L 5 ^»SS ' Mei/.^ d»5 Attgsbttvger n apostolischen Stuhl. Nach Münster zurückgekehrt, führte er ein stilles, zurückgezogenes Leben, um sich zum geistlichen Stande vorzubereiten. Am 22. Februar 1793 empfing er die heil. DiaconaiSweihc (die Subdiaconatswcihe hatte er bereits am 7. Juli 1791 empfangen) und wurvc am 1Z. Juli 1793 zu Rheinc, wo sich der damalige Wcihbischvf d'Alhaus gewöhnlich aufhielt, zum Priester gcwcihct. Mit inniger Andacht und hohem Ernste empfing er dieß heil. Sacrament, es nicht ahnend daß er berufen war dasselbe in der Folge so Vielen wieder zu spenden. Seine erste heil. Messe feierte er am folgenden Tage in der Capcllc des Schlosses Darfcld im Krcisc der Scinigcn. Die Zeit, wo Gott ihn zum Hirtcnamtc berufen wollte, kam bald. Im Jahre 1795 starb der Wcihbischof von Münster, Carl d'Alhaus, und zu seinem Nachfolger wählte der Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster, Erzherzog Maximilian Franz von Oesterreich, den durch Frömmigkeit und Tugend ausgezeichneten jungen Domherrn, Freiherr» Caspar Maximilian Droste. Papst PiuS VI. bestätigte den Gewählten, und gab ihm den Titel eines Bischofs von Jericho. Die feierliche Weihe wurde auf den 6. September 1795 festgesetzt; der Kurfürst selbst nahm die heil. Handlung vor, und ncihete außer dem Wcihbischofe von Münster den Freiherr» Ferdinand von Lüning und Carl von Gruben, jenen zum Fürstbischöfe des neu errichtete» Fürstbisthums Corvcy, diesen zum Bischöfe von Paros und Wcihbischofe von Osnabrück. Bei der Weihe assistirten die damals hier in der Verbannung lebenden französischen Bischöfe von Ltmoges und Seez. Die Feierlichkeit der Consccration dieser drei Bischöse ist, wie das Münstcr'sche Jntelligenzblatt vom 7. September berichtet, „mit großer Pracht und Ordnung in der hohen Domkirche vor sich gegangen, und der Anstand und die Würde, mit denen Se. Kur- fürstliche Durchlaucht diese Function vornahmen, allgemein bewun- Abschied von unsern Freunden aus Münster, welche wir in Sicilien j dert." Bei der heil. Handlung herrschte nach demselben Berichte, obgleich die Zahl derer, die derselben beiwohnten, außerordentlich groß war, die größte Ordnung und Stille. Die Bischöfe von Liining und von Gruben sind längst gestorben; Caspar Maximilian ist ein längeres Leben bcschicdcn zum Heile und zur Freude Vieler. Seine bischöflichen Amtöverrichtungen begann Caspar Maximilian einige Tage nach seiner Consccration in der Kirche der Johanniter- Cvinmendc zu Münster. Hier spendete er am 17. September das heil. Sacramcnt der Firmung und ertheilte am 19. die höhern Weihen, lim den würdigen Empfang des heil. Sacramentes der Firmung zu befördern, bearbeitete er gleich im folgenden Jahre eine Unterweisung darüber, und veröffentlichte diese mit einer rührenden und erbaulichen Vorrede an die Kinder. Während nm diese Zeit in Frankreich der schreckliche Revo- lntionskricg wüthete und alles Heilige mit Füßen getreten wurde, während dieser Orkan, von Westen herkommend, immer höher hinaufzog und in Deutschland bereits große Kricgsrüstungcn stattfanden, da war für einen kleinen Theil desselben, für das Münsterland eine schöne Zeit, eine Zeit der Blüthe gekommen. Des unsterblichen Fürstcnbcrgs großer Geist hatte hier ein neues, kräftiges Lebe» in alle Classen des Volkes gebracht, nnd im Lande die Wissenschaft auf eine damals seltene Höhe gehoben. Er