! , zianüI ^ i> ^»S- - K der Augsburgev ., PpKzeitung. Erste Jahreshälfte. - 4. Mai 1845. Die Macht des Gebetes. (Schluß.) In allen diesen wundersamen Erscheinungen, im unaus- reichenden Bestreben, den Leib mit den Strömungen der Seele in Einklang zu bringen, war die heilige Communion ihre einzige Herzstärkc, ihr süßester Gedanke bei Tag und Nacht. Schon am Vorabende erwachte in ihr eine unüberwindliche Begierde nach dieser einzigen Seelenspeisc, die sich mit jeder Stunde steigerte. Kaum konnte sie im Ueberm aße der aufgeregt!» Empfindungen vor Mitternacht ein Auge schließen, mit Schlag l2 Uhr waren alle Blntströme lebendig, alle Empfindungen aufgcstürmt, ihre Lebens jhäti^kcit dem Morgen zugewandt mit glühender Sehnsucht, mit Seufzern und Thränen. Oft riß es sie mit Gewalt auf nach een Sternen des Himmels, nach den Zeichen der tagenden Frühe, und Thränenströme netzten ihr Angesicht, wenn die vorgerückte Nacht nicht wohlthätig auf ihre Seele niedcrlcucbtetc. Ein pfcilartig schließ ndcS, weltvergessenes, blickeinwärts g kehrtcs Wesen trug sie in die Kirche, ihr Athem wurde vor Hunger nach der Himmels- kost glühend heiß, ein liefauSholendes Arbeiten der beengten Brust ließ sich vernehmen, sie war abgemagert, blaß wi- eine Leiche, ihre Augcn tief zurückgesunken in die unmäßig vergrößerte Höhle, die Lippen blutlos, unausstehliche Trockenheit in der Kehle bis hinunter in die Kammer des Herzens. „Ich kann'S nicht mehr aushalten," klagte sie öster, „mir brennen die Eingeweide vor unnennbarer Sehnsucht nach Dir, o Golt!" Im Hinzutreten cichtte sie bw'ge: „O Her; Jesu! O Herz Jesu! ich kann nicht mehr! ich kann nicht mehr!" Den Ausspeuder erblickend, empfand sie ein stürmisches Wühlen aller Säfte, ein Aussied n der tiefsten Seelen, gründe, die ihrem Heilande cntg gen je> chzten, sie lispelte ihm süße LicbeSreime zu von den Wunden Christi, angezogen durch die unsichtbare Gewalt des Gottes, den er in seinen Pricsterhändcn trug, wie an- und aufgesogen durch die Strahlen de ausströmenden Gottcofülle. Kaum hatte der heilige Leib des Erlösers ihre Zunge berührt, als duich das schäumende Uebcrmaaß von Innigkeit und Sättigungslust gleichsam eine ve-borgcne Feder ihres Organismus sprang, und die ersehnte Engclskvst auf einmal in die tiefste Seele hinabschlang, Ihr Gesicht erblühte zu frisch other Lebcnsfarbe, zu einem glänzenden Gcisteefrühling mit allen Blumen der göttlichen Liebe, das Auge trat aus der Versenkung, funken- sprühend, sie sank in tiefe Verzückung, erstarr, nd in di. scr schönsten aller geistigen Entknospungen des verbotenen Seelenlebens, ost flüsternd und lallend in unaussprechlicher Süßigkeit mit Jesus, Maria und den Heiligen. „O Wonne! O JcsuS! meine Lust! O Liebe, meine Sättigung!" hallte es leise, oft unterbrochen, aus den innersten Zillen ihr>s Lebens, „ o Himmclsfrcudc zu ruhen im liebenden Herzen meines Jesus, abgeschält von allen Gegenständen der Erde, abgesondert selbst vom eigenen Leibe i» seliger 'Vergessenheit und Entäußerung von Allem, was Gott nicht ist, im Schooßc des Erlösers, saugend die honigflh ßende Milch seiner göttlichen Weisheit." Sie trat dann sehr ost aus ivrer Persönlichkeit heraus, sich selbst als Object sirirend, ansingend alö Behältniß für daö Allerhciligste. Es war vom himmlischen Künstler gearbeitetes aus feinstem Golde und hellschimmcrnden