Prei« I» E,g«durg für Ach allein (»hne A. Pastzeitnng) jährlich Ifl IP kr. Durch die P-ß kann diese« Wochenblatt »ur »o» Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung Sonntags - Deiblatt zur Augsburger Postzeitung. Ftir fich allein, ob«« dl« Ang«burger Post» zeitung. And diese Blätter nur im Wege de« Buchhandel« zu beziehen und kosten is ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur I ft. Sstst kr. oder I Lhlr. Neunter Jahr-gang. ^ 11 18. März 184». Wir Valentin, durch göttliche Erbarmung und deS apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Regensburg, entbieten dem gesammten hochwürdigen Klerus Unsers BiSthums Gruß und Segen in dem Herrn. Wir gedenken, da eö nun endlich die Zeitverhältnisse einmal gestatten, im kommenden Sommer Euch, geliebte Milbrüoer! um UnS zu versammeln, um nach kirchlichen Vorschriften eine Diöcesan-Synode abzuhalten. Zu derselben werden alle in der Seelsorge stehenden Priester der Diöcese ein- berufen, und nur jene von der persönlichen Anwesenheit diSpensirt, welche durch Alter oder Krankheit oder auS Rücklicht auf die nothwendige Pasto- ratiou zu erscheinen gehindert sind. Da aber die beantragte Dweesaw Synode nicht länger als 3 bis 4 Tage dauern kann; theils wegen der hiemit für den versammelten Klerus verbundenen Kosten, theils weil die gotteSdienstlichen und andere Funktionen an Sonntagen keine Unterbrechung erleiden dürfen; so erscheint eS um so nothwendiger, daß schon jetzt mir umfassenden Vorbereitungen der Anfang gemacht werde. Und damit Wir auch schon bei diesen Vorarbeiten die Wünsche, Anträge und Vorschläge Unsers Diöcesan-Klerus gebührend berücksichtigen kennen, so laden "Wir" alle Priester Unserer Diöcese ein, diese ihre zur Diöcesan-Synove sich eignenden Wünsche, Anträge und Vorschläge, sie mögen nun Wiederbelebung älterer Diöcesan-Vorschriften oder Aenderungen derselben, oder den Erlaß neuer zweckdienlichen Anordnungen, die Abstellung bestehender Mißbräuche, die Mittel, dem zunehmenden Sittenvcrderben mit Erfolg zu wehren und Religiösität und Sittlichkeit zu fördern, oder die Herbeiführung größerer Einheit in allen Zweigen der Pastoration, besonders in der Kirchenzucht und ähnlichen Gegenständen betreffen, den einschlägigen Decanatämtern in Bälde einzureichen, damit sie UnS bis künftige Ostern vorgelegt werden. Auch sollen in diesen Eingaben all jene religiösen Gebräuche und Gottesdienste, welche von der allgemeinen kirchlichen Ordnung abweichen, z. B. das zu häufige Aussetzen des AUerheiligsten, die Abhaltung von Leichen- gotteSdiensten an Sonn- und Feiertagen zum Nachtheil deS PfarrgotteS- dienstcS u. s. w. genau angegeben seyn mit dem endlichen Beifügen, ob die Tage vom 19. Juni Morgens bis zum 22/ Mittags zur Abhaltung der Synode in so fern geeignet erscheinen, als an denselben die seelsorg- lichen Arbeiten minder gehäuft sind. ' Uebrigens wünschen Wir, geliebte Mitarbeiter im Herrn! daß Ihr Eure Meinung über Alles, was ihr vorbringen werdet, offen und ohne Rückhalt auSsprechet, und dieß um so mehr, als Wir zu Euch das Zutrauen haben, daß Keiner den gesetzlichen Boden der Kirche verlassen oder etwas verlangen werde, waS im Widersprüche wäre mit der Disciplin der allgemeinen Kirche, oder mit der von Gott gesetzten hierarchischen Ordnung oder auch mit den von der Kirche für die Diöcesan,-Synode erlassenen Canonen. Diese schriftlichen Eingaben gewähren auch jenen Priestern, welche der Synode anzuwohnen verhindert find, Gelegenheit, sich bei derselben zu betheiligen und dadurch zu einem gedeihlichen Erfolge mitzuwirken. Die Decanalämter werden hiermit angewiesen, die von den einzelnen Priestern eingesendeten schriftlichen Eingaben in Empfang zu nehmen und sogleich nach den Osterfeiertagen der oberhirtlichen Stelle einzusenden, da später einlaufende Wünsche und Anträge bei den Vorarbeiten eine Berück» fichtigung nicht mehr finden könnten. Sobald Wir im Stande find, die Synode zu berufen, werden Wir nicht nur über die Art und Weise ihrer Abhaltung, sondern auch über die zu verhandelnden Gegenstände dem gesammten KlcrüS ausführliche Mittheilung machen, damit auch von seiner Seite eine gehörige Vorbereitung zu derselben um so leichter möglich werde und gewiß nicht ausbleibe, da Wir dieß alS ein Haupterforderniß eines gesegneten Erfolgs bezeichnen müssen. Gegeben zu Regensburg den 25. Februar 1849. 