wahren sie auch, daß Gott selbst mit ihnen ist, und sie fühlen es an der Zunahme des Lichtes und der Wärme, die in ihren Seelen sich ausdehnt. Es ist darum nicht ohne Interesse, einen Blick auf Das zu werfen, was der Verein zur Verbreitung des Glaubens in unserem eigenen Innern wirkt und wir wollen dabei weniger das Werk selbst loben, als unsern Eifer neu zu erwärmen suchen. Der Glaube ist das erste Bedürfniß der Seele und da cS keine Tugend gibt, die nothwendiger wäre als er, so ist auch keine mehr bekämpft worden, als eben er. Nicht nur in der gegenwärtigen Zeit, sondern von jeher war cS schwer und hat Mühe und Anstrengung erfordert, Das zu glauben, was den Sinnen nicht schmeichelt und Entbehrungen und Opfer erfordert. Deßhalb hat denn auch die Vorsehung zu allen Zeiten Kirchenlehrer erweckt, um den Glauben in den Schulen und auf den Kanzeln zu vertheidigen. Nicht allein aber das, sondern sie hat auch noch für die große Mehrzahl der Menschen einen so zu sagen handgreiflichen Beweis der Wahrheit, der einen noch tiefern Ein- vruck macht, den Beweis durch Thatsachen und Beispiele aufgestellt. Den Lesern der Jahrbücher der Verbreitung des Glaubens treten in dieser Beziehung zwei verschiedenartige, sehr belehrende Erscheinungen entgegen. Einerseits sehen wir den Irrthum in allen seinen Abstufungen, in seiner gcsammten vollständigen Entwickelung bei jenen großen Völkern, wo er ungestört und unvcr- hüllt auftreten konnte. So sehen wir die Ketzerei in jenen zahlreich bevölkerten Städten der vereinigten Staaten, wo jede Secte, Episkopalen, Presbhtcrianer, Quäker, Wiedertäufer u. f. v. ") ^nnsles cke la propgAütion cle Is loi. Xr. 100. Uebertragung des Katholiken. Nach der / ihren Tempel hat. AndcrwäriS, auf den Trümmern jener alten Städte dcö Morgenlandes, in alter Zeit so berühmt durch ihre großen Bischöfe und Kirchenvcrsammlnngen, gewahre» wir jetzt das Schisma in seiner tiefsten Erniedrigung. An den mcihomc- danischcn Völkern können wir sehen, wie unfruchtbar selbst der Glaubenssatz von der Einheit Gottes wird, wenn er durch den Betrug verdorben und durch ein gesellschaftliches Leben entehrt ist, das auf Gewaltthaten, auf der Sklaverei und Vielweiberei bcrnht. In noch weiterer Ferne von uns ist das Heidcnthum noch Herr und Meister in den schönen Landen von Indien «nd China; cS herrscht dort mit jenem Glänze, der cS einst bei den berühmten Völkern des Alterthums umgab; es hat seine Schule», ciuc Literatur und Künste, die ihm dienen, Gesetze, die cS schützen. Allein untc,r dieser schönen Außenseite verräth sich sein wahrer Geist durch die Menschenopfer und das Hinmordcn neugeborener Kinder. Gehen Wir noch einen Schritt weiter und durchwandern wir die Inselgruppen der Südsee, so finden wir dort bei jenen blutigen Festen, wo der Sieger den Besiegten verzehrt, die menschliche Natur in ihrer tiefsten Herabwürdigung. Denn je mehr der Geist sich verirrt, desto größer wird auch die Uusittlichkeit und Zuchtlosigkeit im Leben, und Gott läßt nicht zu, daß das Böse unter dem Scheue der Lehre allein vciborgen bleibe, sondern er treibt cS auch hinaus iu'S Lcbcu und zwingt cs auf diese Weise, sich beurtheilen zu lasse» nach seinen Werken. Von der cmdcren Seite bietet uns die Wahrheit einen ganz verschiedenen Anblick