» Preis In Augsburg für Kid allein (ohne A. Postzeitung)jährlich Ist. I»kr. Durck die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Pctz- zettnng bezogen werden, and erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags-Peiblatt zur Augsburger Postzeitung. Kür sich allein, chnl die Augsburger PvM zeitung, find diese BloN ter nur im Wege des Buchhandels zu be ziehen und kosten ir ganz Deutschland, de Schweiz u.s. w, jäh, lich nur L ft. LO kr. oder I Thlr. Neunter- Jahr-gang. ^ 13 1. April 184». Rundschreiben Sr. Heiligkeit Papst PinS H. An Unsere ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe und Bischöfe der ganzen katholischen Welt. ^ PiuS IX., Papst. 'Ehrwürdige Brüder! Gruß und apostolischen Segen. Seit Wir, ohne irgenv welch Verdienst, sondern lediglich nach dem unerforschlichen Rathschlusse GotteS auf den erhabenen Stuhl LeS Apostelfürsten erhoben, die Regierung der ganzen Kirche übernommen haben, war es UnS, ehrwürdige Brüher, ein überaus großer Trost, daß Wir wußten, wie unter Unserm Vorgänger Gregor XVI. auf dem ganzen katholischen Erdkreise der glühende Wunsch rege geworden, daß endlich von dem apostolischen Stuhle durch einen feierlichen AuSspruch festgestellt werde, daß die heiligste GotteSgebärerin, unser Aller geliebteste Mutter, die unbefleckte Jungfrau Maria., ohne dll Makel der Erbsünde empfangen worden sey. Dieser wahrhaft fromme Wunsch ist sonnenklar ausgesprochen in den dringendsten Bitten, welche sowohl an Unseren Vorgänger, als an UnS selbst ergangen, und in welchen die ausgezeichnetsten Bischöfe, hochgeachtete Collegiatstifte. die OrdenSfamiliew, besonders der Predigerorden, gleichsam im Wetteifer UnS angingen, daß in der heiligen Liturgie, vorzüglich bei der Präfation in der Messe von der Empfängniß der seligsten Jungfrau, der Ausdruck Immaaulsta (die Unbefleckte) öffentlich und feierlich beigefügt werden dürfe. Diesen Bitten wurde^ von Unserem Vorgänger und UnS auf das Bereitwilligste Gewähr gegeben. Ehrwürdige Brüder! Viele aus Eurer Mitte haben iminer dringender und Inständiger an Unseren Vorgän ger und an UnS sich gewendet, daß Wir eS als Lehrsatz der katholischen Kirche feststellen möchten, die Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria sey unbefleckt und gänzlich frei von jedem Makel der Erbsünde gewesen. Auch fehlte eS in dieser Zeit nicht an Männern, welche, ausgezeichnet an Geist, Tugend, Frömmigkeit und Kenntnissen, in gelehrten und gediegenen Schriften ein solch Helles Licht über diese Frage und diese fromme Meinung verbreitet haben, daß nicht wenige sich gewundert haben, warum der heiligsten Jungfrau von der Kirche und dem apostolischen Stuhle diese Ehre nicht zuerkannt worden, welche die allgemeine Andacht der Gläubigen der heiligen Jungfrau von der Kirche und dem heiligen Stuhle feierlich zuerkannt zu wissen wünscht. Mit großer Freude und Wonne erfüllten UnS diese Wünsche, da UnS selbst, von frühester Jugend an, nichts so lieb und werth war, als mit besonderer, kindlicher Andacht, aus ganzem Herzen die seligste Jungfrau Maria zu verehren und Alles zu fördern, waS ihr zum Lob und Preis gereicht und wodurch ihre Verehrung mehr und mehr verbreitet werden könnte. Darum haben Wir auch von, Anbeginn Unseres PontificatS mit regstem Eifer auf einen Gegend so hoher Wichtigkeit Unsere Sorgen und Gedanken mit Ernst gerichtet, und ohne Unterlaß Unsere demüthigen und glühenden Gebete zu Gott dem Allmächtigen gesendet, damit Er mit dem Lichte seiner himmlischen Gnade UnS erleuchte und Wir erkennen möchten, was in dieser Angelegenheit von UnS zu thun sey. Wir stützen UnS aber vor Allem auf die Hoffnung, daß die seligste Jungfrau, „welche durch die Größe ihrer Verdienste über alle Chöre der Engel bis zum Throne GotteS erhoben worden" (8. 6regc>r. ksp., äs expo8itiono, in lib Reg.), welche mit dem Fuße der Tugend den Kopf der alten Schlange zertreten, und welche, gestellt zwischen Christus und die Kirche (8. Lernsrä 86I-M. in eap. XII. Kpo»aI^p8.), voll der Gnaden und ganz lieblich, allzeit daS christliche Volk aus den drohendsten Gefahren gerettet, den Nachstellungen und Angriffen aller Feinde entrissen und vom Untergänge befreit, auch UnS ihre liebevolle Muttersorge zuwenden, und durch ihre unablässige und überaus mächtige Fürsprache bei Gott erflehen werde, daß er diese so traurigen und beklagenSwerthen Trübsale, diese so bittere Angst uud Noth, die Geißel seines Zornes, welche wir um unserer Sünde willen verdient haben, abwende, und daß Er die furcht« baren Stürme, die allerwärtS zu Unserem tiefsten Schmerze gegen die Kirche sich erheben, bändigen und b rühigen, und Unsere Trauer in Freude verwandeln wolle. Ihr wisset gab wohl', ehrwürdige Brüder, daß all' unser Vertrauen auf die heilige Jungfrau gesetzt ist; denn in Maria hat Gott die Fülle aller Güter niedergelegt, so daß, wenn für uns Hoffnung, Gnade, Heil bereitet, wir wissen mögen, daß eS nur durch Maria vermittelt ist, . . . weil also der Wille Dessen, welcher will, daß wir Alles durch Maria erhalten (8. Illrimrä. in nstivit. 