,IN»D 5t,iK ^ <^ 1> 5»HS - Dei/., d»r ^ Augsvurgev Iweite Jahreshälfte. Postzeitmtg. U» s Oct. Au dem Leben des hochwürdigften Bischofs von Munster^ Caspar Maximilian, Neichsfreiherrn Droste zu Vischering. (Schluß.) Zwar niedergeschlagen über die traurigen politischen und kirchlichen Verhältnisse, aber mit festem Vertrauen auf Gott, der seine Kirche wohl prüfte, aber nie verläßt, kehrte Caspar Maximilian von Paris nach Münster zurück. Doch noch zwei Jahre harter Prüfung mußten vergehen, noch erst viele kirchliche Institute und Stiftungen heiliger und frommer Männer fallen, da erhörte Gott die Gebete für das unterdrückte Vaterland; auf dem Schlachtftlde bei Leipzig wurde im October 1813 Deutschlands Befreiung erfochten. Die Nachricht von dem großen Siege verbreitete sich schnell durch das ganze Land und rief überall die größte Freude hervor, feierliche Dankfefte wurden in allen Kirchen begangen. Wie der Herr die frommen Gebete der für die gerechte Sache Kämpfcnden erhörte und wie die Sieger Gott die Ehre gegeben, das legte der hochwürdige Weihbischof der Bürgcrwacht^ Mannschaft von Münster, als er die ihr von des Königs Majestät geschenkten Fahnen am 17. October 1815, am Tage vor wr Erbhuldigung, aus dem Domhvfe stierlich einweihete, nachdrücklich ans Herz, und ermähnte sie zum unumschränkten Vertrauen auf die allwaltende Vorsehung und zur unverbrüchlichen Treue gegen den König. Caspar Maximilian stellte in den kriegerischen Unruhen seine Reisen zur Ertheilung des heil. Sacramcnts der Firmung nicht ein, vielmehr besuchte er auch während derselben nicht allein einzelne Psarren der Diöccse Münster, sondern auch der Erz-- diöccse Köln. Als aber der allgemeine Friede wieder hergestellt war, konnte er seinem Eifer, für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen zu wirken, ungestörter nachkommen. Am 26. August 1816 trat er eine große apostolische Reise an ia die Erzdiöccsc Köln und bcsuchte die ganze Rhcingcgcnd bis an die Gränzen der Niederlande. Mehrere tausend Familien strömten ihm in feierlichen Processionen entgegen, und baten für sich und ihre Kinder um das heil. Sacramcnt der Firmung, In Gladbach wurden allein m fünf Tagen 24,437, und während dieser Reise vom 27. August 1816 bis 4. Februar 1817 im Ganzen 328,597 Gläubige gefilmt. Er ertheilte auch vielen Candidaten des geistlichen Standes in dieser Zeit die heiligen Weihen; in der Domkirchc zu Köln wurden allein 63 Priester gcwcihet und 109 erhielten die andern heil. Weihen. Doch nicht allein in Köln, sondern auch in den Kirchen zu Düsseldorf, Bonn, Koblenz, Dürcn, Malme dy, Aachen und mehrerer anderer Städte spendete er das hl. Sacramcnt der Priesterweihe und zwar nicht bloß Kandidaten aus der genannten Erzdiöccsc, sondern auch aus dcn Diöcescn Trier und Lüttich und der Holländischen Mission; überhaupt wurden 97 Priester gcwcihet, und 316 empfingen die andern Weihen zum geistlicbcn Stande. Caspar Maximilian wirkte bis zum Jahre 1325 im Erzbisthum Köln als Weihbischof, eben so auch für dic Katholiken in Holland bis zum Jahre 1833. Mehr als einmal bcsuchte er die weite Erzdiöccse, in den Jahren 1822 und 1823 sogar jährlich zwei Mal; 1822 weihte er auch die Kirche zu Bcnrath bet Düsseldorf ein. In Münster war um diese Zeit die Zahl der zu Weihenden