^____^_ __________ __ _______________________________ ?° >^ ^^»ss - sfii, , der a Augsburger Iweite Jahreshälfte. Xs- Dv'. Ppstzeiwng. ^ 44. Sept. 484S. Die Macht des Glaubens und Gebetes. Wir haben vor einiger Zeit begonnen, cm der gottseligen Giovanna daila Croce die Wirkung des Gebetes in den Welt- Ereignissen nachzuweisen. Jetzt wollen wir nach langer Unterbrechung den Faden wieder aufnehmen. Der gütige Leser wird sich in Gedanken zurückversetzen in die vorangegangene Darstellung wie Maria den Funken der göttlichen Liebe in sich ausgenommen, und durch das Feuer der Prüfungen geläutert zur gebietenden Macht hcrcingercist, einen neuen Geist in ihrem Vatcrlandc (Süd- Tirol) zu wecken. Die Fülle ihrer innern Gotteslicbe drängte sich mit übcrschwcllcndcr Kreist nach außen, um durch heilige Theile» den himmlischen Bräutigam zu verherrlichen, und alle Welt mit der Liebe zu ihm zu durchdringcn. Der Haushalt wurde in den schwierigen Zcitumständc» des dreißigjährigen Krieges nur mit Mühe geführt, die Kunst konnte in den unkunstmäßigcn Verhält nissen wenig gewinnen, und das angestammte Vermögen reichte nicht auS, die laufenden Togesbcdürfnissc zu decken. Daher geriet!) die Mutter Girolama ans den Gedanken, durch ihre Tochter Giovanna eine Mädchenschule eröffnen zu lassen, und dadurch ihr HauSwesen zu erleichtern. Diesen klugwirthschastlichcn Einsall fühlte die Tochter mit geistiger Ucbcrlcgenhcit auS, ihn als Mittel benutzend, die Erziehung bcs weiblichen Geschlechtes in ihrer Vaterstadt mit einem bessern Geiste zu beseelen. Wenn auch bitter verfolgt und verleumdet, hatte ihre Tugend sich doch eine so unzerstörlichc, allgemein anerkannte Geltung gewonnen, daß die reichsten und edelsten Häuser mit Freuden ihre Töchter der Obhut und dem Unterrichte Giovcinna'S anvertrauten. Sie zählte bald in die vierzig Schülerinnen, eine sehr große Anzahl beim Bestände unzähliger Anstalten dieser Art in der noch nicht so volkreichen Stadt. Von den Eltern gedrängt, nahm sie auch zehn bis zwölf in Kost und Wohnung auf, sie bei Tag und Nacht überwachend, alle ihre Schritte leitend. Ihre erste Sorgfalt ging dahin, die kindlichste Frömmigkeit in ihren Zöglingen zu wecken. Die Flammen ihrer Inbrunst schlugen begeisternd i»S zarte Gemüth der Kinder, und bildeten jene unverwüstliche GlaubcnSinnigkcit in ihnen aus, die, einmal ins weibliche Herz gepflanzt, kaum mehr ausgerottet werden kann, und in der Regel für die Tugend des ganzen Lebens entscheidet. Beständig redete sie ihnen zu: „O Kinder! nur keine ! Sünde! Tausendmal lieber Tod, Fegicuer, Hölle, alle Peiucn dic-- !ser Welt, als eine Sünde geg>n unsern Gott!" Sie sagte dieß stets mit solcher Kraft, mit einem so hcrzzermalmcudcn Nachdrucke daß viele ihrer Schülerinnen gestanden, sie hätten die erschütternde Macht dieser Ermahnung bis in ihr höchstes Alter nicht mehr vergessen können. An Communiontagcn war sie die schönste, lehrreichste Erscheinung, ein hinreißendes Gottesbilv für die alles bemerkenden Kleinen, strahlend im Gesichte von der Ueberfulle der innern Scelcnsrcuvigkcit, mit der äußern Thätigkeit dem Unterrichte geweiht im regelmäßigsten Fortgangc, aber mit allen tiesern Kreisten ihres SeynS versammelt und aufgesogen in ihren Gott. Eine ihrer geistvollsten Kostgängcrinncn, die berühmte Pcrcgrina Sai-- banti, gestand nach dem Tode ihrer