dar. Jede Mission ist ein Kamps, dessen Zeugen wir sind und das Christenthum findet dort dieselben Feinde wieder, die schon früher cS befehdeten, cS hat alle Arten von Kämpfen zu bestehen. Alle theologischen Streitfragen, welche die Vertheidiger der Kirche schon früher durchgcfochten haben, müssen dort von Neuem erörtert werden, um die ewigen Veränderungen des Protestantismus zu widerlegen, die griechischen Spitzfindigkeiten zu entwirren und die Wolken jener dunkeln philosophischen Weisheit zu zerstreue», iu welche das orientalische Götzcntinim sich hüllt. Handelt cS sich aber um barbarische Völker, wo das Evangelium keine falschen Lehren zu überwinden hat, — welche Anstrengungen sinv nicht da erst nothwendig» nm einzudringen in jene Geister,! die unterdrückt sind durch die Sinnlichkeit, und die unsterbliche. Seele von dem Fleische und Blute zu erlösen, die sie zu ersticken ^ drohen? Eben so gibt cö kein Bnßwcrk, keinen Kampf gegen - die Natur, den früher jene Einsiedler und Mönche bestanden, welche halb Europa bekehrt haben, der nicht auch in dem Helden-^ müthigcn Leben unserer Missionäre sich erneuerte, wenn sie in ihrer freiwilligen Verbannung aus stürmischem Meere, in den Wäldern, rintcr einem tödtlichcn Himmelsstriche und unter klcinmüthigcn Christen umherirre», denen ihre Anwrscnheit mitten unter lauernden Ungläubigen Schrecken einflößt. Wahrlich, sie würden oft den Einsiedler um sein spä lichcs Mahl, um die Sicherheit seiner Zelle und die Freiheit seines GcsangeS beneiden, wenn sie überhaupt des Neides fähig waren! Da aber die entscheidendste Prüfung von allen die durch Verfolgung ist, so fehlt auch diese nicht in unserer Zeit und in Tong-King sind die Gefängnisse gefüllt, in China sterben die Bckcnner in den Einöden vor Hunger, in den Städten von Corca sind die Blutgerüste aufgeschlagen, damit das Blutzcngniß für den Glauben nie aufhöre. So wiederholt^ sich also in der Kirche der Kamps in allen seinen Formen, dcr^ Kampf durch das Wort, der Kampf durch die Abtövtung, der Kampf durch das Martcrthum, und was sie zu allen Zeiten ihrer Geschichte war, das ist sie auch jetzt noch. Sie beweist dadnrch aus unwidcrsprcchliche Art ihre Unsterblichkeit, indem sie stets leidet nnd stets stirbt, ohne je zu erlöschen; sie beweist dadurch ihre Fruchtbarkeit, denn all der Schweiß und das Blut werden nicht umsonst vergossen, und trotz alles Widerstandes dehnt daö Christen- thum seine Eroberungen aus und befestiget sie. In jenen großen Reichen Asiens, wo die Mandarine das Bild dcö Gekreuzigten mit Füßen treten lassen, schaciren sich jeden Tag mehr Neophyten zum Gebete um dieses theuere heilige Bild. Auf den Felsen OcccmicnS, die früher nur durch Schiffbrüche berüchtigt waren, blühen jetzt mit der modernen Civilisation die Tugenden der ersten Zeiten auf. Denn, wie Fcnelon so scbön sagt, „die Quelle der göttlichen Segnungen versiegt nie und durch die Erfüllung seiner Verheißung zeigt Jesus Christus, daß in seiner unsterblichen Hand die Herzen aller Völker und aller Zeiten liegen." ') Sehet, so macht uns Gott die Kraft der Wahrheit fühlbar, denn er weiß, daß aufrichtige Herzen einer solchen Belehrung nicht widerstehen, schlaget jenes berühmte Sendschreiben der Gläubigen von Lyon über den Martertod des heil. Pothinus und