'Kun n o <^ ^^»S ei Augsburger Zweite Jahreshälfte. ü i 5? 5 L Ppstzeitttttg. T8. Dec. Ewige Anbetung bei Maria Hilf auf deut Gudel in der Schweiz. (Schweiz. Kirchenz.) Von jeher war das glaubensvollc Gebet frommer Seelen von den Segnungen des Himmels begünstigt. Es liegt im Gebete eine wellüberwindende Kraft nicht nur für den Betenden selbst, sonder» auch für Die, für welche gebetet wird; das Gebet ist das Herz, aus welchen- gesundes Leben sich in alle Glieder ergießt. Darum haben in wichtigen Angelegenheiten unsere glaubenskräftigen Väter vor Allem ihre Zuflucht zum Gebet genommen, und wo sie wichtige Angelegenheiten zu besorgen hatten, beteten sie nicht nur selbst, sondern sorgten auch dafür, daß Andere dcn Segen dcS Himmels auf ihre Unternehmungen durch frommes Gebet herabflehcn möcht?». So finden wir im Jahrzcitbuch von Mcnzingcn einen schönen Zng von dem Glauben, welchen die Väter an des Gebetes Kraft besaßen; es heißt darin: „daß die fünf katholischen Orte zur Zeit des Kappclcrkncges 1531, als sie ihres Glaubens und ihrer Freiheit wegen hart bedrängt waren, vom 10. Wcinmonat bis zum 19. Wintcrmonat achtzehn W>ttwen aus den allcrflömmsten aus gemeinen Kosten zu Einsicccln unterhalten haben, die rann sechs und sechs wechselweise in alldvrtiger lieben Frauen Capclle Tag uud Nacht ununterbrochen für das katholische Heer beten mußten." Es ist bekannt, welch entscheidenden Sieg 632 katholische Hirten über ein auserlesenes Heer von 5000 wohlbuvaffnetcn Kriegern am 23. Weinmonat auf dem Gubcl erfochten, und wie schnell in Folge dieicö Sieges auf die Grundlage gegenseitiger Dullmnq Zwischen den verschiedenen Glaubensgenossen ein allgemeiner Landfriede zu Stande kam. Weder dcn Sieg noch den Frieden schrieben die frommen Väter eigener Tapferkeit oder Klugheit zu, sondern nächst Gott der Fürbitte der seligsten Gottesmutter und Jungfrau Maria. Darum wurde zum Zeichen des kindlichsten Dankes im Jahre 1556 auf der Wallstatt eine Capclle erbaut: „Gott dem Allmächtigen, seiner Hochwürdigen Mutter Maria, dem heiligen Bischof Severin und dem ganzen himmlischen Heere zu Lob, Ehr und Preis wegen des zu Errettung und Erhaltung unsers wahren katholischen christlichen Glaubens und geliebten !BaterlandcS gnadenreichen, wunderbar! ichen und ! tapfern erlangten Siegs." An diese Cavelle halte in der Folge Caspar Clscncr, „nachdem er aus gottseligem Antrieb das stürmische Kricgslcbcn mit dem einsamen Eremitenstandc vertauscht, mit H'.lse gutherziger Leute, besonders des Baron von Zurlauben, seines Hauptmanns, eine Ercmitenzcllc angebaut, worin er ein gottseliges Leben geführt, bis er im Jahr 1681 den 29. Mai selig im Herrn entschlafen ist." Der ausgezeichnetste unter seinen Nachfolgern auf dem Gnbcl war der fromme gottcefürchtige Pater Joseph Wiscnegger, Priester des dritten Ordens, von Salzburg gebürtig, der beinahe 46 Jahre in dieser Einsamkeit ein anferbaulicbcS Leben führte, und im Rufe der Heiligkeit im Jahre 1751 verschied. Sein Leichnam wurde in der Capellc begraben. Seit Jahrhunderten steht sie nun da, die vielbesuchte Wall- fahrtscapelle zu Maria Hilf auf dem Gubcl, von frommen Einsiedlern besorgt, mit verschiedenen Stiftungen bereichert, ein Ocnlmal wunderbarer Hilfe in der Noth, so wie auch ein Denkmal der Aussöhnung entzweiter Brüder. Schwebend zwischen dem sanften Wrün des Hügels und dem reinen Blau des Himmels blickt sie, von den Strahlen der auf- und niedergehenden Sonne wunderschön verklärt, freundlich nieder in die Thäler der Limmat und der Reuß, und mahnt mit stillem Ernste die Bewohner, festzuhalten an dem heiligen Vertrage, auf welchem unsere Väter nach langem blutige» Zwiste die Bruderhand des Friedens sich geboten. Man wird sich erinnern, wie vielfach den Grundsätzcn diescS Vertrages, auf dem, wie auf einem Fundamente, der RcligivnS- fcicve ruht, seit den dreißiger Jahren ist entg'gengehandelt worden, und wie eben darum unser Vaterland im Laufe des letzten Jahres in g'ößtcr Gefahr gestanden eine Beute jener Faction zu werden, deren Plan es ist, den blutigen ReligionS- und Bürgerkrieg herauf- zubcschwörk», um auf dcn Ruinen der bestehenden Ordnung in Kirche und Staat den Thron des AntichristenthumS aufzurichten. Um diescS boshaften Planes Ausführung zu hindern, war es nothwendig, daß die katholischen Stände vereint und muthvoll den Bcfcindungcn ihrer Kirche in: Vertrauen auf die Hilfe des göttlichen StiflcrS entgegentraten, und in dieser heiligen Absicht wurde vorzüglich zum Gebet Zustacht genommen. Regenten und Volk wendeten sich im Hinblick auf die großen ihnen drohenden Gefahren zu Maria der Himmelskönigin, um ihre vielvermögende Fürbitte bei Jesus ihrem göttlichen Sohne anzuflehen. Wo min einen Ort fand, an dem Maria in besonderer Verehrung gehalten wird, dorthin gingen zu Hunderten, dorthin oft zu Tausenden. So richteten sich auch die Blicke frommer Beter auf den Gubel zu „Maria Hilf," und es veranstaltete dorthin schon im Jahre 1843 Joseph Leu von Ebcrsol eine große Wallfahrt. Es war ein feierlicher Tag der 23ste Weinmonat, an welchem Tag jährlich die Gcdächtnißfcicr der Schlacht begangen wird, es war rührend zu sehen, wie zn Tausend und Tausend den Berg hinan- und damit bei den frommen Ordensschwestern auch Solche eine Zufluchtstätte finden können, welche den heilsamen Gciftesübungen auf einige Zeit obliegen, oder mit Thränen der Buße bei den Füßen des Heilandes den Gottesfrieden wieder finden möchten." Die liebevolle Vorsehung fügte es, daß diese Freunde bald dahin sich verständigten, Hand an's Werk zu legen, im Vertrauen auf Denjenigen, welcher wie das Wollen, so auch das Vollbringen des Guten verleiht. Es wurde sofort das Land um die Capelle mit dem darauf befindlichen Hause angekauft, und der stiegen, und zu hören, wie von Tausenden gerufen wurde-. „Hei- Plan für ein zu errichtendes Klostcrgebäudc ausgearbeitet. _ Die lige Maria, bitt für uns!" Es gedachten damals einiges Vorstände eines wohldiscipltnirten Klosters der ewigen edle Männer an das zahlreich versammelte Volk politische Reden ^ Anbetung gaben auf gestelltes Ansuchen die Zusicherung, nicht nur zu haltenallein der selige unvergeßliche Vater des Volkes Joseph lein Noviciat für dieses Filialkloster zu übernehmen, sondern dem- Len sagte zu ihnen: „Männer! des BctenS wegen sind wir an diesen Wallfahrtsort gekommen; das Gebet ist die beste Politik unserer Tage; aus dem Gebete stammen Muth zum Kampfe, und zum Rathe Weisheit." Diese Gesinnung des katholischen Volksmannes beweist! sellschaft möglich gemacht werden, sich bald als die Gesinnung des katholischen Volkes selbst. Denn als am 31. März und 1. April 1845 die Kunde erscholl, daß ein wohlgcrüsietcs Heer von 8 bis 10,900 Freischärlern in das Herz der katholischen Eidgenossenschaft schon eingedrungen sey, und daß ringsum fcmatisirtc Massen nur des Zeichens zum feindlich n Uebcrfalle harren, als die Thäler zwischen dem Sonnenbcrg und Gubel vom Donner der Kanonen erdröhnten und die Sturmglocken über den Treucbruch der Eidgenossen weitumher in schauerlichen Tönen wehklagten, da verdoppelte man das Gebet, da richtete sich manches thräncnbcnetzte Auge auch hinauf zur Capelle auf dem Gubel, die im Glänze der Frühlingssonne so freundlich niederblickte, da stiegen auö tausend schwer gepreßten Herzen Gelübde empor zu selben überhaupt alle mögliche Sorgfalt zuzuwenden, und der Hochwürdigste Bischof von Basel säumt- nicht, dem Unternehmen seine Gcncbmigung und den vbcrhirtlichcn Segen zu ertheilen. _ Die Gründung des Klosters soll durch eine zu bildende Gc- Zur Erinnerung an den 13. December 1S.SA3. (Mmister'schcs SrnntagSblatt.) (Schluß.) Die Aufgabe des Conciliums war eine dreifache; die nächste, welche das Concilium auch immer als solche im Auge behielt, war die Zurückführung der Abgefallenen. Weil aber der Abfall bereits zu einer bestimmten Irrlehre sich ausgebildet hatte, welche zugleich mit einer gänzlichen Entstellung der katholischen Lehre verbunden war, so mußte zweitens das Concilium diesen Irrlehren unv Entstellungen die reine katholische Lehre gegenüber stellen; und Maria der Helferin der Christen, und Während die bundestreucn^ weil endlich ein in der That großes Sittenverdcrbniß und großer Krieger im gefahrvollen Schlachtgcwühle kämpften, knieten die Kin- Verfall der Zucht in der Kirche bestand, welches eben dem Abfalle der der Gemeinde Menzingcn in der Gnadencapellc, erhoben ihre, die meiste Nahrung gab, so mußte drittens dieser sogenannten unschuldigen Hände zu Maria und flehten für das Leben ihrer Reformation eine wahre Reformation in der Kirche selbst cntgcgen- Vätcr und Brüder, flehten für den Sieg der gerechten Sache Nicht umsonst wurde so viel angelobt, so viel geweint, so viel vertrauungSvoll gebetet; bald erfreute die Vcängnigten die Kunde von dem glänzenden Siege. Aber jetzt vergaß man nicht der erhaltenen Hilfe in der Noth, es füllte sich auf dem Gubel nicht bloß die Capelle, es füllte sich weit umher der Hügel mit frommen Pilgern, die hinaufgceilt waren theils ihre Gelübde zu lösen,- gesetzt werden. — Wie das Concilium diese seine schweren und umfangreichen Arbeiten ausgeführt, wie tief und klar es seine große Aufgabe erkannt, in welchem Gcistc, mit welchem Eifer, welcher Klugheit es gewirkt habe, von dem allem werden wir eine Ahnung erhalten, wenn wir einiges auS der Rede, welche der Bischof Ragazoni an die versammelten Väter hielt, mittheilen. „Zweierlei Arznei, sprach er unter cmderm, mußte für ihre theils ihre dankerfüllten Herzen vor Marie- der Trösterin der Bc-i kranken und schwachen Gemüther angewendet werden: erstlich, die trübten auszuschütten, und seither pilgern täglich fromme Betcr hinauf, um durch die Fürbitte der seligsten Gottesmutter zu erflehen, daß in Folge .dieses Sieges nun auch, wie vor drei Jahrhunderten nach der 'merkwürdigen Schlacht ans dem Gubel, der holde Friede wiederkehre für unser theures Vaterland. Bei dem Anblicke so vieler Pilgcrschaarcn, und beim Hinblicke auf die Gefahren, welche unserer katholischen Schweiz noch bevorstehen, that sich zu gleicher Zeit der in den Herzen mehrerer Freunde seit längerer Zeit schon verschlossene Gedanke kund: „Bei Maria Hilf auf dem Gubel ein Klöstcrlein der ewigen Anbetung zu erbauen," damit auf diesem stillen Berge ununterbrochen Tag und Nacht fromme Ordensschwestern vor JcsuS im heiligsten Altarssacramcntc ihr Gebet verrichten „für Erhaltung und Belebung des katholischen Glaubens in unserm Vaterland, für Friede und Eintracht unter den Eidgenossen, für S tandhaftigkcit der Guten Erklärung und Bestätigung des katholischen und wahrhaft evangelischen Glaubens rückstchtlich derjenigen Dinge, die von ihnen in Zweifel gezogen werden, und die diesen Zeiten angemessen schienen unter Zerstreuung und Zernichtnng aller Finsternisse der Irrthümer darüber; zweitens die Herstellung der kirchlichen Zucht, wegen deren Entartung, Wie sie behaupten, sie vorzüglich von uns abgefallen sind. Beides haben wir, so viel an uns war, nach diesen Zcitoerhältnissen in reichem Maaße geleistet. „Denn gleich im Anfange hat dieser Kirchenrath, um gleichsam ein Fundament für seine künftigen Handlungen zu legen, und zu zeigen, auf was für Zeugnisse und Schutzmittel man bei Feststellung der Glaubenslehre fußen müsse — nachdem er gemäß der löbl. Uebung unserer Borväter das Bekenntniß des Glaubens abgelegt hatte (3. Sitzung) — die Bücher des alten und neuen Bundes, die ohne allen Zweifel anzunehmen sind, getreu und weislich, nach dem Beispiele der bewährtesten alten Concilien auf- und für Bekehrung der Sünder und Ungläubigen, gczählet, und damit nicht einmal über die Worte der verschiedenen Ucbersetzungen irgend eine Schwierigkeit entspringen könne, eine eigene und bestimmte Übersetzung aus dem GriechischlN und Hebräischen genehmiget (4. Sitzung). Sodann verordnete er, das Haupt und' die Schanze aller Irrlehren angreisend, über das ursprüngliche Verderbniß der menschlichen Natur dasjenige, was die Wahrheit selbst, konnte sie sprechen, aussprechen würde (5. Sitzung). „Ueber die Rechtfertigung — eine wichtige, und sowohl von den alten, als von den Jrrlehrern unserer Zeit auf außerordent- ltche Weise besttittene Sache — bestimmte er sodann das, was sowohl den in dieser Art verderbnißvollsten Meinungen steuerte, als auch die richtige Glauben-weise in einer bewunderungswürdigen Ordnung und mit wunderbarer Weisheit, die leicht den Geist Gottes darin erkennen läßt, darlegte (6. Sitzung). Dieser seit Menschen Gedenken treffliche Beschluß versetzet fast allen Ketzereien den Todesstoß, und vertreibet und zerstiebt sie, wie die Sonne die Finsterniß; eS leuchtet eine solche Klarheit und ein solcher Glanz der Wahrheit aus ihm, daß sich wohl Niemand mehr anstellen kann, als sähe er ein so großes Licht nicht. Hierauf folgte die heilsame Verhandlung über die sieben Sacramente der Kirche, und zwar erstlich über alle insgesammt (7. Sitzung), und sodann über jedes insbesondere. Wer aber sieht da nicht, wie genau, wie deutlich, wie umständlich, wie ltchthell und — was die Hauptur- sache ist — wie wahr dieselbe die ganze Weise dieser himmlischen Geheimnisse in sich begreifet? Wer kann in dieser großen und vielfältigen Lehre noch auf irgend