? s ^»^s-- D-ii., ^ d - / ^ MW^ AugsSurger Ppstzeitung. Erste Jahreshälfte. ^. S?. April 1845< Die Macht des Gebetes. (Schwe'z. Kirchenztg.) Gott ist der Herr der Schlachten. Das hat der Glaube von jeher gewußt, die Erfahrung bestätigt; der 31. März und 1. April hat es wieder recht auffallend bewiesen. Daher das ununterbrochene eifrige Gebet der Katholiken der Schweiz seit dem Z. December des verflossenen Jahres. Was wir in diesen Tagen erfahren, ist jedoch nichts Neues, wir finden erfreuliche Beispiele hievon schon in der Vorzeit. Je melr der Unglaube es verkennen will, welches Gewicht das fromme Gebet in die Waagschale der Zeitereignisse und der Schicksale der Völker legt, d-stv mehr fühlen wir uns aufgefordert, einen sprechenden Beweis für die Macht des Gebetes aus der Rcformationszeit anzuführen, welche unserer Zeit so nahe verwandt ist. Es schien damals d>e Zeir gekommen, wo cö sich erproben sollte, ob die katholische Religion eine wurzclhafte innerliche Kraft in sich trage, geschöpft aus den Tiefen der Gottheit, um ihre Ricsenäste auszubreiten über die Welt und die Unzcrstörlichkeit ihres We>ens Angesichts aller Feinde der Erde, trotz aller angehäuften Fäulniß, siegreich zu behaupten. Der deutsche Norden wälzte sich trotzig heran, den Felsen Petri leicht und lustig hinroegzutilgen. Die Eroberungssucht der Türken, dieser Erbfeinde der Christenheit, wurde als Bundesgenosse des Protestantismus aufgerufen; die Flotten Englands und Hollands schlangen sich um die katholischen Kräfte, sie einspinnend wie Doppelschlangen den Leib des Laokoon; die Spanier und Italic er waren in Mißtraue» getheilt, während die verrätherischm Waffen des „allerchristlichsten- Königs der katholischen Macht die empfindlichsten Wunden schlugen. Die katholische Kirchcngcwalr, das einzige Heilmittel gegen die einbrechende» Stürme, litt selbst an den Wunden einer feindliche» Zeit, in ihrer Schnellkraft gehemmt durch Anfinge nicht aus Gott. In dieser äußersten Noth barsten die Brunnen der Tiefe, die versiegelten Wasser der Kirche Gottes, aus dem tiefsten Herzen entgcgenbrausend der hereinbrechenden Irrlehre. Die göttliche Liebe, durch Gottes Geist im innersten Wesen der Kirche lebendig, schoß züngelnd hervor, wie Feuer, die Stick lust des irdischen Lebens zu reinigen, heilige Seelen berührend mit den Flammenblüthcn der religiösen Begeisterung, sie im Sturme der höhcrn Mvstik nordwärts reißend zum Kampfe mit den irren Geistern des Jahrhunderts. Unter den vielen Gottbcgcistertcn dieser Zeit, welche in stiller Einsamkeit durch ihr Gebet mächtig auf die Weltgeschichte einwirkten, wollen wir beispielsweise aus Beda Webers vortrefflicher Schrift „Tirol und die Reformation"") Giovanna Maria dclla Croce anführen, welche im Jahre l603 zu Novercdo das drittgcborne unter sieben Kindern das Licht der Welt erblickte. Ihr Vater, Giuseppe Florian!, vom Bergdorfe Nomcsino ob Mori stammend, war ein gesuchter Maler seiner Zeit, vorzüglich historischen Gegenständen zugewandt, mit aller Sorgfalt für die gemeinen Nebenarbeiten seines Berufes, ei» überaus fröhlicher Geist mit aller Lebhaftigkeit der italienischen Natur, mit einem Herzen voll Güte und zartester Weichheit, im Besitze eines sehr mäßigen Vermögens. Seine Frau, Girolama, fast sein Gegenstück, entwickelte in ihrem ganzen Wesen fast männliche Kälte, die