hatte die weltliche und die geistliche Regierung in Händen und wirkte in beiden Beziehungen wahrhaft segensreich. Mit eben so vieler Umsicht und Klugheit, als Rastlosigkeit und Uncrmüdlichkcit suchte er den Wohlstand des durch Krieg und Unglücksfälle tief gesunkenen Landes zu heben, und Stadt und Land in jeder Weise zu verschönern; die größten Verdienste aber erwarb er sich durch die Verbesserung des niedern und höhern öffentlichen Unterrichts, welchen er auf eine so hohe Stufe erhob, daß er seine Zeit um etwa ein Jahrhundert überflügelte. Das Glück deö Landes, welches cr so in jeder Weise beförderte, spiegelte sich in dem Privatleben dieses großen Mannes wieder; es war das Leben des Gerechten voll Heiterkeit und Nnhc. Seine großartigen Bestrebungen sür Kunst und Wissenschaft wurden besonders unterstützt durch die eben so geistvolle als fromme Fürstin Amalic von Gal litzin, welche im Jahre 1779 nach Münster kam, um dort bloß für die Erziehung iyrcr Kinder zu leben. Ihr Haus, das jedem fremden große» Manne gastfreundlich offen stand, wurde der Sammelplatz ausgezeichneter Personen. Fürsteubcrg, der um unser Land so hochverdiente Overbcrg, Katerkamp, Kistcmaker u. m. a. versammelten sich täglich in den Abendstunden bei der Fürstin, um sich über Kunst und Wissenschaft zu unterhalten. An diesen Gesellschaften nahm auch der junge Bischof Caspar Maximilian mit seinen Vrüvcrn, den, jetzigen Erzbischof von Köln, Clemens August und dem am 25. Februar 182L verstorbenen Dvmcapi- tular Ficihcrrn Franz D roste Theil. Der Umgang mit diesen Männern, zu denen sich im Jahre 1800 auch der Graf Leopold Stolbcrg gesellte, bot unserm hochwürdigstcn Bischöfe die beste Gelegenheit dar, seine Kenntnisse in jeder Wissenschaft zu erweitern nnd seinen Geist durch die Klarheit und Fülle der Gedanken seiner Freunde zu bilden. Von Fiirstenberg selbst angeleitet, konnte cr in späterer Zeit, als cr zum Diöcesanbischosc berufen ward, um so besser dessen Schöpfungen erhalten und weiter fördern; und dieß hat cr stets gethan; cr wandelte auf dem Wege seines großen Freundes rnhig und geräuschlos fort, suchte den Ruhm, den die Münstcr'scbc Diöccsc durch die treffliche Einrichtung ihrer in der schönsten Harmonie mit der Kirche stehenden Schulen und durch ihre fromme und wissenschastlicl' gebildete Geistlichkeit erlangt hatic, zu erhalten und fester zu begründen. Die Zeit der großen Bewegung am Ende des vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts, die Zeit, wo in Deutschland eine kalte Alles läugncnde Philosophie sich immer mehr Geltung verschaffte, verlebte Caspar Maximilian in treuer Erfüllung der Pflichten seines hohen Amtes und im Kreise der genannten Freunde. Die Gefangennehmung des Papstes Pius VI. durch die Franzosen im Jahre 1798 und dessen Tod in der Gefangenschaft zu Valence machten auf ihn einen tiefen Eindruck, und ihm war die tranrige Ehre beschicken, am 8. November 1799 im Dome zu Münster für den Verstorbenen das feierliche Seelenamt zu halten. Doch hatte er bald die Freude, für die Wahl Pius VII. Gott zum Danke das heil. Meßopfer darbringen zu können. Noch eine Begebenheit kam hinzu, welche geeignet war die Münsterlcindcr, namentlich diejenigen, welche an der weltlichen und geistlichen Regierung des Landes bisher Theil genommen hatten, in dieser so sehr bewegten Zeit zu beunruhigen. Der Fürstbischof Maximilian