Äki >>udlä ^ ^I,,"»^'« cllüä >.iStt ichi'-i-Z -lu ? » » ^^»S- ' D-ii., der «, AugSvurger Pystzeitung. Erste Jahreshälfte. M SÄ. K Juni 1845. ^_-^----^^^ * Vor einem Marienbild. Mein Aug', o Jungfrau, gleitet Nicht ab von Deinem Bild, Das sich im Schauen weitet Zum herrlichsten Gefild. Da wogt vor meinen Blicken Grün Saalland, grünes Meer, Und Berg' und Thal, und Brücken Ob wilden Strömen her. Darüber blinkt und blauet Dein reiches Sterngewand; Aus seinem Schimmer thauet Dein Segen auf das Land. Du bist es, die am Morgen Mit Sonnenpracht ersteht, Und lauschet, wo verborgen Aufduftet ein Gebet. Da gehest Du verkleidet, Jungfräuliche Gestalt, Und wo die Menschheit leidet, Da hilfst Du mannichsalt. Du stehst in armer Kammer Und gibst den Kindern Brod, Indeß der Mutter Janiirer Im Kirchlein klagt die Noth. Dann sicht imin Aug', wie sinnig Die Herzen Du beschirmst, Und Mauern, tausendzinnig, Zum Schutz der Unschuld thürmst; Siebt, wie Du Frevler schreckest Durch reiner Wangcn Glühn, Wie Schwachheit, die Du deckest, Zur Riesin wird und kühn! Sicht, wie Du licht auf Meeren Umwandelst in dcr Nacht, Nachhilfe zu bcscheeren Gen Sturm und Wellenmacht; Sicht, wie die Schlachtstandartcn Des Guten siegreich weh'n, Wenn die darum-Geschaarten Um Deine Hilfe fleh'n! O Königin, nicht endet Dcr Wunder Prachtgefilv; DaS Auge, unverwendet, Erschaut es in Deinem Bild'! — So breitet sich mein Leben Vor meinen innern Sinn, Und durch das Ganze wcbcn Sich Deine Wundcr hin. Des Schwachen, dcr erlegen, Gedachtest Du beim Herrn, Und warst nun allerwegen Mir Licht und Rettungöslern. Du hast mich «»fgcrichlct, War ich zum Fall verirrt, Du hast das Netz geschlichtet, In daS ich mich verwirrt. Auf wundersamen Steigen Führst Tu mich himmelwärts! So nimm es denn zu eigen Dieß gnadbcthaute Herz; Mit Blüthcnhuldigungen Umdust' es Deine Brust: Du hast es abgerungen Der Welt und ihrer Lust! — OV auch die Hände sanken. Ob auch die Lippe schweigt Dieß innerliche Danken Du hörest es geneigt. Keine Perle rollet nieder Am Paternoster - Ring, Doch manche hin und wieder, Die an der Wimper hing. ^ H 5 Carl Thuina. Leihbibliotheken. (Nathanacl.) Im Mittclaltcr, wenn irgendwo eine ansteckende Krankheit cmsbrach und Tausende wegraffte, erhob sich wohl oft das Geschrei: die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Natürlich wurde dadurch die grimmige Wuth des unwissenden Pöbels gegen diese armen Leute erregt; sie wurden verfolgt, vertrieben und schmählich mißhandelt. Allerdings war dieses sehr abscheulich und muß jeden wahrhaften Menschenfreund tief betrüben. Doch in unserer aufgeklärten und nach Fortschritt jagenden Zeit ist es ganz anders geworden. Wir haben jetzt wirklich vergiftete Brunnen, die zwar kein materielles Wasser enthalten und den leiblichen Durst nicht stillen können, die aber desto mehr die Dürre des Geistes laben und erquicken sollen. Und, o du Verkehrtheit! anstatt solche Giftbchältcr unter Schloß und Nicgcl zu legen und Jeden davon fern zu halte», wird ungestraft Jcdermänniglich mit süßen und einschmeichelnden Worten eingeladen, daß er doch schöpfen möge von dem Wasser, welches alle Schlacken der GcistcSfinsterniß wegschwemmen und den rechten Werth und Genuß des Lebens lehren soll. Die Wasserträger, welche immersort emsig und fleißig neuen Vorrath den Lüsternen zuführen, werden reichlich mit Lob und Geld bezahlt, und