seiner Gefährten auf und leset! Auch dort gab cs furchtsame Christen in der Stadt. Als sic aber sahen, wie ihre Brüder vor den Richter geführt wurden, als sie ihre Bekenntnisse und Antworten hörten, da wurde, wie sie erzählen, ihr Glaube wieder stark und sie rechneten eö sich zur Ehre an, öffentlich als Christen aufzutreten und laut den Erlöser zu bekennen. Dieselben Erscheinungen wiederholen sich vor unsern Augen. Die Gerichte sind nicht geschlossen, die Beile tricscn noch von Blut, wir haben die Verhöre unserer Brüder vernommen, wir haben ihre Folterqualen und ihr glorreiches Ende gesehen. Sollte da nicht auch in unsern Herzen der Glaube lebendiger und feuriger geworden seyn? Sollten da nicht auch wir, stolz auf diese Triumphe unserer Brüder, nuSruscn: Wir sind Katholiken! Wenn wir so an diesen Kämpfen der Kirche für die Ehre Gottes, an dem glorreichen Hinscheiden unserer Märtyrer, an den unerschrockenen Bekenntnissen der Neubckehrtcn, an so vielen Op- fcrn und Tugenden Antheil nehmen: so müssen wir wohl über kurz oder lang unserer selbst uns schämen und den Entschluß fassen Gott mehr zu lieben, wir müssen uns inniger anschließen an jene ewige Güte, die ohne Unterlaß die Menschen an sich zieht, und ohne Unterlaß von dem Hasse und der Verachtung zurückgestoßen wird. Und am Ende wird jene heilige Leidenschaft uns dnrchvringcn, die Bourdaloue so kräftig schildert, wenn er nachweist, „daß die Sache GotteS so in unsere Hand gelegt ist, daß wir sie führen müssen; daß daher, so ost dieselbe Schaden oder Nachtheil erleidet, Gott das Recht hat sich an uns zu halten, weil der Schaden, den sie erleidet, nur die Wirkung und eine Folge unserer schlechten Führung ist. . . . Wenn ihr für cnch selbst arbeitet, sagt er, so werdet ihr, weil ihr selbst klein seyd, bei aller Anstrengung uur Kleines und Beschränktes fertig bringen. Alles wird dem Nichts gleichen, daö von eurer Person und eurem Stande unzertrennlich ist. Wenn ihr aber für JesuS Christus arbeitet, so ist Alles, was ihr thuet, in gewisser Beziehung göttlich." ^ in der That keine leere Formel die Anrufung: „Heiliger Franciscus Zcaverius, bitte für uuS," ein Gebet, das uns das Andenken dieses Mannes, dem die göttliche Liebe nie Ruhe ließ, in das Gedächtniß zurückruft. Dieser Kreuzer, den wir alle Woche geben, ist eine Mitwirkung an der Erlösung der Welt durch das Blut Jesu Christi; dieß ist das Werk, dem wir uns anschließen. Nach dem Beispiele unseres t) Fenelon: Predigt auf das Fest der heiligen drei Könige. 2) Bourdaloue: Predigt über den Eifer. göttlichen Erlösers fangen wir zuerst an die Menschen zu lieben, ohne auf jene engeren Bande dcS gemeinschaftlichen Stammes, Vaterlandes und der Religion Rücksicht zu nehmen, wir lieben eben so viele Menschen, als der Erlöser am Kreuze geliebt hat. In jenen verkehrten, von den Reisenden verfluchten Völkern, in jenen menschenfresscndcn Stämmen, deren schreckliche Festmahle unö schon oft beschrieben worden sind, sehen wir nur noch unsterbliche Seelen, die unseres Mitleides und unserer Hingebung im höchsten Grade bedürftig sind. Wenn wir aber so dem fernen Elende bei- svrir-gen lernen, — wie könnten wir da wohl gefühllos bleiben bet dem Elende, welches wir sehen und mit Händen greisen, das an unserer Thürschwclle, auf