n ^»s- - KieiK. der Attgsvurger Zweite IahreÄhlilfte. L Postzeitung. R«. Nov. Das Blut des heiligen Januarius. (Ans Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bandchen.) (Fortsetzung.) Gehsn wir nun zurück in die Zeiten, um die ältesten Zeug- nisse über diesen Vorgang alnul'ö'en. Die Marteracteu des hnli- gen Januarius und seiner Gesägten, aus diesen die ältesten Breviere, beschreiben denselben gerade so wie er noch jetzt wahrgenommen wird. „Eine vornehme Sache," heißt es im achten Lesestück des Breviers für das Fest des heiligen JanuariuS, „ist auch sein Blut, welches geronnen in einem Glasfläsccch^n aufbewahrt wird. So wie man es in die Nähe des Hauptes des Märtyrers bringt, wird es ans wunderbare Weise flüssig, und bis auf den heutigen Tag sieht man cS dann Blasen werfen, als wäre es so eben vergossen worden," — das älteste Zeugniß mit Znt- bestimmung reicht an acht Jahrhunderte hinauf. Im Leben des heiligen Percgrinus, des schottischen Kö.iigS Malcolms Sohn, liest man: „Der heilige Percgrinus kam auch nach Neapel zu dem crlanckten Wunder des heiligen Blutzeugen Januarius. Dort werden zir»i GlaSfläschchen mit dem Blut des Heiligen aufbewahrt. Es ist stcmhart. Werden aber die Fläschchen dem Haupt des Blutzeugen genäl ert, so wird das Blut mit einem gewissen schäumenden Brodeln alsbald flussig und die Fläschchen bleiben unversehrt." — Daß wenigstens Haupt und Blut aufbewahrt werden, berichtet kein Jahrhundert später der sicilianischc Kartäuser Maral- duS. — Aencas SilviuS zählt in seinem Commentar zu den Reden und Thaten König Alfonso's vier schenswerthe Dinge in Neapel auf. „Als fünftes," sagt er, „wenn es Jemand vernehmen will, würde ich beifügen, jenes heilige Blut des heiligen Januarius, welches bald geronnen, bald flüssig gezeigt wird, obwohl es vor 12V0 Jahren für den Namen Christi vergossen worden ist." — Das älteste neapolitanische Druckwerk sind wahrscheinlich die ?an- cZeotgo muclicmglos kiluttli-iei Silvaliei, herausgegeben im Jahr 1474 von dem königlichen Leibarzt Ängclo Cato. In der Zueig- nungsschrist an König Ferdinand von Aragonien zählt derselbe zu Neapels Schätzen auch das Blut des heiligen Januarius. „Was soll ich," sagt er, „von dem Blnt dieses Märtyrers sprechen, welches zu Neapel mit größter Ehrerbietung aufbewahrt wird? Weiche Wunder immer unter den Augen der Vekenner Christi in unserer Zeit vor sich gehen mögen, wäre cincS leuchtender, unläugbarcr? Von dem Haupt entfernt, wird das Blut hart, in dessen Nähe gebracht, wird eS flüssig, eben so,- als wäre cS an diesem Tagt vergossen worden." — Aehnliches bezeugt der genuesische Dog! Frcgoso, welcher vom Jahr 1473 —- 1483 als Flüchtling zu Neapel sieb aufhielt. — Robert Gaguin erzählt in seinem Meci der Chroniken, oder Grschichtespirgel von Frankreich (.Vlii-viiLk Iivstcirial ciiz kVaneo): am 3. Mai 14S5 habe König Carl VIll. in Begleit vieler Carvinäle, Erzbischöse, Bischöfe und Prälaten in der St, Januarskirche der Messe angewohnt, darauf sey ihm Haupt und Blut des Heiligen gezeigt woilxn, letzteres stcinhart; kaum es aber einige Zeit auf dem Alrar gestanden, habe cs alobald sich zu erwärmen und zu sleßen begonnen, gleich Blut, welches so eben einem lebendigen Menschen wäre entzogen worden. Am