Perlen, glänzend im r i.rsten Strahlenschmucke. In der Mitte leuchtete ein Herz auS Rubin, glübcnd im ecsciltigtsten Noth, vorn geöffnet mit einem wundeischönen Krcuzbildc, golvstrahlend. eingcschnilten in halb,rhobc»er Arbeit, darüber schwebend die heilige Hostie, weißer als Schnee. Sie wrude bei diesem Anblicke ganz verschlungen in dieses Herz, wie der Wurm eingepuppct, und von den Licbesslammen umlodert, aufge-ch-t. Der B griff unbeschreiblicher Herzcnsreinigkeit drllckle bei diesem Wuuderblicke auf ihre Seele, einlaßfordeind. „O komm, komm Reinigkeit, himmlisches Fräulein! in meine Seele. Ich r ill Dich inbrünstig umarmen und küssen, und Dich einführen in die innerste T»fc meines Heraus. Ich will mit dir leben und sterben!" Sie wurde in diesem Zustande oft vor allem Volke mehrere Spannen über die Erde erhoben, schwebend imSuömcn »nd Braus n ihrer mächtigen Gottes- gcfiihle. ÄnS diesem Flüsterlcben der reinsten Liebe ve,sank sie dann am Ende stets wieder in ein starres Versunkensevn in Gott, ohne Regung, ohne Laut, ohne Gebrauch der Sinne, ost sieben Stunde» nach «inander. Elwacht oder g weckt, fiel sie zusammen wie eine welke Blume, der irdischen Well abgeblüht, mit maßloser Sehnsucht nach dem Verlornen Himmel. Je höher die c Einschlür- fung aller Seilcnkräfte nach innen stiea, desto unzulänglicher wurde ihre Leibeskraft, desto häufiger ein seltsames, von Aerzten nicht verstandenes, keiner Ärznci weichendes, mit unerträglichem Schmerzen verbundenes Krankseyn. Aber selbst ihre Krankheit wurde zur Poesie im Hauche des Geistes, der sie bewegte. Sie kam sich selbst als ein Tonwcrkzeug vor, vvn mannichfalligen Leiden kunst reich besaitet, ertönend in süßem Wohllaut. Die tonkundigc Hand ihres Gottes spielte in den Saiten, mit dem ersten Finger spielend die Ergebung in den göttlichen Willen, mit dem zweiten das Leiden aus Liebe zu Gott, mit dem dritten die vollkommene Geduld, mit dem vierten die Gleichförmigkeit mit dem leidenden Erlöser am Kreuze, mit dem fünften das Lob Gottes in Noth und Tod, und das Rauschen dieser fünr Tvnanlagen im herrlichen Einklänge machte die lieblichste Musik in den Ohren des himmlischen Vaters! Als sie einst, von Fiebcrschincrzcn entkräftet, die Lieder der FronleichiiamSprocession erschallen hörte, zuckte eine weltumfassende Trauciniusik durch ihre Seele. Alle Leiden der Kranken, der Betrübten, der Gefangenen, der Sterbenden auf der weiten Crrc, alle Schmerzen der armen Seelen im Fcgfeucr hallten in ihre Krankheitsw^hen herein, lautrauschend im unermeßlichen Chor, klagend »wd singend den liebreichsten Gott, sie fort- r-ißcnd wie ein enlschütielndcs Bliithcnblatt in den Sicgeszug ihres Heilandes. Sie lebte sich wundersam hinein ins Kirchenjahr, und die ganze heilige Schrift des neuen Bundes war in ihrem Geist zweckmäßig vertheilt auf alle Sonn - und Festtage des Jahres. Alles gestaltete sich in ihr zu den kühnsten Bildern, die nährend, belebend, aufweckend an ihrer Seele vorüberzogen. Und aus dem schwelgenden Genusse dieser Fcstbilder erwachte sie stets flamme»- svrühcnd in Liebe und Lust zu ihrem Gott. Das Leiden Christi, die süßeste Betrachtung ihrer Seele, wiederholte sich mit crschüt tcrndcr Macht an ihrem Leibe, an ihrer Seele, mehr oder minder das ganze Jahr, besonders an Freilagen, U"d am meisten in der Charwochc. Im Jahre 1662 