Preis in Augsburg für fich allein (ohne A. P°stzeitung)jLhr«ch Ist. ISkr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags -Beiblatt zur Äugsbuvger Poftzeitung. Für fich allein, ohne die AugSburger Postzeitung, sind diese Blätter nur im Wege des Buchhandels zu beziehen und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u..s. w. jährlich nur 1 fl. A«» kr. oder I Lhlr. Mirrrtee Jahrgang L« SV. Mai L84S. Reform im Klerus. *) Alles lebt und webt, alles drängt und treibt sich, die Pforte einer neuen Zukunft läßt sich nicht mehr verriegeln. Von einem Jeden heischt die Zeit, daß er sich selber klar werde, daß er seinen Standpunkt erfasse und behaupte mit der Kraft deS Geistes und deS Willens, daß er bereit sey ein Opfer zu bringen, wenn eS zum Besten der Gesammtheit ist. Bei uns in Oesterreich geht leider dieses Bewußtwerden nicht so schnell von Statten, als man Anfangs zu hoffen Ursache hatte. Schnell war wohl daS Erwachen und freundlich lachten uns die Strahlen der neuen Sonne an; allein, nach dem ersten Schrei der Bewunderung wurden die Glieder schlaff, uiid wie griesgrämige Kinder rieben wir uns die Augen. Es bewährte sich das alte, aber wahre Wort deS DichterS: Ingenium longo rubigine laemim torpet. Schreiber dieser Zeilen hatte die Gelegenheit die freundlichen Glückwünsche von Seite des katholischen AuSlandeS zu hören zu dem neu erwachten kirchlichen Leben in Oesterreich, aber in neuester Zeit zu seiner tiefen Betrübuiß auch mehrere Briefe zu lesen, in welchen daS langsame, todte, faule, schlaffe Regen in unserem Vaterlande gerügt und bedauert wurde. Wem ein katholisches Herz im Leibe schlägt, muß fich bei diesem Umstände doch die Frage auswerfen: Wo liegt die Schuld? Wer ist Ursache, daß wir in unserem kirchlichen Leben seit den Märztagen vorigen Jahres nicht viel weiter gekommen sind? daß die erhobene Stimme Einzelner verhallte, wie der Schall in der Luft? Sollen wir noch länger insbesondere von unsern katholischen Brüdern in Deutschland, die unS Gruß auf Gruß zusenden, uns schelten und bemitleiden lassen? Wie kann eS besser werden? Wenn ein Organismus krank ist, so treffe man Vorsorge zur Ausscheidung deS KrankheitSstoffeS, sonst werden auch noch gesunde Theile von ihm angegriffen, und die letzten Dinge sind schlechter als die ersten. Hätte man im löten Jahrhundert die erwachende Zeit mehr erkannt, und nicht mit Gewalt die freien Flügel deS Geistes zu binden gesucht, hätte man der Zeit ein zeitliches Opfer gebracht, so manch' trübe Ereignisse wären vermieden worden, und die unselige Spaltung wäre auch in der Gegenwart nicht die üppig wuchernde Ursache deS sich stets mehr zerklüftenden Deutschlands. Wäre man der sogenannten Reformation durch zeitgemäße Reformen von Seite der Kirche entgegengekommen (daS 'l'riäentiuum kam schon zu spät), die Kirche und das Christenthum würden freundlicher blühen, als eS jetzt der Fall ist. Ein schlechter Historiker, der sich die Vergangenheit nicht zu Nutzen macht. In unserer Zeit ist die geschichtliche Basis die einzig mögliche; man mag sie durch philosophisches Gepränge und sprudelnde Ideen zu deSavouiren suchen, aber sie bleibt, und auf ihr ruht die Gegenwart, so gut wie die Zukunft. Darum lernen wir von der Vergangenheit. Ein ähnlicher Kampf wie im löten Jahrhundert ist im 19ten Jahrhundert zu kämpfen. Dort galt eS die Autorität der Kirche, hier gilt eS die Autorität des Christenthums. Dort hat die Kirche eine Wunde erhalten, weil die Wächter derselben zu arglvS und traumselig waren, hier?? — — Der Schreiber dieser Zeilen glaubt sich hinlänglich gerechtfertigt, wenn er diesen Gegenstand hier anregt, und seinen geistlichen Mitbrüdern zum tieferen Erwägen an'S Herz legt. ES ist heut zu Tage Pflicht eines Jeden, dem der Herr daS Wort gegeben hat, seine Stimme zu erheben, und das wffs sein Inneres bewegt, auszusprechen, ohne nach rechts oder links zu schauen. ES gilt die Sache, nicht Personen, und jeder muß Bausteine Herbeitragen zum neuen Bauwerk, und Muth und Kraft und Opferwillig- keit zeigen, sonst wird eine unselige Zukunft unser Andenken verfluchen. Wer auS kleinlichen Rücksichten hinter dem Berge hält, und sich noch die Augen reibt, und sich klug und weise dünkend, alles seinen alten Schlepp, gang fortgehen läßt: der ist ein Verräiher am Staate, an der Kirche, am Priesterihum, am Volke! — DaS will ich nicht seyn, darum spreche ick. Und auf die Frage, wie kann eS besser werden? antwortet mir die Geschlchter durch Reform. Was ist Reform? Wie weit soll sie reichen? Von wem soll sie ausgehen? WaS soll alles reformirt werben? Diese Fragen möge eine anderer beantworten. Ich habe mir eine Einzelreform zum Gegenstand der Besprechung gewählt, nämlich die Reform im Klerus. Sie thut vor allen