? 5 ^»S- - Dei/.. der Augsbttrger Zweite Jahreshälfte. M- S8. Ppstzeitung. IS Fuli 1845» Der gute Pater Thomas.*) I. Derjenige Fremde, der während der Jcihre 1815 bis 1825 Florenz besuchte, und dem die höhern Cirkcl offen standen, wird zuweilen in den Salons der vornehmen Welt einen freundlichen alten Herrn, aus dessen Augen so recht die Seele sprach, angetroffen haben. Seine Kleidung zeigte es schon an, daß er dem geistlichen Stande angehöre, aber mehr noch als sein ehrwürdiges Gewand und seine Stellung verschafften ihm seine viele Tugenden, sein menschenfreundlicher Charakter Zutritt in alle vornehmen Familien und Niemand wurde in ihren geselligen Kreisen mit größerer Verehrung, innigerm Zutrauen empfangen und behandelt wie dieser alte geistliche Herr. Wo er sich auch zeigte, es mag in dem Hause eines Fürsten, Grafen, Staatsministcrs oder Generals gewesen seyn, bcwillkommte ihn der Hausherr mit aufrichtiger Herzlichkeit und die Dame von Haus, selbst wenn sie noch jung und schön gewesen, unterhielt sich mit Niemanden lieber als mit ihm; die jungen Leute beiderlei Geschlechts umringten ihn mit zutrauensvoller Ehrfurcht, ihm am liebsten all ihre kleinen Angelegenheiten anvertrauend und selbst die kleinen Kinder hüpften ihm fröhlich entgegen. Sollte sich zufällig dieser Fremde auch in die von dem Mittelstand oder den armen Classen bewohnten Häuser in Florenz verirrt haben, so fand er auch dort nicht seltener die Gelegenheit diesen alten, freundlichen geistlichen Herrn mit seinem gutmüthigen Gesichte anzutreffen; und auch dort wurde er mit derselben Verehrung und Liebe behandelt, auch dort war sein Benehmen eben so menschenfreundlich und Vertrauen erweckend, wie in den ersten und vornehmsten Cirkcln. Aber wer war denn dieser so allgemein hochgeachtete, überall gerne gesehene, von Jung und Alt, Vornehm und Gering geliebte und verehrte Mann? Es ist der gute Pater Thomas gewesen, und in ganz Floren; gab es kein Hauö, vom Palazzo Pitti, der Residenz des Grvßherzogs an, bis zur niedrigsten Hütte, wo dieser Name nicht mit Ehrfurcht ausgesprochen Worden wäre. Mögcn Diejenigen, die es nicht begreifen wie es einen Menschen geben konnte, der ohne Neider, Verleumder oder geheime Feinde durch's Leben gewandelt seyn sollte, immerhin ihre Köpfe Pater Thomas war ein Salzburger von Geburt. ! ungläubig schütteln, es bleibt dennoch wahr, daß Pater Thomas weder Neider, Verleumder noch Feinde gehabt, und zwar hatte er deßhalb keine Neider, weil er selbst Niemanden beneidete; keine Verleumder, weil er von allen seinen Bekannten, wie und wo er konnte, nur Gutes sprach; keine Feinde, weil er keines Menschen Feind gewesen; und obwohl gegen sich sehr strenge, war er gegen die Schwachheiten seiner Nebenmenschcn nachsichtig, darum geschah es, daß selbst der Lcrdorbcnste sich dem guten Pater Thomas nicht ohne Ehrfurcht nahte, und daß die bessern Menschen aus allen Ständen ihm mit aufrichtiger Verehrung und liebevollem Zutrauen entgegenkamen. In seinen jüngeren Jahren trieb ihn reine Menschenliebe nach den Urwäldern Amerika'S, wo er während zwanzig Jahre als Missionär den wilden Indianern das Wort des Heils verkündet, und durch sein Beispiel, seinen tugendhaften, wahrhast christlichen Lebenswandel unter ihnen bekräftiget hat; und ist es ihm