P ^ o ^»gs - WeiH, der Augsvurger Iweite Jahreshälfte. >WHM M Postzeitttng. »«. Nov. ^84S. Kurze Darsrellnna der se^enreichen Wirksamkeit des heil. Simeon Stylites. (Kah. Blätter aus Tirol.) Die katholische Kirche dürfte unter den Tausenden ihrer Heiligen kaum einen zählen, der von den Weisen dieser Welt mehr als unnützer Schwärmer verlacht worden wäre und es noch wird, als der in der erste» Hälfte des fünften Jahrhunderts so hoch gefeierte und allgemein angestaunte heilige Simeon Stylites oder der Säulensteher, das Wunder und die hervorleuchtendste Erscheinung seiner Zeit. Gewohnt, die Wirksamk.it eines Menschen nur nach dem lauten Rennen und Treiben in's Aeußere hin zu messen, schaut der kurzsichtig? Blick der in's Materielle versunkenen Klüglinge mit Verachtung zum wunderlichen Heiligen auf der Säule empor, und kann in dem stillen Beter und Büßer höchstens einen bemitlcidcnswerthen Thoren, oder vielmehr einen des Hohnes und Spottes würdigen Müßiggänger sehen. Und doch war Simeon Stylites — kein Müßiggänger! Seine Säule war ein hehrer Schauplatz weiinmfassender Thätigkeit und eines höchst segcnvlllen Wirkens zum Wohl unzähliger Menschen, ja ganzer Bölkerstämme, und wir wagen es kühn zu be- Häupten: Eine Stunde seines edlen Lebens auf ihr trug Wohl reichere Fruchte für Gottes Ehre und des Nächsten Heil, als das ganze bewegte Leben vieler rastlos geschäftigen sogenannten Welt- bcglllcker. Im ersten Gesichte -), das er noch als Hirtenjüngling schaute, ward ihm von einer glänzenden Himmelögestalt gesagt: „Der Herr will, daß sein Name durch dich verhcnlicht Werde. Viele sollst du vom Irrthume zur Erkenntniß der Wahrheit führen; durch dich sollen die Gebote der heiligen Kirche ne e Kraft erhalten. Könige und Nichter mit ihren Unterthanen werden deinem Worte gehorchen. Sey standhast, und trage Liebe gegen Jedermann in dir!" Wiederum ward er in einer andern Erscheinung bestellt, für alle Armen Sorge zu tragen, Bedrängte zu ") Erzählt vom Priester CoSmaS, einem Zeitgenossen des Heiligen und Augenzeugen vieler Tha'en und Wunder ees großen Mannes, in einer weitläufigen Lebensbeschreibung dc°selbcu in syrischer Sprache, Sie steht unter dem Titel: ^cls s, Simeonis 8t)Iiti>«. als An. hang im zweiic» Bande der ^ct-> U-irl^ium (IriLiUslimn, herausgegeben von Stephan Eved, Asscmani. schützen, Waisen und Wittwen beizustehen, Mächtige und Neiche ohne Scheu zurecht zu weisen, und ihrem Ucbcnnuthe zu steuern. So war ihm die Ausgabe seines L-bens von Oben bestimmt, und er entsprach treu und unermüdet mit übermenschlicher Beharr^ lichkeit dem hohen Berufe, der ihm geworden. Ordnen wir die verschiedenen Wecke, denen er sich him,cgeben, und die mannich- fachen Wohlthaten, deren die Menschheit durch ihn thcilhast geworden, so finden wir nach den Berichten des erwähnten syrischen Biographen, dann seines gelehrten Freundes Thcodvret, und anderer völlig glaubwürdiger Zeugen: 1. Er hielt täglich wenigstens zweimal belehrende Vorträge an das von allen Seiten zahllos herbeiströmende Volk, mit himmlischer Beredsamkeit Alle aufmunternd, nach dem Ewigen zu trachten, GotteS und der heiligen Kirche Gebote zu halten, vom Irdischen sich loszureißen, und die Hölle zu fürchten. So bewirkte er eine Menge der auffallendsten Bekehrungen vom Laster zur Tugend. 2. Er bekehrte eine Menge Heiden, ja ganze wandernde Völkcistämme zum Christenthumc. Areber, Perser, Armenier, Jberier, selbst Britten, Gallier und Spanier vom äußersten Westen der drängten sich, begierig nach der Lehre des Heils, zu dem auf der Säule stehenden außerordentlichen Manne im fernen Mvrgen- landc. 