-ÄHL nick nv ^ » ^^»HS - Bei/,, der Augsbuvger Ppstzeststng. Erjl- Jahreshälfte. M 6. April j1845< -Offenes Sendschreiben der Wittwe AnnaCzers- k a zu Gr. Komorsk an ihren Sohn Johann Czerski zu Schneidemühl. ^) Der Ort Gr. Komorsk im Großherzogthum Posen zählt Diejenige unter seine Bewohner, die 1813, also gerate in dem Jahre, als Europa noch ein anderes wichtiges Ereigniß erlebte, nämlich seine Befreiung von der Zwangherrschaft Napoleons, der europäischen Welt das große Kirchenlicht Johannes zur Welt gebracht hat. Wir haben ein Pamphlet vor uns liegen, das dieser Tage zu Ncgensburg die Presse verlassen hat, den oben bezeichneten Titel sührt und die Empfindungen zeichnet, von denen das Muttcrhcrz nun überfüllt ist. Empfindungen, die uns jedoch nicht den Empfindungen der maccabäischcn Mutter, sondern den Empfindungen einer heil. Monika während eines gewissen Zeitraumes ihres Lebens verwandt scheinen. An der Zuverlässigkeit, daß die Worte, wie sie in dem Pamphlete zu lesen sind, Ergüsse des Herzens der wahren und wirklichen Mutter des suspcndirtcn Priesters Czerski sind, darf nicht gezweifelt werden, da am Ende vier Signaturen und zwar die erste von Simon Czerski, älteren Bruder des Johannes Czerski, Organisten bei der Pfarrkirche zn Gr. Komorsk, die zweite von Bartholomäus Gram- matowski, Bürger von Gr. Komorsk, dessen 16 Jahre alte Stieftochter Theklci Solecka der NeoPresbyter Johann Czerski um Ostern 1342 nach Posen entführt hat, die dritte von Mathias Gutowski, Altsitzer zu Gr. Komorsk, Vater der jetzt beiläufig 22 Jahre alten Marianna Gutowska, gegenwärtigen sogenannten Frau Patriarchin, endlich die vierte vom Ortsvorstandc zu Gr. Komorsk, Erdmann, cvangcl. Konfession, worin die Acchtheit der drei voranstellenden bezeugt ist, angeschlossen sind. Wir wollen aus dem ganzen Schreiben der Mutter des be- daueruugswürdigen Czerski nur etwas weniges aushebcn, um unsere Leser zu überzeugen, daß die Schuld der Verirrungen ihres Sohnes ihr fremd ist, und daß er Dasjenige, was er nun der Welt in einer so traurigen Kunst zeigt, nicht in dem elterlichen ') Ncgensburg 1843. Verlag von G, Joseph Manz. Hause gelernt hat. Es ist die Zeichnung des Betragens CzcrS- ki's, da er im Jahre 1842 als Ncoprcsbytcr seinen Eltern und Geschwistern durch einen Besuch eine Freude machen wollte. „Als Du zu Ostern 1842 als neu ordinirter Priester hiehcr kamst, um uns die — wahrlich hohe und entzückende Freude zu gönnen, Zeugen der Verrichtung Deines ersten heiligen Meßopfers zu seyn: wer hätte es geglaubt, daß Du schon damals anfangen würdest, unsere so eben besagte Freude und Wonne in Trauer und Betrübniß zu verwandeln? Und doch ist es geschehen. Du konntest DaS? Du warst dazu fähig? Unsere Freude vaucrte wirklich nicht lange. Sehr bald sahen wir uns wegen Deiner getäuscht; gar bald Deine und unsere Zukunft getrübt. Es fiel uns und allen hiesigen Ortsbewohnern nicht wenig anf, daß Du, so eben neu geweihter Priester, die wenigen Tage vor und nach Deiner Primizfeier, welche Du hier verweiltest, so wenig mit uns und bei uns warst, und daß Du, statt Dich wenigstens zu ge- wiss.m Tagesstunden pflichtmäßig mit dem Breviere oder sonstigen gcistlich-wissenschastlichen Büchern zu beschäftigen, die meiste Zeit, sowohl bei Tage, als in der Nacht in andern, fremden und mitunter solchen Hänsern zubrachtest, deren Bewohner hinsichtlich ihrer Nüchternheit gerade nicht in dem cmpfchlcndsten Rufe waren und sind, am allerwenigsten aber uns, Deinen Blutsverwandten, in irgend welcher Beziehung nahe standen. Sage, war das von Dir anständig, und konnte das für uns erfreulich seyn? Nicht geringen Anstoß und von Dir unvciantwortlichc