche auch äußerlich zu brechen, willkommen und erwünscht seyn. Hier haben Sie meinen Maaßstab, die Bedcutuug dcr Vorgänge in Schncidcmühl, Breslau und anderen Orten zu würdigen und zu verstehen. Sie sind kein bedenkliches Spmptom für die katholische Kirche. Es ist viclnichr ein Zeugniß von dem in ihr neu gckräftigten Lebe», daß sie stark genug ist, alles ihr Ungleichartige, alles Gestorbene und Erstarrte von sich auszuscheiden. Wo eine solche Ausstoßung des Heterogenen vor sich geht, da muß dcr Entwickclungsproccß ein gesunder und kräftiger seyn. Wohl mögen, wenn die öffentliche Macht sie begünstigt, die Vorgänge zu Schncidemühl sich noch an manchen Orten wiederholen. Denn wo wäre wohl eine Stadt, wo nicht irgend ein Residuum aus der früheren Zeit des Unglaubens und der Gesinnungslosigkeit zurückgeblieben wäre, das von dem Wesen eines besseren Geistes nicht mitcrgrifscn, und also todt und stumvs geblieben ist? Aber mögen diese immerhin von dcr Kirche abfallen; sie befreien durch ihren Abfall die Kirche nur von einer großen Last, und veranlassen tie treue» Glieder, sich nur inniger und lebendiger an die Kirche anzuschließen. — Das Ausscheiden der schlechten und erstarrten Theile ist eine nothwendige Bedingung für das Anschließen neuer und lebendiger Kreiste an die Kirche. Wenn die Bäume beschnitten, und ihrer dürren Acstc und Wassersprossen erledigt werden, dann treiben ihre neuen Zweige und tragen bessere und reichlichere Frucht. — Betrachten Sie nur die von der Kirche Abgefallenen, einen Ronge, Czcrski, Milvc, Müller u. a. dergl.; sind sie wohl Männer, auf deren Urtheil ein Gewicht zu legen wäre? Wären sie Männer von tiefem Glaubensbedürfniß — Männer von hervorragender Intelligenz oder hoher Sittlichkeit, dann freilich müßle ihr Verlust für die Kirche schmerzlich seyn. Aber Alle, denen ein tieferes Glaubcnsbedürfniß innewohnt, habe» sich wieder mit dcr Kirche versöhnt, die Wissenschaft huldigt dem Glauben, und alle bürgerliche uud gesellige Ordnung schließt sich wieder enger an die Kirche an. Aber der hohle Unglaube, daö Laster und die sittliche Feigheit erklären ihr den Krieg. Das ist gewiß ein Zeugniß für die kathol. Kirche, worauf dieselbe stolz seyn kann. Was soll ich aber nun sagen über das Benehmen mancher Protestanten in dieser Angelegenheit? Ein Priester wird wegen unsittlichen Lebenswandels von seiner rechtmäßigen geistlichen Behörde abgesetzt; er kündigt seiner Obrigkeit den Gehorsam auf, und will sich in der protestantischen Kirche mit der entehrten Person trauen lassen, während die unglücklichen Eltern des verführten Mädchens feierlich dagegen vrotcstircn, und sogleich erhebt sich in den Zeitungen das wildeste Sicgcsgcschrci ü!'cr den Sieg des Lichtes über die Finsterniß, uud Czcrski wird als Reformator gepriesen. Rouge, ein wegen seiner Vergehen suSpendirtcr Priester, ein Mann von den allcrmittclmäßigstcn Anlagen, tritt öffentlich gegen die Lehre dcr katholischen Kirche und gegen einen der ehrwürdigsten Bischöfe Deutschlands schmähend auf, und Adressen preisen ihn als einen Mann, der den größten Männern aller Jahrhunderte sich würdig an die Seite gestellt. Man wollte dadurch die Katholiken kränken und erniedrigen; aber konnte die Erniedrigung