______ ^ .....^. WWW»» P für Köln im Lichte der Weisheit und in der Kraft der Tugend. Schon jetzt offenbarte sich, wie er Allen Alles werden sollte. Darum war er Freund der Gelehrten, Muster der Frommen, aber auch Freund und Vater der Armen. Seine Liebe gegen die Armen ging so weit, daß er nicht selten seine Bücher verkaufte, um den Armen geben zu können. CanisiuS hatte bereits das Ziel seines Lebens festgestellt: — Gott und der Kirche zu dienen war der Entschluß dcö Jünglings. Er folgte dem Zug!' der Gnade, schlug die edle und reiche Braut, welche der Vater für ihn bestimmt hatte, aus, zog die evangelische Armuth einer reichen Pfründe vor, lehnte deßhalb selbst ein ansehnliches Kanoniccit in Köln ab, und bat seinen Vater, ihm doch in der Wahl seines Amtes und Standes volle Freiheit zu lassen. Der Vater wußte die Gesinnung seines Sohnes zu schätzen und überließ ihn fortan seiner Neigung. Nachdem Canisius seine Studien am Gvmnasium Montanum zu Köln vollendet und unter Leitung seines treuen Führers Eschius die Gefahren des jugendlichen Lebens glücklich überstanden hatte, widmete er sich dem Studium der Philosophie, und zwar mit so glücklichem Ersolgc, daß er am Schluß des philosophischen Cursus mit dem Doctorhnt beehrt ward. Darauf studirtc er das weltliche Recht zu Köln, das geistliche zu Löwen, verwandte jedoch den größt-n Theil seiner Zeit für die theologischen Wissenschaften, und so mit gediegener Gelehrsamkeit allseitig gerüstet ward er bereits von den Gelehrten seiner Zeit anerkannt als tiefer Philosoph, gründlicher Rechtskcnner und großer Theolog- So groß er indeß in den Augen Anderer war, so klein erschien er sich selbst. Demuth war die Grundlage seines Lebens, Demuth krönte den großen Mann, und gab ihm jene Liebenswürdigkeit des Charakters, welche in die Gemüther dringt und die Menschen mit einer unwiderstehlichen Gewalt gchcimniszvoll fesselt. Die Wissenschaft blähte ihn nicht auf, denn er hatte das Geheimniß erkannt, in welchem alle Schätze der Weisheit verborgen liegen, — Jesum Christum, und dicstn als den Gekreuzigten. Man sagt von ihm, er habe, um gegen die eitle Ruhmsucht der Gelehrten sich zu bewahren, unter seinen Büchern und Papieren den Calvarienbcrg aufgerichtet. Im steten Hinblick auf den Gekreuzigten bildete sich allmcilig die bewuuderungSwürdigc Weisheit, Tugend und aufopfernde Liebe, womit alle Schritte seines Lebens bezeichnet wann. , M ^ In cin besonders nahes und freundschaftliches Verhältniß trat er mit dem berühmten kölnischen Theologen und Schriftsteller Laurentius Surius. Sie untcrhiclten sich oft über die Weise eines heiligen Lebens und über das Verlangen nach den himmlischen Gütern, und Canisius rettete seinen Freund von dem Gifte der neuen Lehre, welche ihn fast anzustecken drohte. Beide erkannte», daß das Leben kurz, die Hoffnungen der Menschen eitel und hinfällig und alle Wünsche nichtig und ungewiß seyen, wenn sie nicht den Himmel suchen. Surius trat in die Karthause des hl. Bruno in Köln. Um diese Zeit war von Paul lung unter den höhern Ständen, und seine Liebe zu den Armen hatte bereits die Herzen des Volkes ihm gewonnen. Mittlerweile starb Canisius' Vater; er eilte deßhalb nach Nvmwegen, um die Kindespflicht an ihm zu erfüllen, nahm den gesetzlichen Antheil von der Hinterlassenschaft seines Vaters in Empfang und