noth. Wie der Hirt, so die Heerde. ES ist meine und Vieler Ueberzeugung, daß eS in kirchlicher Hinsicht nicht so übel stände, wenn im Klerus selber mehr priesterlicher Sinn und katholisches Leben sich regte. Man klagt und weint und schilt und straspredigt. — Aber waS ist'S damit? „Kehre zuerst vor deiner Thüre", ruft man bei unS häufig dem Priester zu. Und mit Recht. Wie soll sich katholisches Leben zeigen, wenn eS nicht geweckt, gefördert, gehoben wird? Wie kann man Liebe und Vertrauen zum Klerus heischen, wenn man beideS in dem aufkeimenden Herzen gewaltsam enöctel? Ich bin hier nicht zum Richter bestellt, aber weh thut eS einem, wenn man solche Urtheile von Ausländern und sogar von Andersgläubigen hören muß. Frei will ich darum sprechen, frei und unge- ^wunoey^w.ie eS mir im Herzen lebt. Ein Schurke, der seine Ueberzeugung heuchelt, ein Schwackkopf, der in jetziger Zeit der Kraft und Mannbarkeit seine Worte überzuckert. Die katholische Kirche hat daS Eigenthümliche, daß ihre Hierarchie ein completteS Ganze, einen Organismus bildet. Leidet Ein Glied, so leiden alle Glieder, und wird daS Meer deS kirchlichen Lebens von Einem Sturm bewegt, so bewegen sich alle Wellen, und bespülen die Ufer. ES ließe sich dieses Bild vom obersten Gipfel der Hierarchie an bis zu unterst durchführen. Aber ich schweige hier von Rom, und halte mich zunächst an den Episkopat Oesterreichs. — Ein Mann der Gegenwart hat eaS schwere Wort gesprochen: „Oesterreich hat wohl Bischöfe, aber keinen Episkopat." WaS soll daS? Ja wir haben keinen Episkopat; ist auch keine unserer Diöcesen im weiten Vaterland verwaiset geblieben, so haben doch die StaalSgesetze jedes gemeinsame Streben bisher zu verhindern gesucht. Viele unserer Bischöfe standen eben in dieser Vereinzelung dem eigentlich kirchlichen Leben ferne, der äußere Pomp, der sie umgab, entfremdete ihnen die Herzen deS Volkes, und da sie nur äußerst selten mit diesem in Berührung traten, so konnte auch von Liebe und Zutrauen nicht viel die Rede seyn; denn Liebe und Zutrauen braucht auch Erkenntniß. Unsere Bischöfe weihten Priester und filmten die Kleinen, aber selten ertönte auS ihrem Munde das Wort GolteS, daS doch dem Ganzen die eigentliche Würze, und Salbung verleiht. DaS Wort eines Bischofes lebt fort in einer Gemeinde. In allen Gauen Deutschlands findet man in jedem gut katholischen Hause die erlassenen Hirtenbriefe, und jeder Bischof ergreift mit Freude die Gelegenheit, an seine Schäflein einige Worte der Warnung, der Ermahnung und Ermunterung, deS Trostes und der Liebe zu sprechen. Bei uns scheint man davon nichts zu wissen. Wir erhalten wohl alljährliche Fastenmandate, aber sehr käste und eines gleicht dem andern, als ob das Jahr 1830 dieselbe Zeit wäre wie 1849. *) Und so haben wir leider hie und da im Bischöfe nach MöhlerS treffendem Worte nicht immer die Person gewordene Liebe der Gläubigen gefunden. — Gilt dieß dem Volke gegegenüber, so gilt dieß noch mehr dem Klerus gegenüber. Ich will gestehen, daß dieser Unwille sich oft rauh und hart, manchmal sogar unpriesterlich Luft gemacht hat (der Bischof bleibt ein Apostel); aber läugnen kann man nicht, daß unselige Zustände Stoff und Veranlassung dazu an die Hand gegeben. DaS bisherige Verhältniß der Bischöfe zu dem niederen Klerus war kein apostolisch-väterliches, ') Aus der Wiener Kirchenzeitung. j ') Der Herr Älersaffer hat offenbar hier nur einige Diöcesen im Auge. D. R. ' " V" '. V' " 7 . 7 78 -7. 1 i. ' "!' k . ' I«/ eS war zu geschraubt, steif, weltlich. Die Bischöfe waren von einem Nimbus umgeben, vor Lein der einfache Priester schon in den Amichambre erzitterte. Die Thüre deS Bischofs soll jedem Priester mil Leichligkut offen stehen, und mit freudig offenem Herzen muß er sich derselben nahen können Nichts entehrt daS Audienzzimmer eines Bischofs mehr, alö Heuchelei und kriechende Verstellung, und leider wurden diese großgezogen durch manche Bischöfe selber. Wohl schwört der Priester an, Lage ,einer Ordinalion seinem Bischöfe Gehorsam, allein dieser Gehorsam ist kein sklavischer, er soll ein kindlicher seyn. Nicht Furcht, sondern Liebe soll die Peison des Oberhirten erwecken, und der B>,chof und das Presbyieral sollen zusammenstimmen, wie die Saiten zu Cylher, nach dem schönen Aussprache deS heiligen JgnaliuS. Einst waren die Bischöfe Churfürsten und Landesherren, und das hat nickt gut gethan. Es schein, fast, als ob der weltliche Schimmer die kirchliche Würde paralisiren möchte. Auch jetzt ist der Für- stentitel gar manchen zum Aergernisse geworden. In einer Zeit, wo daS Schlagwort „Gleichheit" auf eines Jeden Munde liegt, wo der Kaiser von seiner Höhe herabgestiegen ist, und der Adel so gewaltige Opfer gebracht hat, thut eS noth, daß auch die