? ^ ^^aSS - Mei/., d»r Augsvurger Zweite Jahreshälfte. M SS l^t Postzeitttng. S8. Sept. R845 Aus dem Leben des hochwurdigsten Bischofs von Münster, Caspar Maximilian, Neichsfreiherrn Droste zu V i scherin g. (Fortsetzung.) Caspar Maximilian nahm während dieser vcrhä'ngnißvollcn Zeit die bischöflichen Verrichtungen nicht allein für die Diöccsc Münster, sondern auch iür die Katholiken in Holland, und als 181V der Wcihbischof von Köln, Clemens Angnst, Freiherr von Mcrle, Bischof von Bethseida, starb, auch siir die Erzdiöccse und einen Theil von Belgien mit großer Aufopferung und apostolischem Eifer wahr; und hat außer für die genannten Districte auch für die Diöccscn Noucn in Frankreich und Osnabrück die heiligen Ocle am Grü> cndonncrstage und aus dieser und der Diöccse Trier mehr als einmal im Dome zu Münster die Priester gcwcihct. Dazu war er seit 180») Archiriaconus von WinterSwick, nnd hatte in dieser Eigenschaft die geistliche Gerichtsbarkeit über die Kirchspiele Borken, Hcydcn, Ram-dorf, Nacsfcld, Recken, Weseke, Vclen, Geschcr, Schcrmbeck und Erle im Amte AHaus; über Dingdcn im Amte Nocholt; ühcr Holtwick und Ostcrwick im Amte Horstmar; über das ganze Amt Rhcinc-Bcvergcrn; über Hcrbcrn im Amte Wcrnc, nnd über Altcnbcrgc, Grcvcn, Hembcrgen, Nordwalde, Rinkcnrodde und Sendnihorst im Amte Wolbeck. Er verwaltete dieses Archidiaconat, bis die Circnmscriptions-Bulle über die preußischen Diöccscn vom 16. Juli 1821 sämmtliche hier bestehenden Archioiaconatc aufhob. Unterdessen waren nach der Säcularisation des Hochstifts die politischen und kirchlichen Verhältnisse. immer trüber geworden; Napoleon hatte sich zum Alleinherrscher von Frankreich gemacht, Italien und einen großen Theil von Deutschland unter seine Herrschast gebracht und den Papst, der sich seinen gewaltthätigc» Handlungen standhaft widersetzte, am 5. Juli 1809 in strenge Gefangenschaft bringen lassen. Viele Bisthümcr waren in dem neu gebildeten weiten französischen Reiche erledigt, der ganze kirchliche Organismus gehemmt. Napoleon erkannte, daß sein Reich so nicht bestehen konnte, aber er wollte nicht den von JesuS Christus bestimmten Weg gehen, sondern mit frevelndem Mulhe seinem eigenen Wille» folgen. Als der Papst seinen ungerechten Forderungen anch in der Gefangenschaft mit heroischer Standhaft tigkcit widerstand, und bei allen seinen Drohungen nach Jesu Lehre kein Zeichen der Entmuthigung und Schwäche kund gab, sondern festhielt an den göttlichen Gesetzen, da glaubte er durch eine zahlreiche Versammlung von Bischöfen seinen Willen durchsetzen zu können. Er berief zu dem Ende alle Bischöfe seines Reiches, so fern solche nicht in den Gefängnisse» bewacht wurden, auf den 9. Juni 1811 nach Paris. Es erschienen 104 Prälaten, nntcr ihnen auch der Wcihbischof von Münster, nnd eröffneten am 17. Juni mit einem großen äußerlichen Glänze die Versammlung. Die Abänderung der bestehenden Kirchendisciplin rück- sichtlich der Bestätigung und Institution der Bischöfe war die Hauptaufgabe dieses sogenannten Conciliums. Man hattc schon mchrcre Berathungen gehalten, und sich am 26. Juni versammelt, um den Entwurf einer Adresse an den Kaiser, der den sämmtlichen Bischöfen am 39. eine Audienz geben wollte, zu prüfen. Als