gerade dann ist ihr Lohn am größten, wenn sie recht schlammiges und faules Wasser herbeischaffen. Die lüsternen, welche wir hier meinen, sind unsere gewöhnlichen Leihbibliotheken, uud das faule, vergiftende Wasser, das sie enthalten, sind die verderblichen Bücher, welche in denselben zum Gebrauche aller Welt aufgestellt sind, welche aber, wenn man nach ihrem wahren Werthe mit ihnen verfahren wollte, in das F>uer gcwor-! fen oder unter die Stampfe des Papierfabricanten gebracht werden ^ müßten. Denn sehen wir uns dort einmal etwas näher um, was finden wir zumeist? Zuerst eine ganze Reihe von herzbrechenden und schaudererregenden Räuber- und Mordgeschichten, die ihren Helden mit seineu Lastern und Verbrechen nicht als nncn Gegenstand der Verachtung und deö AbschcueS darstellen, sondern für denselben, wenn nicht gar Bewunderung, doch wenigstens Mitleiden bei den Lesern erregen wollen. Sein lasterhaftes Leben soll ost nur die Folge eines ihn unerbittlich verfolgenden, unabwcnd- baren Schicksals seyn und nicht aus seiner sittlichen Verkommenheit entspringen. — Neben diesen finden wir die zahl- und maßlosen LicbcSgcschichtcn. Welche Liibe wird hierin geschildert? Etwa die reine, christliche Liebe, welche die einzig feste und wahre Grundlage einer glücklichen Ehe ist? Nimmermehr! Das wäre zu prosaisch und alltäglich, uud würde wenig Effect machen und wenig Anklang finden. Es spielt in diesen Schriften jene sinnliche, lcircnschaftlichc, lüsterne Liebe ihre Rolle, welche die größten und gröbsten Ausschweifungen zur Folge hat und eheliches uud Familien- Glück zertrümmert, den Frieden uud die Ruhe so vieler Herzen raubt. Die Liebe wird darin dargestellt nicht als auf wahrem Werth der geliebten Personen beruhend, nein! sie entsteht ganz anders, ganz abgesehen von dem; bald sind es blaue, bald schmachtende, bald feurige Augen, bald blonde, bald schwarze Haare, bald blühende, bald bleiche Wangen, welche den Helden des Stückes fesseln, entzücken und bezaubern, wodurch denn gleich ein Liebesverhältniß angeknüpft wird. Dabei darf es nun an Hindernissen, die zu überwinden, an Intriguen, die anzuspinnen sind, nicht fehlen; das Ganze endet mit einer Heirath, oder mit einer heroischen Entsagung und mit einem in dürren Worten gerechtfertigten Selbstmorde. In das Ganze wird gewöhnlich so viel Wonniges, Seliges, Gemüthliches, Ueberschwänglicheö, Mildig- lichcs, Thränenthauiges, Mondschimmerigcs, Blumcnäugigcs, Wun- dcrliebliches und Herzergreifendes eingeflochten, daß Verführung und Ehebruch cutschuldigt erscheinen. Zuweilen werden auch christliche Ideen eingemengt und kirchliche Anordnungen und Institute besprochen, aber durchgchcndS nur in der Absicht, sie mit Spott und Hohn zu begeifern und zu besudeln. Auch nur eiu flüchtiger Blick in die Schriften von Balzac, George Sand, Victor Hugo, Heine und dem geistreich seyn sollenden Eugene Sue u. s w. beweiset hinlänglich, daß wir die Farben nicht zu stark aufgetragen haben. Doch setzen wir unsere Musterung fort! Seht da, in einer dunkeln und dem wachsamen Auge der Polizei verborgenen Ecke finden wir einen nagelneuen Bücherstapel, der einstweilen zwar noch klein, aber doch für künftigen Zuwachs passend eingerichtet ist. Hier hat man vorsichtig die ganze Familie deö jungen Deutschlands und der frischen Hcgelinge versammelt; hier wird jedem Liebhaber die ganze Masse des