' H ^ V»Sv ' Dr,/., d»r «/ ^ ^^^"^^u^^^SV Ppftzeitttng. Iweite Jahreshälfte. ^S. 7. Dec. 18-45. Conversionen zu Rom. (Aus Huriers „Gcburr und Wlc!>ere>el'url", drittes Bändchen.) Daß in Rom Konversionen häusiger vorkommen, als sonst irgendwo, ist begreifli ch. Feblt es ja nie an Solchen, welche mit zuvor schon gehegter Absicht oder angeregter Neigung nach dem Mittelpunct der Kirche sich begebe», dieweil cs sie hinziebt, an diesem selbst offen zu bekennen, wozu inneres Sehnen oder vielleicht bereits gewonnene Ueberzeugung sie geleitet hat. Außer dem sind der Veranlassungen, der nicht zu berechnenden Einwir- kun>en, welche dergleichen anbahnen, fördern, bewerkstelligen, gar mancherlei. Ganz Rom ist für den, welcher Ohren hat, zu hören, gleichsam eine nie vc stumme« de, in dn mannichfaltigsten Redeweise an einen Jeden sprechende Pred'gt zu Bertuiidung des in das Leben einget-ctenen christlichen Glaubens. Auf Rom läßt sich das Wort des Psalms anwenden: „Der Tag übergibt dem Tag das Wort, und eine Nacht thut kund das Wissen der andern. Es gibt keine Sprache und keine Rede in der ihre Stimme nicht gehört wurde. Ihr Schall geht aus in alle Lande und an die Ende des Erdkreises ihre Wotte." Wohl möchte es nichts Anziehenderes, nichts Lehrreicheres geben, als wenn die Beweggründe, die Veranlassungen, die Einflüsse könnten zusammengestellt werden, welche während des Verlaufs bloß eines einzigen Jahres aus die verschiedenen Individuen zu deren Rückkehr in die Kirche eingewirkt haben. Ohne allen Zweifel würde man daraus sich überzeugen können und überzeugen müssen, daß bei den Bedeutendem und in jeder Beziehung Selbst- ständigen unter denselben nichts weniger unterlaufen sey, als dasjenige, was man gewöhnlich Proselytenmachcrei nennt, und von der man so gerne ganz Rom angesteckt wähnt; indeß man gewiß, wenigstens in den höhcrn Class.n, so der Geistlichen als der Laien, hier derselben so ferne steht als irgendwo, eben so viel Zartgefühl besitzt, um in die inncesten Herzensangelegenheiten eines Dritten unberufen sich nicht einmischen zu wollen, als anderwärts. UebrigenS gibt cS eine zweifache Proselytenmachcrei; und cs ist die größte Frage, welche von beiden schwunghafter betrieben werde, ind ß diejenige, welche von beiden die würdigere sey, weniger zweifelhaft ftyn kann. Es gibt eine Proselytenmacherei, welche in festbegründcter Ueberzeugung wurzelt und die Liebe als Agens hat, eine andere, welche, wenn nicht aus Wanken und Gleichgültigkeit hervorgeht, doch die Abneigung, wo nicht den Haß, zur bewegenden Kraft macht; eine, welche, glücklich im Besitz reicher und kostbarer Habe, jeden Andern zu deren Mitbesitz einladen, mit demselben ihn ausstatten möchte, eine andere, welche, auf »bre Entblößung stolz, denjenigen, der diese nicht theilt, bereden mochte, auch seines Besitzes als eines werthloscn Dinges sieh zu cntschlagcn; die eine theiet mit, die andere entzieht, denn sie kann nichts geben, im besten Fall dem Menschen nur dasjenige lassen, was der, welchen sie gewinnen möchte, längst schon gehabt hat. Die eine weiß, Daß sie das Individuum, welches sie zum Gegenstand ihrer Bemühungen wählt, in eine, über alle Zeit und allen Raum sich erstreckende und von dem Himmel zur Erde reichende Verbindung