Augsburger Zweite Jahreshälfte. ^»gs - Bei/.. ^ ... ^/ AUG ^. ^.^^ Postzeitttng. ^ M'.' ck^^ SZ. Nov. t84S Das Blut des heiligen Januarius (Aus Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.) (Schluß.) Stellen wir nun alle Berichte, von dem neapolitanischen Arzt Matthäus SilvaticuS im fünfzehnten Jahrhundert bis auf denjenigen des englischen Natu> f>>rschers Wattrton in letzter Zeit auf die eine Seite, auf die andere Alles,,was seit Masson bis auf den neuesten Tou'isten herab, vorgegeben, geklügelt und gewitzelt worden ist, und würdigen wir die Summe von Beibcm, ohne alle Rücksicht auf die Erscheinung selbst, bloß nach ihrem Zusammenhang und nach ihrer Vcweiskra't an sich, welches Resultat gewinnen wir? Dort eine ununterbrochene Reihenfolge durchaus übereinstimmender Zeugnisse, hervorgegangen aus genauer Erkundigung, ruhiger Beobachtung, abgelegt mit Einst und Würde; hier dagegen Urthcile vom Hörensagen, aber mit der nacktesten Zuversichtlichkcit ausgesprochen, aus der Luft gegriffene Verdächtigungen, freche Verdrehung dcssen, was unter den Augen von Tausenden vorgeht, und oft gemeine Sp^sse an der Stelle von erwarteter befriedigender Erklärung. Das Milteste, was sich darüber sagen läßt, ist jenes Wort: „und ihr Zeugniß stimmte nicht überein." Unerklärliches muß Jeder anerkennen, der unbefangen sehen, redlich urtheiln will. Die Kirche aber st llt den Glauben an ein fortwährendes Wunder mit dem Blut des heiligen JanuariuS in so fern einem Jeden anheim, daß sie denjenigen, der dasselbe als solches nicht annehmen mag oder kann, deßweg-n von ihrer Gemeinschaft nicht ausschließt. Dagegen sollte man meinen, das geringste Maaß von Ehrlichkeit würde es vorziehen, die Sache auf sich beruhen zu lass n, als, um hiezu nicht sich verstehen zu müssen, mit frecher Hand nach Äuökunftsmitt.ln zu greifen, welche einen ganzen, immerhin acluenswerthen S'and durch eine lange Reihe von Jahren zu gewissenlosen Betn-gnn stempeln. Wenn der Neapolitaner die Abwendung der d-odendsten Gefahr des Vcsuv- Ausbruches vom 20. December 1631 der Fürbitte des heiligen Januarius verdankt, der Protestant dagegen dieselbe dem zufälligen Umstand zuschreibt, daß die Lava einen andern Weg genommen und das Toben des Elementes ohnedem nachgelassen habe, so stellt sich Jeder auf einen Standpunct, den er mit Gründen vertheidigen >kann; wenn aber der Letztere, um die Mangclhaftigkeit seiner Erklärung dessen, was der Andere zweifellos annimmt, nicht cingc- stehcn und vor demjenigen, was dieselbe überragt, nicht sich beugen zu müssen, seine Zuflucht entweder zu Kindereien oder zu Unredlichkeiten nimmt, dann weicht der Boden unter seinen Füße», und er sinkt unter diejenigen herab, welche das Austreiben dcr Teufel nicht anders, als durch einen Bund mit Belzcbub, dem Obersten der Teufel, erklären wollten. In jedem Fall hat die abergläubische Ungläubigkeit vor der abergläubischen Leichtgläubigkeit nichts voraus, als ihr pausbackiges Blasen. Nach allcm, mit eigenen Augen Gesehenen und sodann aus glaubwürdigen Berichten in Bestätigung desselben Vernommenen mußte ich dem Urtheil von Sabbatino am Schlüsse einer Abhandlung über das Blut des heiligen Januarius beipflichten, welcher sagt: „Ich weiß gar wohl, daß viele Ausländer, selbst Katholiken, an dem Wunder zweifeln, oder, bevor