5»SS - ^i/., «' .^M««M»«^ ^ V" / MO^^^l!^.7-///^ " ^/^^M Augsburger P-stzeitung. Iweite Jahre-Hälfte. ^ ^T. Bet. ^G^S. Die Mission zu Stamsried und ihre Früchte. ! (Schluß.) Wie bewunderungswürdig der unermüdliche Eifer der frommen Väter für das Seelenheil ihrer Mitbrüdcr, so erstaunlich war die ausharrende Geduld und Theilnahme der Gläubigen. Die Sorgen für das Zeitliche vergessend, nur noch um das Heil ihrer Seele bekümmert, verließen Alle ihre häuslichen Arbeiten, und strömten zu den Predigten und Gcneralbeichten. Die reifen Korn- Aehren riefen sehnsuchtig der Sichel: allein Niemand hatte noch einen andern Sinn, als an seiner Seele ewige Früchte zu ernten. Eltern und Kinder, Hausväter und Mütter, Knechte und Mägde, Gläubige aus allen Ständen strömten zu den Predigten, heißhungrig nach der Speise des göttlichen Wortes, die ihnen in neuer, kraftvoller besonderer Würze geboten ward. Die Menge der Andächtigen mehrte sich täglich, so daß an einig/n Tagen die Versammlung auf 15 —- 16,000 Menschen stieg; denn der Ruf von dem außerordentlichen Segen der Mission zog sowohl von den benachbarten Städten Cham, Ncunburg, Nötz zc. als auch von den weitesten, 6 Stunden entfernten Gegenden, selbst von Böhmen, Thcilnchmer herbei. Allenthalben und immer herrschte die größte, nicht durch den geringsten Vorfall gestörte Ruhe. Aus allen Gesichtern sah man nur andächtigen Ernst und die Spuren innerer Ergriffenheit. Zwei und drei Tage lang harrten die Andächtigen auf die Beichte in unglaublicher Geduld, und die Kirche war die ganze Nacht mit Büßern gefüllt, die entweder im Gebete verharrten, oder dort blieben, um den nächsten Morgen die Ersten an den Beichtstühlen zu stehen. O eS war biö zu Thränen rührend, wenn jeden Abend bei dem feierlichen Ertönen der großen Airchcn- glocke, welche eine Stunde nach dem Gebete „der Engel des Herrn" gezogen ward, in der Stille der Nacht der ganze Ort u>d alle Umgebung hinsank auf die Kniee, laut betend für die Bekehrung der Sünder. Da die PP. Nedcmptoristen nur die Beichten der Psarrgcnosscn annahmen, so wurden die zahllosen Fremden so viel möglich von den hiesigen Pfarrgeistlichen und von den zur freund liehen Aushilfe Hieher gekommenen Pciestern zur Beichte gehört. Es haben die meisten der Pfarre Angehörigen (wenige ausgenommen) Gcneralbeichten abgelegt, und die Zahl der Communiccmten mit Einschluß der Fremden beträgt gegen 5l)öl). Den regen Vußgeist, und die frischen Vorsätze der Besserung suchte unser Hvchwürdigstcr Herr Bischof Valentin zu befestigen, welcher Sonntags Den 27. Ju!i nach Stamsried kam, und die versammelten Diöccsancn in einer eben so k> ästigen als väterlichen, ge- müthvollen Rede zur Bewahrung der MissionS - Gnaden, zur Stcmdhaftigkcit im Guten, zum Ausharren bis ans Ende ermunterte. Die Wirkungen der Mission sind wunderbar. Vieljährige Adultericn und concubinarische Verhältnisse sind aufgegeben; ungerechtes Gut wird in den Pfarrhof gebracht, zur Zurückgabe an die Eigenthümer; die bittersten Feinde bieten sich die Hand, und langjährige Processe heben die Gegner auf. Fluchwortc und schmutzige Gespräche, Zottenlicder werden von den Guten gehindert. Bußgcist, GebctSliebc, andächtige Stille während dcö kirchlichen Gottesdienstes, Nächstenliebe, bescheidener