H s s»>» ^ Augsvurg-r Erste Jahreshälfte. M ostzeitttNS. SV. März t84S. Die Gebrechen unserer Zeit. (Schluß.) Es wurden im Vorigen die Hauptquellen bezeichnet, aus denen die Gebrechen unserer Zeit herfließen; wir wollen in diesem der Hauptmittel einige nennen, die, recht und sorgfältig angewendet, zur Beseitigung derselben beitragen dürften. An der Spitze dieser Mittel steht: aufrichtige, ung erheuchelte Rückkehr zum lebendigen Glauben. Oder was anders ist die innerste und tiefste Quelle der herrschenden Zcitübel als der weithin verbreitete Unglaube und die ihm ver- schwistcrte Erstorbenheit im Glauben? — Dem Umsichgreifen des Einen muß gesteuert und die verglommene Glut des Andern wieder angefacht werden. Als ein Haupthcbcl, wodurch dem sich verbreitenden Unglauben Bahn gebrochen wurde, erscheinen schlechte Bücher und irreligiöse Schriften; durch diese haben die Gesellschaftsclassen mit der überhandnehmenden Lcsesucht das Gift theoretischen Unglaubens cingcsogcn, nachdem der praktische ihm vorausgegangen und ihm einen empfänglichen Boden bereitet hatte. Suchet darum ihr, die ihr Macht und Pflicht dazu habt, die fernere Verbnitung von Schriften, die Glauben und Sitte höhnen, möglichst zu verhindern und laßt durch die schmutzige Gewinnsucht und den gewissenlosen Spcculationsgeist gewisser Leute nicht vollends die Adern alles Volkes vergiften! Andererseits gebet dem Volke gute Schriften in die Hand; begründet und fördert religiöse Lese- und Büchcrvereine! Besonders, ihr Eltern und Erzieher, überwachet sorgfältig die Leclürc eurer Söhne, eurer Tochter, eurer Zöglinge und überlasset ihnen nicht den Schlüssel zu den Geheimnissen der Verworfenheit und die Brandfackeln unreiner Lüsternheit, Wie sie Romane modernen Schlags offen und unauslöschlich, zündend enthalten! — In einer Zeit, wo die Grundsätze des Unglaubens nicht selten in öffentlichen Cirkeln laut gepredigt werden, da Ware Schweigen ein Verrath an der heiligen Sache; ,erlauben es Ort und Umstände, so mögt ihr immerhin auch den Glauben zu Wort kommen lassen und der Wahrheit ein offenes Zeugniß geben! Solche Gelegenheiten müßt ihr übrigens nicht aufsuchen und euch nicht auf's polemische Waidwcrk verlegen, jedenfalls nicht eher, als ihr euern Gegnern einigermassen sagen könnt: „Wenn ihr meinen Worten nicht glaubet, so glaubet meinen Werken!" — Es ist eine fatale Sache mit jenen Wortgefechten, so sie Satz für Satz von Thaten Lügen gestraft werden. Darum strebet vor Allem darnach, daß die heilige Sache des Glaubens euer Wesen lebendig durchdringe, daß sie das innerste Mark eurer Gesinnung werde und aus all' eurem Thun und Lassen leuchtend widerstrahle, und zwar ungesucht, ohne Kürstelei. Nichts schadet der guten Sache mehr, als jenes manierirtc, bloß die schimmernde Außenseite erkünstelnde Wesen, womit Manche ihr zu dienen meinen, dabei aber sich selbst täuschen und offene, dem leeren Scheine abholde Naturen abstoßen. Darum lebet eures Glaubens in schlichter Einfalt, wic'S unsere Väter thaten, ohne Prunk und Schein, in jeder Bewegung den Ausdruck innerer Wahrheit, im bürgerlichen Verkehr Männer von Wort und wandclloser Treue, im Hantel und Wandel grundehrlich und schon dem Scheine des Unrechtes f.ind! Wenn ihr so dastehet im bürge.lichcn Leben, geliebt