fiel der 17. März, der Todestag Jesu Christi nach ihrer Meinung, auf einen Freitag, da war ihr Leidensschmerz am größten. Das Haupt schwoll ihr unmäßig auf, lief an vielen Stellen roih an, als wollte Blut hervorbrechen, u>d wurde vvn den wühlendstcn Schmerzen durchbohrt. Ihr Schmerz schmachtete so krampfhaft zusammengepreßt, daß eine Obn- macht auf die andere folgte, jedes Glied war furchtbar gepeinigt Besonders schmerzhaft und blutroth aufgischwollen zeigten sich die Stellen der Wunden an Hand, Fuß und Brust. Noch größer War die geistige Noth, die Qual ilrcs Gemüthes, der gänzlichen Verlassenheit. Aber ihre Lcidcnslust stieg zu einer brennenden Heftigkeit, cS zog sie mit Gewalt an die heiligen Wundmahlen ihres MottcS, um aus seinem Leibe, aus seiner Seele den giftigen Todcsschmerz zu sauacn, um ihn zu lieben unendlich mit der That, mit den Lcidenokräften maßloser Liebe. Der übermächtige Eindruck, den ihre Seele aus der KrciizcSschau in sich aufnahm, wirkte wunderbare Erscheinungen an ihrem Leibe. An ihrer Brust bildete sich eine große M-iude, wie von cimr Lanze, heilte allmälig eins, und überzog sich mit einem zarten Häutchcn, in ihren Nieren Wuchsen drei Nägel aus dem Stoffe der Nierensteine, und im Herzen eine feste Masse, ähnlich dem Rumpfe eines Menschen, ganz daS, was die Italiener Do:so nennen. Daher rührten die grimmigen Pcinen, die sie in ihren empfindlichsten Lcbenstheilen ausstehen mußte, und erst die zerlegende Untersuchung brachte diese, aus der Betrachtung des Leidens Christi gesogenen Ursachen an den Tag. Eine crstaunungSwürdige Fcincmpsindung an allen Sinnen stellte sich ein, j.dcr Gcrnch von köstlichen Salben und Stoffen war ihr lövilich zuwider, sie fiel in ihrem Zlmmcr in Ohnmacht, wenn im Keller dcö Hauses ein starkricchendeS Arzneimittel hinterlegt war. Dadnrch wurde sie eine Macht, wirkend in die Ferne, raumvermittclnv, mit diesem Wcitausfühlen und Tüfhincin- empfinden alle Anwesenden mit Schauder erfüllend. Der Schmutz der unreinen Sünde macktc sie an dem Sünder, der ihr nach der That begegnete, ohnmächtig vor tiefcingreifcndcm Schmerz, und als sie einst durch ein Zimmer ging, wo so eben ein derartiges Vergehen stattgefunden hatte, fi l sie atsemloö zur Erde, fast erstickend in den Oünsten der Unreinigkeit, c-st »ach langer Krankheit genesend vom e> tsetzlichcn Eindrucke dieser Wahrnehmung. Sie selbst duftete dagegen in ganz eigener Lieblichkeit, ihr Zimmer, ihre Kleider, ihren jedesmaligen Standpunct mit Wohlqcrüchen durchdringend, durch das Vorausgehen der Düfte ihr Nahen verkündigend. Der Ringfinger war am duftrcichstcn, derber von frommen Seelen mit Andacht geküßt, mit dem gehcimnißreichcn Vermählunusringe, den ihr Gott nach ihrer Aussage daran gesteckt, mit Perlen und Edelsteinen in KnuzeSform abbildend die Todeslciden des Erlösers. Die ehrwürdigsten Zeugen sagten vor den Gerichten zu Novercdo aus, man habe zur Prüfung ihrer Anösage andere Ringe mit großer Gewalt an diejen Finger treiben wollen, aber stets umsonst. Sie waren nicht weiter als bis ans Hauplbeugcglied des Fingers zu bringen, dann schwoll der Finger unmäßig auf, uud gestattete kein Weitcrschicben. Wenn sie gewissen Personen in gemessene Näbe kam, so gewahrte sie im tief- innersten Raume ihres Leibes, ihrer Seclenihätigkeit den Gewissens- zustand des Angenäherten, sie brauete