9* 5 ^aS» ' D-i/,^ der «, A«gsv«rgev Postzeitttng. Erlie Jahreshälfte. SS. Juni 1845. Aus dem heilige»» Lande. Ausflug von Betlehem zur Wüste von Engaddi. Betrachtungen beim Anblick des todten Meeres. Das Dorf der Hirten. Nach dem Tugebuche von I. G. Priester der Diöcese Münster. Betlehem, 24. April 1844. (Schluß.) i-s Wie schwer und hart es jedoch selbst den Gerechten, aber doch immer noch sinnlichen Menschen wird, diese Erde mit allen ihren bösen und verführerischen Menschen zu verlassen, davon gibt Loth mit den Scinigcn ein schlagendes Beispiel. Mußten ihn doch die Engel, da er zauderte, bei der Hand nehmen, und ihn fast gewaltsamer Weise hinausführen aus der unglücklichen Stadt. Und nun — als eben die Sonne aufging über die Erde, als Loth einging in Segor, als Sodom's Bewohner, von thierischen Lüsten gesättigct, in viehischen Schlaf noch versunken daliegen mochten, — da regnete der Herr über Sodom und Gvmorrha Feuer und Schwefel vom Himmel herab, und kehrte viese Städte um, und die ganze Umgegend, alle Bewohner der Städte und Alles, was da grünte auf Erden. Was aber dort geschah zu den Zeiten Loth'S, man aß, man trank, man kaufte und verkaufte, man pflanzte und baute bis zum Tage, wo Loth von Sodom auszog, und der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel regnete und Alle vernichtete, das wird auch einstens geschehen, wenn der Mcnschen-'sohn wieder kommen wird in Macht nnd Herrlichkeit, das wird um so gewisser geschehen, als er selber bei Lukas 27, 28, ungefähr in der besagten Weise uns dieses Ende der Welt vorhcrgcsagt hat. Denn so heißt es ferner an jener Stelle: wer auf dem Dache ist und Geschirre hat im Hause, der steige nicht hinab, sie zu holen, eben so wer auf dem Felde ist, der kehre nicht zurück nach Hause u. s. w. Noch zwar ist das Maaß der Langmuth Gottes nicht voll. Noch gibt es der Gerechten in allen Länder» der Erde nicht wenige. Mehr noch denn 10, mehr denn 109, denn 1000 von reinen und unschuldigen Seelen leben in Klöstern und Einöden, bei Tag und bei Nacht ihre Hände zum rächenden Gott erhebend, und Erbarmen erflehend, kraft des kostbaren Blutes, was ein Gottessohn für uns Alle vergoß, kraft der mächtigen Fürbitte, die eine Gottesmutter bei ihrem Sohne ! einzulegen vermag. Hundert und tausend Priester stehen noch ! immer zwischen dem Vorhof und dem Altar, das Sllhnopfcr bringend für die Sünden der Welt. Dieß und dergleichen erwogen wir hier Angesicht's des todten Meeres, und wer, der mit uns diese als ewige Warntascl für das Menschengeschlecht daliegende Wasserfläche gesehen hätte, würde nicht zu ähnlichen Gedanken gekommen seyn! Dort zur Nichten hinter jenem Berge, dachten wir dann, wird Hebron liegen, und hier zur Linken Jericho. Wie oft mag Abraham diese Gegend durchwandert haben, er, dem gesagt ward: „Mache dick auf, ziehe durch das Land nach seiner Länge und Breite; denn ich will es dir geben!" (I.Mos. 13, 17.) Unter solchen Gedanken gingen wir zu Fuße weiter bis wir zu einer Höhle kamen, die uns unser kleiner David als die bezeichnete, wohin die Pilger gewöhnlich gingen, wenn sie die Wüste von Engaddi besuchten. Indessen befand sich nicht weit davon noch eine zweite ganz ähnliche Höhle, die eben so gut dafür ausgegeben werten konnte; eine dritte noch entferntere, zu der wir aber wegen Mangel an Zeit nicht hinkommen konnten, soll ebenfalls Davids Höhle genannt werden. Eine oder die Andere mag wohl die richtige seyn. Die beiden Höhlen, die wir sahen, waren fast gleich groß, und man muß staunen, wie David von Sanl nicht bemerkt werden