A. Poſtzeitung) jaͤhrlich Neunnter Zahrgang. Preis in Augsburg für fich allein(ohne u fi. 12 kr. Durch die Poſt kann dieſes Wochenblatt nur von Abonnenten der Poſt⸗ zeitung bezogen werden, und erhöht ſich der VPreis nach Verhaältniß der Entfernung. Augsburger Sonntags-Peiblatt zur Für ſich allein, ohme die Augsburger Poſt⸗ zeitung, find dieſe Blat⸗ iter nur im Wege des Buchhandels zu be— ziehen und koſten in ganz Deutſchland, der Schweiz u. ſ. we jaͤhr⸗ lich nur Afl Zoer oder Thlr. Poſtzeitung. Zeitgedanken bei m Wechſel des Jahres. Ariſtoteles pflegte bei der Herausgabe ſeiner Phyſik zu ſagen, er habe ſie herausgegeben und nicht herausgegeben, weil ſie ſo dunkel geſchrie— ben wäre, daß Wenige ſie verſtehen werden. Noch dunkler aber iſt das Buch der Zeiten geſchrieben, und nur Wenige ſind es, die darin leſen und ſelbes zu ihrem Beſten verſtehen. Die Meiſten gehen mit der Zeit um, Aals waͤren ſie die Herren derſelben, während doch einmal Gottes Engel rufen wird:„Von uͤun an iſt keine Zeit mehr.“ Wie den einzelnen Men— ſchen, ſo ergeht es mit der Zeit der ganzen Menſchheit und den beſondern Generationen, die in der Zeit leben. Man denkt ſelten oder gar nicht an das Ende der Lebenszeit und an das Aufhören dieſer Zeit auf Erden. Und doch geben die heiligen Lehrer der Kirche ſo deutliche Kennzeichen des Weltendes und der Weltzeit an, daß es nur einer beſondern Apathie gegen alles Ueberſinnliche zugeſchrieben werden muß, wenn dieſe Kennzeichen der alternden und dahinſterbenden Welt unbeachtet bleiben. Bekannt iſt in dieſer Hinſicht die Anſicht vieler Kitchenväter, daß die ſechs Schöpfungs— tage die ſechstauſend Jahre des Weltalters vorſtellen, nach welcher dieſe Die Abnahme der Heiligen, die Zunahme der Gottloſigkeit, der Verfall des Glaubens, der uͤntergang des römiſchen Reiches, die Verkündung des Evangeliums in Welt keine zweihundert Jahre mehr exiſtiren würde. Men iihenen und die Verkehihet und Verdorbenhent der Wen ſuue ſechs Puncte, die dem aufmerkſamen Beobachter des Zeitenlaufes nicht unbemerkt entgehen. Wer mit dem Republlicaner Fröbel den Glauben an Gott und an die Unſterblichkeit des Menſchen aus dem Staate verbannt und die bindende Ehe, ſo wie das Privatrechtſund den Privatbeſitz aufge— hoben wiſſen will, der wird freilich obige Anſichten als Thorheiten ver— lachen. Allein eben dieſe vermeintlichen Thoen wären Arzneimittel für unſere fieberhaft bewegte Zeit, wenn man ſie ernſtlich überdenken und auf das Leben anwenden würde. Die Verdienſte und das Gebet der Hei— ligen ſind Säulen, welche die Welt halten Wenn aber dieſe Säulen einſtützen, was wird die Welt halten, von der man ſagen kann, was Gott von der Stadt Sodoma ſagte? Durch theoretiſchen und praktiſchen verrücker die Menſchen von Gott los, ſo daß die Frage des göttlichen Heilandes immer mehr ihre Wahrheit beurkundet„Wird wohl der Men—⸗ ſchenſohn Glauben finden auf Erden, wenn er kommt?“ Vier große Welt— reiche ſagte der Prophet Daniel vorher, das babyloniſche, das perſiſche, das griechiſche und das römiſche. Dieſe vier groͤßen Reiche haben ihren Lauf vollendet. Auch iſt das Evangelium bereits überall verkündet worden, in Indien, Japan, China, Amerika u. ſ. w. Endlich deuten die herr— ſchende Genußſucht und die aus derſelben entſtehende Fleiſchesluſt auf jene Zeit hin, welche der göttliche Heiland ſelbſt mit Noes Zeit vergleicht. Möge der Wechſel des Jahres uns veranlaſſen, dieſen kurzen Andeutungen einiges Gehör zu ſchenken in unſerer an Herbſtzeitloſen ſo überreichen Zeit! Unglauben machen die ſogenannten und eigentlichen Volks— Boffnung! „Wider Hoffen hoffen wir.“ Es handelte ſich, wenn wir auf die Bewegungen und Kämpfe des verfloſſenen Jahres zurückblicken, um reiche, große, tiefe Ideen, die im Bewußtſeyn der Völker verwiſcht, um koſtbare Güter, die verloren, um Lebensbedingungen, die längſt und ſchwer vermißt waren. Freiheit, Wahrheit, Recht war die Loſung, die durchs ganze Jahr getönt hat. Ware die Entwicklung der deutſchen Freiheit im organiſchen, lauteren, *) Nach dem Münſter'ſchen Sonntagsblatte. RMe J. Januar 8409. Sichtlichen Wege vor ſich gegangen, dann könnten wir Deutſchland Suck wünſchen, dann hätten wir die tiefen Wunden nicht zu beklagen, die gegenwärtig dem Vaterland geſchlagen ſind. Es iſt eine mißliche Sache, wenn aus der Krankheit die Geſundheit, aus der Revolution die Fretheit Worgehen ſoll, Tieferdenkende, die das Weſen der Revoluͤtion näher bachtet, in den Conſequenzen verfolgt hatten, ſchüttelten bedächtig den Epf und hatten gerechten Argwohn gegen eine Freiheit, die ihre erſten gen Wurzeln in die Barricaden geſchlägen hatte. och gegenwärtig iſt die Verwirrung