? XV ^ays - Mei/., der Augsbttvger Iweite Jahreshälfte. lt MV ^S-tt-^c-A Utz^-A^M? -~ ^-^ Z .„^^ Poftzeitung. ^SrM^ V» «. Juli Eine freie Vetracliruna über die Heiligkeit der Kirche. 5 Wenn der Mensch in sich wahrnimmt, daß er nach höherer Vollkommenheit streben soll, ihm eine höhere Lehre sagt, daß es hienicden seine Bestimmung sey: „Gott, dem vollkommensten Wesen ähnlich zu werden," was muß sein Inneres mehr begeisternd erheben, als ein unbefangener, vorurtheilssreier Hinblick auf die römisch-katholische Kirche, die da auch heißt „heilig"?! Sie ist heilig in sich und Andere heiligend — ich mag betrachten ihre Lehre, oder ihre Satzungen, cder ihre hl. Sacramcnte, oder ihre Anstalten, Ceremonien u. dgl., überall wehet derselbe Eine Geist der Heiligkeit und Heiligung. Und Wie kann es auch anders seyn, da ihr Aus- oder Aufgang von der Höhe —- Oriens ex sl(o — aus ewigen Licht - Regionen, aus dem Reiche der Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit ist, da ihr Stifter die Heiligkeit selbst ist, und diese seine Braut als mackel« und fleckenlos unter namenlosen Schmerzen durch Blut und Wasser am Kreuze in seinem heiligsten Herzen uns gebar. — Auch vom Kreuze herab möchte ich von der Kirche sagen: Oiieiis ex alto — ciuao est ists, ciuas procossit sieut sol . . . Lle-Lta vt sol, pulclrrg. ut Kur» . . . sieut suror» eon- suigeris . . . puletna es . . ? ! Die Seite wurde geöffnet, und es flössen die Quellen des unsterblichen Lebens, die der heiligen Kirche Daseyn und Fortdauer geben. Der Mensch, zur Welt gebore», wie armselig! Die Erbsünde mit ihren Folgen lastet auf ihm; er ist in den Augen des Allheiligen un heilig, ein Gegenstand des Zornes und Mißfallens. Wo ist nun für ihn ein Heiligungsmittel? In der Kirche, sie heiliget ihn durch daö Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des hl. Geistes. (Tit. 3, 5.) Er wird Gott Wohlgefällig, zum Kinde Gottes neugeboren, zu Gottes Ebenbild in Christo erneuert. „In den Wicdergcborncn hasset Gott nichts"... (hl. Synod. v. Tr.) Da nun aber nach Gottes Weisheit in den Getauften noch die Begicrlichkeit, oder der Zunder der Sunde zurückbleibt — ohne aber eine wirkliche Sünde zu seyn; denn Sünde ist nur, wo Uebereinstimmung des Willens mit der Begierde ist — da das Fleisch gegen den Geist, und den Geist gegen das Fleisch gelü- . stet, beide sich entgegen stehen (Gal. 5, 17.); da der Mensch zum Kampfe gegen Welt, Fleisch und Satan auftreten soll, wer wahret ihn vor unhciligen Wegen, wer lichtet das Dunkel seines Verstandes, diese traurige Folge der Erbsünde, daß er Vöscö vom Guten unterscheide, nach dem Rathe der Bösen nicht gehe, auf rein Wege der Süudcr nicht stehe und wandle, und auf dem Stuhle der Pestilenz nicht sitze, daß die Bosheit seinen Verstand nicht verkehre, noch ersonnene Lehre seine Seele betrüge, der Zauber der Eitelkeit nicht verdunkle das Gute, und uustätc Begicrlichkeit nicht verkehre seinen arglosen Sinn, sondern daß er seinen Glauben nach seinem Taufbunde standhaft bekenne, und nach solchem — srvmm und heilig — lebe? Wer gibt seinem Willen, durch die Erbsünde geschwächt und zum Bösen geneigt, Kraft? Du bist es, heilige Kirche mit deiner heiligen Lehre und dem heil. Sacramente der Firmung, das sich zur