Franz, welcher durch den französischen Rcvolutivnskrieg aus der Residenz Bonn verdrängt, seinen Wohnsitz zuerst nach Mcrgentheim und dann nach Wien verlegt hatte, war in der Nähe dieser Stadt auf dem Schlosse Herzendorf 1801 den 27. Juli am Schlagfluß gestorben. Die Nachricht kam am 4. August durch einen Courier nach Münster und verursachte hier eine allgemeine Bestürzung. „In der so trauervvllen Zeit," sagte der Gencral-Vicar von Für- stenbcrg in einer öffentlichen Ankündigung, „welche der größte Theil der Welt seit einigen Jahren erlebt hat, verschonte die göttliche Vorsicht dieses Hochstift mit den Drangsalen, nnter welchen so viele andere Länder geschmachtet haben. Sie hatte den in Gott ruhenden, weiland Durchlauchtigsten Kurfürsten Max Franz, unsern gnädigsten Fürsten und Herrn 'zu Ihrem Werkzeuge gewählt, um durch dessen Weisheit und Patriotismus den größten Theil der drohenden Gefahr von uns abzuwenden." Am 28. August wurde im Dome zu Münster von dem Weihbischofe unter Assistenz seiner beiden vorgenannten Brüder Franz und Clemens das feierliche Seelenamt gehalten. Das Domcapitel zu Münster, dasselbe welches von Gott an die Gränzscheide der alten und der neuen Ordnung der Dinge gestellt war, übernahm gleich nach erhaltener Todesnachricht die weltliche Regierung des Landes und ernannte Fiirstenberg zum Capitels-Bicar, um die Diöcese in geistlichen Dingen wie bisher zu regiere». Man glaubte einer Säkularisation des Hochstifts nur durch eine schleunige Wahl eines neuen Fürstbischofs entgehen zu können. Die Wahl wurde bereits am 9. September, nachdem zuvor der Wcihbischof Caspar Max, assi- stirt von seinen Brüdern die Heilige-Geist-Messe gehalten hatte, vorgenommen und fiel auf den Erzherzog Anton Victor, Bruder des Kaisers von Oesterreich, welcher sogleich als neuer LandcS- sürst feierlich verkündigt wurde. Der neugewähltc Fürst trat, wie bekannt, die Regierung nicht an, vielmehr hörte Münster am 3. August 1802 auf ein sclbsistcindiger Staat zu seyn. Indessen behielt das Münsterland seine geistige Eigenthümlichkeit; es behielt die vortrefflichen Fürsteuberg'schcn Institutionen, und blieb von dem frivolen Unglauben der Zeit unberührt. Caspar Maximilian und sein Bruder Clemens August, der auf Fürstenbergs Wunsch am 18. Januar 1807 zu dessen Coadjutor nnd am 9. Juli desselben Jahres, da Fiirstenberg wegen Altersschwäche sich gänzlich von den öffentlichen Geschäften losgesagt hatte, znm CapitclS-Vicar einstimmig vom Dvmcapitcl erwählt wurde, Ware» es, welche in dieser wichtigen UcbeigangSpcrivdc unter vielen und mannichfachcn Wcchjelfällcn des Krieges die Münstcr'sche Kirche viele Jahre hindurch regierten. (Fortsetzung folgt.) Die Macht des Glaubens und Gebetes. (Fortsetzung.) , lMULS NZWUi^.A? »MNI! (ttlü. !1ZMMs ->>M !>^!/l' Während Giovanna mitten im Fieber dalag, besuchte fie eine Trientinerin, Namens Afra, eine Schwester des dritten Ordens des heiligen FranciscuS wie sie ganz hineingezogen ins wunderbare Leben der christlichen Mystik. Ohne sich wechselseitig zu kennen, ohne ein Wort zu reden, fühlten sich beive Seelen blitzschnell in einander hinein, die verwandten Flammen fuhren sprühend auf, zusammcngluhcnd in cinö, sie fielen sich wechselseitig ans Herz, lachend, jubelnd voll Hcrzenolust, beider Angesicht wurde leuchtend, mit Hellem Glanz übergössen durch die plötzlich entbundene