Lehrerin, sie habe dieses far-- bcnfrische Bild nie mehr aus der Seele wischen können, und in scdcr Versuchung sey es ihr wie ein zürnender Geist zum Siege helfend entgegengetreten, und sie hoffe mit demselben aller Todesfurcht zu trotzen. Als sich die Nachricht vom Herandringen der Schweden verbreitete, sagte Giovanna in der Schule: „Kinder! sürchtet euch nicht! Seyd standhaft im Glauben! Wenn die ketzerischen Soldaten nach Novcredo kommen, so wollen wir mnthig für den Glauben sterben, und einen ewigen Kran; im Paradiese gewinnen!" Bei diesen Worten erglühte ihr Angesicht voll heiligen Fcncrs, jubelnd wiederholte sie: .Ja, Kinder! sterben, sterben!' Und aus allen Bänken regte sich die Unruhe der Mädchen, in die der Strahl ihres AugcS heilige Todeslust gebracht. Aus dieser Schule und Kostanstall, die viele Jahre bestand, gingen die kern- hastestcn Frauen von Novcredo hervor, die Gluth heiliger Andacht in die ersten Familien der Stadt zurücktragend, in heiliger Ehe thätig, den Jugcnduntenicht der siommcn Giovanna auf ihre Kinder fortzupflanzen. Um ihren Geist im Eifer für die gute Sache wach zu erhalte», belebte Giovanna den schon sniher eingeführten Fraucnvcrcin dnrch ihre Theilnahme, und versammelte sie alle Sonnlage Nachmittag zur frommen Lesung und Betrachtung in einer kleinen Ncbcntirchc von San Marco, mit feuriger Anregung der unerschöpflichen Hilfsmittel, die in der weibliche» Brust für die Frömmigkeit und Tuscnd schlafen. AuS ihren stets bereiten Geldspenden erhielt sie die Mittel, verwahrloste Jungsraucn aus ihrem wüsten Leben herauszureißen, und sie durch lockende Aussteuer in christlicher Ehe unterzubringen. Sie redete dieselben - .......---------- auf offener Gasse an, und hörte nicht auf zu bitten, bis sie erweicht in sich schlüge» und ernstliche Besserung gelobten. Uni alle Gefahr dcS NücksalleS abzuschneiden, nahm sie dieselben von der Gasse mit ihren ersten Ncucthräncn weg in ihr HanS, schaffte sogar Kranke dieser Art in ihr eigenes Bett, und rastete nicht, bis sie auf christliche Weise versorgt waren, trotz aller Einwendungen ihrer wirthschcistlichcn Mutter, die eine solche Belastung des Haushaltes nicht gerne sah, aber ihre unwiderstehliche Toebter gleichwohl gewähren lassen mußte. Dadurch wurde ihr Einslnß aus die Bevölkerung der Stadt und Umgebung bald unermeßlich groß, eine Art öffentlicher Macht, der »ichtZ widerstehen konnte. Dnrch ihr mächtiges Einfahren ins Her; Ader Priester wirkte sie! auf dessen bessern Theil der Geistlichkeit unendlich wohlthätig ein,! ihre Sitten reinigend, die verborgenen Funken der geistlichen Bc-I rcblsamkcit lockend, sie durchglühend zu kühner Wcltvcrachtnng im Kampfe für den Erlöser. Sie war auch in jeder öffentlichen Noth die Fürsprecherin für ihre Vaterstadt, die betend- Mittlerin zwischen Gott und ihren Mitbürgern, von NathSwcgen dazu erlesen und ersucht. Am schönsten trat sie iu dieser Eigenschaft 1(>3ö aus, wo eine grimmige Pest in Rovcredo und im ganzen Lägerthale cinrisz, sie allein nicht cntmuthiget in der allgemeinen Angst und Verivirrung. Alles flüchtete auf das Land, in einzelne abgesperrte Bitten, die Aerzte verließen ihren Dienst, die Priester warfen sich in schmähliche Flucht, die Angesteckte» starben ohne den Trost der heiligen Sacramcnle, selbst ihre Mutter erkrankte an der herrschenden Seuche, ohne daß eine