scharfe unerbittliche Obmacht des stets klaren Verstandes, nie bestochen durch das Aufwallen eines übermächtigen Gefühles, dadurch die ordnende Seele des Hauses und der Wirthschaft, um den kostspuligen Bedürfnissen einer theuern Zeit zu genügen, nicht selten heftig gegen alles Ucbersprudcln der Empfindung in Andern. Um so freier bewegte sich der Hausvater in den idealen Gebieten der Kunst und Poesie, der liebenswürdigste Schwärmer auf der Oberfläche des Lebens, in sorgloser Behaglichkeit, nicht selten allzu sehr verloren in die Regellosigkeit des genialen Weltgenusses, nicht ganz gesügc dem Ncchnungsmaaßc seiner Gemahlin. Zwischen beiden Cha alteren, die nur durch herzliche Frömmigkeit vermittelt wa^en, blühte Giooanna eigenthümlich auf, eine zarte Gedankcn- blüthe im schwachen Leibe, im Gesichte dem Vater täuschend ähnlich, mit ihrer weichen, feuerfangcndcn Seele seine beste Seite im verstärkten Ucbermaaße ausdrückend, nur in ihren tiefern Lcbens- gründen vom vorwaltenden Ernste ihrer Mutter gestreift. Zum Mädchen erwachsen, entfaltete sie eine allbewundcitc Schönheit, große blonde Locken um das Eirund ihres zierlichen Angesichtes im frischeste» Jncarnat, besonders schöne vollglühende Augen, die mit männlicher Kühnheit und Gedankentiefe über dem allgemeinen Ausdrucke der weiblichen Zartheit leuchteten, mehr gebietend, als D!es'S Weik, da; j84t z» Innsbruck bei Wagner erschienen, behandelt die Re onn >tivn geschichle aus dem eigentlich rel.giosen Standpuncte auf höchst merkwürdige Weise. heimisch anziehend, oft fast unhcimisch einschlagend in die irdische Gemeinheit. Darüber war ein unwiderstehlicher, schwärmerischer Zug von himmlischer Anmuth und Gcsühlsschwclgcrci auSg-gössen, wie sichtbares Glühen der ticsinnc sten Feuerwcll in der bewegten Seele, all' ihr Seyn, alle ihre Bewegungen vergeistigend, i!?re schlanke Gestalt mit Urbcnnacht nach oben ziehend. Und was der personliche Ausdruck äußerlich darstellte, war als bewegendes Mo- mcnt im reichlichsten Maaße in ihrer schönen Seele vorhanden. Abgeneigt dem RcchnungSwcsrn dieser Welt, ohne Sinn für das, was auf Erden Nutzen und Vortheil heißt, hing sie mit über strömender Empfindung, mit der ganz eigenen Frühreife ihres Geistes an den zarten Bildern ihres frommen Herzens, mit allen Regungen ihnr Zuneigung hingezogn» zu ihrem gleichgestimmten Bater, in dieser Richtung nicht einmal begünstiget von ihrer Mutter, die ein weltgcmäszercS Eingehen in die Erwcrbjcite des Lebens von beiden forderte. Floriani hatte bci aller, Frömmigkeit aus seinem jugendlichen Künstlnlebcn die laute, lnstige Weise behalten, die wir im Kunstlcbcn von Italien noch jetzt antreffen, am besten geschildert im Dccameronc des Boccaccio, und im Leben des Be- ncvennto Cellini, fast eben so reizend für geniale Geister, als angefochten vom Ernste d>r berechnenden Wcltklngheit. In allen arbeitsfreien Stnnden, besonders an Sonntagen, zog cS ihn in'S Freie zn Spiel nnd Unterhaltung mit glcichdenkcndcn Freunden im süßen Leichtsinne eines warmen Blutes bei allem Aufwende von Geist und Kunstschwärmerci, bald auf die Höhen von Jsera zur Spende des berühmten WcinS, bald nach Ballung« im Hintergründe des VolanerthaleS zn Jagd und Vogelfang, bald auf die Nuincu von Marco, um dem Liebling aller Nünstlcr, d-m großen Dante, eine Libcition darzubringen. Dieses