und ruhiger Sinn, Mäßigkeit und Milde sinv in rührenden Zügen sichtbar. Die ledigen Leute vereinigen sich zu einem Tugendbunde; die Büßer stehen an Sonn- und Feiertagen gedrängt an den Beichtstühlen, und die Andächtigen halten an diesen Tagen in der Pfarrkirche Betstunden biö zum späten Abend. In den Gasthäusern herrscht Ruhe nnd Ordnung und sie sind geleert um die gesetzliche Stunde. Seit der Mission hielt kein Wirth mehr eine Tanzmusik. Diese wohlthätige Umwandlung, diese Beruhigung des mit Gott ausgesöhnten Gemüthes, diesen innern Hünmclsfriedcn anerkennend, und in seiner Süße suhlend, war das ganze Volk auch cntglüht vom Dank gegen ihre geistigen Wohlthäter. Wie Kinder von einem geliebten Vater, so trennten sich die Beichtkinder von den lieb gewordenen Vätern unter Schmerz und Thränen. Der heiße, aufrichtige Dank drückte sich aus in festlichen Triumphbögen, durch welche die Scheidenden den Sieg über die bekehrten Herzen erkennen sollten, durch Blumenguirlanden, womit man ihre Neisewägcn schmückte, durch Blätter und Blumen, womit man ihre Pfade bestreute, durch Anreden und Gesänge der Jugend, durch die rührendsten, unter schmerzlichem Schluchze», die Luft erschütternden Rufe der tausend Zungen: „Vergelt Gott Alles tausendmal!" — Unter diesem Rufe begleitete das Volk die Scheidenden weithin, und konnte sich kaum von den Priestern trennen, die ihm so viel Gutes thaten. Noch immer füllen sich die Augen der Gläubigen mit Thränen, wenn die Pfarrgcistlichen zur Bewahrung dcr Missionsfrüchte bei ihren öffentlichen Vorträgt» cm die Bußpredigten dcr Mission, und an die Gelübde dcr Besserung erinnern. O möchten die erfreulichen Früchte — durch standhafte Beharrlichkeit der Gebesserten — Segen für die ganze Umgegend bleiben!! — Ocftere Renovationen dürften dcr Mission die nachhaltige Wirksamkeit sichern. Die geistlichen Orden unserer Tage fördern so mächtig als ersprießlich mit ihrer rühmlichen Wirksamkeit das geistige und religiöse Wohl des Volkes; allein der Orden der PP. Ncdcmpto- risten scheint in nnscrer frivolen Zeit besonders von Gott berufen, den ticfgcsuukencn Glauben aufzurichten, und das in sinnliche Lüste und Genüsse versunkene Volk zur bußfertigen Sinnesänderung und zu christlicher Sclbstvcrläugnung zu erheben. Wahrlich die katholische Kirche feierte in den Missionen unsrer Gegend herrliche Triumphe durch die sonderbare Macht des Glaubens. Wer hierüber anders urtheilen oder die innere heilige Kraft dcr Mission bezweifeln möchte, versuche es selbst zu seiner Heilung, die Geistes ^ Übungen einer solchen Mission mitzumachen. Das innere Leben in Gott und Christus, die hicdurch bewirkte Besserung der äußeren Sitten wurde gewiß das Eigenthum jimer Gemeinde werden, wo cS den PP. Rcdcmptoristcn gegönnt ist, auszustreuen den Segen ihrer Mission, an die Gott augenscheinlich seine Gnaden heftet. Wo die Mission nichts mehr fruchtet, hat die alte Schlange ihren Thron aufgeschlagen. Die Macht des Glaubens und Gebetes. (Schluß.) Gleichzeitig war Giovanna durch den berühmten Jesuiten Alberto Albcrti in Italien thätig, der ein zartes, von aller Eitel' keit freies Wesen mit erstaunungSwürdigcm Reichthum von Gelehrsamkeit verband. Alberto nahm sich der Giovanna an, als sie arm und