Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Pvstzeitung)jährlild I fl. I« kr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur vou Abonnenten der Post- zeitung bezogen werde», und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. 8ür sich allein, ohne die Augsburger Postzeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u. s. w. jährlich nur L fl. L«kr oder I Lchlr. Neunter Jahrgang S8. Januar L84S. Offenes Sendschreiben cin das katholische Volk und seine Wühler im Algäu. Von einem wahren VolkSfreundc. Katholisches Volk deS Algäu'S! Vor wenigen Jahren noch ward im ganzen Lande hochgepriesen deine Anhänglichkeic an Thron und Altar, an Kirche und Vaterland. Wenn man je von einem Gaue des biedern katholischen Bayerlandeö ein sreudigcö Resultat bei der Wahl von Abgeordneten zum nächsten bayerischen Landtage erwartete, so war eS daS katholische Algäu. Jeder aufrichtige Katholik erwartete von dir, katholisches Algäu! Männer zu Abgeordneten gewählt, die eS aufrichtig meinen mit Kirche und Vaterland, die mit Gut und Blut einzustehen bereit wären für den Glauben deiner Väter, deren kirchliche und bürgerliche Tugenden gleich deinen weicreichen und himmelanragenden Bergen dem ganzen Lande zur Erhebung und Freude dienten. Nun aber ist dahin dein guter Ruf; der Name „Algäu' hat seinen guten Klang verloren. Du wähltest zum Landtage Abgeordnete, die eS durchaus nicht redlich meinen mit dir, deiner Kirche und deinem Vaterlande. Wiche! dein König erließ noch kurz vor der Urwahl in Nr. 99 deS! Kreis.JntelligenzblatteS vom 26. Nov. I. I. folgenden Ausruf an sein Volk und so auch an dich, katholisches Volk deS Algäu'S! „Wir geben Uns auch dem Vertrauen hin, daß unser geliebtes Volk die ihm durch die Gesetzgebung gewährte volle Freiheit der Wahlen wohl erkennen, den hohen Ernst und die Wichtigkeit dieser Handlung gewissenhaft würdigen und nur solche Männer zu dem hochwichtigen Berufe der Volksvertretung erwählen werde, welche durch treue und hingebende Vaterlandsliebe, durch erprobte Gesinnungstüchtigkeit und ernstes Erfassen und Verstehen der Zeit und ihrer großen Aufgaben, durch edlen Freimuth, aber nicht minder regen Sinn für Gesetz und Ordnung berufen erscheinen, Uns in unsern unablässigen Bestrebungen für des Vaterlandes Wohlfahrt und für Befestigung und Förderung der wahren Freiheit zu unterstützen und mit redlichem Wollen und männlicher Thatkraft zur Seite zu stehen. So wird eö dann gelingen, auf der betretenen Bahn der Freiheit und Gesetzmäßigkeit muthig voranzuschrciten und diejenige Eintracht zwischen Fürst und Volk zu sichern und zu erhalten, welche die allein feste Bürg-? schaff wiederkehrenden FriedenS und dauernden Volksglückes ist; so wird eS^ möglich seyn, der Einigung deS GcsammtvaterlanvcS als feste Stütze zu? dienen und den VerfafsungSbau zu fordern, aus welchen Fürst und Volk, mit gleicher Theilnahme, mit gleich aufrichtiger Vaterlandsliebe erwartend! Hinblicken und der unter Gottes mächtigem Beistande bald vollendet werden möge." ! Wahrlich, ein erhabner und erhebender königlicher Aufruf! Hätten? alle Vorsteher deiner Gemeinden, katholisches Volk des Algäu'S! vor der! Urwahl diese erhabnen königlichen Worte an dein für daS Wahre, Gute' und Schöne sonst so empfängliches Herz gelegt, du hättest dich sicher nichts so verblenden und bethören lassen bei der so ernsten und hochwichtigen Wahl deiner Landtagsabgeordneten. Nun aber haben Einige deiner Führer, die ihren Mund immer voll haben von Republik-Glückseligkeits - Verheißungen, diesen königlichen Aufruf nicht nur dir nicht bekannt gemacht, sondern sie haben dir als Leitstern bei der Abgeordneten-Wahl den dir wohlbekannten Aufruf deS demokratischen Vereines von Kempten in vielen Ercmplaren zum Lesen angeboten. In diesem Ausrufe kommen aber Anträge vor, die sich mit dem Gewissen eines katholischen Christen und Unterthans nicht vertragen und die ich dir nun Satz für Satz beleuchten möchte. 