8. Lloriau da ^gnaocluetu). Wir haben nun einige durch Frömmigkeit und theologische Wissenschaft ausgezeichnete Männer des geistlichen Standes, und eine bestimmte Anzahl Unserer ehrwürdigen Brüder, der Cardinäle der heiligen römischen Kirche, hervorragend durch Tugend, Religiosität, Umsicht, Klugheit und Kenntniß der göttlichen Dinge, ausgewählt und ihnen aufgetragen, mit ihrer Klugheit und Wissenschaft diesen so sehr wichtigen Gegenstand nach allen Seiten hin auf daS Sorgfältigste zu erörtern und sodann ihre Ansicht mit möglichster Gründlichkeit UnS kund zu machen. In allem Diesem glaubten Wir in die herrlichen Fußstapsen Unserer Vorgänger einzutreten und ihrem Beispiele nachzufolgen. Wir haben ferner dieses Schreiben an Euch gerichtet, ehrwürdige Brüder, um Eure Frömmigkeit und Eure bischöfliche Sorgfalt auf das Dringendste aufzufordern, daß jeder von Euch in seiner Diöcese nach eigenem Ermessen öffentliche Gebell anordnen und abhalten lalle, damit der gnädige Vater der Lichter daS himmlische Licht seines göttlichen Geistes über Uns auSgieße, durch den Hauch von oben UnS anzuwehen würdige, und Wir einen solchen Entschluß fassen, durch welchen seines NamcnS größere Ehre, daS Lob der seligsten Jungfrau und der Nutzen der streitenden Kirche gefördert würde. Wir wünschen aber auch dringend, daß Ihr in möglichst kurzer Frist UnS Kunde geben möget von der Andacht, welche Euer KleruS und Euer gläubiges Volk gegen die unbefleckte Empfängniß der heiligen Jungfrau hegt, und wie das Verlangen sich kund gebe, daß diese Angelegenheit vom apostolischen Stuhle entschieden werde; besonders möchten Wir aber auch Eure Wünsche in Betreff dieser Sache in Erfahrung bringen. Und wie Wir bereits dem römischen Klerus die Erlaubniß ertheilt haben, die kanonischen Hören von der Empfängniß der seligsten Jungfrau, wie sie erst jüngst zusammengestellt und in Druck gegeben worden, anstatt der im gewöhnlichen Brevier enthaltenen in Gebrauch zu nehmen, so ertheilen Wir Euch, ehrwürdige Brüder durch dieses Schreiben die Vollmacht, dem Klerus Eurer Diöcese dieselbe Erlaubniß zu ertheilen, welche Wir dem römischen Klerus ertheilten, ohne daß eS deßhalb noch einer besonderen Anfrage an UnS oder Unsere Longregstio 8gerorum rituum bedürfte. Wir zweifeln nicht im Geringsten, ehrwürdige Brüder, daß eS Euch bei Eurer besonderen Verehrung gegen die heiligste Jungfrau eine Freude seyn werde, diesen Unseren Wünschen mit aller Sorgfalt und allem Eifer nachzukommen und UnS die nöthige Auskunft balligst zuzusertigen. Für jetzt aber empfanget, als Unterpfand der himmlischen Güter, als besonderen Beweis Meines Wohlwollens gegen Euch, den apostolischen Segen; auS innigstem Herzen ertheilen Wir ihn Euch selbst, ehrwürdige Brüder, und allen Priestern und Laien der Euch anvertrauten Diöcesen. Gegeben zu Gaöta, 2. Februar 1849. Unseres PontificateS im dritten Jahre. PiuS IX. k. k. Fasten-Hirtenbrief de- Hochwürbigsten Herrn Erzbischof- Hermann von Freiburg. (Schluß.) O Stumpfsinn einer so geistig und aufgeklärt seyn wollenden Zeit, in der so Viele die Augen nicht weiter blicken lassen, als auch die Thiere thun, welche die Dinge sehen, aber weder Ursache, noch Grund, noch Hiel und Ende derselben erfassen und verstehen. O Verblendung der Mcn- chen, welche die sichtbaren Dinge, statt zur Verherrlichung Gottes und zum Heil der Seelen, durch Mißbrauch, durch abgöttische Liebe zur Schändung deS heiligsten Namens und zum ewigen Verderben anwenden; darum „seufzen alle Geschöpfe" (Röm. 8, 22.), denn durch den Mißbrauch „werden die irdischen Dinge auS Geschöpfen GotteS zu Gräueln, zur Verführung der Seelen der Menschen, zur Falle den Füßen der Thoren" (Weisheit 14, 11.). O Verhärtung der Herzen, die eS nicht begreifen wollen, daß „die Gottseligkeit zu allen Dingen nütze ist und die Verheißung hat dieses und deö zukünftigen Lebenö" (1. Tim. 4, 5.), daß „die Gerechtigkeit das Volk erhöht, die Sünde aber der Leute Verderben ist" (Sprüchw. 