hilflos in dcr Welt lebte. Er sah sie selten, aber stand in fortwährendem Briefwechsel mit ihr, als sein Wirken unermeßlich weit aufgriff, wie andere Menschen es kaum möglich finden können. Während er durch alle größern Städte Italiens zog als eifernder Prediger, in Graubündcn und Valtclin gegen die nach Italien vordringcnde Irrlehre mit dcr größtcn Gefahr seines Lebens, und unzählige Werke religiösen Inhalts auf Befehl dcr Bischöfe im Puncte ihrer Ncchtglänbigkeit prüfte, schrieb er noch selbst viele und bändcreichc Bücher der verschiedensten Art; so daß seine Vielseitigkeit und GeschäftSgcwandthcit gleich sehr bewundert wurde. Mit den großartigen Ansichten dcr Giovanna vollkommen einverstanden, von ihrem Geiste getragen, durch ihre F!ammen- briesc cntzündct, ging er ganz in ihre resormircnden Bestrebungen ctn, und vernichtete in der Lombardie die Anhaltspunctc dcr Protestanten zur Verbreitung ihrer Lehre durch die Verbesserung der verdorbenen Sitten. Insbesondere reformirte er den abenteuerlichen Geschmack der Prediger in Italien, ihn zurückführend ans die natürliche Einfachheit des Styles und Vertrages ganz im Geiste seiner Freundin, die selbst so laut und so nachdrücklich gegen diese Prcdigcrunfugc geeifert. Er schrieb ein eigenes Werk gegen die Asterzicr dcr italienischen Frauen, welche schon der verkannte Bar- tholomco Saluzzo als Hciuptrcizmittel der Wollust so erschütternd und mächtig angegriffen hatte. Er vertheidigte seinen Orden, den der bekannte Kaspar Scioppius, ein Anhänger der herrschenden Irrlehre, als staatcnzerstörcnd angegriffen hatte, so nnwivcrsprech- lich, daß dcr letztere aus Gram über seine Niederlage starb. Die Wechselbeziehungen zwischen Giovanna und Albcrto bildeten sich bis in die kleinste Einzelnheit des Lebens aus, und bestätigten oft überraschend die Macht des Geisterbundes, die beide zum Kampfe für die Wahrheit in der Trunkenheit heiliger Gottcsliebe verband. So lebte er zum Beispiel zur Pest in Cremona gerade so wie Giovanna in Rovcrcdo. „Ich bin unendlich fröhlich," schrieb er aus dcr pesterfüllten Stadt an seinen Bruder, „und ganz trunken -von meinem Gott. Die Pest ist meine Vertraute geworden, ich denke nicht einmal an ihre Gefährlichkeit. Ich bin so sorglos, so heiter im Geiste als befände ich mich in der gesunden Sicherheit eines Landhauses zur Unterhaltung. Und doch erdrückt mich dcr tägliche Beichtstuhl fast, ich laufe Tag und Nacht den Kranken nach, ich bettle für die Armen von der eine» Thür znr andern, um besonders die unglücklichen Mädchen, früher schändlichem Gewerbe verfallen, in eigenen Schutzhä'usern unterzubringen. Meine Zelle ist ein Trödlcrladen voll zusammengebettelter Kleidung für die Armen!" So stand das schwache Weib in Südtirol zwischen Gallas und Alberto in der Mitte, die crusrcgende, belebende, rathende Geistes- und Gotteökraft, mit der Hand des einen die irrlehrige Schwedenhilfe niederschmetternd, mit dem Geiste des andern Ober- Italien allem Herandrängen der Irrlehre verschließend, beide vereinend in den Flammen ihrer gottgeborncn Andacht, in Deutschland die Stifter und Vertheidiger des LutherthumS entmuthigend, in Italien die Franzosen und Schweizer, ihre unnatürlichen Helfershelfer und Verbündeten, bekämpfend , dadurch