eine Weise vermissen, was befolget, oder was gemieden werden müsse? Wer will bei ihnen ollen noch Platz oder Anlaß zum Irrthume finden? Wer endlich könnte fernerhin an der Kraft und Wirksamkeit dieser Sacramente zweifeln, da es sich zeiget, daß jene Gnade, welche sich täglich! durch sie, wie durch gewisse Canälc, in die Gemüther der Gläu-! bigen ergießet, damals uns so reichlich bcistand? Dazu gesellten j sich dann die Beschlüsse über das hochheilige Opfer der Messe und! über die Communion unter beiden Gestalten, und der Kinder, so! durch Heiligkeit und Nützlichkeit ausgezeichnet, daß sie mehr vom! Himmel gekommen, als von Menschen abgefaßt zu seyn scheinen.! Diesen wird heute noch die gewisse Lehre von den Ablässen, von! dem F-gfcuer, von der Verehrung und Anrufung der Heiligen, von den Bildern und Reliquien beigefügt, und durch sie nicht nur den Trügercien und Verleumdungen der Ketzer Widerstand, sondern auch rcm Gewissen der srommgcsinntcn Katholiken vollkommen Genüge geleistet werden..... „Auch der zweite Hauptthcil, in welchem von der Wiedcrbe- fcstigung der sinkenden und fast untergehenden Kirchenzucht gehandelt werden mußte, ist auf das sorgfältigste beendigt und vollendet. Künftig werden zur Uebernahme der kirchlichen Aemter solche erwählt werden, die sich durch Tugend, und nicht durch Ehrsucht auszeichnen, dem Wohle des Volkes, nicht ihrem Interesse dienen, und vielmehr beglücken, als beherrschen. Häufiger und sorgsamer wird Gottes Wort, das eindringlicher als alle Schwcrtcsschärfe ist, verkündiget und erklärt werden. „Die Bischöfe und die Uebrigen, denen Seelsorge anvertraut ist, werden bei ihren Hcerden verbleiben, und über sie wachen, und nicht von der ihnen anvertrauten Huth getrennt bleiben. Niemanden werden weder zu unreinen und lasterhaftem Wandel, noch zu böser und verderblicher Lehre, Privilegien irgend einen Vorschub gewähren; kein Verbrecher wird ohne Strafe, keine Tugend ohne Belohnung gelassen. Bestens gesteuert ist der Menge armer und um Almosen bittender Priester; jeder wird einer bestimmten Kirche, und einem bestimmten Wirkungskreise, von dem er sich nähren kann, zugezählt; der Geiz, dieses scheußlichste aller Laster, besonders im Hause Gottes, wird gänzlich aus diesem entfernt; unentgeldlich, wie billig, werden alle Sacramente ausgetheilet, aus einer Kirche werden mehrere, aus mehreren Eine gebildet, je nachdem das Wohl und der Zustand des Volkes es erfordert, und was zum höchsten Glücke zu rechnen ist, die sogenannten Allmoscnsammler, die die ihrige, nicht die Sache Jesu Christi suchend, unserer heiligen Religion großen Schaden, große Unchre zufügten, werden durchaus aus dem Gedächtnisse der Menschen ausgetilgt werden. Von daher hat unsere gegenwärtige Bc- drängniß ihren Anfang genommen; von daher hat ein endloses Uebel sich einzuschleichcn und Tag täglich weiter auszubreiten nicht aufgehört, dem die Vorsorgen und Maaßnahmen so vieler Concilien bis anhin nicht zu steuern vermochten. Wer wird eS deßwegen nicht eine sehr weise That nennen, daß dieses Glied, für dessen Heilung man sich umsonst lange und vielfach bemühet hat, weggeschnitten werde, damit es dem übrigen Körper nicht schädlich sey ? „Ferner wird der Gottesdienst reiner und pünctlicher erfüllet, und diejenigen, die die Gefäße des Herrn