PreK In >ug»b«rg für fich allein (ohne A. Postzeitung)jLhrlich Ist. I»kr Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Postzeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitu Neunter Jahrgang. 1 « N g. Kür fich allein, ohne die Augsburger Post- zeitung, find diese Blät- V ter nur im Wege de« Buchhandels zu be- ziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz ». s. w. jähr» Ich nur 1 fl. SOkr. oder I Thlr ^ril L84N. Peterspfenning. DaS sichtbare Oberhaupt der hl. Kirche ist in Noth und Bedrängniß! Diese Kunde hat in allen Theilen der Christenheit die Gefühle des teilnehmenden Schmerzes angeregt. Die heilige Flamme der Liebe, welche die Glieder mit dem Haupte verbindet, wird stärker und zahllose Gebete und Thränen steigen täglich als gottgefällige Opfer für daS Heil der Hirten und der Heerde zu dem Thron der Erbarmungen auf. Die Lämmer sehen ihren Hirten, die Kinder ihren heiligsten Vater mit seinen Rathgcbern, den Cardinälen, auf der Flucht, dem Mangel preisgegeben — und sieh! eS becifert sich ein christliches Volk nach dem andern, sich den süßen Trost zu bereiten, dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden zeitliche Hilfe zu leisten. Frankreich begann die Sammlungen unter dem Namen: Werk von St. Petri-Hellcr. Welche Gesinnungen die Geber der frommen Spenden beseelt, erhellet aus den vielen rührenden Aeußerungen und Zuschriften, mit denen sie ihre Gaben begleiteten; statt vieler stehe hier eine einzige, die des Volksvertreters GaSlonde. „Mit Schmerzen," schreibt er, „habe ich die letzten Vorgänge in Rom gesehen. ES ist mehr der Staatsmann, als der Christ, den sie in mir tief betrübt haben. Für daS Papstthum ist mir nicht bange; aber bange ist mir für die Freiheit Italiens. ES ist daS LooS LeS Papstthums, wie des Katholicismus, angegriffen und verkannt zu werden; untergehen kann eS nicht. Die Freiheit Italiens aber kann ihr Grab finden in den Ausschreitungen einer wilden und zügellosen Volkshetzerei. Der Glanz der Tiara schimmert zu Gaöta eben so hell, als in Mitten der Pracht des Vatikans. Und ist die Herrscherkrone auf der Stirne PiuS IX. zerbrochen, so hat der Kirchenfürst nie größer und erhabener dagestanden, als von dem Augenblicke an, wo er die feierliche Weihe deS Undankes und der Trübsal empfangen, und der Christenheit gezeigt hat, mit welcher inneren Heiterkeit und welcher Seelengröße er beide zu ertragen wisse." „Verzeichnen Sie doch meine kleine Gabe als ein Zeugniß für meinen politischen Glauben sowohl, als für mein christliches Bekenntniß. Hoffen wir auf bessere Tage, hoffen wir, daß eS dem, welcher so muthig die erste Hand legte an die vielersehnte Wiedergeburt RomS und Italiens, auch vergönnt sey, sie unterm Zujauchzen der Völker zu vollenden. Möchten die Römer bald zurückkommen von den Bethörungen ihres irre geleiteten PatriotiSmuS, und erkennen, daß für Italien Einheit und Freiheit nicht anders möglich sind, als mit dem Papstthum und durch daS Papstthum." Unter den vielen Beiträgen, die bereits theils dem Comite für religiöse Freiheit in Paris, theils dem päpstlichen Nuntius daselbst zugestellt worden sind, wollen wir nur erwähnen: von Cambrai die Summe von 17,000 Fr., von Straßburg 20,000 Fr., von Langres 10,000 Fr., von Grenoble 6000 Fr. Der Erzbischof von PariS hat auS seiner Erzdiöcese bereits die Summe von 60,000 Fr. übergeben. AuS allen Diöccsen Frankreichs gehen fortwährend bedeutende Summen ein. Die Sammlungen in England haben einen ähnlichen Erfolg. Bischof Wiseman hat so eben 30,000 Franken, die im Distrikt von London gesammelt sind, an den Cardinal-Staatssecretär nach Gaöta abgesandt. Zu Newcastle fand eine große Versammlung statt, bei welcher die anwesenden Geistlichen jeder 25 Franken unterzeichneten und den Beschluß faßten, in allen Pfarrsprcngeln Subscriptionen zu eröffnen. Irland, daS „arme" Irland hat bereits eine erste Sendung von 150,000 Franken abgehen lassen. Die Journale von Madrid melden, daß in ganz Spanien Vereine LeS St. Petri-Heller sich gebildet haben. Von Turin auS erfährt man gleichfalls, daß die sardinischen Bischöfe in allen Diöcescn die Bildung solcher Vereine bewerkstelligt haben. — Der Cardinal-Erzbischof von Neapel hat zu gleichem Zwecke an alle Bischöfe deS Königreichs ein Rundschreiben erlassen. Zunächst und unverzüglich soll durch Unterzeichnung von einmaligen Gaben den augenblicklich dringendsten Bedürfnissen des heil. Stuhles abgeholfen, später aber sollen regelmäßige monatliche Beiträge eingesammelt werden. — Auch in Deutschland haben die Sammlungen begonnen. Ein Bischof. (Wiener .stirchenzeituug,) In einer Zeit, wo eS sich um kirchliche Freiheit handelt, wird eS nicht überflüssig