1. „War die Verfassung von 1818 aller Mängel ungeachtet zu ihrer Zeit eine Wohlthat, so hat sie doch nunmehr vollständig sich übcr^ lebt. Ein Geschenk königlicher Gnade, das von Beschränkungen, Ausnahmen und Privilegien strotzt und von den Machthabern auf alle Art mißdeutet und mißbraucht wurde, paßt weder zu den Errungenschaften deS März, noch zum Principe der Souveränetät (Machtvollkommenheit) deS Volkes. Mit Verbesserungen reicht man hier nicht auS; ein Neubau ist dringendes Erfordernd — ein Neubau im Einklänge mit den Beschlüssen des deutschen Parlaments — und dem großen Grundsätze: Alles für das Volk und Alles durch das Volk." Sey eS auch, daß die Verfassung von 1818 voll Mängel war; sie war Menschenwerk, und darum schon als solches unvollkommen, mangelhaft. Gibt eS wohl etwas Vollkommncs unter der Sonne? Und welche Verfassung wird so vollkommen seyn, daß sie nicht mißdeutet und mißbraucht werben könnte? Ich kenne eine Verfassung, die Gott selbst seinem Volke durch dessen Führer und seinen Diener MoseS gegeben bat. Es sind die zehn Gebote Gottes. Und was wird mehr mißrcutet und mißbraucht, als diese, von Machthabern und Volk? Ist diese GotteSverfassung deßhalb zu verwerfen? Christus, der Eingeborne Sohn Gottes hat sie nicht verworfen; ja Er machte dieselbe vielmehr zur Grundlage seiner neutestamenllichcn Verfassung für seine Kirche. „Ich bin nicht gekommen, sprach Er, daS besetz -'nr> die Propheten aufzulösen, sondern sie zu erfüllen." Und glück, lich der Staat, dessen Gesetze die göttliche Consiitulion zur Grundlage haben! WaS kann man daher von einer ReichSversammlung hoffen, die in Vielen ihrer Mitglieder des Glaubens an Gott beraubt ist, und dem Reiche eine Verfassung geben will ohne Gott?! Und mit den Beschlüssen eines solchen — des deutschen — Parlaments soll im Einklänge stehen der Neubau des deutschen Reiches; dieser Neubau soll im Einklänge stehen mit dem großen (?) Grundsätze: „Alles für daS Volk, »nv Alles durch daS Volk!" Alles für daS Volk, d. h. für sein zeitliches und ewiges Wohl! Ja, damit stimmt jeder Christ überein. Aber: „Alles durch daS Volk!" Welch eine Begriffsverwirrung, welch ein Umsturz aller Rechtsverhältnisse! Seit wann hat denn Gott, der allerheiligste und allermäch- tigste Souverän — dem Volke das Recht eingeräumt, Gesetze zu geben und Constitutivnen zu mache»? Wann und wo hat Gott daö Volk mit Souveränetät ober Machtvollkommenheit begabt? Wozu sind dann noch Fürsten und Regierungen nöthig, wenn das Volk selbst herrschen dürste? Wären sie dann noch mehr, als bloße willenSlose Werkzeuge oder Puppen deö Volkes? Dann müßten die Fürsten und Obrigkeiten dem Volke und nicht Dieses jenen gehorchen. Wie könnte aber da der Apostclsürst Petrus noch schreiben: „Unterwerfet euch um deS Herrn willen jeder menschlichen Obrigkeit — eS sey nun dem Könige, der über Alle gesetzt ist, oder seinen Stellvertretern, als solchen, die Er zur Bestrafung der Uebelthätcr, und zur Belohnung der Guten bevollmächtiget hat. — Erweiset Jedem die gebührende Achtung — liebet die Brüder, fürchtet Gott, ehret den König." Wie könnte so Paulus noch schreiben: „Jedermann sey der obrigkeitlichen Gewalt Unterthan, die über ihn gesetzt ist; denn keine Obrigkeit ist anders woher, als von Gott und die bestehenden Obrigkeiten sind alle von Gott geordnet." Röm. 13, 1 — 4. Der König ist also Regent von Gottes Gnaden und nicht von Volkes Gnaden. Darum beschloß daS sechste Concil von PariS: „Der König soll demüthig und wahrhaft glauben, daß Gott es sey, der ihm daS Reich gebe." Und Tcrtullian schreibt: „Der Christ ist Niemandem Feind, am allerwenigsten dem Kaiser, von dem er weiß, daß er von Gott angeordnet sey." Kurz: „Wie der Vater die Gewalt, mit welcher er über die Kinder herrscht, nicht von den Kindern, sondern von Gott erhält; eben so empfängt der LandeSvatcr die Gewalt, mit welcher er über die Landeskinder gebietet, nicht von diesen, nicht vom Volke, sondern von Gott." Der große Grundsatz deS christlichen Volkes, mit dem der Neubau des deutschen Reiches im Einklänge stehen soll, heißt also: „Alles für das Volk und Alles durch die ihm von Gott gesetzten Gehalten." *) 2. „Befreiung der Lehrer aus ihrer Abhängigkeit von den Geistlichen." Also die Schule soll von der Kirche getrennt, die Erziehung der christlichen Jugend soll der Kirche entrissen und dem Staate allein über- geben werden! Könnt und dürft ihr das gestatten, christliche Vater und Mütter! werdet ihr ruhig zusehen, wie eure Kinvlein, die so fähig sind für das Reich Gottes, der heiligen Mutter, Eurer Kirche, von, Herzen gerissen und einer vielleicht entchristlichten Staatöanstalt in die Arme gelegt werben, um dem wahren Glauben der Bäter und dem Himmelreiche immer mehr entfremdet zu werden? Wehe euch, wenn ihr dieß könnt, t! Wahrlich dann dürftet ihr euch nicht mehr freuen, wenn euch ein Kindlein zur Welt geboren wird. , , > 3. Verminderung des stehenden Heeres, daimt nicht die besten^ Kräfte den" Gewerben und dem Ackerbaue entzogen und die StaatsauSgaben ohne Noth vergrößert werden. Dagegen Einführung der Volksbewaffnung," ^ Wenn daS stehende Heer und mit ihm die Ausgaben des Staates vermebrt werden, wer ist Schuld daran? Tragt nicht