14, 14.), und die es insbesondere nicht fassen, daß die auS Habsucht und Geldgier entsprungene Schändung und Eutheiligung deS Sabbathes und der Feiertage zeitliche und ewige Strafe GotteS über die Frevler herabzieht, denn der Allerhöchste hat eS geboten: „Gedenke, daß du den Sabbath heiligest:" Gott ist ein heiliger und gerechter Gott, ein Eiferer für Sein Gesetz, der Seiner nicht spotten läßt. „Durch die Verstocktheit und dein unbußfertigeS Herz bäufcst du dir Zorn für den Tag deS Zornes und der Offenbarung der gerechten Gerichte GotteS" (Röm. 2, 5.). Geliebtestc! Gerade durch den Abfall so Vieler von dem Geiste deS Christenthums, daS uns die ewigen Güter allein schätzen lehrt, sind viele traurige Erscheinungen unserer Tage zu erklären, die größtentheilS in der Unzufriedenheit Vieler mit der Armuth ihre Quelle haben. Wäre der wahre lebendige Gott, den daS Christenthum verkündet, vielen Armen kein unbekannter geworden, so würden sie das LooS der Armuth nicht nur mit zufriedenem Gemüthe, sondern sogar mit einer gewissen Freudigkeit ertragen, ferne von ihnen blieb der lüsterne Blick nach dem Eigenthume der Andern, und daS Streben, um jeden Preis sich in den Besitz irdischer Güter zu setzen. Durch das Christenthum sind die, welche nach dem Urtheile der Welt die Letzten sind, die ersten geworden. Sind denn nicht die Armen die Erstgebornen der Kirche, wird ihnen nicht vor Allen das Evangelium verkündet (Luk. 4, 18.)? öffnet der Heiland auf dem Berge Seinen göttlichen Mund nicht damit, daß er die Armen selig preißt (Math. 5, 3.)? und sagt nicht der Völkerapostel: „Sehet auf eure Berufung; nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene ..... sondern was Nichts ist (vor der Welt), hat Gott erwählt." „Hat nicht Gott," so fragt der heilige JakobuS, „die Armen in dieser Welt auscrwählt zu Reichen am Glauben und zu Erben des Reiches, Welches Gott denen, die ihn lieben, verheißen hat" (Jak. 2, 5.)? Ja eine erhabene Würde verleihet der Armuth, —der mit demüthigem und frommem Sinn ertragenen Armuth, — die Religion deS ErlöserS, der selbst der ärmste unter den Armen geworden, der — obwohl Gott— „sich! selbst entäußerte, KnechtSgcstalt annahm, sich selbst erniedrigte" (Phil. 2, 7. 8.), der „für die ihm vorgelegte Freude das Kreuz erduldete, die Schmach nicht achtete" (Hcbr. 12, 2.), und von sich sagen konnte: „Die Füchse haben Höhlen, und die Böget deS Himmels haben Nester; aber der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege" (Luk. 9, 58.). Des ErlöserS Bild wiederstrahlet also am herrlichsten in den Armen, Leidenden, Gedrückten. In den irdischen Königreichen gibr es Bevorzugte, die außerordentlicher Rechte und Ehren sich erfreuen, weil sie entweder durch die Geburt, oder durch ihr Amt dem Fürsten näher stehen. Der Glanz der Krone strömet auch auf sie über. Die Kirche ist auch ein Reich, doch nicht von dieser Welt; ihr Herr ist auch ein König; dieses KöuigS Krone ist aber eine Dornenkrone, deren Glanz die Leiden, Peinen, Wunden sind. Der Glanz dieser Krone strahlet daher in denen wieder, die da leiden und dulden. Seitdem der ewige König der Glorie mit der Armuth sich ver- bunden, ist sie geadelt; und deßhalb verheißt daS Evangelium Trost denen, die weinen, Nahrung denen, die hungern, ewige Freude, die leiden. „Wehe aber euch, ihr Reichen, so ruft der Herr aus, denn ihr habt euren Trost; wehe euch, die ihr gesättigt seyd, denn ihr werdet hungern; wehe euch, die ihr jetzt lachet, denn ihr werdet trauern und weinen" (Luk. 6, 24. 25.). Doch, Geliebtestc, dieses „Wehe" gilt nur denen, die Götzendiener ihres Mammons sind; nicht aber denen, die, weil sie Jesum den Armen als ihren Herrn und König anbeten, im Geiste arm sind, die Welt brauchen, als brauchten sie selbe nicht, ihre» Heiland in den armen Brü- dcrn wiedersehen, und in ihnen den Herrn lieben, deßwegen das Herz der Noth der Leidenden nicht verschließen, sondern eingedenk der Worte: „Selig ist, der deS Armen und Dürftigen gedenkt: am Tage deö Unglückes wird ihn erretten der Herr" (Ps. 40, 2.), und „Deine Sünden tilge durch Almosen" (Dan. 4, 11.), und „Selig sind die Barmherzigen, sie werden Barmherzigkeit erlangen" (Matth. 5, 7.), sich durch den falschen Mammon Freunde erwerben, die sie einst aufnehmen in die ewigen Wohnungen" (Luk. 16, 9.). Sehet, Geliebtestc, auch hierin wieder die Würde der Armuth! Durch die den Armen erwiesene Liebe, durch die ihnen gebrachten Opfer wird der Weg zum Himmel gebahnet, denn also wird sprechen der ewige Richter: „Kommet, ihr Gesegnete meines VaterS, besitzet daS Reich, welches seit Grundlegung der Welt euch bereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mich gespeiset; ich war durstig, und ihr habt mich getränket; ich war ein Fremdling, und ihr habt mich beherberget; ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnisse, und ihr seyd zu mir gekommen. — -Wahrlich, sag' ich euch, waS ihr Einem dieser meiner geringsten Brüder getban habt, daS habt ihr mir gethan" (Matth. 25, 34. 35. 36. 