Preis In Augsburg für fich allein (»hu« A. Postzeitung) jährlich Ist. Istkr. Durch die Post kann diese- Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags -Veiblatt M Augsburger Postzeitung. Für fich allein, ohne die Augsburger Postzeitung, find diese Blätter nur im Wege des Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w, jährlich nur 1 ft. SOkr. oder I Thlr. Neunter Jahrgang 14. Januar 184kl. Grmrrthigung. *) Es ist ein heißer Kampf In dieser Welt, Darin so manches reizt und wohlgefällt, Wo Goldesglanz und Nugenschimmer Blenden und belhören immer. Doch wirf nur tapfer deine Brust Entgegen der Welt und ihrer Lust Und kämpf' und streite stark und mnthig. Wird auch das Herz dir wund und blutig. Hast ja ein Schwert an der Seile licht. Auch schil'S an einem Helfer von Oben nicht. Laß nur im Kampf den Arm nicht sinken Bald flehst du Oeizwcig und Palme winken. Albert Werfer. Neujahr-wunsch für 184S. **) Die mit dem Strome der Zeit Schwimmenden haben sich in den Kopf gesetzt die meisten alten Gebräuche abzuschaffen, als verbrauchte Waaren, die für die Jetztzeit keinen Werth mehr haben. So erging's mit der Sitte, sich gegenseitig ein glückseliges neues Jahr zu wünschen. Ver faffer dieses, als noch zur Zopfzeit gehörend, bleibt beim alten Gebrauch, und wünscht den lieben Tirolern und allen Lesern dieser Blätter aus dem Grunde deS Herzens ein wahrhaft glückseliges neues Jahr. Man möge es mit Gott anlangen, und in seiner Gnade vollenden. Was auch immer über uns von Gott beschlossen ist, Gutes oder Schlimmes, — eS möge Euch, ihr Lieben, gefaßt, und Gott ganz ergeben finden. Um dieß zu können, wollen wir vereint in einen Spiegel blicken, der unS las Mehr oder Weniger unseres sittlichen Werthes vorzeigen, den Grad der nöthigen Reue erschauen lassen wird, damit wir von innen nach außen Ordnung im Haushalte schaffen, um vorbereitet zu sevn, wenn im Jahre 1849 der HauSvakr Rechenschaft über das geführte Hauswesen abverlangt. Gedenkt vorerst eines alten Spruches: Hin geht die Zeit, Her kommt der Tod; O Mensch, thue Recht, Und fürchte Gott! Da wir ein aufgeregtes Jahr hinter uns haben, so wurden Viele aus unö von seinen Strömungeiz mit fortgerissen. Es bedarf im neuen Jahre der ganzen Kraft des Glaubens, um sich wieder besonnen zu fassen. Deßhalb wollen wir in den Spiegel blicken; er soll uns unsere Seelen zustünde erschaubar machen, wie eS mit dem PluS oder MinuS unserer Reue beschaffen ist. Vor Allem muß jeder Mensch einsehen, daß er nicht am Ziele alles zu Erkennenden ist, wenn man gleichwohl die Jahreszahl 1849 schreibt, worüber hinaus daS Senkblei unserer Vorsehungen keinen Halt mehr findet; und sey man nicht so thöricht, den Jahrhunderten, die vielleicht »och kommen werken, die eigene beschränkte Einsicht als Mauer vorzuschieben, über welche hinaus man den Flug des Geistes nicht erheben könnte, und glaube ja nicht, daß das, was unserm blinden MaulwurfSauge undurchdringlich ist, eben so Allen vor und nach unö unerschaubar gewesen sey oder seyn w.rde. Dagegen hüte man sich auch vor einem Wissen, das dem christlichen Leben verderblich ist; denn daS vorwitzige sich Versenken in GvlteS Geheimnisse und Rathschläge dient unS überhaupt nicht zum Heile; kann ja doch unser Auge den Strahl der Sonne nicht ertragen, wenn sie in ihrem Glänze am Himmel steht — und der Mensch, Staub