3. Er trug wachsame Sorge für die Sittlichkeit umliegender Gemeinden, wie z. B, der Kirche von Phanir in Cölesviien, d>ren Priester eben dieser Cosmas war, der uns die aussah lichc Erzählung der Wundcrthaten des Heiligen hinterlassen. Solche Gemeinden ermunteite er sogar hie und da duich Briefe zu einem wahrhaft christlichen Lebenswandel. 4. Als Engel des Friedens legte er Zwiste bei, schlichtete die Streitigkeiten vieler ihn zum Schiedsrichter Wählenden, und hörte eines Jeden Anliegen geduldig und liebreich an, um zu ratv>n, zu trösten und zu helfen. 5. Von ungerechten Nichtern oder andern Unterdrückern Bedrängte fanden an ihm einen Vater und Netter, der seine Schützlinge meistens durch auffallende Wunder der Strafe an ihren trängcrn vertheidigte. Um des Wohles der Untergebenen willen trieb er saumselige Obrigkeiten zur eifrigern Erfüllung ihrer Pflichten an. 6. Doch nicht bloß auf einzelne Personen, Gemeinden oder Völker erstreckte sich die Wirksamkeit des großen Mannes, sondern auch für die ganze Kirche ward sie in Anspruch genommen. Zur Entscheidung der wichtigsten Angelegenheiten und Fragen seiner Zeit ward SimeonS, des berühmten Säulenstehers, weiscr Rath und vielvermögende Mithilfe nachgesucht. An Kaiser Theodos II. schrieb er zu Gunsten der Christen gegen die Juden; durch ihn bewogen entsagte die Kaiserin Enoxia der Irrlehre des EutycheS; Kaiser Marcian verkleidete sich, um frei und unerkannt mit dem von höherem Richte erleuchteten Einsiedler sich zu besprech n; Kaiser Leo befragte ihn wegen des Conciliums von Chalcedon, und der Heilige trug sehr viel dazu bei, das; sich bei der Verdammung des NcstvriuS die orientalischen Bischöfe, an deren Spitze Johannes, Patriarch von Antiochicn, stand, mit dem heiligen Cyrillus von Alexandne» und dem Concil von Epliesus vereinigten. 7. Er war der allgemeine Nvthhelfer der Leitenden jeder Art durch außerordentliche Wunder, der mit der Gabe der Heilung ausgerüstete Arzt der Kranken, der stets sorgsame Vater der Armen, und die Zuflucht aller Hilfsbedürftigen. 8. Er betete, betete viele Stunden des TageS, und mit Weniger Unterbrechung die ganze Nacht hindurch; und ein Gebet, Wie Er betete, ja — das rechte, wahre Gebet überhaupt ist kein Müßiggang, eS ist eine heilige Aibeit, ist die schönste Beschäftigung der Frommen und Heiligen hienicden, und der Seligen und Heiligen oben die ganze Ewigkeit Hindu?ch. „So großen Nutzen," sagt Theodoret, „ergoß die von Spöttern verhöhnte Sänle." Von ihrer Höhe herab flössen Segnungen des Himmels, Licht und Wärme der heiligen Lehre und Liebe. Darum ruft der syrische Lebensbeschreiber mit Recht bewundernd aus: „Wie Viele wurden durch ihn Junger der wahren Lehre, und Gefäße der Ehre! Wie viele Unzüchtige wurden keujch, wie viele Wüstlinge zur Reinigkeit bekehrt, wie viele Buhlerinnen durch seinen bloßen Anblick von serne in treue Freundinnen Christi umgewandelt! Wie viele Bedrängte sind durch sein Wort von ihren Drängern errettet, wie viele Schuldbriefe durch seine Verwendung vernichtet worden! Wie vielen Mißhandelten ward Ruhe, wie viele Sklaven wurden befreit, wie viele Waisen und Wittwen aufcrzogcn und ernährt! Er erhöhte das Ansehen der Purster Gottes, unv hielt die Verordnungen der h.iligen Kirche aufrecht. Er steuerte dem Wucher, und brachte es dahin, daß Viele sogar keine Zinsen mehr forderten." Dann verbreitet er sich staunend über die Wunde-baren Heilungen und Hilfeleistungen in der Nahe und in die Ferne hin, Heilungen von den schwersten Gebrechen und Krankheiten, Rettungen aus Gefahren zu Wasser und zu Lande, u. s. w. Ferner berichtet er, daß oft Briefe von Königen oder Gesandte derselben beim Heiligen anlangten, um sein Gebet und seinen