4 Valentin, Bischof. Joseph Lipf, bischöfl. Sccrctär. Katholtkenvereine *) In einem amtlichen Berichte sind die Verhandlungen der ersten Versammlung des katholischen Vereines Deutschlands am 3., 4., 5. und 6. Oktober zu Mainz erschienen. Wer die Reden der Männer liest, die da gesprochen haben, der muß zum Geständniß gelangen: Wahrhaft, das war eine großartige, herrliche Manifestation katholischen Lebens! Sie sind zusammengekommen aus allen Gauen Deutschlands, und haben Gebrauch gemacht vom Rechte der Association im Sinne der Kirche. Wie vorauszusehen. war Oesterreich, zunächst Wien, auch hier wiederum nicht vertreten. Professor Dr. Knoodt aus Bonn, der einige Jahre hier in Wien gelebt, hat sich unser angenommen, und auS freundschaftlicher Erinnerung den -Deh'Mtey-f.ür Wien dargestellt. Unwillkürlich wird man auch was da» katholische Leben anbelangt, an daS alte komische Volkslied erinnert: „Nur langsam voran, nur langsam voran, daß die österreichische Landwehr nachzotteln kann!" Jetzt wird eS unS erst recht klar, in waS für eine kirchliche Versumpfung und Stagnation uns die nicht genug lob- und prei,würdige Schreiberherrschaft hineingeführt hat. Es ist wahrhaft jammervoll anzuschauen, wenn man sieht, wie selbst Männer, die eS gewiß ehrlich mit der Kirche meinen, noch immer von einer solchen Furcht befangen sind, die ihnen gar nicht auS den Gliedern herauszutreiben ist — baß sie immer noch an dem unseligen, wahnsinnigen Ausspruche festhalten: „Nur kein Lärm nur kein Eklat, nur Ruhe — VaS könnte diesem, und jenes könnte jenem nicht recht seyn, diese Autorität ist zu schonen, und jener Autorität ist nicht zu nahe zu treten, nur abwarten auf eine günstige Zeit, auf eine bessere Gelegenheit, nur Geduld, es wird sich schon Alles machen, und zum Bessern wenden." Nun kommt aber die Frage, wie weit sind wir bisher mit diesem geduldigen Abwarten gekommen? wie weit wären die Apostel gekommen, wenn sie abgewartet hätten? Wer einmal eine Sendung hat, der wird durch'S Abwarten nur seine Zeit verlieren, seine Pflicht ist eS, eben weil er gesendet ist, zu gehen und zu thun, waS sein Amt, seine Pflicht ihm gebietet. Jene Epochen der Kirchengerichte, die durch'S „Abwarten," daS heißt auf deutsch: durch'S Faulenzen herbeigeführt worden sind, waren traurig genug, und können gewiß nicht zu den glorreichen gerechnet werden. ES macht sich im Gebiete geistigen Lebens gar nichts selber — waS geschieht, daS muß gemacht werden. Und waS die Schonung von Autoritäten anbelangt, so will eS unS bedünken, daß eS nur Eine große Autorität gibt, und daS ist die Kirche, — und wer ihrem Geiste durch anhaltendes, hartnäckiges Entgegenstreben zuwiderhandelt, der hat aufgehört eine Autorität zu seyn. Der vernünftige Katholik erkennt in dem Verwalter eines kirchlichen AmteS, mag er was immer für eine Stellung im Priester- thume einnehmen, nur so lange eine Autorität, so lange dieser feststeht auf dem Felsen Petri. so lange er sich in lebensfreudiger Verbindung M dem Primate erhält — ist aber dieß nicht mehr der Fall, dann ist eS auch mit der Autorität auS und geschehen! Stünde eS nicht besser mit der Kirche in Norddeutschland, wenn der Klerus und daS katholische Volk zu den Zeiten der Reformation statt fich bethören und verblenden zu lassen, jenen treu- ') Au« der Wienerzeitung, und zunächst für österreichische Zustände geschrieben. 'ri- SLWL'sLL 4S losen Verräthern an der Kirche Gottes, jenen abtrünnigen Bischöfen und Erzbischöfen unerschütterlichen Widerstand entgegengesetzt hätte? Wir gestehen es offen, wir haben kein Vertrauen zu jenen Mäcklern, Welche jeven Einfluß deS Primates auf die kirchliche Lebensgestaltung um die Gunst deS absoluten PolizeistaateS zum Theil verschachert haben, und wäre eS auf ihren Willen angekommen, noch mehr und auch ganz und gar verschachert hätten! Wir haben kein Vertrauen zu den abgebrauchten Werkzeugen der Polizei, denen daS Aufflammen apostolischen Muthes von je eine Thorheit gedünket hat, die in der welthistorischen That deS Clemens August eine unbegreifliche Unklugheit gesehen haben, die nie einen Muth zeigten, wenn eS gegolten nach oben hin aufzutreten — die nur ein Müthlein besaßen, was sie nach unten an ihren Untergebenen zu kühlen versuchten! Wir haben kein Bertrauen zu Männern, die ihr ganzes Leben mit dem fadesten, glaubensleersten, rationalistischen Gc- salbaber zubrachten, die vo», Dogma nichts wissen und nichts hören wollen, unv die, wenn sie schon um deS Decorums willen von Christus sprechen mußten, in dem Erlöser und Weltheiland nichts anders sahen, als einen salbungsvollen Lehrer von Moral unv Humanität — der sich nur durch seine reine Lehre vor den Moralpredigern vor seinem Erscheinen und nach demselben ausgezeichnet