tiesinnerstc Seelenkraft. Vencria Simoncini und alle Gegenwärtigen wurden unwillkürlich hineingcschlürft ins Flammenmeer heiliger Liebe, sie fingen ebenfalls zu lachen und zu frohlocken an, und unaussprechlich süße Thränen mischten sich in den Jubel der aufgeregtesten Herzen. Afra starb bald darauf, mit Givvauna im Geisterbunde verharrend, im Himmel vermittelnd, was diese auf Erden für den Erlöser wirkte. Die Kranke erhob sich auf einmal völlig gesund, und ging mit der größten Uncrschrockenheit ans Werk. Sie selbst bat in eigener Person die angesehensten Fraucu von Tricnt zusammen, begeisterte sie in kühner Rede zur Stiftung eines FrauenvcreinS, und wußte vom Fürstbischöfe sogleich die Erlaubniß dazu zu erwirken. Ein Domherr ließ sich auf ihre ihm ganz unerwartete Bitte herbei, die Oberleitung zu übernehmen, und am nächsten Sonntag eröffnete Giovanna denselben in erster feierlicher Versammlung in einer kleinen Kirche der Stadt. Sie blieb fortan mit demselben in unaufhörlicher Verbindung, brieflich, mündlich anmahnend zur That für JesuS, und stiftete dadurch unendlichen Segen besonders in den höhcrn Kreisen der Gesellschaft. Denn die edelsten Frauen aus den Geschlechtern Madruz, Wollenstem, Spaur. Thunn und andern waren durch den übermächtigen Geist der Jungfrau vereint worden zur Verbreitung ächtchristlicher Frömmigkeit trotz alles WiverstrebcnS feindseliger Ansicht. Während dieser Bemühungen zur Steuer der Andacht und Gottesfurcht wurde sie mit drei Personen bekannt, durch deren Einfluß sie ihre ftgenrcichcn Wirkungen bis ins Herz von Deutschland und Italien ausbreitete, und für die Ncchtgläu- bigkcit Tirols den entscheidendsten Einfluß in die Schaalc des dreißigjährigen Krieges legte. Die erste derselben war die Gräsin Sibylla von Lvdron, eine geborne Fugger aus dem berühmten Geschlechte der Fugger zu Augsburg. Sie hatte ln zarter Jugend den Grafen Maximilian von Lvdron gehcirathct, seßhaft auf seinem Schlosse in Villa Lagarina auf dem sanften Bergabhangc, Rove- rcdo gegenüber, eine überaus feingewobene Seele von der empfindlichsten Durchsichtigkeit des Gewissens und vollendeter Durchbildung in der Schule geheimer Leiven, die am schwersten auf das Men- schenhcrz drücken, weil die Abhilfe eben so selten als das Mitleid schwer zur Theilnahme zu bewegen ist. Eine Tochter Georgs Fug- gcr, der sich in Trient angesiedelt hatte, wäre sie nach der Wahl ihres Herzens gern in eine heilige Einsamkeit zurückgetreten, mußte jedoch auf den Befehl ihrer Eltern im Jahre 1602 sich vcrchc- liche». Der äußere Glanz bot wenig Entschädigung für daö innere Unglück ihres Hauses und Verhältnisses. Mit der Gluth heiliger Andacht fügte sie sich ins Unvermeidliche, und lebte 32 Jahre im Ehestande, kinderlos, geopfert ihrem Gott in allerlei Leiv uud Drangsal. Als ihr Gemahl nach zweijähriger Krankheit im Jahre 4635 starb, setzte er sie zur Erbin aller seiner Güter ein. Dadurch zwar im Besitze eines ansehnlichen Vermögens, aber von ihren nächsten Anverwandten aus Aerger über den letzten Willen ihres Gemahls aus dem bisher bewohnten, lchcnSsähigcn Schlosse schimpflich hinausgestoßen, war sie in die weite Welt gewiesen ohne Liebe und Theilnahme, geneckt in ihren Gefallen und Einkünften, und innerlich dnrch die Angst ihres unbchilflichen, über- zarten Gemüthszustandes gequält. In dieser Lage wurde sie auf einmal mit Giovanna