Taufe wie Wachsthum zur Geburt verhält, die Gläubigen, die durch die Taufe unter die Fahne aufgenommen, zum Kampfe bewaffnet, ihnen Kraft und volle Stärke des Gemüthes und die Vollkommenheit zur Gnade ertheilt — die Taufgnadc vermehrt, im Glauben stärkt und zum vollkommenen Christen macht. Doch die Welt liegt im Argen, der Mensch wird mehr oder weniger nmsluthet von stürmenden MccrcSwogen reizender Lockungen auf unheiligc Pfade von innen und außen, und wird, ach! überwuudcn ein verlorener Sohn, und irret im flrnen Lande un-- hciligcr Gesellschaften, losgetrennt vom Umgänge mit dem himmlischen Vater — gottlos. Nun aber noch nicht ganz verloren, erkennt er sein Unrecht, seinen unhciligen Wandel; eine innere GottcSstimmc, das anklagende Gewissen, macht ihm bittere Vorwürfe, läßt ihn nicht ungestört bei seinem TagcSgcsä'äftc, noch im fröhlichen Zirkel trauter Freunde, noch im nächtlichen Schlafe, indem ihm nicht gilt: In paee iir i«.Ii'i??um, elvrmiam et re- cuiiescam; überall in sich beunruhigt schwebet ihm vor das zürnende Antlitz des Allhciligcn, dessen Ebenbild er in sich so undankbar und schändlich, vollgisättigt von thierischen Lüsten, verunstaltet, und die himmlische Taufgnade verloren. Unglücklicher! hast du Neue und gute Vorsätze, so verzage nicht, komm, komm! eile! der Vater zieht dich, er kann dich nicht so unhcilig und verloren sehen; eile der Kirche, dieser schönen Mutter, dieser Braut Jesu Christi, die dich sucht, in die Armc, und bekenne demüthig und aufrichtig deinen unheiligen Wandel, und sie wird mit Frcudcnthrcincn dich umhalsen, und mit der himmlischen Lösegcwalt, gleich dem barmherzigen Sa- mciritan, sacramentalischen Wein und Oel in deine Seclenwunden gießen, sie gchcimnißvvll heilend verbinden, und dich wieder mit dem Lilienklcidc der h eiligmache ndcn Gnade schmucken, worüber der Himmel sich freut, und die Hölle knirschet. Ja, noch mehr! Ein köstlich Mahl ist dir bereitet, wunderbar dich stärkend i» Dieser zweite» Taufgnadc, die du erlangt durch innern Schmerz und Bußthnincn; denn der von einer schweren Krankheit Genesene bedarf stärkender Nahrung. Diese findest du in dem allerhciligstcn Altarssacramcntc, in welchem Jesus durch seine heilige Kirche sich selbst uns zur Scclenspcisc gibt, um nicht uur die hciligmachcnde Gnade in uns zu erhalte» und zu vermehren, sondern um sich mit uns auf'S innigste zu vereinigen, von läßlichen Sünden zu befreien, die Seele vor zukünftigen Uebeln zu bewahren, die böse Lust in uns zu mindern und zu unterdrücken, und uns den Eingang zum ewigen Leben zu eröffnen. „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm » . . der hat das ewige Leben." (Joy. v, 57, 59.) Wer kann unsere Seele mehr heiligen, als der Urheber allc^ Heiligkeit selbst, wenn wir uns recht ost und wohl vorbereitet mit ihm in diesem Sacramente zu vereinigen suchen? So will uns der Heiland mittelst seiner heiligen Braut, der heiligen, römisch-katholischen Kirche, heiligen, sucht den Verlornen, heiligt den Unheiligen, kräftigt ihn mit himmlischer Speise, und gebiert und führt ihn zum ewigen Leben. Der Stammbaum dcö menschlichen Geschlechtes, der Ehestand, wurzelt im Paradiese, gepflanzt, gesegnet und geheiliget von dem, der da sprach: „Wachset und vermehret euch, und erfüllet die Erde." (Genes. 