den Straßen, in den Gefängnissen und Hospitälern auf unö harret? So leitet der Verein zur Verbreitung des Glaubens den Lauf der Liebe zwar nach fernen Landen hin, aber er entzieht darum unseren städtischen Armen nichts. Können wir dem Einsammler, der die wöchentliche Gabe abholt, dieselbe nicht versagen, so werden wir auch armen Kindern, die um Brod bei uns betteln, die Thüre nicht weisen. Und wenn arme Alvcnbcwohner, wenn die Fischer in dem Meerbusen von Genua und die irländischen Soldaten, welche in Indien dienen, sich zum Besten der Missionen ihre Nahrung am Munde absparen, so dürfen wir wohl von einer solchen Gesinnung Alles erwarten. Welche Gefühle müssen sich aber erst in uns regen, wenn Wir auf eine» höheren Standpnnct uns stellen und, irdischen Gedanken mehr entrückt, es bedenken, wohin unsere Gaben gehen. Sie nehmen denselben Weg wie unsere Gebete und gehen in jenen Schatz Gottes, wo der Pfenning der Wittwe gezählt wird, wo ein GlaS Wasser nicht verloren ist, wo Niemand gibt, ohne viel mehr dafür zu empfangen. Unsere schwachen Verdienste werden auf diese Weise Eins mit den Verdiensten der Apostel, der Märtyrer und so vieler leidenden und verfolgten Katholiken. Zwischen ihnen und uns ist Alles gemeinschasllich, wir haben eine Blume in ihren Kronen und eine jede ihrer Thränen, welche die Engel aufsammeln, bittet im Himmel für unsere Sünden und zieht Gottes Barmherzigkeit auf unsere Häupter und unsere Familien herab. In keinem ihrer Gebete werden wir vergessen, denn sie lernen für uns beten, wenn sie sehen, daß alle Jahre am Tage Allerseelen ihre Priester für die verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft zur Verbreitung dcS Glaubens an den Altar gehen. In demselben Geiste haben die Väter der amerikanischen Kirchenversammlung zu Baltimore den Vischösen von China und Corca die Hand geboten, um uns zu segnen, ^) unv nichts kann einem so heiligen Verbände widerstehen. Wenn im scchözchntcn Jahrhundert die Hälfte von Europa den Versuchen unv Gewaltthaten der Reformation kräftigen Widerstand leistete, so wurde sie darin vielleicht mehr, als man glanbt, durch jene zahlreichen italienischen, französischen, deutsche», portugiesischen nnd spanischen Missionäre unterstützt, welebe den Glauben in die alte und in die neue Welt trugen. Vielleicht wnrde das Heil von mehr als einem Bolle durch das freiwillige Opfer jener Tausende von Christen, die in Japan starben oder durch das unschuldige Gebet jener armen Wilden in Canada entschieden, die eben erst die heilige Taufe empfingen. Und wenn wir jetzt sehen, das; so viele neue Kirchen sich gründen, daß überall in Asien, Afrika und Amerika, auf allen Inseln Oceanicnö die Gemeinden sich mehren, — scheint es da nicht, als wolle die Vorsehnng, die rings um uns her so viele Herde 1) Vrrgl, da« Sendschreiben der Väter des zweiten Concils von Baltimore un^ die Briefe des.apostolischen Viears von Siam und des Bischofs von Capsa. der Liebe entzündet, endlich auch jene alten Kirchen wieder lebendig machen, in denen seither die Erstarrung noch das Ucbcrgc- wicht behauptet? Und wir, die Mitglieder des Vereines znr Vcrbrcitnng dcS Glaubens, wir sind dazu bestimmt, diesen Plan auszuführen. Wenn in den Werften eines Hafens die Gehilfen unter den Balken sich