einfügt, die andere, daß sie von dieser eS losreißt, um es in eine solche zu bringen, der keine andere Bürgschaft gegeben ist, als diejenige des (immerhin wandcibarcn) guten Willens einer größern oder genngern Anzahl von Personalitäten. Jene hat einen positiven, ja mehr als positiven, einen unerschütterlichen Ausgangspunct und faßt eine positive Wirksamkeit ins Auge (wiewohl cs gutmüthigem Eifer leicht begegnen mag, daß er in dieser Beziehung allzuleicht sich täusche), jene, von Negativem ausgehend, ist außer Standes zu berechnen, wo das Endziel der Negation gesteckt sey. Aber gerade da, wo die Proselytenmachcrei aus dem Bewußtseyn des vollen Besitzes und auö einer anerkannten Verpflichtung hervorgeht, zu dessen Theilnahme auch Andern zu verhelfen, kann in untergeordneten Verhältnissen die Anwandlung zu einer gewissen, die natürlichen Gränzen leicht überschreitenden Bethätigung derselben nahe liegen. Ich will gar nicht bezweifeln, daß mancher Priester in einfacher Gutmüthigkcit seines Herzens sich verpflichtet glaubt, dieselbe versuchen zu sollen, wo nur immer Gelegenheit dazu sich darbieten mag; daß daher in Gefängnissen oder in Spitälern oder an andern derartigen Orten Mancher aus den untern VolkSclasscn in die katholische Kirche hinübergezogen wird, der sonst vielleicht nie daran gedacht hätte; daß sogar zwi-- schencin auch Mittel mögen angewendet werden, deren Rechtfertigung schwer fiele. Eine Frage aber wäre cs, ob diejenigen, welche bei vorkommenden Fällen alsbald Lärm zu schlagen bereit stehen, auch immer die Umstände kennen und, wenn sie dieselben kennen, vor Uebertreibung sich frei halten und daneben zu richtiger Beurtheilung dessen geneigt seyn möge«, was vielleicht in mehr als einem Fall den Lärm nothwendig dämpfen müßte? Es ist vor wenigen Jahren vorgekommen, rcisz mehrere nichtkatholische Sträflinge längere Zeit in einer Gefangenschaft zu Rom sich befanden. Von diesen gingen Einige, ob aus innerer Ueberzeugung, ob in Hoffnung, ihr Loos zu verbessern, ob in vollkommen freiem Willen oder überredet, weis; ich nicht, zur katholischen Kirche über. Das wurde bekannt, und augenblicklich begab sich der Hausprcdigcr einer Gesandtschaft, der in aller Zeit rorher niemals um diese Menschen sich bekümmert hatte, in die Gefangenschaft und ließ dieselben zusammen kommen. Denjenigen, welche katholisch geworden waren, machte er darüber Lorwürfe, erhielt aber die Antwort: wenn sich um die religiösen Bedürfnisse der Gefangenen diejenigen nicht bekümmerten, welche im Fall wären, darum sich erkundigen und Beistand leisten zu können, wenn der Gefangene aller Mittel zu seiner Belehrung und Tröstung sich beraubt sehe, so dürfe eS Niemand befremden, daß er zu denjenigen Mittel» seine Zuflucht nehme, die ihm freundlich dargeboten würden. Dieß Wäre die Ursache, weßwegen sie katholisch geworden wären. — Den Andern nun, welche deren Beispiel nicht gefolgt waren, gab der Prediger Namens seines Fürsten eine Geldunterstützung. Darüber beschwerten sich nun jene Erstern, indem sie meinten, sie wären, trotz ihres Ueberlrittes zu der katholischen Kirche, Unterthanen ihres Landeöherrn, so gut als jene Anvern, zumal die Zahl der unter seiner Regierung stehenden Katholiken keine geringe sey. Das