Preis in Augsburg für sich allein (ohne U. Postzeilung)jihrlich Ist. I»kr. Durch dir Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht sich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsbrrrger Postzeitung. Für sich allein, ohne die AugSburger Post, zeitung, find diese Blät« ter nur im Wege de» Buchhandels zu be- ziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jähr, lich nur L fl. »O kr. oder I Thlr Neunter' Jahrgang. ^ 1 « 1L. Mai 184S DaS Christenthum im Innern Afrikas. (Schluß.) Als wir Dieses geschrieben, erfuhren wir aus Egypten, daß AbbaS Pascha den Europäern den Handel im Senaar (mit welchem Lande die Gebiete von Darfur, Kordofan und von Sudan im engern Sinne*) in vielfach verschlungener Verbindung stehen) freigegeben, eine Concession, die, Wie wir nachwiesen, ganz dazu geeignet ist, Mittelafrika dem Christen- thume, das im Senaar bereits so laut an seine Pforten klopft, für immer zu öffnen, zumal auch in Folge der französischen Februarrevolution für die Missionäre in Algier jenes die Enkel des heiligen Ludwig in der. Achtung aller civilisirten Nationen so sehr herabsetzende Verbot Louis Philipps nicht mehr besteht und die Rcpublik Frankreich der Kirche faktisch weit mehr Freiheit gestattet, als die gestürzte Julivynastie. Werfen wir nun einen fernern Blick auf die Karte von Afrika, so finden wir südlich deS MondgebirgeS noch unermeßliche Länderstriche, die unS unter dem Collectivnamen Hochafrika noch viel unbekannter find, als Centralafrika. Hier hat die Kirche noch fast keinen Fußbreit Landes gewonnen, ein Umstand, der nur dazu dienen könnte, unsere. Verwunderung rege zu machen, wenn wir nicht wüßten, daß die. Küsten dieser Landstriche von Nationen occupirt werden/ die, obgleich christliche, doch ' bisher für die Ausbreitung der katholischen Kirche so gut als nichts gethan haben, wenn sie sich derselben nicht sogar widersetzten. ES besitzen auf den Ost- und Westküsten Afrikas die Portugiesen, Spanier, Engländer, Niederländer und Dänen größere oder kleinere Colonien oder Handelsniederlassungen und Factoreien; auch von den vereinigten Staaten Nordamerikas aus wurde eine Colonie freier Neger, Liberia, gegründet: allein von keiner dieser Colonien geschah Etwas, um dem Christenthums eine Bahn in daS Innere Hochafrika'S zu eröffnen. Die Niederländer, Dänen und selbst die Engländer eiferten in ihrem protestantischen Irrthume mehr oder weniger gegen die katholische Kirche und ihre Missionäre;**) die Franzosen aber haben, wie anderwärts, so auch in-Afrika, in Folge ihres frivolen JndifferentiSmuS, der Verbreitung der christlichen Religion mehr geschadet als genützt, und die Unterthanen Sr. katholischen Majestät von Spanien hatten ihr Augenmerk fast ausschließlich auf Amerika gerichtet, während sie die afrikanischen Colonien nur als bequeme EntrepotS für den von ibnen zu so grauenhafter Höhe gesteigerten Sklavenhandel betrachteten; jeder Schritt zur Ausbreitung bcö Christenthums mußte ja dazu beitragen, den Sklavenhandel in Afrika allmälig zu unterdrücken und eS lag deßhalb im Interesse der spanischen Regierung, die in Spanien und Amerika die katholische Kirche mit so eiserner Consequenz zu schützen trachtete, dieselbe unter dem glühenden Himmel deS unglückseligen Afrika zu keiner Blüthe kommen zu lasten. Gott hat diese Regierung dafür im Laufe der Zeiten mit schweren Prüfungen heimgesucht! Was nun endlich die Portugiesen betrifft, so haben diese unter den erwähnten Nationen noch am meisten für die Bekehrung der heidnischen Afrikaner gethan. Wenigstens gilt dieß von den Entdeckern der oft- und Westafrikanischen Küsten und Inseln. Der kühne Geist deS Jnfanten Heinrich deS Seefahrers war seit der Eroberung Ceuta'S im Jahre 1415 eben so rastlos bemüht in Afrika neue Entdeckungen zu machen, als in den entdeckten Landstrichen und Inseln daS Christenthum einzuführen, wozu er sich als Großmeister deS Christusordens ganz besonders verpflichtet fühlte. ') Sudan Im engern Sinne bildet bekanntlich das östlich an Nubien gränzende Negerreich Houssa, während Sudan im weiter» Sinne das ganze Centralafrika nördlich des MondgebirgeS bis zum altlantischen Ocean hinüber in sich begreift. **) Wer erinnert sich nicht jener vierzig brasilianischen Missionäre, welche auf der Höhe von Palma von den Niederländern unter Anführung SourriS so scheußlich ermordet wurden. So finden wir in den portugiesischen Colonien Afrikas noch heute die in jenen Zeiten errichteten BiSthümer von Angra auf. Terzeira, Funchal auf Madeira, St. Jago und St. Nicolo auf den Inseln des grünen Vorgebirges und St. Thomas an der Küste von Guinea. Das Biö-- thun. Ceuta wurde auch