^»s- ' M-i/., Augsvttrger Zweite Jahreshälfte. Postzeitttng. vW^Ä.» A. August t84S. Leben des seligen Petrns Canisius, Priesters der Gesellschaft Jesu. (Schluß.) Es läßt sich denken, wie sehr die Zeit des großen Mannes in Anspruch genommen war. Als Mann des höchsten, unbedingtesten Zutrauens, welches ohne Unterschied alle Stände ihm schenkten, wurde er von Unzähligen um Nath gefragt, zum Beichtvater gebeten, in geistlichen und leiblichen Nöthen als Fürsprecher angerufen, von Kranken um Trost und Zuspruch angefleht; aber bei allen Geschäften und Mühen fand CanisiuS Zeit, Schriftsteller zu seyn. In Wien erschienen mehrere gcdiegcne Schriften, unter andern „das goldene Buch," welches in der Folge häufig in's Deutsche übersetzt wurde. Wichtig aber für die damalige Zeit und für die ganze Folgezeit, wichtig nicht allein für Deutschland, sondern für ganz Europa war das Werk, welches CanisiuS unter dem Titel: „Summe der christlichen Lehre" heraus. Durch die neue Lehre waren auch unter dem gläubigen Volke die religiösen Begriffe vielfach verwirrt. Es fehlte an einem Buche, worin der große und reiche Inhalt des katholischen Glaubens kurz und klar ausgesprochen war. Da fühlte Canisius sich gedrungen, den kurzen Inbegriff oder die Summe der christlichen Lehre ^summ-l eloctriiine Llni8liu»!>v) dem katholischen Volke mitzutheilen. Das ganze Werk zerfällt in zwei Hauptthcilc, wovon der erstere über die Weisheit, der zweite über die Gerechtigkeit handelt. In der Abhandlung über die Weisheit ist die Lehre über den Glauben und das Glaubensbekenntnis^, über die Hoffnung und das Gc^ct, über die Liebe und die zehn Gebote und die Kirchengcbotc, und über die Sacramentc aufgenommen. In dem zweiten Hauptthcilc übcr die Gerechtigkeit wird zuerst gelehrt, was man mcivcn soll: er nmfaßt die Lehre über die Sünde, — dann, was man thun soll, dieser umfaßt dic Lchrc von der Tugend. Das Werk schließt mit den letzten Dingen des Menschen, mit der Lehre über Tod und Gericht, Lohn und Strafe im jenseitigen Leben. Somit zerfällt das ganze Werk, um nach unserer Weise zu reden, in einen theoretischen und praktischen Theil oder in dic Lchrc über Glauben und Lcbcn. Nur ein flüchtiger Blick in dieses Werk läßt uns den großen Mann erkennen, welcher keinen Kirchenvater, ben in der ganzen Fülle seiner Wahrheit darzustellen. Dic Schrift war für dic damalige Zeit von unbeschreiblichem Nutzen und gewiß ist es sehr erfreulich, daß man in unsern Tagen diesem berühmten Werke deö Canisius wieder große Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ans besondere Veranlassung des Erzbischofs von Paris wurde in einer Ausgabe vom Jahre l68(> bemerkt, daß der Katechismus des Petrus CanisiuS vielhundertmal ausgelegt und in dic Sprachen aller Völker übersetzt sey. Ferdinand würdigte zuerst dieses goldene Buch und befahl, es durch ganz Deutschland zu vertheilen und in den Schulen öffentlich vorzulesen. In allen Schulen, Gymnasien, Akademien und Tempeln wurde CanisiuS gelesen und erklärt. Philipp II., König von Spanien, berieth sich mit der hochberühmtcn Schule zu Löwen, welches Unterrichtes er in der katholischen Lchrc für sein Reich sich bedienen sollte. Alle Gelehrten dieser und anderer Hochschulen waren einstimmig, daß keine Darstellung und Erklärung der katholischen Lehre tauglicher sey, als dic des ehrwürdigen PctrnS