und Asche, ein Kind von gestern und heute, soll eS wagen nicht zufrieden zu seyn, wenn ihm noch kein tieferer Blick in die Tiefen Gottes und in die Geheimnisse der Werke seiner Schöpfung gegönnt ist! Zuerst trachte man sich selbst zu erkennen. Man überzeuge sich von seiner eigenen Ohnmacht, und man wird Gott dem Vater in Anbetung danken, einer Einsicht enthoben zu seyn, wo unsere Seelenkräfle nicht ausreichen könnten. Um Andere zu erkennen, muß man sich selbst erkennen. Blicken wir nur in den Spiegel deS Gewissens, und wir werden schauen unsere Miserabilität und die Nothwendigkeit auszurufen: ?ator, poccsvi! Zu dieser Sprache kommt aber der Mensch nur dann, wenn er von der Gnade erleuchtet wird, und die Mcntorstimme eines SeelenarzteS hören mag. Da geht gewöhnlich folgendes Seelengcspräch voran: Mensch! umsonst, waS du auch thust; eS ist keine Ruhe in dir, so lange du die Fessel der Sünde trägst. Wie viele Jahre des Lebens sind schon zu Grabe gegangen, und sind vorgemerkt jenseits — in dem Buche der Alles gerecht lohnenden und bestrafenden Vergeltung! Und die unS unbekannte und nichjl gesicherte Zukunft, was wird sie wohl bringen? O Mensch, steht doch dein Taufstein schon neben deiner Grabstätte, und daS dazwischen liegende Leben verklingt wie ein Glockengeläute, und nichts gehört uns, als der Augenblick der Gegenwart, der dem Brunnen der Ewigkeit entspringt. Der nur der gehört zur treuen Benützung für die Ewigkeit unS an. Wolle GotteS Gnade im neuen Jahre die Sehnsucht nach dem Bessern in uns anregen, nach Etwas, waö die Welt nicht geben kann. Bisher war das Auge deS LeibeS von der Wcltlust hart mitgenommen; möge im neuen Jahre daS geistige Auge sich öffnen, und das sinnliche erlökten, wo man dann mit ganz anderer Ansicht der Weltdinge Umriß erschauen wird. Aber da müssen noch Hemmnisse gehoben werden, um auf dem Wege des Heiles Fortschritte zu machen. Siehe, da sendet Gott Fäulniß dem Fleische; eö kommt zum Schweigen, und ein gewaltiger Eingriff von oben inö gewohnte Leben rüttelt mächtig auf, und — man kommt wieder einen Schritt vorwärts auf der Bahn deS Heiles. Aber kaS ist noch keineswegs eine völlige Umwandlung deS Geistes. Mit den grauen Haaren kommt erst ernstes Nachdenken, der innere Ruf: WaS war ich bisher? waS bin ich noch? wird's so noch lange fortdauern? Hier kommt eS meistens zur Entscheidung. Gingen dem Leben gute Werke in Liebe vollbracht voran, so wendet sich allmälig die Seele nach oben; hat man aber im Vergangenen der Gnade deS heil. Geistes widerstrebt, so gestaltet sich der Seelenzustand zum Schlimmern. Möge daS erstere bei uns der Fall in diesem Jahre seyn! Möge der Hammer der Gewisscnsuhr schon Schläge für und in die Ewigkeit geschlagen, der Zeiger unserer LebenSuhr zu Sonnenseite der Gnade sich gewendet haben, und die Liebe Gottes uns durchs Leben tragen, und unsern Augen. Thränen — Perlen, wollte ich sagen, der Liebesreue entlocken; bann würden wir große Fortschritte auf dem Wege LeS Heiles machen, einer ruhigern Zukunft entgegensehen, und bei allen Stürmen, die noch in diesem Jahre uns um- brausen mögen, dennoch fest im Glauben rufen: Was, wie, wo und so lange Gott will. Liebe Mitchristcn, ich wünsche Euch Allen die Gnade der LiebeSreue in diesem neu angetretenen Jahre; nur sie sichert Euer ewiges Heil. Aber dazu bedarf eö der