hatte die Folge, daß von dem Staatssecretariat des Innern mchtkatholischen Geistlichen der Eintritt in die Gefängnisse untersagt wurde. War dieses Verbot nicht dmch jenen Vorgang gerechtfertigt? Diente aber das Geschenk als Mittel, Jene in ihrem nichtkatholischen Glauben zu festigen, ist es ein prciswürdi- gercs, als dasjenige, durch geweckte Hoffnung besserer Behandlung oder schnellerer Entlassung einen Gefangenen zur Annahme eines andern Glaubens zu bewegen? Bei manchen ungesuchten und unbeabsichtigten Bekehrungen selbstständiger Personen würde man nicht selten auf die überraschendsten Veranlassungen und Einwirkungen stoßen; auf Einwirkungen, Wenn nicht gerade so unerklärlich und wunderbar wie diejenige, welche Theodor Ratisbonne in die Kirche hineinführte, doch immer so auffallend, daß in ihren ersten Anfängen wenigstens der Finger Gotics nicht verkannt werden könnte; wie in jenem Regenschirm Welchen ein Engländer in einem Beichtstuhl zurückgelassen hatte, was zur Veranlassung wurde, ihn sammt einem Freunde wieder in die Kirche zurückzuleiten, wie Solches in Abbe Rohrbacher's „Ucberblick über die vornehmsten Bekehrungen" zu lesen ist. Einen nicht minder merkwürdigen Gang nahm die Bekehrung einer deutschen Dame, welche vorzüglich alle die Abneigung gegen das Papstthum und die Pe.son eines Oberhauptes der Küche mit sich nach Rom brachte, welche so häusig den deutschen Protestantismus aller Schattirungen und Abarten durchdringt und stachelt. Eines Tages begegnete sie unfern des Stadtthores dem Papst, der eben eine Spazierfahrt machte. Da zwang es sie mit unwiderstehlicher Gewalt, gleich Andern, auf die Knie zu fallen und den Segen des ehrwürdigen Greisen zu empfangen; was augenblicklich einen so tiefen Eindruck auf sie machte, laß sie beinahe in Thränen zerfloß und lange noch, nachdem der Papst schon vorübergefahren war, in ihrer knicenden Stellung verblieb. Als sie endlich sich aufraffte, lehrte die vorige Gesinnung zurück und sie machte sich über ihre ungeziemende Schwachheit selbst bittere Vorwürfe. Sey doch, kam es ihr hierauf zu Sinn, derjenige, bei dessen Erscheinen sie sich auf die Kniee gelassen, und der sich Oberhaupt der Kirche nenne, ein sündiger Mensch gleich Andern; warum denn ihm solche Ehrerbietung beweisen? Die Neue über ihre Schwachheit stachelte sie zum Grimm, und sie beschloß dadurch Genugthuung für dieselbe sich zu verschaffen, daß sie dem Papst seine Anmaßlichkeit, bei gemeinsamer Unvollkommendeit mit allen andern Menschen, geradezu vorhalte. Zu dem Ende ließ sie um eine Audienz bitten, gleichzeitig aber Postpferde bestellen, um unvcrweilr nach ihrer kühnen That wenigstens dem Bereich des Beherrschers des Kirchenstaates sich zu entziehen. Es war nicht schwer, die Audienz zu erhalten. Die Dame hatte wirklich den Muth, ihr Vorhaben auszuführen und dem Papst zu bemerken: wie er sich den Stellvertreter Christi auf Erden nennen könne, da er ein sündiger Mensch sey? Mit seiner anerbornen Milde antwortete er ihr: „Ungeachtet er selbst tagtäglich dieses sich sage und Gott anflehe, daß er, unangesehen dessen, zu Führung des schweren Amtes mit seiner Gnade dennoch ihm beistchen wolle, freue es ihn, wenn er auch durch Andere hieran erinnert werde, damit er stets desto