CanisiuS. Philipp besah! daher, das Lehrbuch des Petrus Cauisius im ganzen Nönigreichc Spanien zu gebrauchen. Wohl sagte Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf und Herzog von Ncubnrg: „Wer Pctri Canisii kurzen Inbegriff christlicher Lehre einmal gelesen hat, der kann unmöglich mehr ein Ketzer seyn." Canisius war zwar in Wien der Gefahr des bischöflichen Amtes entgangen; indeß gebot der Kaiser, er solle wenigstens die Verwaltung des Visthums übernehmen. Jgnatiuö konnte nicht answcichcn, und gab die Verwaltung des bischöflichen Amtes zu, doch unter der Bedingung, daß Peter Canisins von den bischöflichen Einkünften nichts berühre. Der Name des apostolischen Mannes war bereits in der ganzen Welt bekannt. Man stritt sich um seinen Besitz. Besonders heiß verlangten ihn Siebenbürgen, Ungarn, Schlesien, Polen und Böhmen. Nach Böhmen entließ ihn Ferdinand: hier sollte ein Kollegium der Gesellschaft Jesu als Schutzmauer gegen dic Irrlehren errichtet wcrdcn. Doch dic Gegner kannten dic Gewalt des Mannes und fingen an, gegen ihn nicht nur in Schmähwor- tcn, sondern in einem förmlichen Aufstande zu wüthcu. Canisins kam in Gefahr, unter einem Steinregen zu erliegen oder verbrannt zu weiden, und man mußte ihn mit einer bewaffneten kein Concilium unberücksichtigt gelassen, um den katholischen Glau-i Mannschaft umgeben. Doch Solches währte nur Augenblicke. Der Mann Gottes wußte seine Widersacher durch Sanftmuth/ Demuth und Geduld, Wissenschaft und Gebet zu-entwaffnen. — Bald daraus ernannte ihn der heil. Jgnatius zum ersten Provin- cial des Jesuitenordens für ganz Deutschland. Nach einer kurzen Ruhe, die er in Bayern genoß, ward er von Ferdinand zum Reichstage nach Rcgcnsburg berufen, wo sich die Fürsten des Reiches versammelt hatten, um der GlaubcnSneucruug die geeigneten Schranken zu setzen. Viele angesehene Theolog n waren zugegen. Keiner schrieb und sprach gründlicher und mächtiger, als Canisius. Er stellte die katholische Wahrheit in ihrer ganzen Fülle und Kraft dar und ging auch aus diesem wichtigen Geschäfte mit Ruhm bcdcckt hervor. Im Jahre 1558 starb der heil. JgnatiuS. Ihm folgte als zweiter General des Jesuitenordens Jacob Layncz. In diesem Jahre war es, wo CanisiuS von Rom nach Polen abreisetc, um dem RcligionSgcsprächc in Petrikovia aus Befehl des Papstes beizuwohnen. Die Kirche war hier in der größten Vcdrängniß. Der König war schläfrig und nachsichtig. Viele Vornehme waren dem Irrtl'mne günstig; die Bischöfe hochbctagt und saumselig. Canisius erschien. Er begann mit Gebet, wie überall, weckte Bischöfe und Priester zum Kampfe für die heilige Sache, deckte den falschen Schein der Irrlehre auf, benahm dem Frommen die Furcht, vernichtete die listigen und gottlosen Unternehmungen der Gegner und vermochte selbst den Bischos Sigiömund, die Religion und die Rechte der Bischöfe zu schützen. — Eben so segensreich war seine Wirksamkeit in Augsburg, wohin er auf Begehren des Kardinals von Augsburg und des Kaisers Ferdinand sich begeben hatte. Hier war Uneinigkeit, CanisiuS stellte die Einigkeit wieder her. Er ricth den Bischöfen, in ihren Sprengeln Schulen zu errichte», wo uncntgcldlich Unterweisungen gegeben Würden, öfter Versammlungen zu halten, Seminarien zu stiften, iu welchen talcntovlle Jünglinge zu den Aemtern der Kirche herangebildet würden. Er wußte in Augsburg ein