auch nicht gelungen, alle die er gekannt zur christlichen Glaubenslehre zu bekehren, so haben sie ihn doch alle wie ihren Vater geachtet und verehrt, er hat sie alle wie seine Kinder betrachtet und behandelt. Wie viele barbarische Mißbräuche hat er bei ihnen nicht beseitigt, wie viele Menschenleben, die unter ihren Msscrn als Opfer ihrer Rache oder sonstiger grausamen Gebräuche verbluten sollten, nicht gerettet. Besonders suchte er in die für alles Gute noch mehr empfänglichen Gemüther den Keim christlicher Tugenden zu pflanzen, aber auch bei ven Erwachsenen bestrebte er sich die Erkenntniß des wahren GotteS zu erwecken, ihre rohen Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten zu vcredlcn. Sie Alle, Alt wie Jung, waren aber davon überzeugt, daß Pater Thomas nur ihr Bestes wünsche, darum liebten und achteten ihn selbst diejenigen Indianer, deren wilve Leidenschaftlichkeit oder schon zu tief eingewurzelte Vorurthcile seiner Ncligionslchrc unzugänglich blieben, und ließen sich von ihm in allen andern Sachen willig leiten. Es war ein Riesenwerk der Menschenliebe das er unternommen. Auf alle Bequemlichkeiten die uns Europäern zur zweiten Natur geworden, mußte er verzichten, unzähligen Gefahren muthig entgegen sehen, von einem Indianer Stamm zum andern ohne Rast und Ruhe wandern, Waldungen durchziehen, worin Tiger und Hyänen auf Beute lauer», steile Berge übersteigen, wo ein einziger Fehltritt ihm Verderben drohte, oder tiefe Moräste durchwaten, die ihn bis zum Hinfallen ermüdeten; dem Hunger und Durst Trotz bieten, den heißen Sonnenstrahlen wie der frostigen Nachtluft sein gefälltes Haupt aussetzen, und nur langsam sah er den Saamcn keime», den er mit so vieler Mühe, so vielen Anstrengungen, unter so vielen Gefahren ausgesäet hatte, aber wie sein Vertrauen auf Gott, und seine Menschenliebe, war auch seine Geduld gränzenlos. Jedoch sein zunehmendes Alter, wie seine geschwächte Gesundheit machten es ihm physisch unmöglich, solche Beschwerden noch länger zu ertragen, er wurde gezwungen, wollte er nicht unterliegen, ein milderes Klima und eine ruhigere Lebensweise aufzusuchen. Seine Sehnsucht zog ihn nach Europa zurück, wo ihm noch eine liebe Schwester lebte, die er vor seinem Ende, das er als nahe bevorstehend dachte, »och einmal zu sehen, zu umarmen wünschte. Viele tausend Indianer begleiteten den guten Pater Thomas bis zum Ccmal, der ihnen ihren lieben Gast, ihren Lehrer und Wohlthäter entführen sollte; von nah und fern strömten sie herbei um ihn noch einmal zu sehen, ihm ein letztes Lebewohl zu sagen, und als er beim Abschied mit rührender Stimme, thränenden Angcn, sie seine geliebte Ärüder, Schwestern, Kinder nannte, für deren Wohl er jeden Tag zu Gott inbrünstig beten wolle, sie mit sanften Worten bat, ihn ebenfalls nicht zu vergessen, sich seiner Lehren stets zu erinnern und sich immer mehr zu bemühen, dieselben zu befolgen, sie zur Eintracht, Gottesfurcht und Nächstenliebe ermähnte und zuletzt salbungsvoll seine zitternden Hände emporhob um sie zum Letztenmcilc zu segnen, sielen diese wilvcn Naturmenschen überwältigt von der Allgewalt seiner heiligen Worte, tief ergriffen von dem schmerzlichen Gefühl der Trennung, ihrem Wohlthäter, Freund und RcligionSlehrcr lant schluchzend zu Füßen. Auch P.itcr Thomas