Preis in Augsburg für sich allein (ohne A. Postzeitung)jährlich I G. I«kr. Dur-b die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Postzeitnng. Für sich allein, ohne die AugSburger Post» zeitung, sind diese Blätter nur in, Wege de« Buchhandels zu beziehen und koste» iir ganz Deutschland, der Schwel; u.s. w. jährlich nur 1 fl. Lst»kr. oder I Thlr. Neunter Jahrgang. M L8. 6. Mai L84N. Kirchliche Reisebilber. I. B e l g i e n. (Schluß.) In Antwerpen kam ich eben recht an, (es war an einem Samstage), um einer Procesfion, welche die Bruderschaft zum allerheiligsten AltarSsakrameute abhielt, beizuwohnen. In äußerst andächtiger Stellung folgten dem Baldachin schwarz gekleidete Herren mit brennenden Kerzen in den Händen, und eben so nobel gekleidete Damen. Ueberhaupt konnte ich mich innerlich nicht genug erfreuen über den heiligen Ernst und die Erbauung, welche ich auf allen Gesichtern laS. Freilich trug das Seinigc auch der colossal majestätische Dom bei, welcher mit seinen sieben Schiffen und 125'Säulen ein wahres Wunderwerk genannt werden muß. Ihr Feinde der katholischen Kirche kommet hieher, und besehet die Liebfrauenkirche mit ihren himmelanstrebenden Gewölben, mit ihren trefflichen Glasmalereien, mit den unerreichten Schnitzwerken, und urtheilet, ob diese Kirche nicht dadurch schon unsterblich sey, daß sie die heilige Kunst so gefördert und geschützt hat! Wer, der noch einen Sinn hat für die Meisterwerke eines Rubens und van Dyck, welche in diesem Tempel Gottes verewiget sind, muß sich nicht aufgefordert fühlen, eine Kirche anzubeten und zu verherrlichen, wtkche ihnen den Stoff und die heilige Begeisterung diesen auszuführen eingeflößt hat? — Mit einem seltenen Frieden deS Herzens verließ ich den gothischen Tempel und nachdem ich in der Jesuitenkirche (man schlage ein lateinisches Kreuz) die Menge ihrer Beichtkinder an einem gewöhnlichen Tage bewundert hatte, ging ich die Scheide entlang hinaus zu dem großen Hafen, in welchem bei 500 größere oder kleinere Kauffar- theischiffe vor Anker lagen. Es war Abend geworden, und die letzten Strahlen der Sonne spiegelten sich in den leicht bewegten Fluthen. Eine heilige SabbatSruhe, so wie ich sie in meinem Inneren fühlte, schwebte über der sonst so geräuschvollen Stätte, und doppelt schön und glücklich kam mir in diesem Augenblicke daS belgische Land vor, und nur der Gedanke an mein tief erschüttterleS Vaterland trübte mich in meiner Seligkeit. WaS soll ich endlich in Kürze noch von Brüssel, dieser niedlichen, heimischen Residenz erwähnen, um die gütigen Leser mit meinem Bilde nicht zu langweilen? ES war ein Sonntag, den ich hier verlebte, also ein Tag wo man die katholischen Belgier noch mehr kennen lernen und belauschen konnte;— aber ich fand mich in meinem schon gefaßten Urtheile nur bestätiget: der Belgier ist Katholik mit Leib und Seele. Als ein kleiner Beleg hiefür mag z. B. gelten, daß, trotzdem im ganzen Lande kein SonntagSgesetz eristirt, doch die ungemeine Mehrzahl der Kaufläden und Auslagen verschlossen war. — Als ich im St. Gudula Dome mich etwas umsah, und insbesondere die colossale sinnvolle Kanzel, „ein plastisch christliches Epos" näher betrachtete, that eS mir theils um die Leute, die ich in ihrer Andacht störte, theils um den Klosterbruder leid, der mich begleitete und über und über erröthete, als man ihn als Mitstörenden mit sonderbar fragender Miene zu messen schien. DaS ist die beste Polizei — der ordnungsliebende Volkssinn. So lebt das Volk Belgienö im Segen und Frieden dahin, und genießet die köstlichen Früchte der politischen und kirchlichen Freiheit. Mit dem Fürsten, der die freie Verfassung schützet und schirmet, lebt LaS Volk, wie jüngst jemand bemerkte, wie in einer glücklichen Ehe, cS kommt höchstens zum Schmollen zwischen beiden, aber desto inniger knüpft sie wieder die Versöhnung. Der Kirche gegenüber erkennt sich der Belgier als treuer Sohn der Kirche, und weder im Handel noch Wandel, weder in der hohen Kammer noch im Gotteshause verläugnet er seine warme katholische Ueberzeugung. Weil er die Freiheit versteht, und nicht zu einer Mißgeburt verzerrt, so beschrankt er keinen seiner Mitbürger in seinem Glaubenöbe- kenntniß, sondern läßt jeden gewähren, was ihm am besten dünkt. Belgien ist daS Land, wobin wir alle mit heiligem Wetteifer blicken sollte», und gleichwie die belgische Konstitution ein Modell geworden ist für die mcisteir neueren politischen Verfassungen, so möge auch der kirchliche Zustand Belgiens unö Katholiken ein Ideal seyn, daS bei der Neugestaltung unseres Vaterlandes unS vorschweben soll! Belgien ist das Land, wo wenig gesprochen, aber viel gethan wird! — Gebt unS belgische Bischöfe und Priester, die da Hand in Hand gehen, wenn