dann aus wie siedendes Wasser, schaudernd und schaudererregend, cS faßte sie ein wilder Schmerz im Tiefgefühle der versteckten Sünde. DaS begegnete ihr vorzüglich im Beichtstühle, das Aufschäumen der empörten Empfindung über die Sünde des Beichtvaters sprudelte in heftige Vo würfe über, in Ermahnungen zur Buße, und war der aufregende Sturm vorüber, so sank sie ohnmächtig zusammen, gebadet in Thränen über ihr Mißgeschick, ihre eigene Sünde beklagend in diesem Heraustreten der Lebenskräfte ans dem Tone einer demüthig Beichtende». Die Beichtväter selbst waren nach ihrem eigenen Geständnisse oft völlig vernichtet über die scharf ins Detail treffende Aindcckm'g ihrer GcwisscnSzuständc, und nicht alle hatten Kraft genug, diese Feuerprobe zu ihrer Besserung zu benützen. Dieses gotlerregte, alle natürlichen Zustände übersch eilende Auftreten und Eingreifen machte sie selbst den meisten Beichtvät r» unverständlich, den Getroffenen tödtlich verhaßt, dem menschliche» Kurzbticke überhaupt gefährlich als eine regellose Macht, den Sicbcnschlaf des Jahrhunderts störend. Schamlose Nachrede, bittere Verfolgung, Verstoßung von Freunde» und Verwandle» legten sich wetteifernd an die Wehrlose, um ihre Himmelokraft niederzukämpfen, mit dem Biß der Schlange umzüngclnd das kühne, gottanstrebende Wcrb. Ihre Mutter wurde brdauert, eine so unglückselige Närrin zur Welt geboren zu haben, selig gepriesen der Vater, welcher in der Gluth heiliger Jcsusliebe unter dem Gebete seiner geliebten Tochter 1624 selig im Herrn verschieden, nach dem Urtheile der Nnchlosen aller Schande entgangen war, die Giovanna auf sein Haus gehäuft. Sie selbst ohne Trost in Noth und Krankheit, versank oft in den verzagendsten Kleinmuth, irre werdend an ihren eigenen Zustände», den Einwirkungen unheimlicher Gewalten preisgegeben, an Leib und Seele gebrochen und zerschlagen. Ein ganz eigener Schauder durchrieselt den Leser, wenn er diese Kämpfe liest, dieses Aufbrodeln unsichtbarer Tcufelsgewalt, um eine große heilige Natur in ihrer schönste», zartesten Lebens- und Himmclsbl >thc zu vernichten. Aus ihrer abgetöneten Seele stiegen dann kleinliche Unmuthsgcdankcn auf, eine kindische Reizbarkeit, alle frühem GvltcSgnadcri zweifelhaft und vc.dächtig machend, blaue Flecke, wie von heftigen Schläge», erschienen an ihrem Leibe, sie konnte oft kein Glied regen vor unmäßigem Schmerz, Tage lang lag sie athemlos da ohne Speise und Trank, baldigen Tod erwartend. Die unpassenden Zuspräche der Priester, die von ihrem Zustande nichts verstanden, fielen wie glühende Kohlen peinigend in ihr tiefstes Herz, und rührten sich daselbst wie ein unheiml ches Gewürm. Sie selbst sagt, alles habe in ihr aufgehört in solchen Zustan den, Sinnliches. Geistiges, Religiöses, sie sey ihr vorgekommen wie eine große, weitgcstrcckte Heive ohne Keim und Lant, ohne Licht und Sonne blick; nur die Ergebung in den göttlichen Willen sey stets uncrschüttcrt geblieben, die ei zige Stütze in der unerhörten Angst, die sich auf Seele und Leib gelegt. Durch solche Prüfung reifte sie zur gebietenden Macht im Vatcrlande, einen neuen Geist zu wecken, und ihn über die Gränzen der Tirvleralpen hinauszuverbreitcn für das Heil der katholischen Kirche. Wie dieß geschehen, davon später. Der Hochwiirdigste Erzbischof von Freivurg über die mltitirchlichei» Wirren dieser Zeit. Wir