von den Portugiesen gegründet, allein nach den» Tode deö eben so frommen als unglücklichen KönigS Don Sebastian wurde Ceuta spanisch und das BiSthum von Madrid aus besetzt. Die Auffindung deS Seeweges nach Ostindiens, später die Entdeckung und Besitzergreifung von Brasilien lenkten bald die Aufmerksamkeit der Portugiese,» von Afrika ab, während der eben so unternehmende als für die Ausbreitung deö Christenthumes glühende Geist Heinrich des Seefahrers seine»» Landsleuten immer fremder und von kaufmännischer Habsucht und schnödem Eigennutze nur zu bald gänzlich verdrängt wurde. AIS nun noch im vorigen Jahrhunderte der schändliche Pombal die Gesellschaft Jesu in Portugal vernichtete, konnte von einer Verbreitung deS Christenthumes von den portugiesischen Colonial-Biöthümern auS in daS Innere Hochafrikas volle», dS keine Rede mehr seyn; da die Jesuiten schon seit einer laugen Reihe von Jahren die eigentlichen und einzigen Erhalter der christlichen Religion in» den portugiesischen Colonien gewesen waren. Ja eS konnte nicht fehlen, daß nach Entfernung dieser Ordenspriester aus Afrika die portugiesisch- ascikaÄjchc Kirche bei dem Mißbrauche dcr Vorrechte deS HvseS von Lissabon zu einem elenden Schattenbilde herabsank und sich, gleich der Kirche des Mutterlandes, in der neuesten Zeit sogar in einem faktischen Schisma befand, das zum Theil in diesen fernen, wenig bekannten Colonien zur Stunde sein Ende immer noch nicht gesunden hat. Weit schönere Früchte darf man sich Hagegen von jenen apostolischer» Vicariaten und Präfecturen versprechen, mit welchen Papst Gregor XVI. glorreichen Andenkens Hochafrika gleichsam umschlossen hat, so daß voi» allen Seiten her die christlichen Streiter wider daS Heidenthum verrücke»» können und dasselbe mit Gottes Hilfe sicherlich vernichten werden, besonders da eS Thatsache ist, daß dcr der Verbreitung deS Christenthumes so schädliche Islam daS Mondgebirge nicht zu überschreiten vermochte. So finden wir im Süden daS apostolische Vicariat deS CaplandeS, von wo aus die christlichen Missionäre sich mit den Stämmen der Hottentotten, BoSjemanS und Koffern in Verbindung setzen können und dieß zum Theil auch schon gethan haben. Im Westen stoßen wir auf die apostolische Prä- fectur von Congo, von wo auS den zahllosen Negerstämmen deS noch unerforschten Dembo-Plateaus das Christenthum gebracht werde, während das nördlicher gelegene Vicariat von Guinea die Neger landeinwärts der Körner-, Zahn- und Sklavenküste und in südlicher Richtung bis zu den» Reiche Leango hin in ChristuSbekenner umwandeln wird. Noch weiter nach Norden hin schließt sich daS jetzt in ein BiSthum verwandelte Vicariat vor» Senegambien an, welches durch die apostolische Präfectur von Marokko mit dem BiSthume Algier zusammenhängt, daS die oben angedeutete Afrika umschließende christliche Vorpostenkette auf dieser Seite schließt. Auf der Ostseite treffen wir die Präfectur von Habesch, die dem schor» besetzten Nubien und Egypten sich anreiht, aber bis jetzt leider noch bis zum Vicariate deS CaplandeS hinabreicht, so daß sich also zwischen dieser» christlichen Posten die einzige Lücke in der Besetzung der Küsten Afrikas durch die katholische Kirche vorfindet. Möchte auch diese recht bald geschlossen werden! Die Bedeutung der drei evangelischen Räthe in socialer Beziehung. I. Einst trat ein Jüngling zu Jesus heran und sprach: Guter Meister, waö muß ich thun, damit ich daS ewige Leben habe? Die Gebote Gottes, 74 er durfte es vor dem allsehenden Auge deS Herrn sagen, hatte er ron Jugend auf getreu erfüllt. Aber noch lebte in ihm ein ganz eigenthümliches Verlangen nach etwas Höherem, er fühlte sich zu einer größeren Vollkommenheit angetrieben; das war eS, waS ihm der gute Meister beuten sollte. JesuS aber sprach: Willst du vollkommen seyn, so gehe hin, verkaufe, waS du hast, und dann komme und folge mir nach! Unv ein ander Mal, als Er den Aposteln die Gesetze der Ehe erklärt hatte, so daß sie dem ehelosen Stande den Vorzug gaben, sprach Er: Es gibt Ehelose, die eS freiwillig geworden sind, um deS Himmelreiches willen. Wer eS fassen kann, der fasse eS. Und zum dritten Male, als die Apostel sich einst um den Vorrang stritten, sprach Er: Wer unter Euch der Erste seyn will, der soll der Letzte von Allen unv Aller Diener seyn. Diese drei Worte, so unansehnlich und so zufällig scheinend, gcspro- chen von Dem, der die Welt in seiner Hand trägt, sind durch alle christliche Jahrhunderte durchgeschlagen, und, zur gewaltigen Flamme in vielen Herzen entzündet, haben sie Völker gebildet, Staaten geschaffen, Jahrhunderte gelenkt, die Menschheit gerettet. Oder waren eö nicht die Armuth, die