P 5 ^»S- ' ^ei^^ der Attgsvorger Postzeitmtg. weite Jahreshälfte. 7. Sept. 1845. Katholische Briefe aus Nordamerika. *) Ncw-?jvrk, 30. Juni 18ä5. Das kirchliche Organ Presbytcriancr in dcn Vereinigten Staaten vom Monat Juni enthält die nachfolgende merkwürdige Anzeige: „Die Generalversammlung der PrcSbvtericmcr empfiehlt den Donnerstag vor dem vierten Sonntage des Juni als einen Tag des Fastcns und des Gebetes, weil der Einfluß Gottes auf feine Kirchen im Augenblicke vollkommen aufgehört hat." Sollen wir einen Commcntar zu diesen Worten schreiben? Nein, wir wollen dieses einem anderen amerikanischen Blatte, dem „Chnrchman", überlassen, denn wir könnte» sonst i» Verdacht kommen, es fehle nnS an Liebe. Bei jenem protestantischen Blatte wird das der Fall nicht seyn und wir könnten ohnedies; die Sache nicht besser auffassen, als es bereits dort geschehen ist. „Wie, ruft der Chnrchman aus, Gottes Einfluß auf die Kirche soll suspcndirt seyn! Was will das hcißcn? Gewiß hat dieses Blatt sich in Bezug auf die Ursache des von der Generalversammlung vorgeschriebenen Fasttages getäuscht, denn cS wäre unbegreiflich, wie eine so intelligente Körperschaft auf einmal so wahnwitzig werden sollte von einer Suspension des Einflusses Gottes zu reden, da doch ein jedes ihrer Mitglieder wissen muß, daß Christus seinen Dienern und der Kirche versprochen hat, stets und bis an das Ende der Zeiten bei ihnen zu bleiben. „Ich werde alle Zeit und bis an das Ende der Welt bei Euch bleibe»; da wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen." Die wahre Existenz einer Kirche hängt also von der Existenz des göttlichen Einflusses auf sie ab, und hat dieser Einfluß aufgehört, — was soll man da von der Kirche halten? Hat daher die Generalversammlung wirklich die in Rede stehende Verordnung erlassen und ist der Zustand der presbyteriani- schcn Kirchen wirklich der Art, wie die Versammlung in diesem E, lasse ihn schildert (was Niemand besser wissen wird als die Gc- neralvcisammlung selbst), so folgt ans dcn Worten des Heilandes in nothwendiger und logischer Weise nur so viel, daß die Gläubigen der besagten Kirchen sich nicht mehr im Namen Christi versammeln. Nach der feierlichen öffentlichen Erklärung ihrer Häupter ^) An das UniverS gerichtet und vom Katholik übersetzt. ! ist also die prcSbytcrianischc Kirche todt. Wo werden also künftig !die Blitze des Vaticans in Philadelphia ihre Kraft hernehmen, >wenn selbst Jene, welche gegen Rom am heftigsten heulen und donnern, in einem authentischen Acte eö verkünden, daß Gott sie verlassen hat? Kann durch solche Menschen der Irrthum entlarvt, kann durch solche Hände der Aberglauben auSgcrcutet wcrdcn? Sind das die Kämpen, welche die Kirche umstürzen sollen, die einen Pascal und Fcnelon hervorgebracht hat? Ich bin sicher kein Lobrcdner Roms, ich fühle keine Sympathieen für Rom, allein Nom kann trotz aller seiner Irrthümer lebendige Beweise aufzeigen, daß Gott noch mit ihm ist. Oder soll vielleicht dcn Mängeln der römischen Taufe durch jene Männer abgeholfen wcrdcn, bei welchen eine Suspension des göttlichen Einflusses stattfindet? Welcher vernünftige Mann möchte einer scheinbar religiösen Genossenschaft angehören, die ihrem eigenen Geständnisse nach nur periodisch der Wahrheit des heiligen Geistes unterworfen ist, dann aber gleich einem gcilvanisirtcn