zerstreute, wcltgcmeine Auffliegen aus der geistigen Frcnde der Einsamkeit mißbilligte die zarte Tochter an ihiem Vater, sie wars sich oft weinend in's Gebet, nm den Sinn desselben zu wenden, Sie wurde aus Schmerz darüber tödtlich krank, alle Hoffnung des Lcb,ns schien verschw enden. Der Vater, seine Tochter nnendlich liebend, verlor alle Fassung, er meinte sterben zu müssen mit ihr. In der größten Bestürzung warf er sich in einem Nebenzimmer vor ein Krenzbild nieder, nnd gelobte mit lantcr Stimme sich zu bessern, wen» ihm Gott das Leben seines liebsten Kindes schenken würde. Die Erhörung blieb nicht lange aus, Giovanna gesundete, und der Vater hielt Wort. Er schloß sich mit der frömmsten Innigkeit an die Unschuld seiner Tochter an, weinend, betend, betrachtend mit ihr in heiliger Einsamkeit. Das früher in tausend Strahlen nach eitler Wcltlust auswä.tS ergossene Leben kehrte mit gesammelter Ucbcrmacht in sein edleS Selbst znrück, nnd trieb den schönsten Spätfrühling heiliger Tugenden in'S Daseyn. „O Ware ich frei, ' rief er oft ans, „ich zöge mich in die tiefste Einöde zurück, die Sünden meines vorigen Lebens zu beweinen!" Am liebsten redete er mit Giovanna vom Leiden Christi, beide weinten oft herzinnig zusammen über die TvdeSpcin ihres Gottes, und diese süße Uebung gründete in der Tochter jene Krcnzcslust, die sich gcröthct vom Blntc des Erlösers tugcndfreudig durch ihr ganzes Leben zog. Abends gingen sie mit einander spazieren, anschauend die Wundcrbildcr der südlichen Alpcnwclt, die der Vater als Maler so ost stndirt, mit andächtigem Kunstsinne aufsteigend zur höchsten Schönheit, welche Gott selber ist, weilend, ruhend in ihm mit allen zarten Emvsindnngcn ihrer Seele. Saß der Vater arbeitend an der Staffelet, so las ihm die Tochter vor, mit heiliger Begeisterung nährend seine Seele, alle genialen Funken hcrvorlockend in'S Bild. Sie selbst gewöhnte sich durch diesen innigsten Verkehr von frühester Jugend auf mit allen erwachenden Fähigkeiten an das Schöne in Gott, in der Natur und Kunst, und steigerte auf diesem Weqe ihre ohnehin empfindsame, ideale Geisteerichtung zur höchsten Feincmpsindung, die mit unerbittlicher Kraft alles Häßliche und Schmutzige von sich stieß. Und diese Geschmacksbilbung wirkte mit übermäßigem Gewichte auf ihr Inneres zurück, mit Ideale» füllend ihre Seele, alle Gemeinheit verdrängend, das moralische Zartgefühl ausbildend. Aus dieser Quelle floß der Adel ihrer Phantasie, die sich später in so kühnen Bildern über die hei igstcn Partien des christlichen Lebens ergoß. Sie verlor schnell nach einander ihre liebsten Geschwister, und stand am Ende allein bei ihren betagten Eltern als ihre letzte Stütze, ihre einzige Lebensfreude, bei allem Ucberdrange ihres Herzens nach dem Uebersinnlichcn doch keineswegs gesonnen, dem Ehestande zu entsagen, wegen ihrer Schönheit und Bildung fortwährend das Ziel vieler Bewerber, in der ganzen Stadt mit Achtung genannt als reine Jnngfrau, deren Wesen das Vorgefühl außerordentlicher Zustände wach erhielt, ost in der äußerst empfindlichen Schwebe ihres Alters nicht ohne tiefe Neige zu den erla.bten enden dieser Welt. In dieser gefahrvollen nnd cntlcheidcndcn Periode ihres Lebens erschien der berühmte Laienbruder Fra Tomaso von Bergamo in Rvveredo, aus Italien nach Deutschla.id ziehend zur Steuer der