sie es sehen, nicht daran glauben. Da ich aber Solche öfters in die Schatzcapelle begleitet und sie zu genauem Beobachten veranlaßt habe, überzeugten sie sich, daß hier nicht mehr zu zweifeln wäre, und daß der Vorgang auf keine Weise einer natürlichen Ursache sich zuschreiben lasse. Nachdem sie Augenzeugen geworden waren, hat Mancher gegen mich sich erklärt: das Flüssigwcrdcn des Blutes sey wenigstens eine wunderbare Sache; Keiner, der sie beobachtet, vermochte einen Grund aufzufinden, sie ferner zu bezweifeln." — Darum mag wohl Solger, ob mich Mancher darüber die Achseln zucken dürfte, ein wahres Wort gesprochen haben, wenn er in seinen philosophischen Gesprächen sagt: „Es gehört ein weit stärkerer Geist dazu, ohne Krittelei und Erklärungssucht Wunder zu glauben, als Alles, was mit den gemeinsten Verstandesregeln nicht übereinstimmen will, matt mid feig hinwegzuläugnen." Somit war nach wiederholter genauer, aber redlicher (in den Augen aller Gegner aus bloßem Widerspruchsgeist das Unverzeihlichste) Beobachtung, die mich das Wunder, oder, wenn es milder lauten sollte, das Außerordentliche anzuerkennen zwingt, mein Urtheil festgestellt, als mir die Schrift das Abbate Luca zu Gesicht kam: 8c»j>ra ui>» eelebre eontiovLrsis iMattutü, in ^iixkil- teri-g, negli snni 1831 v 1832 intoino slla liciuesa^ioire de! 8snFuiz lti 8. Oonaro, Voseovc» o Älartiri.'. Ich entnahm derselben zu meiner größten Befriedigung, daß dreizehn Jahre früher der englische Priester Weedall in gleicher Jahreszeit Augen-s unv siehe! Kommen auch Sie und sehen auch Sie, nicht bloß an zeuge des Vorganges gewesen sey und beinahe die gleiche Argu-seinem einzigen Morgen, sondern jeden Morgen, die ganze Octave mentation über das Wunder in dem einen oder in dem andern Sinne (d. h. als Wunder des Betrugs oder als Wunder in Wahrheit) aufgestellt habe, was er in dem zu Birmingham erscheinenden Lulliolie ^lu^a/iii snrung weder menschliche Erfahrung, noch menschlicher Scharfsinn mit den gleichen Umständen, wie ich; und er begnügte sich mit dem am Abend in St. Chiara Gesehenen so wenig, als ich, sondern verschob ebenfalls sein Urtheil, bis er am folgenden Morgen -im Dom zum Zweitenmal Zeuge gewesen. Hier stand er, gleich hinreiche — darf von der reinsten Gewissenhaftigkeit dennoch die Frage gestellt werden: wozu dieses Wunder? Diese Frage darf um so unbedenklicher gestellt werden, weil die Gewissenhaftigkeit zugleich eine durchaus befriedigende Antwort zu ertheilen im Stande mir, neben dem Priester und überzeugte sich, gleich mir, daß bei ^ ist. Beobachte den Neapolitaner, wie lebhaft, wie beweglich, wie der Weise, wie derselbe das Gefäß halte, die körperliche Wärme auf den Stoff in dem Mschchcn, möge nun derselbe bestehen, woraus es sey, nicht den allergeringsten Einfluß zu üben im Stande sey. „Leichter," sagt er, „würde die an einen Leuchter gelegte Hand eine Kerze entzünden, als jene Berührung einen festen Stoff flüssig machen" Hiemit bin ich vollkommen einverstanden. Es wurde Hrn. Weedall von einem Ungenannten eingewendet: „die gebildetesten und achtungswerlhcsten Neapolitaner und der Erzbischof selbst (damals der greift Cardinal Ruffo) glaubten Wahrscheinlich nicht an das Wunder. Darüber machte Hr. Weedall die gleichen Bemerkungen, wie ich. Ich setze in das Begleiten