eigenes HanS zu erhalten, wo unbemittelte, aber mit GeistcSgabcn ausgestattete Jünglinge vor dem Irrthume bewahrt und in der Wahrheit gegründet wurden. Auch hier predigte CanisiuS mit solcher Gründlichkeit, Demuth und Krast, daß der Carvinal, der Bischof und das Dom- capitcl und die ganze Gemeinde ihn zum ordentlichen Prediger dringcndst verlangten. Sie erhielten ihn, behielten ihn aber nicht lange, denn er wnrdc von seinem Obern bestimmt, den Cardinal HosiuS, der vom Papste an den Kaiscrhof nach Wien abgeordnet War, dorthin zu begleiten. Nach seiner Rückkehr predigte Canisius in Augsburg mit neuer Kraft. Die Feinde konnten dem Geiste nicht widerstehen, der aus ihm redete. Als Dvmprcdigcr von Augsburg gab er das Martyrologimn deutsch heraus unter dem Titel: „Der Kir- chcnkalendcr, darin angezeigt worden die christlichen Feste und Heiligen GottcS beider Testamente, wie man dieselben das ganze Jahr in der ganzen Christenheit von Tag zu Tag begeht, auch mit Verzeichnis; unzählbarer Heiligen, wie sie gelebt und gelitten, was sie gethan und gelassen haben zu ihrem Heile und zum Exempel aller Christen." Die Vorrede dieses Werkes ist ausgezeichnet schön. Außerdem verfaßte er das „Handbüchlein für Katholiken," welches er der stubircnden Jugend wivmctc. Es enthält auserlesene, kräftige und ganz in Worten der Schrift verfaßte Gebete. Sein „Katholisches Gebetbuch," welches er selbst noch zum sechsten Male herausgab, enthält einen Schatz von Gebeten nnd Unterweisungen in einer kräftigen, deutschen Sprache. Um durch Lesung die Jugend in der Frömmigkeit zu üben, gab er die vortrefflichen Briefe des heil. Hicronymus heraus. Wegen solcher Verdienste belobte Pius IV. den apostolischen Mann in einem eigenen Sendschreiben. Inzwischen war das Concilium von Trient wieder eröffnet. Pius IV., Kaiser Ferdinand und der Cardinal HosiuS wünschien in dem heiligen Rathe die Gegenwart eines Mannes, welcher eben so fromm als gelehrt war und die Zustände Deutschlands am besten kannte. CanisiuS folgte dem Rufe und erschien in der Versammlung der Väter. Cardinal HvsinS, der krank lag, genas, als sein Haupt den alten Freund berührte. Es war dem Cardinal, als hätte in seine Glieder eine neue, wunderbare Kraft sich ergossen. Er schrieb seine Wiederherstellung den Verdiensten des Peter Canisius zu und hielt sie sür ein Wunder. Und so glaubte man allgemein, daß Gott dnrch ihn auch für die Sache der Religion heilsam wirken werde. Die Legaten und Väter der Versammlung erholten sich Raths bei ihm, und hier war es auch, wo CanisiuS, unbekümmert um das Ansehen der Person, mnthig in die Schranken trat, als es galt, dem Kaiser gegenüber die Rechte der Kirche wahrzunehmen. Kaiser Ferdinand begehrte, was dem Ansehen des römischen Stuhles und der Freiheit des Conciliums zuwider war. Zu dem Ende versammelte er mehrere Theologen zu Innsbruck, um über die Anträge, welche cr ans der Synode machen wollte, ihre Meinung zu hören. Auch Canisius fand sich ein. Mehrere Gelehrte suchten ihn auf ihre Seite zu bringen; aber CanisiuS blieb unbeweglich. Er achtete nicht die Person und das Ansehen des mächtigen Fürsten und wußte durch eine gründliche Darlegung der Wahrheit den Fürsten eines bessern zu belehren. Ucberhaupt, wohin er kam, da ward Licht, Friede, Ordnung, Einigkeit, da ward katholisches Leben, Liebe zur Kirche. Nichts vermochte