bei jeder Ordination sehr groß; alle junge Geistlichen aus den Niederlanden kamen bis zum Jahre 1833 zu diesem Zwecke dahin, eben so auch viele aus der Diöccse Osnabrück, so daß an einem Tage wohl 290 und darüber die heiligen Weihen empfingen. Caspar Maximilian hat im Ganzen mehr als einer Million Katholiken die hl. Firmung, und 3173 Diaconen die heil. Priesterweihe ertheilt, der andern Weihen, deren Zahl mlhr als das dreifache beträgt, nicht zu gedenken. Mehrcrc der von ihm gewcihctcn Priester sind in der Folge auf bischöfliche Stühle berufen worden, z. B. der verstorbene Erzbischof von Köln, Ferdinand August Graf von Spiegel, der jetzige Erzbischof, Clemens August, Freiherr von Droste, der Bischof von Lüttich, Cornelius van Bommel, der Bischof von Paderborn, Franz Drcpper, der Weihbischvf und apostolische Vicar von Osnabrück, Carl Anton Lüpkc. Zudem hat unser hochwürdigster Bischof das gewiß seltene Glück gehabt fünf Bischöfen, Joseph von Hommcr, Bischof von Trier, Richard Dammers, Bischof von Tibcrias und Weihbischof, nachher Bischof von Paderborn, Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, Bischof von Calama und Weihbischos von Münster, nachhcriger Erzbischof von Köln, Baron van Wykersloth, Bischof von Curlum und Weihbischvf von Holland, und Franz Arnold Mclchers, Bischof von Hebron nnd Wcihbischvf von Münster, die Consecration, dein 'Abte Karl ron Kerscnbrock zu Licsborn und dem Prior Eugen im Tra- pistenkloster zu Klein-Burloe die Bcncdiction zu ertheilen. So kann mit Recht von dem würdigen Jubelgreise gesagt werden, was Paulinus vom heil. Ambrosius von Mailand erzählt: daß er allein mehr gesinnt und gcwcihet habe, als fünf seiner Nachfolger. Aber nicht allein die Tausende, denen er in Deutschland und den Niederlanden die Hände aufgelegt, sind Zeugen seiner apostolischen Thätiqkcit, und bewahren Dankbar sein Andenken, sondern auch viele Kirchen und Altäre, die er am Rhcine und in Westfalen geweiht hat, erinnern an sein langes gesegnetes bischöfliches Wirken. In der Diöcesc Münster fuhr er auch nach der Wiederbe- sctznng des bischöflichen Stuhles, welche nach einer beinahe zwanzigjährigen Erledigung am 7. Juli 1321 erfolgte, wie bisher fort, alle bischöflichen Functioncn allein zu verrichten, und vollends als der neue Bischof, Freiherr Ferdinand von Lüning nicht lange nach seinem Antritte von einer schleichenden Krankheit befallen wurde. Dieser muszte als sich seine Gesundhcits-Umstände täglich verschlimmerten, ,'m Octobcr des genannten Jahres ans Anrathen der Aerzte alle Geschäfte aufgeben; er verließ Münster, um es nie wieder zu sehen, und begab sich auf das Gut Ahsen in der Nähe von Soest, zu seinem Schwager, um hier Erholung von frühern Anstrengungen zu suchen. Bald darauf reiste er nach dem ihm so theuern Corvey, das er einst als Bischof und Fürst regierte, und beschloß hier den trüben Abend seines Lebens. Er starb am 1!). März 1825 und wurde am 22. beerdigt. Unter der Regierung des Bischofs Lüning war die Divccse Münster in Folge der Circumscriptions-Bulle vom 16. Juli 1821 bedeutend vergrößert worden, indem das Best Rcckling Hausen, früher zur Erzdiöccsc Köln gehörig, das mit der nunmehr aufgehobenen Diöcesc Aachen verbunden gewesene Herzogthum Eleve, die dem Weihbischofe von