Hermann von Vicari, durch Gottes Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade, Erzbischof zu Freiburg und Metropolit der oberrheinischen Kirchenprovinz :c. entbieten sämmtlichen Hochwürdigcn Decanen und ihrer gcsainmten Capitclgeistlichkeit Unsern freundlichen Gruß, und Segen und Heil von dem Herrn. Wir leben in einer Zeit der Auflehnung gegen Alles, was von Alters her bestanden. Die umstürzenden St.ebungcn wenden sich unter Andcrm auch gcg n unsere heilige Religion. Es ist bekannt, welche Angüsse in unsern Tagen auf die Fundamente des Christenthums gemacht worden sind, und noch gemacht werden, namcntlüv, wie emsig Flug- und Tagesl^ätter auf Unglauben, religiösen Leichtsinn und Indiffcrcntismus hinarbeiten, behauptend, daß sie die Interessen der Aufklärung und des zeitgemäßen Fortschrittes vertreten. Vornehmlich aber ist cS die katholische Kirche, welche den umwühlenden Angüssen der Zeit ausgesetzt ist. Wie anders? Könnte diese große, eng vereinte und aller wühlerischen Tendenz der ewig wechselnden Tagesweisheit unzugängliche Macht gebrochen weiden, so hätte die Willkür dcc Meinung» den Sieg; eine ewige, unwandelbare Wahrhit stünde überall nicht in der Welt da, und Jeder möchte eS mit seinem Glauben halten, wie eS ihm gefiele. Um daher unsere heilige Kirche, diese Grundfeste der Wahrheit, um ihr Ansehen zu bringen, wcrden da und dort die grössten Verleumdungen gegen ihre Lehren und Institutionen ausgestreut, und wie > achvrücktich man diese Veileumdungen auch zurückweise, dieselben werden mit der gleichen Frechheit in derselben oder in eine, andern Gestalt wiederholt. Manchmal werden anch bloß Nebensachen und Äußendinge angegriffen. Aber je ungewichtigcr diese Angriffe an und für sich sei.st scheine», desto mehr sind sie für jene Menge der Obelfläch- lichen und Unwissenden berechnet, die in ihren Urtheilen über Religion und Kirchenthum keinen a dern Maaßstab haben, als eben diese Außendinge u»v Nebensachen, und dcuo willkommener sind sie jenen Sündenlüsterncn und Sünvcnbcfleckten, welche in ihrer Lüsternheit und Verkommenheit begierig nach Allem greifen, was sie von jenem Glauben befreien zu können scheint, der sie beunruhigt und hindert. Wenn die eben erwähnten Anstrcbungcn gegen positives Christenthum und katholische Kirche erfolglose Bemühungen Wären, so könnten Wir, wenn auch betrübt über dieselben, doch Uns anderseits freuen, weil sie Uns zeigten, wie wohl unterrichtet, und wie fest in ihrer christkathvlischen Ueberzeugung unsere Gläubigen seyen. Allein jene feindseligen Anstre bringen sind nichts weniger, als wirkungslos geblieben. Hier und dort sind E nigc bereits vom katholischen Glauben abgefallen; Andere sind nahe venan, das Gleiche zu thun; und wie viele Tausende seyn mögcn, welche in ihrem Herzen unruhig sind, zwcifUn, schwanken, oder wohl s.lbst schon entschieden sich vom positiven und katholischen Glauben abgewendet haben, weiß allein Gott. Ansehnlich ist deren Zahl unzweifelhaft, denn der Verführer ist selbst in die niederen Classen der Gesellschaft gedrungen. Wir leben in einer bedeutungsvollen Zeit. . Was UnS aber aus Allem, was vor Unsern Augen vorgeht, klar einleuchten muß, ist ein Zweifaches. Das Erste ist, daß sich vielfach in den mittleren Ul d se bsi in den höheren Ständen große Mangclhaftigkcit der ch.istlatho.ischcn Erkenntniß, und