die Lebensverbindung zwischen der deutschen und italienischen Nation in Gott und Kirche erhaltend. Alberto überlebte die Giovanna um drei Jahre, er starb nämlich in Rom 1676 am 3. Mai. Sein Abscheiden stellte abermals jenes überraschende Zusammentreffen dcr Zeitumständc heraus, die wir so oft an diesem hochgestellten verzückten Betern und Beterinnen zu bemerken Gelegenheit haben. Sie wurden nämlich größtcnthcils im Frühlinge der Erde entrückt, im Dufte dcr Erdenblüthe hinüberschlummcrnd in den ewigen Gcifterfrühling, der schon auf dieser Welt so mächtig in ihren Seelen getönt hatte. Sein Tod war sanft und leicht, wie ein Hereingreifcn dcr vorausgegangenen Freundin, um seine Seele zum Mitgenusse Gottes hinüber zu nehmen in die Sonne ewiger Klarheit. Der dreißigjährige Krieg war nun überstanden, er hätte die katholische Religion vernichten sollen, und siehe! die Religion war aus ihren eigenen Tiesen, durch den heiligen Geist, den keine Erdenmacht hemmen kann, wieder belebt, geläutert, entflammt worden. Für den Abfall vom Glaube» in Deutschland, für die Blutsaat des unmenschlichen Brudermordes trat reichliche Entschädigung ein durch die tiefere Innerlichkeit, Andacht und Sittcnrcin- heit der katholischen Länder, die durch die Geißel Gottcö gemahnt, durch die Begeisterung der Frommen fortgerissen, mit Herz und Leben dem Geiste dcr Kirche sich anschlössen, denkend, fühlend, wirkend in Eins, mit dieser Einheit dcr gegenüber wühlenden Zerrissenheit des Protestantismus vollkommen gewachsen. Dcr errungene, katholischcrseitö mit so viel Vorgefühl dcr Zukunft, mit so heißen Thränen hcrbeigcbetete Friede legte sich heilend auf alle Lebens- und Kirchenvcrhältnisse, und die Frommen wirkten mit dem Flammcncifcr ihrer gvticrfülltcn Brust fort am heiligen Werke dcr Wiedergeburt ihrer Hcimath in Glauben und Tugend. So insbesondere Giovanna in Tirol! Ihre Wirksamkeit hatte sie mit den ersten Staatsmännern, mit den höchsten Kirchcnfürstcn in heilsame Verbindung gebracht, und sie benutzte Dieselbe mit dcr gewissenhaftesten Sorgfalt znr Ausbreitung ihrer Grundsätze. Ihr Kloster in Noveredo wurde eine Wallfahrtsstätte, zu der Hohe und Geringe mit Andacht pilgerten, um sich Scelcntrost, Licht und Aufmunterung zur Tugend zu suchen, und wer nicht gehen konnte, suchte sie heim mit Briefen. Stundenlang lehrte sie im Sprachzimmer, mit Macht eindringend in die Gewissen, alle Bloßen aufdeckend', die Seelenwunden heilend. Ihr Heller Einblick in alle menschlichen Verhältnisse machte sie zum Gegenstände allgemeiner Bewunderung für die Guten, d.s Schreckens für die Bösen, zur Spruchbehörde für die Staatsmänner. In Innsbruck stand um diese Zeit Graf von Spaur an der Spitze der Negierung, und unter ihm Baron von Trojer, beide Männer von Auszeichnung, voll Gottesfurcht und Andacht. Sie unternahmen keine wichtige Angelegenheit ohne ihren Rath einzuholen, und konnten ihre Klugheit und Umsicht nicht genug loben. Kaiser Leopold 1. stand mit ihr in ununterbrochenem Briefwechsel, und verhandelte die wichtigsten Geschälte seines Hauses und seiner Länder nach ihren Rathschlägen. Ja! der berühmte Paul Hocher, erster Kanzler des Kaisers, mit ihr auf das innigste befreundet, nahm keinen Anstand, zu erklären: „Sie ist ohne allen