und geachtet von den Gutgesinnten, ein Schrecken nur und eine unliebe Erscheinung den Schlechten, dann ist es ein Trost, es ist Siegesbürgschaft für die Sache des Glaubens, wofern ihr sie decket mit dem Schilvc eures unbefleckten, thatkräftigen Wortes; es ist ein dem Himmel und der Erde erfreulicher Anblick, so ihr in die geweihten Hallen der Religion tretet und an den Tisch des Herrn knicct, um, von seinem HimmclSbrodc gestärkt und gekräftigt, ihn hinwiederum im Lcben draußen durch Werke, die in Gott gethan sind, zu bezeugen und ihn also eindringender zu predigen, als Worte, und wärcn's die eines Apostels, vermögen. Der Thaten Kern aber ist die Liebe, so wie sie aus lebendigem Glauben, auS tiefiuncrlichcm Zusammenhange mit Gott in Christo und der kirchlichen Hcilsanstalt stammt; ohne diese in dem geoffenbart n, dreicinigcn Gott und dem kirchlichen GlaubcnSlcben wurzelnde Liebe wäre alles Prunken mit „philanthropischen Großthaten" nur das Aufflackern eines Sumpflichtcs, das durch sein nur zu schnelles Erlöschen deutlich genug seinen dunstigen Ursprung verräth. Ein solcher, die Probe des Lebens bestehender, in Liebe thätiger Glaube ist es, zu dem ihr zurückkehren und den ihr euch in Wahrheit aneignen müßt, sollen anders die Gebrechen der Zeit, und gerade diejenigen, die in ihr innerstes Mark hineingefressen, von Grund aus geheilt und nachhaltig gehoben werden. Wir gehen zu einem zweiten Heilmittel fort: es ist der Geist der Entsagung und der Genügsamkeit. Die zweite Ursache deö obwaltenden Zeitübels, die wir nanntm, ist die herrschende Genußsucht. Diese wirkt specifisch dem Geist der Entsagung und Genügsamkeit entgegen. Ein Hauptfehler unserer Zeit ist, daß man sich immer mehr Bedürfnisse schafft und erkünstelt. Hieraus fließt die überhandnehmende Verarmung, über die man durch alle Stände klagt. Kein Wunder; denn arm ist Jeder, der seine Bedürfnisse und Genüsse über die Linie seiner zureichenden Mittel hinauf steigert. Lernet darum weniger brauchen, als ihr habt — und ihr seyd reich, während der Vcrmvglichste bei unverhältnißmäßiger Genußsucht arm ist. Wenigstens ist Beschränkung snncr Bedürfnisse das einfachste Mittel, der drohenden Verarmung vorzubeugen, lernet mit Wenigem zufrieden seyn und damit ihr dieß könnet, so lernet das Wenige auf die rechte Weise genießen. Auf diese kommt es beim Genusse an, nicht auf das Viel. Oder leben nicht Tausende in Voll und Genug und haben doch keine fröhliche Stunde? Ist nicht bei den noch so rauschenden Freudenfesten unserer Tage dennoch ein peinlicher Mangel an Fröhlichkeit fühlbar? — Wollt ihr des Genusses froh werden, so gehet zu den Kindern in die Schule! Wie wenig bedarf es, um einem Kinde eine Freude zu bereiten! Und bei diesem Wenigen >— fühlt cS sich nicht reicher, als der Besitzer von Goldbergwcrken? — Und wo liegt der Schlüssel zum Geheimnisse seines Reichthumes und seines so frohen Genusses? — Lediglich in seinem genügsamen, schuldlosen Gemüthe! D'rum lernet Genügsamkeit und bewahret euch ein kindlich- reines Herz und es wird euch an Genuß, — den Gott Jedem beschiedcn, nie und nimmci fehlen! — Aber da höre ich klagen: „Warum hat Gott mir so wenig und diesem so viel beschiedcn? warum bin ich arm und jener reich?" — Ihr, die ihr also klaget, wisset