Lnchnamc, der in einigen krampfhaften Windungen ein scheinbares Leben geführt, sofort wieder in die Unbcwcglichkeit des Todes zurückfällt?" Dieses Gemälde ist getroffen und wir wollen nur noch einen Pinsclstrich hinzufügen, indem wir eine Geschichte erzählen, die sich neulich zu Ncw-Aork zugetragen hat. Ein dortiger prcobytcriani- schcr Prediger war durch seinen Haß gegen dcn Katholicismus vor allen Andcrcn ausgezeichnet und cS verging kcin Sonntag, an dem er nicht von den Infamien des Papstthums gepredigt hätte. Der Mann glich dem alten Knox, jenem angeblichen Kirchcnvlrbcsscrcr Schottlands, der einst die Kirchen zerstört und die Gräber der Könige entweiht hatte, auf'S Haar, und eö fehlte ihm wahrhaftig nicht an gutem Willen, um die Rolle seines Patrones in ihrer ganzen Ausdehnung zu spielen. Plötzlich wird dieser Unglückliche krank und ist nun schon zwei Jahre im Zustande der Lähmung an das Krankenlager gefesselt. Was sagen nun die Presbvtcriancr, um diesen Zustand zu erklären? — Die Papisten hätten durch ihre Zauberkünste Gott betrogen und diese Züchtigung vom Himmel auf ihn herabgezogen! Da dieser Fanatiker in dem Tempel, in welchem er pcrorirtc, keinen Nachfolger fand, so ist die Kirche zum Verkauf ausgcbotcn worden, und wer hat sie gekauft? Monsignvre HugueS, der katholische Bischof von Ncw-Vork. So eben ist sie consccrirt und für unseren Cultus bereits eingerichtet worden. So -. --.....-----.............. geht es aber, früher habet Ihr unsere Kirchen niedergerissen, und jetzt segnen wir die eurigcn! » » . KB. « '« ' <- * Ncw-?jork, 31. Juni 1845. Sie verlangen sü'r die Katholiken ihren Unterdrückern gegenüber die Freiheit wie in Belgien. Mit eben so viel Recht könnten Sie indessen die Freiheit wie in Amerika verlangen und wir möchten wirklich einmal sehen, wie dann der „National" gegen diese Musterrcpublik geifern würde, der er doch sonst alle seine Sympathiccn zuwendet. In den Vereinigten Staaten ist die Kirche wahrhaft frei und der Katholicismus macht unermeßliche Fortschritte, Dank diesem Regiments der Freiheit. Uebcrall erheben sich neue Kirchen und es vergeht keine Woche, in der ich nicht in den religiösen Blättern eine neue Grundsteinlegung oder die Consecration einer Kirche erwähnt finde; denn auch katholische Zeitungen gibt es in den Vereinigten Staaten und Canada, und meines Wissens haben Ncw- Aork, Philadelphia, Baltimore, Pittsburg, New-Orlcans, Montreal und Qucbcck Blätter, welche ausschließlich religiöse Fragen behandeln und besonders eine sehr gewandte Polemik gegen die protestantischen Blätter handhaben. Die Blätter dieser drei letzteren Städte werden in französischer Sprache geschrieben und auch Ncw- Aork thäte ein periodisches Blatt iu dieser Sprache Noth, um auf die französische Bevölkerung einzuwirken, welche der Courricr des EtatS-uniS an der Nase herumführt. In Ermangelung eines eigenen religiösen Blattes findet indessen die Kirche eine mächtige Stütze in einem der verbrcitetstcn politischen Blätter von New- Aork, dem Herald, der jeden Montag eine der am Tage vorher gehaltenen katholischen Predigten veröffentlicht. Diese Predigten handeln alle von höchst zeitgemäßen Gegenständen, deren Erörterung eben die Umstände erfordern, z. B. von der Suprematie des Hapstcs, der reellen Präsenz, den Gebeten für die Abgestorbenen u. s. w. und die lichtvolle