1, 28.) In reiner Liebe, ferne von wilothicrischcr Lnst, in heiliger Absicht, nach Gottes heiligem und weisem Endzwecke knüpfe sich das eheliche Band zwischen Einem Manne und Einem Weibe — Mann und Männin, zwei in Einem Fleische — Ein großes Geheimniß, ein Sinnbild der Verbindung Christi mit der Kirche — Ein wichtiger Stand auf Erde», ei» scgcnvvllcr für Kirche und Staat. Segen- und gnadcnvoll für die Verehelichten, wenn sie durch Wachsthum in Rcligionskenntnisft», Gottesfurcht und Tugend in ihrem jugendliche» Stande, wie Nebckka, Joseph, Tobias, Sara ?c. sich dazu vorbereiten, uud so ihre Jugcndjahre heiligen, wozu ihnen eben wieder, wie wir bisher betrachtet, die heilige Kirche durch Lehre, Heilungsund HciligungSmitlcl heiligend an die Hand geht. Nur ein frühe veredelter und sorgfältig gepflegter Banm läßt gute Früchte erwarten. Die Jugcndjahre sollen auch in dieser Beziehung die Pflanzschule für deu ehelichen Stand seyn, deren sorgfältige Pflege der Heiligung in den Händen der Kirche liegt. Kenntnisse in der Religion, Gottesfurcht, Frömmigkeit und Tugend müssen mit den Jahren zunehmen. O gebet uns eine fromme Jugend, und Wir geben euch fromme Eltern I Im Ehestände sind der Pflichten viele und schwere, der Drangsale, anch in der glücklichsten Ehe, ost nicht wenige, hart und drückend, die Erziehung der Kinder in der Furcht des Herrn sehr schwierig, kummcr- und mühevoll; die Pflichten der Ehelcute gegen Gott, gegen cinaiwcr, gegen ihre Kinecr, Untergebene, Ncbenmenschcn :c. mannichfachc; Ehelcute sollen einander lieben, schützen, und nie verlassen, als gctrc»c Gefährten durch das ganze Leben, was immer für Trübsale und Mühseligkeiten sie treffen mögen, so wie Christus seine Kirche beständig liebt, schützt und nie verläßt. Wohl eine schwere Bürde, ihr Eheleute! lastet auf euer» Schultern. Ihr sollet in cuerm ehelichen Stande bis in den Tod gottselig verharren, und cuerc Kinder christlich erziehen. Ihr brauchet höhere Kraft, höhere Weihe, und diese wird euch vom Himmel durch die Kirche i» dem hl. Sacramcntc der Ehe, wenn dieser Stand nach Gottes weiser und heiliger Absicht angetreten und gehalten wird, uud wird er also angetreten, so ist solchen Ehclcutcu verheißen Gottes Segen, Vermehrung zcitlicher Güter und Nahruug, gotteSfürchtige und gehorsame Kinder und Kindcskiuder, und nach dem Austritte aus dieser Welt die ewige Seligkeit. Also ist es wieder die heilige Kirche, welche heiligend vorbereitet, heiliget dnrch das hl. Sacramcnt der Ehe. uud lehret und führet und leitet durch das heilige Wort und andere sacra- mcntalische Gnaden, wie auch durch tägliches Gebet, auf diesem Dornige» Pfade zum ewigen Heile. Wie bei dem Eintntte i» dieses Leben und durch den ganzen Verlauf desselben, so sucht die Kirche beim Austritte aus dieser irdische» Laufbahn den Menschen durch die hl. Sterb sacramcntc zu reinigen, mit dem Mgercchtcn auszusöhnen, zu heiligen, und so in den Schooß des ewigen Friedens zu führen; ja ihre mütterliche Liebe bleibt nicht beim Grabe stehen, sondern bethätigt sich noch eifrig über dasselbe für die leidende Kirche durch das innige Band geistiger Gemeinschaft. Wie ein tröstender Engel es scheint der Priester am Sterbebette, wenn