lebende Seele sich ihrer angenommen hätte. Die Siraßcn standen verödet, keine weibliche Person zeigte sich auf dcnselben, die Furcht und herzlose Abwehr des Uebels hatte alle Herzen versteinert. Giovanna, damals gerade 27 Jahre alt, in ihrer schönsten Leibcsblüthe, lächelte allein voll seliger Zufriedenheit unter den Bildern des Todes umher, ihre Mutter pflegend mit eigener Hand, und sie gesund betend, die Straßen aus und ci» den Männern Muth einsprechend, die bald gezählten FranciScancr von Arco, die ihr Leben dem Tode für die Stadt Novcredo darboten, mit den feurigsten Ansprüchen ermunternd. Die rührendsten Gesichter vom ewigen Gcisterfrühlingc im Himmel uniglänzten die Glückliche, die Wohlgcrüche einer bessern Welt umströmten sie, daß sie den Jammer der Erde nicht fühlte, mitten im Leichcngestanke laut anfsang zum Preise ihres Gottes, Tag und Nacht hingeworfen an sein göttliches Herz, daß er die Stadt befreie vom schrecklichen Uebel. Und in der That, die Pest hörte Plötzlich auf, und das liebliche Bild der pcstabwehrcndcn Jnngfrau lebte unvergeßlich fort im Andenken der Geretteten. Die FranciScancr, die TvdeSgctrenc», fandcn ein eigenes Kloster zum Danke für ihre Dienste in der Stadt, und wurden von dieser Zeit an die GcwisscnSsnhrer der Giovanna, mitvcrwickelt in ihre Leiden, Thcilnehmcr an allen Arbeiten für den Glauben in Tirol, die Mittler der Ordcnsverbreituug nach Deutschland, stets von ihrem muthigcn, rastlos auf die Ehre Gottes sinnenden Geiste geleitet. AuS dicsen segcnrcichcn Wirkungen für ihre Vaterstadt trat sie allmälig in weitere Kreise über, Tirol mit ihrer Gottes- liebc umschlingend, Italien und Deutschland mit der Macht des katholischen Glaubens zur Einheit durchdringend. Sie verband sich zu diesem Zwecke mit der Wittwe Vencria Simoncini, einem Weibe ganz eigener Art, die nach dem Tode ihres Gemahles, nach der Versorgung ihrer Kinder sich ganz den Eindrücken der Giovanna hingab, leise, still ihre Befehle ausführend, Tag und Nacht gedrängt zur That für tun Erlöser, »»verrückt das hcilige Ziel im Auge, durch Schmähungen stärker, durch Verfolgungen angefeuert, im Gebiete der Giovanna trotzbictcnd allen Künsten des Widerstandes und der Lüge. Sie zogen miteinander durch das Loppiothcil ins Gebiet der Sarcci, stiegen von Riva nach Tenno hinauf, von dort über'S Gebirg nach Tionc, und hier umbcugcnd heraus nach Campo im Gebiete von Stcnico, mit der wehrlosen Unschuld gottvertrauender Seelen, mit dem Herzen voll glühender Liebe, die alle Hindernisse überwand, alle Fehlnrthcile der Welt- linge zu Schande» machte, und den, Erlöser diente in Noth und Kälte, in Hunger und Durst, bei guter und schlechter Aufnahme, den Gott ihrer Seele preisend mit unaufhörlichen Seufzern. Uebcrall gründeten sie Frauenvrreine, und gaben Unterricht im Gebete und in der Betrachtung. Giovanna, welcher die Macht des Wortes überwiegend zu Gebote stand, hielt Anreden in den Versammlungen mit erschütternder Wirkung auf die Gemüther, selbst widerspenstige Piarrer zu Thränen rührend. Der Pfarrer Betta in Bordecjndicaricn ging ihnen treulich zur Seite, und setzte das angefangene Werk mit Umsicht und Eifer fort, während seiner langen Seelsorge mit Giovanna ans das innigste verbunden zum Heile der verwahrlosten, weitabgelegcnen Thalbewvhncr. Die letztere konnte diesen Jugcndauözug nie mehr