konnte, da sie innerhalb kaum 15z Schritte weit ist. Allein wenn man bedenkt, unter wessen Schutz David stand, der da singen konnte: Doininu8 illumingtio mva 0t, 5ulus mva czuom timcko? si cvnsistgnt »«Ivvrsum nie oasln», non timvl)i1 cor meum. (Ps. 26.); wenn man bedenkt, wessen Ahnvatcr, wessen Borbild David war, der Vorfahrcr des Messias, des Sohnes Gottes, der sich nennen ließ den Sohn Davids, den Sohn Abrahams, und unsichtbar ward, als man ihn in seiner Vaterstadt Nazarcth vom Berge hinabstürzen wollte, — dann kann man auch auf David und seine Begleiter anwenden, was wir bei Luc.-4, 30. lesen: ip5v gutem transiens per mu,!. Die Stelle lautet also: „David aber zog von da hinauf und weilte in den sicheren Orten von Engaddi." Wenn man die Gegend betrachtet, so kann man unter diesen sicheren Orten unmöglich etwas anderes verstehen, als eben die steilen Felsen, die nur Steinböckcn gangbar sind, unv die durch die Natur gleichsam Festungen bilden. l^Wie dieß auch Allioli in einer Anmerkung zu dieser Stelle meint.) Im zweiten Verse ist die Rede von einer Wüste Engaddi; die Gegend, wo wir hier verweilten, glich freilich einer Wüste. VerS -1 ist die Rede von Schafhirten, deren wir im Thal überall sahen, und einer Höhle, wohin Saul, wahrscheinlich um zu schlafen, hineintrat. David und seine Männer lagen versteckt im inneren Theile derselben. Wenn eine jener Höhlen, die man für die Höhle von Engaddi anszibt, die wahre seyn soll, so können nur wenige Männer mit David darin versteckt gewesen seyn, denn wenigstens die beiden Höhlen, die wir hier sahen, sind so klein, daß 5t) Mann sie ganz ausfüllen würden. Hier also war es, wo David sich hätte rächen können an seinem Feinde, dem Verfolger, und statt dessen seine Ruhe nicht störte, sondern heimlich ein Slück von dessen spricht die Braut im hohen Liede 1, 13., ist mir eine Cypros- traube von den Weinbergen Engaddi's.) Diese Weinberge haben wohl mehr an den Abhängen der Berge, oder zwischen den Bergen, in denen auch jetzt noch fruchtbare Thäler sind, gestanden. Wir bemerkten besonders ein Thal oder einen flachen Hügel, dessen Erde halbröthlich war, ja hie und da soll auch noch wirklich Wein wachsen, und der süßliche Wein, den man in Betlchcm cvnsumirt, soll zum Theil aus dieser Gegend von Engaddi kommen. Indessen haben wir selber hier nirgends Weinpflanzung g,sehen. Nimmt man an, daß der CvproS ein Baum war, dessen Blüthen Traubenweise an besonderen Stielen hingen, und einen angenehmen Duft gaben, und statt Weines einen Balsam lieferten, von welchen Bäumen, wenn ich nicht irre, PliniuS irgendwo erzählt, und hinzufügt, daß Titns einen solchen aus Palestina nach Rom gebracht habe, so kann ich versichern, daß solche Bäume in Engaddi in der ganzen Gegend nicht mehr cristircn, wohl aber, wie schon gesagt. Kräuter, die einen aromatischen Geruch von sich geben, den selbst die, welche ich von dort in die Hcimath mitgebracht habe, bis heute noch beibehalten. Bei der Rückkehr nach Bctlehem schlugen wir einen näheren Weg ein, indem wir dort, wo man vom Gebirge am ersten in die Ebene hinabsteigen kann, hinnnterklettcrtcn, und unsere Thiere nachkommen ließen. Der Beduine, der bis dahin nicht von unserer Seite gegangen war, schlug teu Weg zum todten Meere hin ein, und entließ unö freundlich. Ja er ließ uns zuützt noch durch den Araber sagen, wenn wir ein andereömal etwa nach Jericho oder dem todten Meere gehen wollten, so wolle er eö dem Scheck, seinem Bruder anzeigen, und es solle uns eine hinlängliche Bedeckung zugeschickt werden, worauf wir jedoch