ließ sich auf die Kniee nieder um unter Gottes freiem Himmel gemeinschaftlich mit ihnen zu beten; sie baten für die Herstellung seiner Gesundheit, sein Wohlergehen; er für ihr Seelenheil. Selbst bis über das Meer war der Ruf des guten Pater Thomas gedrungen; denn sobald er an der Küste Italiens gelandet, erwartete ihn eine Einladung des GroszherzogS von ToSkana nach Florenz zu kommen, um an seinem Hof die Stelle eines Beichtvaters zn bekleiden; und mit derselben Bereitwilligkeit die er bezeigte, wenn ihn, während seines Aufenthalts in Amerika, ein indianischer Häuptling berief, seiner Familie oder seinem Stamm Religionsunterricht zn ertheilen, folgte er diesem Ruf; ihm galt es ja gleich in welcher Sphäre er wirkte, wenn er nur Gutes wirken konnte. Kaum war ein Jahr seit seiner Ankunft in Florenz vorüber gegangen, und schon wurde er allgemein geliebt, hochgeschätzt und verehrt, besonders aber von den Armen und Unglücklichen dieser Stadt, selbst sein Anblick erfreute und tröstete sie schon; wenn er über die Straße ging, liefen ihm Kinder von allen Seiten freundlich entgegen, gerne verließen sie ihre Spiele, um dem guten Pater Thomas ihr Händchen zu reichen, der sich stets so liebevoll gegen sie bezeigte. Stand eine Mutter ihren Sängling im Arm am Fenster, an welchem er vorüber kam, so bemühte sie sich, ihm ihren Kleinen bemerkbar zu machen. Wer an ihm vorüberging, grüßte ihn ehrfurchtsvoll, und für alle, welchem Stand der Grüßcnve auch angehörte, hatte Pater Thomas einen gleich freundlichen Gegcngrnß, für Jeden ihn Ansprechenden eine freundliche Rückantwort. Der Großhcrzog hatte ihm gleich bei seiner Ankunft eine Reihe reich eingerichteter Zimmer im Palast angewiesen, voch das geräuschvolle Leben am Hof, die lange daurcnden Mahlzeiten und der Luxus aller Art, der ihn da umgab, behagte dem guten Pater Thomas nicht sonderlich, was ihn aber besonders dazu bestimmte, bei dem Großherzog die Erlaubniß nachzusuchen, sich in eine Privatwohnung einmicthcn zu dürfen, war der Umstand, daß arme Leute in schlechter Kleidung es nicht wagten, ihn im großherzoglichcn Palast aufzusuchen; er miethete daher eine kleine Wohnung von drei Zimmern in einem schlichten Bürgershaus für sich und seine Schwester Betty, die bei der Nachricht von ihres Bruders Ankunft in Toökana herbeigeeilt war, um ihn, den sie schon so lange nicht gesehen, und der ihre einzige Stütze war, an ihr schwesterliches Herz zu drücke». (Schluß folgt.) Taufe einer Indianerin auf ihrem Sterbebett zu Paris. Der Häuptling des Indianer-Stammes der Jowavs ließ sich auf seiner Reise nach Paris von mehreren seiner Untergebenen begleiten. Er. hatte auch einen Familien-Vater eingeladen, der aber kurz vorher zwei seiner Kinder durch den Tod verloren hatte und darum sich von seinem Weibe und dem einzigen übrig gebliebenen Kinde nicht trennen wollte, bis ihm der Häuptling gestattete, beide nach Europa mitzunehmen. In England mußte das unglückliche Eltern-Paar auch noch das dritte Kind als Opfer dem Tode überlassen. Die Mutter, Oki-Wi-Mi ist ihr Name, wurde tief er- schlittert; sie wußte auch noch nach der Ankunft in Paris ihres Klagens und FastenS, denn die Wilden Amerika's drücken ihre Trauer durch Fasten aus, kein Ende. Sie nahm manchmal 3 und 4 ganze Tage hindurch keine Nahrung