vergessen, mit besonderer Liebe blieb sie diesen rauhen Thälern zugewandt, und als sie selbst nicht mehr persönlich erscheinen konnte, sandte sie Bilder, Kreuze, Hciligthümer, die mit heilbringender Kraft durch alle Gemeinden gingen, und tausendfachen Segen stifteten. Dadurch wurde in diesen äußersten Südwcstgegenden von Tirol der erloschene Eifer wieder angezündet, und besonders das weibliche Geschlecht geweckt zu unberechenbarem Einfluß auf die Erneuung der Familien in Andacht und Gottesfurcht. Bald darauf wanderte sie mit ihrer Frcun- din nach Trient, in die reiche Residenz der Fürstbischöfe auS dem Hause Madruz, die damals unermeßlichen Reichthum entfalteten, in vier aufeinander folgenden Männern ihres Geschlechtes fast erblich in ihrer geistlichen Fürstenwürde. Hier schwand die wehrlose Jungfrau in den Augen Wcltlichgcsinnter mit ihren muthigcn Plänen zur Reformation der Sitten in völlige Ohnmacht zusammen, Angesichts des prangenden Hofes mit allen Anflügen einer üppigen Zeit, Angesichts der Kirchcnprälatcn, die fctteingcpfründet wenig Geist zeigten einer plcbcischen Jungfrau sich zu unterwerfen, Angesichts eines Adels, der durch Macht und Reichthum alle übrige Avelömacht in Tirol verdunkelte. Selbst die berechnenden Jesuiten, ihre standhaften, zurückgezogenen Freunde, mißriethen ihr das Auftreten, weil nach ihrer Ansicht keine Hoffnung aus Erfolg leuchtete. Aber die Einsame, Zurückgestoßeue blieb allein unverzagt, bauend auf den Gott in ihrer Brust, auf die Flammen der Licbe, die stärker als der Tod die Welt überwindet. Sie dachte an das Wort des Fr-r Tomasv, daö er einst im Eifer des Geistes über sie gesprochen: „O mein Gott! Wie viele Verfolgungen wird diese Seele leiden! Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! mein Gott und mein Herr! Strase die Verfolger nicht, erwarte sie zur Buße, betrachte und durchvringe sie mit dem Blicke deiner Milde!" Die Gebetseufzcr des Hingeschiedenen gingen wörtlich in Erfüllung, Giovanna wnrde zwar lövtlich krank vor Schmerz, aber der Glaube verließ sie nicht, daß sie durchdringcn würde zur Ehre ihres Gottes. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Einweihung einer neuen Kirche in der Diöcesc Paßau. Auf dem hohen Wollaberg (Diöcese Paßau) mit seiner reizenden Nuudsicht zwischen dem Baver- und dem Böhmcrwcilde, den Styrer und Tyrolcr Alpcn stund über 200 Jahre ein kleines Kirchlein, längst nicht mehr ausreichend für die inzwischen mächtig angewachsene Bevölkerung der Pfarrei Wollabcrg, und bereits so baufällig, daß es nicht mehr länger den abwechselnd aus allen Richtungen anbrausenden Stürmen und Wettern hätte Widerstand leisten können. Im April vorigen Jahres wurde cs bis auf den Thurm niedergelegt, und mit einem von des Königs Majestät auf die StiftnngSconcurrcnz-Casse angewiesenen Kostenbetrag zu 18,000 fl., mittelst freiwilliger Hand- und Spanndienste der Pfarrgcmeinde nach einem allerhöchst genehmigten Plane aus unübertrefflichem feingearbeiteten Granit im gothischen Vaustyl neu erbaut. So stund der großartige, in den erhabensten Formen vollendete Bau fertig, geziert mit neuer Uhr von Manhart in München, classischem Hochaltar vom vewährten Bildhauer Ansclm Sickingcr in München, mit neuen Seitenaltärcn, deren Bilder unter Leitung der königlichen Akademie der bildenden Künste in München von den Künstlern Adler