kalter Schweiß die Stirne decket im Kampfe mit dem Tode, und sanftes Wehen eines höhern Geistes erquickend und crmuthigend durchströmet seine gläubige Seele, sey es, daß ich betrachte die hl. Sacramcntc, oder vie kraft- und salbungSvvllcn Gcbcte und Segnungen der Kirche. Die Kirche ist hier die reale Repräsentation des wahren, göttlichen, barmherzigen Snmaritan in diesem wichtigen Monuntc, von dem eine Ewigkeit abhängt, damit, w.nn der Ewigkeiten Thore sich öffnen, kühlende Luft, (wie schön ein Anderer sagt,) aus anderer Welt in das vom Todcsschweisze feuchte Angesicht beseligend wehe. Wer ist es nun aber, durch welchen die Kirche die beseligende göttliche Lehre uns ertheilt, und die Heilsqucllcu so mütterlich liebend uns öffnet, und deren Gnaden so reichlich auospcndet? Der Priestcrstand ist es, dem sie — die Kirche — auch wieder höhere Kraft und Weihe gibt, damit sie — die Priester — ihre geistlichen Aemter recht und wohl versehen mögen; besondere Gnade, vasz sie als Lichter auf dem Leuchter, als das Salz der Erde erfunden werden , daß sie gekräftigt, wie durch Worte, so vorzüglich durch Beispiel, Lehren. So ertheilt nun die Kirche dnrch jedes heilige Sacramcnt eine besondere, eigene Gnade, um durch alle Stufen und Stände des menschlichen Lebens zu reinigen und zu heiligen. O heilige Kirche, wie kann ich dich genug erheben! Wahrlich von dir rufe ich auch aus: „Saucta et immaeulala . . . eiuiliu8 to IgucIil)U8 vtlvi-am, nvseio." Oktio. K. Al. in 83dl). „Vicii civilolvm 8gnelinn ^vrusalem novam clöSLonelentom cls coolo a Duo ..." ^noe. 21. Wie glücklich, in dem Schvoßc einer so reinen und heiligen Mutter zu ruhen, an ihrem Herzen so wonniglich sich zu nähren! „Deine Brüste sind besser als Wein: sie riechen nach den allerbesten Salben: dein Name ist ein ausgegossen Oel." (Hohcl. 1, 2. 2, 10.) Wahrlich: „Dein Bauch ist wie ein Waizen- Haufen, von Lilien umlagert.« (Hohcl. 7, 2.) Was von der göttlichen Weisheit geschrieben steht, 'l)öre ich von dir sagen mit holdselig einladender Stimme, in süßer Rede von Lippen, gleich einer Purpur-Schnur (Hohel. 4. 3.). „Meine Lust ist bei den Menschenkindern zu seyn . . Höret mich, ihr Kinder: Glückselig, die meine Wege bewahren! Höret die Lehre, und werdet weise, und verwerfet sie nicht! Glückselig der Mensch, der mich höret, und der an meinen Thüren wachet, Tag für Tag, und meiner wartet an der Schwelle meiner Thüre. Wer mich findet, findet das Leben, und schöpfet daß Heil von dem Herrn," (Spr. Salom. 8, 3l — 36.) O unglückliche Brüder! die ihr gegenwartig gegen diese heilige Mutter, die euch in ihrem reinen Schooße geboren, genährt und herangezogen zum wahren Leben, so undankbar, sündhaft und höchst unehrenvoll denket, redet, schreibet und handelt, o öffnet euere Augen, und vernehmet mit euern Ohren, was ich in Verbindung mit obigen Worten diese so heilige Mutter an euch möchte aus ihrem erbarmungsvollen Mutterhcrzen sprechen lassen: „Wer aber gegen mich sündigt, verletzet seine eigene Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod." (Spr. Sal.8,36.) Beherzigt auch noch die Worte des hl. Paulus: „Gleichwie aber Jannes und MambreS dem Moses widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit, Menschen verdorbenen Sinnes, verworfenen Glaubens; sie werden es aber nicht weiter treiben: denn ihre Thorheit wird Allen offenbar werden, wie es auch bei jenen geschah." (2. Timoth. 