Osnabrück untergeordnet gewesene Grafschaft Oberlingcn und die von den nordischen Missionen getrennte Psarrc zu Oldenburg damit vereinigt wurden. Es hatte auch unterdessen das Domcapitel zu Münster das Recht der freien Wahl der Bischöse wieder erhalten, und machte hiervon jetzt zum ersten Male Gebrauch. Die Augen vieler waren auf den langjährigen würdigen Weihbischof gerichtet der bei der Einrichtung des neuen DomcapitelS im Jahre 1823 zum Dechant desselben ernannt war, und dadurch Gelegenheit gefunden hatte die Feier des Gottesdienstes im Dome dessen er sich immer mit Eifer angenommen noch mehr zu fördern. Die Wahl war auf den 15. Juni 1825 festgesetzt; die Feierlichkeiten dazu begannen am 12. mit einem dreizchnstündigcn Gebete, „damit der Herr, der die Herzen Aller kennt," sagt das hochwürdige Domcapitel in seinem Pastoral-Schreiben, „uns zeigen wolle, wen er erwählt habe." (Apostclgcsch. 1, 24.) Die Geistlichkeit der einzelnen Pfarren von zahlreichen Schaarcn Andächtiger aus allen Ständen begleitet, so wie die Schüler des Gymnasiums, die Studirenden der Akademie und die Alumnen des bischöflichen Seminars begaben sich abwechselnd in feierlichen Proccssioncn zur Domkirche, um von Gott die Gnade zu erflehen, daß die Wahl auf ein würdiges, das Wohl der Diöcesc und das Seelenheil seiner Untergebenen wahrhaft förderndes Oberhaupt fallen möge. Sowohl an diesem als am Tage der Wahl selbst hielt der Weihbischof die feierliche heilige Geist- Messe. Die Wahl ging am genannten Tage nach kirchlicher Regel! vor sich, und gegen 11'/^ Uhr Morgens wurde dem königl. Bevollmächtigten, Grasen von Merveldt, durch eine Deputation^ des DomcapitelS gemeldet, daß dieselbe zu Stande gekommen, worauf sich dieser ins Capitclhaus begab, vor dem versammelten Capitel Namens seiner Majestät des Königs die Wahl genehmigte und Caspar Maximilian als gewählten Bischof begrüßte. Nachdem die Wahl der im Chöre harrenden Geistlichkeit bekannt gemacht war, verkündigte der Domcapitular und Professor Brockmann dieselbe den in der Kirche zahlreich versammelten Bewohner Münsters, worauf ein dreimaliges Lebehoch unter den Gewölben der altehrwürdigcn Cathcdrale wiederhallte und die Freude der über die getroffene Wahl laut bekundete. Als Papst Leo Xll. diese durch eine Bulle vom 19. December 1825 nicht allein bestätigt, sondern auch durch zwei Sendschreiben vom nämlichen Tage der ganzen Geistlichkeit und sämmtlichen Einwohnern der Stadt und Diöccse Münster Caspar Maximilian als ihren Bischof verkündigt und sie zur Treue und zum Gehorsam gegen den neuen Oberhirten ermähnt hatte, wurde er am 4. April 1826, am Tage des heil. Ambrosius, als der dreiundsechzigstc Nachfolger des heil. Ludgerus feierlich inthronisirt. Mit jenem unerschütterlichen Vertrauen auf Gott, das ihn stets auch in den schwierigsten Zeiten beseelt hatte und voll von heiligem Eifer, trat er in sein hl. Amt ein. „Vereinigt eure Gebete mit den unsrigcn," schreibt er an die Diöcesanen, „damit Gott Unsern Bemühungen zu Seiner Ehre und zum Heile der Uns anvertrauten Heerdc Seinen Segen verleihe." Durch langjährige Erfahrung war er mit allen Verhältnissen der Diöcesc innig vertraut geworden und er konnte daher mit vollem Rechte in seinem am Tage der Inthronisation an die Geistlichkeit