Veranlassung zu mancherlei bösen Redensarten gabst Du aber dadurch, daß Du Dich während dieser Zeit zn den allcrungcwöhnlichstcn Tages- und Nachtzeiten bald auf der Straße bald in den vorbczcichnetcn Familien sehen und antreffen, ja selbst nach Mitternacht, an unsere Fenster und Thüren anklopfend, mit dem, sonst nur dem gemeinsten Pöbel eigenen Hauen „Macht auf, laßt mich ein!" hören ließest. Und wenn wir am Tage vor Deiner Abreise, nachvcm uns schon so manche Verdächtigungen über Dich und Dein Betragen zugekommen waren, uns endlich erdreisteten, Dir eben so liebevolle, als heilsame nnd schonende Vorstellungen über das Ungeziemende Deines Betragens zu machen, Dn dieses aber höchst übel aufnehmend nnd unsre wohlgemeinten Vorstellungen trotzig erwidernd, ganz im Widerspruch mit Deiner bis dahin kundgegebenen Absicht, gleich den folgenden Tag nach dieser unsrer, freilich wenig erbaulichen Unterredung, von hier nach Posen, wo Du als Domvicar angestellt werden solltest, abreisetest, und für diese, um mehrere Tage beschleunigte Abreise den einzigen Grund angabst, Du könnest deßhalb bei uns nicht länger bleiben, weil wir, wie Du vernehmest, Dein Thun und Lassen und Deine sonstigen Schritte beobachten und nur tadeln: sage! war das kindliche Achtung gegen uns, Deine zwar betagten, auch sonst schlichten, aber immer ehrbaren und Dich so sehr liebenden Eltern? Sollte das als Beweis brüderlicher Liebe gegen Deine Geschwister gelten ? -- Wenn Du dann aber noch zur offenbaren Verspätung und Verhöhnung unsrer besorglichen, liebevollen elterlichen Erinnerungen und Ermahnungen, es scheint sast, als in der Absicht, um ein ungewöhnliches Aergerniß zu geben, auf der Ncisc von hier nach Ncucnburg die 16 Jahre alte Sticf- tochtcr des Einfassen GrammatowSki von hier, Namens T Hella Solecka, gewiß nach vorhergegangener Verabredung und Verständigung, förmlich von der Straße aufgriffst, und ohne Vorwissen und Genehmigung ihres Pflege- und Stiefoaters mit nach Ncucnburg und von da nach Posen mitnahmst: sage! womit willst Du diesen Mädchenraub rechtfertigen? Sollte Dich etwa der Gedanke anwandeln, letztere Thatsache läugnen zu wollen; so siehe weiter unten den Beweis: Was berechtigte Dich zu so lieblosem und grausamem Eingriffe in die Rechte deö GrammatowSki? — Wodurch willst Du diese Mädchenverführung entschuldigen, oder womit beschönigen?' — In gleicher Weise spricht sich die ticfbetrübte Mutter gegen den Schluß ihres Schreibens aus, wo sie ihrem unglücklichen Sohne noch cinmal den Abgrund, an dcm er sich befindet, vorstellt, und ihr Benehmen hinsichtlich der Veröffentlichung des ganzen Schreibens rechtfertigt. „Und was glaubst Du durch alles dieses vollbracht zu haben? Was träumst Du noch zu vollbringen? Die katholische Kirche hast Du nicht gestürzt, und wirst ihr gewiß in Nichts beikommen. Sie ist nicht das Werk ungehorsamer, starrsinniger, hartnäckiger, liebloser, undankbarer, unsittlicher, rachesüchtiger, überhaupt leidenschaftlicher Menschen, auch nicht daö Werk blind- fanatischer Jrrlehrer. Nein! sie ist die Anstalt der vollendeten Vollkommenheit Gottes, als solche selbst von der Macht der Hölle unbezwingbar, und daher von Dir und allen Deinen Helfershelfern gänzlich unantastbar. Auch der Papst, die Bischöfe, Priester und die ganze Gesammtheit der katholischen Kirche stehen zu erhaben in der sittlichen und kirchlich-religiösen Welt da, als daß sie durch Deine Schmähungen und Lästerungen an ihrer Würde und Erhabenheit auch nur im Mindesten etwas verlieren könnten. Selbst das Bestechen durch Geld kaun nicht zu demjenigen Ziele führen, welches Du und Deine Clienten Euch gesteckt habt. Ich ,z. B. habe in den