commnnistischcn, frcihcit- schwindelndcn, Gott unv die Unsterblichkeit läugnendcn Unsinnes von Prutz, Hcrwegh, Beck u. s. w. zur gefällige» Abnahme dargeboten, und dabei wird großprcchlerisch in alle Welt hincingcru- fen: Durch diese Schriften muß dem Zcitgeiste eine neue Bahn gebrochen und allseitiger Fortschritt befördert werden! Dieser Fortschritt ist aber eigentlich, bei Lichte besehen, nichts Anderes, als Rückschritt zum Heideiithume und Emancipation des Fleisches. — Hiermit ist ein kleiner Theil der Schätze angegeben, in deren Besitze eine Leihbibliothek, die sich in unserer Zeit rcutiren soll, seyn muß. Wenn man nun bedenkt, daß Jeder sür einige Pfennige mit diesen sauberen Gütern sich bereichern kann, so muß die Entrüstung und der Unwille über diesen Unfug bis auf den höchsten Grad gesteigert werden. Jung und Alt, Jungfrauen und Jünglinge, Herrschaften und Dienstboten bringen schaarcnwcise mit Freuden das kleine Opfer dar, wofür sie sich Tage lang einen so köstlichen und großartigen Genuß nach ihrer Mcinung verschaffen können. Jede freie Zeit, ja, sogar manche halbe Nacht, wird ohne Beschwerde dazu verwandt, um die immer stärker werdende Lcsesucht mit solchen schlechten Büchern befriedigen zu können. Das so in die Herzen ausgestreute Uulraut sproßt bald zur bösen Saat auf und bringt die verderblichste Frucht. Unzufriedenheit mit seinen Verhältnissen, krankhafte Empfindclei und gefährliche Liebeleien sind die gewöhnlichen Folgen einer maßlosen Noman- lescrei. Immer in clysäischcn Auen, Wäldern uud Thälern schwebend, Wo sanfte Zephyre mit einander kosen und göttergleiche Gestalten auf- und nicdcrsteigen, kann man sich unmöglich mehr zurecht finden in der rauhen, kalten Wirklichkeit des täglichen Lebens. Besonders werden jüngere Leute durch das zu viele Lesen zu einer Ueberschwänglichkeit des Gefühles gebracht, wodurch sie zu allen Beschäftigungen, welche Ernst und Ausdauer erfordern, untauglich sind. Sie suchen oft unwillkürlich das, was sie gelesen haben, nachzumachen im Leben. Aehnlich den Helden und Heldinnen irgend eines Romanes, der ihnen gerade in die Hand gekommen ist, knüpfen sie an und setzen sie fort ihre auf Acußcrlichkeit beruhenden Bekanntschaften. So weiß sowohl die feinste Weltdame als auch das geringste Dienstmädchen ganz vortrefflich einen Roman zu spielen. Die sittlichen Grundsätze, die christliche Gesinnung und die Festigkeit des Charakters verschwinden allmälich. Und das Ende von All, in ist körperliche und geistige Erschlaffung, Verführung, eine unglückliche Ehe, Zerrissenheit und Zwietracht in den Familien. Dieß genüge. Bei dem Anblicke so vieler schlimmen Wirkungen der gewöhnlichen Leihbibliotheken ist man stark versucht, ein dreimaliges Wehe über solche Giftverbreitungs-Anstalten auszurufen. Doch damit wäre wenig oder gar nichts geholfen. Man muß vielmehr auf Mittel und Wege sinnen, wie diesem Uebel am besten und kräftigsten entgegen zu arbeiten sey. Ein gänzliches Verbot solcher Institute würde nichts fruchten; der industrielle und speculative Geist unserer Buchhändler würde bald geheime Winkelbibliotheken errichten, und gerade dieser Umstand wäre gar zu reizend für das lesende Publicum; wir haben ja Achnliches erlebt mit den polizeilich verbotenen Büchern. Es gibt hier keinen andern Ausweg, als die Errichtung neuer Bibliotheken, welche nur gute, nützliche, christliche