beugen, die sie zurichten, so begreifen wohl nur Wenige derselben die Wichtigkeit ihrer Arbeit. Nnd doch bilden diese Balken alle zusammen ein Schiff, das die vaterländische Flagge mit allen ihren Erinnerungen aus allen Meeren glorreich entfalten wird. So sind auch wir die Gchilf.n und unsere Almosen sind die ^schwachen Mittel, deren Gott in seiner Gnade sich bedient, um ^ das Schiff des ApostolatcS zu bauen und flott zu machen. Dieses ! Schiff aber trägt die Fahne dcS KrcnzcS, und mit ihr die gestimmte Bildung, die gcsammtc Civilisation der Welt! Cormenin's Gespräch mit dem Ungenannten. (Aus seiner neuesten Flugschrift.) Eines Tages hielt Seine Hvchwnrdcn, ein Bruder Prediger, den ihr wohl kennet^), eine Rede; er gewahrte mich von der Höhe seines Lchrftuylcö herab, an dessen-Füßen ich mich demüthig niedergelassen hatte, um ihm zuzuhören. Er hob an, mich anszufragcn. Er: Ist cS schon lange her, Timon, daß Ihr die lächerliche Rolle eines Sacristei-Vcrthcidigcrs übernommen habt? — Ich: Mein Vater, es möchten seiidcm 23 Jahre verflossen seyn. — Der Pater meinte, das wäre doch mir eine kurze Zeit, worauf ihm Cormcnin antwortet: Es wäre genug in der jetzigen Welt, 28 Jahre lang dieselbe Meinung z» vertheidigen uud er hoffe auch noch im 30. Jahre für die nämliche Sache zu streiten. — Er: Nun ich gebe zn, daß Eure Stand- haftigkeit wirklich etwas Seltenes s,v; doch darnm handcll es sich jetzt nicht. Seyd Ihr Gallicancr? — Ich: Pah! Pah! — Er: Seyd Ihr vielleicht ein Ultramontanc? — Ich: Pah! Pah! — Er: Was sagt Ihr da? — Ich: Ich sage, mein Vater, daß ich weder das eine noch das andere bin. — Er: Timon, Timon, eins von beiden seyd Ihr gewiß. — Ich: Ich sage Euch, mein Vater, ich bin weder das eine noch das andere. — Er: Was seyd Ihr dann? — Ich: Ich bin bloß katholisch. — Er: Ihr wollt sagen, fanatisch, abergläubisch, götzendienerisch, jesuitisch, ultramontcinisch und blödsinnig; denn mit diesen Namen bezeichnen wir Andern die Katholiken. -— Ich: Ich wußte, mein Vater, daß Ihr die Katholiken mit jenen Beiwörtern beehrt. — Er: Wißt Ihr auch, daß ich in der Sorbonne wohne, ohne Doctvr derselben zu seyn? — Ich: Ja ich weiß cS, daß Ihr dort wohnt und daß Ihr kein großer Doctvr seyd. — Er: Darnm gebe ich nicht viel und ich werde doch thun, als wäre ich es; ich werde auch für Euch gut sorgen, wenn Ihr einer der Unsrigcn werden wollt. — Ich: Was meint Ihr damit: einer der Eurigcn werden? — Er: Wenn Ihr zum Beispiel sagt, daß die Religion schon sehr alt sey. — Ich: Ja mein Vater, sie ist sehr alt, so alt wie Gott, weil sie Gott selbst ist. — Er: Wenn wir aber doch, die Laterne t« der Hand, in der dunkeln Nacht, welche ruud um uns ist, mit einander eine neue Religion suchten! — Ich: Welche, mein Vater? — Er: Jene, welche Ihr wollt! — Ich: Ich wünsche mir keine bessere, und bedenkt wohl, die große Schwierigkeit liegt eben darin, eine andere zu finden. - Er: Warum nehmt Ihr nicht wie ich, den Gott an, der im großen ') Cousin. All ist, Alles in Allem seyend? — Ich: Entschuldige meine, vielleicht einfältige, Aengstlichkeit, dieses göttliche Universum, den Gott, der Alles in Allem ist, anzubeten: es ist mir nicht klar gezeigt, ob Ihr Euch selbst in diesem All begreift? — Er: Ich habe niemals gesagt, daß ich mich selbst