Bischöfe sich mehr dem Volke anialgamiren, sich zum niederen Klerus herablassen, und der Gegenwart Opfer bringen, um die Zukunft nicht zu verlieren. DaS heischt mir stehen verantworten. War bei uns eine Regsamkeit und Thätigkeit, wie sie allenthalben sich in ganz Deutschland kund gegeben hat, besonders seitdem Kölner Ereignisse im Jahre 1d37? Wir thaten, was unS der Loclox eivilis sagte, schrieden unsere Tauf- und Slerbeprotokolle voll, gingen wohl auch in die Schule, wo wir nichts zu besorgen hallen, und hielten unsere Predigten, wo uns ohnehin Niemand euvaS einreden duifte, denn die katholische Kirche war ja die LlaatSkirche. Ueberoieß waren wir besonders seit einigen Decennien gespalten in solche, die mehr der aScetischcn Seite huldigten, und in solche, die dieses peihorreöcirten. Regte sich irgend ein Priester und wollte er etwas Zeitgemäßes einführen, so fiel man über ihn her, und schall ihn einen Sonderling, Neuerer, einen gefährlichen Menschen. Galt er etwas bei Anderen und war sein weltlicher oder geistlicher Einfluß nicht unbedeutend, so war deS Neides und der kleinlichen Eifersucht kein Ende. Die brüderliche Liebe und Einigkeit war auS unseren Herzen gewichen, und das Band, daS unS näher hätte rücken können, daS «and der Conferenzen und Synoden, es war unS von oben her abgeschnitten. Wir kamen höchstens zu weltlichen Unterhaltungen oder bei Schul- prüfungen oder JnstallalioiiSlafeln zusammen, aber diese Rendezvous waren zu kirchlichen Besprechungen nicht geeignet. So stand jeder für sich da, sich selber überlassen, während doch nur Einigkeit Kraft verleiht. Einen der, drohender, strafender Stimme die Zeit. Die Bischöfe müssen die! Pfeil bricht man leicht entzwei, ein Bündel von Pfeilen widersteht. Auf Gegenwart erfassen, und nicht das Auge verschließen gegen die Erscheinun-! daS Paulinische: „Wenn nur Christus gtprebiget wird, möge es auf diese gen derselben. Wer mit dem Rücken am Rande eines Abgrundes steht, i oder jene Weise geschehen," hatte man ganz und gar vergessen. Dxsmpla und meint dieser eristire nicht für ihn, der täuscht sich. Sie dürfen nicht sunt ockioss. — Soll ich noch von, Beichtstühle sprechen? Im katholischen vergessen, daß sie auf dem Niveau einer neuen Zeit, nicht auf dem vor Bayern und am Rheine sind aste Wochen die Beichtstühle umlagert und sechzig Jahren stehen. Einen objectiven Slandpunct müssen sie vor allem bei uns?? Ich meinte, das Herz zerspringt mir im Leibe, als ich einmal zu gewinnen suchen, um von diesem auö die kirchlichen Verhältnisse dem hörte, wie man Beichtleute auf rauhe Weise anfuhr, ihüen die Kirchen Staate und dem Klerus gegenüber zu ordnen. Möge man sich nicht ent schuldigen, daß die Wunden und Bedürfnisse der Zeit den ergrauten Hirten nicht bekannt seyen; eS gibt ja Mittel diese Bekanntschaft zu machen, und die Kirche gibt sie selber an in dem Institute der Synoden. Da ist der lhüre vor der Nase versperrte, und geistlickerseitS über solchen Ultramon- tanismus spottete. Ich frage, wirb'S so besser werden? Christus ging den Schäflein nach, und wir, seine Jünger und Nachfolger, stossen sie von uns! Sie verlangen daS Brod des Lebens, und eS ist Niemand, der es Bischof in Mitte seiner Schäflein, da hört er ihre Stimme, und sie hören! ihnen breche! Es wäre traurig , wenn eS so weit kommen müßte, daß die die seine, da läßt sich rathen, helfen, urtheilen und entscheiden. „Wo zwei! Laien die Lehrmeister der Priester werden, und fast scheint es, als ob wir versammelt sind im Namen des Herrn, da ist er mitten unter ihnen;" um bei diesem Puncte angelangt! wie viel mehr muß dieß von den Concilien gelten, ^ck liegis exomplum Ist in dieser Hinsicht ei totus oompvnitur ordis — das möge sich jeder Kirchenobere ins Herz hinein schreiben, und darnach sprechen und handeln. Den Bischöfen zunächst stehen die Capitel (tlanonioi ostlieärslos). ES ist dieß ein schönes, und wenn eS im kirchlichen Geiste lebt, auch dieser Hinsicht eine innere Reform für den Klerus heilige Pflicht, so ist eben so eine äußere Reform im Klerus eine schreiende Forderung der Gegenwart. Zwangsgesetze bilden keinen tüchtigen Klerus, auch hier muß Liebe und Vertrauen herrschen. Wie ich daher schon oben bemerkte, das Verhältniß deS niederen Klerus zu dem höheren muß ein nützliches Institut. Es hätte bis jetzt die Ausgabe gehabt, ein Surrogat! freundlicheres, intimeres, ich möchte sagen brüderlicheres werben, als eS der Diöcesansynoden zu bilden; ob es derselben überall entsprochen hat,! bisher der Fall war. DaS Piotectionswesen, dieses Gift für die Kirche, will ich hier untersuchen. In manchen Diöcesen spielten die Capitel eine! muß fallen. Die standesgemäße Subsistenz jedes orvinirten Priesters zu zu untergeordnete Rolle, als daß