Behandlung dieser Gegenstände, die von einem thcilweise protestantischen Auditorium schon einmal gehört worden ist, wird von Häretikern und wahren Gläubigen oann auch noch einmal gelesen. Nichts kann aber auch dem Eifer der katholischen Geistlichkeit Schranken setz n und die glänzenden Erfolge, welche sie bereits errungen, flößen den Predigern der dcssidircnden Secten einen nicht geringen Schrecken ein. Wenn einem tieferen Blicke schon jetzt der Augenblick nicht mehr verborgen ist, in welchem England katholisch seyn wird, so bedarf es eines viel geringeren prophetischen Geistes, um jetzt schon voraussage» zu können, daß ehe fünfzig Jahre vergehen, sich in Nordamerika die Mehrheit der Bevölkerung der Sonne der Wahrheit zugewendet haben wird. Ucbrigens führt nicht der Proselytismnö allein dieses Resultat herbei, denn die Auswanderung wirst unaufhörlich ganze Ströme ncncr Einwohner nach Nordamerika, die größtcnthcilö Jrländcr, d. h. Katholiken sind. Diese Männer opfern nun wohl ihre Nationalität, aber nicht ihren Glauben auf, und von den 400,000 Seelen New-Zjoa'ks gehören bereits l 50,000 ihnen an. Der Jrländcr, der über den Ocean geht, wird für sein Exil durch eine gewisse Wohlhabenheit entschädigt, denn in Amerika gehört das Elend zu den Ausnahmen, während es in Irland die Regel ist. UcbrigcnS ist eine gute Stiefmutter immer noch nicht im Stande das Gedächtniß der Mutter zu verwischen, die wir verloren haben, und Sie müssen mir erlauben Ihnen hier! die Geschichte eines Kindes des grünen Erin zu erzählen, die ich selbst erlebt habe. Patrik O'Cvnnor lebt des festen Glaubens, cr stamme von einem der alten irischen Könige ab nnd wie cS sich nun auch mit^ der Authenticität dieses erlauchten StammbaumcS verhalten mag,! so viel ist gewiß, daß der Gedanke daran und an seine gegenwärtige niedrige Stellung ihn tief niederdrückt. Das Feld, welches cr bebaute, sagte er mir, sey in alten Zeiten mit dem benachbarten schönen Schlosse durch Heinrich II. seinen Vorfahren genommen worden und so müßten die Nachkommen im Schweiße ihres Angesichtes jetzt das Land umpflügen, über welches ihre Ahnen einst geherrscht. Patrik also war zwölf Jahre alt und das älteste von sechs Kindern, die in einer Erdhütte von Connaught mit Vater, Mutter, Großmutter und Urgroßvater vegetirten, kein anderes Bett als eine Streu von Hcn und Stroh und zu Tisch- genvsscn zwei Schweine hatten, die mitten unter ihnen schliefen. Diese Schweine müssen sehr schmutzig gewesen seyn, wie Victor Hugo sagt. Der Vatcr, der allein arbeiten konnte, bebaute ein kleines Kartoffelfeld, um seine Familie damit zu erhalten, denn in Irland essen die Reichen unter den Armen zwei- oder dreimal täglich von diesem gesegneten Knollengewächse. Patriks Familie war indessen nicht so glücklich und der Garten brachte kaum so viel hervor, daß die zwölf Einwohner der Hütte sich einmal im Tage sättigen konnten. Nahm daher der Vorrath ab, so fastete der Vater mehrere Tage um seinen Kindern keinen Abbruch thun zu müssen. Patrik, dem diese schmerzhafte Enthaltsamkeit wehe that, wollte seine Portion oft mit dem Vater theilen, doch vergebens. Da faßte das Kind den Entschluß seiner Familie nicht mehr zur Last fallen zu wollen und da es schon oft Haufen von Emigranten gesehen, die ihr Dorf verließen und nach einem Lande zogen, wo man, wie cS hieß, sein