diese verlesen und besprochen war, da erklärte freimüthig der Bischof von Jericho: „er vermisse in der Adresse dasjenige, womit daö Concilium den Anfang machen müsse. Er glaube nämlich, daß es die Pflicht der Bischöfe sey, die feierliche Audienz, welche der Kaiser dem Concilium ertheilen wolle, und welche vielleicht die Einzige sey, die das Concilium als solches haben werde, sogleich zu benutzen, den Kaiser ganz ausdrücklich und dringcndst zu bitten, daß der Pcipst in völlige Freiheit gesetzt werden möge. Geschähe dieses nicht sogleich bei der Audienz und würde dieser Augenblick versäumt, so würde sich vielleicht späterhin keine so günstige Gelegenheit wieder darbieten." Dieser Antrag wurde sogleich von vielen Bischöfen unterstützt; fand jedoch auch leider von einige» heftigen Widerspruch, aber er war Veranlassung einer engern Verbindung der gulgcsinntcn Bischöfe niit dem Oberhaupte, vielleicht auch, daß die angesagte Audienz nicht statt fand. Es war durch diesen von Vielen unterstützten Antrag, gesprochen im Augenblicke, da die StaatSgcfäng- nissc mit Geistlichen angefüllt wnrdcn, die ganze Versammlung auf ihre Stellung und Aufgabe hingewiesen, und die Mehrzahl der versammelten Prälaten setzte» von jetzt an den ungerechten kirchcn- widrigcn Eingriffen und Forderungen einer sonst unwiderstehlichen Gewalt einen unerschütterlichen Mnth entgegen. Napoleon erreichte seine Absicht nicht; man erklärte sich für incompctcnt, die Kirchen- diSciplin abzuändern. So waren die Plane des stolzen Herrschers l vanna unter Ferdinand III., dem Sohne des Kaisers, der eigent- cm wehrlosen aber vom Geiste der Kirche durchdrungenen Männern gescheitert; zum ersten Male besiegt, ließ er das Concilium am 2. Octobcr auflösen. Es wird dieses in der Kirchengeschichte niemals einen Namen erhalten, aber ein schönes Denkmal der apostolischen bleiben. Caspar liche Führer des kaiserlichen Heeres, und dadurch das gottgesegnete Werkzeug, die Geistcrschiacht Der tirolischen Beter gegen den Protestantismus mit den vereinten Mitteln der Kaiscrmacht zu unterstützen, ganz nach dcn Ansichten und Ueberzeugungen, die sich in Gesinnung vieler der dabei versammelten Prälaten!den frommen Gemüthern festgesetzt hatten. Begeistert von dem ! feurigen Zureden seiner fernen Freundin und Landsmännin, die nach j ihm gewissen Sieg prophezeite, wagte er im Jahre 1634 die ent Maximilian kehrte am 12. Octobcr 18 ll Münster znrück und erhielt später von Pius VII., nachdem dieser im Triumphe nach Rom zurückgekehrt war, ein Brevc vom 17. August 1814, worin er seinen unerschrockenen apostolischen Sinn und seine Anhänglichkeit an den Stellvertreter Christi auf Erden rühmlichst erwähnte. (Schluß folgt.) Die Macht des Glaubens und Gebetes. (Fortsetzung.) GallaS stammte aus Judicarien und bestimmte sich als Jüngling für die militärische Laufbahn, zog über die Alpen ohne anvcrcs Gepäck als seinen unverwüstlichen katholischen Sinn, der ihn unbeschwert zum muthigstcn Kämpfer für die katholische Sache machte. Er diente zuerst unter Tillv der katholischen Ligue, später im kaiserlichen Heere ansangS in Flandern, hernach in Italien und Deutschland, und schwang sich durch Geist, Gewandtheit und Heldenmut!) zu den höchsten HccrcSwürden