derer, die Ronge und Czcrski erhoben, wohl größer seyn? Wahrlich, es war die höchste, die allerhöchste Zeit, daß Hengstcnbcrg und andere Protestanten zur Ehrenrettung ihrer eigenen Kirche sich g gen Rongc'S und Czerski's Treiben erhoben. Der Kampf gegen die Trierer Wallfahrt war und ist nicht ein Kampf gegen die katholische Kirche allein, sondern gegen den Glauben überhaupt, und das gegen die katholische Kirche erhobene Schwert fällt nun doppelt verderblich auf die zurück welche cS erhoben haben." s «- -» In Breslau, Leipzig, Berlin, Elberfcld begeben sich jetzt wundersame Dinge. Laienconcilien treten zusammen und entscheiden per ms^ora über die Cardlnalpuncte des neuen Glaubens. Ein solches Verfahren empfiehlt sich als verständig bei Berathungen über Gesetze und Eisenbahnstatuten; da eS sich aber bei Glau- benSgcmeiuden nicht von einer Majorität der Ansichten, sondern von ciner Einheit der Ueberzeugung handelt, so dürfte die Propa-, gationSkraft eines durch schwarze und weiße Kua/lu zusammcngc- würselten Credo'S wohl Bedenken unterliegen. Bisher ist ein neuer völkerbcgcifternder Glaube überall nur aus der Einsamkeit großer Geister und Herzen geboren worden, und hat erst so, als fertige That eines Einzelnen in das geschichtliche Leben eintretend, die Gemüther ergriffen, die Massen mit sich fortgerollt. Man hat daö Unzulängliche einer solchen Debatte in ihrer Anwendung auf die göttliche» Dinge auch wohl gejühlt und darum schlirßlich bestimmt, daß wegen einzelner Meinungsverschiedenheiten Niemand aus der Gemeinde ausgeschlossen werden soll. Mit dicscr Erklärung steht man auf dem Boden der religiösen Autonomie, d. h. des Protestantismus. Dahinaus zielt auch der vogmatischc Inhalt der neuen Lehre, so wie der Grundriß dcr kirchlichen Verfassung, welche ihre Bckcnner sich geben wollen. Von den Sacramcnten der alten Kirche werden nur zwei anerkannt, Taufe uud Abendmahl; letzteres jedoch nur als Symbol einer geistigen Vereinigung mit Christus, als LiebcS- und Gedächtnißfeier, nicht im katholischen Sinn eines durch das Wunder der Transsubstantiation sich wieder-- erzeugenden Opfers. Auch die Ehe verliert den sacramcntalen Charakter, doch behält sie den einer heiligen, von der Kirche einzusegnenden Handlung. An die Stelle der Tradition als verpflichtender Erkenntnißquellc, tritt das individuelle Recht freier Forschung; das Papstthum, die Priesterweihe, die Ehelosigkeit der Geistlichen, die Ohrenbeichte werden schlechthin verworfen. Ist das nicht Protestantismus? Wenn man mit dem Primat den Centralpunct dcr Verfassung, mit dem Ordo und Cölibat die Hierarchie, die Autorität des pricstcrlichen Standes und sein Verhältniß zu den Laien, mit dcr Ohrcnbeichte das wichtigste Mittel der persönlichen Scclsorge, mit den Sacramcnten die Praxis des katholisch-religiösen Lcbcns, mit der Tradition eine dem geschriebenen Wort gleichstehende Erkenntnißquellc im katholischen Christenthum verwirft, was, fragen wir, trennt, was unterscheidet die Bckcnner dieser Lehre von denen dcr protestantischen Kirche? Allerdings noch Einzelnes, die bisher beibehaltene Messe zum Beispiel; jedoch ist klar daß auch hierin, nachdem man den katholisch-mystischen Begriff der Eucharistie aufgcgcbcn hat, kein Moment eines wesentlichen Unterschieds gefunden werden könne. Eben in dieser innerlichen Identität mit dem Protestantismus liegt aber ein sach- lichcr Grund, wcßhalb die „deutsch-katholische" oder „apostolischchristliche" Kirche, insofern sie als solche eine selbst ständige Abgeschlossenheit, eine eigenthümliche Existenz ansprechen möchte, zu keiner großen geschichtlichen Wirkung gelangen Wird. <^A. Z.) cnr>!