zu sich. Ihre Kräfte waren erschöpft und sie fiel in eine EntzündungS - Krankheit, welche trotz der sorgfältigsten Behandlung der Aerzte zu einer Lungensucht sich ausbildete. Die arme Mutter rückte sichtbar dem Tode näher. Oki-Wi-Mi machte sich und Andern kein Hehl daraus, daß ihre Auslösung bevorstehe. Der Dollmetschcr Ieffrev Doraway, ein guter Katholik, versuchte es, so weit er konnte, der Frau die Grundlehrcn des Christenthums beizubringen. Da die Indianer der Felsengebirge oft mit katholischen Missionären der Vereinigten Staaten in Berührung kommen, haben sie manche, wenn auch unbestimmte Begriffe von unserer Religion aufgefaßt. Die jüngste Tochter des Häuptlings der JowayS, welche mit ihrem Vater sich zu Paris befindet, ließ sich sogar zu St. Louis in Missuri taufen. Man hatte auch bemerkt, daß Oki-Wi-Mi während ihrer Krankheit große Vorliebe für eine Medaille der unbefleckten Empfängniß bezeigte, welche ihr einmal geschenkt worden war. Jeffrey ist der Sprache der Sacke, des Stammes, welchem die kranke Indianerin ihrer Geburt nach angehörte, nicht so mächtig, als er es wünschen mußte, um sie in alle Lehren des Christenthums einzuführen. Dieß Hinderniß fiel aber weg, als der Mann sich bereit erklärte, den Unterricht zu verdollmetschen. Eines Morgens war sie kräftiger, als gewöhnlich, da sie einen erquicklichen Schlaf genossen hatte. Plötzlich hieß sie ihren Mann vem Bette sich nähern und kündigte ihm an, daß sie sterben werde, indem der große Geist sie riefe und ihre Kinder schon die Arme nach ihr ausstreckten. Sie dankte ihm für die zärtlichen und ungeheucheltcn Beweise seiner Liebe und bat ihn, unbedenklich ihren Leib in Frankreich zu lassen; denn wenn sie auch nicht in der Heimath bestattet werde, so könne sie sich doch mit ihren Kindern und dem großen Geiste vereinigen. „Wann ich verschieden bin, so laß mich mit meinen reichen Gewändern umkleiden, und ziere meinen Leichnam mit allen den Geschenken, welche ich von den Weißen erhalten habe; aber vor meinem Begräbnisse nimm mir wieder Alles ab, dieß (sie zeigte auf die Medaille der unbe- fleckten EmPfLngniß) ausgenommen. Ich will sie behalten, weil sie mich in meiner Krankheit getröstet hat." Jeffrey, dem der Gemahl diese Worte seiner Frau übersetzte, war davon ganz überrascht und hielt den Augenblick für geeignet, sie durch den Mann fragen zu lassen, ob sie nicht die Tauft empfangen wolle. „Ja, Ja," antwortete mit schneller Bereitwilligkeit Oki-Wi-Mi. Jeffrey lief nun fort, einen Priester zu holen, und kam mit einem Caplan von St. Noche zurück. Dieser wendete sich an den Mann, ob er nichts dagegen habe, wenn seiner Frau die Tauft gespendet würde. Der Indianer erklärte seine Einwilligung, Oki-Wi-Mi erhielt die Taufe und starb als Christin. Als der Caplan sich verabschiedete, dankte ihm der Gatte voll Rührung, und bat ihn um Verzeihung, daß er ihn nicht früher gerufen habe. Die Verstorbene wurde mit alle» Ceremonien begraben, welche das Rituale bei der Bestattung katholischer Christen vorschreibt. Ihr Mann und zwei andere Indianer, dereneinernoch nichtcrwcrch- sen ist, wohnten dem Seelen-Gottesdienst in der Magdalmen-Kirche bei. Anch sprengten sie Weihwasser auf den Sarg, welchen sie i» die Erde versenken sehen wollten. Der hinterlassene Gatte bekümmerte