der Procession und in den Besuch des Königs bei dem Blut nicht einmal so großen Werth, wie er; das ließe sich am Ende als Ostentation deuten; solche aber konnte sür jenes Haupt einer der ersten Familien Neapels, mit welchem ich in der Capelle zufällig zusammentraf, unmöglich Beweggrund des bloßen Privatbesuchs Werden. Auch könnte ich einen andern und zwar nicht blvß durch sogenannte Bildung, sondern durch tüchtige Wissenschaftlichkeit ausgezeichneten Fürsten nennen, der mit der vollesicn Anerkennung des Unerklärbaren mit mir darüber sprach. Ein Gelehrter, der zwar nicht genannt ist, den ich aber wohl kenne, und der zu den unter- richtctcsten und achtungswerthesten Personen Neapels gewiß mit Recht gezählt werden varf, zugleich Mitglied des Domcapitels ist, sagte zu Hrn. Weedall: „Ich will Ihnen frei meine Meinung gestehen. Ich bin nicht leichtgläubig, und prüfe Alles. Man spricht oft von Wundern, welche da oder dort sich sollen zugetragen haben. Im allgemeinen schenke ich ihnen nicht leicht Glauben. Was aber das Blut des heiligen Jcmuarius betrifft, so darüber aufgehellt. Ich halte das Flüssigwerden augenfällig ohne Bedenken für eine wunderbare Sache. Ließe sich vernünftiger Weiftannehmen, es walte unter uns ein geheimes Einverstcmdnisz? Sie kennen unsere Stellung. Wir bilden zwei getrennte Korporationen mit verschiedenen Capcllcn und ganz abweichenden Rechten und Privilegien. Mir ist nicht gestatte:, den Schatz zu betreten, als Spielball seiner Einbildungskraft er sich erzeigt! Sein Auftreten, in welcher Gestalt du ihn sehen magst, seine Gebärden, der Ausdruck seiner Sprache verräth dir schon sein wallendes Blut, seinen des Ungewöhnlichen bedürftigen Sinn. Bei einem solchen Volk könnte bloße Belehrung unmöglich lange vorhalten; dasselbe bedarf Etwas, was ihm seine Abhängigkeit von dem Höhern nicht vor die Ohren, sondern durch die Augen vor den innern Sinn bringt. Ihm ist eine gewaltige Macht nothwendig, die ihn zwi- schenein von der Erde, welche gleich einer Buhlerin alle Reize und Locknngen vor ihm enthüllt, oder deren verzaubertes Kind er ist, losreist, die ihm laut und vernehmlich zuruft: cS ist Etwas über dir, in dessen Hand dein Geschick steht, was mit Segen dich überschütten, was Landesnoth über dich herwälzen kann. Dieses Verborgene, Geheimnißvolle ist ihm, der weniger durch die Specula- tion, als durch das Wahrnehmbare sich ziehen läßt, zu unfaßbar, gewinnt unmittelbar auf ihn nicht diejenige Einwirkung, wie auf den mehr geistigen Menschen. Darum ruft jener alljährlich Wiederkehrende Vorgang, für seine Begriffe weit verständlicher, ihm zu: das Verborgene, welches jenes so Erfreuende als Bekümmernde dir zu bereiten vermag, tritt dir nahe in seinem Boten, dem heiligen Jcmuarius, der zugleich dein Anwalt vor demselben ist; in dem, was unter deinen Augen zu verschiedenen Zeiten des Jahres sich zuträgt, hast du das Siegel, daß Gott deiner gedenkt, zugleich die Weckstimme, daß du seiner ebenfalls gedenkest. An Calculatoren, welche längst schon in Groschen und Pfennigen berechnet haben, welchen Schaden dasjenige bringe, was sie Aberglauben nennen, fehlt eS nicht; möchte einmal Einer in der ist mir jeder Zweifel! Berechnung, welchen Nutzen die Beseitigung des Glaubens an dielen augenfällig und sts Wunder dem neapolitanischen