Glück machen konnte, verließ er Nachts die Hütte und machte sich auf den Weg nach Dublin, wo cr auf einem nach Amerika segelnden Schiffe als Schiffsjunge Aufnahme fand und in kurzer Zcitfrist auf dem Pflaster von New-Aork stand. Es gibt hier nun mehrere Wohlthätigkcits-Gesellschaften jeder Nation, die ihre Landslcutc unterzubringen und zu unterstützen suchen und Patrik kam durch Vermittelung einer solchen im verflossenen Jahre als Bedienter in eine französische Familie, die sich seiner annahm. Trotz der guten Nahrung, Kleidung und Behandlung dachte indessen das arme Kind immer noch an Irland und besonders lebendig wurde die Erinnerung in ihm, wenn cr — eine Kartoffel sah. Doch nur trauriger Art sind die Erinnerungen, wclchc dicscr Anblick in sein Gedächtniß ruft: wie viel erfreu^ licher war doch die Zeit, als er mit dieser köstlichen Pflanze Blüthe» seiner Schwester Kränze wand oder daraus Sträuße für die heilige Jungfrau band. Patrik muß also diese seine theuere Blume wieder haben und sehen, allein cr lcbt in cincr großen Stadt und weit entlegen ist das Feld. FlugS reißt cr also in dcm kleinen Hofe seiner Herrschaft ein paar Steine auf und pflanzt in die Zwischcnränmc das Fragment einer Kartoffel. Jeden Morgen beschauet nun Patrik so eifrig wie ein Botaniker die Fortschritte, wclchc scin Liebling in der Vegetation gemacht, jeden Augenblick, den er von seiner Arbeit abbrechen kann, bringt cr bei der Pflanze zu und verliebt sich förmlich in dieselbe, wie der Graf von Charncv in seine Picciola. Und in der That die Blätter entwickeln, die Knöpfe bilden sich, Morgen des TageS wird die geliebte Blume sich entfalten. Patrik träumte in dicscr Nacht von dcr blassen Blumcnkrone, seiner Mutter, seinem Dorfe, von den Spielen seiner Kindheit. Allein o weh! am andern Morgen ist Alles fort, Blume», Knöpfe, Blätter und Wurzeln. Die Kinder des Hauses, die im Hofe gespielt, haben die arme Pflanze ausgc- risscn, weil ihr Spielplatz dadurch entstellt worden war! An demselben Tage — es war gestern — spcistc ich in dieser französischen Familie und bemerkte, daß Patrik, dcr uns an dcr Tafel bediente, tief betrübt war. Als ich nach der Ursache . fragte, erzählten mir die Kinder lachend diese Geschichte und sagten, der Groom sey ein großes Thier, wenn ihm diese elende Blume so leid thue. Dieses Alter kennt kein Mitleid I Ich für meine Person theilte diese Heiterkeit nicht und betrachtete Patrik mit solcher Bewegung, daß das arme Kind darüber ganz außer Fassung gericth und weinend das Zimmer verließ. O Gefühl voller Slcrne, der Du den Onkel Tobn, den Lieutenant Lescvre, den Edelmann aus der Bretagne und den Pastctcnbäckcr von Versailles so unübertrefflich geschildert, was würdest Du aus dieser Geschichte gemacht, und Du guter Ludwig XVI., der Du einst die Blume des Kartoffelkrautes stolz in dem Knopflochc Deines Königrockes getragen, mit welchem Entzücken würdest Du dieses Kind in Deine Arme geschlossen haben! Der Mariencnltus in Rom. (Aus dem dritten Bändchen von Hurter'S „Geburt und Wiedergeburt.") Es ist oft gesagt und in neuester Zeit als ausgemachte Sache wiederholt worden, daß in Rom über der Mutter der Sohn, über Maria der Erlöser, wenn nicht beinahe vergessen, doch in den Hintergrund gestellt werde. Ihr, wird gesagt, seyen die meisten Kirchen geweiht, zu ihren Festen vereinige