mir vor wenigen Wochen von Dir geschickten li Nthlru. und in den ferner von dem Herrn Justiz- CommissariuS Simmel zu Ncucnburg mir ausgezahlte» anecrn 6 Nthlru. nichts anders, als nur den Preis Deiner verkauften Ehre und Deines Gewissens, Deiner Religion uud Deines Pricstcrstandcö erkannt. Es schien mir, nachdem ich sie unter den so bcwanvten Umständen erhalten hatte, als lägen die Judas Jschariotischcn 39 Silbcrlinge vor mir. Ein so schmachvoll von Dir erworbenes Geld konnte ich nicht an mir behalten, uud dicscö um so wcnigcr, als Du nur zu deutlich die fanatische Absicht zu crkcnucn gabst, auch mcinc Ehre uuv mein Gewissen, mcinc Religion, mein zeitliches und ewiges Glück und Seligkeit um einen so schmählichen Preis mir zn entreißen. Dieses wird Dir aber an mir und an Deinen Geschwistern nicht gelingen. So arm und der Unterstützung bedürftig ich auch bin, so wäre ich doch eher bereit, mir das tägliche Brod und die nothdürftigste Bekleidung auf gerechte Weise an den Thüren der Wohlhabender» zu erbetteln, als dafür das, was mir das Wichtigste, Ehrwürdigste und Heiligste ist, Gewissen und Religion, Glück und Seligkeit zu verkaufen. Fort daher mit solchem Gelde I Mit Entsetzen und Entrüstung habe ich Dir die 12 Rthlr. wieder zurückstellen lassen. Solltest Du mit Geld für Deine Zwecke bei Andern mehr Glück machen, so wären solche zwar nur zu bedauern; Du aber würdest die Last der Schuld Deiner Verführungen nur vermehren. Und was glaubst Tu aus Dir Selbst nun wohl gemacht, welch einen Namen Dir durch Dein schwärmerisches Auftreten und sonstiges Betragen erworben zu haben? Vernimm es! Du stehst als der Spielball der entehrendsten und niedrigsten Leidenschaften eines eben so wankelmüthigen, unrcisen und unzuverlässigen Charakters da. Dein Name als Mensch und Christ ist: Undankbarer und Sittenloser; als katholischer Pnestcr aber: Eidbrüchiger, treu- und ehrloser Apostat. Ueber Deine Folgezeit und Dein Ende mögest Du selbst nachdenken! „Mein Sohn! Du wirst etwa nicht zürnen ob des ausgesprochenen und niedergeschriebenen Tadels, der Erinnerungen und Ermahnungen. Auch wirst Du es doch wohl nicht gar schriftwidrig finden, daß ich, Deine Mutter, Dich bitte und beschwöre, in Dich zu gehen, die Fesseln der ehrlosesten und niedrigsten Leidenschaften zu zerreißen, und von Dir zu werfen, Dich von einem schanilosen Frauenzimmer zu trennen, welches nie Dein, des katholischen Priesters, rechtmäßiges Weib werden kann, und umzukehren, um auf dem Wege der Buße und Besserung wieder zu Ehre, Amt und Würde zu gelangen, und dcm zeitlichen und ewigen Verderben zu entgehen. Nur dieses ist es, was mich bestimmte, was mich als katholische Mutter verpflichtete! Vorstehendes an Dich zu richten und der Ocffcntlichkeit zu übergeben." Wir glauben sicher keine zu gewagte Vermuthung auSzusprcchen, wenn wir diese dahin aussprechen, daß jeder Leser, der dieses Acienstück lesen wird, den schmerzlichen Gefühlen einer solchen Mutter seine innigste Theilnahme zuwenden wird, die da den Ausdruck des Heilandes „glücklich die Unfruchtbaren ic." bei ihrem Schicksale mit unwiderstehlicher Kraft in ihr Inneres gedrängt finden könnte, ja, die vielleicht ihren Gatten, den der Gram vor Kurzem hinwcgnahm, schon tausendmal mag beneidet haben. Doch, sie braucht nicht Besorgniß zu haben, daß je Gesinnungen der Mutter mit Gesinnungen und Lebenswandel des Sohnes werden verwechselt werden. Sie hat ihrem gepreßten Muttcrherzen Luft gemacht, noch mehr, sie hat sich bei allen Gutvcnkenden ein Denkmal gesetzt, nm welches sie selbst Große uud Gewaltige der Erde beneiden dürsten, endlich, sie hat gewissen Menschen, die da viel von Aberglauben und