Volk bringen dürfte, die Probe liefern! Wenn aber der leichtfertige, sinnliche, zu mancherlei Bösem geneigte Neapolitaner auch nur einmal des JahreS, zerknirscht oder in Anbetung hingerissen, vor dem Altar liegt, auf welchem er die verehrten Ueberreste erblickt, sollte dieses, weil er vielleicht, des anvern Tages wieder seinen gewohnten Gang fortgeht, darum gar und die Kapellane vom Schatz haben keine Befu,,niß, in unserem seinen Werth haben? Und wenn ihr eine ganze Litanei von Capitel sich cinznfindcn. Wir mögen uns gegenseitig k-nncn, eine engere Verbindung aber besteht unter uns nicht. Das Wunder geht bald in unserer Kirche, bald in der Capelle vor, und dieß durch so manche Jahrhunderte hinab, unter so vielen politischen Revolutionen, über welchen so oftmals die Interessen und die Gesinnungen der Bürger in Zwiespalt gekommen sind. Es wäre unmöglich, daß wir in verstcckier Spitzbüberei eine geheime Verabredung treffen, daß so viele unserer Vorfahren sie hatten aufstellen und festhalten können. Wer über diesen Gegenstand mich befragen mag, dem weiß ich keine andere Antwort zu ertheilen, als Schlimmem über die Neapolitaner abzukugeln Wisset, würde dieselbe sich verkürzen, wenn ihr ihm das Wunder mit dem Blut des heiligen Jcmuarius zu sequestriren vermöchtet? Die katholische Mission in Schweden. (Katholik ) Stockholm, 31. Oktober. Es hat sich hie und da die Ansicht geltend gemacht, die Schweden seyen nur darum intolerant, Komm jweil ihre Gesetzgebung sie dazu nöthige. Dagegen müssen Wir uns aber die bescheidene Frage erlauben, warum denn in diesem Falle jene verjährte Gesetzgebung nicht modificirt, warum sogar diesen barbarischen Gesetzen die Constttution geopfert wird, in welcher sie, wie Nilssons Advocat klar bewiesen hat, bereits abgeschafft sind? Der Rnchstag von 1845 hat sogar einstimmig die den Katholiken im Toleranzedicte von 1751 gewährten Rechte beschränkt, er hat z. B. den katholischen Klerus auch bei der Einsegnung rein katholischer Ehen der Controle des lutherischen Consistoriums unterworfen, er hat den katholischen Klerus genöthigt, Jeden, der zur katholischen Kirche zurückkehren will, dem Consistorium zu de- nunciren, um gegen einen Solchen eine gerichtliche Klage einzuleiten, die Geistlichkeit muß zu diesem Zwecke alljährlich eine Liste sämmtlicher Katholiken in Schweden einreichen und endlich ist der hochwürdige apostolische Vicar für alle Handlungen seines Klerus verantwortlich gemacht. Gegen Letzteren ist im Augenblicke wirklich ein Proceß von Seiten des Consistoriums anhängig, weil er 1) zugegeben, daß Nilsson in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen wurde und 2) daß drei Kinder lutherischer Vätc. „in der katholischen Schule, dem Gesetze entgegen, Nahrung und Kleidung," ja vielleicht auch eine Erziehung empfangen, welche die katholischen Mütter ihnen nicht geben konnten und um welche der lutherische Klerus sich nicht bekümmert hat. Ja man hat uns sogar ein Verbrechen daraus gemacht, daß wir ein Kind einer armen katholischen Mutter aufgenommen haben, obgleich sie schon lange vor der Geburt dieses Kindes von ihrem lutherischen Ehemanne verlassen worden war, obgleich das Consistorium den vier andern Kindern dieser Frau, welche es derselben vor vier Jahren Weggenommen, keine andere Versorgung