verwandte einen bedeutenden Theil davon, um zehn seiner Genossen in Köln zu unterhalten, das Ucbrige gab er den Armen. Von Nvmwegen reisete er sogleich wieder nach Köln. Auch auf dieser Reise war er nicht unthätig. Er traf auf dem Wege drei Jünglinge, mit welchen er von göttliche» Dingen mit solcher Kraft sprach, daß diese durch seine Sieden bewogen sofort der Welt entsagten und zwei davon in den Karthäuscr-Orden traten, der dritte aber in die Gesellschaft Jesu aufgenommen wurde. Aller weltlichen Sorgen frei, vollendete nun Canisius das Opfer und wurde im Jahre 1545 im 25. Jahre seines Alters Priester. Nunmehr widmete er sich aufs Neue den Studien und es fing au, die Fülle und der g.-.nze Reichthum seines Geistes sich zu offenbaren. Am Montano - Gymnasium zu Köln wurde er zum Magister der evangelischen Geschichte erhoben, während er an der Universität über ras Sendschreiben des hl. Paulus an Timo- theuS Vorlesungen hielt. Bei Auslegung der hl. Schifft befliß er sich der Beleuchtung durch die hl. Väter, die er unermüdct studirte und dadurch einen so reich-n Schatz von Gelehrsamkeit sich erwarb, daß er in der Folge die an Gründlichkeit ausgezeichnetsten Werke schrieb. Damals schon gab er die Schriften Cyrilli des Alexandriners heraus. Er predigte in Köln mit Macht dem Volke, wies ihm dem Irrthum gegenüber die Wahrheit und begeisterte jener Orden bestätigt, welcher nach den: Plane der Vorsehung Großes für die katholische Sache und für das Heil der Menschheit wirken sollte, der Orden des hl. Jgnatius oder der Orden der Gesellschaft Jesu. Peter Fabcr, der erste Genosse des hl. JgnatiuS, war nach Main; berufen, wo er über die göttlichen Schriften lehrte, zum Volke predigte, mit den Gegnern des katholischen Glaubens disputirte und in den geistlichen Uebungen des hl. Jgnatius Anleitung gab. Die Zeit war gekommen, wo an Canisius in Erfüllung gehen sollte, was eine fromme Wittwe Ncinnlda schon in seiner Kindheit über ihn geäußert hatte. Canisius selbst bezeugt, wie sie im Kreise von Freunden oft von den schweren Ungewittcrn gesprochen, welche über den Katholicismus hereinbrechen würde», wie ein neuer Orden von Priestern entstehen würde, durch welche Gott treue Arbeiter in seinen Weinberg senden und daß er auch ihn ^Canisius) ihnen beigesellen werde. Seine Schriften und Bemühungen würden zur Zeit der Kirche vieles nützen. Sie klopfte bei dieser Gelegenheit dem Knaben Canisius, welcher damals 13 Jahre alt war, auf die SchulKr und fuhr fort: „Auch dieser wird einer aus der Familie jener Priester Jesu seyn, der die Wunde» der Kirche heilen, viel arbeiten und schwitze» wird." Kau», horte Canisius von der Stiftung dieses Ordens und von der Anwesenheit Fabcr'S in Mainz , als er Köln verließ und nach Mainz eilte. Er glaubte in Faber einen Engel des Himmels zu erkennen und übergab sich sofort und unbedingt der Leitung des großen Mannes, welcher mir der tiefsten Gelehrsamkeit eine kindliche Frömmigkeit und alle Gaben eines wahren VolkS- lchrcrs verband. Er wohnte den geistlichen Uebungen des hl. JgnatiuS bei, und noch ehe sie vollendet waren, erkannte er, daß dieses der Orvcn von Priestern sey, worüber die gottselige Nei- nalda sich geäußert hatte. Schon unter den geistliche» Uebungen äußerte Canisius den Wunsch, in die Gesellschaft Jesu aufgenom- ^ Frömmigkeit,".? die'siege'nde