s 5 XV 5 » ss - M e! S, d e r a Attgsvttrger Iweite Jahreshälfte. M- I» Postzeitttng. SS. Oct. R84S Das Blut des heiligen Januarius. (Aus Hurtcrs „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.) Schon war in Rom die Reisegesellschaft nach Neapel gefunden, der Vertrag mit dem Bctturin bereits geschlossen, der Tag der Abfahrt festgesetzt, als die Fürstin Wolkonski mir bemerkte: „Sie kommen zur günstigen Stunde nach Neapel, Sie werden das Blut deS heiligen Januarius sehen, versäumen Sie doch nicht dieses Wunder." — Nun von dem Blut des heiligen Januarius hatte ich schon viel gelesen, und eben so viel von allen den Manipulationen, welche angewendet würden, um es zum Flußcn zu bringen. Dasz es noch zu andcrcr Zeit gezeigt werde, als wahrend der Octave stincs Festes, im September, das wußte ich nicht. Die Nachricht der Fürstin war mir daher sehr erwünscht. Ich ging somit, wie ich es nachher Jedermann erklärt hatte, nach Neapel, in Bezug auf diese Sache ohne Glauben und ohne Unglauben, aber doch in der Erwartung, irgend einer versteckten Vorkehrung zu begegnen, welche auch der genauesten Beobachtung sich zu entziehen wisse. Vorherrschend war allerdings der Wille zu sehen, ;n beobachten, und zwar, so es immer möglich wäre, genau zu sehen,, dabei vorgefaßte Meinung möglichst ferne zu halten. Stand hier die lange Erfahrung, so stand dort das Zeugniß so mancher Reiscbeschrciber, Beive gegenseitig sich ausmägcnd. Jedenfalls konnte ich mich am wenigs-cns von der Vermuthung losmachen, die Sache in ei» solches Helldunkel gehüllt zu finvcn, unter welchem dieselbe, bei allen zufällig darüber ziehenden Streiflichtern, immer noch in hergebrachtem Ansehen erhalten, demnach in vollkommen gleicher Berechtigung mit dem Glauben auch der Zweifel könnte geltend gemacht werden. Es war Samstag Nachmittags, den 4. Mai, als das Blut des heiligen Januarius m großer Procession ans der Domkirche nach der Kirche von St. Clara begleitet wurde, wohin schon am Vormittag das Haupt des Heiligen gebracht worden war. Bei den Empfehlungen, womit ich veischen war, und den Verwendungen meines Freundes und Landsmannes, des Herrn Abb<- Eichhol- zer, fiel es nicht schwer, innerhalb der Schranken um den Hochaltar meinen Platz zu finden. Zunächst, aber außerhalb derselbe,', fanden steh zwei Bänke, mit Weibern aus der uutern Volkeclasse angefüllt, welche in gellendem Ton aus voller Kehle unablässig schrieen. Wie widerwärtig anfangs die Sache mir schien, so überzeugte ich mich doch bald, daß sie mit dem Ave Maria, mit dem Vater unser, der Lauretanischen Litanei und ähnlichen Gebeten wechselten. Es waren diejenigen, welche, als Abstämmlinge von der Amme des heiligen Januarius, oder, wie Andere sagen, aus seinem Geschlecht, seit unfürdenklichcn Zeiten diesen Ehrenplatz und vaö Ehrcnrccht des schreienden Gebetes innc haben, und hierauf eben so stolz sind, als ein Adclichcr ans seine Ahnen, Titel und Bcsugmsse; daher sie auch jenes Recht mit gleicher Sorgfalt auf ihre Nachkommen zu verpflanzen beflissen sind. Gewiß kostet es nicht die geringste Anstrengung des Verstandes, darüber zu lachen daß die Betreffenden ans diesen Vorzug so großen Werth setzen, daß derselbe nur an Lazaroniwciber sich knüpft, daß sie dennoch viel darauf sich zu gute thun, ungeachtet er nicht mit dem Besitz materieller Güter vcrbnnden ist; ungeachtet er sich nicht, wie der Gewinn eines Fabrikhcrrn oder die Proccnte einer Elsrnbahn, in Zahlen darstellen läßt; ungeachtet er durch keine äußern Ehrenzeichen sich bemerklich macht; ungeachtet er nur