ihr nicht, daß dieß die trotzige Klage des faulen Knechtes ist? Ist nicht auch dieß Wenige Gottes freie, unverdiente Gabe und thätet ihr nicht besser daran, euch durch dankbare Treue des Wenigen werth zu machcn und mit dem Einen Talente wuchernd es zu verdienen, über Vieles gesetzt zu werden? Woher hast du das Recht, dein Talent zu vergraben? Warum schätzest du es gering, da es nur von dir abhängt, daraus den Kaufpreis des Himmels zu machcn? Warum begehrst du nach^ dem Gute des Mchrbesitzcndcn und machst ihm sein BesitzthumS- recht streitig! Besitzt er sein Vieles nicht mit dem gleichen Rechte, wie du dein Weniges? — Und was klagst du über die Unterschiede von Reich und Arm, von Hoch und Nieder? Oder was wagst du an diesen Schranken gar zu rütteln? Weißt du, gegen wen du deine Hand erhebest und wen du anklagest? Wähnst du «twa, Mcnschcnwitz habe dicsc Unterschiede der VcrmögcnSverhcilt- nisse und der Stände in die Mcnschenwclt hincingclünstclt? Nun, so versuche cS einmal, sie aufzuheben, oder vielmehr blicke zurück ans die nuseligen Versuche, die man in kaum verschollenen Tagen blutiger Umwälzungen zur Verrichtung aller svcialcn Unterschiede machte. Wuchsen nicht über Nacht die alten Ungleichheiten aus dem kaum geebneten Boden wieder hervor und klüftctcn nur noch schreiender und schroffer auseinander, als zuvor? Geht daraus nicht klar hervor, daß sie nicht Mcnschenwerk sind und daß es darum für Jedweden die unverletzlichste Pflicht ist, die von einer! höhcrn Hand selbst in die Mcnschengcsellschaft hiucingeschricbcnc Ordnung der Dinge nicht anzutasten, sondern ihren unverrückbaren! Schranken sic^ in freier Resignation zu fügen ? Ein drittes Heilmittel für die Wnnden der Zeit liegt in thätiger Abhilfe der in den unteren Classen herr-j sehenden Noth. Der Schrei nach Brod —- in keiner andern l Zeit wurde er aus Tcn Hütten der Armuth allgemeiner und ver-! zweiflungsvoller gehört. Die Noth, welche die große Theurung der sicbenziger Jahre des vorigen Jahrhunderts herbeiführte, war gewaltig, aber vorübergehend und auf engere Gränzen beschränkt. Es kamen die langen Kriegsjahre und in ihrem Gefolge harte Drangsale; aber weder Mißwachs noch Krieg mit all' ihrer zermalmenden und erschöpfenden Gewalt waren im Stande, das Wohl der niedern Classen tiefer und nachhaltiger zu zerrütten, als dieß der JndustrialismuS des neunzehnten Jahrhunderts that, der über Fabriken und Dampfwagcn thronend allem Fleische Heil und allen Wunden Heilung verkündete. Im Bunde mit einem gottlosen Zeitgeiste legte er es darauf an, die menschliche Gesellschaft zu einer Maschine umzuschaffcn, die, ohne lange nach den lästigen Einflussn des Himmels zu fragen, auf dem Grunde einer unfehlbaren Berechnung mechanischer Erdkräfte die gesicherte Bürgschaft eines nicht bloß zureichenden, sondern überfließenden Unterhaltes und Erwerbes gewähre. Aber wie es dergleichen auf eitel Mcnschcnwitz gebauten Unternehmungen zu gehen pflegt, Der im Himmel thronet, lachet ihrer, und indem er sie ungehindert die höchste Spitze erreichen läßt, gibt er sie in ihrer unmächtigcn Blöße dem Spotte der Leute preis. So hat in unsern Tagen jener vielge- rühmtc JndustrialismuS durch zahllose Vermehrung der Fabriken und unglaubliche Vervollkommnung der Maschinen