Macht'der Wahrheit waren die Waffen, womit sie wacker kämpften, glücklich siegten. Und bald waren Volk und Senat wieder gewonnen und den es durch Erwcckmig des wahrhaft katholischen Glaubens. In Köln schienen sich damals, um das Jahr 1546, die Unistände mißlich gestalte» zu wollen. Der Erzbischof Hermann von Wied, wenig bewandert in den göttlichen Wissenschaften, war den listigen Nachstcllnngcn der Gegner heftig ausgesetzt. Sofort erhoben sich Peter Canisius und Johannes Groper zum heiligen Kampfe für die Wahrheit. Die Gegner wußte» einige Glieder im Senate der Stadt zu gewinne» und hofften, die Zcsuiten zu vertreiben. Doch die Jesuiten wollten lieber alles Ungemach dulden, als eine kranke Stadt verlasse». Auf Befehl des Seiiates mußten Canisius und seine Genossen sich trennen. Sie blieben in Köln, äußerlich getrennt, im Herzen desto inniger vereinigt. In verschiedene Stadtviertel vertheilt, wurden sie für jeden Theil der Stadt cin Licht im Dunkel, ein Salz wider die Fäulniß der Irrlehre». icht Scmftmuth, Demuth, Geduld, Ergebenheit, wahre men zu werde» und Fabcr, der in ihm ei» würdiges Glied des! Ordens erkannte, genehmigte seinen Wunsch. Es war am Feste der Erscheinung des hl. Michael, an seinem 23. Geburtstage, am 7. Mai 1543, als Canisiuö in den Orden der Gesellschaft Jcsu eintrat. Bald nach seiner Aufnahme in den Orden wurde Canisius von Fabcr wieder nach Köln gesandt und dahin trug er nun mit der ganzen Lebendigkeit jugendlicher Kraft jenes himmlische Feuer, welches er aus dem Munde deö fromme» Mannes geschöpft hatte. Er setzte seine Studien fort, ergab sich aber der Pflege der Armen und der Uebung der LicbeSwerke mit solchem Eifer, daß seine Studien daruntcr litten. Faber milderte durch Briefe das jugendliche Feuer und gab zu bedenken, wie er an einem so wichtigen Orte, wie Köln, durch gediegene Wissenschaft festen Stand fasse» und wohl erwägen müsse, was er in Zukunft säen wollte. Canisius gehorchte und ergriff wiederum die Studien mit ungetheilter Kraft. Sein Ruhm als Gelehrter bereitete ihm bald seine Stcl- Jesuiten ward ei» freies und ungcstöiteö Wirken in Köln gestattet. CanisiuS trat wider Buzer von Straßbnrg, Melanchthon und Pistvr, die nach Bonn berufen waren, in den Kampf, bewährte sich herrlich im Kampfe für die katholische Wahrheit und wurde an der Spitze einer auserlesenen Gesandtschaft des Klerus, der Akademie und der Stadt Köln nach Lüttich gesandt, um durch den Bischvs von Lültich, Georg Austriacus, dein Sohne Kaiser Mar- milians I., auf den Kaiser für die bedrängte kölnische Kirche zu wirken. Da cr aber in Lllttich sein Geschäft nicht so schnell als er dachte und wünschte, vollenden konnte, so übernahm er, um die Stunden nicht mußig hinzubringen, nach der Weise der Gesellschaft Jesu die Kanzel, tröstete die Katholiken und gewann nicht wenige für die alte Wahrheit. Viele brachte er durch die geistlichen Uebungen des hl. JgnatiuS zu einem andern und bessern Leben. Oft predigte er drei und viermal im Tage und bekehrte Männer von den höchsten Würden. Selbst der Bischof freute sich, ihn in seiner Capelle zu hören und versprach, die Sache der Religion beim Kaiser mit seinem ganzen Ansehen zu unterstützen. (Fortsetzung folgt.) .«»mSStt« «l nHkhIln?!