katholischen Wahrheit. Er hielt sich längere Zeit daseist im Kloster seines Ordens auf, und erkannte veim ersten Anblicke den höhern Beruf der hochbegabten Jnngfrau, mit jenem Scheraugc der innern Welt, das die verwandte GottcSslammc in befreundeten Seelen leicht durchschaut. „Der liebe Gott sucht dich," rief er ihr zu, „um dich der Zahl seiner gclicbtestcn Bräute einzureihen, und wenn du mit der unendlichen Liebe deines liebenswürdigsten Heilandes mitwukest, so wirst dn von ihm große, unMli>ze Gnaden erhalten." Giovanna fühlte sich bewegt, aber nicht bewogen zum Ueberttitie von ihren Weltgcdanken in'S jungfräuliche Gebiet einer Braut Christi. Aber Brnder Tomaso ließ nicht ab, ein ganzes Jahr kam er regelmäßig jede Mittwoche in ihr HauS, und munterte sie auf, den letzten Ansatz von Wcltsinn für den Erlöser freudig abzuschälen, während er daheim unaushörlich weinte und betete für ihr Heil. Diese Beharrlichkeit verletzte ihre noch nicht ganz erloschene Eitelkeit, sie faßte ailmälig einen unüberwindlichen Abscheu gegen den Zudringlichen, und hätte gewünscht, sich seiner lästigen Gegenwart ganz entziehen zu können. Der GotteSmann durchschaute die Gedanken ihres Herzens, und sprach voll heiligen Eiscrs: „Mag die ganze Hölle sich widers.tzcn, JesnS hat dich zu seiner Braut erkoren, er achtete deine Undankbarkeit nicht, er will und muß dich gewinn,n!" Mit diesen Worte-, verließ er Novc- redo, und zog gen Innsbruck. Mit Giovanna'S Nuhe war's nun auS, eine mahnende, mit Fra Tomaso einverstandene Stimme war in ihrem Innern wach geworden, die ihr Tag und Nacht keine Nnhe ließ, »!>d alle Seclengründc unheimlich machte; sie bekämpfte dieselbe mit aller Macht, mit der Aufopferung ihrer frischen, blühenden Gesundheit, sie siel zusammen wie eine angenagte Blume, Ängst und Mißmuth legten sich hcrzbcdrückend um ihr Daseyn. Sie suchte Zerstreuung, das sonst so gehaßte Allerwcltsleben, aber der Athem war ihr zu knrz, banges Herzklopfen pochte ihr in tiefster Brust, trostloser Sckel an allen Dingen erfüllte sie mit Furcht vor dem Gerichte ihrer eigenen Innerlichkeit. So schleppte sie ihr müdes Daseyn ein ganzes Jahr weiter, freudelos, wachsend im verstockte» Sinne zur Vergrößerung ihrer Scelcnqual. Als sie aber einst ein frommes Mädchen erblickte, das den Ermahnungen des Fra Tomaso willig gehorsamt »nd sich ganz Gott geweiht hatte, änderte ein geheimnißvoller Druck auf den Mittelvnnct ihres Lebens auf einmal ihr ganzes Wesen; in Thränen ansbrcchcnd, flog sie der Glücklichen in die Arme, pries sie selig um ihres ^ muthigen Sieges willen, und konnte nichts anderes als das Gleiche ^ wollen. Mit der Heftigkeit ihres zarten, reizbaren Charakters stürzte! sie in die tu'istc Einsamkeit zurück, weinend über die Sünde der j Verstockung, sich lossagend von jeder lockenden Aussicht dieser Welt. ^ Nach dieser glücklichen Aenderung ergoß sie sich in Gebeten und Amnuthungcn zu Gott. Sich zu Bette legend dachte sie sich im Geiste in den Garten des Oelbergcs an die Seite des verlassenen, blutschwitzcnden Erlösers, oder an'S Kreuz ihres gepeinigten Bräutigams, und seufzte: „Nur deshalb will ich meinen müden Gliedern einige Ruhe gönnen, um meinem lieben Gott meinen Gehorsam zu beweisen!" Liegend auf der linken Seite küßte sie in frommen Gedanken die Wunde seiner rechten Hand, ihre Seele in dieselbe