tragen, werden so rein werden, daß sie Andere bewegen, ihnen nachzufolgen. Vortrefflich ist hierbei der auogedachte Plan, diejenigen, welche in die heiligen Weihen erhoben werden sollen, bei jeglicher Kirche vom jugendlichen Älter an zu solchen Sitten und Kenntnissen hinanzubilden, daß dadurch gleichsam eine Pflanzschule aller Tugenden begründet wird. Endlich wurden die Provincialsynodcn wieder hergestellt: die Visitationen zur Wohlfahrt, und nicht zur Klage und Belästigung der Völker, wieder eingeführt, den Hirten die Vollmacht zur bequemern Leitung und Weidung der Ihrigen zucrtheilt, die öffentliche Buße wieder in Uebung gesetzt, die Gastfreundschaft sowohl den kirchlichen Personen, als den frommen Stsstungsortcn anbefohlen, für Die Erthcilung scclforglichcr Pricstersicllcn eine denkwürdige, fast himmlische Messe angeordnet, die sogenannte Vielheit der Benesicieu abgeschafft, der erbliche B.sitz des Hciligthumö Gottes verboten, den Excommunicationen eine Schranke gesctzet uno be- stimmt, die erste Beurtheilung der Streitigkeiten dahin, wo sie entstehen, angewiesen, der Faustkamps der Einzelnen untersagt, der Ueppigkeit, Habsucht und Zügcllosigkcit der Menschen, und besonders der dem Dienste Gottes Gewidmeten, gleichsam ein Zügel, der nicht leicht abgcworsen werden kann, angelegt, die Könige und Fürsten sorgsam an ihre Pflicht ermähnet, und mit großer Klugheit andere Dinge dieser Art mehr verfüget. Wer sieht daher nicht, daß ihr, beste Väter! auch in diesem Theile Eucre Obliegenheit in höchstem Maaße erfüllt habet?" Der Katholik sagt in einer Betrachtung zur Erinnerung an die dreihundcrtjährige Eröffnung des Trientner Concils unter anderm: „Wer auf dieser Synode nicht erschien, das waren Die, die am lauteste» darnach geschrieen: die sogenannten Reformatoren. Es wurde klar, daß es nicht um Reformation, um Verbesserung oder Herstellung der alten Lehre und Zucht zu thun war, sondern um Deformation; eine Kirchenversammlung, wie sie von der ersten zu Jerusalem oder der zu Nicäa an durch die Apostel und ihre Nachfolger, als die Oberhirtcu der Kirche, stets gehalten worden War, wollten sie nicht, sondern eine Versammlung nach umgekehrtem Princip, wo nicht die Lehrer und Väter der Kirche, die „der Herr bestellt hat die Kirche Gottes zu regieren," unterm Beistand des heiligen Geistes Rath nehmen und Beschluß fassen, sondern wo die untergeordneten Kleriker oder gar die Lernenden unterm Einflüsse des sognanntcn Zeitgeistes über Die wichtigen Gegenstände des Glaubens und der Sitten diScutircn und abstimmen sollten. Die - vom heiligen Geiste geleitete Synode zu Tricnt ist, wie die von Christo festgesetzte heilige Ordnung es wollte, abgehalten worden von den Bischösen der Kirche aller Länder und Nationen; was sie von Glaubenslehren erklärt und von Kirchengesctzen angeordnet hat, ist bis heute von der ganzen Kirche, von Millionen und aber Millionen Christen anerkannte heilige Norm; wo aber sind jene Irrlehren, gegen welche die Synode zusammentrat? wo sind z. B. die Hauptsätze der „Augsburger Confession," die heule den Protestanten (nicht aller Länder, sondern nur) eines Landes, ja nur Einer Gemeinde als Norm dienten? gegen die nicht ein „hundertfacher Protest" erhoben würde? — Wurden doch die Wenigen, die am Glauben Luthers sich