begriffe; weit gefehlt! ich weiß nicht, warum Ihr mich verleumdet, als glaubte ich, daß ich mich selbst begriffe. — Ich: Ich sage nichts, als was die ganze Welt sagt. — Er: Anstatt mit der ganzen Welt zu sagen, daß ich mich begreife, was nicht wahr ist, thätet Ihr besser, Euch mit uns zum Angriffe gegen den päpstlichen Aberglauben der Ohren- bcicht und des Cölibats zu vereinigen. — Ich: Das konnte ich thun, um Euch gefällig zu seyn, vor übergroßer Liebe zu Euch, wenn ich wie Ihr nicht katholisch wäre. — Er: Man kann katholisch und gut katholisch seyn, ohne die Ohrcnbeicht und den Colibat anzunehmen. — Ich: Wirklich! — Er: Ich sage es Euch: und ich konnte Euch an der Sorbonne, obschvn ich dort nicht Dvctvr bin, ein ganz gutes Zeugniß der Rcchtgläubigkeit ausstellen, wie ich es vorgestern für meinen Freund M...'°) in einer hohen Kammer"") gethan habe. — Ich: Ach ein Zeugniß des katholischen Christenthums von dem Anbeter des Gott-All, der in Allem ist! Wie so ganz klar! — Er: Ich gestehe, daß ich nicht immer sehr klar bin, was vielleicht meine Weise mich auszudrücken, verschuldet. Doch erlaubt, mein Theurer, Euch zu sage», daß ich Euch über mein Zeugniß vollständig befriedigt und ibm an einem andern Orte""") und vor gelehrten Leuten völlige Giltigkcit verschafft hätte, bei dem einen, weil er der Sohn seines Vaters, bei mir, weil ich der Vater meiner Werke bin, bei einem Dritten, weil er wegen seiner Vcrurtheilung unzufrieden ist, und bei einem Halb-Duzend Anderer, weil sie sich einen Spaß daraus machen würden, des Dritten Schicksal zu theilen. — Ich: Ich danke Euch, mein Vater, für Eure Wohlgewogenheit: Ihr hättet mich mit Euren: guten Zeugnisse gewiß denen zugeschickt, welche für Schlichtung kirchlicher Angelegenheiten so compctent sind. — Er: Ja, ich wllrte Euch auch an einem dritten Orte vertreten haben, wo wir die heiligen Kanones — deß können wir uns rühmen, ein wenig besser auslegen, als der Papst, welcher, unter uns gesagt, nichts davon versteht. — Ich: Mir scheint, mein Vater, daß Ihr, ohne Gott-All zu seyn, doch Euch in dem großen All befindet und überall ein wenig hincingczwickt seyd, so daß Ihr in der Pairskammcr, in der Akademie und im Staatsrathe, also zwei-, ja dreifache Geschäfte mit der Theologie macht. — Er: Warum nicht? hab' ich etwa nöthig gehabt, die Kanones zu lese», selbst um sie nur zu verstehen? — Ich: Keineswegs! — Er: Over um sie anzuwenden? — Ich: Noch weniger. -— Er: Soll cS mir verwehrt seyn, den Staat zu vertheidigen, selbst wenn er nicht angegriffen ist? — Ich: Gewiß nicht. — Er: Geben mir die organischen Artikel nicht das Recht, mir, dem Archilaicn, selbst die Archiclcrikcr in geistlichen Sachen zu richten? — Ich: Zweifelsohne. — Er: Bin ich demnach nicht ein Stück vom All? — Ich: Wer soll das Gegentheil behaupten? — Er: Und wenn ich im All bin, warum sollte Gott nicht darin seyn? — Ich: Dieß kann Niemand widersprechen. — Er: Und wenn Gott darin ist, warum wären die Jesuiten nicht darin? — Ich: Wahrhaftig ein starker Grund, daß die Jesuiten darin sind. — Er: Und mit mir darin sind, der ich nicht mit ihnen bin? — Ich: Woraus folgert Ihr, daß wenn Ihr in ') Wickelet. "> der PaiiS. "') In der Aka^mie. Verantwortlicher Rid,ieteur: L. Schönchen. dem All seyd, man die Jesuiten daraus