seyn, daS Leben jener Männer durchzuforschen, die im Verlaufe der Kirchengeschichte als Heroen gegen die Vcrknecbtung der Kirche gestritten, und im Kampfe Verfolgung und Elend, Verbannung und selbst den blutigen Tod nicht gescheut haben. Unter diesen Männern ist Thomas Decket, Erzbffchof von Cainerbury und heiliger Martyr. Sein ganzes Leben kann als ein wahrer Bischossspiegel gelten, jeder einzelne Zug auS demselben ist daS Gepräge eines großen Charakters. Sohn deS englischen Ritters Gilbert, und einer Prinzessin aus dem Orient, die Gilbe« als Gefangener am Hofe ihres Bakers kennen lernte, und die demselben, als er befreit war, nach London folgte, dort die heilige Taufe empfing, und mit ihm in den Bund der Ehe trat, — hat eS den Anschein, als ob schon bei Becket'S Geburt jener Anfing von Romantik anf die edle Ritterlichkeit hingedeutet, welche er in der Folge so gut mit der Frömmigkeit, Leu Pflichten und Tugenden des Bischofs in Einklang zu bringen wußie. AIS Erz- diacon des Metropoliten Theobald von Canterbury wurde er, fast noch ein Jüngling, zum Reichskanzler Heinrich II. ernannt, und wußte an einem üppigen Hofe, bei einem ungeheuern Einkommen, bei Verlockungen von allen Seiten seine Tugend zu bewahren. ES gibt keine wahrhafte, christliche Seelengröße ohne Demuth. Demuth ist der Grundbau der Tugend, in ihr ist auch der wahre Muth enthalten. Denn Demuth ist nicht Feigheit und Kriecherei, wenn es gilt der Wahrheit Zeugniß zu geben; — und Aufgeblasenheit und augenblickliches Beleidigtsey» gegenüber von Untergebenen. Der Prüfstein der Demuth ist nicht darin zu suchen, wie man sich gegen Vorgesetzte, gegen Machthaber, gegen solche, von denen man waS zu erwarten hat, oder in deren Gunst man verbleiben will, benimmt, der Prüfstein der Demuth ist das Benehmen gegen Untergeordnete, gegen Untergebene, gegen Arme, gegen Irrende. Suchen wir demnach, in welchen Tugenden der Muth, welchen Thomas im Kampf für die Freiheit der Kirche bewährte, begründet gewesen ist. Auf dem Wege nach seinem erzbischöflichen Sitze gab er dem einfachen Geistlichen Herbert, der mit ihm zog, folgenden Auftrag: „Ich wünsche, daß du mich heimlich von allem benachrichtest, was du von mir zu sagen weißt, und alle Fehler mir sagst, die in meinem Betragen zu bemerken sind;*) denn eS ist wahrhaft ein Dienst, den unS unsere Feinde erweisen, indem sie uns unterstützen dadurch, daß sie BöscS von uns sagen, um unS besser kennen zu lernen, damit wir mit größerer Sorgfalt über unsere Worte oder Handlungen wachen können. Ich wünsche also vorzüglich, daß du mir alle Fehler sagst, die du an mir zu bemerken glaubst, da zwei Personen klarer sehen, als eine einzige." So berichtet uns Abbe Robert in seiner Lebensgeschichte deö heiligen Thomas Decket. Da ihm als Kanzler wenig Zeit blieb die Wissenschaft zu pflegen, so suchte er nun als Bischof das Versäumte nachzuholen, er umgab sich mit gelehrten Theologen, unter denen Bosham obenan stand, hörte auf ihre Rathschläge und befolgte sie. Einst sagte er zu einem Freunde: „Wie glücklich wäre ich, wenn mir Gott die Gnade gäbe, mich von jedem Geschäfte und jeder Sorge zu befreien, damit ich in heiliger Ruhe nur *) Er hätte ja auch sagen können: „Sage mir ja nicht- Unangenehme-, denn das greift meine Nerven an." Wir sagten nicht umscnsi, die Demuth ist der Grundstein des Muthe-; wir können auch umgekehrt behaupten, Muth ist der Grundstein der Demuth; denn e- gehört der größte Muth dazu, demüthig zu seyn — der größte Muth: dir Wahrheit unter allen Umständen fich sagen zu lassen, um ihr dienen zu können. >s- M W I' 7 «2 darauf denken könnte, mich zu nähren an seinem göttlichen Wort. Wie nützlich und vortheilhafl wäre es mir, dadurch jene Zeit zu ersetzen, deren ich durch meine früherenWeschäflignngen in der Welt verlustig geworden bin." Um Decket in seinem Derhältniffe zu dem König zu würdigen, dürfen wir nur die Ungefaßte Charakteristik beiver anführen. Heinrich H. zeigte nach außen luEine feine Erziehung, eine würdevolle Haltung, er konnte sogar leutsM und scherzhaft seyn; „aber (erzählt Robert) diese blendende Außenseite verbarg ein Herz, welches sich zu den nichtSwürdig- sten Kunstgriffen erniedrigen und mit seiner eigenen Ehre und Wahrhaftigkeit spielen konnte. Nieniand Föchte seinen Behauptungen glauben, noch seinen Versprechungen tränen." Lingard berichtet, daß der Cardinal Vivian, nachdem er einst mit Heinrich eine Unterredung gehabt, sich also über ihn äußerte: „Nie sah ichMmand, der diesem Manne im Lügen gleich käme." Lingard selber sagt von ihm: „Er war eifersüchtig über jegliche Autorität, die nicht von ihm ausging, und seinem Willen dienstbar war. Er war stolz auf seine Günstlinge, die ihm alles zu verdanken halten, Widerspruch konnte er keinen vertragen. Wer seinem Gebote zu gehorchen zauderte, oder leinen Begierden zu widersprechen wagte, ward dem Berderben geweiht und mit der unversöhnlichsten Rache verfolgt u. s. w. Stolz, Jähzorn, Hinterlist und Falschheit waren die hervorstechenden Züge seines Charakters. Hingegen wird Thomas Decket von Robert kurz also geschildert: Biederkeit, Aufrichtigkeit, Freiheit, Selbstvcrläugnung, zärtliche Liebe zu den Arme», erklärter Beschützer der Kirche, unerschrockener Vertheidiger ihrer Unabhängigkeil und ihrer Güter, ihrer Immunitäten und ihrer Freiheit; siehe diese Eigenschaften strahlen mit großem Ruhme auf der cclen und großen Gestalt deS Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury und Prn maS von England. Wie ernst eS ihm gewesen ist, als er die oben angeführten Worte zu dem Priester Herbert sprach, das sehen wir in einem der denkwürdigsten Ereignisse seines Lebens bestätigt. AIS ihm bei der Bischofsversammlnng zu Clarendon die famosen 16 die kirchliche Freiheit verknechtendcn Artikel vorgelegt wurden, drohte der König ihn und die Bischöfe zu tödten, wenn sie nicht unterfertigen wollten. Da wird nun Thomas bestürmt von allen Seilen, um nachzugeb>n. Schrecken lag auf der Versammlung. Richard von HastingS, der Großprior der Tempelritter, die Grafen Cornwalt und Leicester, viele andere Große warfen sich dem Primaö zu Füßen, um ihn mit Thränen zur Nackigiebigkeit zu bewegen. Schon schwankte Thomas und fing an, seinen gerechten Widerstand aufzugeben. Aber die volle Entscheidung war noch nicht ausgesprochen. Wohl halte auch Thomas schon unterschrieben — aber nur mit der Bedingung, daß die Constitutionen die alten, im Königreiche üblichen seyen. AIs aber der König die Satzungen ausgearbeitet im Einzelnen vorlegte, und an Eitcsstatt von Thomas die Siegelring verlangte, da erkannte der Primas, daß er einen Verrath an der Kirche besiegeln würde. Er weigerte sich und bat sich Bedenkzeit anS. — Nun tritt jener Umstand ein, der uns den Bischof in seiner wahren Größe und Erhabenheit zeigt. Schon begann er auf dem Heimwege von Clarendon den verhängnißvollen Schlag zu erkennen, der gegen die Kirche geführt werden sollte. Die Einen seiner Begleiter, Hofschmeichlcr und Gunstjägcr lobten sein Thun und suchten ihn einzuschläfern, sie nannten ihn klug, daß er der Nothwendigkeit und der Zeiten Ungunst sich gefügt habe — und diese hörte er nicht; andere, aber wie sich denke» läßt, die geringere Zahl, doch vorn reinsten Eifer belebt, beschuldigten ihn des Verrathe« an den Interessen der Kirche. Der Erste, welcher mit dem Muthe der Wahrheit gegen ihn hervortrat, war eine sehr untergeordnete Persönlichkeit dem Rang und der Würde nach — es war sein Kreuzträger Eduard Grim,^) dieser machte dem Erzblschof lebhafte Vorwürfe, indem er sagte, daß er durch sein Versprechen diese schlechten Gebräuche beobachten zu wollen, einen Verrath an seinem Gewissen begangen, und der Nachwelt ein trauriges Beispiel gegeben habe, daß er sich mit den Dienern des SatanS gemeinschaftlich verbunden, um die kirchliche Freiheit zu zerstören. Was war nun die Folge dieses VorwurieS? Ein schwacher Apostel, ein kleiner Geist hätte solchen Vorwurf mit ewiger Ungnade, ja vielleicht sogar mit unversöhnlicher Verfolgung vergolten. Was aber hat Becket gethan? Beaulieu gibt uns die Antwort: „Dieser so beißende Vorwurf anS dem Munde eines seiner geringsten Kleriker, und dieser Eifer, der ihm übertrieben scheinen konnte, mißfiel ihm nicht. Er betrachtete nicht den, der so sprach, wer der sey, auch nicht sich selber und seine Würde, sondern glaubte vielmehr, daß seines Dieners Mund ihm GottcS Willen künde, er demüthigte sich, vernichtete sich in der Tiefe seines Herzens und ') Derselbe Grün war es, der die tödtlicbcn Schläge auf Beekcr'S Haupt mit ,euicr Hand auffing und verwundet wurde, der bis zum Tcdc bei seinem Meister aus- während die andern aus der biscl'östicken Begleitung aus Angst flohen oder sich versteckten. Grim, der dem Primas die bitterste Wahrheit sagte — stand auch mit seinem reden für denselben ein. Nicht so die Kriecher und Schmeichler. sprach in Thränen zerfließend: „Ich erkenne eS, mein Gott, daß ich gesün- diget habe; daö Verbrechen, das ich begangen, erfüllt mich mit Abscheu, und ich verdamme mich von jetzt an, mich deinem Altare zu nähern, dessen ich mich unwürdig gemacht. Du hast mich zum Wächter deiner Kirche aufgestellt, und ich unterjoche sie durch eine leichtsinnige Gefälligkeit. Ich habe durch ein Wort die ganze Frucht langer Arbeiten meiner Vorgänger zu Grunde gerichtet. Ich habe die Pforte deines Hauses den Gewaltigen der Erde