Zweifel ein großes Weib! Es begegnet mir oft, daß ich sie über eine Staatsangelegenheit um Rath fragen muß. Sie gibt ihn aber so, daß ich und alle andern kaiserlichen Räthe meinen, das bloße Befolgen dieses Rathes sey schon cln und für sich so viel als die vorliegende Sache zu Grunde zu richten. Wird der Rath aber ausgeführt, so geht alles vortrefflich von Statten, und ich finde dann jedesmal, daß, wenn er nicht befolgt worden wäre, die Sache nothwendig hätte verloren gehen müssen!" Diese entschiedene Uebermacht ihres Urtheiles und Hellblickes unterwarf ihr die größten Geister in Deutschland und Italien, die demüthig von ihr Lehre und Unterricht annahmen. Die vorbeireisenvcn Gesandten, selbst von protestantischen Fürsten, legten ihr im Kloster zu Novercdo ihre Jnstructivnen vor, und ließen sich von ihr die beste Art der Ausführung dictiren. Alle damaligen Fürsten, geistliche und wellliche, besuchten sie und stärkten sich an ihrer Tugend und Weisheit. Die Masse von Briefen, die von allen Enten an sie einliefen, war ungeheuer aus allen europäischen Ländern, selbst von Ungarn, Siebenbürgen, Mähren, Polen, Nußland und Dänemark, in fast allen cnropäi- schen Sprachen, so daß sie eigene Dollmetschcr brauchte. Kein Brief blieb unbeantwortet, sie schrieb mit eigener Hand oft ganze Nächte, und ihr Secretär, Franz von Kles, ein Franciscancrmönch im Kloster zu Novercdo, berühmt durch seine äußerst zierliche Handschrift, hatte nebenbei vollauf zu thun, die übrigen nach ihrer Angabe in lateinischer Sprache zu beantworten. Selbst der gemeinste Schuster und Schneider von Stciermark, Kärnthen, Ärain, Neapel und Genua sand aus ihrer reichen LiebcSfülle eine fromme, rathende, aufmunternde Belehrung in der pünctlichsten Beantwortung seines oft äußerst schlecht und unleserlich geschriebenen Briefes. Kranke wurden heil durch ihr Gebet in weiter Ferne, verstockte Sünder auf einmal blitzähnlich gerührt, alle menschlichen Gcbrcchcn erleichtert. So hatte sie schon bei L-bzeiten eine so weit verbreitete Verehrung genossen, wie sie nur wahrhaft großen und heiligen Seelen zu Theil wird. Ganz Tirol war von ihrem Geiste durchdrungen, von ihren Worten erschüttert, durch ihr Leben im Glauben befestiget, und das Ausland hatte sich demüthig herangelassen, die Kraft der katholischen Frömmigkeit in den Gebirgen anzuerkennen. Das kirchliche Princip der Katholiken, in einem schwachen Weibe vnkörpert, war aufgewachsen wie das Scnf- körnlein, und beschattete als mächtiger Baum die umliegenden Länder. Diese Erscheinung wirkte mächtiger auf die Erhaltung der! katholischen Religion in Tirol, als der kalte Beweis, als jede Viclgeschäftigkcit irdischer Vorkehrung. Ihre Schriften, 15 Quartbände an der Zahl, ewig das eine Thema der Liebe Gottes behandelnd, mit einem Aufwande von Geist und Kraft, die kein zweites Mal in solchen Verhältnissen erscheinen möchten, siele» wie ausfahrende Blitze ins Leben der Gesellschaft, die allbedächtige Ver- stanreSopcration in ihre Schranken zurückweisend, die Schlcußcn des christlichen Gemüthes öffnend, am wirksamsten verdammend das kaltrauscheude Gewässer der Irrlehre. Am Palmsonntage 1673 erfolgte ihr Hinscheiden, welches mit dem Geläute aller Glocke» i» Novercdo angekündigt wurde. Das