lebendiger und dcmuthSvollcr dessen gedenke." Diese Antwort entwaffnete die Dame. Sie fühlte sich wieder eben so betroffen, als an dem Tage, da sie dem Papst auf offener Straße begegnet war. Man versicherte mich (und es fällt mir bei der Persönlichkeit Gregors XVI. gar nicht schwer, eS zu glauben) der Papst sey hierauf gleich einem Katecheten in einige der wesentlichsten Puncte des katholischen Glaubens mit ihr eingetreten, und habe die Audienz verlängert, um über verschiedene Differenzen die Dame zu belehren. Dieß Alles habe aus dieselbe solchen Eindruck gemacht, daß sie die Postpferde abbestellt, hierauf um einläßlichere Unterweisung sich umgesehen, endlich die volle Ueberzeugung gewonnen habe, daß der katholische Glaube der wahre, sie somit zu diesem übergetreten sey. Ein deutscher Edelmann, dem ich die Nachricht über diese gewiß höchst merkwürdige Rückkehr in die Kirche verdanke, erzählte mir, wie er in seinen frühern Jahren durch die Eitelkeiten und Zerstreuungen des Hoflebcns geradezu um allen Glauben gekommen sey. Die protestantische Lehre, in der er mit aller lebcnlosen Kälte des norddeutschen Nationalismus erzogen worden, habe er nur allzubald über Bord geworfen, die katholische dagegen gar nicht gekannt, oder höchstens nach den wegwerfenden Urtheilen, Welche in seinem Heimathlandc gewvhnheitsgemäsz über sie gefällt würden. So sey er auf Reisen nach Rom gekommen, mit dem Vorhaben, länger daselbst zu verweilen. Leichtfertigkeit und Ncu- gierde hätten ihn getrieben, einen Jesuiten um Unterricht in der katholischen Glaubenslehre anzugehen, nicht um in dieser sich umzusehen, als vielmehr, um von dein Standpunct des Rationalismus und des Protestantismus, bei sonstigem Mangel an aller innerer Ueberzeugung, demselben zu widersprechen, also gewissermaßen bloß unfruchtbar den Verstand beschäftigende Dialectik zu treiben. Mit bewundernswerther Klarheit habe der Jcsuite die wesentlichsten Lehren des Christenthums ihm dargelegt, und mit noch größerer Ruhe seine Einwendungen angehört, mit schlagenden Gründen sie zu entkräften gewußt, ohne jedoch einen andern Eindruck, als denjenigen der Achtung vor der Geistesschärfe des Mannes, dem er gegenüber stund, in ihm hervorzurufen. In seiner Rolle als entschiedener Protestant habe er sich immer wieder auf die heilige Schrift zurückgezogen und dieselbe als Schild allen noch so schlagenden B.weisen des Jesuiten entgegengehalten. Da sey ihm einst von demselben mit aller Gelassenheit bemerkt worden: sofern er dabei auf die Lutherische Übersetzung sich stütze, so führe er dasjenige, waS er beweisen wolle, zugleich wieder als Beweggrund an, drehe sich somit in einem nichtigen Kreise herum. Denn Luther selbst habe, um für den wesentlichsten >satz seines Systems einen Ausspruch der göttlichen Schrift anfuhren zu können, zuerst diese In Röm. III., 28. geändert; wie er denn dessen alsbald sich überzeugen werde, wenn er seine Uebersetzung mit der Urschrift vergleichen wolle. Mit dieser Nachweisung, die damals für ihn eigentlich eine Entdeckung gewesen sey, habe er sich nach Hause begeben, und nimmer von dem Gedanken sich losmachen können, daß es mehr als ein Wagnis; genannt werden müsse, die heilige Schrift als obersten und allgemeinen Nichter in