-5 ^»gs ' ^ei/., New-Zjork, 22. Mai 1845. Sie wissen gewiß in Frankreich, das; hier mehr als 15,0dl> Franzosen leben, von welchen mindestens die Heilste aus sehr wohlhabenden Handelsleuten besteht. Alle diese braven 5!cnle suchcn sich fortwährend mit dem Mutter- lande auf gleicher Linie zu erhalten und nehmen jede Ansicht, die aus Frankreich ihnen zukommt, wie ein Evangelium an. Nun aber lesen sie kein anderes französisches Blatt als den Courricr des EtatS^unis, eine zn Ncw-Zork erscheinende und von dem Verfasser dcö Tour dc Ncsle Herrn F. N. Gaillardct rcdigirtc Zeitung. Schon daraus können Sie den Geist dieses Blattes bemessen, das sich zwar rühmt ein Echo aller Parteien zu seyn, in der That aber nur die bissigsten Artikel des Su'clc und National gegen die katholische Kirche aufnimmt und in seinen Feuilletons den ewigen Juden und die Königin Margot veröffentlicht. Tiefes unselige Blatt liegt auf allen französischen Tischen, die Damen vcrscblin« gen seine Romane, die Männer lesen seine politischen Artikel, die nur von JcsuitismuS und den Schändlichkeiten der berüchtigten Societät faseln, und die Besseren verhüllen sich das Haupt und schämen sich, daß sie einer Religion angehören, die solche Böscwichtc duldet. An das Univers gerichtet und vom Katholik übersetzt. Indessen ist der religiöse Zustand der französischen Bevölkerung jetzt dvch viel befriedigender, als er vor einigen Jahren war. Damals hatten wir hier wahrhaftig eine Hcerde ohne Hirten. Die Männer dachten an nichts als ihr Glück zu machen, keineswegs aber an ihr Seelenheil, und die Frauen, die aus Frankreich noch gute Gesinnungen mitgebracht hatten, verloren sie in Amerika, weil sie dort keine Nahrung fanden. Es gab wohl katholische Kirchen, allein weil dort englisch gepredigt wurde und man sich bei einer Predigt langweilte, welche man nicht verstand, versäumte man es auch in die heilige Messe zu gehen. Die Kinder, besonders jene der a bcirendcn Classe, besuchten die protestantischen Schulen und ihre strafwürdigen Eltern dachten nicht einmal daran sie zur heiligen Commnuivn zu führen. Es herrschte mit einem Worte unter unscren Landslcuten in religiösen Dingen eine förmliche Auflösung. Im Jahre 18ä2 kam indessen der Hochwürdigstc Bischof d c Jorbin - Janson nach Ncw-Aork und hier wie überall waren seine Schritte von guten Thaten begleitet. Der Vinccnz von Paulo der chinesischen Kindheit versammelte die vornehmsten Franzosen um sich und redete ihnen zu, bis ihnen vor Scham das Blut in das Gesicht stieg, dasz sie noch keine eigene Kirche hätten. Nun bot der Generalkonsul die Hand, selbst der Courricr des Etats- uniS unterstützte vom Standpuncte der Nationalität aus die Sache, cine Snbscriptiou wurde eröffnet und darauf ein Grundstück angekauft und die Arbeiten begonnen. Seit zwei Jahren ist jetzt diese Kirche fertig und dem Cultus übergeben, und der würdige Abbl- Lasont ist Psarrcr derselben, ein Priester, der sich mit Leib unv Seele seiner Aufgabe widmet und an die Lösung derselben sein Leben setzen wird. Lebendige Christen sind zwar unt.'r seinen Schafen noch wenige, allein cö ist doch schon wenigstens unter den Franzosen znr guten Sitte geworden, Sonntags in das Hochamt zu gehen. Die Damen erscheinen dort in ihren elegantesten Toiletten