^ ^,it o» ZK»>8 tchbin-c .n,6M iuyiM bu^L t"!' H ^»S- ' D-ib, ... AugSburger Pyftzeitttng. Erste Iahreshälft-. M ÄV. April R845 Mission zn Heike in Holland, gehalten von den hochwürdigen Vätern Nedempto- risten im Monat Februar 1845. (Sion.) In Holland gibt es eine Haide, die sowohl in Hinsicht ihrer Lage, als ihrer Bewohner und der Begebenheiten, die sich da zugetragen, wahrhaft merkwürdig ist. Dieß ist das kleine Heike (Haidchen), gelegen zwischen dem Markisate Berg-op-zoom und der Frciherrschaft von Breda. Schon seit Jahrhunderten ist dieser Ort allbekannt durch die Räuber und Diebc, die hier und da zerstreut in Höhlen, oder selbst frei zusammen in seiner Mitte haus'ten. Keine von den beiden Herrschaften hatte ihn je als einen Theil ihrer Besitzungen anerkennen wollen. Ueberall berüchtigt wegen der Plünderungen und Todtschlägc, die da verübt wurden, war er der Schrecken der ganzen Umgegend, so daß mehrere Stunden weit und breit Niemand sich sicher glauben konnte. Umsonst versuchten die Franzosen, welche Herren der Niederlande geworden waren, dieses halbwilde Volk zu zähmen und zu bilden. Selbst Napoleon, der alle Hauptanführer auf einmal hinrichten ließ, hatte an ihren fast barbarischen Sitten auch nicht das mindeste bessern können. Eben so fruchtlos blieben alle seither gemachten Bersuche ihre Anmaßungen und Grausamkeiten zu bändigen und einzuhalten. Noch sind keine zwanzig Jahre verflossen, als sich die Gerichtsbchörde mit einem fürchterlichen Hinrichtungsapparate dahin begab, und daselbst, um Allen Schrecken einzujagen und ihnen zugleich ein warnendes Beispiel vor Augen zu stellen, Viele dieser Unglücklichen auf eine schaudererregende Weise züchtigte. Auch geschah es höchst selten, daß einer aus ihnen ruhig auf seinem Bette starb; gewöhnlich wurden sie entweder auf öffentlichem Platze hingerichtet, oder sie endeten ihr Leben im Kerker, oder sie ermordeten sich selbst un'tcr einander in blutigem Gemetzel, das sie leider nur zu oft unter sich anstellten. So war dieses Volk vor der letzten Staatsumwälzung Belgiens im Jahre 1830 beschaffen. Damals trugen die Truppen, welche in diese Gegenden verlegt waren, nicht wenig dazu bei, ihre gänzliche Verwilderung zu vollenden. Die Haide wurde in dieser Epoche nur noch berüchtigter durch Unzuchtshäuser, nächtliche Tänze und andere abscheuliche Unordnungen, die allda ungestraft getrieben wurden. " Bei Allem dem war es zum Erstaunen, daß dieses in Sitten ganz verkommene Volk im Grunde noch immer Glauben und Religion beibehielt; Alle waren da getauft und bekannten sich zur katholischen Religion; es schien also, daß der Mangel an geistlicher Hilfe, und die allzu große Unabhängigkeit, worin sie sich in religiöser Beziehung befanden, die Hauptursachen ihrer groben Unwissenheit und Sittcnlosigkcit waren. Der fromme Bischof in partiliuZ, der hvchw. Herr I. van Hooydonk, apostolischer Administrator des Vicariates Breda, seufzte schon seit vielen Jahren über ihreu bedauernswürdigen Zustand, und er sann auf Mittel demselben abzuhelfen. Erst im Jahre 1840 konnte er seinem Eifer in etwas Genüge leisten, indem er eine Kirche auf diesem wüsten und verlassenen Boden aufführen ließ und einen Seelsorger dahin beschicv, der sich ganz dem schönen Werke weihte, diese zerstreuten und hirtenloscn Schafe aufzusuchen. Unterstützt