hat. Durch säst vierzig Jahre (ungefähr y§n 1780— 1820) ist auch zu Wien auf manchen Kanzeln im Sinne oder auch im Unsinne dieses abgeschmackten rationalistlschen ComplotteS gepreciget worden, man hat den Unglauben mit der abgewässerten, fadenscheinigen Moral mit vollen Händen ausgesäet, und eS lst erstaunenswerih, w nn man j-tzt einige von den unchrwürrigen Ueberbleibern aus jener Zeit über JndifferentiSmus klagen hört; alS ob sich diese Leute in ihrem ganzen Leben mit etwas anderem, als mit der gewissenlosesten Verbreitung des jetzt beklagten JndifferentiSmus beschäftigt hätten — als ob ihnen nicht alle Apologetik und Polemik auf dogmatischen Grundlagen von jeher in die Seele hinein zuwider gewesen unv von ihnen nach Maaßgabe ihrer Polizeigewalt, selbst sogar verfolgt worden wäre! Was ist nun da zu thun, wie kann dem JndifferentiSmus der höheren unv mittleren Stände, wie der Jrreligiösität des von der gefesselten Kirche vernachlässigten und verwahrloststen Proletariates abgeholfen Werben? Gewiß nur einzig und allein durch die vom Josephinismus so sehr gehaßten und mit Kerker unv Kelten noch bis in die letzten Jahre verfolgten religiösen Vereine! Das Wirken Einzelner, wie eS das bereits um alle geistige Umsicht gekommene alte Polizeikirchensystem immer »och gerne haben möchte — kann hier auf die Massen rein nichts ausrichten, Vergestllschaftuiig, Vereinigung ist ja daS Princip der Kirche, unv daS muß sie verfolgen und auSbilven mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, Eine geipliche Behörde, die eS zu verhindern und hintertreiben suchen würde, diesen einzigen Rettungsanker der Gesellschaft in die aufgewühlten Wogen deS Proletariats einzusenken, spräche sich mit einem Male entschieden als »»kirchlich, als unkatholisch auS, und schriebe hiemit das Urtheil ihres unmöglichen Fortbestandes mit eigener Hand. Gewiß immer mehr rückt die entscheidende Stunde heran. Wie der unselige Knoten sich lösen Wird, das weiß die Vorsehung, wir vermögen cS nicht vorauszusehen, nur daS wissen wir bestimmt — daß eS bei uns nicht mehr so fortgehen kann, wie es bisher gegangen ist. Zersplitterung der Kräfte führt zum offenen Abgrund, Synode» braucht der Klerus, katholische Vereine das Volk!*) Geistliche, welche diesem rettenden Bedürfniß entgegentreten, laden hiemit eine Verantwortung auf sich — mit welcher beladen wir nicht gern vor Gottes Rlchterftuht hintreten möchten! Sendschreiben des katholischen Vereins zu Oggersheim und Umgegend an den PiuSverein in Augsburg. Biedere, deutsche Männer, Liebe, katholische Brüder! Hoch schlug unser Herz, gar sehr waren wir erfreut, als Euer Sendschreiben uns zukam. Die Katholiken der Pfalz haben mit Begeisterung die lebendige Theilnahme aufgenommen, welche Ihr dem Geschicke derselben zuwendet. Sie werden nimmer vergessen, daß ihre bayerischen Brüder in Schwaben die Ersten waren, welche in ihrem Kampfe gegen den Bund deS ungläubigen Zeitgeistes und der verrotteten Schreibcrherr- schaft durch ihr Wort sie aufrichteten, und ihnen treulichen Beistand im Kampfe gegen die Feinde der wahren Freiheit und deS Christenthums zu- ) Dieser Artikel ist noch vor Verkündigung der neuen Grundrechte geschrieben. sagten. Wohl wird bald der eben in Speyer sich gebildet habende Central« Auöschuß der katholischen Vereine der Pfalz im Namen Aller die heilige Pflicht deS DankeS an Euch abstatten. Wir aber, die den Gegenstand deS Streites in ihrer Mitte haben, wir, denen das Kloster von Oggersheim doppelt werth ist, sowohl wegen der Persönlichkeit seiner Bewohner, als wegen der steten Aushilfe, welche der Seelsorge allein dadurch zu Theil wirv; — wir fühlen auch doppelt schwer die Ungerechtigkeit, welche verübt werden soll; wir erkennen nur zu gut, daß eS sich nicht bloß um dieses Kloster, sondern um unsere ganze Freiheit auch für die Zukunft handelt. Eben darum finven wir uns noch besonders getrieben, Euch katholischen Brüdern im Schwabenlande für Eure so herrliche, ganz katholische Manifestation unsern innigsten Dank auszudrücken. Dieser Dank an Euch sey unser erstes Lebenszeichen. Seyd versichert, trotz des großen Wortes, das unsere Demokraten führen, trotz ihres GebahrenS alS wenn sie die Pfalz, die ganze Pfalz wären, — unser schönes Land faßt noch viele, ächte katholische Herzen in sich. Diese werden mit der That eg beweisen; unv wie unser BiSihum in den Stürmen der Reformation nicht wankte, so wird eS auch jetzt unter dem Schutze Mariä «einer Patronin fest bleiben, Gott und der Kirche treu, werth sich zu nennen Eure treuen Brüder