Köhlerglauben der Katholiken aus den niederen Ständen zu sascln wissen, ein Argument gegeben, daß eine schlichte Bürgcrsfrau von beinahe 70 Jahren in einem einfachen Dorfe unterrichteter über die GlanbcnSwahrheitcn sey und über die der Kirche gebührende Achtung genauere Begriffe habe, als so mancher Superkluger und Lasterknecht auf seinem Dach- stüblcin. Darum freuen wir nns, daß dieses Schreiben zu Tage gefördert worden ist, das da zwar von Lasterhaftigkeit und Unwissenheit Zeugniß gibt, doch nicht von Lasterhaftigkeit und Unwissenheit, die katholischen Kirchcnmitglicdern anklebt, sondern von solcher, die nun glücklicherweise für die Ehre der Kirche unschädlich gemacht ist. (Kath. Stimmen.) Der Hochwnrdigste Bischof von Mainz über die Neligionswirren dieser Zeit. ^) Es ist Ihnen bekannt, welches Getreibe auf dem religiösen, kirchlichen Gebiete zur Zeit stattfindet. Es kann Ihnen, die Sie unsere Hessische Landeszeitung, und die in derselben tagtäglich vorkommenden Nachrichten von dergleichen Neligionswirren lesen, nicht entgangen seyn, daß an verschiedenen Orten Deutschlands, besonders in Städten und Städtchen gemischter Konfession, und wo die Katholiken erst seit drei bis vier Decennien sich angesiedelt, und eine Gemeinde zu bilden angefangen haben, Versuche zum Abfall von der katholischen Kirche und zur Bildung sogenannter deutsch-katholischer Gemeinden gemacht werden. Ob die Anreizungen dazu von den Katholiken selbst, oder mehr und minder von sonst woher ausgehen, lassen wir dahin gestellt seyn. So viel scheint aber daraus hervorzugehen, daß eS mehr nur auf eine Vereinigung im Nichtöglaubcn, auf Unabhängigkeit von aller Autorität und Beseitigung des Christenthums überhaupt abgesehen ist, wenigstens haben sich die bisher geschaffenen Glaubensbekenntnisse auf ein Christlichkleinstes eingeschränkt. Darum ist denn auch die der katholischen Kirche feindselige Presse, in ihren vielen Zeitungen, Blättern und Blättchen, äußerst bemüht, die Kirche von dem Papste loszureißen und dennoch katholisch, d. i. allgemein sie heißen zu wollen. Man gibt sich das Ansehen, als könne die Kirche, ohne mit der apostolischen Mutterkirchc und dem Bischöfe von Rom, als dem Papste und Mitlelpuncte der katholischen Einheit, verbunden zu seyn, noch als katholische fortbestehen. Man begeht darum die Perfidie, unter Verwirrung der Begriffe alle katholische Christen, die den Papst als den Mittelpunct der katholischen, d.i. allgemeinen christlichen Einheit erkennen und verehren, und als wahre Katholiken erkennen und verehren müssen, als „ultramontan" zu bezeichnen, während man mit diesem Ausdrucke von jeher nur solche Katholiken bezeichnet hat, welche dem Papste, den Bischöfen gegenüber, größere Rechte zuschreiben wollten, als demselben nach Christi Einsetzung, nach Schrift und Tradition zukommen. Unter diesen Verwirrungen, und bei den steten Schmä« hungen und Lästerungen gegen den Papst, geschieht es denn, daß ungelehrte und unbewachte Katholiken an ihrem Glauben irre werden, von demselben abfallen und von einem Drucke des Papstes träumen, von dem sie doch ihr Leben lang nichts verspürt haben. Welche Angriffe auf andere Lehren, Einrichtungen und Gebräuche unserer Kirche nebenbei versucht werden, ist Ihnen wohl ebenfalls nicht unbekannt geblieben. Wenn wir nun gleichwohl für unsern christkatholischen Glauben, für unsere heilige Kirche, die eine Grundsciulc der Wahrheit, von Christus gestiftet und auf den Felsen Petri erbaut, zu ewiger Dauer bestimmt ist, nichts zu fürchten haben, sondern der Gnade der Verheißung des Herrn vertrauend, zuversichtsvoll erwarten dürfen, daß sie die Pforten der Holle nicht überwältigen