durch die milde Beisteuer der Negierung und die freiwilligen Spenden seiner Diöcesa- nen, baute er außer der Kirche noch ein anständiges Pfarrhaus und eine Wohnung für vier Klosterfrauen, die mit dem Unterrichte der Mädchen dieser neuen Psarrci beauftragt wurden, indeß die Negierung auf eigene Kosten einen katholischen Schullchrcr für die Knaben bestellte. Auf solche Weise wurden ungefähr 425 Com-- municanten versammelt, welche die Pfarrgemeinde zum hl. Willi-, brord, Apostel Hollands und gewählter Schutzpatron dieser Ortschaft, ausmachten. Bald darauf bildete sich ein Verein frommer und begüterter Leute, die es übernahmen, diesem hilfsbedürftigen Volke Arbeit zu verschaffen und ihm so den Weg zu einem rechtschaffenen und ehrlichen Leben vorzuzcichncn. Auf diese Art gelang es, in Zeit von weniger als vier Jahren einer so verwilderten Menschenrasse einen Anstrich von Civilisation zu geben. Doch damit war bei weitem noch nicht Alles gethan. Dem eifrigen Pfarrer, Herrn Koes, dessen großmüthige Hingebung allgemein anerkannt ist, blieb noch eine höchst schwierige Aufgabe zu erfüllen. Derselbe bot Alles auf, um sich das Zutrauen seiner Psarrkinder zu erwerben, und sie in den Pflichten der Religion und der Gesellschaft zu unterrichten. Nach vielen Anstrengungen, die übrigens mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt wurden, bemerkte er doch, daß, um dieß schöne Werk zu vollenden, es noch der Beihilfe Anderer bedürfe. Er war schon ost Zeuge gewesen von dem vielen Guten, das dk Missionen überall bewirkten. Deßhalb säumte er nicht, und begehrte inständigst einige Väter Redcmptoristen aus dem Kloster Witte» in Holland, unv da diese sich vorzüglich dazu widmen, gerade den verlassensten Seelen am hilfreichsten bcizu- springen, so wurden ihm dieselben leicht bewilligt. Der hochw. P. Bernard, begleitet von dem hochw. P. Janson eröffnete also die Mission am 8. Februar. Wie groß die Freude eines Volkes war, das noch i» der Wiege seiner Bildung ist, wie fleißig es den Predigten und Untcrrichtungen beiwohnte, wie aufmerksam und gelehrig, ja wie begierig es alle Uebungen umfaßte, die seine christliche Frömmigkeit nur nähren konnten, ist kaum zu beschreiben. Besonders hatte die Liebe zu Jesus Christus und die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria für diese bisher so harten und unempfindlichen Herzen etwas ungcmcin Anziehendes; jede Andcichts-^ Übung, Kreuzweg, Rosenkranz, Scavulir, ja Alles w.ir ihnen! theuer; und sie umfingen AllcS mit rührender Andacht und Frömmigkeit. Der gute Herr Pfarrer hatte sich mit allerhand Gegenständen der Andacht versehen, die er unentgcldlich unter sie austheilte. Nur war es schwer, sie von der Abscheulichkeit des Lasters der Unzucht zu überzeugen. Die Erfahrung lehrt, wie sehr man in diesem Puncte sich selbst täuschen, und wie grob die Unwissenheit in dieser Sache besonders bei Solchen werden kann, die allzeit in Unordnung gelebt, und nie eine christliche Erziehung erhalten haben. Aber der hochw. P. Bernard, der es so gut versteht, sich zu den Einsichten und Fähigkeiten seiner Zuhörer herabzulassen, scheute keine Mühe, um ihnen eine ganze Stunde lang mit der Bibel auf der Kanzel zu beweisen, daß die Unkeuschheit eine Sünde, eine Tovsündc sey, bis endlich vor Rührung und Ueberzeugung Alle einstimmig ausriefen: verflucht sey die Unkeuschheit! Alle ohne Ausnahme nahten sich dem heiligen Bußsacramente; doch kann es wohl nichts Rührenderes geben, als die Gcucral- Communion, die in schönster Ordnung und mit möglichster Einge- zogenhcit gehalten wurde. Namentlich in den letzten Tagen war es ein herrlicher, hcrzerhrbender Anblick, wie die Frauen von den Ordensschwestern, unv die Männer von den hvchwürdigcn Vätern an den heiligen Tisch geführt und da mit dem Brodc der Engel gespeist wurden. Noch ein bcmcrkcnswerther Augenblick war der der Aussöhnung, welche man von Ehelcutcn forderte, ehe ihnen gestattet wurde, den göttlichen Heiland zu empfangen. Diese Uebung wurde für nöihig gehalten in einer Pfarrei, wo so viele Unordnungen zu heben, so große Aergernisse gut zu machen, so tief eingewurzelter Haß und Groll zu dämpfen war; man kann sich keinen Begriff machen, wie frech die christliche Liebe hier mit Füßen getreten, wie gewissenlos alle Schacun verbannt, und wie entsetzlich das eheliche Band hier verkannt und geschändet war. In dem Augenblicke also, wo der Herr Pfarrer die hl. Hostie in den Händen hielt, erhob der Prediger seine Stimme, und fragte feierlich die Ehemänner und Ehefrauen, ob sie sich gegenseitig Alles verzeihen, ob sie in Zukunft in wahrhaft christlicher Einigkeit leben wollten. Das heiligste Sacrament wurde nicht eher ertheilt, als bis Alle mit laut>r Stimme geantwortet hatten: Ja, wir verzeihen, wir versprechen eS. Am letzten Tage der Mission wurde der hochw. Herr Bischof van Hooydonk, der in Begleitung seines würdigen Sccretärö dahin kam, von dem guten Volke mit allen Aeußerungen der aufrichtigsten Freude empfangen. Nach einer rührenden Anrede, wobei Alle sehr ausmcrlsam waren, ertheilte er den Kindern, so wie mehreren Erwachsenen die hl. Firmung, wornach erstere im Psarrhausc ein genügsames Frühstück fanden, das ihnen die Sorgfalt ihres liebenden Hirten bereitet hatte. Bei der AbschiedSrcde, die der hochw. P. Bernard hielt, stieg die Hcrzcnsrührung aufs höchste. Es war der feierlichste Augenblick, als der Redner diese dreifache Frage an das tief bewegte Volk stellte: Wollt ihr allezeit Jesus Christus lieben, die Mutter Gottes recht ehren, und cuerm Herrn Pfarrer stets gehorchen? Die Antwort war wie Eine Stimme: Ja, wir wollen es! was zur größten Erbauung Aller gereichte, die herbeigekommen waren, um diesem interessanten Schlüsse beizuwohnen. Als der Prediger nach dem päpstlichen Segen im Namen der Missionäre von seinen Zuhörern Abschied nahm, brach die ganze Menge in lautes Weinen und Schluchzen aus. Der gewandte Redner benutzte diesen Augenblick, um den Versammelten zu äußern, daß er nur noch bedauere, ein verirrtes Schäflein, das einzige, welches der Gnade bis zum Ende widerstanden, nicht zum Schafstalle habe zurückführen können. Und in der That, noch am Vorabende hatte dieser harte Sünder eben so wenig den Einladungen seiner Freunde nachgeben wollen, als er vorher schon den Bitten und Beschwörungen der Missionäre Gehör gegeben, die kein Bedenken getragen hatten, denselben in seiner Wohnung aufzusuchen, und ihn zur Bekehrung und Aussöhnung mit seinen Feinden einzuladen. „Gewiß', rief jetzt der Missionär wie begeistert aus, „Maria hat sich diesen Sieg vorbehalten, habt nur Vertrauen, meine Brüder, und beten wir mit einander drei Ave Maria für diese arme verirrte Seele." Er hatte beinahe prophezeit, denn Tags darauf legte der Unglückliche seinen tödtlichen Haß ab, und machte die Mission mit, zum Ruhme Mariens, zum Troste und zur Zufriedenheit der Hcerdc und ihres musterhaften Hirten. An diesem Tage wurde eine Messe für die Verstorbenen der Pfarrei gesungen, und die Missionäre trugen zu den Kranken in eigener Person die Hcils- mittcl unserer hl. Religion. Die ganze Gegend ist höchst erfreut über diese segensreiche Mission, die zugleich der Bestimmung und dem Geiste der Missionäre des allerheiligsten Erlösers so sehr entspricht, und so treffend an jene erinnert, die ihr Stifter der hl. Alphonsus den Schäfern und Zicgcnhirten oder den Landbewohnern Kalabriens gab. Man hat alle Ursache zu hoffen, daß durch die Sorgfalt des weisen Prälaten und den unermüdlichen Eifer des frommen Pfarrers, welche beide die Mission begehrt haben, die Früchte derselben dauerhaft bleiben werden. Ein Verein zur Ausrottung dcö Fluchens und GotleSlästerns ist daselbst feierlich errichtet worden, so wie auch eine Sonntagsschule für die Knaben und eine für die Mädchen , nebst einer Bruderschaft zu Ehren des hl. Aloysius Gonzaga. Außerdem haben mildthätige Personen stets ein wachsames Auge gerichtet auf das Elend dieses dürftigen Volkes, das sie selbst während der Mission unaufhörlich mit Almosen unterstützten, so wie die Strenge der Jahrzeit es zu verlangen schien. Alles dieß läßt uns die trostvolle Hoffnung hegen, daß bald sowohl in bürgerlicher, als religiöser Hinsicht die Pfarre zum hl. Willibrord emporblühcn werde, eine Pfarre, die aus Leuten besteht, über welche die Religion in so kurzer Zeit und auf so befriedigende Weise vermocht hat, was nicht die Strenge der Gesetze, nicht das Schauderhafte der Blutgerüste ausrichten konnte. Deutschland. Berlin, 29. März. Was unsre Schncidcmühler angeht, so hat sich der Standpunct dieser Angelegenheit wesentlich verändert. Nachdem der ausgeworfene Köder keine Katholiken fange» will, erklärt sich der Protestantismus zur Heranbildung der neuen Sccte bereit und bittet durch die ganze norddeutsche Presse alle Welt, die Geld hat, um Unterstützung. So hat der hoch- achtbare Handelsstand zu Stettin zuerst angefangen, die Aktien auszuschreiben, auf welche der neue Weltglaube gegründet werden soll. Der Magistrat von Magdeburg, unterstützt von den Eschener Lichtfreunden, ist würdig nachgefolgt und hat auf fünf Jahre aus Communalmitteln, wozu natürlich die Magdeburger .Romlinge" mitbeisteucrn müssen, jahrliche 400 Thlr. für einen noch anzustellenden „deutsch-katholischen Geistlichen" ausgeworfen, damit der Mann Brod habe, wvhlgemcrkt, wenn sich einer findet. Potsdam und sein Magistrat hat nicht wollen zurückbleiben nnd darum eine von dem Garnison- und Hofprediger Sydow in salbungsvoller Liebseligkeit redigirte Adresse, die nichtsdestoweniger in überzuckerter Lieblosigkeit so ganz verstohlen 4000 katholische Mitbürger ohrfeigt, an den Schneidemühler Neu-Licht-Krämer abgeschickt. Wie konnte nach solchen Vorgängen und Beispielen unser Berlin, der Sitz „des Fortschrittes, des Lichtes, der Geistcsfreiheit" ohne ein Lebenszeichen gegen alle diese zurückstehen? Also; — wirklich haben wir in unsern Zeitungen, das Jntelligcnzblatt nicht ausgenommen, eine Aufforderung gelesen, mit einem voranstellenden Bibeltexte hübsch-sittig verbrämt, die alle christlich Denkende (!) aufruft, mit Geldbeiträgen dem „neu erwachten Leben in der katholischen Kirche' (sie) unter die Arme zu greisen. Das Aufgebot zu diesem Glauben auf Acticn war unterschrieben, und das ist der für die Katholiken einzig bedeutsame und bedenkliche Punct bei der ganzen Komödie, von dem Geheimen Negierungsrath v. Naunyn, der zweiter Bürgermeister von Berlin ist, von 10 Stadträthen, 7 Stadtverordneten, von im Amte stehenden Regierungsbeamten, dienstthuenden Ofsicicren, Professoren der Universität, Gymnasialdirectoren, lauter Protestanten, versteht sich, die alle das neu entglommene Licht in der katholischen Kirche kräftig anfachen wollten, auf daß es nicht erlösche. Denn diese Gefahr drohte in der That, und machte so gewaltige Anstrengungen nöthig, sintemal von den beiläufig 25,000 Katholiken Berlins, deren Seelsorger nur fünf an der Zahl sind, und darum bei der größten Anstrengung offenbar nicht immer auf die einzelnen Gemeindegliedcr in erwünschter Weise einzuwirken Zeit und Gelegenheit haben, ungeachtet dieses Mangels geistlicher Stütze nur 41 Schneidemühlisch geworden waren, von denen dann aber später 13, die noch einen Funken Glauben in sich hatten, dmch die Dazwischcnkunft der hiesigen Geistlichkeit wieder zu „Römlingen" umgewandelt wurden. Ueberhaupt kann der Eifer unsrer Geistlichen und unter ihnen namentlich des Herrn Cavlans Ruland, nicht genug gerühmt werden. Weil dem neuen Glaubenslichte das katholische Oel immer mehr ausging, sind, um es zu speisen, die Protestanten hinzugetreten, unter denen manche sich freuten, so leichten Kaufes katholisch wndcn zu können, ohne Papst und ohne Beichte, und haben die Zahl 400 voll gemacht. Darauf hat denn unser wohllöbliche Magistrat in Anbetracht des ncucrwachten katholischen Lebens der sogen, christkatholischcn-apostolischc» Gemeinde die Aula des grauen Klosters zu ihren gottesdicnstlichcn Versammlungen überwiesen. Ein Stadtgcrichts-Auscultcitor Müller war in Ermangelung des Nonge und Czcrski am Charftcitage und den Ostertagen der Pontifcr. Man sang: „Hier liegt vor deiner Majestät" und andere Gesänge unsers nicht neu-, sondern altkatholischcn Gesangbuches, die man unter dem Titel: „Lieder der christkatholischen Gemeinde zu Berlin" gedruckt, vertheilte. So stehen die Sachen jetzt; und wie steht und stellt sich zu ihnen die hiesige katholische Gemeinde? Fürs Erste fragt sich dahtcr auch der sanftmüthigste Katholik: Ist bei einem solchen Treiben bürgerliches, friedliches Zusammenleben möglich? — ferner: Gibt eö in unserm Staate Gesetze gegen Prosclytcn-, machcrei, oder betrifft ihre Anwendung immer nur Katholiken? Sind die Tractate des westphcilischcn Friedens, die Bestimmungen des Reichs-Deputativns-HauptschlusscS, die Worte, die bei der Accmisition katholischer Provinzen gesprochen wurden, immer noch bindend und gültig im deutschen Vaterlande oder nicht, oder gelten sie zwar noch für Alle, nur nicht für die Katholiken und katholisches Interesse? Das sind einzelne Fragen, die sich mi Nothwendigkeit dem Katholiken aufdrängen, wenn er die Sachen hier ihren Fortgang nehmen sieht in einer Weise, als wären sie auf dem rechtlichsten Grund und Boden erwachsen. Heute z. B. Wird in der Vossischen Zeitung öffentlich angekündiget, daß der „Pfarrer" Nonge morgen, Dominica in alliiz, in der Aula des grauen Klosters den Gottesdienst halten würde, nach welchem die Taufe mehrerer Kinder vorgenommen werden solle. So läßt man die Sache hier gehn, man läßt Pfarrer crcircn und so sich nennen, Amtshandlungen vornehmen ohne Widerspruch, man läßt Bürgermeister und Stadträthe ruhig ihre katholischen Mitbürger verletzen, Staatsbeamte jeder Gattung Theil nehmen, duldet den Titel „christkatholische Gemeinde," obgleich die bestehenden Verträge in Deutschland nur eine einzige katholische Kirche kennen. Wie gesagt, so schreiten die Sachen hier vorwärts, aber ihnen gegenüber steht die katholische Gemeinde da wie ein Mann mit dem entschiedensten katholischen Bewußtseyn. Sie hat auf alle jene Wühlereien nur durch Thaten geantwortet, das ist das Zweite in der von ihr angenommenen Stellung gegen jene feindseligen Demonstrationen. Sie hat nämlich 1) wie bekannt eine Dankadresse an den Hochwürdigstcn Bischof Arnoldi abgeschickt, die aus der Mittelklasse hervorgehend ohne irgend einen Anstoß von Seite der Geistlichkeit, und mit 1000 Unterschriften von Familienvätern versehen diesem Kirchenfürsten zeigte, daß die katholische Gemeinde in Berlin katholisch sey. Sie hat 2) an dem Bomfacius-Denkmale sich bethciliget, wodurch wir hoffentlich mit Gottes Hilfe für Spandau endlich zum Ziele kommen. Sie hat 3) in den letzten hl. Tagen eine Theilnahme am Gottesdienste gezeigt, die früher hier nicht vorgekommen. Bei der Prvccssion am Gründonnerstage z. B. (innerhalb der Kirche, versteht sich), welcher sich in den früheren Jahren kaum der Eine oder Andere angeschlossen hatte, zählte man jetzt über 0V Wachskerzen und eben so viele Träger aus den höchsten Ständen. Am Charfreitagc, wo die Kirche so angefüllt war, daß die Menschenmassc bis auf den Opernhausplatz, also quer über die Straße weg, hinausstand trotz des schlechten Wetters, konnte die Menge derer, welche dem heil. Scicramcnte folgen wollten, sich nicht entwickeln wegen Mangels an Raum. Diejenigen deßhalb, welche nicht pro- ccsfionswcise hinter dem heil. Sacramente die Kerze in der Hand ihre Ehrfurcht bezeigen konnten, bilvcten Spaliere mit den flammenden Kerzen vom Hochaltare ab durch den Mittelgang hindurch um die Kirche herum an den Seitcnwändcn. So wurde denn das hvchwllrdigste Gut einhergetragcn durch die gepreßt volle Kirche, gefolgt von zweien Fürsten, von unsern höchsten katholischen Staatsbeamten ohne Ausnahme, von den hier verweilenden katholischen Grafen, Ofsiciercn, den angeschensten Bürgern, dem Kirch-Kollegium u. s. w. Ich habe mit meinen eignen Augen gesehen, wie alten Soldaten die Thränen religiöser Rührung in den grauen Schnurbart hinunterliefen. Dieses sind die erfreulichen und segensreichen Wirkungen jener erbärmlichen Machinationen. Denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Besten. (Münst. SonntagSbl.) 55 « X- Berlin, 10. April. Die Deutsche Mg. Ztg. bringt fol- genden Artikel, der um seiner naiven Geständnisse willen merkwürdig ist: Die neukatholische Kirche (!) hat eine Feuertaufe überstanden. So möchte ich die Experimente und Operationen nennen, denen sie in den jüngsten Tagen, gewiß gegen (?) ihren bessern Willen, hier unterworfen wurde. Bedenklich erschien vom Anbeginn an die Theilnahme, welche von protestantischer Seite ihr geschenkt wurde. Aendern ließ es sich nicht, daß eine große protestantische Bevölkerung theilnehmend und freudig Bewegungen zublickte, welche sie an den von ihren Vätern vor drei Jahrhunderten geführten Kampf erinnerten. Es wäre besser gewesen, besser sür die Sache gewiß, wenn die Protestanten sich ganz fern davon gehalten und die nach dem Lichte (!) strebenden Katholiken ihre Sache ganz allein und auf eigene Geisteskraft vertrauend hätten auöfechtcn lassen. Um so bedeutender wäre der Sieg geworden. Indessen, die Verhältnisse führten es einmal so mit sich. Rongc hatte Luther und Huß citirt, und Czerski im Namen der Schncidcmühler auf die durch die protestantischen Nachbarn geförderte Kcnntnißnahme der heiligen Schrift provocirt. Es war eine Thatsache geworden, daß die Christkatholischen (!) liebevoll und vertrauend sich ihren protkstcmtischcn Brüdern näherten und daß diese ihnen auf halbem Wege mit offenen Armen entgegenkamen. Das Bedürfniß und die innere Nothwendigkeit war mächtiger als die begangenen Versehen; unv die That lehrt uns, daß die Bewegung von allen Seiten ausbricht und, weder durch thörichte Freunde noch durch erbitterte Feinde geschädigt, schon jetzt in ihrem Entstehen einen gesunden (?), organischen (?!), gestalteten Lauf nimmt. Daß Rouge und Czerski, wenn sie hierher kämen, eine ehrenvolle Aufnahme finden würven, ließ sich erwarten, und wer mag es Jenen verdenken, welche sich drängten, sie zu sehen und auf alle Weise ihre Theilnahme ihnen zu erkennen zu geben! Aber daß auch das leicht aufflackernde Strohfeuer des Berliner Enthusiasmus sich ihrer bemächtigm würde, daß sie Gegenstände theatralischer Demonstrationen werden sollten, hätte man zum Besten der Sache selbst und der Ehre der Männer nicht erwarten sollen. Auch Das ist nun ein Factum, was sich leider nicht wegläugnen läßt, und darum ist es besser, es offen cinzugestehen. Sie sind angefestmahlt, angegessen, angetrunken und angesungen worden. Es hat Kränze, Gedichte und Ehrengeschenke geregnet, und die ernsten und ehrlichen Reformatoren haben das Loos der gefeierten Sängerinnen und Tänzerinnen theilen und dafür danken müssen! Nun ist man aus dem Rausch erwacht, und die ernsthafte Betrachtung hinkt nach, daß man etwas sehr Unziemliches arrangirt hatte, daß Männer, Welche mit Muth, Kraft und Gottesvertrauen eine ernste Lebensaufgabe sich gesetzt haben, würdiger zu empfangen sich geziemt hätte, als geschehen ist. Die Einen trösten sich damit, daß es ja in Leipzig nicht anders gewesen sey, ja daß der Empfang in Potsdam den in Berlin noch überboten habe. Aber Andere erinnern daran, wie ein ähnliches tumultucirischeS Verfahren der Sache des Localvereins geschadet, wie etwas durchaus Gutes hier wie dort dadurch verdorben worden, daß es in unrechte Hände gerathen sey. Die Litcraten als solche und im Allgemeinen sind nun einmal in dem begrünvetcn oder unbegründeten Verrüfe, daß sie in jede Bewegung der Zeit sich hineinstürzen und im Strome voranschwimmen wollen. Dem Katholik wird aus Köln geschrieben: .Daß hier in Köln ein guter katholischer Sinn leibt und lebt, zeigt sich von Tag zu Tag. Außer den vielen Dombauvereinen, welche sich unter dem Bürgcrstande bilden und fast ausschließlich einen kirchlichen Charakter annehmen und äußern, bilden sich überall noch Vereine zur Herstellung der übrigen meistens denkwürdigen Kirchengebäude in Köln; ein solcher entstand noch jüngst mit dem Ziele, unsere so schöne als verwahrloset-Minoritenkirchc wieder würdig herzustellen, obschon die städtische Armenvcrwaltung, die ein Recht auf dieselbe anspricht, dieselbe nicht als freies Eigenthum der Kirche abgeben, vielmehr, wie verlautet, dieselbe mit den anstoßenden Gc- bäulichkeiten, die ihr allerdings gehören, nach einigen Zahren zum Verkaufe zu bringen gedenkt; aber überzeugt, daß eine Kirche, die seit der Aufhebung des betreffenden Ordens fortwährend als Nebenkirche dem katholischen Cultus ohne Widerspruch gedient hat und jetzt, nachdem die noch von der Hand der allgemeinen Kirchenzerstörung übrig gebliebenen neunzehn Pfarrkirchen mit ihren wenigen Kapellen für die zahlreiche katholische Bevölkerung nicht mehr hinreichen, wahres Bedürfniß geworden ist, nicht ohne den allgemeinsten und gerechtesten Unwillen entzogen werden kann, schaart sich die katholische Bevölkerung um dieß theuere und schöne Baudenkmal unserer katholischen Voreltern und deckt mit ihrer treuen Liebe und frommen Hingebung den herrlichen Tempel, der wie schutz- und herrenlos inmitten der heiligen Stadt dasteht. Was aber das Aufblühen einer ächtkatholischen Gesinnung vorzüglich documentirt, ist das umsichgreifende warme Interesse an den Schicksalen und Werken des katholischen Glaubens, wovon ich der Kürze halber nur auf eine erfreuliche Erscheinung der neuesten Zeit hinweisen will. Mehrere hundert Männer aus allen Ständen haben sich vereinigt, in einem großen ihnen eingeräumten Locale zu bestimmten Zeiten zusammenzutreten und die katholischen Missionsberichte, so wie andere von dem Klerus ihnen empfohlene Schriften zu lesen, daneben aber auch eine anständige Unterhaltung zu pflegen. Die Lesezcit wird in dem Locale, in welchem ein großes, schönes Gemälde des heiligen Franciscus Zcaverius aushängt, mit Gebet begonnen und beschlossen und dann der weiteren Unterhaltung freie Bahn gelassen. Dabei wird für den Missionsfonds gespendet, und die Gaben sind so opferwillig geflossen, daß in dem ersten Quartale bereits mehrere tausend Thaler in der Casse des Rendanten, eines hiesigen Pfarrgeistlichen, sich befinden. Daneben haben sich andere Lesezirkel für gute katholische Schriften, Bruderschaften, u. A. die zur Bekehrung der Sünder gebildet, und alle Zeichen geben zu erkennen, daß der Klerus der Stadt Köln, wenn er seine Mission begreift und keine Mühe scheut, das schönste Feld priestcrlicher Thätigkeit vorfindet." » .„«. >" nickt >!-' « Breslau. Im Schles. Kirchenbl. erklären vier frühere Non- geaner: „Tiefste Beschämung drängt uns zu der öffentlichen Erklärung, daß auch wir uns durch die trügerischen Lobpreisungen hiesiger Zeitungen verleiten ließen, durch unsere Namensunterschrift der Secte der Neuerer beizutreten; daß wir aber durch den bittern Haß gegen alles Katholische, der sowohl in den öffentlichen Versammlungen , als in Rvnge's Schriften sich aussprach, unsere Täuschung erkannt und da die Wahrheit und wahre Christcnliebe nicht gefunden haben, wo Spott, Hohn, Bitterkeit :c. als das Licht des neunzehnten Jahrhunderts gepriesen wird. Daher kehren wir mit innigster Reue zur heiligen Kirche unserer Väter zurück." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.