40.). ! Sehet, Geliebtestc, wenn der Gott, den das Christenthum verkündigt, bekannt ist, lösen sich die Räthsel des socialen Elendes unserer Zeit. Durch den Geist deS Evangeliums wird der Pauperismus in der Wurzel zerstört. Wie auf der einen Seite Zufriedenheit, stilles, gottergebenes Dulden die Seele deS christlichen Armen schmückt, so erfüllet brüderliche Liebe und Erbarmung die Brust deS christlichen Reichen; und so wird gesteuert der Noth der Besitzlosen, ohne daß ein gewaltsamer Eingriff in daS Eigenthum der Besitzenden gemacht wird. Ein dritter Götze, in dessen Dienste zahllose Menschen zum Untergang ihrer Seelen stehen, ist die Fleisches- und Genußsucht. O furchtbar unersättliche Gier der Feinde des Kreuzes, deren Gott der Bauch ist, o unbeschreibliche Gier nach sinnlichen Genüssen, und daher das Schwinden der alten deutschen Häuslichkeit, deS stillen, so freudenreichen Familienlebens, daher die Weichlichkeit junger kräftiger Leute, die Entwöhnung von anstrengenden Arbeiten, und eine oft völlig entfesselte Schweigern! Wäre euch der wahre lebendige Gott in Seiner unendlichen Liebenswürdigkeit und Heiligkeit bekannt, ihr würdet gewiß euer Herz ihm nicht entziehen, um eS den schnödesten Genüssen zu überantworten, ihr würdet gewiß „eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darbringen" (Röm. 12, 1.), denn „alle die, welche Christi sind, haben ihr Fleisch gekreuzigt sammt den Lastern und Gelüsten" (Gal. 5, 24.) und „lassen die Sünde nicht herrschen in dem sterblichen Leibe" (Röm. 6, 12.) „Die fleischliche Gesinnung ist Feindschaft wider Gott, weil sie sich dem Gesetze Gottes nicht unterwirft; welche fleischlich sind, können Gott nicht gefallen" (Röm. 8, 6 ff.) Gerade hier offenbart sich recht augenscheinlich das neue Heidenlhum: der Abfall von dem lebendigen Gott bringt den menschlichen Geist unter die Herrschaft des Fleisches. Die geistige Auflehnung gegen den Allerhöchsten endet damit, daß Gott solche treulose Geschöpfe „den Lüsten ihres Herzens überläßt, der Unreinigkeit, so daß sie ihre eigenen Leiber schänden" (Röm. 1,24.). Solche werden aberdaö Reich Gottes nicht besitzen" (1.Kor.6,9.). Geliebtestc! Wenn Wir nun viele Menschen solchen eiteln Götzen, als da sind die falsche Weisheit der Welt, die Habsucht, die Fleischeslust, nacheilen sehen — sollten Wir uns da nicht gedrungen fühlen, mit allem Ernst der Seele den unbekannten, aber wahrhaften lebendigen Gott, den Schöpfer, Erlöser und Richter der Welt zu verkünden? Gerade darin liegt ja der Grund, daß sie falsche Götter anbeten, weil der wahre ihnen unbekannt ist. Der Hauptgrund des neuen Heidenthums liegt unstreitig in dem Mangel der religiösen Bildung, der klaren, lebendigen, deutlichen Erkenntniß deS dreieinigcn GotteS, seines heiligen Willens, der Geheimnisse und der Mittel veS Heiles. Solche Erkenntniß ist die erste Pflicht deS Christen. Der Heiland rufet uns zu: „Wer auS Gott ist, höret GotteS Wort" (Joh. 8, 47.). ES ist dem Christenthum grundwesentlich, daß es nicht, wie manche der falschen heidnischen Religionen, irgendwelche Ge- heimnißlehren enthält, die nur bestimmten AuSerwählten zugänglich wären. Nein, ein Jeder ist berufen, zur Erkenntniß der geoffenbarten Wahrheiten und Geheimnisse Gottes zu gelangen. Darin sieht der heilige Paulus die wunderbare, weltumschaffende Kraft deS Christenthums, daß das Geheimniß, welches von Ewigkeit und von Geschlechtern verborgen war, nun geoffenbaret worden ist seinen Heiligen, — welches ist Christus, den wir verkündigen, in dem wir jeden Menschen ermähnen und jeden Menschen mit aller Weisheit lehren, — nach dem Auftrag „daS Wort GotteS vollständig zu verkünden, damit wir jeden Menschen vollkommen in Christo Jesu darstellen" (Col. 1, 25 ff.). Deßhalb bezeugt auch der heilige Apostel in seiner rührenden AbschiedSrede zu MiletuS: „Ich habe mich nicht entzogen, den ganzen Rathschluß Gottes zu verkünden" (Apostelg. 20, 27.). Die Kirche thut dieß für und für, aber wie wenige bemühen sich, die rechte Erkenntniß zu erlangen! Richten die Eltern heute, wie ehedem, noch ihre Hauptsorge dahin, daß ihre Kinder vor Allem eine tüchtige religiöse Bildung bekommen? — Wo ist noch die schöne Sitte, daß Vater und Mutter den Katechismus mit ihren Kindern wiederholen, oder sie prüfen, ob sie der Predigt deS Evangeliums aufmerksam angewohnt, ob sie dieselbe verstanden und beherzigt? Wo ist noch die fromme Sitte, daß die Familie an den gottgeweihten Tagen, ober nach vollbrachter Arbeit sich versammelt, um gemeinschaftlich in religiösen Unterrichts- und ErbauungS- büchern zu lesen? — Wie frühzeitig will die Jugend oft der Christenlehre sich entziehen, wie wenig besucht sind an manchen Orten, namentlich von Jünglingen und Männern, die Predigten! Solche, die den sogenannten