in Christo. Oggersheim in der Pfalz, 4. März 1849. V. Franz de Vico. Es ist seiner Zeit der leiver allzu frühe Tod deS k. de Vico aus der Gesellschaft Jesu in diesen Blättern erzählt worden. Der ,,^mi cko la kaligion" bringt nun, wie eS scheint auS der Fevcr eines MitbruterS deS Verblichenen, einen kurzen Nekrolog, auS dem wir daS Merkwürdigste hervorheben. Franz de Vico wurde zu Macerata, einer Stadt im Kirchenstaate, am 19. Mai 1805 geboren. Seine Familie war eine der angesehensten in der Provinz. Der Bischof Slrambi von Macerata, der im Gerüche der Heiligkeit gestorben ist unv dessen Canonisation man entgegen sieht, erkannte im jungen de Vico außerordentliche Gaben, segnete ihn öfter und gab ihm häufige Beweise zärtlicher Zuneigung. Frühzeitig nahm ihn die Religion, diese zärtliche Mutter und Erzieherin der Seelen, unter ihre schützende Fittige. Seine ersten Studien machte er im Collegium der Jesuiten zu Urbino, und zwar bis in die Rhetorik Als er aber Neigung zeigte, selbst in die Gesellschaft einzutreten, hofften seine Eltern, die ihn zu etwas anderm berufen glaubten, er werde davon abkommen, wenn sie ihm einen andern Ort zur Fortsetzung seiner Studien anweisen würben. So kam er zu den Plansten nach Siena. wo er den berühmten k. Jnghi- rammi zum Professor der Mathematik erhielt und daS Gymnasium absolvirte. AIs die Zeit herbeikam, wo sich de Vico für einen Beruf enlscheiven sollte, entschloß er sich, seinem Gott unv sich selber treu, auf die nicht unbeträchtlichen elterlichen Güter zu Gunsten senrcS jüngern Bruders zu verfichten, und verlangte unmittelbar darauf seine Zulassung zur Gesellschaft Jesu. Doch mußte er die Ausführung dieses seines LieblingsplanS noch verschieben. Sein Vater halte nämlich, diesen Entschluß ahnend, bei seinem Tode dem Vormunver seiner Söhne aufgetragen, ihn auf die stärksten Proben zu stellen; ja er hatte ausdrücklich angeordnet, daß man ihn am Ende seiner Studien eine Reise durch Italien machen lassen solle, um durch neue Eindrücke viesen in ihm festgewurzelten Gedanken zu verwischen. Aber diese letzte Prüfung, weit entfernt, ihn in seinem Vorsätze wankend zu machen, befestigte ihn vielmehr in demselben, und so trat er denn mit neuen Kenntnissen bereichert, am 23. December'1823 zu Rom inS Noviziat zu St. AncreaS. In der Zwischenzeit zwischen seinem Noviziat und dem theologischen Curse wurde er, nach dem Gebrauche der Gesellschaft Jesu, zum Unterricht verwendet. Er lehrte im römischen Collegium die untern Classen unv die Humaniora. Um eben diese Zeit fing er seine astronomischen Beobachtungen an. Oft erhob er sich, nachdem er drei oder vier Stunden geschlafen, vom Bette, oder,er wachte vorher einen großen Theil der Nacht hindurch. Auch während der vier Jahre, in denen er den theologischen Studien obliegen mußte, setzte er diese Forschungen fort. Nachdem er jene vollendet halte, wurde er ausschließlich für die mathematischen und astronomischen Wissenschaften verwendet. Er wurde dem p. Dumouchcl, einem französischen Jesuiten, der das Observatorium des römischen Kollegiums leitete, beigegebcn. Dieser demüthige und gelehrte Astronom war glücklich, seitdem er von den Talenten und den Fortschritten seines jungen Mitarbeiters reden konnte, und brachte ihn mit den ausgezeichnetsten Astronomen von Europa in Verbindung. Oefier als einmal bezeugte er eS am Ende seiner Laufbahn, wie viel Trost eS ihm mache, einen fähigern Nachfolger zu 43 hinterlassen, als er selber war, der durch diese erhabene Wissenschaft die Hauptstadt der Christenheit verherrlichte. In der That erlangte das Ob. servatorium des römischen CollegiumS unter der Leitung deS k. de Nico eine europäische Berühmtheit. Die Wissenschaft verdankt ihm viele und wichtige Entdeckungen. Folgende sind nach chronologischer Ordnung die vorzüglichsten: Am 28. November 1832 entdeckte er den Biela'schen Cometen auf seiner Rückkehr zur Sonnennähe und zwar in der nämlichen Nacht, in wel cher ibu Herschel zuerst in England bemerkte. Am 5. August 1835 entdeckte er den Halley'schen Cometen, der an andern Orten erst 15 Tage später entdeckt wurde. JnS Jahr 1838 fallen verschiedene Entdeckungen über die Atmosphäre des Saturn. In die Jahre 1838 — 1839 die Entdeckung der zwei nächsten Trabanten des Saluin, die vor ihm nur Herschel gesehen hatte. Diese Entdeckung geschah durch die Anwendung einer neuen Methode, die Arago eine kostbare Entdeckung nannte. In dem nämlichen Jahre bestimmte er die Zeit der periodischen Wiederkehr der 2 Trabanten deS SalurnuS. In den Jahren 1839 —40—41 