Preis in Augsburg für ffch allein (ohne A. Postzeitung)jährlich Ist. ISkr. Durch die Post kann dieses Wochenblatt nur von Abonnenten der Post- zeitung bezogen werden, und erhöht fich der Preis nach Verhältniß der Entfernung. Sonntags - Peiblatt zur Augsburger Poftzeitung. Für flch allein, ohne die Augsburger Postzeitung, find diese Blätter nur im Wege de« Buchhandels zu beziehe» und kosten in ganz Deutschland, der Schweiz u.s. w. jährlich nur L fl. LOkr. oder I Thlr Neunter Jahrgang. M 21. SV. Mai L84S. Daß Werk -er Sühmnrg. Rede vor dem Seelenamte für weiland Se. Excellenz deS k. k. Kriegsministers und FeldzeugmeisterS Theodor Grafen Baillet de Latour. Gehalten in der Pfarrkirche am Hof am 28. März 1849 von Dr. I. E. Veith. „Bis zum Tode streite für die Gerechtigkeit, und Gott wird streiten für dich," jEccl. 4, 33.) Wenn der Starke und Gewaffnete den Vorhof bewacht, so ist alles was er sein nennt, in Sicherheit. Kommt aber ein Stärkerer über ihn, so entreißt dieser ihm die Waffen und theilt die Beute auS. Diese Worte find so bekannt als ihre Deutung. Der Stärkere, der über den Starken gekommen, ihn gerichtet und hinausgestoßen, ist der Gerechte, Wahrhafte und Treue, der Gotteö Heiligkeit auf Erden verherrlicht hat. Wie erkämpfte er diesen Sieg'über Sünde und Tod? Durch seine Hingabe an den göttlichen Willen. Er überwand, indem er sich überwinden ließ; er brach den Stachel des Todes, indem er freiwillig den Tod auf sich nahm; sein Leiden war die Löhnung der Welt, sein Untergang der Aufgang der Wahrheit und des Lebens. Dafür, daß er seiner Herrlichkeit >ich entäußert, t^e) KnechtSgeftalt angenommen, und gehorsam worden nicht nur bis zum Tobe, sondern bis zum Sklavenlobe des Kreuzes, dafür hat Gott ihn erhöht, und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. Dieß sind die Worte, die in der PassionS- und Charwoche gleichsam die Parole der Kirche und der Gläubigen bilden. Die erhabene und wch- muthvolle Feier, die uns hier versammelt, darf unS wohl veranlassen, sie noch anderweitig anzuwenden. Lange genug haben wir mit Schmerz vor Augen gesehen, wie der Starke Gewaffnere den Borhof des glorreichen BölkerhAuseS bewachte, welches das HauS Oesterreich genannt wird. Wir haben seine Waffen kennen gelernt, womit er die Gemüther theils einschüchterte, theils bethörte, daß sie jauchzend unter seine blutige Fahne sich schaarten. ES ist aber ein Stärkerer über ihn gekommen, der seine Waffen zerbrach, und die Beute ihm auS den Zähnen riß. Er stritt für die Gerechtigkeit bis in den Tod, und Gott übernahm den Streit für ihn. Er siegte, indem er besiegt warb; er richtete daS wankende Gebäude wieder auf, indem er fiel; getreu seinem Gott, seinem Gewissen, seinem Kaiser und Baterlanbe, ist er gehorsam worden bis zum Tode, und zwar bis zum schimpflichen Tobe am Laterncnpfahl; dafür aber hat Gott ihn der- Herrlicht, also daß der Name Theodor Baillet de Latour im österreichischen Heere und Volke, unter allen christlichen Nationen, und in der Weltgeschichte leuchtet mit unverlöschlichem Glänze. Wie geschah es jedoch, baß er gerade durch seinen Tod die Mächte des Unheils bezwäng? Wie hat er dadurch, daß er dämonischem Grimm zum Opfer fiel, die Wiederkehr der gesetzlichen Freiheit vermittelt? Zar Auskunft darüber genügt ein einziges Wort, daS Siegel der Weltordnung bei allen heidnischen Völkern und noch mehr bei den Christen: daS Wort Sühnung oder Erpiation, über welches wir in dreifacher Beziehung uns verständigen wollen, und zwar nach seiner irdischen, nach seiner himmlischen Bedeutung und in seiner Anwendung auf die Zustände unserer Gegenwart. Die irdische oder rein dießseitige Bedeutung liegt unS nahe genug in der jüngsten Geschichte unserer Kaiserstadt. In diesem vielgerühmten Sitze der Treuherzigkeit und deS behaglichen Lebens war schon seit manchen Zähren Vieles faul geworden, und wo das AaS ist, versammeln fich die Geier. Bon hier aus, so war eS längst beschlossen, sollte der österreichische Kaiserstaat zertrümmert, die Fürstenhäuser Europas gestürzt, die neuen fabelhaften Reiche eines Mazzini, Ledru-Rollin, Kossuch, Hecker und MieroölavSky auf Schutt und Blut erbaut, daS Christenthum und die Kirche sammt aller Herrschaft göttlicher' Gesetze vernichtet werben. Der Wissenden und Eingeweihten waren wenige, der Getäuschten viele, fanati- sche Werkzeuge fanden sich. in- hinlänglicher Zahl; die Bestechung floß auS reicher Quelle, die Blendwerke waren zauberisch. Auf den Wegen des Verderbens geht eö rasch, mit der beschleunigten Geschwindigkeit deS Falles; so war in wenigen Monaten die Bethörung und Zerrüttung allgemein geworben, und es erfüllte sich der AuSspruch des berühmten Bayard, des Ritters ohne Furcht und Tadel: daß nichts gefährlicher sey, als Kühnheit und Macht mit der Unwissenheit im Bunde. In Mitten dieser tollkühnen Unwissenheit, umgeben von einer oft bis zur Berserker-Wuth aufgereizten Menge, und gegenüber einer Volksvertretung, in welcher die heillose Richtung überwiegend geworden, stand wie ein Fels in der Brandung, in unerschrockener Ruhe und heiterer Festigkeit, der Mann, von dem der Held von Custozza und Novara feierlich bezeugt: daß er ihm vor Allen seine herrlichen Siege verdanke.