einen Aufschwung genommen, der nicht mehr scheint überboten werden zu können: abcr gerade jetzt hat die Noth unter den arbeitenden Classen auf den Puncten, wo die Fabrikräder am lautesten schwirren, eine schauderhafte Höhc erreicht, der zum Zeugniß der neue Name: „Pauperismus' auf eine noch nie dagewesene Erscheinung hindeutet. Es ist um so weniger eine Frage mehr, daß auf eine Abhilfe dieses schreienden Uebels gedacht werden müsse, als man Hand in Hand mit der zunehmenden Brodlosigkeit und Verarmung eine Entsittlichung und Erbitterung gehen sieht, die für den socialen Bestand nicht unbedeutende Gefahren befürchten lassen. Solchen an den äußersten Rand der Noth Gebrachten ist mit einer Predigt der Genügsamkeit und den salbungsvollen Zusprüchen des Pietismus nicht geholfen; sie sind vielmehr selbst eine lebendige, laute Predigt an die reichen und begüterten Classen: eine Predigt von der christlichen Barmherzigkeit, die länger zu überhören gegenwärtig nimmer gerathen erscheint. Das haben anch in den jüngsten Tagen Diejenigen, die Macht und Verpflichtung dazu in ihrer Person vereinigen, vielfach begriffen und allen Ernstes daran gedacht, der herrschenden Noth zu steuern. Nur schwankt man noch über die Mittel, die zur Abhilfe des unläugbarcn Nothstandes ergriffen werden sollen. Da und dort scheint man die Sache trotz des besten Willens beim unrechten Ende anzufassen und statt auf eine radicale Heilung zu denken mit Palliativen (nach Art eines schlechten Arzleo) sich zufrieden zu stellen. Uebcrzeugt euch, die ihr Willen und Macht zur Abhilfe habt, daß es zur Heilung eines so tiefwurzelnden, weitverzweigten Uebels mehr bedürfe, als der gewöhnlichen Mittel. Den Anfang müßt ihr bei euch selbst machen: ihr müßt eure eigenen Bedürfnisse, die erkünstelten, beschränken und euch mit dem süßen Gefühle freiwilliger Entbehrung („des Fastens") vertraut machen. Dieses Opfer, das ihr bringet, wird — und dieß ist der Hauptgewinn — eurem Gemüthe die ermangelnde Energie verleihen und nebenbei eure Almosencasse füllen. Schüttet ihr den immer reichlichern Inhalt derselben in die Hände der Armuth, so werdet ihr die dringendste Noth lindern; aber glaubt nicht, daß es mit Almosen, und wären sie die reichsten, gethan sey; eS gilt die Quellen der Verarmung zu verstopfen, und das fordert mehr. Wollt ihr das, so suchet den Armen in eine Lage zu versetzen, wo er sein Brod selbst verdienen kann, schon darum, weil das selbstverdiente Brod am Besten schmeckt und am Ergiebigsten ist; oder noch besser, ihr müßt den Dürftigen nicht zur völligen Brodlosigkeit herabsinken lassen und ihm frühzeitig genug unter die Arme greifen. Und da unverkennbar an dem gegenwärtigen Nothstande eine noch bcklagenswerthere moralische Verkommenheit haftet, so thut es vorzüglich Noth, dieser entgegenzuarbeiten und wieder moralischen Halt in die, eine völlige Auflösung drohenden, Massen zu bringen. Dieß wird euch gelingen, wenn ihr den Unglücklichen, nachdem ihr durch freiwillig auferlegte Entbehrung euch der lähmenden Gewalt egoistischer Genußsucht entrungen, zeiget, daß es euch wahrer Ernst sey, ihnen hilfreiche Hand zu reichen. Dieß Beispiel aufopferungsvoller Liebe, das ihr ihnen gebt, wird seine moralische Wirkung nicht verfehlen: sie werden wieder