erfolgte die Bestimmung der Wendung der VenuS um ihre Are. Auch diese Entdeckung Hai ungeheures Aufsehen gemacht. In den Jahren 184l —42 — 43 — 44 entdeckte er eine große Anzahl neuer Gestirne. Am 23. August 1844 folgte die Entdeckung eines neuen Cometen, genannt: „der Comel deS römischen CollegiumS." Am 4., 5. Februar 1845 entdeckte er einen andern neuen Cometen von unbekannter Umlaufszeit Am 9. Juli v. I. entdeckte er den Enke'schen Cometen bei seiner Rückkehr zur Sonnennähe. — Endlich hat I?. de Vico die Zeit und den Trost gehabt, Schüler zu bilden, die seiner würdig sind, und deren Name sich eines Tages mit dem Namen ihres Lehrers zur Vermehrung seines Ruhmes vereinigen wird. — AIS er mir allen Jesuiten, seinen Mitbrüdern, gezwungen war, das römische Kollegium zu verlassen, durchreiste er Frankreich, um sich inS Kollegium nach George- Town in den vereinigten Staaten zu begeben, wo seiner ein Observatorium harrte, das eben so reich ist an Instrumenten als das, was er eben verlassen hatte. Arago, der damals Minister war, drang in ihn, daß er in Paris bleibe. Auf seiner Reise nach London empfing er keine minder günstige Aufnahme bei den englischen Gelehrten. Aber nirgends erregte vielleicht seine Gegenwart mehr Sympathien als in den vereinigten Staaten. Es gelangten an ihn die dringend sten Einladungen, um ihn zur Niederlassung in Amerika zu ermuntern, ihn und alle italiemschlN Jesuiten, die eS fassen könne. Zahlreiche Subscripiionen organisirlen sich auS freien Stücken, um die Neberfahrt zu erleichtern und die Niederlassung zu unterstützen. Dieser Edelmulh rührte um so mehr das Herz des k. de Vico, als eS vorher betrübt war über die Beklemmung seiner Mitbrüver, die ohne Vaterland, ohne Freistätte waren Vergessend der Ermüdung und seine Kräfte verschwendend fuhr er aufs Neue über den Ocean, um die Abreise inS Land der Freiheit zu beschleunigen. Eben halte er in Liverpool die Einschiffung von 20 Erilirten geleitet und bereitete schon wieder eine neue Colonie vor, als er vorn Typhus ergriffen- wurde, der ihn am 15. Ociobcr v. I. zu London hinraffte. Eine Bruderhand hat ihm die Augen geschloffen! Die Kenntnisse deS k. de Vico waren in allen Fächern ausgezeichnet. Er halte seine Studien der Philosophie und der Theologie mit Glanz vollendet. Er war ein ausgezeichneter Musiker, und eS war für ihn eine angenehme Unterhaltung an Festtagen auf dem Chor der Zöglinge des römischen CollegiumS zu dirigiren. Auch als Composileur hat er einen berühmten Namen. Waren es die ferner Stehenden, die seine eminente Wissenschaft und seine alles umfassenden Talente bewunderten, so verehrten und schätzten seine Brüder, in deren Mitte er lebte, seine Bescheidenheit und Sanftmuth, seinen stets gleichen Humor, seine treue und beständige Beobachtung der Regel. In seinen Augen war der Unterricht ein Gebet und eine Predigt, und dieses Leben, geweiht dem Apostvlat der Wissenschaft, hat der Himmel sich gewürdiget zu beschließen in der Verfolgung für den Namen Jesu und zu krönen durch eine Art Martyrthum für die Liebe seiner Brüder. Er erreichte ein Alter von 43 Jahren, k. I. ?. (Sion.) Kirchliche Zustände in den Donaufürftenthümern. Von der untern Donau. Am 9. November v. I. hat die katholische Misston der Moldau ihren zweiunddreißigsten Bischof durch den Tod verloren. Der hcchwürdigste Herr Paul Sardi auS Val d'Aosta in Piemont war erst 55 Jahre alt und seil fünf Jahren Bischof; auf seiner letzten VisitationSreise hatte er sich erkältet und starb nach wenigen Tagen in Jassy, von seinen Missionären und Diöcesanen (70,000) tief betrauert: denn er war ein demüthiger, aufrichtiger, „wahrer Jsraelit, in welchem kein Falsch ist." In dem für Italien so stürmischen Jahre 1821 trat er in den Minoritenorden im römischen Staate ein und begab sich 1825 als apostolischer Missionär nach Konstantinopel. Dort erwarb er sich die Liebe und Achtung seiner Oberen und Mitdrüdcr, wie deS ganzen Volkes. Unverdrossen und unermüdet arbeitete er auf der Kanzel und im Beichtstühle, in der Kranken- und Armenpflege. Seinen Bemühungen war e» größtentheilS zu verdanken, daß nach dem schrecklichen Brande am 2. Aug. 183 l, welcher ganz Pera verheert halte, das Kloster St. Anton auS der Asche wiedererstand. Im Jahre 1839, als er Provincial deS OrieniS und apostolischer Prüfect von Rumelien war, führten ihn AmlSgesck'äfte nach Rom, wo gerade damals der griechische Beichtvater der PeterSkirche, der Minorilenbischof Tomaggian, gestorben war, dessen Stelle er übernahm, bis ihn Gregor XVl. im Frühjahre 1843 als Bischof und vmitotor opo- stulious in die Moldau sandte. Anch hier wußte er sich die Herzen Aller zu gewinnen, sogar von den Moldauischen Bojaren wurde er geachtet. Er hatte den Trost in kurzer Zeit mehrere neue Kirchen und zwar nicht wie die früheren von Holz, sondern von Stein zu erbauen und zu vollenden, neue Pfarreien zu gründen und viele Verbesserungen in der Mission zu machen. Leider geht Vieles mit ihm zu Grabe, wenn die römischen Wirren nicht bald gesuchter werden und der heilige Vater einen neuen tüchtigen Nachfolger an seine Stelle setzt. Es wäre aber fihnlichst zu wünschen, daß er kein sardinischer Unterthan wäre, damit die Intriguen, die Karl Albert auch hier schon seit zehn Jahren durch seine Consuln treibt, nicht weiter um sich greifen können, indem sie der Kirche ungemei» schaden. Am verstorbenen Bischöfe Sardi gedachten die Sardinier wieder ihren Mann zu finden, er war aber dafür zu ehilich und aufrichtig. So wie in Asien und den übrigen Welnheilen Frankreich die Missionen geschützt, so schützt sie in den Dvnaufürstenlhnmern und der übrigen europäischen Türkei (Konstantinopel und Smyrna machen hiervon eine Ausnahme: da ist der Schutz gemischt — einige Klöster und Kirchen stehen unter Oesterreich, die andern unter Frankreich), das Kaiserhaus. Zu dieser Ehre hat der Herr der Heerschaaren jene beiden Mächte auserkoren — und wie schön und würdevoll haben beide ihre Aufgabe bisher uneigennützig geloSt! WaS wäre auS dem heiligen Grabe zu Jerusalem schon längst geworden, wenn sich nicht Frankreich mit Macht gegen die russischen Intriguen gestellt hätte? — Die Kirche deS heiligen Grabes gehörte, von Gottfried von Bouillon an bis auf unsere Tage, ausschließlich den Katholiken, sie war von ihnen erbaut. Da sie aber 1808 abbrannte und durch die Napoleonijchen Kriegszüge verhindert, keine Unterstützungen auS Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien einkamen, mußten die gaslsreundschaft- lichen Franciöcaner die größte Noth leiden und konnlen dte Kirche nickt wieder erbauen. Diese Gelegenheit benutzten die schlauen Griechen und halfen den Lateinern beim Wiederaufbau des Tempels, um auch ein Recht darauf zu erhalten. Von nun an dachten sie an nichts sehnlicher, als die Katholiken ganz zu verdränge». Kein Geld zu Bestechungen, keine Mühe wurde gepart, selbst Gewalt wurde oft angewandt, um den Katholiken ihren sechShunderijähngen Besitz zu entreißen. Der FanatiSmuS, daS Geld und der russische Schutz vermögen im Oriente AlleS; denn die hohe Pforte kann keinen Firman ausgehen lassen, der vollziehende Kraft hat, wenn er kein russischen Gesandten nicht guttünkt. Gewiß wären die armen Fran- ciScaner vertrieben worden, wenn Frankreich die Rechte der Kirche nicht geschützt hätte, und nicht allein auS dem heiligen Grabe, sondern a»S dem ganzen heiligen Lande. Vor vier Jahren verschaffte Herr v. Titow (der russische Gesandte in Konstantinopel) den Griechen einen Firman, um einige Baureparaturen an der Kirche des heiligen Grabes vornehmen zu können. Da man schon im Voraus wußte, wohin sie damit wollten (eS war ihnen darum zu thun, die noch übriggebliebenen und zu sehr vom alten Reckte zeugenden, lateinischen FreScogemälde und Wappen auszutilgen), so nahmen die Väter den Schutz Frankreichs in Anspruch und sie erhielten einen Gegenfirman. Der Moskowile intriguirte nun so weil, daß die Türken nickt mehr wußten, waS anders zu machen sey, als die Sacke der französischen Gesandtschaft zu entdecken. Diese allein wäre auch nicht mächtig genug gewesen, daS Recht der Franciscaner zu schützen. Da befahl Kaiser Ferdinand seinem JnternuntiuS, dem Grafen Stürmer, hinsichtlich deS heiligen Grabes und von nun an in allen Kirchenangelegenheiten gemeinschaftlich mit dem französischen Gesandten bei der Pforte zu arbeiten. Da blieben nun die Sachen, wie sie waren. Wären die österreichischen Hofagenten und Consuln in den Donau- fürstenthümern, in Bulgarien, Albanien und Bosnien nicht tüchtige Männer, denen der Schutz der Kirche so sehr wie ihrem Kaiser am Herzen liegt, dann wären unsere Missionen längst schon zerstört. Darauf arbeiten nicht sowohl die eingeborenen Schismatiker, als de« CzaarS Pläne hin, für die er überall verschmitzte Consuln hat, von welchen sogar einige Katholiken, die aber grimmiger sind als die Schismatiker, um sich in Gunst zu erhalten und irgend einen russischen Orden zu erhäschen. So hat der russische Consul von Galacz, Herr Carl Cola, ein Katholik, voriges Jahr (1847) den dortigen Pfarrer dabin bringen wollen, das „8alvnm tso" für den