ein energisches Eingreifen und Einsprechen von dieser Seite her zu erwarten gewesen wäre. ES waren Sinekuren, oder wurden eS, wenn sie es nicht schon waren, und dadurch die Zielscheibe deS ravicaleu Sportes. Die Cauonici sollten der Beirath deS Bischofes seyn, waren aber oft wenig praktisch vertraut mit den Bedürfnissen der Diöcese. Eigentlich stände, nach Analogie der Praxis in Deutschland, dem Capitel das Recht der BischofSwahl zu — ein heilig, furchtbares Recht. Die neuere Zeit dürfte damit nicht einverstanden seyn. „Eher Ministerbischöfe, als Capitelbischöfe," hörte ich mit eigenen Ohren Jemanden ausrufen. — Wag nun? Reform thut noth. Die Kanonici, welche auf den Leuchter gestellt sind, um anderen zu leuchten, müssen wirklich ausgezeichnet seyn durch priesterlichen Lebenswandel, gereifte Erfahrung, erprobte Kenntnisse, bewiesenen Muth und vor allem durch kirchliche Ge sichern, ist schreiendes Bedürfniß und heiliges Recht, indem in unserem Vaterland« die gläubigen Vorfahren hinreichend dafür gesorgt haben. Die Bischöfe werben mit aller Energie dafür einstehen, denn auf ihnen lastet die Verantwortlichkeit. — Daß auch in den häuslichen Verhältnissen, besonders auf dem Lande, vieles zu wünschen übrig bleibt, weiß Jeder, der etwas herumgekommen ist. Nur Zansinn bewegt mich zum Schweigen. Nach meiner Meinung werden die DecanatSconferenzen die beste Censur für derlei Uebelstände seun. — Die lästigen Schreibereien, welche den Klerus mehr zu einem Bureaukraten machten, und ihm nicht einmal Zeit ließen, seinen seclsorglichen Pflichten genau nachzukommen, haben mehr ober weniger aufgehört. ES läßt sich nun erwarten, daß die dadurch frei gewordene Zeit auch vom Kler-.s zum Besten der Kirche benützt werden wiro. Wenn man im AuSlanbe einen Landgeistlichen besucht, so liegen die neuesten Erschei- sinnung. Ohne diese geben sie kein gutes Beispiel, denn daS rothe Collar nungen der Literatur auf seinem Studientische, und er weiß über politische allein jagt heut zu Tage Niemand mehr Schrecken ein. Dle Achtung muß und sociale Zustände so schön und treffend zu sprechen, baß man billig aus dem Inneren stammen. Und waS sollen Leute ohne kirchliche Gesin- darüber staunen muß. Und wenn man seine Schriften, die auf dem Pulte nung für eine Garantie geben für die Wahl eines kirchlich-gesinnten Bi- herumliegen, näher durchsieht, so sind eS Skizzen zu Aufsätzen für diese schofeS? Man blicke nur nach Mainz hin nnd die neueste BischofSwahl. over jene Zeitschrift, ober wohl gar zu einem selbständigen Werke, das er Einige zweideutig gesinnte Wahlmänner haben durch ihr unglückseliges zu bearbeiten den ehrenden Auftrag erhielt. Sollte die dem Klerus erübri- Botum Klerus und Volk in zwei Parteien gespalten, und während die genbe Zeit nicht auch bei unS auf ähnliche Weise benützt werben können? Gegner der Kirche sich darüber die Hände reiben, geht die eigene katholck j— Möchten wir doch von unseren Gegnern lernen! Wie rührig sind sie sche Gesinnung indessen zu Grunde. Nein, Männer deS Geistes und Her-^ mit der Feder! Unbärtige Knaben besudeln mit derselben ehrwürdige Grei- zenS, der inneren Kraft und That sollen unsere Capitel ergänzen, dann senhäupler, und wir entfchulbigen unS und sagen: wir haben kein Geschick werden Volk und Klerus mit Vertrauen zu ihnen Hinaufblicken, und sie dazu, eS mangelr die Zeit u. s. w., wie die schalen Ausreden alle heißen ehren als nächste Umgebung ihres Oberhirten. Solche werden die Zeit und Gelegenheit, welche ihnen zur ferneren Ausbildung geboten ist, nicht unbenützt lassen, sie werden in Tugend und Wissenschaft Perlen der Diöcese seyn, würdig höher zu stehen auf dem Leuchter der Kirche. Wie steht eS mir dem niederen Klerus in Oesterreich? Brüder im Weingarten des Herrn! verhehlen wir es unS nicht, und klopfen wir reuig an die Brust, und sprechen wir: inea culpa. Ja mea culps, einen großen Theil des Fluches, der unsere Zeit getroffen hat, haben wir zu mögen. Wer Gutes thun kann, und eS nicht thut, dem lst eS Sünde. Ein grünes Zweiglein, das die Blüthe und Frucht einer besseren Zukunft in sich birgt, sind die geistlichen Bilcnngsanstalten, die Seminarien. O wenn man doch die hohe Bedeutung derselben in der Jetztzeit recht erfaßte I Welch' ungeheure Verantwortung haben deren Leiter und Führer! Die Zeit macht große Anforderungen an den jungen Priester, und weiß er diesen nicht zu entsprechen, so ist sein Wirken null und nichtig. ES ist ohnehin schon gang und gäbe geworden, den Priester, wie eine Art 79 Paria, über die Achsel anzusehen, als einen Menschen, der nicht mehr in> die Zeit laugt. An unS ist eS, diesem Vvrunheile entgegenzuarbeitend Soll aber dieses möglich seyn, so muß im Seminare schon der Grund dazu gelegt werten. 