seiner Demuth, Sanftmnth, Wissenschaft und Gelehrsamkeit, nichts der Kraft seines Gebetes zu widerstehen. Petrus CanisiuS war so fast die Seele des Conciliums, und wurde das Organ, durch welches das Concilium in Deutschland eingeführt wurde. PiuS IV. ernannte ihn zum außerordentlichen Nuntius. Als solcher reiscte er zu den Fruste» des Reiches und machte sie mit den Beschlüssen des Conciliums bekannt. Auf diesen seinen Reisen war cr ein wahrer Apostel, brachte das Wort des Herrn vor Fürsten und Könige, stärkte überall die Gläubigen, bekehrte die Irrenden. Wer vermag die Menge zu zählen, welche durch ihn der wahren Kirche wieder zugeführt ward! Canisius kehrte von seiner apostolischen Reise mit Segen nach Rom zurück. Indeß bestieg PiuS V. den päpstlichen Stnhl. Auch dieser würdigte die Frömmigkeit nnd Gelehrsamkeit des großen ManneS und sandte ihn im I. 1566 nach Augsburg. Mit zwei andern sehr ehrwürdigen Bätern aus der Gesellschaft Jesu wußte er die größten Schwierigkeiten zu lösen, zum Heile der Kirche und zum Segen des Staates. — Im I. 1567 kam CanisiuS nach Franken und gründete dort das Kollegium zu Würzburg. Wie überall, so predigte er auch in dieser Stadt und im ganzen Lande dem Volke, widerlegte den Irrthum, der auch dort schon Wurzel gefaßt halte, leitete die Priester zur würdigen AuSspcndnng der göttlichen Geheimnisse an und ermunterte sie zu einem heiligen Wandel. Und kaum hatte Canisius Würzburg verlassen, um in Ellwangen in gleicher Weise zu wirken, als seine Feinde das Ge- nicht auSstreuetcn, Canisius sei in Ellwangen zur neuen Lehre übergetreten. Sosort kehrte cr nach Würzburg zurück und bewies durch die That das Gegentheil. Wir übergehen die übrigen Reisen und Geschäfte des apostolischen ManneS und erwähnen nur, daß er auch »ach Westphalcn kam und eine Zeitlang in Osnabrück verweilte, dort predigte und vom Volke überaus verehrt wurde. Von Osnabrück begab er sich nach Köln, dem theuern Orte, wo er den Anfang seiner Lauf. I bahn machte und die glücklichen Jahre seiner Jugend und Studien' verlebte. Damals war es, wo er eine geschriebene Originalaus-! fertigung der Verhandlungen des Conciliums von Trient, mit! Unterschriften und Siegeln versehen, nach Köln brachte, welche > noch im Archive der städtischen Schulverwaltung aufbewahrt wird. > Die Einwohner Kölns waren über seine Ankunft hoch erfreut, denn sie verehrten ihn als den Erhalter deö wahren Glaubens. > Sie erwiesen ihm die höchsten Ehren und der städtische Senat! überreichte ihm den Ehrenwein. Er ward gebeten, die Kanzel! zu besteigen, und that es, obwohl er müde von der Reise und! noch nüchtern war. Von Köln begab er sich nach seiner Vaterstadt Nymwegen, wohin er mehrere dringende Einladungen erhalten! hatte, und obgleich dort der Irrthum eingedrungen war und gro-! ßen Hasz wider die Priester der katholischen Kirche erregt hatte,! so konnte man doch dem Manne die schuldige Achtung nicht versagen, welcher eine so große Zierde des Vaterlandes geworden War. Acht Tage schenkte er seiner Vaterstadt, begab sich dann nach Jülich und von da wieder nach Köln. Und solche Liebe hatten die Kölner zu dem ehrwürdigen Manne, dasz sie sofort den Beschluß faßten, Keinen zum Lehramte zuzulassen, bei dem man über die Reinheit seiner Lehre ungewiß sey. Mit dem Senate vereinigte sich die kölnische Universität. Keiner erlangte