erlassenen Hirtenbriefe sagen: „Das Amt eines Weihbischofes haben Wir dreißig Jahre hindurch verwaltet und den Meisten von euch durch die Auflegung Unserer Hände die heiligen Weihen ertheilt; euch alle kennen Wir, zugleich sind Wir aber auch euch allen bekannt." Und so war es; ein inniges vertrauliches Verhältniß bestand zwischen dem Bischöfe und der ganzen Geistlichkeit der Diöcesc, und wurde ferner unterhalten, ein Verhältniß wie das des Vaters zn seinen Kindern. Alle Geistlichen besuchen den Bischof, wenn sie zur Hauptstadt kommen, und werden von ihm auf das freundlichste ausgenommen. Bei den Visitationsreisen, welche der eifrige Oberhirt fast jährlich unternahm, verkehrte er stets mit Pfarrern und übrigen Geistlichen nicht als Vorgesetzter, sondern als väterlicher Freund, er erkundigte sich mit der größten Theilnahme nach allen Verhältnissen, ermunterte und mahnte liebevoll zu einem hl. Eifer und cö war wahrhaft rührend, wenn er beim Abschiede, wenn auch nicht auf ein diesseitiges, doch gewiß auf ein jenseitiges frohes Wiedersehen vertröstete. Dagegen wurde er auch nicht allein von der ganzen Geistlichkeit, sondern auch von den Laien innig geliebt und hochgeehrt. Auf allen seinen Visitationsreiscn, welchen Theil der Diöcesc sie auch immer berühren mochten, wurde er immer mit Herzlichkeit und unter großen Ehrenbezeugungen von den Bürgern und Landbewohnern empfangen und gleichsam im Triumphzuge von Ort zu Ort begleitet. Uebcrall strömten Tau« sende zusammen, um den geliebten Obcrhirtcn zu sehen, ihm ihre Anhänglichkeit und Verehrung zu beweisen und seinen Segen zu empfangen; man hatte nicht allein die Kirchen und die Ocrtcr, welche er besuchte, sondern auch die Wege, durch welche er kam, festlich geschmücket. In den Jahren 1837 und 1833 wurde er von körperlichen Leisen schwer heimgesucht und konnte längere j Zeit hindurch seinen Amtsfunctionen sich nicht unterziehen. Man I hegte allenthalben Bcsorgniß um den verehrten Obcrhirtcn, groß !war daher Die Freude, als er zum ersten Male wieder im Dome ^beim feierlichen Gottesdienste erschien. Der Empfang auf seiner ersten Reise nach dieser Krankheit, im Jahre 1839, war überall festlicher als je; die eine Pfarre wetteiferte mit der andern, dem ehrwürdigen Greise ihre Liebe zu erweisen und ihre Treue gegen die katholische Kirche an den Tag zu legen. Auch die Landleute aus der Umgegend von Münster suchten, als er von der Reise zurückkehrte, diese Gelegenheit zu benutzen, ihre Verehrung gegen ihn öffentlich zu zeigen, sie empfingen den verehrten Oberhirten eine Stunde vor Münster und begleiteten ihn in großer Anzahl zu Pferde bis zu seiner Residenz. Und welche frohe Bewegung war nicht, als der Hochwürdigste Bischof am 13. Juli 1343 sein fünfzigjähriges Priester-Jubiläum feierte! Es kamen nicht allein die Geistlichen aus allen Gegenden der Dioccse in großer Anzahl, sondern auch viele Laien, um dem allverehrten Jubilar Glück zu wünschen. Die Geistlichkeit widmete ihm als Ehrengeschenk ein Stammcapital zur Errichtung eines Convictes für solche Jünglinge, welche sich dem Studium der Theologie widmen wollen, und die Vertreter der Stadt Münster sprachen bei den verschiedenen zu Ehren des Obcrhirten angeordneten Festlichkeiten ihre Achtung und Liebe gegen ihn und ihre