und ihre Männer begleiten sie regelmäßig dahin. Auf dem Heimwege wird nun zwar die Predigt kritisirt und vielleicht nicht kurz und schwunghaft genug bciunden; — für diese Herren müßte man zum mindesten Bossuct wieder erwecken, — allein das Wort Gottes, welches Abbo Lasont mit einem Eifer, einem Tacte und einer Salbung ihnen verkündet, welche Bewunderung verdiene», geht an diese» Gemüthern doch nicht spurlos vorüber. Der Gottesdienst wird mir vieler Würde gehalten und es ist der Grc- gorianijchc Gesang cingcsührt worden, eine Erinnerung an das Mutterland, wclchc hier cine sehr heilsame Nencrung ist, denn in allen katholischen Kirchen Englands, Irlands und Amerika'S hört man nichts als Opcrncmcn, die von Männer- und Frauen-Chören gesungen werden. Sie können sich cinc» Begriff von der angestrengten Thätigkeit unseres Pfarrers machen, wen» Sie bedenke», daß seine Pfarr- ki»der in einer Stadt zerstreut sind, die großer ist als Paris, und daß er außer der Vorbereitung ans seine Predigten, den zweie» Messen, die er liest, den Beichten, die er hört und außer den übrigen gottcSdicnstlichcn Verrichtungen auch noch seine Kranken in diese», weiten Raume besuchen mnß. Doch Abbv Lasont hat auch noch cine Schule gegründet und ist dabei von der Voraussetzung ausgegangen, daß man nur dann wahre Gläubige habe» könne, Wenn sie von Jugend auf zur Religion herangebildet würden. Eines nach dem cmdcrcn hat er die Franzoscukindcr aus den protestantischen Lehranstalten herausgenommen und hält nun selbst 17l) Kindern Schule, die ihm viel Trost gewähren. Ebenso hat er für 2W Mädchen cinc Anstalt gegründet, die von zwei frommen Damen aus Paris geleitet wird, welche dieser edlen Mission sich widmen. Diese Schule gedeiht so sichtbar und ist so sehr geschätzt, daß selbst die Protestanten ihre Kinder gern dahin schicken. Hier in diesem häretischen Lande brauchen wir uns wenigstens mit den Chicanen der Universität nicht zu plagen und die Freiheit ist hier mehr als ein leerer Name; hier wird der Priester, der die Jugend lesen lehren will, damit sie besser denken lerne, nicht im Namen des Gesetzes durch die kleinliche Eifersucht der Schnüffler daran verhindert; das öffentliche Vertrauen fragt nicht darnach, wo er seine Diplome und Pergamente erworben und man ist überhaupt der Ansicht, daß ein frommer Priester mehr von der Sache versteht, und besser lesen und schreiben kann als kleine Kinder. Ncw-Vork, 31. Mai 1845. Ich habe Ihnen am 22. Einiges über die französische Kirche von New-Zjork geschrieben. Es ist dieses indessen nicht der einzige Tempel, der in dieser Stadt unserer heiligen Religion geöffnet ist, denn eS gibt jetzt in New- ^Zjork und den Vorstädten siebzehn katholische Kirchen und noch mehrere sind im Baue begriffen, Dank dem bewunderungswürdigen Eifer unseres Bischofs. Monsignore Hugues ist der zweite Prälat auf diesem bischöflichen Stuhle und er folgte Monsignore DuboiS nach, einem französischen Priester, den das SchreckenSregimcnt aus unserem Va-- terlcmde vertrieben und die Emigration zum Missionäre gemacht hatte. Bischof HugueS ist ein Isländer und seit seiner fünfjährigen Regierung hat das von seinem Vorgänger vorbereitete Feld schon hundertfältige Frucht gebracht. Seine Diöccse umfaßt den ganzen Staat New-Zjork, der