'Man hat geglaubt, es wäre besser, wenn die Theologen außer dem Seminare stunren, was Einiges für sich, aber Vieles gegen sich hat. Die sogenannte Weitläufigkeit gewinnt man auch nicht immer, wenn man im Struoel einer größeren Stadt lebt, dazu gehören! günstige Verhältnisse; wohl aber bleibt viel weltlicher Taud hängen, den^ man nicht so leicht und schnell abstreifen kann. Ich glaube eine schlichtes unverdorbene Persönlichkeit gewinnt leichter daö Herz, als eine mit allen! Lächerlichkeiten der Einkeile gesättigte Ueberschwänglichkeit. Die Soldaten halten gerne Rast vor dem Schlachttag; solch' eine Rast sind die Seminarjahre für den jungen Soldaten der Kirche. Freilich gebe ich gerne zu, daß die Einrichtungen unserer Seminare! geändert werden müssen — Reform thut noth. Ich habe mehrere Seminare! Deutschlands besucht. In einigen glaubte ich mich in ein Mönchsklosters verseht; alles war so ruhig und abgeregelt, ich glaubte lauter AloisiuS-' gesichter zu sehen. Ich muß gestehen — eS erbaute mich; aber eS befrie- ! digte mich nicht. Ascese allein genügt nicht für unsere Tage, genügt insbesondere nicht für den Klerus Oesterreichs. So sehr die Ascese zu schätzen! und theilweise unentbehrlich ist, so sehr glaube ich thut sie der Entwicklung junger Kräfte Eintrag; wenigstens habe ich selber Leute kennen gelernt,! die sich an jedem Strohhalme todt zu fallen schienen. Damit ist aber nichts geholfen. Ernstgesinnte wenden sich, als von etwas Krankhaftem, ab, Leichtsinnige spotten darüber. In anderen Seminarien wieder glaubte ich mich in Mitte von Kremnitzer Bergleuten, so trotzig und bärtig waren sie. DaS erbaute mich weder, noch befriedigte eS mich. — Die Wahrheit liegt in der Mitte. Die jungen Theologen sollen lieber mit Vertrauen behandelt werden, als mit mönchischer Strenge. Bei letzterer gehl leicht das Selbstgefühl und die eigene Willenskraft verloren. Die Seminare sollen aber selbststänvige Leute und keine Treibhauspflanzen liefern. Ein Punct, der in den geistlichen Bildungsanstalten besondere Beachtung verdient, ist die wissenschaftliche Bildung. Die theologischen Disciplinen wurden bisher mehr eingeleiert, als studirt. Man lernte die vorgeschriebenen Bücher, weil eS so seyn mußte, um ein Zeugniß zu bekommen, aber nicht aus Liebe. Daher auch die Erscheinung, daß mit dem AuStritt aus dem Alumnate gar wenige mehr ihre theologischen Studien fortsetzen und erweitern, sondern höchstens für den weiland Josephinischcn PfarrconcurS die alten Scripta auS dem Staube hervorgezogen. Dieß dürfte wohl von sich selbst anders werden, wenn die Pfarrconcurse in der vorn Trienterconcile vorgeschriebenen Weise abgehalten würben, wozu, so hoffen wir, die neuere Praxis der freien Kirche hinzuneigen scheint. Diese Behandlung der Theologie genügt nickt mehr; das scholastische Element hat sich überlebt, und mit Autoritätsprincipien fährt man nicht weit in einer Zeit, wo fatalistische Gnosis und paittheistischeS Hcibenlhum kühner als je ihr Haupt erheben. „Nun, so spricht ein gelehrter Mann der Gegenwart,*) nun, wo die Welt mit ihrem gehäuften Wissen prunkt, wo eine Unzahl neuerer, wechselnder Philosophcngebilde auftaucht, jetzss wo wie lauernde Feinde, ein grober, materialistischer Skepticismus, der starre, giftige JndifferentismuS und eine entnervende, jede ethische und gläubige Kraft töbtende Sentimentalität um sich greift, jetzt thut eS wahrhaftig noth, daß die Kirche den P hi lo sop h en m a n te l um ihre Lenden schlage, und lehrend und wissenschaftlich auftrete. Gift kann nur durch Gegengift geheilt werden, nicht wenn ich dem Vergifteten mit dem «inschmeichelnsten Tone zurufe: Mein Lieber, werden sie doch gütigst wieder ein gesundes Kind, daö an schlichter Hausmannskost, an Obst und Früchten Gedeihen findet." — Diese Worte bedürfen keines EommentarS, höchstens möchte ich deren Gewicht noch erhöhen durch das Wort eines anderen gleich tief Gelehrten der Neuzeit, der spricht: „Die Wissenschaft muß zum Gottesdienste werden." Nehmen wir nun schließlich die oben gestellte Frage: Wie kann eS besser werden? noch einmal auf, so werden wir antworten müssen: durch Reform im Klerus. Von Oben bis Unten gibtS zu reformiren, in egpito tzt M6mbr,8. Bischöfe, Capitel, Professoren, Seelsorger, kurz alle, deren Antheil der Herr geworden ist (Psalm 15) müssen die Zeit erfassen und rhr Opfer bringen, wenn, ich wiederhole eS, die Zukunft unS nicht verloren seyn soll. Es herrscht im Volke noch so viel guter, katholischer Sinn, der nur geweckt zu werden braucht, um die freudigsten Blüthen und Früchte zu bringen. Möchten wir alle wirken, so lange eS Zeit is, und wo das Brachfeld noch nicht durch die Saat des Unkrautes völlig verdorben wurde! Ein großer Act hat begonnen. Die Bischöfe des österreichischen Vaterlandes traten in Wien zusammen, um sich über kirchliche Angelegenheiten zu berathen. Wer erfaßt die Tragweite dieses Ereignisses, und wer vermag im Voraus zu bestimmen, in wie ferne unsere Bischöfe die schwierige Aufgabe nicht so im Sinne deS SiaaleS, als vielmehr im Sinne der Kirche lösen werben? Hoffe» wir! Möchten, um Goiieü willen, die Oberinnen einer neu sich gestaltenden Zeit die Augen nicht abkehren, sondern das Gute derselben in den äußeren Organismus der Kirche aufnehmen, und dem Bösen mit Energie entgegen ireien! Möchten sie nicht vergessen, daß jede gioße Katastrophe ihre Opfer heischt, und möchte» sie nicht säumen, solche Opfer zu bringen auS Liebe zur Kirche, zum Volke, zum Staate, zur Gegenwart. Vor allem andern möchie» sie Hand anlc gen an das, was vor allem andern noch lhut — an die Reform im Klerus! Sollte Jemand diese Sprache nicht gerne hören, und den Schreiber dieser Zeilen naseweise schelte», so halle ich daö alle Sprichwort vor Augen: Wer nicht hören will, muß suhlen, und die Schlußworte des NebeljungenliebeS: „Mit allem Zaudern und Zagen fort, Die Zeit braucht ein cniseliiedcn Wert! Und es ist Pflicht eines Jeden, Dem die Wahrheit im Herzen lebt, Daß er die Hand znm Schwur eihebt, Im Dienste des Herr» zn renn." A. K.er. *) Dr. Hock: Cholorodea. Der zufriedene Arme. Gar sonderbar hat der liebe Gott auf dieser Welt seine Güter ausgetheilt. Wcihrend dem Eine» Alles im Uebcrfluß zugefallen ist, hat der Andere oft kaum so viel, daß er kümmerlich sein Leben fristen kann. Der größte Theil der menschlichen Gesellschaft gehört wohl der bienencen Classe an, und muß sich in saurem Schweiße sein Brod verdienen. Aber oft ist selbst daS kaum möglich, wenn nämlich die Gelegenheit und die Kräfte dazu mangeln, oder daS Alter hereinbricht und zur Arbeit untauglich macht. Da offenbart sich dann erst recht eine schreiende Disharmonie, ein schneidender Zwiespalt im Leben, und vergebens sieht sich die menschliche Vernunft nach einem Mittel um, denselben auszugleichen, und die mit Noth und Elend kämpfende Volksmasse zu trösten und ihr Elend zu lindern. Alle ihre Vorschläge, Erfindungen und Einrichlnngen vermögen nicht dem Uebelstande abzuhelfen; im Gegentheile sind gar manche nur dazu geeignet daS Elend noch größer zu machen, die Unzufriedenheit zu vermehren, und aus Dürftigen, Arbeitslosen und Armen oft noch Verbrecher zu stempeln. Die traurigen Erfahrungen unserer Tage zeigen dieses zur Genüge, und werden eS noch sichtbarer -eigen, wenn die verkehrten Wege, den mensch- lichen Nothständen nach Möglichkeit abzuhelfen, nicht mit andern vertauscht werden, die besser znm Ziele führen. Nur die Religion allein, und zwar die katholische, nur die Auesichl auf ein anderes, besseres Leben und der Gebrauch der Mittel, die die heilige Kucke anbietet, vermögen den Men- schen in seinem mühsamen Tagwerk zu irösten und zu stärken, vermögen den Annen und Nolhleidenden zu erheitern, und Zufriedenheit und Gott- vertrauen in sein Herz einzuflößen, daß Neid und Mißgunst oder böSwil- lige bittere Gedanken darin »in meiinehr Platz finden. Einen Beleg hiesür mögen die folgenden Zeilen liefern. I In der Pfangemeinde R. lebte vor wenigen Jahren noch ein alter ! unverheiraiheter Mann, von dem man recht eigentlich sagen durfte, er ! habe nicht so viel, wohin er sein Haupt legen könnte. AuS einem Hoch- ! theile Tirols entsprossen, hatte er sich nach einem vielbewcgtei, Leben daselbst ^ eine Stätte ausgesucht, wo er gute Gelegenheit hätte der Andacht obzuliegen, durch Arbeit sich Las Notdürftigste zu verdienen, und endlich ein Ruheplätzchen zu finden für seine irdische Hülle, wenn der Herr käme um seine Seele abzufordern. DaS Wenige, waS er von seinen Eltern ererbt hatte, überließ er schon in jünger» Jahren großmüthig seiner verheiratheten ! dürftigen Schwester, und begnügte sich mit dem, waö seine Hände erwa» ! den, oder was ihm sonst der Herr beschied. So lange er noch rüstig an ! Kräften war, arbeitete er fleißig, und nahm jedes Anerbieten gern an, s wodurch er sich auf rechtmäßige Weise etwas verdienen konnte. Hatte er s dann ein kleines Ersparniß zurückgelegt, so besucht! er hie und da seine Anverwandten, um ihnen davon etwas mitzutheilen, ober er pilgerte zu irgend einem Gnadenbild in der Nähe oder in der Ferne, um daselbst dem ! Dränge seines Herzens zu genügen, und für sich und Andere Gnaden vom ! Herrn zu erflehen. Als aber die Tage des Alters heranrückten und die ! Leibeskräfte zu schwinden begannen, versiegten die Quellen deS Verdienstes 'immer mehr, und der gute Mann fest) sich oft wochenlang genöthigt, ohne "Ä-A 80 Erwerb mit dem Wenigsten sich zu begnügen, ließ ihn die Heiterkeit und Zufriedenheit nie. In kindlicher Einfalt