im Gefolge dieser Mangelhaftigkeit vornehme Mißachtung theils des positiven Christenthums, theils der katholischen Kirche zu Tage legt. Wir erkennen daraus, daß daö, was bisher für christkatho- lifchcn Unterricht und chnstkathvlische Erziehung geschehen ist, vielfach nicht zureiche, und daß die Zahl derjenigen, welche von jeder ohrcnkizelnden Oberflächlichkeit fortgciisscn, oder im Verlauf ihres Le/ens sich ihre eigene Religion zusammcn'ctzen, so groß sey, als sie cS wohl bei einem gründlichen Religionsunterricht, und bei einer schon früh gepflegten Einpflanzung der heiligen Wahrheiten in taS Herz unmöglich seyn könnte. Wir erkennen aber eben darum weiter, welche Anforcc-ungcn unsere Zeit in Ansehung des Unterrichts und der Erziehung in der katholischen Religion dringend an Jeden stelle, welcher von der Kirche eine Seelsorgc empsangen und übernommen hat. Wahrlich, eine Thätigkeit, wie sie vielleicht ehedem hinreichen mochte, genügt den Betiufnissen der Gegenwart nicht, und insbesondere die Jugend muß gründlich und vollständig unterrichtet, dann aber (was die Hauptsache ist) in die Liebe ihrer Religion und Kirche eingeweiht werden, wenn sie den Verführungen unserer Zeit gewachsen seyn soll. Namentlich hat eine Ueberzeugung, die nicht auch zugleich im Herzen wurzelt, keine Gewähr für ihre Treue. Das Andere, was UnS einleuchten muß, ist dieses, daß wir zwar in Zeiten großer Anfeindungen und Gefahren leben, daß diese Anseindungcn und Gefahren aber von der göttlichen Vorsehung in keiner andern Absicht z gelassen s yn können, als damit der Glaube unter uns an Licht, Lebendigkeit und Kraft gewinne. Es müssen Aergernisse seyn, es messen Prüfungen kommen: aber wenn wir sie getreu benutzen, so können sie der Wahrheit und Gottseligkeit nur förderlich seyn: die Unwissenden werden belehrt, die Irrenden zurechtgebracht, die Schwankenden aufgerichtet, und die Gläubigen befestiget werden. Groß aber, corwürdige B üder! erscheint nun die Aufgabe, welche uns von der Zeit, in der wir leben, oder viel »ehr, welche uns von Jeius Christus und seiner Kirche in dieser unserer Zeit zugeschicden ist. Der heilige Geist, der Leuer der Kirche Christi, hat diese Trübsale kommen lassen. Was er mit denselben will, ist, daß sie Allen und jedem Einzelnen zu seinem Besten erreichen; aber uns liegt cS ob, seinen Führungen und Gnaden mitzuwirken, und der Sache des Glaubens den nahe gelegten neuen Aufschwung zu geben. Wir drücken euch daher, ehrwürdige Brüder! ein nnbcgränztcs Vertrauen auf cucrn von der Gegenwart gebieterisch geforderten scelsorglichen Eifer aus, und sind überzeugt, daß ihr alle euere Kräfte aufbieten weidet, um Irrende zur Wahrheit zu führen, Unw ssende zu belehren, Wankende im Glauben zu befestigen, und überhaupt keine Seele, welche dem Glauben erhalten werden kann, verloren gehen zn lassen. Vorzüglich aber eunahnen Wir euch, und geben euch als euere beson- dere Hirtenvflicht auf, daß ihr nicht nur im katcchetischen Unter- richt, sondern auch in den Predigten jene Wahrheiten sorgfältig erkläret und begründet, welche von den Gegnern unserer heiligen Religion vornehmlich cmgcsocht n werden. Dahin rechnen Wir die Lehren von der heiligen Schrift und Tradition, als den Quellen der katholischen Wahrheit; von der Erbsünde und der Erldsungs- bedürftigkeit des Menschen; von Jesus Christus, dem