sich die vorzüglichste Feierlichkeit, zu deren Verherrlichung werde das Meiste aufgewendet, ihr Bild an den Straßenecken und an Gebäuden am häufigsten gefunden, zu ihr am vcrtrauensvollestcn in den Kirchen gefleht, die laurctcmische Litanei am inbrünstigsten gebetet, ihr Lob schalle des Abends in Gesängen vornehmlich durch die Straßen, durch ihren Namen wolle der Arme zur milden Gabe bewegen unv als Bcthcnrung und Ausdruck des Staunens sey er im Gespräch am öftersten zu vernehmen. Beherrscht von dieser Meinung, wenn gleich nicht in ähnlichem Grade darüber entrüstet, wie manche Andere, kam ich nach Rom unv glaubte, in mancherlei Wahrnehmungen eine Bestätigung derselben zu finden. Auch ich war anfangs geneigt, dafür zu halten eine solche Hintansetzung des Erlösers zu Gunsten seiner jungfräulichen Mutter lasse sich gar nicht in Abrede stellen; eine Vernachlässigung, welcher, wenn sie wirklich statt fände, ein wahrer Christ das Wort doch niemals reden könnte. Allein auch hierüber wollte ich nicht sofort urtheilen, sondern sehen und hören. Allererst erlaubte ich mir gegen einen deutschen Geistlichen meine Besorgniß zu äußern, daß eine solche Hintansetzung schwerlich zu mißkcnnen sey. Dieser vermochte aus längerer, unbefangener Beobachtung dieselbe zu lösen, er bewies mir, daß auch diese Anschuldigung aus jener Oberflächlichkeit hervorgehe, die in Unfähigkeit, Alles sorgfältig zu beobachten und mit einander in Verbindung zu bringen, alsbald mit einem fertigen Urtheil in Bereitschaft stehe. Auch das gemeine Volk in Rom, bemerkte er mir, kenne den Unterschied zwischen Christo, der Fülle der Gnade, und Maria, der Fürbitterin um Gnade, gar wohl; und wenn auch deren Name in seinem Mund häufiger vorkomme, und wenn auch durch die Maricnfcstc die Erinnerung an sie lebhafter angeregt werde, so dürfte ich mich vollkommen überzeugt halten, daß Niemand in Rom so unwissend sey, entweder Mutter und Sohn auch nur gleich zu setzen, oder das, was dem Sohn allein gebühre, auf die Mutter übertragen zu wollen. Schon daß abwechselnd durch die Kirchen das ganze I.rhr hindurch das Sanctissimum ausgestellt sey, erhalte den Glauben an den Erlöser und die Anbetung desselben und daS Vcrtranen auf ihn stets durch das ganze Volk lebendig. Ich vernahm die gegebenen Aufschlüsse gerne, unterließ aber nicht von deren Triftigkeit durch eigene Beobachtung mich zu überzeugen. Die erwähnten Ausstellungen des Hochwürdigstcn -^aben dem Bemerkten nicht geringe Bestätigung. Eine solche Ausstellung, welche in der betreffenden Kirche Jedesmal ^0 Stunden dauert, zeigt schon in der äußern Anordnung, daß hier das Höchste j?ch finde, was dem Glauben des katholischen Christen kann dargeboten werden. Ich habe während dieser Feierlichkeit eines Abends nach der St. Pctcrskirche mich begeben. Sie gewährte einen imposanten Anblick. Auf dem Hochaltar, über den hundert Lampen um die Lonlessio der Apostclfürstcn, stand unter einem Wald brennender Wachskerzen das hochwürdigstc Gut. Dnrch jede Scitcn- capcllc verbreitete eine einzige Lampe ein unsicheres Liebt, und hinauf in die hohen Wölbungen und hinaus bis zum Eingang zerrann der Lichtglanz in das Dunkel. Hunderte von Betern knieten, in Andacht versenkt, an dem Geländer der <>c>nfessio, viele andere zerstreut in den gewaltigen Schlagschatten, welche die Pfeiler warfen. Dieß, vierzig