persönlich bekannt, fand an ihr reichlich, was ihr abging, und schloß sich ganz au ihre unerschütterliche Selbständigkeit an. Allen Aussichten ans eine zweite Ehe entsagend, widmete sie sich ganz dem Gebete und der Wohlthätigkeit, und entschloß sich, aus ihrem Vermögen ein Clansscnklostcr zu Rovcredo zu stiften. Giovanna faßte nicht ohne vielfache Anfechtung von innen und außen den Entschluß, selbst in dasselbe einzutreten, und an der Spitze heiliger Jungfrauen die Fülle der Andacht und Frömmigkeit auS diesem Mittclpuncte zartester Reinheit überallhin zu verbreiten. Die ungeheuren Widerstandskräfte wurden mit ungebrochenem Muthe überwunden, das Ztlostcr eröffnet nach ihrer eigenen geschärften Regel, und sie selbst nach dem Verlaufe der ersten Jahre zur Aebtissin erwählt. Sibvlla trat als Drittordensschwestcr in dasselbe ein, um zum Wohlthu» noch stets freie Hand zu haben, als Vermittlerin im Weltverkehre eine stets sehr erwünschte Stütze der Aebtissin, besonders durch ihre Fertigkeit in der deutschen Sprache und die Bekanntschaft mit den deutschen Verhältnissen eine fast nothwendige Ergänzung derselben zur Vermittlung der italienischen GlaubcnSströmung inö deulsche Volksleben. Durch diese Absonderung halte Giovanna scheinbar sich alle Wirkungsfähigkeit für die Welt abgeschnitten, wegen dieses Schrittes selbst von ihren Freunden bitter getadelt, ja von ihrer eigenen thatkräftigen Natur fast mit Gewalt zurückgedrängt in die frühere Bewegungsfreiheit. Aber was in den Augen der Welt Thorheit war, erwies sich auf dem Wege der Gnade als die rechte Weihe der Kraft für die gottgcvpfcrtc Jungfrau. Mit dem Schleier ihres einsamstillcn KlostcrlebenS trat sie erst auf die entscheidende Höhe der Weltgeschichte als mißkannte Springfeder der meisten Begebnisse ihrer Zeit im Sinne der katholischen Kirche. Die eingezogene Klosterzelle steigerte ihr himmlisches Licbcelcbcn auf den höchsten Grad der Einigung mit Gott, aus ihm sog sie göttliche Weisheit für die Angelegenheiten dieser Erde, lichten Einblick in das Uhrwerk des großen WcllkampfcS, im Geiste nulle- bend, mitfühlend den stürmenden Puls der Zeit. Das für menschliche Beschränktheit Unheimliche in ihr erhielt eine furchtbare Kraft, denn ihre Wirkungen ins Weite führten die katholischen Streiter blind in den Sieg, und lenkten mit Obmacht die Rathschläge der Könige. Hier ergoß sich ihr mächtiger Geist zuerst in den berühmten Mattia Galasso, unter dem Namen GaltaS allen Lesern der Geschichte des dreißigjährigen Krieges wohlbekannt, mit Stolz beizuzählen den begabtesten Männern, welche Tirol in den heiligen Streit gesandt. (Schluß folgt.) Deutschland. 5 Von der Altmühl. Vom 17. bis )^3. August vc>. sammelten sich abermals aus dem Klerus der Diöccsc Eichstädt 75 Priester zur Abhaltung geistlicher Uebungen oder Exercitien zu Hirschberg bei BcilngrieS. Welchen großen höchst segenoieichcn Einfluß für Geist und Herz dieselben übten, zeigen die Worte des Dankes, welche Einer auS ihrer Mitte auf Ersuche» seiner Mit- brnder an den hochwmdigstcn Herrn Bischof, Carl August Grafen von Ncisach, der zum Schlüsse der Uebungen hergekommen war, richtete, und die also lauteten: „H ochwürdigstcr Herr Bischof! Wcnn der Tag sich geneigt und Abendruhc sich über Berg und Thal auögegossen, in den weiten Räumen dieses Schlosses nächtliches Dunkel eingetreten, dann ertönte aus der