nicht eingehen konnten, Da die Forderungen, welche man einzelnen Personen macht, gar zu bedeutend sind. Während wir den Berg hinunter gingen hörte ich, da ich einige hg Schritte voraus seyn mochte, von unten her einen andern Beduinen schreien. Anfangs achtete ich wenig darauf, je näher ich jedoch der Ebene kam, desto genauer bemerkte ich, daß mich das Rufen anging; ich glaubte anfangs er se» verdrießlich darüber, daß wir in seine Ebene herunter kämen, und etwa durch sein angebautes Land ziehen mußten, blieb daher stehen, bis die Anderen herbei kamen. Der Beduine war ein Schäfer unv hatte seine Hccrde weithin zurückgelassen, und schrie mir in Einem Mantel schnitt; der Herr sey mir gnädig, sagte David, daß ich, fort zu, und zwar so laut und grell, daß ich wirklich nicht anders glauben konnte, als daß ich irgend wie ein Recht verletzt hätte; ich bat daher den Araber, der uns begleitete, ihn zu fragen, was meine Hand an ihn lege; denn er ist der Gesalbte des Herrn; daher verdiente er es denn auch, daß Saul, als er jene Großthat aus Davids eigenem Mnnde vernahm, ausrief: „Du bist gerechter denn ich! denn du hast mir Gutes gethan, ich aber habe dir BvseS vergolten!" Und Saul zog dann in sein Haus zurück, David aber und seine Männer verweilten auf dem Gebirge. Wahrscheinlich lagen seine übrigen Männer in anderen Höhlen, und er mit 2 oder Z in dieser; und die Sprache, w.lche die Männer mit David führten, wird mehr durch Zeichen und Winke als in lauten Worten bestanden haben. Auch gegenwärtig scheinen die Araber sich dieser Höhlen noch zuweilen zu bedienen, denn die Decken waren schwarz von Rauch, auch die Tritte von Schafen bemerkte man inwendig, und es scheinen wie zur Zeit David'S auch jetzt noch diese Höhlen zu Schafhürden benutzt zu werden. Eine ähnliche Höhle, ähnlicher Bestimmung dienend, war auch jene heilige Grotte zu Bcllchcm, worin unser Herr und Heiland JcsuS Christus geboren werden wollte, nur war diese nicht so schwer zugänglich, er wolle, denn er höne nicht auf zu schreie» und zu rufen, und mit Händen und Füßen zu demonstriren. Und was war es, was er wollte? ein bischen Taback für sich ; dann wünschte er noch eine Handvoll mehr für seinen alten Vater. Diesen seinen einfachen Wunsch hatte er nun vielleicht 20mal wiederholt, und mit solcher Lebhaftigkeit, daß man niemals auf den Gedanken kommen konnte, daß von einer so geringfügigen Sache die Rede war. Mein Begleiter, der Taback bei sich hatte, gab ihm sofort all seinen Vorrath, und die Freude und der Dank, womit er seine Hand an Her; und Stirn legte, war rührend. Er eilte alsvbald zurück zur Hcerdc und wie wird er sich erst am Abend gcsrcut haben, als er seinem alten Vater eine kleine Hand voll Taback überbringen konnte. So sollen überhaupt die Beduinen seyn, sie sordcrn wie die Kinder Alles was sie sehen, und gibt man ihnen etwas, so sind sie zufrieden. Abschlagen dürste man ihnen nichts, das würde wie jene in der Wüste Engaddi. Wird Engaddi in der hl. Schrift! sie kränken und zur Rache aufreizen. Ein ähnlicher Fall kam mir eincSthcilS Wüste genannt, so ist an einer anderen Stelle auch ^cin anderes Mal vor, als wir ebenfalls an einer Schafhccrde vor- von den Weinbergen Engaddi's die Rede. (Mein Geliebter, so! bei kamen; als wir um ein Bischen Trinkwasser baten, reichte man uns sofort frische Milch von ihrer Heerde, und war zufrieden als Wir unsere Erkenntlichkeit mit ein paar türkischen Piastern (ein Piaster mag ungefähr 2 Silbergroschen oder 6 Kreuzer nach unserem Gelve seyn) zu erkennen gaben; als wir ihnen dann