> j)lll''ü hML it»i»k?rH> titzit Nein, es gibt wirklich zu hübsche Geschichten im gemüthlichen Deutschland, Geschichten, mit welchen sich die Nachwelt an stürmischen Abenden beim Kaminfcuer unterhalten wird, wie wir das jetzt thun mit dem gehörnten Siegfried. Da liegen nämlich vor uns die Glaubensbekenntnisse der deutsch-katholischen Kirche von Czerski und Ronge. Ist das Alles? können wir mit Frau von Stavl fragen. Das Czerski'sche ist eigentlich nichts als Negation und Prvtestation, bacirer Mißverstand der Lehren der katholischen Kirche und dazu grober Mangel an Studium. Das Nonge'sche ist der Radikalismus der Kirche, der Nationalismus mit so viel Christenthum vermischt, als der Pöbel braucht, damit er nicht merkt, daß es kein Christenthum ist. Das sind nun also die neuen Reformatoren, wie man sie in manchen protestantischen Blättern nennen hört! Als Protestant würde ich crröthen für meinen Reformator. Ums Himmels willen, was soll das heißen: die Gemeinden machen sich ihr Glaubensbekenntniß. Meint ihr, daß ein Gemcinderath vorschreiben könne, was Jeder zu glauben hat? Wenn auf solche Weise eine deutsch-katholische Kirche gegründet werden soll, so würden wir ein Analogon von dem erleben, was des Neides Rheinbund gewesen. — Vor wenigen Monaten war das Geschrei für Fortschritt gegen die Minister gerichtet, diese feiern nun ihren großen Sabbath, die Presse Hort auf, sich mit ihnen zu beschäftigen, an eine gvuverncmentale Reform wird kaum mehr gedacht; eS geht nun an ein Construircn von neuen Kirchen und Glaubensbekenntnissen, und dazu vergeuden die Sächs. Vaterlandsblätter, das Frankfurter Journal, die Elberfelder Zeitung und andere löschpapicrne Blätter ihre besten Kräfte, und wo die nicht ausreichen, müssen Theater und Romane hilfreiche Hand ans undankbare Werk anlegen. Ucbcrall sucht man die Tartuffe und Molierc'- schenTendcnzstücke, wie das „Ermuszauf'sLand" unddaSGutzkom'- sche als Mittel der Cassesüllung und als Unterstützung der Rvn- gianerkirchc auszubeuten. Das thun dieselben Leute, welche stets über die Schmach der Bühne, die Herabwürdigung der Kunst reden, als ob nicht das die ärgste Herabwürdigung der Muse sey, sie zur Tendenzkuh zu gebrauchen. (Rh. u. M. Z.) ^mm;« .InMrG»?' iß.«! ttchj^ „noK :?i>t»,.,,S i ZsttMr!7Zl)^) s-jj 2,6g sis zgN -57zg. ,,,7z6sri> N>A Es ist doch eine herrliche Sache um die deutsch-katholische Kirche; wir würden mancher Erheiterung entbehren, wenn wir dieselbe nicht hätten. In diesen Tagen hat sie sich auch in Elber- seld constituirt. Als Präsident trat auf — denn es scheint in dieser Religion statt der Pfarrer und Bischöse Präsidenten und Dircctvren zu geben, was die Religion viel humaner und gemüthlicher macht — als Präsident fand sich ein der suspen8us Pfarrer Licht aus Leiwen. Anwesend waren einige Katholiken, die aber nur