Bücher enthalten. Dieses ist auch in der neuesten Zeit dringend von den höchsten Behörden Den Gemeindevorstehern und Geistlichen anempfohlen worden. Auf dem Lande wären am besten Gcmcindebibliothekcu und in den größeren Städten Pfarrbiblivthe- ken einzurichten. Als s.hr praktisch hat sich bewährt auf dem Lande die Verbindung der Missions-Vereine mit den Gemeinde- Bibliotheken. Denn mit den Jahrbüchern der Missivnsgesellschaft ist schon der Anfang zu einer Büchcrsammlung gemacht; dadurch bekommen die Landleute überhaupt Freude am Lesen; sie wollen sich auch nun mit anderen Büchern bekannt machen. Und dieses ist Grund genug, ihnen die für ihre Verhältnisse und ihre Bildungsstufe passenden nützlichen Schriften in die Hanv zu geben. In den Städten wird die Sache viel schwieriger durch die große Verschiedenheit des lesenden Pnblicums, sowohl in Hinsicht auf Bildung, als auch auf äußere LebcnSverhältnissc. Hier sey man gar nicht zu ängstlich bei der Auswahl der Bücher; d. h., um Mißverständnis; zu vermeiden: im Ansänge sey Grundsatz, recht viele angenehm und anziehend unterhaltende Bücher anzuschaffen. Und auf diese Weise bereite man die Leser vor auf ernste, wahrhaft christliche und nützliche Lcctürc. Um mit den vorhandenen schlechte» Leihbibliotheken concurriren zu können, muß der zu zahlende Beitrag möglichst niedrig gestellt werden. Sehr wünschenswert!) wäre es, wenn den UnbcmiticUen nach Umständen umsonst die Bücher geliehen werden könnten. Die Leitung und Beaufsichtigung des Ganzen kann am besten die Pfarrgeistlichkcit besorgen; sie weiß am sichersten Jedem das für ihn passende Buch auszuwählen, und sie wird auch gern sich dieser Mühe unterziehen. Hätten wir doch einmal überall derartige Gemeinde- und Pfarr- Vibliothcken, welch ein reicher Segen würde sich von hieraus verbreiten! Nicht nur würde der Einfluß unserer jetzigen Leihbibliotheken mehr und mehr unschädlich gemacht, sondern sie würden gar nicht mehr bestehen können, jeder ordentliche Mann würde sich schämen und es unter seiner Würde halten, dieselben noch ferner zu benutzen, und wahre Aufüäruug und rechter Fortschritt im christlichen Sinne würde aller Orten immer mehr verbreitet werden. Und zu diesem Zwecke darf kein Opfer uns zu groß seyn. - Die Jndenemancipativn in der Nheinprovinz. (Kalhvlik.) ' Der rheinische Landtag zu Koblenz hat sich für die Juden- Emancipation ausgesprochen. Es ist über diesen Gegenstand, sowohl dort als anderswo, schon so Vieles und so Vielerlei gesprochen, daß man schwerlich etwas hinzusetzen kann, was nicht irgendwo wenigstens schon angedeutet wäre. Es geschieht aber oft, daß durch die Menge der vorgebrachten Gründe der einzelne Grund seine volle Kraft und Bedeutung verliert, und der Gegner dann aus der Gesammtheit nur dasjenige hervorhebt und bekämpft, was er eben mit Fug und Grund angreifen kann; und dann weiß Jeder, was für Wendungen es gibt, um mit Einzelheiten, wenn es auch nur Nebendinge sind, sogleich das Ganze zu verdächtigen. Darum wollen wir, absehend von einer ausführlichen Erörterung der betreffenden Landtags-Verhandlungen, hier nur einen einzigen Punct herausnehmen, der, wie uns dünkt, gewiß eine größere Berücksichtigung gefunden haben würde, wenn ein Landtagemitglicd ihn ganz isolirt, wie sein Einziges und sein Alles, aufgestellt und immer aufs Neue vorgerückt hätte, etwa in der Catonischen Weise: k5zo autvm eensvo. Es ist aber der Inhalt dieses Lc.'N8v» nichts anderes, als: „Ich meine, das Volk will die Judcu- Emancipation nicht!" Der rheinische Landtag hat bei verschiedenen Gelegenheiten mit den freimüthigsten Ausdrücken und mit begeisterter Gewißheit seine Stellung als eine Vertretung des Volkes, seine Stimme als die Stimmung des Volkes, sein Amt als Beauftragung von Seiten des Voltes bezeichnet, und darauf sein Verhältniß zur Regierung und seine Würdigung begründet wissen wollen. Es ist auch gewiß, daß er, sowohl jetzt als früher, in vielen, ja in den meisten Schritten jene Sendung des Volkes erfüllt, wie ihm andererseits dafür das Volt die begeistertste Anerkennung gezollt hat. Aber in Betreff der Judcncmancipation sage ich, und werde immer sagen: sie ist nicht der Wille, nicht der Wunsch des Volkes. Das mit Worten zu beweisen, ist ungenügend und übe, flüssig. Mir dünkt auch, jeder Mensch, ja der Jude selbst, weiß es, was das Volk über den Juden denkt, wie es über ihn spricht, wie es mit ihm verkehrt. Aber es sind doch so viele Petitionen eingelaufen, welche die Judcncmancipation dnn Landtage an'S Herz legten! Für'S Erste Kommen dergleichen Petitionen zunächst aus größeren Städten; m ! diesen aber ist, wie Jeder weiß, Handel und baares Geld der 'HauptlcbcnSncro; und damit kann der Jude dienen, und sich be- i deutend ja unentbehrlich machen, und sich Stimmen sammeln. Die reichsten Häuser iu größeren Städten sind vielfach Juden; sie /treten mit den christlichen Matadors in ein Elikettenveihältniß, ^ geben wechselseitig Thee'S und Actien, und stehen in den familiärsten Beziehungen zu den Landtagsmitgliedern, welche die Stadt entsendet. Ferner verliebn in größeren Städten die Juden all- mälig von selbst, wenigstens scheinbar, ihr Jüdisches; die vielen öffentlichen, für Jedermann freistehenden Zusammenkünfte gleichen aus, zumal, da darin von religiös Sittlichem wenig die Rede ist, und ein religiöser JndiffcrentismuS unter dem Namen Toleranz zum guien Tone gehört. Endlich aber weiß man auch, wie es gewöhnlich mit den Petitionen hergeht; sie werden veranlaßt durch gewisse Hauptsprccher, die bei jeder Gelegenheit etwas gelten wollen, und doch meist gerade am wenigsten gelten sollten, sicherlich nicht fähig und befugt sind, den Kern des Volkes zu repräscntiren. Ich bin fest überzeugt, daß in den meisten Städten, die um Judenemancipativn petilivuirt haben, der große Mittelstand, das ist: einerseits der wahre Kern des Volkes und andererseits derjenige Stand, der am meisten von den Juden zu leiden >hat, das gerade Gegentheil, vielleicht wohl geradezu Schutz gegen die Juden petilioniren würde, wenn man ihn darnach fragte. In Köln gibt cS die Hülle und Fülle von Jndiffcrenti- sten, und gleichfalls die Fülle von Abend-Sprechern und allge- meinen Humanitätsgcistern, ja solche, die vor lauter Humanität nach inhumanen — weil unerhörten — Namen für ihre neugeborenen Kinder suchen; wer euch aber sagt, in Köln sey die allgemeine Stimmung für Judenemancipation, dem saget geradezu, er kenne Köln nicht, oder er lüge. Handwerker und redlich strebende Kaufleute des Mittelstandes rufen einstimmig: „Schützet uns vor den Juden!" Wenn nun auch wir mit einstimmen in diesen Ruf, so wollen wir doch damit durchaus nicht einen Judenverfolger abgeben, verlangen nicht, das; irgend ein positiver Druck auf ihnen laste, oder