auch ein Stück frischen Brodes gaben, waS wir für die Reise mitgenommen, wußten sie uns nicht genug zu unterstützen, um uns wieder auf unsere Pferde zu helfen. Nachdem wir in die Ebene hinabgekommen, hatten wir „och einen müßigen Berg zu übersteigen um wieder in das Hirtenftld zu gelangen. Und vor uns lag Bctlehem oder vielmehr die Kreuzkirche der Geburt mit ihrem einfachen Kreuze auf dem Dache, einen Thurm hat sie nicht. Die ganze Gegend verräth die größte Einfachheit nnv hat in der That etwas Idyllisches an sich; denkt man sich, daß dieß die Gegend war, wo einstens die Hirten zur Nachtzeit bei ihren Heer- dcn wachten, wo die Herrlichkeit Gottes sie umleuchlcte (Luc. 2, g — lg.), wer möchte da nicht mit ihnen ausrufen: transeamus Letlelrem. Indeß zuvor machten wir noch einen kleinen Abstecher zum sogcnantcn Dorfe der Hirten, das eine Viertclstunve von Betlehem entfernt ist, einer der interessantesten Puncte bei Bctlehem. Denn jenes unbeschreiblich ärmliche Leben dieser Hirten, diese Kleidung der Männer und Frauen die, wie man behauptet, noch ganz ähnlich ist mit der Kleidung zur Zeit Christi, dann der Gedanke, daß dieß kleine Dörfchen es war, dessen Bcwohr.cr vor allen anderen Mensche» der ganzen Welt zuerst mit der frohen Botschaft der Geburt des freiwillig ärmsten aller Menschenkinder beglückt wurden; der Gedanke, daß die Bewohner dieses OertchenS von jeher Christen gewesen seyen, und sich bis heute zum Christenthum bekennen, wie sollte das Alles nicht mit Wehmuth und Freude erfüllen, wie nicht zu drn erhabensten Betrachtungen über Gottes Vorsehung und Leitung stimmen? Leider sind di.se armen und guten Hirten durch die Ränke der Griechen zur Zeit als sie sich in der äußersten Noth befanden, durch Gold verlockt, zur griechisch- schismalischen Kirche übergetreten. So lange Katholiken in Betlehem waren, waren sie kaiholisch; und ich glaube nicht unrecht zu haben, wenn ich b Haupte, sie seyen noch katholisch, wenn auch nicht in ihrem äußeren Bekenntnisse, so doch dem Geiste nach; auf sie kann man gewiß anwenden: „sie wußten nicht, was sie thaten," dv-rti pureres s>>ii-itu> Wir ritten mitten durch das Dorf, das nur aus einigen 20 Häusern bestehen mag, die jedoch eher Ställen als menschlichen Wohnungen ähnlich sind. Da liegen denn die Mütter mit ihren Kindern vor der Thüre mit Hausarbeit, gewöhnlich der Handspindel beschäftigt. Die Hauöthüre ist die einzige Ocssnnng des Hauses, ist sie verschloss n, so liegen sie wie in einem Stalle, der das einzige Wohnzimmer des ganzen HanscS ist. Sie schlafen auf der Erde auf einigem Stroh liegend, und ihr Kleid ist das Bett. Bei aller dieser Armnth scheinen sie je> doch froh und vergnügt zu seyn, denn sie sind cS nicht anders gewohnt, und so lange sie Brod verdienen, kennen sie keine Klage. Ucberall mögen die Sitten der Völker durch die Zeitoerhältnisse sich geändert haben, in diesem Dörfchen ist Alles geblieben, wie eö war zur Zeit, als JesuS der Welterlöscr dort geboren wurde, und die friedlichen armen Einwohner zu sich lud zu der Krippe, wo dann auch wir unverdienter Weise gegen Abend unsre Dan- kcSthränen fließen lassen konnten. Deutschland. Urtheil eines Protestanten über Ronge. Unter dem Titel „die neue deutsch-katholische Bewegung, an dem Maaßstabc der heiligen Schrift gemessen," ist in Bcannschwcig im Verlage von G. C. E. Meyer sc>n. ein sehr interessantes Schriftchen erschienen. Der Verfasser ist ein Gläubiger, und nach dun, was wir schon früher über ihn geho t haben, ein mit sehr gediegenen Kenntnissen ausgestatteter Candtdat der