empfehlend, ihn beschwörend bei den Schmerzen duser hochheiligen Wunde, daß er sie ja gewisz auf die rechte Seite zu allen Auserwähltcn stillen möge. Ruhend auf der rechten Seite, empfahl sie sich und alle Frommen dem blutenden Heilande am Kreuze, küssend sein heiliges Herz, flehend um Beharrlichkeit im Guten für Alle. Wenn sie die Füße bewegte, so fiel sie mit der reuige» Magdalcna zu den Füßen Jesu nieder, weinend über ihre Sünden, den Erlöser bittend, daß er sie leite auf der schlüpfrigen Bahn der Tugend. Sie legte sodann stets ihre Hände in Kreuzesform, und flüsterte zu ihrem Geliebten, daß er ihr Ruhe gewähren möchte wie seinem Jünger Johannes an seinem göttlichen Herzen, betend zugleich für alle heiligen Seelen, die ihre jungfräuliche Reinigkeit Gott aufgeopfert hatten. In der Nacht aus dem Schlafe erwachend, schämte sie sich tief, wenn sie die Heimchen, Grillen und Zikaden singen hörte, wachend und lobnid ihren Gott, während sie gcsolafen, und stieg mit ihren Nachtliedern lobend und singenv zu ihrem Schöpfer auf. Sie wendete sich mit den feurigen Glulhen ihrer Se.le an alle Stimmen der Natur, an alle Laute der Thiere, an alle Töne der Menschen, daß sie im stürmenden Zusammenklänge einfielen zu loben und zu preisen ihren Gott, den Urheber alles Lebens unv Scyns, rauschend auf den Flügeln dcS SturmwinveS, lispelnd im Hauche der Abendlust, leise sich regend als GotteSwort im Herzen der Menschen. Sie richtete eine kleine Zelle ihres elterlichen Hauses zur Einsiedelei ei», und zog sich in allen freien Stunden in die Stille derselben zurück, seufzend wie eine Turteltaube am Stamme des heilige» Kreuzes. Mittlerweile war Bruder Tomaso in Innsbruck gottselig gestorben, mit seinem Tode besiegelnd das Wort an seine Schülerin Givvanna. In einem Briefe, den er kurz vor seinem Tode an Nathshcrrn Echer in Roveredo geschrieben, sagt er: „Ucbergcben Sie sich ganz Ihrem Gott, Ihrem höchsten Gute. In diese Gnadcnsülle möge Sie Gott ganz einsenken, und kein anderes Licht leuchte Ihnen als daö himmlische, Sie selig einzuleuchten in die ewige Freude." Diese letzten Worte des Sterbende», dieses Vermächtniß des Todten an die Lebendigen, machie ans Giovcmna's Geist und Herz den nachhaltigste» Eindruck, sie spornend auf dem Wege des Heils, gedcnkenv ihres verklärten Freundes. Die außerordentlichen Wirkungen ihrer GottcSlicbe, schon lange i» leisen Anzeichen lebendig, stiegen cillmälig Heller auf, wie leuchtende Blitze in'S schwüle Leben der Erde zuckend. Sie wurde in ihrem einsamen Holzkämmerlein oft so gewaltig entzündet von der Liebe zu Gott, daß ihr der enge Raum des Gemaches krampfweckcnd auf die LebcnSgefäßc wirkte, daß sie durch unsichtbare Gewalt aus ihrer Beklemmung gerissen, trunken und voll von ihrem Erlöser, schwebend, tanzend durch die Gänge des Hauses sang und jubilirte, mit lauter Stimme ihren Bräutigam lobend und preisend. Die Mutter, schon lauge iibcl gestimmt durch die unweltförmigc Geistesrichtung ihrer Tochter, platzte heftig wie sie war mit Vorwürfen aller Art i» diese AuSbrüche der GvttcSliebe herein, schalt sie eine Närrin, und schüttelte sie gleichsam aus ihrer Verzückung. Aber ihr Vater milderte die Eingriffe der Mutter, mit der verzückten Tochter einstimmend in den Preis der göttlichen Liebe, oft selbst ganz cingeschlürft in die Wonnen einer