sich noch mit Sorgfalt, welches Denkmal Der Verstorbenen gesetzt würde und er sah sich nntcr den Monumenten des Gottesackers nach einem Modelle für den Grabstein seines Weibes um. Die Marienandacht in der St. LndwigsLirche in München. Ueber die Predigten, welche die beiren PP. Redcmptoristcn während des verflossenen Maimonatcs zu München hielten, sind so alberne Gerüchte durch böswillige Leute verbreitet worden, daß wir um der Schwachen und Leichtgläubigen willen nicht umhin können, den nachfolgenden Bericht der Neuen Sion, welcher, wie wir wissen, aus zuverlässiger und wahrheitsliebender Quelle herrührt, auch diesen Blättern einzuverleiben. Die Maiandacht in der hiesigen St. Ludwizskirchc, von dem würdigen und eifrigen Scelenhirten, Herrn Stadtpfarrer Stumpf, durch die Berufung der PP. Redemptoristcn in's Lebe» gerufen, bildet ein kirchliches Ercigniß, welches wahrlich nicht spurlos an der Einwohnerschaft Münchens vorüberging. Ich beginne meincn Bericht mit den Vätern der Congrcgation des Erlösers; ihre Predigt eröffnete täglich Abends 7 Uhr die Andacht Zwei hvchwür- dige Väter waren gesandt, um abwechselnd die Vorträge zu halten. Es braucht nicht erinnert zu werden, welche Anstrengung es kostet, je des andern Tages die Lndwigskanzel zu besteigen. Uebcrdicß mußten manche Vorurtheile und feindselige Gesinnungen beseitigt und niedergeschlagen werden, wollten sie nicht umsonst gekommen seyn und ihren Orden in dem ihm eigenthümlichen schönen Lichte erscheinen lassen. Mit Gottes Gnade, hoffen wir, ist beides gelungen. Die Prcdigtstoffe waren so gewählt, wie es die Bcdürf- nisft der gegenwärtigen Zeit eisorderten; die Form der Abfassung war populär und von edler Einfachheit. So sehr die Veiten hoch- würdigen Prediger das Hauptgewicht auf die Verkündigung der evangelischen Wahrheil legten und diese in ihrer ganzen Kraft und tiefcindringendcm Ernste darstellten, so vcrnachläßigten sie darüber keineswegs die homiletische Form, wußten aber, daß diese in etwas anderem bestehe, als in sentimentalen Phrasen und hohlem Pathos, womit ein Theil des PublicumS verwöhnt und verweichlicht worden ist. Referent war Zuhörer der allermeisten Predigten und hat es sich und vor Andern gestehen müssen, daß gerade edle Einfachheit und genaue Ausarbeitung es sey, welche ihre Vorträge am Vvr- heiligcn Stifters getreu verlieren sie die natürlichste Einfachheit nie aus dem Auge. Bei der Anlage ihrer Predigten zielen sie auf Deutlichkeit und Gründlichkeit ab, und von Niemanden mag dieser Vorzug an ihnen bcstrittcn werden. Gewöhnlich lassen sie ganz natürlich die Definition, die nähere Erläuterung des angekündigten Satzes vorausgehen, erhärten dieselbe mit ausgesuchten Sprüchen von Gottcsgclehrten und schließen die Kettenreihe der Beweisgründe mit dem Gottcsworte der heiligen Schrift. Ist das geschehe», so kleiden sie die vorgetragene Wahrheit in die Form eines Gleichnisses, um sie einem Jeden, auch dem gemeinen Manne, verständlich und klar zu machen. Nun ist aber auch jeder Zuhörer überzeugt und die Beistimmuug von Seite dieser belohnt den begeistere ten Fackelträger des Lichtes himmlischer Wahrheit. Es war ein eigenes Vergnügen, schon in den ersten Predigten nntcr den Zn- hörern zu stehen und die allerersten Wirkungen zu beobachten. Bis zu einer