Anhänglichkeit an den katholischen Glauben mit Entschiedenheit und wahrer Begeisterung aus. Die Bewohner Münsters namentlich sesselte der hochw. Bischof schon in ihrer Jugend an sich; alle. Kinder nämlich besuchen U,n seit Jahren am Tage ihrer ersten hl. Communion, um seinen Segen zu erbitten. Der würdige Oberhirt, ein wahrer Jugendfreund, empfängt sie stets mit der größten Liebe, ertheilt ihnen freundliche Ermahnungen und schenkt ihnen zum Andenken ein Bild oder ein Gebetbuch. Diese Bücher und Bilder werden in vielen Familien sorgfältig aufbewahrt, und haben für sie als Andenken an einen der wichtigsten Tage des Lebens und als Geschenk des verehrten Oberhirten doppelten Werth. Was die Leitung der Diöcesan-Angelegenheiten angeht, so .ließ Caspar Maximilian diese in dem ruhigen und geregelten Gange, in den sein längst verstorbener großer Freund Fürsten- bcrg sie gebracht, und suchte dessen weise Einrichtungen in Beziehung auf Kirche und Schule in jeder Weise zu erhalten und zu fördern; er belästigte die Geistlichen nicht mit unnützen Schreibereien, und besordcrte nie übermäßige Bureau-Arbeiten, aber er vernachläßigte auch diese nicht, wohl wissend, daß auch die äußern Verhältnisse der Kirche namentlich die Vermögens-Verwaltung geregelt sein und bleiben müssen; er erließ zu diesem Ende am 1. September 1837 eine Verordnung wegen einer zweckmäßigen Geschäftsführung, und befahl darin allen Geistlichen und Rirchen- bcamten sich pünctlich hiernach zu richten, um sowohl die nothwendige Ordnung in den Geschäften bei der bischöflichen Nehörde, als bei jeder Pfarre und Kirche zu erhalten. Eine andere dahin zielende Verordnung wegen Ausnahme von Inventarien über die Archive bei den Kirchen und sonstigen geistlichen Anstalten wurde bereits am 17. Juli 1832 erlassen, und bezweckt neben der Erhaltung und Sicherung der Einnahmen und Gerechtsame dieser Anstalten auch die Aufklärung der Kirchen - und Landeögcschichtc. Indessen war ihm dieses immer nur eine, wenn gleich wichtige Nebensache, die Seelsorge dagegen, wie es die göttliche Sendung fordert, die Hauptsache. Fast die ganze Geistlichkeit wuchs unter seinen Augen auf; er hat sie nicht nur gesinnt, ihren Prüfungen beigewohnt und sie zu Priestern gcwcihet, sondern er besuchte sie auch von Zeit zu Zeit und beobachtete sie in ihrer Amtsthätigkeit. Durch Wort und That wies er sie bei jeder Gelegenheit auf ihren Berns hin, für das Seelenheil der Anvertrauten zu sorgen, und führte namentlich dicserhalb die Synödalreden wieder ein, in denen entweder er selbst oder andere bewährte Männer, jedoch immer in seiner Gegenwart, die Geistlichen auf ihre wic>,l^>.. > , ^>..,i merksam machten und zu einem wahrhaft priestcrlichcn Leben und Wirken mahnten. Die Seclsorgc lag ihm so ant Herzen, daß er alle Geistlichen, auch diejenigen, welche vermöge ihres VencficiumS nicht dazu verpflichtet waren, veranlaßte, so viel möglich daran Theil zu nehmen. Auch wurden unter seiner Regierung mehrere neue Pfarren errichtet und an vielen Orlcn das Pfarrwescn neu organisirt. Aus dem Eiser für die Seclsorgc ist das Interesse hervorgegangen, welches er immer für die mit der Kirche in enger Verbindung stehenden Schulen bewiesen; auf allen seinen VisttationS- reisen widmete er den Elementarschulen und Gymnasien