gar neue Lasten auf sie gelegt werden, sondern meinen es im Grunde gewiß redlicher mit ihnen, als diejenigen, welche ihnen die sogenannte Emancipation aufbürden wollen. Ein ächter Jude wird dieselbe gar nicht einmal wünschen können; er muß sich dem Juden in Rußland näher fühlen, als dem christlichen Deutschen, wenn er nicht seine heiligste religiöse Hoffnung wegwerfen will; und er kann in Wahrheit nicht die gesammten christlichen Rechte annehmen, wenn er nicht zugleich die gesammten christlich-bürgerlichen Pflichten übernehmen will; und das darf er nicht, da seine religiöse» Pflichten (man nehme nur die Feier des Sabbats und anderer Feste) damit nicht in Einklang stehen Frankreich. In Frankreich halten sowohl die Calviner als die augsburgische Konfession jährlich ihre Conferenzcn. Sie sollten dienen zur Erhaltung und Belebung der Religion, zur Verbesserung der Disciplin. Auf der dicßjährigen Konferenz zu Paris wurde beantragt, eine N-ationalsynode zu bilden, von ihr das Heil zu erwarten. Gegen diesen Antrag sprachen aber gerade die zwei einflußreichsten Geistlichen des Pariser Consistoriums, Monod und Cuvier, und zwar in einer Weise, daß die Auflösung und Zerrüttung des Protestantismus offen eingestanden wird. Hr. Cuvier sprach seine Meinung dahin aus, Synodalversammlungen wären unter den gegenwärtigen Verhältnissen unwirksam, ja unmöglich, nicht als würde er die Nothwendigkeit der Einheit und der kirchlichen Gewalt nicht anerkennen, sondern deßhalb, weil bei dem in der reformirten Kirche herrschenden Geist nicht zu hoffen sey, daß Synoden diesem Bedürfniß Abhilfe leisten könnten. „Dieser Geist hat sich mit dem, was Gesetz der Kirche ist, in einen geraden Gegensatz gestellt; ein solches Kirchcngcsctz ist das kirchliche Glaubensbckcnntniß und die Kirchcndisciplin. Die Synoden hätten also die Aufgabe, für Aufrechthaltung, Anwendung und Vollziehung dieses Gesetzes zu wachen. Was würden sie aber in der Wirklichkeit leisten? Es ist vorzusehen, daß sie selbst das Beispiel des Ungehorsams gäben, und mit dem eigenen Gesetz in Widerstreit gcricthcn. Gesetzt aber auch, daß sie dieß nicht thäten, daß sie vielmehr an dem Symbolum und an der Disciplin festhielten, was ist von einer Kirche zu erwarten, in der sich jeder berechtigt glaubt, zu thun was ihm gefällt, in der man Worte hört, wie sie in dieser Versammlung selbst sind ausgesprochen worden: „„Wenn die Synode etwas verordnete, was meiner Ueberzeugung entgegen wäre, so würde ich ihr nicht gehorchen;"" in welcher die Grundsätze der Ordnung, der Einheit und Subordination gänzlich abhanden gekommen sind. Wir haben beim Eintritt in den Dienst der Kirche unsere Freiheit an die Kirche abgetreten, wir sind Organe unserer Kirche und sollen nicht nach unserm Gutsindcn sprechen und handeln, sondern nach dem, was die Kirche als wahr bekennt, was wir bei Uebernahme unseres Berufes selbst als wahr anerkannt haben. Die Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen. Kirche soll sich nicht nach uns, sondern wir uns nach der Kirche richten." — Cuvier findet unter den obwaltenden Verhältnissen die Synoden unzureichend, sie würden ein klägliches Schauspiel darbieten. Die reformirten Kirchen bedürften eine bleibende Autorität zur Ucbcrwachung der Pastoren und Consistoricn, zur Erhaltung der Einheit in der Lehre, Disciplin und Administration — das einzige Mittel