*-) Als ein Vater des Heereö, als ein Hort deS Thrones, als Vorfechter der Freiheit und des Gesetzes war er rastlos mit der schweren Aufgabe beschäftigt, die Mittel vorzubereiten, durch die allein cS möglich war, um im Osten und Süden so wie im Centrum deS Reiches dem Recht und der Ordnung den Sieg zu erringen. Die Führer und Handlanger der Zerstörung hatten dieß auch bald erlauert; die Klapperschlangen und Vipern der Tageblätter sprudelten gegen ihn ihr schärfstes Gift; die Worthelden der Linken erhoben gegen ihn ihr Wolfögeheul; immer drohender zog der Sturm heran. Stand eS nicht bei ihm, dem angeblichen Volköwillen zu weichen, seinen Rücktritt zu erklären, ober wohl gar, nach dem Rathe der Feigheit, mit den Wölfen zu heulen? Aber mit derselben Tapferkeit, womit der Krieger, der den Oberbefehl führt, überall wo eö darauf ankommt, an der Spitze seines HeereS in die offene Schlacht zieht, stand und stritt auch der greise Feldherr auf seinem sogenannten FrievenSposten, bis die Zeit deS Frevels hereinbrach, ähnlich jener, die der Herr alö die Stunde der Böswilligen, als die Macht der Finsterniß bezeichnet hat. Um daS schändliche JudaSgeld von dreißig Sil- berlingen verkauft,**) von Gleißnern zugleich geschützt und verrathen, von Pöbelhaufen überfallen, die Stiegen herabgeschleppt, hin und her gestoßen, an den Haaren gezerrt, mit einem Schmiedehammer aufs ehrwürdige Haupt geschlagen, mit Spießen und Bajonttten durchbohrt, und an einem Eisengitter gedrosselt, ward er endlich auf den Platz hinaus geschleift, mit kannibalischem Höhne beschimpft, erhöht, und gemißhandelt; und mußte bann noch zahlreichen, mit dem Ehrcnrocke der Nationalgarde verkleideten Irokesen, EhiguitoS und Botukuden zur Zielscheibe dienen, an der sie als Schützen sich erprobten. Aber kaum war die lärmende Gräuelthat vollbracht, als schon die Schmach, die Furcht und der Schrecken mit bleiernen Schwingen über die Stadt sich lagerten; so daß wir gesehen haben, wie von Zeit zu Zeit Massen von vielen Tausenden, die um den Schauplatz deS Frevels sich gesammelt, in einem Nu auSeinanderstoben, bloß weil daS Geflüster sich verbreitete: man habe von ferne her den Wirbel einer Trommel vernommen. ES ist wohl für alle verhängnißvolle Zeiten gesagt: „Wer gerecht ist, rechtfertige sich noch mehr, und wer schadet, schade noch ferner, und wer schmutzig ist, werde noch schmutziger" (Offenb. 22, 11.) damit daS Maaß i Nach eigenen Worten des Herrn F. M. Nadetzky an daS Kriegsncknisteriuni: „Es sey hier vor Allem dankbar gefeiert der Name meines gemordete» Waffenbruders, ! des biedern Kriegsministers F. Z. M. Grafen Latour, der mir, wie Keiner , eine treue i Stütze war, der mir so edel half, die meinem Kaiser und Herrn hinterlistig geraubten Länder wieder unter seinen Scepter zurück zu führen rr." Mitgetheilt im III. Abschnitte der Kriegsbegebenheiten bei der kaiserl. österr. Armee in Italien. Mailand 1848. **) Das Biutgclo, das Einer jener Mörder empsangcn, betrug in der That 30fl. sich erfülle. Und so schien zwar damals der Unfug erst recht anzugehen. I Kaiser, und fanden daS volle Bewußtseyn ihrer Stellung wieder. Wie Wie aus einem siedenden Hexenkessel schäumte die Hefe dcS Pöbels herauf, i ehedem Rudolph, Herzog von Schwaben, der dem Kaiser Heinrich IV. um das arme bethörte Bürgcrthum zu übeifluthcn; dieses rohe Volk wurde > abtrünnig geworden, die Hand, die im Gefechte bei Merseburg ihm abge- von heuchlerischen Gesetzgebern geliebkost, von deutschen Afterweisen durch!hauen worden, mit der Linken in die Hohe hob und ausrief: dieß ist die prunkende Reden aufgebläht, und von ruchlosen Sechen und Schlachtizen meineige Hand, mit der ick meinem Kaiser und Herrn die Treue geschwo- zu einer kriegerischen Rotte geordnet. Aber ein Schrei deS Entsetzens unsren! so sind jetzt alle Soldaten der Armee von der Ueberzeugung durch- LcS Abscheues war bereits durch das ganze Heer gedrungen, das in seinem drungen, daß eS unendlich besser sey, die rechte Hand, ja das Leben zu obersten Lenker und Fürsorger, in dem hochverdienten General sich aufs verlieren als die geheiligte Ehre. Und waS kann größer und wichtiger schmerzlichste beleidigt und verhöhnt sah. Ueber die Werkführer der Anar- seyn in diesem Augenblick, wo eS gegen den Ruin deS Bürgerthums, gegen chie war daS Gericht besiegelt; die Rächer und Ordnunggebieter rückten chaS Geschäft, „daS im Finstern schleicht," gegen die brütenden Mächte der von allen Seiten heran, gefübrt von großmüthigen Feldherren, die, bei Zerstörung fast keine andere Schutzwehr gibt, als die moralische Kraft deS all ihrer bewundernSwerthen Langmut!) und Milde, von schöngeistigen Heeres? Flüchtlingenden Beinamen der.„Schrecklichen" hinnehmen mußten. Genug: In der That ist Niemand gründlicher mit dieser Wahrheit bekannt, in demselben Augenblicke, da der edle Graf unter den Streichen der Mör- als das Natterngezüchte der VolkSbeglücker; daher sie auch kein Mittel der sein irdisches Leben verhauchte, war Thron und Vaterland schon ge-^ unversucht ließen, um die Krieger auf Abwege zu verlocken, und mit dem rettet. Nachdem er für die Gerechtigkeit gestritten bis zum Tode, führte Netze ihrer ecklen Vertraulichkeit zu umgarnen. Diesen tückischen Unfug von jetzt an Gott den Streit für ihn. - - nannten sie Fraternisiren; dahin zielten auch ihre Feste der Verbrüderung. Denn darin eben beruht daS. Wesen der Erpiation, daß sie im Kreise Fraternität ist eine schöne und himmlische Tugend, die auch der Apostelsürst dcS irdischen Lebens nicht abgeschlossen ist, sondern in ein.unendlich höhe- empfiehlt, aber nicht schlechthin und ohne Beisatz. Denn seine Vorschrift res Gebiet hinauf reicht. Die göttliche WeltrMrung offenbart sich dadurch,' lautet: „Die Brüderlichkeit sollt ihr lieben, Gott sollt ihr fürchten, den daß sie der menschlichen Willensfreiheit ihren Spielraum und Tummelplatz König sollt ihr ehren." (1. Petr. 2 , 17 /) Soll eine Verbrüderung rühm- überläßt, bis mitten im zügellosen Trcihen eine^roße und edle That her- lich und heilsam seyn, so muß sie von jeder Richtung sich fern halten, die vorleuchtet; bis ein Gerechter bis zum Tode sich gdlreu erwiesen, und die- dem Gesetze Gottes und dem heiligen Rechte des Kaisers widerspricht. seS Opfer dann die Bethvrlen auS,.ihren Trälnnen weckt, die Irregeführten Und so führt unS dieser Gedanke zur dritten Beziehung der Erpiation: zu zur Besinnung bringt, so daß sie aus freiem Entschlüsse der Wahrheit und ihrer Anwendung auf unser öffentliches Leben. Warum soll nicht die herz- dcm Rechte wieder sich zuwenden. Wir werden nicht mit der Vorsehung lichste Freundschaft und Eintracht bestehen zwischen dem Soldaten und hadern, daß sie diese Wege erwählt, daß sie gleichsam müßig zusieht, bis ^Bürger? Gehören sie nicht einem und demselben Vaterlande, ehren und ein solches Opfer gefallen, und daS Leben deS Gerechten nicht beschützt, lieben sie nicht einen und den nämlichen konstitutionellen Kaiser, den Trä- Wer würde den Arzt, den Seelsorger achten, der, um seine leibliche Wohl- ger der Majestät? Geht nicht der Krieger auS dem Schooße des Volkes fahrt keiner Gefahr auszusetzen, vom Felde der Ehre, oder vom Kranken-hervor, und kehrt er nicht, wenn seine Dienstzeit vollendet, in dasselbe lager sich fern hielte? Je heldenmüthiger daö Opfer, desto besser ist es! zurück? Ist das Heer nicht das Bollwerk der heimischen Sicherheit, der verwahrt und aufgehoben; denn „die Seelen der Gerechten sind in Gottes Ruhm und die Ehre des Reiches? Oder sollten etwa die Völker Oester- Hand; die Augen der Thörichten sahen nur ihren Tod; sie selbst aber sind Deichs nicht stolz seyn dürfen auf so tapfere, humane, hochgebildete Feld- im Frieden." (Weish. 3, 1.) - Herren wie Radetzky-, Windischgrätz, Jellachich, Weiden, d'Äspre, Wall- Wir können hier an einen Mann auS ritterlicher Vorzeit unS erinnern: an Robert, Herzog der Normandie, den rüstigen Kämpfer gegen die Sarazenen. Als er sterbenskrank auf eine Sänfte sich legen ließ, um aus Bithynien (Kleinasien) nach Jerusalem getragen zu -werden, näherten sich ihm einige normännische Barone, die im Begriffe waren, nach der Heimath zu ziehen, und fragten: was befiehlst du, daß wir deiiml Völkern von dir moden, Schlick, Schwarzenberg, Heß, Schönhals und noch viele Andere? Sind diese ^Heroen nicht die Retter dcS Mittelstandes, deS BürgerthumS, des Sandmanns und seines Grundbesitzes? Und sollen nicht Alle freudig und einmüthig sich jchaaren um ihren trefflichen, ernsten, vom strengsten Pflichtgefühl beseelten, jugendlichen Kaiser? DaS Seelenamt, daS wir Heute für den Frieden deS Verewigten ausrichten? Der Herzog zeigte auf die Männer, .die bereit"standen, seine feiern, gibt von dieser Gesinnung Zeugniß. Es ist durch ehrenhafte patrio