ausführlichsten spricht darüber einer der merkwürdigsten Männer am Anfang des 16ten Jahrhunderts, der berühmte Franz Pico, Fürst von Mirnndola, nämlich der gleichnamige Vetter von jenem, welchen Scaliger das Monstrum der Gelehrsamkeit genannt hat. Derselbe gab im Jahr 1502 ein Werk heraus: cle liclcz et orclino creclencli. Darin findet sich folgende Stelle: „Zu Neapel, in der Campagna, werden die Uebcrreste d-s Blutzeugen JanuariuS aufbewahrt. Ein Gefäß enthält sein Blut, welches frommer Sinn nach seiner Hinrichtung aufbewahrte. Stellt man dasselbe in die Nähe der Glieder, so fängt es gleichsam zn schäumen an und wird flüssig und kehrt in den frühern Zustand des Blutes zurück; entfernt man cs an einen andern Ort, so gerinnt es wieder und wird fest, und nimmt die Gestalt an, wie Blut sie haben muß, das vor vielen Jahrhunderten vergossen worden. Doch geschieht dieses nicht immer; denn so bald jener Gegend irgend ein Unfall droht, oder Ruhestörung cS hindert, so deutet eS durch srine Unbeweglicbkeit die bevorstehende Plage an, wie die Landes-- bewohner aus langjähriger Erfahrung wisftn. Ich habe mit meinen eigenen Augen dieses feste und seiner Natur gemäß schwarze Blut bei der Annäherung an das Haupt roth, flüssig werden, Blasen werfen gesehen, gleich als wäre cö unmittelbar der Ader entströmt. Ich wiederhole es: ich habe es mit eigenen Augen gesehen und habe mich vollkommen überzeugt, daß dieses auf natürlichem Wege unmöglich so sich zutragen könne. Denn für den Philosophen ist es eine ausgemachte Wahrheit, daß Etwas, waö selnc Gestalt verloren hat, in dieselbe nicht wieder zurückkehren könne. Wer dieses nicht glauben wollte, den würde leicht die Erfahrung belehren: er dürfte nur Blut nehmen; wäre es erst geronnen, und nach Monaten -—- ich will nicht einmal sagen Jahren — in einen erdichten und staubförmigen Stoff verwandelt, so würde es in seine vorige Gestalt, oder nur in die Accidentien der Gestalt, d. i. Nöthe, Flüssigkeit u. s. w., nicht Wieder zurückgebracht werden können." Diesen Zeugnissen läßt sich noch eine Bulle Sixtus V. beifügen, worin er sagt: „Wir wollen, daß die in der erzbischöflichcn Kirche von Neapel gelegene Capclle, der Schatz des heil. Janua- rius genannt, wo das Haupt und das Blut dieses Heiligen aufbewahrt wird und, wie Wir vernommen haben, die göttliche Majestät beständige Wunder wirkt, mit erforderlicher Ehrerbietung besucht werde." Noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts verfaßte ein neapolitanischer Rcchtsgelehrter in entschieden beipflichtendem Sinn iibcr diese Thatsache folgendes Gedicht: Nonclmn ereelis ^rsbs, 3o)tlriei5 czuiri Larbarus oris LnnsuZi^ »6 veriu religionis iter? ^s>)iee, pul^a Iiiee! 8tüt loriZum post Äsi^ri-z nvum Iiieorrui,,tus aclliue et sine tade eruorz Imo Iiilaris ^liseit, eonsur^it, cti8silii, arclet Oe^or, extrem-v est im^atieirs tubsc; ?erliclris sn cernis, eupiti ut eruor obvius, sirte li'rigicius et ilurus, serveut et iiciuest? Laute vel g8s»erior, vel sit iulamiiirtiiius .Vier 8aiiZuine czuin llrir» sponte linauente licrues? Gegen dergleichen Zeugnisse können nur Gegenzeugntssc, erwiesene Thatsachen, concrete Gründe Gewicht haben; bloßes Abweisen, nacktes Läugnen, wohlfeiles Spotten erklärt nichts, entkräftet