protestantischen Theologie, Hermann Scholz aus Wvlfenbüttcl, derzeit Informator in Lievland. Da er so dem Schauplatze der Bewegung serne steht, so ist sein Urtheil um so unbefangener. Seine Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, die wir bei andern Protestanten, wenn sie über katholische Angelegenheiten schreiben, leider so oft vergeblich suchen, läßt auch nicht zu, daß cr nicht unumwunden seine Ueberzeugung aussprcche, auf die Gefahr hin, von seinen Glaubensgenossen, wie das auch nicht das Erstemal geschähe, für einen gchcimcn Anhänger der katholischen Kirche gehalten zu werde». Man muß gestehen, daß er bei Beurtheilung der Sccte überall das Richtige gefunden hat Seine größte Aufmerksamkeit hat cr dem ersten Urheber derselben, dem Apostaten Ronge selbst zugewendet. Eö wird eine Betrachtung angestellt über „Nonge'S Werth als Mensch, als Priester und als Christ." Die Bcur- thcilungSgründe werden aus verschiedenen Sendschreiben des Apo staten hergenommen und diese theils als durch sich selbst verwerflich, nichtssagend und unsinnig da-gclcgt, tbcils mit den Worten der heiligen Schrift zusammengestellt, um dadurch ihre Nichtswürdigkeit und ihr Abweichen von allen christlichen Gruudsätzxr offen bar zu »rächen. Dabci spricht sich der Verfasser unvcrholen für mehrere Glaubenslehren und Grundsätze der katholischen Kirche aus, welche der Protestantismus nicht anerkennt ;. V. für die Verehrung der Reliquien, die Priesterweihe, die mündliche Ueberlieferung, die hierarchische Ordnung, den Exorcismus bei der heiligen Tanfe und für die Ohrcnbeichte. Die Gebrechen des Protestantismus sind ihm wohl bekannt und cr verschweigt sie nicht. So sagt cr z. B. „Hat sie (die katholische Kirche) doch nie in dem Grade, als es leider i» der protestantischen Kirche geschehen ist, den Glauben verläugnet; hat sie doch nie, so wie es bei uns geschehen ist und noch geschieht, ihre Freiheit an die weltliche Macht verkauft, das Recht, sich frei nach ihrem Princip zu gestalten, das Recht, sich ihr Regiment und ihre Diener selbst zu setzen, Unwürdige von ihrem Verbände auszuschließen u. s. w. Hat sie sich doch nie zur Staatsanstalt herabwürvigen lassen! Darum scheint cS uns eine Gottlosigkeit, die römisch-katholische Kirche so mit Koth zu bcwer» fcn, wie Ronge mit seinem Anhange es thut :c." — Wir können nicht unterlassen, noch Einiges ans !c» Schlußworte» mitzutheilen: „Die katholische Kirche (heißt cS da) hat gcwisscrmaaßcu Ursache sich zu freuen, das; diese verderbten Bestandtheile ihres Körpers, welche bisher mehr verborgen zum Schaden der gcsundcn Glieder wirkten, nun von selbst wie durch ein Geschwür heraus eitern; und sollten, wie schon hie und da geschehen, auch Protc stauten dieser »cueu Gemeinde zufallen, so wäre in ihr vielleicht auch unserer Kirche ei» Ab;ugScanal eröffnet, durch den von unserer Kirche sich selbst ausschiede, was einmal nicht zu ihr gehört. Nicht vor der Verödung, sondern vor dem Lerderbniß hat sich die Kirche Gottes zu fürchten. Die Zeit ist vor der Thüre, ahnet dem Christen, wo der innere Abfall so Vieler, die jetzt im äußeren Verbände der Kirche stehe», sich in offener Loc-sagnng vom Christcnthumc offenbaren wird. Die Christenheit wird dann wohl sehr zusammenschmelze», aber was übrig bleibt, wird größtc»thcils reines Gvlv seyn. Und das wären denn die Vorboten der Wiedc» crschcinung Christi und deS jüngsten TagcS, wie er vorher gesagt hat Luc. 18, 3.: „Wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?" '-Bergt. 2 Timolh. 