Glaubenssachen zu proclamiren, dann aber, damit der AuSspruch dieses Richters den eigenen Meinungen eine untrügliche Sanction verleihe, eben diese Schrift zu ändern. Hiedurch sey Luthers Beruf als angeblicher Kirchen- verbesscrer vor seinen Augen in ein bedenkliches Licht, sey zugleich an die Stelle der bisherigen Gleichgültigkeit der Zweifel getreten; Habe er die frühern Entwicklungen des Jesuiten, die sonst eindrucke- los an ihm vorübergegangen wären, in seiner Erinnerung wieder hervorgenommen, die Unterredungen nunmehr mit Ernst und wahrem Verlangen nach Licht und Belehrung fortgesetzt. Aus einem kalten und widerspruchsrcichcn Dialectiker sey er in einen Wahrheit suchenden Schüler umgewandelt worden, dabei die Gnade Gottes Ihm zu Hilfe gekommen. So habe die Nothwenvigkeit des Glaubens zum wahren Leben ihm fortwährend fühlbarer sich gemacht, habe er immer mehr, immer Heller und tiefer erschaut, daß allein der katholische Glaube der wahre seyn könne, habe es ihn mit unwiderstehlicher Geistesmacht in die katholische Kirche hineingezogen. Je mehr und mehr sey ihm die Ueberzeugung aufgegangen, das; er in ihr nur das Licht finden könne, nach welchem er zuvor gar kein Verlangen gehabt, die Seelenruhe, deren Entbehrung er bisweilen nur allzu schmerzlich gefühlt, und den Trost, dessen Segensfülle er bis anhin niemals gcahnet. Wie er dann sein Bekenntniß abgelegt, sey er in jeder Beziehung inne geworden, daß eine wahre Wiedergeburt in ihm vorgegangen sey. (Schluß folgt.) Nekrolog des S°. Palmatius Dietz von Altötting. 6. November 1845. (Kirchenztg, f. d. rath. Deutschland.) Einer der letzten Veteranen jener Helden-Schaar der Söhne des heiligen Franciscus aus dem Capuzincr-Orden der bayerischen Provinz, die alle Stürme der französischen Revolution, die Schrecken der Kriegsjahre, die Gräucl der Säcularisation, den Vanda- Zismus der Deportation, die schwärzesten Verleumdungen, Verachtung, Mangel und Entbehrung mit christlicher Tugendstärke, mit einem unbeugsamen Muth und mit bewunderungswürdiger Ausdauer und Ergebung in den Willen des Allerhöchsten ertrugen und nie das Ordenskleid ablegten, — unser guter Vater, l>. Palmatius Dietz, ist nun auch seinen LndcnSbrüdern in die Ewigkrit nach- gefolgt, in der Nacht vom L. auf den 7. November in ein besseres Leben hinübergegangcn. Wer ihn kannte, liebte ihn wegen seiner Ansprnchlofigkcit und frommer Einfalt, und weil sein langes und unermüdcteS Wirken im Weinberge des Herrn zum Theil in eine so bewegte und unruhige Zeit fiel, so dürfte es der Mühe werth seyn einiger Züge aus dem verdienstvollen, an schweren Prüfungen reichen Leben dieses biedern Jubelgreises hier zu geben- ken, um so mehr aiö sein Andenken in den Herzen Vieler, die ihn näher kennen zu lernen Gelegenheit halten, noch nicht e» loschen seyn wird. Auch glauben wir nicht anzustoßen, wenn wir den Namen des Seligen dem Verzeichniß der Männer von vorzüglicher Tugend und von besonderen Verdiensten aus dem Orden der Capuzincr in Bayern anfügen. ?. Palmatius war den 11. April 1772 von wohlhabenden Eltern geboren, machte seine Studien rühmlichst zu Ambcrg und trat auf das Gutachten weiser und geistvoller Männer, welche er zu Rathe gezogen, seinem Berufe folgend, schon sehr früh in den