vertreiben müsse, weil sie nicht mit Euch sind? — Er: (reibt sich die Stirne.) Ich: Und was werdet Ihr zuletzt aus Gott machen, den Ihr noch vor der Hand im All laßt, mein Vater? — Er: Gott mag zusehen, was er werden kann: ich beschäftige mich jetzt nur mit den Jesuiten. — Ich: Ich finde es jetzt ganz natürlich, daß die Leute, welche Ihr außer dem All stellt, nichts sind, während Ihr, der Ihr Euch in dem All laßt, Professor an der Sorbonne, Würdenträger der Universität, Staatsrath, Akademiker und Pair von Frankreich seyd. — Er: Das alles, weil ich im All bin; Ihr räsonnirt ganz gut und ich sehe, daß Ihr schon den Anfang gemacht habt und unö beitretcn werdet. — Ich: Ich bin nicht ungerecht und unduldsam, wie Ihr, mein Vater; wahrscheinlich darum, weil ich kein Philosoph bin. Ich erkenne, daß Ihr ein Mann von hohen Verdiensten, gelehrt, klug, genial, beredt und feurig seyd, ich betrachte Euch als die wichtigste Person von Frankreich. — Er: Wie das, wenn ich bitten darf? — Ich: Weil Ihr alle Professoren der Philosophie ernannt habt. — Er: Und warum noch? — Ich: Weil die Professoren der Philosophie alle Tage neue Ideen aushecken. Er: Und wie macht Ihr den Schluß? — Ich: Weil die Jdcenträger stärker sind, als die Säbclträgcr. — Er: Wahrhastig, Ihr schmeichelt mir. — Ich: Ich schmeichle Euch nicht und will Euch nicht schmeicheln, indem ich, obschon anerkennend Eure Macht, auch erkenne, daß Ihr einen schlechten Gebrauch von derselben macht. — Er: Welchen Gebrauch soll ich von derselben machen? — Ich: Sagt lieber, daß Ihr keinen Gebrauch davon macht und nicht Wissen und Gewissen in Fesseln schlagt. — Er: Ach, so seyd Ihr sür die Wissenschaft? — Ich: Ja, wenn sie wahre Aufklärung ist. — Er: Und für das Gewissen ? — Ich: Ja, nach dem 5tcn Artikel der Charte. — Er: Und für den Fortschritt? — Ich: Ja, wenn er nicht rückwärts führt. — Er: Für Vernunft und Recht? — Ich: Vorausgesetzt, daß man nicht die Gründe des Stärkern gelten läßt. — Er: Für Psychologie, Ideologie, Ortologie, Embryologie und Pcmthologic? — Ich: Ja, ich will und muß sie wollen, weil sie alle in dem All sind. — Er: Für die Theologie? — Ich: Ja, aber für die, welche Ihr selbst nicht lehrt. — Er: Für die Freidenker? — Ich: Ja, unter dem Vorbehalte, daß sie mir gestatten, auch anders, als sie, zu denken. — Er: Für die Politiker, Moralisten, Philosophen? — Ich: Vollständig, nur müssen sie mir erlauben, den einen wie den andern zu sagen, daß die Politik seit Aristoteles, die Moral seit der Votschaft des Evangeliums und die Philosopie seit Plato keinen Schritt vorwärts gemacht babc. — Er: Für die Gerechtigkeit? — Ich: Wenn sie ihrem Namen Ehre macht. — Er: Für den Unterricht? — Ich: Ja, wenn er nicht in den 3 Artikeln eingereiht ist. — Er: Für die Freiheit? — Ich: Ja, s.lbst sür die ErziehungS - Freiheit. — Er: So, wie ich? — Ich: Nein, noch mehr. — Er: Mehr als ich? dieß überschreitet die Schranken einer anständigen Erörterung, und ich verschiebe mein Eraminatorium auf einen andern Tag. — Ich: Ganz zu Euren Diensten. Darüber brachen wir ab und da sich eine große Zahl Lachender auf meine Seite gestellt hatte, glaubte ich einen Augenblick an guten Erfolg. ') Nach der Übersetzung der Poss. k, Kirchenztg. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.