auf die Kirche sich beschränkt, nur auf einen kirchlichen Glauben (oder mcinethalb Wahn) sich stützt. Meinem Gcsühl nach liegt etwas Rührendes in dieser innern Herzensfreude armer Weiber, ihre Herkunft von einer Person ableiten zu können, die in uralter Vorzeit in so naher Beziehung zu demjenigen sich befunden, der erst einer Gegend geistlicher Wohlthäter, hierauf todvcrachtcndcr Zeuge deS Glaubens, sodann Vermittler der höchsten Gnaden Gottes, endlich Gegenstand der Verehrung des ganzen Landes geworden ist. Der nüchterne verstand kann bier Abhandlungen denken, reden und schreiben, der flaebe Spott mag hier für schaale Witze seine» wohlgedüngten Boven finden; das Gemüth wird diesem, i» höherer Beziehung zuletzt glcichgiltigcn Gebrauch, immer eine anziehende Seite abgewinnen. Es mag draussn? Dämmernng gewesen seyn, als das Glockengeläute das Herannahen der Procession in die lichtstrahlcnde, mcn- schenvvlle Kirche ankündigte. Die lebensgroßen silbernen oder reich- vergoldeten, auch wohl mit Evclgesteinen besetzten Brustbildern von secheundvicrzig Heiligen zogen voran, vorüber dem Hochaltar, auf welchem die Ucberrcste deS Blutzeugen und Landesvcrtrcters in sein, von Diamanten, Smaragden und ähnlichen Evelgestcinen funkllndes Brustbild eingeschloss.n standen. Jeder der sich nahenden Heiligen "»------ wurde von den Weibern mit einem Gebet begrüßt und, je nachdem derselbe ihrem Herzen näher stand, ward das Schreien lauter und gellender, hatte es förmlich den Ausdruck, als wollten sie das Himmelreich mit Gewalt und Ungestüm an sich reißen. Aber auch hier bot sich mir alsbald die Bemerkung wieder dar, wie grundlos die Auschulvigung sey, als würde über den Geschöpfen der Schöpser, über den Erlösten der Erlöser, über den Heiligen der Quell der Heiligkeit vergessen; denn jedem den Heiligen gebrachten Lebehoch (als solches klang die Begrüßung) und dem 0ru pro nodiZ solgtc immer das (»loria ?stri vt Inlio et Kpiritui LanLto. Also auch hier dem Heiligen die Anerkennung, dem Dreimaleincn allein die Ehre! Endlich kam, in eine Art Monstranz eingefügt, das Fläsch- chcn mit dem Blut und wurde auf die Epistclseite des Altars gestellt. Ich drängte mich diesem so nahe, als möglich, und fand zwischen schaulustigen Gesichtern und foppenden Bocksbärten noch Raums genug, um dc» ganzen Hergang mit der genauesten Aufmerksamkeit zu beobachte». Anfangs wollte es mir als tadelns- werthc Nichtachtung des SchicklichkcitsgefühlS vorkommen, daß eine Handlung, die — wenigstens nach neapolitanisch-kirchlichen Begriffen — eine eminent religiöse seyn sollte, unter einem solchen, bis zu den obersten Stusen deS Altars und dicht an die Seite des Priesters sich vordrängenden Gehäuse von Neugierigen und gewiß auch Frivolen sollte vorgenommen werden. Nachher aber ward eS mir klar, daß die Möglichkeit, den Vorgang mit der größten Genauigkeit, ohne alle Rücksicht auf Gesinnung und Zweck, beobachten zu können, nicht nur nicht sollte beschränkt, sondern in dem größten Uinrang eingeräumt werden. Sind cS doch immer Fremde, die am ersten Tage der Ansstcllunq deS Blutes innerhalb der Schranken des Altares ihre Stelle suchen. Welches deren Absicht sey, die so nahe stehende Anschuldigung: es scye nicht von dem Flüssigwcrden des BluteS zu reden, Niemand könne sich nahen, Täuschung deS Ferncstehcndcn seye leicht möglich, — sollte beseitigt werden. Und in der That, gegen vierzig Personen stunden dicht um den Gegenstand daß eS für diese Alle keines schaffen Auges bedürfte, um dcu Hergang mit der möglichsten Aufmerksamkeit zu beobachten. Ein Priester hob nun das Gefäß, worin die Fläschchen (eine genaue Abbildung desselben, wie der Fläschchen, findet sich in den ^otis Luiietoi'um, Leptemd. 