nichts, hellt das Dunkel nicht auf. Der Baron Bielefelv sagte seiner Zeit freilich zu Neapel: „einen solchen zerrinnenden Stoff wissen unsere Apotheker ebenfalls zu bereiten." Aber warum haben sie es in Berlin nie versucht, diese außerordentliche Erscheinung zu rcproducircn? — Ein anderer Deutscher brachte die scharfsinnige Erklärung: es wären zwei Monstranzen vorhanden, eine mit dem harten, die andere mit dem flüssigen Blut, und während der Function Würde jene von dem Priester escamotirt. Wer auch nur einmal den Vorgang beobachtet hat, der käme hiemit wieder zu einem Wnnder, Wenigstens zu einem wahren Hexenmeister, der mit der wundcr- Werlhcstcn Leichtigkeit vor den Augen von Tausenden eine ganze Monstranz wegstipitze» könnte, ohne daß Jemand es wahrnähme.— Noch abcnteu-rlicher hat der Franzose Scrces, um das Flüssigrver- dcn zu erklären, die Nähe des Vesuvs und der Solfatara zu Hilfe genommen. Aber wie müßte es denen zu Puzzuoli und zu Nesina ergchen, wenn die Wärmcströmung von diesen beiden Puncten eine solche Wirkung bis in den Dom von Neapel ausdehnen könnte? Da er wohl fühlen mochte, dieß könne nicht gelingen, so fiel es ihm nicht schwer, zu behaupten, die Sache ginge an verborgenem Ort, bloß in Gegenwart von lcichgläubigcm Pöbel, unter Ferne- Halten gebildeter Personen, und zu einer Zeit vor, die nicht genau festgesetzt sey. Das heißt wenigstens das Lügen in ehrlicher Weise betreiben, indem auch nicht ein Pünctchen Wahrheit in dasselbe gemischt wird. Ein Engländer trug das Wunder von dem Heiligen auf seine Priester über. „Wunderbar," rief er, „sind die chemischen Kenntnisse der Priester des Schatzes von St. Januar!" — So sinnt man in Ermanglung einer zureichenden Erklärung lieber las Ungereimteste aus, als in offenem Bekenntniß seiner Unfähigkeit wenigstens das Außerordentliche und Unerklärliche zu bekennen. Man ist unendlich weit über die Zeit jenes bescheidenen und pflichtmäßigen Zweifels hinausgeschrittcn, welchen der hessische Jurist Heinrich Kornmann in seinem lateinisch geschriebenen Buch: „Ueber die Wunder der Verstorbenen," in Betreff des vorliegenden so ausdrückte: „Wiewohl die Sache allgemein bekannt ist, möchte ich doch das sichere Zeugniß Solcher vernehmen, die gegenwärtig waren und mit offenen Augen den Vorgang beobachteten." Unter den frühern Reisenden spricht Kcyßler wenigstens gemäßigt, und ohne die läppischen Zuthaten, womit spätere ihre Berichte würzen zu müssen glaubten. Da in seiner Reisebeschreibung die Zeitangaben hinsichtlich seines Aufenthalts zu Neapel mangeln, so ist es ungewiß, ob er das Flüssigwerden des Blutes selbst gesehen, oder den Hergang nur nach Berichten und aus Vermuthungen beschrieben habe. Ich bin geneigt, das Letztere anzunehmen; denn er sagt darüber Folgendes: „Die in dem Glase befindliche Materie ist braunroth und gleicht dem Lalsamo ?sru- visno, welcher auch leicht flüssig gemacht werden kann. An dem Tag, da dieses Wunder geschehen soll, steht dieses Blut vor einer Menge Lichter (unwahr, die Menge ist nicht groß und jedenfalls ragen die L'chter bedeutend hoch über das Gefäß hinauf); das Glas, worinnen es nun zwar noch in einer kleinen Phiole, die etwa eines Fingers lang, eingeschlossen ist, wird den umstehenden und zwar mit großer