PrciS in Augsburg isir sich allein (chnc A Pcsiztitung)jL>irlich z fl. I4kr. Durch die Posi kaun dieses Wcchenblatt nur vcn Abonnenten der Post- zeirung bezogen werden, und erhöht sich der Breis nach Verhältniß der Entfernung. onntags-Deiblatt zur Augsburger Postzeitung Für sich allein, ohne die Augsburger Post« zeilung, sind diese Blätter nur im Weg« de« Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u. s. w. jährlich nur I fl. Lttkr. oder I Hhlr Neunter Jahrgang. M' 14 t. 8. April Christliche Märzerrungenschaften. * Man thut sich allwärts auf die politischen Märzcrrungenschaften dcS Jahres nach Christi unsers Herrn und Heilands Geburt 1848 viel zu Gutem; allein der Christ kennt viel ältere Märzcrrungenschaften, sie datiren bis aus 1816 Jahre zurück, denn im 33stcn Jahre uach Christi Geburt und, wie die Chronologisten übereinstimmen, im März jenes Jahres fand die Kreuzigung Jesu Christi statt. Betrachten wir kurz, was uuö dieser Kreuzestod gebracht hat. Er brachte uns Versöhnung mit dem Vater unseres himmlischen Vaterlandes. — Er brachte uns Freiheit, Freiheit von dem ewigen Tod der Sünde, Freiheit von der Knechtschaft der Sünde. — Er brachte unS SicgeSkraft, um die Pforten der Holle zu überwältigen, indem wir dem Fürsten dieser Welt, dem Geist der Lüge und des falschen Lichtes, nun das Kreuz auf den empörerischen Nacken setzen und ihm zurufen können: „in Iwe signo vineimus!" — Er brachte uns allgemeine Amnestie, väterliche Wiederaufnahme in das Reich und die Anwartschaft auf selige Sitze in demselben. — Er brachte unS neben der Freiheit auch Gleichheit, indem er uns Alle zu Kindern GotteS machte und uns die Schlüssel in die Hand gab, um als Erben in das himmlische Reich eingehen zu können; er brachte die Gleichberechtigung Aller vor der ewigen Mujcstät Gottes, und die Last, die Allen aufgelegt wird, so sie eingehen wollen in das Reich, ist für Alle gleich, ist das Kreuz. — lind indem wir Alle zu Kindern desselben VaterS wurden, sind wir auch Alle Bruder in Christo Jesu geworden und haben Alle, Große und Kleine, Reiche und Arme, Alte und Junge, gleichen Antheil am ewigen? Leben, gleichen Zutritt zum Tische des Herrn, zur Kirche des Herrn;! Er, indem Er Sich uns fortwähreiw aufopfert und hingibt, ist unser! gemeinsames Gut. Und so hat uns jener März in der That die höchstes Freiheit und Gleichheit, die stärkste Verbrüderung und die reinste j Gütergemeinschaft gebracht! Und indem das Christenthum sich rasch, getragen durch die Tugenden und genährt durch das Martyiblut seiner Bekenner, über alle Läiwer und Völker hin verbreitete, ergoß eS sich wie ein himmlischer Lichtstrom über die Welt, vertrieb die Nacht des Heidenlhums, überwältigte die Finsterniß des Aberglaubens, schärfte den Verftanv, erleuchtete die Vernunft, veredelte das menschliche Wesen, bändigte die Leidenschaften, milderte rohch Sitte und Lebensart, förderte Wissenschaft und Kunst, adelte das mensch- ! liche Zusammensetzn, segnete daS menschliche Wirken, kurz, dieser mächtige! Lichtstrom überwältigte siegreich die Finsterniß, den Aberglauben, die Gei- steSknechtschaft, die Verdummung; es lehrte, den Feind lieben und Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten, eS lehrte die vollkommene Freiheit des menschlichen Geistes und Willens, so daß Gottes Allmacht ihn nicht brechen, sondern bloß Seine Gnade und Liebe ihn zu Sich anlocken will, — eS lehrte die Gleichheit Aller vor Gott und daß! vor Ihm kein Ansehen der Person sey; — eS stellte den König und den! Vertier gleich in der Kirche und im heiligen Kreis der Sacramente und Segnungen; kurz eS brachte und lehrte Licht, Freiheit, Gleichberechtigung. Weltkind der gegenwärtigen sinnverwirrten und gotteSflüchtigen Zeit, öffne Dein fieberkrankes Auge und sieh den Glanz und die Macht dieser Errungenschaften, welche schon da waren und den Erdball erfüllt und neugestaltet hatten, bevor Du nock im Mutterleibe so blind warst, als Du es nun geistiger Weise außer demselben bist! Wie, Du könntest! Licht, Fortschritt, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit haben und Dir! dabei den Himmel auf Erden bereiten und den ewigen Himmel ver-! dienen und Du haschest in wilder Hast und wcltblinder Gier nach einer! anderen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die Dich eben dem sicheren Verderben zuführt, da sie Dir, als armes, getäuschtes Geschlecht! Knechtschaft der Meinungen und Tyrannei der Bösen, allgemeines Elend und gänzliche Zerrissenheit bringt? Hättest Du, o thörichte Zeit, jene uralten Errungenschaften erkannt tz»d umfaßt, Du hättest der jetzigen nicht