'I'. VI.) enthalten sind, aus der Monstranz, ein anderer stand neben ihm mit einer brennenden Wachskerze, von nicht größerem Durchschnitt, als der dritte Theil eines Zolles, gerade hinreichend, um über die gläserne Ein- sassnng des FläschchcnS genügsames Licht zu verbreiten; zudem ward die Kerze so gehalten, daß zwischen ihr und dem Gefäß noch immer ZwischcnranmcS genug blieb, um daö Widerstreben gegen die Sache unter dem Verdacht von einwirkender Wärme-Ausströmung aus der schwache« Flamme von vornherein zurückzuweisen. Dem entgegen ist dann viel gesprochen und bereitwillig geglaubt worden von der Manipulation des Priesters, durch dessen warme Hände, in Verbindung mit der Temperatur der Kirche, der in dem Fläschchen enthaltene Stoff endlich flüssig werden müsse. Alle, welche Solches behaupte», haben entweder dieses Flüssigwerden nicht gesehen, oder, wenn sie es gesehen haben, und dennoch von einer solchen Manipulation sprechen, sind sie die schändlichsten Lügner, welche wissentlich Etwas vorgeben, was durchaus anders sich verhält, wovon nicht einmal eine Spur vorhanden ist, Dasjenige Fläschchen, in welchem der Stoff (ich will mir bloß diesen Ausdruck erlauben), welcher flüssig werden soll, sich befindet, ist versiegelt, und Niemand, der das Siegel betrachtet, swlrd den Argwohn hegen, als wäre es neuern Ursprungs. Weiteres jedoch könnte ich über dasselbe nicht sagen, indem begreiflich zu genauer Beobachtung (wohlverstanden — bloß des Siegels) keine Zeit war. Die Fläschchen selbst stehen in einem Gefäß — in Gestalt eines kleinen HandlaternchcnS — auf der Border- und Rückseite mit einem Glas versehen; zwischen ihnen und den beiden Gläsern ist aber ein leerer Raum, im Durchmesser eines Fingers. ^ Unter diesem einschließenden Gefäß ist ein metallener Stiel, etwa i fünf Zoll lang, zur Handhabe dienend, und über demfelben ein metallenes Krönchcn, oben mit einem Kreuz versehen. Mittelst des erstern wird es in die Monstranz eingeschraubt. Der dichte Stoff, von bräunlichter Farbe, füllt das Hauptsläschchen nicht ganz, sondern es bleibt von demselben bis zur Mündung ein leerer Raum, nicht des vollen Drittheils des Fläschchens groß. Der Priester saßt nun mit der einen Hand den Stiel, mit den Fingerspitzen der ander» den obersten Theil jenes Kreuzes, und geht damit an dem Altar hin und her, um eS den Anwesenden zu zeigen; wobei er, nicht das Fläschchen, sondern das ganze Gefäß wiederholt umkehrt, der andere aber mit deni kleinen Licht leuchtet, um Jeden zu überzeugen , daß der Stoff in festem Zustande sich befinde. Eine andere Bewegung habe ich den Priester nie machen gesehen; selbst von der leisesten Berührung des Glases, hinter welchem immer noch frei und in leerem Raum das Fläschchen stünde, geschweige denn von einer Manipulation, kann gar nicht die Rede seyn; eine Berührung des FläschchcnS aber wäre physisch unmöglich. Während das Gefäß öfters gewendet wurde und der darin enthaltene Stoff fest blieb, sang der Chor das .