^, ,t» l,U»Ä ^>i, Äo m: Der qute Pater Thomas. ' (Schluß.) ^ II. In einem der von Pater Thomas gemietheten drei Zimmer schlief er selbst, in dem entgegengesetzten seine Schwester Bctty und das zwischen beiden gelegene ziemlich geräumige Gemach diente ihnen als ArbeitS-, Speise- und Empfangs-Saal. Ein Schreibtisch, auf welchem ein Bücherschrank angebracht war, stand in einer Ecke desselben, in einer andern ein Betstuhl, über welchem ein Cruzifir hing, in der Mitte erblickte man einen runden Tisch mit einem reinlichen Tiroler-Teppich bedeckt, an der Hinterwand sah man ein mit braunem Leder überzogenes Canapee, vor welchem ein kleinerer, ebenfalls mit einem Tcppich bedeckter Tisch stand; Betty's Arbeitstischchcn am Fenster, zwei Armstühle, ein halb Dutzend Sesseln, zwei heilige Gemälde an der Wand, nebst einer Penrcl- Uhr über dem Kamin, waren die Möbeln, die man in Pater Thomas' Empfcmgsaal antraf. Eines Morgens saß darin am Fenster, mit weiblicher Arbeit beschäftiget, eine Person hoch über die Vierzig. Ihr Gesicht war von Blatternarben entstellt, ihre gutmüthigen Augen schielten ein wenig, ihre Gestalt war unansehnlich, aber in diesen wenig einnehmenden Körpcrformen wohnte eine schöne Seele. Von Jugend auf an Entbehrungen, Kränkungen und Leiden aller Art gewöhnt, nahm sie dieselben mit jener Ergebung hin, welche nur denjenigen höheren Naturen eigen ist, die das Christenthum richtig auffassen und auch im Leben üben. Diese Person war Betty, die würdige Schwester des guten Pater Thomas, war auch zugleich ein getreuer Abdruck seiner edlen Seele. Heute kömmt er aber wieder gar zu lange nicht nach Hause; schon zehn Uhr durch und er hat noch nicht gefrühstückt, der arme Bruder! Die Straßen werden Menschenleer, jeder sucht Schutz in seiner Wohnung vor den heißen Sonnenstrahlen; aber er vergißt seine schwächliche Gesundheit, seine körperlichen Schmerzen und alles Zeitliche, wenn ihn sein heiliger Beruf beschäftigt hält. Kaum hatte Betty diese Worte für sich gesprochen, trat Pater Thomas in die Thüre. Guten Morgen Bctty, habe dich lange mit dem Frühstück warten lassen, nicht wahr? Nun es wird uns desto besser schmecken, redete er seine Schwester an, während sie ihm Hut und Stock abnahm und er sich den Schweiß von der Stirne abtrocknete. Meine alten Knochen wollen nicht mehr recht fort; — fügte er hinzu, indem er sich auf einen Armstuhl niederließ und seine Beine rieb — freilich haben sie in den amerikanischen Urwäldern schon ihre Dienste gethan, wahrlich es wäre von mir undankbar, mich über sie beschweren zu wollen. Gewiß das wäre es, und eö ist schon selbst undankbar, daß du sie nicht mehr schonst, lieber Bruder, entgegnete die besorgte Betty. Schelte mich nur rechtschaffen aus, ich verdiene es, schon deßhalb, weil ich deine Morgcnsuppe kalt werden ließ, sagte Pater Thomas gutmüthig lächelnd zu seiner Schwester, die beschäftigt war den Tisch zu decken, und eben im Begriffe stand das Frühstück herbeizuholen. l Als sie beim Mahle saßen und rüstig dem aufgetragenen ! Gerüchte zusprachen, frug Pater Thomas, ob während seiner Ab- 'Wesenheit Niemand nach ihm gefragt. Doch, erwiderte Betty, die Gräsin Orsini kam mit ihrer Tochter selbst vorgefahren, sie läßt dich für Montag zur Mittagstafel bitten, sie feiert an diesem Tag ein Familien-Fest und sie, wie ihr Fräulein, drangen sehr in mich, dich zu überreden ihre Einladung anzunehmen. Auch