so groß ist wie Frankreich und er durchwandert denselben unaufhörlich, taufend, firme»d, bekehrend und predigend. Seine Rede ist so ergreifend, daß selbst die Protestanten begierig darauf horchen und seine Worte wahrhafte Wunder hervorbringen. Im Angenblickc ist er mit dem Baue ciues Seminars beschäftigt, um die Zöglinge des HciligthumS in > dasselbe aufzunehmen und seine Begierde eS zu vollenden ist so ^glühend, daß er selbst den Maurern an die Hand geht, die Kelle ! ergreift und jeden Arbeiter an den rechten Platz stellt, um ein Werk zu fördern, dessen Baumeister der Vischos selbst ist. Ebenso !hat er, als ein zweiter Moritz von Snlly, selbst seine Kathedrale !gebaut, ein gothisches in gutem Geschmacke ausgeführtes Gebäude, !das im Mittelvnncte der Stadt liegt. Das Bedürfniß eines Seminars war ein wahrhaft dringliches, idenn die Kirche wird in diesem Lande erst dann feststehen, wen» !sic sich auf einen eingeborenen KleruS stützen kann, allein bis jetzt ^hatten wir hier nnr französische und irländische Missionäre. Der Bischof hat im Ganzen nur 165 Priester, die in der ungeheueren Diöccse zerstreut sinv und diese Zahl ist dermaßen unzureichend, daß er Protestanten, welche religiösen Unterricht und Erlenchtung ! verlangen, oft lange warten lassen muß. Durchschnittlich bewirkt jeder Geistliche drei Bekehrungen im Jahre. Ich habe dieses aus dem Munde des Hochwürdigsten Bischofs selbst und dieses Resultat ^ist kein geringes, wenn man bedenkt, daß diese Bekehrten keine ! einfachen im Naturzustände befindlichen Wilden sind, die ihr Auge gern dem Lichte öffnen, sondern skeptische, leichtsinnig dahin lebende ^Menschen, die seither in allen Vorurthcilcn ihrer Erziehung befan- !gcn waren. Wilde gibt es im Staate Ncw-Iork dermalen eben so wenig als wir in Frankreich noch Druiden besitzen und eS ist dadurch den Missionären mancher Trost entzogen, denn zwischen Iowas, die von Zeit zu Zeit einen Mensche» fccsscn, und übermüthigen Kaufleute» mit weitem Gewissen kann einem Seelsorger !dic Wahl nicht schwer fallen, wenn eS ihm freigestellt würde, diese ^odcr jene zu seinen Schasen zu wählen. . ^ ^ Während so der Bischof Hugueö seinen Nlerus, seine Gläubigen und alle Dissidenten erbaut, unter welchen er im Rufe der Heiligkeit und des hohen Verdienstes steht, ist der anglicanischc Bischof von New-Iork für die ganze Stadt ein Gegenstand des Aergernisses geworden. Ich erwähne dieser Geschichte nur darum, weil die Justiz bereits darüber entschieven hat. Mr. Onderdonk war nicht nur ein Fcinv des Cölibatö der Geistlichen,^ — sein Glaube gab ihm ein Recht dazu, — sondern die freie Forschung und das freie Leben hatten ihn förmlich zum musclmämnschen Polygamen gemacht. Unter den übrigen Geboten Mahomcds hatte er jedoch wieder eine Auswahl getroffen, denn der Wein hatte besondere Gnade gefunden vor seinen Augen. Auf die Klage mehrerer Prediger' hin hat nun die Versammlung der protestantischen Bischöfe Mr. Onderdonk abgesetzt unv am 20. dieses Monates nach einem zweitägigen Wahlkampse Mr. Potter an seine Stelle gewählt. ES traten bei dieser Wahl die beiden bischöflichen Parteien auf und wir können somit ihre Kräfte nach derselben bemessen. Die Statuten der Sccte bestimmen nämlich, dasz der BisthumS- Candidat von der Versammlung