diesen Namen getragen, nie zu den heil. Sacramcnten und in die Kirche gegangen. Welcher Ritus dort eingeführt, und welche Erbauung in dieser Versammlung geherrscht, konnte ich noch nicht erfahren; doch scheint es an Begeisterung eben nicht gefehlt zu habeu; denn schon nach einer Stunde kam ein Glied der neuen Kirche, ein hier ziemlich bekannter Katholik, betrunken zur Thür herausgeflogen; seine deutsch-katholischen Glaubcnsbrüvcr hatten ihm selbst diese Ehre anthun müssen. Der übrige Theil der Versammlung bestand aus Protestanten, so daß nunmehr der dortige evangelische Psarrer (Krummacher) selbst gegen diese fünfte Kirche heftig zu Felde zieht. So wunderbar dreht sich das Rad des WcltlaufS: Was eine Grube gegen den Katholicismus werden sollte, droht nun gar der evangelischen Kirche den Einfall oder will selbst eine Brücke werden, welche die Protestanten zur Kirche zurückführt. O Ungunst des Schicksals! (Luremb. Z.) wllznz? Hz nztivs) Änu ?5>'«^ Hm huim>»^ Kurze Andeutungen über den Verlanf einer Verhandlung Behufs Begründung einer nenen allgemeinen Kirche. ( SchlesischcS Kirchenblatt.) Am festgesetzten Tage Abends gegen 7 Uhr drängte sich eine große Volksmasse zur Thür des Versammlungs - Saals, und cS ruft der daselbst stehende Herr: „meine Herrschaften! ich stehe im Namen der Gemeinde da; wer lein Billet hat, kann nicht eingelassen werden!" Viele entgegnen: „was kostet das Billet, es ist ja wie in einem Theater!" Thürftehcr: Sobald wir eine Kirche haben werden, wird's ja anders werden. Ein Mann aus dem Volke belehrt unS: Nun sie Hörens ja, es ist bloß für die Gemeinen. Wir gelangen mit großer Mühe in den Saal; der Reformator betritt einen etwas erhabenen Ort, ihm zur Seite ein Secretär mit Acten, und ein Gcmeindeältestcr. Unter dem Volke in der Mitte des Saales erhebt sich ein kleiner Mann (wahrscheinlich Vertreter der Gemeinde). Alles schweigt. Reformator (im schwarzen Frack) l» ginnt: Meine Hochgeehrte Anwesende! Wir sind im Namen dessen heute zusammengekommen, der uns berufen hat zu dem wichtigen und erhabenen Werke, nämlich eine apostolisch-katholische Kirche zu gründen, wozu uns der Sieg nicht fehlen kann, und wollen daher in unserer DiScussion fortfahren; zuvor aber wollen wir noch einmal das in der letzten Versammlung Verhandelte und Abgestimmte vorlesen. Der Secretär liest: I. Wir sagen uns von Rom los, und setzt hinzu: dieß wurde ohne DiScussion angenommen. Alle: Ja! Ja! II. Wir verwerfen den Cölibat, Ohrenbeichte und Priesterweihe als vom Papste eingesetzt. Alle: ja! ja! Secretär: auch dieß wurde ohne DiScussion angenommen. III. Wir verwerfen alles Fasten, Wallfahrten und Ablässe, weil sie nur zum Gelderwerb von der römischen Hierarchie eingesetzt worden sind. Auch dieß wurde ohne DiScussion angenommen. Alle: ja! ja! Ein Mann spricht vernehmlich: Das Fasten hab ich ohnehin auf dem Striche. Der Gemeindeältcstc ) (mit ziemlich leiser Stimme): Wollten sie vielleicht bloß den Ausdruck wählen: „weil sie zur Wnkhciligkcit führen, ' denn obgleich es wahr ist, wie Sie sagen, so wollen wir doch diesen polemischen Ausdruck lassen, weil es nachzuweisen bisweilen Schwierigkeit machte. Reform.: Ja, ab-r ich glaube man muß das Volk belehren, denn viele wissen