gebildeten Ständen angehören wollen, entziehen sich oft gänzlich der religiösen Erkenntniß, und vergessen ganz und gar daS, was sie, vielleicht nothdürftig genug, in der Kindheit gelernt haben. Was Wunder, daß der wahre lebendige Gott vielfältig ein unbekannter geworden ist! Wie nun Vielen der wahre lebendige Gott ein unbekannter ist, weil sie ihn nicht kennen lernen, wie sie doch könnten und sollten, weder ihn, noch seinen Willen, seinen gnadenvollen Rath, noch sein großes Werk für uns und um uns, so ist er Anderen ein unbekannter Gott, weil sie ihn nicht lieben. Die Liebe ist in Vielen erkaltet. Und doch ist eS nur die Liebe, wie sie das Wesen und die Natur GotteS ausmacht, welche Gott, so viel es einem Geschöpfe möglich seyn kann, aufzunehmen, zu fassen, zu begreifen vermag. „Die Liebe ist aus Gott," schreibt der heilige Johannes, „und Jeder, der liebr, ist aus Gott geboren, und kennet Gott. Wer nicht liebt, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1. Joh. 4, 7. 8. 16.). Geliebteste, saget selbst, wenn diese Liebe Gottes die Herzen beseelte, wie könnte man doch so leichtsinnig die Sünden hineinschlürfen wie Wasser, wie könnte man so gleichgiltig von der Sünde sprechen, als wäre sie Nichts, wie könnte man so ruhig und hartnäckig fortleben in der Unbußfertigkeit! Ja, der Mangel der Sehnsucht nach Sündenvergebung, nach gründlicher Reinigung der Seele, nach aufrichtiger Wiederversöhnnng mit dem Vater, den man so schnöde und so undankbar verlassen, zeiget klar und deutlich, daß erkaltet ist die Liebe. Eine solche Höhe hat bereits die Selbstsucht erreicht, daß die Helden der Gottes- und Menschenliebe, die Heiligen, und besonders die Märtyrer, Vielen als Thoren erscheinen! So sind denn, Geliebteste, die Lässigkeit in der Erkenntniß der Wahrheit und die Erkaltung der Liebe offenbar die Hauptguellen der Erscheinung, daß Gott ein unbekannter geworden ist, daher denn auch die Erscheinung, daß selbst dann, wenn Gott durch außerordentliche Weltbegebenheiten sich kund gibt, Sein Walten geläugnet wird, daß die Menschen sehen und hören, aber nicht verstehen, daß sie den Finger GotteS nirgends mehr erkennen wollen, ob er auch noch so deutlich sich zeige, noch so stcht- barlich über die Völker fahre, und sie die Hand des Herrn nicht fühlen, wenn sie auch über ihnen schwebt! Geliebteste! Höret in dieser heiligen Fastenzeit den Mahnruf deS heiligen Apostels: „Dieses sage ich denn und beschwöre euch im Herrn, daß ihr nicht mehr wandelt, wie auch die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, deren Verstand mit Finsterniß verdunkelt ist, die entfremdet sind dem Leben GotteS durch die Unwissenheit, die in ihnen ist durch die Blindheit ihres Herzens ..... ihr aber habt Christum nicht so kennen gelernt," — ja wahrlich, sondern als den lebendigen Sohn GotteS, der die Reichthümer der Weisheit, der Erbarmung, der Treue und Zuverlässigkeit, der Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Güter der zukünftigen Welt, die Hoffnungen und Schrecken der Ewigkeit euch gelehrt hat, — „wenn ihr anders ihn gehört, und euch durch ihn belehren ließet, so wie die Wahrheit in Jesu ist: daß ihr in Ansehung deS vorigen Wandels ableget den alten Menschen, der durch des Irrthums Gelüste verderbt wird. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüthes, und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit" (Ephes. 4, 17 ff). Durch würdigen Empfang der heiligen Sacramente erneuert, lasset Euch hinfüro nimmer besiegen von dem Reize der Sünde! Kämpfet den guten Kampf der Heiligen! „Ergreifet die Waffcnrüstung Gottes, damit Ihr in diesen bösen Tagen widerstehen und in Allem unbesiegt daS Feld erhalten könnet. Stehet, die Lenden umgürtet mit der Wahrheit und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuhet, bereit das Evangelium deS Heiles zu verkünden. Vor Allem aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurigen Pfeile deS Bösewichtes. Nehmet auch den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes, welches GotteS Wort ist. Mit allem Gebet und Flehen betet zn aller Zeit (Ephes. 6, 13 ff.ff. Ja, Geliebteste, harret aus im Gebete, gestützt aus die Verdienste Jesu Christi, vertrauend auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, deren liebendes Herz in Barmherzigkeit zu uns sich neiget und am Throne Gottes für unS Alle fleht. Betet, kämpfet, überwindet, sieget! Bedenket eS wohl, daß die Tage des irdischen Lebens schnell und unwiederbringlich vorübergehen, und daß ihr bald stehet an der Pforte der Ewigkeit. Für eine glückselige Ewigkeit seyd ihr erschaffen, sie ist euer Ziel und Ende! Wehe euch, wenn ihr dieß Ziel und Ende nicht erreichet: ewige Strafe ist alsdann euer LooS. Darum rufen Wir noch einmal mit väterlicher Stimme: betet, kämpfet, überwindet, sieget! „Wer überwindet, dessen Name wird der Herr nicht austilgen aus dem Buche deS Lebens, sondern ihn bekennen vor dem Vater und seinen Engeln" (Matth. 10, 32. Apok. 3, 5.). Gegeben Freiburg, am Feste Mariä Lichtmeß, den 2. Febr. 1849. -f Hermann, Erzbischof von Freiburg. Sammlung für den heiligen Bater. Das Ordinariat des ErzdiSthuniS München nnd Frei sing ic. Der heiße Wunsch aller treuen Kinder der katholischen Kirche, daß der allmächtige Gott die dermalige traurige Lage unseres heiligen Vaters, des Papstes PiuS IX., erleichtern und die Tage seiner Trübsal abkürzen möchte, ist bisher nicht in Erfüllung gegangen. Unser theureö Kirchen« Oberhaupt befindet sich noch immer, von Seinem apostolischen Stuhle vertrieben und von den Quellen entfernt, aus welchen die nöthigen Mittel zu Seinem Lebensunterhalte sowohl, als zur Führung der Geschäfte der obersten kirchlichen Verwaltung fließen sollten, in einer für Seine geheiligte Person höchst drückenden, Seine Wirksamkeit für daS Wohl der Kirche beeugencen Verbannung. Ja der oberste Hirt der Heerde Christi muß eS geschehen lassen, daß die zur Förderung frommer und religiöser Zwecke bestimmten und unentbehrlichen Mittel in der Hauptstadt der Christenheit selbst von Seinen nnd unseren Feinden zum Verderben der Kirche mißbraucht und vergeudet und daß die großartigen Anstalten und Fonde, an deren Erhaltung jedem Gläubigen unendlich viel gelegen seyn muß, zerstört oder so erschöpft werden, daß auch bei einem, so Gott will, baldigen glücklichen Umschwünge der Dinge alle äußere» Kräfte zur Wiederherstellung der Ordnung und Wohlfahrt im Kirchenstaate »nv zur geregelten Führung des allgemeinen KirchenrcgimenlcS auf lange Zeit gelähmt bleiben müssen, indem da, wo jetzt nur Noth und Elend gesäet wird, ein besserer Zustand nicht anders als mit großen Opfern wieder herbeigeführt werden kann. Welchen Gläubigen wird bei dieser Lage des heiligen Vaters nicht der lebhafte Wunsch beseelen, dem verfolgten Kirchenfürsten nicht nur mit seinem Gebete, sondern auch werkthätig beispringen zu könne»? Der Einzelne vermag dieses freilich nicht. Aber wenn wir, von unserem Glauben begeistert und von christlicher Liebe durchdrungen, unsere Kräfte vereinigen, so mag unS die Freude zu Theil werden, daß unsere mit kindlichem Herzxn dargebrachten gemeinsamen Opfer den großen Dulder doch erfreuen und in Seinen Leiden trösten und stärken werden, wenn sie Ihm auch nicht zur Hebung derselben behilflich und dazu nicht hinreichend seyn können, um daS, waS die ZerstörungSwnth Ihm und der Kirche jetzt raubt und vernichtet, sogleich wieder herzustellen. — Helfen wir, soviel wir eS vermögen, dann dürfen wir um so zuversichtlicher auch auf GotteS allmächtige Hilfe vertrauen! Aus besonderem Auftrage Sr. Erzbischöflichen Ercellenz ergeht daher an sämmtliche Herren Pfarrer und in der Scelsorge angestellte Priester der Erzdiöcese hiermit die oberhirtliche Weisung, diese Lage deS heiligen VaterS, welche in der nachfolgenden Erklärung deS Päpstlichen Pro-StaatS- SecretärS CardinalS Antonelli vom 18. v. MtS. umständlich geschildert ist, am künftigen Öfter-Sonntage bei dem pfarrlichen Gottesdienste den Pfarrgenossen und Gläubigen klar, einfach und beweglich darzustellen, und sie zur Spendung milder Gaben für unsern bedrängten obersten Hirten, den Stellvertreter Christi auf Erden, mit dem Beisätze zu ermuntern, daß der allgütige Golt gewiß auch daS kleinste Schärflein seiner edlen Bestim- mung wegen wohlgefällig aufnehmen und tausendfach segnen werde. — Die wirkliche Vornahme der Sammlung hat sofort am Ostermontage oder am weißen Sonntage zu geschehen, und eS sind auch alle Gaben, die außer der Kirche gespendet werden wollen, bereitwillig und mit Dank anzunehmen. Von dem DiöcesankleruS, welcher seine treue Anhänglichkeit an die Kirche und seinen Wohlthätigkeitssinn schon so oft auf daS Entschiedenste an den Tag gelegt hat, erwarten Se. Erzbischöfliche Ercellenz, daß derselbe den übrigen Gläubigen auch hier mit einem guten Beispiele voranleuchten werde. Sämmtliche Gaben sind von den Herren Pfarrern möglichst bald an die Decanals-Vorstände und von diesen unverzüglich hierher zu senden. DaS Gesammtergebniß wird seiner Zeit amtlich bekannt gemacht werden. Wenn, wie zu hoffen ist, alle Katholiken — BayernS nicht nur, sondern unseres ganzen deutschen Vaterlandes — zu gleichen Aeußerungen der kindlichen Liebe gegen den heiligen Vater sich vereinigen, in welchen uns andere Länder theils schon vorausgegangen sind, theils sicher noch nachfolgen werden, so wird unser Bemühen, die gegenwärtigen Drangsale deS großen DulvcrS einiger Massen zu mildern und Seinen Blick in die Zukunft zu erheitern, auch dem materiellen Erfolge nach nicht ganz vergeblich seyn. München den 90. März 1849. Dr. Mart. v. Dentinger, Domprobst. I. B. Grund! er, Secretär. Sendschreiben des katholischen Central-VereineS der Pfalz an den PiuS- Verein zu Augsburg. Theuere Mitbürger, Katholische Brüder! Dieß ist die katholische Einheit. Sie hat hienieden keine Schranken, als die dem Erdkreise selbst gesetzt sind. Von den Vogesen und dem Rheine geht sie bis zum Lech und den Alpen, und über die Berge schreitet sie weiter zu dem hl. Stuhle deS Apostelfürsten zu Rom, von wo, als dem rechten Mittelpuncte, sie ihr heiliges, selbst mit der Ewigkeit verknüpftes Band um das ganze weite Erdenrund schlingt, das Band der heiligsten Liebe, der ächten Brüderlichkeit, welches weder der unwirthbare Sand der Wüste, noch daS unwegsamste Gebirge, noch des Weltmeeres surchtbare Gewalten abzuschütteln oder zu zerreißen vermögen. Ja! In der katholischen Einheit ist daS wahre Weltbürgerthum, welches alle Geschlechter der Erde in ihrer wahren Gleichheit umfaßt, um sie alle dem gleichen, einen, großen Ziele deS Jenseits entgegen zu führen. Welch eine Fülle deS Glücks, in dieser Einheit als ein lebendiges Glied eingereiht zu seyn! Welch ein Hort, sich ein treues, gehorsames Kind der herrlichsten Mutter, der römisch-katholisch- apostolischen Kirche nennen zu dürfen! DaS waren unser Aller Gedanken, als wir Euer erhebendes Sendschreiben, welches Ihr am Tage des heiligen Märtyrers Sebastian jüngsthin an uns gerichtet, mit tiefbewegtem Herzen empfingen. Wenn ein Glied leidet, leiden Alle. Ihr habt eS getreu bewiesen. Gesegnet sey Eure Bruderlieb.-! Gesegnet sey der Samen, welchen Ihr in unsere Herzen gestreut durch die Worte, die Ihr zu uns frei und entschieden gesprochen, wie eS freien Männern gebührt. Vergelt' Euch Gott den reichen Trost, welchen Ihr uns durch Euren brüderlichen Zuruf in diesen Tagen deS KampsiS und der Mühsal gespendet. Wähnet nicht, daß diese Gefühle freudigen DankeS nicht die lautersten, daß der gebotene Trost nicht der erquicklichste gewesen sey, weil wir so lange mit dieser Antwort gezögert. AIS Euere Brudcrworte zum Rheine herübertönten, hallten sie erst noch in zerstreuten Herzen wider, welche noch keine Einigung gefunden zu den großen Aufgaben, deren Lösung vor Allem in und durch die Kirche der ernste Gang der Geschichte mit lautem Mahnrufe von dem lebenden Geschlechte heischt. Jetzt aber sind bereits in unserer Heimath katholische Vereine erstanden, und sie sind mit einem KreiSausschuffe in organische Verbindung getreten, welcher sich in der Hauptstadt der Pfalz, zu Speyer, wo der Bischofsstuhl unserer Diärese steht, gebildet hat. Im Namen dieser Vereine statten wir Euch nunmehr vor Allem unsern treuen Dank ab für den brüderlichen Zuspruch, mit welchem Ihr uns in so ernster Zeit erfreut habt. Im Namen dieser Vereine erklären wir sodann, daß wir mit Euch gegen jede Unterdrückung protestiren, welche unsere wohlerworbenen Rechte als Katholiken anzutasten unternimmt. Wir erklären, daß wir fest entschlossen sind, mit Euch und allen anderen Vereinen gleichen StrebenS im engern und weitern deutschen Vaterlande alle gesetzmäßigen Mittel anzuwenden, um unser gutes Recht» um unsere volle Freiheit und Unabhängigkeit in Sachen der Religion und Kirche zu wahren. Wir erkennen mit Euch, daß eS unser höchstes Recht und unsere höchste Freiheit ist, ganz katholisch zu seyn, wie es die heilige Kirche ist und will — ganz und vollständig, ohne Abzug und ohne Zuthat. Wir erklären endlich, daß wir mit Euch fest und unverbrüchlich daran halten, auch für alle Andersgläubigen gleiches Recht und gleiche Freiheit im Vollmaaße gelten zu lassen, wie wir selbst sie im Vollmaaße unverkürzt zu genießen gesonnen sind. Wenn Ihr dazu am Schlüsse Eueres uns so theuern Sendschreibens uns darauf aufmerksam macht, daß wo wir einem unserer Rechte daS Geringste vergeben, wir sicher alle gefährden werden, so seyd überzeugt, daß diese Wahrheit tief in unseren Herzen eingeschrieben steht.