ihr die einzige Schuld, ihr Männer der sogenannten Freiheit und Gleichheit! die ihr das Volk durch Reden und Schriften aufwiegelt zur Empörung gegen seine Fürsten und Obrigkeiten? Nennt euch ferner nicht mehr Vvlksfrcunde und Volksführer, sondern vielmehr, was ihr in Wahrheit seyd, Volksfeinde und Vvlkö- verführer Seicht durch das stehende Heer werden den Gewerben und dem Ackerbau die besten Kräfte entzogen, sondern durch eure unzähligen Volks Versammlungen, in denen ihr den Gewerbsmann und Ackersmann mit euer» erbä.mlichen Glückseligkeiislehren, an die ihr selbst nicht glaubt, einwiegt in die Träumereien der VolkShcrrlichkeit, während sie ihre Hände am Ambose oder Pfluge re. haben sollten. Und wie könnt ihr mit gutem Gewissen Einführung der Volksbewaffnung empfehlen, wenn Gewerbe und Ackerbau blühen sollen? Zst'S nicht gerade die Volksbewaffnung, die nebst der Trink- und Spielsucht, weit mehr als ein stehendes Heer, die besten Kräfte dem Gewerbe und Ackerbau entzieht? Stellt der Staat nicht eben deßhalb stehende Heere auf, damit wir vor innern und äußern Feinden beschützt den Gewerben und dem Ackerbau ungehindert nachgehen können? Doch wir wissen gar gut, warum ihr, demokratische Wühler! Verminderung deS stehenden HeercS und Einführung der Volksbewaffnung wünscht. Nicht wahr, damit ihr ungehindert euer Unwesen treiben und gleich einem Hecker und Struve als Banditen verkleidet den friedlichen Bürger überfallen und berauben könnt?! 4. „Alljährliche Zusammenberusnng der Stände, jährliche BndgetS und unbedingtes SteuerverweigerungSrccht." Die Stände kosten, alle 3 Jahre zusammenbcrufen, dem Lande ohnehin schon enorme Summen, und ihr, Volköbcglücker! wollt diese Lasten dem guten Volke alle Jahre auf den Rücken legen? Wie räumt sich das zusammen mit eurer Sorge für Verminderung der StaalSauögabcn? Nicht wahr, eure Budgetö soll das Volk bewilligen, jene der Fürsten und großen Bürde« weil Würde-Träger aber vermindern? Welch schreiende Ungerechtigkeit! Endlich verlangt ihr gar »och unbedingtes Steuerverweigerungr- recht für die Stände deS Landes! Seit wann haben denn die Repräsentanten deS Volkes von Gott daS Recht erhalten, die Steuern der gesetzlichen Obrigkeit zu verweigern? Sagt nicht der Heiland selbst: „Gebet dem Kaiser, was deS Kaisers, und Gott, was Gottes ist?" Nicht wahr, weil ihr, Freunde des RongethumS! Gott nicht mehr gebet waS GotteS ist; so wollet ihr auch dem Kaiser nicht mehr geben, waS des Kaisers ist?! Habt ihr vergessen waS Paulus an die Römer schreibt: „Gebet jedem, waS ihr ihm schuldig seyd: Abgabe, wem Abgabe; Zoll, wem Zoll; Ehrfurcht, wem Ehrfurcht; Ehrenbezeugung, wem Ehrenbezeugung gebührt." Röm. 13, 5—7. Wie aber, wenn man dem Landesfürstcn keine Steuern mehr entrichten dürfte, könnte sich da noch eine Obrigkeit erhalten? Wenn aber keine Obrigkeit mehr da wäre, würde dann nicht schnell die gräulichste Anarchie, die Schreckensherrschaft der Proletarier mit dem rohesten Faustrechte gangbar werden und keiner mehr seines Lebens und Eigenthums sicher seyn? Höre darum, christkatholischeS Volk des Algäu'S! was bezüglich hieher der Apostel Paulus an seinen Timotheus schreibt: „Vor allem ermähne ich dich, daß flehentliche Bitten und Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen angeordnet werden, besonders für die Könige, und für Alle, die in einem obrigkeitlichen Amte stehen, damit wir unter ihrem Schutze still und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit dahin leben mögen. Denn daö ist gut und wohlgefällig vor Gott unserm Heilande, dessen Willen es ja ist, daß alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen und selig werden." 1. Tim. 1 — 4. Dieses zum neuen Jahre Dir katholisches Algäuer Volk von Einem Deiner aufrichtigsten Freunde. Den 1. Jan. 1849. - <>*? hören die Gewalten nicht auf von Gott gesetzte Gewalten zu setzn, wenn die Fürsten ihrem Volke eine Verfassung geben, kraft welcher sie da» Volk in seinen Re- Praientantcu an der Regierung des Landes Antheil nehmen lassen. Die preußisch-protestantische Intrigue. * Unter dieser Aufschrift enthält daS Pariser Blatt „UniverS" folgenden Artikel aus Frankfurt vom 30. December 1848: Welchen Namen der Protestantismus sich auch immer geben mag, er war immer eine fricdenstörende Partei in der Kirche gewesen, und ver- läugnet diesen Charakter nun auch in der Politik nicht. Seit mehreren Monaten erschöpft sich Deutschland durch Anstrengungen, jene alte bürgerliche, politische unv militärische Einheit, unter welcher Form immer, wieder zu erringen, die ihm der LutheraniSm und die