Sänfte zu tragen; lauter stämmige, athleusche Leute, aber von äußerst Mische Bürger veranstaltet,*) und die ausgezeichnetsten Tonkünstler aus häßlichem, abschreckendem und verwildertem Aussehen; dann sprach er, im!dem Civilstande haben freudig Hand und Stimme dazu dargeboten- Ob Gefühle seines nahen TodeS: Sagt meinen Normanen, daß ihr eS mit angesehen habt, wie der Herzog Robert von den Teufeln in den Himmel getragen wurde! — AehnlichcS können auch rpir von dem hochherzigen der Hingeschiedene Geist des biedern Streiters schon inS Reich der Herrlichkeit aufgenommen, ob er im Gegentheile der Erpiation noch bedürfe, die durch Vermittlung deS hochheiligen Opfers und unserer FKbitte ihm Grafen Lalour erzählen: wir haben zugesehen, wie er von Dämonen in Zugewendet wird, ist unS unbekannt; jedenfalls aber hat diese Feier die Menschengestalt in die himmlische Seligkeit gefökddrt wurde. Und wir sind Mebenbestimmung: ein Fest aufrichtiger Sühne und Versöhnung zu werden berechtigt zu dieser Zuversicht; denn er starb, , wie noch seine letzten Worte zwischen dem gesummten Krieger- und Bürgerstande. Möge die Gnade es bekräftigen, nicht bloß den Tod eines Helden, den keine Furcht erschüt- GotteS immer mächtiger die Widerstehenden bewegen, daß sie die Eitelkeit tert, sondern den Tod des Gerechten, ja eines Märtyrers; er fiel als Kämpfer und Zeuge für Wahrheit und Recht, für Gesetz und Sitte, oder, wie sein erhabener Freund Radetzky von ihm rühmt: als Muster und Vorbild edler Treue. Es ist aber die Verheißung deS Herrn: „Sey getreu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone deS Lebens reichen!" (Offenb. 2, 10.) Aber noch ein anderer Lohn ward ihm gewährt: die Frucht deS rei- und falsche Scham überwinden, und in die Reihen derjenigen eintreten, die für die wahrhafte Freiheit, für Recht und Ordnung einstehen. Möge eS den vereinten Kräften der Rechtlichen gelingen, wieder herzustellen, waS die Belialssöhne mit vereinten Kräften verwüstet haben! So viel aber ist sicher und gewiß: „Jede Bestechung und Ungerechtigkeit wird vertilgt werden, die Treue hingegen wird ewiglich bestehen. Trübsal und Angst über die Seele eines Jeglichen, der Böses thut; Herrchen Segens, den sein Opfer der irdischen Welt gebracht. Dieser Segen j lichkeit, Ehre und Friede Allen, die das Gute wirken." (Eccl. 40/ 12. gab sich gleich anfangs kund im Siege deS Lichtes. Diejenigen, die nurMöm. 2, 10.) Und wird nicht endlich daS Leben aller Menschen einem der Täuschung unterlegen, erschauderten, wie einst die Männer auf Gol-!KrigSdienste gleich geachtet? Ist eS nicht einem Jeden geboten: für die "" Gerechtigkeit zu streiten bis in den Tod? So mögen wir vom Apostel unö ermähnen lassen, daß wir als ehrenhafte Kämpfer uns erproben, die Treue bewahrend und ein gutes Gewissen, damit wir in jeder Drangsal und im letzten Augenblicke vertrauensvoll rufen können: Meine Stärke und mein Ruhm ist der Herr; und er ist mir zum Heile geworden! (1. Tim. 1, 18. Pfl 117, 14.) gotha, schlugen an ihr Herz und kehrten um. Viele der edleren Glieder der Legion und Nationalgardc entfernten sich für immer von dem jacobini- schen Gräuel. Sie hatten endlich das Scheusal der rothen socialen Republik erkannt; sie fühlten, baß all daS Gerede von Selbsthilfe und souveränem Volkswillen nur Trug sey, daß kein sophistischer Seifenschaum, er komme nun aus der Reitschule oder der Paulskirche, diese Makel zu tilgen vermöge, und besannen sich neuerdings auf die ewigen, von Gott gesetzten Grundlagen der geselligen Ordnung und Gesittung. Während dieß in der bürgerlichen Welt geschah, zeigte sich mächtiger noch die SegenSwirkung in allen Rangstufen und Reihen dcS HeereS. Der Verein für religiöse Freiheit in Frankreich an die Mitglieder des katholischen Vereines Deutschlands. In den Anrüchigen, Rostigen, Zweideutigen erwachte daS PflichttU, „ . das Schreiben, welches d-r katholische Verein Deutschlands bei Ehrgefühl mit neuer Kraft, um nie mehr einzuschlummern; die Jrregcführ-! denkwürdigen Versam mlung im October deS vorigen JahreS zu Mainz ^"'^W"nke"de>r kehrten von ganzem Herzen zu ihrer Standeöpflicht, Namentlich und vorzüglich durch den. als Herausgeber des „constituti-n-lleu Haus- zurück, suhlten sich begeistert für ihren einzig rechtmäßigen Oberherrn, den^Jörgel" in weiten Kreisen berühmten Herrn Rechnungsrath I. B. Weis. 83 an die ^8sooistion catlloliguo pour >3 libertö religieu56 in Paris zu versenden beschloß, ist von dort unterm 9. März d. I. nachfolgende Ant« Wort erfolgt: Hochgeehrte Herren und GlaubenSbrüder! Wir haben mit Freude die Adresse empfangen, mit welcher Sie uns bei Ihrer jüngst in Mainz gehaltenen