Stunden ununterbrochen dauernd, gemahnt Jeden an die Nähe dessen, welcher der Qncll und das Ziel seines Glaubens ist. In ähnlicher Weise findet diese Ausstellung in jeder andern Kirche statt. Nun gibt cS wohl Niemand in Rom, der noch als Glied der Kirche gelten wollte, welcher nicht mehrere Male während des Jahres durch die Anbetung, die er dem Sanctissimum erwiese, lebendig dar.in erinnert würde, wer sein Haupt, wer der Quell des geistigen Lebens, wer der Grund seiner Zuversicht sey. Außerdem besteht ciue sehr zahlreiche Erz- bruderschaft vom cillccheiligsten Altarssacrament, die zur immerwährenden Anbetung desselben sich verpflichtet hat. Hiezu sendet sie unausgesetzt, Tag und Nackt, das ganze Jahr hindurch, einige ihrer Glieder in die Kirche, welche an der Reihe ist. Eine Erör. terung über den Glauben an die wesentliche Gegenwart Christi im AltarSsacrament kann in dieser Schrift nicht durchgeführt, wohl aber die Sache von dem katholischen Standpunct aufgefaßt und hicnach das Urtheil gesällt werden: daß vermöge dieser Einrichtung dem Sohn eine ganz andere Stellung und ein ganz anderes, unendlich höheres Verhältniß zu dem Gläubigen angewiesen werde, als der Mutter. Demnach würde jene Anschuldigung schon hic- ! durch entkräftet. Wahr ist es, daS Gebet, welches bei den kirchlichen Feierlichkeiten zweiten Ranges, zumal bei den Abendandachten, am öftersten in den Kirchen gehört wird, und welches der Italiener von zartester Jugend an spricht und kennt, ist die Lauretanischc Litanei, in welcher „die reinste, keuscheste, unbcileckte, licblicbc, wunderbare Mutter, die weiseste, ehrwürdige, mächligc, gütige, getreue Jungfrau, die Königin der Engel, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Beichtiger, der Jungfrauen, aller Heiligen," bei jeder dieser Eigenschaften und bei allen andern Auszeichnungen, die ihr beigelegt sind, um Fürbitt: angefleht wird. Wie sehr aber die jedesmalige Wiederholung des ! „Bitte für nns" zu jedem Ausdruck der Verherrlichung sie der l Dauer des Gebets nach hervorhebt, so tritt sie doch wieder zurück der Stellung nach, die sie in der Litanei einnimmt, und dem Gewicht der andern Seufzer nach. An Christus, an die Dreieinigkeit wendet sich das Hilft rufende Herz zu allererst; von Christo, von der Dreieinigkeit hofft es Erhörung, hofft es Erbarmen; hier allein findet es den Quell der Gnaden, leren Lc^ . Maria bloß ist; cS weiß dieß, cS ist dessen fest überzeugt, n.,>, mal seufzt cS darum, und erst nachdem es sich Bahn gemach: : nachdem es vorgedrungen ist an den Thron der Allmacbi u"d Gnade, sieht eö sich gleichsam um und erblickt Maria, wie ein«: von dem Schwerte des SchmcrzcnS durchbohrt unttr dem , so nun von Glorie umzogen an jenem stehen; es nimm: sie gleich- sam bei der Hand, zieht sie mit sich hin, daß ihr Flehen mit seinem Seufzen sich vereine. Das Herz weiß, daß Maria nicht hilft, nur mit ihm und für es bittet. Hat es dann sein Seufzen beendigt, so erwartet es volle Erhörung, Erlösung, Erbarmung doch nur von dem Lamm Gottes, „welches dahin nimmt die Sünden der Welt," und es wendet sich an dieses, welches um seiner Mutter willen Erhörung, Erlösung, Erbarmung ihm nicht versagen wird. Also auch hier wieder der Sohn vor der Mutter, über der Mutter; und das übersieht, vergißt auch der Beschränkteste, auch das Kind nicht; denn so aller