bedurft, jg Du wärest damit — verschont geblieben! Charwoche 1849. CaruS. Der Vorort des katholischen VereinS Deutschlands an die sämmtlichen Einzelvereine. Auf vaS nach Beschluß der ersten allgemeinen Versammlung (Vl. 4.) an Se. bischöflichen Gnaden den Hochwürdigsten Herrn apostolischen Vicar Laurent von Luremburg entsendete Schreiben haben Hochdiesclben den Vorort mit der unten stehenden Antwort beehrt. Leider ist noch nicht, wie damals die Versammlung meinte, die Rückkehr deS geliebten Oberhirten in seine Diöcese erfolgt, unv es haben ohne Zweifel die Verwirrungen in Rom auch die ersehnte Lösung dieser Angelegenheit verzögert. Die Mitglieder des katholischen Vereins Deutschlands werden mit Freude und Erbauung die belehrenden Worte deS Hochwürdigsten Herrn Bischofs lese» und nicht aufhören, Gott zu bitten, daß er den eifrigen Seelenhirtcn bald wieder seinen Gläubigen zurückfuhren möge. Mainz, den 4. März 1849. Der Vorsitzende: Lennig. Der Schriftführer Moser. * Euer Hochwürden haben im Namen und Auftrage der zu Mainz versammelten Abgeordneten der katholischen Vereine Deutschlands unterm 6. Oclober d. I. eine Zuschrift an mich erlassen, worin dieselben mir ihre Anerkennung auSsprechen für meine Verwaltung deS Apostolischen Vicaria- tes Luremburg, und ihre Theilnahme bezeigen, sowohl an meiner, durch falsche Anklagen unv grundlose Beschwerden der weltlichen Regierung beim heiligen Stuhle erwirkten Abberufung von dieser Verwaltung, als an der mir vom heiligen Vater zugefügten Rückkehr in meinen Sprengel. Als Gründer nämlich eines katholischen GcsammtvereinS, der eö sich zum Zwecke gesetzt hat, die Freiheit unserer heiligen Kirche allerwärts in Deutschland zu erringen unv zu wahren, haben die ehrcnwerthen Abgeordneten der einzelnen katholischen Vereine gemeint, auch dem Wirken, Kämpfen und Leiden eines der geringsten Kirchcnhirten an der südwestlichen Gränze dcS Vaterlandes ihre wohlwollende Aufmerksamkeit zuwenden zu sollen. Obwohl nun die geringen Dienste, welche ich der heiligen Kirche in meinem beschränkten Kreise unter mannichfaltigcn Hemmungen mit meinen schwachen Kräften habe leisten können, mich einer so ehrenvollen Beachtung noch nicht würdig gemacht haben, so kann ich doch nicht umhin, über diesen Beweis katholischer Glaubensthätigkeit meine dankbarste Freude zu äußern. Mit den Gläubigen des Luremburger Landes, die stets mit treuem Sinne zu ihrem Hirten gehalten, muß ich in jener offenen Kundgebung unserer Glaubens- und StammeSgenoffen einen kräftigen Beistand erkennen wider einen doppelten Feind, der in jenem deutschen Gränzgcbiete, wie in allen deutschen Landen und i» schier allen europäischen Staaten, Religion und VolkSthum gleich Kart anficht. Dieser Feind sind einerseits jene wirklichen oder künftigen StaatSdiener, die nicht zufrieden mit der Pflege der Gerechtigkeit und Sorge für die öffentliche Sicherheit, welche der Staatsmacht obliegen und zustehen, ihr auch die Ueberwachung deS Gottesdienstes, den Unterricht der Jugend, die ausschließliche Uebung der öffentlichen Wohlthätigkeit zuweisen und vorbehalten, obwohl Liese geistigen und sittlichen Bedürfnisse der Gesellschaft nur von einer mit göttlicher Sendung und Befähigung ausgestatteten Macht besorgt und befriedigt werden können; andererseits sind cS jene vorgeblichen Volksfreunde, die zwar für sich alle Willkür zum Bösen und Schlechten uiuer dem Namen der Freiheit gebieterisch fordern, unS aber die einzig wahre Freiheit, die zum Guten, die des christlichen Glaubens und Lebens, hartnäckig verweigern, obwohl diese Freiheit sich zu allem VolkSwohle keineswegs hinderlich, vielmehr nur förderlich ja durchaus erforderlich beweiset. Freilich sind jene Staalsbiencr und diese Volköfreunde in vielen Meinungen und Bestrebungen weit von einander entfernt, ja einander gerade entgegengesetzt: allein beide nur von irdischen Gesinnungen ausgehend und nur zeitliche Zwecke verfolgend, sind sie wider die Kirche Gottes und deren Ordnung und Wirksamkeit immer einverstanden und zusammenhaltend, und sowohl die schrankenloseste Ausgelassenheit wie die eingeschränkteste Gebundenheit im bürgerlichen Leben wollen für die Kirche nur Druck und Schmach, oder gar Tod und Verderben. Wären wir in Deutschland nicht auch schon w früh zu dieser schmerzlichen Erfahrung gelangt, sie hätte sich uns in diesen Wochen aufdrängen müssen von dem Mutterlande der Kirche her, wo der allgemeine Vater der Christenheit aus seinem Gottgcgründeten Sitze hinausgedrängt worden von seinen ehr- und treulosen Unterthanen, die für die ungezügelteste Freiheit und hoffähigste Volksthümlichkeit