Begierde herzu sich drängenden Personen zum Kusse an den Mund und hernach an die Stirne gehalten (aber immer dann erst, wenn es schon flüssig ist, daher Kcvßlers Folgerung von selbst dahin fällt); bei solcher Gelegenheit stürzt der Priester dasselbe mehr als tausendmal (rein unmöglich, soll heißen ein paar Dutzendmal) um, daß der Boden oben und auf die Seite zu stehen kömmt. Di^ Wärme seiner Hände (ohne allen Einfluß, wie ich überzeugend gesehen und dargcthan habe), der Qualm der Lichter (welcher einigen Einfluß unmöglich üben kann), der Dunst, welcher aus der Menge des Volkes in einer warmen Jahreszeit (man denke an Fergola's Vergleichung »wischen Thermometer und Zeitverkauf), und endlich der warme Odem, der aus dem Munde der Küssenden kommt (nachdem das Flüssigwerden schon geschehen ist), nebst andern Umständen (deren Angabe nicht hätte sollen unterlassen werden) könnte auch eine andere vorher flüssig gewesene Malerie schmelzend machen. (In einer Anmerkung führt Keyßler an: „Im Jahr 1733 hat der bekannte Chemikus Hvfrath Ncuincmn in Berlin das Geheimniß erfunden, auf eine leichte Art und so oft er will, eine vergleiche Fließung des Blutes, wie von des heil. Janucrrius Reliquien vorgegeben wird, nachzumachen." — Für gläubige Ungläubige wäre cö interessant, dieses unter vollkommen gleichen Modalitäten, wie das Ercigniß in Neapel, sich vormachen zu sehen.) „Es wäre billig/ fährt Keyßler fort, „daß man den Ungläubigen und Ketzern genügsame F-eiheit vergönnte, die Umstände dieses Wunders genauer emzus hen (diese ist ihnen aber wirklich ohne alle Beschränkung vergönnt), anstatt daß sie sich, wie Andere, begnügen lassen müssen, daß der Priester endlich ruft: il mirsoolo e tutto, und dann mit großen Freuden das le veum Iauilunru8 angestimmt wird." Wenn Kotzebue in dem Flüssigwerden des Blutes nur einen der vielen Beweise von dem dummen Aberglauben der Neapolitaner findet, so ist er doch ehrlich genug, nicht den Aberglauben an das Ersonnene in Anspruch zu nehmen. Er sagt: „Man glaubt gewöhnlich, die Flüssigkeit der rothen Materie werde durch die Wärme der pricstcrlichen Hand hervorgebracht; aber darin irrt man. Die kleine Phiole, welche das sogenannte Blut enthält, ist in einer größcrn gläsernen Flasche eing->chlosscn, so daß zwischen beiden ein leerer Raum sich befindet, die Wärme einer Hand folglich schwerlich bis dahin dringen kann, und auf jeden Fall ein sehr unsicheres Mittel seyn würde. Wohlunterrichtete (v. h. nicht über die Sache selbst, sondern in omni seibili et aonnullig sliis sogenannte Aufgeklärte) haben mich versichert, das Wunder werde bloß durch chemische Mittel bewirkt, daher es auch oft so lange daure; aber fehlen könne es nie, wenn die Flasche nur immer brav geschüt- telt (das aber wird sie nicht, sondern bloß gewendet) werde. Wenige Leute, selbst wenige Priester, sind im Geheimniß, und es gibt unter den letztern vernünftige Leute, die steif und fest an das Wunder glauben." Elise von der Recke wollte zwar die flache Verständigkeit an 5tin Vorgange ebenfalls üben, aber ihre pretiöse Nervenschwäche vereitelte das lobwürdige Vorhaben, sie konnte es in der Kirche nicht aushalten und mußte sich zurückführen lassen. Doch gereichte es ihr zur trostreichen Beruhigung, „den Erfolg