3, 8. 9.) O Jesus, seßlc mich recht innigst an diese deine heilige Braut, die ja nur aus Deinem heiligsten Herzen hervorgegangen, wie die aufsteigende Morgenröthe, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne, furchtbar wie ein wohlgeordnetes Heerlager! Ja, ziehe uns Alle, daß wir alle dieser Deiner heiligen Braut nachlaufen, dem Wohlgcruche ihrer Salben, frohlocken und uns freuen in ihr, und Du uns durch sie einst führest in Deine himmlische Wohnungen! (Hohcl. 1, 3.) L. Nordamerika. (Katholik.) Die erst unlängst bekannt gewordenen Verhandlungen der ersten Diöccsansvnode von Ncw-Avrk-) enthalten sehr interessante Ausschlüsse über das innere Leben der katholischen Kirche in Nordamerika. Dr. Hughes, katholischer Bischof von New- Zjork, hielt am fünfzehnten Sonntag nach Pfingsten, als am 28. August 1842, iu New-Aork das erste Diöcesanconcilium seines BiSthumcS. 67 Priester waren zugegen; nur sechs waren aus gegründeten Ursachen zu kommen verhindert. Die Verhandlungen wurden mit aller Bescheidenheit vier Tage lang geführt, und in der dritten Sitzung 33 Synodalbcschlüsse festgesetzt zur Aufrcchthaltung des Glaubens und der Disciplin, und dann durch den Druck bekannt gemacht. Bald darauf richtete der eifrige Bischof ein Pastoralschrciben an seine Geistlichkeit und an die Gläubigen. Er drückt darin vor Allem seine Freude aus über die Bereitwilligkeit und Erbauung, mit welcher sein Klerus dcu sechstägigen geistlichen Uebungen und dann der Synode beigewohnt, so wie auch über die Einigkeit, mit welcher die Synodalbeschlüsse 8z'rwc-ce5ana Kco - LKoraeen5i5 prima Kabitk snno 1842, IXeo-LIzoraei, lz-pis Keorgii Hlitclioll. 1842.— ?asw- rsl Better ok lKv riglN Keverc-irä Dr. IlugKes lc> tlre Llorgz imci I.uit5' vl tko vioceso ol I^e>v-Vorlc. 1842. zu Stande gekommen seyen. Dann wendet er sich an das Volk und zeigt demselben, welchen Vortheil die gefaßten Synodalbcschlüsse zur Aufrcchthaltung der kirchlichen Disciplin bringen werden. Wir wollen hier das Merkwürdigste von diesen Synvdalbcschlüsscn mittheilen. Das Hauptaugenmerk ist auf die Ausspcnduug der heiligen Sacrameute gerichtet. Da in den vereinigten Staaten die katholische Kirche bisher nur dahin arbeiten mußte, sich fest zu begründen und vor äußern Anfeindungen zu schützen, so mußte in der kirchlichen Disciplin da manches geduldet werden, was nun, seitdem der Bestand der Kirche hinreichend gesichert ist, durch kirchliche Gesetze verboten werden mußte. Es warv daher verboten, in Prioathäuscrn oder au andern Orten als in der Kirche die heilige Taufe zu ertheilen, außer wenn der zu Taufende in Todesgefahr wäre; in diesem Falle müssc», wenn das Kind noch lebt, die Ceremonien später nachgeholt werden; ebenso wird dieß geduldet, wenn die Eltern mehr als drei Meilen weit von dem Seelsorger wohnen, oder wegen Armuth den Weg nicht machen können. (2. Beschluß.) Vermöge alter Gewohnheit empfingen die Kinder, außer bei Todesgefahr, erst in den Jahren, wo sie zu den heiligen Sacramcn- ten dcö Altars und der Buße zugelassen wurden, das heilige Sacramcnt vcr Firmuug; diese Gewohnheit wird