cS gilt für das Heil der Seelen zu sorgen, die da kein Opfer scheuen, wenn eS die Liebe fordert — gebt unS Freiheit, so wie sie die Kirche BelgienS genießt, — und auch unser Vaterland wird wie ein Phönir aus der Asche erstehe», und WaS daS Jahr 1830 für Belgien war, das wird daS Jahr 1849 für Oesterreich seyn. Schließlich erlaube ich mir zu bemerken, daß mein erstes Reisebild zu wenig Schatten hat. Indeß abgesehen von dem herrlich heiteren Himmel, der die Aufnahme des Bildes begünstigte, und alle Schattirungen erblassen machte, glaube ich diesen Mangel bei den nächst folgenden zwei Bildern, welche Deutschland und die Schweiz darstellen werden, ersetzen zu können. Anton Kerschbaumer. Prophetische Stimmen der Neuzeit. j- WaS war das Traurigste für die Seherin Kassandra, als daß ihr der vorausgesagte Untergang ihrer Vaterstadt Troja von ihren eigenen Mitbürgern nicht geglaubt wurde? WaS schmerzte die Propheten des alten Bundes mehr, als Laß die Juden gleichsam mit freiwillig verbundenen Augen der Assyrischen Gefangenschaft entgegen gingen? Der Sohn GotteS selbst weinte bitterlich über das schöne Jerusalem, weil eS die Zeit der Heimsuchung nicht erkannte und so nach 37 Jahren eine Beute und ein AaS der römischen Adler würde. DaS Nämliche siel mir ein, als ich da» in Einsiedeln erschienene Büchlein gelesen hatte, daS den Titel führt: „Blicke in die Zukunft" oder Geschichte eines frommen und erleuchteten Priesters in den Jahren 1828 — 1830. Metrisch dargestellt von Doctor K...f..., Professor. Wer dasselbe liest, wird sich angetrieben fühlen, eS auch Andern vorzulesen oder mitzutheilen, die um Deutschlands und Europa'S Zukunft besorgt sind. Enthält eS auch keine Glaubensartikel, so ist eS doch geeignet, den abnehmenden Glauben an GotteS Weltregicrung, welche die Schicksale einzelner Menschen und ganzer Völker lenkt, wieder mehr zu befestigen, und die leichtsinnige Lebenslust, die nur den Thiermen- schen im Auge hat, auf ernste Bußgedanken hinzuleiten. Doch ich will hier nicht vorgreifen, sondern nach der Reihenfolge der Geschichte selbst den Inhalt deS Büchleins näher untersuchen. Im Eingänge erzählt der Priester, daß er vor dem Altare Gott um Erbarmung für die'sündige Menschheit angerufen habe. Sein Seelenlciden ergriff auch den Körper, der ermattet in Schlaf sinkt, während sein geistiges Auge in den Büchern der Zukunft laS, die sich in 15 Sonntagen aufblättern. Am ersten Sonntag sah der Erleuchtete ein wunverholdeS Knäblcin, dessen süßer Hauch ihm noch sagte: „Ich will erbarmen!" Aber plötzlich lag an deS KindeS Stelle ein Mann von dreißig Jahren, den er ebenfalls um Erbarmen anflehte. Weg war Mann und Kind, und eS tobt ein Sturmwind in dem Hause, so, daß die Thüre aus den Angeln fliegt. Durch die offene Thüre strömen dichte Menschenmassen, die zum Himmel deuteten auf ein Tuch, welches von den tiefsten Fernen deS Himmels herabgelassen wurde, und woraus Nebel, Rauch und Feuerflammcn stiegen. Plötzlich wickelt sich daS Tuch zusammen und wird ein Balken, an dessen beiden Enden ein Kronen- reif und eine Geißel GotteS hängen. Die Geißel sprüht Feuerfunken, und der Balken verwandelt sich in ein Schlachtschwert, das blutroth über Städte hing und Länder. Wer denkt hier nicht an daS Vstioinium Ickclininum» daß Deutschland werde von Rußland gezüchtiget werden? Der zweite > > Bei einer Präger Barricade. Sonntag führt unS in einen Krankensaal voll crdensarbner, schmerzver- zehrter Menschen, in vessen Mille ein Mann voll erhabener Würde sitzt. Der Priester bittet ihn um Erbarmen; aber sein Gebet wird mit „Nein" beschicken; denn die Zeii eines Gerichtes, der Tennesäuberung und eines neuen Reiches sey angekommen. Die in Buhe harren und den Glauben nicht verletzen, werden gesammelt werden wie die Küchlein der Henne. Eine Deutung dieses Gesichtes möchte vielleicht seyn: „Die Glaubensfrei- heil wird die Anhänger Jesu und seiner Kirche und die Abtrünnigen aus einander scheiden. Am dritten Sonntag sieht der Priester eine wohlriechende Blume, die aber, vom giftigen Thaue berührt, plötzlich verdorrt. Die dahinsterbenden Menschen im Hospitale, die schwarzen Leichenkarren und der Trauergesang: „Kisorero mei, Daus!" erinnern nur zu deutlich an die Wiener Herbstscenen, die sich noch blutiger wiederholen werten, wenn cö auf den NadicaliSmuS ankömmt. Der vierte Sonntag ist der einzige, der auch die Deutung deS Gesichtes enthält. Der vom Thurme sich losmachende Quaderstein stellt nämlich vor den Tod deS Papstes PiuS VIII. am 6. December 1830. Der Thurm wankt zwar, aber stürzen wird er nicht wegen der Fundamente. So wankt auch gegenwärtig Petri Schifflein, aber' sinken wird eS nicht, und der Namenönachfolger PiuS des Sechsten und Siebenten, der zwar