erleuchteten Capelle ein ernster heiliger Gesang, der da von des Berges Höhe weit in die Thäler hinschwebte, »nv diejenigen, die ihn horten, wundersam ergriff und zur frommen Andacht stimmte. Und wer waren sie, welche diesen feierlich ernsten Gesang anstimmten? Büßer waren cS, welche bei den Füßen Jesu Christi des Gekreuzigten ihre Sündcnschulv erkannten und vor dem Allcrheiligstc» hingesunken im Geiste und in der Wahrheit sangen: „Ui^rvre moi vvus secuncium mognam mikei'ic.'ai-cü-xn limm," welche im Gefühle herzlicher und inniger Reue bekannten: „l'ilii soli s>eeoavi et >n»Iuin cormn t» seci." ^) Ix,' gesündigct hatten wir gegen Gott, als unsern besten und licbvollsteii Vater, gesündigct hatten wir gegen Gott unsern Erlöser, unsern Hohenpriester, der doch uns zu seinen Priestern erwählte; gcsiindigct hatten wir gegen Gott den heiligen Geist, den wir betrübet, vcr doch die heilige Pricsterwürdc unS auf die Stirne unauslöschlich gezeichnet: und darum nun tönte dieser hei' ligc und ernste Gesang in die Stille der Nacht hinaus; der Geist dcr Buszc wurde in uns selbst erweckt und erprobt, um vann auch nachhaltig ihn in den Herzen der nns anvertrauten Seelen erwecken und erhalten zu können. Gleichwie die Sonne ihre erleuchtenden und erwärmenden Strahlen aussendete im Frühjahre aus dem erstarrenden Winterschlafs der Saaten freundliches Grün hervorlocket, im Sommer mit sengendem Glänze die Aehre und die Traube reiset; so ist es auch die Liebe unserer heiligen, katholischen Mut- terlirchc, die stets sorgsam bemühet ist, vaS geistige Leben ihrer Priester da, wo es erkalten will, neu zu erwärmen und zu beleben, und sie für Gewinnung der Seelen, fürs Reich Gottes erglühen zu machen. Ihr Strahl der Liebe lockte die geistigen Blumen fürs gcistigc Leben an den Höhen des Libanon, auf dem Nonlo (^U8ii,0 und in der ThcbaiS hervor, und es war dem tiefen und hohen Geiste des heil. IgnatiuS vorbehalten jene geistigen, zerstreut blühenden Blumen des pricsterlichen Lebens zu einem Strauße zusammenzufassen, der durch seine Farbenpracht wie durch seinen süßen aromatischen Duft gleich herrlich ist; und dieser geistliche Strauß warv nun auch uns gewunden. „Hingewiesen wurden wir auf unsere Bestimmung. Ja, Gott hat unS erschaffen mit Geist und Körper, um ihn zu lieben und zu verherrlichen; lcivcr aber daß dieses der Mensch nicht will, ja er trotzt der Majestät Gottes und spricht: „ich will Dir nicht gehorchen/ — und somit ist die Todsünde begangen. Und diese Beleidigung der göttlichen Majestät muß mit der Hölle bestraft werden. Doch nicht bleibt der Mensch auf ewig mit den gefallenen Engeln verdammt, die ewige Liebe erbarmte sich seiner, denn er fiel nicht aus eigener Schuld wie die verworfenen Engel, sondern durch Verführung, — und drei Blnmeu werden ihm gereicht, der Tod, das Gericht und die Hölle, auf daß er in sich gehe. Ja, der Tod trat in seiner fahlen Bleifarbe, im kalten, klebenden Lcrwesungsschwcißc vor unsere Augen und mahnte uns: Priester du mußt sterbe»! Doch das wann, wie und wo ist uns verhüllet. Hingestellt sahen wir uns vor den Nichterstuhl Gottes, um gewogen zu werden auf der unbestechlichen und untrüglichen Waage „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Bannhcrjigkeit," Psalm SV. '1 „Dir allein h^bc ich gesiindiget und BöseZ vor dir gethan," Ps, 50, 5. der göttlichen Gerechtigkeit^ und unser Herz