Kaiser Ferdinand, wie eS nach uralter Gewohnheit im ganzen Oriente an den höchsten Festtagen (in Konstantinopel und Smvrna an allen Sonn- und Feiertagen) vor dem Segen gesungen wird, einzustellen. Er behauptete, daß die Artikel deS Carlowitzer FriedenS von 1699 und jene von Passarowitz von 17l8, in welchen die Rechte der katholischen Kirche und ihrer Schutzmacht Oesterreich sanctionirt sind, durch den neuen russischen Traktat von Aerianopel aufgehoben wären. Ja, dieser Mann ging in seiner Ruffomanie so weit, daß er bet der AuferstehungS-Feierlichkeit am CharsamStage, als der Pfarrer daS „8alvum kao" anstimmte, seinen Stuhl umwarf und zum Aergernisse der Anwesenden zur Kirche hinauSstürmte. Daß er nun anfing, jenen armen Pfarrer zu verfolgen und noch verfolgt, macht seine Verdienste beim Petersburger Cabinet noch größer. Eben so wird bei jeder Messe im Gedächtnisse der Lebenden nach dem Papste der Kaiser genannt, wie in dessen eigenen Ländern. Und verdient dieser fromme Monarch eS nicht, da er die Kirche und ihre Diener so uneigennützig und herrlich schützt? (Rh. V. H.) A « s W i e n. — Wien, 4. März. Während an andern Orten, insbesondere in München und Augsburg der konstitutionell-monarchische Verein die Hydra der Anarchie mit mächtigem Arme niederkämpft und der PiuSverein in letzterer Stadt bereits sein segensreiches Wirken entfaltet: ist bei uns durch den Belagerungszustand die Thätigkeit ähnlicher Vereine darniedergehalten. Die Behörden, welche mit Fug und Recht die verdächtigen Vereine unterdrücken, würden unseres ErachlenS wohl daran thun, dem katholischen und ächt konstitutionellen Elemente im Wiener-Volke eine freiere Bewegung zu gewähren, und so eine moralische Schutzmauer für öffentliche Ruhe und Ordnung, für Achtung göttlicher und menschlicher Gesetze zu erbauen. Um so schmerzlicher mußte den gutgesinnten, katholischen Bürger WienS der in diesen Tagen an den Vorstand deS hiesigen Katholiken-VereineS ergangene Bescheid von Seite des Civil- und Militär-Gouvernements berühren, deS Inhalts: „Die Belehrung der Mitglieder des Vereines in öffentlichen Bersammlungen durch religiöse Vortrage könne nicht gestatl-t werden." Es ist dieser Bescheid um so verwundender, als er nicht zunächst im Willen deS Gouvernements beruht, sondern, wie wir Ihnen aus verbürgter Quelle berichten können, lediglich auf das Gutachten deS hiesigen erzbischöflichen ConsistvriumS sich gründet. Se. Ercellenz der Hr. Gouverneur äußerte sich mündlich gegen den Hrn. Cardinal Fürst Schwarzenberg, der hierüber mit ihm Rücksprache pflog: „Er könne leider in dieser Angelegenheit nichts thun, denn der Hr. Erzbischof von Wien sey dagegen." ES dürfte, darum für Ihre Leser interessant seyn, den Bescheid, auS welchem die Feder deS.ConstsloriumS deutlich herauSblickt, in seiner ganzen Länge zu vernehmen. Er lautet: „Die Belehrung, die der Verein cki seinen Versammlungen ertheilen wolle, könne nach den Grundsätzen unserer (?) Kircke auf dem Wege der Christenlehren und Predigten in katholischen Kirchen erreicht werken. Versammlungen für diesen Zweck in nichtkirch- lichcn Gebäuden zu gestatten, sey gegenwärtig der Zeitpunct um so weniger vorhanden, als der Verein nach seinem Programme auch politische Zwecke verfolge, daher sehr leicht in diesen Verein sich Pharisäer (!) ein- schleichen könnten, welche unter der Maske der Beförderung des Glaubens politische Glaubenslehren verbreiten könnten, welche der öffentlichen Ruhe und Ordnung nachteilig werden könnten. Für seine Thätigkeit bedürfe der Verein dieser Versammlungen in Privathäusern auch darum nicht, weil er (?) durch die dem Vereine einverleibte gutgesinnte katholische Geistlichkeit das Wort GotteS in Seinem (?) Hause spenden lassen (?) könne." Der Vorstand deS Vereines ist katholisch genug, um die Zumuthung im letzten PassuS von sich abzulehnen: „daß eS lhm zustehe, durch den Klerus im Hause GotteS daS Wort GotteS spenden zu lassen." Er will keinen Eingriff machen in die Rechte deS Bischofs, will aber auch sich nicht als .pharisäischer" Verein verdächtiget wissen. Dieser PassuS insbesondere hat die sämmtlichen VereinSglieder auf'S tiefste verletzt; und eS steht ein feierlicher Protest zu erwarten, weil der Verein auch, nach Aufhebung deS Bela- gcrungSzustandeS, sein Wirken in der Zuknifft hierdurch verdächtiget sieht. So verfährt ein geistlicher Vater mit seinen Kindern, und eS darf Sie nickt Wunder rühmen, wenn unter Laien und Geistlichen kaum Ein Herz mehr in kindlicher Liebe ihm entgegenschlägt. In kürzester Zeit wird daS