Bisthums-Jubiläum inMichstädt. Der Katholik bringt nachstehenden vom 14. Sept. datirtcn Artikel, der als Ergänzung unserer eigenen Berichte auch von den Lesern dieser Blätter gerne gelesen werden wird. Heute gehen unsere Festlichkeiten zu Ende. Das herrlichste Wetter begünstigte uns fortwährend, so wie auch uicht die geringste polizeiliche Störung die heilige Stimmung des Ganzen getrübt hat. Mit jedem Tage nahm die Zahl der Waller zu, cS wurde zur reinen Unmöglichkeit daß die Kirchen der Stadt sie aufnehmen, oder daß die obwohl große Zahl unablässig thätiger Priester ihren frommen Bedürfnissen ginüge» konnte. Der Zudrang zu den Beichtstühlen war so groß, daß die Beichtväter selbst nur mit Mühe zu ihren Plätzen gelangen konnten, auf welchen sie dann vom grauen Morgen bis in die späte Nacht verbleiben mußten. Um Mitternacht hat man noch Beichte gehört, und um drei Uhr in der Frühe waren 'schon die Straßen mit Menschen gefüllt und die Kirche» besetzt; so ging es zunehmend bis zum Schluhtagc, der dann Alles übertraf: 12l) Priester saßen zu gleicher Zeit Beichte und konnten bei Weitem nicht zureichen. Um sechs Uhr Abends waren die Leute oft noch nüchtern und empfingen die heilige Commuuion. Bis jetzt ist auch eine approximative Angabe der anwesenden Pilger noch unmöglich. Indessen hat man die nöthigen Erkundigungen begonnen und wird ihr Resultat nebst den Predigten der Hochwür- digsten Bischöfe als willkommenes Andenken für alle Anwesenden der Oeffentlichkeit übergeben. Ohne uns mit der Nennung der einzelnen mehr oder minder bedeutenden Frcmdc» zu befassen bemerken wir nur, daß auch der königliche Regierungspräsident von Anobach, Freiherr von Andrian, eingetroffen war und an den kirchlichen Feierlichkeiten Antheil genommen hat. Der Herr Präsident hatte sich bei dieser Gelegenheit der größten Auszeichnung und des freundlichsten Willkommens von Seiten aller hier anwesenden Prälaten zn erfreuen. Am Freitage predigte der Hochwürdigste Bischof von Würzburg, und sprach über das zu dieser Feier so passende Thema der Fortdauer des Lehr- und Pricsteramtes in der katholischen Kirchc, und obwohl seine ohnehin nicht starke Stimme bei der ungeheueren Mcnschcmnassc die wcitcn Räume des DomeS nicht zu durchdringen vermochte, so predigte doch sein würdiges Erscheinen und die mehr dem Himmel als der Erde angehörende Gestalt gleich einem in die Versammlung nicdergcsticgcnc» Engel. Am Samstage predigte der Abt des Klosters Scheuern, er hielt den Panegyricuö auf seinen Ordcnsgcnosscn den heiligen Willibald und zeigte, wie derselbe dem evangelischen Gebote in seinem Leben und in der Führung seines bischöflichen Amtes nachgekommen sey und wie jeder Christ, besonders aber die Bewohner EichstädtS, einem so rühmlichen Beispiele nach Maßgabe der jedem Einzelnen angewiesenen Sphäre nachzukommen hätten. Eine ungchcurre Wirkung machte in diesen acht Tagen die Mission der Nedemptoristen, die wahre Männer des Volkes sind und durch ihre Predigten Außerordentliches leisteten. So wirkte nach der weißen Anordnung des Hochwürdigstcn Bischofs von Eichstädt Alles zusammen, um diese Tage zu einer wahren Jubelfeier zu machen und Manchen, die vielleicht Jahre lang in bedrängtem Gewissen dahin gelebt, mit cinemmale die Fesseln der