gegenwärtig auch ihr Leidensgefährte ist, wird wieder nach Rom zurückkehren und der Vertheidiger kirchlicher Freiheit seyn. Am fünften Sonntag wird der Scher im Geiste versetzt nach Egyptcn, wo die ungestalteten Nilpferde lauschen auf Beute, und das Krokodil! den gelben Rachen spaltet. Lybiens Wüste und ArabienS Felseumassen uinstarren ihn, während er im breiten Strome schrecklich einsam und verlassen steht, und als er um einen AuSweg fragt, wird er auf die dornigen, alpcnvollen und unebenen Berge, auf Schlangen und Basilisken hingewiesen, über die er schreiten muß, um zum Leben zu gelangen. Da er wieder in die Heimath zurück kommt, sieht er seine Kirche zum Waarcnmagazine verwendet, und auf dem Gottesacker reihen sich frische Leichcnhügel und viele offene Gräber aneinander. Ein in schwarzes Gewand gehüllter Fremder begegnet ihm und durchbohrt ihn mit wildem Feuerauge. Hier sind die Verfolgungen des Gottes- und Menschen- FcindeS, deS Satans, die er durch seine Diener auf Erden über die Guten verhängt, meisterhaft gezeichnet. Die zerstörte Kirche und der leichenvollc Gottesacker verkünden den Umsturz deS Christenthums in Europa und den Kampf auf Leben und Tod, den ein Religionskrieg bringen wird. DaS Gesicht des sechsten SonntageS zeigt dem Priester den Markt dieser Welt, der plötzlich durch den Ueberfall wilder Thiere aufgehoben wird. Gegen den Anfall zweier Tiger setzt er sich mit dem Messer zur Wehre, das ihm aber nichts hilft, sondern seine Kniee retten ihn, mit denen er die Thüre deS Hauses zuhält. Durch demüthigeS Gebet und Fasten könnten manche Leiden, die uns drohen, wieder zurückgenommen oder wenigstens gemindert werden. Der siebente, achte und neunte Sonntag gibt an daö Aufhören alles Gottesdienstes auf die Dauer von „Einhundert sechse" (Tage, Wochen oder Monate?), deS Predigend und Beicht- hörenS. Die Kanzeln wanken, und die Beichtstühle werden vom Sturme in die Wüste fortgeblasen. DaS aus Europa wandernde Christenthum wird sich in einem andern Welttheile eine neue Heimatb suchen. Nach Bayern, auf welchem Lande der Himmel lange heiter strahlte, werden wir am zehnten Sonntage im Geiste mit dem Scher versetzt, auf das jetzt schwere Schlossen fallen. Der auf ein Tuch von groben Linnen verschüttete Wein, den zwei Priester in das Faß zurückgießen, mag wohl das viele Gute bedeuten, vaS man da noch antrifft, wenn man eS nur auch zu benützen wüßte, und nicht zu groß die Mühe wäre, die Gutdenkenden um sich zu schaaren. Hätte man weniger Mißtrauen und mehr Vertrauen auf die Kirche, so dürfte man nicht bei Kirchen- und Königöfeinden um Rath fragen. Die Kirche hat ältern und bessern Wein, als der brausende Most der Revolution es ist. Der eilfte Sonntag zeigt unö ein Lavaland ausgebrannter Städte und Fabriken, und weist uns auf die Jncu- rabcln von St. Franciscus, die wahrscheinlich gegen die Armuth Rath schaffen sollen. Ganz Europa ist am zwölften Sonntage ein Kriegslager gegen die Kirche auf einer Felsenfeste, an welcher der Ritter in schwarzer Rüstung nebst seinem Sireitrosse zerschellt. Die drei letzten Sonntage stellen unS vor die triumphirendc Kirche, wie sie nach vielen, langen und heißen Kämpfen voll göttlicher Würde und Erhabenheit dasteht. Ergriffen von der überirdischen Schönheit der Braut Jesu sinkt der Seher an den Tcmpclstufen nieder und ruft entzückt aus: „O wie herrlich ist die Wohnung meines Gottes auf der Erde!" DaS Gesagte wirb genügen, um daö Büchlein selbst zu lesen, von dem eS wohl auch heißen mag: „Wird eS wohl Glauben finden?" Seine bescheidene und ungekünstelte Darstellung und Sprache verdient wenigstens menschlichen Glauben. Göttliche Autorität maßt sich dasselbe nicht an. Die Spuren der Juniereiguisse voriges Jahrs verschwinden allmälig; bald dürften die Narben an der Stirne des Altstädter Brückenkopfes die einzigen Erinnerungszeichen bleiben, weil doch zu erwarten steht, daß die enthaupteten Heiligen und Engel auf der Brücke nicht lange im Zustand dieser traurigen Verstümmelung bleiben sollen. Die Mühlen, der Herd deS furchtbaren Brandes, zumal haben eine glänzende Metamorphose erfahren: anstatt der elenden Bretterbuden sind palastähnliche Häuser emporgestiegen, zum Theil von kühnen Wölbungen getragen, um den Wassern freien Durchzog zu lassen. Kaum ragt der Rumpf LeS ausgebrannten Wasscrthurms über die herrlichen Bauten hinweg, seines noch zweifelhaften LooseS harrend. Ein aus den UntcrsuchungSactcn gezogenes, eben erst in zweiter Auflage bei Sommer in Wien erschienenes Schriftchen weckte die alten Erinnerungen lebhafter, und Manches, was eine gewisse Partei mit Sorgfalt zu verwischen suchte, trat in unliebsamer Wirklichkeit an's Licht. ES wird die Zeit kommen, wo die ganze Tünche sich ablösen, und