eines Experimentes nicht gesehen zu haben, dessen Geheimniß leicht zu errathen sey." Dafür gibt ihr Begleiter, Völliger, in einer Anmerkung ein Zeugniß, dessen Gewicht sicher ihm selbst nicht einleuchtete. Er sagt nämlich- .das größte Wunder an diesem Wunder sey wohl das, daß es bei dem Mitwisser, so Viele? (woher aber wußten der Hr. Hofrath dieses?), die damit zu thun haben, seit so vielen Jahrhunderten stets unverrathen geblieben sey." Also immerhin ein Wunder, und zwar allerdings dieses (ohne daß der Herr Hofrath es auch nur zu ahnen vermochten) unbestreitbar das größere, darum schwerer zu glaubende! > Der, wie durch mancherlei Geisteswerke so auch durch seine „Wahrheit in der Hermes'schen Sache bekannte königlich Preußische Staatsrath Rehfues, hat in seinem „Gemälde von Neavel" diesen Vorganz durch fade und höchst vergriffene Spässe zu beseitigen versucht. „Bekanntlich," sagt er, „wiederholt sich dieses Wunder seither beinahe jedes Jahr einigemal, und Viele haben versucht, !s natürlich zu erklären. Indeß ist es, wie vorauszusehen war, Keinem gelungen; denn wenn der Himmel einmal ein Min der thun will, so ist es natürlich, daß er es einrichtet, um nicht von jedem Zweifler erklärt werden zu können. Freilich gibt cS der Vorwitzigen genug, die, wenn sie's auch nicht erklären können, dennoch nicht glauben wollen; und es hat uns daher manchmal geschienen, als ob die Art von Wundern, welche die Siamesen von ihrem Heiligen, Pra Ariaharici, erzählen, die beste sey, weil sie alles Nachgrübeln schon von selbst verbietet." — Dann wieder: „Ich will mich nicht mit Erklärungen abgeben, wie das Wunder geschieht; denn darum ist es ja eben ein Wunder, weil man es nicht erklären kann. Genug ist es, zu bemerken, daß in Neapel auch noch andere Leute steif und fest voran glauben, als nur der Pöbel?" An einem andern Ort sagt er: „Es mag wohl seyn, daß die Weiber im Einverständniß mit den Priestern sind." (Welchen Dienst würde er der Wahrheit erwiesen haben, wenn er auch nur von ferne hätte andeuten wollen — wie und zu welchem Zweck dieses Einverständmß bestünde?) „Es gibt wenige Wunder, tue der Welt etwas genutzt hätten. Dieses gehört auch unter die unfruchtbaren; und es ist nicht abzusehen, warum der Heilige nicht lieber jedes Jahr durch eine zchnfältige Ernte seinen frommen Neapolitanern ein Liebreichen gibt." — Dann wieder: „Man Weiß, wie oft das Blut des heiligen Januars in Neapel flüssig wird; aber Niemand weiß, wie das zugeht, außer den Wenigen, welche der Himmel zu diesem Wunder gebraucht. Ich habe selbst gesehen, wie die Flasche in der Hand des Priesters that, und kann mir nur eine Erklärnng denken, welche, glaube ich, noch Niemand gemacht hat. Wie, wenn jene trockene, dunkelrothe Masse Eis wäre? welches man bekanntlich in Neapel weit b»sser zu behandeln versteht, als in Archangel. In der Hand deö Priesters vergeht eS zuverlässig, besonders wenn er die Flasche (die er gar nicht berührt) recht fest hält und andächtig dazu betet. Am bequemsten aber wird tS seyn, zu glauben." — Am bequemsten, wenigstens am leichtesten für Hrn. Rehfues wäre es gewesen, die Sache mit Eis sogleich nachzumachen, uud sein ki'^x« durch die Welt zu rufen. Daß doch oft die größten Spitzköpfe auf das AUcreinfachste nicht