empor. Die fliegende Eile von einem Orte zum andern, der Muth mit geringer Mannschaft eine weit überlegene Macht plötzlich anzufallen und zu schlagen, die Kunst, sich in kürzester Zeit mit Umsicht unangreislich zu verschanzen, waren seine drei vorzüglichsten Eigenschaften, und dadurch stieg er zum kaiserlichen General-Feldmarschall-Lieutcnant auf, für seine großen Dienste mit Ansehen und Reichthum kaiserlich belohnt. Mitten in diesem ehrenvollen Gewühl von Kampf und Sieg dachte er mit der Zärtlichkeit der ersten Liebe an seine Hci- math Tirol, mit der kindlichfrömmftcn Gesinnung hangend am katholischen Glanbcn, thcilnehmend an der glühend erwachten Andacht seiner Heimalhgebirge, nur von dieser Gottesbcgristerung der Gemüther Sieg für den Kaiser, Heil für das Vaterland erwartend. Seine erste Gemahlin war Jsabclla, eine Tochter des Grafen Sigmnnd von Arco, die ihm keine Erben gebar. Als er sich gegen das Jahr 1622 mit dnn Edclfräulein Dorothea Anna vcrheirathctc, einer Tochter Philipps von Lodron, wurde er mit der Giovanna näher bekannt, die damals in der Blüthe von zwanzig Jahren stand. Er knüpfte mit ihr jenen wnndersamen Geisterbnnd, der sich aus den Gebirgen Tirols leitend und ordnend ins Hccrgcwühl nach Böhmen bis an die Ostsee schlang, und alle seine Schritte mit gchcimnißooller Gottcsmacht leitete. Er stand unaufhörlich mit ihrem Beichtvater in Verbindung, und scheivende -Schlacht bei Nördlingcn gegen die Schweden, die unter Bernard von Weimar und Gustav Horn heranrückten, er stlbst glühend wie ein Jüngling in den Flammen der GvttcSbewcqung aus Tirol, getragen durch die mächtigen Schwingen des entzückten Gebetes, mit einem Kreuze auf der Brust, das ihm Giovanna als Unterpfand des Sieges geschickt, ein anderes Kreuz ebenfalls von ihr seinen Vorposten voraus, fast zu persönlich kühn, weil fortgerissen von der Sicgeöfreudigkcit, die ihm aus den tridcutini- sehen Alpen zugeflossen. Das Heer der Feinde wurde gesprengt, viele Officiere ersten und zweiten Ranges lagen todt auf dem Schlachtfcldc, andere wurden gefangen, Horn selbst verwundet, Bernard von Wcimar entging mit genauer Noth der Gefangenschaft. Durch diesen unerwarteten Schlag war das erstemal der Siegesstolz der Schweden auf deutscher Erde vernichtet, die Ucbcr- macht der Protestanten gebrochen, und ungeachtet der Krieg noch viele Jahre fortwüthcte, war die tödtliche Wunde bet Nördlingcn doch nicht mehr zu heilen. Die Gegner fühlten selbst am tiefsten die Wichtigkeit dieser Niederlage, und bis auf dcn heutigen Tag ist der Haß gegen GallaS nicht erstorben. Er stiftete im Einverständnisse mit seiner hellsehenden Freundin das Karmeliterkloster in Trient auf dem Nordsonncnabhange über der Stadt als dankendes- Siegeszeichen für die GottcShilfe aus Tirol. Das Denkmal ist gefallen wie so viele andere in Tirol im Sturme des antikathvlischen Princips, aber in den Augen kundiger GeschichtSfrcunde singen die Ostcrkränzc von tausend Pfirsichbäumen noch alljährlich von den schönen Hügeln herunter von GallaS und seinem Siege, vom Uebcrgewichtc der katholischen Sache durch die aus Gott geschöpfte Glaubenskcaft der Tiroler. Von diesem Zeitpuncte an änderte sich der Zustand der Giovanna auf einmal. Sie wurde ein