Stärke; sie komme über Euch von oben, in Euch, und führe Euch zu Gott zurück, der Euch diese Gnade verleiht. Auf denn! In der Kraft Gottes wollen wir unS ihm nahen. Wir wollen im neuen Jahre im Vaterschooße GotteS, gleich den Kindern in der Wiege, sicher i i ") Neue Sion. ") AuS dk» kath. Bl. aus Tircl. ruhen, und jeden Augenblick vertrauen, daß eS uns an der gehörigen Nahrung der Seele nie und nimmer fehlen werde. Lasset uns liebend wirken unv leiben, bis der Engel deS FriedcnS unser leibliches Auge schließt, während baS geistige geöffnet wird zu schauen im Lichte, was wir hier nur durch den Glauben erkennen. Wir wollen noch gerne ausharren hier im Thränenthale. Der Flug der Liebe wird die Zeit abkürzen, und in unö das Heimweh nach dem ewigen Leben stillen. Christus, der Sohn GotteS, sitzend zur Rechten deines Vaters, ertheile den Bewohnern dieses Landes deinen unbegreiflichen himmlischen Frieden; ertheile ihnen daS lebendige Leben deS wahren Glaubens und daS tägliche Brod deö Leibes, und vor Allem die Nahrung de^ Seele, damit Keines aus ihnen für Zeit und Ewigkeit verloren gehe. Das ist mein NeujahrSwunsch für Euch, meine Lieben, die ich Alle in der Liebe Christi umfasse. Innsbruck, 1. Jan. 1849. Alex. Fürst Hohenlohe, Bischof von Sardika und Großpropst. - , Der dentscheEpifkopat. Bon Sebastian Brunn er*) klt unilo mors orioliatur, jucke rit» rosurzerol. I'oaelatio o in keiner Weise verpflichtet seyn kann, für alle Erneuten und Ausstände außerhalb unseres Vaterlandes solidarisch einzutreten. (Sehr gut! Lärm auf einigen Bänken.) Einen solchen Grund können nicht Sie, die ächten Republikaner, sondern nur Ihre Feinde geltend machen. Ich für meinen Theil wußte nicht, ob der unversöhnlichste und listigste Feind der republi cauischen Regieruugsform im Allgemeinen und der französischen Republik im Besondern eine schmählichere Anklage, eine gröbere Beleidigung gegen Sie aufbringen könnte, als die ist, die Republik verantwortlich machen zu wollen für alle Ausstände, für alle Erneuten, für alle Revolutionen, die sich in Europa noch auflhun werden. (Sehr gut!) Ohne dieß haben Sie, Gottlob, gegen diese Doktrinen schon selbst protestirt. In den Junitagen haben Sie eure Kriegserklärung unterzeichnet gegen diese Solidarität mit der Anarchie unv allen Revolutionen, und riefe Kriegserklärung haben Sie unterzeichnet mit dem reinsten und edelsten Blute von ganz Frankreich. (Beifall.) So viel von dieser Theorie im Allgemeinen. Wenn ich murr aber erst gar die Thatsachen, von denen in diesem Augenblicke die Rede war, auf die römischen Zustände anwenden soll, — dürfte ich eS da wohl wagen, könntet Ihr, die Ihr mich unterbrechet, könntet Ihr, französische Republikaner, irgend eine Aehnlichkeit zwischen der Lage der Dinge in Rom unv der Lage unv den Pflichten Frankreichs ausfindig machen? Könnte ich z. B. diese römische Versammlung, die ich nicht anders charaklerisiren will, als durch Verlesung einer Stelle, welche der ehrenwerihe Herr Ledru-Rollin so eben und zwar gegen uns angeführt hat: „Die Versammlung, vor deren Thüre der Mord begangen worcen, setzte rnhig die Vorlesung ihres Protokolles fort und während des ganzen Verlaufes der Sitzung wurde der Vorfall auch nicht im Geringsten erwähnt — dürfte ich wohl riefe Versammlung, meine Herren, mit der französischen Nationalversammlung, mit Ihnen vergleichen, die Sie am 15. Mai und am 23. Juni die herrlichsten Beweise von Ihrem Muthe und Ihrer Ruhe gegeben? Gleicht diese römische Versammlung uns, oder gleichen Sie ihr? (Nein; nein; sehr gut.) Darf-ich unsere Armee, so unerschrocken im Kampfe und so gemäßigt im Siege, darf ich sie mit jenen Soldaten des Papstes vergleichen (allgemeine Heiterkeit), die nicht einmal diesen Namen verdienen, darf ich sie mit jenen angeblichen römi- niischen Soldaten vergleichen, die nur stark gewesen sind gegen einen schwachen Mann, die nur muthig gewesen sind gegen ihren Vater, gegen Denjenigen, der ihr Vaterland mit Wohlthaten überhäufte und, noch einmal sey eS gesagt, keine andere Vertheidigung hatte, als achtzig alte Männer? Soll ich unsere Soldaten mit solchem Volke vergleichen? Nein, tausendmal nein! (Sehr gut! sehr gut!) Soll ich endlich unsere Naiionalgarve, die so großartig und standhaft an allen Gefahren, an allen Unternehmungen unseres HeereS gegen die Erneute sich delheiligt, soll ich sie vergleichen mit jener Bürgerwehr, die ich mit nichts Anderem charaklerisiren will, als mit den Worten Ihres Gesandten: „Der Mörder Rossi'S ist nicht verhaftet worden, man hat nicht einmal einen Versuch dazu gemacht, die Bürgergardisten, welche an Ort und Stelle waren, ließen Alles gewähren,' — soll ich unsere Nationalgarde mit dieser Civica vergleichen? (Nein, nein! Beifall.) Und weil der Name Rossi'S über meine Lippen gekommen, so erlauben Sie mir einen Rückblick, eine Erinnerung zu fiiner Ehre, von Seiten eines Mannes, der sein College und noch mehr als das, der sein Gegner gewesen ist. Ja, meine Herren, ich habe ihn gekannt, ich habe ihn bekämpft mein ganzes Leben lang in seiner Stellung als Professor, als Pair von Frankreich, als Gesandter. DaS erste Mal, als er in der PairS- kammer sprach, hatte er das Wort ergriffen, um mir zu antworten, und das letzte Mal, als er die Tiidune im Lurembourg bestieg, da geschah eS, wenn ich nicht irre, um mich zu bekämpfen. Gerade diese Erinnerungen aber legen mir die Pflicht auf, ihm hier eine feierliche Anerkennung zu zollen. (Sehr gut! sehr gut! — Lebhafter Beifall.) Welches auch die Irrthümer oder Fehler seines Lebens gewesen seyn mögen, oder wenigstens, waS ich für Irrthümer oder Fehler gehalten habe, — sie sind in meinen Augen alle ausgelöscht durch seinen herrlichen Tod. (Verschiedenartige Bewegung.) Ja, meine Herren, sein Tod macht ihn würdig, eine feierliche Anerkennung zu empfangen auS dem Munde eines ehemaligen GeguerS und zwar hier in der Nationalversammlung Frankreichs, den, er in seinem Leben so würdig gedient und durch seine» Tod Ehre gebracht hat. (Sehr gut! — Lärm auf mehreren Bänken.) Nun noch ein Wort über diese angebliche Analogie und Gemeinsamkeit der Bestrebungen, welche ich so eben bekämpft habe. Man.beruft sich unaufhörlich im Namen Italiens, im Name» NomS, welches sich empört hat und PiuS IX. unte^cksickt, anf die Interessen der demokratischen Sache. Ich habe nun diMraus nicht die Absicht, hier als Lobredner oder Apostel der Demokratie/aufzutreten . . . (Lärm aus der Linken.) Eine solche Prätcusion wäre bei mir sehr übel angebracht . . . . Eine Stimme auf der.äußersten Linken. Ja wohl, sehr übel angebracht! Graf Moutalembcrt. Finden Sie das auch? Nun so sind wir ja ganz einverstanden. (Allgemeine Heiterkeit.) Indessen werden Sie mir eS doch nicht verwehren wollen, hier offen eS auszusprcchen, daß die Demokratie daS höchste Gesetz deö Landes ist, in welchem ich bin, und der Zeit, in welcher ich lebe. Ich habe deßhalb mit Ihnen Allen dafür gestimmt, daß die Republik eine demokratische seyn soll, weil eine aristokratische oder monarchische Republik in Frankreich, im neunzehnten Jahrhunderte ein Unsinn ist. (Sehr gut!) Als ich aber für diesen Namen oder b.sser gesagt für diese Idee stimmte (und ich bin fest überzeugt, daß fast das ganze Land und die bei weitem größte Majoriät der Nationalversammlung mit mir einverstanden ist), da habe ich durchaus nicht daS gewollt, waS man j tzt in Italien den Triumph der demokratischen Dolche nennt. (Lärm auf der äußersten Linken.) V'iele Stimmen. Sehr gut! sehr gutl Auf der äußersten Linken. DaS hat aber kein Mensch gesagt! Graf Montalembert. Ueberall hat man eS gesagt in Italien, eS ist angeschlagen worden in Livorno; in den Zeitungen ist eS gedruckt zu lesen; auf den Straßen RomS ist es gesungen worden. Rossi'S Meuchelmord nennen sie den Triumph der demokratischen Sache und singen Loblieder zu Ehren des heiligen Dolches, deS demokratischen Dolches, der ihn hmgeopfert hat. Ich aber beschwöre alle wahren Demokraten, alle aufrichtigen Demokraten, alle alten Demokraten, alle honetten Demokraten sich mit mir zu vereinigen und gegen einen solchen abscheulichen Mißbrauch der Worte zu protcstiren. Frankreichs Ehre erfordert schon eine solche Pvotestation; denn wenn Frankreich sich zum Träger der Demokratie in der Well gemacht hat, so muß es in dieser seiner Eigenschaft aueb gegen die blutige Entweihung der Idee und des Namenö Protestiren, die eS zum Symbole seiner Constitution gemacht. Indem ick also die römische Frage unv die italienische Frage im Allgemeinen sorgfältig auSeinanderhalte und voraussetze, daß die Regierung in dem Maaße, als es ihr möglich ist, ihr Unternehmen auch zu Ende führen und nicht allein die Person deS Papstes, sondern auch seine Autorität schützen wird, erkläre ich, daß sie wohl gethan hat. Ich danke ihr dafür und sage weiter, Laß die Regierung der Rtpublik nichts hätte unternehmen können, waS ihr größere Ehre bringen wird in den Augen der Nachwelt und was sie mehr befestigt in dem Herzen deS französischen Volkes. (Sehr gut! sehr gut! — Lebhafter Beifall auf fast allen Bänken.) Der katholische Klerus und da- Verlangen nach Freiheit und Gleichheit. Allüberall herrscht daS Vorurtheil, oder wird wenigstens zur Verunglimpfung ausgebreitet, die Geistlichen seyen nicht aufrichtige Freunde der Freiheit und Gleichheit. Wie in Deutschland und theilweise in Frankreich, so auch ergehet wider sie diese Anklage in Italien. Darauf hat der große und fromme Philosoph Abbv RoSmini, dem, nach den neueren Berichten auS Rom, ein Portefeuille und der Vorsitz deS MinisterratheS angetragen war, in folgender Weise geantwortet: „In Wahrheit, der Klerus ist jener Stand in der Gesellschaft, der am längsten zögert, seine Anhänglichkeit an politische Revolutionen kund zu geben; eS wäre aber ein gewaltiger Irrthum, wenn man daraus schließen wollte, er liebe nicht die Freiheit, nicht die Gleichheit aller Bürger. Freiheit und Gleichheit machen so zu sagen daS Wesen deS Klerus und der katholischen Kirche auS; seine Worte sind nichts weiter und können nichts anderes seyn als Worte der Freiheit und Gleichheit; dieß ist der stete und einzige Gegenstand seiner Predigten, und nie hat er einen andern gehabt, nie kann er einen andern haben. Wollte er je davon lassen, so würde er damit aufhören daS Evan- - 7-* ' - * -, ^ 8 gelium zu predigen. Der Klerus ist nur da für das Evangelium, und das Evangelium ist die Freiheit und Gleichheit. Warum zeigt sich aber die Geistlichkeit da und dort den politischen Revolutionen, die doch nur Freiheit wollen, abgeneigt? Wollet ihr wissen den wahren Grund, soll ich ihn sagen? Gerade weil sie die Freiheit und Gleichheit liebt und stets geliebt hat. Wer irgend ein Gut wahrhaft liebt, haßt eben deßhalb dessen Zerrbild und Verfälschung. Wer deßhalb die Freiheit und Gleichheit liebt, verabscheut in demselben Grade die falsche Gleichheit und die falsche Freiheit; ihm ist eS ein schmerzliches Gefühl zu sehen, wie man den Namen dieser kostbaren Güter mißbraucht, um das Wesen und die Wirklichkeit derselben zu vernichten. Der Klerus läßt sich nicht täuschen wie daS Volk durch inhaltleere Worte, und wenn er Ursache hat zu fürchten, man treibe nur Schein und leeres Wortgcpräug, um wie mit einem Schleier die Knechtschaft und den DeSpotismuS zu bedecken, dann erhebt er sich als Gegner dieser falschen FreiheitSmänner. So handelt und so muß handeln der treue Wächter der wahren Freiheit und der wahren Gleichheit; es ist seine Pflicht, Diejenigen zu bekämpfen, welche darauf ausgehen, jene Güter, die sie mit Worten erheben, in der Wirklichkeit z» vernicht.!!. Wollet ihr nun, daß augenblicklich jeder, auch der scheinbare Widerstand der Geistlichen in Betreff der Freiheit und Gleichheit aufhöre? ES ist das leichteste von der Welt, dieß zu bewirken; ihr braucht nur zwei Dinge zu thun, die ich euch sagen will: Gebt von der Freiheit und Gleichheit eine solche Definition, worin alle und jede Zweideutigkeit vermieden ist, so daß aller Zweifel verschwindet und Jedermann überzeugt ist, ihr wollet die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit, die wahre Freiheit für Alle und die wahre Gleichheit für Alle. Erfindet sociale Formen, wclcl e in der That die Rechte Aller gewährleisten, und zwar in der Art, daß die wahre Freiheit und die wahre Gleichheit in der Gesellschaft sich verwirklichen können. Durch diese einfachen Mittel verscheuchet ihr plötzlich jede Opposition von Seite des KleruS; noch mehr: ihr braucht ihn nur zu überzeugen, daß ihr aufrichtig diese beiden Güter suchet, und er ist mit Herz und Seele euer, er ist euer treuer Bundesgenosse in dem Ringen nach demselben Ziele. Denn um euer Freund zu werden, braucht der Klerus seine Ansicht nicht zu ändern; ihr macht ihn nicht zum Freunde der Freiheit und Gleichheit, sondern ihr findet ihn nur als daS, was er seiner Natur nach ist. Er braucht sich nicht zu ändern; aber ibr müßt euch nur besser erklären und eure Handlungen mit euren Grundsätzen in Einklang bringen, müßt finden oder doch aufrichtig suchen, was ihr bis daher noch nicht gefunden, nämlich Staatöformen, welche aus der Freiheit und Gleichheit eine Wahrheit machen. Dann erst werden beide Güter verwirklicht, und gerade das ist'S, was der Klerus will." Die H-iuSvereiue. Augsburg, 5. Dcc. „Antoni Bauernfreund" hat wieder eine kleine Flugschrift veröffentlicht unter dem Titel: Etwas Besonderes für die Katlwliken nebst einem guten Neujahrswnnsch für Alle. Darin erklärt er zuerst, waS die Bischöfe in ihrem Erlasse von Würzburg aus wollen und dringt auj Anschluß an den PiuS-Verein: gewiß zwei sehr wichtige Themale. In Beziehung auf das letztere sagt er: „Gesetzt aber auch, ein Jeglicher auS Euch Katholiken ist gesonnen, von nun an nichts mehr zu dulden, WaS Eurer Kirche feindlich entgegen ist und dieselben Rechte für Euch in Anspruch zu nehmen, die heut zu Tage jeder elende Wicht nicht erst lang in Anspruch nimmt, sondern schon wirklich hat und besitzt, sagt: wie wollt Jhr'S da machen? Bis Einer lang zum Andern geht und der dieß und jener was anderes spricht, und am Ende Keiner weiß, waS er. Eurem Pius-Vereine wollet, oder ist ein tückischer Verleumder und will und waS zu thun ist, derzeit habt Ihr schon lang den rechten Z«it-!erst ein rechter Störenfried. Denn seht, Ihr Katholiken Bayerns! Punct versäumt und man lackt Euch hinterdrein auS und sagt spöttisch: tJhr lebet unter einem katholischen Regiment und dieß katholische „ES sind halt dumme Katholiken." — Wenn Ihr nun das Alles recht! Regiment hat bis zur Stunde alle die Verordnungen erlassen und noch überlegt: so sehet Ihr von selbst ein: daß ihr Euch vereinigen müßt. nicht zurückgenommen, die die innersten Rechte und Freiheiten Eurer Kirche Ja vereinigen müßt Ibr Euch. Einen Verein müßt Ihr bilden. Jetzt so lief kränken; dieß katholische Regiment bevormundet und stellt gleichhabt Ihr das Rechte getroffen. Vereinte Kraft ist stark. Ihr seht sam unter polizeiliche Aufsicht Eure Bischöfe; während die Katholiken daS an den Wühlern und Vatcrlandöverräthern. Man fürchtet sie. Die Preußens unter einem protestantischen Regimente stehen und unter Regierung fürchtet sie, der Staat fürchtet sie. Und warum fürchtet man eben diesem protestantischen Regiment alle jene Rechte und Freiheilen sie?— Einfach darum, weil sie vereint sind, weil ihre Kräfte nicht wie ^ katholische Kirche festgesetzt werden, waö da will: in einigen Stunden ist die entsprechende Verwahrung dagegen mit taufenden von Unterschriften versehen. Und daS macht Eindruck und übt den gehörigen Nachdruck. «seht Ihr nun ein, daß Ihr einen Verein bilden müßt, soll eS Euch nicht recht übel ergehen: so ist'S nöthig, Euch zu sagen, was Ihr für einen Verein bilden müßt — Ihr müßt nicht so einfältig seyn, und jetzt gleich vor Allem auSspindisiren und überlegen und nachsinniren, was Ihr Eurem Vereine für einen Namen geben sollt. Ich sag das nicht umsonst; denn daß Ihr Euch zusammenstellt, daß Ihr Euch vereiniget, daß Ihr alsdann Euch kurz und deutlich besprechet, welche Haupt- grundsätze Ihr unabänderlich festhalten wollet: daS ist die Hauptsache. Der Name des Vereines findet sich dann schon von selbsten; ja, was sage ich, er ist schon vorhanden, der Name und der Verein, und zählt allbereits schon eine schöne Anzahl Mitglieder. Dieser Verein ist in Mainz da drunt in einer schönen Stadt am Rhein gegründet worden, heißt PiuS-Verein (weil unser heiliger Vater Pius heißt, wie Ihr wisset) und zählt bereits so 'ne 150,000 Mitglieder. Dieser Verein hat denselben Endzweck, zu dessen Verfolg ich Euch dringcnst ermähne; nämlich Weckung, Belebung des wahrhaft eingeschlafenen katholischen Bewußtseyns, und gesetzliche, friedliche Erkämpfung aller jener Rechte und Freiheiten, die man bis zur Stunde den Katholiken ungerechterweise vorenthalten hat und, wie es scheint, in alle Ewigkeit vorenthalten will. Tretet nun mit diesem PiuS Verein zu Mainz in die innigste Verbindung. Nennt euren Pius-Verein einen Zweigvercin jenes zu Mainz bestehenden HaupivereineS, und eS wirb sich dann AUeS von selbsten machen. Also nochmals und abermals: Tretet zusammen in einen Verein. Ihr auf dem Lande geht zu eurem Pfarrer — tragt ihm Euer Anliegen vor. Das Weitere wird er Euch dann schon sag^n. Aber säumt Euch nicht. Die Zeit ist kostbar. — Erzählet Anderen» waS Ihr in dieser Schrift gelesen habet, theilet sie mit zum Lesen. Besinnet Euch nicht lange, sondern denket, daß eS eine Schmach ohne Gleichen ist, die man Eurer Kirche bisher angethan hat, indem man ihr allein ganz widerrechtlich alle jene Rechte und Freiheiten versagt, die ihr von Gott und Rechtswegen zugehörcn, während mau einem Lumpen, wie der Rouge ist, Freiheit gestaltet, überall, wo er will, seinen Unsinn zu predigen. Habt Ihr diese Schmach recht überlegt (und dazu braucht Ihr keine Woche Zeit), so packt die Sache frisch und im Namen Gottes an, und arbeitet nach Kräften an immer größerer Ausbreitung des PiuS-Vereines. Ihr lernet dadurch einander selbst näher kennen, Ihr wisset dann, was Ihr wollet,, ein Jeder aus Euch weiß es, Ihr Alle wisset es, Ihr seyd dadurch auch noch inniger mit Euren kirchlichen Vorgesetzten vereiniget, und durch sie hiedurch mit unserem heiligen Vater PiuS IX., und will man nun der Kirche wieder einen Schlag versetzen (und daß man daS thun werde, dazu sind alle Aussichten vorhanden), so dürfet Ihr nicht lange mit der Stange im Nebel herumtappen und fragen: was sollen wir jetzt thun? Ihr wißt daS schon, und könnt dann durch Euer einheitliches Zusammenwirken und Euer festes Zusammenhalten eine solch' ehrfurchtgebietende Stellung einnehmen, daß man Euch die religiösen Freiheiten nicht länger vorenthalten kann, die Euch von Gott und Rechtswegen gehören. Ihr habt aber vielleicht ein Bedenken: „Ob Ihr nämlich durch Errichtung deS PiuS-Vereines nicht den Vorwurf auf Euch ladet, als störtet Ihr dadurch den religiösen Frieden zwischen Euch und Andersgläubigen?" — Wer Euch einen solchen Vorwurf macht, versteht nicht, waS Ihr mit die Trümmer einer von. Blitze getroffenen Eiche zerstreut umherliegen, >on- dcrn weil sie ihre Kräfte zusammengesammelt haben, weil sie wissen, WaS sie wollen, weil das ein Jeder von ihnen weiß, und weil sie nicht erst sich fragen müssen, was jetzt da und waS jetzt dort zu thun sey. — Gerade so müßt auch Ihr Kaiholiken eS machen; nämlich „Euch vereinigen " Ihr müßt wissen, WaS Ihr wollt, und weiß das ein Jeder aus Euch, weiß er das von A bis Z, so mag gegen die jetzt nun besitzen, die man Euch in Bayern vorenthaltet, die eben so z. B. den Katholiken Oesterreichs von eben ihrem katholischen Regimente bis zur Stunde noch vorenthalten sind. — Ein böswilliger Mensch ist daher jeder, der Euch obigen Vorwurf macht. Der PiuS- Verein hat mit der Störung deS religiösen FricdenS so wenig gemein, als der Metzgerfriedl den Frieden in seinem Dorfe gestört hat, da er die Gerechtsame wieder zurückverlangt hat, die auf dem Hause seiner Mutter gewesen ist und ihm ungerechterweffe eine längere Zeit vorenthalten wurde." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.