werden; so dürfen wir doch nicht glcichgiltig zusehen, wenn der Satan der Verführung umgeht und sieht, ob er eine Seele, die unserer Sorge anvertraut ist, von dem Pfade der Wahrheit und des Lebens ab, und auf den Weg des Verderbens hinüberführe. Indem wir uns daher freuen, daß Sie, wie wir zum Theil wissen, dem Gegenstände bereits Ihre Aufmerksamkeit widmen, sehen wir uns zugleich veranlaßt, Sie allcsammt zu ermuntern und dringend aufzufordern, Ihre Hirtcnsorgc zu verdoppeln, und über die ge- ') Circulare des Hcchwnrdigsten Bischofs an die bischöflichen Decane und sämmtliche PsarrgeislUchen. dachten Angriffe gegen die Kirche die sorgfältigste und umfassendste Belehrung in Predigten und Christenlehren zu ertheile», und damit und mit Ermahnung und Warnung an Ihre Parochianen fortzufahren, in aller Geduld und LehrwciShcit, Sanftmuth und Liebe, und besonders fern von allen gehässigen Seitenblicken auf Andersgläubige. Sie wissen, wie nothwendig in dieser aufgeregten und mißtrauischen Zeit es ist, in unserm Amte, Reden und Thun mit der größten Behutsamkeit zu Werke zu gehen, um nicht mißverstanden, und bei aller Unschuld verunglimpft zu werden. Fürwahr, geliebte Brüder und Mitarbeiter, mehr als jemals haben wir gewärtig zu seyn, Erfahrungen zu machen und zu ertragen, wie deren der h. Apostel Paulus (II. Kor. (>, 3 — 11.) von sich erwähnt, und mehr als jemals müssen wir uns angetrieben sühlcn, nach der Ermahnung desselben Apostels nach Gerechtigkeit, Glauben, Hoffnung, Liebe und Frieden mit Allen, welche den Herrn aus reinem Herzen anrufen, zu streben, und thörichte, zur Lehre nicht gehörige Streitfragen, die Zänkereien erzeugen, zu vermeiden. Denn ein Knecht des Herrn soll nicht zanken, sondern sanftmüthig seyn gegen Jedermann, lchr- fähig, geduldig, mit Milde zurechtweisend Die, Welche der Wahrheit widerstreben: vielleicht daß Gott ihnen Buße verleiht, die Wahrheit zu erkennen, und sie wieder auö der Schlinge des Teufels zu sich kommen, von dem sie gefangen gehalten werden. (II. Tim. 2, 22 — 26.) Im Uebrigcn sehen wir aus den Pfarreien der Diverse, in welchen Versuche der obgcdachten Art auftauchen, und Werbungen zu irgend einer GlaubenSmachcrei vorkommen sollten, wovon wir noch nichts wissen, der ungesäumten Berichterstattung entgegen. Mit den Worten des h. Paulus an Timotheus (I. Tim. 6, 20 — 21.) rufen wir, wie nns selbst, so auch, gcliebteste Brüder, einem Jeden von Ihnen zu: .Bewahre, was dir anvertraut ist, hüte dich vor unhciligcn Wortneuerungcn, und den Streit- rcden der fälschlich so genannten Wissenschaft, zu welcher Einige sich bekannten, und vom Glauben abgefallen sind." Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sey mit Ihnen, und segne Ihre Bemühungen! j- Petrus Leopold, Bischof. Bayern. Mission in Mammendorf vom 23. Febr. bis 6. März 1845. -j Auch der Gemeinde Mammendorf wurde das große Glück einer Mission durch die P.P. Nedcmptoristen zu Theil. Und so sind auch wir Zeugen geworden von den großen Wundern der Gnade, welche die göttliche Vorsehung durch diesen neuen Orden in der Kirche wirkt. Er ist ein Orden aus unserer Zeit, und für unsere Zeit. Ein oberflächlicher Blick in das gemeine Volk zeigt jedem, daß die Grundsätze des religiösen und sittlichen Jndiffcrcntismus mehr und mehr um sich greifen, und daß diesem in reißender Progression sich anschwellenden Strome des Verderbens nicht mehr durch gewöhnliche Mittel ei» Damm gesetzt werden könne. Die Krankheit bedarf außerordentlicher Hcüomittcl. Ein solches schuf die Vorsehung in den Missions-Pricstcrn. — Wie ihr hl. Stifter von dem Markte des öffentlichen Lebens, daö er in seinen feinsten Nüaneen, in allen seinen