geöffnet, und habe dein Heiligthum entheiligt, indem ich es den ! Profanationen der Menschen aussetzte. Du-hast mich, o mein Gott, mit !sehr großer Gerechtigkeit verlassen, da ich mich auS der Schule deS Welt- ! Heilandes zurückgezogen, aber um in Mitte des Hofes zur Regierung deiner ' Kirche erhoben zu werden. Ich will weinen und im Verborgenen bleiben, bis du mich besuchest von oben und mein Verbrechen in die Hände desjenigen zur Vermittlung stellst, welcher auf Erde der Stellvertreter deines s Sohnes Jesu Christi ist." (Schluß folgt.) Die falschen Propheten der Neuzeit. „Nach Calisornien!" erschallt von vielen Seiten der Aufruf. Erdenglück das Ziel des Feldzuges; Gold! Gold! die Losung. Doch nur Wenigen ist eS möglich, diesem Feldgeschrei auch Folge zu leisten; und manche, denen eS wohl möglich wäre, ziehen es vor, anstatt nach den Goldklumpen Californiens zu graben, nach jenen unschätzbaren Goldkörnern zu spüren, welche gotterleuchtete Männer in ihren Aussprüchen hinterlegt haben. Voll solcher Goldkörner himmlischer Weisheit sind die wenigen, aber inhaltschweren hinterlassenen Schriften deS unvergeßlichen G. W. Witt- mann, Bischofs von RegcnSburg. Ein gewichtiges Wort, das er als Seminariumsregens bei den Priestererercizien im Jahre 1828 sprach, möge hier seine Stelle finden, — um so mehr, da der heiligmäßige Mann nicht selten in ahnungsvollen Lichtblicken der Zukunft voraus eilte. Es sind, sprach er, in Deutschland, und man darf sagen, in dem ganzen cultivirten Europa drei falsche Propheten aufgestanden, die in den Gärten GotteS überall große Verwüstungen anrichten. 1. Der erste falsche Prophet hat sich bereits zum Gott der Welt creirt; ich meine den weltberühmten und überall angebeteten Lebensgenuß, dem Alt und Jung, Groß und Klein, Hoch und Nieder, Herr und Knecht, Mann und Weib, besonders Jünglinge und Mädchen Tempel, Ccipellen und Altäre bauen. Hoch stolzirend spricht er, dieser Lügen- geist: Es wundert mich selbst, wie mich die Menschen so gar in Ehren !halten, da ich sie doch arm und krank und siech mache, und ihnen am Ende znm Dank für ihre Anbetungen nichts als frühen und schmerzlichen Tod bringe, nachdem ich ihnen alle Güter deS LebenS: Gesundheit, Ehre, Religion, GewissenSruhe und häusliche Zufriedenheit geraubt habe! Sie, liebe Brüder, wissen wohl, daß wir keinen unschuldigen Genuß unschuldiger Freude verdammen; jede Erheiterung, jeder Ausdruck der Fröhlichkeit, selbst jede Lustbarkeit, wobei Maaß, Ziel und Gränze, Schain- haftigkeit und Ehrbarkeit präsidiren oder wenigstens Wache halten, gönnen wir dem muntern Geschlechte gern. Aber Genußsucht, besser Gennßwuth, ist etwas, das sich weder vor dem Urtheile der Vernunft, noch vordem Nichterstuble der Religion, ja nicht einmal vor der Tribune einer geordneten Staatspolizei wird rechtfertigen können. Dieser gesetz- und gränzenlose Lebensgenuß verschlingt in seinen unendlichen Abgrund alle Tugend, alle Ordnung, alle Achtung für Gott und das Göttliche mit dem Leben der tollen Genießer; und eS ist ein wahres Wort: „Wo sich dieser nicht mehr vcrlarvte, sondern mit offener Stirne auftretende Epikuräismus zur vorder» Thür des HauseS herein drängt, da muß der ChristianiSmuS zur Hintern Thür hinaus." 2. Der andere falsche Prophet ist Goliath der Zweite, daS große Lästermaul, das der christlichen Religion, der katholischen Kirche, dem Priesterthnme und allen frommen Kindern GotteS Hohn spricht; daS in so vielen Blättern des TageS, als wenn es ein Schutz- und Trutz- bündniß mit ihnen errichtet hätte, seinen Unsinn predigt, und im Grunde doch nur Geringachtung, Verachtung alles Heiligen, Gleichgiltigkeit gegen Religion und Ordnung herbeiführen kann. Von dem Philister sagt die Schrift, daß er 40 Tage nach einander Morgens und Abends auS seinem Lager hervortrat, und dem Volke Gottes, seinem gesalbten Könige und seinem Gott Hohn sprach, bis ihm der Hirtenknabe David, im Namen Gottes kommend, mit einem Kiesel auS seiner Schleuder die freche Stirne traf, und den Lästermund auf ewig schloß. Jeder Christ, mag er auch schwach und gering seyn wie David der Hirtenknabe, soll im Namen deS Herrn kommen, und ein zweiter David seyn gegen jeden Lästermund. «3 «3 3. Der dritte falsche Prophet ist der berüchtigte Weltkrämer, der mit seiner Schlechtwaare die Völker vergiftet, und die in Sammt und Seide verhüllten, und mit Brillanten und Perlen übersäeten Fesseln der Geistessklaverei unter der Firma „Mündigkeit und Freiheil" aller Welt feilbietet. Unsere Jünglinge stehen andächtig um das schimmernde Waarenlage des WeltkrämerS und seiner Gesellen umher, und handeln blindlings gegen Darangabe deS stillen, reinen, züchtigen Sinnes die vergoldeten Fesseln ein. Sprechend: „Wir sind frei!" tragen sie ihren Nacken schon höher, um das sanfte Joch der Gottesfurcht niio deS Respectes gegen Lehrer und Vorgesetzte abzuschütteln, daS Schwcrdrückente des rohen, groben, leidenschaftlichen, wilden Wesens sich aufhalsen zu lassen. Diese drei falschen Propheten treiben ihren Seelcnschacher unter der schönen Devise: „Der bessere Zeitgeist im Bunde mit seinen drei Repräsentanten." Gegen diese Lügengeistcr, gegen diese Widersacher der Religion, der Ordnung, der Gerechtigkeit auf den Kampfplatz zu treten, und sie mit dem Schwerte des göttlichen Wortes zu bestreiken, ist die Pflicht jedes beson neuen Mannes, jedes Christen, vorzüglich aber des Priesters und Bischofs, angesprochen und befriediget hat. Dieses kleine Land, daS jeden Zoll breit Es ist also eine wichtige Frage, die jeder von uns an sein innerstes Be-! Interessantes bietet, sollte eigentlich jedermann, der nur etwas Gelegenheit wußtseyn zu thun hat: Bist tu vollrüstig und Held genug, um ktincn Fuß! hat, kennen lernen. Der Kaufmann und Künstler, der Gelehrte und Land- breit Land dieser dreifachen Weltverführung zu überlassen — in deinem Hause, in deinem Wirkungskreise? Zwar werden sie dich bald als einen der Ordnung sich bewegend, daS Füllhorn seines Segens über uns ausschütten. Aber weil der beste Same keine gute Frucht bringt, wenn nicht das Erdreich gehörig gepflegt wird; so ergeht an jeden, der Kraft und guten Willen besitzt, der heilige Aufruf den Weg zu bereiten, damit die neue Zeit ihn nicht überrasche und er nicht rath- und thatloS die Waffen strecken müsse wenn ihr gewaltiger Hauch ihn berühret. Derlei Gedanken waren cS, die den Schreiber dieser Zeilen bewogen, die Gränzen seines österreichischen Vaterlandes auf einige Zeit zu überschreiten, um die neue Zeit mit ihren Früchten auch anderSwo kennen zu lernen. Ich übergebe diese Zeilen der Oeffentlichkeit, theils aufgefordert von wohlmeinenden Freunden, theils um den Lesern der Kirche,izeitung einen Wink zu geben, was in unseren kirchlichen Zuständen noch zu wünschen, zu ändern und zu bessern sey; muß aber gleich anfangs gestehen, daß ich durchaus keine gelehrte Reisebcschreibung liefere, sondern eben nur ein zwangloses, ganz subjeciiv aufgefaßtes Bild entwerfen will über jene Länder, die ick auf der Reise berühret. Ich wählte zuerst Belgien, weil eS mich unter allen am meisten Missionär des Aberglaubens, bald als einen Apostel der Finsterniß, und wie die unheilige Litanei ihrer Schimpfwörter weiter heißt, ausschrcien; aber gehe du im Namen des Herrn deines Weges ohne umzusehen, und ruhe in dem Schalten des Kreuzes auS; denn die Religion, zu der wir unö bekennen, ist die Religion deS Kreuzes, und keine andere. Hat der verewigte Wittmann mit dieser Schilderung seine Zeit im Auge gehabt, oder wohl gar im prophetischen Vorgefühle die unsrige gezeichnet? Ich glaube fast das Letztere. Daher will ich eine ernste Mahnung daran reihen, die er bei einer andern Gelegenheit an seine Priester- hauS Alumnen sprach. AIS er unter lautloser Stille, nur durch daS Schluchzen seiner tief gerührten Zuhörer öfter unterbrochen, ihnen in herzergreifenden Worten ihren hehren Beruf schilderte, setzte er mit bedeutsamen Nachdrucke bei: „O, meine Herren, machen Sie sich gefaßt — ick werde cS nicht mehr erleben, aber Sie erleben es noch — nicht bloß auf Verfolgungen all'v Art, sondern sogar auf das Martyrium müssen Sie gefaßt seyn. Merken Sie wohl: auch auf das Martyrium!" Und seinen horchen ^ mann wird eben so viel Stoff deö Lehrreichen vorfinden, wieder Theologe und Priester. Da sind großartige Handelshäuser, welche mit der ganzen Well in dirccter Verbindung stehen, da blühen Handel und Gewerbe, da ist Betriebsamkeit in Fabriken und kühnen Bauten, da rasseln die Räder, und sprühen die Dampfer und rauchen die Schornsteine, daß einem daS Herz dabei im Leibe lacht. Da sind keine unbeschäftigten Hände, denn der gefürchtete Stand deS Proletariates ist so viel als möglich beseitiget, und wohin daS Auge blickt, auf Häusern und öffentlichen Baute», auf Straßen und Bergen herrscht durckgehendS ein gewisser Tvpuö der Nettigkeit und des natürlichen Anstandes. Wie wohl thut es einem, wenn man das bewegte und lieblos zerrissene Deutschland verläßt, und in diese Gefilde kommt, über welchen der Engel des Friedens schwebt, und welche die Segnungen der Freiheit auf eine kluge und gesunde Weise sich zu Nutzen machen. Wenn man einen Belgier fragt, wie er zufrieden sey, so kann er nicht beredsam genug sein Glück schildern, er fühlt sich wie in einem irdischen Paradiese, und kann durchaus nicht begreifen, wie cS in anderen Ländern so toll und voll zugehen könne. Die liberale constitutio« nelle Verfassung, welche Belgien seit dem Jahre 1830 genießt, ist die den Scküle.., klangen diese Worte aus Witimanns Munde wie die eines Schöpferin seines GlückeS, und mit Liebe hängt er deßhalb an seinem Ne- gottcrfüllten Sehers, und sie haben sich dieselben wohl gemerkt. Aber auch! genten, jh,n als die beste Garantie für persönlichen Schutz und Austin Andenken deS gläubigen Volkes lebt die Ennnerung an Wittmann und! rechthaliung der Verfassung gilt, wie dieß ja auch die Ereignisse deö verfeme Worte noch lebhaft fort. Im Munde des Volkes heißt es wohl „der! flossenen Jahres bewiesen. Die Franzosen wollten die junge Republik nach heilige Bischof," und schon als er starb (1833), wollte Niemand für ihn! Belgien hinüberspielcn, und sie machten schändlich Fiasko; und als nach beten, sondern flehte ihn um seine Fürbitte an. Durchwandert der Reisende! dem Sturze Louis Philipps der König abdanken wollte, baten ihn die die weiten Hallen des herrlichen RegenSburger Domes, so findet er dort! Stände, auf seine», Posten zu verbleiben zum Wohle deS StaateS. nebst dem Grabmale des unvergeßlichen Sailer auch daS Denkmal Doch ich vergesse, daß ich ein kirchliches Neisebild geben wollte. ittmanns, an dem nicht selten viele Gläubige in den verschiedensten! - Darum versetzen wir unö in die erste belgische Stadt, die man von Aachen Herreisenb, berühret, NamenS Vcrviers. Weil die Locomotive gewechselt wurden, so hatten die Passagiere hinlänglich Zeit sich in dem weitläufigen, lururiös erbauten Bahnhöfe umzusehen, oder in den niedlichen Gärlchen, die diesen umgeben, zu späteren. AIS ich das letztere vorzog, fiel mir alsogleick eine große, majestätische Gestalt auf, die gemessenen Schrittes in schwarzen Strümpfen und Schuhen einhcrschritt. Es war ein Landpfarrer, der seinen Bruder zu besuchen hieher gekommen war. Ich sprach ihn an, und obwohl wir gegenseitig unö anfangs nur halb verstanden, indem er schlecht deutsch und ich nicht gut französisch sprach, so wurden wir roch bald recht vertraut, und nahmen in demselben Waggon unsere Plätze. Ich lernte im Verlaufe des Gespräches immer mehr seinen liebevollen und bescheidenen Charakter kennen, und die väterliche Theilnahme Ansprüche und höhere Forderungen ergingen an den. Diener des Staates Sätzen, mit der er von seiner Gemeinde sprach. Kurz ich vergaß in der Anliegen um seine Fürbitte kniecnd beten. Gesicht und Hände seiner Ab bildung sind schon ganz abgenützt von den unzähligen Küssen seiner andäch tigcn Verehrer. Eine gedrängte Geschichte seines musterreichen Lebens nebst seiner Abbildung ist bei Manz in RegenSburg 1844 in vierter Auflage erschienen. (Kath. Bl. a. Tirol.) Kirchliche Reisebilder. *) I. Belgien. Die neue Zeit, welche mit dem Frühlinge des vorigen Jahres erwachte, regte allwärts neue Ideen und frischeres Leben an, und neue freilich sind in Folge politischer Unerfahrenheit und Ungelenkigkeit so Landschaften, an denen wir voruberflogen, ich manch goldene Ideen in ihrem befruchtenden Keime ersticket worden, und d>e ^^merkung: Wenn alle ^i?>n si»s der Zwischen^ daS, was uns Glück, Heil und Segen hätte bringen können, ist uns unter dann belgisches Volk. bist du gluck ich zu p e>e - ^ s-gr solwer arti- der Hand zu Blut und verzehrendem Feuer geworren. Es liegt nicht mittönen stieg ein Studiosus von owen z , ^ ^ / Z dem Zwecke dieser Zeilen über die Ursachen des totalen Mißlingens, oder 9^' gebildeter junger Mann. ^ ^ ^ über die Mittel, mit welchen man die Pestbeulen der Zeit heilen könnender er neben uns Platz nahm und d.e Na nrl.chke.t m,t ^ Betrachtungen anzustellen. Genug, die Würfel einer neuen Zeit sind dem Landpfarrer nnterhielt. Auch ch ^. nämlich: den geworfen, und bitter täuschen würde sich derjenige, der da in naiver Be- "'/h^ als ähnliche LebenScarrieren un z chs l . Wissenschaft qnemlichkeit meinte, man könne mir nichts, dir nichts, zu den alten Fleisch- hohem GraduS, er m der juridisch ' ^ ^ -in Land alücklich ru topfen EgyptenS zurückkehren. Nein, daS neue Leben wird sich auch bei nehmen. Auch hier konnte rch ch „no es schmerzte mich »»-, WI- B ahn b,-ch-», und im G-i-I,- d-s und wm!"!« m» M da« du,fchl,°s- und ii-t-,»ch- i-d-u *) Aus der Wiener Kirchenztg. an gewissen deutschen Universitäten verglich. Schneller als ich dachte, hielt unser Train stille, und wir waren in Lütt ick. Herzlich war der Abschied von dem Landpfarrer, der mich mit Einladungen überschüttete, nachdem wir unS gegenseitig auS unseren Brevieren ein kleines Andenken gegeben harten. — Lüttich ist eine große Handelsstadt, bietet aber nur gegen den von Schiffen belebten Maaßfluß hin, den so — freundlichen Anblick belgischer Städte, sonst sind die Straßen winklig und thcilweise auch schmutzig. ES lebt und webt alles in dem Innern der Stadt und in das Gerassel der Wägen und Gewerke mischt sich daö vorn Thurme herab ertönende Glockenspiel. Mein Hauptaugenmerk war auf die Kirchen gerichtet, und ick machte mich daran, die Revue zu beginnen. Doch eS war Bormittag, und da mußte ich zu meinem freudigen Staunen hören, daß Fremden nur Nachmittags, wenn die Kirchen leer sind, die Besichtigung gestattet sey. Ich gab mich willig in daS Schicksal und schlenderte indeß in den Straßen herum, besichtigte den großartigen Justizpalast, wo ein Beamter mir mit ungemeiner Freundlichkeit ein Plafondgemälde, das das Glück Belgiens symbolisirte, erklärte. WaS mir bei dieser Häuserschau auffiel, war, daß oft ganz in der Nähe der katholischen Gotteshäuser Freimaurerlogen sich befanden, nichts zu sagen von den protestantischen und jüdischen Tempeln, welche sich in gleicher Unbefangenheit erheben. Nicht minder siel mir auf, daß die Geistlichen ohne Unterschied auch auf der Gasse ihre lange schwarze Kleidung mit dem Abbi- hute trugen, ja daß (Iwrribilo ciiotu!) Jesuiten und Redcmptoristen in ihrem Ordenöhabite gingen, ohne daß sie jemand beirrte. Da ich eben von Oesterreich kam, wo man auf diese Patres förmlich Treibjagden angestellt hatte, so glaubte ich anfangs zu träumen, und fragte einen Herrn, der mir eben unterkam, um gütigen Aufschluß. „O, meinte dieser, diese Herren können in unserem Lande ganz ungenirt leben und wirken; das Volk hat Vertrauen zu ihnen, und als vor ein paar Jahren in der Kammer der Antrag auf ihre Ausweisung gestellt wurde, widersetzten sich der protestantische König und das protestantische Ministerium, weil dieß ein Hohn der Freiheit seyn würde, und so blieben sie; ja man stellte ihnen die Militärmacht zu Diensten, falls sie in ihren Rechten sollten angegriffen werden, WaS aber bis jetzt noch nicht geschehen ist." Da sp tzte ich freilich die Ohren und bekam von der Freiheit andere Begriffe. Nachdenkend verfügte ich mich in eine Restauration, wo mir aber nichts recht munden wollte. — Nachmittags begann der Kirchenbesuch. Im Dome hatten sich eben die Canonici mit ihren hohen Baretten versammelt, und eS begann die BeSper, welche im Choral gemessen gesungen wurde. WaS mir in dem herrlichen GvtteShause abging, waren die Betstühle, welche wir in der Heimath so gewohnt sind. Die ganze Kirche steht frei da und kühn und majestätisch steigen die Pfeiler und Säulen empor, und verschlingen sich oben in zierliche Schiffchen. Diese Leere und Stille, die in allen nach französischer Manier eingerichteten Kirchen BelgienS herrscht, hat etwas eigenthümlich Ergreifendes und zur Andacht Stimmendes. Der Contrast gegen daS bewegte überfüllte Außenlcben ist zu auffallend. Die Sesseln, welche eigens zum Knien und Sitzen eingerichtet sind, befinden sich in einer Ecke der Kirche; wer einen gebraucht, bezahlet einen Sous. — Bon dem Dome weg richtete ich meine Schritte zur Kirche St. Martin, wo die Nonne Juliana der bekannten Offenbarungen gewürdiget wurde, in Folge deren man im Jahre 1246 in dieser Stadt die erste FronleichnamSprocession feierlich abgehalten. Ich besuchte noch andere Gotteshäuser, unter welchen sich durch Nettigkeit und neueren Geschmack das der Rcdemptoristen auszeichnet, mußte aber zu meinem nicht geringen Staunen bemerken, daß eigene Tafeln in den Pfeilern und Altären befestiget waren, auf welchen die Namen der Mitglieder dieser oder jener Bruderschaft ganz öffentlich verzeichnet waren; eS fanden sich auch viele van (Herr von) darunter. Eben so befremdeten mich die vielen gedruckten Annoncen, die an den Kir- chenthüren befestiget waren, und zu einer Masse von nenntägigen Andachten ihre Einladung machen. Wo nimmt denn der Belgier bei seinen Geschäften nur die Zeit dazu her? bei unS ist oft kaum an Sonntagen ein Viertclstündchen für den Geist zu erübrigen! Besonders waren eS Andachten zu Ehren Mariens. In den meisten Kirchen wird an größeren Festen für die seligste Jungfrau ein eigener Thron oft mitten in der Kirche, oder nahe am PreSbyterium cnichtet, auf dem sie reich ausgestattet prunket, und ein ganzer Wald von wohlriechenden Blumen und kleinen Bäumchcn umstellt ihn. Obwohl schon müde, wollte ich auch den PP. Jesuiten, die hier ein großes HauS haben, eine Visite machen, konnte sie aber trotz vielen Fragens nicht auffinden; die guten Patres werden sich indeß nicht gedacht haben, daß sie für einen constitutioncllcn Oesterreichs deS Jahres 4848 ein gesuchter Artikel wären. Eben so erging eS mir mit den äußerst thätigen Schulschwestern und den kröreg clo I'eools ellretisnne — ich mußte mich mit dem Lobe begnügen, das