daS pansla- wische Bild sich in seinen deutlichen Umrissen zeigen wird. Ich schweifte mit einem guten Freunde im Gebiete dieser Reminiscenzen herum, als:wir auf einen Verfall kamen, welcher in den stürmischen Tagen seinen Eindruck nicht verfehlte, obschon daS Gemüth so vielfältig ergriffen war. Er verdient niedergeschrieben zu werden. Die streitenden Parteien wachten besonders darüber, daß den Gegnern kein Schießbedarf zugemittelt wurde. Aus diesem Grunde mußte es sich Mancher gefallen lassen, wenn er in ruhigen Augenblicken über die, die Lager abgränzenden Barricaden kletterte, eine strenge Taschendurch- suchung zu bestehen. Da erschien auch eine alte, häßliche Frauengestalt; ihr wilder, scheuer Blick, ihr ganzes unheimliches Wesen zog die Aufmerksamkeit deS wachsamen Proletariats besonders auf sich. Sie wurde angehalten, und da sie mit Gewalt durchdringen wollte, um desto genauer visitirt. Bald wurden unter wildem Geschrei Patronen auS ihrem Busen hervorgezogen. Ging es bei der Untersuchung schon heftig zu, so gerieth die rohe Masse bei der Entdeckung in eine wahre Höllenwuth, die sich auf'S Aeußerste steigerte, als sie hartnäckig daS Geständniß verweigerte, für wen sie die Munition getragen habe. Sie lag bereits auf dem Boden, man schleifte sie herum, und mißhandelte sie ferner mit Stößen und Fußtritten, ja man drohete ihr den Tod. Ueber die letzte Drohung brach sie in daS Gelächter einer Verzweifelten aus, indem sie rief: Ich will den Tod, daS Maaß meiner Sünden ist voll! Und wirklich stürzten dann, als hätten sie den Rathschluß der göttlichen Gerechtigkeit zu vollziehen, eine Rotte Weiber über sie, und erdrosselten sie auf die schauerlichste Weise. Die Leiche wurde über die Barricade geschlendert, denn man konnte ihren Anblick nicht ertragen. AIS man später die Gebliebenen sammelte, und großen- theilS in eine gemeinsame Grube bei dem Kloster EmauS senkte, war man dagegen, dieses AaS, wie man es nannte, zu ehrlichen Leichen zu legen, und man scharrte eS besonders ein. So läßt sich die schauerliche That nach den mitunter abweichenden Erzählungen der näher Gestandenen nacherzählen. Welches sind aber die Anfänge eines solchen Endes? Wir müssen weit zurückgehen, zurückgehen in eine Zeit, welche von vielen hoch gepriesen wird, in die achtziger Jahre, und in die nächstfolgenden Jahrzehente, wo die gestreuete Saar der Achtziger da am üppigsten wucherte. Unter den vielen Klöstern Böhmens zeichnete sich eines aus, von Söhnen deS heiligen FranciScuS bewohnet. An demselben ging wohl der Geist der Scculari- sirung schonend vorüber, aber auch nur um den Preis, daß dem frivolen Weltgeist, seinem Bruder, der damals, wie heut zu Tage, der Geist der Aufklärung hieß, freier Zutritt gestattet wurde. Nachdem er längere Zeit sich umgesehen hat, fand sich der Mann, dem er seine Weihe geben konnte, und man muß gestehen, daß dieser Vorsteher des HauseS den Zeitgeist auf eine Weise begriff, und ihn zu rcpräsentiren verstand, wie vielleicht wenige seines Gleichen. Mit dem zartesten Puder war täglich der nettfnsirte Kopf angehaucht, der geschmackvollste Anzug schmiegte sich an seine Glieder. Die geschliffensten französischen Manieren machten den Mann in den elegantesten Zirkeln unentbehrlich. Die ohne Widerrede erste Romanenbibliolhek, welche er zu schaffen verstand, bot seinem Geist reichliche Nahrung und Gelegenheit auf zeitgemäße Bildung in weiteren Kreisen, besonders bei dem zarten Geschlechte einzuwirken. Das Ausgezeichnetste aber waren die HauS- feste; die überstrahlten AehnlicheS weit und breit. Von Mittag bis in die sinkende Nacht fesselten immer sich erneuernde Gaumenreize über hundert Gäste an die üppigste Tafel, und war die Nacht da, suchte man Kühlung in den Gärten, wo die schönsten Harmonien durch die duftenden Büsche drangen; da überraschte die Heiteren die Frauenwelt, und daS Ganze krönte ein abgebranntes Feuerwerk. So rauschten einige Jahre vorüber, der Mann war ein wahrer Allerwelimann, ein Ideal, wie eS die schwunghafteste 71 Fantasie eines Aufgeklärten nur malen kann. Das kaeit? 