Segen für die Reiche zu erflehen, und seine B.fehlc zum Wvhle der Unterthanen zu vernehmen. Sie nannten ihn aber im Eingange ihrer Schreiben „Vater und Lehrer, der uns von Gott gegeben wurde." llnv Simcon rieth und verordnete ihnen Alles, was Gott gefällig, zu dessen Ehre, für das Heil der Seelen ersprießlich, für die Armen vo-thcilhaft, und zur Befestigung der Herrschaft dieser Fürsten dienlich war. So lebte nach dem Zeugnisse von Zeitgenossen und Augenzeugen der Mann auf der Säule. So lebte er, eine lange Reihe von Jahre» hindurch rastlos wirkend für die Ehre seines Herrn und das Wohl seiner Vrüver, und dieß unter dem Drucke furchtbarer körperlicher und geistiger Leide», wodurch Gott sein.n Diener und Liebling prüfte unv reinigte, lind ein solches Leben wäre nur müßige Schwärmeret gewesen?! Ein Leben stete» BetenS und Leidens, der strengsten Abtödtung und Selbstverläugnung, der Belehrung und Ermahnung, der thätigsten Liebe und Erbarmung gegen Alle; ein Leben wirksamen wohlthätigen Einflusses auf Hohe und Niedere, Pri.stcr und Laien, Reiche und Arme, Gemeinden und Völkerstämme, Kirche und Staat; ein Leben, reich an den schönsten und hcldenmü'thigsten Tugenden, an Geduld und Demuth und Sanftmuth, und herzgewinnender Freundlichkeit und unbesiegbarer Standhaftigkcit im Guten, — ein so großes und edles und heiliges Leben eine müßige Schwärmerei?! Nein! Wir nennen es mit Recht voll Ehrfurcht und Bewunderung ein wahrhaft thätiges und scgenreiches Leben, einen her-lichen Baum voll der besten Früchte für das ewige Leben, eine überfließende Quelle von Wohlthaten für die Menschheit, einen Schatz des Hmm-ls f >r Kirche und Staat, einen Acker reich an Ernten für Jenseits, und Simeon Stylites ist den größten, heiligsten, einflußreichsten, verdientesten, und darum ehrwürdigsten Männern beizuzählen, die der Himmel je in seiner Huld und Gnade der hilfsbedürftigen Welt geschenkt, eine Sonne, nach allen Seiten hin ihre Strahlen versendend voll Licht und heiliger Glut. Aber — das Stehen auf der Säule? War denn nicht wenigstens diese Lebensweise Thorheit und Unsinn? Hätte er nicht auf eine andere, vernunftgemäßere Weise eben so wirken können? „Nein," ist Möhlers Meinung*); „nur so brachte er jene erschütternde Bewegung in den Gemüthern hervor. Dieß konnte nur Er wirken, und zwar in der ganz bestimmten Erscheinung, wie er stand auf der Säule" und so weiter. Katerkamp aber bemerkt im dritten Ban?e seiner Kirchengeschichte über Simeons Lebensart: „Es scheint doch der Vorsehung gefallen zu haben, durch ihn eine erschlaffte Zeit zu beschämen, und.ein Vorbild aufzustellen, was der menschliche Wille für unv durch Gott vermöge. Durch seine sonderbare Lebensweise sollten höhere Zwecke erreicht werden. So beweiset der Erfolg." Entschiedener als Katerkamp mit seinem „Scheinen" erklärten die Zeitgenossen unseres Heiligen, Cosmas und Theodoret, ihre feste Ueberzeugung, daß es ausdrücklich so Gottes Anordnung und Wille gewesen sey, ihn als Licht auf die Säule zu stellen. Eine Engelerscheinung lehrte, wie die syrischen Acten erzählen, den Heiligen die Art und Weise des Stehens und Betens; Gottes Absicht aber, bemerkt der Verfasser, sey gewesen, „weil Er die Welt wie eingeschlafen sah, durch Simeons Leiden die Menschen von der schweren Bersunkenheit zu erwecken.' Cosmas sowohl als Theodoret führen dann aus dem alten Bunde mehrere Beispiele außerordentlicher und seltsam scheinender Austräge Gottes an Propheten an, gegeben zur Wiedererweckung des gesunkenen sittlichen Lebens der Menschen, die so oft nur durch das Außerordentliche und Wunderbare aus langgewohnter Erstarrung und Erschlaffung aufgeregt werden