Sünde zu nehmen. Die bischöflichen Hochämter und alle Pracht im Dome fesselten die Gemüther und faßten das Herz des Menschen von der sinnlichen Außenseite, die Proccssionen und alle die Menschcnzügc, die aus weiter Ferne herbeiströmten, brachten eine eigene Stimmung der Religiosität und der Verpflichtung zu geistiger und nicht bloß äußerlicher Fcsithcilnahmc hervor, die Predigten endlich erschütterten die Seele und führten sie und hoben sie aus dem weltlichen Taumel mit cinemmale zu den Wahrheiten der Ewigkeit, und es war kein Frieden und keine Ruhe mehr, bevor nicht Jeder seine Last in der Beichte zu den Füßen des Priesters niedergelegt halte. Die acht Väter der Redemvtoristcn, unter welchen sich auch Pater HugueS, der llebcrselzer der Werke des heiligen AlphonS befand, wechselte» in den Predigten so ab, daß Jeden die seiner Individualität am meisten entsprechenden Gegenstände trafen. Hohe und Niedere nahmen an den Vorträgen unausgesetzten Antheil; selbst aus dem Augsburgischen waren ganze Gemeinden gekommen, eben so aus Württemberg. Nachdem am Sonntag Morgen der Bischof von Eichstävt die Schlußprcdigt in der Domkirche gehalten un.d in der wärmsten Begeisterung zur Bewahrung der nun gewonnenen Früchte angefeuert hatte, hielt der Hochwürdigstc Bischof von Straßbur.z das letzte Pontisicalamt und am Nachmittag die Vesper, nach welcher die Schlußproccssion in derselben Ordnung, wie die zur Eröffnung, statt fand. Die beiligen Reliquien wurden von dem jlrcuzaltar, auf dem sie bisher ausgesetzt waren, erhoben und dann in die Stadt hinaus getragen, die während dieser acht Tage immer wie am ersten Tage geschmückt geblieben war. Dann wurden sie wüdcr in dem Dome auf dem Willibaldsaitare beigesetzt, wo sie eine große Marmvrurnc bis zum künftigen Jubiläum verschließt. Nach der Rückkunft wurde die Feier mit einem feierlichen 'I'o Ooum geschlossen, und — ein schlagender Beweis, daß die Feier nur religiöse Motive auch in den Einzelnen gehabt, — in der kurzen Zeit von einer halben Stunde schien die Stadt wie geleert, alle Fremden waren verschwunden und auf der Heimreise begriffe». Am Abende brachten die Bürger der Stadt Eichstädt ihren hohen und aus weiter Ferne gekommenen Gästen, den Bischöfen, vor dem bischöflichen Palais einen glänzenden Fackclzug. Der gauze Magistrat begleitete denselben und brachte im Namen Aller den Ausdruck seines Dankes. Die hiebci so wie während der übrigen Fcstzcit an den Tag gelegte noble Haltung aller Bewohner Eich- städtS fand bei allen Fremden die vollste Anerkennung. Wunderbar ist es, daß gerade am Schlüsse aller Feste der Himmel, der sich immer bisher heiter gehalten, überzogen wurde, und es sogleich heftig zu regnen begann. Montag Morgens kam noch das Domcapitel, um den Bischöf.n seine Aufwartung zn machen. Um Mittag hatten alle unsere Mauern verlassen. Wer weiß, wann solche Tage wieder über Eichstädt kommen!" Deutschland. Der Kirchcnztg. f. d. kath. Deutschland ^frühere Paß. k. K. Z.) wird auö der Diöccsc Regensburg geschrieben: „Auch im heurigen Jahre hat unser Hochwürdigstcr Herr Bischof Valentin für seinen Diöccsan-ZllcruS geistliche Uebungen und zwar wieder an drei verschiedenen Orten — zu Amberg vom 1. bis 6., zu Metten vom 15. bis 19., und zu Regensburg