und Barth daselbst trefflich ausgeführt, dann mit Kanzel, Betstühlen und sonstiger Einrichtung Alles neu, und nach übereinstimmendem Plane von Meisterhand gefertigt, als am 25. v. M. gleichzeitig mit den ersten Sonnenstrahlen sein neues harmonisches Geläute und der hundertfältig in den Bergen wicdcrhal- lendc Donner der Geschütze das hohe Namens- und Geburtsfest des LcmdcsvaterS und zugleich das Fest der Heiligung dieses Tempels für den Dienst des Herrn verkündete, zu deren Vollzug der Hochwürdigste Herr Bischof Heinrich von Pafzau am Abend vorher von Ehrfurcht und Liebe herzlichst begrüßt, seinen feierlichen Einzug in Wollaberg gehalten hatte. Schon um 5 Uhr Morgens begann der Kirchenfürst umgehen von einem zahlreichen Klerus, im Beistyn vieler Festgäste und einer unübersehbaren Masse von Andächtigen, unter sichtbarer Freude und Rührung über die Schönheit und Großartigkeit des neuen Tempels, dessen Heiligung, und reihte derselben ein Pontificalamt mit 'l'o veum und eine Kanzel- rcde an, so voll des göttlichen Geistes, der feurigsten Gottes-, Königs- und Vaterlandsliebe, als hätten sich alle Flammen, die einst am Psingstfcst über den Häuptern der Apostel schwebten, über diesem ächt apostolischen Haupte vereinigt. Kein Auge blieb trocken, als der Bischof, selbst tief ergriffen, zunächst Gott, dann unserm ruhmwürdigen Könige für das Zustandekommen dcö so eben neugc- weihten herrlichen Tempels dankte, und dabei nicht nur selbst die heißesten Segenswünsche für des Königs und der Königin Majestät, für den Stamm der Wittclsbacher in den innigst gefühlten herzlichsten Ausdrücken darbrachte, sondern auch das Volk 'verpflichtete, mit jedem Gebet in diesem Gottcöhause auch das Gebet zu vereinen für das angestammte Regentcnhaus, für den gesegneten Stamm der Wittclsbacher, welcher mit Muth und Krast dem Vaterland das unschätzbare Gut der heiligen Religion der Väter geschirmt und erhalten hat. Anch den k. Stellen und Behörde», welche mit so viel Eifer als Pietät die Interessen der Religion, und wie diesen Bau, so andere gleich großartige Bauten für Zwecke des Cultus gefördert, und endlich der wackern Pfarrgcmeinde, welche vhngeachtet des totalen Hagelschlazes im vorigen Sommer alle Hand- und Spanndienste zu diesem großen und durch die Oertlichkeit erschwerten Baue unentgcldlich und eifrigst geleistet hat, drückte der Bischof den wärmsten Dank unter rührenden Segenswünschen aus. Am Mvrgen darauf weihte der Bischof nach einer höchst erbauenden Pontificalmcsse den neuen Kirchhof, spendete das heilige Sacrament der Firmung, nahm die Aufwartung und Danksagung der Behörden und der Vertreter der Pfarrgemeinde an, und trat, begleitet von dem Ehrcngclcite, wie beim Einzüge unter den heißesten Segenswünschen von Tausenden die Heimreise an. Ein solch Fest der christlichen Frömmigkeit und treuesten Loyalität zugleich, durch keinen Mißton, keinen Unfall getrübt, so erhebend, daß selbst dir größten VoliSmasscn, von dessen Erhabenheit getragen, im Jnbel höchster Freude jenen würdigen Ansta-d behaupteten, der jeder zur Ordnung mahnenden Schranke entbehren kann, erscheint und verdient bekannt zu werden, als eine crsrenliche Kundgabe des unwandelbaren guten alten Sinnes im lieben Vaterlande, den der Allmächtige auch fortan segnen und erhalten wolle. l^Kirchcnztg. f. d. k. Deutsch!.) 