können. So haben wir, um mit Theodoret zu reden, einen Tropfen der Wirksamkeit Simeons, des Styliten, dargestellt, um daraus auf den reichen Regen der Segnungen seines merkwürdigen und wohlthätigen Lebens schließen zu lassen. Erwägt man di-ses Leben näher, so muß man in der That mit dem heiligen Jakob von Sarug"*) gestehen, daß es über jeden Ausdruck erhaben sey, unv, wie er, Simeon einen an Triumphen reichen Kämpfer nennen, und einen auSerwähltcn Vater voll der erhabensten Großthaten. ') Vergleiche den L. Band der gesammelten Schriften und AusfStzc Mvhiers, herausgegeben ron Döllingcr. Dem berühniresten wnschcn L.rter und Lehrer nach >st. Ephräm, in seiner mctnfchcn Lvvrede auf Simeon Stylites. Diese Zeilen mögen aber dienen als vorläufige Ankündigung einer ausführlichen Darstellung des Lebens und Wirkens des großen Styliten, die der Unterzeichnete mit Zugrundelegung der syrischen Acten aus den bewährtesten Quellen, z. B. Theodoret, den Bol- landlsten u. s. w., zusammenzustellen versuchen wird. P. PiuS Zingerle, 0. S. L. Der Convertite Newman (Neue Sion.) Hat von vr. Puley, Professor der hebräischen Sprache, die »nglokatholische Partei ihren Namen, so ist Newman die Seele derselben. ") Beive Männer stehen in den kräft-gsten Jahren. Pusey wurde 18W geboren. Nachdem er im Jahr 1Z22 seinen ersten Grad in lilteris Kumsnioridus erhalten hatte, wurde er zum l^lellov) Mitglied des Kollegiums von Oriel gewählt. Im Jahr 1328 wurde er zum Professor der hebräischen Spiache ernannt, eine Stelle, mit der zugleich ein Kanonicat verbunden ist. Herr Newman, etwas jünger als Pusey, ist nicht Doctor, sondern bloß BaecalaurenS der Theologie und obwohl Mitglied i^sLllov) der Universität Oxford, ist er nicht Professor. Seine Stellung ist die eines kellc^v oder Mitglieds des Kollegiums von Oriel und Pfarrers an der Kirche der heiligen Jungfrau Maria. In letzter Eigenschaft wirkte er besonders einflußreich aus die studirende Jugend durch seine Predigten, die er, so wie m-hrcre andere Schäften theologischen Inhalts, im Druck herausgab und dadurch bald auch in weiteren Kreisen als tie'er Denker und frommer Geistlicher bekannt wurde. Einige verknöcherte A->glicaner suchten zwar die Jugend von seinen Predigten feine zu halten und eadurch seinen Einfluß zu schwächen, es schlug jed ch zu ihrem Nachtheil aus, sofern die daraus entstandenen Streitigkeiten die Zahl seiner Schüler vermehrten. Mit dem Erscheinen der „Abhandlungen für die geg?nwärt!ge Zeit" (ti-acts kor tlis times) im Jahr 1833, wurde der litem- rischen Thätigkeit Ncwmans ein neues Feld eröffnet, sofern er hier als thätiger und eifriger Mitarbeiter auftrat. B.kannt ist die 98. und zugleich letzte Abhandlung, die im Jahr 1841 erschien und deren Verfasser Newman ist. In dieser Abhandlung nämlich suchte Newman die 39 Artikel der englischen Kirche mit den Bestimmungen des Concils von Trient in Einklang zu bringen. Um zu zeigen, wie Newman htcbci verfuhr, wollen wir eine kleine Probe geben. Wie so manche Scctc, nennt auch die englische Knche die Bilververehrung eine Bildcranbetung. Wenn nun in den 39 Artikeln von Bilderanbetung gesprochen und diese verdammt wird, so sagt Newman, das habe auch die Kirchenver>ammlung von Trient gethan und die 39 Artikel verwerfen also bloß einen in jener Zeit bei den Katholiken sich findenden Mißbrauch, nicht aber die Bilderverehrung überhaupt. Mit der Lehre der katholischen Kirche war nämlich Newman schon in f.