höher» Welt. Giovanna selbst war nach jedem Erwachen aus diesem jubilircndcn Zustande tiesbeschämt, »»endlich verlegen nnd fast verzagt. „O mein Gott!" seufzte sie, „Deine göttliche Weisheit kann ja in mir wirken ohne diese äußern Zeichen! Si hst Dn nicht, daß ich meine Mutter dadurch erbittere uud kraule?" Sie drängte sich mit Gewalt in sich zurück, ankämpfend gegen das Nauschcn und Einströmen des göttlichen Geistes, »m ihr Licbcs- glück zu verberge», aber mächtiger als alle menschliche Vorsicht stürmte der innere Liebcsdrang, es barst ihr cinmcil in diesem unnatürlichen Widerstreben eine Ader in den Atbcmgängc», große Blutströmc entleerten sich gewaltsam, sie fast erstickend, eine lange Krankheit hätte sie bald getödtct, nnr mit Mühe entging sie dem frühzeitigen Grabe. Damit fing auch ihr Kränkeln an, das sie lebenslang marterte, und erst mit dem Tode aufhörte, als die eingepreßte Flamme den engen sterblichen Leib verließ, um in Gott, ihrem wahren Elemente, zu glühen. Sie bändigte sich selbst mit Wachen, Fasten und allerlei Abtödtung, sie aß kein Fleisch, trank keinen Wein, und genoß überhaupt wenig, oft wochenlang fast gar nichts bei unaushöilichcm Brechreize und empfindlichen Magcn- schmcrzcn. Fast noch zerstörender als Ueberdrang der innern Got- teStrast wirkte das Bewußtseyn der frechen Wcltsündc auf ihr Gemüth und die zarten Fühlseiden ihres LeibcS ein. Die letzten Faschingstage kam stets unnennbare Trostlosigkeit über ihre Seele, eine Düire des Geistes, die alle gute» Gedanken, alle Empfindungen der göttlichen Liebe vertrocknete. Ein marterndes Fieber befiel sie, alle Lebenskräfte gewaltsam niedcrcrrbeitcnd, so daß sie an der Aschermittwoche abgezehrt, tvdtcnblaß von ihre»! Schmer- zenslagcr erstand, unendlich froh, daß sie leiden konnte für die Sünden der Welt. (Schluß folgt.) Schweden und Norwegen. Stockholm, 2, April. Zufolge Norwegischer Zeitungen vom März ist von Seiten der Norwegischen Regierung eine Pro- Position über NeligionS- nnd Gewissensfreiheit an das so eben versammelte Storthing gelangt, und ma-r ist sehr begierig zu erfahren, wie sich dasselbe dieser interessanten Angelegenheit gegenüber benehmen werde. Die Propvsition der Regierung zeigt, vorausgesetzt, daß man nur die scandinavischc Erstarrung in spirituellen Dingen in Betracht nimmt und keine Vcrglcichung anstellt mit anderen Ländern, eine liberale Gcsin»ung. Sie lautet nämlich dahin: l) daß eö jedem Mitbürger freigestellt seyn solle zu einem anderen christlichen Religionsbekenntnis; als jenem der Staatskirche (der lutherische») sich zu halten, ohne andere Folgen, als daß er im Abwcichungssalle, als Disscntcr, zu Staats- ämtcrn unfähig sey; 2) daß eS (mit denselben Folge» für die Kinder im abweichenden Falle) den Eltern in gemischten Ehen zugestanden seyn solle, ihre Kinder in welchem christlichen Bekenntniß sie wollen zu erziehen. Zusolge derselben Berichte will man voraussehen, daß zwar das Storthing in die Proposition der Negierung rückfichtlich des ersten Punctes eingehen werde; der zweite Punct aber einige Discnssion veranlassen dürfte. Vergleicht man nun diese Norwegische Toleranz mit unscrcn Vorgängen in Schweden, so muß man billigerweise zugestehen, daß in Norwegen mehr gesunder Verstand sey als hier in Schweden; denn, wie bekannt, ist hier noch voriges Jahr einer unserer Mitbürger vom Gerichte zweiter Instanz, gegen den Wortlaut des §. 