Ordinariat von Wien und St Pöllen, ihrem offen vor der Welt ausgesprochenen Principe gemäß, als vereinzelter Kämpfer auf der Wahlstätte deS Bureaukratismuö dastehen; denn KlcruS und Laien sehnen und ringen nach Freiwerdung aus den papiernen Fesseln. Mag dann immerhin eine hohe kirchliche Person sich wegwerfend äußern: „Man könnte diese Leute da (vr. Brunner und Konsorten d. h. die absolute Majorität deS Klerus) suspenviren, wenn man wollte!" — Eine erfreuliche Erscheinung, unerachtet deS angelegten Hemmschuh'S, ist die sich mit jedem Tage steigernde Abon- nentenzahl auf den VolkSsreund, das Organ deS Katholiken-VereineS; sie beläuft sich im Augenblicke bereits gegen fünfthalb Tausend. — Zur allgemeinen Freude hat Kanonikus Veilh am ersten Fastensonntage die Kanzel in der Pfarrkirche am Hof bestiegen, und läßt als ein zweiter Paulus in seinen Fastenvorträgen den Wienern die Schärfe seines zweischneidigen Wortes fühlen. Nach seinem Vorbilde wirkt auch der durch und durch katholisch gesinnte niedere Klerus, auf den die Worte der Apostelgeschichte ihre Anwendung finden Kap 5. V. 41.: „Sie gingen freudig vom Ange- sichte deS hohen Rathes hinweg, weil sie gewürdiget wurden, um deS Namen Jesu willen Schmach zu leiden, und sie hörten nicht auf, täglich im Tempel und m den Häusern*) zu lehren und Christum Jesum zu verkündigen." — Ihr /X Korrespondent auS Wien ist, wie schon öfter, auch dießmal übel berichtet, wenn er Ihnen von der „ersten" konstitutionellen Ehe eines gewissen Schuhmachers Lewisch erzählt; der Lloyd widerlegt dieses Gerücht, welches durch mehrere hiesige Blätter cursirt, und schon an der Stirne daS Brandmal der Lüge trägt, auS dem Munde des Hrn. Pfarrers in der Leopoldstadt, der den benannten Hrn. Lewisch auf seine Anfrage: ob er bei Lebzeiten seiner Gattin mit einer andern Person eine Ehe als Katholik eingehen könne, ganz natürlich dahin beschtev: „Nach christkatholi- schen Grundsätzen sey dieß platterdings unmöglich. Von einer Civil-Ehe könnte nach diesen Vorbegriffen nur durch Intervention deS SchmiveS von Gretna-Green eine Rede seyn." C o b l e n z. Koblenz, 4. März. Der Hochwürdigste Herr Bischof vr. Wilhelm Arnoldi von Trier ist gestern nach Köln abgereist, wo er mehrere Tage verweilen wird. Wie man mit Bestimmtheit versichert, findet in diesen Tagen in dem Hause unseres Hochwürdigstcn Herrn Erzbischofs Johannes v. Geissel eine Versammlung der Rheinischen Bischöfe statt, in welcher wichtige Angelegenheiten besprochen werden sollen. Unter Ander,» sagt man, daß die Abhaltung von Dwcesansynoden als eine bald möglichst einzuführende Angelegenheit dort berathen werde und man will auS sicherer Quelle wissen, daß der Hochwürdigste Bischof von Trier demnächst die Geistlichkeit der Diöcese zu einer vorläufigen Besprechung um sich versammeln werde. PiuSverein e. Fulda, 8. März. In der am 6. dieses Monats dahicr abgehaltenen Versammlung deS Piusvereincs kam auch die Bildung der Ober- Schulcommission zur Sprache, und allgemeiner Unwille gab sich gegen die jeden Katholiken verletzende Zusammensetzung jener Behörde kund. Die Versammlung faßte den Beschluß, in einer energischen Adresse gegen die jetzige Zusammensetzung der Oberschulcommission zu protestiren und an das Ministerium die Forderung zu stellen, daß es unter die Mitglieder jener Commission zwei Katholiken und zwar 1) den jedesmaligen Pfarrer und Landdecbanten zu Kassel, 2) den Inspektor der höher» Gewerbschule zu Kassel vr. I. Hehl, einen sehr wackern und entschiedenen Mann, aufnehme. Zugleich soll der PiuSverein in Fritz lar aufgefordert werden, eine Adresse in gleichem Sinne zu erlassen. » Augsburg, 15. März. DaS obige „Sendschreiben deS katholischen VereinS zu Oggersheim und Umgegend an den PiuSverein in Augsburg" wurde letzterem in seiner gestrigen allgemeinen Versammlung mitgetheilt, worauf die Anwesenden ihren katholischen Brüdern in der Pfalz ein feuriges Lebehoch ausbrachten. Auf Mitrhulung deS Vorsitzenden über den Stand der OggerSheimer Angelegenheit, daß nämlich durch Regierungörescript die Minoriten in Oggersheim aufgefordert worden seyen, ihre Selbstauslösung anzubahnen, daß aber eine kräftige Petition von den Katholiken der Pfalz an Se. Majestät zur Wahrung ihrer Rechte abgegangen sey, beschloß man einstimmig, sich dieser Petition in einer Eingabe an Se. Majestät anzuschließen. ') Die Apostel haben, wie es scheint, es u cht für überflüssig gehalten, auch außer dem Tempel da« Wort Gottes zu lehren. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlags-Inhaber: F. E. Kremer.