festklammerten, um nicht ebenfalls in den Strudel der Denkgläubigkeit mit hinein zu gerathen, wie Scctirer gehalten und behandelt! „Auch heute, nach drei Jahrhunderten, erschallt wieder ein Ruf nach Synoden; aber nicht nach einer allgemeinen Kirchcnvcrsammlung, sondern nach Diöccsansynodcn, wie sie Das Concilium '1'ricle!»tim>m angeordnet habe. Die jetzigen Schreier sind von den damaligen verschieden, daß sie sich noch nicht außer der Kirche gestellt und das Dogma, wie es die Kirche festgesetzt, angeblich unberührt lassen. Aber im Uebrigcn gleichen sie sich, wie ein Tropsen dem andern. Geschrei um Abschaffung des Cöli- bats, der Ohrcnbeichte, der Kirchensprache, des Cercmoniendienstes, frecher, »ngemessener Tadel gegen Papst, Bischöfe und geistliche Obern, Verfluchung und Verwcltlichung der Kirchenlicht: das ist heute, wie damals, der Inhalt der bis zum Ekel wiederkehrenden Klagen und Beschwerten, Forderungen und Drohungen Derer, die nach Synoden schreien. Nber, daß auch unsere heutigen Schreier keine kirchlichen Synoden, keine Synoden in altbewährter Norm und Form wollen, liegt klar zu Tage. Laien sollen mit im hohen Rathe sitzen, und statt daß in ächtkirchlicher Weise der Bischof die' nach dem Kirchenrecht befugten Männer um sich sammelt, sollen und wollen die Schreier, die Cölibatstürmer und Bcichtfcinde den Bischof gleichsam vor sich citiren, nm durch die also leicht erreichbare Stimmenm hrheit gegen den Geist und die Gesetze der katkolischen Kirche Beschlüsse zu fassen. Synoden, die nach christ icber Weise, in althergebrachter Form, in gläubiger und frommer Gesinnung gehalten werten (Üe seyen allgemeine oder besondere) haben stets Befestigung im Glauben und Schärfung der Kirchcndisciplin >ur Folge gehabt, und würden auch heute noch denselben Erfolg haben; Synoden würden auch heute noch geschärft terc Bestimmungen gegen cingeschlichene Mißbräuche und Aergernisse, gegen anstößigen Wandel der Geistlichen, gegen Lauigkeit und Gleichgültigkeit im Empfange der Sacramenle, gegen Willkür in den liturgischen Formen :c. zur Fol e haben, gerade das Gegentheil von Dem, was die Schreier wollen. Ein neuer Beweis, daß sie nicht Synoden wollen, wie das Tndcntinum sie beschreibt, sondern Synoden in ihrem Sinne, wo das Gelüste destructiver, ze> störender Tendenzen durch Herbeizichung von Krethi und Plethi Erfolg haben lönntc. Das ist gewiß: würden unsere Bischöfe Synoden zusammenbcrufcn, We sie das Tndcntinum will, und wie seit dieser so segcnrcichen Kirchenversammlung in vielen Diöccsen (z. B. in Köln) gehalten wurden — die jetzt so nach Synoden schreien, wären die Ersten, w lche dagegen Protest erhöben! „Aber es dürfte vielleicht gut, ja nothwendig ssyn, wenn unsere Bischöfe Diöccsansynodcn, versteht sich in katholischem Sinne, abhielten? — Nothwendig ist es nicht; denn irber alle die Puncte, welche die Ncologcn in und außer der Kirche in Frage stellen, über den Cölibat, die Beichte, die Liturgie:c. hat die allgemeine Synode zu Trident die bestimmtesten Erklärungen und Vorschriften gegeben; eine Diöccsansynode wird doch Beschlüsse eines ökumenischen Concils nicht ändern, geschweige gar umstoßen wollen, wären eS auch nur Disciplinarpuncte! Und nun gar diese wichtigen Institute, das Cölibat und die Beichte, in deren Verteidigung die Kirchen