^iserero und das athanasianische Glaubensbekenntnis Lauter und inbrünstiger betete» die Weiber die lauretaiiischc Litanei, die Versammlung schloß sich au die Gebete an. Zwischencin erhoben Jene mit dem Ausdruck deö heißen Verlangens, ja deS Ungestüms, ihre Stimme» sonst noch. Ich konnte aber nichts verstehen, weil sie in neapolitanischem Dialect ihrem Herzen Luft machten. Wohl hatte ich gelesen, sie gingen, wenn das Flüssigwerden zu lange sich verziehe, nicht selten von dem heißen Flehen in Verwünschungen gegen den Heiligen über. Ich fragte meinen Freund und Lanbsmann, den Abbv Reinhard, der neben mir stand, ob in diesem Augenblick dergleichen Verwünschungen seyen ausgesprochen worden? Er versicherte mich, schon öfters an den Festen des heiligen Januarius in der Kirche sich cingefundc», so Etwas aber niemals gehört zu haben. Er müsse auch dieses für Erfindung Ucbclwvllender oder Unwissender halten, die einzig aus dem Ton schließen könnten und wollten. Drcßmal aber hatten die Weiber gerufen: „O heiliger Schutzpatron, Du siehst so blaß aus, Du bist so mager! Aber es ist sich dessen auch nicht zu verwundern, da Du in Deinem Leben für uns so viel gearbeitet hast!" Auch hierüber mag die dünkelhafte Selbstgenügsamkeit lachen; liegt aber nicht in diesen Worten die Naivetät eines kindlichen Glaubens? Eine etwelche Bewegung der Ungeduld zeigte sich dennoch durch die Versammelten; denn bald eine Viertelstunde lang hatte der Priester das Gefäß gewendet, und immer noch zeigte sich der Stoff in seinem festen Zustande. Endlich warf er einige leichte Bläschen, und plötzlich war er zerronnen, die Flüssigkeit füllte das Fläschchen, welches zuvor den oben bemerkten leeren Raum gezeigt hatte. Sobald der Priester das erfolgte Wunder ankündigte, schallte, von der Menge angestimmt, das veum durch die Hallen der Kirche; der Priester aber fuhr fort; das Fläschchen mit der flüssiggcwordenen Materie Jedem zu zeigen, drückte es Jedem auf Stirne und Brust und reichte es zum Küssen dar. Das ist der getreue Bericht meiner Beobachtungen an jenem Samstag Abend. Ich könnte auf Alles, was ich hier mittheile, jeden Augenblick den Eid ablegen: daß ich Anderes, als was ich mit meinen Augen gesehen habe, nicht, dieses aber auch so berichte, Wie ich gesehen habe. Nach dem erfolgten Flüssigwerdcn wurden die Uebcrreste wieder nach San Grnnaro zurückgetragen. Die zahlreiche Processton, die mit ihren vielen Kerzen in der Dunkelheit der Nacht durch die lange, schmale Gasse, die von St. Clara nach der Domkirche führt, sich bewegte, bildete einen magischen Anblick. Aus weiter Ferne klangen die Stimmen der Weiber herauf, die mit ihren Lobgcsängcn dem Heiligen voranzogen. Eine dichte Menschenmenge stand in der Nähe der Kirche, um den Zug anzusehen. (Fortsetzung folgt.) Die Secten in Nordamerika. New-Aork, 1ö. Sept. Ich habe Ihnen einige nähere Schilderungen über den blühenden und hoffnungsvollen Zustand des Katholicismus in diesem Lande ber-itö mitgetheilt. Heute will ich ihre Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Secten lenken, zwischen denen sie sich einen Weg bahnt; dieß wird ein neues Capitel in der Geschichte der Veränderungen des menschlichen Geistes liefern, aber freilich, ohne die Feder eines Vossuet. Der Protestantismus, schon so zersplittert in Europa, findet hier noch mehr Mittel und Raum sich in Secten zu zerspalten. Keine Idee, hervorgegangen aus dem Dunstkreise des tiefsinnigen Deutschlands oder dem veränderlichen England, ist so obstruö, die nicht auf diesem freien Boden weiter wucherte, ohne Borurtheil auf das Land woher sie kommt, und ich sehe schon Nonge bei uns, wie er hier 3 oder 4 Anhänger in Kurzem bekommt. Unter unsern Separatisten sind die der Epi^kopal-Kirchc an- gehörigen diejenigen, die sich am meisten der Wahrheit näh.rn und die am wenigsten feindlich uns gegenüberstehen. So lange -Amerika englisch war, nannten sie sich Anglicciner und erkannten den König als Oberhaupt in