vom 29. Sept. bis 4. Oct. — abhalten lassen. So ist denn zum vicrten- mal seit dem Bisthums-Antritt des Hochwürdigsten Herrn Ordinarius die große Wohlthat einer solchen Geistes-Erneuerung seinem Klerus zu Theil geworden, in welcher nach dem Ausspruche des heiligen Franz von SalcS unser Inneres -— gleich einer Uhr — zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt werden soll. Viele Priester haben in jedem dieser 4 Jahre die ihnen dargebotene Gelegenheit hiezu benutzt, und es dürfte kaum mehr hundert Geistliche in unserer weitauSgcdehnten Diöcese geben, welche des Segens dieser Uebungen sich nicht theilhaftig gemacht hätten. Doch welcher Priester sollte auch hievon sich ausschließen, da unser Obcrhirt selbst hierin mit seinem Beispiele vorlcuchtct, indem er auch Heuer wieder in Metten an diesen Exercitien Theil genommen hat! Von Metten begab sich der Hochwürdigstc Herr Bischof nach Lamm, königlichen Landgerichts Kitzing, um die dortselbst am 29. Sept. stattgefunden«: Sccimdiz des wahrhaft Hochwürdigen Ortspfarrers und geistlichen Rathes Stephan Neinhold durch seine hohe Gegenwart und durch persönliche Abhaltung der Festpredigt zu verherrlichen. Möge der Herr diesem Priester-Veteran zum Lohne seiner ausgezeichneten Verdienste im Fach ver Scclsorgc die seltene Gnade verleihen, daß er nach 7 Jahren auch das Pfcirr-Jubilcium feiern könne; denn bereits 43 Jahre sind vorüber, seit dieser musterhafte Priester des Herrn vie Verwaltung der umfangreichen Pfarrei Lamm übernommen hat, der er noch immer in voller Rüstigkeit und Thätigkeit vorsteht! Von Lamm aus reiste Se. Bischöfliche Gnaden nach Reisbach, zur Enthüllungofcicr des Monumentes, das die Bürger NcisbachS, in Vereinigung mit mehreren anderen Menschenfreunden, den drei großen und edlen ReiS- bachcrn: Maximns von Jmhof, gewesenem Augustiner, Prior und Professor der Phvsik, Jgna; von Streber, Bischof von Birtha und Domprvbst zu München, Xaver von Schwcibl, Bischof von Rc- genSburg, gesetzt haben. Dasselbe besteht in einer von Stiglmayer gelungen gearbeiteten Marien-Säule, an deren oberem Sokel die Büsten der vvrbemcrktcn Männer, aus Erz gegossen, angebracht sind. Se. Bischöfliche Gnaden hielt ein Seclenamt für die Ruhe der drei Abgeschiedenen, denen diese Feier galt, und hierauf nach der Monuments. Enthüllung am Fnße desselben eine begeisternde Rede, worin der Verdienste jener edlen Nciebacher Erwähnung geschah, und zur eifrigen Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter und zur vertrauensvollen Anrufung ihrer Fürbitte mächtig aufgefordert wurde. Wohl gegen 109 Priester von Nahe und Ferne, selbst aus fremden Diöceseu, nahmen außer einigen weltlichen Beamten an dieser seltenen Feier Antheil, so wie an dem darauffolgenden gemeinschaftlichen Festessen, bei dessen Schlüsse der Hochwürdigste Oberhirt einen patriotischen Toast auf das Wohl Seiner Königlichen Majestät so wie des ganzen königlichen HauseS ausbrachte. Italien. Rom. Cardinal Patrizi, Generalvicar Seiner Heiligkeit, spendete am 17. August an einen 27jährigen Muselmann, Ibrahim Effcndi aus Scutari, und an einen 24jährigen Israeli ten, Joseph Namcr aus Konstcmtinopcl, die Sacramente der Taufe und der Firmung. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.