verfallen können! Der Franzose Misson versichert in seinen Reisen, den Vorgang „dieses angeblichen Wunders" Zweimal gesehen zu haben. Er läßt uns die Wahl zwischen einem wirklichen Wunder oder dem plumpsten Betrug (le tour le >>ius Zrossier). Indeß, sagt er, mache cS in der katholischen Kirche größeres Aufsehen, als irgend Etwas. Hr. Paschal zähle es zu den Kennzeichen der wahren Religion. Um aber als Gelehrter jeden ehrenrührigen Verdacht, als pflichtete er diesem bei, von sich abzuwälzen, führt er aus HorazenS fünfter Satyre des ersten Buchs jene Stelle an, wie heidnische Priester das Volk wollten glauben machen, sie wüßten Weihrauch ohne Kohle zu schmelzen. — Kein volles Jahrhundert später sagt Dupaty: ,,Er zwar habe dciö Flüssigwerden ebenfalls gesehen; aber es gehe ganz natürlich damit zu." Des geringfügigen UmstandeS jedoch, das Wie etwas näher zu bezeichnen, enthebt er sich gänzlich. Am Ende fügt er bei: „Seit einiger Zeit ist dieses Wunder in Mißkredit gekommen; vermuthlich wird es bald ganz aufhören. Wahrscheinlich wird eS mit Nächstem auf der Welt nur ein einziges Wunder noch geben: die Welt." Auch einige Lügenbcrichte oder läppische Witze englischer Reisender mögen folgen. Addisson fertigt die Sache mit der Benennung eines „tölpelhaften Schwankes" ab. — Middleton heftet seinen Lesern Folgendes aus seiner Einbildungskraft auf: „Während in der Kirche ein paar Messen gelesen werden, machen sich die übrigen Priester insgesammt mit dem Fläschchcn viel zu schaffen; es ist in solcher Weise aufgehängt, daß, während ein Theil, Dank der Wärme der Hände oder der Beihilfe anderer Mittel, zu zerrinnen beginnt, die Tropfen auf den leeren Grund eines andern Fläschchcns hinabfallen." — Nicht ehrlicher berichtet der Doctor Moore in seinem View et' soeiet^ »Nil HIanlier8 in ltuli, Il_,ett. 64, der Priester gebe sich viele Mühe das Fläschchcn zu erwärmen und zu streicheln. (Rein unmöglich, da er dasselbe gar nicht berühren kann.) — Ein neuerer englischer Reisender, welcher unter dem Namen EustaciuS sogenannte „Classische Reisen" herausgegcben hat, obwohl Katholik, erklärt nicht, sondern fertigt bloß ab: „Niemand," sagt er, „gibt sich die Mühe nachzuforschen; man setzt voraus, vic Thatsache rechtfertige sich durch sich selbst; die Neapolitaner behelfen sich des Grundsatzes der alten Deutschen: heiliger und ehrerbietiger ist eS, von den Göttern zu glauben, als zu wissen." (Schluß folgt.) Die Bekehrungen in England. t Katholik ) Obgleich die Rückkehr Newmciu's zur katholischen Kirche schon längst vorausgesagt worden und Jedermann da-auf gefaßt war, so hat dennoch dieser Schritt, als er endlich geschah, auf den anglicanischcn Klerus und das Publicum eine unerhörte Wirkung hervorgebracht. Noch am Tage vorher, ehe der berühmte Theologe die große That vollbrachte, wiegte sich die englische Presse in Illusionen und die Times sah in dem Umstände, daß er seine Fellowftelle am Orielcvllcg aufgegeben, nur den Wunsch des Be» theiligten von der Universität auszuscheiden, wie er schon drei Jahre früher die St. Maricnpfarrci aufgegeben hatte, um jede Kollision mit den Vorständen der verschiedenen Kollegien zu vermeiden, welche die studircnde Jugend von seinen hinreißenden Predigten fern zu halten