Jungfräulichkeit und die heroische Resignation, deren blutigem Siege LaS Heidcnthum zuletzt unterlag, — die anS dem Völkersturm Glauben und Wissenschaft gerettet, die die Wildnisse urbar gemacht, die noch wildern Völker mit dem Kreuze an Ordnung und Gesittung gewöhnt, die Könige und Unterthanen geleitet, in den großen Kämpfen des Mittelalters, wenn oft Anarchie oder Tyrannei Jahrhunderte erschütterten, die empörten Elemente an den ewigen Felsen der göttlichen Ordnung befestiget haben, — die der Kirche in den drangvollsten Augenblicken eine starke Wehr waren, und so die Bedingung der Entwickelung der Menschheit erhallen haben? An der Geschichte von achtzehn Jahrhunderten haben die drei Gelübde ein vollgewichtiges Zeugniß für ihre sociale Bedeutung; eS wäre lächerlich, zu läugncn, daß ihnen im Plane des Herrn der Geschichte eine ganz ungewöhnliche große Wirksamkeit angewiesen ist. Wem daö Geheimniß der Geschichte klar geworben, wer nicht mehr glaubt, daß der Menschengeist mit seinen Fort- und Rück- und Seitenschritten ihre Mitte ist, kann nicht daran zweifeln: die drei evangelischen Räthe haben die Bestimmung, die sociale Welt aufrecht zu erhallen. AIS Gott Wesen erschuf, die deS Bewußtseyns ihrer selbst und anderer Wesen fähig waren, konnte er keine andere Absicht habet?, als daß Er, das Wesen im eminenten Sinne, der Grund und AuSgangs- punct ihres Daseyns, auch eben so Grundlage und AuSgangSpunct ihrer ganzen Lcbenöthätigkeit sey. War die Ebenbildlichkeit GolteS der Vorzug der geistigen Natur, so mußte die Aufnahme des göttlichen Willens die Vollendung des geistigen Lebens seyn. Die göttliche Idee vom Menschen erforderte also nicht, daß ihm der Wille Gottes als objectives Gesetz vorschwebte, nach welchem er ängstlich und mühsam ringen und seine Schritte berechnen müßte, sondern derselbe muß lebendig in seinem Innern leben, muß die Seele seiner Seele seyn, muß so innig mit dem menschlichen Willen vereinigt werden', daß dieser nach jenem sich transfvrmirt, sich ihm, so viel es dem Geschöpfe möglich, verähnlicht, so daß zuletzt daS (geistige und Natur ) menschliche Leben von Gott getragen und gehalten war, ja, ohne Aufhebung der Freiheit, ganz im göttlichen Leben aufgegangen ist. Natürlich kann da die Freiheit keineswegs leiden, wenn jenes Leben in ihr herrschend wird. Vielmehr mag sie dann, von der Bleischwere der knechtischen Natur entlastet, in jenen reinen Höhen des göttlichen Lebens, von wann sie ja stammt und wo in ewigem Sonnen- glanze der Urfrciheit die höchste Seligkeit waltet, erst recht kräftig ihre Schwingen entfallen. So lange der Mensch, noch nicht zu der verhängnißvollen Entscheidung hingedrängt, in diesem Zustande lebte, wußte er Nichts von einem von Außen ihm gegenüberstehenden Gesetze; er trug daS Geheimniß deS göttlichen Willens in eigner Brust, und kannte kein anderes Leben, als! nach dem Zuge jener Macht, der seine Seele ganz ergeben war. Doch j als daö Unselige geschehen, alö sein Geist sich von jener nur freizwingen-^ den Macht in völligem Widerspruch losgerissen und den geheimnißvollen LcbcnSbund mit klarem Bewußtseyn aufgekündigt hatte, so konnte zwar auch dadurch die Nothwendigkeit der beständigen Gegenwart des göttlichen! Willens bei jenem wesenbewußtcn Geschöpfe, weil die Idee derselben, nicht aufhören; aber dieser Wille mußte den Charakter der Gesammtheit, der Aeußcrlichkeit in seiner Erscheinung an sich tragen, er mußte Gesetz werden, daS sich, wie früher der göttliche Wille mit dem doppelweseittlichen Ich in Verbindung gestanden, dem Menschen so auch nun geistig (Gewis-! sen) und körperlich (geschriebenes, gesprochenes Gesetz) entgegensetzte, so zwar, daß diese beiden Wege sich gegenseitig unterstützten und ergänzten.! Da aber durch jene Aufkündigung auch im Menschen selbst die Ordnung gewichen und der Geist dem Sklavenjoch des Körpers unterlegen war, so mußte sich dieß Mißverhältniß auch in der überwiegenden Kundgebung deS Gesetzes auf materiellem Wege zeigen, und der Geist auch die Demüthigung hinnehmen, daß der göttliche Wille mit ihm mehr mittelbar, durch die Natur, als unmittelbar verkehrte. DaS war das Gesetz vom Sinai. Dieser Zustand war nicht der Zweck der Menschen. Nichtsdestoweniger konnte auch Gott das Resultat der einmaligen freien That deS Menschen nicht aufheben. Wie aber, wenn er die ganze Menschheit durch ein wunderbar in sie geschaffenes Glied so mit sich verband, daß sie mit ihm, wie ein Geschlecht unter sich verbunden war, sofern nur ein Jeder auch geistig diese Gemeinschaft affirmirte? Dann war freilich der Wille Gottes im Geiste dcö Menschen wieder zu Recht gekommen und in dessen Lebensver- band