schwärmen, wie Er vor vierzig Jahren von dem übermüthigen und undankbaren Inhaber der schrankenlosesten Gewalt von eben diesem seinem Sitze weggeschleppt ward. Gott wird die frechen Empörer schlagen, wie er den stolzen Eroberer geschlagen hat. Wir Kinder der Kirche aber vermögen dem geschlossenen Reiche des Bösen, dem die Kinder dieser Welt angehören, nur in geschlossener Einigung zu widerstehen, und daS Jahr, wo die deutschen Katholiken, von den sich aufdrängenden Befreiern eben so schmählich verrathen, wie von den Dienern der zurückgedrängten Herren mißhandelt, die Nothwendigkeit einsahen, wie Ein Mann sich zu erheben und zusammen zu stehen, um ihr gutes Recht und heiliges Gut wider Willkür und Gewaltthat zu schützen, dieß Jahr wird hoffentlich der Anfang einer bessern Zeit und der wahren Freiheit für unS alle seyn. Doch nicht für uns allein, sondern auch für die Anderen. Die Völker ringen nach Freiheit, und Deutschland strebt nach Einheit; aber nur daS Heil kann befreien und nur die Wahrheit kann einigen, und Wahrheit und Heil sind nur da, wo Gott sie den Menschen hinterlegt hat, im Schooße Seiner Kirche. Ohne allgemeine Rückkehr zu dieser Kirche, ohne allgemeine Anerkennung ihrer Wahrheit und Annahme ihres Heiles, ist weder in Deutschland noch sonst wo in der Welt Freiheit und Wohlfahrt, ist weder unter den deutschen Stämmen, noch unter den Völkern deS Erdkreises Einheit und Friede möglich. Die Erkenntniß dieser Wahrheit und den Gebrauch dieses Heiles zu verbreiten und herzustellen, so weit sein Wirkungskreis reicht, daö ist die Aufgabe des katholischen NcreinS, der sich in diesem Jahre in unserm zerrissenen Vaterlande gebildet hat. Der, welcher den Sinn und Muth zu solchem Unternehmen verliehen, wird demselben auch seinen mächtigsten Schutz und Segen nicht versagen. Ist Er doch am heutigen Tage gekommen „aus der Höhe und hat uns heimgesucht, um zu erleuchten, die in Finsterniß und im Schatten deS Todes saßen, und zu leiten unsere Füße auf den Weg deS FriedenS." DaS ist mein Wunsch und mein Gebet, die ich nicht nachlassen will dem Herrn darzubringen, während ich Euer Hochwürden bitte, für Sie und die sämmtlichen verehrten Abgeordneten der katholischen Vereine Deutschlands und alle deren Mitglieder den Ausdruck meiner tiefen Hochachtung und warmen Ergebenheir zu empfangen. Aachen, Weihnachten 1848. 7 Johannes Theodor Laurcnt , Bischof». Chersoncs, Ap. Vic. v. Lur. An Seine Hochwürden Herrn Donieapitular Lennig, d. Z. Vorsitzender deS PiuS-VereinS zu Mainz, ersten Vororts der katholischen Vereine Deutschlands. Das Klerikalsenrinar in Strastbnrg. Unser Seminar ist an daS hohe Münster angebaut und bildet mit dem daranstoßendcn Lyceum ein ganzes Ouadrat von ungefähr 200 Fuß. DaS Seminar allein besteht auS einem Viereck, dessen eine Seite jedoch von einem mit einem Dach versehenen Holzlager eingeschlossen ist. Das Gebäude hat fünf Stockwerke. Im untern Stock ist die CapeUe, der Speisesaal, die Küche uiid die Hörsäle, welche alle mit Sandsteinen geplättet sind. Im zweiten Stock (ontresol) wohnen die Köche und deren Gehilfen. Daselbst sind auch einige Fremdenzimmer, so wie noch einige andere Zimmer, welche leer stehen. Im dritten Stock wohnen der Superior, einige -Professoren und wir 130 Seminaristen, die wir zur Winterszeit in zwei Studirsälen arbeiten. Den Sommer hindurch studirt Jeder auf seinem Zimmer. Im vierten Stock wohnen der Director,- zwei Professoren und 1 Seminaristen; im fünften Stock zwei Professoren und Seminaristen. Auch unter dem Dachstuhl wohnen Seminaristen. AuS dem ersten CurS haben j immer je zwei Seminaristen ein Zimmer, von dem zweiten, dritten und ! vierten CurS hat Jedweder ein Zimmer allein. Jeder Seminarist besorgt > sich sein Zimmer selbst und reinigt auch selber sein Schuhwerk. Wie man sich selber bedient, so hat man es. Unsere Capelle ist einfach, aber recht schön; Speisesaal und Studirsäle sind geräumig und angenehm. Die bau- ^ liche Einrichtung läßt kaum etwas zu wünschen übrig. Was die Lebens- und Hausordnung betrifft, so gibt jeden Morgen um fünf Uhr ein Seminarist mit der Glocke das Zeichen zum Aufstehen. Sogleich zündet dann einer der Hausbedienten auf den verschiedenen Zimmern die Lichter an und weckt Solche, die etwa den Ruf der Glocke überhört haben sollten. Um halb sechs Uhr schallt es zur Versammlung im Studirsaale, wo gemeinsames Morgengebet stattfindet. Dieses wird abwechselnd von einem Seminaristen gehalten. Nach dem Gebet, nämlich um Uhr hält der Director eine Homilie. Um 6 Uhr wohnen wir in der Capelle der heiligen Messe bei, welche der Superior liest. Nach der heiligen Messe ist Studium bis halb 8 Uhr. Hierauf gehl eS zum Frühstück, welches in einer Suppe besteht. Gleich nachher besorgt Jeder sein Zimmer. Von 8 bis 10 Uhr ist Dogmatik; von 10 bis 11^ Uhr Privakstudium. Um 11^/) Uhr ist Besuch des allcrheiligsten AltarS- saeramcntö, und um 12 Uhr Mittagessen. Während dem Mittagessen muß ein Seminarist predigen; nur zwei Mal wöchentlich wird vorgelesen. Dieses öftere Predigen macht es möglich, daß alle Seminaristen daran kommen; sonst wäre diese wichtige Uebung nicht genugsam bedacht. Bei Tische bedienen acht Seminansten, welche aus der Küche die Speisen holen, die übrigen. Nach Tische ist Freizeit bis halb 2 Uhr. Um halb 2 Uhr hat der erste Curs Choralgesang und die Uebrigcn Ceremoniendienst. Dieß dauert bis 2 Uhr. Um 2 Uhr wird die beim Mittagessen gehaltene Predigt kritisirt, welche Kritik sehr scharf und genau ist. Von halb 3 bis 4 Uhr sind je nach den Tagen verschiedene Vorlesungen. Von 4 bis 4'/z Uhr ist frei. Von halb 5 bis 6^ Uhr ist Privatstudium. Um vor 7 Uhr findet wieder Besuch deS allerheiligsten AltarssacrameutS statt. Um 7 Uhr ist Nachtessen, während welchem ein Seminarist die Lebensgeschichte des Heiligen vorn folgenden Tage von der Kanzel herab vorlieSl. Nach dem Nachtessen ist frei bis halb 9 Uhr, worauf das Nachtgcbet im Studir- saal gehalten wird. Hierbei werden auch die Puncte der am folgenden Tage zu haltenden Homilie angegeben. Um 9 Uhr geht Alles zu Bette. Dienstag und Donnerstag sind, es mag schönes oder schlechtes Wetter seyn, Spaziergänge von 2 bis 4 Uhr. Donnerstag Abends ist Aussetzung deS allerheiligsten AltarssacrameutS mit Segen, wobei die Litanei vorn allcrheiligsten Sakramente gesungen wird. Freitag Abends um halb 7 Uhr wird der Rosenkranz gebetet. Bei allen Andachtsübungen, bei allen gemeinschaftlichen Handlungen steht der Director an der Spitze; die Altardicnste und Tischgebete verrichtet ausschließlich der Superior. Vorstände und Professoren sind im Ganzen acht Personen, nämlich der Director und der Superior und sechs Professoren. Alle sind, sowohl in religiöser wie in wissenschaftlicher Hinsicht, ausgezeichnete Männer. Was sie lehren, das leben sie und was sie leben, das lehren sie. Der Hauptgrundsatz deS ganzen Seminars, der sich wie ein Goldfaden durch das ganze innere Leben zieht, ist die Nächstenliebe, durch welche die größte Ordnung, die herzlichste Freundlichkeit, kindliche Offenheit und männlicher Biedersinn herrscht. Ueberhaupt ist das ganze Leben völlig ungezwungen; man gehorsame! nicht aus Zwang deS Gesetzes, sondern auS Liebe.*) Seit meinem Hierseyn habe ich noch nicht daS mindeste Verletzende von Seiten der Vorstände gesehen oder gehört. Der Superior, Namens Specht ist einer der größten Dogmatiker Frankreichs; der Director, Namens Möchler, ist ein Herzguter Mann und von wahrhaft christlichem Geiste beseelt. Um eS kurz zu sagen: cS sind apostolische Männer, die gleichmäßig durch ihr Wort wie durch ihren Wandel daS Evangelium predigen. Die Seminaristen sind sehr religiös und gemüthlich. Sie sind nicht so, wie man die französischen Kleriker in Deutschland oft schildern hört, wo man von Manchen, die freilich weder Personen noch Zustände recht kennen, nicht selten das Urtheil vernehmen kann, als sey der französische KleruS nur äußerlich glatt und kirchlich streng, dabei aber kalt und gemüthloS. Diejenigen, welche den französischen Klerus so beurtheilen, schreiben dann dem deutschen KleruS gewöhnlich eine etwas zu hoch gegriffene Gemüthlichkeit zu, eine Gemüthlichkeit, welche jenes französische strenge Diesen Satz mögen sich besonders die Feinde unserer heiligen Kirche merken, welche immer von hierarchischer Tyrannei, von Gewissenszwang nnd blinder Psaffenknechtschaft schwadroniren. Wer den Geist erfaßt, dem sind diese Formen nicht nur keine Last, sondern eine wahre Erleichterung und gereichen zur Freurc. (Anmerkung des Einsenders.) - - - 55 Formenwesen entbehrlich mache und unter dem Volke gedeihlicher wirke. Aber daS sind doch wahrlich nicht bloß leere Formen, sondern eS ist ein herrlicher Geist darin verborgen; eben so ist unsere deutsche Gemüthlichkeit, welche sich nur gar zu leicht von gewissen strengen aber doch sehr heilsamen klerikalischen Formen diSpensirt, wähnend: es seyen das unwesentliche Außendinge, nicht immer eben die rechte. Das katholische Volk aller Länder, so fern es kirchlich gut gesinnt ist und die hohe Würde des Priestersrandes richtig schätzt, stellt allerdings an seine Priester hohe Forderungen und sieht es lieber, wenn der Geistliche mehr ein stilles und gegen sich selbst strenges Leben führt, als wenn er unter einer sogenannten Gemüthlichkeit halb verweltlicht. Also unsere Seminaristen, ,agte ich, sind wirklich recht gemüthlich. Streitsucht, Händel, Feindschaft, Parletzänke- reicn, politische Kannegießereien und hämische Sticheleien kennt man hier gar nicht. Daö macht das ganz Seminar zu einer FriedenSstätte, wo man gerne weilt. Die Moral wird hier gelebt. Alle acht Tage geht man zur heiligen Communion; viele empfangen die heilige Cvmmumon auch Donnerstags, Sanistags und Sonntags. An Sonn- und Feiertagen gehen wir inS Münster, wo wir im Chor das Amt singen und zwar in der sclnd von dem Domcapitel gehalten lieh zwei tragen Rauchfaß und Schiffchen, zwei tragen Kerzen, zwei sind Diacon und Subtiacon, und einer trägt daö Kreuz und einer steht am bischöflichen Stuhl. Vor dem Amte ist deutsche Predigt, gehalten von dem berühmten Muehc, welcher oft ganz erstalisch begeistert auf der Kanzel wird und wundersam predigt. Ich habe noch nie einen solchen Redner gehört. Dabei besitzt er eine liefe Demuth. Cr wurde schon zum Bischof gewählt, allein er nahm eS nicht an und behielt immer die Caplan- stelle am Münster. Er schlägt jede andere Stelle aus, sein Hab und Gut verschenkt er den Armen und lebt ganz einfach und arm. Seine Thaten sind rührend und hinreißend, recht würdig eines Dieners Christi. Dieser Mann ist schon alt, lehrt im Seminar Pastoral und ist auch Beichtvater daselbst. Die Geistlichkeit arbeitet hier überhaupt sehr fleißig, waS natürlich auf die künftigen Seelsorger auch nur einen sehr heilsamen Einfluß üben kann. (Katholik.) _ Gesetz aus. Hierüber entwickelte sich der Streit; das Ministerium hatte die äußerste Linke gegen sich und fand seine Stütze in der Vereinigung aller Gemäßigten, katholischer wie liberaler Farbe. ES siegte mit 77 Stimmen gegen 17; und als darauf über die JnspectionSkosten abgestimmt wurde, verwarfen 55 Stimmen gegen 25 den Antrag der Centralscction. Zum Schlüsse muß ich noch sagen, baß, nach dem Zeugnisse aller weltlichen Schulinspectvren, seit dem Jahre 1842, wo das Gesetz über die Elementarschulen eingeführt wurde, die geistlichen Jnspectoren nie zu irgend einer gegründeten Beschwerde Anlaß gegeben, während im Gegentheile ihre Mitwirkung überall zum Gedeihen der Schulen wesentlich beiträgt." Schweiz« Aus der östlichen Schweiz. Seit einigen Wochen wird i» den ihor, angethan mit unsern Chorhemden, ^ aufgehobenen Kostern des ThnrgauS öff iitliche Steigerung abge- Kirchensprache. Beiur Amt, das abwech- Hauö- und Küchengerälhe, Kupferstiche und Gemälde werden cnr n wird, dienen acht Seminaristen; näm- Meistbietenden losgeschlagen; auch sechs kleinere und größere Kirchen-- Orgeln erwarten ihre Liebhaber, nachdem bereits 1,0 Centner Kirchensilber verpackt worden sind. Die umwohnende Bevölkerung benimmt sich dabei auf sehr verschiedene Weise; die Katholiken sehen mit Ergebung zu, wie die erlegten Klöster ausgeweidet werden; was nützte sie protestiren und klagen? sie sind nun einmal der schwächere Theil. Auch Reformirte sehen mit Widerwillen auf Entheiligung der ehemaligen Gotteshäuser und schütteln nachdenklich den Kopf, während eS nebenher nicht an Leuten fehlt die in den öden Gängen und Zellen stöbern und ihre Brutalität an Thüren und Schlössern auslassen. Der Aargau hat mit seiner Klosteraufhebung nichts gewonnen, der Kanton kommt im Gegentheile mehr und mehr zurück. Nicht besser wird eS dem Thurgau ergehen; bis alle Verbindlichkeiten, welche die Klöster den umliegenden Gemeinden schuldig sind, ich will nur Pfarrpfründen anführen, erfüllt sind, bis der PensionSsondS für die Mitglieder der aufgehobenen Stifte, und die 200,000 Fl., welche den Katholiken zugesichert wurden, ausgeschieden sind, bleibt wenig mehr übrig, als bei einigen Stiften die Gebäude allein, bei den andern zu den Gebäuden noch ein schönes Aeral von Aeckern uud Wiesen. Und nur diese letzteren sind verkäuflich; denn wer möchte alte Gebäude kaufen mit Kreuzgängen und Zellen, aller Geräthe entblößt, seit ungefähr 10 Jahren in allen Theilen vernachlässigt? die anderen, mit denen sich ein größerer Güter- Complcv mit in Kauf geben läßt (eS sind aber nur drei), möchten vielleicht eher einen Liebhaber finden, wiewohl sich bei näherer Betrachtung Manches zeigen wird, waS einen reichen Mann, z. B. einen deutsche» Herrn von Adel, abschrecken kann. Mit einem derartigen Verkaufe sind aber die nächsten Dörfer nichts weniger als zufrieden; sie haben erwartet, daß die Klostergüter Jauchert für Jauchert und Stück für Stück verkauft würden, wobei jeder Bauer im Stillen schon ausgemacht hatte, welches Stück cr ankaufen werde, und auch schon mit den andern Liebhabern abkartete, wie man sich nicht unnütz steigern müsse, damit jeder um einen billigen Preis zu etwas komme. Nun sollen diese Hoffnungen zu Wasser werbe», und dem die Sache wieder gut gemacht worden durch die Versicherung des fallen alle arme Familien, die früher von den Stiften erhalten und Ministers im Senate, daß die Regierung, wenn der Cardinal als solcher! unterstützt wurden, den Gemeinden zur Last. Außerdem ist aber die allge- außergewöbnliche Ausgaben, z. B. eine Reise nach Rom, zu bestreiten '"eine Erwartung bitter getäuscht; seit Jahren rechnete man dem Volke vor, hätte, nickt ermangeln würde, eine besondere Summe hiefür zu beantragen.! für wie viele Millionen Klostergut, todtes Gut, vorhanden sey, wie durch Entschiedener trat der Parteigeist in der Frage von den Kosten der gelst-idie Säkularisation desselben das ganze Land beglückt werden könnte, und lichen Jnspection der Elementarschulen hervor. DaS Gesetzt stehe da, der große Wurf ist gelungen^, und das Volk gewinnt im Allge- nämlich über diesen Gegenstand ordnet weltliche und geistliche Jnspectoren' meinen nichts, die Steuern sind nicht gemindert, sondern erhöht, und die an, die periodisch die Schulen zu besichtigen und darüber zu berichten haben, ^^st^st^bäude werden Passivcapitalicn, die Steuern, welche die Klöster so Belgien. Brüssel, 23. Febr. Ein Korrespondent der A. Z. berichtet über die belgischen Kammerverhandlungen unter Andern«: „Auch die Frage von den Ersparnissen nahm während der Debatten über Las Budget des Innern eine Parteifarbe an, worauf schon die bedeutende Herabsetzung des Gehalts des CardinalserzbischofS hindeutete. Als vor einigen Jahren die Rede davon war, den Erzbischof von Mecheln zum Cardinal zu erheben, ging Rom auf diesen Vorschlag nur unter der Bedingung ein, daß dem neuen Kircheusürsten ein anständiges Auskommen gesichert werke. So wurde denn sein Gehalt auf 30,000 Franken festgesetzt. Indem man diesen nun auf 21,000 Franken herabgesetzt, hat man urr Grunde einen Eingriff in die frühere Vereinbarung mit Rom gethan; auch brachte der päpstliche Nuntius seine Einwendungen dagegen an geeigneter Stelle vor. Halb ist seit jedoch so, daß die Entscheidung immer bei der Regierung bleibt. Die Kosten der geistlichen Jnspectoren wurden bisher eben so gut vom Staate getragen wie die der weltlichen; die Centralsection hatte nun aber dießmal vorgeschlagen, diese Kosten vom Budget zu streichen. Es sollte dieses der erste Schritt zur Entfernung der geistlichen Jnspection seyn, die einer gewissen Partei, welche die Volksschule ganz der Religion entfremden möchte, schon lange ein Dorn im Auge ist. Ehe man hierüber zur Abstimmung kam, trug ein Glied dieser Partei darauf an, die Kammer möge vom Ministerium begehren, daß sehr bald eine Revision der organischen Gesetze über die höheren und die Elementarschulen vorgenommen und schleunigst ein Gesetz über die mittleren Schulen vorgelegt werbe. Was die höheren und mittleren Schulen betraf, ,o erklärte der Minister des In- Deutschland, nern, es sey schon Alles vorbereitet; in Beziehung auf die Elementarschulen Wien, im März. Die Memoranden der Bischöfe, Petitionen der aber hielt cr eine Revision deS Gesetzes in diesem Augenblicke nicht für Priester, Bitten der Gläubigen, Vorstellungen der Minister und das Rechts- nvlhwendig, ja nicht für rathsam, um dem Parteigeist keine neue Nahrung und VilligkeitSgefühI des edlen Monarchen in Oesterreich haben die Kirche zu geben, und sprach sich dabei auch im Allgemeinen für das bestehende, frei gemacht. Der 6. März 1849 ist für sie ein Tag der Erlösung gewor- reichlich unter verschiedenen Titeln und bei verschiedenen Anlässen entrichten mußten, haben ein Ende, und nun reibt sich das reformirte Volk die Augen aus und fängt an zu bedenken daß eS den Baum gefällt habe, um die Früchte zu ernten. Eine schlimmere Folge zeigt sich bereits; daS Volk betrachtet die verkauften Klosterwälter nicht als rechtliches Eigenthum und kapert in denselben; welchen Anspruch auf Unverletzlichkeit soll auch daS Eigenthum im Allgemeinen haben, wenn daS Corporations Eigenthum keine Sicherheit fand, trotz aller Bundes- und LandeSgesetze, trotz feierlicher Verträge, trotz seiner wohlthätigen Wirksamkeit? (Rh. V. H.) den von schweren und schimpflichen Banden. Sie wird nun ungchinten auSschreiten und unter und nach ihrer eigenen Reform an die Reform der socialen Zustände und an die Erfüllung ihrer hohen Misston gehen, und, wie dereinst am Abschluß der Heidcnzeil, ein neues Leben in die gealterte Welt bringen, den frischen und erfrischenden Glauben. Die herrlichsten Vorbereitungen werden bereits in verschiedenen H)ivcesen getrost fen. Ein Provincial-Concilium zu Salzburg, Diöcesan-Synoden in Salzburg, Olmütz und Brunn, eben so Pastoral- und Capitel-Konferenzen werden an vielen Orten angebahnt. Sehr rege und thätig arbeiten die Katholiken-Vereine und die von ihnen herausgegebenen Blätter zur Hebung der kirchlichen Gesinnung und Befestigung und Stärkung im katholischen Glauben. Nicht minder wirken zahlreiche Frauen-Vereine zur Linderung der materiellen Noth und zur Erziehung und Pflege verwahrloster Kinder und Armer. Es hat eine hohe Begeisterung Klerus und Volk überall ergriffen, wo die Bischöfe apostolischen Muth gezeigt und wo sie der Neuzeit Rechnung getragen haben. — Aber, ach! in Wien komnir man nicht dazu. Die Frechen der Kirche liegt wie ein unbehobener Schatz da, von dem bisher Niemand einen Nutzen hat. Der Kaiser hat sie freudig gegeben, und nur von den Bischöfen hängt cS ab, wie viel sie dcubvn wollen ,'n Anspruch nehmen. Wird nun aber auch in Wien ein Gebrauch davon gemacht werden? Wird und wie viel wiro man in Anspruch nehmen zum Besten der Kirche? Wo man ausgesprochen, man wolle beim Alten bleiben, wo man sagt, daß die Synoden gar nicht an der Zeit sind, wo mail die Zusammentretung der Würzburger Bischöfe eine Un. klughcit nennt, wo man die Staatskirche bis auf den letzten Augenblick zu loben und zu laben beflissen war, wo man über ihr Verenden trauert, wo man die Freiheit der Kirche als den furchtbarsten Schlag ins Angesicht betrachtet, wo man allen Jenen, bist. auch nur ein einziges Wort dafür fallen ließen, todtgram ist, wo man'der Hoffnung lebr, es werde noch eine Zeit kommen, in welcher man sich an den Slaatskirche-Majestäts- verbrechern rächen können wird, wozu man bereits die Proscriptionölisten verfaßt: da wird man von der Freiheit der Kirche gerade so viel in Anspruch nehmen und Gebrauch machen, als der unvernünftige Kranke von der bittern Arznei und der käfiggeborne Hauövogel von, offenen Fenster. (N S.) 4k AuS Oberösterreich, im März. Es gehörte bis auf die letzte Zeit zum guten Ton, über die armen Serben zu schmähen, und über die Croaten-Horden loSzuschimpfeff. Und warum? Haupisächlich darum, weil sie dem Kaiser die geschworene'Treue hielten, und Oesterreich bis auf den letzten Blutstropfen'vertheidigen wollten. Darum wurde an den Serben und Croaten kein gims Haar gelassen. Möge aber folgender Zug beweise», welch' ein Geist selbst mitten im Kampfe jene so gelästerten Männer beseelte. Möge man daraus beurtheilen, wo wahre Humanität und Civilisation zu finden sey, ob unter den Schaaren der Rvthmänller der Frei- hcitS- und Gleichheitswuth, oder unter den Kämpfern für Ehre, Religion, Gesetz, Ordnung, Fürst und Vaterland? An der Matzleinsdolfcr-Linie in Wien marschirten die Croaten in den Octobertagen herein, stiegen über die von der Mobil-Garde bereits verlassenen Barricaden hinweg, und rückten vorwärts. Die Garde hatte sich church die Nebengassen zerstreut. Nur ein Gardist wollte den Platz nicht verlassen. Da standen die tapfern Croaten dicht vor ihm. Erschrocken warf er daS Gewehr fort, fiel auf die Knie nieder und flehte um sein Leben. Heraus anS den Reihen trat ein junger Croaten-Officier und rief ihm mit barscher Stimme zu: „Unglücklicher! Wie können sie sich bewaffnet den k. k. Truppen nahen? Kennen sie die Gesetze nicht?" Der Gardist flehte aber fortan um Gnade, da er ein Weib mir acht Kindern habe. Der Offieier erwiderte: „Wenn Sie wahr gesprochen, will ich Ihnen das Leben lassen." Er folgte nun dem Gardisten in Begleitung mehrerer Croaten in dessen Wohnung, wo er seine große Familie in der traurigsten Lage fand. Nachdem der Offieier eine Zeit lang das Elend betrachtet, wendete er sich zu dem schuldbewußten Manne mit flammendem Blicke, und richtete an ihn folgende Worte: „Herr, Sie müssen von Sinnen gewesen seyn, als Sie sich als Familienvater den Rebellen verdingten, und was für ein Teufel blieö Ihnen die Idee ein, sich als Einzelner jetzt noch zur Wehre setzen zu wollen? Ich habe aber mein Wort gegeben, und werte es auch halten. Ihnen schenke ich das Leben nicht, aber dem Weibe und diesen acht Kindern schenke ich Ihr Leben!" Mit diesen Worten verließ der edle Krieger, ohne einen Dank abzuwarten, die Wohnung des vor Freude zitternden Gardisten. Man frage, ob wähl die Magyaren, die nur Freiheit, Humanität, Civilisation im Munde führen, und die Herren Radikalen aller Nationen, welche ihnen sie nachbrüllcn, unter so kritischen Umständen so gehandelt hätten, wie jener edle