seine besondere Aufmerksamkeit, er besuchte sie nicht bloß, sondern ließ auch Prüfungen abhalten, und cS machte ihm immer die größte Freude, wenn er Lehrern und Schülern seine Zufriedenheit mit ihren Leistungen bezeigen konnte. „Wir ermähnen euch, ihr Schullehrer und Schullehrcrinncn," spricht er in seinem an die Divccsancn gerichteten Hirtenbriefe vom 4. April 1826, „vergesset es nicht, daß euer Amt eines der allcrwichtigsten und ehrwürdigsten auf Erven ist! Nicht nur oberflächlich müsset ihr euch hieran erinnern, sondern ihr müsset die Würde und die Wichtigkeit eures Amtes oft wiederholt so beherzigen, daß ihr davon ganz durchdrungen und aufs neue zum Eifer und Fleiße, euer Amt treu zu verwalten, erwecket werdet." In demselben Briese crmahnt er auch die Eltern, auf jede mögliche Weise für guten Unterricht und gute Erziehung ihrer Kinder zu sorgen: „Diese, sagt er, werden ewig eure Freude und Ehrcnkronc seyn, wenn sie geworden sind, was sie seyn sollen." So sehr unser Hochwürdigstcr Bischof auch von jehcr gestrebt hat, im freundlichen Einverständnisse mit den Staatsbehörden die Interessen der Kirche zu fördern, so hat er doch dieser nie etwas vergeben, vielmehr deren Rechte sowohl in früheren Jahren als Archidiacvnus als später als Bischof immer gewahrt. Sein segensreiches Wirken für Kirche und Staat wurde von Sr. Majestät dem Könige dadurch anerkannt, daß ihm im Jahre 1840 der rothe Adler-Orden erster Classe verliehen wurve. Den Adler-Orden zweiter Classe hatte er schon im Jahre 1332 erhalten. Auch des Großhcrzogs von Oldenburg Königl. Hoheit ließ ihm bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Pricsterjubiläumö den Großhcrzoglich Oldcnburgischcn Haus- und Verdienst-Orden mit einem Glückwunschschreiben überreichen. Die höhere Weihe empfängt endlich das Wirken des allverehrten Obcrhirten durch sein würdevolles frommes pricstcrliches Leben. So lange cs scinc Gesundheit erlaubte, brachte er an allen Sonn- und Feiertagen im Dome das hl. Meßopfer dar, hielt an den höchsten Festen selbst das Hochamt, begleitete die Proccssionen und trug am heiligen Fronlcichnamötagc, so wie bei dcr großen Procession das heiligste Sacramcnt. Jetzt, da er dieses, wenn gleich ungern, seiner Kränklichkeit wegen unterlassen muß, sieht jmcm ihn dennoch oft an Sonn- und Feiertagen zur großen Er- I bauung der Diöcesancn im Dome beim öffentlichen Gottesdienste, j nicht allein des Morgens beim heiligen Opfer, sondern auch des Nachmittags bei der Predigt. Es ist in Westfalen, im Nhcin- lande und darüber hinaus allgemein bekannt, mit welcher Würde und innerer Andacht er stets alle geistlichen bischöflichen Functioncn zur Erbauung aller Anwcscndcn vcrrichtct, wie er hierbei keine Mühe und Anstrengung scheut, sondern immer unverdrossen und bereitwillig zur Ehre Gottes und zum Heile dcr Menschen ist. Noch in den letzten Jahren konnten ihn Altersschwäche und körperliche Leiden nicht abhalten, am heil. Psingstfcste im Dome zu Münster das hell. Sacramcnt der Firmung zu spenden. Es ist ein erhebender und rührender Anblick, wenn der ehrwürdige Hirt, gestützt auf die Arme der begleitenden Geistlichen zum Altare fast getragen wird und mancher erinnert sich beim Anblick des frommen Greises, des Jüngers der Liebe, der alt an Jahren aber