3, 1. Iudä 13... . Ihr, die ihr euch rühmet und frohlocket, nunmehr von der römischen Kirche los zu seyn, sehet zu, ob ihr nicht vielmehr von Gott und von Christo los seyd, ^icht eine Kirche Christi, sondern Feinde seines Reiches. Wir wollen euch weissagen, was kommen wird! Ihr werdet bald so viel verschiedene Sccten als Gemeinden seyn, und eine wird die andere im Unglauben und in der Verwirrung überbieten. Die prächtigen und rührenden Redensarten, mit denen ihr eucrc Tod- tcngräbcr übertünchet, eure neuen Gottesdienste und Einrichtungen ansbictct, sollen uns nicht täusche» noch blenden. Auch die französische Revolution begann mit solchen schonen Redensarten: öffentliches Wohl, Mcnschciircchtc, Liebe, Begeisterung; und Viele ließen sich dadurch täuschen. Aber Wem das Ohr geschärft war, der hörte schon damals durch diese Flötentöne das Fallen der Guillotine, das Heulen der Sturmglocken und den schrecklichen Nnf: ü Iiss Iv Itcii! -> I)as Oicu!... O Deutschland, du einst vor allen Ländern gcbcncdcictvs, nun aber schier vor allen mit Unscgcn bcladcncs Land, dessen wankender Grund auch bei dieser neuesten Erschütterung offenbar wird; daß du dich vou deinem bösen Engel, deiner Nachbarin im Westen, die dir zur Versuchung an die Seite gestellt ist, immer mehr verführen lässest, ihr nack- uiabmcn! Wer könnte es treu mit dir meinen und sollte nicht wünsckcn, er könnte in die Speichen deiner Räder greifen und den rollenden Lauf zum Stehen bringen, der dich immer näher hinab nn den Abgrund führt? Wie lange wird ein großer Theil deiner Kinder, in die Knechtschaft der TagcSblättcr gegeben, blindlings folgen dem Zuge seiner falsche» Propheten, die ihnen Freiheit verheißen, während sie selbst Knechte des Verderbens sind? (2Petr. 2, 19.) O, daß du doch bedächtest, waS zu deinem Frieden dient, ehe dich das Strafgericht treffe, das deine Nachbarin schon ereilet! Bekehre dich zum Herrn, so wird er sich dein erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung (Jes. 55, 7.). Das walte Gott!" (Katholik.) « » « Die im Interesse des NcuglaubcnS, rcsp. Unglaubens veröffentlichten ZcitnngMrtikel tragen, wie das Schlcsische Kir- chcnblatt sehr richtig bemerkt, fast sämmtlich ein so ganz gleichartiges Gepräge, als wenn sie aus einer und derselbe» Münzstätte hervorgegangen wäre». „Ucbcrall soll der Geist für Einführung des ChnstcnlhnmS sich kund geben; überall ist der Tag, an welchem Herr Rouge in irgend einer Stadt erscheint, ein ewig denkwürdiger und wird in den Annalen derselben fortleben; überall ist tie Stunde, wo der neue Goltcsdicnst gehalten wird, von hoher Wichtigkeit; überall spricht der Redner klar und mild tief in die Herzen Vcr andächtigen Gemeinde; überall ist die Predigt tief durchdacht und macht sichtbaren Eindruck; überall werden von dem großen Ernst und heiligen Feuer, mit welchem die r ine Lehre des Herrn verkündet wird, die Gemüther mächtig ergriffen; jegliche Feierlichkeit ist wahrhaft hcrzerhcbcnd und tief erschütternd; die Vorbereitungen zur heiligen Communion sind natürlich höchst erbaulich; kurz und gut, der Gottesdienst wird in wahrhast erhebender Weise abgehalten, und so oft mit hinreißender Bcrcdtsam- teit nnd herzergreifender Innigkeit eine Predigt gehalten wird, so hört ein Jeder mit unverkennbarer Aufmerksamkeit und Andacht zu. Ob solche Phraseologie, wie sie aus einigen wenigen ZcitungS- j blättern hier zusammengestellt ist, so ganz buchstäblich Wahrheit! enthält, bleibt unentschieden, wenn auch ein schlichter Landmann! aus Obcrschlcsicn nach Brcslau reiste, um hier das Urcbristenthum zu erkennen, oder