wesensgleichen Sohne Gottes und von der Menschwerdung desselben, insbesondere von den groß n praktischen Wahrheiten, welche in der Idee der Menschwerdung enthalten sind; von dem Erlöse,'gSwcrkc und dessen allseitiger Beziehung zu den Bedürfnissen und Nothständen der Menschheit; von der Kirche und ihren wesentlichen Merkmalen, namentlich von ihrer Einigkeit; von dem Primate Pctri und seiner Nachfolger; von der Leitung der Kirche durch den heiligen Geist und ihrer Unfehlbarkeit; von den Sacramenten, besonders von eer Spccialbcicht und dem Opfer der heiligen Messe; von der Unstcrb lichkeit der Seele und der Ewigkeit der Höllcnstrafen u. f. w. Außer diesen Hanptlchren unseres Glaubens bilden einen dringenden Gegenstand eueres genauen Unterrichtes die Lehren von der Bcrebrnng der Heiligen, der Bilder und Reliquien, dann die niannichfachen im katholiften Cultus üblichen Gebräuche, Segnungen n. s. w., endlich die Kirchengebote und deren Nothwendigkeit und Weisheit. Wir wissen wohl, daß der Unterricht über die eben genannten Gegenstände, wenn derselbe zeitgemäß, d. i. überzeugend und herzgewinnend s>yn soll, namhafte Studien und die sorgfältigste Vorbereitung fordert. Allein, wo es sich um die höchst n Güter deS Menschen, und wo es sich um unsterbliche, unserer Obsorge anvertraute Seelen handelt, kann uns keine Mühe zu aroß seyn, und wenigstens dürfen wir uns nicht von der Thätigkeit u" ercr Widersacher übertreffen lassen. Die Ortsbedürinisse sind verschieden ; nnd wir müssen es dem Ermessen der einzelnen Curatcn überlassen, zu beurtheilen, in welchem Umfang unjcie gegcnwäitige Anordnung in ihrem Pastvreilk-cise nusgeführt werden müsse. Aber daß es Gemeinden gcdc, w^ dieselbe überhaupt keine Anwendung finde, müssen w r auf das Bestimmteste verneinen. Ist nämlich der Vcisuchcr (was wir gerne hoffen und glauben) auch nicht bk' zu ihnen gedrungen, so ist es doch für Alle schon an sich theils Heilsani, theils gerade;» nothwendig, über die oben angegebenen Puncte klare nnd gründliche Erkenntniß ;u haben. Hier;» kommt aber, daß man richt wissen kann, wo und wie Dieser und Jener in die Lage gerathen wiid, von seinem Glauben Rcchcn chnft geben zu müssen. Was aber jene Ortschaften betrifft, wo sich Ungläubige, Spoiler und Verächter unserer heiligen Kirche befinden, möge ja kein Seelsorger Unseren oberhirtüchen Auftrag mit der E>n>ede umgehen wollen, daß Diejenigen, welche der Belehrung bedürften, nicht in PeedieU und Christenlehre kommen. Denn einmal gibt eS doch auch Redlichere unter ihnen, die da kommen. Dann auch gibt eS Zweifelnde, Schwankende, Beunruhigte, die sogar nach Untcnicht m.d Beruhigung Sehnsucht haben. Und >v nn die Uebiige» auch nicht zu Uns in die Küche kommen, so kommen wir zu ihnen, d. h. was wie auf dem Prcdigtstuhle und i» der große Wort zu führen, nnd sich als Männer der Weisheit und des Fortschrittes verehren zu lassen. Wie d,m aber auch sey: so wird jedenfalls der verderbende Einfluß, den sie bisher auf Andere g übt, gebrochen. Freilich kommt nun Alles darauf an, daß die von uns anbefohlenen Lehrvortrcige nicht nur klar und überzeugend, sondern auch im Ausdrucke so wohl erwogen und gemessen seyen, daß Niemand — auch der Ung'äubige und Gegner — nicht verletzt werde. Die Hauptsache bleibt immer, die betreffende Lehre, frei von jedem Mißoerständniß und