Unterweisung bar, so zur Neligiousübung bloß abgerichtet, darf man, wie Manche möchten glauben machen, das italienische Volk sich nicht denken. In welchen Illusionen über Unwissenheit des gemeinen Volkes in Italien man immerhin sich wiegen möge, so unwissend ist auch der Unwissendste nicht, daß es ihm unbekannt wäre, daß die höchste, und tagtäglich in allen Kirchen und von allen Priestern begangene Feier, die heilige Messe, einzig und allein auf den drcimaleinen Gott sich beziehe; daß er, wenn er derselben beiwohne (die Zahl derer aber, welche dieses einzig auf den Sonntag und einige der vornehmsten Feste beschränken, mag sehr gering seyn), vor dem Drcimaleinen knie, zu dem Drcimaleinen bete, und diejenige Person der Dreieinigkeit gegenwärtig wisse, die uns zum Heil Mensch geworden ist. Er ruft mithin nicht nur täglich den Sohn an, sondern er nahet sich dem Sohn und der Sohn nahet sich ihm; er steht täglich in dessen und nicht in der Mutter wesentlicher Gemeinschaft; er ist darüber gar nicht im Ungewissen, wem cr die Gnadcnwirlung des heiligen Opfers zu verdanken hat, dieweil er während der ganzen Handlung mehr als einmal hört und versteht, daß Alles ihm zu Theil und wirklich und wahrhaft zu Theil werden möge dnrch „Jesum Christum, Gottes ciugeborncn Sohn, der in Gemeinschaft des heiligen Geistes mit dem Vater regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit." Wird dabei die «selige, glorreiche, allezeit jungfräuliche Gottcögebärcrin Maria" ebenfalls genannt, so weiß jedes Kmd, daß ihr erst die nachfolgende Stelle augewiesen ist. Gleiche Bcwandtniß hat es mit dem Noscnkrauz, der am Abend gebetet wird, und dem gewöhnlich der Segen folgt. Jener wird mit Eifer gebetet, der wahre Werth aber auf diesen gelegt, die Mutter zwar gepriesen, die gchcimnißvolle Gnadenwi^- kung aber von dem Sohn erwartet, in dem alsbald von dem ganzen Volk aus dem kanAuo lin^ua angestimmten Itanium erxo dieses bezeugt, in dem darauffolgenden ^vililvri Zvnitociuv abermals der Dreimalcinc verherrlicht. Der Glaube an die persönliche Gegenwart Christi im AltarS- sacramcnt und die hicoon unzertrennliche tägliche, ja stündliche Anbetung derselben ist so innig in die ganze Anschauungsweise eines italienischen Katholiken verflochten, so unabweisbares Bedürfniß desselben, so der Pfeiler seines Glaubens, daß mir einst der berühmte Pater Ventura sagte: es hätten ihn Viele zu jeder Zeit versichert, mir die Gewißheit, Christum in ihrer Nähe zu haben, mache sie glücklich, und sie würden der Verzweiflung anheimfallen, wenn der Gedanke möglich wäre, daß der Glaube an diese Gegenwart sich anstrcitcn ließe. Wie läßt sich bei solcher Ueberzeugung und bei der hier berührten Praxis die Anschuldigung rechtfertigen, cS würde des Sohnes weniger gedacht, als der Mutter? Trete man im Vorübergehen in die nächste Kirche, während die heilige Messe cclcbrirt wird, alsbald muß man sich überzeugen, daß die Anwesenden dieser genau folgen, in dieselbe mit aller Innigkeit verflochten sind; schwerlich wird cS einem Einzigen einfallen, wenn der Ministrant zum Sanotus klingelt, statt zu Gott, zu Maria sich zu erheben, oder das Noa culps statt an den Sohn an die Mutter zu richten. Manchmal des Nachts hört man in den Straßen Rom's von Vorüberwandeludcn daö Lvivs, Nuria singen, aber vergessen wir nicht, daß es immer mit dem: