P ^ ^^»S- ' We»/^. d»r Augsburger Zweite Zahreshälste. M 5«> a Postzeitttttg^ R4 Dec. »S Die Redemptoristen in den vereinigten Staaten und die deutsche Colonisation. (Katholik.) Bekanntlich ist dcr religiöse Zustand der deutschen katholischen Kolonisten in Amerika oder wenigstens in den vereinigten Staaten zur Zeit noch dcr bedauernswcrlhcste, den man sich denken kann. Ueberall auf der großen Fläche jenes Erdtheils zerstreut, gehen sie sittlich und national unter der übrigen Masse der Bevölkerung zu G>undc. Schon lange ward daher das tiefste Bcriuf- uiß gefühlt, für diese Unglücklichen in leiblicher und geistiger Hinsicht Sorge zu tragen. Wer aber könnte eine so schwierige, bei nahe unüberwindliche, mit d,r größten Selbstaufopferung verknüpfte Aufgabe lösen? Etwa unsere deutsch - begeisterten langbärtign Jünglinge oder jene Literatcn, die fortwährend von deutscher Einheit unv deutschem Fortschritte träumen, denen es aber nur darauf ankommt, mit aller Gemächlichkeit Stellen, Geld und Popularität zu erhalten? Nein, wahrlich nicht! Denjenigen war es vorbehalten, deren geistliche Voreltern einst a»ch die rauhen Steppen und Wälder Deutschlands niit ihrem Schweiße und allen Tugenden der hclvcnmüthigstcn Selbstverläugnung anbauetcn unv lichteten. Wie damals die Söhne Vcnedicts, so auch heute sind es deutsche katholische OrdcnSmanner, welche ihre Brüder in Amerika, die dort hilflos zerstreut und im Elende umherirren, zu einem großen deutschen Nationalleben der iuigen wollen. Die seit einigen Jahren nach Amerika hinübergcsicdelien Väter des Ordens dcr Redemptoristen, die geistlichen Söhne des heiligen Liguori, haben diesen großartigen Plan gefaßt. Einer meiner Freunde, der bei diesem so höchst wichtigen und heilbringenden Unternehmen, obgleich ein Laie, mitbethciliget ist und dafür gleichfalls nach allen Kräften zu wi ken sucht, hat mir folgenden Bericht über die ganze Lage der Sache zur Veröffentlichung übcrsandt, und ich hoffe, daß seine Mittheilung sowohl die Aufmerksamkeit, als das Interesse des ganzen katholischen Dentschlands für das große Unternehmen, was hier in Neve steht, anregen wird. Vom Delci Ware. Da ich glaube, daß es nicht ohne Interesse für unser deutsches Mutterland seyn dürfte, etwas über den Zustand der katholischen Kirche unter den nach Nordamerika ausgewanderten Deutschen ;n erfahren, so sey es mir erlaubt, hier Einiges von dem mitzutheilen, was ich auf meinen Reisen durch die vereinigten Staaten in Bezug darauf antraf. Ich kann als Laie nur das mittheilen, was äußerlich vor Augen liegt, da nur der Missionär selbst im Stande ist, über das höhere Verdienst seiner Arbeiten, den innern Anbau der Seelen, zu berichten. Dazu fehlt aber unsern unermüdlichen Arbeitern theils die Zeit, theils sind sie zu'bescherten und demüthig, um ihre herrlichen Erfolge selbst zu bemerkcn, geschweige darüber vor der Welt zu reden. Wie tapfere Kämpfer schauen sie niemals wohlgefällig hinter sich, sondern haben unermüdlich und rastlos nur die unermeßliche Arbeit oor sich im Auge, so noch zu beschaffen; und dafür lohnt den frommen Helden Gottes nur Entbehrung aller Art, kaum ein anerkennendes Wort vergilt ihre Mühen, ihren sauern Schweiß. Ich sah unsere geliebten Hirten, von Krankheit heimgesucht, ohne lie Mittel zu besitznr, sich die nothwendigsten, den Gesunden unentbehrlich scheinenden Vedürsn sse zu verschaffen, ohne anderes Lbdach, als e nen elenden Brcticroe, schlag, der Kälte eben so zugänglich, wie dcr erstickenden Sommerhitze; ich sah unsere geliebten Missionäre in aller dies-r Entbehrung freudig von ihrem Strohlag r ausspringen, worauf sie das Fieber in entsetzlichem Fcosie hin und her warf, im Augenblicke, wo ein Kranker oder ein Beichtlind ihrer begehrte; ich sah sie, die kaum die Kräfte besaßen, ihren eigenen krar.ken Körper zu tragen, wie sie in diesem Zustande Meilen weit zu F^ße ibrem göttlichen Berufe nacheilten, freudig alle Schmerzen, alle Schwache, alle Krankheit verachtend, in dcr leiblichen Hoffnung, einer Seele Linderung und Trest zu bringen. Es ist unmöglich, diese nlc ruhenden Arbeiten der f-om- mcn, vom Geiste der ersten Apostel beseelten Söhne des heiligen AlphonS dc Liguori zu sehen, ohne von Bewunderung und Liebe s>r sie erfüllt zu werden u»d vom wärmsten Dankgefühle gegen Den, der ihncn allein die Kraft gab, solches zu erdulden, solches zu leisten. Nach dem Urtheile Aller, welche die Vcrhält- ! issc des Landes kennen, sind wohl wenige Orden mehr geeignet für Nordamerika, wenige arbeiten mit solchem Erfolge, wie der der Redemptoristen. Wenn andere Orden eine besondere Gnade für die Missionen unter den Wilden haben, so hat die Vorsehung den Nedemptonsten offenbar ein gewiß eben so großes Maaß dieser G»ade für die Missionen unter den civilisirtcn Ansiedlern Amerika'S ertheilt. Dieselben charakteristischen Merkmale, welche in Italien, in Tirol, Oesterreich, in Belgien, Frankreich und England die Misi?vncn dieser Väter bezeichnen, so daß man an der ganzlichen religiösen und sittlichen Umwandlung der Herzen der Bewohner die Gegend leicht unterscheidet, wo diese Apostel arbeiteten, dieselben sezenreichen Spuren sind auch hier in Amerika dem moralischen Boden tief eingeprägt, nur in einer noch enlschicdcnern Weise, da der Mensch in Amerika einfacher und direkter ist als in Europa. Und diese Merkmale sind: ernste und zwar nicht augenblicklich erkünstelte, sondern dauerhafte Bekehrung der halsstarrigsten in Sünden verknöcherten Gemüther, ein neues, heiteres, natiirlichcS, vom warm?« Hauche unseres Alles belebenden katholischen Glaubens durchwehtes Leben, Friede und Einigkeit im Herzen der Familien und der bürgerliche» Verhältnisse. Die drei großen Waffen, deren sich die Vorsehung durch diese ihre getreuen Diener überall zur 'Rettung der Seelen und zur Befestigung und muthigcn Forderung jm begonnenen Guten bediente, bewähren auch in Amerika ihre unwiderstehlich siegreiche Gewalt: die heiligen Saciamentc der Buße und des Altars unv die Andacht zu unserer geliebten Mutter, der allcrsrligstcn Jungfrau Maria. Nichts ist rührender, aber auch nichts den katholischen Muth belebender und den menschlichen Dünkel demüthigender, als diese ganz bescheidenen, ganz demüthigen, ärmlich gekleideten, gläubigen Priester Gottes mitten in dem reich-n, trotzigen, ungläubigen, amerikanischen Wohlleben, wie sie, die die Schwächsten, die Unbedeutendsten scheinen, durch die von Gott erhaltene Kraft die Gemüther bewältigen, den Trotz in Demuth und Folgsamkeit wandeln, dem ungläubigen Herzen den Glauben schenken, das in babylonischer Veiwir.ung des Sectcn- Geistes verlorene Gemüth ordnen, aufklären und zu einfach klarer Erkenntniß heranbilden. Nichts ist erhebender, ich wiederhole cö, als diese Herrschaft des einfachen kalholischen Glaubens über das hoffärtizc, heidnische Treiben der Welt. Und nirgends zeigt sich diese Herrschaft entschiedener, augenfälliger als in Amerika. Wir sehen einen einsamen, schweigsamen, in Allem die Einfachheit, die Demuth alhmenden Priester, dessen Erscheinen vielmehr äußern Beistand zu fördern scheint, als geeignet, mit der hochfahrenden, trotzigen Welt in Kampf zu treten, auf Hunderle von Meilen zu einer Missio.ecstativn gesandt, in fremdes Land, unter fremde Menschen, in fremdes Klima, versehen nur mit ärmlichen Mitteln zum W-ge, aber ausgerüstet mit seinen heiligen Gelübden der Keuschheit, der Armuth und des Gehorsams unv ausgerüstet mit dem Geiste u d der Sendung von dem, der rncher ist als die Erre, die Er geschaffen, der mäch'igcr ist als der Arm der Welt, den Er zerbricht, wie es ihm gefällt. In wenigen Wochen sehen wir denselben guten Boten Gottes umgeben von einer Gemeinde von mehreren Tausenden von Gläubigen, die vielleicht seit zwanzig. dreißig Jahren nicht mehr das G-ück hatten, einen Priester zu scheu, ihre Gewissen in der heiligen Beichte zu. reinigen, das Wort Gottes zu vernehmen, ihre Kinder taufen unv erziehen za lassen. Wir sehen ihn, den anscheinend Schwachen, wie er in wenigen Wochen Arbeiten zu Stande gebracht hat, welche die menschliche Berechnung und die menschliche Kraft veizweffeln würde in einem ganzen, langen, angestrengten Menschenleben zu vollbringen. Er hat das Zeichen in den Grund der Er« und in den Grund der Herzen gepflanzt, in welchem Gott unö allein den Sieg verheißen, und in diesem Zeichen hat er die Küche Gottes wieser unter den Menschen ause baut. Und was wir hier eben sagen, ist nicht etwa eine fromme Netcformel, eS ist die einfache, schlichte Geschichte sämmtlicher Missionen der Nctcmptoristcn in Amerika, Wie wir jetzt im Einzelnen nachweisen wollen. 1) Die ersten Nedemptoristcn kamen im Jahre 1832 aus Wien nach Nordamerika. Sie waren zehn Jahre lang aller Noth, allen Entbehrungen ausgesetzt, ohne daß sie dahin kommen k»n«. >en, ein Haus zu gründen; sie waren genöthigt, vereinzelt zu arbeiten und konnten daher keine geordneten Misstonen halten. Aber diese wahrhaft apostolischen Männer schienen von Gott gerade dazu bestimmt, die amerikanischen Bischöfe mit dem Geiste dieses Ordens bekannt zu machen; denn welches Prüfungsfeuer mag ge- eignctcr seyn, den apostolischen Beruf zu bewähren, als die Leiden, vcnen diese Männer so lange ausgesetzt waren! Der Hochwürdigste Er;bischof von Baltimore erkannte zuerst, daß dieser Orden ganz den amerikanischen Bedürfnissen entspräche und lud ihn ei» sich in Baltimore niederzulassen. Er übertrug dem Orden die deutsche Gemeinde unter der Beringung, eine Kirche zu bauen und ein Missionshaus zu gründen, um darin mit der Zeit Missionäre für Amerika zu bilden. Von dieser Zeit an, es sind etwa vier Jahre, verbreitete sich die Kongregation mit großer Schnelligkeit über Nordamerika, so daß wir in diesem Augenblicke schon neun Missionshäuser gegründet sehen. Mit dieser Ausbreitung der Redemptoristen beginnt eine neue Epoche in der religiösen Entwickelungsgeschichte dieses höchst merkwürdigen Landes: das katholische Leben unter den Deutschen, welche bis dahin fast ganz ver^ lassen waren, die fast ohne alle deutschen Priester, ohne Beichte, ohne Predigt nur aus Barmherzigkeit in den irischen Kirchen geduldet wurden, obgleich sie alle Lasten derselben gemeinsam mit den Jrländern trugen, wird selbstständig, überall bilden sich com- pacte Mass-n katholischer Deutschen von zweitausend bis zehntausend Menschen um diese Väter; Amerika, welches bis dahin nur Lcrsammlungssäle gekannt hatte, sieht die ersten Häuser Gott-S emporsteigen, die dem katholischen Begriffe einer Kirche entsprechen, während zugleich in den Herzen der Deutschen ein praktisch katho lischcs Leben erwacht, da man sich bis dahin mit dem äußern Namen begnügt hatte, der sogar oft aus feiger Menschenfurcht verheimlicht war. Es wurde eine Ehre Katholik zu seyn und zu den Gemeinden dieser Väter zu gehören, welche ohngeacktet des dirccien Gegensatzes, worin ihre Weise dem ganz »lateneUcn amerikanischen Leben gegenüber steht, doch von Allen mir Ehrerbietung und einer Art Staunen betrachtet werden wegen ihrer großen Sittenreinheit und Steenge, neben väterlicher Milde, ihrer kindlichen Einfalt vereint mit großer Erfahrung und einem Schatze von g ündlichen Kenntnissen, welcher die Oberflächlichkeit und Unwissenheit der Seelen mit Furcht erfüllt; wegen ihres ganz das eigene Interesse verschmähenden, aufopfernden Eifers für das Heil der Seelen, Der sie freudig allen ihren schweren persönlichen Mangel ertragen ließ, um nur keine Mittel dem Dienste GoiteS zu entziehen; wegen der ächt katholischen Friedfertigkeit, welche sie alle »nnvthige Controverse vermeiden ließ, und e blich wegen ihrer immer zum Geben und zum Helfen bereiten Baimherzigkeit, die sich gern selbst daö Nothwendigste versagt, um dem armen Bruder zu helfen. Welch ein Segen ist aus diesen, selbst ganz armen Brctterhciusern über Tausende, namentlich deutscher und belgischer Familien gcflossn, wie viele sind aus bitterster Noth, wie viele unsrer Ländöleute vcm Untergange gerettet worden duich die Väter der Armen! O, daß Deutschland einen Blick auf sie werfe» könnte, um zu sehen, wie sie, ohne daß das Mutterland es ahnet, als die Schutzengel und Netter seiner ausgewanderten Kinder auf diesem fremden Boden erschienen sind, um uicht allein ihren Glauben und ihre Seelen zu retten, sondern auch ihre zeitliche Existenz, ihre Ehre, ihre Nationalität. Denn seit gutkatholisch und deutsch durch die Nedemptoristcn gleichbedeutend in Amerika geworden ist, scheidet sich d'e deutsche Nationalität immer schärfer, immer vorteilhafter von der englischen, der sogenannten Jankee- Bevölkerung aus. Bis dahin gingen fast alle die Tausende jähr- licher deutscher Auswanderer in der englischen Bevölkerung unter, sie verloren ihre Sprache, ihre Nationalität, und damit fast immer den katholischen Glauben. Das ganze deutsche Leben der Katho- liken in Amerika ist jetzt aber durch diese Vater emancipirt, und entwickelt mit jugendlicher Triebkraft rasch und tüchtig eine Zukunft, welche Niemanden, der Amerika aus eigener Anschauung kennt, mehr zweifelhaft seyn kann. Und diese Entwickelung ist um so solider, um so tüchtiger, da sie ohne alle politische Einmischung, rein von innen heraus, aus dem katholischen Leben vor sich geht. Die Existenz der Nedemptoristen in Amerika ist durchaus eine deutsche National - Angelegenheit; dieß ist der Haupt- gesichtspunct, aus welchem diese Sache nächst dem ersten, allgemein religiösen Interesse zu beherzigen ist. Und wenn auch keine Nationalität von dem großherzigen universlllen Wirken der Nedemptoristen in Amerika ausgeschlossen ist, wenn sie gleich eine eigene sehr wichtige französische Missionsstation in Michigan unterhalten, so sind es doch überall die Deutschen, für welche die Vorsehung diese Väter bestimmt zu haben scheint. Wie die Bienen um ein honigreichcs Blumenfeld, so sammeln sich Schaaren arbeitsamer Deutschen um den Wvhlgeruch der Frömmigkeit dieser Redemvto- ristcnhäuser. (Schluß folgt.) Coitversionen zu Nom. (N»S Hurters „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bündchen.) (Schluß.) Die merkwürdigste Konversion in neuester Zeit dürfte ihrer wunderbaren Verumständungen wegen diejenige seyn, welche vor kaum anrerthalb Jahren in einer andern Hauptstadt Italiens erfolgt ist. Eine Dame von sehr guter Herkunft, geistreich und wahrhaft gebildet, hatte noch als Mädchen, zusamint einer gleich- gesinnten Jugendfreundin, in den Lehren des Protestantismus diejenige Befriedigung, die Beiden Bedürfniß gewesen wäre, nicht gefunden; es dingten sich ihnen allerlei Zweifel auf, welche sie nicht zu lösen vermochten. Sie nahmen Bücher zur Hand, mittelst welcher ihnen wohl ein ctwelchcr Schimmer, nicht aber das volle Licht aufging. In dieser Ungewißheit wurden sie einig, sich an einen Geistlichen in der Nachbarschaft zu wenden, der ihre Lcctüre leitete, und in der gewonnenen Richtung sie festigte. Nicht lange hernach verheiratete sich die Eine an einen Mann, der mit dem Adel der Herkunft aus einem der edelsten und angesehensten Geschlechter seines Landes denjenigen des Geistes und des Herzens verband, dabei aber ein cntschieiencr Protestant war, indem Prote- stantiomus die allein richtige und giltige christliche Lehre cincrk nnte. Eben so festgewurzelt war bei der Frau die Neigung für die katholische Kirche, ja sie gewann an innerer Gewißheit unendlich, als später die Jugendfreundin, durch keine Rücksichten und Hindernisse gehemmt, in den Schooß derselben zurückkehrte. Aber die Frau brachte ihre Sehnsucht dem ehelichen Frieden zum Op'cr, der hic- durch nur hcitie können gestört werden. Viele Iah,, flössen über diesem bittern Kampf dahin, r-ngetiübt für ihr etliches Verhältniß, weil sie denselben in ihr innerstes Heiligthum verschloß. Indeß mächtiger ward der Zug zu dem reinen Quell aller Gnaden in ihr rege, als in dem Tod einer einzigen Tochter in der schönsten Jugendblüthe die schwerste Hiimsuchung sie traf. Doch zu keiner Zeit weniger, als eben in jenen Tagen, hätte sie es wagen dürfen, hierüber gegen ihren Mann auch nur die leiseste Andeutung verlauten zu lassen. Denn dieser hatte cbev jemals in seinen Dienstverhältnissen, aus Beweggründen, die ibm nur zur Ehre gereichen, unter Untergebenen einigt gemischte Ehen zefordert, was ihm in dem streng katholischen Lande nicht geringe Unannehmlichkeiten zuzog. Dieselben niißstimmten ihn vorzüglich gegen die katholische Geistlichkeit, welche hieran Theil hatte, und damit gegen die Kirche selbst. Entschiedener zugleich erwies er sich für den Protestantismus, dem er unzertrennlicher nicht allein für seine Person anhing, sondern welchen er auch mit aller Macht äußerer und innerer Ueberlegenheit in denjenigen zu scsiigen sich angelegen seyn ließ, auf welche er seiner Stellung gemäß einzuwirken vermochte. Dieses Auseinandcrgchen in der Erkenntniß und in den ge-- hnlgtestcn Bedürfnissen des Herzens war das einsige Schwere, was die treffliche Frau zu tragen hatte; aber auch Etwas, was durch alles Uebrige, was sonst das Leben ihr darbot, nicht konnte ausgewogen werden. In solcher Verlassenheit war sie cinsig auf eine katholische Freundin angewiesen, der sie ihre Bekümmernis; eröffnen durfte, von der sie verstanden wurde, bei der sie Theilnahme und Ermuthigung fand, in deren Haus sie einen katholischen Priester traf. Gemeinsam mit diesem wurden die Frauen einig, eine Novelle zu veranstalten, um G-'tt zu bitten, daß er dem Man» einen geneigteren Sinn in Betreff der katholischen Kirche verleihen wolle. Die Frau aber, weit entfernt, auf Kosten des in jeder andern Beziehung höchst glücklichen ehelichen Verhältnisses Gewährung ihres Verlangens gleichsam erzwingen zu wollen, hielt sich so sehr zurück, daß sie nicht einmal eine katholische Kirche betrat; nur um b i dem Mann nicht Mißstimmung hervorzurufen. Deßwegen wurde die Noocne in der Art veranstaltet, daß die Frau in dem Hause der Freundin mit dieser gemeinschaftlich betete, während gleichzeitig in der Kirche der Priester im Geist und im Gebet mit ihnen am Altare sich vereinigte. Balv hernach wurde der edlen Frau auch die Freundin durch den Tod entrissen. Welche Wunde dieser schwere, in fremdem Lande doppelt schmerzliche Verlust ihr schlug, läßt sich leichter fühlen, als aussprechen. Indeß bli bcn die Verhältnisse einige Zeit noch, wie sie seit langem gewesen waren, bis eines Tages unerwartet der Mann seiner Gattin die E-öffnung machte: er sehe