jugendlich kräftig im Glauben und heiliger Liebe von seinen Schülern unter die Seinen sich tragen ließ, um nur die wenigen Worte zu sprechen: „Kindlcin liebet euch unter einander." Schließlich dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß Theilnahme, Mitleid und die großmüthigste Wohlthätigkeit gegen die Armen schöne Züge seines Charakters sind; er unterstützte nicht nur alle wohlthätigen Unternehmungen zu jeder Zeit auf das bereitwilligste und freigebigste, sondern linderte auch das Unglück vieler Familien und gab manchen Jünglingen von Talent die Mittel, sich den Wissenschaften widmen zu können. Die Mission zu Stamsried und ihre Früchte. (Kirchen;, s. d. k. Deutschland.) Die Väter Nedcmptoristen von Altötting hielten zu Stamsried in der Oberpfalz eine Mission ab. Sie fand vom 20. bis 27. Juli statt. Der Decan und Pfarrer von Stamsried, der Hochwürdige Herr NicolauS Märkl, hat nun einen Bericht über dieselbe und über ihre Wirkungen veröffentlicht. Im Eingang sagt der Berichterstatter: „Wie groß die Macht des religiösen Glaubens, und mit welch wunderbarer Kraft unv Salbung der vom heil. Alphons Liguori gestiftete Orden der Ncvemptoristen diese Macht zu entwickeln, und in den Gemüthern der Gläubigen den lebendigsten Bußsinn, die gottseligste Umwandlung zu bewirken vermag, zeigten die Missionen, welche die ehrwürdigen PP. Ne- demptoristcn aus Altötting während der letzten Monate Juli und August im Dccanat Roding, namentlich in den Pfarreien Roding, Waldcrbach, Stamsried, Zell unv Pcnting abgehalten haben." Dann fährt er also fort: „Referent beschränkt sich hier auf die Misston zu Stamsried, und verschob den Bericht, bis er von der Nachhaltigkeit der Früchte durch thatsächliche Beweise Ueberzeugung gewann. Der für das zeitliche und ewige Wohl seiner Unterthanen gewissenhaft besorgte und frommstnnige Gutsherr von Stamsried, der Königl. Staatsrath und Minister des Innern, Herr Karl von Abcl, war es, welcher die Initiative zu den hiesigen Missionen gab, und die bedeutenden kosten der Her- und Rückreise der PP. Nedcmptoristen bcstritt. Samstag den 19. Juli hielten die ehrwürdigen Patres zu Stamsried ihren Einzug, aus innigster Achtung begleitet von sämmtlichen Beamten des königl. Lanvgerichts Roding und Rentamts Waldcrbach, empfangen von sehnsüchtiger Liebe der hiesigen Einwohner. Herr P. Bruch mann, Rector der Versammlung vom Allerhciligstcr Erlöser zu Altötting (ein in religiöser, wissenschaftlicher und oratorischer Beziehung ausgezeichneter, vielseitig gebildeter, durch körperliche Vorzüge impvnircndcr Mann von ächt katholischer Orthodoxie) eröffnete am 20. Juli die Misston mit einer ergreifenden Rede, welche ans die versammelte Masse von mehr als 4000 Gläubigen den tiefsten Eindruck machte und durch die allgemeinste Rührung die Gemüther -für die Mission stimmte. Was nun während der acht Tage dieser Gnadcnzeit der seltene Verein dcr neun durch Frömmigkeit, Seelcncifer und Rednergabe hervorragenden Rcdcmptoristcn sowohl auf der Kanzel als auch im Beichtstühle leistete, gränzt an daö Unglaubliche, und war nur möglich durch den sichtbaren Beistand des göttlichen Geistes, der mit ihnen und durch sie wirkt. Von der frühesten Morgenstunde 5 Uhr bis Abends 7 Uhr hörten die Patres mit bcwundernswerther Geduld