gebilligt und für die Zukunft zur Regel erhoben. (4. Beschluß.) In Betreff des Bußsacramru- tes wird beföhle«, in allen Kirchen Beichtstühle zu errichten; und verboten, die Beichte des weiblichen Geschlechtes anderswo als in den Beichtstühlen derKirche anzunehmen, ausgenommen in Fällen dcrKrank- heit, Taubheit und allzu großer Entfernung. (8. Beschluß.) Auch solleu die Priester nur im Talar, mit Chorrock und Stola, in den Beichtstuhl treten. (9. Beschluß.) Was die Ausspcudung des heiligen AltcrrS- sacramentes betrifft, so wird dem Priester ausgctragcu außer iu unvorhergesehenen Fällen die Messe nie anders, als im Talare zu lesen; auch soll er die heilige Eucharistic nicht anders, als in einer anständig verzierten, von ihm auf der Brust getragenen Bursc zum Kranken bringen; ebenso wird verboten, dieses heilige Sacramcnt in einem Privatorte aufzubewahren. (6. Beschluß.) Vordem heiligenAltarssacramente soll das ewige Licht erhalten werden. (7. Beschluß,) Der Priester soll eine Ehe nicht einsegnen, wenn die Brautleute, wenigstens der eine Theil, sich nicht mindestens vier Tage vorher bei dem Seelsorger gemeldet haben. Dieser soll sie dann zum vorschristmäßigcn Empfange des heiligen Sacramcntes vorbereiten und zur Ablegung einer sacramenta-- lischen Beichte anhalten. Vor Verrichtung einer solchen Beichte darf er sie nicht einsegnen, (11. Beschluß.) Vor gemischten Ehen wird nachdrücklich gewarnt; da aber diese i» jenen Ländern doch mußten geduldet werden, so haben die Seelsorger im Geiste der ächten kirchlichen Praxis — cö gibt bekanntlich auch eine laxe, die sich gern für eine rigorose ausgeben möchte, — folgende Gesetze zu beobachte»: 1) Kein Priester soll aus was immer für eine Weise zur ehelichen Verbindung Solcher mitwirken, von denen er weiß, daß sie sich von einem hcterodoren Geistlichen haben copulircn lassen, oder wahrscheinlich Voraussicht, daß« sie dieses thun Werden. 2) Wenn das Ehchindcrniß prc>r>tc;r ilispuri- tcrtLm oultus obwaltet, so muß jedesmal vom Bischöfe DispcnS erbeten werden. 3) Der Priester darf, und zwar nur außer Kirche, und ohne alle heilige Ceremonien und kirchliche Kleidung, der Abschlicßung einer solchen Ehe nur dann beiwohnen, wenn der akatholischc Theil feierlich verspricht, dem katholischen Theile freie Ncligioncübung zu gewähren und die Kinder im katholischen Glaubcu erziehen zu lassen. (15. Beschluß.) Alle Geistlichen endlich sollen ihren Gläubigen die Gefahren solcher Mischehen an'S Herz legen. (16. Beschluß.) Weil häusige Fälle vorgekommen sind, daß Brautleute, um die Einsegnung leichter zu erhalten, anstatt an den eigenen Seelsorger, an fremde Priester sich wendeten, so wird für die Zukunft jedem Priester verboten, innerhalb eines fremden Kirchspieles, so wie Brautleute, die unter einem fremden Seelsorger stehen, ohne Erlaubniß dieses Seelsorgers einzusegnen. (12. Beschluß.) Und weil es sich ost ereignet, daß Brautleute, besonders Einwanderer, zur Eingehung einer Ehe sich stellen, ob- schon sie bereits vcrheirathct sind; so soll der Seelsorger ein Braute paar so lauge mehr einsegnen, bis jeder Zweifel, ob sie etwa vcrheirathct sind, gehoben ist. Und wenn kein anderes Mittel zur Erlangung der Giwißhcit übrigt, so sollen solche Brautleute, die