die theologische Doctorwürde, noch ward jemand zum Grade einer andern Facultät zugelassen, wenn er nicht zuvor die vom Oberhaupte der Kirche vorgeschriebene GlaubenSformcl beschworen hatte, worauf CanisiuS schon damals in Wicn drang. CanisiuS kam darauf nach Dillingcn, wo er ein ganzes Jahr verweilte und den ersten Theil seines Werkes wider die Centurien schrieb. Er nannte es „vom heil. Johannes dem Täufer" und widmete es dem Erzherzog Ferdinand von Oesterreich. Die Centurien waren schon im Jahre 1560 von den Magdeburgischcn Worts-Dienern herausgegeben und weil sie viele Leser gefunden, und überall Lüge statt der Wahrheit, Gift statt der Arzneien gaben, so hatten sie bereits großes Verderben angerichtet. Pius V. selbst beauftragte unsern Canisius mit Widerlegung dieses Werkes, und im Jahre 1571 verließ schon der erste Theil die Presse. Der gelehrte Cardinal Baroniuö schreibt über dieses Werk in seinen Jahrbüchern: „Der wachsame Fleiß des gelehrten und überaus gottseligen Mannes CanisiuS bezeugt, daß in diesem Werke nichts mangelt, was dazu dient, die Widersacher ihrer Uncrscchrcn- heit, Thorheit und Treulosigkeit zu überzeugen.' Allgemein wurde der Wunsch rege, CanisiuS möge auch Maria, die allcrscligstc Jungfrau und Mutter des Herrn, welche vielfach gcschmähct war, gegen die Feinde des Glaubens vertheidigen. Das Oberhaupt der Kirche verlieh dem Verfasser seinen Segen und vollkommenen Ablaß. Im Jahre 1577 vollendete CanisiuS diesen zweitcn Theil und nannte ihn „von der seligsten Jungfrau Maria." Er widmete das Werk dem Herzoge Albert von Bayern. Den dritten Theil fing Canisius an zu schreibe», konnte ihn aber nicht vollenden. Und wie war es ihm möglich, viele Bücher zu schreiben, da ihn das Oberhaupt der Kirche, der Kaiser, die ersten Fürsten und Herren und die Obern der Gesellschaft Jesu ununterbrochen in Anspruch nahmen? — Er war beständig in Geschäften, auf Rci- sen, überall und immer mit Mühe beladen. Papst Gregor XIII. sagte zu ihm, als er ihn an den Erzbischof von Salzburg, an den Herzog von Bayern und an andere Fürsten sandte: „Wir wollen, daß du nach unserm Verlangen behilflich seyest, Deutschland beizu- springcn, weil uns hinlänglich bekannt ist, wie viel deine scgcuS- Vslle Weisheit in dieser Sache vermag." Nach Vollbringung dieser wichtigen Geschäfte rief ihn Papst Gregor wieder nach Rom, um sich mit Am zu berathen über die Gründung eines deutschen Kollegiums in Rom. Es war das siebente Mal, daß der apostolische Mann zur Hauptstadt der Christenheit rcisete. — Von dort begab sich CanisiuS zum Reichstage in Negensburg. Im Jahre 1579 sandte ihn der Pater General zu Albert, dem Grafen von Fürstcnbcrg; und schon wollte er auf Befehl des Papstes mit dem Bischöfe von Breöcia znm Reichstage nach Nürnberg gehen, als ein anderes wichtiges Geschäft ihn »ach Helvetica abrief. Die Bischöfe von Konstanz, Basel und Lausanne schrieben an Papst Gregor Xlll. die große Gefahr, in welcher die heilige Sache d.s Glaubens im Schweizerlande schwcbc. Der heil. Vater ließ sofort durch seinen Nuntius, der in Deutschland war, Einsicht nehmen und dieser rieth, ein Kollegium der Gesellschaft Jesu in Frciburg zu gründen. Kaum aber verbreitete sich daö Gerücht von der Gründung eines Kollegiums der Gesellschaft Jcsu, als sich stürmisch die Jrrlchrcr erhoben. Wie i» Deutschland, so wurden auch