zur Beseitigung der Uebel, an denen die refor- mirte Kirche jetzt leidet und die Jedem in die Augen springen. Diese Sprache lautet so ziemlich katholisch; eine solche Kirche oder Kirchengewalt, wie sie Cuvier, der tief in die Gebrechen der reformirten Kirche blickt, als nothwendig erkennt, müßte eben jene Attribute haben, welche die katholische Kirchengewalt hat. Deutschland. In dem mehrfach erwähnten Proteste jener Scctirer in Berlin, welchen das Leipziger Glaubcnsbekcnntniß doch zu glaubensleer geworden ist, heißt es unter anderm: Wir Protestiren gegen das von den hiesigen Scparirten angenommene Leipziger Concil-Symbol. Wir würden mit dem ersten Artikel dieses Glaubensbekenntnisses einverstanden seyn, wenn wir im zweiten „den Sohn" fänden, ohne welchen man nimmer in Wahrheit den Vater hab- n kann (Ev. Joh. 5,23. 14. 6. 1 Joh. 2,23), so aber weiß der zweite Artikel von Jesu Christo nichts weiter zu bekennen, als daß er — leer und dürr gesagt— „unser Heiland" sey. Es ist damit freilich ein großer Hut gegeben, unter den auch die verschiedenartigsten Köpfe gesammelt werden können; was aber nützt die äußerliche Sammlung einer Vclheit von Köpfen, wo keine Einheit der Herzen ist in Einem Glauben, Einer Liebe, Einer Hoffnung? Konnte man in den Artikel von Gott Vater näher Bestimmendes einfügen, bei dem Artikel von Jesu Christo mußte man es, mußte es schon deßhalb, weil gerade hier die scharfe G>-änzschcide steht, wo Christenthum, Juden- thum und Hcidenthum, wo Glaube und Unglaube aus einander gehen. Ein Stillschweigen an dieser Stelle in einem christl. Glaubensbekenntniß ist, gclind gesagt, eine Schwäche, die einer sich neu bildenden christl. Kirche zu ewiger Schmach gereichen muß. Wir müssen diese Schmach von uns tilgen! Was soll die übrige Christenheit von uns halten, wenn wir im Bekennen dessen, nach dem wir uns „Christen" nennen, so sparsam, so wortkarg sind? Wovon das Herz voll ist, muß der Mund übergehen. Wir sind Familienväter; wer sichert unsern Kindern die heilsame Unterweisung in all' den heiligen Wahrheiten, für deren jede das köstliche Blut unzähliger Märtyrer geflossen ist ? Was in dem Bekenntniß der Gemeinde nicht steht, braucht weder von der Gemeinde, noch von ihrem künftigen Geistlichen bekannt zu werden. Wir fragen; man antworte uns, man antworte sich selber! Wo blcibtdie Gottheit Jesu Christi, wenn man verschweigt, was aller wahren Christen Zungen je und je bekannt haben und bekennen werden bis an'S Ende der Welt, daß Jesus Christus sey „ Gottes eingeborener Sohn, unser Herr, der empfangen ist von dem H.Geist" und „geboren von der Jungfrau Maria?" Wo bleiben die geschichtlichen Thatsachen unserer Erlösung durch Christum, die ewigen Fundamente unseres christl. Glaubens an Versöhnung mit Gott, Frieden des Gewissens, Kraft, Mull), Freudigkeit im Leben, Leiden und Sterben, wenn unser Bekenntniß verschweigt, daß Jesus Christus „gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zur Unterwelt, am dritten Tage auferstanden von den Todten, und, aufgefahren gen Himmel, zur rechten Hand Gottes sitzt, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten?' Verschweigen wir das, so verschweigen wir auch, daß wir Christen sind, so ist es auch von gar keiner Bedeutung mehr, ob wir im dritten Artikel unsern Glauben an „d en hl. Geist' bekennen oder nicht. ",,,.^>' Verlags-Inhaber ? F. E. Krem er.