verdächtig sind, angehalten werden, vor der Civilobrigkcit, oder wenigstens vor dein Seelsorger ihren eheloscn Stand mit einem Eide zu bezeugen. (lZ. Beschluß.) Kräftig wird gegen die geheimen Gesellschaften gesprochen. Die Seelsorger werden beauftragt, solche, die feierlich zu einer geheimen Gesellschaft geschworen, so lange von den Sacrcuncnten auszuschließen, bis sie jede Verbindung mit derselben gelbst haben. Thun sie das nicht, und weigern sie sich selbst auf dem Todbcttc noch die verbotenen Bande zu zerreißen, so soll ihnen das kirchliche Begräbnis; verweigert wer- dcn, (33. Beschluß.) Zugleich sollen die Seelsorger ihre Beichtkinder, sofern sie in dieser Beziehung verdächtig sind, darüber befragen. (33. Beschluß.) Eine andere Verordnung der Synode betrifft die Verwaltung des Kirchen Vermögens. Bisher verwalteten in der Diöccsc Ncw-Zork, wie in vielen anderen Theilen Amerika'S, Laien nntcr dcm Titcl kirchlicher Vorsteher (IVustees) das Kirchenver- mögcn. Da aber bei diescr VcrwaltungSart für dic Kirche manche Unannehmlichkeiten entstanden, so muhte man Abhilfe schaffen. Das vierte Provincialconcilium von BaUimorc im Jahre 1842 vcrord- nctc, daß in Zukunft keine Kirche geweiht werden sollte, bevor sie nicht dcm Bischöfe als Eigenthum übergeben worden wäre. Da aber in Ncw-Aork das alte Vcrwaltungssvstci» schon so ticf eingewurzelt war und der Bischof selbst nicht so große zeitliche Sorgen übernehmen wolltc, so schlug die Synode eincn anderen Weg ein. Man ließ den Trustecs dic Verwaltung des KirchenvcrmögcnS, verpflichtete aber dic Scclsorgrr jcder Kirche, ein Jnvcntcnium über das Kirchcnvcrmögcn zu führen und darin alle Einnahmen und Ausgaben der Kirche zu verzeichnen. Dieses Jnocntarium wird dem Bischof bei der jährlichen Visitation vorgelegt. Zugleich dürfen die weltlichen Anwälte nichts von dem Kirchcnvcrmögen verwenden, ohne ausdrückliche Erlaubniß ihres ScclsorgcrS. Aber auch diescr darf, dic gewöhnliche» Bedürfnisse abgerechnet, innerhalb eines Jahres ohne specielle Erlaubniß des Bischofs nicht mehr alv hundert Dollars bewilligen. Zugleich ward den Trustces untersagt, ohne Einwilligung ihres ScclsorgcrS ciue Pcrson zu irgend einem kirchlichen Dienste anzustellen, oder weltliche Vcrsammlungcn in der Küche, vdcr in einem andern dazu gehörigen Orte zu halten, oder die Kirchcnstühlc öffentlich zu versteigern. (Beschlüsse 24. 25. 26.) Solche und ähnliche weise Vorschriften hatte das erste Diö- ccsanconcilium von Ncw-Iork erlassen, und Bischof HngheS seinen Diöccsancn in einem Pastvralschreibcn eingeschärft. Kaum aber waren diese Verfügungen bekannt geworden, als vier politische Blätter gegen dieselben als solche, welche dic bürgerlichen Rechte und die Gewisscnc-frciheit verletzen, auftraten. Vier Zeitungsschreiber von allerlei Rcligion, einer auö der Scctc der Cougrcgationalisten, ein Prcobytcriancr, cin Jude und cin Vierter, der keine Rcligion zu haben schien, waren hier einig zur Bekämpfung der katholischen Kirche. Dagegen erließ Dr. Hughes „eine Apologie seines Hirtenbriefes, als Erwiderung auf dic Einwürfe der vier Zeitungsschreiber." -) Er beweist darin, daß solche Verordnungen nicht, wie man ihm vorwerfe, die Rechte und Freiheit der katholischen Gesellschaft