wundersames Wesen, ihre vorige Schlachtenfreudigkeir war verschwunden, das Gräuclbild des dreißigjährigen Krieges zog mit tövllichen Pcincn in ihre Seele ein, mit dcm Klagegcwinsel der Sterbenden, mit dem erstorbcnen Wuthblick der Todten, mit dcm unseligen Röcheln trostloser Ketzer. Furchtbare Schmerzen zuckten durch ihren Leib, erstickende Trostlosigkeit durch ihre Seele, ihr Hcrz schien sich zu spalten in strömender Thränenfluth über das Unheil eines Krieges ohne Menschlichkeit, ohne Schonung des deutschen VluteS in deutscher Brüderschlacht. Sie sah in diesem KricgSabscheu eincS TageS die Hölle angefüllt mit Verdammten aus deutschen und italienischen Schlacht- bediente sich in seinen Briefen einer eigenen Chiffer zur Unter-^ fcldern, unv ächzte in tiefer Angst: „Das sind die Blutfrüchte schrift, um dic Quelle seiner Schlachtplätte und seines ganzen Ver- aus Deutschland und Italien! Seelen, erlöst durch Christi Blut, Haltens sorgsamst zu verdecken. Als WallcnstcinS Benehmen immer bedenklicher wurde, fragte er Giovanna um Rath, was er in dieser räthsclhaften Lage der Sachen thun solle. Sie antwortete schnell: „Wallcnstcin ist ein Verrcithcr an dcn Katholiken, und crkaust mit dem übcrschwänglichen Preise seiner Todesangst gehen jämmerlich verloren im liebclvscn Mordgewühle. Die gegenwärtigen Zeiten sind schlechter als die ersten Zeiten der Kirche im Hcidenthum und in heidnischer Blutgewalt. Damals tödtcten un- diescm Verrathe wird er zum Opfer fallen!" Auf ihr Anrathen ^ zählige Tyrannen dic heiligen Blutzeugen, diesen die Thore des machte er jenen frühzeitigen, gchcimnißoollcn Rückzug aus der Paradieses öffnend, sich selbst dcn Schlund des Verderbens. Aber nächster: Umgebung seines Oberfcldherrn, und rettete durch seine Umsicht dcn Kaiser und die Kampfchrc der katholischen Schlacht- luch. Er wurde dafür genau nach dcn VorauSsagungen der Gjodle jetzigen Tyrannen sind grausamer, sie verspritzen das Blut der Christen, und senden sie schaarenweise in die Hölle, verdammt ihnen nachzufahren, wenn sie nicht Frieden stiften I" Mit zermal- mender Gewalt schrieb sie an Gallas: „Friede! und wieder Friede! Jetzt ist die günstigste Zeit ihn abzuschließen, weiteres Blutvergießen bringt uns Katholiken keinen Vortheil!" Als man ihr einwendete, selbst Rom wolle den Frieden nicht, und rathe zum Verfolge des Sieges, gab sie mit furchtbarer Ergriffenheit ihres Gemüthes zur Antwort: „Der Kaiser hat Sieg gewonnen durch das Gebet der Gläubigen, daß er Frieden stifte, und wirkt Nvm zum Frieden nicht mit, wird es überschwemmt werden mit Blut!" Alle Glaubensmänner im Kaiserhecre und an den Gränzen der Schlachtlinie, mit denen sie in Verbindung stand, erhielten den Auftrag, mit aller Macht für den Frieden zu arbeiten. „Mit dem glühenden Herzen der allerseligstcn Jungfrau Maria," rief sie aus, .mit dem Feuereifer der Erzengel werfe ich mich ans Herz meines Gottes, bittend und flehend, daß er dem Kaiser Frieden schaffe!" Der Frieden kam leider nicht zu Stande, aber die erschütternden Vorauösagungen der italienischen Klvsterjungfrau, die mit den deutschen Zuständen ganz und gar unbekannt war, gingen wörtlicher in Erfüllung als für die katholische Sache zu wünschen gewesen wäre. Ueber zehn Jahre