erbebte. Mit der hl. Theresia und Brigitte, haben wir endlich hinabgcschaut in jenen ewigen Feucrpfuhl, wo immer und immer die Qualen dauern, und nimmer und nimmer das Feuer erlischt und nimmer der Wurm erstirbt; ja, mit Entsetzen und mit Grausen haben wir da erschaut Priester verdammt, wie sie die Verfluchungen nnd den höllischen Spott zu ertragen haben, wie ihre Seele und ihr Leib vom Feuer durchglühet brennen, und der Fluch Gottes und das unauslöschliche Priestermahl an ihre Stirne gebrannt ist. — Und es klang wie Aeolsharfcn, und der Blick wendete von der schauerlichen Tiefe sich nach oben, und eine Stimme rief uns zu: O mein Jünger, was habe ich dir gethan, daß Du Böses vor meinen Augen thun konntest?! Es war dieses die Stimme Jesu Christi vom Kreuze herab, der sprach: Mci» Jünger, was habe ich, dein Herr und Meister, dir denn gethan daß du mich beleidigest mit Stolz und Hvffart, da doch mein Haupt mit Dörnern gekrönt ist; was habe ich dir gethan, daß du verschließest dein Herz, wo ich doch mein Herz aus. Liebe für dich öffnen ließ; was habe ich dir gethan, daß du mißbrauchest deinen Körper zur Sünde, da mein Körper für deine Erlösung ans Kreuz geheftet ist? — Und niedersanken wir vor unserm gekreuzigte» Heilande und beteten: „O! sverto laoiem iu»m a peecslis nostris, et omnes micimlaws nostrss cldv;" ja mit Eine»! Herzen und mit Einen: Munde riefen wir: O Herr! wende hinweg dein heiliges Angesicht vou unsern Sünden, tilge unsere Sündcnschulv; erschaff in mir ein neues Herz, einen neuen Geist! — Die Liebe und Erbarmnng des gekreuzigten Heilandes erhörte uns. Wir reinigten im heil. Sacramcnte der Buße durch eine Lebensbeichte unsere Seelen vom Sündcnauösatzc, und der Vater nahm uns auf, wie der Vater den Verlornen Sohn, — der göttliche Sohn als seine lieben Jünger und der heil. Geist als viclbkgnadigtc Priester. Im G-suhle der uns gewordenen Gnade erneuerten wir nun zu den Füßen Jesu unsere Vorsätze: das Brevier stets «lovoto und altente zu beten, das heil. Meßopfer mit heiliger Ehrfurcht, mit Andacht und Aufcrbauung zu entrichten, nach unserm hohen Vorbilde des göttlichen Heilandes gute Hirten und Seelsorger zu seyn, die Guten auf ihrem Wege zu erhalten und die Verirrten aufzu- suchen und zur Hecrde heimzubringen; unsern Geist und Eifer zu beleben durch Meditation und geistliche Lcctürc, dagegen aber auch zu vermeiden den Besuch von Gasthäusern und derjenigen Orte uud Gelegenheiten, wo der priesterlichen Würde und der pricsterlichen Reinigkeit Gefahr drohen könnte. Und was wir da Alles zu den Füßen Jesu des Gekreuzigten gelobt haben, — heilige Gewissenspflicht soll es uns seyn, unser Gclöbniß auch treu zu halten. — „Und wem danken wir nun zunächst diese erlangten Gnaden und Segnungen? Ihnen, hochwürdigster Herr Bischof! Sie haben in Ihrer Liebe und väterlichen Sorge uns diese Exercitien bereitet, durch die wir mit Gott ausgesöhnt zu unsern Gemeinden ncugestärkt heimkehren, — und auf Ersuchen und im Namen meiner theuren hochwttrdigcn Herrn Mitbrüder bringe ich Euer hochbischöflichen Gnaden unsern gemeinsamen, tiefgefühltesten und herzlichsten Dank dar: doch nicht allein mit Worten wollen wir danken, sondern durch Thaten als treue Hirten uns bewähren, wozu ich Euere hochbischöflichc Gnaden für uns Alle um Ihren Segen bitte." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. E. Krem er.