Art Auflegung steigerte sich einige Male die crrnngcne Ueberzeugung des Gesagten bis der Prediger nach einer Reihe erschütternder, tiefeindringcnder, gewaltiger Worte den Ucbergcmg zu einem Beispiele aus der Geschichte machte. Das dars aber nicht geschehen, um den einmal aufgeregten Geist mit einer Erzählung einzuwiegen. Dieses Wußten unsere Väter gut; sie suchten dadurch nur den Totaleindruck hervorzurufen, und diesen an das anschauliche, lebendige Bild einer geschichtlichen Persönlichkeit bleibend zu knüpfen. Die schwierigen Thcmate wie das über Unkeuschhcit uud Versührung (Aergerniß), bei deren Ankündigung manchem Zuhörer das Herz besorgt zu schlagen anfing, sie waren so durchgeführt und so vorgetragen, daß sie eben so wenig das Zartgefühl beleidigten als die Sünde selbst schonten. Das Nämliche ist von der Predigt über die nächste Gelegenheit zu sagen. Mädchen, die Jahre lang in sündhaften Verhältnissen lebten, fragte der Prediger, ob sie sich in der Küche beschäftigten? „Sie sollten Acht haben, was da mit der Citrone geschehe: sie werde zuerst ausgedrückt, bis sie keine guten Säfte mehr besitze, dann werfe man sie in'S Kehricht. Das sey auch das LooS solcher Personen." Dieses Gleichniß soll hier deßhalb angeführt werden, damit sich zeige, von welch praktischem Tacte sie sich bei der Wahl der Vergleichungcn leiten lassen. Der öftere Anblick der Citrone predigt gewiß Solchen das Gesagte oft wieder. Eine Feuerprobe hatte der Pater auch zu bestehen, als er daran kam, von der Hölle, dem Höhepuncte der erschütternden Rcren, zu sprechen. Wer dürfte gute Nachrede hoffe», wenn er den Vcrdcunmungs- würdigcn von der Verdammung spricht? Mißverständnisse und Verdrehungen mußte man bei aller Gründlichkeit und Deutlichkeit sich erheben scheu. Doch auch diese Entfremdung der Gemüther wurde beseitigt, als der Prediger den I^iis i»l'i.-rnalis ^Höllenstein) weglegte und beide Patres darauf den Balsam aller Tröstungen folgen ließen. Man versöhnte sich um so liiber, als der Wohllaut der Stimme und die Gefälligkeit des Vvrtragcs beim einen, nnd die jugendliche Gestalt und die fließende Beredtsamkcit beim andern Pater die Herzen gewannen. Was hinter diesen Predigten sey, wurde bald erkannt. Die freudige Theilnahme wuchs mit jedem Tage; eine Stunde vor dem Beginne der Andacht regte cS sich schon und in größter Eilftrtigkeit ging cö da der schönen Ludwigskirche zu. Christen aus den höchsten und niedrigsten Ständen drängten sich nach dem Brode des Lebens. Daß die Wirkungen dieser Andacht nicht bloß vorübergehend seyen, sondern sehr nachhaltig bleiben, wird (wir wagen cS zu behaupten) noch die Zukunft lehren. Auf die Fragen: Wie lange schon halten Sie die gasttage, feiern Sie die Fcftzciten, haben Sie Ihr sündhaftes theilhaftesten auszeichnen. Dem Muster der Evangelisten und ihres Verhältniß aufgelöst ,c.? wird die Antwort erfolgen: „Seildem ich das und das so in der Ludwigskirche habe predigen gehört." Diese Hoffnungen glaubt Referent mit allen redlichen Katholiken um so mehr hegen zu dürfen, da er versichern kann, daß schon Gestohlenes zurückerstattet, schlechte Bücher ausgelicsert wurden. Unter den letzteren befindet sich das heillose Buch: „die Stunden der Andacht." Abergläubische, irreligiöse Bücher wurden auf der Stelle in die