überall aufgenommen, wo die gejchlechtliche Gemeinschaft mit jenem neugeschaffenen Gottmenschen auch geistig asfirmirt worden. Geschieht nun diese Affirmation, so ist „lebendiges Wasser" verheißen, die „leichte Bürde," das „sanfte Joch," dann ist das Gesetz wieder „in unsere Herzen geschrieben", unv wir sind nicht mehr „Knechte", sondern „Kinder und Erben GotteS". Geschieht die Affirmation nicht, so bleibt daS Gesetz immer ein Fremdes, ja Feindliches, wird zur Strafe. So lange die Gemeinschaft deS Geschlechtes dauert, kann die Affirmation geschehen; aber so lange auch kann sie (denn auch die Sünde ist durch das Geschlecht gekommen) wieder negirt werden, unv deßhalb ist der Wille Gottes auf Erden selbst Denen, die in ihn eingegangen, nicht nur inneres Lebenselement, sondern auch äußeres Gesetz. So trägt also der Christ den Willen GotteS wieder in eigner Brust, „die Liebe Christi drängt ihn," „die Gnade ist auSgegossen in sein Herz durch den heiligen Geist," „von Gott kommt sein Wollen und sein Vollbringen," — und zugleich steht ihm jener Wille GotteS als äußeres Gesetz gegenüber, so daß er, obgleich nicht mehr Knecht, sondern Kind GotteS, doch „sein Heil wirkt in Furcht unv Zittern". Nun ist das christliche Gesetz zwar, einem dornigen Zaun gleich, hinreichend, auf den Triften deS Heils zu bewahren und die wilden Thiere abzuwehren. Auch ist eS schon deßhalb ein Ansang der christlichen Vollkommenheit, weil geschrieben steht: „Ich bin den Weg deiner Gebote gelaufen: da hast du mein Herz erweitert." Aber wo in einer Seele der Wille GotteS, so viel eS die Erve zuläßt, herrschend geworden, welches Ziel kann da wohl die Vollkommenheit und Liebe haben? Miß die Liebe des unendlichen GotteS auS und dann sage eS mir! Welch' eine Ertövtung der Augenluft, Fleischeslust und Hoffart deS Lebens! Doch nein! welch' eine Geringschätzung alles BesitzeS alö Koth und Auskehricht, welch' ein Abscheu gegen alle Lüste der Erde, welch' eine Furcht vor dem eignen Willen — nur Gott Alles in Allem! Diese Vollkommenheit durch den innewohnenden Geist Gottes ist aber auf Erben nicht unverlierbar; denn noch besteht der Verband deS Geschlechtes und durch das Geschlecht die Sünde. — So müssen auch sie, diese Hügel und Berge auf der Trift des Heiles, mit einem Dorncnzaun, mit einem Gesetz umfriedigt werden; aber dieses Gesetz wird nicht von Gott gegeben, wie das andere, sondern von dem in Gott eingegangenen, in Gott erstarkten und in Gott freiwirkenden Willen. Denn Gott ist nicht mehr außer ihm, sondern in ihm. Und dieses selbst gegebene Gesetz höherer Vollkommenheit, dreifach nach unserer Beziehung zu uns selbst, den äußern Dingen und den Nebenmenschen, ist daS Gelübde. Gehen wir nun nach dieser nothwendigen Darstellung seines Wesens auf.seine Erscheinung in der Geschichte näher ein, so sind zuvörderst die drei ersten Jahrhunderte zu betrachten. Gewiß war in jener Zeit, da eine Sittenreinheit und GotteSliebe zur Taufe nöthig war, wie sie jetzt bei der letzten Oelung selten ist, das höchste Vorbild Jesus Christus, Er, der, obgleich der Reichste, der Seligste und der ewige König der Könige, doch der Aermste, der Mann der Schmerzen, und Aller Diener geworden ist. Doch damit nicht der Glanz der Gottheit von Seiner Nacheiferung abschreckte unv verwirrte, so hat auch dem schwachen Geschlechte Jene sich Ihm zur Seite gestellt, die da heißt „Mutter der schönen Liebe, Mutter der heiligen Hoffnung, Magd des Herrn." Man schaute nach der Sonne der Gerechtigkeit, nach dem Morgenstern hin — und dieser Blick war das Gelübde, ihnen in ihrer Vollkommenheit nachzustreben. Wie herrlich war sie da, die heilige Braut Christi, die Kirche, in der Jugendschöne heiliger Liebe und im Purpurschmuck deS Martyriums! Wie hätten damals ihre Kinder den Weg der Gelübde verfehlen können, wie „das Wort nicht fassen" sollen! Wie hätte» sie sich an die Erdengüter hängen können, die man ihnen entriß, an die Lüste der Welt, die sie verfolgte, an die Eitelkeit des Lebens, das ihnen sein Elend seine Oede und Erbärmlichkeit zu zeigen wetteiferte! Ihnen blieb Nichts, als der Herr; darum genossen sie, als genössen sie nicht, besaßen, als besäßen sie nicht, litten Verachtung und Gewaltthat, indem sie mit Entsagung den Blick auf die unverwelkliche Krone hefteten. 