Croaten-Führer? Es thut Noth, solche Züge bekannt zu geben, damit, wer noch sehen kann, sehe, was hinter dem FreiheitSgeschreie stecke, welches der Mißbrauch der edlen Freiheit immerfort noch erhebt, und man Wahrheit von der schändlichen Heuchelei unterscheiden könne. (Keuh. Bl. a. T.) * Sk * AuS der Olmützer Erzdiöcese. Zu Troppau in Schlesien befindet sich bereits seil dem Jahre 1835 ein greiser erilirter Oberhirt, welcher den Muth halle, einige Jahre zuvor dem russischen Czar öffentlich zu erklären, daß ohne Aulvrisation deS heiligen Vaters in Rom in katholischen Disciplinar. Angelegenheiten, besonders in Betreff gemischter Eben, nichts geändert werden Dürfe, und ferner, daß es am ersprießlichsten wäre, im Königreiche Polen die katholischen Schulen den Jesuiten anzuvertrauen. Dadurch gerielh der Oberhirl in allerhöchst absolute Ungnade und wurde Dann bei gesuchter Veranlassung des Landes verwiesen. ES ist der hoch- würdigste Herr Bischof von Krakau, Karl Boromäus v. Skorkowsky. Zwar ist derselbe, nachdem Krakau österreichisch geworden, von weltlichen Stellen gefragt worden, ob er zu seinem bischöflichen Sitze zurückzukehren wünsche? Der hohe Greis soll jedoch entgegnen haben, er wolle mir in dem Falle dahin zurück sich begeben, wenn der heilige Vater in Rom dieß ihm auftragen werde. Er lebr ganz zurückgezogen, ein Muster der Frömmigkeit und Andacht. DaS Landvolk kommt häufig in die Stadt, um in der Minoritenkirche der heil. Messe beizuwohnen, welche der gvttinnige Bischof, wie ein Heiliger, überaus andächtig feierst. (A. K.) Türkei. In Konstantinopeh ist ein in französischer Sprache geschriebener Almanach, eine Statistik, erschienen, worin über die Bevölkerung deS türkische» Reiches, über die verschiedenen Nationen und das religiöse Bekenntniß derselben u. s. w. sehr genaue und wichtige Nachrichten enthalten sind. Nach Angabe des wohlunterrichteten Verfassers steigt die Seelenzahl in Konftantinopcl, mit Einschluß seiner Vorstädte, auf 797,000. Darunter befinden sich 52,000 Sklaven, nämlich 5000 deS männlichen und 47,000 deS weiblichen Geschlechtes; 205,000 nicht unirle und 17,000 unirte Armenier, 137,000 Griechen, 24,000 Juden und 14,000 Franken, unter weichem Namen alle Fremden, Franzosen, Oesterreicher, Russen, Dänen, Preußen, Holländer, Amerikaner n. s. w. begriffen werden. Nach Abzug der Sklaven berechnet sich die muselinännische Bevölkerung auf 348,000 Seelen, indeß daö Militär (unter ihm 68,000 Muselmänner) und die auswärtigen Handwerker und Arbeiter zusammen 123,000 zählen. WaS die der katholischen Kirche im Umfange des türkischen Reiches angehörenden Mitglieder betrifft, so stehen dieselben unter sechs Patriarchen und neun und fünfzig Erzbischöfen und Bischöfen, welche sich nach den verschiedenen Voiköftämmen in folgender Weise vertheilen: Lateiner: ein Patriarch zu Jerusalem und siebzehn Erzbischöfe und Bischöfe; unirte Armenier: ein Patriarch auf dem Berge Libanon und eilf Erzbischöfe und Bischöfe; Marvniten: ein Patriarch auf dem Berge Libanon und sieben Erz- bischöfe und Bischöfe; Chaldäer: ein Patriarch zu Moffnl und sieben Erzbischöfe und Bischöfe; unirte Griechen oder Melkiten: ein Patriarch zu DamaSkuS und neun Erzbischöfe und Bischöfe; unilte Syrier: ein Patriarch zu Aleppo und achr Erzbischöfe und Bischöfe. Die schismaiisch-griechische Kirche dagegen besitzt, die nicht unirten Armenier, die Jakobiten, die Kopten und Nestorianer mileingcrecknct, im Ganzen zweihundert vier und fünfzig Prälaten, darunter neun Patriarchen und zweihundert sechs und dreißig theils Erzbffchöfe, theils Erarchen, theils Bischöfe. Dieser großen Zahl der Kirchenfürsten einspricht übrigens nicht eine gleichmäßige deS christlichen Volkes im Orienr; jene ist nur eine geschichtliche Urkunde über die frühere Ausdehnung der Kirche, indem noch fortwährend auf den Nannn jener Städte, in welchen früher bischöfliche Stühle gegründet waren, die aber durch die Ausbreitung des Muhameda- niSmuS für daS Christenthum verloren gingen, Bischöfe geweiht werden. (Katholik.) -8 Aus Rom. Ein Proletarier wollte die Rolle eines ungeschlachten Republicauers übernehmen, und beabsichtigte dem Marmorstandbilde eines Papstes zur allgemeinen Belustigung die rothe Mütze auszusetzen. Unter dem Hohngeschrei und Beifallsrufen deS Pöbels kletterte er die colossale Statue hinan, erfaßte die Marmorhand, diese aber brach los — und er stürzte herab auf die Stufen und brach sich beide Füße. DaS machte den lärmenden Pöbel auf einen Augenblick nachdenkend, er verstummte und schlich sich davon. (Oest. Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.