16. der Konstitution, zur Landesverweisung und zum Verlust seiner bürgerlichen und erbschaftlich cn Rechte verurtheilt worden, weil er Katholik geworden ist. Zwar gab man sich seither der Hoffnung hin, entweder daß daö oberste Reichsgericht, an welches der Vcrnrtheilte appellirr hat, dieses harte Urtheil cassiren, oder daß die NcichSständc sich gegen eine solche sophistische Deutung des genannten H. 16. verwahren und sich der Gewissensfreiheit annehmen würden. Aber weder das Eine noch das Andere ist bis auf diesen Tag geschehen. Der V,r»rthcilte wartet schon bald ein Jahr vergebens auf irgend einen Entscheid von Seiten des obersten Reichsgerichtes, so daß eS scheinen Will, als ob dieses Tribunal weder ihn zu verdammen noch frei ;u sprechen vorhabe. Die ReichSstcindc sind auch schon seit zehn Monaten versammelt, ohne daß irgend ein günstiger Laut für die Sache der Gewissensfreiheit vernommen worden wäre, im Gegentheil, die einzige Motion, die in Bezug auf diese Angelegenheit bisher am Reichstage gemacht worden ist, lief auf die Proposition hinaus, daö apostolische Vicariat in Schweden für jede Konversion eines staatskirchlichen Lutheraners zum Katholicismus verantwortlich zu macheu, d. h. beide, den apostolischen Vicar und den Konvertiten in das Exil zu schicken. Zwar sind die Stände in diese Proposition nicht eingegangen , haben aber auch nichts zu Gunsten der Gewissensfreiheit entschieden. Diese auffallende reichsständische Abneigu, g gegen Alles, was wirkliche Gewissensfreiheit heißt, hat denn auch zur Folge gehabt, daß das bekannte staatskirchliche Konsistorium zu Stockholm neuerdings wieder Muth gefaßt hat die fast entschlafene Fehde mit dem so eben in Norwegen abwesenden apostolischen Vicar wieder aufzunehmen, in der Absicht ihn alles Ernstes mit einer Znjnrienklage vor Gericht zu ziehen, weil er voriges Jahr in seiner V rthcidigung das Konsistorium der Intoleranz beschuldigt und die Consistonal-Auslieferung des Konvertiten Nilsson an das Gericht behusS der Landesoerwcisung u. s. w. eine „Verfolgung und Kreuzigung" genannt hat; wobei sich einige staatetirch- liche Blatter, Angesichts dieser Auslieferung und Verurtheilung, nicht entblöden zu behaupten, daß der apostolische Vicar durch diese Beschuldigung die Ehre der schwedischen Nation angegriffen, und daher „jedes ihm erwiesene Wohlwollen und Vertrauen nur mit der tiefsten Betrübniß könne angcsehi n werden." Welche Begriffe von Glaubensfreiheit! Aber freilich ist jrtzt die Illusion über schwedische Aufklärung und gerühmte Toleranz in Europa vorüber, — und D.iS ist es eben, was die Leute so ingrimmig macht und so schwer vergeben wird. (Kcuhoük.) Frankreich. Dem Rhein. Bcob. wi-d aus Paris geschrieben: In einem Aufsätze des Rhein. Beobachters Nro. 101 — aus Mm (i. April habe ich nicht ohne Bedauern einen meiner Ansicht und Erfahrung nach gänzlich einseitigen Angriff auf das Institut der barmherzigen Schwestern gesehen. Wer in den zahlreichen hiesigen Hospitälern das Wirün, die Aufopferung, die hohe, herrliche, christliche Humanitär dieser Perlen des Katholicismus gesehen, ich sage mehr, gefühlt, wer den U«te>schied kennt zwischen der weiblichen, zarten, aufopfernden Pflege und der rohen Faust männlicher bezahlter Krankenwärter, der kann! dem Institut