Generalversammlung beehrt haben, und wir hätten gewünscht, Ihnen rascher die Freude und Erkenntlichkeit ausdrücken zu können, welche sie in unö erregt hat. Geschaart um den heiligen Stuhl, welcher jederzeit das Heiligthum der sittlichen Welt, der Herd aller Wahrheit auf Erden ist, und welcher hin- überragt über den Undank und daS Unglück in der Ehrfurcht der Nationen, trösten wir den erhabenen und hochherzigen Hohenpriester, welcher ihn ziert, durch den Anblick unserer brüderlichen Einigung. Und cS sollen selbst Jene, welche die Reinheit unseres Glaubens und die Aufrichtigkeit unserer Bestrebungen verkennen, nicht bloß von den Christen der Gegenwart sagen, wie von den Christen der Urkirche: Seht, wie sie sich lieben! sondern auch: Inmitten der Umstürze dieses schmählichen und verhängnißvollen Jahres, Sehet, wie sie glaubenl Sehet, wie sie hoffen auf Gott, auf die Kirche, welches mit der Knechtung der katholischen Kantone der Schweiz begonnen auf die Zukunft! und mit der Verbannung Pms IX. ge,chlofsen, stieg ein neues Licht für Genehmige» Sie, meine Herren, die Versicherung der Gefühle voll« uns auf, ein unverhoffter Trost ward unS gewährt. Die Emancipation kommener Sympathie und unwandelbarer Anhänglichkeit, mit welchen wir der katholischen Kirche in Deutschland hat wieder einmal der Well den freudig unS nennen Ihre hochachtungSvolleu Brüder im Glauben. Beweis geliefert, daß Gott seine Gläubigen nur erniedrigt, um sie zu. Der Präsident deS Ausschusses: Eh. v. Montalembcrt. Der erhöhen, und daß menschliche Weisheit an irgend einer Stelle^Nicepräsident: Vatimesnil. Der Schriftführer: Heinrich v. Riancey. zu kurz kommt. Die Bedrängnisse der Kirche in Ihrem Vaterlande hatten schon seit - langer Zeit unsere Sympathieen erregt. Wir seufzten über diese tiefe Knechtschaft, in welche der unsinnige Druck der Menschen und das Unheil Ans einem Wanberbuche. der Zeiten sie gestoßen. Aber welche Quelle der Hoffnung finden wir nicht Bon I)e Alban Stnl, fortan in der Bildung eines solchen Vereins, wie deö Ihrigen, in dieser i hochherzigen Begeisterung, welche die Katholiken Deutschlands in einer Zeit, wo alle staatlichen Institutionen entnervt oder. entehrt erscheinen, drängt, das Recht der VereinSbildung zu benützen, um. die Rechte, die Würde, die Unabhängigkeit der Kirche zu fordern und um durch ihren Muth die Widerherstellung ihrer alten Glorie vorzubereiten! Sie haben, meine Herren, sonach eingesehen: der Irrthum hat keine anderen Kräfte, als die Frechheit seiner Stützen und die Schwäche der Freunde der Wahrheit. Wir, die wir die Wahrheit lieben, lernen ihr dienen, ohne an ihrem Triumph zu zweifeln. Die Wahrheit entbehrt nicht der Waffen, sie entbehrt nur der Krieger. Zu Constanz ging eS auf den See. Gegen Abend erschloß sich eine ganz wunderbare Schönheit der Fernsicht. Der See und der Himmel hatten die TirolerIlpen zwischen sich genommen, und hatten sie mtt Hilfe deS abendländischen Septembersoiinenscheines sich selber assimilirt, daß sie gebaut schienen auS weißem Wasser, blauem Himmel und lichtem Schein. ES war so schön, so unsäglich schön, wie kaum der schönste Traum die Seele umschwärmt; cS schien der Himmel einen Augenblick sich herabgesenkt zu haben, und da zu ruhen, voll Silber und Luftäther und unendlicher Zartheit; die Natur schien ein süßes Kind geworden zu seyn, und holdseligst zu lächeln. — Du schöner Gott, der Du dieß schaffst und unS zeigst, Allerdings jollcn wir durch friedliche Bemühungen, durch eine strenge denn nicht Deine schöne Natur selbst, wie die Königin Saba, gegen Ehrfurcht vor der Gesetzlichkeit, laugiam zu unserem geheiligten Ziel getan-aufstehe» und sagen: warum seyd ihr so zwieträchtig und häßlich, da gen, ohne irgend etwas von jenen aufrührerischen und anarchischen Wüh-^H ^ so schön und mild bin, und ihr dvch einen unsterblichen Geist in lereicn zu eiulehnen, von denen minder heilige Strebungen einen Gebrauch tragt - den' ihr der Wahrheit nicht ausschließen wollet, machen, welcher zu ihrer ttnehre ausfällt. /r-, .. Ich blieb in Landet über Nacht und fuhr morgens um 4 Uhr mit Die Rechte der Obrigkeit, immer geheiligt in den Augen der Christen,! Stellwagen ab. Es saßen zwei Mannspersonen darin, das Gespräch muffen eö mehr als je in unsern Tagen, in diesen Zeiten allgemeiner^^ algtzcckd angezettelt. Der eine war ein Mensch von 24 bis 20 Jah- Verirrung und zügellosen Hochmuths seyn. Allein unsere Unterwürfigkeit welcher früher in einer Fabrik zu Innsbruck gearbeitet hatte, als unter die Gesetze, unsere gerechte Demuth vor den von Gott geordneten HirnA oebürtig. ^ laö manche katholische Bücher, kam Gewalten, schwächt in