jeder Entstellung, so zu fassen, wie sie von der katholischen Kirche vorgetragen wird. Sehr häufig gehen die Angriffe der Gegner bloß auf angebliche, nie aber von der Kirche aufgestellte Behanptnngcn, und ihre Angriffe zerfallen sogleich in Nichts, sobald nur die wirkliche Kirchenlehre aufgestellt wird. Nächst der richtigen Fassung der betreffenden Lehre tändelt es sich um die Beweisgründe. Hier gilt die Regel: nur wenige Beweise aufzustellen, aber triftige, besonders solche, welche jedem schlichten Menschenverstände und jedem unverdorbenen Herzen einleuchten. Nam nt.ich ist gewinnend, was dem Licht, Trost und Frieden suchenden Herzen sich nahe l gt. Unser Verfahren müsse sehr vonugSweise apologetisch seyn. Der Irrthum zerfällt ovn selbst, sobald die entgegenstehende Wahrheit erkannt und geglaubt ist. Und könne» wir es nickt durchaus vermeiden, den Irrthum auch dircct abzugreifen so müsse es der Irrthum seyn, gegen den wir mit Strenge auftreten, mcht der Irrende, den wir gerne mit Milde beurtheilen und behandeln. Harte und schneidende Worte, so gerecht sie auch au sich scheinen möchten, schaff n nie Gutes, sondern erbittern und vergrößern die Spaltung. Zwar gebühren harte Worte dem Verstockten; ab.'r noch denken Wir nicht an Verstockte, sondern an Solche, deren Seelen Wir suchen, und denen Wir liebend und sanftmüthig nachg hcn. Wenn es dann endlich sich darum handeln sollte, die Sprache zu führen, welch." den Lnstocktcn gegenüb.r sich ziemt, so kommt eö nicht den einzelnen Curatcn zu. sich diese Sprache anzumaßen, weil es nicht ihnen zukommt, Jemand für verstockt zu erklären. Das Urtheil hierüber gebührt allein der Kirche. Matth. l6, 17. Bewahren Wir d.cher die Worte des Apostels, da er schreibt: „Ein Knecht des Herrn soll mit Milde zurechtweisen die, welche der Wahrheit widerstreben: vielleicht, daß Gott ihnen Buße verleiht, die Wahrheit zu ei kennen, und sie wieder ciuö der Schlinge des Teufels zu sich kommen, von welcher sie gefangen gehalten werden nach seinem Willen." 2 Tim. 2. 25. 26. Und: .Ich beschwöre dich vor Gott und Jesu Christo, der die Lcbendigen und die Todten richten wird zur Zeit seiner Wiederkunft und seines Reiches: Predige das Wort, hciltc an damit, eS sey gelegen oder ungelegen, überweise, bitte, streife — in aller Geduld und Lehrweisheit" K. 4, Die Gnade Gottes sey mit Uns Allen! Hermann, Erzbischof von Freiburg. 1. 2. Bayern. Oggersheim, 24. April. Die feierliche Eröffnung des Frnncisca »cr - Minoriten - Klv st c r s ist nunmehr ganz Chiistcnlehic vortragen, geht in die Gemeinde aus, wird in dieser bestimmt ciuf den 3. Mai, auf das F.st der Kreu;crfiudung besprochen, nnd dringt unfehlbar auch ;u den Ohren Dcjenigen, festgesetzt. Es wird eine große Volksmenge zu diesem in der welche nichts von unserem Worte wollten. Ja. hier nnd dort Pf.ilz ungewöhnlichen gestc zusammenkommen. Wir haben eine halb- trilt, bewaffnet mit der Wahrheit, die wir verkünd.t haben, em hun ertjahrige Trockene unv religiöse Düerc in der Pfalz gehabt, Gegner wider di Unwissenheit, Seichligkcit und Fe.chhcit bcrjeni- und uu erem crleuchtetcn und frommen König war eS vorbehalten gen sieghaft auf, die bisher gewohnt waren, unangefochten das drser Zeit ein Ende zu machen, (jlaih.) Verantwortlicher Nedattcur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber : F. C. Krem er.