verletzen. Jede religiöse Gesellschaft in den vereinigten Staaten habe das Recht, ihren Cultus durch eigene Gesetze zu ordnen, und solche Gesetze seyen für die Katholiken eben die Synodalbcschlüsse. Und da dic Verpflichtung zur Befolgung der Gesetze einer religiösen Gesellschaft nur eine moralische sey, d.h. da Jeder sich nach Belieben davon lossagen könne, so wie es Jedem frei stehe, in dieselbe einzutreten und sich ihren Gesetzen zu unterwerfen, so werde ja kein religiöser Zwang auferlegt. Nur müsse, wer die Vortheile einer Gesellschaft genießen wolle, auch deren Gesetze sich gefallen lassen. Wenn man die Beschuldigung vorbringe, daß die Geistlichkeit darauf losgehe, das Kirchengut aus den Händen der Laien an sich zu reißen, so sey dieß nicht wahr, indem die Synodalvervrdnuugen nur Mißbräuche in der Verwaltung des KirchenvermogenS beseitigen. Hierauf zeigt er in speciellen Fällen, welche Unordnungen in das alte Vcrwal- tungssystcm eingcschlichen. WaS die gemischten Ehen betreffe, so stehe cS Jedem frei, bei solchen Ehen seiner eigenen Neigung, oder den Befehlen der Kirche zu folgen; die Gewissensfreiheit werde also durch die gefaßten Beschlüsse nicht verletzt. In Betreff der geheimen Gesellschaften endlich entgegnetc er, daß cS der kirchlichen Vorstcherschaft zustehe, den Gläubigen jene Fälle zu bestimme», in welchen es erlaubt sey, Gott durch einen Eid zum Zeugen anzurufen. Durch unerlaubte Eide suchen aber einflußreiche Verführer dic armen Ka-- tholikcn, besonders öffentliche Arbeiter, für ihre ruchlose» Zwecke zu gewinnen. Gerade sie, seine Gegner, die Journalisten, sollten als Wächter der öffentlichen Ordnung solche, welche die bestehenden Verhältnisse untergraben, vorzugsweise bekämpfen. Man sieht, daß eer gesunde Menschenverstand sich in Nordamerika in einem besseren Flore befindet, als zur Zeit in Deutschland! „Wenn wir dieses Aufblühen der katholische» Kirche i» Nord- Amerika, bemerken bei der Gelegenheit dic römischen ^Vnnali clells scien/e rvli^ivse, dieses Erstarken in Wissenschaft uud Disciplin crblickcn, so sehen wir uns unwillkürlich in die ersten Zeiten der christlichen Kirche zurückverseht. Die alte Kirche suchte, von außen ringsum bekämpft, sich in ihrem Innern immer mehr zu befestigen, dic HeilSwahrhcit n immer tiefer in'S Leben einzuführen und ihre Disciplin regelmäßigcr zu ordnen; sie ließ eS aber auch an polemischen Entgegnungen gegcn die äußern Feinde nicht fehlen. Eben dieses sehen wir heutzutage in der katholischen Kirche Nordamerika's; und dabei blühet sie, und breitet sich fortwährend aus. Möchten nicht manche katholische Länder Europa'S, iu denen die Religion fast keine Triebkraft entwickelt, daraus gar Vieles zu lernen haben?" Aphovisme. Mag man sich auch in der Welt über die Schlichtheit der Landgcistlichcn lnstig machen. Kein Stand ist ehrwürdiger als dieser. Jeder dcrselbcn ist als Hirt mit dcr Sorge für seine kleine Hcerde beauftragt, die mit ihm sein frugales und arbeitsames Leben theilt. Er bringt ihnen das Wort GottcS, und predigt ihnen Unterwerfung unter die Gcsctzc. ') Lisliop IlugKvs .-Vpolog)' tor Ki8 psstor.il Dotter, iu roplx w tliL sttieUires ot to»r Ldilors ot' nolicic»! >'enSparers. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.