im Schwcizcrland Schmähungcn aller Art übcr die Giscllschaft Jesu auSgegvssen. Der apostolische Nuntius berief daher im Jahre 1580 den gelehrten und gottseligen Petrus Canisius nach Freiburg. Der päpstliche Legat Bonhrm, Bischof von Versailles , führte ihn ein und begrüßte den Senat der Stadt mit den Worten: „Sehet, Freiburger, hier habt ihr einen Edelstein, einen Mann, der ein hochgcweihtes Pfand ist, das ihr mit besonderer Verehrung bewahren sollet!" — Und siehe! wohin CanisiuS kam, da flohen die Schatten der Nacht und die Nebel des ^Irrthums. Er war bald die Liebe des Volkes. Einstimmig ward >das Collcginm dcr Gesellschaft Jesu gegründet und Canisius zum I Vorsteher erwählt. Sicbenzehn Jahre lebte er in Fccibnrg und besorgte nicht nur in Frciburg, sondern auch auf dcm Lande das ^Hcil dcr Seelen. Er predigte, war Nathgcbcr, schrieb Bücher, ! sandte Briefe an die Brüder in den Collegicn, welche er gegründet, tröstete und bcgcifterte sie für Wahrheit, Wissenschaft und i Vollkommenheit. Unter solchen unuutcrbrochencn Bemühungen für die Ehre ! Gottes und das Heil der Menschen war CanisiuS Greis geworden. -Er fühlte die Abnahme seiner Kräfte und das Herannahen des ^ TodcS. Nunmehr begann die Vorbereitung zu der letzten Reise in die Ewigkeit, zur Bereinigung mit Christo seinem Herrn, dem ^er treu gedient hatte. Er verlangte sehr nach der Fürbitte from- !mcr Freunde, tödtcte seinen Leib mehr denn zuvor durch Fasten jab, obwohl seine Kräfte sichtbar von Tag zu Tag abnahmen. -Nnr die Gespräche von Gott und göttlichen Dingen gaben ihm Stcnke und erheiterten seine Seele. Durch Leiden scincm Herrn !in etwa gleich zu werden, war ihm selige Wonne. Nachdem er !vicr volle Monate au den Schmerzen der Wassersucht gelitten hatte, cntschlics er im Herrn am Feste d^s heil. Apostels Thomas, Nachmittags drei Uhr, im Jahre 1597 im 77stcn Jahre seines Lebens. Ganz Frciburg trauerte. Man beklagte seinen Tod, wie ein großes Unglück. Jeder bemühte sich, eine Reliquie von ihm zu erhalten. Man feierte ihn wie einen Heiligen. Die Frcibnr- ger setzten dem ehrwürdigen Vater ein Denkmal und nannten ihn darcmf „ihren Patron und Fürsprecher, den Erzvater dcr Kirche in der Schweiz, eine feste Säule des katholischen Glaubens, einen Mann, berühmt in der ganzen christlichen Welt." Die Verehrung steigerte sich, als man seinen Leichnam ausstellte. Man kämpfte, um die Hände und Füße des Verstorbenen zu küssen. Es wurde schwer den Leichnam zu begraben, da fast immer die Menge ihn nmlagcrte. Die geringste Reliquie von ihm war ein kostbares Kleinod und war es auch nur cin Haar, man faßte es in Silber und Seivc. Bald glänzte das Grab des gottseligen Mannes von Wundern. Sein Leib ruhcte in der Hauptkirchc des hl. Nikolaus zu Freiburg bis zum Jahre 1626, wo er unter großer Feier in die Jcsuitcnkirche übersetzt wurde. Im Jahre 1843 am 21. Nov. wurde Canisius in der Versammlung der Kongregation vom heil. Ritus selig gesprochen. Petrus Canisius gehört zu den außerordentlichen Erscheinung gen auf dem Gebiete der katholischen Kirche und zu jenen Männern der Vorsehung, welche der Herr in gefahrvollen Zeiten erweckt, damit sie Licht und Salz der Erde seyen und wie feste Säuleu die Kirche tragen; Deutschland und Europa ist dem apostolischen Manne zum Danke verpflichtet und mit Recht nennt ihn die französische Kirche „den Apostel