raste der Krieg mit Mord und Verheerung in Deutschland ohne entscheidenden Erfolg auf beiden Seiten, ohne daß sich der Siegesflug der Katholiken jemals wieder auf die Lichthöhe von Nordlingen erhoben hätte. Gallas Stern selbst erblaßte. Sein unglücklicher Zug an die Ostsee, gegen den Rath der Giovanna unternommen, gefährdete selbst den Glanz seiner glorreichsten Tage. Die einsam trauernde Freundin, in unaufhörlichen Gluthschmerzcn für das Heil der Kirche, konnte ihn nicht mehr sehen auf einem Felde, dem Gott nicht mehr günstig war, in Waffen, die ihn durch Gottes Geschick nicht mehr tragen konnten zum Siege im Sinne der gläubigen Beter in Tirol. Sie rief ihn zurück, und befahl ihm den Rest seiner Tage in Trient zuzubringen. Durch seine Räthe zum Frieden werde er dem Kaiser noch immer nützen können, fügte sie bedeutsam bei. Gallas gehorchte, und wanderte gegen das Jahr 1646 in seine Heimath zurück, durch seine herzinnige, in so vielen Schlachten bewährte Frömmigkeit alle seine LandSlcute erbauend, bis zu seinem Athemzuge der lutherischen Irrlehre tövtlich abhold. Er erzählte mit Zufriedenheit, nie habe er in seinem Leben eine Kirche dieser Sccte betreten, nie einer Predigt derselben beigewohnt. Er ließ sich zu seiner Grabesruhe die prächtige Cavelle in der St. PctcrS- vfarrkirchc zu Trient erbauen, wo die Gebeine des heiligen Knaben Simonin ruhen. Aber nicht lange genoß er die wohlverdiente Stille seiner Zurückgezogcnheit; Ferdinand 111., mächtig erregt durch de» hellsehenden Geist der Giovanna, von ihr mit einem geweihten Kreuze beschenkt, und unaufhörlich zum Frieden bestürmt, rief ihn nach Wien, um seine klugen Rathschläge für den glücklichen FriedcnSabschluß zu benützen. Daselbst starb er am Stein am 26. Mai 1647 im 62sten Jahre seines Lebens mit der herzlichsten Andacht, der längsten und süßesten Gewohnheit seines Lebens. Seine Gemahlin brachte seinen Leib nach Trient zurück und setzte ihn bei in der eben genannten Cavelle mit einem bci- gestifieten Cavlan. (Schluß folgt.) Die Feier der Cngelweihe in Einsiedeln. Der Pilger von Einsiedeln bringt hierüber einen längern Bericht, dem wir Nachstehendes entnehmen: Dort bei dem schönen Marmorbrunnen mit den vierzehn Röhren sammeln sich die Schaaren einen Augenblick. Wohl haben Manche vier, fünf und noch mehr Tagreisen zurückgelegt; aber siehe da, wie verschwunden ist auf einmal die Müdigkeit, des wunden Fußes wird nicht mehr geachtet, und entblößten Hauptes wallen Greise, Männer, Jünglinge und Knaben auf der einen, die Frauen und Töchter aus der andern Seite der breiten, schön- gcsäuberten Kirchcnsticgc processionsweise hinan zum Hause des Herrn, zum Heiligthume seiner jungfräulichen Mutter. Es ist drei Uhr Nachmittags (13. Sept.); so eben beginnt die Ponti- fical vesper, gehalten von dem päpstlichen Nuntius, Mvnsignor HieronymuS d'Andrca, Bischof von Mclitcne. Kaum hatten die letzten Töne des so schönen „Salve Regina" verklungen, als der Hochwürvige Herr P. Joachim Bachmann von Mcnzingcn, Stifts-Capitular und gegenwärtig Pfarrer von Frcicnbach, die Kanzel betrat und die EröffnungSpredigt hielt; in gemüthlicher, der Feier entsprechender Rede sprach er über die Worte der seligsten Jungfrau: „Großes hat an mir