75 Ihr ganzes Leben war ein Gelübde. Fragst du, waS dieses Leben füi^ Früchte gebracht? Es hat die Sklaverei vernichtet, deS WeibcS Würde; hergestellt, ven heidnischen Staat als solchen gestürzt, Las Panier der Frei,! heil der Religion, der Nationalität, der Person in die ganze Welt siegreich! hinausgetragen. Doch diese heroische Zeit endete mit der politischen Anerkennung deS Christenthums, aber die Gelübde nicht. Sind sie ja doch das Herz, das Palladium desselben. Die wilden Völker zogen über die versänke römische Well hin, der morsche Koloß krachte zusammen; die rohen Horden aber-) die sich auf den Trümmern tummelten, ungeduldig, ihren Beruf zu einer bessern Ordnung der Dinge zu erfüllen, harrten einer mütterlichen Bildnerin, die sie alle mit gleicher Liebe umfassen und zur gleichen Mündigkeit und Selbstständigkeit im christlichen VölkerhauSyalt erziehen sollte. Und es begann von der immergrünen, heiligen Insel der Kirche aus auch eine Wanderung, nicht zerstörend, verheerend, sonvern von Frieden und Segen begleitet. Es waren die Jünger des heiligen Benedict, welche die Barbaren mit Einsetzung ihres Lebens in ihren Wäldern aufsuchten, ihnen die Kunde von einem gerechten und unendlich liebreichen Gott brachten, sie von den blutbespritzten Götzen Hinwegrissen, und die Wildmß ihres Landes, wie ihrer Herzen lichteten, befruchteten, belebten. Da regte sich mit einem Male eine mächtiges Treiben und Wirken in immer weiteren Kreisen um die stillen Wohnstätten der Mönche. Uralte Eichen, deren dunkle Schatten die Schlupfwinkel von Bären und Elennthieren gewesen, sanken unter den Streichen ihrer Aerte, wallende Saaten breiteten sich über die sonst mit Gestrüpp und undurchdringlichem Tnckicht bedeckten Thäler aus, in deren Mute Meiereien, Höfe, Dörfer, Städte sich an des KtvsterS heilige Mauern, wie die Kinder an das Kleid der Mutter, anschmiegten. Da wohnten gesegnete Familien und kosteten zum ersten Mal das Glück der Civilisation und segneten die Hände der Mönche, die ihnen dieselbe gebracht. War das nicht so recht das Bild deS christlichen Lebens: In der Mitte, gleichsam im Herzen, die Männer, die Frauen der Gelübde, und um sie her die zu erziehenden Geschlechter! Auch die Staaten begannen sich zu bilden; die Männer der Gelübde verfaßten Karls deS Großen Capitularien, leiteten die Könige zum Heil der Völker, senkten den Samen der Wissenschaft, die durch sie gerettet war, den Samen jeglicher Tugend in die strebsamen Geister ein, kurz sie waren die Schutzengel, die Väter der europäischen Menschheit. Nun begannen die großen Bewegungen deö eigentlichen Mittelalters, voran der Niesenstreit, das Papstthum gegen maaßlose Fürstengewalt, die die Kirche knechten wollte, um dann dle wehr- und rettungslosen Völker in die Fesseln orientalischer Sklaverei schlagen zu können. Waren es nicht auch hier die Männer der Gelübde, die sich den Ränken und Gewaltthaten der Fürsten und ihrer Knechte entgegenstellten, ein Bollwerk der Freiheit der Kirche und der Völker? Wenn es gegenwärtig den Völkern wenigstens nicht an dem Bewußtseyn ihrer Rechte und der Kraft, sie zu behaupten,*) fehlt, so haben sie dieß den Männern der Gelübde und ihren damaligen Anstrengungen zu danken. Eine andere Bewegung deS MittclaltcrS waren die Kreuzzüge. Seitdem das kleinstädtische Wesen der neuern GeschichtSbehandlung zu langweilen beginnt, begreift man allmälig, welchen ungeheuern Anstoß dieselben der geistigen Entwickelung Enropa's geben mußten, wie ohne diese große Strömung nach dem Orient die ungeschlachte Naturkraft der Völker dem Geiste nie Unterthan geworden wäre, und der Geist nie jene wundersamen, manchfaltigen Blüthen getrieben hätte, welche selbst eine Zeit, wie -die unserige, nur anstaunen kann. Es wäre überflüssig, die Wohlthaten der Kreuzzügc speciell von ihrer socialen Seite darzustellen; auch würde dadurch der innige Zusammenhang und das Großartige der mittelalterlichen Verhältnisse nur leiden. Wir können kühn behaupten, wäre unsere Zeit für einen solchen Gedanken zu begeistern, — er enthielte die Rettung der Gesellschaft und den Samen deS Glücks auf Jahrhunderte hinaus. Da^ malS aber waren die Männer der Gelübde die Träger, die Verbreiter,! die Vollender des großen Gedanken. Bei ihnen fand auch derjenige ein stilles Asyl, der sich, von der sturmbewcgten Well verfolgt, getäuscht ober auch nie getäuscht, nach Schutz und Ruhe sehnte. Bet ihnen fand jede Wunde Heilung oder Linderung, jede Noth Hilfe oder Trost. Von dem Grimm der Verzweiflung an allem Göttlichen und Menschlichen, von der socialen Zerrissenheit unserer Tage wußte man Nichts. Aber wie kam denn das? fragt man vielleicht. Ja freilich, wenn man meint, eS verstehe sich von selbst, daß Jeder so viel besitzt, genießt und regiert, als er eben kann oder auch nicht kann, dann bleibt die Zerrüttung der Gesellschaft ein unauflösliches Räthsel, sie scheint dann eben dazu bestimmt zu seyn. Dann *) Lb sie auch noch die Weisheit bewahren, ihre Kraft und ihre Stechte zu gebrauchen, ist natürlich