cmfathmcn unter dem harten Joche der Noth und mit dem ersten Hoffnungsstrahl wird der verzagende Muth sich heben; in die verzwciflungsstarre Hand wird neubcle- bende Kraft strömen, die sie befähiget, die dargebotene Hilfe zu ergreifen und in sich selbst den Quell selbstthätigen Aufschwunges zu eröffnen; was von allen Erfordernissen als das unerläßlichste erscheint. Wenn die verarmten Classen dem wohlwollenden Rath nicht mit Bereitwilligkeit, noch der hilfreichen That mit ihrer Mitwirkung entgegenkommen, wenn sie nicht in ihrer Mitte — Einer dem Andern zur allgemeinen Erhebung sich die Hände reichen und, von Oben unterstützt und geleitet, sich unter sich verbrüdern, so ist ihnen nicht zu helfen; ohne ihre selbstthätige Mitwirkung und innere Versittlichung würde der Abgrund nur mit jedem Tage sich bodenloser zeigen und nur um so unverschämter und bettelsiichtiger aufgähncn, je verschwenderischer man die Gaben einer unverständigen Alinosenspendung in den moralischen Schmutz desselben hineinwürfe. Mit Einem Worte, der vorhandenen, tief beklagten Noth unserer Zeit kann nur abgeholfen werden durch die Macht einer Liebe, die voll hilfreichen Erbarmens aus den Höhen der Gesellschaft in die Niederungen herabstcigt und, indem sie diese in dank barer Anerkennung Wieder jenen verknüpft, zugleich die aufgelös'ten Bande in diese» Kreisen durch gegenseitige Hilfeleistung enger schließt: diese Liebe aber — sie ist die christliche, die allein Kraft zur Aufopferung und Muth zur Entbehrung verleihen und durch alle Stände und socialen Verhältnisse ein dauerhaftes, orga- msch-einigendes Band, wie es unsere atomistisch-zerrissene Zeit so gebieterisch heischt, zu schlingen im Stande ist. Vergesse man aber nicht, daß die christliche, wahre Liebe den christlichen, wahren Glauben als ihren Lcbensgrund voraussetze und daß es ohne diesen mit der Ertunstclung jener (wovon unsere Zeit auch Beispiele darbietet) nicht angehe! — Möge Gott der Herr die Noth der Zeit im Rathe seiner waltenden Vorsehung dazu dienen lassen, daß die Gemüther sich mit gleichem Ernste zum wahren Glauben und zur rechten Liebe in kräftigem Aufschwünge erheben; dann erscheint unsere Hoffnung auf gründliche Heilung der Zcitgebrcchcn als eine festbegründete; widrigenfalls müßten wir mit dem verzweifelnden Rufe des Dichters schließen: — Die Zeit hat Glauben nicht, noch Liebe: Wo wäre denn die Hoffnung, die ihr bliebe? Das Kloster auf Sinai. Der Zugang zum Kloster wird durch eine Maschine vermittelt, welche den, der in'ö Kloster will, 40 Fuß an der Felscn- mauer emporhebt. Die Bewohner des Klosters sind sckiSmatisebc Griechen-Mönche. Im Jahre 1844 waren ihrer 22 an der Zahl, meist aus der Walachei gebürtig; aber nur 4 waren Priester. An der Spitze des Klosters steht ein Erzbischof, der den Titel vom Berge Sinai sührt, der jedoch gleichwie auch der wirkliche Vorsteher der Corporation, semen gewöhnlichen Sitz in Konstan- tinopcl hat. Das Ganze des Klosters bildet gewissermaßen ein kleines Dorf, von hohen, aus ungeheuren Granitblöcken bestehenden Maueru umgeben. Die Ringmauer bildet ein Viereck, das auf jeder Seite achtzig und einige Klafter lang ist; das Innere ist nur ein Haufen unregelmäßiger, nach verschiedenen Planen auf einem sehr ungleiche» Boden errichteter