der deutsche Baron war du, er will wieder kommen, da er dich, wie er sagte, noch heute zu sprechen wünscht. Und hier sind zwei Taschenbücher, welche die Prinzessinnen Amalie und Sophie zum Geschenk geschickt. Pater Thomas nahm wohlgefällig die zwei elegant cingebun- ! denen Bände zur Hand, blätterte darinnen und sagte: — die guten ! Kinder wissen, daß ich von Zeit zu Zeit gerne an einer heiteren ^ Leclüre nasche. Auch der Jude Lapar hat nach dir gefragt — fuhr Bctty !in ihrcm Bericht fort, nachdem ihr Bruder die Taschenbüchcr wieder bei Seite gelegt, und sich wieder zu Tische gesetzt hattc. Kaum hatte Bctty diesen Namen ausgesprochen, so ficl dcm guten Pater Thomas die Gabel aus der Hand, er schlug sich unwillig vor die Stirn. Wie konnte ich auch dicscn armen M.i^n vergessen, wahrlich mein Gcdächtnijz taugt nicht mehr viel, aber, Gott sey Dank, cS ist noch nicht zu spät, erst Nachmittags würde man ihn auspfänden, wenn er seine kleine Schuld nicht bezahlen kann. Bei diesen Worten erhob er sich vom Tische, ging an sein ^ Schreibpult, zog daraus ein Papierpäckchcn hervor, worin verschiedene Münzsorten sorgfältig eingewickelt waren, zählte tas Gelb nach, wickelte cS wieder ein, steckte es zu sich, griff nach Hut und Stock und wollte sich schleunig damit entfernen, doch an der Thüre trat ihm ein Herr entgegen. Halt, ich lasse sie nicht los, sprach der Eintretende scherzhaft, ich bin schon zweimal vergebens da gewesen. Weiß es, Herr Baron, war die Antwort, wenn jedoch ihre Angelegenheit nur ein halbes Stündchen Aufschub gestattet, bitte ich, mich nicht zurückzuhalten, denn hartherzige Gläubiger verstehen keinen Spaß, würden dem armen Lazar ohne Barmherzigkeit sein bischen Hab -und Gut versteigern, ihn mit Weib und Kindern auf das Straßenpflaster setzen, wenn nicht schnell geholfen wird. Kann ich vielleicht mit meiner Börse zu dieser Hilfe etwas beitragen? fragte der deutsche Baron. Danke für dicßmal, das Sümmchen ist schon beisammen; wir andere, wir sind auch Egoisten, haben ebenfalls Vergnügen daran, aus eigenem Beutel armen Leuten aus der Noth zu helfen und so sparen wir, zwar nicht ich, denn ich verstehe mich nur schlecht darauf, aber meine Schwester Betty, um von Zeit zu Zeit in Stand gesetzt zu seyn, durch Selbstentbehrungen das Elend Nothlcidender lindern zu können. Aber hier schwatze ich mit ihnen, während der alte Lapar in Angst und Schrecken lebt. Wissen sie was Pater Thomas? Ich will sie in meinem Wagen, der vor ihrer Thüre hält, zu ihrem Lapar begleiten, dadurch gewinnen sie Zeit und ich finde Gelegenheit ihnen mein Anliegen vorzutragen, es betrifft ebenfalls das Schicksal eines Unglücklichen, der von ihnen Rettung hofft. So sehe ich es gerne, wenn mir meine guten Freunde Unglückliche zuweisen, sie sind ja meine liebste» Kinder, leider aber kann ich nicht allen helfen, doch trostlos wenigstens wünsche ich keinen zu verlassen. Der Fremde, der sich darauf mit Pater Thomas entfernte, war der zu seiner Zeit berühmte Astronom, Baron Z., ebenfalls ein edler Menschenfreund, der ihn im Wagen darum bat, die Be- gncidigung eines jungen Engländers von guter Familie, welcher mehr aus Unwissenheit als aus Bosheit, in halb betrunkenem Zustand, in einer Kirche von Pisa ein Verbrechen begangen, beim Großherzog auszuwirken, und der gute Pater Thomas war wie