eine andere Frage. gibt cö nur Commissionen, Vorschläge, Worte zur Hebung der Noth und es gibt am Ende keine anderen öffentlichen WohlthätigkeitSanstalten, alö Kasernen, Zuchthäuser, Narrenhäuser, Pfandhäuser, Enlbindungöhäuscr und andere Häuser. Daß aber der Uebervölkerung nur durch das Verzichten Vieler aus die Ehe gesteuert werden kann, will, obgleich eS so klar ist, alS 2X2—4, der hochweiscn Gegenwart nicht einleuchten, daß die Verarmung mir gehoben werden kann, wenn Viele dem Eigenlhume zn Gunsten der Armen entsagen und arm werden wolle», um die Armuth und Almosen mit dem Armen zu theilen, — daß der Geist des Gehorsams, die Achtung vor der Autorität, ohne die noch keine Gesellschaft bestanden, nur hergestellt werden kann, wenn Viele Angesichts der Welt sich freiwillig einem Obern untergeben und ihren Eigenwillen Gott zum Opfer bringen, — das Alles kann offenbar eine Zeit, die an Einsicht in das Wesen der Gesellschaft tief unter dem „finstern- Milielalter steht, nicht erkennen. Die Reformation, die eben Nichts war, als die Verwerfung der Geheimnisse deS Christenthums, mußte natürlich die Gelübde eben so unmittelbar über Bord werfen, als das Christenthum sie hervorgebracht; ihre Früchte, die sie nun, abgelebt, zurückläßt, sind eben die Geißeln unserer Zeit. Werden sie Europa in rasendem Kampfe zeifleischen und aufreiben? Wird Gott seine Hand zurückziehen, und sie den Kommenden ein Denkmal vollenden lassen, daß noch kein Volk ungestraft sich vom Geiste deö Christenthums lossagt? Nein, Las wird Er nicht. Groß ist das Elend und der sociale Verfall, groß, wie in der ganzen Vergangenheit zusammengenommen; aber größer noch ist die Macht, der Reichthum der Kirche, denn in ihrem unverwüstlichen Heiligthum birgt sie die Garantie der Gesellschaft, die Gelübde. Der große Kirchenbann, ausgesprochen über den Priester Joseph Aigner. Valentin, durch göttliche Erbarmung und deö heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Regens bürg. Um noch größere Uebel und Aergernisse von der Kirche Gottes und den Unserer Obhut anvertrauten Gläubigen abzuwenden, sehen Wir U»S mit tief bekümmertem Herzen genöthigel, gegen einen Priester Unserer Diöcese, üachde,m alle Belehrungen, Ermahnungen und Bitten vergeblich gewesen, Gebrauch zu machen von der Lurch unsern Herrn unv Heiland JesuS Christus seinen Aposteln und ihren Nachfolgern (Match. 18, 15—18) übertragenen Gewalt, zu strafen und von der Gemeinschaft der Kirche auszuschließen. Im Laufe des Jahres 1848 erschien unter dem Namen Tbeoror Trautmann in zwanglosen Blättern eine Schrift mit dem Titel: Rü ckkehr zum apostolischen Christenthum, welche offen darauf hinzielt, LaS ganze positive Christenthum zu untergraben und zu stürzen. Denn eS werden darin die Grundfesten der christlichen Religion, daS Geheimniß der allerheilig- sten Dreieinigkeit, die Gottheit Jesu Christi und des heiligen Geistes, die Erbsünde, die Erlösung und daher auch alle Mysterien des Heiles, daS Opfer deö neuen BundeS und die Sacramcnte, so wie die Auferstehung der Leiber mit dürren Worten geiäugncl und bestritten, nichts davon zu sagen, daß sie damit beginnt, die ganze heilige Kirche, die bereits durch achtzehn Jahrhunderte alle Stürme siegreich überstanden, und welcher der Beistand deS heiligen Geistes verheißen ist bis zum Ende der Welt, darzustellen als in die größten Irrthümer verfallen. Bald nach dem Erscheinen der ersten Hefte dieser Schrift verbreitete sich daS Gerücht, daS auch in öffentliche Blätter überging, der wahre Verfasser der unchristlichen „zwanglosen Blätter" sey Hr. Joseph Aigner, (seil dem 13. November 1835 Stadtpfarrer und Sladtvccan zu Amberg). Wir durften nun Kraft Unseres Oberhinenamtes nicht säumen, über den Grund ober Ungrund dieses Gerüchtes Uns volle Gewißheit zu verschaffen, und beauftragten daher unter dem 2. Dezember 1848 den Herrn Decan, sich binnen gewisser Frist persönlich vor Uns zu stellen, oder wenn er der Verfasser genannter Schrift nicht sey, eine Gegenerklärung bei der oberhirt- lichen Stelle einzureichen und sie zugleich in öffentliche Blätter einrücken zu lassen. Wie groß war Unser Schmerz, alS derselbe in einer Zuschrift an Unser Ordinariat vom 10. December sich als wirklichen Verfasser der zwanglosen Blätter mit dem Beifügen erklärte: „er sey von der Wahrheit ihres Inhaltes so innig überzeugt, daß er um Alles nicht davon abstehen könne!" Ja, wie groß war Unser Schmerz, daß ein Priester Unsers BiSthumS, den die heilige Kirche so lange in ihrem Schooße getragen, eben diese Kirche so schnöde verrathen und den Gläubigen so großes Aergerniß geben könne! Wir haben sofort den Herrn Decan Aigner, der in