auö ihm hervorgegangenen Seelen geraubt haben. Man braucht die Lebensbedingungen der Nationen nur einigermaßen zu kennen, um zu begreifen, daß ein so weltumfassender und Völkerreicher Staat, wie Deutschland ist, sich nur unter der Bedingung zu wirklicher und dauerhafter politischer Einheit vereinigen kann, daß er durch einen erblichen Monarchen rcpräsentirt und gewissermaßen in ihm personificirt ist; das Beispiel PolenS lehrt Deutschland, was unter einem Wahl Kaiser (m der strengen Bedeutung dieses Ausdruckes) auö ihm werden müßte. Wenn man die Frage, wer zu der Würbe eines deutschen Kaisers erhoben werden soll, nur auf politischem Gebiete erörtern würde, dann wäre sie bald gelöst: die Gewohnheit, das kaiserliche Diadem auf der Stirne eines Habsburgers glänzen zu sehen, würde allein hinreichen, dem Hause Oesterreich die Oberherrschaft über alle Staaten Deutschlands zu sichern, und die Wahl des Erzherzogs Johann zum Verweser des Reichs beweist hinlänglich, welche Gesinnung in dieser Beziehung vor einigen Monaten unter allen deutschen Völkern die vorherrschende gewesen ist. Man sah damals wohl ein, daß Oesterreich mit seinen acht und dreißig Millionen Einwohnern und einem Heere, von mehr als 400,000 Mann allein mächtig genug sey, den verbündeten Staaten Deutschlavds hinreichenden Schutz zu gewähren, und man konnte sich nicht verhehlen, baß eS durch seine See-Etablissements am adriatischen Meere dem wiedergeborenen Reiche die kostbarste Mitgäbe, die eines offenen SchiffsahrtöwegcS für seine Producte auf alle Märkte des Orients zubrächte. Da wirb aber auf einmal der alte Lutheranismus, jener nämlich, der Gustav Adolph, blutigen Andenkens, dem die reformtrten Fürsten die deutsche Kaiserkrone bestimmt hatten, aus dem fernen Schweben herbeirief, von dem Gedanken, einen katholischen Fürsten an der Spitze Deutschlands zu sehen, von Furcht unv EndsHen ergriffen. Wie Briareus, einer der Ceiuimanen, dehnt er seine erstarrten Glieder, und diese Bewegung reicht ^ hin, den ganzen germanischen Boten zu erschüttern. Die katholische Kirche, ! welche in Deutschland so viele Bekenner zählt und so lange Zeit von der politischen Macht unterjoch^, war, harte plötzlich ihre Fesseln gebrochen, ik und daS Geräusch der zertiümmerlen Kellen schlug mißtönend an die prvte- ^ stantischen Ohren. In allen protestantischen Staaten so wie im Schooße der Versammlung in Frankfurt wurden Ränke geschmiedet, deren Zweck war, die Kaiserkrone dem Oberhaupte des Hauses Brandenburg aufzusetzen. Dieß war eine der ersten Wirkungen deS katholischen Congresses von Mainz und des Nanonal-Concilö in Wü^burg. Diese politische Verirrung leitete 1 mau damit ein, daß die Fraiikfurter Versammlung die Einheit der österreichischen Monarchie zu zerWren suchte, indem sie dem zu schaffenden Reiche nur den geringsten M)eil der Staaten einverleibte, aus welchen diese große Monarchie besteht, und daß sie in Folge dieses unüberlegten Actes Oesterreich eine weit geringere Anzahl von Abgeordneten und Stimmen für die beantragten beiden deutschen Kammern zugestehen wollte, als Preußen besitzen sollte. Die Schlinge war zu sichtbar gelegt, als daß die österreichische Politik sich darin hätte fangen lassen sollen. Stark durch die Siege, welche sie in Italien unv über die Aufrührer ihrer Hauptstadt erkämpft hatte, gab sie nicht undeutlich zu verstehen, daß sie sich nöthigen Falles entschließen werbe, ihre Abgeordneten von Frankfurt abzurufen, und um diesem Vorhaben einen bestimmteren und kräftigeren Charakter zu geben, entsagten der Ksiser und sein Bruder der Krone und setzten sie ihrem 18 Jahre zählenden Erben aufs Haupt, dem sie damit die Vertheidigung des kaiserlichen Adlers anvertrauten. Zu gleicher Zeit legte Herr v. Schmerling, Präsident des deutschen Reichsministeriums und einer der ausgezeichnetsten Man- 15 »er Deutschlands, seine Stelle nieder und verließ Frankfurt, um nach Oesterreich zurückzukehren. Alle diese Thatsachen sind mehr oder weniger unmittelbare Folgen der preußisch-protestantischen Intrigue, von der lch spreche. Um sich einen Begriff von den Ländermassen zn machen, die früher unter der Krone der occidentalischen Cäsaren vereinigt waren, muß man sie in drei streng abgeschiedene Zonen abtheilen. Die erste begreift die Länder in sich, die man als rein deutsche betrachtet, und die von 38 Millionen Einwohnern bevölkert sind; sie find im Norden: Hannover, Schleswig Holstein, die beiden Mecklenburg, Sachsen, die Staaten, die aus der ehemaligen Landgrafschaft Thüringen entstanden sind, das Kurfürstenthum Hessen rc.; gegen Süden: die Königreiche Bayern und Württemberg und die Großherzogthümer Baden und Hessen-Darmstabt. Die zweite Zone begreift in sich die Erbstaaten von Oesterreich nämlich: Böhmen, Mähren, daS eigentliche Oesterreich, Steier- mark, Kärnthen, Krain, Tirol und daS Küstenland (Littcrole), zusammen mir mehr als 12 Millionen Einwohnern, von welchen ein beträchtlicher Theil zur slavischen Nace gehört. Diese Zone will man allein dem deut scheu Bunte einverleiben, um Preußen, dessen Einwohnerzahl 16 — 17 Millionen beträgt, ein numerisches Uebergewicht über Oesterreich zu verschaffen. Diese Zone gehört indessen schon seit Jahrhunderten zu dem Reiche, welches man heut zu Tage österreichisches Kaiserreich nennt; unter diesen, Titel ist sie durch hundertjährige Bande mit der dritten Zone verbunden. Diese umfaßt nahe an 26 Millionen Einwohner in Italien, Galizien, und in den Uferländern der Donau, die zu Ungarn gerechnet werden Außer diesen verschiedenen Völkerschaften zählt man noch gegen 5 Millionen Italiener, und 5 Millionen Polen und RuSniaken in Galizien. Die schönen Uferländer der Donau, welche die deutschen Waffen in drei Jahrhunderten blutiger Kämpfe den Türken entrissen haben, gehören daher wirklich zu Deutschland unter dem Scepter Oesterreichs. Diese Länder werden von 5 Millionen Ungarn, 2 Millionen Romanen und Walachei,, IVs Million Deutschen und 7 Millionen Slaven bewohnt. Alle diese Länder wurde», wie gesagt, zu Ungarn gerechnet; als aber die ungarischen Demagogen sich von der Souveränctät des Hauses Oesterreich losreißen wollten, ergriffen die sie bewohnenden Völkerschaften die. Waffen und vereinigten sich mit voller Uebereinstimmung unter den kaiserlichen Fahnen. Sobald mit Hilfe ihrer treuen Waffen der Aufstand in Ungarn unterdrückt seyn wird, werden sie auf immer von dieser Nation getrennt seyn, sie werden aber auch zugleich verlangen, daß man in ihrer Verwaltung und ihrer Rechtspflege ihre National-Dialecte einführe. — Nach dieser Auseinandersetzung wird man es begreiflich finden, warum die österreichische Regierung zaudert, sich über die Anforderungen der Versammlung in Frankfurt auszusprechen, denn die vollkommene Euiverleibung seiner Eibstaaten in das neue deutsche Reich, ist für Oesterreich eine Lebensfrage. Die österreichische Regierung hat indesA, in dieser Beziehung einen Schrill gethan, den man als den Anfang der Kundgebung ihrer Absichten betrachten kann, indem sie dem Reichsverweser und der ReichSversammlung erklären ließ, daß sie diese wichtigen Fragen künftig nur auf diplomatischem Wege erörtern werde, was ihren saften Willen anzeigt, sie nicht im Schooße einer berathenden Versammlung, deren Competenz dazu sie Lestreitet, sondern mit dem ReichSveriöeser selbst, als Macht also einer Macht gegenüber, verhandeln will. Damit.man ihre entschieden vertheidigenden Maaßregeln im Voraus zu beurtheilen im Stande sey, hat sie Herrn v. Schmerling selbst den Charakter eines Bevollmächtigten bei dem Reichsverweser verliehen. Aus diesen Umständen kann man schließen, daß, im Falle die preußisch-protestantische Intrigue in Deutschland obsiegen sollte, was zwischen Katholiken und Protestanten^eine lebhafte Aufregung hervorbringen würde, Oesterreich, stark durU Ane bedeutende Territorial- unk Miliiär-Macht, geradezu versagen würde, seinen Theil des deutschen Reiches auszumachen, indem eS die Stellung eines vollkommen unabhängigen Staates annehmen und sich darauf beschränken würde, wenn es ihm vortheil- haft scheinen sollte, mit dem neuen Bunde eventuelle Bündnisse zum gegenseitigen Schutz zu schließen. Diese Frage, welche für daS System deS europäischen Gleichgewichtes von so großer Wichtigkeit ist, führt also, wie gesagt, einen Conflict herbei, der mehr religiöser als politischer Natur und weit mehr geeignet ist, in den Schooß Deutschlands unzählige Steine neuen Haders zu werfen, als ihm die Elemente der National-Einheit zu verschaffen, die man grünten will. Bauen und Einreisten. *) Der Zustand, in dem wir uns jetzt befinden, und in dem wir uns ') Von Seb. Brunner, aus dessen Wiener Kirchenzeitung. seit Einem Jahrhunderte befunden haben, ist kein normal kirchlicher, von dieser Thatsache sind aber bisher viele nicht unterrichtet gewesen; wenn wir nun den Katholiken darüber Unterricht ertheilen, so sind wir dabei der Meinung, auch etwas zur Erbauung gethan zu haben. Scheint auch in diesen antiquirten krankhaften Zuständen gar nichts sich ändern zu wollen, ja scheinen sie um den Kristallkeim herum sich immer noch in größerer Härte zu verstecken, so kann unö dieses nicht im mindesten