hatte angedeihen lassen, als daß es dieselben aus der katholischen Schule weg in die Bergwerke geschickt hatte! Eines dieser Kinder ist indessen vor jetzt ohngrfähr zwei Jahren zurückgekommen und hat sich seit dieser Zeit, wie so viele andere, einem Raubvogel gleich in den Straßen Stockholms herumgetrieben, ohne daß das Consistorium oder die Polizei sich darum bekümmert hätten, bis der junge Verwahrloste vor Kurzem wegen Diebstahls zu Gcfängnißstrafe vcrurtheilt wurde. Es wäre nun wirklich der Untersuchung werth , ob man vielleicht zum Vortheile der Societät auch seinem jüngsten Bruder eine ähnliche Erziehung angedeihen lassen will, da man dem katholischen Klerus ein Verbrechen daraus gemacht, daß er die Absicht gehegt habe, ihm eine christliche Erziehung zu geben? Nach solchen Thatsachen wird man mich wohl nicht für parteiisch halten, wenn ich sage, daß in Schweden solch ein blinder Haß gegen die katholische Religion herrscht, daß selbst Leute, die sonst in allen übrigen Dingen ganz vernünftig und tolerant sind, in eine Art von Verrücktheit gerathen, wenn sie nur den Namen katholisch hören. Kein Blatt, mochte es nun der liberalen oder conservativen Partei angehören, hat auch nur ein Wort zu Gunsien der Gewissensfreiheit gesprochen, obgleich dieselbe durch die jüngste Entscheidung der Gerichtshöfe wieder in die unglücklichsten Zeiten des sechzehnten und sicbcnzehnten Jahrhunderts zurückgeworfen worden ist, eben weil es sich nur um einen Katholiken handelte! Ja die liberalsten Blätter weigerten sich sogar, nur ein Inserat von Nilsson aufzunehmen, in welchem dieser alle Jene, welche etwa noch ein Geschäft mit ihm abzuthun hätten, aufforderte, sich binnen drei bis vier Tagen zu melden, weil er nach Verlauf dieser 6"st das Land verlassen müsse. Auf dem Dampfboote floh, mit Ausnahme einer französischen Dame, alle Welt vor ihm, wie vor einem Verpesteten. Auf dem Reisepasse war nicht angegeben, daß der Inhaber ein rechtschaffener und tadelloser Mann sey, wohl «der, „daß er durch gnädigen Beschluß Sr. Majestät vom 27. Juni zur Landesverweisung vcrurtheilt worden sey, weil er vom LutheraniSmus abgefallen und sich zu einer falschen Lehre bekannt habe." Man hatte ihm aufgegeben, die Stadt spätestens bis zum 10. zu verlassen (der Paß ist vom 7.) und sich auf dem Canal nach Gothenburg und von da mit erster Gelegenheit zu Meer nach Kopenhagen zu begeben, ohne Rücksicht auf den Zustand seiner Frau, die eben erst aus ihrem Wochenbette sich erhoben, und der zwei armen Kinder, von denen das jünciste, selbst nach Angabe des Passes, kaum Mi Monate alt ist. Die Polizei von Gothenburg, unter deren Aufsicht Nilsson gestellt worden war, soll die ihr gewordenen Aufträge sehr gewissenhaft ausgeführt haben. Die Provincialblätter waren indessen nicht so schweigsam über ^ die Verbannung Nilssons, wie die Blätter der Hauptstadt und habe» ! sich bei dieser Gelegenheit die heftigsten Ausfälle gegen den hoch- würdigen apostolischen Vicar (Studach) erlaubt. „Wie ist cS möglich, fragte die Gothenburger Zeitung, daö liberalste Blatt Schwedens, daß dieser Mann einen solchen Weg betreten kann und Wer wagt es, ihn gegen die öffentliche Meinung und das Einschreiten des Consistoriums zu vertheidigen? Zu unserem tiefen Bedauern müssen wir eingestehen, daß Herrn Studach