'X- -X- Mai»;, 18. Aug. Der Katholik schreibt: Unser Hoch- würdigster Bischof hat so eben die nachfolgenden zwei Verordnungen erlassen: I. Petrus Leopold Kaiser, Bischof von Mainz, an die gestimmte ehrwürdige Geistlichkeit der Diöccse. Wir glauben Euch, geliebte Mitarbeiter und Brüder im Herrn, die amlliche Anzeige nicht vorenthalten zu dürfen, daß ein Mitglied unseres Diöcesanklcrus, der bisherige Dccan und Pfarrer Winter in Alzey, von der katholischen Kirche abgefallen ist. Derselbe hat Uns, nachdem er erst wenige Wochen vorher, unterm 5. Juni, über die Umtriebe der neuen Scctirer in seiner Gemeinde mißbilligend an Uns berichtet hatte, unterm 25^ vorigen Monats den von ihm gethanen Schritt selbst angezeigt, und Wir haben darauf, als er auch auf die von Seiten Unseres Ordinariats an ihn er- gangcne Mahnung sein Beharren in seiner Vcrirrung in einem Schreiben vom 9. dieses Monats bestätigt hatte, solche Maaßregeln ergriffen, wie sie sowohl die Schwere des Vergehens, als die dringlichen Umstände der dortigen Pfarrei, in welcher übrigens das beklagenswerthe Beispiel des Hirten die GlaubcnS- trcue der Gemeinde keineswegs erschüttert hat, erforderten. Die Ercommnnicativnscrklärnng fügen Wir in untenstehendem Abdruck bei. Es wäre wohl überflüssig, geliebte Brüder, mit Euch davon zu reden, wie ticfschmcrzlich dieses in Unserm BiSthume Gottlob! so seltene Ereignis; unser Herz berühren mußte. Lieber wollen Wir Euch sagen, daß beim Gedanken an die begangene Untreue des Einen Uns. nichts besser aufzurichten vermag, als der Hinblick auf Eure Treue, die Ihr im Augenblicke des Kampfes Euch nicht als Miethlinge erfinden lasset, die da fliehen oder zum Feinde übergehen, sondern die Ihr vielmehr den beispiellosen VcUockungs- und Verführungskünstcn verkehrter Menschen mit Entschiedenheit und Besonnenheit entgegentretet, und Euch dadurch einen gegründeten Anspruch erwerbet sowohl auf linsern freudigen Beifall, als anch auf die Liebe und das Vertrauen Eurer Psarrgenosscn. Darum hegen Wir sogar die tröstliche Hoffnung, daß selbst in diesem, an sich so bedauerlichen Falle, das Böse sich als eine Veranlassung zum Guten erweisen werde. Denn Ihr, geliebte Brüder, werdet es erwägen, welches schwere Aergerniß ein Priester aus unserer Mitte so vielen gutgesinnten Gläubigen gegeben hat, und Ihr werdet deßwegen nun um so sorgfältiger in Eucrm Wandel, in Enern Amtsverrichtungen, in Eucrm Hauöwescn, Alles vermeiden, woran das ohnehin schwer geärgerte Volk Anstoß nehmen könnte; — Ihr werdet es erwägen, welche Schmach der Abgefallene, so viel an Ihm ist, durch das Beispiel seiner Apostasie auf unsern geistlichen Stand gehäuft hat, und Ihr werdet Euch dadurch um so lebendiger angetrieben fühlen, durch die vollkommenste Reinheit und Tadellosigkeit Eures Lebens, durch die genaueste Beobachtung des klericalischcn AnstandS und durch die gewissenhafteste Führung Eures heiligen Amtes dem Priester- stände die ihm gebührende Achtung zu wahren; — Ihr werdet eS endlich, beim Anblicke des traurigen Falles eines Mitbruders, erwägen, daß auch die Würde des Priestertlnims und Seclsorger- cimtcs nicht sichert vor den schwersten Fehltritten, und Ihr werdet es darum fortan desto weniger mangeln lassen an jener dem Priester so unentbehrlichen Wachsamkeit über sich selbst, werdet um so besorgter seyn, durch Gebet und Anwendung der von der