seinem Schreiben vom 10. Dec. zugleich seine Pfarrei resignirte, unter dem 14. Dec. zu UnS beschieden, um ihn wo möglich von seinen Irrwegen zurückzurufen, 76 -«4> I. ^ . > Anstatt diesem Auftrage zu entsprechen, erklärte er, einen Widerruf veröffentlichen zu wollen, welcher auch in einem Blatte (Augöb. Postzeitung, außerord. Beilage vom 10. Dec.) erschien. Da dieser sogenannte Widerruf sich nur in eitlen Ausflüchten erging, so konnten Wir UnS damit nicht begnügen. Wir erließen daher an den resignirten Herrn Decan den kategorischen Auftrag, persönlich vor UnS zu erscheinen; zugleich wurde ihm die Feier der hl. Messe und die Ausübung der priesterlichen Funktionen untersagt (unter dem 2. Jan. 1849). Am 6. Jan. erschien derselbe vor UnS, und nach längerer Unterredung, bei welcher ihm auch unverholen gelassen wurde, daß er, falls er nicht förmlichen Widerruf leisten sollte, aus der katholischen Kirche ausgeschlossen werben müßte, erbat er sich zur Abgabe seiner Erklärung, ob er den Inhalt der zwanglosen Blätter widerrufen könne oder nicht, einen Termin von 10—12 Tagen, der ihm gewährt wurde. Auf sein Ansuchen vom 10. Januar wurde ihm dieser Termm noch um 14 Tage verlängert. Endlich unter dem 10. Febr. erklärte er sich, „er könne Wahrheit und an dem gesunden Sinn des Volkes und seiner Fürsten, welche die unheilschwangern Geschenke, so aus beiden Lagern bittend zugleich und drohend ihnen geboten wurden, mit überwiegender Mehrheit entschieden zurückgewiesen haben. So entstand die unnatürlichste aller Coa- litionen, die weithin im Umkreise und auch in unsern beiden Schwesterprovinzen nicht minder rührig ist, als sie sich dort in der Paulskirche thätig gezeigt hat. Nachdem sie dort eigenmächtig daS Reich getheilt und die eine Hälfte desselben preisgegeben, werden vielseitig schon auch hier in Rheinland und Westfalen Stimmen laut, welche unsern König, Friedrich Wilhelm IV., verpflichten wollen, die ihm dargebotene Schattenkaiserkrone über dcö Reiches andere Hälfte anzunehmen und welche vereint mit jenen frivolen Kaisermachern über jeden ächten Patrioten, der in diese Zerstückelung und Herabwürdigung Deutschland nicht einwilligen mag, als über einen Feind der Ordnung, des CesitzeS, der Freiheit und nationalen Größe des Vaterlandes ihr Anathem auSsprechen. Gegen den gemeinsamen cr..r— -r>» : ---- -.' -- — nicht widerrufen; er unterwerfe sich aber in Allem dem Glauben der Kirche INemo nill -- und opfere also seine individuelle Ueberzeugung der höhern Autorität derselben;' wähnen sie fty eö en 5?'^ 2si erst der "Sieg errungen so' " ..N.^t verbaten, sanvern die Nnrtn nnne'! ne7 Verbündet-N z.?e,ttledi: kS mögen jedoch diese seine Blätter nicht verboten, sondern die darin angeregten Reformen in Erwägung gezogen werden." Da Wir Uns bei einer solchen Erklärung nicht beruhigen konnten, so forderten Wir den resignirten Herrn Decan Aigner unter dem 16. Febr. zum dritten und letzten Male zu einem bestimmten Widerrufe auf, widrigen Falls Wir nicht länger säumen dürsten, die Ercommunication nunmehr wirklich über ihn zu verhängen. Nachdem ihm wegen Krankheit gesetzte Termin von 8 Tagen wieder verlängert worden, sprach er sich unter dem 17. März aus: „er könne den Inhalt seiner Schriften nicht widerrufen, seine Ueberzeugung stehe zu fest;« zugleich erklärte er seinen freien AuStritt aus der katholischen Kirche. Und noch einmal erfüllten Wir seine, dieser Erklärung schließlich beigefügte Bitte eine Nachschrift abzuwarten, ehe Wir daS Unheil über ihn fällen wollten. 'Diese Nachschrift erschien unter dem 25. März, und war des Inhalts, man möge ihn aus der katholischen Kirche ausschließen, hierbei jedoch mit möglichster Schonung zu Werke gehen. Im Hinblicke nun, 1) daß der Priester und ehemalige Stadtpfarrer und Stadtdecan zu Amberg, Hr. Jos. Aigner, durch seine in den zwanglosen Blättern mir dem Titel: „Rückkehr zum apostolischen Christenthum" öffentlich behaupteten und vertheidigten Irrlehren verfallen sey den Analhemalismen Welche die allgemeinen Kirchenversammlungen zu Nicäa (335), Konstantinopel (381), Ephesuö (43l), Chalcedon (451), besonders aber der hl. Kirchen-, rath von Trient ausgesprochen haben; im Hinblicke, 2) daß derselbe trotz Unserer Belehrungen und der dreimal wiederholten canonischen Ermahnungen sammt Androhung der kirchlichen Strafen hartnäckig bei seinen Irrthümern verharret sey; im Hinblicke, 3) daß derselbe in der Kirche GotteS großes Aergerniß gegeben habe, besonders auch durch die so anstößige und völlig ungegründelc Behauptung, in jeder Diöcese würde die Hälfte der Geistlichen seiner Meinung beipflichten; im Hinblicke, 4) daß derselbe selbst seinen AuStritt auS der kathosischcn Kirche erklärt habe; im Hinblicke endlich 5) auf die kirchlichen Satzungen o. 7. 