suchten. Es scheint indessen, als habe Mr. Newman sein Glaubensbekenntnis; früher abgelegt, als er selbst ursprünglich es bestimmt hatte und Gott hat sich, entgegen den Plänen der Menschen, dieser begnadigten Seele früher geschenkt, als sie selbst die Absicht hatte sich ihm hinzugeben. Nach einem vor uns liegenden Briefe hat er am 9. Octvber das Glaubensbekcnntniß abgelegt und am 10. in der Frühe aus den Hände» eines katholischen Priesters zum erstenmal die heilige Kommunion empfangen. Mehrere seiner Freunde waren Ihm auf diesem Wege schon vorausgegangen und er selbst hatte ihnen den Rath dazu gegeben. Nach Mr. Georges Ward war Mr. Charles Bridges vom Orielcollcg der Erste, welcher der katholischen Wahrheit die Ehre gab und am 29. September entsagte Mr. Dalgairns, der zu Littlcmvre Newman'S Schüler gewesen war, in dem Kloster von Aston-Hall dem Glauben, den s,in Lehrer einige Tage später abschworen sollte. Am 2. Octvber wurde Nererend Ambros St. John zu Prior-Park in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen und am 9. October traten Reverend Stanton vom Vrascnosc-Collcg und Reverend Frcdertk BowlcS vom Ereier- Collrg zu Littlemvrc mit Ncwman zur katholischen Kirche -»rück, Was wir trotz einiger gegcntheiligen Gerüchte verbargen können. Unter den Personen, di' s.itdcm tn den Schvoß der katholischen Kirche aufgenommen worden sind, wird ferner ang»siihrt Reverend Albany Christie, der zu demselben Kolleg w!e Newman gehörte. Zwei andere Geistliche haben ihre Entlassung aus di sein Kollegium genommen, es scheint jedoch, daß nur Einer von ihnen es vethan hat um katholisch zu weiden; aus dem Exeter-Colleg ist in derselben Absicht Reverend Edgar Estcourt ausgetreten. Auch Reverend I. Walker vom Brasenose-Colleg, mit welchem die öffcnllichcn Blätter sich mehrfach beschäftigt, gehört jetzt zu den Kindern der Kirche. Di,ß sind die Mitglieder der Universität und anglicamscheu Geistlichkeit, welche seit drei Wochen die unserigen geworden sind. Viel zahlreichere Bekehrungen haben indessen unter den Laien stattgefunden, mehrere ehemalige Pfarrkindcr von Newman, ganze Familien, sind katholisch geworden und die Zabl Derer, welche sowohl innerhalb als auherdalb der Reihen der Geistlichen im Begriffe stehen Newman'S Beispiel zu folgen, soll sehr bedeutend seyn. Bis gegen Ende des Jahres werden wir darüber im Klaren seyn und wir wollen darum auf alle die in englischen Blättern umlaufenden Gerüchte kein besonderes Gewicht legen. Betrachten wir nun alle jene ausgezeichneten Männer, die seit Mr. Sibthorp allmälig zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind, so drängen sich nnS vorzüglich zwei Erwägungeil auf. Die erste ist die, daß, während in Deutschland alles Gest'rel von der Kirche sich abwendet, in England gerade die ausgezeichnetsten und tiefsinnigsten Theologen, Männer, die Jahre lang gemeinsam an ^ der Regeneration der anglimnlschcn Kirche gearbeitet, nach langjährigen Studien und Forschungen zu dem Resultate gelangt sind, daß die katholische oder, um u >6 des Ausdrucks zu bedienen, die römische Kirche die -inzigc ist, in welcher sich Wahrheit, Gnade und Heil finden. Der andere nicht weniger merkwürdige Umstand ist die hcldenmüthige Uncigennüyigkeit, mit welcher di.se Männer