üher Zeit ganz einverstanden und er suchte dem absterbenden dürren Baum der englischen Kirche dadurch gleichsam aufzuhelfen, daß er lebenskräftige Sprossen, die er der katholischen Kirche entlehnte, jenem einpfropfte. Römischer Katholik will Newman um diese Zeit noch um keinen Preis seyn. *) Wir halten uns hiebe! besonders an die von Gvndvn verfaßte Schrift,' „vie religiöse Bewegung in England vver die Fe-rlschnile des Kuihvlicismus und die Rückkehr der anglicanischen Kirche zur Einheit.« - Diese Sehnst, die interessante Ausschlüsse über Englands gegenwäniae Lage gibt uns darum empichlenswenh ist, wuroc ms Deutsche uversetzl, Äiainz, Verlag von C. G. Knnze 13^5, In den Schriften, die vom Jahr 1833 — 37 von ihm erschienen, nennt er die römische Kirche eine verlorene. Rom ist ihm ketzerisch und hat sich mit der Sache des Antichrists verbunden, es hat die Lüge an die Stelle der Wahrheit gesetzt und muß daher geflohen werden, wie die Pest. So redet Newman i» den dreißiger Jahren! Auch in den Streitigkeiten, die durch die 9vste Abhandlung entstanden, zeigt sich noch eine große Abneigung gegen die katholische Kirche. Doch ist die Ahnung, daß in dieser Kirche jenes verlorene Paradies sey, nach dem sein Herz und G.ist so mächtig verlangt, viel stäiker und klarer. „Das Jahrhundert strebt, schreibt er, ich weiß nicht nach w-lchem unbekannten Etwaö hin, und was außerordentlich ist, die einzige religiöse Gemeinschaft, welche im Verlauf dieser letzten Jahre sich unter uns im Besitze dieses Unbekannten zeigte, ist die Kirche von Rom. Sie allein hat, trotz ihier Irrthümer und der Unbequemlichkeit ihres praktischen Systems, den innigen Gefühlen der Anbetung, der G.hcim- nisse, der Zärtlichkeit, der Ehrfurcht, der Andacht und so vieler anderer, welche man insbesondere katholische Gefühle nennen kann, eine freie und regelmäßige Entwicklung gegeben." Daß in der katholischen Kirche die volle und ungetrübte Wahrheit sey, wenigstens in der Thcvrie, das dräng/ sich ihm vom Jahr 1841 immer unabweisbarer auf und bringt ihn so weit, daß er alle Schmähungen, die er in unklarem Eifer auf sie gewälzt, öffentlich widerruft. Er kann cS kaum begreifen, daß er als einzelnes Individuum gegen eine so alte, so verbreitete Gemeinschaft, die so viele Heilige erzeugte, solche Dinge sagen konnte und entschuldigt sich damit, daß dieses eigentlich nicht einmal seine eigenen Worte seyen, sonde n die aller englischen Theologen, die, so gelehrt, so ausgezeichnet sie auch waren, sich doch in Schmähungen gegen Rom überboten. Sodann wünschte er auf diese Weise die Anschuldigung des RvmaniSmuS zurückzuweisen. Seit dieser Wiverruf bekannt wurde, erhob sich natürlich das Geschrei seiner Gegner über Romanismuö noch ärger und lauter. Man muß sich auch wirk.ich fragen, warum Newman nicht in die Katholische Kirche zurückkehrte, die er doch als die Trägerin der iWahiheit und Gnade c.kannt hatte? Eine offene, volle Antwort ^hierauf gibt ein Schüler Ncwman's in einem Schreiben, das an ^das Univers gerichtet war, um die Franzosen über den Puscyismus lzu oricntiren. „Meine Herren, schreibt dieser junge Anglvka'holik, die Demuth, die erste Bedingung jeder gesunden Verbesserung, mangelt unS nicht; wir seufzen über die Sünden, die unsere Vorfahren ^begingen, indem sie sich von der katholischen Welt trennten; wir empfinden ein heißes Verlangen, uns mit unsern Brüdern zu vereinigen; wir l eben mit ungehcuchelier Liebe den apostolischen Stuhl, den wir als das Haupt der Christenheit anerkennen, und dieß um so mehr, als die Kiiche von Rom unsere Mutter ist, welche aus ihrem Schoeße den glückseligen heiligen Äugustiu schickte, um unS ihren unerschütterlichen Glauben zu übe.bringen. Wir erkennen auch an, daß weder unsere Formulare noch auch der 5Urchcnrath ^von Trient uns an einer Vereinigung hindern. Nach allen diesen Zugeständnissen können