der Begriffe groß, die Gefahr Dt überſtaänden, aber, wider Hoffen hoffen wir. Wir verzweifeln keineswegs, daß das deutſche Volk eben bei dem Richthum des Gemüthes, bei der Tiefe des Gedankens und der Thatkraft S Lebens, die ihm eigen iſt, im Laufe der Zeit, wenn auch nach harten Kämpfen, die tiefen und reichen Ideen von Freiheit, Wahrheit und Recht lauter und rein entwickeln, und im Herzen Europa's klar vor dem Ange— ſichte aller Völker ausprägen werde, wir verzweifeln nicht an einem gluck— lichen Gelingen und hoffen, daß Gott den Leüchter nicht von unſerm Lande rücktz und wenn auch die Hinderniſſe groß und unüberwindlich ſcheinen, dennoch hoffen wir. Die Gerichte, Gottes ſind über uns ergangen.„Lange,“ ſo ſagen erſammelten Biſchöfe zu Würzburg„hat der Herr zu den Völkern ereder mo ſte haden Ihn nicht gehört; hat durch Segnngen eut ihre Herzen erwerben wollen, und ſie haben es nicht erkannt; hat durch ernſte Prüfungen, durch Krieg und Kriegsgeſchrei, durch Krankheit und Hunger die vereitelten Gemüther zu ſich erheben wollen, und ſie haben es nicht geachtet. Da hat Er die Stürme des Aufruhrs frei gelaſſen und der Empörung, und ſie ſind über die Fürſten dahingefahren und über die Völker, und haben die Paläſte erſchüttert auf den Höhen und in Hütten in den Thälern, und viele alte Dämme durchbrochen und alte Wege zer— ſtört, ſo dgß auch die Sicheren aufgerüttelt, die Schlummernden geweckt, die Hochmuthigen gebeugt worden ſind, und— es iſt ein wahres und wahrhaftiges Wort— der Herr wird ſeine ſtrafende Hand nicht zurück— ziehen von dieſem Geſchlechte, bis daß es Ihn von Neuem erkennt, in Demuth um das verachtete Kreuz ſich ſammelt und in der Kirche, die ſich Chriſtus mit ſeinem heiligen Blut erkauft hat, die Mutter wieder ehrt, welche allein die Menſchen die Wege des Heiles führt.„Darum erhebet eure Häupter und erkennet, und zwar in dieſen euern Tagen, was zu euerm Frieden dient.“ Wirklich haben dieſe und ähnliche Gedanken in den Gemüthern mehr oder minder Anklang gefunden; man bemerkte in den Ereigniſſen etwas von Gottesgerichten, Ahnungen ſtiegen in der Seele auf, man fühlte das Wehen eines höhern Geiſtes und unwillkürlich wandte ſich manches Auge, welches lange blöde und blind auf die Erde geheftet war, auf zum Him— mel. In den Edleren und Beſſeren gab ſich ein merklicher Umſchwung der Geſinnung kund. Man verſpürte, daß die Ideen Freiheit, Wahrheit, Recht, mit ihren Wurzeln in ein göttliches Gebiet herüberreichen müſſen, um ſich richtig zu entwickeln und fruchtbringend für ein Volk werden zu können. Und wenn auch die Maſſe der wirklich Böſen groß, die Schaaren der Leichtſinnigen und Oberflächlichen Legion iſt, wenn auch eine unendliche Sündenmaſſe in Deutſchland ſich angehäuft hat und ein höheres Erkennen und beſſeres Wollen hindert,— dennoch bieten ſich auch tröſtliche Erſchei⸗— nungen unſerem Auge dar, dennoch haben ſich auch beſſere Elemente ange— ſetzt; und abermals ſagen wir: Wider Hoffen hoffen wir. Der waͤhre Katholik, der längſt ſchon treu zu ſeiner Kirche hielt, ſteht feſter, denn je, in ſeiner Ueberzeugung. Wo Alles wankte und brach, da ſtand ſeine heilige Kirche hehr und hoch auf dem Felſen und blickte in —3 das Gewühl der Völker; wo die Begriffe in einem gräulichen Chaos ver⸗ , «--- >> v D schlungen waren, sind dem Katholiken an der Hand seiner heiligen Kirche seine Grundsätze fest, seine Anschauungen klar, seine Begriffe rein geblieben. Mancher halbe Katholik, der gesinnungslos auf beiden «seilen hinkte und feige mit seiner Ueberzeugung und seinem Bekenntniß^zurückhielt, stellt sich enischieven zu seiner Kirche; nach Außen wächst die -schaar der glaubenS- treuen Katholiken und im Angesichte der Gefahren wächst die intensive Kraft. Und nachdem die Kirche lange in mütterlicher Liebe und Wehmurh geharrt, daß ihre getrennten Kinder von der-langen Wanderschaft endlich zur Heimalh zurückkehren; nachdem sie den Wind beobachtet und oft am Gestade gewandelt, ihre Arme nach den Zaudernden ausgebreitet und ihnen zugerufen, das seit Jahrhunderten entbehrte Erbtheil des Friedens in Empfang zu nehmen; — da ist vieler Orten eine Sehnsucht wach geworren nach Versöhnung und Vereinigung mit der alten Mu'terkirche. Es drängt gewaltsam im Protestantismus nach einem lebendigen GlaubenS- und Lebensquell. Darum hoffen wir. Ein Blick aber auf die gegenwärtige Stellung der katholischen Kirche Deutschlands läßt uns dieselbe in einem Lichte erscheinen, daß wir freudig jubelnd über die jugendliche Braut deS Herrn abermals ausrufen: Wider Hoffen hoffen wir. Das Unerhörte ist geschehen! DaS Unerwartete ihr zu Theil gewor den. Der Herr hat in den Ereignissen gekämpft