um unsere Hoffnung bringen, und diese Hoffnung ist aufs besser und aufs lebendig werden. Wer die Zustände in Württemberg, Baden, Preußen noch vor einigen Jahren gekannt hat — und die jetzigen dagegen anschaut — der kann sich nicht genug über den plötzlichen Umschwung wundern. Wer aber den Gang der Begebenheiten genau beobachtet hat, dem wurde es lange schon klar, daß doch die kirchliche Idee, nachdem sie Jahrelang gepflegt worden, einmal zum Durchbruch kommen müffe, trotz aller Verknechtung von Seite des Polizeistaateö. Die Erbauung ist in den Geistern vor sich gegangen, und eS bedurfte nur eines Anstosses — so ist der Bau auch nach außen hin sichtbar geworden. Wir wollen eine Thatsache anführen. Die kirchlich geinnten Männer der Universität zu Tübingen, Hefele, Kühn, Welle, und in jüngster Zeit Zuckrig!, haben den wahren Geist gepflegt — sie haben gebaut, sie sind dem Joflphinischen Princip, daS im Convictsrcclor Schott, in den Professoren Geringer und Schmiele ihnen feindlich gegenüber gestanden, hart an den Leib gegangen, Hefele hat nicht selten mit der Waffe vernichtende» WitzcS dareingejchlagcn, daß die Funken davon gestorbrn sind — die jungen Theologen wurden genährt in kirchlichem Geiste, achteten ihre kirchlichen Lehrer, erlangten Liebe zur Wissenschaft — bei allem dem aber schien die bnreaulratische Polizeigcwalt noch vor zwei Jahren die kirchlichen Elemente der Universität zu unterdrücken, indem sie durch Einzwängen gewisser Individuen in den Beschlüssen der theologischen Facultät eine Stimmenmehrheit in josephini- scher Richtung hervorbringen wollte. Mögen es die Worte eines Würt-- tembergerS bezeugen, was die Bureaukratie daselbst in ihrem Uebcrmuth getrieben. Der Regens zu Rottenburg Dr. Mast sagte in seiner Rede beim Mainzer-PiuSverein unter andern: „dcßgleichen verordnete die (Würt- temberger) StaalSomnipotcnz, in die Verwaltung deS Bußsacramentö sich einmischend, daß die Hilfspricster nicht eher in die Kirche in den Beichtstuhl gehen sollten, bis Gläubige sie ausdrücklich begehrten. Nicht weniger als 17 — 18 Priester sind in einem Zeitraum von 5 — 6 Jahren nm ihrer Glaubens, reue willen bureaukratischcn Bedrückung«,» ausgesetzt gewesen; ein Lehrer aus Tübingen wurde entlassen wegen eines theologischen Votums über eine Frage, welche die ganze Kirche in Bewegung setzte. AIS Bischof Keller seinen Antrag auf Herstellung der kirchlichen Selbstständig- keit vor die Landstände brachte, wagten es fünf Repetenten des Tübinger Convictes in einem Schreiben an den Bischof ihren Dank und Beifall aus- zusprechen; sie wurden alsbald hiefür von ihren Stellen entfernt, und als Pfarrverwalter hinauSgcstossen. Dennoch konnte die Bureaukratie die immer kräftiger gedeihende Pflanze des katholischen Bewußtseyns nicht vernichten." Die Wahrheit von Mast's Worten habe» die jüngsten Ereignisse bestätigt. Die kanzleiliche Peifidie und Niederträchtigkeit hat nichts ausgerichtet, die Ideen sind ine Leben getreten, die kirchliche Richtung hat in jüngster Zeit einen glänzenden Sieg erfochten und die Anhänger deS Polizeistaales sind schmachvoll unterlegen. So ist eS im Badischen ergangen, so in Preußen. Auch dort hat man die wahrhaft bauende kirchliche Richtung — umstürzlich und revolutionär genannt, und — Fürsten und Minister sind befangen genug gewesen daran zu glauben, bis ihnen in neuester Zeit die Binde von den Augen genommen worden und sie zur Einsicht gelangt sind, daß die Revolutionen ganz wo anders herkommen. In den Kanzleien sind die Sünden gegen den heiligen Geist begangen worden, da hat man in Ernennungen und Anstellungen, in Unterdrückung und Verknechtung gegen den Geist der Kirche gesündigt, und diese Sünden gegen den heiligen Geist können der Kanzlei nicht nachgelassen werden — leider tragen wir an ihren traurigen Folgen immer noch zentnerschwer. In den Kanzleien, aus denen die absolute Polizeigcwalt wie eine Spinne ihr Netz gewoben — da herrschte der Geist deS EinreißenS und Umstür- zens, da herrschte jener feindselige Geist — der die Kirche in die traurigste Lage herabzudrücken unablässig bemüht war. Was der bureaukratische Geist im Staate gebaut hat — und waS er für unsterblich gehalten, daS hat im abgelaufenen Jahre ein einziger Sturm in ganz Deutschland über den Haufen geworfen; und daS waS derselbe bureaukratische Geist an Festungswerken, an Eskarpen, Cortinen und Laufgräben gegen die Kirche gebaut hat — daS sollte vielleicht einen längern Bestand haben? Was morsch ist sollte in Geduld weggeräumt werde», wer zu diesem Unternehmen seine Hand bietet, der ist doch wahrlich kein Einreißer — wer aber eine alte Barake, die von allen Seiten durchlöchert ist — und schon bei leichten Windstößen schwankt, mit einigen Bogen Papier verklebt, 16 und meint er habe sich durch diese Mühwaltung ein wohnliches HauS zubereitet — der macht sich allgemeinen Bedauerns würdig, und zwar um so mehr, je mehr er meint, er habe für Erbauung etwas gethan. Ueber die Stellung des Klerus. In einem Artikel der (alten) Sion über die Stellung deS Klerus zu den politischen Verhältnissen der Gegenwart finden wir folgende beach- tenSwerthe Puncte hervorgehoben: Erstens. Es ist größtentheils und fast überall mit der Würde des Priesters und seinem Ansehen unverträglich, zu politischen Versammlungen einzuladen, sie abzuhalten und zu leiten. Dieß ist vielmehr Sache der Politiker von Profession. Schreiber dieses weiß, wie sehr man einen Priester, der gegen diese Regel handelte, von geistlicher und weltlicher Seite getadelt und verunglimpft hat. *) Zweitens. Dagegen wird eS gerathen seyn, solchen Versammlungen, wenn sie in der Pfarrei oder in deren Nähe gehalten werden, beizuwohnen und nach Gelegenheit daS Wort zu ergreifen. Nur wenn mit Gewißheit vorauszusehen wäre, daß seine Anwesenheit Zorn oder Erbitterung unter den Versammelten herbeiführen würde, oder Wender mit Grund befürchten könnte, daß gegen die Religion und die bestehende Verfassung aufrührerische Reden gehalten werden, hat er sich fern zu halten. In diesem Falle aber wird er nicht ermangeln, auf geeignetem Wege seine Pfarrangehörigen und andere, auf die er Einfluß hat, zu ermähnen, daß auch sie der Versammlung nicht beiwohnen. Drittens. Damit die Gemeinde nicht der Verführung sogenannter VolkSsreunde preisgegeben werde, andererseits aber ihre politischen und konstitutionellen Rechte, gewahrt bleiben, hat der Seelsorger die Pflicht auf sich, sie zu ermahiicii, sich einem der bestehenden katholischen Vereine durch Bildung eines FilialvcreineS anzuschließen. Viertens. Hat sich ein solcher Verein gebildet, so wird eS die Sorge deS Seelsorgers seyn, daß er ihm in jeder Weise zu Diensten steht. Selbst beizutreten wird nicht in allen Fällen rathsam seyn; eS wird hinreichen, hie und da den Versammlungen — wo möglich auf Einladung — beizuwohnen, und als außerordentliches Mitglied sich einschreiben zu lassen. Fünftens. Ein Hauptaugenmerk richte er darauf, die religiösen Fragen von den politischen und bürgerlichen zu trennen. Erscheint er in der Versammlung, so erkläre er, daß er nicht als Pfarrer, sondern als Staatsbürger hier sey. Die Religion wird er immer und überall zum Motiv der Handlungsweise seiner Untergebenen machen, nicht aber in allen Tagcöfragcn religiöse Fragen erkennen. Er soll den Beweis liefern, daß die Kirche zeitgemäßen Reformen, die eS wahrhaft sind, nicht im Wege steht. Die Religion ist der Willkür der Herrscher und der Zügcllosigkeit der Völker gleich entgegen. Sie ist die Mutter der wahren Freiheit. Sie befehdet nur den Umsturz und die rohe Gewalt, die zerstört ohne aufzubauen. DaS Volk soll lernen, daß gesetzlicher Fortschritt nicht im Widersprüche stehe mit der treuen Aichängltchkeit an den Glauben und die Kirche, so wie daß eben deßhalb alle Reformen, die dem Glauben und der Kirche widersprechen, oder wogegen diese Einwendungen zu erheben hat, diesen Namen nicht verdienen. Sechs tenö. Ein Haupibcdürfniß ist eS, dem Volke begreiflich zu machen, daß alle Berge zu ebnen, alle Hügel abzutragen, alle Thäler auszufüllen auch die beste Regierung nicht vermöge. Alle menschlichen Einrichtungen tragen den Stempel der Mangelhafligkeit und Unvollkom- menheit an sich. ES ist eine,beklagenswertste Thatsache, daß irgend ein ministerieller Fehlgriff häufig schon den Sturz deS Ministers nach sich zieht. Niemand ist in allen Stücken vollkommen; die bestgemeinten Entwürfe finden oft unübersteiglichc Hindernisse, oder zeigen sich in der Anwendung als unausführbar. Davon können unsere FortschrittSminister viel erzählen. Stark in der Opposition, waren sie desto schwächer, als sie selbst anS Ruder kamen. Also nur keine 'zu hohen Erwartungen! Nur keine Wunder verlangen! Siebentens. Ein starkes Hinderniß eines wirksamen Einflusses der Geistlichen auf daS Volk ist die weit verbreitete Meinung, daß sie nur ihre StaudeSintcrcsscn im Auge haben. Man bemühe sich also, diesem Wahne die Wahrheit gegenüberzustellen. Der Priester zeige durch Wort ') Hiegegtn spricht nicht die von vielen Seelsorgern init Erfolg abgewendete Abhaltung einer Gemeinde zum Zwecke gemeinsamer Besprechung und Beschlußfassung. Wir hatten oben größere Versammlungen im Auge. Veranlwortlicher Redacteur: L. Schönchen. und That, daß er auch in seiner politischen Thätigkeit nicht für sich, sondern für seine Heerdc sorge. Er gebe, waS er geben kann, er entsage freudig für seine Person allen Privilegien und Vorrechten als Staatsbürger, waS nicht mehr zu retten ist, lasse man fahren. Man nehme so den Feinden der Kirche die Waffen auS der Hand, die sie leider mit vielem Erfolge bisher geführt haben. Durch freundliches Zuvorkommen, durch * Nachgiebigkeit und Opferwilligkeit wird man für die materiellen Verluste geistigen Gewinn eintauschen. ES ist hohe Zeit, daß sich der Klerus Freunde mache. Schon steigen neue Wolken am politischen Horizonte auf. Wünschen wir, daß sie sich vertheilen, so lasset unS einträchtiglich mit dem Volke und für daS Volk reden, schreiben und wirken und mit GotteS Gnade bessere Zeiten herbeiführen. BlumS Tod. * München, 23. Jan. Die Nachricht, daß Robert Blum vor seinem Ende, dem Deutschkatholikenthum entsagend, sich nach dem Empfang der heiligen Sacramente der katholischen Kirche sehnte und sie empfing, mußte voraussichtlich in der radicalen Presse einen Rückschlag und einen conliverablen „gesinnungstüchtigen" Lärmen erregen. In München war daS Tagblatt, daS Organ der Deutschkathchischen, also daS Orgai^. der „Liebe," eines der ersten Organe, um die Postzekvung und Konsorten auch dießmal (wie schon so oft) mit einem Schmutzwurf heHiger und '„brüderlicher, liebevoller" Schmähwort? zu überschütten,, auch nebenbei dem Psaffenfreund I)r. Hurter einen kräftigen Settenhicb zu versetzen. Nun beeilt sich ein anderes der gesinnungstüchtigen Blätter, ick einem Artikel „die heilige Landbötin und ihr Anhang» .die Bekehrung Blunl's als Lüge zu erklären und den „Pfaffen" Eines hknauSzugeben. Dasselbe Blatt schließt seine Sammlung für Blum'S Wittwe und Kinder mit der Summe von — 56 fl.! DaS ist daS Resultat beinahe eines Vierteljahres und so begeisterter Aufrufe; wenn man für Blum'S Wittwe und Kinder so viel Mitleid fühlte (und sie verdienen es auch in »Vnchcr Beziehung), hätte man nicht zweckmäßiger einen Theil der SuMie, welche die Münchner Todtenfeier für Blum kostete (Manche glauben, im Ganzen nahe an 2000 fl.) zu jenem Mit- leidszwccke verwenden können? Allein Mancher will wissen, daß es damals mehr auf eine politisch-demokratische Demonstration, als auf eine Todtenfeier abgesehen war. — Zu läugnen, daß Blum als katholischer Christ starb, eS für eine „Lüge" zu erklären, ist leicht, und eö ist in der Welt der .Gesinnungstüchtigen" gewiß auch erfolgreich, denn vr. Hurter ist ! ein „Pfaffenfreund", also unglaubwürdig, Pater Raimund ist ein „Pfaffe», also ebenfalls unglaubwürdig, der Profoß, der etwa als Zeuge dienen könnte, ist ein „Schwarzgelber», also unglaubwürdig, ergo daS Ganze eine Lüge der „Pfaffenpartei". — DaS ist allerdings ganz bequem; aber > fatal war Blum'S Bekehrung für die „Gesinnungstüchtigen", für die „Gewaltmänner der Freiheit", ein wahrer Donnerschlag; denn starb Blum als katholischer Christ, so starb er weder zagend, wie ein tröst- und haltloser armer Sünder, noch keck und trotzig, wie ein Barricadenmensch, der das Hemd von der behaarten Brust reißt, und mit gesinnungstüchiigem Pathos schreit: „hieher zielt, deutsche Brüter!" Blum kann also der Derbheit und modernen Barbarei der modernen Nothrcpublik nicht als Heldenercmpcl hingestellt werden; starb Blum als katholischer Christ, erwähnte jeder gute Katholik dieß mit aufrichtiger Freute und weihte er ihm dabei den Tribut eines anerkennenden Andenkens für eine, wenn auch späte, doch so aufrichtige und in Wahrheit demuthvolle Bekehrung, so hatte die gcsinnungstüchtige Presse einen Anlaß weniger, die glänze katholische und conservative Welt wegen ihrer Be feint ung Blum'S in die tiefste Hölle zu verwünschen; wahrlich, wäre Blum'S Bekehrung noch vor seinen verschiedenen Tvdtenfeiern bekannt geworden, man hätte unter der Zahl der „Gesinnungstüchtigen» statt sunkensprühcnoer Begeisterung so manches kühle und lange Gesicht erblickt. — Danken wir aber Gott, daß Er durch Seine Gnade den Sterbenden rührte und daß dieser dem Zug der Gnade > treu folgte. Verein der heiligen Kindheit. Der Verein der heiligen Kindheit hat in dem letzten Hefte seiner Jahrbücher einen interessanten Bericht über seine bisherige Wirksamkeit h erstattet. Seine Einnahmen betrugen vom 1. Mai 1847 bis zum 1. Mai 1848 95,834 FrancS, die Ausgaben 95,478 FrancS. Davon gingen in Frankreich 76,865 FrancS, im Auölande 18,968 FrancS ein. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.