alle ihre materiellen Interessen dieser Erkenntniß aufopfern. Wer die Reichthümer der cmglicanischcn Kirche, die Einkünfte ihrer fetten Pfründen, die glänzenden Dotationen der Kollegien an der Universität Oxford kennt, wird die Bedeutung dieser Opfer zu würdigen wissen. Und wenn wir diesen Schritt einen heldenmüthig uneigennützigen nennen, so übertreiben wir nicht, denn viele dieser anglicanischen Geistlichen, die zu uns zurückgekehrt sind, haben keine anderen Einkünfte als die ihres Amtes, viele haben durchaus kein eigenes Vermögen und dabei für eine Gattin und eine oft zahlreiche Familie zu sorgen, manche, die von ihrer Familie noch etwas zu erwarten hatten, werben jetzt enterbt, weil sie die Religion gewechselt haben. Unter so kritischen Umständen ist ein Rücktritt ein Wunder und es geht daraus hervor, wie bedeutend jener Schritt ist, den diese uneigennützigen mit allen Gaben des Geistes geschmückten Männer gethan, verzichtend auf einen sichern Reichthum und einzig vertrauend auf die Vorsehung, sie, ihre Frauen und ihre Kinder! Die englischen Papisten aber können ihnen trotz des bc- rüch'igten, in den deutschen Blättern eben wieder spukenden Jesui- tenschatzcs nichts geben, denn die katholische Kirche, die dort eben erst aus ihren Trümmern wieder sich erhebt, hat Lasten zu tragen, die ihre Hilfsquellen bei wcit-m übersteigen und kaum das Brod für ihre Diener. UcbrigenS ist das in England auch so aner-> kannt, daß selbst unter den wüthendsten Gegnern des PuscyismuS sich nicht eine einzige Stimme erhoben hat, um die Reinheit der Absichten und das uneigennützige Benehmen Newman'S zu verdächtigen, so daß am Ende, um doch etivas zu sagen, das f>ilste aller englischen Blätter die Opfer, welche Newman und seine Freunde gebracht, für Narrhcit erklärt hat. Schweiz. Die Neue Sion schreibt: Nicht nur macht sich bei uns französischer Einfluß vielfach geltend, sondern cs finden sich auch bei uns Elemente und Nahrungen, wie sie nur in Frankreich zum Vorscheine kommen und nicht selten sind wir das getreue Nachbild jenes größeren Vorbildes. Von diesem Standpuncte aus die Jesuiten-Angelegenheit betrachtet, dürfte es sich als wahrscheinlich annehmen lassen, daß die frommen Väter der Gesellschaft Jesu sich nicht in die Länge in der Schweiz mehr halten werden. Dafür sprechen Zeichen, von denen sich jetzt nicht reden läßt. Der Herr seiner Kirche läßt es zu, daß seine Kerntruppen auf eine Zeitlang da entfernt werden, wo sie nach unstrn Begriffen am unentbehilichstcn wären, daß ihnen auf die verschiedenste, aber stets unverschuldetste Weise äußere Mittel ihrer Subsistenz entzogen werden, nm sie gleichsam zur völligen Selbst- Entäußerung zu bringen, von wo aus sie lediglich zum stillen Dulden vcrurtsteilt, aber eben damit gewürdigt sind, als Nachbild ihres Herrn so mißhandelt und entblößt vor der Welt zu stehen, daß selbst da und dort ein Pilatus sagen muß: Seht, welche Menschen! Darin erblicke ich, daß Gott mit ihnen ist. Die ersten und glücklichsten Vekämpfer des Protestantismus müssen aber jedenfalls so lange bestehen, bis sie durch ihr Gebet und ihr Wirken seinen Bekennern den Rückweg zur alten, einen und einigen Kirche angebahnt haben. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krrmer.