Cipuziner-Orden, und machte zu Neumarkt sein Noviciat. Im Jahre 1795 zum Priester geweiht, begriff er wohl die Aufgabe, die ihm dadurch gesetzt ward, und war mit der Lösung derselben bei einer rüstigen und dauerhaften Gesundheit bis zum Ende seines Lebens rastlos beschäftigt. In den verschiedenen Klöstern, wohin ihn der Gehorsam rief, z. B. zu Wasserburg, Straubing, Deg-- gendorf, Schärding, München, Laufen, Burghausen :c. :c. leistete er die ersprießlichsten Dienste, durch treue Aushilfe in allen Zweigen der Scelsvrge; besonders wird aber sein Andenken gesegnet bleiben an dem Gnadenorte Allötting, wo er eine Reihe von 30 Jahren hindurch als eifriger Beichtvater uncrmüd-t thätig arbeitete. Jene unselige Zeit, wo nach Gottes unerfo, schlichen Nachschlüssel, sein heiliger Orden so schweren Prüfungen entgegenging, wo den Brüdern alle pfarrlichcn Verrichtungen untersagt, die Ausländer heimgeschickt, die alten Laienbrüder als Pfründner in die Abteien verwiesen wurden, wo allen die Pforte zum Weltpricster- stand geöffnet und die nicht wollten, in Centralklöster zusammengedrängt wurden, und da die drückendste Armuth und Noth erlitten; wo dem ?. Prvvincial die Visitation untersagt, Provincial- Capitel verboten wurden und innerhalb eines Jahres die bayerische Capuzincr-Provinz bis auf die Hälfte zusammengeschmolzen war, vermochte nicht sein festes, unerschütterliches Gottvertrauen zum Wanken zu bringen. Aufwärts zum Himmel blickte seine fromme Seele und demüthigte sich unter der Hanv des Herrn. Deßhalb konnte er auch bei allen späteren Schlägen, die ihn trafen, lächelnd sagen: () psssi graviors, clsdit Heus Ki5 czuociue linem! Als Napoleon nach Altötting gekommen war, ließ er sogleich den ?. Guardian rufen und fragte um die Ursache der Abreise der Capuzincr aus Tyrol; warum sie hiehergekommen seyen und w.r sie abberufen habe. Dieser antwortete ehrerbietig und bekannte, was er wußle. Zuletzt fragte ihn Napoleon: .Betet ihr nur für den Kaiser von Oesterreich?" „Wir beten," antwortete jener, „für alle christliche Fürsten und Potentaten." „So betet auch für mich!" sagte Napoleon. ?. PalmatiuS war ein ächter Religiöse und entwickelte als Guardian, Definitor und Provinzvicar sehr schöne Tugenden, Gewissenhaftigkeit in seiner Handlungsweise, Eiser für die klösterliche Zucht, verbunden mit Bescheidenheit und kluger Nachsicht, solide Frömmigkeit uns Eingezogenheil gepaart mit Heiterkeit und Frohsinn, Abgezogenheit unv Flucht der Welt ohne dabei einen Sonderling zu machen; er war ein sorgfältiger Vater seiner Untc-gc- benen, seine Zelle stand allen off-n, die Rath, Trost und Hckse suchten, und dieß geschah nicht selten, da er in der geistlichen K-iegSschule wohl geübt und erfahren war. Noch im hohen Aller hielt er die strenge Abstinenz, war immer der erste im Chor, der eifrigste im Beichtstuhl und Krankenbesuch und überhaupt bei allen Functionen, die von ihm gefordert wurden. Daß es hier an verschiedenen Prüfungen nicht mangeln durfte, versteht sich; aber eben diese machlcn seine Tugend noch vollkommener und bewährter. Alle persönlichen Kränkungen und Beleidigungen ertrug er mit Stillschweigen, wo es aber die Ehre Gottes galt, schwieg erricht, sondern ertheilte eine sanfte Zurechtweisung. Am 26. März