70,000 fl. Schulden, und da der Weltmann einmal nicht bei Gelb war, ein Eingriff in die Armencasse, den ein Raubanfall decken sollte, bei dem aber sehr ungeschickt die Ofenkacheln anstatt gegen daS Zimmer, vvm Zimmer aus in den Ofen eingeschlagen wurden; dann »Amtsentsetzung, etwas Geistesverwirrung, Achselzucken der Tafelfrcunte, Verachtung von Andern, — und der Tod als willkommener Freund. Allein dringt in heilige Mauern dieser Geist, so beschränkt er sich nicht mit dem Verderben Einzelner. Nur wenige vom Geiste GotjeS durch drungene Priester widerstanden dem Reize des böstit Beispieles; lese seufzten bei den üppigen Tafeleien, und athmeten ihre Wehmuth in den heiligen Psalmodien auS, für welche die Andern keine Neigung mehr hallen. Am tiefsten griff das Verderben bei einem jungen talentvollen Mann, der sich endlich auch in die Reize einer jungen Stärkhändlerin verwickelte. Sein Betragen wurde von den ernsten Vätern gerüget. Dieses erregte in seinem leiten schaftlichen Herzen einen bittern Zorn, und da sie auch seinem Streben nach einem einträglichen HauSanue im Wege standen, so kam er auf den schrecklichen Gedanken, drei mit Gift zu todten. Ob dieser Gedanke ihm ursprünglich angehörte, oder von der erwähnten Person gegeben wurde, kann ich nicht angeben; aber erwiesen ist eS, daß beide zusammenwirkten. Nach kurzer Zeit waren die Drei — Leichen. Der Fall machte großes Aufsehen, aber man glaubte an einen unglücklichen Zufall. Die Bosheit hat t, jedoch ihren Zweck nur theilweise erreicht; denn die ersehnten Haus- ämter'wurden durch Andere beseht, welche man auS fremden Häusern herbei zog. Doch das Werk war schon einmal gelungen, man wagte eS ein zweiteömal. Die Wirkung war die nämliche; abermal zwei Leichen, und mehrere Soldaten, denen die guten Patres auS Barmherzigkeit ihre Suppe reichen ließen, erkrankten heftig. Nun schritt man zu ernstem Untersuchen; fand aber den vermeintlichen Grund der Vergiftung in dem prachtvollen Kupfergeschirr, welches der glänzenden Hospitalität wegen angeschafft worden war. Nach einiger Zeit überfielen aber wieder einen Greis, der «dermal vorgezogen war, bei Tisch Uebelkeiten; die Natur half sich schnell, und er war gerettet. Erst da kam man auf die Vermuthung, daß eine absichtliche Vergiftung im Spiele sey. Niemand wagte eS einen Verdacht auf ein Mitglied des Hauses zu werfen, bis ein Knabe seine Bemerkung mittheilte, wie er zweimal gesehen, daß der Pater N. ein Papier auS der Tasche nahm und ins obere Salzfaß geleert habe. Man fand dort noch Gift. Schnell folgte daS Geständniß, und die rechtliche Folge, daß er degradirt, mit der Complice auf die Schandbühne gestellt, aus besonderer Berücksichtigung zu 20 Jahren schwerem Kerker verurtheilt wurde. Nachdem er nach einigen Jahren zu entspringen wagte, wurde er im Augenblicke ergriffen, als er sich die Eisen abzuschlagen versuchte. Deßwegen wurde ihm dann der Spielberg zum Strafortc bestimmt. Dort war er bei sieben Jahre, als er Mehrere inS Einverständniß zog, und durch einen Canal mit ihnen entfloh. Auch da wurde er aufgegriffen, und sollte sein neues Vergehen auf der Bank büßen. Von derselben stand er nicht mehr auf. So schloß ein Leben, daS einst Gott geweiht war! Die Person, welche wir von der Barricade wegschleppen sahen, war die schöne Stärkhändlerin. — DaS sind die Früchte, wenn Klöster dem Zeitgeiste ihre Pforten öffnen, an denen er wieder so frech pocht; so kann man von Gott verlassen werden, wenn man ihn leichtsinnig verläßt. — Wer steht, der sehe zu, daß er nicht falle, und je höher Einer steht, desto tiefer kann er fallen. (Kalh. Bl. a. T.) Deutschland. * Wien, 27. April. Unsere Stadt hat jetzt die Ehre eine große Anzahl ehrwürdiger Bischöfe in ihrer Mitte zu haben. Bereits sind angekommen der Cardinal Schwarzenberg, Fürstbischof Diepenbrock und der seit letzten Sonntag inthronisirte Fürstbischof von Seckau: Rauscher. Ich nenne Ihnen diese drei würdevollen Persönlichkeiten namentlich, weil die öffentliche Meinung sie als die Hauptträger deö übermorgen beginnenden bischöflichen Congresses bezeichnet. Außerdem lese ich unter den Angekommenen die Erzbischöfe von Lemberg, Olmütz und Görz, die Bischöfe von Laibach, Gurk, Budweis, Königgrätz, Lejtmeritz, Trient, St. Pölten, Tarnow, Przemyöl u. s. w. Linz und Briren sind durch Domherren vertreten. — Die Sitzungen beginnen am Sonntag (29.) und werden wahrscheinlich von Minister Bach, da Stadion noch immer kränkelt, eröffnet werken. Noch kann ich Ihnen nichts Bestimmtes über daS SitzungSlocal schreiben, aber das stellt sich immer sicherer heraus, daß man die Zusammenkunft unserer Bischöfe kein Nationalconcilium, nicht einmal eine Synode nennen kann — die Bischöfe selber protestiren dagegen. Die Berathungen werden mehr inS Politische hinübcrspielen, und von einem k. Coniiiiissär geleitet (?) werden. Auf jeden Fall ist zu bedauern, daß die Bischöfe selber über die zu verhandelnden Gegenstände nicht ganz im Klaren sind; sie wissen nur durch das Ministerium LcS Innern, daß eS sich um zwei 8 der oktroyirten Verfassung handelt. Im Publicum geht das Gerücht, daß nach Beendigung dieser mehr politischen Debatten, die Bischöfe die schöne Gelegenheit benützen, und zu einer Synode im kirchlichen sinne und Geiste sich vereinigen werden. Gott gebe cö, es thut noth! Die Nachrichten anS llngarn sind noch immer nicht befriedigend, die Bangigkeit der