Nichts die kräftige Hingebung unserer Seelen an GejsUjckM in Umgang, und wurde endlich katholich. Später wurde die Rechte der Wahrheit. Es bedarf bei der Eriinguug dieser Rechte einer ^ von Geistlichen aufgefordert und unterstützt, daß er jetzt bei den Jesui- Ctandhaftigkeit und eines Eifers, welche der Verein Pflegt, und welche ohne ihn vergehen. Wenn jede Eiuung eine Kraft ist, so ist sie cS vor Allem dann, wenn Glaube, Liebe und Hoffnung die Einung bilden. Sie haben es begriffen, meine Herren, indem Sie zusammentraten von der Nordsee bis an die Alpen, von Ungarn bis an den Rhein, alö eine Legion freiwilliger Vertheidiger der Religion und der Freiheit. Sie ten studirt, um Priester zu werden; er ist aber erst in der vierten Classe. Er redete viel von der Vortrefflichkeit der Jesuiten und wie daS arg sey, daß die Geistlichen im Badischen, wie er schon gehört habe, — lange Hosen tragen. Ich erzählte ihm hernach von dem vortrefflichen Stande deS Christenthums in Westfalen, Und von der großen Verkommenheit in Frankreich, während sich Loch hier die Priester höchst orthodox tragen und anerkennen willig, daß die Katholiken Frankreichs Ihnen den Weg gezeigt; nicht, eS müsse sonach auf die Hosen nicht ankommen. — Von Zürich aber wir müssen unsererseits es bekennen, Laß Sie mit dem ersten Schutt. er mir, daß die Schullehrer Straußianer seyen, und selbst den uns ganz weit hinter sich gelassen. Fortan erübrigt unS Nichts, als Sie! Schulkindern absichtlich den Unglauben an die Gottheit Christi lehren; auch nachzuahmen und zu beneiden. ' seyen die Kirchen am Sonntag fast leer. UebrigenS wollen Sie, indem Sie unS mit Beziehungen beehren, Der andere war ein Landrichter, noch ein junger Mann, welcher Leren ganzen Werth wir erkennen, Ihre Sendung und die unsrige erwei- s^e Frau abholen wollte. Er war religiös und gläubiger Katholik, hatte lern. Sie erkennen es, für den Glauben besteht keine Gränzmarke und die Kirche ist daS gemeinsame Vaterland der Seelen. Sie wollen, daß Ihr Verein, erwachsen unter dem Schirm der Kirche, etwas von ihrer weltumspannenden Größe annehmen soll. Wir theilen Ihre Gesinnungen. Ein Tag wird kommen — und möge es ein naher seyn — wo von allen Enden der katholischen Welt Brüder im Glauben zu einem allgemeinen Congreß zum Zweck der Vertheidigung der religiösen Freiheit zusammentreten werten, welche in allen Landen dieselben Gefahren läuft, und sich nur durch dieselbe Wirksamkeit retten kann. Wenn dieser Tag kommen wird, dann wird es nicht mehr weit bis zu jenem noch schönern seyn, wo wir werden obgesiegt haben, und wo die Religion, frei, geeinigt und verehret, ihr Segenswaltcn wird entwickeln können, wo JesuS Christus, als ewiger Zeuge so vieler Wechsel, als ewiger Vergüter so vieler Fehle, wird angenommen seyn von allen Völkern als ihr Heil, von allen Regierungen als ihre Stütze, von der ganzen Welt als ihr geistiger Herrscher. Harren wir fest entgegen diesem herrlichen Tag! Die Hoffnung, vor Allem inmitten dieser Tage der Niedergeschlagenheit und Verwirrung, die Hoffnung stehr den Christen wohl an. Sie war immer für sie die Hälfte deö Siegs. Aber die Einigung allein kann so wünschenSwerthe Geschicke erzielen. selbst als Vorstecknadel ein goldenes Crucifir, aber durchaus nicht bigott. ES machte ihm, wie es schien, Freude, mir recht viel von österreichischen Verhältnissen zu erzählen; ich durfte nur einen Gegenstand anfangen, so sprach er darüber ausführlich fort und ich brauchte nur zuzuhören, wie man an einer Spieluhr daS gewünschte Stück bloß durch einmaliges Drücken beginnen und vollenden macht. Unter andern erzählte er: In Vorarlberg ist die gewöhnliche Nahrung der Bauern: Kaffee ohne Zucker, wozu aber kein Brod, sondern gesottene oder mehr noch geröstete Kartoffeln gegessen wrrden. Da speise man im Tag einige Male. Im italienischen Tirol hingegen esse man ausgelassenen Butter oder anderes Fett, nicht selten ohne Brod und AlleS; nur werde rother Wein dazu getrunken, welcher nähre, und wovon der Mann im Tag etwa eine Maaß trinke. Er sey dort in den Buschwirthschaften so wohlfeil, Laß man den Seidel um zwei Kreuzer, selbst um Einen trinke. Im Unterinnthal sey eS in geschlechtlicher Beziehung schlimm. Am wenigsten kämen derlei Vergehungen im italienischen Tirol vor, die Geistlichen seyen sehr wachsam und eifrig entgegen; übrigens sey auch der Menschenschlag im italienischen Tirol viel unansehnlicher als im Deutschen; dafür verführten sie beim Reden ein desto Ursprünglich nicht für die Veröffentlichung geschrieben. D. R. 84 lauteres und hitzigeres Geschrei. — In den höchsten Alpen seyen Dörflein, wo die Leute von Viehzucht leben; manchmal