letzter Zeiten." Der Eifer für das Haus Gottes verzehrte ihn. Glühender Eifer für die Ehre, Verherrlichung und Erhöhung der Kirche Jesu Christi, die gleich einer unauslöschliche» Flamme bis zum letzten Athemzuge in ihm lebte, bildete den Hauptzug in dem Charakter des ehrwürdigen CanisiuS. Das Glaubensbekenntnis;, welches er seiner Antwort an die Ccnturiatoren von Magdeburg vorausschickte, kann uns hiervon allein überzeugen. Der Cardinal StanislciuS HosiuS nennt es daö kostbarste Denkmal der demuthsvollstcn und hochherzigsten Hingebung, die je ein gläubiges Kind der Kirche gegen diese gute Mutter hegen kann. „Freimüthig — so heißt es unter Andern in diesem Bekenntnisse — freimüthig bekenne ich mit HieronymuS: Wer sich anschließt an den Stuhl Pctri, der ist mein Mann. Mit Ambrosius rufe ich laut aus: In allen Stücken wünsche ich der römischen Kirche zu folgen; und diese verehre ich mit Cyprian als die Wurzel und Mutter der katholischen Kirche, mit der, wie Augustin sagt, die Obergewalt des apostolischen Stuhles immer verbunden ist." Darum klagte, seufzte, weinte er über das Unglück der Irrlehre, welches über Dcntschland verheerend einbrach und Alles zu verderben drohte. „O möchte der Herr, so rief er trauernd aus, uns die Augen öffnen und unsere Herzen rühren, um die Uebel des Hauses Israel zu sehen und zu beweinen." Die Irrlehre zu bekämpfen und überall den wahren Glauben wieder herzustellen, das war sein Lebensziel. Bestimmt von der Vorsehung für diesen hohen Zweck, war er auch von ihr mit den nöthigen Gaben und Kräften dazu reichlich ausgestattet. Er besaß eine feste, aller Arbeit und Anstrengung trotzende Gesundheit, einen durchdringenden, umfassenden, gründlichen Verstand, einen eisernen Fleiß, das glücklichste, geordnetste trcucste Gedächtniß. Man erzählt sich in dieser Beziehung Dinge, die ans Wunderbare gränzen. Seine Klugheit, Bescheidenheit und Milve gewannen ihm die Herzen aller Menschen. Ueber die verschiedenartigsten Gegenstände wußte er sich mündlich und schriftlich, auf der Kanzel und in freundlichen Gesprächen, deuisch uud lateinisch, niit derselben Leichtigkeit zu erklären und auSzusprcchcn. So erklärte er den Kindern den Katechismus, unterrichtete die Erwachsenen, predigte dem Volke, schrieb Bücher, untcrrcdctc sich mit Katholiken höhcrn und niedern Standes, disputirte mit den Irrlehren,, wirkte an den Höfen der Großen, besuchte die Armen auf dem Lande, ging in Gefängnisse und Spitäler, gründete Kollegien und Seminarien, brachte Universitäten zur Blüthe, machte unzählige Reise», hielt Missionen — dieß war fünf und fünfzig Jahre seine ununterbrochene Beschäftigung, ohne daß je sein Eifer erkaltet, je seine Kraft gelähmt wäre. Unendlich viel Gu>cS wirkte er namentlich durch seine Missionen. Die Pfarrer machten unter seiner Leitung die geistlichen Uebungen nach Vorschrift des hl. Jgnatius, — und neues Leben blühete in den Gemeinden. Alle, die er fähig fand, forderte er auf und ermunterte sie, gegen die Jrrlehrer zu schreiben, und verhandelte darüber insbesondere mit dem Vater Aquavira. So sehnlich er aber wünschte, daß seine Gesellschaft recht viele Schriftsteller liefere, welche im Stande wären, die Irrthümer der Protestanten zn widerlegen, so duldete er doch keine Schrift, welche der Größe und Wichtigkeit des Gegenstandes nicht entsprach. Unausstehlich war