der ganzen katholischen Welt Eins sind! Wohl ist es hie und da nothwendig, eine allgemeine und geläutcrtere Handhabung der Kirchendisciplin einzuschärfen; dazu bedarf es aber keiner Synode, nur der sorgfältigsten Amtsführung der Kirchen- obern, die die Kirchengesctze mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit geltend zu machen haben. Daß in dieser Beziehung in den Gegenden, wo diese Synodenschreier sind, diese Diöccsansynodcn, wenn ihre Zusammenbcrufung nicht aus anderen Gründen unzulässig oder doch unrathsam wäre, ihr Gutes haben könnten, kann nicht gelciugnet werden; wohl möchten sie den verkommenen Klerus mancher Decanate zurcchtzuweisen, auf Zucht und Sitte in ihrem Hauswesen, ans Anstand in ihrer klerikalischcn Haltung, auf Treue in Handhabung des Bußlacraments und vieles andere Nothwendige zu dringen alle Ursache finden. Aber, wie gesagt, das ist es nicht, was die Neologen mit ihrem ungestümen Geschrei nach Synoden wollen, sondern daS, was in allen christlichen Jahrhunderten verrufen und verpönt war, das gerade Gegentheil der eigentlichen Synodalaufgabc. Was der Constanzcr Decan mit seinen Anhängern will, sind nicht solche kirchliche Synoden, welche im Leben und in den Sitten dieser eigentlichen Wcltprie- ster übervollen Anlaß zur Erneuerung und Schärfung der Kirchcndisciplin fänden, sondern geistliche Kammcisitzungcn, welche die Kirchensützungen durch Bcillvtage und Stimm,ctiel abmcichcn und im Geiste deS sprudelnden Champagners und wortreicher Toaste ihre Weihe und Kräftigung fänden. „Es ist nicht zu läugnen: auch jetzt, nach drei Jahrhunderten, ist eine trübe und wirce Zeit. Herrscht auch unter den Gliedern der katholischen Kirche mehr Einheit und Leben, als je zuvor in diesen drei Jahrhunderten, so tobt und raset eS um so mehr um sie herum; und sitzen auch auf den Bischosstühlen in allen Ländern fast durchweg tüchtige, ihre Zeit und ihre Stellung begreifende, charakte!feste Kirchenfürsten, so ist doch an allen Seiten ein Widerstreben irdischer Gewalten, ein Kampf weltlicher Elemente gegen die Zwecke der Kirche bemerkbar, wie es seit der sogenannten Reformation nie so allgemein, wenn auch in einzelnen Ländern allerdings stärker, sich zeigte. Dem Allem gegenüber hat auch jetzt, wie v,or drei Jahrhunde-ten, die katholische Kirche einen schweren Stand: aber daß die katholische Kirche, wie dazumal, aus den sie umschwärmenden Wirr- und Jrrsalen nur herrlicher hervortreten wird: deß sind wir, im Bewußtseyn unserer inneren geistigen Kraft und im Vertrauen auf den Herrn, gewiß. Der ! Rückblick auf die vor drei Jahrhunderten gehaltene Versammlung, !deren Satzungen bis heute der ganzen katholischen Welt Norm, Freude und Ruhm sind, kann uns nur in diesem Vertrauen stärken. ! Bischöfe wie Priester werden im Lause deS nenbegonncncn Jubeljahres diese ermutigenden und erstellenden Gedanken für sich und die ihnen anvertrauten Gemeinten zu benutzen verstehen. Vom Neujahr an wird das SonntagS-Beiblatt, wie schon angekündigt, im Format der Postzcitung erscheinen. Indem wir zum Abonnement einladen, bemerken wir, daß dasselbe auch auf rein Wege des Buchhandels zu beziehen ist, und zwar um den jährlichen Preis von Ist. 30 kr. oder Nthlr. 1. _ Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags. Inhaber: F. «. Krem er.