Gemüther nimmt zu, und wird von der nie rastenden Um- sturzpartei für ihre Zwecke benützt. Von Wien ziehen schon mehrere Familien fort. Ich glaube aber, wir können hier gane ruhig sey». Wenn Oesterreich Wien nicht mehr schützen kann, .dann beginne auch ich an Oesterreich irre zu werden, so ungern ich'S.thue. Einige wollten schon den HH- Bischöfen das Prognostikon stelle», daß eö ihnen so wie einst der gesprengten Lrientersynode ergehen werde. Doch der Herr wird über nnö wachen. Eine größere Krisis als im Jahre 1848 kann nicht mehr über Oesterreich komme», und aus jener Krisis ist eS siegreich hervorgegangen. Daß einige unserer ministeriellen Blätter solch absonderliche Corrcspondenten in Bayern und Preußen bezahlen, wie letzthin Ihr Blatt mit vollem Rechte bemerkte, darf Niemand wundern, der weiss, daß unter den Augen des Ministeriums Leute arbeiten, die mit Kvffuth unter der Decke spielen, und offen triumphircn über die Fortschritte der Insurgenten.. Wir Oesterreichcr sind doch gutmüthige Leute! — Wien, 80. April. So eben komme ich vom Dome zu St. Stephan, in welchem heute um 9 Uhr das feierliche heil. Geislamt zur Eröffnung der ersten österreichischen Bischofssynode im neunzehnten Jahrhunderte gehalten ward. Der Fürst-Erzbischof von Wien als Senior celeburtc, Präsenz leistete Se. Eminenz Cardinal Schwarzenberg, welcher, in Mille deö versammelten hochw. Episkopates, durch seine imposante Gestalt und ehrfurchtgebietende Würde hervorragte. Ich zählte im Ganzen vierundzwanzig Bischöfe auS der österreichischen Monarchie, Ungarn ausgenommen, dessen Episkopat leider durch die noch immer obschwebenden politischen Wirrnisse an der Theilnahme gehindert ist. Bischof Ziegler von Linz und Galura von Briren, beide durch Altersschwäche gehindert, sandten Delegaten. Der Dom war in allen seinen Räumen festlich erleuchtet, und reichlich mit Blumen verziert, und erhöhte die Pracht und Majestät dcS katholischen Cultus, der sich heute im vollsten Glänze vor dem Auge des Gläubigen entfaltete. Man sah auch die anwesende Menge, die alle Räume erfüllte, sichtbar ergriffen von der Feier und Bedeutung deS Festes; denn der Katholik Oesterreichs weiß, daß eS nur gilt, die Kirche in der That auf ihren freieigenthümlichen, selbstständigcn Boden zu stelle», und sie zugleich in jenen Fragen, welche Kirche» und Staat gemeinschaftlich berühren, mit dem Staate in einen harmonischen Einklang zu bringen, der allein heil- und segenbringcnv seyn wird für Oesterreichs kirchliche und politische Zukunft. Man sah Viele auS wahrem HerzenSdrange zu Gott empvrflehen um die siebenfachen Gaben deS heiligen Geistes über die kirchlichen Oberhirten, welche aus den Händen des Eelebranten die heilige Eommunion empfingen, und durch die laute Abbetung der prokessio Trickentiim eidlich betheuerten, daß sie nicht Ein Jota von dem Glauben und den Rechten der Kirche vergeben werden. Mit Vertrauen blickt Klerus und Volk auf die muthigcn Vorkämpfer, auf einen Cardinal Schwarzenberg, Fürstbischof Diepenbrock von LreSia», welcher des österreichischen Antheils von Schlesien wegen zum österreichischen Episkopate gehört, Erzbischof Sommerau von Olmütz, den Episkopat PolenS und deS Küstenlandes. — Obwohl die Bischöfe durch Minister Stadion zu einer Berathung eingeladen wurden, haben sie dock beschlossen, vor der Berathung mit den Staatsbehörden, eine kirchliche Synode zu halten, und es beginnt sonach morgen die erste Sitzung derselben, deren Endresultate gewiß der Oeffenilichkeit nickt vorenthalten werden. — Möge das I'o Oaum Imickgmus zum Schlüsse auS tausend und aber tausend freudig bewegten Herzen zum Lobe GolteS und seiner Kirche erschallen, und Wien ein zweites Würz bürg seyn! » » AuS Oberbayern, 20. April. Ihre Nachbarin, die Allgemeine, hat ihren hohen Unwillen nicht verbergen können, daß man in Bayern für Se. Heiligkeit PiuS IX. sammelt und diese Sammlungen, wie eS den Anschein hat, so ergiebig ausfallen. Sie gesteht, daß sie keine Sorge habe um daS Auskommen Pius IX. und wir hätten ihr ras allerdings ohnehin zugetraut, danken ihr aber doch für das naive Geständniß. Ob aber für das Auskommen deS heiligen Vaters hinreichend gesorgt sey, oder die Allgemeine vor protestantischer Kurzsichtigkeit nicht recht gesehen, cas möge der Leser beurtheilen. Bekanntlich hat Se. Heiligkeit Ende November v. I. Rom in großer Dürftigkeit verlassen und in Gaäta unter dem Schutze deS KönigS von Neapel eine Zufluchtsstätte sich gesucht. 72 I^H L'.i U t^-' c^>. 