immer, auch in diesem Fall bereitwillig, sich für den Unglücklichen zu verwenden. Sobald er zurückgekehrt, rief er noch in der Thüre seiner Schwester zu, ihm seinen Staatsauzug zurccht zu legen, beifügend, ich muß noch vor der Mittagstafel zum Großhcrzog. Und nachecm er sich in seinem Schlafcabinet schnell umgekleidet halte, trat er wieder in den Saal zu seiner Schwester, die an seinem Anzug bald hier bald dort noch etwas zu ordnen fand, während er sie gutmüthig anlächelte und zu ihr sagte: Nicht wahr Schwester, du bist neugierig zu erfahren, was dieser so eilfertige Gang ;u bedeuten habe? Ich verrathe dir cö aber nicht, erst wenn ich mit froher Nachricht zurückkomme sollst du es von mir vernehmen. Gelingt mir mein Vorhaben, Bctty, so wollen wir heute zu Mittag eine der Bordeaux-Flaschen leeren, die der französische Gesandte mir verehrt, und ich will den Tag als einen gesegneten preisen, an welchem ich zwei Unglücklichen zu helfen Gelegenheit fand. Alle deine Tage sind gesegnet, dein ganzes Leben ist ja nur ein immerwährendes Wohlthun, dachte Betty, während sie ihrem Bruder nachsah, und Bctty hatte recht. Deutschland. Wallfahrten. Aus Obcröstcrrcich, 28. Juni. Die Kirche hat sich zu allen Zeiten für den Nutzen der Wallfahrten ausgesprochen, denn wenn diese nicht nützlich waren, wie könnte sie mit Ablässen Diejenigen beschenken, die in redlicher Absicht und mit reinem Herzen Wallfahrten anstellen an heilige Orte, wie nach Jerusalem, zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus, an die Gnadcnorte der heiligen Jungfrau u. f. w.? Entfernt von zeitlichen Geschäften, sind die Wallfahrer bloß mit Gedanken an Gott und göttliche Dinge beschäftigt. Sie stellen sich an den heiligen Orten Palästina'S vor, was dort geschehen: die Leiden des göttlichen Heilandes, seine Angst am Oelbcrg, seine Geißelung und Krönung, seinen schmer^ollen Gang, da er mit d-m schweren K>euz beladen war, entlieh die Kreuzigung selbst. Wie soll das Andenken an all dieß in einem Orte, wo es selbst geschehen ist, nicht von der eindringlichsten Wirkung für das Gemüth begleitet seyn? Welch ein Abscheu gegen die Sünde und welche Liebe zu Christus muß in dem Herzen Desjenigen entspringen, der bei sich erwägt: All dieß hat der Heiland mcincr Sünden wegen und um mir seine Liebe zu zeigen, an diesem Orte vollbracht. Und neue fromme Entschließungen tauchen auf in seinem Herzen; mit Gott will cr'S hinfüro halten und nicht mit der Welt, die so sehr im Argen liegt. Hiczu stärkt ihn das Beispiel von andern frommen Pilgern, die er in Andacht vor dem Gnadenaltar hingestreckt sieht, die Gott suchen von ganzem Herzen. Golt läßt nichts unbclvhnt, jeder Tritt und Schritt, der seinetwegen gethan wird, wird von ihm gesegnet; wie sollten also die vielen Tritte und Schritte eines Wallfahrers, oft unter Regen und Ungewittcr, unter den brennenden Strahlen der Sonne, oft bei ganz schmaler Kost, bei so vielem Ungemach in den Herbergen umsonst geschehen seyn? So viel Bitteres, dem man sich um Gottes w llcn unterzieht, sollte keines Lohnes werth sinn? Gewiß, wenn anders wichtigere Pflichten nicht darunter leiden. Darum wird zu Wallfahrten gemeiniglich eine Zeit gewählt, wo keine Kollision statt haben kann. Warum endlich die Kirche das Wallfahrten anrathet, ist die Rücksicht auf die Buße. Die vielen Beschwerden