von einer Seite her Schutz und Unterstützung zu Theil wird, von welcher man am wenigsten eine solche Aussaat Lcr Zwietracht und Uneinigkeit erwarten sollte." So groß ist also, wie Sie aus Allem sehen, der Fanatismus in Schweden, daß ein Mann, wie Nilsson, der trotz der gehässigsten Verfolgungen seiner Ueberzeugung treu zu bleiben wagt und, wie das genannte Blatt sagt, .sein Verbrechen durch die Verbannung sühnt," das ganze Land in Bewegung bringen kann. Böswillige Menschen benutzen sogar dieses Phantom des Proselytismus, um in dem Herzen des Volkes, wie dasselbe Blatt sich ausdrückt, .einen tiefen Schmerz gegen eine Königin zu erregen, die, wenn sie nicht katholisch wäre, vom ganzen Volke angebetet werden würde," und man sprengt zu diesem Zwecke das grundfalsche Gerücht aus, das katholische Waisenhaus weide besonders durch die Beiträge Ihrer Majestät der Königin unterhalten. Sie können nun selbst errmsscn, mit wie viel Schwierigkeiten wir zu kämpsen haben und welche Zukunft unserer armen Mission bevorsteht. Nordamerika. Der katholische Pfarrer W. Schonst zu Kolumbus im Staate Ohio schreibt an die Redaction des schlcsischen Kirchcn- blattes unter Anderm: „Der Grundstein zu unserer neuen Nirche ist gelegt, und der Bau bereits drei Fuß von solidem Stcinwerk über dem Grund erhaben. Es war am Feste der heiligen Dreieinigkeit, als der hochwürdigste Bischof stlbst, von mir allein asst- stirt, die feierliche Ceremonie der Grundsteinlegung verrichtete. Eine ungewöhnlich große Menge Volkes aus allen Ständen und Konfessionen war dabei gegenwärtig. Der hochwürdigste Bischof selbst predigte dabei in eng ischer Sprache. Alle Bessergestnnt.n und die weniger Vorurthcilsvollcn wurden durch seinen Vortrag sehr erbaut. Nach ihm sprach ich in einigen Worten (über Epheser 2, 19—21.) zu unsern deutschen Landeleuten, die sich mit freudigen Augen um uns schaartcn. Die ganze Handlung, unter freiem Himmel vorgenommen, war ein Act des Triumphes unserer heiligen Religion. Bekannt mit der Bigotterie und der zügellosen Abneigung eines großen Theiles des hiesigen Volkes unv Pöl'clS gegen Alles, was katholisch heißt, muß ich gestehen, daß ich zuvor etwas besorgt war, man würde von gewisser Seite während unserer Ceremonie und Procession, die man noch nie zuvor hier gesehen, Stöcung verursachen. Allein trotz des großen Gedränges licf Alles gut ab, und die politischen Blätter der Stadt sprachen sich schon in den nächste» Tagen belobend über unser Werk und über die Erhabenheit einer solchen Feierlichkeit in der katholischen Kirche aus. Alles, was bis jetzt am Bau geschehen ist, ist mcistcntheils nur durch unserer eigenen Leute Händearbeit geschehen. Die Zeit ist aber jetzt schon da, wo wir, um vorwärts zu kommen, bedeutende Geldausgaben machen sollen. Woher das nöthige Geld nehmen, weiß ich selbst noch nicht. Meine Ansicht ist jedoch diese, durch unsere eigenen Kräfte so weit zu gehen, als wir können, hoffend, daß der Herr, ver das Anfangen gab, auch das Vollbringen geben wird. Gedrängt durch unsere Noth und aufgemuntert vom hochwürdigstcn Bischos, habe ich bereits nach Wien an den hoch- würdigsten Erzbischof und Präsidenten des Leopvldinen-Misstons- Vereins geschrieben, und um Unterstützung gebeten. Ich nähre die tröstende Hoffnung, daß unsere demüthigen Bitten