Mängeln und Bedürfnissen kcimw gelernt hatte, in das Hciligthum berufen wurde, und worin er sich eben so durch Wissenschaft und Heiligkeit auszeichnete, wie er sich in der Welt durch Gelehrsamkeit und achtungsgebietende Tugend über seine Zeitgenossen hervorgethan hatte; so treten seine geistreichen Söhne aus dem Heiligthume in die Welt, genau bekannt mit den großen Bedürfnissen und Krankheiten des Volkes. Und wohl dem Volke, unter welchem sie das Zeichen des Kreuzes aufpflanzen. Schon der Anblick derselben und gewöhnlich die erste Predigt schlägt alle Vorurthcilc nieder, und mit jedem Vortrage reißen sie mehr und mehr hin. Keiner, der diese Reden im ganzen Zusammenhange anhört, kann unüberzcngt und ungerührt bleiben. Sie sind wahrhaft geistliche Exercitien für das Volk, die in ihrer schnellen und geregelten Reihenfolge weit mehr wirken, als die gewöhnlichen Predigten, von denen, weil sie meistens nur nach längcrn Intervallen auf einander folgen, die letzte schon lange vergessen oder verwischt ist, wenn die neue vorgetragen wird. Die Missions-Predigtcn dagegen folgen schnell auf einander, und sind mit großer psychologischer Kunst angelegt. Eine Rede beleuchtet und unterstützt die andere. Ja jeder einzelne Satz in jeder einzelnen ist an der Stelle, wo er die wohlberechnctc treffliche Wirkung hervorbringt. Allzeit wird der Verstand überzeugt, alle möglichen Einwendungen widerlegt, und dann erst auf das Gemüth und den Willen gewirkt, aber mit einer Kraft, der nichts widersteht. Es ist etwas Außerordentliches zu sehen, wie eine Volksmasse von 3 — 4000 Menschen aufmerkt, überzeugt und gerührt wird, und laut in Thränen auebricht, wie Ein Mann, und seine Versprechungen und Gelübde lant und öffentlich dem Herrn darbringt, wie Ein Mann, wie sich ein ganzes Volk gleichsam geistig erneuert. So etwas, sprachen Viele, wovon Manche bei ^5 bis 20 Stunden weit hichcr gereist waren, haben wir nie gesehen, nie gehört. Diese Tage, sagten Andere, rechnen wir unter die glücklichsten unsers Lebens, wir glaubten von der Erde in den Himmel versetzt zu scun. Aber, wird man sagen, sie regen das Volk auf. „Ja, antworte ich darauf, sie regen die Gewissen auf; denn sie gleichen einem wohlgcrüsteten Kriegsheerc, das geübt in allen Waffen-Gattungen durch eine wohlbercchncte Tactik auch nicht Eine Bewegung umsonst macht, sondern den Feind dahin drängt, wo es will, uud ihn dann zwingt, die Waffen niederzulegen, aber mit dem Unterschiede, daß sie die aufgeregten Gewissen, welchen der Feind schon Jahre lang tödtliche Wunden beigebracht hat, nicht verwunden, sondern heilen und beruhigen." Und hierin zeigt sich das Wohlthätige der katholischen Bcicht- anstalt, welche sie als Meister, in Verbindung mit den Predigten, zu verwalten wissen. Denn wenn die Vorträge aufregen, so wird gerade durch die hl. Beicht der bei Manchen seit vielen Jahren verlorene Frieden wieder gewonnen, ein neuer Mensch geboren, und Freude in Gott und aus Gott wirft dann wie ein himmlischer Lichtstrahl seine wunderbaren Reflexe auf alle menschlichen Verhältnisse, so daß alles im wahren, weil in dem höher» Farbenglanze der überirdischen Bestimmung erscheint. — Daraus widerlegen sich so manche Vorurthcile gegen die Missionen von selbst. Sie machen die Menschen nicht düster oder frcudcnschcu, sondern lehren den hohen Werth geistiger Freuden aus eigener Erfahrung kennen, und die zeitlichen in dem Maaße und in der Ordnung genießen, daß dadurch der innere Frieden nicht gestört wird. Sind doch selbst die P.P. Ne- demptoristcn, obwohl sie mit ihrem anstrengenden, die menschliche Kräfte beinahe übersteigenden Berufe noch strenge Meditation, Gebete und Fasten