es doch nicht, und es ist geschichtlich zu erweisen, daß cS die Päpste oft zum Gelderwerb benutzt haben. Ein Herr auf dem Stuhle: Ich glaube, Herr Reformator hat Recht, man mnß das Volk belehren! Alle: ja! ja! Gcmeindeältester: O, wahr ist es, das wissen Wir alle, allein wir wollen ja bloß den Ausdruck vermeiden. ') Der Herr hat für seine gelehrte Thätigkeit im Bau der neuen Kirche das Feld gefunden, welches die alte Kirche ihm nicht dailxetcn wollte, daher er sie schinähend verließ, um als Erstling der zeitgemäßen Gemeinde einen Namen zu erlangen. Secretär: Wir verwerfen die Ehe als Sacrament, dieses wurde mit einiger DiScussion angenommen. Ein Mann aus dem Volke: „Ich halte aber die Ehe sehr wichtig und heilig!" — Allgemeines Gelächter, man muntert ihn auf, weiter zu sprechen. Gemeinde ältester: Die Katholiken sagen dann: „der Mann ist Christus und die Frau die Kirche und halten es darum für ein Sacrament." (Furchtbares Andonnern an die verschlossene Thür, und großes Geschrei, denn viele wollen herein.) Gem eind cä l te st er: Das aber steht fest, daß die Ehe ein ganz innerliches Band ist, was der Staat weder schließen, noch trennen kann, sondern die Ehegatten, daher auch der Staat, wenn das Band innerlich getrennt ist, nur sagt: ich bestätige diese Trennung. Aber eine kirchliche Weihe ist sie. Alle: ja! ja! Jener Mann aus dem Volke: „Das Wort Sacrament kommt überhaupt in der ganzen Bibel nicht vor." (Gelächter. Viele rufen: zu spät, zu spät.) Reform.: Weiter wollen wir über die Ausnahme in unsre Kirche handeln. Gcmcindcältcster: Nun ich glaube, wer eintreten will, meldet sich beim Vorstande, dann bei der Gemeinde, und wird dann vom Geistlichen abgelesen. Ein uniformirter Herr: Ich glaube, wenn man das GlaubcnSbckenntnifz ablegt, man vo ipso dazu gehöre. Viele: ja, vor der Gemeinde. Gcmeindeältestcr: Ich glaube eS, es ist nothig, sie vorzulesen, damit wir einander kennen lernen. (Furchtbares Donnern an der Thüre.) Der Herr auf dem Stuhle (langsam und mit Pathoö): Ich glaube, unsre Gemeinschaft muß jedem frei und offen seyn, damit wir mit Vernunft und Freiheit, diesem köstlichen Geschenke, glauben. Gcmeindeältestcr: Ja, unsre Gemeinde soll überhaupt von einem brüderlichen Bande umschlungen werden, so daß jeder sein Kreuz auf sich nehme und Christo nachfolge. Wie überhaupt das Leben Christi unser Vorbild ist, und wir seine Befehle und die Gesetze des Staates achten! Ein junger Herr: Wie ist es denn aber, wenn einer auStretcn will? Das Volk vor und hinter ihm: Nun, da bleiben sie weg, was ists weiter! Reform.: Wir verwerfen alle Heiligen- und Reliquien-Verehrung. Ja! ja! Der Herr a. d. Stuhle: Lassen wir den hl. Lojola gelten? Gemeinde ältester: Den lassen wir passircn. Ein junger Herr: Fade Witze, man spreche ernsthaft. Ein vornehmer Herr: Nehmen wir überhaupt Heilige an? Viele: Nein, Nein! Reform, licst: Ferner kommen wir zu dem schwierigen Puncte über das Glaubcnsbckenntniß; ich gestehe, daß dieß eine sehr schwierige Sache ist. Ein Gemcindcglicd: Wir wünschen, daß uns erst Herr Reformator seine Meinung sage. Reform: Ich wollte erst die Meinung Anderer hören um meine etwaige irrige zu verändern. Aber unser Glaubensbekenntniß muß allgemein seyn, denn cö haben