8. 9. 13. X. (5. 7.) cw lureretiew o. 49. X. (5. 39.) lle sentontia sLeommuniLstionis, sprechen Wir, nachdem alle Mittel der Milde erfolglos geblieben, hiemit über den genannten Priester als einen hartnäckigen Jrrlehrer den großen Kirchenbann aus mit allen seinen gesetzlichen Folgen; Wir entsetzen ihn seiner geistlichen Würde erklären ihn verlustig aller Rechte und Privilegien des geistlichen Standes' und schließen ihn von der Gemeinschaft der Gläubigen aus — im Namen deS NaterS, des SvhneS und des heiligen Geistes. Amen. Zugleich verbieten Wir allen Gläubigen Unsers BiSthums gemäß o. 4 X. (5. 7.) cko lmeretiois die von dem aus der Kirchengemeinschast ausgeschlossenen Priester Joseph Aigner herausgegebenen zwanglosen Blätter zu lesen, zu kaufen oder zu behalten, ermähnen sie dagegen, kür diesen Unglücklichen dringend zu Gott zu flehen, damit er zu seiner Mutter, der hl. Kirche zurückkehren möge, ehe er erscheinen muß vor dem Richterstuhle Jesu Christi'! Gegeben zu RegenSburg den 13. April 1849. 4 Valentin, Bischof. ^ Joseph Lipf, bischöfl. Secretär. Aufruf an alle katholischen Gemeinden, insbesondere an alle katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen. WaS bereits über das Jahr hinaus verwerfliche Sondergelüste und anarchische Bestrebungen gegen Deutschland gesündigt haben, ist bekannt. Wir wissen, wie eS bisher zu Schanden geworden an der Macht der gen. Dieß das Geheimniß ihre Verbindung; daher die Uebereinstimmung ihrer Forderungen. Währeno es aus der demokratisch-konstitutionellen Volksversammlung auf dem JohanniSberge zu Elberfelv zu unS herüberhallt: „DaS würtlembergische Volk ist uns mit edlem Beispiele vorangegangen! Sollten die preußischen Stämme zurückbleiben, wenn eS die Einheit und Freiheit deS deutschen Vaterlandes gilt?" erklärt der Kölner Bürgerverein: „Daß daS gegenwärtige preußische Ministerium nicht nur sich unfähig bewiesen, die deutsche Frage zu einer gedeihlichen Lösung zu bringen, sondern sich sogar dem laut ausgesprochen Willen deS preußischen Volkes feindlich entgegengesetzt hat; daß eine solche Lösung nur in der sofortigen Annahme der von der deutschen Nationalversammlung beschlossenen Verfassung und der auf dieser beruhenden Oberhauptswürve zu finden ist." Er beschließt gleichzeitig: „Diese Erklärung dem Gemeinveralhe von Köln mitzutheilen, mit vem Ersuchen, sich ihr anzuschließen und durch eine Adresse oder in sonst geeigneter Weise dieselbe Sr. Majestät dem Könige überreichen zu lassen," und ferner: „den Gemcinderath in Köln aufzufordern, sämmtliche Gemeinderäthe der Provinz einzuladen, in kürzester Frist Abgeordnete nach Köln zu schicken, um ihre Uebereinstimmung mit den obigen Beschlüssen zu erklären, eventualiter Schritte zu deren Verwirklichung zu thun." Wenn so die verschiedenartigsten Parteien sich die Hand bieten und mit den heiligsten Interessen deS Volkes unverantwortlich spielen, dann ist daS Vaterland wirklich in Gefahr! Dann thut eS Noth, daß alle guten und braven Bürger sich zusammenraffen zur Wehr gegen den gefährlichsten aller Feinde, nämlich gegen den innern Feind! Der Vorstand des VereineS PiuS IX. zu Köln, zur Zeit geschäftS-- führender Verein der katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen, hat eS daher für seines Pflicht gehalten: 1) sämmtliche katholische Gemeinden, insbesondere alle katholischen Vereine von Rheinland und Westfalen, einzuladen, eine offene Erklärung abzufassen und zu veröffentlichen in dem VereinS-Organe, der „Rheinischen VolkS-Halle," darüber: daß eS nicht Wille deS preußischen Volkes sey, daß dem Könige und der Regierung Gewalt angethan werde, wie solche König und Regierung von Württemberg erlitten haben; daß eS eine große Lüge sey, zu behaupten, die erfolgte Ablehnung der Oberhaupts-Würde über Deutschland stehe dem laut ausgesprochenen Willen deS preußischen Volkes feindlich entgegen; ' daß vielmehr unser König, Friedrich Wilhelm IV., durch Ablehnung der OberhauptS-Würde sich um daS deutsche Vaterland hoch verdient gemacht habe; 2) sämmtliche katholische Gemeinden der Rheinprovinz dringend aufzufordern, für die Einheit und Freiheit deS gesammten deutschen Vaterlandes kräftig in die Schranken zu treten und gegen Beschlüsse, welche denselben zuwider dort voraussichtlich in Vorschlag gebracht werben, entschieden Protest zu erheben. Köln, den 1. Mai 1849. Der Vorstand des VereineS PiuS IX. Für denselben: Der Schriftführer: Der stellvertretende Präsident: C.J. Schwitz. I. P. Bachem. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kreiner.