für die Freiheit seiner heiligen Kirche. Wie die Eisdecke von lebendigem Strome, ist die Knecht- schafk von der Kirche genommen. Nachdem vor einem Jahrzehent der erste entschiedene Kampf für die Freiheit der Kirche in Clemens August an gehoben und das in Stockung gerathene katholische Herzblut wieder in lebendige Cirkulation gesetzt war, hat cö eben eines Zeitraumes von zehn Jahren bedurft, wo die Kirche still und bescheiden ihr inneres Leben pflegen und kräftigen sollte, ehedenu die politischen Ereignisse, wie ein verheerender Strom, über Deutschland und Europa hereinbrachen und Alles in ihrem Strudel begruben. DaS katholische Volksleben hatte inzwischen einen neuen, herrlichen Aufschwung genommen; mit treuen, guten, tüchti gen Hirten wurden die Bischofsstühle Deutschlands besetzt und in Clemens August war allen daS lebendige Vorbild vorgestellt, wie man unerschrocken ficht für die Rechte und Freiheiten der Kirche. Und als nun die Losung „Freiheit" durch Deutschland schallt, da erhebt sich einmüihig das katholische Volk und fordert Recht und Freiheit auch für seine heilige Kirche. Frankfurt muß der Uebermacht weichen und gibt, was cS zuerst geweigert, und jenes Land, welches am feindlichsten früher der Kirche gegenüder stand, muß am ersten in seiner Verfassung Freiheiten für die Kirche proclamiren. Die Kirche ist freier geworden — Darum hoffen wir. Und nunmehr, nachdem die Kirche freier geworden, wird sie ihre Wirksamkeit beginnen, ihre Segnungen entfalten. Schon waren die Bischöfe Deutschlands in der Stadt KilianS, im alten Würzburg versammelt, zweihundert Jahre später, als der westfälische Frieden geschloffen ward und in einer anderen Gesinnung, als zu einer unheilvollen Zeit auf einem andern Congrcß von Bischöfen sich kund gab; kort haben sie vor Allem zunächst am Altare deS dreieinigen Gottes die Gelöbnisse der Treue und deS Gehorsams dem Vater der Christenheit, unserm vielgeliebten PiuS IX., zu Füßen gelegt, dort haben sie den Glauben der heiligen Kirche nach dem Symbolum deS KirchenrathS von Trient laut und öffentlich bekannt, dort zur Erhaltung und Verbreitung dieser göttlichen Wahrheit in freudiger Eintracht sich die Hände gereicht, dort zum andern Losungswort eS sich gemacht, zu leben und zu sterben in dieser Wahrheit und für diese Wahrheit; — dort haben sie ihre Hirtenworte an die Katholiken Deutschlands gerichtet und sie sind in die Herzen gedrungen, — dort den Klerus zum Kampfe ermuthigt, zur Ausdauer ermähnt, zum Eifer und zur Gottseligkeit angespornt; — dort haben sie im Angesichte Deutschlands ihre Rechte und Freiheiten gefordert, dort ihr Verhältniß zum Skaare — beiderseitige Selbstständigkeit und wechselseitige Freundschaft — festgestellt. Der Episkopat Deutschlands ist fest im Glauben, stark in der Hoffnung, reich in der Liebe — Darum hoffen wir. Und nachdem die Kirche freier geworden, wird sie die Schätze ihres reichen, innern Lebens erschließen, ihre heilige Mission beginnen unter den Völkern Deutschlands. Sie wird auS ihrem Sckwoße Männer gebären, welche die Armuth versöhnen, wie ein Franz v. Assist, in die Wissenschaft den Keim der Gottesfurcht tiagen, wie ein JgnatiuS und PhilippuS Neri, sie wird ihre Missionen eröffnen und durch Buße und Bekehrung in dem verwilderten Volksleben ein reiueS Herz und einen neuen Geist schaffen; sie wird ihre Tempel bauen und schmücken, ihre heiligen Institute wieder tnS Leben rufen, die Herrlichkeit ihres EultuS vor den Völkern offenbaren und an ihrer Brust die heil. Künste wieder nähren, sie wiid Deutschlavd wieder groß machen durch Einheit im Glauben und in der L.ede — Solches hoffen, darum flehen wir. Und wenn auch der letzte entscheidende Kampf, wo vielleicht Glaube und Unglaube, Christus und Belial sich gegenüberstehen und die große Scheidung erfolgt, hart und heiß werden sollte, so wissen wir, was gesagt ist: „Wir leiden Trübsal, aber wir werden nicht beängstigt, wir gerathen in Noth, aber wir kommen nicht um, wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen, wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nicht zu Grunde." Die Kirche ist bekämpft, doch nicht besiegt. Denn Christi Leben ist daS Leben seiner Kirche, sein Kreuz ihr Theil auf Erden, sein Sieg daS Unterpfand ihres ewigen Sieges. DaS ist unsere Hoffnung. Und darum haben wir „Hoffnung" als Angebinde zum neue« Jahre dem Leser dargereicht. Graf Montalembert über die letzter» römischen Ereignisse» Ich halte eS für überflüssig, Ihnen zu bemerken, meine Herren, daß ich'auf einem ganz andern Standpunkte stehe, als mein ehrenwerther Vorgänger (Lernt - Rollin); eben so wenig will ich die Regierung vertheidigen, denn sie muß sich allein zu vertheidigen wissen und vermögen; allein loben will ich sie für das, waS sie gethan hat, und gleichzeitig die Ausdehnung und Bedeutsamkeit darlegen, welche ich in meinen Gedanken ihrer Thätigkeit und ihren weiteren Absichten gebe. Ursprünglich wollte ich diese Thätigkeit hervorrufen, mein ehrenwerther College Birio ist mir indessen zuvorgekommen und ich muß heute der Regierung für ihre Initiative danken und auch der Nationalversammlung für die kräftige und sympalhi- sirende Ausnahme danken, welche die Initiative in ihrer Mitte gefunden hat. Die Mittel der Ausführung will ich hier nicht beurtheilen; ich will namentlich die römische, die päpstliche Frage vollkommen von der italienischen Frage trennen, und ich kann in dieser Beziehung mit dem Interpellanten von vorgestern, der da gesagt hat, der Knotenpunkt der Frage liege in Mailand, nicht einverstanden sepn, ein Standpunkt übrigens, auf den sich »er ehrenwerthe Herr Ledru-Roltin offenbar gestellt hat. Nein, meine Herren, der Knotenpunkt der Frage liegt nicht zu Mailand, sondern der Knoten dieser besondern Frage liegt zu Rom. Handelte eS sich hier um die italienische Frage im Allgemeinen, so hätte ich Ihnen gar Vieles zu sagen, ..... allein noch einmal, die Frage ist keine italienische und der ehrenwerthe Herr Birio bat dieses selbst gefühlt, als er ihnen sagte, daS Papstthum sey keine bloß italienische Institution, sondern eine Institution deS StaatS- und KirckenrechleS, deren Aufrechtbaltung mit der Aufrecht- haliung deS Gleichgewichtes und deS Glaubens im Auslande eng verknüpft ist. Indem ich also die Frage auf ihr rechtes Maaß zurückführe, indem ich sie in ihre Gränzen beschränke, glaube ich ihr darum nichts von ihrer Bedeutung zu rauben, ich erhebe sie vielmehr meines ErachtenS zu ihrer wahren Höhe und Bedeutung, ich mache eine Frage daraus, die weder eine italienische, noch eine französische, ja nicht einmal eine europäische, sondern die, ich wüßte mich keines andern Ausdruckes zu bedienen, eine katholische Frage ist, also die ausgedehnteste, die höchste Frage, welche in Anregung gebracht weiden kann. ES handelt sich hier nicht um eine gewöhnliche Souveräneiät, eS handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Staat, sondern eS handelt sich um Den, der das geistige Oberhaupt von 200 Millionen Menschen und um den Staat, welcher der Mittelpunct dieser Oberherrlichkeit ist, eS handelt sich mit einem Worte um die Freiheit der katholischen Idee. Nun aber sage ich, daß eS eine gar nicht zu berechnende Ehre, ein gar nicht zu berechnendes Glück für die französische Republik, ist, daß sie ihre Thätigkeit in der politischen Welt, in den auswärtigen Angelegenheiten damit so zu sagen einweihen konnte, daß sie diese Unabhängigkeit der katholischen Idee gestützt und gerettet hat, und ich für meinen Tkeil wünsche ihr auS der Tiefe meiner Seele Glück dazu. Ich wünsche ihr Glück zu, daß sie sich die Bewunderung und den Dank der Herzen und Gewissen von so vielen Millionen Menschen, die da zerstreut sind über die ganze Welt, erworben hat. (Lebhafter Beifall.) Allerdings gibt eS auch noch andere Gründe, welche für Papst PiuS den Neunten sprechen, und ich will sie nicht mit Stillschweigen übergehen. Ist cS ja koch zu allen Zeiten, vor aller Diplomatie, vor allen politischen Manifesten, unter allen Regierungen und Verfassungen, eine Pflicht der großen Mächte gewesen, den Schwachen zu Hilfe zu kommen, — ich rede hier nicht von Mächten im diplomatischen Sinne deS Wortes, — sondern eS ist stets eine Pflicht dessen gewesen, waS groß und mächtig ist in der Welt, dem ! » -2 »r K 3 Schwachen und Leidenden zu Hilfe zu kommen. ES ist dieses ganz der-' selbe Gedanke, den Ihr unter dem Namen der „Brüderlichkeit" in Eurer Fahne führet, cS ist also eine Pflicht der großen Nationen, die Schwachen zu unterstützen und zu retten, so oft sie dieses vermögen. Nun aber hat der Papst, ganz abgesehen von seiner Eigenschaft als Oberhaupt der Christenheit, im höchsten Grade dieses Reckt auf unsern Schutz, denn er ist schwach, und diese seine Schwäche ist heilig und ehr würdig, und er, der Schwache, wird unschuldiger Weise unterdrückt. Er ist schwach, denn ihm stehen keine Heere zu Gebote, er ist nicht von Tausenden von Soldaten umgeben, wie jene Fürsten in Wien und Berlin, er hatte gegen das Attentat, dem er als Opfer gefallen ist, keinen ankern Schutz als achtzig alte Männer. Denn bemerken Sie wohl, wenn von den Schweizern die Rede ist, die aus Rom entfernt worden sind, so handelt es sich nicht von schweizerischen Regimentern, wie man nach der Darlegung deS ehrenwerihen Herrn Ledru Rollin glauben könnte, sondern ganz einfach von einer Ehrengarde, die aus achtcig alten, mit Hellebarden bewaffneten Soldaten besteht Dieß war seine Vertheidigung, oder besser gesagt, es war seine Schwäche. Ich habe ferner gejagt, daß seine Schwäche eine unterdrückte und unschulcige ist, unterdrückt durch den schwärzesten Undank Derjenigen, die er mit seinen Wohlthaten überhäuft hat, und unschuldig ..... Ach! meine Herren, hat es wohl je einen unschuldigem, einen tadellosem Fürsten gegeben, als PiuS den Neunten? Ihm kann auch nichf der Schatten einer Gewaltthat, nicht der Schatten einer Treulosigkeit, nicht der Schatten einer Unehrlichkeit vorgeworfen werden. Er hat Versprechungen gegeben, er hat sie freiwillig gegeben, und hat in allen Stücken mehr gehalten, als er versprochen har. Sein ganzes politisches Leben läßt sich i» die zwei Worte zusammenfassen: Amnestie und Reform. So viel von seiner Unschuld, so viel von den Ansprüchen; welche er auf Eure Ehrfurcht und auf Eure Unterstützung hat, denn es hat, ganz abgesehen von seiner geistlichen Oberherriichkcil, noch nie einen Fürsten gegeben, der so tadellos, so großherzig gewesen wäre. Euch also ist die Ehre geworden, daß ihr die höchste Unschuld und die größte Schwachheit, welche eS in dem gegenwärtigen Augenblicke auf der Welt gibt, stützen und reiten könnet. Allein es ist dieses, ich wiederhole es noch einmal, nicht der erste und auch nicht der bedeutendste Vortheil, welcher sich Ihnen bei piesir Frage darbietet. Der höchste Vortheil ist vielmehr der, daß Sie mit der ganzen Größe und Macht Frankreichs in dieser katholischen Frage einschreiten können, und ich bitte Sie, die Bedeutsamkeit dieser Frage nicht auS dem Auge zu verlieren. Hören Sie! Zweihundert Millionen Meirichen, die da zerstreut sind über die ganze Erde nicht nur in Europa, in Irland, in Spanien, in Polen, sondern bis in die chinesischen Missionen, und tief in die Wüsteneien des Oregongebietes hinein, diese zweihundert Millionen Menschen, die da verbreitet sind über die ganze Erde, sie werden erfahren, — WaS? Sie werden erfahren, Einer nach dem Andern, daß das Oberhaupt ihres Glaubens, der Lehrer ihres Gewissens, der Führer ihrer Seelen, mit einem Worte Derjenige, den sie alle ihrer, Varer nennen, in seinem Palaste insullirt, belagert, unterdrück! und gefangen worden ist, sie werden alle im Ingrimm und Schmerz darüber knirschen, was werden sie aber gleichzeitig damit erfahren? Sie werken erfahren, daß Frankreich mit derselben Hand, mit welcher es seit sechzig Jahren in alle seine Gesetzbücher und Verfassungen den Grundsatz der Gewissens- und Cultusfreiheit eingeschrieben, daß es mit derselben Hand nunmehr ras Schwert Karls deS Großen gezogen ..... (Unterbrechung und Lärm auf der äußersten Linken. Beifall auf anderen Bänken.). ja wohl das Schwert Karls des Großen gezogen, um die Unabhängigkeit der Kirche zu schützen, die da bedroht ist in ihrem Oberhaupte. Und raS ist für Frankreich eine gar nickt zu berechnende Ehre, es ist schon vom rein menschlichen, vom politischen Gesichtspunkte auS für die französische Republik ein gar nicht zu berechnender Glücksfall. Wenn ich an das Gefühl der Dankbarkeit und Bewunderung für Frankreich denke-, welches in alle Herzen einziehen, welches ihrem Schmerz und ihren Unwillen wieder besänftigen wird, so fühle ich selbst neben dem Schmerze und dem Unwillen, der als Christen mich ergreifen mußte, so fühle ich als Franzose eine Freude, ein Glück und einen Stolz, dessen Verkündigung auf dieser Tribüne mir zu hoher Freude gereicht. (Sehr gut!) So viel von der Ehre und dem Interesse Frankreichs. Nun aber kommt auch noch unser Recht, das Recht Frankreichs, oder vielmehr das Recht jener katholischen Majorität, auf welche der ehrenwertste Herr Ledru Rollin so eben hingewiesen hat. Ja, wir sind die Majorität der Franzosen, obgleich dieses nicht mehr in Eurer Verfassung geschrieben steht, wie es früher in der Charte geschrieben stand, allein wir sind eS doch, weil alle Welt eS anerkennt als eine Thatsache, weil unsere Religion eS ist, an die Ihr appelliret, wenn unsere großen Nationalfeste, die Constitution, die Abreise unserer Bruder nach Algier gesegnet werden sollen. Wir sind also die Majorität, und wag verlangen wir alS dir Majorität? Keine Privilegien, keine Gunstbezcugungen, sondern waS Ihr uns in der Constitution versprochen, waS wir uns selbst versprochen haben, weil wir eS sind, die die Constitution gemacht haben, — die Freiheil! Nun bemerken Sie aber wohl: die religiöse Freiheit der Katholiken in Frankreich hat zur ersten und unerläßlichen Vorbedingung die Freiheit deS Papstes; denn wenn der Papst, der höchste Richter, die letzte AppellaiionSinstauz, das lebendige Organ deS Gesetzes und des Glaubens nicht mehr frei ist, so hören wir auch auf frei zu seyn. Wir haben also daS Recht, von der öffentlichen Gewalt, von der Regierung, die uns repräseutirt, und die wir gebildet haben, cS zu verlangen, daß sie unS eben sowohl unsere persönliche Freiheit in Sachen dex Religion, als die Freiheit Desjenigen garanlirl, der für uns daS lebendige Christenthum ist. (Lebhafter Beifall auf vielen Bänken.) DaS ist cS, waS feil tausend Jahren stets gefühlt, und ich scheue mich nicht, es trotz dem Murren dorten zu wiederholen, waS seit Karl dem Großen in Frankreich begriffen worden ist. Ja, schon seit tausend Jahren haben alle katholischen Völker es begriffen, daß der Papst daS Joch keiner Macht, und merken Sie sich das wohl, eben so wenig daS Joch seiner Unterthanen, als daS Joch deS Kaisers von Oesterreich oder deS Kaisers von Rußland tragen dürfe. Was für u»S das Wichtigste ist, das ist irr Umstand, daß der Papst frei sey, frei von jedem fremden oder weltlichen Einflüsse. Warum könne» wir es nicht zugeben, daß der Papst von dem Kaiser von Oesterreich abhänge, und warum wird anderniheils Oesterreich eS nicht zugeben, daß er von der französischen R-pnblck abbänge? Weil die Autorität, die Reinheit und die vollkommene Unabhängigkeit seiner Verordnungen nie auch nur in den mindesten Verdacht kommen darf, und in diesen Verdacht würben sie kommen und zwar mil Recht, wenn er je unter das Joch einer Macht geriethe, als seiner eigenen. Dieß ist der Grund der Unabhängigkeit, der Legitimität und Unverletziichkeit, der zeitlichen Macht des Papstes. Der ehrenwcrthe Herr Ledru-Rollin bat hier gesagt, daß wir am Ende eben so sehr den Fürsten, wie den Papst vertheidigen müßte», und ich für meinen Theil erkläre, daß ich darauf zähle. (Ach! ach! Verschiedene Rufe ) Ich höre Ihre Unterbrechungen, sie sollen indtssen meine» Gedanken nicht verdrehen. Es versteht sich von selbst, daß hier der geordneten und konstitutionellen Entwickelung der politischen Institutionen in den römischen Staaten kein Hinderniß in den Weg gelegt werden sott; allein eben so wichtig ist es, daß mit der Autorität und der Person deS Papstes auch die Freiheit und Autorität des Fürsten vertheidigt weide. (Wideripruch auf der äußersten Linken.) Bemerken Sie wohl, meine Herren, daß ich mich nicht in Abstraktionen bewege, ich prüfe nicht diese oder jene Theorie, diese oder jene Eventualität, sondern halte mich rein auf dem Gebiete der Thatsachen, auf dem Gebiete der Geschickte, auf dem Gebiete Dessen, was seit tausend Jahren die Geschichte der Welt ist. Gerade in dieser Beziehung aber, ich gestehe es offen ein, sind die Mittheilungen, welche tei Chef der vollziehenden Gewalt unS gestern gemacht hat, mangelhaft, meiner Ansicht nach hat er die Mission deS französischen Agenten zu sehr beschränkt, indem er denselben nur auf den Schutz der Person deS Papstes anwieS, und ich hoffe, daß er unS in dieser Beziehung befriedigendere, empfehlendere Explikationen geben wird. (Aufregung.) Die Person deS Papstes ist unS aller» dings unendlich theuer und heilig, allein eS gibt Etwas, waS unS noch theurer und heiliger ist, — seine Autorität! Wie steht eS nun aber mit dieser seiner Autorität? Hören Sie, waS der französische Gesandte darüber berichtet: „Die Autorität dcö Papstes ist gegenwärtig vollkommen null und nichtig." Ein Mitglied der Linken. Desto besser! Graf M ontalembert. Desto b> sser! ruft man mir zu. Ich gebe diese Unterbrechung der öffentlichen Meinung preis. (Beifall aus vielen Bänken.) Also der französische Gesandte berichtet: „Die Autorität de« Papstes ist im Augenblicke vollkommen null und nichtig; sie eristirt nur noch dem Namen nach, und keine seiner Handlungen wird frei und ungezwungen seyn." So berichtet der Gesandte der Republik zu Rom. Herr Laissac. ES handelt sich hier aber doch nur von seiner zeitlichen Gewalt. (Schluß folgt.) Großbritanvte«. * Der Klerus und die Katholiken Englands und Irlands geben die rührendste» Beweise ihrer Theilnahme a« dem Schicksale deS heil. ValerS, PiuS IX. Alle Diöcescn flehen in Folge deS Aufrufe» der apostolischen s 4 Vikare und der Bischöfe Gott auf den Knieen an, dem unglücklichen Italien seine Barmherzigkeit zuzuwenden und dem so grausamen Prüfungen unterworfenen Oberhaupte der Kirche seine Gnade und seinen Segen zu verleihen. Wir bedauern, unsern Lesern nicht alte die eindringlichen Erniah nungen der Prälaten JrlandS und Englands in diesem Betreffe mittheilen zu können. Die Ausdrücke, durch welche sie ihre Anhänglichkeit an den heiligen Stuhl und ihren unerschütterlichen Glauben an die Zukunft der Kirche ausgesprochen, sind im höchsten Grade ergreifend. Wir wählen zur Bekräftigung unserer Behauptung folgende Steven auö dem Hirtenbriefe des Monsignor Walsh, apostolischen VicarS zu London, den auch dessen Coadjutor, Monsignor Wiseman unterzeichnet hat, auS: „Für Alle, geliebte und theuere Brüdcr im Herrn, welche die tiefen Geheimnisse begreifen, auf denen der Glaube ruht, und auf welche die Vorsehung sich stützt, ist jetzt der Augenblick gekommen, sich in Liebe um den Thron deS heiligen Petrus und um die geheiligte Person zu vereinigen, die ihn einnimmt. Laßt Jene, die in dem liebenswürdigen und tugendhaften Pins IX. nur einen Monarchen mehr sehen, den die ungestümen Leidenschaften eines bethörten Volkes von einem zeitlichen Thron gestoßen haben, immerhin darüber verwundert und bestürzt seyn, — sich freuen und jubeln darüber wird doch wahrlich Niemand; — aber für ein katholisches Herz, das in dieser erhabenen Person den Repräsentanten und den Statthalter Jesu Christi sieht, wird er niemals mehr mit wahrem Ruhm umstrahlt, niemals der tiefsten Verehrung und der zärtlichsten Liebe würdiger erscheinen, als wenn wie bei seinem göttlichen Meister seine erhabenen und unveräußerlichen Vorrechte sich mit dem Schmerze, mit der Gefangenschaft in den Händen seines Volkes und mit dem Verrathe vereinigen, den Jene an ihm verübt haben, welche ihm die Theuersten sind. „Wenn wir sehen, waS gegenwärtig um uns vorgeht, sollen wir uns nicht mit dem tiefsten Leid im Herzen und mit Thränen in den Augen um ihn vereinigen, ihm die feierlichsten, die aufrichtigsten Huldigungen darzubringen, um ihn mehr als jemals als das Oberhaupt der Kirche, den Herrn unseres geistigen Lebens wie unseres Glaubens und als den Wahren Stellvertreter unseres gekreuzigten Erlösers anzuerkennen? Die Worte, die wir hier aussprechen, werben ihm wahrscheinlich niemals zu Gesicht kommen, aber wir versichern ihn hiemit nichts desto weniger öffentlich und auS dem tiefsten Innern in unserem und, wie wir nicht zweifeln dürfen, auch in euerem Namen unserer unerschütterlichen Treue und unserer unwan-! delbaren Liebe. „Möge die Anhänglichkeit seiner geistigen Kinder, welche die Unbilden, die er in so hohem Maaße erdulden muß, gewiß noch vergrößern, den heiligen Vater für den Undank und die Untreue seiner Unterthanen entschädigen, — mögen die Gebete von Millionen Katholiken ihn mit einer Schutzwache umgeben, die mächtiger ist, als sein Heer! Mögen die heiligen Apostel Petrus und Paulaö aus ihren Gräbern die bittenden Hände zum Himmel erheben, um den göttlichen Schutz für die heilige Stadt zu erflehe». Mögen die Engel des FriedenS sich um den Hohenpriester Gottes versammeln und ihn gegen alle seine Feinde beschützen, und mögen alle Segnungen des heiligen Geistes in Fülle sich auf sein geheiligtes Haupt Herabsenken, damit er von Neuem mit einem irdischen Diademe gekrönt werde >" Die Katholiken von England und Irland beschränken sich nicht auf Gebete; zahlreich besuchte Versammlungen fanden statt, um zu Gunsten des heiligen VaterS, den die Undankbarkeit seiner Unterthanen genöthigek! hat, Sich von Rom zu entfernen, Anhänglichkeits- und Bewuuderungs- Avreffen zu votiren. I» einer Versammlung zu Dublin wurde der Antrag gestellt, die alte Abgabe deS „Pfennings des heiligen Petrus" wieder einzuführen, um PiuS IX. während der Dauer seiner Verbannung damit zu unterstützen. Aehnliche Versammlungen werden in allen Pfarreien gehalten Werden, um freiwillige Gaben der Gläubigen zu diesem Zwecke in Empfang zu nehmen. Die Katholiken Englands werken wohl auch nicht zögern, sich in gleicher Absicht zu vereinigen. Auf diese Weise hat also das. unglückliche, den Qualen des Hungers preisgegebene Irland in den hochherzigen Eingebungen seines Glaubens die Quelle und die Aufforderung zu! einem Unternehmen gefunden, daS ohne Zweifel bald die ganze katholische Welt nachahmen wird. Deutschland. AuS Bayern im December. ES freut mich, Ihnen auS Bayern wieder einmal etwas Erfreuliches melden zu können — und zwar vor Allem von dem Orden der Cup »einer. Schon seit mehreren Jahren hat dieser Orden durch seine Obern crnstlichst darauf hingearbeitet, die ursprüngliche Klosterzucht nach der Regel des heiligen FranciScuS wieder herzustellen, und so den Orden zu regeneriren. Und wirklich haben die ehrwürdigen Väter deS CapucinerordenS, der vielleicht der populärste unter allen Orden ist, in allen ihren Klöstern seitdem nicht nur musterhafte Ordnung, sondern auch ein segenreicheS Wirken. Der Beichtstuhl in ihren Klöstern ist sehr stark besucht, eben so der Gottesdienst in ihren Kirchen, und die mancherlei OrdenSfeste zu