neun Tage hindurch die Beichten dcr Büßer, und erlaubten sich nur um Mittag eine kurze Stärkung durch ein einfaches Mahl. Sämmtliche Predigten wurden unter freiem Himmel vor einem festlich decorirtcn Altar auf dem großen Marktplatze gehalten. Täglich hielten die Missionäre drei, immer länger als eine Stunde dauernde Predigte», und an den drei Tagen der allgemeinen Cvm- munion in der Kirche noch drei besondere Vortrage, jedesmal vor, bei und nach dieser heiligen Handlung. Die unsäglichen Anstrengungen wurden noch erschwert durch die drückendste Sommerhitze, und obschon die Patres in der Gluth ihres Eifers vom Morgen bis zum späten Abend im eigentlichen Sinne vom Schweiß der apostolischen Arbeit träuften, so waren sie dabei doch immer des fröhlichsten und heitersten Sinnes, Gott dankend für die besondere Theilnahme und Bekehrung der Gläubigen, nur das Wort im Munde: „Alles Gott zur Ehre! Wenn dcr Herr nur unsere Arbeit segnet!" Wirklich sprach Gottcs Geist aus diesen Aposteln. Die Schriftstelle (Act. 4, 31.) erfüllte sich von Neuem: „Alle waren mit dem heil. Geiste erfüllt, nnd sie redeten das Wort Gottes mit Zuversicht." Die Wirkungen des göttlichen Geistes durch den Mund dieser Prediger waren außerordentlich. Was David sang (Ps. 103, 30.), bewährte sich hier: „Sende herab Deinen Geist, und sie werden neu geschaffen; umwandeln wirst Du die Gestalt der Erde." Ja, eine neue Umwandlung zeigte sich in den rührendsten Zügen. Der Unterricht über Beicht und Buße, über Ziel und Ende des Menschen, über Todsünde und Aergerniß, über die Fleisches- und Zungen-Sünden, über Tod, Gericht und Hölle erschütterten die Gemüther, zeigten dem Sünder den Abgrund seines Verderbens, und schreckten ihn auf zur ernstlichen Besinnung und Selbsterkenntnis;, zur redlichen Buße und Besserung. Als die tiefcindringliche predigt vom Gottesraube stattfand, und der Redner die versammelte Schaar von 15,000 Menschen zur Abbitte der Frevel vor dem Allerheilie-sten Sacramcnt in «iner, das Innerste erschütternden Weise aufrief, da stürzten die Tausende demüthig auf die Kniee, unter einem Thrcincnstromc schluchzend, ja bei der Steigerung des AffcctS laut wehklagend, so, daß die kräftigste Stimme des Predigers erstickt ward. O cs war eine feierliche, ergreifende Scene, bei welcher selbst dcr Ungläubige die Macht des Glaubens erkennen muß; da wurde das Felsenhcrz weich, und auch der verstockteste Sünder ward ernst und zitterte. In allen Gemüthern war bei der Kreuzprcvigt der neue Bund mit Gort durch den Erlöser am Kreuze geschlossen, und die Gelübde der Besserung schallten bei dem fragenden Aufruf des Predigers aus tausend und tausend Zungen mit dem lauten, von Thränen besiegelten: „Ja, Ja, Ja," zu dem versöhnten Himmel empor. Die beruhigenden Predigten über Gottes Barmherzigkeit, über die Hilfe Mariens, über die Kraft des Gebetes und das Leiden Christi, gössen wieder den Balsam des Trostes in die zerknirschten, wunden Herzen. Die Schlußrede des P. Rector von der Beharrlichkeit im Guten setzte den vorigen Sieden die Krone auf, und befestigte in den Gläubigen den Vorsatz standhafter Besserung, welchen die Menge in lautem Schluchzen und Weinen kund gab. (Schluß folgt.) Verantwortlicher Redatteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.