und christlicher Ergebenheit freute er sich über jede, auch die geringste Gabe GÜtleS, und genoß sie mit Dank gegen den Vater, von dem alles Gute kommt. Halte er keine Arbeit, so er,chien er desto häufiger in der Kirche, Aber dessenungeachtet »er- > thun. Elisabeth und Vincenz von Paul und Johannes von Gott und ihr andern edlen und liebreichen und großen Seelen alle, was sind gegen euch und eure Werke die vielgepriesenen, eitlen, von der Welt bewunderten Thaten sogenannter großer Menschen? Ihr unglücklichen Urheber des Unglücks, die ihr nur geboren zu seyn und warf seine Sorgen, wenn etwa solche aufstiegen, auf den-Herrn, fest!scheint, um die Saat des Verderbens auszustreuen, Verführer jeder Art, vertrauend auf seine Hilfe zur Zeit der Noth. Dieses Leben betrachtete er stets als eine Pilgerschaft zu einem bessern, ewigen; und daher gab er oft zur Antwort, wenn er gefragt wurde, wie eS gehe, — es gehe recht gut, denn cS gehe ja stets dem Himmel zu.' Darum hing er auch sein Herz an nichts, was sonst die Menschen fesselt, und die größten Entbehrungen kamen ihm ganz leicht vor. Vier Jahre lang schlief er selten in «mein Bette; sein Lager war ein Körnbehälter oder eine Ofenbank im Hause christlicher und gutmüthiger Leute, wo er sich meistens aufhielt. Wenn er gar nichts mehr zu essen hatte, so sagte er lächelnd: Heute müsse er wieder einen Fasttag anstellen, und so wartete er geduldig, bis ihm jemand eine Suppe oder sonst etwas anbot; denn ansprechen Niemand; oder er ging mit seinem Sacke auS um Schnecken zu suchen, die er sich dann zubereitete. Im Symmer setzte er sich oft und gern an die Sonne, las in einem Buche oder betete, bis ihn manchmal der Schlummer überwältigte; oder er begab sich auf den Friedhof und kniete vor dem Missionskreuze, zu dem er besondere Verehrung trug, nieder. Zeigte sich ihm dann wieder irgend ein Geschäft, das er noch verrichten konnte, so war er dazu bereitwrllig, um sich sein tägliches Brod selbst verdienen zu können. Dabei unterließ er nie eine gute Meinung zu machen, und sehr oft empfing er die heil. Sakramente, um ja immer im Stande der Gnade zu bleiben. So verflossen diesem Manne, der allgemein geachtet war, und von dem wohl Manche logten, daß sie mit ihm sterben, aber nicht mit ihm leben möchten, seine alten Tage. Am Ende schickte ihm der Herr noch eine langwierige Krankheit, die Wassersucht; doch er ertrug auch diese mit fröhlichem Herzen. Hatte er ja die zuversichtliche Hoffnung, in Bälde die Freuden eines bessern Lebens zu genießen. Auf seinen Stab sich stützend, als ihn die stark angeschwollenen Füße nimmer tragen wollten, schleppte er sich täglich noch mühsam in daö HauS Gottes, bis seine Sterbstunde herankam. Zwei Tage vor seinem Tode ließ er sich auf vieles Zureden inS Krankenhaus des Ortes führen, und verschied dann, mit den heiligen Sterbsacramenten versehen, ruhig und sanft in einem Lehnsessel, den er dem Bette vorzog. Sein letzter Wunsch war, man möchte ihn am Fuße jenes Kreuzes begraben, vor dem er im Leben so oft gebetet hatte. Er wurde ihm auch gewährt, und so ruht dieser Arme in Christo am KreuzcSstamme, der Quelle des HeilcS für die Menschheit. Möchte sein Beispiel die Bedrängten und Nothleidenden lehren auS der Armuth eine Tugend zu machen, und sich vertrauend in GotteS Vaterarme zu werfen; viele Klagen würden dann verstummen, und Freude und Zufriedenheit in ihr Herz einkehren. (Kath. Bl. a. Tirol.) Er zog umher und that Gutes. (Apost. Gksch. 10, 38) Ja, so mochte ich durchs Leben gehen, Gutes übend und nur Gutes, mit einem Herzen voll Liebe und unermüdeter Geduld und unbestcglicher Sanstmuth und Milde Allen Gutes thuend, auS reinster Absicht, um Gottes willen, auch dem ärgsten Feinde. So zog die ewige Liebe in Menschengestalt umher, JesuS Christus unser Gott und Herr, der da gesagt: „Ich bin nicht gekommen mich bedienen zu lassen, sondern zu dienen." Sein Leben war ein Umherziehen, ein Gehen durch die Welt, indeß unter jedem seiner Tritte eine Wohlthat sproßte für Arme und Leidende, und seine Hände ringsum den reichsten Samen des Guten ausstreuten. Wer kann je genug seine Freundlichkeit, sein inniges Erbarme», sein liefeS Mitleid, seine göttliche Huld gegen die Hilfsbedürftigen alle betrachten? Mit welcher Schonung heilte dieser Arzt! Mit welcher Güte nahm er die Sünder auf, und befreiie sie von ihrer Last, und gab ihnen die Ruhe des Himmels, den Frieden der Seele wieder! „Er H»g umher und that Gutes", und nur Gutes, auch seinen Todfeinden Verzeihung erflehend am Kreuze, an daS sie ihn geschlagen, und während sie seiner höhnten. Bedenke, welch ein schönes Leben, still und sanft in geräuschloser Tugend durch die Welt zu ziehen, von ihr unbeachtet Gutes zu spenden, wo und wie du