5^ iKi K^! Der fromme König von Neapel hat sich nun allerdings mit großer Liebe und Freigebigkeit seines hohen GasteS angenommen unv ihm jegliche Hilfe und Erleichterung zukommen lassen: aber wir bitten zu bedenken, daß PiuS nicht allein nach Gavta gekommen, sondern die ganze Regierung des christlichen ErdkreiseS: fast alle Cardinäle, viele Erzbischöfe und Bischöfe, die verschiedenen Kongregationen der geistlichen Angelegenheiten, viele getreue, aber in ihrem Leben bedrohte Anhänger und Diener des Papstes haben sich um ihn vereiniget, und die Regierung der Kirche hat keine Unterbrechung erlitten. Wir bitten auch zu bedenken, daß nach wie vor die Unterhaltung der päpstlichen Nuntialurcn dem Papste zur Last fällt: so wie auch ohne päpstliche Unterstützung manche apostolische Vicariate und Missionen schwerlich fortbestehen könnten. Ohnehin haben die Missionen schon im letzten Jahre bedeutenden Schaden erlitten, da daö Einkommen der Propaganda geschmälert wurde, und Cardinal Fransoni erklären mußte, die Propaganda sey nicht mehr im Stande, die Reisekosten der Missionäre zu tragen. Die Allgemeine hat nicht Bange für die Person Piuö IX;; sie hätte mit derselben Wahrheit sagen dürfen, sie habe keine Besorgniß 1 o. kein Interesse für die katholische Kirche. Ich möchte aber fragen: wem kommt jetzt pflichtgemäß die Erhaltung des Papstes und seiner Regierung zu, nachdem er aus seinem Lande hinausgestoßen, seines Einkommens beraubt, selbst an seinem Privatvermögen — worunter auch die Geschenke deS türkischen Kaisers sind — bestohlen wurde? Etwa dem Könige von Neapel allein? Nein, Piuö IX. ist nicht etwa bloß ein Patriarch für das Königreich Neapel, er ist der Vater der Gläubigen, er ist der Bischof aller Bischöfe, er ist der Oberhirt deS ganzen ErdkreiseS, und darum ist jetzt die ganze katholische Christenheit aufgefordert und verpflichtet, ihren gemeinsamen Vater zu unterstützen. Früher hörte man sagen: der Papst bedarf keiner weltlichen Herrschaft, wenn nur für sein Auskommen gesorgt ist, jetzt, da er seiner Herrschaft beraubt ist, will man auch von den Sammlungen zu seinem Unterhalte nichts wissen. — Ein italienischer Priester schrieb uns kürzlich einen Brief voll des Jubels über die Siege der österreichischen Armee und kann jene tapfere Armee, „die so viele Strapazen aushalten müsse, um die göttliche Gerechtigkeit in Italien zu handhaben" nicht genug preisen. Sie seyen, sagt er, so geduldig und gesittet, daß sich OrdenSIeute an ihnen spiegeln dürften. Die Zustände im Römischen schildert er, wohl mit einiger den Italienern eigenen Uebertreibung, als schaudererregend. Die Priester und OrdenSIeute, sagt er, werden ohne Scheu gleichsam zur Unterhaltung todtgeschlagen und erschossen, die heiligen Gefäße aus der Kirche geraubt. Die Stimmung der Massen, die sich bisher meistens als indifferente Zuschauer benommen, wird namentlich in TvSkana und im Römischen immer günstiger für Oesterreich. Wie oft habe ich schon im vorigen Jahre in Rom hören müssen: Wenn nur Radetzky käme, wir wollten ihm die Hände küssen. Thatsache ist, daß man schon im vorigen Sommer in Fvrli einen kleinen Aufstand mit Barrikaden versuchte und dabei rief: Xbas8o io liiwrta glmsso lo coneossioiii, ab »880 il Llinmtero vivs I'Impgrstor, vivs lXu8tris. Die charakterlose Feigheit der heutigen Italiener ist allein Schuld, daß diese in der Mehrheit der Bevölkerung herrschende Gesinnung erst jetzt nach so großen Leiben durchbricht. Hätten die Guten in Italien Vereine gehabt, wie sie die Radikalen überall haven, das Bild Italiens wäre ein ganz anderes: aber nirgends gab eö Vereine, darum thun Vereine so noth. AuS Südtirol, Mitte April. Wenn man in den Zeitungen liest, wie es in der Welt hergeht, wie unser Papst hat flüchten müssen, wie der Bsschof Marilley von Lausanne in der Schweiz gleich einem Verbrecher auf dem Schub über die Gränze gebracht worden, weil er die Rechte der Kirche vertheidigte; wenn man hört, wie in Italien die Glocken von den Kirch- thürmcn herabgenommen worden, um Kanonen daraus zu gießen u. s. w-, so entsetzt man sich, denkt aber geschwind: Gottlob, bei unS können solche Dinge nicht passiren. Daß aber auch hier zu Lande nicht Alles in Ordnung sey, das beweiset der Versuch, den man von gewisser Seite in Bregen; und in Briren gemacht, die barmherzigen Schwestern zu enrfernen. Wenn so etwas in einer bischöflichen Stadt geschehen konnte, was ist erst anderwärts zu erwarten? Dieser Orden genießt der größten Achtung in dem republikanischen Frankreich. Von Italien hört man nicht, trotz der kirchlichen Störungen, daß etwas gegen denselben unternommen sey. Die Protestanten reden mit Ehrfurcht von ihm, und wünschten ähnliche Einrichtungen zu besitzen. In Klein-Asien nennt das gemeine Volk der Türken die Schwestern Engel, und betet sie beinahe an. Nirgends wird eine Klage laut. Nur in vem katholischen Deutschland, von München auö, br.