wohl, daß ein unwiderstehliche Zug sie nach der katholichen Kirche ziehe; hege sie das Verlangen, stch unterrichten zu lassen, so wolle er ihr hieran nicht hinderlich seyn; nur wünsche er, daß sie in der Wahl des Geistliche seine Neigung (oder vielleicht auch noch nicht verschwundene Abneigung) berücksichtige. Dieses war nicht schwierig, indem derjenige, auf den Beide, als auf einen Landemann, leicht sich vereinigten, les vollestcn Zutrauens bei Jedcr^ mann stch erfriuen durfte. Sofort wurden die nöth-gen Vorkehrungen zu baldigem Beginn dieses Unter ichts getroffen. Da die Dienstpflicht den Mann in einer andern Stadt zurückhielt, als in derjenigen, in welcher der Geistliche wohnte, verlangte er fortwährende Berichterstattung über den Inhalt und den Erfolg des Unterrichts. Der Geistliche fA>d, daß dieses am Zweckmäßigsten durch die Frau selbst könnte übernommen werden, und veranlaßte diese, die gepflogenen Unterredungen schriftlich an den Mann gelangen zu lassen, mildem Anerbieten, Unvollständiges ergänzen, Nothwendiges b.ifögen zu wollen. Sobald er aber die ersten Früchte seiner Belehrung gelesen, überzeugte er sich alsbald, daß es der Nachhilfe von seiner Seite nicht bedürfe, wie es ihm auch erwünschter war, wenn dieser Verkehr zwischen Mann uns Frau statt fand ohne alle Dazwischcnkunst von seiner Seite. Um über die Contrvverspuncte sich selbst besser oricntiren und beurtheilt» zu können, in wie fern seine Gattin den ertheilten Unterricht auffasse, erbat sich der Mann zugleich einige Bücher über diesen Gegenstand, die er nicht allein erhielt, sondern auch mit großer Aufmerksamkeit las, also, daß der halberwachsene Sohn, der inzwischen die Mutter besuchte, die Frage: wie der Vater sich befinde? dahin beantwortete: er sitze beinahe Tag und Nacht über den Büchern, wett mehr als sonst. — Begreiflich konnte der Unterricht nicht schwierig seyn; der ausgestreute Saame fiel auf einen Boden, der schon seit zwanzig Jahren nicht nur bereitet war, sondern der Aussaat harrte. Nach wenigen Wochen konnte der Mann die Anzeige erhalten: es stehe der Aufnahme seiner Gattin in die Gemeinschaft der katholischen Kirche nichts mehr entgegen, diesilbe hänge einzig noch von seiner Zustimmung ab. Auch diese erfolgte, und zwar mit freiem und freudigem Willen. Darauf wurde der Tag und der Ort verabredet, wo diese Aufnahme vor sich gehen sollte; und zwar, damit Aufsehen vermieden werde, in einer kleinen Stadt, unfern der Hauptstadt. Doch nicht lange hernach bemerkte der Mann: er sehe eben nicht ein, warum eine andere Stadt gewählt werden sollte, als diejenige, in welcher der Geistliche, der den Unierricht ertheilt habe, und in der sie sich gerade befänden. Auch das wurde beliebt, und so brach endlich der Tag an, an welchem das vieljährige stille Sehnen der Frau an das so heiß gewiinschte Ziel gelangen sollte. Alles war bereitet; da trat unerwartet der Mann zu dem Geistlichen und fragte: ob es nicht anginge, daß auch er, gemeinsam mit seiner Gattin, das Bekenntniß deö katholischen Glaubens ablege? Die Mittheilungen aus dem erhaltenen Unterricht, i» Verbindung mit dem eifrigen Forschen in den empfangenen Bücher», hätten ihn M der gleichen Ueberzeugung geleitet, und in dieser sey auch sein Entschluß zur Rückkehr in die Kirche unerschütterlich begründet. In so wunderbarer göttlicher Gnadenhcimsuchung »lochte die beglückte Frau an diesem Tag, der nun beide Eheleute mit der Kirche vereinigte, mit dem dreifachen Ehrenkranz veS Glaubens, der Geduld und des Goltvertrauens sich geschmückt sehen un^> eines Lohnes sich freuen, den vor kurzem noch ihre kühnste Hoffnung nicht hätte erwarten dürfen. Je größer, entschiedener unv b