Sie mich wohl fragen: warum kommt ihr denn nicht, euch mit uns zu vereinigend — Vorerst, meine Herren, unterscheidet Herr Newman, wahrend er sich so bestimmt über die Reinheit der von der Kirche Roms geltend gemachten Formulare auSd>ückt, immer zwischen dem System der Kirchcnver- scunmlunz von Tiient und einem andern System, welches in dieser Kirche besteht. Während er Gott dankt, daß er die Nirchenver- sammlung von allem formellen Irrthum in Glaubenssachcn bewahrt ha>e, behauptet er zugleich, daß in Sachen der Ausübung Vcr- derbnisse in der Kirchc seyen, gegen welche die Kirchenversammlung selbst die Stimme erhebt, welche aber nichts desto weniger noch bestehen und laut eine Verbesserung fordern. — Er behauptet immer, daß die Theorie der Kirche rein sey, indessen nach gewissen, zu allgemein verbreiteten Andachtsbüchern und den Erzählungen mehrerer aufgeklärten und vom gewöhnlichen Protestantismus ganz freien Reisenren fürchtet er, eS sey ein gutgeheißenes System vorhanden, welches in der Ausübung, statt der Seele des Sünderö die heilige Dreieinigkeit, den Himmel und die Hölle vorzustellen, die heilige Jungfrau, die Heiligen und das Fegfcuer an die Stelle jener setzt. Allerdings bildet alles diess keinen wesentlichen Theil des Glaubens der Kirche; indessen gesteht er, daß dieses System so laut eine Reform erheische, daß es der anglicanischen Kirche unmöglich sey, sich der römischen in die Arme zu werfen." Das sind also die Irrthümer des „praktischen Systems," die Newmcm von der Kirche ferne hielten. Das Aufgeben dieser vermeintlichen Dinge ist ihm die Reform, die er von Rom fordert, um alebald in Gemeinschaft mit demselben zu treten, „ungeachtet alles Widerspruchs der Staatsmänner und der bürgerlichen Gewalt." Man sieht hier, was Vorurthcile, anerzogener Haß vermögen, selbst bei einem Manne von so scharfem Blick und großem Geiste. Newmcm bucht anfänglich mit allen seinen Glaubensgenossen über die katholische Kirche den Stab, seine Studien lassen aber keinen Zweifel mehr in ihm aufkommen, daß alle Ergüsse des anglicanischen Eifers Bcrlcumdungcn sind; er spricht die Kirche theoretisch frei. Unbekannt mit dem katholischen Leben und Leiden trägt er das Bild, das ihm von Kindheit an von der Kirche gemacht und eingeprägt wurde, auf die Praxis über, und glaubt hier den Götzendienst, den Irrthum, die Lüge zu finden, die er in den Dogmen der Küche vergebens sucht. Will man die Thätigkeit und den Einfluß Newmcm's nach seinem ganzen Umfang kennen lernen und würdigen, so darf man den Antheil, den er an dir Herausgabe und Redaction der LritisK eritie bat, nick't übersehen. Als die cmglokatholische Partei erstarkte, schuf sie sich bald Organe, durch die sie ihre Ideen als fruchtbare Keime verbreitete. Dahin gehören die bereits erwähnten .Abhandlungen für die gegenwärtige Zeit" und die IZritisI, eritic!, deren Redaction Newmcm übernahm. Es ist dieses eine Licrteljahrschrift, die eben so Theologie als Kunst und Politik in ihren Bereich zieht und mit großer Gründlichkeit und umfassender Gelehrsamkeit vom anglokatholischen Standpunct aus beurtheilt. Die Gediegenheit und ernst, wissenschaftliche Haltung verschafften der Zntschnft sehr schnell Eingang und mit ihr auch puseyitischcn Ansichten und Grundsähen. War Ncwman geistreich und muthig genug, die Halbheit der anglokatholischen Bewegung zu durchschauen und nach gewonnener Erkenntniß in die Küche zurückzukehren (denn daß seine Ansicht von dem praktischen System ein Irrt um ist, bedarf keiner Erwähnung), so ist dieses Pusey bis jetzt nicht gelungen. Er steht noch auf dem Standpunct, den Newman vor 1841 eingenommen hat und durch die Vorgänge im Jahr 1843, wo er die bekannte Predigt hielt, wurde er nur noch mehr hineingetrieben und scheint sich festgerannt zu haben, so er nicht, durch die göttliche Gnade gezogen, endlich doch noch die Heimath findet in der katholischen Kirche. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Deutschland. 5 Kloster Oberschönefeld. In unserer Klosterkirche werden sich am 2. December wieder fromme Seelen zu einer religiösen Feier versammeln, die schon mehrmal statt fand, seitdem die schirmende Hand der Vorsehung dem völligen Untergänge unsers Stiftes wehrte, und durch ihr zum Besten unserer heiligen Religion allzeit bereites Organ, unsern Allergnäbigstcn Landesvater, dasselbe wieder in's Leben rief. Diese Feier betrifft drei Jungfrauen. Eine Laienschwester, Francisca Schwarz von Ettenbeuern, legt auf 3 Jahre ihre Prvfeß ab, und zwei Andere, von denen die erste für den Chor und die Arbeitsschule, und die zweite zu den Diensten einer Laienschwester bestimmt ist: Joscpha jetzt Alaidis Schmid von Augsburg, und Nadegunda jetzt Wendelina Joachim von Margarshausen, werden eingekleidet. Möchte uns bald ein einträgliches Institut zugewiesen werden, wodurch unsere Fortdauer hinlänglich gesichert wäre, da die oft zahlreiche Arbeitsschule armer Landmädchcn dem Kloster nichts einträgt, vielmehr große Kosten verursacht! Wie wohlthätig wäre z. B. eine Versorgungs-Anstalt für verwahrloste, unmündige, weibliche Kinder, einstweilen etwa bis auf sechs Jahre, ein Vorschlag, der gleich bei unserer Restauration, sogar in Tagblättcrn, mit vollem Beif.elle aufgenommen wlüde. Allein bis jetzt fehlen noch immer die Mittel, nm diese frommen Wünsche in Wirklichkeit zn verwandeln; doch wir vertrauen auf Gott, mit dem wir das Werk angefangen haben, und der es auch zu seiner Ehre, und zum Heile der Seelen hinausfuhren, und so die Standhciftigkeit krönen wird, womit unsere alten Conventualinnen unter hundert leidigen Zufällen in ihrem geliebten Stifte ausgehalten haben, und ihrer frommen Sehnsucht nie entsagen werden: Nur immer bei JesnS zu seyn und zu bleiben, Und alle Gedanken der Welt zu vertreiben; Ihr Ringen und Flehen geht einzig dahin, Für Ihn zu erglühen mit heiligem Sinn. Statistik der katholischen Kirche in Nordamerika. AuS dem katholischen Almanach dieses Jahres ergibt sich, daß die vereinigten Staaten, das eben anncxirte TcxaS nicht miteinbegriffen, 21 Diöcesen und ein apostolisches Vicariat, 675 Kirchen und 592 Kapellen, 572 in den Messionen beschäftigte Peicster und 137 Priester in den Kollegien und Seminarien, 22 geistliche Lehranstalten, 22 Seminarien, 28 Kollegien und höhere Bildungga stalten für die Jugend, 2g religiöse Gene ssensckaflen, 94 katholische WolMätig- kcitS-Bereine und eine katholische'Levöllerung von ungefähr 1,300,000 S.clen besitzen. Letztere Angabe beruht jedoch nur auf einer ohn- gefähren Schätzung und der wirkliche Stand der katholischen Bevölkerung ist wahrscheinlich viel stärker. Vergleicht man diese statest schen Angaben mit den älteren, so ergibt sich daraus das erfreuliche Resultat, daß unsere heilige Religion dort in steter Zunahme begriffen ist. Im Jahre 1835 gab es in den Vereinigten Staat. « nur 13 Diöcesen, 14 Bischöfe, 272 Kirchen, 327 Priester, 12 Seminarien und 9 Kollegien; im Jahre 1840 zählte man schon 16 Diöcesen. 17 Bisctöse, 454 Kirchen, 432 Priester, 18 Seminare und 11 Kollegien; und jetzt im Jahre 1845 haben wir 21 Tiöcesen, ein apostolisches Vicariat, 26 Bischöse, 675 Kirchen, 709 Peiester, 22 Seminarien und 15 Kollegien, ohne von der Zunabme der weiblichen religiöscn Genossenschaften und Töchterschulen hier zu reden. _ ^ Verlags-Jnhab.r: F. C. Krem er.