gethan, der da mächtig und dessen Name heilig ist." (Luk. 1, 49.) Im ersten Theile seines Bortragcs: Wer ist Maria? schilderte der Hochwürdige Redner die Größe und Glorie der Himmelskönigin; im zweiten: Was ist Maria dem Pilger? bezeichnete er ihre hohe Tugenden, ihre Demuth , Reinigkeit, Geduld und Liebe zu Gott und den Menschen. — Aufmerksamkeit und Andacht walteten von Anfang bis zu Ende. Unterdessen war es Abend geworden. Von allen Seiten, vom Etzel, von der Schindellegi, über den s. g. Katzcnstrick und Hacken her, langten fortwährend Wallfahrter an. Ungeachtet der allseitig getroffenen Vorkehrungen zu bestmöglicher Beherbergung der Pilger in Gast- und Privathäusern, war doch schon vor angebrochener Nacht alles überfüllt. Jetzt hatte die bisher regnerische Witterung sich gänzlich geändert; es war ein schöner Hcrbstabend, der auch durch die vortrefflichen Leistungen der hiesigen Musikgcscllschaft, die musicirend durch die wogenden Straßen zog, auf rühmliche Weise verherrlicht wurde. Die ganze Nacht hindurch erscholl Gebet und Gesang von vielen hundert frommen Pilgrimen, die im Hause des Herrn ihre Nachtherberge sich erwählt hatten; namentlich war die Muttergotteöcapclle Tag und Nacht von betenden Schaaren ringsum dicht belagert. Wahrlich, hier ertönte das Lob des Herrn und seiner gebenedeiten Mutter in mancherlei Sprachen und Gesängen ! Ein Viertel nach zwei Uhr verkündeten der hehre Klang der zwei größten Glocken und dann wieder zahlreiche Mörscrschüsse den Anbruch des hohen Festtages. Um drei Uhr begann der Nacht- gottcSdicnst im Chöre der Religiösen, worauf (um vier Uhr) Se. Gnaden der Hochwürdigstc Herr Abt Cölestin in der heiligen Cavelle das erste P vntificalamt hielt. Während dieser hohen Handlung war das Hciligthum der Gottesmutter von zahllosen Lichtern prachtvoll beleuchtet. Unmittelbar vor der heil. Capclle war auf der Höhe einer Gallerie ein großer, herrlicher Stern ! angebracht, aus dessen Mitte der Name Maria glänzend ! hervorstrahltc. Vier große, hcllschimmerndc Transparente flainm- z ten auf vier einander gegenüberstehenden Gallerten mit den Inschriften: „Heilig, heilig, heilig ist Gott im Saale der glorreichen Jungfrau! Gebenedeit sey der Sohn Mariens, der gekommen ist, ewig zu herrschen!" Die geräumige Wallfahrtskirche war gedrängt voll. Man sah Leute aller Stände. An allen Altären wurden heilige Messen gelesen. Alles athmete sichtliche Andacht und heilige Frende. Und in der That, es war ein herzcrhebendcr, »eiliger Augenblick, als des Glöckleinö silberner Ton erklang, Reich und Arm auf die Kniee niederfiel, und nun der ehrwürdige, drciund- siebenzigjährige Prälat seine Hände emporhob, Denjenigen haltend, dessen Majestät Himmel und Erde erfüllt. Hohe Andacht und rmie Liebe walte» ringsum. Die Stimme heiliger Sehnsucht ruft in tausend Herzen: „Komm', o Jesu, komm!" Und siehe, der Bräutigam kömmt! An zwei Altären (die gewöhnliche Communionbank genügt nicht mehr) wird das Brod der Engel den durch das heilige Sacramcnt der Buße gereinigten Gläubigen gespendet. So ununterbrochen bis Mittags. Die Festprcdigt (Morgens 8 Uhr) hielt der Hochwürdige Herr Pfarrer Enzlcr von Arth. Das zweite Pontifical- oder Hochamt (um halb 10 Uhr) hielt Se. Excell. der