Gebäude. Mit Ausnahme der Kirche, die den großen, von Helena und Konstantin erbauten Kirchen würdig zur Seite steht, ist hier Alles ärmlich; aber überall herrscht die größte Reinlichkeit. Was der Reisende, der aus der Wüste kommt, hier am ersten und mit dem größten Vergnügen bemerkt, ist der Ucbcrfluß an Wasser, welches daselbst niemals ausgeht. Außer den Quellen, die für die verschiedenen Bedürfnisse hinreichen, gibt es hier noch einen berühmten Brunnen, der angeblich aus der Zeit der Patriarchen herrührt. Man behauptet, ganz in der Nähe desselben habe die Begegnung des Befreiers der Hebräer mit den Töchtern Jethro's stattgefunden. Das eigentliche Kloster ward im Jahre 527 durch den Kaiser Justinian erbaut. Man sieht daselbst noch das Gebäude, welches den Katholiken zur Kirche diente, und woraus sie vor l4ö Jahren durch die schismatischen Griechen, die gegenwärtig im Besitz desselben sind, vertrieben wurden. „Ich konnte meine Blicke", erzählt ei» katholischer Missionär, der den Sinai besuchte, „nicht auf dieses Denkmal heften, ohne ein lebhaftes Schmerzgefühl zu empfinden. Wenn der Himmel den Katholiken nicht zu Hilfe kommt, so werden Gold und Ränke der Griechen ihnen allmälig alle heiligen Orte entreißen, und keine einzige ihrer Niederlassungen im Orient wird in ihrem Besitze bleiben." „Als der Brnder mich zur Kirche führte, machte er mich auf eine Moschee aufmerksam, die nach seiner Aussage für die ehedem zum innern Dienste des Hauses angestellten Araber erbaut worden war. Die Schönheit der Kirche überraschte mich, sie wird dmch zwei Reihen Granitsäulm, die ein blaugcmaltcs und mit goldenen Sternen übersäetcS Gewölbe tragen, in drei Schiffe getheilt. Diese Säulen, die man höchst unpassend mit Gyps bcworfen hat, gehören verschiedenen Ordnungen der Architektur, die meisten der korinthischen, an; sie stammen aus dem sechsten Jahrhundert. Der ganze Fußboden so wie die Mauer des Heilig- thmns, besteht aus weißem und schwarzem italienischen Marmor und ist von sehr schöner Arbeit. Die Kirche wird von einer Menge silberner und vergoldeter Lampen erleuchtet, die insgesammt ein Geschenk der Russen sind, weil der Leib der heiligen Katharina, die sie sehr verehren, daselbst ruht. Die Mauern sind mit zahlreichen Gemälden i» prächtigen Rahmen geschmückt, doch ist keines darunter, dessen Malerei einigen Werth hätte." „Hierauf führte man mich in die sogenannte Capelle vom brennenden Dornbusch. Gerade aus der Stelle, wo Gott seine Gegenwart durch ein so großes Wunder an den Tag legte, ist der Ueberlieferung zufolge die Capelle erbaut, welche das Andenken daran zu verewigen bestimmt ist. Man darf nur nach abgelegter Fußbekleidung hineingehen. Das Heiligthum ist in Allem den Hciligthümern Palästina's gleich: ein hoher von Säulen getragener Altar und unter dem Altare die geheiligte Stelle." Das Kloster erhielt von Muhamed selbst e!nen Ferman, zum Schutz gegen die Anhänger des Islam. Dcmungcachtct wäre es längst zerstört, wenn die Mönche dem übermüthigen Stolze der Jslcimiten nicht den Bau einer kleinen Moschee, die gegenwärtig noch zu sehen ist, innerhalb ihrer Mauern zugestcm« den hätten. An dem rauhen Fußpfade, der zum Gipfel deö Sinai emporführt, sieht man mehrere zertrümmerte Kapellen, Ueberbleibsel von