religiösen Dingen an. Aber seit der Unabhängigkeit der Bereinigten Staaten hat sich die Sccte ohne weiters an die republiccmische Form angeschlossen gemäß der Wandelbarkeit, die dem Protestantismus eigenthümlich ist. Das Kirchcnrcgimcnt ist in der Hand der Bischöfe; aber jeder Beschluß muß durch eine Versammlung von weltlichen Mitgliedern der Diöccsc gebilligt seyn, wodurch er anwendbar wird und dieses gestattet selten eine Verständigung. Der Episkopal-KlcruS, der der Majorität nach dem PuseyiSmuö huldigt, schlägt Candidatcn dieser Farbe für die Pfarreien und BiSthü'mer vor; aber das Laieu- Collegium ist nicht für sie und verwirft Alles das, was dem Papstthum ähnelt. Welch' eine schöne Uebereinstimmung zwischen der Hecrde und dem Hirten! Die Episkopal - Kirche ist die reichste in Amerika, indem sie vor Zeiten mit ansehnlichen Gütern von den Königen von England beschenkt wurde. Die Anrufung der Heiligen, der Supremat des Papstes und die Gebete für die Todten — dieses sind die drei Puncte die sie verwerfen und die sie zu ihrem Unglück von uns getrennt erhalten. Aber die Schule Pusey's kämpft hauptsächlich auf diesem Terrain, vernichtet diese Vorurtheile und arbeitet, ohne es zu wissen, dem Katholicismus in die Hände. Eine Partei der Episkopalen ist in der That da, welche sich am hartnäckigsten unserer heiligen Kirche entgegensetzt. Eö ist die preöbyterianische Secte, die uns viel weniger Trost gewährt und die auch noch so intolerant ist, wie zur Zeit Knox, ihres Stifters, wo er Schottland durchstreifte, indem er die Kirchen demolirte, und so grausam die Maria Stuart verfolgte. Aber die Strafe der Vergeltung traf seine Schüler, welche unter dem Namen Puritaner sich in England ausbreiteten. Die Königin Elisabeth setzte ihnen so heftig zu daß die hartnäckige Nartci sich auszuwandern entschloß, und die Nachkommen der „Rundköpfe" (1'^tes-1ic»i nach Amerika unter der Führung Wilhelm Pcnn'S über und nahmen das Land ei», das j-tzt Pensyl vanien heißt. Es sind etwa 300 000 in den Vereinigten Staaten und sie machen sich durch ihre auffallende Kleidung dort bemerkbar. Die Männer tragen Hüte mit breiten Krempen und ein schwarzes Kleid nach französischem Schnitte; die Weiber unterscheiden sich durch eincn Anzug, der an den unter dem Dircctorium erinnert, und bilden so eine ständige Maskerade auf den Straßen. Die Quäcker dutzcn die ganze Welt und nehmen nie den Hut ab. Sie verwerfen alle Sacramcnte, allen äußern Cultus, die ganze kirchliche Hierarchie. — Was ihre Ceremonien anbetrifft, so verhalte» sie sich anfangs bei ihrem Gottesdienste stille und unbeweglich, indem sie den hl. Geist erwarten. Bisweilen zeigt der G.ist keinen guten Willen zu kommen, nnd dann herrscht eine oder zwei Stunde» la»g ci»e solche Stille daß man einen Grashalm fallen hören würde. Plötzlich erhebt sich ei er der Anwesenden, ein Mann j oder eine Frau. Das cvnvulsivische Zittern seiner Glieder kündigt die Ankuuft des Geistes an. Er spricht dann aus dem St greife und andere folgen ihm, so daß oft fünf bis sechs predigen; zuweilen geht man auch auseinander, ohne daß einer Lust gehabt hat den Redner zu machcn. Die orthodoxen Quäcker begnügen sich mit ihren Predigten; aber es gibt auch Disscnters unter ihnen: daö sind die Tänzer. Diese letzten haben sich etwa 59 Meilen von New.