ein Stadtoberhaupt ein solennes Mittagbrod zu Hause veranstaltete; daß sie aber aus Effect berechnet ist, bedarf keines weiteren Beweises. Dieser Zweck ist allerdings hie und da erreicht worden, indem bereits mancher gutmüthige Schlesicr, der von publicistischer Diplomatie keine Vorstellung hat, der Vesorgniß Raum gab, daß sowohl der Katholicismus als Protestantismus seiner Endschaft nahe. Aber Gott sey Dank, die Sachen stehen besser; die Gotteshäuser sind überall jetzt zahlreicher als je besucht, die Anhänglichkeit und Liebe zur Lehre unseres göttlichen Erlösers beseelt Katholiken wie Protestanten gleich stark, und in Eintracht werden beide Confessivnen als im Staate gleichgestellte neben und mit einander fortbestehen." » » Dem Katholik wird geschrieben: Unlängst sollte auch das eine halbe Stunde von Mainz gelegene Dors Weisen an wiederum mit der neuen Schneidcmühlcr Hnlslchrc beglückt werden, nachdem schon früher einige Emissäre bei Einzelnen es versucht hatten, sie zum Abfalle von der katholischen Kirche zu verführen. Schon zu drei verschiedenen Malen trieb sich nämlich ein anständig gekleideter Fremder auf den Straßen Heruni, gesellte sich freundlich zu den größeren Schulkindern, fragte sie allerlei und knüpfte daran seine Belehrungen vom neuen Messiasrciche und dem Umsturz der katholischen Kirche. Unter anderem Unsinne sagte er: unser lieber Herr Gott würde wieder auf einem Esel geritten kommen und einen feierlichen Einzug halten. Dann forderte er sie auf, „deutschkatholisch" zu werden, wollte ihre Namen in ein Büchlein schreiben und bot Einigen Geld dafür an. Die Kinder, namentlich ein dreizehnjähriger Knabe, wiesen ihn jedoch mit seiner Lehre und seinem Gelde ab und hielten ihn für einen Narren. Auch in Hänsern war er, besonders bei einem anspruchslosen, frommen Winzer, zu welchem er sich begeben hatte, nachdem ihm bei den Kindern seine Spcculation nicht gelungen war. Als ihn aber der schlichte Mann fragte, welcher Religion er denn eigentlich zugehörc, hielt er es nicht unter der Würde eines Glanbcnsverkündigcrs, zu erklären: „Hier sind die Leute katholisch — da bin auch ich katholisch; und bet Protestanten bin ich protestantisch." Da cntgcgncte ihm der durch solches Glaubensbekenntnis; nicht befriedigte Winzer: „Da sind Sie also gar nichts!" wandte ihm den Rücken und ließ ihn mit Verachtung stehen. Ich kann bei der Gelegenheit die Frage nicht unterdrücken: Was würde einem Katholiken (und zwar mit Recht) geschehen, der auf so unverschämte Weise in einem fremden protestantischen Orte sich Solches erlauben würde? Wie oft hat man die Katholiken und besonders die Geistlichen als Proselytenmcichcr angeklagt, wenn sie ihre tausendjährigen Rechte ausüben und ungehindert ihrem Glauben leben wollten? Wie übel wird es aufgenommen und fast als Kriegserklärung angesehen, wenn irgend ein Katholik, der gar nicht bekehren will, sondern durch allerlei Neckereien und Verspottungen seines Glaubens und besonders der heiligen Gebräuche desselben gezwungen, endlich erklärt, daß die katholische Kirche die einzig wahre nnd alleinseligmachende sey, daß es nur eine Wahrheit gebe, also auch nur eine wahre Kirche geben könne? Und wir müssen uns von diesen Schwärmern Alles gefallen lassen! ! Freilich, die katholische Kirche ist cS schon gewohnt, stets nach einem besonderen Maaßstabe gemessen und unter dem Aushängcschildc von „Toleranz," „Aufklärung," „religiöser Freiheit" und .allgemeiner Menschenliebe" gelästert und mißhandelt zu werden. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.