Zellen, die einst von heiligen Einsiedlern bewohnt waren. Neben diesen Clciusen befanden sich einst von Cypressen und Ocl- bäumen beschattete Gärten, und jetzt noch, da ihre Pfleger längst dahin sind, cvntiastircn diese immergrünen Bäume anmuthig mit den die GcbirgSmcisscn des Horeb und Sinai bildenden öden Felswänden. Hier auf Sinai war es, wo den Menschen vciS Gesetz auf steinernen Tafeln gegeben wurde: und nun weiß der Ort selbst, wo einst Gott in Blitzes-Flammen jenes Gesetz gab, nichts mehr von ihm!" (Paß. k. Kirchenztg.) Deutschland. VondcrWupper, im März. Neues über die hiesigen kirchlichen Zustände Ihnen zu schreiben ist kaum möglich, da die unsinnigen Wühlereien der „Elberfelder Zeitung" und ihrer Apostel nach wie vor in gewohnter Weise fortdauern und der Katholik allgemach dieses Nabcngekrächze gewohnt werden muß. Die von 17 Namen-Katholiken ausgespielte Komövie ü la Schneide- mühl wird fortgesetzt, über die zu acceptirenden Dogmen und Sacramcnte ist abballotirt (5 Sacramcnte haben schwarze Kugeln bekommen), die ncnc Gemeine unter dem Namen „deutsch-evau- gclisch-apostolisch-katholisch" permanent erklärt, und die Werbung neuer Glieder von Aufgang und Niedergang ausgeschrieben. Außer zweien suSpendnten Geistlichen (deren currieulum vitao für die Vermehrung der Gemeinen ein geistiges Prognostikon ist) enthält die Schncidcmühler Societät auch noch suspendirte Laien, und scheint durch die wirklich künstliche Mischung der verschiedenartigsten Geister in der That etwas Allgemeines zu versprechen und der Schaar der Denk-, Vernunft- und Ungläubigen aus allen Zonen ein bequemes Asyl zu bereiten. Auch der nervu8 rerum im Wuppcrthalc — Geld — strömt aus mildthätigen protestantischen Händen aus der Nähe und Ferne im Uebermaß zusammen. Doch, was Manchem sonderbar vorkommen und besonders den Wächtern des Protestantismus im Thale verdächtig dünken will: die Katholiken halten sich von der Komödie zurück; die da bauen an der neuen viclnamigen Kirche mit Wort und That, Geld und Rath, sind Protestanten; sie sammeln allenthalben die Brocken und predigen für die neue Sache das Wort. Zu den Versammlungen dieser „deutsch-cvangelisch-apostolisch-Katho- lischcn" kommen nun auch Damen, die mit ihrem Strickstrumpf und gesellschaftlichen Talent in die stereotypen Formen Variationen bringen. Nur fehlt noch das geistliche Haupt. Von den beiden „apostolischen Geistlichen" ist der Eine ein gar zu siveler Bruder, der seine Missionen gerne durch Bier- und Schnapskneipen einschlägt, und der Andere ein eigensinniger alter Starrkopf. Der Messias Wird daher noch erwartet; man hofft, Ehrcn-Nonge werde ihn von der Spree mitbringen. Sie jehen, daß sich die Sache mehr spaßig als ernst gestaltet; aber sie hat doch ihre ernste Seite, j Die anhaltenden Schmähungen gegen die Katholiken als Ultra-' mont.iue, Nömlingc, Jesuiten ic. ?c. haben hier einen ungeheuren Brennstoff aufgehäuft. Die Katholiken werden, ihres vollen Rech-^ tcö hier zu existiren und zu gelten sich bewußt, von Tag zu Tag Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. wärmer und fester in ihrem Glauben. Andrerseits kann der höchstauf- gcregte Zustand nicht lange halten und wirkt in alle Lcbcnsvcrhältnisse höchst störend ein. Und da nicht die entfernteste