dieses Jahres feierte der würdige Priester seine Secundiz und ward innigst gerührt durch die ungeheuchelten Beweise von Hochachtung und Verehrung, die ihm damals von der Liebe, die er allenthalben genoß, sprechendes Zeugniß gaben. Eine rüstige Gesundheit, deren er sich stets erfreute, versprach ihm der Jahre noch viele zum segcnvollen Wirken; doch Gott hatte es anders vor. Eine besondere Freude gewahrte ihm und dem ganzen Konvente auch noch der gnädigste Besuch unsers innigst geliebten Kronprinzen, tonigl. Hoheit, bei Hochdessen jüngster Anwesenheit in Burghanscn, wo er sich mit demselben auf das Herablassendste unterhielt. Nach langer Unterbrechung sah er auch noch kurz vor seinem Hingange durch Versetzung des Noviciats der bayerischen Provinz in hiesiges Zlloster den mitternächtlichen und täglichen Chor beginnen und unt>r einem liebevollen, würdigen Guardian die heilige Ordensdisciplin hcrcmblühen und gedeihen. Daß ?. Pcilmatius so gähling dahinstarb, darf wohl bei einem Ordensmanne wie er war, kein unvorhergesehener Tod genannt werden, da er ja täglich seine Seele mit gläubig frommem Sinne dem Herrn anempfahl: „In msrnis tug8 vomins eom- menclo s^ii-itum meum" und noch Tags vorher das heilige Meßopfer, das er immer mit großer Auferbauung dem Allerhöchsten entrichtete, wie er es öfters zu thun gewohnt war, als Wegzehrung für sich und um eine glückliche Sterbstunde applicirte. Bcmerkcnswerth ist hier noch, daß um dieselbe Zeit, da sür dcu Seligen das Ossioirim OLlmictorum gebetet ward und seine Leiche in den Sarg gelegt und in die geweihte Erde bestattet wurde, 1'. Georg, seit längerer Zeit ohne Hoffnung auf Genesung darnicde!liegend und von 1>. Palmatius mit allen heiligen Stcrb- sacramenten versehen, in die Züge griff und ruhig und gottergeben dahinstarb. Beide rühm sie nun, wie im Leben nur eine Wand ihre Zellen trennte, in Dem durch unsern vielgeliebten Oberhirten Heinrich erst bei seiner letzten Anwesenheit geweihten neuen Friedhofe im Garten der ?. Kapuziner nebeneinander. Der liebevolle Wunsch des Bischofs, den Er nach vorgenommener Feierlichkeit auosprach: „Mögen Sie noch lange von diesem Gottesacker, den ich nun im Namen der heiligen Kirche eingeweiht, keinen Gebrauch machen dürfen," ist also leider nicht in Erfüllung gegangen; darum können wir nur wünschen, daß die Schlußworte des Hochwürdigsten: „sollte aber dieß früher oder später geschehen, so möge Ihnen Die Erde leicht seyn, und der große Auferstchungs- tag uns alle -inst ei» recht freudiges Wiedersehen im Reiche des himmlischen Vaters bringen" — in Erfüllung gehen mögen. Deutschland. Wir haben unsern Lesern von dem großartigen Werke der Nächstenliebe, welches der am 11. Oct. in Salchurg verstorbene Bürger Matthias Bayrhamer in seiner lctztwilligen Beifügung ausgeübt hat, noch nicht Mittheilung gemacht. Der Inhalt des Bavrhamcr'schcn Testamentes verdient aber als ein Muster der umfangSreichsien Nächstenliebe in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Wir berichten deßhalb das Wesentlichste desselben im gedrängten Auszüge aus der Beilage der Salzburgce Zeitung. — Mattbias Bayrhamer, geboren am 5. Febr. 1769 zu Fischtaging bei Seckirchcn in Baiern, war der Sohn biederer, unbemittelter aber arbeitsamer