-Uork aus angesiedelt und besitze: viel Ackerland. Die Gemeinde besteht aus kräftigen Männern und Frauen und ersitzt sich nur durch Proscly- tenmachcrei. Die Hciralh ist untersagt und es besteht keine Gemeinschaft zwischen den beiden Geschlechtern, die sehr weit auseinander wohnen. Den Tag über leben sie eben so getrennt und besorgen ihre Arbeit nach ihren verschiedenen Geschäften und nur am Sonntag kommen sie in einer Kirche zusammen. Ihr r.ligiöser Cultus besteht im Tanzen, Springen und im Kreiseherumdreheu unter Gesang, und ihr Gottesdienst — man möchte ihn lieber Ball nennen — dauert so lange bis sie ermüdet zu Boden sinken. Die Tänzer sind sehr reich und cS gibt immer Bewerber, die m ihre Republik aufgenommen werden wollen. Nun gibt es noch eine Secte, die sehr von der vorigen con- trastirt, nämlich durch ihre Verachtung der zeitlichen Güter. Vor zwei Jahren hat ein gewisser Miller zu predigen angefangen daß die Welt bald untergehe und man nur an sein Seelenheil noch denken müsse. Es war sogar der 24. April 1844 als der festgesetzte Weltuntergangstag bezeichnet, an welchem Tage alle Menschen in den Himmel erhoben wurden, bevor die Erde zu seyn aufhörte. Der Betrüger lud alle auf einen Berg ein, um dann dem Himmel näher zu seyn. Denn in Amerika gibt es keinen Betrüger, der nicht auch Betrogene fände. Bald darauf sah man in allen Magazinen New-Uorks lange weise Röcke unter der Benennung: Himmelfahrtsröcke. Jeder Gläubige mußte damit angethan seyn, um mit Anstand und Grazie in den Himmel zu kommen. Man führt Kaufleute an, welche Tafeln aushängen hatten, worauf stand: „Wegen des baldigen Weltuntergangs bekommt man hier Alles gratis!" Die Vorübergehenden gingen hinein, und nahmen sich ohne zu zahlen, was sie brauchten. An dein verhängnisvollen Tage waren an mehr als 2t> Orten die Berge mit Menschen angefüllt und warteten auf die Himmelfahrt; als aber der Abend kam, mußten sie alle sich nach Hanse begeben, ohne gen Himmel gefahren zu seyn. Sie schämten sich nun freilich sehr. Miller aber findet sich seit dieser Zeit mit dem Ausspruche ab: „Unglücklicherweise habe ich mich in der Zeit geirrt." Aber viele von den Prvsclyten sind noch nicht cnitäuscht und wollen kein Eigenthum mehr besitze», indem sie glauben, die Welt werde demnächst untergehen. Wir fügen hier eine Anekdote dieser Art bei. Ein Mann, der ein Anhänger dieser Secte war, übergab sein Vermögen seinem Sohne unter der Bedingung daß, wenn die Welt nicht unterginge, er das Vermögen ihm wieder zurückgeben sollte. Nun will aber der Sohn die ihm übcrgebcnen Güter nicht mehr zurückgeben und es ist daher bei den Gerichten in Ncw-Aork ein Proceß anhängig. Ich würde nun auch noch von den Mormoniten sprechen, die sich eine Stadt bauten und darin apogryphischen Urkunden gemäß leben, von denen sie sagen daß sie mehrere tausend Jahre vor Moses geschrieben worden seyen; — von den Phalcn- steriancrn, die 5 Cvlonien in den Vereinigten Staaten haben und m jedem immer mehr Falliments erleiden; — von den „Ungläubigen", die sich selbst diesen Namen gaben uud ihre Lehren überall predigen und von allen, die sich sür Jnspirirte halten und ans den Straßen ihre P-cdigen und Gesänge ausschreicn. Doch es drängt mich zur Eile :u',d so große Mannichfaltigkeit wird endlich monoton. Ich habe ja bloß zeigen wollen, wohin der Mensch kommt, wohin er sich verirrt, wenn er nicht mehr eine Autorität in religiösen und kirchlichen Sachen anerkennt. Deutschland. Köln. Es ist jetzt bestimmt, daß auch in unserer Erzdiöccse geistliche Exercitien für den DiöcesanklcruS gehalten werden sollen. Der erste Cursus wird bereits am 21. dieses Monats für diejenigen Geistlichen, die Sc. Erzbischöflichcn Gnaden um dieselben gebeten haben, beginnen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er. ——