schneien sie ganz ein; in einem vorigen Winter, wo der Schnee lang und tief über den Häusern dort gelegen seyn, habe ein Pfarrer einen Gang zur Kirche unrer dem Schnee gemacht, allmälig alle Kirchenstühle geholt und verbrannt, und zuletzt auch seine Kuh geschlachtet und gegessen, weil ihm Holz und Nahrung ausgegangen waren. Allmälig wurde eö Heller und wir konnten wegen der fortwährenden Steige auSsteigen und gehen. Die Gegend ist groß unv schon; Fels und frisches Wasser geben Farbe und Leben. Als eS höher ging, sah ich ein Mädchen von etwa 11 oder 12 Jahren auf einem kleinen, zweirävrigen Wäglein mit Anstrengung und ziemlich rasch den Berg hinaufziehen. Das gezogene Mädchen schien ernstlich kiank, und hatte wahrscheinlich zur Stärkung einen halben Seidel rothen Wein in der Hand. Ich vermuthe, daß das arme Kind zum Arzt gefahren worden sey, oder waS noch trauriger wäre und wegen des eigenen BaueS der Fuhre und der offenbaren Geübtheit der größeren Schwester nicht unwahrscheinlich ist, daß eS lahm oder auszehrend ist, und so zuweilen zu Bekannten geführt wird. Hier dient Gesundheit und Kraft der Krankheit und Schwäche — und das scheint im Himmel und auf Erden, im Geistigen und Materiellen so seyn zu sollen; der Schutzengel geht dem Kinde und Sünder nach; und wer sich im Bedientseyn behagt, wo eS anders seyn könnte, der behagt sich in der Schwäche und Nichtigkeit. WaS aber die Fuhrwerke betrifft, so sah ich ganz eigenthümliche, z. B> eine Frau am Wagen und als Vorspann eine Kuh, dann einen Mann angespannt und vorne daran einen Esel; eS ist nur bis es der Blick verdaut hat zur Gewöhnung, dann macht es kein Ausstößen mehr. Weiter oben am Adlerberg kam eS allmälig an den Stationen, etwa wie man die spanischen Herbergen beschreibt, alles mögliche Volk unter einander familiär, oben darauf aber die Fuhrleute. Endlich kamen wir nach Stuben, daS Hospice des AdlerbergeS. DaS erste war die große Hausflur; eS hing eine srischgeschossene Gemse da. Wir bekamen, eS war Quatcmbermitlwoch, lauter Fastenspeisen und in namhafter Mannigfaltigkeit; und so ist es recht, daß der Wirth seinen Glauben und die Treue seiner Kirche höher häll, als daS Gelüst deS GastcS und die paar Kreuzer seines Beutels. DaS ist Charakter, katholischer Charakter, wie ihn vielleicht nur Tirol zeigt. Ich sah auf dem Tische eine kleine Broschüre liegen, abgegriffen.und umgeschlagen, so daß nur daS Innere zu seyen war; es fiel mir von selbst ein es werde eine Kalendcrschrift von mir seyn. Als ich nachsah, war eS so. Tausende wären vielleicht darüber höchlichst geschmeichelt und entzückt gewesen, mir hauchte sich nur leise und vorübergehend eine kleine Freude über die Seele hin, wie ein geringer Windstoß Abends über die ruhige See geringe Wellen kräuselt. Warum sollte ich eS mir auch als Verdienst anrechnen, wenn eS Gott beliebte, gerade mich als Feder und Dinte zu brauchen, um vielen Christen einen Brief und Mahnschreiber zuzuwenden? Da siel eS mir dann auch ein, welche Bedeutung oder vielmehr Unbedeutendheit eS mit dem Namen habe, wenn Jemand ein namhaftes Werk producirt hat. DaS Volk fragt in der Regel bei der vortrefflichsten Schrift, von welcher eS ganz erbaut ist, selten oder nie nach dem Verfasser; und fragt mit Recht nicht darnach. Denn ist eS etwas Herrliches, so ist eS nickt Menschengemächt, sondern von Gott gegeben, und eS tragt seine Herrlichkeit in sich und auS Gott. Wer wird auch die Wurzel und den Grund und Mist aufgraben wollen, wenn er einen herrlichen Baum sieht, um zu sehen, woraus er Saft gesogen hat — man schaut lieber ihn an und denkt eher noch an den schönen Himmel, unter dem'er gediehen ist. Man weiß kaum, wer die ewige Jliade geschrieben hat, wer die herrlichsten Münster gebaut hat, und die größten Maler verschmähten eS, ihre Namen auf ihre Meisterstücke zu schreiben; sie wollten nicht ihre Namen geben, sondern ihr Product. (W.K.Z.) Kirchliche Mittheilungen. Wien, 9. Mai. Die versammelten Bischöfe des KaiserstaatcS haben eine eben so wichtige als schwierige Aufgabe zu lösen. Der JvsephiniSmuS und die Bureaukratie haben die Kirche so umsponnen und umwickelt, daß der Kirche selber Gefahr zugehen kann, wenn man sich daran macht, sie von der Schlingpflanze loszubriugen. Besonders schlimm sieht eS um daS Materielle der Kirche, um ihr Vermögen, auS. Jetzt, wo man der Kirche die freie Verwaltung ihres Vermögens zurückgeben sollte, rückt man erst damit heraus, daß sehr wenig vorhanden sev, während man allgemein glaubte, daß der Religionsfonv hinlänglich kräftig sey. Man halte nie offen aufgezeigt, wie groß daS Capital sey, auch hatte Niemand Einsicht verlangt, wie