der Geistlichkeit vorgeschlagen, dann aber von sämmtlichen Laienabgcordneten der Pfarreien genehmigt werden muß. Die Majorität des Klerus ist puseyistisch, denn der Puscyismuö hat in Amerika gerade schon so viel Grund und Boden gewonnen wie in England, und sie wählten daher Anfangs einen Kandidaten aus dieser Schule. Nun aber kamen die Laien, welche die Ansichten ihrer Pastoren nicht theilen, denn sie sehen nicht ohne Grund in dem Puscyismus eine Hinneigung zum PapismuS, und verwarfen den Hochwiudigcn, welcher vorgeschlagen war. Mr. Pottcr, dem das Verdienst gebührt, daß er ein vollblütiger Auglicaner ist, wurde darauf zum Bischöfe gewählt. Doch es ist Zeit, daß ich Sie nach so ärgerlichen Geschichten wieder erbaue und ich will Ihnen daher Einiges von den Klosterfrauen deö heiligen Hcrzenö (clu sulliü ocieui) erzählen. Diese Ordcnsfraucn haben acht Häuser in den Vereinigten Staaten und eines in Canada, in welchen su> der Erziehung der weiblichen Jugend sich widmen. Kein Land bevnrfte in der That dieses Ordens mehr als Nordamerika, denn die hiesigen Pensionate waren nur Schulen der Eitelkeit, des PianoS und des Tanzes und begünstigten die natürlichen Neigungen der Manchen, statt daß sie dieselben auf den rechten Weg hätten leiten sollen. Sie können sich einen Begriff davon machen, wenn ich Ihnen eines der Feste beschreibe, die in diesen Pensionaten gefeiert werden. Die Zöglinge wählen sich alle Jahre eine Maikönigin, nicht die bravste, sondern die schönste; diese erhält dann Ehrcndcunen, Pagen, unv wird auf einem Throne gekrönt, alles im Beiseyn einer zahlreichen Sippschaft von Verwandten und Freunden. Nach dieser Ceremonie, rn welcher die frühreife Cogucttcrie die schönste Gelegenheit findet, sich bestens zu entwickeln, kommen Komödien und Polka's, in welche» jene glänzen können, welche bei der Wahlhandlung ohne Würde und Amt geblieben sind. Die Ordcnöfraueu des heiligen Herzens wissen besser was Erziehen hnßt und ihre Pensionate befinden sich in einem sehr blühenden Zustande. Selbst protestantische Eltern übergeben ihnen oft ihre Töchter, so groß ist das Vertrauen, dessen diese heiligen Seelen genießen. Die gegenwärtige General-Supcriorin deö Ordens in Amerika ist Madame Hardey, eine Jrlanderin; in gleich hoher Verehrung aber steht Die Frau von Kcrsaint, von der die ganze Ordcnsgenossenschast nur mit Thränen der Bewunderung im Auge sprich:. Tochter eines Admirals von Frankreich vereinigte Frau Hcnrictte von Kcrsaint in ihrer Person Alles, womit man in der Welt eine glänzende Carriere macht, und die Welt wurde darum von nicht geringer Verwunderung ergriffen, als sie sich in der Blüthe ihrer Jugend in c-'n Kloster zu O.uimper begrub. Dort war sie indessen ihrer Familie noch zu nahe und sie wollte mit Niemanden mehr Verkehr haben als mit dem Himmel. Darum war sie die Erste, welche sich stellte, als die Rede davon war ein OrdenshauS des heiligen Herzens in den Vereinigten Staaten zu gründen. Schon länger als zwölf Jahre ist sie jetzt in Amerika und wenn ein Haus gegründet ist, begibt sie sich sogleich an einen anderen Punct, um dort ein anderes zu gründen und wählt aus diese Wcisc sich selbst stets die schwierigsten und anstrengendsten Posten. Schon mehr als zwanzigmal wollten ihre Genossinnen sie zu ihrer Supcriorin ernennen, allein sie hat sich stets geweigert, diese Stelle anzunehmen und befindet sich gegenwärtig in Canada, wo sie armen Kindern Schule hält, während sie die Sorge für die reichen ihren? Kloster anvertrauten Töchter Anderen überläßt. —,- Italien. CanonisationSproceß einer Schäferin. Es schwebt gegenwärtig in Rom der CanonisationSproceß einer frommen Schäferin, Gcrmainc Cousin, aus Toulcnse. Sie ward 1579 von frommen Eltern geboren, verlor ihre Mutter früh, und wurde von einer lieblosen Vase zur Hcerde geschickt, als sie kaum zu laufen vermochte. Unter harten Leiden jeder Art wuchs sie auf, aber sie sah in Allem die Hand des Herrn nnd gewann Armuth und Verachtung lieb. Weit von der Dvrfkirchc hütete sie ihre Schafe, aber jeden Morgen ging sie zur heiligen Messe, überließ unterdcß die Hecrdc der Obhut Gottes. Jeden Sonntag suchte sie zu communicircn, und ihre Andacht zur göttlichen Mutter war so groß, daß sie stets beim Läuten des englischen Grußcs sogleich ans die Kniee siel, selbst wenn sie im Wasser stand, um ihr Gebet zu verrichten. Sie galt in ihrer kindlich frommen Lebensart nicht nur für eine Betschwester, sondern die Base hielt sie auch für untreu, da sie es für unmöglich hielt, daß dieselbe mit dem wenigen Brod, das sie erhielt, leben könne, und doch theilte sie davon noch andern Armen mit. Die Base drohte ihr daher mit einem Stocke, wenn sie nicht bekenne, und durcb- suchte ihren Schrank; doch statt einen Vorrath von Brod oder Eßwaaren zu finden, lagen duftende frische Blumenkränze darin, zu einer Zeit, wo überall nur Schnee und Eis blühte. Bon nun an hieß man sie nicht mehr die Betschwester, sondern die Heilige. Im Jahre IliOl starb die Schäferin und wurde iu der Kirche begraben; drei Jahre später starb eine andere aus gleicher Familie, ihre Base, und man wollte die Grusl der Heiligen öffnen, um diese ihr beizugesellen. Als man den Stein abhob, fand man den Leichnam der Schäferin, als ob sie erst gestern gestorben wäre. Die Spate des TodtcngräbcrS traf sie in'S Gesicht, und das rothe Blut quoll hervor, als wenn das Leben gar nie von ihr gewichen wäre; mit einem frischen Kranz auf dem Haupte und mit einer Kerze in den Händen, lag sie da und wurde von Allen gleich erkannt. Man enthob sie und setzte sie aus, bis 1t)45. Da begab cS sich, daß eine adelige Frau den Anblick des Leichnams nicht ertragen konnte; sie befahl, ihn zu entfernen. Doch nicht lange nachher erkrankte ihr Kind, sie selbst wurde von einem harte» Uebel befallen, alle Hilfe der Aerzte war umsonst. Da rieth ihr der Gemahl, sie solle die Heilige um Verzeihung bitten, daß sie dicflbe verstoßen. Sie thaten es in gemeinschaftlichem Gebete, worauf die Schäferin in unbeschreiblicher Schönheit ihn?n erschien und ihre und des Kindes Genesung ankündigte, was vollkommen -- eintraf. Von nun cm wurde sie bekannter und besucht von allen Orten. Ueber alle ihre Lebensunistände, Unvcrweolichkeit und Wunder wurden die genauesten Untersuchungen aufgenommen, und cS steht in Aussicht, daß die Schäferin, wie sie den Lohn ihrer Trene im Himmel erhalten, auch auf der Erde als eine Heilige bekannt und verehrt werden soll. Evangelischer Missionseifer. Die Verhältnisse und das Wirken der englischen MissionSge- scllschaft auf Neu-Sccland veranlaßte im englischen Parlamente eine DiScussion, die nicht weniger als drei Tage andauerte und den Beschluß eines UntcrsuchS veranlaßte, obschvn das Ministerium solchen mit aller Krast zu hindern suchte. Aus dc» Verhandlungen hat sich herausgestellt, daß die Londoner Missionogcscllschaft die Niederlassung europäischer Kolonisten auf Nen-Seeland auf jede mögliche Weise zu hindern suchte. Der Plan war kein anderer, als ein ausschließlich aus Eiugcbornen bestehendes Reich zu gründen, dessen Regierung iu den Händen der Missionäre liegen sollte. Was man an der schönen Anstalt der Jesuiten auf Paraguay als die Schattenseite dargestellt hat, das suchte der englische Missions- vercin zu verwirklichen, ohne seine Lichtseite — ohne die christliche Liebe und Aufopferung uneigennütziger Missionäre. Nicht bloß die Niederlassung von Europäern wollte man hindern, sondern auch die politische Oberhcrrlichkeit der englischen Krone über das Gebiet der Colonic. Die Missionäre suchten die Eingeborncn mit Haß gegen die Europäer zu erfüllen, was ihnen so wohl gelang, daß cö im März l. I. zu einem gräßlichen Kriege zwischen den Eingeborncn und Ausländern kam, wie der Capitän des Schiffes Midlothian aus Sidncy »ach London berichtet. Die englische Fahne wnrdc niedergerissen, die Stadt Kororika niedergebrannt, 100 Eingcboruc und 20 Engländer auf dem Schlachtfeld getövtct, die niedergelassenen Engländer muhten sich flüchten, Sir R. d'Oyley schrieb »ach England: „Die Kolonie Neu-Sccland ist für England verloren, wenn nicht die Pest neun Zehntheilc der Eingeborncn wegrafft." Man dürfte sich mit Grund verwundern, wie die MissionS- gcscllschaft im Stande war sogar die Obcrherrlichkcit Englands wenigstens übcr dcn Thcil von Ncu-Sccland zu verhindern, wo sich englische Colvnistcn niedergelassen hatten, wo England einen Gouverneur ausgestellt hatte, und im Augenblick, wo es einer Gesellschaft bcsondcrc Privilegien zur Benützung dieses Landes ertheilt hatte. Aber die Sache wird begreiflich, wenn man weiß, daß Lord Glcnelg, Chef dcS ColonialwcscnS, eines der einflußreichsten Mitgiicdcr der Missionogcscllschaft ist, nud noch viele andere solche Beamte ihr angehören, die alle darauf bedacht waren, die rium hat zwar anscheinend gesiegt; aber dieser Sieg sieht einer Niederlage vollkommen gleich. Man darf das Wirken dieser Missionäre, die nur auf Ehre und Stellen bedacht sind, nur sich selbst überlassen, der Laus der Dinge wird sie erreichen. Diese Missionäre sind auch iu Asien gleich beliebt. Man ist sc> darauf bedacht ihrer los zu werden, daß man ihnen in Syrien an einigen Orten für baarcs Geld keine LcbcnSmittcl gab, um sie zum Verlassen des Landes zu nöthigen. Zu Saphct und Abbeja hat man sie mit Gewalt fortgetrieben. Dennoch beziehen diese Herren schöne Besoldungen, in dem Grade größer, als zahlreicher ihre Familie wird. Um einige Früchte des MissionSeiserö in den obligaten Berichten ausweisen zu können, stellt der Herr Missionär einen heidnischen Bedienten an, droht ihm dann mit Fortjagen, wenn er nicht in die Predigt komme, und so ist der Convertir gemacht. Solche Bekehrungen kosten je »ach Umständen verschieden sieben Piaster des TageS oder dcn Hauszins, oder — wie zu Jerusalem — den Titel eines BisthumS-Architekten, um nichts zu bauen, oder dcn Titel eines MissionS-Dvlmctschers, um nichts zu dolmetschen. Ein ernsteres Eingehen in die protestantischen Missionen des Orients würde die erbaulichsten Scenen anö Tageslicht bringen. — Wer behauptet dieß? Nicht ein katholisches Blatt, sondern die „Presse" von Paris. Deutschland. Von der Donau. Noch sind es nicht volle fünf Jahre, seitdem das adeliche Gut W. an der Donau durch Kauf aus den Handen eines adelichcn Gutsbesitzers in die eines bürgerlichen übergegangen ist. Als Letzterer das Gut angetreten hatte, da entstanden zwischen ihm und der Gemeinde nach und nach nicht weniger denn vierzehn Processe. Ganze vier Jahre wurden dieselben mit großer Erbitterung und beiderseits nicht »»bedeutenden Kosten fortgesetzt. Das einschlägige königliche Landgericht war fortwährend mit diesen Parteien beschäftiget, aber alle Bemühungen waren umsonst. Es wollte kein Vergleich, keine Aussöhnung zu Stande kommen. Endlich fand sich der sehr würdige Land- gerichtS-Vorstand bewogen, dcn erst neulich dahin versetzten Functionär St____.... mitdemAuftragczu betrauen, scineKräftein dieser odiosen Sache zu versuchen, um endlich einmal eine Versöhnung zwischen dem Gutebesitzer und der Gemeinde zu bewirken. Mit Freude, aber inncrem Langen übernahm derselbe dieses höchst mühsame Geschäft. Im Vertrauen auf Gottes Beistand, der ein Gott des Friedens ist, begann er die Verhandlungen mit einer eindringenden herzlichen Anrede an die Parteien. Schon vorher hatte er mit voller Andacht dem heiligen Meßopfer beigewohnt nnd scin schönes Vorhaben der Fürbitte des opfernde» Und sieh da! sein inbrünstiges Gebet sand ErPriesters cmpsohlcn. Ansicdlung von Engländern zu hindern und der MissionSgescllschaft! hörung, sein wohlgemeintes FricdenSwort erweichte die Herzen. Beide Parteien wcintcn Thrcincn der Freude und reichten sich die Hand zur Versöhnung. Alle Processe wurden ausgeglichen und seitdem leben die bisher sich Feindlichen iu ungestörtem Frieden und in schönster Einigkeit. Am darauffolgenden Tage wurde zur Danksagung, auf allgemeines Verlangen, in der sehr schön gelegenen Capcllc dcö Dorfes ein feierliches Hochamt abgehalten, bei welchem kein Herz uugcrührt und kein Auge die Missionsgcscllschaft zu dieser Stelle gekommen und war ihr! ohne Thränen blieb. — So viel kann ein Beamter wirken, wenn er aus noch andern Gründen ganz dienstbar; er nnd seine Nachfolger iGercchtigkcitoliebe mit wahrer Gottesfurcht vereiniget. Ehre diesem wirkten dcn europäischen Colonistcn entgegen. Das AuSbrcchcn der!braven Manne! er hat zu Stande gebracht, was man früher für offenen Revolution gegen die Rcgieruug vermochte endlich die Auf-!unglanblich gehalten hätte! Möchte er noch recht viel Gutes mcrksamkcit dcs englischen Parlamentes zu fesseln. Das Ministe- wirken! (Sion.)___ alle Gewalt zu verschaffen. Die ColvnisativnSgescllschast that Schritte, um sich mit der MisuonSgcscllschaft gütlich abzufinden, diese aber wies jedes Ancrbictcn von sich. Die Colonisten mußten den Eiugcbornen das Land abkaufen und ihre Herrschaft anerkennen; im Grund aber waren cS die Missionäre, die alles lenkten. Capitän Hobson, der erste Gouverneur dieser Kolonie, war durch Peramwvrtlichcr Rcda-teur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.