Religion so reichlich uns gebotenen Heils- und Tugendmittel oft die Gnade zu wecken und zu erneuern, die Euch im Sacrcnnentc der Priesterweihe gegeben ist. Ja, geliebte Brüder, Wir erwarten es von Euch, — das wird geschehen, und der Feind, der den Abfall eines Priesters immer als einen besondern Triumph fiir seine Sache zu betrachten pflegt, wird sich auch dieszmal getäuscht haben. IlebrigcnS empfehle» Wir den Abgefallenen, der einst Euer Mitpricster war, Euer», Gebete. Flehen wir zu Gott, dasz da, wo die Sünde groß ist, vie Gnade desto großer sey, damit der Verirrte, der die Kirche Gottes auf so traurige Weise verlasse» hat, recht balv die Schwere seines Unrechts erkenne und gebessert in ihren Scbooß zurückkehre. In dieser Hoffnung geben Wir Euch i» väterlicher Liebe Unsern bischöflichen Segen, -j- Petrus Leopold, Bischof, vclt. Hcffncr. II. Petrus Leopold u. f. w. au den gewesenen Dccon und Pfarrer Unseres BiSthnms, Herrn Adam Winter zu Al- zey. Auch nach Ihrer Erklärung vom 25. vorigen Monats, in welcher Sie, wie Sie sich ausdrücken, vou der römische» Hierarchie sich lossagten, hatten wir immer noch einige Hoffnung gehegt, daß Sie, gerührt und erschüttert durch die eben so liebevolle als ernste Ermahnung Unsers Ordinariats vom 1. dieses Monats, die Ihnen varin gegebene achttägige Frist zu gewissenhaftem Nachdenken über Ihren gethanen Schritt benutzen uud zu besseren Gesinnungen zurückkehren würden. Wir mußten aber leider so^ wohl aus dem Inhalte, als aus dem Tone Ihres Anwertschrci- benö an unser Ordinariat vom 9. dieses Monats die Wahrnehmung machen, daß unsere Hoffnung grundlos war, indem Sie darin Ihren Austritt aus der katholischen Kirche wiederholt ausgesprochen haben. Hierdurch haben Sie sich aus der katholischen Kirche selbst ausgeschlossen, uud erklären Wir daher, daß Sie nach den kanoniscben Satzungen in die I^xeoinmunieatio, latss LvilwiitiuiZ, verfallen sind. In Beziehung auf Ihre weiteren Schritte müssen Wir Sie Ihrem eigenen Gewissen überlasse». « «- - Der Fürstbischof Melchior vollbrachte einen in unsern Augen bedeutungsvollen Act, indem er alc-bald nach seinem Regierungsantritte die zu Brcslau bestehenden weiblichen Kloster mit seinem Besuche erfreute. Zuerst, am 24. Jnli, besuchte er das Kloster der Ursulincrinnen. Nachdem derselbe, berichtet das Schlcsischc Kirchcnblatt, von der Frau Oberin Namens des ConvcnlS chrfurchtvollst und von den klemmen Mädchen der untersten Elcmentar-Schulclassc kindlich begrüßt worden, sangen an 600 im Nefectorüim versammelte Schülerinnen ein znm Empfang des Oberhirtcn gedichtetes Danklicd, von dessen Schlußversc derselbe Veranlassung nahm, in liebevollster Weise zu den kindlichen Hcrzm Worte der Belehrung und Mahnung zu sprechen, die gewiß einen gesegneten, bleibenden Eindruck zurückließen. Am 6. August darauf verherrlichte der Fürstbischof in demselben Kloster die Feier einer fünfzigjährigen Ordcnsproiession mit seiner Gegenwart. Er wurde' um 9 Uhr an der Klostcrpforte vom Convent und mehreren Priestern ehrfurchtvollst empfangen, wohnte dem Hochamte bei, sprach den Segen über die Jubilarin während der Litanei, betrat nach dem Schlüsse des I e Lizum den Hochaltar und sprach aus der Fülle seines reichen Gemüthes zur Jubelbraut Worte der Erbauung und Erhebung, die auf alle Anwesende» den tiefsten Eindruck machten. Er wies darauf