verbinden, die Heiterkeit selbst. An ihnen findet man den Wunsch des liebenswürdigen heil. Bischofs Fr. Tales erfüllt: „Ich wünsche, daß mein Frommer der heiterste in der Gesellschaft sey.' Und diesen sanften Geist heiliger Freude suchen sie auch ihren Beichtkindern einzuflößen. Wenigstens wurde in der Pfarrei Mammendorf nie eine solche allgemeine aus dem Innersten herausleuchtende Freudigkeit bemerkt, als gerade jetzt nach der Mission. Eben so nichtig ist das Vorurtheil, als ob das Ansehen der eigenen Seelsorger durch eine Mission verliere. Gerade dasGegentheilgeschicht. Freiwillig und aus innerm Dränge kamen nicht bloß aus allen Gemeinden Deputationen, die ihren Dank für diese geistige Wohlthat der Mission gegen den Seelsorger aussprachen, sondern von jedem Einzelnen wird öfters bei jeder Gelegenheit dieser Dank wiederholt, nnd die Bitte geäußert, daß der Seelsorger lange in ihrer Mitte bleiben möchte. Eben so wird der Sinn für Häuslichkeit und stille, verborgene Tugend und Liebe zum Throne und Vaterland geweckt. O es ist wahrhaft rührend und begeisternd zu sehen, mit welch einer Begierde das Volk, von den scheidenden Vätern in der letzten Segcnsrede die Ermahnung aufnimmt, der weltlichen Obrigkeit zu gehorsamen, für sie zu beten und namentlich für unsern erhabenen Monarchen, der in seiner hohen Weisheit auch dieses Mittel geistiger Erhebung dem Volke bot. In meinem Leben werde ich die letzten Segnungen nicht vergessen, die von den scheidenden Vätern im Namen des allgemeinen Vaters der Christenheit über Sc. Majestät unser» allerqnädigsten König und sein ganzes Haus, über das Vaterland, über alle Anwesende, und besonders über jene für welche die Mission gehalten wurde, und über all ihr Eigenthum ausgesprochen warv. Denn in meinem Leben habe ich nichts Rührcnders, nichts mehr zum Herzen Dringendes gehört. Wie viele tausend Thränen flößen da, wie viele Gebete stiegen da für unsern Landesvater und das Wohl des Baterlandes zum Himmel. Und gewiß spricht auch Gott sein Amen zu solchen Gebeten. Ob aber auch dieses Alles nachhaltig wirken werde? Bei Vielen ganz gewiß. UebrigenS ist der da pflanzet nichts, und der da bcgießct nichts, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Sollen wir aber deßhalb nicht pflanzen, nicht begicßen, weil das Gedeihen geben nicht unsere, sondern Gottes Sache ist? Ich wünschte nur, daß allenthalben Missionen gehalten würden, und bald würde sich Vieles anders gestalten. Aber wie ? vielleicht könnte dann der confessionclle Frieden gestört werden. Von den konfessionellen Gegensätzen kommt in der Mission gar nichts vor. Es wird rein nur zu Katholiken gesprochen, aber in einer solchen Weise, daß von all den auch bei hiesiger Mission anwesenden Protestanten nicht nur kein Einziger sich unangenehm berührt fühlte, sondern daß im Gegentheil Einer aus ihnen sich irgendwo angeboten haben soll, eine bcrcutende Summe zu geben, wenn auch an dem Orte, wo er wohnt, eine Mission gehalten wird. Aber eine solche Mission verursacht Kosten? Die P.P. Missionäre nehmen von den Gemeinden keinen Heller an, sondern gleich den Aposteln kommen sie, wo sie verlangt werden, nnd suchen nichts anders als das Seelenheil der Gläubigen, selbst indem Hause, wo sie wohnen, ! fügen sie sich in apostolischer Weise ganz in die Ordnung des Hauseö !und in die Lebensweise deö Hausvaters: Huaeeumeiue appormntur i Vodis etc. gilt in ihrer Lebensweise auf den Missionen. Segen, ewiger Segen dem erhabenen Könige und Landesvater und seinem ganzen Rcgcntenhausc auch für diese unaussprechlich ^ große Wohlthat l Ein Augenzeuge. Verantwortlicher Redattcur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.