nicht unerhört bleiben werden. Ich habe bis jetzt in meinem Schreiben nach Deutschland noch wenig oder gar keine Aeußerungen gethan, um Aufforderungen an meine Freunde und Bekannten, und besonders an Schlesiens Klerus ergchen zu lassen, uns hiehcr zu folgen, und ihren Wirkungskreis in diesem »och so dürftig versorgten Theile des Weinberges Christi aufzuschlagen. Die Ursache war keine andere, als weil ich gewissermaßen fürchtete, für Das Schicksal Anderer verantwortlich zu werden da, wo ich mich selbst noch von so manchen Schwierigkeiten umgeben sah. Es gibt hier so Manches, was uns zu Anfang des Hierseyns nicht gefällt; unser sinnlich schwaches Her; finvet sich vielleicht in vielen Dingen und Erwartungen getäuscht, so daß leicht Einer, der nicht von ganzem Herzen den Willen hat, zur Ehre Gottes und seiner Mitchristen Heile, so wie nicht minder auch zu seinem eigenen hier zu wirken, sich leicht getäuscht glauben, und unzufrieden werden könnte. Ich hielt eö daher für rathsam, mit dergleichen Aufforderungen behutsam zu Werke zu gehen, um uns nicht den Vorwurf, aufzubürden, Andere in eine unangenehme Lage verlockt zu haben. Da sich aber der Mangel an deutschen Priestern immer eher mehrt als »lindert, und die Umstände an manchen Orten schon bereits so sind, daß für einen Priester, der sich daselbst niederläßt, wenig Schwieriges mehr zu befürchten ist; so nehme ich jetzt keinen Anstand mehr, Diejenigen unter meinen Freunden und Bekannten, und besonders unter dem jüngern Klerus Schlesiens, die Eifer für Missionen und Liebe sür ihre Mitbrüver im Herzen fühlen, aufzu- foidcrn, sich unserm Werke anzuschließen und uns hicher zu folgen, wo nicht blos; einzelne Seelen, sondern ganze Gemeinden ihrer warten und bedürfen. Es haben sich bereits an mehreren Orten deutsche Gemeinden gebildet, die Willens und fähig sind, einen Priester für sich und die Umgegend zu unterhalten. Abgesehen von Cincinnati, wo dieses Frühjahr der Grundstein zu einer dritten deutschen (katholischen) Kirche gelegt worden ist, die bis nächstes Spätjahr fertig werden soll, sind es besonders die Orte Clcveland, Canton, Chilicote zc., wo sich deutsche Gemeinden bereits förmlich gebildet haben, und die sehr nothwendig deutsche Priester brauchen.— Auf meiner vorjährigen Reise mit dem hochwürdigsten Bischof durch die Diöccse wurde ich von deutschen Katholiken oftmals ersucht, ihnen zu helfen, und dahin zu wirken, daß sie einen Priester erhielten, der beständig bei ihnen bleiben könnte. Ich versprach cS, und äußerte öfter, ich will »ach meinem Vaterlande schreiben, und dort meine Mitbrüdcr auffordern uns Hieher zu folgen, damit Eure Wünsche befriediget werden. Der hochwürdigste Bischof selbst ersuchte mich, ich möchte dieß thun. Wenn ich es bis jetzt noch nicht besonders gethan habe, so geschah es eben aus den oben angegebenen Rücksichten. Jetzt aber, wo ich mit den Umständen des Landes und der Diöccse selbst schon mehr bekannt bin, komme ich mit der Aufforderung offen heraus, und bitte und beschwöre glaubenseifrige, fromme und thätige Priester, Hieher zu kommen und uns zu helfen. . . ." Deutschland. Am 20. September starb im 7lsten Jahre der Erzpricstcr, Krcisschulen-Jnspector und Stadtpfarrer Johann Völkel von Ziegenhals, Archipresbyterat Neiße. Ehe er seine thätige und