— Von diesem Gesichtspunkte ausgehend erkennen wir auch,die OggerSheimer Klosterfrage in ihrer vollen Bedeutung. Zeuge davon die zahlreichen mit lausenden von Unterschriften versehenen Adressen, welche an den Thron gelangten. Nicht ein Haar breit darf die katholische Kirche in der Pfalz hier ablassen von ihrem rechtmäßigen Besitze, welcher ihr durch die bayerische Landesverfassung gewährleistet und obendrein nun durch daS Grundrecht der freien Association bestätigt ist. Wir fordern die Unantastbarkeit der bestehenden kirchlichen Institute, wir fordern daS Recht der freien Association, wie wir eö jeder politischen Partei zugestehen, auch für die Kirche, und diese Forderung muß geachtet, sie muß erfüllt werden. Maßnabmen, welche jeden verfassungsmäßigen Bodens entbehren, wie solche bereits versucht worden sind, oder noch versucht werden könnten, werten uns in unserm Rechte nicht beirren. Lasset auch Ihr Euch nicht durch solche beirren. Wenn wir zusammenstehen — wie wir thun — und unser Recht, unser gutes Recht entschieden und rücksichtslos vertreten — wie wir fest entschlossen sind — wer wird eS wagen, dasselbe anzutasten? Katholische Brüder! Empfangt mit unserm wärmsten Danke unseren Brudergruß. Empfanget die innigsten Wünsche für daS segensreiche Gedeihen Eueres VereineS. Bleibet unS zur Seite, wie wir Euch nicht verlassen werden. Dann lasset den Sturm der Zeiten hereinbrechen, lasset die Wcrkleute der Zerstörung und Zersetzung, wie sie'S nach Zulassung der göttlichen Vorsehung vermögen, vollenden, waS sie im furchtbaren Wahne begonnen, lasset daS Elend durch Europa schreiten mit noch nie gesehenem Grausen — wir werden vereint im heiligen Glauben und in der thätigen Liebe unverzagt, unverdrossen bauen an dem großen Werke der Wiedergeburt unsers theuern Vaterlandes in Staat und Kirche, wenn auch erst die Söhne in daS stattliche HauS des neuen GotteS- und Weltfriedens einzugehen gewürdigt sind Ja! Gott selbst hat unS zu diesem Werke berufen. AIS wackere, unermüdliche Bauleute wollen wir daran selbst unser Leben setzen, unablässig unS zumahnend: Wachet, betet, arbeitet! Gott mit uns! Wer ist dann wider uns? Speyer, Mitfasten 1849. Der katholische Central-Verein der Pfalz, v. EmontS, Vorsitzender. Deutschland. Augsburg. Zum dritten Male lieSt man in den Annoncen der AugSburger allgemeinen Zeitung die Ankündigung eines Original-WerkeS über die Liguorianer von einem Johannes Nordmann. Dieser entweder fingirte oder ganz obscure Name fällt mit einer wahren Berscrkerwuth über genannten Orden her, so daß auch der einfachste Verstand fragen muß: ist eS möglich, daß ein und derselbe Orden so gottlos, so verschmitzt und dabei so unvorsichtig und dumm seyn kann, daß er die Urkunden über sein entsetzliches Treiben so zu sagen selber authentisch ausstellt? — Ohne Zweifel ist jener Johannes Nordmann ein etwas amplificirter Ableger deS berühmten HanS Nord im vorigen Jahrhundert. Der letztere kündigte nämlich feierlich in allen Zeitungen an, daß er mit Haut und Haar, mit Leid und Seele in einen Krug, der, wie Jedermann sehen könne, in gar keinem Verhältnisse zu seiner (des Hans Nord) Körpergröße stehe, kriechen werde. Die berühmtesten Professoren bewiesen aus Gründen der Physik, wie Gelle« gar schön beschreibt, daß HanS Nord unmöglich Raum im Kruge habe. Allein sie kamen doch angefahren und das übrige Publicum strömte ebenfalls herbei; die Casse hatte vollauf zu thun, der Saal füllte sich ganz und Alles staunte den kleinen Krug an. Lange wartete daS Publicum, sich in Hypothesen erschöpfend. Inzwischen war HanS Nord mit der Casse verschwunden, der Krug blieb leer stehen und in welchem Krug er sich geborgen, konnte man nicht erfahren. Professoren und Publicum zogen ab, jene froh, baß ihre Beweise nicht widerlegt worden, dieses spottend über seine eigene Dummheit. — So wird eö bei diesem Großhans ebenfalls ablaufen: ist die elende Speculation auf die Dummheit eines gewissen PublicumS gelungen, so wird er sich mit dem Gelde davon machen und die 011a pvtricka zum Begaffen u. s. w. zurücklassen. Johannes Nordmann stellt nämlich 30 Bogen Druckpapier in Aassicht, gefüllt mit Scheußlichkeiten aller Art, läßt pränumeriren, wie HanS Nord, und daS Publicum das Ungeheure suchen, indeß er ihm die Tasche erleichtert und sich selbst unsichtbar gemacht hat. Die AugSburger allgemeine Zeitung mag sich damit entschuldigen, daß Annoncen Handelsartikel seyen und daß man ihr also über NordmannS Pöbelhaftigkeit keine Vorwürfe machen dürfe. Aber dann muß ich die AugSburger allgemeine Zeitung richten, wie man den Schalk am besten richtet, nämlich auS seinen eigenen Worten. Ich laS einst die würdige und ruhige Vertheidigung eines angegriffenen Mannes, welche er auf seine Kosten, also als Annonce, in die AugSburger allgemeine Zeitung einrücken lassen wollte. Allein diese nahm die Sache nicht auf, weil sie nirgends auf dem konfessionellen Gebiete anstoßen wolle. Hiemit war der Mann ab und zur Ruhe gewiesen; jetzt aber wundert er sich über diese Consequenz und Parteilosigkeit der Allgemeinen. — Doch gegen Katholiken iß Alles erlaubt; sie nehmen eö ja hin und zahlen ihre und ihrer edelsten Glieder Mißhandlung noch mit schwerem Gelde. Eine himmelschreiende Liberalität! (Neue Sion ) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.