hin, daß dieß Fest mit dem Feste der Verklärung des Herrn zusammcntrcffe und darin seine schönste Beziehung finde; daß die Jubelbraut, von Liebe zum Herrn geleitet, hier vor Zahren ihre Hütte aufgeschlagen nnd das Heil in Christo im stillen Frieden der Einsamkeit gefunden habe. Nach Beendigung dieser Jubelfeier suchte der Fürstbischof das Kloster der E lisa bc !h i n erin nen heim. Er wurde in der Klosterkirche von dem versammelten Convcnte der Jungfrauen erwartet und chrfurchtvollst empfange». Nachdcm die bei Ankunft eines Bifchvfö üblichen Gebete verrichtet worden, begrüßte der Fürstbischof am Hochaltar den Convent mir dem Gruße: „Der Friede sey mit Euch!" uud schloß daran herzliche Worte seiner Theilnahme für den Orden, der unserm göttlichen Heilande vorzüglich auf seinem Kreuzwege nachfolge und so scgeureich wirke. Nach Erthcilung des apostolischen Segens begab sich derselbe in das Nefectorium, wo !die Frau Oberm ihre Huldigung darbrachte und eine der geistlichen Schwestern ein Wcihgcdicht sprach. Der Obcrhirt erneuerte hier den Ausdruck seiner Theilnahme nnd huldvollsten Gewogenheit für diesen wohlthätigen Orden und besuchte dann die Wohnungen der Jungfrauen, die Apotheke und die Krankensäle, in deren größtem zwei arme kranke Kinder den allvcrehrten Kicchcnfürstcn, der auch hier als Vater unter seinen Kindern erschien, in einfachen Worten begrüßten, worauf derselbe nicht nur zu diesen Kindern, sondern auch zu allen Kranken sich wandte und zu Allen gcist und gcmüthvolic Worte der Belehrung, der Mahnung und des Trostes sprach, die, vom Herzen kommend, auch Aller Herzen tief ergriffen. Segnend und gesegnet schied er aus dieser Zufluchtstätte der Leiden. Polen. Bedrängnisse der katholischen Kirche. Die Nachrichten aus Pole», schreibt das Iournal deBru rclleS, werden von Tag zu Tag betrübender. Seit der Rückkehr des Kaisers nach St. Petersburg ist in diesem Lande eine Schaar von Beamten und Pspcn eingetroffen, welche den Auftrag haben, die vom Kaiser entworfenen Maaßregeln auszuführen. Die Popen legen bereits Hand an das Werk, sie durchziehen das Land, um die Bauern zur russisch-griechischen Religion zu bekehren. Eine gnte Zahl katholischer Pfarreien ist schon aufgehoben uud ihre Kirchen den Griechen zugewiesen. Die Ukase, welche den Psarrer» verbieten, außerhalb ihres Bezirkes die Sacramente zu spenden, und ihre Predigten einer vorgängigen Censur unterwerfen, werde» mit Strenge vollzogen. Ucbcrtrctung derselben hatdie Deportation nach Sibirien zur Folge. Die russischen Missionäre schämen sich auch der niedrigsten Ränke nicht, um die Polen griechisch zu machen, und wenn die In- trignc nicht ausreicht, nehmen sie zur Gewalt ihre Zuflucht und rufen militärische Hilfe an. Die Soldaten treiben die Bauern wie Heerden in die griechischen Kirchen, und dort werden sie in Masse in die Verzeichnisse der Gläubigen eingetragen. Die so bekehrten sind dann für immer von dem Schvoße der katholischen Kirche ausgeschlossen. Die russische Regierung weiß, daß die Religion eine unübcrsteigbare Scheidewand zwischen Nnßland und Polen anfgcrichtct hat und daß, so lange Pole» katholisch bleibt, ras Nationalgefühl in diesem Lande niemals ersticken werde. Kein Mittel wird verachtet, um jene Scheidewand niedcrtureisien. Vcraimvorrlichcr Redacteur: L. Schönchen. WerUgS - Inhaber: F. C. Kr cm er.