ich ihnen von allen Seiten spenden hörte. So liberal der Belgier in seinem öffentlichen bürgerlichen Leben ist, eben so genau kann er seyn, wenn eS die Prüfung deS Inneren gilt. Nirgends z. B. wird der fremde Priester so angelegentlich um seine bischöflichen Formaten u. dgl. gefragt, als eben hier. Dieß erfuhr ich in der alten Universitätsstadt Löwen, wo ich die heilige Messe crlebriren wollte. Ich wandte mich an den Geistlichen, den ich eben in der Sacristci traf, und zeigte ihm freiwillig meine Meßlicenz. Er nahm sie und laS sie wohl dreimal durch, stellte sogar die etwas auffallende Frage: on aver vous eouclier? und alS ich ihm daS Hotel cle Luecle nannte, schien er gar nicht befriedigt, wahrscheinlich, weil daselbst, wie ich später erfuhr, die neuverlodten Brautpaare ihr Absteigquartier zu nehmen pflegen. Indeß ertheilte er doch freundlich die Erlaubniß und traf selbst Anstalten, während ich meine kraoparstio verrichtete. Als ich damit fertig war, stellte ich mich zu den Paramenten, allein keine Hand wollte mir bei Anziehung derselben behilflich seyn. Dieß ist Gepflogenheit in ganz Belgien, der Priester muß sich selber an- und ausziehen, dafür hat er einen großen Spiegel in der Sacristei vor sich, daß er sieht, ob er seine Sache gut gemacht. (Fortsetzung folgt.) Die Charwoche in Köln. Köln, 9. April. Die Charwoche in der katholischen Kirche ist von wundervollen Eindrücken auf das fromme Gemüth: sie ist voller Poesie, malerisch schön und erhaben in ihren hervorstehenden Momenten; eine Charwoche in Köln liefert hiezu-die deutlichsten Belege. Der christlich classische Boden, die allwärtS in die Augen springende Denkmale einer altersgrauen Vorzeit, der vielartige Kreis antiker Tempel, der lebhafte Sinn der eigentlichen Kölner für kirchliche Feste: alles das vereinigt sich, um den eigenthümlichen Ton der Charwoche hier besonders scharf hervortreten zu lassen. Nach der Morgenfeier eröffnet um Mittag die sogenannte Römerfahrt, schmucklos und einfach, die heilige Woche; eö ist wohl kein HauS in Köln, daS nicht zu dieser Römerfahrt, die sich am GrünendonncrStage wiederholt, seine Person liefert; letztere, am Grüne ndonnerStage, scheint die beliebteste. Am späten Abend, nach eigens abgehaltenem Gottesdienste und Predigt in einer der neunzehn Kirchen, zieht die zahlreiche Procession durch die nächtlichen Straßen betend und singend, von Kirche zu Kirche, in oder vor der Kirche bestimmte Gebete verrichtend; außer und neben ihr zahlreiche einzelne Gruppen, die von gleichmäßigen Gefühlen belebt, sich zusammenfinden zu gemeinsamer Andacht. Dieß Wallen und Wandern von Kirche zu Kirche setzt sich auch am stillen Freitage fort, wo in jeglicher Kirche in eigener Weise das heilige Grab bereitet und von frommen Betern ohne Aufhören bis zum späten Abende umgeben ist. Bei der heurigen freundlichen Luft waren KölnS Straßen von früh bis spät mit frommen Pilgern gefüllt. — Das ist eben die schöne Eigenthümlichkeit des katholischen Glaubens, daß er sich in seinen Anhängern nach allen seinen Richtungen durchlebt und wie die Kirche als der unsterbliche Leib deS Herrn erscheint, so auch seine Lebeirs- und Leidensgeschichte fort und fort durchwandert. Deßhalb bedarf es bei dem Katholiken weniger deS anregenden Wortes; sein Cultus ist ihm fortlaufende Predigt, Belehrung, Ermahnung und Erbauung, eindringlicher und klarer für den schlichtesten seiner Bekenner, als alle Reden nur seyn mögen. So durchwandert der katholische Christ in stiller Enthaltung, in frommem Gebet und in anschaulichen Betrachtungen die heilige Woche, gleichsam mit dem Herrn den Kreuzweg machend, vom Triumphzuge am Palmsonntage bis zur trostlosen, schmerzvollen Grablegung. Und von gedoppelter Bedeutung wird ihm der erste Strahl der Ostersonne, das erste freudige Alleluja am Tage der Auferstehung! (Katholik.) PiuSverein e. Frankenthal, 18. März. Endlich ist auch hier der schon längst gewünschte PiuSverein inS Leben getreten, und zwar als Cantonalverein, welchem sich die Vereine in fünfzehn Gemeinden als Filialvereine angeschlossen haben. ES wäre übrigens schon früher ein PiuSverein bei unS zu Stande gekommen, wenn nicht den Freunden der kirchlichen und religiösen Freiheit die Erlangung eines VersammlungSlocaleS von der Intoleranz unmöglich gemacht worden wäre. Um so erfreulicher muß es darum erscheinen, daß sich ein Ehrenmann fand, der, begeistert für den schönen Zweck der PiuSvereine, ein Versammlungslocal eigens erbauen ließ und zwar so groß, daß 3 — 400 Menschen darin Platz finden, und so zweckmäßig eingerichtet, daß ein kleines Parlament in demselben seine Sitzungen halten könnte. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.