Landleute. Als Kcllerjunge zu Seekirchen und später in Salzburg, und insbesondere als Hausknecht in einem damals sehr besuchten Gasthause daselbst, fand er viele Gelegenheit, sich praktische Kenntnisse im Geldgeschäfte zu erwerben, wobei ihm seine erprobte Redlichkeit und das in ihn gesetzte Vertrauen ersprießliche Dienste zu pecuniärcn Speculationen that. Im Jahre 1812 wurde er dortiger Bürger, kaufte sich sofort zwei Wohnhäuser, und betrieb seit dort bis zu seinem Tode Handel mit Zucker, Kaffee u. dgl., und vorzüglich Wechselgeschäfte. Im Februar 1844 machte Bayrhamer ein Testament, wo er 111,800 sl. als Stiftcapital zum Unterhalte für 55 arme, gebrechliche und erwerbsunfähige Genieindeglieder der Stadt Salzburg bestimmte und anwies. In Anerkennung dieser großmüthigen Nächstenliebe wurde ihm am 15. Febr. d. I. von Er. Majestät dem Kaiser von Oesterreich, Ferdinand I., die große goldene Civil-Ehrenmedaillc mit Kette huldreichst verliehen, und dieselbe am 15. Mär; feierlich übergeben. Bayrhamer überlebte diesen Freudentag nur mehr wenige Monate. Er verschied am 11. Oct. 5'^ Uhr Abend. Gleichwie schon bet Lebzeiten seine Sparsamkeit durch Wohlthun veredelt ward, so zeigte sich sein Wohlthätigkeitssinn doch vorzüglich in seinem Testamente. Außer der obenerwähnten großen Summe von 111,890 fl. zum dortigen Bürgerspitale und Bruverhause legirte er: Zu einer Armen-VersorgungSanstalt in Seekirchen 100,900 sl. Zum dasigen Irrenhause . . . 7,200 „ „ „ Leproscnhcmse . > . 4.050 „ „ „ Bürgersäckel . . . 10,000 „ „ „ Armenfonds . . . 9,980 „ „ „ Ausstattungsfonds für Bürgerssöhne 20.900 „ „ „ Knabenseminar . . . 5,000 „ Für die barmherzigen Schwestern in Schwarzach 19,900 „ Als Fonds zur Untersetzung armer Einwohner der Stadt Salzburg .... 15,000 „, Zu Handen Sr. Eminenz, des Hrn. Cardinals- Fürst-Erzbischofts sür wohlthätige Zwecke 24,930 „ Ueberdieß noch an auswärtige Fonds eine Summe von wenigstens .... 25,000 „ Und an minder wichtige Anstalten daselbst ungefähr 12,000 » Somit im Ganzen die höchst beträchtliche Summe von beiläufig .... 355,999 fl. Deßungeachtet erhielten seine dürftigen Verwandten mit Ausschluß der Realitäten ungefähr 340,009 sl.; obschon auch die Legate an Nichtverwandte und die Vorsorge für Dienstboten u. s. w. bedeutende Summen forderten. » « » München, 21. Nov. Mit der Gründung eines Klosters deutscher Benediktiner in Nordamerika soll es wirklich ernst werden. - Der kirchliche Festtag des heiligen Korbinicm ward in allen Kirchen unserer Diöcese mit Hochamt gefeiert, in mehreren Kirchen Münchens wohnten aber sehr wenig Leute demselben bei. — Man sucht gegenwärtig auf lobenswerthe Art die NeligionSwahrheitcn durch schöne Bilder dem Volke näher zu bringen und zugleich dessen Geschmack zu bilden. Besonders auszuzeichnen sind die Bildchen des Düsseldorfer-Vereins, die des Manzischen Verlages, und die äußerst billigen colorirten des hiesigen Lithographen Driendl, die den faden französischen Producten dieser Art weit voranstehen. Bischof Galura in Briren hat den ganzen Katechismus in recht sinnreiche Bildchen gefaßt, nur Schade, daß der Lithograph sie nicht besser ausgeführt hat! (K.-Z. f. d. k. D.) Nerannvorrlicher Redacteur: L. Schönchen. VeÄagS-Inhaber: F. C. Krem er.