päpstliche Nuntius, der auch am Schlüsse dem Volke den päpstlichen Segen sammt vollkommenem Ablaß in gewohnter Form ertheilte. Die in jeder Beziehung ausgezeichnete Kirchenmusik, wurde in diesem Amte von zwei Orchestern auf zwei sich gegenüberstehenden Gallcricn, deren jede mit einer Orgel versehen ist, aufgeführt, was einen sehr guten und großartigen Effect machte. Inzwischen strömten immer noch große Schacircn von Pilgern herbei, so daß viele derselben Nachmittags keinen Platz mehr in der Kirche fanden. Nach der Vesper, welche abermals Se. Erccll. der Herr Nuntius hielt, predigte der Jesuit P. Dam- bcrger. Er trug mit großer Begeisterung und Wärme eine trefflich anSgcarbeitctc, ganz auf das Fest und die Zeit passende Rede vor über die Engclweihc als historisches Factum, und das Fortbestehen und Fortwirken dieses Wunders, wie es sich in der ganzen Geschichte Einsicdelns zeigt. Der Abend kam. Sah man in die Kirche, so schien alles Volk in derselben versammelt, und blickte man auf den großen, Weiten Platz vor derselben, so glich er einem wogenden, rauschenden Meere. Heftiger Regen und Wind drohten die nächtliche Proccssivn zu vcr-itcln; aber allmälig wurde die Luft milder, der Regen lies; nach; Dorf und Kloster ward beleuchtet. Die zwei großen Transparente auf der s. g. Kramgasse erhielten Farbe und Leben. Mitte innen stand der zierliche Muttergvttcsbrunncn ebenfalls überaus schön beleuchtet. Und als die große Glocke ertönte, die Trompeten schmctt-rtcn, die Fahne» und hinter ihnen der singende Klerus, bei hundert Priestern mit breimcnven Wachskerzen, in'ö Dunkel hinaustraten, da schwieg das mächtige Tosen der VolkSwogcn, und Gefühle der Anbetung unv des Dankes ergriffen jede Brust. Unten auf dem Platz, der Kirche gegenüber, stand ein flammender Altar, in dessen Mitte das Bildniß der seligsten Jungfrau prangte. Als der Klerus da angelangt, empfing der Diacon die Monstranz aus der Hand d,S pontificircndcn, Hochwürdigcn Herrn Abtes von Krcuzlingcn, und stellte das Brod des Lebens zur Anbetung auf den Altar. Eine schöne Motette für Gesang und Instrumente l^oon P. Cvnrad Stöcklin) rauscht durch die glanzvolle Nacht; und wie dann der Cclebraut im Namen des Drei- cinigcn mit dem gegenwärtigen hochheiligen Geheimniß den Segen ertheilt; da stürzt Alles auf die Kniee, und eine Stille, als wäre der weite Raum ganz öde und verlassen, bezeugt die unwiverstch- bare Macht des Glaubens über die Menschen und das lebendigste Gefühl der Anbetung. Ein solcher Moment gegenüber dem Thun und Treiben der Neu- und Ungläubigen gibt die tröstliche Versicherung, daß noch nicht alles Volk seine Kniee vor dem Baal der Gottocrgcsscnhcit gebeugt, und daß der katholische Glaube jetzt noch Wunder lhut. Die gewöhnlichen Berechner von Volksmasscn sprechen von 20,WO Personen, die da beisammen waren. Nach genauerer und nüchterner Berechnung aber glauben wir, jene Zahl auf 15,000 reducircn zu müssen. Singend kehrte die Proccssion wievcr in den Tempel, ob dessen Hauptportal der heil. Name JcsuS herrlich erglänzte, zurück, weilte eine Zeit lang vor der ehrwürdigen Maricncapcllc und zog dann hinauf in den Chor der Kirche, in welchem aus der Höhe ein flammendes Kreuz als Siegeszeichen herablcuchtete. Ein