einer Wallfahrt nimmt sie als ein Bußwerk an, als ein Mittel die Leidenschaften zu bezähmen. Wohl also dem Wallfahrer, der in der Absicht Wallfahrten unternimmt, um die begangenen Sünden abzubüßen; denn er bezahlt damit einen Theil seiner Schuld an Gott ab. Darum ist die Beicht den Wallfahrern angerathen, damit die Buße Gott wohlgefällig sey. Bekannt ist es von der heiligen Maria von Egyp- tcn, daß sie nach Jerusalem wallfahrtend selbst auf der Reise dahin ein böses Leben führte. In Jerusalem angekommen, war sie nicht im Stande, in die Kirche vom heiligen Grabe zu treten; sie versuchte es zu wiederholten M^len, aber eine geheime, unsichtbare Gewalt hielt sie zurück. Dieß brachte sie auf den Gedanken, ihre Sünden mögen wohl Schulv seyn, daß sie nicht hincintreten könne. Da befand sich vor der Kirche ein anmuthigcs Bild der Mutter Gvtteö: vor diesem warf sie sich auf die Kniee, schluchzte und weinte ob der Größe und Menge ihrer Vergchungcn, und bat die seligste Jungfrau Maria um ihre Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne. Beruhigt stand sie auf und konnte nun ohne Anstand den gottgeweihtcn Ort betreten. Reue und Buße also führen uns Gott nahe. Wenn demnach so viel Gutes mit dem Wallfahrten verbunden ist, so ist es gewiß erfreulich, daß ein solcher von der Kirche gebilligter*) Gebrauch, der seit einiger Zeit etwas in Versall zu gerathen schien, wieder in Aufnahme kömmt, und zwar unter Aufsicht der Priester. In dieser Hinsicht gereicht es dem Hause Oesterreich zum besondern Lobe, daß selbst unsere Majestäten Wallfahrtsorte besuchen, wie Maria Zell, so wie auch Personen ersten Ranges, Mettcrnich, Schwarzenberg und Andere sich dieses Gebrauches nicht schämen. So geht von Wien aus unter geistlicher Begleitung jährlich eine Wallfahrt nach Maria-Zell. Und im heurigen Jahre hat auch Linz das Beispiel der Wiener nachgeahmt; denn während sonst die Wallfahrt nach Maria-Zell gemeiniglich in der Pfingstwoche ohne geistliche Begleitung unternommen wurde, ging Heuer unter Ansllhruug eines Priesters aus der Stadtpfarrkirche zu Linz eine Wallfahrt am Freitag nach Christi Himmelfahrt nach Maria-Zell vor sich. Der Zug wurde unter dem Geläute der Glocken eröffnet, und der durch seine Frömmigkeit bekannte Stadtpfarrer und Domschvlafticus Mathias Kirchstcigcr begleitete denselben unter Assistenz bis zur Donau, wo die Wallfahrer ein Schiff bestiegen, um bis Morbach unweit Maria Tafcrl zu kommen, das ein besuchter Wallfahrtsort ist, und gemeiniglich von Wallfahrern, die nach Maria-Zell gehen, besucht wird. Bei der Rückkunft dieser Wallfahrer, die 8 Tage darauf statt fand, ging der Stadt- und Landdechant wieder bis zum Prater außerhalb Linz unter Assistenz entgegen, und unter Begleitung vielen Volkes zogen die Wallfahrer in Procession in die Stadtpfarrkirche, wo ein Dankgebct für die glücklich vollbrachte Wallfahrt verrichtet wurde. (K. - Z. f. d. kath. Deutsch!.) ') „Man soll den Leib nicht nur durch Fasten übeihaupt und durch jenes insbesondere, welches die Kirche angeordnet hat, sondern auch durch Wachen, andächtige Wallfahrten, ui.d andere Arten von C,>siciungen züchlig?n, und d e fleischlichen Begierden bezähmen." e->t. Kvm, pr-i^c, sext, p. 38!. Viermae. Llrauss. ^ Verantwortlicher Suda-'teur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. ärkmer.