Hände der Patres gegeben. Wann dürfen wir uns ähnlicher Nachrichten erfreuen? Es wird viel gepredigt, ja! noch schöner und gründlicher gepredigt, aber alle 7 Tage nur Eine Predigt, sie ist zuletzt nur wie eine einzelne vorüberziehende Regen- Wolke, die den dürren Boden benetzt: alle Tage aber eine Predigt und das einen ganzen Monat lang, das bildet einen Platzregen, der auch die trockensten Herzen durchgingt. AuS den Früchten also laßt uns diese Maiandacht erkennen. Rcierent ist nicht der Erste, der durch Aufzählung der segensreichen Missionen der Re- dcinptoristen ihr Lob verbreitet und die katholische Welt zur Mit- srcudc über diese geistlichen Söhne der Gnade auffordert. Ihre Trefflichkeit ist selbst schon bei den Sprechern des Protestantismus anerkannt worden. Um sich davon zu überzeugen, hat man bloß das jüngst erschienene Hcst der protestantijchen Kirchenzcitung, redi- girt von Dr. Harlcß in Erlangen, zu lesen. Dort ruft am Ende der Darstellung einer Rcvcmptoriften-Mission der Verfasser auS: „Protestantische GlaubcnsbrüderI lernen wir uns schämen vor solchen Männern. Brüder, auf! die Söhne Loyola's ziehen in geschlossenen Reihen gegen uns ... Diese Redemptoristcn also waren in unserer Ludwigskirche und haben jedesmal die Feier eröffnet. Wenn die große Anzahl der Zuhörer so zur Andacht gestimmt war, da wurde dem Volke der Gegenstand unserer Anbetung, Jesus Christus im allcrheiligstcn Sacrcunentc des Altars ausgesetzt und unter Gesang eines Mävchcnchorcs zum Hochaltäre begleitet. Dorthin dann schrie es aus tausend und wieder tausend Herzen: „Herr, erbarme dich unser!" und aus eben so vielen tönte es nach: „Herr, erbarme dich unser!" Wen die Predigt noch nicht bezwungen hatte, der wurde von diesem Strome der Andacht unwiderstehlich mit fortgerissen. Nach vom ganzen Volke abgesungener lanrctanischcr Litancv wurde von einem Priester der Schluß der Lilancy gebetet und dazu noch die treffende Anrufung Mariens eben auS dem Büchlein der Mcnandachtcn abgelesen. Hieran schlössen sich die wundcrlicben Maricnliedcr, wie sie Herr Hofcapell- meistcr Aiblingcr cvmponirt hat. Vorgetragen wnrdcn sie unter Direktion des hvchwürdigcn Herrn crzbischöflichen SccrctärS Glink von einigen Mädchen. Gesättigt vom Brode des Lebens, das ihm die guten Patres gebrochen, erfrischt durch den Labsal hcrzerhebcnder Andacht, die wie ei» Gotlesstrom dnrch die begeisterten Schaaren tcchinwogte, beseelt und getragen von der wundnsamcn Macht religiöser Begci> sterung ging das Volk nach allen Richtungen — bis in die entlegensten Theile der Stadt — mit der freudigen Hoffnung auseinander, morgen wiederum des gleichen geistlichen Trostes und der gleichen inner» Stärkung zu genießen und wiederum eine Stufe auf der Leiter ch.istlichcr Tugend höher gefördert zu werden, auf der Gottes Barmherzigkeit und Gnade Alle segnend in den Schooß seiner ewigen Liebe führen möge! — Der Gewinn des Protestantismus aus der neuen Scctirerei. W. Menzel (im Literaturblatt) sagt hierüber bei Beurtheilung von WiggerS' „kirchlicher Statistik oder Darstellung der gesammten christlichen Kirche nach ihrem gegenwärtigen äußern und innern Zustande" (Hamburg Perthes): „Herr Wiggers sieht alles im schönsten Flore gedeihen und zweifelt nicht, daß der größte Theil der katholischen