es ihm, wenn man in solchen Schriften auf bittere Ausdrücke, auf schalen Scherz und Spott, auf frostige Anspielungen Jagd machte. Er wünschte im Gegentheile, daß Alles Ernst und Liebe, wahrhaft katholische Bescheidenheit und Mäßigung athme. So glühend sein Eifer war für die Bekämpfung der Irrlehre, so groß, tief und außerordentlich war seine Liebe für alle Ver- irrten. Nach seinem Tode fand man ein Büchlein, von seiner Hand geschrieben, und darin mehr als fünfzig Beweggründe verzeichnet, die ihn vermochten, alle Tage für alle Menschen jeden Standes und Berufes zu beten; besonders aber waren die Namen derjenigen vermerkt, die ihn verfolgten, die Feinde der Gesellschaft Jesu, die Jrrlehrer und Irrgläubigen. Unter Strömen von Thränen betete er täglich für ihre Bekehrung zu Gott. Mit diesen Gebeten verband er die strengsten Bußübungcn, die er selbst im hohen Alter und in seiner Krankheit nur im Gehorsam milderte. Wie viel überhaupt der ehrwürdige Canisius durch sein Gehet gewirkt, wer weiß es, wer kann es berechnen? — Sein ganzes Leben war ein ununterbrochenes Gebet. Um Zeit für Gebet und Betrachtung zu finden, ging er spät zur Ruhe, stand früh auf. Gewöhnlich fand ihn der weckende Bruder schon auf den Knieen liegend, die Hände gefaltet, die Augen schwimmend in Thränen. Er betete mit heiligem Ungestüm, besonders wenn er für die Bekehrung der Sünder und Ungläubigen betete, kämpfte dann (wie er sich selbst ausdrückte) wie Jakob, mit seinem göttlichen Meister, und setzte den Kampf unerinüdct so lange fort, bis er den Sieg errungen hatte. Eine besondre Verehrung bewies er von seiner ersten Kindheit bis zu seinem Lebensende gegen die allerseligste Jungfrau und Mutter Maria, uud dieselben Gesinnungen suchte er in Unterredungen , Predigten, Büchern allen Gläubigen einzuflößen. Den Kirchen aber und Kapellen, die ihrem Namen geweiht waren, verschaffte er Ablässe und andere Auszeichnungen. Vorzüglich that er dieses für die berühmte Wallfahrtseapelle unserer lieben Frau von Alt - Oetting in Bayern. Täglich pflegte er zur Ehre der heil. Mutter Gottes den Rosenkranz zu beten und in seinem hohen Alter legte er ihn fast nicht mehr aus der Hand. Er rechnete es sich zur besondern Ehre, alle zu ihrem Andenken eingeführten Andachten mitzumachen. — Groß und reich, heilig und wunderbar ist das Leben des ehrwürdigen CanisiuS nach allen Seiten und Beziehungen. Er kämpfte als guter Kämpfer in einer schweren, unhcilSvollcn Zeit den Kampf für Christum den Gekreuzigten und seine heil. Kirche. Ganz Süddcutschland hat auf seinen Schultern geruht. Bayern, Köln und Wien sind zn großem Danke ihm verpflichtet. Als Kämpfer Christi hat er gelebt und gewirkt, als Kämpfer Christi starb er. Das Bild des Gekreuzigten in der einen Hand und cS mit Zärtlichkeit küssend, die brennende, geweihte Nerze, dieses Sinnbild des lebendigen, katholischen Glaubens, in der andern, übergab er sanft seinen Geist in die Hände seines Schöpfers. Priestern und Laien kann der ehrwürdige Canisius in unserer vielfach bewegten und verwirrten Zeit lebendiges Vorbild und trefflicher Wegweiser seyn. Zugleich aber können wir nicht umhin, unsere volle Liebe und Ehrfurcht gegen die Gesellschaft Jesu auSzusprechcn, welche einen Canisius bilden und erziehen konnte. —- Verantwortlicher Red.ittcur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.