->t ein Sturm gegen dieselben loS. WaS haben sie verbrochen? WaS ist die Ursache dieses LärmenS? Ist ver Orden in Frankreich, Italien, in der Türkei, in Amerika gut und nützlich, in Deutschland aber, wo er noch vor zwei Jahren ebenfalls allgemein beliebt und gesucht war, mit einem Male nicht mehr seinem Zwecke entsprechend? Ich begreife eS nicht. AuS welcher reinen Quelle die Ankläger desselben schöpfen, mit welch redlichen Waffen sie kämpfen, was die Veranlassung ihres Grimmes ist, das ahnet man aus der Fluth von Schandschristen, Zoten und Schmutzbildcrn, welche bort wie Spülwasser über die armen Schwestern auSgegossen wird. Es scheint, die kirchlichen Orden sind überhaupt Vielen verhaßt und im Wege, unv weil/sie ihnen ein Hinderniß sind, so erklären sie dieselben für nicht zeitgemäß/ Schade nur, daß, wie billig, auch Andern zu reden vergönnt ist, und sie nicht allein daö Wort führen. — Diesen und ähnlichen Bedrängnissen unserer Kirche im Süden von Europa gegenüber kann ich mit Freuden melden, wie sie im Norden, wo sie drei Jahrhunderte lang gleichsam im TodeSschlaf lag, wieder erwacht. In England ward noch unlängst der Dienst der heil. Messe nach dem Buchstaben der LandeSgesetze mit dem Tode bestraft, und jetzt erheben sich dort Hunderte von katholischen Kirchen und Capellen und viele Klöster. Auch in Norddeutschland ist in neuester Zeit der Wendepunct eingetreten. „In Hamburg, so wird mir geschrieben, wußte man früher kaum von Katholiken. Sie waren ganz untergegangen unter der Masse von Protestanten. Nun hat die Sache ein anderes Ansehen gewonnen, seit unsere dortige Gemeinde durch einen würdigen Seelsorger vertreten wird. Die Protestanten, welche ein religiöses Bedürfniß fühlen, wenden sich entschieden dem Katholicismus zu. (Übertritte zu demselben sind häufig, besonders unter Künstlern, Malern, Bildhauern, ja sogar unter Lehrern und Erziehern der Jugend. Der katholische Geistliche hält Wöchentliche Zusammenkünfte mit glaubenSbedürftigen Protestanten, um über religiöse Fragen zu sprechen, und Zweifel zu lösen. Pater Hugucs, auch ein Hamburger, früher Calvinist, nun Katholik und Liguorianer, der durch seine Uebersetzung der Werke deS heil. Liguori auS dem Italienischen inö Deutsche bekannt ist, besuchte vergangenen Sommer seine Vaterstadt, und hatte den Trost, daß in seiner Familie und außerhalb derselben viele und auch solche, welche ihn früher gemieden hatten, sich an ihn drängten, um seinen Unterricht zu genießen." ES scheint, man hat in Hamburg andere Begriffe von den Liguorianern als in Wien, und hält sie für Leute, mit denen sich'S reden läßt, und geberdet sich gegen sie nicht so wüthig, wie HanS Nordmann, der nun schon mehrere Male auf der Rückseite der AugS- burger Allgemeinen Zeitung mit fürchterlichem Zähncknirschen gegen die Liguorianer sich hören ließ, und cS sollte Einen Wunder nehmen, wenn jene unparteiische Allgemeine, die sich in lauterer Unschulv nie um konfessionellen Hader kümmert, ihn nicht bald auf'S neue auS irgend einer Spalte brüllen ließe. Also, um wieder auf Hamburg zu kommen, viele der Besseren und Gebildeten daselbst suchen mit Mühe und Schmerzen wieder zu gewinnen, was hier von Vielen alö Zopf unv alter Plunder bei Seite geworfen wird. Lassen wir unS nicht von den Protestanten beschämen. (Kaih. Bl. a. T.) R o rn Eö wird versichert, Mazzini habe in Rom darauf angetragen, daS Pantheon, bekanntlich jetzt christliche Kirche, von all dem christlichen Unrathe zu reinigen und in einen Tempel, nach Einigen deS Ruhmes, nach Andern der reinen Vernunft zu verwandeln. ES ist wahr, daß man bis jetzt sich noch enthalten hat, in diesen Sücken der ersten französischen Revolution nachzueifern. Aber wie wahnsinnige Ideen Loch auch schon in Rom auftauchen, beweist der Umstand, daß jetzt wirklich daran gedacht wird, den Protestantismus in Rom einzuführen; so lange noch Priester da seyen, behaupten dessen Verfechter, werde auS der Republik nichts werden. (Köln. Ztg.) Griechenland. Die GesetzeSkammer von Griechenland hat die Regierung zur Wiederherstellung der früher aufgehobenen Klöster ermächtigt. (Die Zahl der aufgehobenen Klöster beträgt 400, die der bestehenden 150.) Die Regierung verspricht sich von dieser Maaßregel eine bessere Bebauung der Ländereien, als sie, bisher in Pacht gegeben, betrieben wurde, und eine daraus entspringende größere Einnahme für den Staatsschatz, so wie eine Befriedigung der religiösen Wünsche eines großen Theils des Volkes. — In der Schweiz dagegen meinen gewisse StaalSkünstler, es se» am besten gehauöt, wenn man die kirchlichen Korporationen zerstöre, ihr Besitzthum in alle Winde zerstreue; — nach den religiösen Wünschen des Volkes wird ohnehin nicht gefragt. (WhrhtSfrd.) Verantwortlicher Redacteur; L. Schönchen. VerlagS-Jnhaberr F. C. Kremer.