Welt noch zum Protestantismus übertreten werde. Habe sich dieser Uebertritt auch verspätet, so sey er doch unvermeidlich und zwar werde der große Abfall, die zweite Reformation, in Deutschland beginnen. Diese Worte sind noch vor dem Austreten Nonge's geschrieben worden. Allein die vermeintlichen Eroberungen sind in Wahrheit Verluste. Die negativen Elemente überwiegen bis zur unwillkürlichen Selbstvernichtung, und die französische Revolution liefert den augenscheinlichen Beweis, wie unhaltbar die Negation ist, und wie nur die das Feld behaupten können, welche die Fassungskräfte und wahren Bedürfnisse der Völker richtig beurtheilen. Daß die Leiter der katholischen nud griechischen Kirche diese ewig sich gleich bleibenden Bedürfnisse der Völker richtiger würdigen, als die Leiter der evangelischen gegenwärtig thun, dürfte nicht schwer seyn nachzuweisen. Die letzteren haben nämlich seit lange zugelassen, daß von Kathedern herab gelehrt wird, der Protestantismus involvire nicht sowohl einen Glauben und eine darauf gegründete Pflicht, als vielmehr einen Fortschritt und darcmfgegründete Berechtigungen einer maaßlosen Freiheit. Nun sucht man die positiven Elemente auszustoßen, durch die allein eine Kirche möglich und volksgerecht wird, verwirft die Bibel zc. und rühmt sich zwar, bereits das Volk gewonnen und auf seiner Seite zu haben, vergißt aber, daß die Jlluminaten sich vor fünfzig Jahren derselben Volksgunst rühmten und doch in ihren Erwartungen betrogen wurden. Holbach, Delamettric, ClootS, Chaumctte :c. beurtheilten das französische Volk weniger richtig, als Aobö Maurv, Chateaubriand, Napoleon. So wie die Leidenschaften ausgetobt hatten, füllte das Volk wieder ganz von selbst die Kirchen und wurden alle jene Prediger des Unglaubens verlassen. Abbö Maury behielt Recht, indem er sich mitten im Wahnsinn der Revolution nicht über das kirchliche Bedürfniß des französischen Volks hatte irre machen lassen. Napoleon, obgleich ein Sohn der Revolution, hatte Scharfblick genug, die Macht der alten Kirche einzusehen und er beeilte sich, dieselbe herzustellen. — Dieß Beispiel auf unsre neuern protestantischen Zustände angewandt, beweist sonnenklar, wie sehr jetzt wieder diejenigen Männer sich täuschen, welche dem Volk wieder von absoluter Freiheit, Emancipation von all und jedem religiösen Bande :c. vorreden und es mit Hilfe der com- munistischcn Theorien zu einem neuen Umsturz der Kirche aufbieten. Sie verstehen das Volk nicht, wie sehr sie auch schon glauben sich desselben bemächtigt zu haben. Das Volk wird sie täuschen. DeS Volkes wahre Natur ist dieser vorübergehende Paroxismus nicht. In seinem Kern und Grunde bleibt das Volk immer glaubensbcdürftig, in Deutschland wohl sogar noch mehr, als in Frankreich. Gelänge es daher auch unsern Licht- und Fortschrittsmännern, das Volk bis zu einer anarchischen Krise zu bringen, so würde doch, wie in Frankreich, nur eine große Abspannung und kirchliche Reaction die Folge seyn. Diese würde dann aber vielleicht weniger Stützpuncte im zerrütteten Protestantismus, als in der lateinischen und griechischen Kirche finden. Nach der Krise dürfte der Puscyismus noch eine viel höhere Bedeutung erlangen als vorher." _ - Verantwortlicher Redaeteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.