man mit demselben gebahre. Jetzt erst wird offenkundig, daß dasselbe kür die zwei großen Diäresen Wien und St. Pickten, jede mit fast 500 Pfarreien und circa 1400 Priestern, nur 11 Mill. betrage unv zwar in StaalSpapieren, die so zweibeinigen Werthes sind, und deren viele noch dazu erst ihrer Verlosung entgegenharren müssen, bis sie ihren Nenuwerlh erreichen. Für die nicht verlosten hatte zwar der vormärzliche Finanzminister Kübeck der Kirche bereirS verloste Obligationen gegeben; doch wird der Kirche die freie Verwaltung ihres Vermögens zurückgegeben unv fordert dann der Staat auch seine verlosten Obligationen wieder, so kann die Kirche mit ihren unnerloSten nicht einmal die ganz gewöhnlichen Bedürfnisse decken, weil sie von diesen letztem Papieren statt 5"/g C.-M.; nur 2'°/2o in W. W. bezieht, mithin Eins von Hundert, denn daS Verhältniß der Conventioiismünze zur Wiener Währung ist gleich 1 zu 2'/?. Eben so schwierig wird es bei der Ehegesetzgebung seyn, Staat und Kirche in Einklang zu bringen. Nicht einmal Dispensengesuche wurden gerne gesehen. Am schwierigsten aber wird das Verhältniß von Kirche und Schule zu behandeln seyn. Die letzte will in der Mehrzahl ihrer Vertreter Emancipation, während doch die Mehrzahl dieser Mehrzahl diesen Zustand kaum kennt. Denn unsere Sckullehrer in Oesterreich wissen wohl lesen, schreiben, rechnen und etwa noch Musik und Singen zu lehren, weiter hinaus aher geht die Fähigkeit nur bei äußerst und außerordentlich Wenigen. Woher sollte sie auch kommen? Ein paar Jahre Praxis bei einem eben so gebildeten Schullehrer, bei welchem der Lehramtscandidat häufig zugleich Stiefelputzer unv KindSwärter ist, und ein Lehrcurs von einem halben Jahre an einer pädagogischen Vorbereitungsschule ist die ganze Bildung, die bisher ein Schullehrer in Oesterreich empfing. Sind nun solche Leute reif für das, was sie wünschen? Kann, soll, darf man unter solchen Umständen die Schule emancipiren? Liegt eS nicht im Interesse der Schule und ihrer Repräsentanten selber, daß ihr unv ihnen die Kirche eine Mutter und Führen« sey? — Ein ergötzlicher Fall kam bezüglich dieser Angelegenheit erst kürzlich vor. Im Viertel Untcr-ManhartS- bergc hatten die Schullehrer wiederholt um Emancipirung von der Kirche und Befreiung vom Drucke der Geistlichkeit peiitionirt unv sogar die Gemeinden zur Hilfe aufgerufen. Vornehmlich hatte Lehrer R ... zu S .... sich als einen der Begeistertsten für diese Freiheit geberdei und bethätigt. Da erledigte sich der Schuldienst zu E.. bei Wien, der ziemlich einträglich ist und Hrn. R. annehmbar schien. FlugS begab er sich zum geistlichen Patrone, um sein Gesuch zu überreichen, und um Berücksichtigung desselben zu bitten, was im Falle der Möglichkeit der geistliche Patron auch versprach. Die Gemeinde zu E. aber, die den Hrn. R. als einen unge- berdigen Schreier und schlechten Pflichterfüller kannte, protestirte beim geistlichen Patrone gegen Hrn. R. und der Patron machte ihm sonach dieses zu wissen. Da wurde aber von Seiten des Hrn. R. auf daS Kräftigste remonstrirt, daß die Gemeinden in Schulangelegenheitcn nichts darein zu reden haben, daß ja die Geistlichen die Leiter der Schulen seyen. „Ja, Hr. R-," entgegnete ihm der Patron, „früher konnten wir für den einen oder andern würdigen Lehrer recht leicht etwas thun; nun aber sind von den Herren Lehrern selber die Gemeinden aufgerufen worden, und haben nun diese gegen den einen oder andern der Herrn Lehrer eine Einwendung zu machen, so liegt eS nicht mehr in unserer Macht, sie zu umgehen." Und der Hr. R. mußte unverrichteter Sache abziehen. (Rh. V. H.) PiuSvereine. Frankfurt, im April. Hofrath vr. Büß hat hier eine neue Zeitschrift für die katholischeil Vereine gegründet, „der katholische Ver- einSbote für daS deutsche Reich." Dieses Blatt soll enthalten: 1. Die Besprechung der Aufgaben der katholischen Vereine Deutschlands, sowohl der bleibenden, als der nach den Wendungen der Zeit wechselnden, der allgemeinen und der örtlichen; 2. Kunde von den Leistungen deS Gesammt- vereinö und der einzelnen Landes- und OrtSvereine; 3. Nachrichten über die Verbreitung der katholischen Vereine; 4. Mittheilungen über die Leistungen der katholischen Vereine in andern europäischen Staaten; 5. Anträge auf Aenderungen der Satzungen; 6. Warnungen über unzulässige Strebungen katholischer Vereine; 7. Aufruf zu öffentlichen Kundgebungen und Handlungen der Vereine; 8. Aufforderungen zur Uebung christlicher Mildthätigkeit für leidende Glaubenöbrüder; und wird wöchentlich zweimal erscheinen. (Mimst. SonntagSbl.) Verantwortlicher Redacteur; L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.