tugendreiche Laufbahn beschloß, sollte ihm noch eine ganz ungewöhnliche Freude und Anerkennung seiner Verdienste zu Theil werden. Als nämlich der Herr Fürstbischof in Breslau die Kunde erhielt, daß zu Ziegenhals ein würdiger Priester auf schwerem Krankenlager darniedcrliege, beschloß derselbe in seiner holdseligen Milde und Herablassung bei seiner vorhabenden Durchreise nach Freiwaldau, diesen frommen Diener des Herrn mit einem Besuche zu beglücken und mit dem apostolischen Segen zu begnadigen. Am 26. September Nachmittags 4 Uhr kam dieser edle und fromme Entschluß zur Ausführung. Wiewohl der Kirchenfürst sich alle Empfangsfeierlichkeit verbeten hatte, so konnte doch nickt verhindert werten, daß sich die Gläubigen zufolge der erst zwei Stunden zuvor bekannt gewordenen Nachricht des nahen Besuches auf ven Ruf der Glocken in der schönsten Ordnung unv Ruhe um den Wagen des ankommenden Obcrhirten schnarren und der Magistrat und die Honoratioren ibre Verehrung denisclbcn bezeigten. Auf die besondere Bitte und Einladung von Seiten des Archipresbyterat? durch einen Nachbar Pfarrer beruhte derselbe den Wagen zu verlassen, durchschritt segnend die Menge und begehrte vor seinem Eintritt ins Pfarrhaus, das Hciligthum des Herrn erst zu betreten. Erfreut sah cS die Menge, wie der Hvchwürdigste mit und unter den Andern am einfache» Kcm^eUuin niederknicte unv inbrünstig betete, und dann zu>- höchsten Freude Äller den Altar bestieg, von dem er an die andächtige Menge die unvergeßlichen Wvrte sprach: „Ich bin gekommen, Euren kranken Pfarrer zu besuchen, und fordere Euch als seine Gemeinde auf, für ihn zu beten, damit Gott ihn entweder gciund weidenlasse, um noch lange unter Euch Gutes zu wirken, oder aber, wenn es sein heiligster Wille seyn sollte, ihn von snn n Erdenleiden zu erlösen, ibmdas' bessere Jenseits schenke." Darauf ertheilte derselbe den apostolischen Segen und schloß mit den Worten: „Der Friede ley mit euch! Gelobtsey' Jesus Christus!" worauf die beglückte Menge freudig ihr „ in Ewigkeit, Amen!" erwiderte. Unteideß hatte sich der Kirchhofroum mit unzähligen Gläubigen angefüllt, als der Hochwü.digstc die Ki ehe verließ uuv der Pfarrwohnung zueilte. Wer kann aber erst das freudige und trostreiche Gefühl beschreiben, als der Kirchcnfürst die schichte Wohnung des ebenfalls einfachen und frommen Priesters betiat und dem Schwerkranken seine Hände reichte, sie ihm auflegte, ihn tröiiete und seine Freude über dessen Würdigkeit und Geduld aussprach, mit dem apostolischen Segen ihn beglückte und unter Thränen und Bruderkuß herzlich von ihm schied. Der Kranke hatte bei seiner große» körperlichen Schwache keine Worte, sondern nur Thränen der Freude und des Da»keS über diesen hohe» und ^beglückenden Besuch, und auch die A wescnven vermochten nur mit j Thränen zu danken. Sichtbai gerührt, rciließ der Fürstbischof das Pfarr- !hauS und eilte seinem Wagen zu, segnend die kniccnde, zahlreich versammelte Menge, und nahm unter freundlichen Bcgiüßungen von den Gläubigen Abschied, die indeß seinen voidern Wagcnsitz mit einem schönen Blumenkranz geschmückt hatten und dem dadurch freudig überraschten Oberhirten auf die Frage: „Wer dieß gethan?" die Antwort zuriefen: „Gehorsame und fromme Kinder ihrem Vater." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.