Aussicht da ist, daß diese Handvoll Abtrünniger oder besser (da sie nie thatsächlich zur Kirche hielten) Pseudo-Katholiken auch nur einige Prosclyten aus den katholischen Gemeinden des WupperthalS machen werde, so wird der ganze Spectakel endlich entweder in eine protestantische Fraction überschlagen (was bei dem total protestantischen Charakter der Schncidemühler eigentlich jetzt schon der Fall ist) oder wie alle Sccmdale in leeren Rauch aufgehen. Die nichts weniger als rationalistisch seyn wollenden Prediger des Thales, durch Heng- stenberg in Berlin aufgeweckt, wissen kaum mehr, wie sie sich diesem Anfangs mit Jubel begrüßten wilden Treiben gegenüber gc- berden sollen. Die für diese neumodische Kirche unter den Protestanten auftauchenden Sympathien kommen ihnen zur unrechten Stunde, und das reichlich dazu gespendete protestantische Geld, wozu sie Anfangs selbst aufgefordert, könnte (nach Auslauf dieser elenden Komödie) statt Dank ihnen Spott und Aergcr in Fülle bereiten. Habs-mt sidi! (Katholik.) Italien» In den katholischen Blättern aus Tirol liest man: „Rom, Ende Jan. Die Kirche Sant' Andrea delle Fratte, wo Ratisbonne, ein Hasser der christlichen Kirche, durch eine wunderbare Erscheinung der seligsten Jungfrau plötzlich umgewandelt vom kalten Indifferentsten ein begeisterter Verehrer und Bckenner deS katholischen Glaubens geworden ist, hat seitdem in Rom eine besondere Berühmtheit erlangt, und man trifft die Capelle, in welcher Ratisbonne die Erscheinung der seligsten Jungfrau hatte, zu keiner Stunde des Tages ohne andächtige Beter vor dem Altare, auf dem seither das Bild Mariens, so wie sie dem jungen Manne erschienen, aufgestellt ist. Zur Jahresfeier dieses wunderbaren Sieges der Gnade wurde auch Heuer ein feierliches Trivuum gehalten. Die Kirche war zu viesem Zwecke schön geschmückt. P. Ventura hielt durch alle drei Tage Abends die Predigt. Mit jedem Tage nahm die Anzahl des Volkes zu. Vornehme und Gemeine, Katholiken und Protestanten drängten sich zu dieser Feier. Der Prediger ging die Geschichte der Bekehrung durch, und bearbeitete den Verstanv und das Herz der Zuhörer auf eine sehr passende und segenvolle Weise. Die gespannteste Ausmcrksamkcit von mehrern Tausenden, die religiöse Stille (nur hie und da durch Schluchzen unterbrochen), die vielen Thränen, die sich Männer und Frauen von den Augen trockneten, waren Beweis genug, daß der Geist deS Herrn in der andächtigen Versammlung weilte und wirkte. Den Segen mit dem allerhciligsten Sacramcnte gab täglich eincr von den Herren Cardinälen. Der Schluß der Andacht war am Id. Jan., als am eigentlichen Jahrestage der wunderbaren Bekehrung, wo um Mittag zur nämlichen Stunde, m der Ratisbonne die wunderbare Erscheinung hatte, eine Predigt gehalten, und das heiligste Sacrament ausgesetzt wurde. In der nämlichen Woche empfingen zwei Juden, Beide Domestiken in vornehmen Häusern, die heil. Taufe in der Hauscapelle Sr. Eminenz des Cardinals Mezzofanti aus. den Händen dieses frommen Kirchcnfürsten. Der Herr Cardinal hielt nach vollendeter Funetion eine schöne und rührende Anrede in deutscher Sprache an die beiden Täuflinge, welche beide der deutschen Nation angehören, und schon als Juven einen tadellosen Wandel führten." Verlags - Inhaber: F. C. Kremer.