mich in diesen Tagen mehrere aus Bcrlin, und dic Bewohner aus einem kleinen Dorfe bei Neisse ersucht um unser Glaubcnsbckcnntniß und um Geistliche. Ein Gemeindeglied! Ja, allgemein, denn apostolisch heißt allgemein. Reform.: Wenn cö auch in derselben Reihenfolge so lautet, wie das Schneidcmühler. Viele: ja, ja, das apostolische! Der Herr auf dem Stuhle (während Alles still ist, ganz langsam, laut und mit Pathos): Herr Reform., was ich von Ihnen gelesen habe, und ich habe nicht viel gelesen, da finde ich doch, daß Sie immer so zu sagen den Nagel auf den Kopf treffen, und alles ganz recht verstehen, darum glaube ich, daß, was Sie meinen, recht ist, darum wollen wir, weil wir es doch nicht so verstehen, annehmen, was Sie meinen. Ich höre hier nur so viele Stimmen um mich; nur müssen wir das Ganze mit Vernunft und Verstände, diesem edlen Geschenke Gottes erkennen, denn sie führt uns. Ein Anderer: Ich glaube Herr Reformator es ist gut, wenn Sie uns erst a priori ihr Glaubcnsbckenntniß vortragen, damit wir es annehmen. Reform.: Ich gestehe, es ist dieß so schwierig, daß ich es jedem gern noch überlasse und bereit bin, die Meinung anderer willig zu hören, oder cS bis nächstens zu verschieben. (Alles schweigt). Ferner genießen wir das Abendmahl nach Anordnung Christi unter beiden Gestalten. (Ja, ja!) Nun hat vielleicht der Eine oder Andere noch seine Meinung zu sagen, ich bin gern geneigt sie zu hören. Ein junger Herr: Ich wollte Sie fragen, wie viel Sie überhaupt Sacramente annehmen? Reform.: Das war schon in der letzten Discussion da. Der junge Herr: Aber es steht ja nicht im Protokoll. Secretär: Es wurde nur vorübergehend berührt. Gemcindeciltester: Zwei Sacramente gibt es, die Taufe und das Abendmahl. Der junge Herr: Aber auch von der Taufe und dem Abendmahl steht nicht in der Schrift, daß sie Sacramente seyeu. Gcmeindcältester: Aber es steht in der Schrift, wer glaubt und getauft ist »c. Der junge Herr: Damit ist aber kcineswegcs gesagt, daß sie Sacramente scycn! (Alles schweigt.) Ein Herr: Ich glaube eö geht nach Stimmenmehrheit. Ein anderer Herr: Wollten Sie mir noch eine Frage gestatten ; ich wundre mich sehr, warum Sie die Praxis der Apostel verwerfen, welche dic Ehe für ein Sacrament hielten. Reform.: Es ist schon Alles beschlossen. Secretär: Kann nichts in.hr verändert werden. Ein anderer Herr: Die Ehe ist aber ein Sacrament; denn was ist ein Sacrament anders als ein sichtbares Zeichen, was man im Leben nur einmal empfangen kann!! Viele: falsch! Jener: das versteht sich freilich von selbst, daß das heil. Abendmahl und die Buße Sacramente sind, obgleich man sie öfters empfängt! Der Gemcindevertreter auf dem Stuhle: Herr Reform.! Ich glaube, daß wir eine besondere Sitzung halten, wo bloß die Gemeindeglieder zusammen kommen, und wir erwählen ein provisorisches Comite', „aber ganz fest", und lassen die verhandelten Puncte in ein Blatt drucken. (Mißfallen dagegen.) Reform, und Gcmeindeältestcr sehen einander an, und bei leisem Geflüster von allen Seiten spricht Reform.: wie gesagt, unser Glaubensbekenntnis; ist eine so wichtige und schwierige Sache, daß ich es jedem gern bis zur nächsten Versammlung überlasse. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.