der barmherzigen Schwestern (hier -es 5oeurs 6e ek-n-its genannt) nur Ehrfurcht zollen. Glücklich jedes Land, jede Stadt, wo diese frommen menschenfreundlichen Frauen ihr Zelt aufschlagen, um die ekelhaftesten Kranken oft mit überirdischer Entsagung zu Pflegen. Solche Wunder der Nächstenliebe thut nur der Glaube, und ich würde der Stadt Ulm Glück wünschen, wenn statt einer Glaubensspaltung der neuen Serien daselbst die barmherzigen Schwestern als Freundinnen und Pflegerinnen der Leidenden Eingang fänden. Da der Rhein. Beob. mehrmals ausgesprochen, er würde jeder ruhig dargestellten Ansicht seine Spalten öffnen, so liegt mir wesentlich daran, nach dem contra auch das nro in Bezug auf die barmherzigen Schwestern veröffentlicht zu sehen. Gar viele Deutsche, die, nach Frankreich verschlagen, Dienste in der Fremdenlegion nahmen und den langen Marsch durch die sranzösijchcn Provinzen machten, haben persönlich Gelegenheit gehabt, in den Hospitälern (namentlich in dem großartigen Institut von Beaune in Burgund, Lüte-cl'or) die Pflege der barmherzigen Schwestern heilsam zu fühlen. Wie viele Protestanten sind nicht von den barmherzigen Schwestern also gepflegt worden. Hier in Paris thut dieser herrliche Orden nicht bloß in den Hospitälern einen schweren täglichen, nächtlichen Dienst, sondern wo ein Kranker in der Stadt weibliche Pflege verlangt, da werden ihm die gebenedeiten Schwestern gesandt, welche unentg eidlich den Kranken besuchen, pflegen, seine Wnndcn verbinden, selbst Nachtwachen übernehmen. Wer allein, ohne Familie, in Paris lebte und diese herrliche katholische Institution um Hilfe ansprach, wird ihr eine innige, aus der Seele strömende Dankbarkeit widmen. China. Prof. Neu mann in München schreibt in der Allg. Z. über die von Einigen bestrittene Aussetzung der Kinder in China unter anderm: „Die Begleiter der Gesandtschaft des Lord Amherst und andere Engländer, die sich längere Zeit in Kanton aufhielten, namentlich der jetzige englische Konsul und Missionär Tradescant Lay, glanbten die Chinesen seyen mit Unrecht des Verbrechens des Kindercmssctzcns und Kindermordeö beschuldigt worden, weil sie nämlich nichts davon gesehen haben. Auch Professor Neumann hat während seines Aufenthaltes in China keine Kinder auf den Straßen liegcn und keine Leichname in den Flüssen schwimmen sehen. Er hat aber auch keiner Niederkunft beigewohnt, und könnte also, aus demselben Grunde, die Geburten wie die Vernichtung der Geborenen längnen. Der gewöhnliche Fremde wie die auswärtigen Gesandten winden ja bis vor Kurzem als Gefangene behandelt. Was konnten sie von deni Innern des Landes, von den bejammerungswerthcn Voi fällen innerhalb der Familienkreise vernehmen! Ueberbieß bedenke man, daß die Bevölkerung der Kreis- Hauptstadt Kuangtong durch den starken Handelsverkehr zu einer in den andern Gegenden des Reiches seltenen Wohlhabenheit gelangte, welche sie in den Stand setzt für ihre zahlreichen Angehörigen zu sorgen. Müßiggang, Armuth und Verwilderung sind aber bet allen Völkern und in allen Zonen die alleinigen Ursachen der Verbrechen. In dcn übrigen Ländern der Mitte hingegen findet der Kindermord, wie uns neuerdings noch Gützlaff als Augenzeuge versichert, statt, und zwar mit schamloser Grausamkeit, l^uins onenkll, I, 491). Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.