verschiedenen Zeiten deS Jahres bieten dem Volke häufig Gelegenheit zum Empfange der heiligen Sacramcnte, , und gar mancher Kleriker, der früher den religiösen Orden überhaupt nicht geneigt war, hat durch die neu eingeführte strenge Klosterzucht und daS erfreuliche Wirken des CapucinerordenS sein Urtheil zum Bessern geändert und zollt diesen Vätern eine aufrichtige Achtung. Um nun auch in den Stürmen der Gegenwart die OrdenSmitglieder !zu stärken und zum Wirken in diesen gefahrvollen Tagen desto tüchtiger zu machen, werden von dem Hochwürdigen Pater Superior deS Capuciner- Hospitinms zu Augsburg in allen Klöstern, welche dieser Orden in Bayern zählt, geistliche Erercitien abgehalten, auf denen gewiß Gottes Segen ruhen wird. Denn so gewiß es ist, daß der gesunde Kern der Gläubigen noch vorzüglich im Landvolke zu finden ist, so gewiß ist es auch, daß unter allen religiösen Orden keiner so sehr die Sympathien des Landvolkes hat und keiner so sehr mit dem Volke verwachsen ist, als der arme Orden der Capuciner. Ihre Armuth und ihre Entbehrungen, ihre Fasten, Nachtwachen, Disciplin und dergleichen machen sie dem Volke ehrwürdig, ihr Termin bringt sie vielfach mit dem Volke in Berührung und öffnet ihnen die Herzen der Armen und Bedrängten, um Trost und Seelenruhe bei ihnen zu suchen. WaS aber eine recht innige Begeisterung dieser Ordensmitglieder um so wüuschenswerther macht, daS ist eben die geringe Abneigung der Welt gegen diesen Beltelorven und die geringe Bedeutung, welche die Well diesem Orden beilegt. - Je geringer die Welt ihn anschlägt, um so eher wird derselbe unter den Stürmen der Zeit sich erhalten und wie die Weide am Bache sich beugen und nach dem Sturme wieder frisch dastehen, während vielleicht so manche Eiche entwurzelt am Boden liegt und verdorret. Und so wie die Kirche von dem heiligen Franciscus sagt: „ki'-moisous kic psuper et inoclieus ooelum clivos in- greclitur," so mag auch seinen Jüngern jetzt wieder Gelegenheit werden, durch Armuth und Niedrigkeit reich zu werden an Verdiensten und als Boten des Evangeliums unter den Armen viele Seelen zu gewinnen für das ewige Leben und ein nicht unbedeutendes Schärflein beizutragen, den Glauben wieder zu beleben und dem Herrn ein wohlgefälliges Volk zu bereiten. Daß der WeltkleruS nach der gewordenen Mahnung seiner Bischöfe die Hände nicht müßig in den Schooß lege, war wohl zu erwarten — und zwar um so mehr, da schon zuvor so Viele nach einer solchen Mahnung und Ermunterung zur Rechtfertigung ihres Eifers sich gesehnt harten. Nachdem nun das Streben nach Besserem durch die Stimme der Obcrhirten nicht nur gebilligt, sondern sogar gefordert ist, so sucht Jeder nach Zeit und Umständen von den oberhirtlichen Mahnungen Alles in Eifüllung zu bringen, was ihm möglich ist. So hat zum Beispiel Herr Dr. Nhrig in Würzburg von Neujahr beginnend eine politische Zeitung unter dem Namen „Würzburger Journal" angekündigt und damit die geringe Zahl der kirchlichgesinnten politischen Zeiiungen vermehrt, waS gewiß guten Fortgang haben und nicht unbedeutenden Nutzen stiften wird, zumal die Bürgerschaft Würzburgs selbst eine noch durchaus kernh'afte gut katholische ist. Nur fehlt noch einiger Muth so vielen unserer Priester, daß sie im Gebiete der Journalistik sich mehr versuchen, wozu so Mancher Kenntnisse und Geschick hat, allein aus nicht zu rechtfertigender Zaghaftigkeit, Manche leider auch auS Indolenz, sich nicht getrauen, in der Oef- ftntlichkeit mitzureden. Allein wer heut zu Tage nicht mitredet, der wird auch nicht mitgezählt! An den geistlichen Erercitien, deren öftern Abhaltung der Klerus baldigst entgegen sieht, wirb sich gewiß die größte Theilnahme beurkunden. Einstweilen werden überall die religiösen Vereine für kirchliche Freiheit verbreitet, da wir aus ähnliche Weise diese werben erringen müssen, wie eS die Jrländer gethan. Wolle nur Gott solche Männer wecken und stärken, die und daß sie uns ähnliche Führer werden, wie Daniel O'Eonuell den Jrländern war. Volksmijstonen, die noch vor einigen Jahren bei Prälaten und Pfarrern so manchen Widerspruch gefunden, sind durch die Ansprache der Oberhirten gerechtfertigt und werden gewiß so bald als möglich überall abgehalten werden, ob nun durch Vereine von Weltpriestern, die sich eigens dazu vorbereiten, oder durch Ordensleute, daS werben die Bischöfe wohl bald bestimmen. Unter solchen Umständen blicken wir dem kommenden Jahre mit ruhigem Auge entgegen und vertrauen auf den Beistand Dessen, der gesagt hat: „Hcee ego vobmoum sum omnibu8 ckiebus usgue sei consurnmstionem sseouli." (Katholik.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber r F. C. Kremer.