kannst, zu schönen und zu helfen und zu retten, mit einem Auge voll Liebe, einem Herzen voll Güte, mit dem süßen Bewußtseyn, Jemand eine Freude gemacht zu haben! Ich denke an so viele Heilige, deren Leben auch so ein Wandeln war durch die Welt unter lauter Wohl- Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. die ihr zu Unglauben, zu Lastern, zu Revolutionen aufreizt, und ringsum Feuerbrände schleudert, und Familien, Städte, Länder in Elend und Jammer stürzt: o daß euch ein Llcht des Himmels aufginge und ihr erkenntet, um wie viel schöner und edler und beseligender es ist, Gutes thuend durchs Leben zu gehen! Betrachter doch: wer Freude und Lust hat, BöseS zu thun, ist Kind und Genosse deßjenigen, den wir den Bösen nennen. GotteSähnlich aber ist, wer umhergeht und Gutes thut. Bedenke ferner; für jeden Menschen kommt eine Zeit, wo man von ihm sagen wird „Er war", er ist nicht mehr. Was willst du nun, daß man von dir sagen soll, wenn du auS der Welt geschieden bist? Soll auf wollte er! deinem Grabe eine Schanrsäule stehen mit der Inschrift: „Er ^that BöseS", oder „er that NichtS"? Willst du noch nach dem Tode forlsünvigen durch die Folgen deiner bösen Werke, die hier dein Leben ausmachten? Oder willst du nicht lieber, daß man dir weinend und dankend nachsage: „Er ging umher und that GuteS"? Willst du nicht lieber auch nach deinem Weggehen noch Gutes thun durch die Folgen deS Guten, daö du ausgesäet? Betrachte wieder, wie du jenseits wirst aufgenommen werden, wenn du hier herumgezogen und Gutes gethan! Du erwachst dann nicht mit leeren Händen, du findest im Buche deS Lebens aufgezeichnet jede gute That und jeden guten Willen, Gutes zu thun, und jeden Wunsch zu helfen, auch wo du in der That nicht konntest. Wenn dann der Richter sagen wird: „Du guter und getreuer Knecht, geh' ein in die Freude deines Herrn!", wenn die reichen Garben deiner Thaten belohnend um dich stehen, wenn dir die verdiente Krone entgegenstrahlt: bedenke, waS daS seyn wird für dich! Welch ein überströmendes Gefühl von Seligkeit und Wonne, wodurch jede Arbeit und Mühe und LiebeSthat überschwenglich belohnt wird! Jst'S a^o nicht der Mühe werth, Gutes zu thun? Darum „lasset uns Gutes thH^und nicht ermüden; denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir mcht ermüden." (Gal. 6, 9.) „Da wir Zeit haben, lasset uns Gutes thun Allen!" (Ebend. 10, 10.) Ja, „werbet nicht müde, Gutes zu thun!" (2. Thess. 3, 13) Ach, eS ermüden ja auch jene Unseligen nicht, die BöseS thun! Wie arbeiten und sorgen und wühlen sie nicht, um in ruchloser Freude ja recht viel Unheil zu stiften, und stehen dann mit teuflischer Lust da, dem Brande zuschauend, den sie geschürt, zuschauend dem Strome deS Verderbens, den sie losgelassen, den wüthenden Bestien, die sie zum Würgen freigegeben! Gegenüber den nimnzerruhenden Unheilstiftern lasset uns um GotteSwillen Gutes thun, retten, waS zu retten ist, wehren, wo sich wehren läßt, helfen, wo die Noth ruft! Lasset, o ihr Guten, unö alle so leben, daß man jedem nach seinem Hinscheiden nachrufen kann: Nun ist die Menschheit wieder um einen guten Menschen ärmer;, denn der da hingegangen, „zog umher und that Gutes!" (Katholische Blätter auS Tirol.) Kirchliche Mittheilungen. Koblenz, 1. Mai. Die. auS Belgien hieher gezogenen Redempto- risten wirken zu allgemeiner Zufriedenheit, und selbst von solcher Seite, wo naturgemäß eine Abneigung gegen OrdenSgeistliche vorausgesetzt werden könnte, wird ihrem reinen und unermüdeten Wirken Anerkennung gezollt. Man geht schon mit dem Gedanken um, ein eigenes Kloster hier zu errichten, welches gerade in unserer Diöcese von großem Vortheile seyn müßte, da wir auf der einen Seite Mangel an Priestern, und auf der andern auch so viele arme Gemeinden besitzen, welche nicht im Stande sind, einen eigenen Seelsorger zu ernähren, unv denen durch geistliche Msssionen und auf andere Weise durch Klostergeistliche leicht auSgeholken werden könnte. Ungeachtet der bedrängten Zeit und der auch hier tief umwühlenden politischen Wirren dürfte dieser Gedanke reichen Anklang finden und auf Verwirklichung nicht lange warten müssen. Herr Pfarrer Clemens wendet dieser Angelegenheit große Aufmerksamkeit zu. — WaS die in Aussicht gegebene Diöcesan-Synode angeht, so sind die gespannten Erwartungen etwaS heräb- gcstimmt. Unsere Reformers fangen an, zu wittern, daß die Diöcesansy- node sie nur fester in der KirchenviSciplin einengen und manchen bisherigen Freiheiten (oder Zügellosigkeiten) ein Ende machen werde; die Träume geistlicher Parlamente und Redekämpfe fangen an zu schwinden und die wirklichen und wahren Vorstellungen von dieser kirchlichen Institution mehr und mehr sich geltend zu machen. (Katholik.) Verlags -Inhaber: F. C. Kremer.