lantum erZo beschloß die Feier dieses Tages; und „Isntum ergo" stimmten wohl viel tausend Herzen ein: 1-mtum ergo! „So Vieles also" hast Du, o Herr! deinem Volke gethan, hast hier einen Gesundbrunnen errichtet, zu dem so mancher Kranke eilt, hast hier eine Burg des wahren Glaubens erbaut, gegen welche die Hölle vergebens anstürmt, hast einen Leuchtthurm errichtet, in welchem die fortwährend brennende Lampe der Verehrung Mariens dem mit vielen Sturmwogen kämpfenden Volke tröstend cntgegenwinkt. Deutschland. Köln, 15. September. Am heutigen Tage feierte der Pfarrer zu den heiligen Aposteln und Ehrcndomhcrr, Herr Geistmann, sein fünfzigjähriges Pricstcrjubilcium. Die wirklich große Thätigkeit, welche derselbe für Schule und Kirche so wie für Arme entwickelte, und sein anspruchloscS, zugängliches Wesen hatten ihm unter dem Kölner Volke eine große Popularität erworben, so daß die Theilnahme an diesem Feste sich über die Gränzen der Pfarr- Gcmcmde zu den heiligen Aposteln erstreckte. Am Vorabende des Festes, dem 14., wurde ein schöner Fackclzug nebst Serenade ihm gebracht, wobei das katholische Militär, dessen Seelsorger in Ermangelung eines eigenen Geistlichen Herr Geistmann ist, ebenfalls sich bethciligte. Um neun Uhr fand ein solennes Hochamt statt; der Herr Jubilar als Celcbrant wurde dabei von seinen jetzigen und ehemaligen Caplcincn bedient, und einer von ihnen, Pfarrer Horn von Eschweiler, hielt die Festrede. Se. Erzbischöfliche Gnaden, die der Feier die Ehre der Gegenwart, mit dem Domcapitel, schenkten, hielten am Schlüsse ebenfalls eine den Oberhirtcn wie den Gefeierten ehrende Anrede und überreichten ihm das Diplom der Ernennung zum Erzbischöflicheu Geistlichen Rathe gcl Iicmoi-es, — das erste Beispiel eines solchen Titels in der Erzdiöcesc. Ferner ward der Gefeiertc, der bereits den rothen Adlerorden vierter Classe besaß/ mit dem rothen Adlcrordm dritter Classe beschenkt. Untcr mehreren von der Psarrgemcinde und einzelnen Verehrern ihm gewidmeten schönen Festgaben zeichnete sich ein schöner vom Officiercorps ihm gewidmeter Becher aus. Das Schönste bei der ganzen Feier war die allgemeine Ueberzeugung daß der eben so anspruchslose, als eifrige Seelsorger so viele Beweise der Verehrung mit vollem Rechte verdient. Die schöne byzantinische Kirche, durch die rastlosen Bemühungen des altersgrauen aber noch jugendlich thätigen Jubilars jetzt vollständig rcstaurirt, war auf's Herrlichsie geschmückt und vermochte die Menschcnmassc kaum zu fassn. (Katholik.) . ' » ->,! L' t'^' ^ ^'k^ -'(t <>^ 'i Zu Brixcn versammelten sich, außer dem Klerus der Fürstbischöflichen Residenz, beiläufig 40 Priester, um an den Geistcs- übungcn Theil zu nehmen, welche gemäß der Anordnung des Fürstbischofs vom 4. bis 8. August daselbst stattfanden. Die zwei Jesuiten Wcningcr und Singer aus Innsbruck leiteten dieselben. Der greise Fürstbischof begann in eigner Person die heilige Feier, segnend die mit ihm in Christus dem Herrn versammelten Söhne, und hcrabrufend über sie die Gnade des heiligen Geistes. Gut gewählt und tief ergreifend waren die Vorträge der P. P. Jesuiten, und die Anwesenheit des Oberhirtcn steigerte den Eifer der Zuhörer. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.